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- Die geänderte Schreibweise seines Namens ist eine Anpassung an die amerikanische Aussprache. Wupperman behielt sein Leben lang die amerikanische Staatsbürgerschaft, weshalb er und seine Nachfahren auch die Namensschreibweise beibehielten. Unter Herman Wuppermans Leitung wurde das Emaillierwerk in Pinneberg, Schleswig-Holstein, modernisiert und erweitert. Um 1900 hatte es 600 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von ca. drei Millionen Mark. Über 60 % der hergestellten Produkte wurden exportiert.
Wupperman sorgte für die soziale Absicherung seiner Mitarbeiter durch freiwillige Zusatzleistungen und soziale Einrichtungen: Im ehemaligen Pinnebergerdorf ließ er ab 1891 Werkswohnungen errichten (siehe unten). Es gab Betreuungsangebote für die Werksangehörigen, unter anderem eine Koch- und Haushaltsschule für die Mädchen, die in der Fabrik arbeiteten. Wupperman spendete einen Altar für die Christuskirche und ließ an der Lindenstraße eine Turnhalle bauen. Noch zu Lebzeiten entwickelte er eine Rentenzusatzversicherung für seine Beschäftigten, die nach seinem Tod – ausgestattet mit 300.000 Mark – als die „Wupperman Stiftung“ von seiner Witwe Emmeline Wupperman, geb. Funcke gegründet und geführt wurde.
Die Familie Wupperman zog 1893 nach Düsseldorf. Fünf Jahre später starb Herman Wupperman bei einem Verkehrsunfall nach einer Jagd in Oberhausen. Der technische und der kaufmännische Direktor führten die Geschäfte in Pinneberg weiter, ab 1907 auch Wuppermans ältester Sohn Herman Wupperman junior.
Das Wupperman-Denkmal
Die Initiative zur Erstellung eines Denkmals zu Ehren des verstorbenen Unternehmers ging von der Arbeiterschaft aus, seine Witwe finanzierte es. Der Entwurf stammt von Clemens Buscher, mit der Ausführung wurde die Düsseldorfer Gießerei Förster und Kracht betraut. Als Standort wählte Emmeline Wupperman das Rondell Hermanstraße/Ottostraße. Die Enthüllung erfolgte am 2. August 1903, fünf Jahre nach dem Tod von Herman Wupperman.
1907 bis 1918 (Söhne Wuppermans)
Mit der Erweiterung des Betriebs durch das Werk II an der Hermanstraße im Jahr 1903 wurde der Produktionsprozess optimiert. Im Ersten Weltkrieg profitierte das Unternehmen vom Bedarf an Rüstungsgütern: Kochgeschirre, Feldkessel, Trinkbecher sowie Einzelteile der Waffenproduktion wurden bei Wupperman hergestellt.
1918 trat Otto Wupperman, Sohn Herman Wuppermans, in die Geschäftsleitung ein.
1919 bis zum Zweiten Weltkrieg (Otto Wupperman)
Villa Wupperman von 1925 am Fahltskamp
Der Wasserturm gehörte Wupperman, er wurde später an die Stadt verkauft.
Auch nach Kriegsende konnte sich das Unternehmen zunächst behaupten, obwohl der Export darunter litt, dass in den Exportländern zunehmend eigene Emaille-Industrien entstanden. 1925 zählte das Werk 725 Mitarbeiter. 1928 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 ließ die Exportmärkte und auch die heimischen Märkte einbrechen, wovon sich das Unternehmen nie wieder ganz erholte. Das Werk besaß ein Wasserwerk, ein Gaswerk und ein Elektrizitätswerk und nahm mit beiden Teilbetrieben insgesamt eine Fläche von 312.000 m² ein. Diese Kapazitäten konnten nicht mehr ausgenutzt werden, 1931 arbeitete nur noch das Werk an der Hermanstraße.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Im Zweiten Weltkrieg führte die Produktion von Rüstungsgütern wieder zu einer besseren Auslastung. Unter den 560 Beschäftigten arbeiteten auch Kriegsgefangene und Fremdarbeiter.
Ein letzter Aufschwung zeigte sich nach der Währungsreform 1948, weil die Privathaushalte Nachholbedarf an Haushaltswaren hatten.
Niedergang in den 1950er und 1960er Jahren
Die Restgebäude an der Hermanstraße werden von anderen Firmen genutzt.
Foto: Eingangsseite 2011
Die Restgebäude von der Bahn aus gesehen – Foto: 2007
In den 1950er Jahren nahm die Produktion fortlaufend ab. Die technische Entwicklung zu Elektroherden machte Emailletöpfe und -schüsseln weniger begehrt stattdessen wurden in Haushalten zunehmend Kunststoffe, Aluminium und später rostfreier Stahl verwendet. Schon 1952 wurden Teile der Werksanlagen und Grundstücke an die Stadt verkauft, darunter der Wasserturm und das Wasserwerk am Peiner Weg. Später wurden nach und nach weitere Grundstücke veräußert, sodass nur noch das Werk an der Hermanstraße unverändert arbeitete. 1963 erfolgte der Abriss der Hallen am Drosteipark, 1982 musste der Rest der Gebäude des Werks I einer Wohnbebauung weichen.
Rationalisierungsmaßnahmen Anfang der 1960er Jahre hatten keinen langfristigen Erfolg. 1962 kaufte der Gasheizgeräte-Hersteller Haller-Meurer das Restwerk. Die Produktion im Werk II lief noch bis 1984, aber ein tragfähiges Konzept für die erfolgreiche Weiterführung fehlte. 1986 ging die in Hamburg börsennotierte AG in Konkurs.
Werkssiedlung Wupperman
Am Peiner Weg und an den nach den Söhnen von Herman Wupperman benannten Straßen Hermanstraße und Ottostraße entstand die Werkssiedlung, in unmittelbarer Nähe zu Werk II. Betriebsangehörige konnten hier zu günstigen Mieten wohnen. Die Häuser sind weitgehend erhalten, wenn auch viele Gebäude durch Umbauten verändert wurden. Auffällig ist die Vielgestaltigkeit der Bauformen.
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