| Notizen |
- Leben
Daniel Itzig war königlich preußischer Hoffaktor, Münzunternehmer, Oberhofbankier, Lederfabrikant, Eisenhüttenbesitzer, Bergwerksunternehmer, Rittergutsbesitzer, Oberlandesältester der preußischen Juden in Berlin und im Jahr 1778 gemeinsam mit seinem Schwiegersohn David Friedländer Gründer der ersten jüdischen Freischule Chevrat Chinuch Ne'arim‚ Gesellschaft für Knabenerziehung‘ in Berlin.
Gemeinsam mit Veitel Heine Ephraim machte Itzig sein Vermögen als Münzpächter im Siebenjährigen Krieg (1756–1763). Der preußische König Friedrich II. ernannte ihn zum obersten Repräsentanten der Juden in Preußen. Anschließend war er Hoffaktor des nachfolgenden preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. und erhielt von diesem im Jahr 1791 als erster Jude für sich und seine Familie das preußische Naturalisationspatent, also die rechtliche Gleichstellung mit den christlichen Untertanen Preußens.
Einerseits der Tradition fest verbunden – so war er seit 1764 Oberältester der jüdischen Gemeinde Berlins –, andererseits offen für die zeitgenössischen Wissenschaften und Künste, ließ Itzig seine 15 Kinder, und zwar seine Töchter ebenso wie seine Söhne, zeitgemäß der europäischen Aufklärung verpflichtet erziehen, unter anderen durch den Komponisten Wilhelm Friedemann Bach und den Philosophen Moses Mendelssohn.[2] So schrieb ein Zeitgenosse einst: „Itzigs Töchter erhöhen die Anmut ihrer Schönheit durch ihre Talente, besonders für Musik, und durch einen fein gebildeten Geist.“[3]
Daniel Itzig, moderner Großbürger und Oberhaupt einer der angesehensten und wohlhabendsten Familien Berlins, trug gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten durch die Förderung junger Intellektueller, die sich seit etwa 1770 in Berlin um Moses Mendelssohn geschart hatten, maßgeblich dazu bei, dass sich die von Mendelssohn und seinen Anhängern betriebene Reformarbeit entfalten und Berlin zum Ausgangspunkt und Zentrum der jüdischen Aufklärung in Europa werden konnte.[4]
Palais Itzig um 1857
An der Ecke Burgstraße und der heutigen Anna-Louisa-Karsch-Straße kaufte er einen Komplex von fünf Häusern – darunter das 1718 von Philipp Gerlach erbaute Palais Montargues – und ließ sie bis 1765 zu einem stattlichen Palais umbauen. Sein Urenkel Friedrich Hitzig sollte es 1859 abreißen und als Architekt hier den Neubau der Börse ausführen.
Welchen Ansehens sich Itzigs Familie erfreute, zeigt die Tatsache, dass für die spätere Königin Luise, als sie mit ihrer Schwester im Jahr 1795 von Mecklenburg-Strelitz nach Berlin kam, das Itzig’sche Haus in der Schöneberger Hauptstraße zur Vorbereitung für ihren festlichen Einzug durch das Brandenburger Tor ausgewählt war.
Itzig wurde auf dem Alten jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße beigesetzt. Trotz seiner positiven Gesinnung gegenüber der modernen jüdischen Aufklärung war er zeitlebens der jüdischen Tradition treu geblieben, weshalb sein Grabstein selbstverständlich eine traditionelle hebräische Inschrift erhielt.
Daniel Itzig, selbst aus weniger betuchter Familie stammend, heiratete am 9. August 1747 Mirjam Wulff (1727–1788) aus einer sehr wohlhabenden Familie.[5] Sie hatten 15 Kinder. Drei ihrer fünf Söhne waren Freimaurer.
Einzelnachweise
John F. Oppenheimer (Red.) u. a.: Lexikon des Judentums. 2. Auflage. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh u. a. 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 316.
Reinhard Rürup: Jüdisches Großbürgertum am Ende des 18. Jahrhunderts. 2006, abgerufen am 15. Oktober 2024.
Ernst Fraenkel: David Friedländer und seine Zeit. In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Heft 2/1936, S. 65–76.
Shmuel Feiner: Haskala – Jüdische Aufklärung. Geschichte einer kulturellen Revolution. Hildesheim 2007.
rbb Preußenchronik
Uta Motschmann: Handbuch der Berliner Vereine und Gesellschaften 1786–1815. De Gruyter, Berlin/Boston 2015, S. 421
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