| Notizen |
- Johann Theodor ist identisch mit Johann Dietrich. Die Namen Dietrich und Theodor werden oft gleichwertig verwendet. (Frank Heidermanns)
1693 wurde die Hof-Apotheke (Heidelberg)von der französischen Besatzung geplündert und niedergebrannt. Die Existenz der Hof-Apotheke schien endgültig vernichtet.
1694 ging auf Bitten DANIEL NEBELS/ACHILLES II. (1664-1733) das Privileg an den Apotheker JOHANN BERNHARD HOFSTATT, den Bruder von JOHANN DIETRICH HOFSTATT über.
1727 starb HOFSTATT und seine Erben einigten sich, die Apotheke JOHANN CHRISTIAN WALSDORF zu übergeben. Dieser hatte bereits 1716 das jüngste Kind von JOHANN DIETRICH HOFSTATT, CHRISTINA KATHARINA geheiratet und leitete die Hof-Apotheke wohl schon zu Lebzeiten seines Schwiegervaters.
Geschichte der Heidelberger Apotheken
Heidelberger Geschichtsverein:
Mai 1693: das Universitätsarchiv wird über die Stationen Hanau und Frankfurt nach Marburg gebracht (1697 durch den Stadtphysicus und Leibarzt des Landgrafen von Hessen-Kassel, Dr. DANIEL NEBEL und CROLLIUS zurückgebracht).
19.-24. Mai 1693: Bei einer zweiten Eroberung wird Heidelberg von den Franzosen unter Marschall de LORGE (GUY ALDONCE DE DURFORT, duc de Lorges et de Quantin, 1638-1702) willkürlich niedergebrannt und größtenteils unbewohnbar gemacht.
Festungskommandant Generalfeldmarschalleutnant GEORG EBERHARD VON HEYDERSDORF zieht sich mit seiner Mannschaft und einem Teil der Einwohner auf das Schloß zurück, wo er schließlich kapituliert. (Heydersdorff wird 1693? wegen feigen Verhaltens zum Tode verurteilt, durch kaiserlichen Gnadenakt in lebenslängliche Verbannung umgewandelt). Die Stadtbefestigung wird stark beschädigt. Die Bewohner werden aus Heidelberg vertrieben.
Die drei Seitenkapellen am Nordrand der Heiliggeistkirche werden zerstört. Sämtliche universitären Einrichtungen (außer dem Archiv), darunter die Bibliothek, fallen den Zerstörungen zum Opfer. Außer dem „Ritter St. Georg“ bleiben halbe Straßenzüge (z.B. die Ziegelgasse) stehen, zumindest das Mauerwerk bis Erdgeschoßhöhe. Erhalten bleiben u.a. die Fachwerkhäuser Ziegelgasse 6, Haus Ecke Heiliggeiststraße/Semmelsgasse, Gasthaus zum Goldenen Anker (Untere Neckarstraße/Karpfengasse), Fischergasse 11, Untere Straße 4. Die (1689 errichtete) Schiffsbrücke über den Neckar wird zerstört (1702 neu gebaut, 1708 abgebaut). Der Lehrbetrieb an der Universität ruht bis 1703.
27. Mai 1693: der französische König Ludwig XIV. läßt eine Gedenkmünze mit der Umschrift „Heidelberga deleta“ prägen http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/hd/km/kdm/07/01a.htm http://www.landeskunde-online.de/rhein/hd/km/kdm/07/01b.htm (Medaille auf die Zerstörung Heidelbergs)
6. September 1693: das französische Zerstörungskommando sprengt das Schloß teilweise mit Hilfe von 38 Minen und zieht mit Ausrüstung und Beute aus Heidelberg ab.
November 1693: In Heidelberg leben 153 Familien (238? Personen), vorwiegend zurückgekehrte arme Weingärtner, Fischer, Handwerker und ihre Angehörigen.
14. September 1696: Kurfürst JOHANN WILHELM ordnet die Neuvermessung und den Wiederaufbau Heidelbergs an, das er wieder zur Hauptresidenz des kurpfälzischen Territoriums machen will. Der Wiederaufbau der stark zerstörten Stadt soll aufgrund von Plänen des Architekten Domenico Martinelli aus Lucca (1650-1718) regelhaft erfolgen.
1696: Apotheker JOHANNES DIETRICH HOFSTATT aus Hanau baut die 1693 zerstörte Hofapotheke (Hauptstraße/Apothekergasse) wieder auf.
1697: Das Heidelberger Universitätsarchiv wird von den Prof. Dr. DANIEL NEBEL und CROLLIUS aus Marburg zurückgebracht.
Abstammung nur vermutet. Urkunde vom 10.5.1695: Kurfürst JOHANN WILHELM genehmigt, daß DANIEL NEBEL den Hausplatz (in Heidelberg), wo das von Kurpfalz zu Lehen gehende Steinhaus stand, welches bei Zerstörung der Stadt abbrannte, an JOHANN DIETRICH HOFSTATT verkaufe (Generallandesarchiv Karlsruhe, Sign. 43 Nr. 2497). Arzt und Apotheker in Neu-Hanau.
Urkunde vom 19.9.1696: Erblehenrevers des JOHANN DIETRICH HOFSTATT, Med. Dr. und kurpfälzischer Rath, gegen Kurfürst JOHANN WILHELM von der Pfalz (1658-1716) Wittelsbacher, wegen des von DANIEL NEBEL (1664 - 1733), Med. Dr. und Professor in Marburg, erkauften Platzes zu Heidelberg, worauf das abgebrannte Erblehenhaus (das Viztums Haus) gestanden und wohin er nunmehr wieder ein Haus zu bauen und eine Apotheke zu errichten (Generallandesarchiv Karlsruhe, Sign. 43 Nr. 2498).
Baut die Hofapotheke in Heidelberg wieder auf (1696). Kurpfälz. Rat und Hofmedicus in Heidelberg (1701, 1716). Pate in Heidelberg (Heiliggeistkirche) am 8.4.1705 mit Ehefrau bei einem Enkel.
Der Lehrbrief wurde in Heidelberg von seinem Bruder Johann Bernhard Hofstatt (1646 - 1708) ausgestellt für Christian Burkhard Heyles (1652-1721) und unterzeichnet von Jacob Israel (1621-1674)
Die Heidelberger Hof-Apotheke war im 17. Jahrhundert ein kurpfälzisches Lehen und wurde seit 1662 von Conrad Daniel Nebel (1632-1672) geführt. Als dieser starb war sein Sohn und Lehensnachfolger Daniel Nebel (1664-1733) - später Mediziner und kurfürstlicher Leibarzt - noch unmündig. Der Düsseldorfer Apotheker Johann Bernhard Hoffstatt pachtete die Hof-Apotheke und leitete sie als "Chur Pfaltz Hoff Apotecker in Churfürstlicher Haupt und Residentz Statt Heydelberg" bis zur Zerstörung der Stadt im Jahre 1693. Dieser Lehrbrief aus dem Jahr 1673 bescheinigt dem Empfänger Christan Burkhard Heyles aus Bacharach, eine vierjährige Lehrzeit in der Hof-Apotheke absolviert zu haben. Begonnen hatte er die Lehre bei Hofapotheker Nebel. Das Zeugnis wurde beglaubigt durch die Unterschriften von Jacob Israel, Rektor der Universität Heidelberg, Friedrich Christian Winkler und Hoffstatt selbst. Der Heidelberger Lehrbrief besticht durch seinen künstlerischen Gesamteindruck, der neben der Auszeichnungsschrift der Urkunde eine besondere Gewichtigkeit verleiht.
..den Willen verheiratet, hatte den Apothekerberuf an den Nagel gehängt und saß als Kaiserl. Leutnant in Silberberg in Schlesien (Wo leider nichts über ihn zu erfahren war, da die Silberberger Kirchenbücher 1807 bei der Belagerung verbrannt sind.) Seine Kinder wurden allerdings z.T. in Hanau getauft. Im Testamen von 1716 enterbte ihn sein Vater. Der Sohn war im Begriff, "der Fortuna in Ungarn nachzuziehen"; er übertrug sämmtliche Rechte des Erbgsngs und für den Fall seines Todes die Vormundschaft über seine Kinder, die mit seiner Frau in Silberberg sich aufhielten, seinem "vielgeliebten Schwager" Dr. Faber in Heideelberg. Er selbst scheint im Krieg geblieben zu sein, denn 1728 ist sein Erbrecht erloschen.
aus Geschichte der Heidelberger Hofapotheke von Walter Donat, 1912
Generallandesarchiv Karlsruhe 43 Nr. 2498 Archivalieneinheit
Pfalz / 1173-1828
Spezialia badischer Orte
Heidelberg, Stadt 1696 September 19
Dr. med. Johann Dietrich Hofstatt, kurpfälzischer Rat, reversiert gegenüber Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz wegen des von Dr. med. Daniel Nebel, Professor zu Marburg, an ihn verkauften Platzes zu Heidelberg, auf dem das abgebrannte Erblehnhaus (des Vicedoms Haus) stand und auf dem er nunmehr wieder ein Haus zu bauen und eine Apotheke zu errichten beabsichtigt; dieses Haus wird er von Kurpfalz zu Erblehen empfangen. / 19. September 1696
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1801450
Mediaguide Schloss Philippsruhe in Hanau
Der Theriak war ein seit der Antike immer weiter entwickeltes Universalheilmittel. Es enthielt mit bis zu 190 Zutaten beinahe alle im 17. Jahrhundert bekannten Arzneistoffe, darunter auch kuriose, wie z.B. Schlangenfleisch, Korallen, menschliche Hirnschalen oder Goldstaub. Der Theriak war von der Konsistenz her ein dicker Brei, ähnlich wie Pflaumenmus. Als Zentrum der Produktion galt Venedig. Seit 1595 wurde die Herstellung des Universalheilmittels hier als öffentliches Spektakel unter herrschaftlicher Aufsicht begangen.
Auch der Hanauer Apotheker Johann Heinrich Hof(f)stadt stellte den Theriak her. Zudem hatte er das Buch „Panacea Coelestis/Himmlischer Theriak“ publiziert. Darin sind die Zutaten verzeichnet und Wirkungen des Wundermittels beschrieben: Gegen Abfall des Gedächtnisses bis hin zu Zahnschmerz. Mit diesem Gemälde machte Hoffstadt in seiner Apotheke „Zum goldenen Schwan“ (ab 1677) am Neustädter Markt Werbung für den Theriak. Lassen Sie uns das Gemälde im Detail erkunden.
Das Gemälde stammt aus dem Jahr 1693, der Maler ist bisher nicht bekannt. Dargestellt sind insbesondere die Zutaten des Theriaks, Arbeitsgeräte für dessen Herstellung (z.B. Waagen, Mörser, Destilliergeräte) und Symbol-Gegenstände. Auffällig ist der Schachbrettboden. Er vermittelt einerseits einen räumlichen Eindruck. Denn Wände fehlen. Zum anderen wurde der Schachbrettboden seit der Antike gern für die Darstellung von Perspektive verwendet.
In der Bildmitte ist eine Überschrift zu erkennen. Übersetzt steht hier: „Herstellung des himmlischen Theriaks von Herrn Johann Dietrich Hoffstadt Doktor der Medizin, Pfälzischer Rat, Hofarzt, 1693“.
Im Hintergrund ist ein kleines Gehege mit Schafen und einem Schäfer/Hirten zu erkennen. Der
„Gute Hirte“ ist eigentlich eine christliche Symbolik. Auch die Fahne, die der Hirte trägt, erinnert an die Siegesfahne der Auferstehung und damit an Jesus Christus. Ganz eindeutig wird das aber nicht. Grund hierfür könnte das nahe calvinistische Umfeld sein: Hier waren Bilder biblischer Szenen oder Personen verboten. In der Komposition des Bildes stellt das kleine Gehege ein Gleichgewicht zwischen der senkrechten und waagerechten Bildachse her.
In der Bildmitte ist ein großer runder Tisch mit zwei goldenen Schwänen zu sehen. Die Wasservögel greifen den Namen der Apotheke auf „Zum goldenen Schwan“. Die beiden Vögel halten ein Spruchband. Darauf steht: „Sechs sind in der Arzneikunst, die des Stieres Kraft besiegen: Zucker, Bibergeil, Eisen, Kampfer, Weinstein, Gold“. Als Bibergeil bezeichnet man ein Sekret des Biebers, mit dem er sein Fell pflegt, sein Revier markiert und seine Artgenossen unterscheidet. Der Spruch stammt aus einem Abschnitt von Hoffstadts Buch, in dem es um die Dämpfung der Libido geht. Wortwörtlich im Bildzentrum steht damit die Mäßigung.
In der Tischmitte steht ein Löwe mit Lanze und Wappenschild. Das Wappen steht für die Stadt Hanau und die Grafschaft Münzenberg. Der Löwe steht für Hanau-Lichtenberg. Löwe und Wappen führte Graf Philipp Reinhard als seine Symbole.
Jeweils in der Mitte der linken und rechten großen Tischtafel ist ein dreiflügeliger Altar mit Engeln zu sehen. Links sind auf dem Schriftstück des Mittelteils berühmte Ärzte und Theriakmischer aufgelistet. Rechts sind klassische Arzneien, der Theriak an sich und seine Vorformen zu lesen. Die Engel geben diese jeweils kund. Die Figuren auf den äußeren Bildtafeln stellen vermutlich antike Tugenden dar.
Rechts des runden Tisches ist ein Tisch mit Arbeitsgeräten eines Apothekers und damit zur Herstellung des Theriaks abgebildet. Zu erkennen sind Geräte zum Destillieren, eine Waage, Mörser und Flaschen.
Links neben dem runden Tisch befindet sich ein zur Mahlzeit gedeckter Tisch. Hierbei kann es sich um eine Speisetafel für die an der Theriak-Zubereitung Beteiligten handeln. Auf zurückhaltende Weise könnte hier aber auch wieder eine christliche Symbolik untergebracht sein: Der Tisch erinnert an das Abendmahl.
Ausstellungstext Schloss Philippsruhe in Hanau:
Das um 1600 vom Gold- und Juwelenhändler Cornelis van Daele errichtete „Haus zum Gulden Ring“ an der Ecke Marktplatz und Krämerstraße zählt zu den frühesten Gebäuden der Neustadt. Van Daele stammte aus Brüssel und kam mit seiner Familie über Antwerpen, Frankenthal und Frankfurt am Main nach Neu-Hanau. Das Familienwappen des Neustadtgründers und Ratsherrn ziert das sandsteinerne Eingangsportal, das trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erhalten blieb. Seit 1624 übten verschiedene Apotheker hier ihr Gewerbe aus.
Der Arzt und Apotheker Johann Dieterich Hoffstadt (Düsseldorf 1654 – 1727 Heidelberg) stellte Gärtner, Sohn einer Neuhanauer Handelsfamilie, für seine vierjährige Ausbildungszeit den Lehrbrief aus. Der aus Düsseldorf stammende Hoffstadt wurde 1691 in Wittenberg zum Arzt promoviert. Infolge verschiedener Übertretungen der Arzt- und Apothekerordnungen wurde er in seiner Wohnung inhaftiert und bewacht. Schließlich verließ er Hanau 1695, um in Heidelberg eine Stelle als kurpfälzischer Leibarzt anzutreten. Ein Jahr später übernahm er die dortige Hofapotheke. Er starb dort 1727.
"Das opulente Bildnis hing vermutlich als Werbung in Hoffstadts Apotheke am Neustädter Markt. Der Titel in lateinischer Sprache „Dispensatio Theriacae coelestis a Dno F. D. Hoffstadt M. D. Consil. Pal. M. aul. M. 1693“ bedeutete übersetzt „Herstellung des himmlischen Theriaks von Herrn Johann Dietrich Hoffstadt Doktor der Medizin, Pfälzischer Rat, Hofarzt 1693“.
Der Theriak galt seit der Antike als Wunderheilmittel. Aus den bis zu 190 Zutaten stellten Apotheker, aber auch Scharlatane, einen dicken Brei her. Er ähnelte von der Konsistenz Pflaumenmus. Sie mischten Blumen, Heilpflanzen, Rinde, Wurzeln, Harze, Balsam, Honig, Gewürze, aber auch kurioses wie wenig Heilsames wie Opiate, Edelsteine, Goldstaub, Korallen, Hirnschalen, Schlangenfleisch oder Viperngift zusammen. Das Gemälde zeigt zahlreiche der Zutaten neben Bezügen zur Hanauer Geschichte.
Dargestellt ist ein schachbrettartiger Raum mit zwei hufeisenförmig angeordneten großen Tafeln, gedeckt mit zahlreichen Zutaten. Zu sehen sind neben den Bestandteilen des Theriaks auch Arbeitsgeräte zum Destillieren und aus dem Apothekeralltag wie Waage, Mörser, Flaschen, Kannen, Krüge und Becher auf dem rechten Tisch.
In der Mitte halten zwei Hanauer Schwäne das Spruchband: „Sechs sind in der Arzneikunst, die des Stieres Kraft besiegen: Zucker, Biebergeil, Eisen, Kampfer, Weinstein, Gold“. Das Rezept stammt aus Hoffstadts „Panacea Coelestis Hoffstadiana oder Kurze Beschreibung des Himmlischen Theriaks“, gedruckt bei Aubry in Hanau, und soll die Libido dämpfen."
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