Strauss Genealogie


Notizen


Treffer 851 bis 900 von 6,111

      «Zurück «1 ... 14 15 16 17 18 19 20 21 22 ... 123» Vorwärts»

 #   Notizen   Verknüpft mit 
851 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I7090)
 
852 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I55111)
 
853 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I1982)
 
854 Anno 1533 hat er sich verehelichet mit Elßbeth Schmidhuserin von Hassenruty auß einem Dorf so nächst bey Sulgen im Turgaw ligt, sein Hochzeit hat er gehalten auf Zinstag vor St. Thomas Tag in gemeldtem Jahr und haben bey einander durch den Sägen Gottes gezeuget wie in beyligendem Stambaum zu sehen wie volgt. SCHMIEDHAUSER, Elisabetha (I1227)
 
855 Anschluss an die Eltern aufgrund der Vornamenfolge „Hugo – Reinhard“ VON RECKLINGHAUSEN, Hugo (I54445)
 
856 Anschluss an die Eltern nur vermutet
F.W. Bauks, Die evangelischen Pfarrer in Westfalen, Bielefeld 1980, Nr. 7024
J. Gruch, Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland IV, Bonn 2020, Nr. 14546 
SEFSKY, Emilia (I44440)
 
857 Anschlusstafeln: Claudius–Goethe (PDF/JPG), Marx–Engels (PDF/JPG), Perthes–Goethe (PDF/JPG)
Tafelindex: 3 „Claudius“ auf 4 Anschlusstafeln

Matthias Claudius wurde in einem Pfarrhaus als viertes Kind des Pastors Matthias Claudius (1703–1774) in Reinfeld (Holstein) geboren. Seine Mutter war dessen zweite Ehefrau Maria (1718–1780), geborene Lorck, Tochter eines Flensburger Ratsherrn, dessen zweites Kind sie war. Die Vorfahren seines Vaters waren über hundert Jahre Pastoren in Süderlügum. Der ursprüngliche Familienname „Clausen“ wurde latinisiert und so zu „Claudius“. Über die mütterliche Familie war er mit Theodor Storm und Johannes Brahms verwandt. Zu seinem Vater behielt Matthias Claudius bis zuletzt ein herzliches und dankbares Verhältnis.

1751, als er elf Jahre alt war, starb seine Schwester Lucia Magdalena im Alter von zwei Jahren, wenige Tage später sein Bruder Lorenz im Alter von fünf Jahren, zwei Monate später sein Halbbruder Friedrich Karl aus der ersten Ehe des Vaters. Früh begegnete Matthias Claudius also dem Tod, den er „Freund Hain“ nannte und dem er sogar seine Bücher widmete.

Nach seiner Konfirmation, als er fünfzehn Jahre alt geworden war, besuchte er mit seinem nur ein Jahr älteren Bruder Josias die Lateinschule in Plön. Im April 1759 immatrikulierte er sich, wieder gemeinsam mit Josias, an der Universität Jena zum Studium der Theologie. Unter seinen Lehrern war Johann Georg Walch, der Herausgeber der Schriften Martin Luthers. Fachtheologie lag ihm nicht, und den gesundheitlichen Anforderungen an einen Pfarrer fühlte er sich nicht gewachsen. Er wechselte zur Rechts- und Kameralwissenschaft.

In Jena wurde er Mitglied der Deutschen Gesellschaft, die sich um deutschsprachige Literatur und Dichtung bemühte. Matthias Claudius bewunderte besonders Heinrich Wilhelm von Gerstenberg. Matthias Claudius wagte es nun, kleine Erzählungen und Lieder zu schreiben. Er erkrankte an den Pocken oder Blattern, gesundete jedoch; sein Bruder Josias, der ihn versorgt und gepflegt hatte, starb 1760 an Pocken. Die erste von Matthias Claudius veröffentlichte Schrift war die Traueransprache, die er im Alter von 20 Jahren in Jena für Josias hielt.

Es ist möglich, dass er den „Juris Utriusque Baccalaureus“ machte.[1]

Sein Erstlingswerk, Tändeleyen und Erzählungen (1763) wurde kritisch rezipiert, erlebte dennoch eine zweite Auflage im folgenden Jahr.

Erste Tätigkeiten
1764/1765 reiste Claudius als Sekretär von Graf Ulrich Adolph von Holstein nach Kopenhagen und lernte dort Friedrich Gottlieb Klopstock kennen, der ihn für seine weitere literarische Karriere prägte. In Kopenhagen sammelten sich damals bedeutende deutsche Gelehrte und Schriftsteller: der Pädagoge Johann Bernhard Basedow (1753–60 Professor für Moral bzw. Theologie an der Ritterakademie in Sorø), der Botaniker Georg Christian Oeder, der Arzt Johann Just von Berger, der Prediger Johann Andreas Cramer und andere. Matthias Claudius verkehrte in dieser Gesellschaft. Anschließend lebte er wieder drei Jahre in Reinfeld.

Von 1768 bis 1770 arbeitete er als Redakteur der von Viktor Ludwig Klopstock, dem Bruder Friedrich Gottliebs, herausgegebenen Hamburgischen-Adreß-Comtoir-Nachrichten in Hamburg und kam so in Kontakt mit den Aufklärern Johann Gottfried Herder und Gotthold Ephraim Lessing. Seine Aufgabe bestand vor allem im Sammeln von Börsenberichten und im Verfassen von Meldungen über ankommende Schiffe.

Leben und Arbeit

Wandsbeker Wappen

Matthias Claudius, Lithografie von Otto Speckter 1840 nach dem Porträt von Friederike Leisching. Unter dem Bild ein faksimiliertes Autograph Claudius’: Mich dünkt, wer was rechts weiß, muß, muß – säh ich nur ‘nmal einen, ich wollt’ ‘n wohl kennen, malen wollt’ ich ‘n auch wohl, mit dem hellen heitern ruhigen Auge, mit dem stillen großen Bewußtseyn etc. Breit muß sich ein solcher nicht machen können, am allerwenigsten andre verachten und fegen. – Matthias Claudius.
Im Januar 1771 zog Matthias Claudius nach Wandsbeck (bis 1879 mit „ck“ geschrieben) und wurde dort Redakteur der von Heinrich Carl von Schimmelmann initiierten Tages-Zeitung Der Wandsbecker Bothe, die viermal pro Woche erschien. Noch heute finden sich die Insignien eines wandernden Boten (Hut, Stock und Tasche) im Wandsbeker Wappen. Die Zeitung hatte vier Druckseiten. Drei waren dem politischen Geschehen in Europa gewidmet, eine enthielt „gelehrte Sachen“. Claudius gestaltete den „gelehrten“ Teil auf ganz eigene Art, beispielsweise durch Gedichte und einen fiktiven Briefwechsel des Asmus mit seinem Vetter Andres. Auch konnte er u. a. Friedrich Gottlieb Klopstock, Johann Heinrich Voß, Johann Wilhelm Ludwig Gleim und Johann Georg Jacobi als Autoren gewinnen. Zwar wurde die Zeitung unter ihm in ganz Deutschland bekannt, sie erlangte jedoch keinen finanziellen Erfolg, weshalb sie nur bis 1775 erschien.

In Wandsbeck heiratete Claudius am 15. März 1772 die damals 17-jährige Anna Rebekka Behn (geb. 26. Oktober 1754), Tochter des örtlichen Zimmermanns und Gastwirts Joachim Behn. In sein Tagebuch schrieb er am Hochzeitstag: „Nun habe ich meine drei H: Hof, Heimat, Hausfrau, und wenn das vierte H, der Herr, dabei ist und bleibt, so kann man restlos glücklich sein.“ Das Paar bekam zwölf Kinder, von denen das erstgeborene kurz nach der Geburt starb. Sein Sohn Friedrich Matthias Jacobus Claudius wurde Jurist und Ratsherr in Lübeck. Seine Tochter Caroline Ilsabe heiratete Friedrich Christoph Perthes. Im Mittelpunkt seines Lebens im Wandsbecker Haus standen die Kinder. Mit ihnen und für sie feierte er zahllose Feste. Seine Einstellung zum Glauben und zum Leben wird besonders deutlich in seinem Brief „an meinen Sohn Johannes“ von 1799.

Am 12. August 1774 wurde Matthias Claudius in die Hamburger Freimaurerloge Zu den drei Rosen aufgenommen.[2] Ab 1777 war er drei Jahre lang Redner der Andreasloge Fidelis.[3] Die Loge Zur goldenen Kugel besuchte er bis 1780, die Andreasloge etwas länger, wurde dann aber stillschweigend gestrichen. Vielleicht hing das mit dem Grafen Christian von Haugwitz zusammen, der ihn zur Loge gebracht hatte, nun aber auf seinem Familiengut einen Bund der Kreuzfrommen oder Johannis-Vertrauten mit den Grafen Friedrich und Christian zu Stolberg-Stolberg gründete, dem Claudius – laut Haugwitz – 1784 beitrat.[4]

Durch Vermittlung Johann Gottfried Herders ging Claudius 1776 als Obercommissarius zur Oberlandkommission nach Darmstadt. Ab Anfang 1777 war er auch Redakteur der Hessen-Darmstädtischen privilegirten Land-Zeitung. Claudius kehrte jedoch bereits nach einem Jahr mit seiner Familie nach Wandsbeck zurück, da er sich mit den hierarchischen Verhältnissen der Residenzstadt Darmstadt nicht hatte arrangieren können. In Darmstadt nahm er als Zöglinge Johann Friedrich und Georg Arnold Jacobi in sein Haus, die Söhne des Philosophen und Kaufmanns Friedrich Heinrich Jacobi und dessen Ehefrau Betty. Mit ihm zogen Jacobis Söhne nach Wandsbek.

Obwohl die Zeitung nicht mehr erschien, publizierte Claudius weiterhin unter dem Namen Der Wandsbecker Bothe. In seinen Gedichten und Überlegungen verwendete er auch den Namen Asmus als Pseudonym. Seine Werke gab er ab 1775 in unregelmäßiger Folge unter dem Titel Asmus omnia sua secum portans heraus.[5] Ab dem 4. Band 1783 überwogen religiöse Themen. Dabei trat seine ablehnende Haltung gegenüber der Aufklärung immer stärker hervor. Damit befand er sich in Übereinstimmung mit dem theologisch und politisch konservativen Emkendorfer Kreis. Einen mehrjährigen literarischen Streit führte Claudius deshalb mit August Adolph von Hennings, einem radikalen Befürworter sozialer und kirchlicher Neuerungen.


Das Grab von Rebekka und Matthias Claudius
Claudius’ finanzielle Lage war stets prekär, bis er ab 1785 einen Ehrensold des dänischen Kronprinzen Friedrich erhielt; diesen hatten die literarischen Qualitäten von Claudius überzeugt. Friedrich verschaffte ihm 1788 auch ein Revisorenamt bei der Schleswig-Holsteinischen Speciesbank im damals zum dänischen Gesamtstaat gehörenden Altona, das ihm ohne größere Einschränkung seiner literarischen Arbeit ein Auskommen sicherte, denn er musste lediglich viermal im Jahr zur Prüfung der Quartalsabschlüsse in Altona erscheinen.

In den Jahren 1800–1811 übersetzte Claudius Schriften von François Fénelon, der seit 1689 Erzieher des französischen Thronfolgers gewesen, aber wegen seiner aufklärerischen Schriften 1699 in Ungnade gefallen war.

Letzte Jahre
Infolge der Kriegsereignisse um Hamburg (Franzosenzeit) floh Claudius 1813 über Westensee nach Kiel und Lübeck. Seine letzten Lebensmonate verbrachte der inzwischen Schwerkranke im Hause seines Schwiegersohns Friedrich Christoph Perthes, des Gründers des gleichnamigen Verlages, am Hamburger Jungfernstieg, wo Matthias Claudius am 21. Januar 1815 starb. Vier Tage später wurde er auf dem Historischen Friedhof Wandsbek bestattet. Später fand neben ihm seine Ehefrau Rebekka, die ihn um siebzehn Jahre überlebte, ihre letzte Ruhe. 
CLAUDIUS, Mathias (I52881)
 
858 Ansegisel heiratete BEGGA, die Tochter des austrischen Hausmeiers PIPPIN DES ÄLTEREN, und führte damit Macht und Reichtum seiner Familie, der ARNULFINGER, und der Familie seiner Frau, der PIPPINIDEN, zusammen, nachdem die Bündnisse der beiden Gruppen in der Vergangenheit den merowingischen Königen bereits erhebliche Probleme und Nachteile eingebracht hatten. Ansegisel wurde um 662 den Titel eines domesticus erwähnt, wurde aber vor 679 von seinen Feinden erschlagen. Seine Grabstätte ist nicht bekannt.
ANSEGISEL und BEGGA hatten einen Sohn, PIPPIN DEN MITTLEREN, der die Machtübernahme faktisch zu Ende führte, bevor sie von dessen Enkel, PIPPIN DEM JÜNGEREN, mit dem Königstitel auch nach außen dokumentiert wurde. Nach KARL MARTELL, dem Enkel von Ansegisel und Begga, wird die Familie dann KAROLINGER genannt. 
VON METZ, Ansegil (I10774)
 
859 Anselm Salomon Rothschild war der Sohn Salomon Meyer Freiherr von Rothschilds (1774–1855), des Begründers des österreichischen Zweigs der Bankiersfamilie Rothschild, und dessen Ehefrau Caroline Stern (1782–1854). Er war mit Charlotte von Rothschild (1807–1859), der ältesten Tochter des Londoner Bankiers Nathan Mayer Rothschild (1777–1830), des jüngeren Bruders seines Vaters, verheiratet, während seine Schwester Betty (1805–1874) den Pariser Bankier James de Rothschild heiratete. VON ROTHSCHILD, Anselm Salomon (I55619)
 
860 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Vertraulich (I7049)
 
861 Antistes (lateinisch für Vorsteher; Plural Antistites) war schon in vorchristlicher Zeit die Bezeichnung für den Leiter einer Kultgemeinschaft. Es wurde später als Ehrentitel für Bischöfe, Äbte und den Papst benutzt. In den Schweizer Kantonen Zürich, Basel und Schaffhausen bezeichnete Antistes vom 16. bis 19. Jahrhundert das höchste Amt in den reformierten Kirchen. Der Ausdruck wurde erstmals 1525 gebraucht als inoffizieller Ehrentitel für Ulrich Zwingli in Zürich, dann 1530 für Johannes Oekolampad in Basel und 1532 für Heinrich Bullinger in Zürich. GWALTHER, Rudolf (I3125)
 
862 Antistes (lateinisch für Vorsteher; Plural Antistites) war schon in vorchristlicher Zeit die Bezeichnung für den Leiter einer Kultgemeinschaft. Es wurde später als Ehrentitel für Bischöfe, Äbte und den Papst benutzt. In den Schweizer Kantonen Zürich, Basel und Schaffhausen bezeichnete Antistes vom 16. bis 19. Jahrhundert das höchste Amt in den reformierten Kirchen. Der Ausdruck wurde erstmals 1525 gebraucht als inoffizieller Ehrentitel für Ulrich Zwingli in Zürich, dann 1530 für Johannes Oekolampad in Basel und 1532 für Heinrich Bullinger in Zürich. GWALTER, Rudolf (I48915)
 
863 Antoine Charles de Gramont, auch Antoine IV. de Gramont (* 1641; † 25. Oktober 1720), war ein französischer Diplomat und Lieutenant-général. Er war Prince souverain de Bidache, 3. Duc de Gramont, Pair de France, Sire de Lesparre, Comte de Guiche et de Louvigny, Baron d’Andoins et de Hagetmau, Seigneur d’Arthez, d’Arzacq etc.

Leben
Antoine Charles de Gramont war der zweite Sohn von Antoine III. de Gramont, Souverain de Bidache, Duc de Gramont, Pair de France, Marschall von Frankreich († 1678), und Françoise Marguerite de Chivré († 1689). Seine Schwester Catherine Charlotte de Gramont heiratete 1660 Luigi Grimaldi, Fürst von Monaco.

Unter dem Namen Comte de Louvigny stand er ab 11. Oktober 1665 an der Spitze des Régiment de Louvigny. Er kämpfte 1672 im Holländischen Krieg und 1674 bei der Belagerung von Besançon.

Durch den kinderlosen Tod seines älteren Bruders Armand de Gramont, Comte de Guiche, 1673 wurde er Erbe der Titel und des Besitzes seines Vaters. Das Régiment de Louvigny wurde daraufhin 1674 in Régiment de Guiche umbenannt. Nach dem Tod seines Vaters legte er am 8. Oktober 1678 den Eid als Herzog und Pair ab. Er diente als Gouverneur von Bayonne, Saint-Jean-Pied-de-Port und Pau.

Am 20. Februar 1687 übernahm sein Sohn Antoine V. de Gramont die Leitung des Régiment de Guiche. Am 31. Dezember 1688 wurde Antoine Charles de Gramont zum Ritter im Orden vom Heiligen Geist ernannt. 1689 setzte er die von Vauban begonnenen Befestigungsarbeiten in Bayonne fort. 1695 trat er seine Titel an seinen Sohn Antoine V. de Gramont ab.

1704 wurde er zum außerordentlichen Botschafter beim König von Spanien ernannt, der ihn 1705 in den Orden vom Goldenen Vlies aufnahm (Nr. 638). Er wurde in den Rang eines Vizekönigs von Navarra und Béarn erhoben.[1]

Die Memoiren seines Vaters Antoin III. („Mémoires du maréchal de Gramont“, Paris 1716, 2 Bände) gab sein Sohn Antoine Charles de Gramont heraus.

Ehe und Nachkommen
Antoine Charles de Gramont heiratete am 15. Mai 1668 Marie Charlotte de Castelnau (* 1648; † 29. Januar 1694), Tochter des Marschalls Jacques de Castelnau-Bochetel und der Marie Girard de Lespinay. Ihre Kinder waren:

Catherine Charlotte de Gramont (* 1669; † 24. Januar 1739); ⚭ (Ehevertrag 16. Dezember 1693) Louis-François de Boufflers, 1. Duc de Boufflers, Pair de France, Marschall von Frankreich († 22. August 1711)
Antoine V. de Gramont (* 15. November 1671; † 16. September 1725), genannt Duc de Guiche, 1695 4. Duc de Gramont, Pair de France, Prince souverain de Bidache, Sire de Lesparre, Comte de Guiche et de Louvigny, Baron d’Andoins et de Hagetmau, Gouverneur von Navarra und Béarn, Bayonne und Pau, Regentschaftsrat, Marschall von Frankreich; ⚭ 13. März 1687 Marie Christine de Noailles (* 4. August 1672; † 14. Februar 1748), Tochter von Anne-Jules de Noailles, 2. Duc de Noailles, Pair de France, Marschall von Frankreich, und Marie Françoise de Bournonville
Als Witwer heiratete er am 18. April 1704 in zweiter Ehe Anne Baillet de La Cour (* 3. Januar 1665; † 7. März 1737), Tochter von Nicolas Baillet de La Cour, und Jeanne Godefroy. Mit ihr hatte er einen Sohn (* zwischen 18. April und Mai 1704; † vor 1720).

Literatur
Louis Moréri, Le grand dictionnaire historique, Band 5, 2. Teil, 1759, S. 326
François-Alexandre Aubert de La Chenaye-Desbois, Dictionnaire de la noblesse, 3. Ausgabe, Band 9, 1866, Spalte 644f
Detlev Schwennicke, Europäische Stammtafeln, Band 10, 1986, Tafel 73
Christophe Levantal, Ducs et pairs et duchés-pairies laïques à l'époque moderne: (1519–1790), Paris 1996, S. 620–621 
DE GRAMONT, Antoine IV. Charles (I61194)
 
864 Antoine III. de Gramont (* 1604 auf Schloss Hagetmau; † 12. Juli 1678 in Bayonne) war ein französischer Militär, Diplomat und Staatsmann, der ab 1641 das Amt des Marschalls von Frankreich bekleidete. Außerdem war er Vizekönig von Navarra und Béarn sowie Gouverneur von Bayonne. Seine Titel waren unter anderem Herzog von Gramont, Graf von Guiche und Louvigny, souveräner Fürst von Bidache und Ritter des Ordens vom Heiligen Geist.

Leben
Antoine de Gramont stammte aus dem alten südfranzösischen Adelsgeschlecht Gramont. Sein Vater war Antoine II. de Gramont, 1. Herzog von Gramont, seine Mutter war Louise († 1610), Tochter des Marschalls Roquelaure (1543–1623).

Gramont war ein eifriger Parteigänger Richelieus. Es heißt, er habe einmal im Trunk geäußert, dass ihm an Richelieu mehr gelegen sei als am König und dem gesamten königlichen Haus. Seitdem förderte der Kardinal ihn mit besonderem Nachdruck. 1634 heiratete Gramont dessen Nichte Françoise-Marguerite du Plessis de Chivré († 1689), die Tochter Hectors de Chivré, seigneur du Plessis.

Gramont nahm an vielen Schlachten des Dreißigjährigen Krieges teil, wurde am 22. September 1641 Marschall von Frankreich und erhielt 1643 von Ludwig XIV. für sich und seine Nachkommen den Herzogstitel. 1645 geriet er in der Schlacht bei Alerheim in Gefangenschaft. 1653 wurde er Staatsminister, 1657 französischer Botschafter beim Reichstag in Frankfurt am Main und warb 1660 für den König um die Hand der Infantin Maria Teresa von Spanien. Von 1661 bis 1671 war er der erste Colonel Général des Gardes françaises. Er starb 1678.

Seine Memoiren („Mémoires du maréchal de Gramont“, Paris 1716, 2 Bände) gab sein Sohn Antoine Charles de Gramont heraus. Ein anderer Sohn war Graf Armand de Guiche (1637–1673), der wertvolle Memoiren über den Krieg gegen Holland hinterließ (London 1744).

Ein jüngerer (Halb-)Bruder Antoines III. war der durch seine Liebesabenteuer bekannte Graf Philibert de Gramont (1621–1707), dessen Memoiren: „Mémoires du chevalier de Gramont“ (London 1713; hrsg. von Brunet, Paris 1859, von Sainte-Beuve, 1866) sein Schwager Anthony Hamilton herausgegeben hat.

Belletristik
Antoine III. de Gramont ist als Comte de Guiche eine der Hauptfiguren in Edmond Rostands Cyrano de Bergerac.

Literatur
Warren H. Lewis: Assault on Olympus. The rise of the House of Gramont between 1604 and 1678. Harcourt, Brace and Company, New York NY 1958. 
DE GRAMONT, Antoine III. (I61197)
 
865 Antoine-Louis-Marie de Gramont, 8. Herzog von Gramont (* 17. August 1755 in Paris; † 28. August 1836 ebenda) war ein französischer Generalleutnant, Politiker und Pair.

Leben
Antoine-Louis-Marie de Gramont führte zunächst den Titel eines Grafen von Louvigny und wurde im April 1780 Herzog von Guiche sowie 1801 Herzog von Gramont. Er war Hauptmann einer Kompanie der Leibgarde, die daher Gramont’s Kompanie hieß, und Schwiegersohn der Herzogin von Polignac. Beim Ausbruch der Französischen Revolution gehörte er 1791 zu der nicht allzu großen Schar getreuer Diener, welche die gestürzte Herrscherfamilie der Bourbonen ins Exil begleiteten. Er hielt sich fortwährend in der Umgebung Ludwigs XVIII. auf und fand sich nebst dem Herzog von Fleury an der Seite dieses Fürsten, als am Abend des 19. Juni 1796 ein wohlgezielter Schuss diesen, als er zu Dillingen in Schwaben aus dem Fenster schaute, an der Schläfe streifte. Im Rang eines Maréchal de camp machte er in der Armee des Fürsten von Condé den Feldzug von 1796 mit. Als er sich mit seiner Familie ins Exil nach England begab, diente er dort im 10. königlichen Husarenregiment.

Nach dem Sturz Napoleons kehrte der Herzog von Gramont im Frühjahr 1814 mit dem Herzog von Angoulême, dessen erster Aide-de-camp er war, nach Frankreich zurück. In der Folge erhielt er eine seiner Treue zum bourbonischen Königshaus entsprechende Belohnung. So wurde er am 14. Juni 1814 zum Pair von Frankreich, am 8. August 1814 zum Divisionsgeneral und am 30. September 1814 zum Gouverneur der 11. Militärdivision ernannt. Nach der kurzzeitigen Rückkehr Napoleons zog er sich während dessen Herrschaft der Hundert Tage nach Spanien zurück. 1815 musste er im Prozess des Marschalls Michel Ney als Zeuge erscheinen und wurde aufgefordert zu erklären, ob der Marschall zu der Ehre, dem König Ludwig XVIII. die Hand zu küssen, zugelassen worden sei und diesem versprochen habe, ihm Bonaparte in einem eisernen Käfig zu bringen. Der Herzog von Gramont antwortete, dass er bei der letzten Audienz, die der Marschall beim König vor der Abreise in sein Gouvernement hatte, nicht zugegen war und nichts dazu sagen könne. Dennoch plädierte er für die Verurteilung des Marschalls zum Tod. In der Folge setzte er sich eher für die Bewahrung der königlichen Vorrechte als für die bewilligten Freiheitsrechte ein. Bei der Thronbesteigung Georgs IV. (1821) war er als außerordentlicher Botschafter der offizielle Vertreter Frankreichs. Im September 1823 wurde er zum Großoffizier der Ehrenlegion und im Dezember 1823 zum Generalleutnant ernannt.

Nach der Julirevolution von 1830 leistete der Herzog von Gramont der neuen Dynastie den Treueeid und behielt auch fortan seinen Sitz in der Pairskammer. Er starb am 28. August 1836 im Alter von 81 Jahren in Paris. Sein Leichnam wurde in der Kapelle des in Südwestfrankreich gelegenen Fürstentums Bidache beigesetzt, wo die früheren Häupter seines Hauses bis 1789 geherrscht hatten.

Literatur
Philipp H. Külb: Gramont (Antoine Louis Marie). In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, 1. Sektion, Bd. 79 (1865), S. 112.
Gramont (Antoine-Louis-Marie), in: Adolphe Robert, Edgar Bourloton, Gaston Cougny (Hrsg.): Dictionnaire des parlementaires français, Bd. 3 (1891), S. 232. 
DE GRAMONT, Antoine VIII. Louis Marie (I61186)
 
866 Anton Siebel (* Januar 1670 in Elberfeld, (heute Stadtteil von Wuppertal); † Juni 1721[1] ebenda) war Bürgermeister in Elberfeld.

Anton Siebel entstammte durch seinen Vater Abraham Siebel (1643–1717)[2] einer alten Elberfelder Kaufmannsfamilie, die im öffentlichen Leben der Stadt selten erwähnt wird. In den Jahren 1708–1715 und nach dem Bürgermeisteramt von 1717 bis 1721 gehörte er als Ratsverwandter dem Rat der Stadt Elberfeld an und bekleidete 1717 das Amt des Stadtrichters. Durch Heirat 1691 mit Anna Margareta von Carnap (1671–1736), der Nichte des sechsfachen Bürgermeisters Kaspar von Carnap (1648–1727) vervetterte und verschwägerte er sich in die Carnapschen Kreise und seine Zugehörigkeit zur führenden Schicht des damaligen Elberfeld war damit gegeben. Mit seiner Frau Anna hatte er zehn Kinder, von denen drei im Kindesalter starben. Sein Sohn Abraham Siebel wurde dreimal zum Bürgermeister ernannt. 
SIEBEL, Anton (I54055)
 
867 Anton wurde als dritter und jüngster Sohn von Georg Fugger und seiner Frau Regina Imhof 1493 in Augsburg geboren. 1525 übernahm er das Handelsimperium der Fugger von seinem kinderlosen Onkel, Jakob „dem Reichen“, zusammen mit seinem Bruder Raymund und seinem Cousin Hieronimus. Anton Fugger war neben Jakob Fugger das bedeutendste Mitglied dieser Familie, die innerhalb weniger Generationen zur reichsten Familie der damaligen Welt geworden war.

Im Jahre 1527 heiratete Anton Fugger die Augsburger Patriziertochter Anna Rehlinger (vgl. von Rehlingen). Aus der Ehe gingen vier Söhne und sechs Töchter hervor. 1530 wurde er von Karl V. zum Reichsgrafen erhoben. Zwei Jahre später erkannten ihn Raymund und Hieronimus als Oberhaupt der Firma an. In der Folge dehnte er den Handel der Fugger bis nach Buenos Aires, Mexiko und Westindien aus. Er unterstützte die Kaiser Karl V. und Ferdinand I. und galt als „Fürst der Kaufleute“. Seine Geschäfte führte er dabei nach dem Wahlspruch „Stillschweigen stehet wohl an!“.

Zu einer seiner größten Leistungen zählte die Weichenstellung für die Zukunft des „Fuggerschen Namens und Stammes“. So veränderte er die wirtschaftlichen Grundlagen mit einem stark vergrößerten Grund- und Herrschaftsbesitz. Schließlich bereitete er die kommende soziale Rolle der Familie durch gezieltes Heiraten seiner Söhne und Töchter mit dem Landadel vor. Er fundamentierte somit den Einfluss und vermehrte Reichtum und Ansehen der Familie Fugger.

Fugger wirkte zudem als Mäzen, etwa für den Humanisten und Herausgeber Georg von Logau, der ihm im Februar 1534 in einer Sammlung von Jagdgedichten die erste Halieutica-Ausgabe des Ovid[1] widmete.[2] 
FUGGER, Anton (I46337)
 
868 Antonie war die Tochter des österreichischen Diplomaten, Beamten und Kunstsammlers Johann Melchior Edler von Birkenstock (1738–1809) und dessen Frau Josefa von Hay (* 1755 in Fulnek/Böhmen; † 18. Mai 1788 in Wien). Sie hatte drei Geschwister, von denen die beiden letzteren früh verstarben:

Hugo Konrad Gottfried von Birkenstock (* 15. Dezember 1778 in Wien; † 10. April 1825 in Ybbs an der Donau), k. k. Oberleutnant bei der Weydenfeld-Infanterie
Karoline Viktoria von Birkenstock (* und † 1782 in Frankfurt)
Johann Eduard Valentin von Birkenstock (* und † 1784 in Frankfurt)
Der Vater war kaiserlicher Hofrat und Vertrauter der Kaiserin Maria Theresia und des Reformkaisers Joseph II. Er wurde durch seine Heirat Schwager von Joseph von Sonnenfels, bekannt als Widmungsempfänger von Beethovens Klaviersonate D-Dur op. 28 (1802). Beider Ehefrauen waren Schwestern des berühmten Reformbischofs von Königgrätz Jan Leopold Ritter von Hay (1735–1794). Birkenstock lebte mit seiner Familie ab 1782 längere Zeit in Frankfurt am Main, wo seine Frau die beiden Kinder Karoline und Johann zur Welt brachte. Möglicherweise lernte er bereits damals die Familie Brentano kennen. In Wien baute er sich eine heute nicht mehr vorhandene palastartige Villa mit 40 Zimmern in der Vorstadt Landstraße, Erdberggasse Nr. 98 (heutige Lage Erdbergstraße 19), die er mit einer umfangreichen, wertvollen Bibliothek und einer reichen Kunstsammlung ausstattete. Als Achtjährige verlor Antonie durch eine Epidemie ihre Mutter und wurde daraufhin für sieben Jahre in die Ursulinen-Klosterschule von Pressburg geschickt. 
VON BIRKENSTOCK, Antonie ´Toni` (I52683)
 
869 Anund war der Sohn König Olofs III. und dessen Frau Estrid († 1035), Tochter eines slawischen Obodritenfürsten. Bei seiner Taufe ungefähr zwischen 1007 und 1009 in Husaby oder Skara erhielt er den Namen Jakob.

Ab 1019 agierte er als Mitregent neben seinem Vater. Nach dessen Tod wurde er 1022 König von Schweden. Ab etwa 1030 ließ er in Sigtuna Münzen prägen.

In einem Bündnis mit seinem Schwager König Olav dem Heiligen von Norwegen kämpfte Anund um 1026 bei Helgeå in Schonen gegen König Knut den Großen von England und Dänemark. Die beiden verloren den Kampf.

Als Olav der Heilige 1030 aus dem Exil in Nowgorod zurückkehrte, unterstützte ihn Anund mit 400 Kämpfern.

Anund erhielt den Beinamen „Kolbränna“ (Köhler), da er die Häuser von Gesetzesbrechern niederbrennen ließ.

Im Jahr 1047 gewährte er dem vertriebenen König Sven Estridsson von Dänemark Zuflucht an seinem Hof. Dieser lieferte später Adam von Bremen erste Berichte über Schweden.

Anund Jakob war verheiratet mit einer Gunhild († nach 1050). Er starb 1050 eines natürlichen Todes. Von ihm sind keine Kinder bekannt. 
ANUND, Jakob (I37702)
 
870 Apotheker, bekannt als Stifter der Elendenherberge auf dem Petersberg (sein Bruder Junker Konrad zem Haupt, alias Morhardt, war seit 1392 Basler Bürger, Rats­herr und zünftig zuerst bei Safran, dann bei Achtburgern. d.h. er gehörte zur hohen Stube.  ZUM HAUPT, Ottmann (I35396)
 
871 April 1516 Schaffhausen, 1.2.1579 Schaffhausen, ref., von Schaffhausen. Sohn des Alexander (->). ​1) 1540 Dorothea May, Tochter des Glado May, 2) seine Dienstmagd, 3) Salomea Peyer, Tochter des Martinus Peyer. 1526 ging S. zur kaufmänn. Ausbildung nach Lyon. 1549-57 hatte er das Solothurner Münzrecht in Pacht, 1550 bis ca. 1561 die Münzrechte von Schaffhausen und Bern. In Lyon besass S. eine Niederlassung, eine Art Bank, die den franz. Hof mit Geld versorgte und franz. Pensionen in die Eidgenossenschaft brachte. Als Bankier und Berater der franz. Könige erwarb er sich deren Vertrauen. Er war königl. Rat und Kämmerer unter den Kg. Franz I., Heinrich II., Karl IX. und Caterina de' Medici. 1555 organisierte er mit dem berühmten grand parti, einem grossen Darlehen an die franz. Krone, die erste bekannte Subskriptionsanleihe der europ. Geschichte, die 1557 durch den franz. Staatsbankrott ein unrühml. Ende fand. 1560 verlieh ihm Kg. Franz II. einen Adelsbrief. Nach dem Kauf der Gerichtsherrschaft Neunforn 1554 besass S. drei Wohnsitze (Schaffhausen, Bern, Neunforn) und nannte sich fortan "von Neu(n)forn". 1574 gründete er mit seinen Vettern Jakob und Martin S. sowie Hans Bonenberg und Stephan Spleiss die erste grosse Handelsgesellschaft Schaffhausens, die v.a. mit Salz, aber auch mit Wein, Schmalz, Korn, Kupfer u.a. handelte. 1578 trat er wieder aus der Gesellschaft aus. 1545-70 verachtfachte sich sein Vermögen und er wurde zum reichsten Schaffhauser seiner Zeit. STOCKAR, Benedikt (I19167)
 
872 AQUITANIEN (französisch Aquitaine [akiˈtɛn], okzitanisch Aquitània [akiˈtanjɒ], baskisch Akitania, saintongeais Aguiéne) war eine Provinz und eine Region im Südwesten Frankreichs, die aus den Départements Dordogne, Gironde, Landes, Lot-et-Garonne und Pyrénées-Atlantiques bestand.

LA CROIX-SUR-ROUDOULE ist eine französische Gemeinde in den französischen Seealpen. Sie gehört zur Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, zum Département Alpes-Maritimes, zum Arrondissement Nizza und zum Kanton Vence. Die Bewohner nennen sich Crouzencs. 
PERONNE, Michel \ Michèle (I856)
 
873 Arbeitete 1461 und 1465 mit seinem Bruder Gotthard auf dem väterlichen Hammer (im heutigen Buschhütten). Danach pachteten die beiden Brüder einen neu errichten Hammer bei Buschhütten, den sie bald verließen, sie behielten sich aber das Erbrecht vor. Er heiratete n.n. , Heirat ca. 1450. BUSCH, Henne Pusch (I1467)
 
874 Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet um Eptingen bereits im 7. Jahrhundert bevölkert war. Die eigentliche Besiedlung fand aber im frühen Mittelalter statt. 1145 wurde der Ort als "Ebittingen", 1189 als "Etingen" und 1194 als "Eptinwin" erwähnt. Die Vorherrschaft lag beim Bischof von Basel, der das Dorf als Lehen an die Herren von Eptingen gab. 1487 wurde es durch die Stadt Basel aufgekauft. 1803 gelangte Eptingen zum Bezirk Waldenburg.


Artikel A-Z
Multimedia
Orte & Räume
Familien
Personen
Themen

Toggle navigation
de

MENU SCHLIESSEN

Themen
Personen
Familien
Orte & Räume
Multimedia
Artikel A-Z
Dossiers

Lexikon
Unternehmen
HLS-Info
Newsletter
Nutzungshinweise
Datenschutz
Hilfe
Kontakt / Impressum

Weitere Dienstleistungen

Lexikon Istoric Retic (LIR)
Ortsnamenlexikon
Familiennamenbuch der Schweiz

de fr it
vonEptingen
Version vom: 14.11.2005
Autorin/Autor: Marcel Clémence

Vom Ende des 12. Jh. an bezeugtes Basler Rittergeschlecht, das sich nach seinen Burgen bei E. im oberen Baselbiet benannte. Als frühester Vertreter gilt Gottfried, der 1189 in einer als Fälschung geltenden Schenkungsurkunde für das Kloster Schöntal als Zeuge erwähnt wird. In der 1. Hälfte des 13. Jh. teilte sich das Geschlecht in zwei Linien, die sich durch ihren Bei- und Zunamen unterschieden. Die erste nannte sich nach der Burg Blochmont (oberhalb von Kiffis, Elsass), einem Lehen der Gf. von Pfirt. Die zweite, die sog. Madelner Linie, hatte ihren Namen von der Burg Madeln (oberhalb von Pratteln), einem habsburg. Lehen. Ab der 2. Hälfte des 14. Jh. wurde sie nach ihren Pratteler Besitzungen benannt. Bis zur Mitte des 15. Jh. konnten die E. ihren Lehensbesitz vergrössern. Er konzentrierte sich auf den südl. Sundgau, das untere und obere Baselbiet und das Fricktal. Neben dem Bf. von Basel erscheinen auch die Gf. von Pfirt und nach deren Aussterben die Habsburger als Lehensherren. Die E. heirateten in andere Adelsgeschlechter und in Basler Bürgerfamilien ein. Zu den meisten Basler Klöstern und Kirchen unterhielten sie enge Beziehungen. Am stärksten förderten sie das Kloster Olsberg, das zu einer bevorzugten Begräbnisstätte der Fam. wurde. Als Lehensleute des Basler Bischofs blieben die E. nach der Reformation beim alten Glauben. Seit dem frühen 16. Jh. hielt sich die Fam. v.a. auf ihren sundgauischen Besitzungen auf, die während der Franz. Revolution teilweise verloren gingen.

In der Pratteler Linie machte sich im 15. Jh. Götz Heinrich (​um 1478) einen Namen. Er war Herr zu Blotzheim und Hagental und sass 1435-40 im Basler Rat. Hans Bernhard (1484) war 1468-69 ebenfalls Mitglied des Basler Rates. Er war in langjährige Streitigkeiten mit der Stadt Basel verwickelt und kämpfte wie Götz Heinrich gegen wachsende soziale Spannungen in seinem Herrschaftsgebiet. Hans Bernhards Sohn Hans Friedrich (1541) musste Pratteln 1521 aus finanziellen Gründen an die Stadt Basel verkaufen. Der Pratteler Zweig erlosch in männl. Linie bereits im 16. Jh. mit Hans Friedrichs Sohn Martin. Zur Blochmonter Linie gehörte der mehrfache Basler Bürgermeiser Johann Puliant (->). Sein Enkel Konrad (1427) war 1411-27 Ratsmitglied und häufig Vorsitzender des Siebnerkollegiums, ab 1414 mit seinen Brüdern Hans Thüring (​um 1439) und Heinrich (​um 1419), der das bischöfl. Marschalkenamt innehatte. Die Blochmonter Linie erlosch 1854. Spätere Vertreter der Fam. waren Maria Franziska (->), Karl Joseph Ludwig (1713-94), der letzte bischöfl. Hofmarschall, sowie dessen Bruder Johann Baptist (->). Maria Anna Anastasia (1796), die Schwester der beiden Letztgenannten, war ab 1763 Äbtissin des Stiftes Schänis.




 
EPTINGEN, N. (I25342)
 
875 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I7488)
 
876 Archiv VON DIESBACH, Peter (I21261)
 
877 Aribo oder Eribo war der älteste Sohn des Pfalzgrafen Hartwig II. von Bayern und der Friderun, Tochter des Grafen Reding/Reting und der Immedingerin Glismod. Sein Vater starb 1027, als er noch ein kleines Kind war, sein Bruder Boto oder Poto kam gar erst nach des Vaters Tod zur Welt.[1] Die Mutter Friderun wurde möglicherweise bald nach Hartwigs II. Tod in ein Kloster gesteckt. Hartwig II. wiederum war der Sohn Pfalzgraf Aribos I., des Gründers der Klöster Seeon und Göss.

Aribo wurde schon 1041, also noch recht jugendlich, als Pfalzgraf und Graf des unteren Salzburggaus genannt. Er und Boto hatten Besitzungen u. a. in Kärnten, in der Steiermark, im Salzburggau, im Freisinger Raum, um Regensburg und im Nordgau. Er selbst kommt als Namensgeber in Frage u. a. für Arndorf bei St. Ruprecht/Raab, für Erbendorf (Landkreis Tirschenreuth, Opf.), vielleicht auch für Ermreuth (Markt Neunkirchen a.B., Lkr. Forchheim, Ofr.) und Ermreus (Gde. Kunreuth, Lkr. Forchheim, Ofr.).

1053 schlossen sich Aribo und Boto dem Aufstand Herzog Konrads von Bayern und Herzog Welfs von Kärnten gegen Kaiser Heinrich III. an. 1055 wurde Aribo wegen Hochverrats abgesetzt und gemeinsam mit Boto geächtet. Beide verloren ihre Reichslehen und Teile ihrer Eigengüter. Boto heiratete kurz darauf Judith, eine Schweinfurter Erbin, die Witwe des verstorbenen bayerischen Herzogs, und kam durch sie zu Besitzungen im Franken. Zumindest nennt er sich ab dieser Zeit Boto von Pottenstein. Aribo tauchte nach seiner Absetzung erstmals wieder im Jahr 1059 in den Urkunden auf, als Zeuge einer Bamberger Bistumssynode unter dem Namen "Erbo de Wizenaha".

Um 1070 gründeten die beiden Brüder das Stift Millstatt in Kärnten. Zu dieser Zeit war Aribo vermutlich mit einer Liutkard verheiratet. Ob aus dieser Ehe ein Sohn Hartwig hervorging, ist ungewiss; zumindest scheint dieser vor ihm gestorben zu sein. Vermutlich in zweiter Ehe war Aribo mit einer Willa unbekannter Herkunft verheiratet und gründete mit ihr Kloster Weißenohe. Diese Ehe scheint kinderlos geblieben zu sein, denn die Gründungsbestätigung durch Papst Paschalis II. aus dem Jahr 1109 erwähnt neben dem Stifterpaar nur eine Nichte Hadamoth oder Hadimuoth.

Obwohl Aribo nach seiner Absetzung in vielerlei Funktionen und mit unterschiedlichen Titeln in den Urkunden auftaucht, hat er die Pfalzgrafenwürde nicht mehr zurückerhalten. Er starb hochbetagt 1102 und wurde im Familienkloster Seeon begraben. Mit dem Tod seines Bruders Boto 1104 stirbt die pfalzgräfliche Linie der Aribonen aus. 
(BAYERN), Aribo II. (I37435)
 
878 Arnim ist der Name eines märkischen Uradelsgeschlechts, das mit Alardus de Arnim im Jahr 1204 erstmals urkundlich erwähnt wird.

Die Familie von Arnim trat mit der deutschen Besiedelung der Altmark in Erscheinung. Nicht weit von Stendal – im Stadtforst ostwärts zur Elbe – liegt das Dorf Arnim (heute Ortsteil von Stendal). Es gehörte zur Vogtei Arneburg. Der Elbübergang wurde von der Arneburg beherrscht, die in der askanischen Zeit eine wichtige Grenzfestung gegen die Slawen war. Nach ihr nannte sich ein jüngerer Sohn Albrechts des Bären Graf von Arneburg.

Der erste Arnim, der 1204 durch eine Urkunde nachgewiesen werden kann, war Alardus de Arnem, Burgmann zu Arneburg. Die genauen Umstände des Ursprungs der Familie zu dieser Zeit sind nicht mehr ganz zu klären, jedoch war die Familie im 13. Jahrhundert um Stendal ansässig.

In den folgenden Jahrhunderten war die Familie an der deutschen Besiedlung des Gebiets nordöstlich von Berlin (also etwa der heutigen Uckermark) wesentlich beteiligt. Hier gab es bis 1945 mehr als ein Dutzend Gutshöfe, Landsitze und Schlösser im Besitz von Familienmitgliedern. Der bedeutendste Besitz war die Standesherrschaft Boitzenburg (mit ca. 13.900 Hektar Land), die 1427 erstmals, ab 1528 dauerhaft in den Besitz der Arnims gelangte. Auch in anderen Teilen Ost- und Mitteldeutschlands, insbesondere in Sachsen, bestanden Zweige. Die Familie von Arnim ist nach den von Bülow eine der zahlenstärksten deutschen Adelsfamilien.

Die Linie der Grafen von Arnim-Boitzenburg saß seit dem 12. Oktober 1854 mit dem jeweiligen Fideikommissherrn bis zur Revolution 1918 als erbliches Mitglied im Preußischen Herrenhaus.[2] Außerdem wurde der Familie 1854 als eine von zehn alt-preußischen Uradelsfamilien mit großem Grundbesitz von König Friedrich Wilhelm IV. das Präsentationsrecht zum Preußischen Herrenhaus zugestanden

Im Einschreibebuch des Klosters Dobbertin befinden sich 13 Eintragungen von Töchtern der Familie von Arnim zur Aufnahme in das adelige Damenstift im mecklenburgischen Kloster Dobbertin.

Durch die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab 1945 wurden alle Familienbesitze enteignet.[4] Nach der Deutschen Wiedervereinigung von 1990 gelang es einzelnen Zweigen der Familie, wieder land- oder forstwirtschaftliche Betriebe in den neuen Bundesländern aufzubauen, so den Grafen Arnim im Boitzenburger Land in Mahlendorf und Lichtenhain oder den von Arnim in Bietikow, Zernikow und Brandenstein sowie zeitweilig in Groß Fredenwalde (bis 2014, jetzt von Borcke); verwandte Familien bewirtschaften heute die ehemaligen Arnim-Güter in Kröchlendorff (v. Oppen) und Blankensee (Grafen Hahn v. Burgsdorff).[5] Daisy Gräfin von Arnim betreibt eine Apfelplantage im Gutshaus in Lichtenhain, welches bis 1945 zum Schloß Boitzenburg gehörte.[6]

Der im Jahre 1942 geborene Kriegswaise Achim von Arnim (aus dem Hause Zehdenick-Wilmersdorf) wurde von den kinderlosen Eheleuten Philipp Freiherr von Gemmingen-Guttenberg und Olga Marie geb. Freiin von Saint-André unter dem Namen von Saint-André-Arnim adoptiert und erbte von seiner Adoptivmutter, deren Brüder kinderlos verstorben waren, das Saint-André'sche Schloss Königsbach in Baden. 
VON ARNIM, Stammlinie (I52744)
 
879 Arnim verbrachte Kindheit und Jugend zusammen mit seinem älteren Bruder Carl Otto bei seiner Großmutter Caroline von Labes in Zernikow, Herrrschaft Ruppin, eine hist. Landschaft in Brandenburg, DEU und Berlin, wo er von 1793 bis 1798 das Joachimsthalsche Gymnasium besuchte. Er studierte von 1798 bis 1800 Rechts- und Naturwissenschaften und Mathematik in Halle (Saale). Noch als Student schrieb er zahlreiche naturwissenschaftliche Texte, unter anderem den Versuch einer Theorie der elektrischen Erscheinungen sowie Aufsätze in den Annalen der Physik. Im Haus des Komponisten Johann Friedrich Reichardt lernte er Ludwig Tieck kennen, dessen literarische Arbeiten er bewunderte. 1800 wechselte Arnim zum naturwissenschaftlichen Studium nach Göttingen, wo er Johann Wolfgang von Goethe und Clemens Brentano (* 9. September 1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz), Kurtrier; † 28. Juli 1842 in Aschaffenburg, Königreich Bayern) begegnete. Unter deren Einfluss wandte er sich von den naturwissenschaftlichen Schriften eigenen literarischen Arbeiten zu. Nach Beendigung des Studiums im Sommer 1801 schrieb er, beeinflusst von Goethes Werther, seinen Erstlingsroman Hollin’s Liebeleben.

Seine Witwe Karoline von Labes geb. Daum verw. Fredersdorff (1730–1810)[9] kaufte 1780 das Ländchen Bärwalde mit Schloss Wiepersdorf und weiteren Rittergütern und überließ es ihrer einzigen Tochter als Mitgift. Die Güter Wiepersdorf, Bärwalde und Herbersdorf wurden verpachtet, während die Familie in Berlin lebte.

Kindheit, Jugend und Verheiratung
Caroline Daum wurde als Tochter von Gottfried Adolph Daum (1679–1743) und dessen zweiter Ehefrau Caroline Marie, geb. Ohloff (1706–1770), geboren. Ihre Geschwister waren Christina Charlotta (* 1714) aus der ersten Ehe ihres Vaters und der Bruder Friedrich Carl. Ihr Vater war Großkaufmann und Unternehmer in Preußen, der 1712 gemeinsam mit seinem stillen Teilhaber David Splitgerber das auf militärischen Bedarf ausgerichtete Handelshaus Daum & Comp. gegründet hatte. Mit der Erweiterung auf zivile Handels- und Bankgeschäfte und der Übernahme von gepachteten königlichen Manufakturen entwickelte sich das Handelshaus unter der späteren Firma Splitgerber & Daum zu einem der größten Wirtschaftsunternehmen in Preußen. Caroline Daum und ihre Geschwister wurden von Gouvernanten und Hofmeistern im preußischen Geist äußerst streng und reglementiert erzogen und zur Sparsamkeit angehalten. Als ihr Vater 1743 als einer der reichsten Männer Preußens starb, erbte sie ein beträchtliches Vermögen.[1][2]

Ehe mit Michael Gabriel Fredersdorff

Gutshaus Zernikow
1752 wurde Caroline Daum mit dem Geheimen Kämmerer Michael Gabriel Fredersdorff (1708–1758) verlobt, der ein Vertrauter Friedrichs des Großen war[3] und der ihre große Liebe wurde. Er erkrankte chronisch, dennoch heirateten beide 1753. Caroline, nun verheiratete Fredersdorff, lebte mit ihm hauptsächlich auf Gut Zernikow, einer Schenkung des Königs vom Juni 1740,[4] und pflegte ihren Mann.[1]

Michael Gabriel Fredersdorff hatte das Herrenhaus von Zernikow, einen zweigeschossigen, barocken Bau mit Mansarddach, 1746 erbauen lassen und das Gut bis 1751 umfangreich erweitert, unter anderem um ein „Seidenhaus“ und eine Maulbeerbaumplantage mit 8.000 Bäumen für die Seidenraupenzucht. Er vergrößerte den Besitz durch den Kauf weiterer Ländereien und der Dörfer Kelkendorf (1750), Dagow (1753) und Burow (1755),[5] und ließ Alleen, einen Fasanengarten und einen Karpfenteich anlegen.[2] Trotz seiner Erkrankung kümmerte er sich um die Gutsgeschäfte und bezog auch seine Frau in die Verwaltung der Ländereien mit ein. Als er 1758 starb, wurde er in einer Gruft unterhalb der Dorfkirche in Zernikow beigesetzt. Caroline Fredersdorff wurde zur alleinigen Erbin des Besitzes.[1]

Spätere Ehen
Im August 1759 verlobte Caroline Fredersdorff sich mit dem adeligen Rittmeister und Kriegsveteranen Aschersleben[6] und heiratete ihn im Dezember desselben Jahres, ließ sich nach drei Monaten aber wieder scheiden.[1]

1760 heiratete Caroline Fredersdorff den aus Pommern stammenden bürgerlichen Geheimen Stiftsrat zu Quedlinburg und Kammerherrn Johann „Hans“ von Labes (1731–1776), der später in den Adelsstand erhoben wurde.[5] Sie lebte mit ihm in Berlin, wo die Tochter Amalie Caroline Friederike Johanna Dorothea (1761–1781)[6] und der Sohn Hans (1763–1831) geboren wurden.[1][3][4] Die Ehe verlief nicht glücklich, so dass Caroline von Labes ab 1767 getrennt von ihrem Mann in einem zweigeschossigen, großen und repräsentativen Haus Am Quarré 4 (das spätere Palais Arnim, Pariser Platz 4) in Berlin wohnte, das seit 1760 im Besitz der Familie war. Er zog nach Zernikow, wo ihn seine Frau mit den beiden Kindern jedes Jahr für ein paar Wochen besuchte. Sie missbilligte allerdings seinen exzentrischen Lebenswandel, seine Feiern und Trinkgelage und die Vernachlässigung des Gutsbesitzes.[7]

Weiteres Leben
Nach dem Tod ihres Mannes 1776 ließ Caroline von Labes 1777 das „Fredersdorffsche Erbbegräbnis“ in Zernikow errichten. Neben Hans von Labes ließ sie auch den Sarg ihres ersten Mannes dorthin überführen. In Folge widmete sie sich der Aufgabe, das Gut und die teils durch schlechte Verwaltung verfallenen Gebäude wieder instand zu setzen. Sie setzte sich für den Ausbau der Kirche ein und wandelte das Seidenraupenhaus in ein Hospital für kranke, alte und arbeitsunfähige Arbeiter der Gutsanlage um.[2][3] Zu ihrem Besitz gehörten außer den Fredersdorffschen Gütern und dem Haus in Berlin ein weiteres Haus mit Garten in Potsdam und zwei kleine Landgüter in Pankow, eine Meile von Berlin entfernt. Sie beschäftigte unter anderem eine Haushaltshilfe in ihrem Berliner Haus, zwei Kammermädchen, ein Hausmädchen, eine Köchin, ein Küchenmädchen, ein „französisches Fräulein“ für die Tochter, einen Haushofmeister, zwei Gärtner, eine Gartenfrau, einen Jäger, zwei Livreebediente, einen Kutscher, einen Vorreiter und zwei Kastellaninnen für Zernikow und Pankow.[7]


Pariser Platz 4, Berlin
Als ihre Tochter Amalie Caroline drei Wochen nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Karl Friedrich Joachim Ludwig von Arnim (der später unter dem Namen Achim von Arnim bekannt wurde) am 14. Februar 1781 in Berlin starb, ließ Caroline von Labes sie im Erbbegräbnis beisetzen. Sie übernahm für Achim und seinen 1779 geborenen älteren Bruder Karl Otto Ludwig von Arnim, genannt Pitt (1779–1861)[6], das Sorgerecht von deren Vater Joachim Erdmann von Arnim,[5] engagierte eine Amme für den Jüngsten und war fortan alleinverantwortlich für die Kinder.[8] Mit ihnen lebte sie hauptsächlich Am Quarré 4 in Berlin und teils auf Gut Zernikow.[2][4]

Sie galt als gute Reiterin, die die sechzig Kilometer von Berlin nach Potsdam und zurück zu Pferde im Herrensitz an einem Tag bewältigen konnte. Die Verwaltung ihrer Güter führte sie mit Strenge und Disziplin und erzog auch ihre Kinder und Enkel so. Später finanzierte sie ihren Enkeln ihr Studium und bis 1804 eine Studienreise durch Europa. Mit Achim von Arnim geriet sie wegen seiner Schriftstellerei, die sie als brotlose Kunst betrachtete, öfter in Konflikt, unterstützte ihn aber weiterhin finanziell, wie auch seinen Bruder.[8]

Letzte Jahre
Nachdem Preußen 1807 den Vierten Koalitionskrieg verloren hatte, wurden im Berliner Haus und den Gütern von Caroline von Labes französische Soldaten einquartiert, für deren üppige Verköstigung sie zu ihrer Empörung ebenfalls aufkommen musste. Im Jahr 1808 erlitt sie einen Schlaganfall; sie hatte zudem mit Vermögenseinbußen zu kämpfen. Zwar verfügte sie noch über wertvollen Grundbesitz, aber die „Westpreußischen Pfandbriefe“, in denen sie den größten Teil ihres Vermögens angelegt hatte, brachten keine Zinsen mehr. Außerdem zahlte sie die immensen Schulden von 15.400 Reichstalern ihres Enkels Carl Otto von Arnim bei seinen Gläubigern. Vergeblich versuchten ihre Enkel, ihre eigenen verwahrlosten Besitztümer, das Ländchen Bärwalde mit Schloss Wiepersdorf, zu verkaufen.[9]

Ab 1809 war Caroline von Labes auf Pflege angewiesen.[2] Sie starb kurz nach einem zweiten Schlaganfall im März 1810 im Alter von 80 Jahren. Ihr Sohn Hans erbte die Hälfte des Besitzes, die beiden Enkel je ein Viertel. Testamentarisch hatte sie verfügt, dass die Güter genutzt, aber nicht verkauft werden durften.[9] Ihrem Wunsch entsprechend wurde sie bei ihren verstorbenen Familienmitgliedern im Erbbegräbnis beigesetzt.[4] Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Särge von Caroline von Labes, Michael Gabriel Fredersdorff, Hans von Labes, ihrer Tochter Amalie Caroline von Arnim und ihrem 1861 dort beigesetzten Enkel Carl Otto Ludwig von Arnim von der sowjetischen Armee aus der Begräbnisstätte entfernt und ohne Bezeichnung des Beerdigungsplatzes hinter der Kirche begraben
 
DAUM, Caroline Marie Elisabeth (I52741)
 
880 Arnim-Muskau besuchte das französische Collège in Berlin und die Gymnasien in Halle und Brandenburg. Er studierte Rechtswissenschaften in Göttingen, Heidelberg und Berlin von 1859 bis 1862. 1859 wurde er Mitglied des Corps Saxonia Göttingen.[1] 1861 schloss er sich dem Corps Saxo-Borussia Heidelberg an.[2] Danach war er erst Auskultator in Berlin, dann 1863 Referendar bei der Regierung in Breslau. Anschließend war er bis 1875 im diplomatischen Dienst und war Legationssekretär in St. Petersburg, Paris, Konstantinopel und Washington. Weiter war er Geschäftsträger in Brüssel und Lissabon und fungierte als Sekretär bei den Friedensverhandlungen in Brüssel und Frankfurt a. M., sowie Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt in Berlin. Er nahm 1875 wegen des gegen den Grafen Harry Arnim eingeleiteten Landesverrats-Prozesses seinen Abschied aus dem Staatsdienst und wurde wegen Parteinahme für den Grafen Harry Arnim in der Presse und Beleidigung des Fürsten Otto von Bismarck zu vier Wochen Gefängnis verurteilt, die er in Prenzlau verbüßte. Als Reserveoffizier im Brandenburgischen Husaren-Regiment Nr. 3 der Preußischen Armee nahm er an den Einigungskriegen 1863/64, 1866 und 1870/71 teil.

Mit dem Kauf der Standesherrschaft Muskau im Jahr 1883 wurde er Großgrundbesitzer.[3] Er setzte die von seinem Vorgänger angestrebte Industrialisierung der Forstbetriebe fort und steigerte die Rentabilität seiner Unternehmen. Standesgemäß wurde er Amtsvorsteher und Ehren-Vorsitzender des Kommunal-Landtages der Oberlausitz und behielt ebenso in Berlin seine gute Reputation.[4] Er veröffentlichte auch eine Publikation über den börsenmäßigen Terminhandel und die Landwirtschaft.[5]

Von 1887 bis 1907 vertrat er als Abgeordneter des aus den Landkreisen Rothenburg (Oberlausitz) und Hoyerswerda bestehenden Wahlkreises 10 im Regierungsbezirk Liegnitz die Deutsche Reichspartei im Deutschen Reichstag. Von 1909 bis 1918 gehörte er dem Preußischen Herrenhaus an.[6]

Arnim-Muskau war Vizepräsident des Alldeutschen Verbandes.[7] 
VON ARNIM-MUSKAU, Traugott Hermann (I58119)
 
881 Arnold I. von Scheyern war der jüngste Sohn von Otto I. von Scheyern und Haziga von Dissen und Bruder von Bernhard I. von Scheyern, Otto II. von Scheyern und Ekkehard I. von Scheyern.

Er soll nach dem Bruder seiner Mutter benannt worden sein und begründete den Nebenzweig der Grafen von Scheyern-Dachau(-Valley).

Um 1078 wurde er Graf von Scheyern. Ab 1104 besaß er die Grafschaft Dachau und nannte sich fortan Graf von Dachau. Seine Witwe erteilte 1123 die Zustimmung zur Verlegung des Klosters Eisenhofen, das der Bruder von Arnold I., Otto II. von Scheyern gestiftet hatte. Bei der Stiftung der Stammburg Scheyern als Kloster, welche eine Bestätigungsurkunde aus dem Jahre 1123 erhielt, war die Witwe als Anteilseignerin mit ihren beiden Söhnen Konrad I. und Otto I. anwesend.

Das Kloster Scheyern,
korrekt benannt Kloster Bayrischzell-Fischbachau-Petersberg/Eisenhofen-Scheyern, ist eine Benediktinerabtei (Abtei Mariä Himmelfahrt und zum Heiligen Kreuz) in Scheyern in Oberbayern. Es liegt im Erzbistum München und Freising und gehört der Bayerischen Benediktinerkongregation an.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte des Klosters im heutigen Bayrischzell. Gräfin Haziga, die spätere Frau des Grafen Otto I. von Scheyern, und ihr erster Mann, Graf Hermann von Kastl, ließen dort Gebiete roden und unterstützten die Gründung einer Mönchszelle 1077. Die Zelle wurde von Mönchen aus dem an der cluniazensischen Kirchenreformbewegung orientierten Kloster Hirsau im Schwarzwald besiedelt und wechselte 1087 ins nahe gelegene Fischbachau, das Haziga vom Freisinger Bischof ertauscht hatte. 1095 wurde die Zelle in Fischbachau päpstlich bestätigt. Der zunehmende Platzmangel und die fehlenden Möglichkeiten, Besitz zur Existenzsicherung zu erwerben, führten im Zeitraum zwischen 1102 und 1107 zum Umzug auf den Petersberg bei Dachau, wo Haziga, ihre Söhne Bernhard, Ekkehard und Otto sowie Graf Berthold von Burgeck großzügig Besitzungen an das Kloster übergaben.

1102 wurde das Kloster zur Abtei erhoben und unter päpstlichen Schutz gestellt. Das bedeutete das Recht der freien Abtwahl und eigentlich auch die Vogtfreiheit. Jedoch trat ab 1107 Otto von Scheyern als alleiniger Schutzvogt des Klosters auf und übte dadurch einen bedeutenden Einfluss auf die inneren Belange der Abtei aus.

Nach Scheyern zogen die Mönche 1119, nachdem Graf Otto V. von Scheyern als neuer Graf von Wittelsbach in die Burg Wittelsbach umgezogen und ihnen die nunmehr ungenutzte Burg Scheyern als sein Hauskloster mit Grablege bestimmt und zugewiesen hatte. Ausschlaggebend für den Umzug vom Petersberg bei Eisenhofen nach Scheyern waren für das Kloster die besseren natürlichen Gegebenheiten für eine Bewirtschaftung, unter anderem die Errichtung eines eigenen Brauereibetriebes, und der Wunsch des Grafen von Scheyern nach einem Hauskloster in einem Bereich, in dem er eine stärkere Position innehatte als im Gebiet um Eisenhofen.

Wieder schenkte die Gründerdynastie (neben ihrer alten Stammburg) beträchtliche Güter an ihr Hauskloster, das bis 1252 als Familiengrabstätte diente.[5] Der Wittelsbacher Einfluss ging erst mit der Verleihung der niederen Gerichtsbarkeit durch Ludwig den Bayern im Jahr 1315 und dem damit verbundenen Ende der Vogtherrschaft merklich zurück.

Im 13. Jahrhundert war das Kloster für seine Malschule und sein Skriptorium bekannt. Am 15. November 1802 kam das Kloster in landesherrliche Verwaltung, am 21. März 1803 wurde es im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Die Gebäude wurden verkauft und wechselten in kurzer Zeit mehrfach den Besitzer. Am 20. September 1838 wurde das Kloster von König Ludwig I. von Bayern als Propstei wiedererrichtet und am 18. März 1842 zur Abtei erhoben. 1876 bis 1878 wurde die Stifts- und Pfarrkirche Heilig Kreuz und Mariä Himmelfahrt reromanisiert. 
VON SCHEYERN, Arnold I. (I35951)
 
882 Arnold II. gab vor 1031 zwei Drittel seines Gutes in Tärzens bei Innsbruck an das Kloster Benediktbeuern. VON REICHERSBEUERN, Arnold II. (I36788)
 
883 Arnolf entstammte dem Geschlecht der Karolinger, die seit 751 die fränkische Königswürde innehatten. Damit war er ein Ururenkel KARLS DES GROßEN und Enkel LUDWIGS DES DEUTSCHEN: Seine Mutter ist als nobilissima femina (hochedle Frau) bei Regino von Prüm und Notker I. bezeugt, was in der Forschung zu einer Einordnung bei den Luitpoldingern geführt hat. Man hat sie aber auch den Ebersbergern und Sighardingern zugeordnet.[2] Später wandte sich Karlmann von Liutswind ab; vor 861 heiratete er eine namentlich unbekannte Tochter des Markgrafen Ernst. Diese Ehe blieb kinderlos.

Arnolfs Vorgänger Karl III. („der Dicke“) vereinte für kurze Zeit alle drei Teilreiche und damit das Reich Karls des Großen unter seiner Herrschaft. Angesichts der sich abzeichnenden Regierungsunfähigkeit Karls konnte ihn Arnolf mit Hilfe der Bayern, Franken, Sachsen, Thüringer und Alemannen stürzen und selbst die Königswürde übernehmen. Arnolf beschränkte sich auf das Ostreich seines Großvaters, Ludwigs des Deutschen, während in den übrigen Teilen des Frankenreiches andere Große die Königswürde beanspruchten. Ab 888 konnte Arnolf seine Herrschaft über Lothringen wie auch Reichsitalien festigen. Mit seinem Sieg an der Dijle bei Löwen 891 fanden die Normannenüberfälle auf das Ostfrankenreich ein Ende. Die dadurch im Norden erreichte Stabilität förderte den Aufstieg der Liudolfinger, die wenige Jahrzehnte später die Königsfamilie im Reich stellten. Arnolfs Pakt mit den Ungarn, die im 10. Jahrhundert zur größten Bedrohung für das Ostfrankenreich werden sollten, verdüsterte sein Bild in der Nachwelt. In Rom ließ sich Arnolf 896 zum Kaiser krönen. Zu seiner Zeit erreichte Regensburg den Höhepunkt seiner Bedeutung als Herrschaftszentrum im Ostfrankenreich.

Leben
Herkunft

Stammtafel der Karolinger aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ekkehard von Aura, Chronicon universale, Berlin, Staatsbibliothek, Ms. lat. fol. 295, fol. 80v
Arnolf entstammte dem Geschlecht der Karolinger, die seit 751 die fränkische Königswürde innehatten. Er war ein außerehelicher Sohn des ostfränkischen Königs Karlmann mit einer Adligen namens Liutswind, deren Herkunft ungewiss ist. Damit war er ein Ururenkel Karls des Großen und Enkel Ludwigs des Deutschen. Seine Mutter ist als „nobilissima femina“ (hochedle Frau) bei Regino von Prüm und Notker I. bezeugt, was in der Forschung zu einer Einordnung bei den Luitpoldingern geführt hat.[1] Man hat sie aber auch den Ebersbergern und Sighardingern zugeordnet.[2] Später wandte sich Karlmann von Liutswind ab; vor 861 heiratete er eine namentlich unbekannte Tochter des Markgrafen Ernst. Diese Ehe blieb kinderlos.[3]

Nach Brigitte Kasten war eine uneheliche Abkunft in der Karolingerzeit nicht von Nachteil und kein Ausschlusskriterium für die Königsherrschaft. Das „Rechtsargument der Illegitimität“ sei bei der Herrschaftsnachfolge „weniger eine Generationen übergreifende Normbildung als in erster Linie eine variabel gehandhabte Strategie des Machterhalts“ gewesen.[4] Nach einer neueren Forschungsmeinung beruhte die monarchische Autorität eines unehelich geborenen Herrschers weniger auf seiner väterlichen Abstammung als auf seiner Fähigkeit, sich in die Adelsgesellschaft zu integrieren.[5] Bei den Geschichtsschreibern trat Arnolfs uneheliche Geburt in den Hintergrund.[6] Dagegen versucht Matthias Becher nachzuweisen, dass Arnolf ehelich geboren war. Becher vermutet, „dass Arnulf vielleicht nur zu einem Zeitpunkt geboren wurde, zu dem Ludwig der Deutsche als Vater Karlmanns dessen Ehe mit der Tochter des aufständischen Markgrafen Ernst nicht anerkannt hatte – vielleicht auch nur rückwirkend“.[7]

Ludwig der Deutsche schickte 856 seinen Sohn Karlmann in die bairischen Marken, um diese wichtige Region unter seine Kontrolle zu bringen. Karlmann betrieb jedoch eine so eigenständige Politik, dass Ludwig dies als Aufstand auffasste. Eigenmächtig schloss Karlmann 858 Frieden mit dem von den Ostfranken seit Jahren bekämpften Rastislav von Mähren. Die folgenden Jahre waren von Rebellion und Ausgleich zwischen Vater und Sohn geprägt. Erst 865 söhnte sich Ludwig dauerhaft mit Karlmann aus. Nach Ludwigs Tod erhielt Karlmann 876 Bayern, Pannonien und Karantanien sowie die Reiche der Slawen, worauf er vermutlich im selben Jahr seinem Sohn Arnolf einen Herrschaftsraum in Karantanien und Pannonien zuwies. Ein wichtiges Herrschaftszentrum dieses Areals war Regino von Prüm[8] und anderen zeitgenössischen Quellen zufolge die Königspfalz „Mosaburg“. Diese lag vermutlich im heutigen Zalavár in Südwest-Ungarn, dem Hauptort des Plattensee-Fürstentums, wo in diesen Jahren ein steinernes Palastgebäude entstand.[9] Daneben wurde die „Mosaburg“ Arnolfs aber auch häufig mit der Arnulfsfeste in der Kärntener Gemeinde Moosburg identifiziert und diese darüber hinaus als möglicher Geburtsort Arnolfs diskutiert. Heinz Dopsch vermutet jedoch angesichts der bayerischen Herkunft von Arnolfs Mutter, dass er wohl eher in Bayern, vielleicht in Regensburg geboren wurde.[10]

Entmachtung Karls III. und Königserhebung Arnolfs
Die Herrschaftszeit Ludwigs des Deutschen war mit 50 Jahren ungewöhnlich lang. Dies hatte zur Folge, dass seine Söhne erst in relativ hohem Alter an die Macht kamen. Mit seinem Tod setzte 876 eine rasche Folge von Herrscherwechseln im Ostreich ein. Ähnlich wie im Westreich reduzierte sich durch mehrere unerwartete Todesfälle die Anzahl der karolingischen Könige und Königssöhne. Die älteren Söhne Ludwigs des Deutschen, Karlmann und Ludwig der Jüngere, starben bereits 880 bzw. 882. Ludwig der Jüngere hatte zuvor schon seine beiden Söhne Ludwig († 879) und Hugo († 880) verloren. Dadurch konnte Karl III. „der Dicke“, der jüngste Sohn Ludwigs des Deutschen, für kurze Zeit alle drei Teilreiche und damit noch einmal das gesamte Frankenreich unter seiner Herrschaft vereinen. Die raschen Herrscherwechsel sowie Karls lange Aufenthalte in Italien und im Westreich beeinträchtigten aus der Sicht der ostfränkischen Großen die Kontinuität der Herrschaftsausübung im Osten. Karls Ehe mit der Alemannin Richgardis blieb kinderlos, so dass mit Arnolf und Bernhard aus der Linie Ludwigs des Deutschen nur zwei uneheliche Königssöhne verblieben. Karl sah offenbar strikt von einer Favorisierung Arnolfs als Nachfolger ab, da er ihn in keiner seiner Urkunden erwähnte.[11] Im Mai 887 adoptierte er den höchstens sechsjährigen Ludwig, den Sohn des im Januar verstorbenen Boso von der Provence. Damals litt er schon seit einiger Zeit unter heftigen Krankheitsattacken und zunehmendem Siechtum. Er ahnte offenbar, dass er nicht mehr lange zu leben hatte, denn ab etwa 885 finden sich in seinen Diplomen in auffälliger Form zahlreiche Bestimmungen für sein Seelengedächtnis.[12] Die Krankheit, die Bedrohungen durch Normannen, Slawen und Mährer sowie die ungelöste Nachfolgefrage erschütterten Karls Autorität im Reich.

Als im November 887 in Tribur eine Reichsversammlung zusammentreten sollte, war Karls Regierungsunfähigkeit den Großen bereits deutlich geworden. Sie blieben der Versammlung fern und verweigerten damit ihre Zustimmung. Ein Boykott solchen Ausmaßes kam einer Herrscherverlassung – der faktischen Aufkündigung der Loyalität – gleich. Den Grund dafür sieht man traditionell in der gängigen Einschätzung Karls „des Dicken“ als schwacher und lethargischer Herrscher. Nach Simon MacLean (2003) hingegen war nicht ein persönliches Versagen Karls oder seine Krankheit für seinen Sturz entscheidend, vielmehr lag die Ursache in strukturellen Mängeln eines zu wenig institutionalisierten Herrschaftsapparates; eine in den Quellen teils suggerierte lange vorbereitete Verschwörung von Adelskreisen sei ebenso unzutreffend.[13] Achim Thomas Hack untersuchte 2009 das Itinerar des Königs, seine Bereitschaft zur konsensualen Herrschaft mit den Großen und die überlieferten Urkunden der letzten 13 Monate vor dem Sturz; dabei konnte er keine Beeinträchtigung der Herrschaftsausübung Karls feststellen.[14]

Die ostfränkischen Großen brachten Arnolf aufgrund seines Alters und seiner politischen und militärischen Qualifikation größeres Vertrauen entgegen als dem um 876 geborenen Bernhard.[15] Daher huldigten sie ihm als ihrem neuen König. Zeitgenössische Geschichtsschreiber sahen diesen Schritt als Zäsur an. Die bairische Fortsetzung der Fuldaer Annalen notierte, dass in „Europa“ viele Kleinkönige (reguli) hervortraten.[16] Im Jahr 888 griffen gleich sechs nichtkarolingische Prätendenten nach dem Königtum: im Westfrankenreich der Robertiner Odo, in Hochburgund der Welfe Rudolf, in Italien Berengar von Friaul und Wido von Spoleto, in der Provence Ludwig III., in Aquitanien Ramnulf von Poitiers. Sie alle außer Wido huldigten Arnolf, der sie seinerseits in ihren Machtbereichen anerkannte. Er erhob keine über das ostfränkische Reich hinausgehenden Herrschaftsansprüche.[17]

Die verbliebenen Anhänger des Kaisers musste Arnolf teils gewaltsam unterwerfen, teils durch Drohungen, Ehrungen oder Zugeständnisse für sich gewinnen. Karls letzte Urkunde datiert vom 17. November, Arnolfs erste vom 27. November 887.[18] Nach Hagen Keller fand die eigentliche Wahl Arnolfs erst Mitte Dezember 887 in Forchheim statt. Mit seiner Wahl in Forchheim begründete Arnolf die Tradition eines festen Orts der Königswahl. Er urkundete dort am 11. und 12. Dezember.[19] Der gestürzte Karl starb allein und verlassen bereits am 13. Januar 888 im alemannischen Neudingen. Mit seiner faktischen Beschränkung auf das Ostfrankenreich machte Arnolf den Weg für die Etablierung nichtkarolingischer Herrschergeschlechter in den anderen Teilen des fränkischen Gesamtreichs frei. Anfang 888 empfing er in Regensburg die Großen aus Bayern, Ostfranken, Sachsen, Thüringen und Alemannien sowie zahlreiche Slawen. In der zweiten Jahreshälfte begann er allmählich, sich als unumstrittener Oberherr des Gesamtreichs zu inszenieren. Die von ihm akzeptierten reguli sollten seine eher formale Oberhoheit respektieren. Dadurch schaffte er es, „als anerkanntes Oberhaupt der Deszendenten Karls des Großen auf der Basis eines gesicherten Teilreichs […] eine lockere Suprematie über die anderen zu wahren, die sich nun ebenfalls Könige nannten“.[20]

Bernhard, der uneheliche Sohn Karls des Dicken, lehnte sich 890 von Alemannien aus mit geistlichen und weltlichen Großen gegen Arnolf auf.[21] Namentlich bekannte Teilnehmer dieses Aufstands sind Abt Bernhard von St. Gallen, ein Priester Isanrich und ein Udalrich, der Inhaber mehrerer alemannischer Grafschaften und Sohn eines nepos (Neffen) Ludwigs des Deutschen war.[22] Die Erhebung wurde niedergeschlagen, Bernhards Anhänger verloren Ämter und teilweise ihren Besitz. Bernhard selbst konnte über Rätien nach Italien entkommen. Dort wurde er 891 vom rätischen Markgrafen Rudolf umgebracht.[23]

Herrschaftsstruktur und Herrschaftspraxis
Politik gegenüber weltlichen und geistlichen Großen
Die ältere verfassungsgeschichtliche Forschung sah seit dem 19. Jahrhundert die Karolinger an der Spitze eines hierarchisch auf die Person des Königs ausgerichteten Herrschaftsverbandes. Darin liegt aus heutiger Sicht eine Überschätzung der Macht des Königs, der nicht der allein dominierende Herrschaftsträger war. Vielmehr war es seine Aufgabe, durch Verfügungen und deren Umsetzung Ordnung in das komplizierte Herrschaftsgefüge zu bringen. Dem karolingischen König fehlte weitgehend ein institutioneller Herrschaftsapparat. Er musste die anderen Herrschaftsträger im Konsens zur Mitwirkung gewinnen („konsensuale Herrschaft“). Trotz regem schriftlichem und mündlichem Austausch über Boten konnten angesichts der Größe des Reichs und der schlechten Verkehrsbedingungen Probleme nur im persönlichen Zusammentreffen mit Beteiligung aller wichtigen Personen geklärt werden. In vertraulichen Gesprächen mit einer beschränkten Teilnehmerzahl wurde der Konsens erzeugt. Durch Geschenke, Versprechungen und Drohungen konnte der König diese Verhandlungen in seinem Sinne beeinflussen. Seine Anhänger musste er für treue Dienste belohnen. So ist von Arnolf eine hohe Anzahl an Schenkungsurkunden für bayerische Adlige überliefert.[24] Mit der Herstellung von Konsens demonstrierte der Herrscher seine Integrationsfähigkeit.[25] Die Gruppe von Adligen, die seine Entscheidungen mitbestimmte, war relativ klein. Von den 150 bis 200 geistlichen und weltlichen Amtsträgern des ostfränkischen Reiches war nur ein Bruchteil an wichtigen politischen Entscheidungen beteiligt.[26] Die Beziehungsnetzwerke zum König waren dabei ständigen Wandlungen unterzogen. Ein dominierender Berater ist bei Arnolf nicht auszumachen. Liutward von Vercelli, der unter Karl III. eine außerordentliche Vertrauensstellung eingenommen hatte, spielte nach dessen Sturz keine Rolle mehr. Nur ein einziges Mal – im Sommer 888 – ist er bei Arnolf nachzuweisen, und dies in völlig unbedeutender Position.[27] Der wohl engste Vertraute unter den weltlichen Großen war Luitpold von Bayern. Er wurde 893 zunächst Graf von Karantanien und übernahm dann eine führende Stellung im gesamten bayerischen Markengebiet.[28]

Das Ostfränkische Reich bildete zwar den Machtbereich des Königs, war aber ebenso wie das Westreich nicht durch den Bezug auf seine Person oder auf das Karolingergeschlecht bestimmt. Nach dem Verständnis der Großen stellte ein Reich eine eigenständige Einheit dar, die letztlich der Verfügung der adligen Führungsschicht unterstand. Dieser stand es grundsätzlich zu, nicht nur einen Herrschersturz, sondern auch einen Dynastiewechsel herbeizuführen. Herrscherverlassungen und „Einladungen“ zur Herrschaftsübernahme kamen in spätkarolingischer Zeit nicht nur vereinzelt vor.[29] Als im Jahr 888 westfränkische Große Arnolf die dortige Herrschaft anboten, da sie den karolingischen Thronerben wegen seiner Unmündigkeit nicht akzeptieren wollten, lehnte er ab. Stattdessen lud er den nichtkarolingischen Prätendenten Odo zu einer Zusammenkunft ein und schloss im August 888 ein Freundschaftsbündnis mit ihm. Im November 888 ließ sich Odo in Reims mit einer Krone, die er von Arnolf erhalten hatte, zum zweiten Mal zum westfränkischen König krönen, nachdem er schon im Februar im Anschluss an seine Königswahl gekrönt worden war.[30]

Von Arnolfs 176 überlieferten Urkunden wurden 72 in den ersten beiden Regierungsjahren vom 27. November 887 bis zum 8. Dezember 889 ausgestellt. Bereits aus den ersten hundert Tagen (27. November 887 bis 23. Februar 888) sind 18 Königsurkunden überliefert. Von keinem anderen frühmittelalterlichen Herrscher ist eine so hohe Anzahl an Urkunden aus den ersten drei Monaten erhalten.[31] Geoffrey Koziol meint, die bisherige Forschung habe die Bedeutung des karolingischen Urkundenwesens unterschätzt. Die Karolingerurkunden seien nicht als bloße Rechtsakte im Verwaltungshandeln zu betrachten, vielmehr seien sie als wichtige Akte der Herrschaftsrepräsentation und zentrale Medien der Machtsicherung zu würdigen. Bei der Herrschaftsnachfolge seien sie als Mittel der Legitimation bedeutsam gewesen. Sie hätten dem Aufbau von Beziehungen zu den Großen und den Klöstern des Reiches gedient. Insbesondere die ersten und die letzten Urkunden eines Königs seien für Legitimationsstiftung und -verlust wichtig gewesen.[32]

Mit 27 Prozent ist der Anteil der weltlichen Empfänger deutlich höher als bei Ludwig dem Deutschen, Ludwig dem Jüngeren oder Karl III. Der durch Rebellion an die Herrschaft gekommene Arnolf versuchte, mit Hilfe zahlreicher Diplome für weltliche Empfänger deren Gunst zu erwerben.[33] Besonders im Südosten des Reiches ist eine hohe Anzahl an Schenkungen für geistliche und weltliche Große aus seinem ersten Jahr überliefert. Dabei ist in den Arengen, den Einleitungen seiner Urkunden, ausdrücklich vom erwiesenen crebrum servicium (zahlreiche Dienste) oder obsequium (Gehorsam) der Begünstigten zu lesen.[34]

Unter den Empfängern sind 130 Geistliche auszumachen. 53 Urkunden wurden für Klöster ausgestellt. Besonders begünstigt wurde St. Gallen mit sechs Urkunden; Reichenau und Fulda erhielten jeweils vier, Lorsch und Metten je drei. Corvey, Gandersheim, Prüm, St. Maximin bei Trier, St. Arnolf in Metz, Ötting und Kremsmünster wurden mit jeweils zwei Urkunden bedacht. Die Bischofskirchen und Bistümer bilden mit 37 Urkunden die zweite große Empfängergruppe. Zehn Urkunden gingen an Erzbischöfe und Bischöfe, 22 an einzelne Kirchen oder Kapellen. Arnolf stattete besonders kirchliche Institutionen außerhalb Bayerns aus, um sich ihre Unterstützung zu sichern. Ein Schwerpunkt lag hierbei auf Alemannien (St. Gallen und Reichenau) und Lothringen.[35]

Arnolf war um ein Kräftegleichgewicht zwischen den einzelnen Interessengruppen im Reich bemüht. Zu Beginn seiner Herrschaft stützte er sich vor allem auf die Konradiner, die im östlichen Franken und Lothringen begütert waren. Höhepunkt dieser Politik, mit der Arnolf den Einfluss der Babenberger zurückdrängen wollte, war die Besetzung des Bistums Würzburg mit dem jüngsten Konradiner Rudolf. Dadurch stiegen die Konradiner zum mächtigsten Adelsgeschlecht des Reiches auf. Ihre massive Begünstigung seit 892 machte Arnolf allerdings ab etwa 895 teilweise rückgängig; sie mussten ihre nach Osten gerichteten Ambitionen zurückstellen.[36]

Für eine enge Zusammenarbeit des Königs mit den Bischöfen waren die Synoden von besonderer Bedeutung. Zwischen 873 und 887 war trotz vielfältiger Bemühungen keine Bischofsversammlung zustande gekommen. Unter Arnolf stieg die Anzahl der Synoden und ihrer Beschlüsse; zu seiner Zeit tagten von 888 bis 895 sechs Synoden.[37] Bei der Einberufung dieser Bischofsversammlungen kam dem König eine wichtige Rolle zu. Arnolf konnte sie zur Herrschaftsrepräsentation nutzen. Nach Wilfried Hartmann bemühten sich die Bischöfe spätestens ab 888 um ein gutes Verhältnis zu ihm. Den Höhepunkt seiner Autorität erreichte Arnolf im Jahr 895 auf der Synode von Tribur, auf der er den Vorsitz führte. Die Bischöfe feierten ihn als Herrscher von Gottes Gnaden.[38]

Itinerar und Zentralorte
Die Effizienz der Herrschaft hing wesentlich von der persönlichen Präsenz des Königs bei einer sehr kleinen Gruppe herausgehobener Herrschaftsträger ab.[39] Um den für die Konsensbildung notwendigen Kontakt herzustellen, musste der König so oft wie möglich die persönliche Begegnung mit den Großen suchen. Bei einer zu langen Verweildauer an einem Ort drohte eine Entfremdung zwischen dem Herrscher und den Großen entfernter Regionen. So vermerkte der Regensburger Fortsetzer der Fuldaer Annalen kritisch, Arnolf habe sich zu lange in Regensburg aufgehalten. Die karolingischen Könige reisten vornehmlich von Pfalz zu Pfalz.[40] Neben den aktuellen politischen Erfordernissen bestimmte auch der jeweilige Gesundheitszustand des Herrschers das Itinerar. Anders als seine Vorgänger verließ Arnolf das ostfränkische Reich nur für zwei Feldzüge gegen die Mährer (892 und 893) und seine beiden Italienzüge (894 und 895/96).[41]

Unter Arnolf verschoben sich ab 888 die räumlichen Schwerpunkte im ostfränkischen Reich. Im von Karl III. bevorzugten Alemannien war Arnolf lediglich in den Anfangsjahren seiner Regierung anzutreffen. Nur auf dem Rückweg von Burgund im Frühjahr 894 hielt sich Arnolf noch einmal in Alemannien auf.[42] Zentrale Bedeutung erhielt vor allem Bayern, der Herrschaftsschwerpunkt seines Vaters. Regensburg entwickelte sich unter Arnolf zu einem herausragenden Herrschaftszentrum.[43] Dort wurde etwa ein Drittel seiner Urkunden ausgestellt. Als Versammlungsort trat es neben Rheinfranken. In Regensburg fanden vier Reichsversammlungen statt (887/888, 895, 897 und 899).[44] In unmittelbarer Nähe zur Regensburger Abtei St. Emmeram begann Arnolf mit dem Bau einer neuen Königspfalz.[45] Nach Peter Schmid hat Arnolf mit der Königspfalz, der Verehrung des heiligen Emmeram als Reichspatron und dem Bestreben, die Kirche des Heiligen als karolingische Grablege zu begründen, in Regensburg „einen ideellen Mittelpunkt seines Reichs schaffen wollen“.[46] In Regensburg weilte er mit 22 Aufenthalten am häufigsten; er ist dort in jedem Jahr seiner Regierungszeit nachweisbar[47] und machte die Stadt zum bevorzugten Ort seiner Herrschaft. Dreimal verbrachte er den Winter dort und sechsmal beging er dort das Osterfest.[48] Mit deutlichem Abstand folgt Frankfurt mit 11 Aufenthalten. Im Gegensatz zu seinem Großvater Ludwig, dem als König neben Regensburg das Rhein-Main-Gebiet mit dem Zentrum Frankfurt gleich wichtig gewesen war, konzentrierte sich Arnolf vornehmlich auf Bayern. Allerdings titulierte er sich anders als sein Vater Karlmann nicht als rex Baiuvorum (König der Bayern).[49]

Ein Vergleich der Urkundenpraxis des ostfränkischen Königs mit seinem Itinerar zeigt, dass sein Wirkensbereich im Hinblick auf seine persönlichen Kontakte keineswegs auf die politischen Zentrallandschaften begrenzt blieb. So besuchte er Sachsen lediglich einmal, doch kamen von dort kontinuierlich Bittsteller mit ihren Wünschen zu ihm nach Rheinfranken.[50]

Zusammensetzung von Kanzlei und Hofkapelle

Eine Schenkungsurkunde Arnolfs, ausgestellt am 15. April 890 in Regensburg. München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Kaiserselekt 73 = Urkunde: Kloster Niederaltaich Urkunden (790–1801) 13. In: Monasterium.net. ICARUS – International Centre for Archival Research (KU Niederaltaich 13, Farbabbildung von D. 77 mit Vorder- und Rückseite).
Mit dem Sturz Karls III. verschwand auch dessen Kanzlei. Nach Mark Mersiowsky gab es „kaum Kontinuitäten von ihm zu Arnolf“.[51] Arnolf konnte beim Sturz seines Vorgängers nicht auf eine eigene Kanzlei zurückgreifen. Ein Großteil der bei der Urkundenausstellung anfallenden Arbeit wurde daher an die Empfänger delegiert. Als Kanzleileiter nahm der Regensburger Diakon Aspert von 888 bis 891 großen Einfluss auf die Kanzleigeschäfte. Nach Asperts Ernennung zum Regensburger Bischof im Juli 891 erlangte der Notar Engilpero bis März 893 größere Bedeutung im Urkundenwesen.[52] Das eigentliche Urkundengeschäft wurde in der Kanzlei von zahlreichen Gelegenheitsschreibern besorgt. Daher fiel die Gestaltung der Urkunden unterschiedlich aus. Die nach Arnolfs Kaiserkrönung ausgestellten Urkunden zeigen eine „imperiale Stilisierung“. Infolge seines Schlaganfalls 896 und seiner eiligen Rückkehr vom Romzug blieben die Änderungen allerdings langfristig gering.[53]

Die Hofkapelle am Königshof war für die Seelsorge und für die Abhaltung von Gottesdiensten zuständig. Von Karl III. hatte Arnolf zahlreiche Hofgeistliche übernommen. Mehrere Angehörige der Hofkapelle wurden auf ostfränkische Bischofssitze befördert. Salomo wurde 890 Bischof von Konstanz und Abt von St. Gallen. Der Hofkapellan Hatto wurde 888 Abt von Reichenau und 891 Erzbischof von Mainz. Arnolf hob Personen in Führungspositionen, die ihm am Beginn seiner Herrschaft ferngestanden hatten.[54] Dem Freisinger Bischof Waldo, dem Bruder Salomos, wurde 889 die schwäbische Abtei Kempten übertragen. Von solchen Erhebungen in geistliche Ämter versprach sich Arnolf Loyalität der Amtsträger und eine Bindung ihrer Familien an ihn als Herrscher.[55] Hatto von Mainz und Waldo von Freising sind häufig in der Umgebung des Herrschers nachgewiesen. Sie begleiteten Arnolf bei seinem Italienzug Anfang 894 und auch bei dem zweiten Italienzug 895/96 zur Kaiserkrönung.[56]

Normannen
Im Verlauf des 9. Jahrhunderts fielen wiederholt Normannen in das Frankenreich ein. So wurden 881 Maastricht, Tongern und Lüttich geplündert. Die wenigen Abwehrerfolge wurden vor allem von regionalen Kräften unter der Führung von Adligen und Bischöfen errungen, während Karl III. gegen die Normannen militärisch erfolglos blieb. Den Abzug der Invasoren von ihrem Stützpunkt Asselt (nördlich von Roermond) im Sommer 882 konnte Karl nur durch reiche Geschenke erreichen. Die Geschenke deuteten Zeitgenossen als Tributzahlungen und als Beweis für seine geringe Befähigung als Herrscher.[57] An einem Feldzug Karls im Sommer 882 gegen die Normannen hatte Arnolf teilgenommen.

Im Sommer 891 zog Arnolf mit einem Heer zuerst nach Arras und anschließend nach Löwen und konnte mit seinem Sieg an der Dijle die Normannenüberfälle auf das Ostfrankenreich beenden.[58] Die Normannen wandten sich daraufhin endgültig von seinem Teilreich ab und konzentrierten sich fortan auf das Westfrankenreich. Dadurch konnte sich der Norden von Arnolfs Reich festigen.

Feldzüge gegen die Mährer und Pakt mit den Ungarn

Ungefähre Grenzen Mährens unter der Herrschaft Moimirs I. (um 830–846)

Karolingische Reiterei aus dem Psalterium aureum (St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 22, S. 140).
Die Mährer gehörten zu den gefährlichsten Gegnern des ostfränkischen Reiches in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Über Jahrzehnte versuchten die mährischen Herrscher Moimir, Rastislav und Svatopluk I. (Zwentibald), sich aus der fränkischen Oberherrschaft zu lösen und ein Königreich aufzubauen. Zu Konflikten kam es, da sich beide Seiten für Unterpannonien interessierten. In Forchheim konnte 874 ein Frieden des Ostfrankenreichs mit den Mährern geschlossen werden, der anscheinend zehn Jahre Bestand hatte; jedenfalls sind für diese Zeitspanne keine Kampfhandlungen überliefert.[59] Bei seinem Herrschaftsantritt 876 in Karantanien und Pannonien unterhielt Arnolf gute Beziehungen zu dem Mährerfürsten Svatopluk, der schon um 870/71 die Taufpatenschaft von Arnolfs Sohn Zwentibold übernommen hatte.[60] Nach seiner Königswahl war Arnolf zunächst an einem Frieden mit Svatopluk gelegen. Im Frühjahr 890 trat er ihm deshalb die Oberhoheit über Böhmen ab. Der 891 erneuerte Friedensvertrag hielt aber nur kurze Zeit. Arnolfs ruhmreicher Sieg über die Normannen ermöglichte es ihm, seine Königsherrschaft im ostfränkischen Reich zu konsolidieren und den Kampf gegen Svatopluk aufzunehmen.[61] Er wollte seine Position im Osten stärken und verlorene Gebiete zurückerobern. Gegen das Mährerreich unternahm Arnolf im Sommer 892 und 893 Feldzüge. Nach Svatopluks Tod 894 konnte er mit dessen Söhnen Frieden schließen.

Bei den Kämpfen gegen die Mährer und auch im weit entfernten Italien griff Arnolf auf die Ungarn als Verbündete zurück. Man warf ihm daher später vor, er habe die Ungarn ins Frankenreich geholt und ganz Europa den ungarischen Plünderungszügen ausgeliefert. Diese Vorwürfe finden sich bei zeitgenössischen Autoren nicht, sie wurden erst mehrere Jahrzehnte später rückblickend erhoben.[62] Heinz Dopsch konnte zeigen, dass die Ungarn beim Bündnisschluss 892 noch keine Nachbarn des Ostfränkischen Reiches waren und somit keine unmittelbare Gefahr bedeuteten. Bis zu Arnolfs Tod hielten sie sich an ihre Bündnisverpflichtungen, erst danach begannen ihre Plünderungszüge nördlich und südlich der Alpen.[63]

Sachsen
Sachsen gehörte auch unter Arnolf zu den königsfernen Gebieten des Ostfrankenreiches. Arnolf hielt sich nur ein einziges Mal dort auf, als er es 889 zum Ausgangspunkt seines ersten größeren, aber glücklosen Feldzuges gegen die Abodriten machte.[64] Auch Arnolfs Urkundentätigkeit kennzeichnet Sachsen als Peripherie. Von 176 ausgestellten Urkunden richtete Arnolf nur 12,5 Prozent an sächsische Empfänger. Das bedeute zwar bereits eine erhebliche Steigerung gegenüber den Verhältnissen unter Karl dem Großen oder Ludwig dem Frommen, unter deren Herrschaft Sachsen mit 0,91 bzw. 3,2 Prozent nur geringfügig bedacht worden war,[65] blieb aber gleichwohl noch weit hinter den Beurkundungen für Adressaten in seinen Kernzonen Baiern und Franken zurück.

Dennoch blieb Sachsen auch im ausgehenden 9. Jahrhundert ein fester Bestandteil des Reiches.[66] Adel und Episkopat in Sachsen erkannten Arnolfs Herrschaft an und suchten die Nähe des Königs. Die Bischöfe wurden vom König eingesetzt, erschienen auf den Reichsversammlungen und beteiligten sich an seinen Kriegszügen.[67] Arnolf wiederum belohnte diese Treue. Dabei wurde kein anderer weltlicher Großer im Reich so üppig begünstigt wie der Graf Ekbert.[68]

Nach den Forschungen Matthias Bechers lässt sich unter dem ostfränkischen König Arnolf in Sachsen noch keine Vormachtstellung des späteren Königshauses der Liudolfinger nachweisen.[69] Stattdessen kämpften im 9. und zu Beginn des 10. Jahrhunderts noch verschiedene Adelsfamilien um die Vorherrschaft im östlichen Franken, in Sachsen und in Thüringen.[70] Erst um das Jahr 900 setzte sich mit Otto dem Erlauchten ein Liudolfinger durch.[71] Die Familie verfügte unter Arnolf im südöstlichen Sachsen und im nördlichen Thüringen bereits über hohes Ansehen und eine starke Position, was Arnolf dazu bewogen haben wird, seinen Sohn Zwentibold mit Ottos Tochter Oda zu verheiraten.[72] Trotzdem war das Verhältnis Arnolfs zu Otto großen Schwankungen zwischen Distanz und Nähe unterworfen, denn der karolingische König förderte zeitweilig das Vordringen der mit den Babenbergern und Liudolfingern verfeindeten Konradiner nach Thüringen.[73]

Lothringen
Lothringen war seit vielen Jahren herrschaftlich zersplittert. Den Sturz Karls III. versuchte der Welfe Rudolf zu nutzen, um dort die Herrschaft zu übernehmen. Daraufhin zog Arnolf von Rheinfranken ins Elsass. Die Kämpfe übernahm für ihn eine alemannische Heeresabteilung. Arnolf konnte sich Lothringen sichern, Rudolf wurde als König von Hochburgund anerkannt und bekam die westlichen Alpen und ihr Vorland als Herrschaftsgebiet zugesprochen.[74] Von 895 bis 900 wurde Lothringen mit Arnolfs Sohn Zwentibold einem eigenen König unterstellt. Damit stand erstmals wieder ein Einzelner dem gesamten Regnum vor. In Lothringen erschien Arnolf seitdem nicht mehr. Angesichts des Fehlens von Urkunden für lothringische Empfänger nach Zwentibolds Herrschaftsantritt geht Johannes Fried von einem Desinteresse Arnolfs am Mittelreich aus.[75]

Italien
In Italien kämpften ursprünglich fränkische, aber mittlerweile in Italien verwurzelte Familien mit den Karolingern um die Königswürde. Berengar von Friaul ließ sich Anfang 888 zum König von Italien krönen. Mit ihm konnte Arnolf eine Abmachung erzielen, doch ein anderer Prätendent, Wido von Spoleto, lehnte einen solchen Ausgleich ab. Der Einladung Papst Stephans V. zum Romzug kam Arnolf nicht nach. Daraufhin krönte der Papst Wido als ersten Nichtkarolinger zum Kaiser, und zu Ostern wurde Widos Sohn Lambert zum Mitkaiser erhoben.

Im Herbst 893 bat der Papst Arnolf um Hilfe gegen den Gewaltherrscher Wido. Daraufhin zog Arnolf Anfang 894 nach Italien. Er eroberte Bergamo und Pavia. Bei der Eroberung Bergamos erbeutete er einen „großen Schatz“.[76] Zwar verschaffte er sich in ganz Oberitalien Ansehen, doch Ende April 894 verließ er Italien über Burgund schon wieder.

Im Oktober 895 zog Arnolf erneut über die Alpen. Angesichts des großen Heeres verzichtete König Berengar kampflos auf sein Reich und unterwarf sich bedingungslos. Doch im Februar 896 blieben Arnolf die Stadttore Roms verschlossen. Wegen der unerwarteten militärischen Herausforderung kam er mit dem ganzen Heer zu gemeinsamer Beratung zusammen. Das Heer legte daraufhin ein Treuegelöbnis ab und stimmte sich mit dem Ablegen der öffentlichen Beichte auf den Sturm der Stadtmauern ein. Noch am selben Tag begann die Eroberung.[77] Nach heftigen Auseinandersetzungen um St. Peter konnte Arnolf in der zweiten Februarhälfte 896 von Papst Formosus zum Kaiser gekrönt werden. Der Widerstand gegen seine Herrschaft war jedoch noch nicht gebrochen. Arnolf befand sich auf dem Weg nach Spoleto, als er krankheitsbedingt Italien verlassen musste. Er reiste über Piacenza und den Brenner noch im Mai nach Bayern zurück. Seinen Sohn Ratold ließ er als Stellvertreter in Mailand zurück. Ratold fand jedoch keine Unterstützung und folgte Arnolf sehr bald nach Bayern. Arnolfs Rückzug und der Tod des Papstes im April 896 machten die begonnene Neugestaltung der Machtverhältnisse in Italien hinfällig.

Familie
Arnolf hatte mit Zwentibold und Ratold zwei voreheliche Söhne, die vor 889 geboren waren. Außerdem hatte er von einer Frau namens Ellinrat eine gleichnamige Tochter. Der Name einer weiteren Tochter ist unbekannt. Anscheinend hatte er mindestens drei Konkubinen.[78] Seine Heirat mit Oda wird nach allgemeiner Einschätzung der Forschung in das Jahr 888 oder kurze Zeit nach seiner Königserhebung datiert.[79] Oda wird vielfach zu den Konradinern gezählt, da Arnolf und Ludwig das Kind in ihren Diplomen die Konradiner Konrad den Älteren, Konrad den Jüngeren und Eberhard als nepotes (Neffen) bezeichneten und Oda über den Hof Lahnstein verfügt hatte.[80] Die Konradiner waren neben den Babenbergern eine der einflussreichsten ostfränkischen Familien. Diese Ehe sollte Arnolfs Herrschaft stärken.[81] Aus ihr ging im Herbst 893 der einzige legitime Sohn Ludwig das Kind hervor. Ludwig galt seit seiner Geburt als der zukünftige Thronfolger. Die Benennung mit einem karolingischen Taufnamen im Unterschied zu seinen Brüdern macht dies deutlich. Trotz Ludwigs Geburt sollten aber auch Arnolfs uneheliche Söhne mit Königsherrschaften versehen werden. Zwentibold wurde König in Lothringen, für Ratold war anscheinend Italien als Herrschaftsbereich vorgesehen.[82] Arnolf stattete seine Gemahlin Oda mit zahlreichen Fiskalgütern (aus dem eigentlichen Reichsbesitz) aus: Er schenkte ihr den Königshof in Velden an der Vils und ein weiteres Fiskalgut in Nierstein im Wormsgau. Auch Ellinrat beschenkte er mit Fiskalgut.[83]

Arnolf feierte mit seiner Gemahlin das erste gemeinsame Weihnachten als wichtigen Akt königlicher Repräsentation und Herrschaftsausübung in Kärnten, und sie begleitete ihn auf den Romzug 895/96. Eine Krönung zur Kaiserin ist jedoch nicht ausdrücklich überliefert. An Arnolfs Feldzügen nach Mähren 893 und Italien 894 nahm sie nicht teil.[84] Mit lediglich sechs Nennungen in den Urkunden Arnolfs scheint sie keinen besonderen Einfluss auf die Herrschaft ausgeübt zu haben.[85]

Arnolfs Söhne Ratold und Ludwig das Kind blieben unverheiratet. Zwentibold ehelichte zu Ostern 897 die Liudolfingerin Oda, die sein Vater für ihn ausgesucht hatte. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Möglicherweise wollte Arnolf durch die Verbindung mit dieser einflussreichen Adelsfamilie das königsferne Sachsen enger an sich binden.[86]

Regelung der Nachfolge
Bereits kurz nach seinem Herrschaftsantritt hielt Arnolf Ende Mai 889 in Forchheim eine Versammlung ab, auf der über den Zustand des Reiches (de statu regni) beraten wurde. Dort wollte der König seine beiden illegitimen Söhne Zwentibold und Ratold als seine Nachfolger anerkennen lassen. Dies stieß aber bei den fränkischen und bayerischen Großen auf Bedenken. Nach den Fuldaer Annalen leisteten einige Franken den Schwur mit dem Vorbehalt, dass er nur gelten sollte, falls dem König kein legitimer Sohn geboren würde.[87] Infolge der Geburt Ludwigs des Kindes scheiterte Arnolfs Versuch, im Juni 894 in Worms seinen erstgeborenen Sohn Zwentibold zum König von Lothringen zu machen. Die Gründe für diesen Fehlschlag sind nicht näher bekannt. Im Mai 895 hatte die Erhebung Zwentibolds zum König von „Burgund und dem ganzen lotharischen Reich“ (in Burgundia et omni Hlotharico) hingegen Erfolg.[88] Ratold tritt in den Quellen neben der Nachfolgeregelung von 889 nur noch bei Arnolfs Rückreise von der Kaiserkrönung 896 hervor.[89]

Krankheit
Im Sommer 896 erlitt Arnolf kurz nach der Kaiserkrönung einen Schlaganfall, worauf er nach Bayern zurückkehrte; im August nahm er an einer Reichsversammlung in Forchheim teil. Dabei wäre er fast von einem einstürzenden Balkon erschlagen worden; bei frühmittelalterlichen Herrschern waren Unfälle durch einstürzende Gebäude keine Seltenheit.[90] Wohl im November 896 empfing er in Regensburg eine Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers Leo VI. In Altötting feierte er das Weihnachtsfest.

Sein gesundheitlicher Zustand scheint sich dann wieder verschlechtert zu haben. Den Winter 896/97 musste er in Bayern verbringen, nach einer Bemerkung der Fuldaer Annalen teils „an abgeschiedenen Orten“ (secretis locis).[91] Ein solches Verhalten war für einen karolingischen Herrscher singulär. Möglicherweise wollte er seine Krankheit verbergen oder suchte die Ruhe zur Genesung.[92] Am 8. Juni 897 sprach er in einer Urkunde für die Wormser Kirche das eigene Wohlergehen an.[93] In der Urkunde drückte er seine Hoffnung aus, dass derartige Schenkungen auch „für die Gesundung unseres Körpers“ hilfreich seien.[94]

Arnolfs Krankheit machte aktives Regierungshandeln zunehmend unmöglich. In Italien ließ man sich von seinen Rivalen Lambert und Berengar Urkunden ausstellen, nördlich der Alpen ging das Vertrauen in den Herrscher spürbar zurück. Die Anzahl der ausgestellten Königsdiplome nahm deutlich ab.[95] Zugleich wuchs die Zahl der Urkundenintervenienten in dieser Phase erheblich. Traten in der Zeit vor Arnolfs Krankheit nur in etwa einem Drittel adlige Herrschaftsträger als Intervenienten auf, so war dies nach 896 in rund zwei Dritteln der Fall. Die Forschung hat daraus geschlossen, dass die Großen des Reiches in dieser Zeit ihre Machtposition erheblich ausbauen konnten.[96] Timothy Reuter hat aus den Quellen eine gewisse Erholung des Kaisers für das Frühjahr 897 ausgemacht. Die Beschränkung im Itinerar und auch bei den Urkundenempfängern auf Bayern erklärt Reuter mit der damaligen militärischen Situation.[97] Angesichts der angespannten Lage ließ Arnolf 897 die ostfränkischen Großen den Treueid auf seinen kleinen Sohn Ludwig schwören.[98]

Ein zweiter Schlaganfall ereilte Arnolf im Frühjahr 899. Er wurde so bewegungsunfähig, dass er die Donaustrecke nur noch per Schiff und nicht zu Pferd zurücklegen konnte. Gegen seine Frau Oda wurde 899 der Vorwurf der Untreue erhoben. Die Ehebruchanklage konnte im Juni 899 in Regensburg durch 72 Eideshelfer entkräftet werden. Nach Johannes Fried konnten die Vorwürfe nicht ohne Zustimmung Arnolfs öffentlich verhandelt werden.[99] Mit der öffentlichen Demütigung sollte, so Thilo Offergeld, Oda als Mutter des minderjährigen Königs für die künftigen Gespräche über die Thronfolge politisch aus der Verantwortung ausgeschlossen werden.[100] Timothy Reuter hingegen erklärt die Ehebruchsanklage nicht mit der „politischen Ausschaltung“ der Königin, sondern sieht darin eine „ziemlich hysterische Abwehrmaßnahme angesichts der erneuten Gesundheitsverschlechterung Arnolfs“.[101] Oda wurde anscheinend nicht verstoßen, denn sie intervenierte noch in der letzten Urkunde Arnolfs für das Stift Ötting.[102] Etwa gleichzeitig mit dem Prozess gegen Oda erkrankte der Kaiser erneut. Man führte dies darauf zurück, dass ihm „etwas Schädliches“ (nocuum quoddam) gegeben worden sei. Drei der angeblichen Täter wurden verurteilt; Graman wurde in Ötting enthauptet, ein anderer Beschuldigter, der in den Quellen anonym bleibt, entkam nach Italien. Radpurc, die als führender Kopf des Komplotts galt, starb in Aibling am Galgen.[103] Timothy Reuter sieht dahinter eine Anklage „mit Untertönen von Hexerei und schwarzer Magie“.[104] Giftmischerei und Zauberei waren Vergehen, die man im mittelalterlichen Europa vor allem Frauen anlastete.[105]

Anfang 899 versuchte die konradinische Sippe unter Führung Erzbischof Hattos von Mainz ohne den todkranken Kaiser in geheimen Verhandlungen in St. Goar die Anerkennung von Arnolfs minderjährigem Sohn Ludwig zu erreichen. Ziel war die Absetzung König Zwentibolds, denn dieser hätte als handlungsfähiger Herrscher den Einfluss der Konradiner auf den minderjährigen König Ludwig vermindert. Insgeheim einigte man sich auf ein Vorgehen gegen Zwentibold.

Der schwerkranke Kaiser belagerte in Mautern im Sommer 899 von einem Schiff aus den aufständischen Isanrich, den Sohn des Markgrafen Aribo. Isanrich hatte mit den Mährern paktiert und so das Eingreifen Arnolfs veranlasst. Zunächst konnte er gefangen genommen werden, jedoch entkam er und floh zu den Mährern. Von Mautern aus kehrte Arnolf nach Regensburg zurück. Die Stadt hat er bis zu seinem Tod nicht mehr verlassen.[106]

Tod und Nachfolge
Arnolf starb im Alter von etwa 50 Jahren nach mehreren Schlaganfällen am 8. Dezember 899. Die vor 1945 aufgestellte These einer Erbkrankheit der Karolinger, die für den Untergang der Dynastie verantwortlich sei, wurde von Achim Thomas Hack widerlegt.[107] Der Todestag des Kaisers und seine Begräbnisstätte werden sehr unterschiedlich überliefert. Das Sterbedatum hat hohe Bedeutung für das liturgische Totengedächtnis. Auf der Reichenau galt der 14. Juli als Sterbetag Arnolfs, was Franz Fuchs auf eine Verwechslung mit dem gleichnamigen Bayernherzog zurückführt.[108] Im Totenbuch von St. Maximin in Trier wurde des Kaisers am 17. August gedacht. Nach dem Bericht Reginos von Prüm zum Jahr 899 starb Arnolf am 29. November und wurde in Ötting (Altötting) begraben. Die meisten süddeutschen Nekrologien nennen den 8. Dezember; dieser Datierung schließt sich Franz Fuchs an. In St. Emmeram wurde vom Spätmittelalter bis zur Auflösung des Klosters der 27. November als Todestag Arnolfs begangen. Fuchs begründet dies damit, dass im entsprechenden Nekrolog das ursprüngliche Datum, der 8. Dezember, nachweislich durch Rasur getilgt und im 14. Jahrhundert an seiner Stelle der 27. November als der Todestag eingefügt wurde. Die Neuordnung der Arnolf-Memoria gehe auf Abt Albert von Schmidmühlen (1324–1358) zurück.[109] Fuchs meint, Arnolf sei in St. Emmeram begraben worden, denn die gleichzeitige Aussage des bairischen Fortsetzers der Fuldaer Annalen sei aufgrund ihrer räumlichen Nähe glaubwürdiger.[110] Außerdem wurde in Altötting nie auf den letzten ostfränkischen Kaiser und sein Grab Anspruch erhoben.[111] Demnach wurde Arnolf wie andere ostfränkische Karolinger im nächstgelegenen altehrwürdigen Kloster beigesetzt.[112]

Arnolfs Witwe Oda blieb offenbar ohne größeren Einfluss. Nach seinem Tod intervenierte sie nur einziges Mal in Ludwigs Diplomen.[113] Mit Ötting ist nur einer ihrer Aufenthaltsorte nach Arnolfs Tod bekannt. Ihr Grab ist unbekannt geblieben.[114]

Acht Wochen nach Arnolfs Tod wurde der sechsjährige Ludwig am 4. Februar 900 in Forchheim zum König gewählt und gekrönt.[115] In Lothringen sagte sich 899/900 der Adel von Zwentibold los und schloss sich König Ludwig an. Im August 900 wurde Zwentibold in einer Schlacht an der Maas getötet. Ludwig das Kind stand unter dem Einfluss einer Adelsfraktion um Hatto von Mainz. Thilo Offergeld konnte in seiner Untersuchung über das Kinderkönigtum kein Anzeichen einer selbstständigen Herrschaftstätigkeit bei Ludwig ausmachen.[116] Mit Ludwigs Tod am 24. September 911 endete die Herrschaft der Karolinger im Ostfrankenreich.

Name
Arnolf wird heute durch den Beinamen „von Kärnten“ gekennzeichnet, weil sich sein Aufstieg in Karantanien vollzog und der Herrscher zeitlebens eine enge Bindung zu dieser Region hatte. Die Namensform Kärnten hat es im 9. und 10. Jahrhundert nicht gegeben. Das Gebiet hieß damals Karantanien. Im Verlauf des Hochmittelalters wandelte sich dieser Name zu Kärnten.[117] In zeitgenössischen Quellen wird Arnolf mehrmals als Herzog von Karantanien bezeichnet. Die Salzburger Annalen nennen ihn auch Arnolf von Karantanien.[118]

Der Name „Arnolf/Arnulf“ ist seit dem 5. Jahrhundert überliefert und bedeutet „Adlerwolf“. Der erste Namensträger bei den Karolingern, der heiliggesprochene Bischof Arnulf von Metz, war zugleich der Stammvater des Geschlechts.[119]

In 90 Prozent der Urkunden des Königs kommt die Namensform „Arnolf“ vor, die Variante „Arnulf“ lediglich in sechs Prozent. Die anderen vier Prozent verwenden die Form „Arnolf“ in der Intitulatio und die Variante „Arnulf“ in der Subscriptio in der Signumzeile oder in der Datierung. Ein ähnlicher Befund ist auch in der Historiographie festzustellen. Bei Notker von St. Gallen findet sich die Namensform „Arnold“.

Die Diplomatiker Theodor von Sickel, Engelbert Mühlbacher und Paul Fridolin Kehr bevorzugten das urkundengerechtere Arnolf. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war die Form „Arnulf“ vorherrschend. Seit dem Erscheinen von Rudolf Schieffers Karolingerbuch im Jahr 1992 und den seither erschienenen Untersuchungen überwiegt die Form „Arnolf“.[120]

Wirkung
Frühmittelalter
Nach einer traditionellen Forschungsmeinung verliert die Schriftlichkeit seit Ludwig dem Deutschen generell an Bedeutung für die Herrschaftspraxis und als Kommunikationsmittel. Die Kapitularien als wichtige Dokumente für die Herrschaftsorganisation verschwinden aus dem ostfränkischen Reich und werden nicht anderweitig ersetzt.[121] Entgegen dieser gängigen Sichtweise haben David Steward Bachrach und Bernard S. Bachrach in einer jüngeren Untersuchung gezeigt, dass sich die späten karolingischen Herrscher im Ostfrankenreich insbesondere zum Zwecke der Besteuerung intensiv auf schriftliche Dokumente stützten.[122]

Von den ostfränkischen Karolingern sind kaum Selbstaussagen überliefert. Als eine der wenigen Quellenarten können die Diplome über ihr Selbstverständnis Auskunft geben. Diese sind allerdings von Kanzlisten, nicht von den Königen selbst formuliert. Dennoch bringen sie am ehesten das Selbstverständnis ihrer Aussteller zum Ausdruck. In den Einleitungen der Urkunden (Arengen) werden die Sorge für die Untergebenen und Getreuen sowie die Pflicht zur Großzügigkeit ihnen gegenüber hervorgehoben.[123] Anders als Karl der Große und Ludwig der Fromme hatte Arnolf keinen zeitgenössischen Biografen.

Aus den zwölf Jahren von Arnolfs Herrschaftszeit sind 176 Urkunden überliefert. Das ergibt einen Durchschnitt von 14,8 Urkunden pro Jahr. Der Ausstoß ist damit für einen Karolinger relativ groß. So sind von Ludwig dem Deutschen aus 50 Regierungsjahren wenig mehr als vier Urkunden pro Jahr überliefert, von Karl dem Kahlen immerhin zwölf.[124] Unter Arnolfs Nachfolger Ludwig dem Kind nimmt die Zahl der Diplome stark ab: Aus seinen zwölf Jahren liegen nur 77 Urkunden vor.[125]


Der als Klostergründer und in Niedermünster bestattete heilige Bischof Erhard zelebriert die Messe an dem vom Ziborium überhöhten Tragaltar. Uta-Codex. München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 13601, fol. 4r.

Liudprand von Cremona, Antapodosis (Ausschnitt aus Buch III, Kapitel 32–34) in einer oberitalienischen Handschrift der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts: München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 6388, fol. 51r.
Das Jahr 887 wurde von der zeitgenössischen Historiographie als tiefer Einschnitt wahrgenommen. Der Hauptstrang der Fuldaer Annalen stellte mit dem Herrschaftsantritt Arnolfs die Berichterstattung ein. Der Tod Karls III. nur wenige Monate später wurde schon nicht mehr verzeichnet. Als wesentliche Informationsgrundlage für die Herrschaftszeit Arnolfs gilt aufgrund ihrer bayerischen Herkunft die sogenannte „Regensburger Fortsetzung“ der Fuldaer Annalen, die über die Zeit von 882 bis 897 bzw. 901/02 berichtet. Die Chronik Reginos von Prüm reicht von der Geburt Christi bis in das Jahr 906. Bei den Angaben dieses lothringischen Chronisten zur Herrschaft Arnolfs ist allerdings die räumliche Ferne und die mehr nach Westen ausgerichtete Darstellung zu berücksichtigen. Am Anfang der Herrschaftszeit Arnolfs entstand 888/89 das historiographische Gedicht eines unbekannten sächsischen Autors, der als Poeta Saxo bekannt ist. Dieser Dichter sprach Arnolf aufgrund der Namensgleichheit mit dem Ahnherrn des karolingischen Geschlechtes, Bischof Arnulf von Metz, besondere Herrscherqualitäten zu. Er hoffte auf eine lange Regierungszeit und erinnerte an Karl den Großen, der die Größe des Reiches verdoppelt habe.[126]

Das Arnulf-Ziborium ist der einzige erhaltene frühmittelalterliche „Reisealtar“. Es gehört zu den bedeutenden Zeugnissen der spätkarolingischen Goldschmiedekunst. Eine Inschrift, die Arnolf als rex (König) bezeichnet, deutet auf Entstehung vor seiner Kaiserkrönung, also zwischen 887 und 896.[127] Aufgrund der stilistischen Ausstattung wurde von der kunsthistorischen Forschung auch eine frühere Datierung um 870 diskutiert. Statt Arnolf wurde Karl der Kahle als Auftraggeber vermutet.[128] Zweifelhaft bleibt weiterhin, ob die Stiftung dem Regensburger Emmeramskloster galt.[129] Im frühen 11. Jahrhundert nahm die Memoria des Stifters einen Aufschwung. Das Ziborium wurde im so genannten Uta-Codex, einem für das Regensburger Damenstift Niedermünster gefertigten Evangelistar, zur Darstellung gebracht.[130]

Etwa fünfzig Jahre nach Arnolfs Tod verfasste der italienische Geschichtsschreiber Liudprand von Cremona sein „Buch der Vergeltung“ (Liber antapodoseos). Das Werk führt bis in die achtziger Jahre des 9. Jahrhunderts zurück und behandelt damit auch ausführlich den letzten karolingischen Herrscher Arnolf von Kärnten. Für Liudprand ist Arnolf der typische Tyrann. Er vergewaltigt Nonnen, schändet Ehefrauen, profaniert Kirchen. In seiner Antapodosis widmet der Geschichtsschreiber Arnolfs Tod, den er für schändlich hält, ein eigenes Kapitel. Die schwere Krankheit des Kaisers wird als gerechte Vergeltung des himmlischen Richters für gottloses Handeln gedeutet. Arnolf sei durch Ungeziefer umgekommen; das sei die Strafe Gottes für die Herbeirufung der Ungarn.[131]

Hoch- und Spätmittelalter

Spätmittelalterliches Porträt Kaiser Arnolfs in einer Handschrift des 1387 abgeschlossenen Liber Augustalis des Benvenuto da Imola: München, Bayerische Staatsbibliothek, clm 313, fol. 63r.
Liudprands Erzählung über Arnolfs schändlichen Tod durch Ungeziefer wurde in der spätmittelalterlichen Geschichtsschreibung durch Martin von Troppau, Vinzenz von Beauvais und Thomas Ebendorfer die gängige Sichtweise über seinen Tod.[132] Nach dem 1387 vollendeten Liber Augustalis des Benvenuto da Imola wurde Arnolf bei lebendigem Leib von Läusen zerbissen. In St. Emmeram konnte man nicht an ein so furchtbares Ableben des frommen Kaisers glauben. Seit dem frühen 11. Jahrhundert wurde er von den dortigen Mönchen geradezu als zweiter Stifter ihres Klosters gefeiert.[133] Dies führte dazu, dass der Verfasser der in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstandenen mittelhochdeutschen Kaiserchronik Arnolf für einen Zeitgenossen des heiligen Emmeram hielt.[134] Noch im frühen 17. Jahrhundert setzte sich der Kartäusermönch Franz Jeremias Grienewaldt mit großem Aufwand an Gelehrsamkeit mit Liudprands Schilderung von Arnolfs Tod auseinander.[135] In St. Emmeram gedachte man Arnolfs jahrhundertelang an seinem Todestag. Die Totenfeiern endeten 1810 mit der Auflösung des Klosters.

Im ausgehenden 15. Jahrhundert hatte Andreas von Regensburg Arnolf zum „berühmtesten Herrscher Europas“ (Arnolfus regum Europe famoissimus) stilisiert. Das Urteil fand Anklang in der folgenden bayerischen Historiographie.[136]

Moderne
Forschungsgeschichte
Die Karolingerherrschaft im Ostfränkischen Reich wurde in der älteren Mittelalterforschung kaum als eigenständige Epoche wahrgenommen. Arnolfs Herrschaftszeit galt lange entweder als Verfallsepoche gegenüber der Zeit Karls des Großen oder als Vorgeschichte der Entstehung des „deutschen“ Reiches.[137] Die erste biographische Darstellung veröffentlichte Maximilian von Gagern 1837 unter dem Titel Arnulfi imperatoris vita ex annalibus et diplomatis conscripta. Aufgrund ihres Detailreichtums ist die dreibändige Geschichte des Ostfränkischen Reiches (1887/88) von Ernst Dümmler nach wie vor unersetzt. Dümmler ging strikt chronologisch vor und wertete für jedes Jahr die schriftlichen Quellen umfassend aus. Die Ausführlichkeit seiner Darstellung mag ein Grund dafür gewesen sein, dass danach die Geschichtswissenschaft über hundert Jahre die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts kaum weiter erforscht hat.[138] Dümmler hatte zuvor bereits seine Berliner Dissertation (De Arnulfo Francorum rege commentatio historica) aus dem Jahr 1853 Arnolf gewidmet.

Die deutsche Geschichtswissenschaft machte in der Zusammensetzung und Herkunft der Umstürzler von 887 ein deutsches Nationalgefühl aus. Martin Lintzel maß dem Jahr 887 große Bedeutung für die Anfänge der deutschen Geschichte zu.[139] Lange wurde darüber diskutiert, ob die Initiative zur Absetzung Karls III. von Arnolf selbst oder vom Adel der ostfränkischen Stämme ausging.[140] Walter Schlesinger wies 1941 in seinem Leipziger Habilitationsvortrag Kaiser Arnulf und die Entstehung des deutschen Staates dem Karolinger auf dem Weg von der fränkischen zur deutschen Geschichte eine wichtige Rolle zu. Nach Schlesinger konnte Arnolf auf der Basis seiner bescheidenen Ausgangsposition in Karantanien kaum von sich aus König werden. Die Großen werden in den Quellen deutlich als „Franken, Sachsen und Thüringer, dazu Bayern und Alemannen“ beschrieben. In Arnolfs Abwendung vom westfränkischen Reich und in der räumlichen Beschränkung der Macht sah Schlesinger „ein deutsches Volksbewusstsein“ entstehen. Die damalige Situation beschrieb er mit den Worten: „Ein deutsches Volksbewußtsein schickt sich an, einen deutschen Staat zu gestalten.“[141] Schlesinger wandte sich ausdrücklich gegen Gerd Tellenbach, der kurz zuvor eine andere Sichtweise von den Triebkräften vertreten hatte[142] und nun auf Schlesingers Vortrag in der Historischen Zeitschrift reagierte.[143] Auch Tellenbach sah im 9. Jahrhundert bereits „den deutschen Gedanken […] im Werden“.[144] Er fasste Arnolf jedoch nicht als chancenlosen Außenseiter, sondern als erfolgreichen militärischen Anführer auf. Die Großen habe Arnolf erst durch seinen Vormarsch an den Rhein zur Abkehr von Karl III. bewegen können. Den Sachsen, Franken und Alemannen traute Tellenbach noch keine einheitliche oder gar gemeinsame Willensbildung zu; vielmehr ging er von einer nach und nach erfolgten Anerkennung Arnolfs „durch die Stämme oder Stammesangehörigen“ aus.[145] In der weiteren Diskussion tendierte die Forschung eher zur Sichtweise Tellenbachs.[146]

Seit den 1970er Jahren hat sich durch die Studien von Joachim Ehlers, Bernd Schneidmüller und Carlrichard Brühl über die Anfänge der deutschen und französischen Geschichte immer stärker die Sichtweise durchgesetzt, dass das „Deutsche Reich“ nicht durch ein einzelnes herausragendes Ereignis entstanden ist, sondern als Resultat einer im 9. Jahrhundert einsetzenden längerfristigen Entwicklung, die teilweise selbst im 11. und 12. Jahrhundert noch nicht abgeschlossen war.[147] Damit ist zugleich Schlesingers These von der seit dem Ende des 9. Jahrhunderts wirkenden Dynamik eines frühen deutschen Volkstums überholt.[148]


Der Herzogstuhl am Zollfeld

Karolinger-Museum in Moosburg
Am 8. Dezember 1999 jährte sich Arnolfs Todestag zum 1100. Mal. Zu diesem Anlass fand vom 9. bis 11. Dezember 1999 das wissenschaftliche Kolloquium Kaiser Arnolf und das ostfränkische Reich in Regensburg statt. Die 14 Tagungsbeiträge wurden mit zwei weiteren Aufsätzen von Franz Fuchs und Peter Schmid 2002 herausgegeben. Nach Rudolf Schieffer (2002) stand Arnolf nicht am Beginn der deutschen Geschichte und ist auch nicht „zu deren bewußten Wegbereitern“ zu zählen.[149]

Nachleben in Kärnten
Die Kärntner Geschichtsschreibung führt den Herzogstuhl auf die Zeit Arnolfs von Kärnten zurück.[150] Dieses bekannteste Denkmal des Landes steht noch heute auf dem Zollfeld. In der Kärntner Lokaltradition gilt Moosburg als der Geburtsort des karolingischen Herrschers. Dort richtete 1988 Robert Svetina ein Karolinger-Museum ein; 1992 wurde mit den Moosburger Heften eine „Zeitschrift für die Pflege der Erinnerung an Kaiser Arnulf von Kärnten“ begründet,[151] und dort findet alljährlich im Juli das Kaiser-Arnulfs-Fest statt. In Klagenfurt führt der Platz vor dem Gebäude des Amts der Kärntner Landesregierung den Namen Arnulfplatz.
 
VON KÄRNTEN, Arnolf I. \ Arnulf (I36528)
 
884 Arnulf folgte 1070 seinem verstorbenen Vater in beiden Grafschaften nach, allerdings war er noch zu jung um selbst zu regieren, weshalb seine Mutter die Regentschaft übernahm. Dies nutzte sein Onkel Robert der Friese aus, um die Macht zu übernehmen. In der entscheidenden Schlacht von Cassel (22. Februar 1071) kämpfte Arnulf trotz seines jugendlichen Alters mit und wurde getötet.

Flandern fiel an den siegreichen Robert den Friesen, während der Hennegau von Richilde für ihren zweiten Sohn Balduin II. gesichert werden konnte. 
(FLANDERN), Arnulf III. der Unglückliche (I40923)
 
885 Arnulf, Herzog und König der Bayern
Der Herzog Arnulf konnte auf den Grundlagen der Macht in Bayern, die sein Vater Luitpold gelegt hatte, aufbauen und nahm bald darauf den Herzogstitel an. Dabei konnte er auf die Unterstützung des bayerischen Hochadels setzen. In den großen Jahrbüchern von Salzburg wurde dazu folgendes festgehalten: „Die Bayern huldigen freiwillig dem Herzog Arnulf und trugen ihm auf, zu herrschen im Reiche.“[1] Wichtigste Aufgabe Arnulfs war es, die wiederholten Raubzüge der Magyaren weit nach Bayern hinein zu unterbinden. Eine schwache, hilflose Reichsgewalt bot keinen Schutz gegen die ungarischen Reiterhorden.

In der Schlacht von Pressburg 907 wurde der bayerische Heerbann vernichtend geschlagen, danach musste Herzog Arnulf das baierische Heer reorganisieren. Um die dafür nötigen Mittel zu gewinnen, zog er das Kirchengut ein und verlieh es an seine Lehnsvasallen. Dafür bekam er später den Beinamen „der Böse“. In den Schlachten von 909 an der Rott, 910 bei Neuching und 913 am Inn gelang es ihm, die Ungarn zurückzudrängen. Herzog Arnulf wollte den Krieg gegen die Ungarn aber nicht fortsetzen, sondern suchte einen Ausgleich mit ihnen und erhielt 913 von ihnen die vertragliche Zusicherung, in Bayern nicht mehr einzufallen.

Arnulf erneuerte das baierische Stammesherzogtum. Auf Reichsebene verfolgte Arnulf eine Politik der Eigenständigkeit Bayerns in inneren Angelegenheiten und nach außen gegenüber den deutschen Königen Konrad I. und Heinrich I. Er beteiligte sich zwar an der Wahl Konrads zum König, ein Eingreifen Arnulfs zugunsten der mit ihm verwandten Herzöge von Schwaben gegen Konrad führte aber zu einem längeren Konflikt, in dessen Verlauf Arnulf zeitweise zu den Ungarn floh. Wie bereits Tassilo musste sich auch Herzog Arnulf eines zunehmenden Reichszentralismus erwehren. Im sogenannten „Fragmentum de Arnulfo duce Bavariae“, einer um 919/ 20 entstandenen Preisschrift auf den Bayernherzog, heißt es dazu: „Da fiel also dieser sächsische Heinerich feindlich in das Königreich (sic?) Bayern ein, wo man keinen seiner Vorfahren gesehen hat, der auch nur einen Fußbreit Bodens besessen hätte, und so glaube ich, dass Gott selbst es gefügt hat, dass er von den Einwohnern einer einzigen Stadt geschlagen worden und mit vielen Verlusten besiegt hat abziehen müssen.“[2]

Nach Konrads Tod kehrte Arnulf 918 mit ungarischer Hilfe in die bayerische Residenzstadt Regensburg zurück. Dort ließ er Teile der noch vorhandenen Mauern des römischen Legionslagers Castra Regina abbrechen und den geschützten Bereich der Stadt durch den Bau einer neuen Stadtbefestigung erweitern. Die neue Stadtmauer mit drei Tortürmen umschloss neu entstandene Siedlungsgebiete im Westen und Norden und auch das Kloster Sankt Emmeram.[3] Der Mauerbau war ein Beitrag zum Aufbau einer von der Zentralmacht weitgehend unabhängigen, königsgleichen Stellung. In der Forschung ist bisher nicht geklärt, ob Arnulf sich nach dem Tod Konrads zum Gegenkönig ausrufen ließ (Annales Iuvavenses Maximi zum Jahr 920: „Baiuarii sponte se reddiderunt Arnolfo duci et regnare ei fecerunt in regno teutonicorum“) oder ein baierisches Sonderkönigtum anstrebte. Im Vertrag von Regensburg 921 erkannte Arnulf jedoch nach Kämpfen mit Heinrich dessen Oberhoheit an. Heinrich billigte im Gegenzug Arnulfs eigenständige Herrschaft, zu der die Ernennung von Bischöfen (zum Beispiel Starchand in Eichstätt), Einberufung von Synoden und Ausübung eigentlicher Regalien (Münzprägung, Zölle) gehörten. Außenpolitisch unterwarf er Böhmen und versuchte in einem (allerdings gescheiterten) Italienzug 933/934 die Langobardenkrone für seinen Sohn Eberhard zu erlangen, nachdem der langobardische Hochadel ihm diese angeboten hatte.

Arnulf wurde im Kloster St. Emmeram in Regensburg beigesetzt. Nach dem Handbuch der bayerischen Geschichte von 2017 „ist das Grab unbekannt“. Eine Gedenktafel für ihn fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg. 
(BAYERN), Arnulf I. ´der Böse` (I39620)
 
886 Artabasdos war armenischer Abstammung und stammte möglicherweise aus dem syrischen Ort Germanikeia, im südlichen Teil Anatoliens. 717 fungierte er als Befehlshaber des Themas Armeniakon und unterstützte Leo, den Befehlshaber des Themas Anatolikon, bei dessen Kaisererhebung. Zum Dank erhielt Artabasdos den Titel Kuropalates und heiratete Leos Tochter Anna.

Nach Leos Tod und kurz nach der Thronbesteigung Konstantins (741) griff Artabasdos nach der Macht in Konstantinopel.[2] Er ließ seinen Sohn Nikephoros (und vielleicht auch dessen Bruder Niketas) zum Mitkaiser erheben. Angeblich wurde Artabasdos von einer ikonophilen (Anhänger der Bilderverehrung) Fraktion sowohl im Klerus als auch im Volk unterstützt (daher sein Beiname Ikonophilos). Ob dies jedoch zutreffend ist, ist mehr als unsicher und basiert wohl auf Fehldeutungen der älteren Forschung. Zum damaligen Zeitpunkt ist nur eine einzige Bildentfernung sicher belegt; der Bilderstreit (dessen Bedeutung in den erhaltenen Quellen zudem wohl übertrieben wird)[3] hat während des Bürgerkriegs demnach keine Rolle gespielt.[4]

Konstantin floh in die Berge Isauriens, kehrte aber mit dem asiatischen Teil der byzantinischen Armee zurück und schlug die Streitkräfte des Usurpators. Nach dem 2. November 743, dem Tag der Rückeroberung Konstantinopels, wurden Artabasdos und seine Söhne geblendet, im Hippodrom vorgeführt und, laut der legendarisch ausgeschmückten Vita des Michael Synkellos ins Chora-Kloster verbannt, wo sie auch gestorben und begraben worden sein sollen. 
..., Artabasdos (I37359)
 
887 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I7337)
 
888 Artz
Der Familienname Artz (Arz, Artzt) wird nach karl Zinkgräf (weinheimer Geschichtsblatt 18/1936) in Weinheim erstmals im Jahr 1502 erwähnt. heute wohnen nur noch wenige Familien Arz in Weinheim. Der älteste bekannte namensträger, über den wir mehr wissen als der name, ist Michael Artzt. Er kommt allerdings aus Ober-Laudenbach, war Küfer und hatr am 12.02.1661 in der Altstadtkirche die Weinheimer Bürgerstochtetr Anna Maria Kieß geheiraet (Blatt 1/1), die ebenfalls zahlreiche Nachkommen hatte. 
ARTZT, Michael (I43860)
 
889 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I7089)
 
890 Asig und sein Vater HIDI sind insbesondere aus dem sogenannten ASIK-Diplom bekannt. Dessen Ausstellung lässt sich auf den 9. Mai 813 datieren. Damit ist es die ÄLTESTE BEKANNTE URKUNDE WESTFALENS und GENZ NORDDEUTSCHLAND.
Sie wurde ausgestellt im Namen KARLS DES GROßEN und ist eine der letzten Urkunden des kurz danach gestorbenen Kaisers.

Es wird die Treue von Asigs Vater Hiddi gegenüber dem Kaiser hervorgehoben und über dessen Niederlassung beim heutigen Dorf Escherode und die Inbesitznahme von Königsland (das früher in Herzogsbesitz war) berichtet. Hiddi vererbte den Besitz an Asig. Nach dem Tod des Vaters wurde das Land von Missi dominici wieder als Königsgut eingezogen. In der Urkunde gab der Kaiser Asig das Land wieder zurück. Wegen seiner und des Vaters treuer Dienste erhielt er es als erbliches geschlossenes Landgebiet mit eigener Gerichtsbarkeit (Bivanc=Beifang).

Die Urkunde nennt die volle Titelei KARS DES GROßEN und wurde von einem Witherius ausgefertigt. Die Datierung erfolgt durch die Nennung der Regierungszeit des Kaisers. Das kaiserliche Gemmensiegel ist nur noch teilweise erhalten.

Durch die Schenkung des genannten Besitzes im späten 9. Jahrhundert durch Graf Esik – möglicherweise ein Enkel Asigs – kam die Urkunde in den Besitz des KLOSERS CORVEY. Das fragliche Gebiet konnte Corvey allerdings im 11. Jahrhundert nicht gegen die LANDGRAFEN VON THÜRINGEN behaupten. Die Urkunde blieb in Corvey. Heute wird sie im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen aufbewahrt. Seit 1690 erschien das Diplom vielfach im Druck. 
IM HESSENGAU, Hidi (I18851)
 
891 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I27946)
 
892 Assoziation 1. März 1781 St. Clemens, Paffrath, Bergisch Gladbach
Assoziation 19. Oktober 1802 Bergisch Gladbach 
LINDLAR, Peter (I5956)
 
893 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Vertraulich (I27948)
 
894 ater der Johanna aus deren Traueintrag. Johanna war eine Tochter, da Wolffs Sohn Michael bereits 1586 heiratete.
Wolff SIMON ist am 12.7.1567 als Mitglied des Gernsbacher Rates, zwischen dem 1.12.1571 und dem 12.10.1584 als Richter nachzuweisen. 
SIMON, Wolff (I8923)
 
895 Athanagild († 567 in Toledo) war König der Westgoten von 551 bzw. 555bis 567. Athanagild unternahm von Sevilla aus einen erfolgreichen Aufstand gegen seinen Vorgänger, König Agila I. Dabei erbat und erhielt er Hilfe von oströmischen Truppen; Kaiser Justinian schickte 551/552 eine Flotte,um die Küste überwachen zu lassen. Agila wurde 555 von seinen eigenenLeuten ermordet. So wurde Athanagild 555 (offiziell 551, seit dem Beginn seines Aufstands) König der Westgoten. Aber die Häfen und Küstenbefestigungen, die im Namen Athanagilds eingenommen worden waren, wurdenvon den byzantinischen Verbündeten nur zögerlich übergeben. Athanagild war in der Lage einige Städte zurückzuerlangen. Er wurde aber gezwungen, einen großen Teil der Provinz Baetica (Andalusien) an einen byzantinischen Statthalter abzutreten, den angesehenen, aber schon etwa achtzigjährigen Senator Liberius. Dieser hatte bereits versucht, die inneren Probleme der Westgoten auszunutzen, um den byzantinischen Herrschaftsbereich zu vergrößern. Athanagild bemühte sich, seine oströmischen Alliierten zu vertreiben,war aber erfolglos. Er hatte zur Einrichtung einer byzantinischen Enklave im Süden Spaniens eingeladen, die für die nächsten siebzig Jahre Bestand haben sollte. Die Beständigkeit der byzantinischen Herrschaft wurde vermutlich auch durch die Unterstützung der romanischen Bevölkerung ermöglicht. Über diese westliche Erweiterung der byzantinischen Herrschaft ist nur wenig bekannt, da die oströmische Geschichtsschreibungihr kaum Aufmerksamkeit schenkte. Das Gebiet umfasste große Teile dereinstigen römischen Provinz Baetica und den äußersten Süden der einstigen Provinz Tarraconensis. Dazu gehörten die Städte Carthago Nova (Cartagena), Corduba (Córdoba) und Assionia. Obgleich er während seiner gesamten Herrschaft die Byzantiner, die Franken und die Sueben bekämpfen musste und in den Pyrenäen von den Basken bedrängt wurde, stärkte Athanagild sein Königreich im Innern, indemer die Katholiken beschwichtigte, die von seinen arianischen Vorgängern unterdrückt worden waren. Als sich der König der Sueben 560 für denKatholizismus entschied, isolierte das die Westgoten, deren Königshausund Adel weiterhin dem Arianismus anhingen. Der 531 von Athanagild begründete Herrschaftssitz in Toledo wurde nachAthanagilds Krönung 555 bzw. 551 Königshof und war berühmt für seinePracht. Athanagild war verheiratet mit Goswintha (Goiswintha). Mit ihr wurde er der Vater der fränkischen Königinnen Brunichild und der tragisch ermordeten Gailswintha. Athanagild starb friedlich. Nach seinem Tod begann eine monatelange königslose Zeit. Schließlich wurde Liuva I. erhoben, der seinen Bruder Leovigild zum Mitregenten machte. N., Goswintha (I22668)
 
896 Athanagild unternahm von Sevilla aus einen erfolgreichen Aufstand gegen seinen Vorgänger, König Agila I. Dabei erbat und erhielt er Hilfe von oströmischen Truppen; Kaiser Justinian schickte 551/552 eine Flotte, um die Küste überwachen zu lassen. Agila wurde 555 von seinen eigenen Leuten ermordet. So wurde Athanagild 555 (offiziell 551, seit dem Beginn seines Aufstands) König der Westgoten. Aber die Häfen und Küstenbefestigungen, die im Namen Athanagilds eingenommen worden waren, wurden von den byzantinischen Verbündeten nur zögerlich übergeben. Athanagild war in der Lage einige Städte zurückzuerlangen. Er wurde aber gezwungen, einen großen Teil der Provinz Baetica (Andalusien) an einen byzantinischen Statthalter abzutreten, den angesehenen, aber schon etwa achtzigjährigen Senator Liberius. Dieser hatte bereits versucht, die inneren Probleme der Westgoten auszunutzen, um den byzantinischen Herrschaftsbereich zu vergrößern.

Athanagild bemühte sich, seine oströmischen Alliierten zu vertreiben, war aber erfolglos. Er hatte zur Einrichtung einer byzantinischen Enklave namens Spania im Süden Spaniens eingeladen, die für die nächsten siebzig Jahre Bestand haben sollte. Die Beständigkeit der byzantinischen Herrschaft wurde vermutlich auch durch die Unterstützung der romanischen Bevölkerung ermöglicht. Über diese westliche Erweiterung der byzantinischen Herrschaft ist nur wenig bekannt, da die oströmische Geschichtsschreibung ihr kaum Aufmerksamkeit schenkte. Das Gebiet umfasste große Teile der einstigen römischen Provinz Baetica und den äußersten Süden der einstigen Provinz Tarraconensis. Dazu gehörten die Städte Carthago Nova (Cartagena), Corduba (Córdoba) und Assionia.

Obgleich er während seiner gesamten Herrschaft die Byzantiner, die Franken und die Sueben bekämpfen musste und in den Pyrenäen von den Basken bedrängt wurde, stärkte Athanagild sein Königreich im Innern, indem er die Katholiken beschwichtigte, die von seinen arianischen Vorgängern unterdrückt worden waren. Als sich der König der Sueben 560 für den Katholizismus entschied, isolierte das die Westgoten, deren Königshaus und Adel weiterhin dem Arianismus anhingen.

Der 531 von Athanagild begründete Herrschaftssitz in Toledo wurde nach Athanagilds Krönung 555 bzw. 551 Königshof und war berühmt für seine Pracht.

Athanagild war verheiratet mit Goswintha. Mit ihr wurde er der Vater der fränkischen Königinnen Brunichild und der tragisch ermordeten Gailswintha.

Athanagild starb friedlich. Nach seinem Tod begann eine monatelange königslose Zeit. Schließlich wurde Liuva I. erhoben, der seinen Bruder Leovigild zum Mitregenten machte. 
Athanagild (I52557)
 
897 Auch Andreas Felss. Die Felss, die 1637 als Pächter der Schleifmühle in der Fröschau (Gemarkung Scheuern) erwähnt werden, beschickten zwischen 1582 und 1634 Gericht und Rat und stellten mit Andreas Felss (1588) und Hans Jakob Felss (1627) ebenfalls Bürgermeister. FELSS, Endris (I11543)
 
898 Auch Antons Sohn Humbert (belegt 1469-91) amtierte als Kastlan von M., vermutlich bis 1475.  VON MONTENACH, Humbert (I41515)
 
899 auch Bernhard I. von Barcelona genannt, war ein Regionalfürst und leitender Staatsmann teilweise westgotischer Abkunft am Hofe Kaiser Ludwigs des Frommen. In der Verfallszeit des späten Karolingerreiches war der Werdegang Bernhards typisch als Vertreter des Hochadels, der rücksichtslos die eigenen Interessen verfolgte.

Leben
Erste Herrschaft (826–832)
Nach anfänglichen Erfolgen seines Stiefbruders Berà, des Grafen von Barcelona, bei der Rückeroberung von den Mauren besetzter Gebiete gab es ab dem Jahr 810 militärische und politische Niederlagen. Dies nutzten seine Gegner unter der Wortführerschaft seiner Stiefbrüder Bernhard und Gauzhelm zu einer Intrige beim Kaiser. 820 wurde Berá in Aachen vom Statthalter Gauzhelms der Untreue und des Verrats beschuldigt und von Kaiser Ludwig dem Frommen nach Rouen verbannt, wo er 844 starb.

826 ernannte der Kaiser Bernhard, der als umsichtig und verschlagen galt, als Nachfolger des fränkischen Grafen Rampó zum Grafen von Barcelona und Girona. Im Krieg gegen die Mauren war Bernhard der Anführer und frankenfreundlich. Damit stand er den Interessen des örtlichen westgotischen Adels entgegen.

Aufstand von Aysun
Schon kurz danach tauchte ein Herrscher namens Aysun auf. Seine Identität ist nicht gesichert. Möglicherweise war er der Sohn des maurischen Statthalters von Barcelona Sulayman al-Arabi, dem es gelungen war, aus der Haft in Aachen zu fliehen und die Spanische Mark zu erreichen. Aysun setzte sich in der Gegend von Vic fest. Berá-treue Besatzungen der umliegenden Burgen, zahlreiche gotische Adlige, unter ihnen auch Berás Sohn Guillemó (oder auch Guillemundus), damals Graf von Rasès und Conflent sowie maurische Befürworter eines Friedens mit dem Fränkischen Reich schlossen sich einem Aufstand gegen den neuen Grafen an.

Als sich die Angriffe auf das Kernland häuften, forderte Graf Bernhard vom Kaiser Hilfe und erhielt diese auch in geringem Umfang, sowie auch von einigen örtlichen Adligen. Aysun wandte sich daraufhin an die einzige Macht, die den Franken widerstehen konnte und sandte seinen Bruder mit einem Hilfeersuchen an den Emir von Córdoba, Abd ar-Rahman II. Abd ar-Rahmans Truppen, unter seinem General Ubayd Allah (auch bekannt als Abu Marwan), besetzten 827 das gesamte Gebiet der Grafschaft Barcelona, belagerten die Hauptstadt und plünderten das Umland. Nachdem es ihnen aber nicht gelungen war, Barcelona einzunehmen, belagerten sie ebenfalls erfolglos Girona.

Kaiser Ludwig erfuhr von der maurischen Besetzung und beauftragte seinen Sohn Pippin I., König von Aquitanien, sowie die Grafen Hugo von Tours und Matfried von Orléans, Truppen aufzustellen. Die Rekrutierung erfolgte jedoch so zögerlich, dass sich die maurischen Truppen bereits auf dem Rückzug befanden, als die Armee endlich aufgestellt war. Die Rebellen verließen das Land mit den maurischen Truppen. Es wird angenommen, dass sowohl Aysun als auch Guillemó in Córdoba zu Tode kamen.

Machtzuwachs: Graf von Septimanien
Der leichte Sieg erhöhte das Ansehen von Bernhard. Die Tatsache, dass die von Barcelona abhängige Grafschaft Osona für ein halbes Jahrhundert entvölkert blieb, wurde Hugo von Tours und Matfred von Orleans wegen ihres verspäteten Eingreifens angelastet. Beiden Grafen wurden 828 ihre Grafschaften entzogen. Bernhards Bruder Gauzhelm erhielt die Grafschaften Rasès und Conflent.

Da Graf Leibulf von Narbonne im Frühjahr 828 verstorben war, wurden auch seine ausgedehnten Ländereien Bernhard übertragen: Narbonne, Béziers, Agde, Melguelh, Nîmes und möglicherweise auch Uzès. Seither war Bernhard als Herzog von Septimanien (oder einfach Bernhard von Septimanien) bekannt.

Am Hof des Kaisers
Im August 829 beabsichtigte Kaiser Ludwig der Fromme, seinen Sohn Lothar als König von Italien nach Pavia zu schicken. Um ihn zu ersetzen, berief er auf Betreiben der Kaiserin Judith Bernhard als Kämmerer an den Hof und übertrug ihm die Erziehung seines Sohnes Karl, später als Karl der Kahle bekannt. Bernhard vertraute die Verwaltung seiner Grafschaften seinem Bruder Gauzelm an, der daher auch Markgraf genannt wurde.

Schon nach kurzer Zeit am Hofe hatte sich Bernhard viele Feinde geschaffen, und diese verbreiteten das Gerücht einer Beziehung Bernhards mit der Kaiserin Judith. Die drei älteren Söhne des Kaisers standen in offener Gegnerschaft zu Bernhard und benutzten den Vorwurf des Ehebruchs, um die Legitimität ihres Halbbruders Karl anzuzweifeln. Bernhard musste sich durch Eid vom Vorwurf des Ehebruchs reinigen, sah aber seine Sicherheit ernsthaft gefährdet, so dass er den Hof Ludwigs verließ und zu seinen Besitzungen in Septimanien und Gothien zurückkehrte. Sein Bruder Heribert von Vivarais, der am Hof geblieben war, wurde geblendet und nach Italien verbannt.

Zwar konnte Lothar in den Auseinandersetzungen unter den karolingischen Erben zunächst über seinen Vater Ludwig den Frommen triumphieren, dieser konnte aber im Oktober 830 seine Macht wieder festigen. In der Reichsversammlung von Nimwegen im Februar 831 stimmte er einer Teilung des Reiches zu. Dabei sollte Gothien nach Ludwigs Tod an Karl den Kahlen fallen.

Bernhard versuchte daraufhin eine Aussöhnung mit Judith und Karl dem Kahlen, aber angesichts der früheren Ereignisse waren diese nicht bereit, die Beziehungen mit dem Grafen zu erneuern. Auch in einem persönlichen Gespräch mit dem Kaiser konnte er seine frühere Stellung bei Hof nicht wiedererlangen. Bernhard beschloss, die Seiten zu wechseln.

Erste Rebellion und Absetzung Bernhards
Im November 831 rebellierte Pippin I. von Aquitanien gegen seinen Vater, den Kaiser. Berengar von Toulouse, sein Berater, hatte ihm abgeraten, aber Bernhard bestärkte Pippin in seiner Entscheidung zur Rebellion. Anfang 832 begann Ludwig der Fromme einen Feldzug gegen seinen aufständischen Sohn. Berengar, der loyal zum Kaiser blieb, drang in die Besitzungen Bernhards.

Schließlich zwangen fortwährende Siege der kaiserlichen Truppen im Oktober 832 Pippin und Bernhard vor dem Kaiser zu erscheinen. Pippin wurde abgesetzt und nach Trier verbannt. Sein Reich wurde Karl dem Kahlen übertragen. Bernhard wurde der Untreue beschuldigt und verlor seine gesamten Besitzungen in Septimanien und Gothien an Berengar. Dieser verband nun den alten Grafentitel von Toulouse mit dem von Septimanien/Narbonne.

Möglicherweise verlor auch sein Bruder Gauzhelm seine Grafschaften. Allerdings gelang es ihm, die Grafschaft Ampurias noch eine gewisse Zeit zu halten. Schließlich verzichtete er 833 auf Vermittlung des Abtes Angenis von Fontanelle auch auf dieses Gebiet und zog sich gemeinsam mit seinem Hauptmann Sanila auf seine Familienbesitzungen in Burgund zurück. Gauzhelm und Sanila wurden 834 nach einem Angriff Lothars auf das von ihnen verteidigte Chalon-sur-Saône, hingerichtet. Dabei wurde auch die Schwester Bernhards und Gauzhelms, die Nonne Gerberga, ermordet.

Zweite Herrschaft (835–844)
Rückgabe der Grafschaften
In dieser Schlacht, in der Lothar geschlagen wurde, kämpften Bernhard und Gauzhelm erneut auf der Seite Pippins I. Unter Hinweis auf den geleisteten hohen Blutzoll forderte Bernhard die Rückgabe seiner Ländereien. Berengar besaß diese aber rechtmäßig, und auch er hatte einen hohen Blutzoll geleistet. Der Kaiser zögerte daher zunächst, rief aber im Juni 835 Bernhard und Berengar zu einem Treffen in Crémieu bei Lyon, um ihnen seine Entscheidung mitzuteilen. Auf der Anreise verstarb jedoch Berengar unerwartet.

Als keine Hindernisse mehr vorlagen, gab der Kaiser Septimanien, Gothien und Toulouse an Bernhard zurück. Vom ganzen Gebiet, das Berengar beherrscht hatte, fehlten lediglich Ampurias und Roussillon, die bereits an die Grafen Sunyer I. von Ampurias und an Alarich übertragen worden waren, sowie Pallars und Ribagorça, die zwei Jahre zuvor durch den Usurpator Aznar I. Galíndez, Graf von Urgell und Cerdanya, von der Grafschaft Toulouse abgetrennt worden waren. Nach dessen Vertreibung waren sie Sunifred I., dem Bruder des Grafen Oliba I. von Carcassonne, übertragen worden.

Bernhard herrschte in seinen wiedergewonnenen Besitzungen erneut despotisch und missachtete die Wünsche der ursprünglich gotischen Bevölkerung, die zuvor Berà und später Berengar unterstützt hatte. So wurden in der Reichsversammlung von Quierzy im September 838 Dutzende von Beschwerden gegen Bernhard vorgebracht. Ab 841 war er wegen der verschiedenen Kriege im Kaiserreich überwiegend unterwegs. Die Grafschaften wurden durch Stellvertreter verwaltet.

In der Schlacht von Fontenoy am 25. Juni 841 schlugen Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche ihren Bruder Lothar, dem es aber noch gelang, sich mit seiner Armee in den Süden zurückzuziehen. Bernhard hatte sich im Umfeld des Schlachtfeldes aufgehalten und das Ergebnis abgewartet. Danach schickte er seinen Sohn Wilhelm von Septimanien zu Karl dem Kahlen, um ihm seine Ehrerbietung zu zeigen und das Versprechen seines Vaters zu übermitteln, dass dieser Pippin II. von Aquitanien zum Rücktritt drängen würde – einem Versprechen, das dieser nie vorhatte, zu erfüllen. Pippin II hatte die Nachfolge seines im Jahre 838 verstorbenen Vaters Pippin I. angetreten.

Zweite Rebellion und Tod
Während eines Feldzuges in Aquitanien im Juli 842 beschloss Karl der Kahle, Bernhard zu bestrafen und die Grafschaft Toulouse an den Grafen Acfred zu übertragen. Bernhard weigerte sich, die Entscheidung zu akzeptieren und rebellierte offen, indem er sich mit Pippin II. verbündete und 843 Acfred von Toulouse vertrieb.

Verschiedene äußere Umstände, wie die Invasion der Normannen und der Aufstand der Bretonen, erzwangen die Einstellung der innerfränkischen Bürgerkriege. Dazu wurde im August 843 – wie von Kaiserin Judith angestrebt – das Reich aufgeteilt. Entsprechend dem Vertrag von Verdun behielt Karl der Kahle Gothien und Septimanien außer der Grafschaft Uzès, in der Bernhard Familiengüter besaß. Uzès ging an Lothar. Außerdem wurde die Grafschaft Autun, die Bernhards Sohn Wilhelm beanspruchte, an Graf Warin von Burgund vergeben, einem Rivalen Bernhards, der 842 den Feldzug in Aquitanien angeführt und danach in Septimanien gekämpft hatte.

844 kehrte Karl der Kahle nach Aquitanien zurück, in der Absicht, Pippin II. zum Rücktritt zu zwingen und Toulouse zu erobern. Offensichtlich durch einen Zufall wurde Bernhard von Septimanien durch die kaiserlichen Truppen gefangen genommen – möglicherweise beim Angriff auf Toulouse. Bernhard wurde im Mai 844 Karl dem Kahlen vorgeführt, und dieser ließ ihn daraufhin enthaupten.

Einen Monat später, am 14. Juni 844, brachten Bernhards Sohn Wilhelm und Pippin II. Karl dem Kahlen in Anguemois eine schwere Niederlage bei. Demnach waren die Anhänger Bernhards von Septimanien noch nicht endgültig besiegt. 
VON SEPTIMANIEN, Bernhard (I35661)
 
900 auch Bertha von Friesland[1] und fälschlicherweise auch Bertrada genannt, war durch ihre Heirat mit dem französischen König Philipp I. von 1071 oder 1072 bis 1092 Königin von Frankreich. Die Verbindung beruhte auf rein politischen Erwägungen, und nach rund 20 Jahren Ehejahren sowie mehreren Kindern wurde Bertha von ihrem Mann verstoßen. VON HOLLAND, Bertha (I39290)
 

      «Zurück «1 ... 14 15 16 17 18 19 20 21 22 ... 123» Vorwärts»


Diese Website läuft mit The Next Generation of Genealogy Sitebuilding v. 15.0.1, programmiert von Darrin Lythgoe © 2001-2026.

Betreut von Gisela Strauß. | Datenschutzerklärung.