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- Henry of Lancaster entstammte einer Nebenlinie der englischen Herrscherfamilie Plantagenet. Er war der zweite Sohn von Edmund Crouchback, 1. Earl of Lancaster, dem jüngsten Sohn von König Heinrich III., und von dessen Frau Blanche, einer Tochter von Graf Robert von Artois und Witwe von König Heinrich I., König von Navarra und Graf von Champagne. Durch seine Geburt gehörte Heinrich sowohl in England wie auch in Frankreich dem Hochadel an. Er war nicht nur mit den englischen Königen eng verwandt, sondern über seine Halbschwester Jeanne auch mit dem französischen Königshaus.
Kindheit, Erbe und Heirat
Henry verbrachte seine Kindheit und Jugend in England zusammen mit seinem älteren Bruder Thomas und mit Johann, dem Sohn und Erben des Herzogs von Brabant, der mit Henrys Cousine Margarete, einer Tochter von König Eduard I. verlobt war. Zusammen mit Thomas nahm Henry bereits als Jugendlicher an Turnieren teil, doch Henry hatte zu seinem älteren Bruder nie ein enges Verhältnis.[2] Um seinen jüngeren Sohn mit Besitzungen zu versorgen, übertrug sein Vater die walisischen Burgen Grosmont, Skenfrith und Whitecastle, die sogenannten Three Castles, sowie Monmouth und zwei Güter in Gloucestershire dem König. Dieser gab sie Henrys Vater als lebenslanges sowie Henry als erbliches Lehen zurück, so dass Henry nach dem Tod seines Vaters 1296 der alleinige Besitzer dieser Besitzungen und damit zum Marcher Lord wurde. Sein Bruder Thomas erbte dagegen die anderen, umfangreichen Besitzungen ihres Vaters und die Titel Earl of Lancaster und Earl of Leicester. Daneben erbte Henry von seiner Großmutter väterlicherseits Eleonore von der Provence Besitzungen in der Provence.[3] 1291 hatte Eduard I. das Recht, die junge Erbin Maud de Chaworth zu verheiraten, an seinen Bruder Edmund vergeben. Dieser verlobte sie mit Henry. Die Hochzeit fand vor dem 2. März 1297 statt. Durch das Erbe seiner Frau erhielt Henry die Herrschaft Kidwelly in Wales sowie weitere Besitzungen in Hampshire, Gloucestershire, Wiltshire und Northamptonshire. Nach dem Tod seines jüngeren Bruders John um 1317 erbte er dessen französischen Besitzungen, darunter Beaufort in der Île de France.[4]
Dienst als Militär
Von 1297 bis 1298 nahm Henry of Lancaster während des Französisch-Englischen Kriegs am Feldzug von Eduard I. nach Flandern teil.[5] Im Februar 1299 wurde er erstmals als Baron Lancaster in ein Parlament berufen. 1301 wurde er zum Ritter geschlagen. Den Brief der Barone, mit dem diese 1301 gegen die Einmischung des Papstes in den Krieg mit Schottland protestieren wollten, besiegelte er als Henry of Lancaster, Lord of Monmouth. Ab 1300 wurde Henry regelmäßig zum Kriegsdienst im Krieg mit Schottland berufen, dabei nahm er 1300 an der Belagerung von Caerlaverock Castle teil. Von 1309 bis 1310, 1317 und 1323 sollte er in seinen walisischen Besitzungen Truppen für den Kampf in Schottland aufstellen. Während der Rebellion des Walisers Llywelyn Bren führte er als Marcher Lord im März 1316 zusammen mit William Montagu und John Hastings von Südostwales Truppen nach Glamorgan, um die Rebellion niederzuschlagen.[6] Sein Cousin Eduard II., der seit 1307 König als Nachfolger von Eduard I. war, überließ ihm dafür die beschlagnahmten Besitzungen seiner walisischen Vasallen, die die Rebellion unterstützt hatten.
Verhältnis zu Eduard II.
Politische Tätigkeit bis 1317
1308 gehörte Henry zu den Magnaten, die Eduard II. und seine Frau Isabelle nach ihrer Heirat in Frankreich bei ihrer Ankunft in Dover begrüßten. Danach nahm er eine hervorgehobene Position während der Krönung des Paares in Westminster Abbey ein.[7] 1310 gehörte er jedoch zu den oppositionellen Baronen, die den König zur Ernennung der Lords Ordainer zwangen, die 1311 die Ordinances, ein Programm zur Reform der Herrschaft veröffentlichten. 1313 begnadigte ihn der König für seine Rolle bei der Ermordung des königlichen Günstlings Piers Gaveston, wobei unklar ist, inwieweit Henry an der Affäre beteiligt war. In den nächsten Jahren nahm er mehrfach an Parlamenten und Ratsversammlungen teil. Bei der Ratsversammlung von Clarendon im Februar 1317 vertrat er möglicherweise seinen Bruder Thomas, der ein erbitterter Gegner der Politik des Königs geworden war.[8]
Rolle während der Rebellion seines Bruders
1317 berief der französische König Philipp V. Henry nach Frankreich, damit er ihm für seine Besitzungen in der Champagne und in Brie huldigen solle, die er von seiner Mutter geerbt hatte. Eduard II. bat den französischen König, diesen Termin aufzuschieben, doch von 1318 bis mindestens 1320 war Henry nicht in England, möglicherweise war er in Frankreich und besuchte seine dortigen Besitzungen sowie die Güter, die er nach dem Tod seines jüngeren Bruders John geerbt hatte. Henry blieb vermutlich sogar bis Frühjahr 1322 in Frankreich,[9] so dass er sich nicht an der Rebellion seines Bruders Thomas ab 1321 beteiligte. Während dieser Rebellion, die im März 1322 von Eduard II. niedergeschlagen wurde, hatte Henry offenbar gar keinen Kontakt zu seinem Bruder.[10] Zwar wurden auch die Besitzungen von Henry als Bruder des führenden Rebellen zeitweise beschlagnahmt, doch er erhielt sie rasch wieder zurück.[11] Nachdem Thomas of Lancaster im März 1322 als Verräter hingerichtet worden war, bat Henry den König rasch, als Erbe seines kinderlos gestorbenen Bruders die Titel Earl of Lancaster und Earl of Leicester führen zu dürfen, dazu beanspruchte er die beschlagnahmten Besitzungen seines Bruders. Der König überließ ihm aber nur einen Teil der Familiengüter, dazu durfte er ab 1324 den Titel Earl of Leicester führen. Damit trat ein Teil der Vasallen und Gefolgsleute, die bereits seinem Bruder gedient hatten, in Henrys Dienst, darunter Hugh Cuilly und William Trussell.[12]
Zunehmenden Spannungen zwischen Lancaster und Eduard II.
Im Sommer und Herbst 1322 nahm Henry nicht an dem gescheiterten Feldzug des Königs nach Schottland teil, da er möglicherweise immer noch in Frankreich war, doch ein Kontingent seiner Vasallen gehörte zum königlichen Heer.[13] Nach dem Scheitern der Rebellion von Thomas of Lancaster wurde die Politik des Königs von dessen Günstlingen Hugh le Despenser dem Älteren und dessen gleichnamigen Sohn Hugh bestimmt. Hugh le Despenser der Ältere war zwar der Stiefvater von Henrys Frau Maud gewesen, doch Henry wurde rasch ein Gegner der Despensers. Als Bischof Adam Orleton von Hereford beschuldigt wurde, den Rebellen Roger Mortimer of Wigmore bei dessen Flucht aus dem Tower unterstützt zu haben, bat er Henry um Unterstützung. Henry sagte Orleton seine Unterstützung zu, doch als der König davon erfuhr, beschuldigte er nun auch Henry des Verrats. Der König wurde in seiner Überzeugung bestärkt, da Henry begonnen hatte, das Wappen seines Bruders zu führen und zu dessen Gedächtnis in Leicester ein Gedenkkreuz errichtet hatte. Die Vorwürfe gegen Henry sollten während eines Parlaments beraten werden, doch während des Parlaments stand die Debatte um eine geplante Reise des Königs nach Frankreich im Vordergrund. Als Herzog von Aquitanien sollte Eduard II. dem neuen französischen König Karl IV. huldigen. Henry sollte seinen Cousin auf dieser Reise begleiten, doch der König brach aus Angst, während seiner Abwesenheit könne es zu einer erneuten Rebellion kommen, nie nach Frankreich auf. 1326 beauftragte der König Henry, mit den Mord an dem Richter Roger Beler zu untersuchen, dazu sollte er im Kriegsfall die Aufstellung von Aufgeboten in den Midlands überwachen.
Rolle während des Sturzes von Eduard II.
Anstelle von Eduard II. war Königin Isabelle nach Frankreich gereist, um dem französischen König zu huldigen. Aus Gegnerschaft zu den Despensers hatte sie sich jedoch in Frankreich mit dem aus dem Tower entkommenen Roger Mortimer of Wigmore verbündet. Der König betraute verschiedene Magnaten mit der Verteidigung der verschiedenen Regionen des Reiches, um sie vor einem befürchteten Angriff von Mortimer zu schützen. Henry sollte zusammen mit dem älteren Despenser die Midlands verteidigen.[14] Als im September 1326 tatsächlich die Königin und Mortimer mit einem kleinen Söldnerheer in Südengland landeten, um den König zu stürzen, kam Anfang Oktober John Vaux mit Geld, Waffen und Pferden nach Leicester. Er wollte damit den älteren Despenser bei der Abwehr der Invasion unterstützen, doch Henry erfuhr, dass Vaux in Leicester Abbey Quartier bezogen hatte. Er überraschte dort Vaux, nahm ihn gefangen und bemächtigte sich der Ausrüstung und des Geldes.[15] Innerhalb von drei Tagen stellte er ein Aufgebot auf, mit dem er sich Königin Isabelle in Dunstable anschloss. Die Herrschaft von Eduard II. und der Despensers brach rasch zusammen. Henry nannte sich nun Earl of Lancaster und Leicester. Am 26. Oktober 1326 nahm er an der Ratsversammlung in Bristol teil, bei der zahlreiche Barone den Prince of Wales Eduard zum Reichsverweser anstelle des geflüchteten Königs ernannten. Am nächsten Tag gehörte er zu den Richtern, die den gefangen genommenen Hugh le Despenser den Älteren zum Tod verurteilten und hinrichten ließen. Anschließend leitete er die Verfolgung von Eduard II., der mit dem jüngeren Despenser nach Wales geflüchtet war. Am 16. November konnte er den König und Despenser in Südwales gefangen nehmen.[16] Lancaster brachte den König in seine Herrschaft Monmouth. Am 20. November übergab ihm dort der gestürzte König das Großsiegel, und Lancaster, wie Henry nun genannt wurde, brachte ihn weiter in seine Burg Kenilworth. Danach nahm er in Hereford an dem Tribunal teil, das den jüngeren Despenser zum Tod verurteilte. Im Dezember 1326 übertrug die neue Regierung Lancaster die Verwaltung der Honour of Lancaster einschließlich Lancaster Castle sowie von weiteren Besitzungen, die früher seinem Bruder Thomas of Lancaster gehört hatten. Lancaster unterstützte anschließend den Thronwechsel zugunsten des jungen Prince of Wales. Er nahm im Januar 1327 an dem Parlament teil, das Eduard II. für abgesetzt erklärte und stattdessen dessen Sohn Eduard III. auf den Thron setzte. Anschließend gehörte er der Delegation an, die den gefangenen Eduard II. in Kenilworth zur Abdankung bewegte. Dabei soll er zusammen mit dem Bischof von Winchester den ehemaligen König gestützt haben, als dieser zusammenbrach, als von ihm verlangt wurde, abzudanken.
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