| Notizen |
- Leben
Sein Vater Johann Friedrich Zeller war Jurist und Verwaltungsbeamter, seine Mutter Johanna Regina (1773–1844) war die fünfte von sieben Töchtern des Stuttgarter Arztes Jacob Eberhard Andreae (1737–1779). Albert Zeller hatte ein lebhaftes Interesse an Naturwissenschaften und wollte von klein auf Arzt werden, um den Menschen helfen zu können. Getragen aus einem tiefen Glauben an Gott hatte er doch von Jugend an eine gewisse Schwermut und eine weiche Gemütsart. Schon früh schrieb er Gedichte, um seine Gedanken und Eindrücke zu verarbeiten.
Nach der Reifeprüfung am Gymnasium in Stuttgart arbeitete er in der Apotheke eines Verwandten und begann danach sein Studium an der Universität Tübingen bei Gustav Schübler. Bereits mit 22 Jahren promovierte er und erhielt am 6. November 1826 seine Approbation als Arzt. Kurz darauf litt er monatelang an seelischer Verstimmung. Dieser erste Schwermutsanfall war eine wichtige Erfahrung für seine spätere Vorgehensweise mit seinen Patienten.
Den ersten wissenschaftlichen Kontakt mit psychiatrischen (zur damaligen Zeit als hysterisch bezeichneten) Patienten hatte er im Sommer 1827 bei einer Reise zur ältesten deutschen Irrenanstalt in Pirna, Schloss Sonnenstein. Anlässlich der Reise nach Pirna 1827 lernte Zeller in Berlin seine spätere Ehefrau Marie Reimer (1807–1847), die Tochter des Berliner Verlegers Georg Reimer, kennen. Im März 1829 wurden sie von Friedrich Schleiermacher getraut.
Im Jahre 1830 ließ sich Albert Zeller als praktischer Arzt in Stuttgart nieder. In der Wissenschaft der damaligen Zeit waren psychische Erkrankungen noch wenig erforscht und wurden oft mit Hysterie oder hypnotischer Suggestion erklärt. Als der Arzt und Dichter Justinus Kerner in Weinsberg Die Seherin von Prevorst veröffentlichte, verfasste Zeller eine Gegendarstellung. Dieses Buch erregte Aufsehen und er wurde als Verfasser bekannt. In der Folge davon spezialisierte sich Zeller 1831 auf psychische Erkrankungen.
Als die württembergische Regierung beschloss, im ehemaligen Deutschordensschloss Winnental eine zweite Irrenanstalt zu eröffnen, wurde der erst 27-jährige Zeller aus den zahlreichen Bewerbern ausgewählt. Auf seinen Reisen 1832 zu verschiedenen Anstalten in Deutschland, England, Schottland und Frankreich sammelte er praktische Erfahrungen. Am 3. August 1833 zog Zeller in Winnental ein. Durch sein Wirken baute er die Heilanstalt allmählich zur ersten und weithin berühmten Anstalt des Landes aus. Bis zu seinem Tod am 23. Dezember 1877 war er Leiter der Anstalt in Winnenden. Ernst von Zeller (1830–1902) wurde 1878 Nachfolger seines Vaters als Vorstand der Anstalt Winnental.
Lieder des Leids
Marie Zeller, die Ehefrau Albert Zellers
Marie, Albert Zellers Frau, starb am 12. April 1847; sie hinterließ sieben Buben und ein Mädchen. Noch im gleichen Jahr brachte Schwiegervater Georg Andreas Reimer Albert Zellers erste Gedichte auf sie heraus, Verlust und Tod, ein Büchlein unter dem Titel Lieder des Leids, 24 Gedichte, 48 Seiten, Widmungsblatt Meinen Freunden, datiert Winnenthal, den 12. September 1847. Albert Zeller. Im Jahr darauf wurden von diesen 24 Gedichten 15 Gedichte unter dem Titel Lieder des Leids. Von †† in Albert Knapps Christoterpe auf das Jahr 1849 abgedruckt. Unter dem Titel Gedichte eines Ungenannten erschienen 1849 24 weitere Gedichte als Privatdruck, 30 Seiten, auf Kosten Albert Zellers hergestellt, für Verwandte, Freunde und nahe Bekannte. Dieselben Gedichte in derselben Reihenfolge erschienen unter demselben Titel, also anonym, in der Christoterpe auf das Jahr 1850. 1851 kam bei Reimer in Berlin die 1. Auflage unter Albert Zellers Namen und dem Titel Lieder des Leid's heraus (mit Apostroph nur die Auflagen bis incl. 1860). Danach 19 weitere Lieder, nun unter seinem Namen, in den Christoterpen auf das Jahr 1852 und 1853, und ab da ständig erweiterte und zunehmend prächtiger ausgestattete Auflagen bei Reimer. 1908 kam die 9. und letzte Auflage heraus, nicht mehr bei Reimer, sondern in Herborn, mit einem Vorwort von D. Knodt.
Lieder des Leids wurden vertont von Josephine Lang (1815–1880), Friedrich Martin Jehle (1844–1941), Johannes Jehle (1881–1935) und anderen. Viele der Gedichte wurden Lieder in evangelischen Gesangbüchern, am bekanntesten: Gib dich dahin, Klag deine Not und Hindurch, hindurch mit Freuden.
Zellers Lieder erschienen nicht nur in Württembergischen Gesangbüchern, sondern reichsweit in evangelischen Gesangbüchern, zudem in den siebenbürgischen Landesteilen Ungarns, in Großbritannien, in der Kirchenprovinz Posen-Westpreußen, ab etwa 1925 in der Kirchenprovinz Ostpreußen und der Grenzmark Posen-Westpreußen, in Danzig und der Unierten evangelischen Kirche in Polen, 1941 in Weimar mit entsprechenden nationalsozialistischen Textentstellungen im Gesangbuch der Deutschen Christen Großer Gott wir loben dich, bis in die 1980er Jahre im Mennonitischen Gesangbuch, im Gesangbuch Zions-Lieder der Siebenten-Tags-Adventisten, und 1958 in der DDR in Thüringen im Gesangbuch für Schmalkalden, außerdem im Gemeinschaftsliederbuch, und zwar in der „Ausgabe für die DDR“.
Leistungen als Psychiater
Während seines Wirkens in Winnental von 1834 bis 1877 behandelte er etwa 3600 Patienten, u. a. Nikolaus Lenau, Ludwig Feuerbachs Schwester Helene, Hermann Lingg, Josephine Langs Sohn Felix und Alwine Wuthenow. Regelmäßig gab er in seinen Berichten über die Wirksamkeit der Heilanstalt Winnental Rechenschaft über sein Tun und entwickelte darin seine wissenschaftlichen Anschauungen, die stark von somatischen, romantischen und neopietistischen Ansätzen geprägt waren.[1][2] Ein typischer Satz von ihm: „Der Wahn der meisten Verrückten ist ein glücklicher und nur der Widerspruch mit der Wirklichkeit erzeugt zuweilen Unmuth und Traurigkeit; viel seltener ist er an und für sich peinlicher Art für den Kranken, in der Regel ist er sein höchstes Kleinod und seine Glückseligkeit.“
Zur deutschen Übersetzung des Buches seines berühmten belgischen Kollegen Joseph Guislain, Abhandlung über die Phrenopathien oder neues System der Seelenstörungen (Stuttgart und Leipzig 1838), schrieb er das Vorwort (30 Seiten) sowie umfangreiche Kommentare zu den einzelnen Kapiteln.[3] Dieses Werk ist von besonderer Bedeutung, da Zeller seine Ansichten und Lehren nicht in einem eigenen, umfassenden Werk niedergelegt hat. Er holte als Kollegen aber den Psychiater Wilhelm Griesinger nach Winnenthal; von Griesinger stammt das wegweisende Lehrbuch Zur Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten.
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