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- Franz Brentano wurde nach dem Tod seines Vaters am 9. März 1797 Chef der Familie Brentano und damit auch des Frankfurter Handels- und Bankhauses Brentano. Er übernahm von seinem Vater auch dessen Würde eines kurtrierischen Geheimen Rates und Residenten, deren Machtumfang und Bedeutung aber bald durch die linksrheinische Annexion Napoleons abnahm.
Franz Dominicus Brentano, Porträt von Joseph Stieler, 1808
Mit 32 Jahren heiratete er am 23. Juli 1798 in Wien die 18-jährige Antonie von Birkenstock (1780–1869), einzige Tochter des kaiserlichen Hofrats und begüterten Kunstsammlers Johann Melchior Birkenstock und seiner bereits verstorbenen Ehefrau Caroline Josepha von Hay (1755–1788).
Im Herbst 1806 erwarb er das sog. Brentanohaus in Winkel im Rheingau, das der Familie fortan als Sommerdomizil diente. Zu den vielen Gästen aus Politik und Kultur, die in das Haus einkehrten, zählten Johann Wolfgang von Goethe, die Brüder Grimm und Freiherr vom Stein.
1809 bis 1812 lebte seine Frau mit den Kindern in Wien im Hause ihres Vaters in der Vorstadt Landstraße, Erdberggasse Nr. 98. Im Frühjahr 1810 machte sie hier die Bekanntschaft von Ludwig van Beethoven. 1816 wurde Franz Brentano Senator der Freien Stadt Frankfurt, als zweiter Katholik nach seinem Schwager Georg Friedrich von Guaita. Ab 1827 war er Schöffe in Frankfurt.
Er ließ 1820 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel ein großzügiges klassizistisches Palais an der Neuen Mainzer Straße erbauen, das die Stadt Frankfurt 1869 kaufte und für einen Straßendurchbruch abbrechen ließ.
Sein Haus war stets ein Mittelpunkt im geistigen und gesellschaftlichen Leben der Stadt. Im Laufe der Zeit gehörten zu seinen Gästen u. a. der Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg, Goethe, die Brüder Boisserée, die Brüder Grimm und der Freiherr vom Stein.
Brentano war ein großzügiger Mäzen und Stifter, der unter anderem das katholische Schulwesen Frankfurts förderte. Daneben unterstützte er Beethoven mehrfach mit großzügigen Darlehen. Seine umfangreiche Sammlung von Zeichnungen vermachten seine Nachfahren 1895 an das Städel.
Das Brentanohaus in Winkel
Treffpunkt für Romantiker
Nachdem Franz (1765-1844) und Georg Brentano (1775-1851), zwei ältere Brüder der Dichtergeschwister Bettine und Clemens, das 1751 erbaute Anwesen im Jahr 1804 gemeinschaftlich erworben hatten, nutzten sie es ab Sommer 1806 als Feriendomizil während des Sommerhalbjahrs. Aber schon 1808 ging es ganz in die Hände von Franz und seiner Frau Antonia geb. Edle von Birkenstock (1780-1869), genannt Toni, über. Aus dem ursprünglichen Zweit- wurde im Lauf der Zeit schließlich ein Hauptwohnsitz, den die Nachkommen ganzjährig bewohnen. Seit dem Erwerb befand sich das Gebäude kontinuierlich im Besitz der Familie, weshalb es gemeinhin nur „Brentanohaus“ genannt wird.
Das Domizil gilt als eines der geistig-kulturellen Zentren der Rheinromantik. Zu den zahlreichen Gästen aus Politik und Kultur zählen Johann Wolfgang von Goethe, die Brüder Grimm und der Freiherr vom und zum Stein. Original erhaltene Räume geben einen einzigartigen Eindruck von der Wohnkultur und dem Lebensgefühl der Zeit. Vor allem die im Obergeschoss befindlichen Zimmer – darunter jene beiden Räume, in denen Goethe 1814 während seines Besuchs bei der Familie Brentano gewohnt hat, haben über 200 Jahre hinweg ihre einzigartige Atmosphäre bewahrt.
Im Dezember 2014 hat das Land Hessen das Brentanohaus mit seiner Gartenanlage erworben. Das Gebäude soll in den nächsten Jahren grundsaniert und behutsam restauriert werden. Organisatorisch dafür zuständig ist die Verwaltung der Schlösser und Gärten Hessen, welche die Betreuung des Anwesens mitsamt seinem Interieur einer neu gegründeten Trägergesellschaft übertragen hat, deren gleichberechtigte Gesellschafter die Stadt Oestrich-Winkel und das Freie Deutsche Hochstift (Frankfurt a.M.) sind. Ziel aller Beteiligten ist es, das Brentanohaus in Oestrich-Winkel und das Ensemble seiner historischen Räume und Einrichtungen, insbesondere die beiden Goethe-Zimmer, als historischen Ort und kulturelles Erbe der deutschen Romantik zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Für interessierte Besucher besteht die Möglichkeit, die historischen Räume des Brentanohauses in Winkel unter fachkundiger Führung der ehemaligen Hausherrin Baronin Angela von Brentano zu besuchen.
An ausgewählten Terminen werden offene Führungen ohne Anmeldung angeboten. Darüber hinaus können individuelle Gruppenführungen nach rechtzeitiger Terminvereinbarung durchgeführt werden.
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