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Leben
Gustav Richter war ein Sohn des Zimmermeisters Friedrich Gustav Richter und dessen Ehefrau Caroline Dorothea Richter, geborene Maus.[1]
Er absolvierte ein Studium bei Eduard Holbein an der Berliner Kunstakademie. 1844 ging er für zwei Jahre nach Paris, wo er ein Schüler von Léon Cogniet an der École nationale supérieure des beaux-arts wurde. Von dort aus kam er 1847 nach Rom, von wo aus er zahlreiche Aquarelle mit Szenen aus dem römischen Volksleben in die Heimat schickte. Er kehrte 1849 nach Berlin zurück. Bald nach seiner Rückkehr bekam er den Auftrag, als Mitarbeiter des Historienmalers Robert Müller (1808–1854)[2] und gemeinsam mit Gustav Heidenreich[3] Friese und Fresken für das Neue Museum nach stereochromischer Manier nach den Vorlagen Müllers anzufertigen. Für den Nordischen Saal schuf Richter den Baldur, die Walküren und die Walhalla.
1861 ging er im Auftrag König Maximilian II. von Bayern nach Ägypten, um Studien für das von diesem für das Maximilianeum in München bestellte Bild des Pyramidenbaues zu machen. In Konstantinopel malte er das Porträt von Sultan Abdülaziz. 1865 nahm er an einem Treffen des Vereins der Berliner Künstler teil, und in den Jahren 1872 bis 1874 hielt er sich in Livadia auf, der Sommerresidenz des Zaren Alexander II. auf der Krim. Hier fertigte er unter anderem Gemälde von Nikolaus Alexandrowitsch Romanow (etwa im Alter von 5 oder 6 Jahren), später Zar Nikolaus II., von Marie Pawlowna von Mecklenburg, der Braut Wladimir Alexandrowitschs, und der Großfürstin Marija Alexandrowna Romanowa, der Braut des Herzogs Alfred von Edinburgh. Im Jahr 1875 porträtierte er den Fürsten Hans Heinrich XI. von Hochberg-Pless in der Uniform des Oberstjägermeisters und 1877 Kaiser Wilhelm I., ebenfalls in ganzer Figur. Ein weiteres Porträt zeigt den Maler Eduard Hildebrandt.
Durch das Bildnis seiner Schwester Dorothea[4] erlangte er in der akademischen Kunstausstellung viel Aufmerksamkeit und das Gemälde Auferweckung von Jairi Töchterlein[5] (1856, Alte Nationalgalerie in Berlin) vergrößerte sein Ansehen. Dieses von König Friedrich Wilhelm IV. und dessen Frau Elisabeth sehr geschätzte Bild wurde vor seiner Überführung in die Nationalgalerie auf mehreren Wohltätigkeitsveranstaltungen gezeigt. So war es beispielsweise im Saal des Palais der Familie des Juristen Max Siegfried Borchardt in der Französischen Straße 32 zu sehen. Dies berichtete der Maler Felix Borchardt 1927 in seinen Lebenserinnerungen Im Siebenmeilenschritt – Erinnerungen eines Malers, der das Bild als „Die Erweckung der Tochter des Jairus“ bezeichnet.[6]
Richter entfaltete sich im Sinn der Düsseldorfer Malerschule, entwickelte jedoch einen für die damalige Zeit ungewöhnlichen Kolorismus[7] und bildete dann später sein Kolorit noch reicher aus. Er erkrankte an der Gicht, die seinen Körper allmählich derart schädigte, dass er die Palette an der Staffelei anbringen musste, da er nicht mehr in der Lage war, sie in der linken Hand zu halten. Obwohl es ihm nur noch mit viel Mühe gelang den Pinsel zu führen, war er noch bis kurz vor seinem Tod als Maler aktiv. Kurz nach seinem Tod wurde sein künstlerischer Nachlass und zahlreiche seiner Werke aus öffentlichem und privatem Besitz 1884 in der Berliner Nationalgalerie in einer Gedächtnisausstellung gezeigt.