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- ie 1608 in den Freiherrenstand und 1624 in den Grafenstand erhobene Familie erweiterte ihren eigentlichen Familiennamen Taxis ab 1650 um den Zusatz Thurn. 1681 wurde die Brüsseler Linie in den spanisch-niederländischen Fürstenstand und 1695 in den Reichsfürstenstand erhoben. Die Aufnahme in den Reichsfürstenrat erfolgte 1704. Von 1741 an stellte das Haus Thurn und Taxis auf dem Immerwährenden Reichstag den Prinzipalkommissar, weshalb die Familie von Frankfurt nach Regensburg übersiedelte, wo sie 1812 die Gebäude und Ländereien des bedeutenden ehemaligen Reichsklosters erhielt, das seither als Schloss St. Emmeram ihr Wohn- und Geschäftssitz geblieben ist.
Durch Investitionen ihrer Erträge aus dem Postgeschäft – später auch der Abfindungen für die Postrechte – in zahlreiche Grundherrschaften wurde die Familie zum bis heute größten privaten Waldbesitzer Deutschlands.[1]
Herkunft und Namenserklärung
Taxis
Cornello dei Tasso bei Camerata Cornello, Lombardei
Das lombardische Geschlecht erscheint urkundlich zuerst mit Reinerius de Tasso im Jahre 1117.[2] Odonus de Taxo wird 1146 im Val Brembana, nördlich von Bergamo, erwähnt; dort erscheint der Name auch um 1200 in Almenno.[3] Während der Kämpfe zwischen Guelfen und Ghibellinen, in Bergamo ausgetragen zwischen den Familien Colleoni und Suardi, wich die Familie in das einige Kilometer höher im Tal gelegene Camerata Cornello aus. Dort beginnt mit Homodeus de Tazzis (ital. Omodeo de Tassis del Cornello) im Jahre 1251 die Stammreihe. Der Ortsteil Cornello dei Tasso erinnert bis heute an die Familie.
Tasso ist das italienische Wort für Dachs, das Wappentier der Familie, eingedeutscht Dax, Daxen,[4] woraus sich der Name Taxis entwickelte. Im französischsprachigen Postvertrag von 1505 zwischen Philipp dem Schönen und Franz von Taxis wurde die Familie de Tassis genannt, wie es bis heute im Französischen üblich ist.
Thurn
Als die inzwischen nach Brüssel übersiedelten Taxis 1624 in den erblichen Grafenstand erhoben wurden, brauchten sie zur Legitimierung für den beabsichtigten weiteren Aufstieg in den Hochadel eine illustre Abstammung. Alexandrine von Taxis beauftragte Genealogen, die Herkunft der Taxis zu klären, die bislang nur als kleines, in den Kaufmannsstand gewechseltes Rittergeschlecht galten. Diese behaupteten nun, wenn auch ohne urkundlichen Nachweis, dass die Taxis vom italienischen Adelsgeschlecht der Torriani, bzw. della Torre, abstammten, die bis 1311 in Mailand und der Lombardei herrschten.[5] Daraufhin beantragten die Taxis beim Kaiser eine Namensänderung. Bei der Eindeutschung wurde der Turm (Torre) zu Thurn (vgl. mhd. turn) und der zinnenbekrönte Turm der Torriani wurde dem Dachs als Wappenmehrung hinzugefügt.
Thurn und Taxis
Ab 1650 durften sich die Brüsseler Taxis mit Erlaubnis Kaiser Ferdinands III. von Thurn, Valsassina und Taxis nennen, woraus Thurn und Taxis wurde, im Französischen de la Tour et Tassis, auf Italienisch della Torre e Tasso. Auch der Innsbrucker und der Augsburger Zweig der Familie benannten sich um.
Geschichte
Das Geschlecht der Tasso (Dachse) ist in der Lombardei seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar und errichtete ab dem 14. Jahrhundert einen Kurierdienst für die Republik Venedig, ab dem 15. Jahrhundert auch für die Päpste. Die Brüder Janetto und Francesco dei Tasso gründeten 1490 im Auftrag des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. das europaweite Postwesen. Die Nachfahren betrieben die Kaiserliche Reichspost als erbliche Generalpostmeister von Brüssel aus, ab 1701 von Frankfurt am Main und ab 1748 von Regensburg aus. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs 1806 übernahmen einige Nachfolgestaaten die Einrichtungen der Taxis’schen Reichspost gegen Abfindung in Staatsregie, andere beauftragten die Familie mit der Weiterführung als Privatunternehmen, der Thurn-und-Taxis-Post, die bis 1867 wieder von Frankfurt aus geführt wurde. Nach dem Sieg im preußisch-österreichischen Krieg erzwang Preußen 1867 die Abtretung des Unternehmens an den preußischen Staat gegen eine Abfindung.
Die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches betrauten die Familie ab 1741 auch mit politischen Aufgaben, indem die 1695 gefürstete Familie bis zur Auflösung des Reichs 1806 den Prinzipalkommissar (Vertreter des Kaisers) beim Immerwährenden Reichstag zu Regensburg stellte, dem sie ab 1704 als Mitglied des Reichsfürstenrats angehörte. Seit 1748 ist die Familie daher in Regensburg ansässig, nachdem ihr 1810 das 1803 säkularisierte Kloster Sankt Emmeram vom damaligen Landesherren Karl Theodor von Dalberg übereignet worden war, weil die Gefahr bestand, dass die Familie Thurn und Taxis Regensburg verlässt und damit viele Arbeitsplätze verloren gingen.[6] Nach 1883 ließ die Familie das Kloster St. Emmeram zum Schloss St. Emmeram umbauen.
Aus den Erträgen ihrer unternehmerischen Tätigkeit sowie aus Abfindungen für den Verlust von Postrechten erwarb die Familie umfangreiche Ländereien, im 19. Jahrhundert auch Industrieunternehmen und Brauereien, und gilt bis heute als größter privater Grundbesitzer Deutschlands. 1723 wurde die reichsunmittelbare Herrschaft Eglingen erworben, 1786 kam unter anderem die oberschwäbische Grafschaft Friedberg-Scheer hinzu, 1803 das Reichsfürstentum Buchau. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 wurden die reichsunmittelbaren Territorien mediatisiert und die Familie erhielt 1815 den Status von Standesherren.
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