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1. VON GAGERN, Friedrich Balduin, geb. (09.06.1842 (nach anderen Quellen: 4. Juni 1842)), Monsheim, Rheinland-Pfalz, DEU gest. 5 Jan 1910, Schloss Neuenbürg bei Weisendorf in Bayern
Nach dem Ende der Nationalversammlung beteiligte Gagern sich widerwillig am preußischen Versuch, eine deutsche Einheit als Erfurter Union zu realisieren, und war 1850 Mitglied im Volkshaus des Erfurter Unionsparlaments. Danach diente er 1850/1851 als Major in der Schleswig-Holsteinischen Armee. Er blieb politisch interessiert und aktiv, übernahm aber bis in die 1860er Jahre kein Amt mehr.
Von 1862 bis 1864 amtierte Gagern im Ausschuss des Deutschen Reformvereins, einer großdeutschen Einigungsbewegung, denn zwischenzeitlich war Gagern abermals von Preußen enttäuscht worden. Von 1864 bis 1872 diente er als hessischer Gesandter in Wien und war auch wieder Abgeordneter in Hessen-Darmstadt. Die Reichsgründung durch Bismarck begrüßte er ebenso wie viele andere Abgeordnete von 1848/1849.
Familie und Kindheit
Heinrich von Gagern entstammte dem Adelsgeschlecht von Gagern und war einer von sechs Söhnen des Politikers, Diplomaten und Kulturhistorikers Hans Christoph Ernst Freiherr von Gagern. Dieser entstammte einer adligen Familie, deren Vorfahren beispielsweise für Venedig oder Frankreich in Kriegen gedient hatten. Er dachte national, konservativ und föderalistisch, war schon jung Regierungsrat im Fürstentum Nassau-Weilburg und diente später als Bundestagsgesandter. Die katholische Mutter Karoline, genannt Charlotte, war Hoffräulein in Mannheim und heiratete mit 17 Jahren ihren protestantischen Mann. Das Paar bekam zehn Kinder.[1]
Die Familie floh aus dem hessischen Weilburg mit dem Hofstaat des Fürsten Friedrich Wilhelm vor den französischen Revolutionstruppen in das preußische Verwaltungsgebiet Ansbach-Bayreuth. Zunächst wurde sie in der Eremitage bei Bayreuth untergebracht, wo 1798 die Tochter Amalie geboren wurde. Bald darauf ließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. dem Weilburger Hof Räume im Neuen Schloss in der Innenstadt anweisen, in dessen nördlichem Querflügel Heinrich von Gagern am 20. August 1799 zur Welt kam. Am 29. August jenes Jahres wurde er nach reformiertem Bekenntnis getauft, Taufzeugen waren der Erbprinz von Weilburg und die Herzogin Henriette von Württemberg.[2][3] Ein Jahr später ging die Familie zurück nach Weilburg, wo sie erst eine Wohnung im Weilburger Schloss und dann bis 1809 in der Stadt Weilburg hatte.[4]
Von 1812 bis 1814 besuchte Heinrich von Gagern die Kadettenschule in München, die er später als nutzlos beurteilte, weil sie dem Bildungsniveau der Familie nicht entsprach. Am 2. April 1815 wurde er Unterleutnant und zog, 15-jährig, in einem nassauischen Regiment in den Krieg gegen Napoleons Herrschaft der hundert Tage. Bei Waterloo wurde er leicht am Fuß verwundet, bevor die anrückenden Preußen den Sieg brachten. Vorher und beim Einmarsch in Paris traf er seinen Vater, der Abgesandter bei den Verhandlungen war, und seine Brüder Friedrich (in der niederländischen Armee) und Karl (in der bayerischen). Diese Teilnahme an den Befreiungskriegen wurde für Heinrich von Gagern prägend; einige Autoren wie auch der Vater machten daraus eine Heldengeschichte.[5]