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Familie und Kindheit
Rothschilds Vorfahren entstammten einem Zweig der jüdischen Familie Hahn, die seit 1530 in der Frankfurter Judengasse ansässig war. Isaak Elchanan († 1585) erbaute um 1567 das Haus „zum Roten Schild“ in der Judengasse 69. Sein Enkel und dessen Nachfahren nahmen diesen Namen als Familiennamen an und behielten ihn auch, als sie 1634 in das Hinterhaus zur Pfanne (Judengasse 188) zogen.[1] Mayer Amschels Vater, Amschel Moses Rothschild, betrieb in der Judengasse ein Geschäft für den Handel mit Kleinwaren und Geldwechsel. Das Hinterhaus hatte eine Fassadenbreite von nur etwa 3,40 Meter. Verteilt auf drei Stockwerke und eine Dachkammer hatte es eine Nutzfläche von etwa 120 Quadratmetern. Im Erdgeschoss befanden sich die Geschäftsräume, in denen auch die Handelswaren aufbewahrt wurden.[2] Das Haus wurde zeitweise von 30 Personen bewohnt.
Sein Sohn Mayer Amschel ging zunächst auf eine jüdische Elementarschule in der Judengasse. Ab 1755 besuchte er die Jeschiwa des David Strauss in Fürth. Warum Amschel Moses Rothschild seinen Sohn nach Fürth schickte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Sollte Amschel Moses Rothschild beabsichtigt haben, seinen Sohn zum Rabbiner auszubilden, wäre der Besuch der Jeschiwa in Frankfurt einfacher und billiger gewesen. Möglicherweise bot die Jeschiwa in Fürth aber anders als die in Frankfurt auch Unterricht in säkularen Fächern wie Rechnen.[3] Nach dem Tod seines Vaters 1755 und seiner Mutter Schönche Lechnich 1756 musste er aber den Schulbesuch dort wieder abbrechen. Stattdessen wurde er für einige Jahre nach Hannover geschickt, wo er in der Firma von Wolf Jakob Oppenheim arbeitete. Wolf Jakob Oppenheim gehörte der weitverzweigten Familie Oppenheim an, von denen ein Familienmitglied zu dieser Zeit in Bonn einer der Hoffaktoren von Kurfürst Clemens August I. von Bayern war.[4] Hoffaktoren waren selbständige Kaufleute, die die Adelshöfe mit verschiedenen Luxusgütern belieferten und auch Finanzgeschäfte tätigten. Zu den Betätigungsfeldern von Hoffaktoren, die häufig Juden waren, gehörte auch die Beschaffung antiquarischer Münzen und anderer Sammelstücke für die fürstlichen Kuriositätenkabinette. Mayer Amschel erwarb vermutlich in der Firma von Wolf Jakob Oppenheim die notwendigen Kenntnisse in Numismatik, Geschichte und Kunstgeschichte, um selbst in diesem Geschäftsbereich tätig zu werden.