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Ferdinand von Quast war der Sohn des Gutsbesitzers Wilhelm von Quast (* 1776) und dessen Frau Charlotte Friederike Philippin Louise von Rohr (1786–1879). Er erhielt eine Ausbildung durch Hauslehrer und besuchte dann die Plamannsche Erziehungsanstalt in Berlin und schließlich das Neuruppiner Gymnasium. Letzteres zeigt, dass auch Adlige ihren Sprösslingen das bürgerlich-humanistische Bildungsideal nicht mehr vorenthielten.
Ab 1825 studierte er an der Allgemeinen Bauschule Architektur und Feldmeßtechnik, wo er auch Schüler des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel war, der sich seit 1815, also dem Ende der Befreiungskriege, für Denkmalpflege einsetzte. 1836 legte von Quast sein Baumeisterexamen ab.
Herrenhaus in Radensleben
Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1830 das Gut Radensleben und baute 1833 das Herrenhaus samt Nebengebäuden aus. Er war Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus; politisch gesehen war er konservativ und königstreu.
Schon während seines Studiums reiste er durch Deutschland und bis nach Italien, Frankreich und in die Niederlande. 1838/1839 hielt er sich fast ein ganzes Jahr in Italien auf und studierte die antiken Stätten. Nachfolgend veröffentlichte er mehrere Bücher und hielt u. a. im Alten Museum Vorlesungen über die Geschichte der Baukunst. Bei der ersten Versammlung deutscher Architekten in Leipzig forderte er die Gründung eines allgemeinen Vereins zur Erforschung deutscher Altertümer.
König Friedrich Wilhelm IV., der bereits 1840 Kultusminister von Eichhorn beauftragt hatte, Vorschläge für die Organisation der Denkmalpflege in Preußen zu machen, ernannte am 22. Juli 1843 Ferdinand von Quast zum „Konservator der Denkmäler“ in Preußen. Der Vorschlag für diese Personalie allerdings kam von Karl Friedrich Schinkel, dem die Erhaltung und Pflege der „Altertümer“ seit seiner ersten Italien-Reise besonders wichtig erschienen. Zu den Aufgaben des Landeskonservators gehörte es, zwecks Begutachtung zu den Denkmalen zu reisen, Berichte und Zeichnungen zu den Objekten zu erstellen, mit den zuständigen Beamten vor Ort zu verhandeln und in historischen Gesellschaften mitzuwirken. Da er keinerlei Sachmittel oder gar Hilfskräfte erhielt, ist es überwiegend seinem Enthusiasmus und den Einnahmen aus seinem Gutsbetrieb zu verdanken, dass er diesem Amt bis zu seinem Tode treu blieb.
1854 wurde der Geheime Rat Rechtsritter des für den evangelischen Landadel so traditionsreichen Johanniterordens. Er war damals einer der langjährigsten Mitglieder der Brandenburgischen Provinzialgenossenschaft.[2]
Sein Gut in Radensleben sah viele bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Das Herrenhaus wurde ab 1870 neu errichtet (heutige Form) und ein schöner Park angelegt; heute ist es Sitz einer Senioreneinrichtung, der Park aus der Zeit Quastschen Zeit nur noch schwer nachzuvollziehen.
Ferdinand von Quast starb 1877. Er wurde auf dem von ihm ab 1854 für seine Familie angelegten Campo Santo hinter dem Ostchor seiner Guts- und Patronats-Kirche gegenüber dem Gutsgelände bestattet. Sein Grab ist – ebenso wie die Gräber seiner Familienangehörigen – erhalten.
Bedeutung für die Denkmalpflege
Ferdinand von Quast setzte sich für die weitgehende Bewahrung der originalen Bausubstanz, Zurückhaltung bei der Rekonstruktion und eine sichtbare Unterscheidung von Alt und Neu ein. So entsandte der König ihn nach Lübeck, als er hörte, dass die Lübecker daran dächten, das Holstentor abzureißen, um dem entgegenzuwirken.[3] Da sein Amtsbereich vom Rheinland bis nach Ostpreußen reichte, konnte er die einzelnen Objekte jedoch nur selten und mit großem zeitlichem Abstand besuchen und kontrollieren. Unter anderem entwickelte er einen Fragebogen zur Erfassung der Denkmale in Preußen, der in seinen Grundzügen noch heute verwendet wird.
Nachlass
Der umfangreiche Nachlass Ferdinands von Quast, der sich im Archiv der TU Berlin (zum Zeitpunkt der Übergabe über 7000 Zeichnungen) und im Herrenhaus in Radensleben befand, fiel 1945 zu einem großen Teil den anglo-amerikanischen Bombardements auf Berlin zum Opfer. Immerhin sind in den Archiven der ehemaligen preußischen Provinzen, aber auch in der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin viele Archivalien und Zeichnungen (die kleinste ist 3 × 2 cm groß und enthält eine Ansicht aus Italien) erhalten geblieben.