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| 4051 | Leben und Wirken Herkunft Charlotte Grimms Eltern waren Philipp Wilhelm Grimm (1751–1796) und Dorothea Zimmer (1755–1808). Sie war die einzige Tochter des Ehepaars und wurde von ihrem Vater und den Brüdern Jacob und Wilhelm abgöttisch geliebt.[1] Verhältnis zu den Brüdern Nach dem Tod ihrer Mutter führte Charlotte Grimm, gerade 15 Jahre alt geworden, als einziges weibliches Familienmitglied bis zu ihrer Heirat den Haushalt für die Familie. Die damit plötzlich verbundenen Aufgaben überforderten sie anfangs.[2] In der ersten Zeit nach dem Tod gelang es den Geschwistern deshalb nur sehr rudimentär, den Familienzusammenhalt zu bewahren. Jacob Grimm schrieb einmal in einem Brief an Wilhelm, der „Haushalt sei unangenehm geworden, weil sich keins (d. i. der Geschwister) an das andere binde und keine Ordnung mehr sei, weder beim Essen noch sonst“.[3] Briefliche Ratschläge und finanzielle Unterstützung bei der Führung des Haushalts erhielt Charlotte Grimm von ihrer Tante Henriette Philippine Zimmer aus Gotha.[4] Sie war stets eine wichtige, treue Ansprechpartnerin für die Brüder, wenn einer der Brüder die häusliche Familiengemeinschaft aus beruflichen Gründen verlassen musste. Besonders Wilhelm konnte sie immer wieder Trost schenken, wenn sein Bruder Jacob auf längeren Auslandsreisen war.[5 In späteren Jahren erwies sich Charlotte als geschickte und aufmerksame Gastgeberin, so z. B. beim Besuch des Juristen Friedrich Carl von Savigny in Kassel im Oktober 1815.[6] Im Jahre 1818 lernte Charlotte Grimm in Kassel die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, eine Jugendfreundin der Brüder Grimm, persönlich kennen.[7] Nach Beendigung des Besuches wurden zwischen den beiden Frauen Höflichkeitsbriefe ausgetauscht.[8] Zu einer weiteren Vertiefung des Kontakts kam es in der Folgezeit allerdings nicht, wohl auch aufgrund der unterschiedlichen Charaktere der beiden Frauen. Charlotte, Jacob, Wilhelm und Ludwig Emil Grimm bildeten fortan einen harmonischen Haushalt, der erst endete, als Charlotte anlässlich ihrer Verheiratung den gemeinsamen Haushalt im Sommer 1822 verließ.[9] Erst der Weggang der Schwester veranlasste Jacob und Wilhelm Grimm offensichtlich, sich mit dem Gedanken an eine eigene Ehe zu beschäftigen.[10] Lotte erholte sich von der Geburt ihrer jüngsten Tochter nicht mehr und starb kurz darauf. Wilhelm Grimm hatte die Schwester bis zuletzt gepflegt.[11] Für Jacob und Wilhelm Grimm war der Tod ihrer Schwester Charlotte, mit der sie einen Großteil ihres Lebens in enger, häuslicher Gemeinschaft gelebt hatten, der schmerzlichste Verlust seit dem Tod der Mutter im Jahr 1808.[12] Verhältnis zu den Grimms Hans Daniel Ludwig Friedrich Hassenpflug wurde zweimal leitender Minister in Kurhessen. Politisch waren die Grimms und Hassenpflug konträr eingestellt, aber auf privater Ebene kamen sie zunächst bis Mitte der 1830er Jahre miteinander aus. Das Verhältnis zwischen den Grimms und dem eine reaktionäre Politik verfolgenden Hassenpflug kühlte sich nach Lottes Tod ab, besonders nach der Erklärung der Göttinger Sieben 1837. Während der zweiten Ministerzeit von Hassenpflug nach 1850 kam es dann – nahezu zwei Jahrzehnte nach Lottes Tod – zum endgültigen Bruch. Bedeutung Die Brüder Grimm (links Wilhelm Grimm, rechts Jacob Grimm) Die Grimm-Forschung spricht dem milieuspezifischen und familiären Umfeld der Brüder Grimm große Bedeutung zu.[13] So wird z. B. der Briefwechsel von Jacob und Wilhelm Grimm mit ihren älteren Verwandten (Mutter, Großvater Zimmer, Tante Zimmer, Vater, Tante Schlemmer) seit 1986 von der Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel an der Berliner Humboldt-Universität zusammengetragen und ediert.[14] Dieser Briefwechsel umfasst die Jahre 1787 bis 1813, in denen die Brüder Grimm ihre entscheidenden Prägungen erfuhren. Der in den letzten Jahren bereits herausgegebene, umfangreiche Briefwechsel der Brüder Grimm mit ihrer Schwester Charlotte und deren Mann ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Grimm-Forschung, sondern er gehört darüber hinaus zu den bemerkenswertesten Dokumenten für die politischen, sozialgeschichtlichen und literaturgeschichtlichen Entwicklungen in der Epoche des Vormärz.[15] | GRIMM, Charlotte Amalie (I52623)
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| 4052 | Leben und Wirken Herkunft Eberhard wurde als zweiter Sohn des Elsässerherzogs Adalbert geboren. Sein Großvater Eticho, der dem Volk der Burgunden entstammte, war als Dux im Pagus Attoriensis, dem Gebiet zwischen Dijon und Langres begütert und einflussreich, bevor er die Herzogswürde des Elsass übertragen bekam. Väterlicherseits bestand eine direkte Verwandtschaft mit jener burgundischen Adelsfamilie, die in der Spätphase der Merowingerherrschaft und unter den folgenden Karolingern als Sippe der Waltriche zu einer der einflussreichsten Familien im Fränkischen Reich aufsteigen sollte. Seine Mutter Gerlindis war eine Tochter des Herzogs Eudo von Aquitanien. Sein älterer Bruder Liutfrid folgte nach dem Tod des Vaters diesem in der Herzogswürde nach. Seine beiden Schwestern Attala sowie Gundlinda waren Äbtissinnen einflussreicher elsässischer Klöster und werden, wie auch die gemeinsame Tante Odilia, als Heilige der katholischen Kirche verehrt. Domesticus, Erbteilung und Herrschaft als Comes Die erste urkundliche Erwähnung Eberhards findet sich in einer Schenkungsurkunde der Abtei Honau vom 11. Dezember 723, in der er als Domesticus bezeichnet wird.[1] Damit oblag ihm als Hofmeister seines Vaters, des Herzogs Adalbert, die Leitung des herzoglichen Palastes sowie die Verwaltung der etichonischen Familienbesitzungen, die sich überwiegend in der Region um den Odilienberg im Sundgau befanden. Im Sinne der etichonischen Erbfolgeregel ging nach dem Tod des Vaters die Herzogswürde auf den ältesten Sohn Liutfrid über und Eberhard wurde folgerichtig zum neuen Comes des Sundgau erhoben. Doch bereits in den Jahren zwischen 723 und 731 geriet die bis dahin von Eticho begründete Unabhängigkeit der Elsässerherzöge vom Frankenreich ins Wanken. Das Ende der pippinidisch-karolingische Sukzessionskrise sowie die Ernennung Karl Martells zum Hausmeier des fränkischen Gesamtreiches im Jahr 718 beseitigten die Schwäche der königlichen Zentralgewalt in der Spätphase der Merowingerherrschaft und zwang in den Folgejahren die selbständig gewordenen Dukate unter die karolingische Herrschaft. Die Brüder entschlossen sich daher im Jahr 727 zu einer, dem etichonischen Familienverständnis nach ungewöhnlichen Teilung des väterlichen Erbes. Liutfrid übte zwar nominell noch die herzogliche Herrschaft über das gesamte Elsass aus, konzentrierte sich aber fortan ausschließlich auf den nördlichen Bereich des Landes zwischen der Hohenburg und Straßburg, während Eberhard das südliche Gebiet bis zur Burgundischen Pforte de facto alleine regierte. Aufgrund des Umstandes, dass beide Brüder ab diesem Jahr nicht mehr gemeinsam urkundeten und mithin getrennte Wege gingen, schließt die Forschung, dass seitens Eberhard schon früh eine Übereinstimmung mit den Interessen Karl Martells vorhanden war und er somit als Parteigänger des Dux Francorum zu identifizieren ist, über den es den Etichonen gelang, sich an die aufstrebenden Karolinger anzuschließen.[2] Dies erklärt auch den Umstand, dass sich Eberhard mit dem Wunsch, ein Kloster zu gründen, an den heiligen Pirmin wandte, der ein Vertrauter Karl Martells war und von diesem protegiert wurde – mit Unterstützung der Karolinger entwickelte sich das Kloster Murbach in der Folgezeit zur bedeutendsten Klostergründung der Etichonen. Kloster Murbach Abteikirche St.-Leodegar in Murbach Am Fuß des Großen Belchen, neben dem Murbach gelegen, gründete Eberhard gemeinsam mit Pirmin im Jahr 727 ein Kloster, das den Namen Vivarius Peregrinorum (lat. Kloster der Wandermönche) erhielt und später nach dem angrenzenden Bach benannt wurde. Die Forschung ist sich dahingehend einig, dass die Gründung von Eberhard von Beginn an als Eigenkloster konzipiert war und dazu diente, den umfangreichen Grundbesitz der Etichonen im Sundgau vor dem Zugriff der Königsgewalt und hier insbesondere vor den Karolingern zu schützen. Bereits mit der Gründungsdonation verfügte das Kloster über ausgedehnte Ländereien, spätestens mit umfangreichen Schenkungen Eberhards und dessen Ehefrau am 1. Februar 731/732, 23. März 735 und 19. Juni 737 stieg die Abtei zum größten Grundbesitzer im Elsass auf. In dieses Bild fügt sich auch die Verleihung eines weitgehenden Privilegs durch den Straßburger Bischof Widegern vom 13. Mai 728, in welchem dem Kloster die sogenannte Große Freiheit, das heißt der Besitz, die freie Abtswahl sowie die Eigenverwaltung zugesichert und auf Abgaben an das Bistum verzichtet wurde. Die Verleihung des Widegern-Privilegs erfolgte unter der Bezeugung einer ungewöhnlichen Zahl an weltlichen und klerikalen Großen – darunter Eberhards Bruder Liutfrid als Herzog des Elsass sowie dem heiligen Willibrord.[3][4] Diese Stärkung der rechtlichen Position Eberhards, der als Stifter ein umfangreiches Mitspracherecht bei der Organisation der inneren Belange des Klosters besaß, führten wohl um 730 zu einem Zerwürfnis zwischen dem Grafen und Pirmin – die Forschung geht gemeinhin davon aus, dass der Gründungsabt das Kloster zu diesem Zeitpunkt auf Druck Eberhards wieder verlassen musste, da er als Vertrauter Karl Martells die Entwicklung Murbachs zu einem reinen etichonischen Eigenkloster nicht gutheißen konnte. Um das Jahr 735 ereilten den Grafen des Sundgaues zwei schwere Schicksalsschläge. So verstarb sein einziges Kind, ein Sohn, in jungen Jahren und Eberhard verlor sein Augenlicht und erblindete.[5] Er zog sich daraufhin aus dem weltlichen Leben zurück, verzichtete auf das Grafenamt und trat als Mönch in ein Kloster ein, nach Quellenlage vermutlich in die Abtei Remiremont. Ob möglicherweise der Rückzug vom Amt des Comes auf Druck der Söhne und Nachfolger Karl Martells, Karlmann und Pippin, erfolgte, welche das Elsass nach dem Tode Liutfrids im Jahr 743 wieder in das Frankenreich eingliederten, bleibt ungeklärt. Sicher ist jedoch, dass Eberhard trotz seines Verzichts auf die weltliche Herrschaft in den Folgejahren weiterhin über die Besitztümer und das Geschick des Murbachers Klosters bestimmte – so fällt in seine letzten Lebensjahre die auffällige Umwidmung des Patroziniums der Abtei Murbach. Ursprünglich war zur Gründung das Kloster noch dem heiligen Mauritius geweiht, dessen Verehrung im gesamten Frankenreich weit verbreitet war. Mit der Verleihung des Leodegarpatroziniums, das wohl auf Betreiben Eberhards erfolgte, konnte noch zu Lebzeiten des Klosterstifters ein Familienmitglied der Etichonen kultische Verehrung finden, da der heilige Leodegar von Autun der Onkel von Eberhards Großmutter Bertswinda war. Eberhard verstarb als Mönch im Jahr 747, vermutlich in der Abtei von Remiremont, und wurde in seiner Klostergründung Murbach bestattet. Noch bis in das 12. Jahrhundert wurde seiner dort gedacht und der Gedenktag von den Mönchen im August gefeiert. Aus derselben Zeitepoche stammt auch das heute noch erhaltene Grabmal Eberhards in der romanischen St.-Leodegar-Kirche – die heute verlorene Inschrift lautete: […] und so vermied der edle Mann die göttliche Rache, ewig im Himmelreich lebst du jetzt mehr als reich […]. Ehe und Nachkommen Eberhard war mit Hemelctrudis verheiratet; aus dieser Ehe entstammte der Sohn Anifrid. | VON ELSASS, Eberhard (I61418)
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| 4053 | Leben und Wirken Herkunft Gesalech war ein unehelich geborener Sohn von Alarich II. Er konnte sich als Nachfolger seines Vaters durchsetzen, weil sein jüngerer Halbbruder Amalarich (502–531), der einzige Sohn Alarichs II. aus dessen Ehe mit einer Tochter Theoderichs des Großen, des Königs der Ostgoten, noch minderjährig war. Beginn der Herrschaft Gesalech trat die Herrschaft an, nachdem sein Vater 507 in der verlorenen Schlacht von Vouillé gegen die Franken gefallen war. Er erlangte zwar die Herrschaft als Erbe seines Vaters, doch scheint bei seiner Erhebung auch ein Wahlakt stattgefunden zu haben, der mehr als nur formelle Bedeutung hatte. Dies ist als Wiederaufleben des westgotischen Wahlrechts zu deuten; bei der Erhebung von Gesalechs Vater Alarich im Jahre 484 hatte es keine echte Königswahl, sondern nur eine „Bestätigung“ der Erbfolge durch die Wahlberechtigten gegeben.[2] Gesalech war ein schwacher König. Nach der vernichtenden Niederlage seines Vaters floh er nach Barcelona in den hispanischen Teil seines Reichs, der nicht von den Franken bedroht war. Er konnte die siegreichen Franken nicht daran hindern, das gallische Herrschaftsgebiet der Westgoten größtenteils zu erobern. Damit war der Zusammenbruch des nach der Hauptstadt Tolosa (Toulouse) benannten Tolosanischen Reichs der Westgoten besiegelt. Verhältnis zu Theoderich dem Großen Theoderich der Große erkannte Gesalech anfänglich als rechtmäßigen Westgotenkönig an. Ein ostgotisches Heer besetzte Septimanien, einen Küstenstreifen nordöstlich der Pyrenäen, der dadurch als einziger Rest des früheren westgotischen Herrschaftsbereichs in Gallien dem Westgotenreich erhalten blieb. Dann drangen die Ostgoten bis nach Barcelona vor, wo sich bei den Westgoten bereits Opposition gegen Gesalech regte. Gesalech wurde von den Ostgoten gestürzt und vertrieben; er floh nach Nordafrika ins Reich Thrasamunds, des Königs der Vandalen. Theoderich der Große übernahm die Herrschaft im Westgotenreich auf der Iberischen Halbinsel und in Septimanien; er regierte dort als König in eigenem Namen, nicht als Vormund von Alarichs unmündigem Sohn Amalarich. Die Verwaltung des Westgotenreichs führten Beauftragte Theoderichs. Aufenthalt in Nordafrika und Tod Thrasamund war ein Gegner Theoderichs; daher gewährte er Gesalech nicht nur Asyl, sondern stattete ihn mit Geld aus und ermöglichte ihm so den Versuch, die verlorene Herrschaft wiederzuerlangen. Gesalech begab sich nach Südgallien, wo er Anhänger sammelte und dann einen Angriff auf die Ostgoten in Hispanien wagte. Das Unternehmen schlug fehl; Gesalechs Truppen wurden vor Barcelona von Theoderichs Feldherrn Ibba besiegt, worauf er nach Gallien floh. Er wollte ins Reich der Burgunden gelangen, um dort Asyl zu finden, doch wurde er auf der Flucht an der Durance getötet. | (BALTHEN), Gesalech (I47190)
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| 4054 | Leben und Wirken Herkunft Liutfrid wurde als ältester Sohn des Elsässerherzogs Adalbert geboren. Sein Großvater Eticho war als Dux im burgundischen Pagus Attoriensis, dem Gebiet zwischen Dijon und Langres begütert und einflussreich, bevor er die Herzogswürde des Elsass übertragen bekam. Väterlicherseits bestand eine direkte Verwandtschaft mit jener burgundischen Adelsfamilie, die in der Spätphase der Merowingerherrschaft und unter den folgenden Karolingern als Sippe der Waltriche zu einer der einflussreichsten Familien im Fränkischen Reich aufsteigen sollte. Liutfrids Mutter Gerlindis war eine Tochter des Herzogs Eudo von Aquitanien. Seine beiden Schwestern Attala sowie Gundlinda waren Äbtissinnen einflussreicher elsässischer Klöster und werden, wie auch die gemeinsame Tante Odilia wurde als Heilige verehrt. Herrschaft als Herzog Liutfrid folgte nach dem Tode seines Vaters Adalbert diesem als Herzog des Elsass nach; in einer Schenkungsurkunde der Abtei Honau vom 11. Dezember 723 wird er bereits als Dux bezeichnet.[1] Ob Liutfrid vor der Verleihung der Herzogswürde das Amt eines Comes oder Grafen bekleidete, der im Gegensatz zum Dux keine militärische Aufgabe, sondern ausschließlich die Leitungsfunktion der Verwaltung innehatte, lässt sich aus den wenigen erhaltenen Zeitzeugnissen nicht mehr bestimmen. Als gesichert gilt, dass er die Amtsgeschäfte von Straßburg aus führte, da die Mehrzahl der von ihm erhaltenen Urkunden und Schriftstücke in der dortigen herzoglichen Kanzlei unter der Leitung des Presbyters Ansgar gefertigt wurden.[2] Die von Eticho begründete Erbwürde des Herzogtums im Elsass in der etichonischen Familie konnte bei der Ernennung Liutfrids letztmals geltend gemacht werden. Das Ende der pippinidisch-karolingische Sukzessionskrise sowie die Ernennung Karl Martells zum Hausmeier des fränkischen Gesamtreiches im Jahr 718 beseitigten die Schwäche der königlichen Zentralgewalt in der Spätphase der Merowingerherrschaft und zwang in den Folgejahren die de facto selbständig gewordenen Dukate unter die karolingische Herrschaft. Trotz der wachsenden Macht Karl Martells gelang es Liutfrid, die Herrschaft über das Elsass und damit die etichonische Selbständigkeit noch einige Zeit zu wahren. In den Jahren von 734 bis 737 gewährte er dem im Speyergau, damit im austrasischen Machtbereich gelegenen Kloster Weißenburg einen schmalen Zugang zum Elsass und stiftete der Abtei die Einkünfte, die ihm pro lege als Herzog aus den Abgaben der Orte Betschdorf, Niefern, Gœrsdorf und Preuschdorf zustanden. Der Umstand, dass es sich hierbei um Fiskaleinkünfte handelte, die in der Merowinger- und Karolingerzeit dem König vorbehalten waren, legt davon Zeugnis ab, dass sich Liutfrid formal als königlicher Amtsträger verstand, der sich dem Herrschaftsanspruch Karl Martells als Hausmeier oder Dux Francorum nicht beugen wollte.[3] Diesen Bekundungen eigener Macht und Stärke stand ab der Mitte der dreißiger Jahre des 8. Jahrhunderts ein stetig zunehmender Verlust politischer Autorität im Herzogtum zugunsten des Hausmeiers des Frankenreiches gegenüber. Bereits 734 konnte Karl Martell die Leitung des für die Etichonen so wichtige Bistums Straßburg seinem Vertrauten Heddo sichern, ohne dass Liutfrid, dem Vernehmen nach, ein Mitspracherecht bei der Besetzung des Bischofsamtes in seinem Herzogtum eingeräumt wurde. Der Tod des Hausmeiers im Jahr 741 brachte für Liutfrid keine Wendung in der politisch angespannten Situation, zumal Karl Martell das Frankenreich wie ein König unter seinen Söhnen Karlmann und Pippin als Erbe aufteilte. Mit dem Aufstand der Alemannen unter Herzog Theudebald im Jahr 742, der auch auf das Elsass und damit das fränkische Reichsgebiet übergriff, endete die Unabhängigkeit des etichonischen Herzogtums. Karlmann, als Nachfolger seines Vaters Hausmeier und oberster Kriegsherr Austrasiens, entmachtete Liutfrid und unterstellte das Herzogtum seiner Herrschaft. Ob Liutfrid freiwillig oder auf, möglicherweise militärischen, Druck der Karolinger auf die Herzogswürde verzichtete, bleibt ungewiss. Jedoch deutet eine Schenkungsurkunde Liutfrids an das Kloster Weißenburg vom 15. Juni 742, in der bereits der Titel „Dux“ entfallen ist, darauf hin, dass sein Rückzug unter Zwang erfolgte – so tritt in der Urkunde an exponierter Stelle ein Ruadhartus als Zeuge auf, der als Beauftragter Karlmanns dessen Herrschaftsanspruch durchsetzte und später mit dem Blutgericht zu Cannstatt auch die Selbständigkeit des Herzogtums Alemannien gewaltsam beendete. Mit der Schenkungsurkunde von 742 verliert sich die geschichtliche Spur Liutfrids – ungewiss bleibt, ob er sich auf die Besitzungen seiner Familie zurückzog, von Karlmann beseitigt wurde oder in den heftigen Kämpfen des Alemannenaufstandes umkam. Nach seiner Herrschaft wurde das Herzogtum Elsass endgültig aufgelöst und das Land dauerhaft in das Frankenreich integriert. Einzig sein Bruder Eberhard fand als Comes des Sundgau in den folgenden Jahren noch urkundliche Erwähnung. | VON TOURS, Liutfried (I61414)
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| 4055 | Leben und Wirken Herkunftsfamilie und Kindheit Glikl stammte aus einer aschkenasischen Familie, die in Hamburg in wohlhabenden Verhältnissen lebte. Ihr Großvater Nathan hatte sich nach der Vertreibung aus Detmold in Altona niedergelassen, wo Graf Ernst von Holstein-Pinneberg Anfang des 17. Jahrhunderts Religionsfreiheit erlassen hatte, um Kaufleute in den aufstrebenden Handelsort zu locken, eine Politik, die nach dem Aussterben der Grafen von Schauenburg und Holstein 1640 von dem dänischen König Christian IV. und seinen Nachfolgern fortgesetzt wurde. Glikls Vater war Juda Joseph ben Nathan (~1595 – 6. Januar 1670),[4] auch genannt Leib oder Löb Pinkerle oder Staden.[5] Die Namensform „Leib“ (jiddisch für „Löwe“) ist gemäß Gen 49,9 EU der Beiname des Stammvaters Juda; „Staden“ bezeichnet möglicherweise Stade als Geburtsort. Er war ein erfolgreicher, wohlangesehener Diamantenhändler und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Altona. Aus seiner ersten Ehe hatte er keine Kinder. Ihre Mutter, die Geschäftsfrau Beila bas Nathan aus Ellrich,[6] war seine zweite Frau und sehr viel jünger als er.[7] Als Witwe verheiratete sie sich nicht wieder und starb 1704, mehr als 30 Jahre nach ihrem Mann.[8] Beide sind auf dem Jüdischen Friedhof in Altona beigesetzt wie auch etliche Familienmitglieder. In der Ehe wurden mindestens ein Sohn, der Toragelehrte Awraham Binjamin Wolf,[9] und vier Töchter geboren, von denen Glikl vermutlich die älteste war. Die Familie war vor Glikls Geburt wegen der besseren Geschäftsmöglichkeiten nach Hamburg gezogen. Hamburg hatte den Dreißigjährigen Krieg fast unbeschadet überstanden und war eine aufblühende Handelsstadt, in der seit dem 16. Jahrhundert sephardische oder portugiesische Juden mit Unterstützung des Senats ansässig waren. Glikls Familie gehörte zu den aschkenasischen oder deutschen Juden, die bis 1712 rechtlich schlechter gestellt waren als die Sepharden und auch keine eigene Synagoge in der Stadt hatten. Glikls Jugend wurde von dem damals stets vorhandenen latenten Hass auf die jüdische Gemeinde überschattet. Als Kleinkind erlebte sie 1649 die Vertreibung derjenigen deutschen Juden aus Hamburg, die sich – wie offensichtlich auch ihre Eltern – ohne besondere Erlaubnis des Hamburger Rats in der Stadt niedergelassen hatten.[10] Daraufhin lebte ihre Familie eine Zeitlang wieder im benachbarten Altona. 1657/58 flohen die Altonaer Juden vor dem schwedischen Angriff auf Altona nach Hamburg. Glikls Vater war der erste, dem es nach der Rückkehr in die Stadt gelang, eine offizielle Erlaubnis zur Ansiedlung in Hamburg zu erhalten.[11] Erste Ehe Wie es in jüdischen Familien üblich war, heiratete sie sehr jung: Als Zwölfjährige wurde Glikl in Hameln mit Chaijm von Hameln oder Goldschmidt, einem Verwandten des reichen Hamburger Kaufmanns Chajim Fürst, verlobt und zwei Jahre später noch vor ihrem 14. Geburtstag verheiratet. Ihr Mann, der nur wenige Jahre älter war, stammte aus „einer der ältesten und bedeutendsten jüdischen Familien in Norddeutschland“.[12] Nach einem Jahr im Haus der Schwiegereltern zog das junge Paar nach Hamburg, „denn Hameln war kein Ort der Handelschaft“.[13] Zunächst lebten sie bei ihren Eltern, während Chaijm erste Erfahrung als Kaufmann sammelte. Die beiden führten eine glückliche, partnerschaftliche Ehe. Glikl bekam vierzehn Kinder, von denen zwölf das Erwachsenenalter erreichten und selbst heirateten. Ihr erstes Kind wurde wenige Tage, bevor ihre Mutter ihre kleine Schwester Riwka zur Welt brachte, geboren. Chaijm nahm einen Perlen- und Juwelenhandel auf, der viele Reisen von ihm erforderte. Glikl, die auch sonst für die Einlösung der Pfänder von Kaufleuten zuständig war, musste in der Zwischenzeit das Geschäft in Hamburg alleine führen. Während der Pest, die Hamburg 1664 heimsuchte, zog sie vorübergehend zu ihren Schwiegereltern nach Hameln. 1666 erlebte sie die allgemeine Euphorie um den angeblichen Messias Schabbtai Zvi. Es ist das einzige Mal, dass sie von Kontakten zu den Sepharden berichtet, über deren Netzwerk sich die Nachricht von dem Messias verbreitete und deren Begeisterung auch die Aschkenasen ansteckte. Nicht Wenige verkauften Hab und Gut, um von Hamburg aus die Schiffsreise in das Heilige Land anzutreten. Auch Glikls Schwiegervater veräußerte sein Haus in Hameln, schickte einige Reisekisten zum Sohn nach Hamburg und zog nach Hildesheim, um dort auf den richtigen Zeitpunkt für die Übersiedlung zu warten. Doch noch im selben Jahr konvertierte Schabbtai Zvi zum Islam und beendete somit die Hoffnung auf die Erlösung Israels und den Neubau des Jerusalemer Tempels. Für Glikl fiel diese Enttäuschung mit dem Tod ihrer dreijährigen Tochter Mate zusammen.[14] Die Schwiegereltern blieben in Hildesheim, wo Glikl und ihr Mann sie einige Jahre später zusammen mit ihrem damals jüngsten Sohn, den sie noch stillte, besuchten. Zwei Jahre später, um 1674, brachten sie ihre 13-jährige älteste Tochter Zippora zu deren Hochzeit nach Kleve. Zipporas 18-jähriger Ehemann Kosmann war ein Sohn des Brandenburger Hofjuden Elias Gomperz. Er gründete 1688 eine hebräische Druckerei in Amsterdam, die 1695 eine Haggada herausbrachte, die die aschkenasischen und sephardischen Seder-Traditionen vereinte.[15] Zur Familie Gomperz bestanden bereits verwandtschaftliche Beziehungen, denn Glikls Schwester Hendele war mit einem Onkel von Zipporas Bräutigam verheiratet. Eine ältere Schwester von Kosmann Gomperz wurde einige Jahre später die Schwiegermutter von Glikls jüngerer Tochter Esther. Bei Zipporas prunkvoller Hochzeit waren auch der spätere Brandenburger Kurfürst und preußische König Friedrich und der Statthalter von Kleve, Moritz von Nassau, anwesend.[16] Auf derselben Reise begleitete Glikl ihren Mann zum ersten Mal nach Amsterdam, das sich zu dieser Zeit zum zentralen Umschlagplatz für Juwelen entwickelte.[17] Glikls jüngste Schwester Riwka (~1662–1727) heiratete 1676 Samuel Löb, einen Neffen von Chaijm, und lebte mit ihm ebenfalls in Hamburg.[18] Witwe und selbständige Kauffrau Kurz nach der Geburt des jüngsten Kindes starb am 16. Januar 1689 ihr Mann Chaijm, inzwischen ein angesehener und einflussreicher Geschäftsmann, an den Folgen eines Unfalls und hinterließ ihr 20.000 Reichstaler Schulden. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Altona beigesetzt.[19] Glikl war mit acht noch unverheirateten Kindern auf sich alleine gestellt. Wie andere Witwen, etwa ihre Mutter und Großmutter,[20] führte sie die Geschäfte ihres verstorbenen Mannes weiter. Binnen eines Jahres konnte sie die Schulden abzahlen. In der Folge wurde sie zu einer sehr erfolgreichen Geschäftsfrau, die mit Paris, Amsterdam, Wien, Leipzig, Berlin und Metz handelte und auch sich häufig selbst auf Reisen begab. Neben dem Diamanten- und Perlenhandel ließ sie in Hamburg Strümpfe herstellen. Regelmäßig besuchte sie mit ihrem ältesten Sohn Nathan, der mit seiner Frau Mirjam Ballin in Hamburg lebte, die Messen in Braunschweig, Leipzig und Frankfurt. Es gelang ihr, den Wohlstand der Familie zu mehren und alle ihre Kinder in wohlhabende und prominente jüdische Familien einheiraten zu lassen. Mit der Verheiratung ihrer Kinder erweiterte und festigte sie auch ihr eigenes Handelsnetzwerk. Sie unterstützte ihre Kinder und deren Ehepartner bei Geschäftsgründungen, indem sie mit ihrem guten Namen für sie bürgte. Der Sohn Sanwil (Samuel) wurde von seinem Schwager Samson Wertheimer in dessen Haus aufgenommen und zum Rabbiner ausgebildet. Er starb jedoch schon vor der Geburt seines einzigen Kindes. Auch die Tochter Hendele und der Sohn Löb verstarben jung, Hendele nur wenige Wochen nach ihrer Hochzeit. Die anderen Söhne wurden erfolgreiche Kaufleute in Hamburg, Kopenhagen und London. Der jüngste Sohn Moses wurde Hoffaktor und 1728 Landesrabbiner in Ansbach.[21] 1700 heiratete Glikl in der Hoffnung auf ein behagliches Alter den etwa 60-jährigen Witwer Hirsch (oder Cerf) Isaac Levi Rabbin, einen reichen Bankier und Gemeindevorsteher in Metz, ohne ihn vorher persönlich kennengelernt zu haben. Sein geschäftlicher Zusammenbruch stürzte beide jedoch in Armut.[22] Glikl gelang es immerhin, die Mitgift der jüngsten, noch unverheirateten Tochter Mirjam zu retten. Sie nahm ihre eigenständige Handelstätigkeit wieder auf, um nicht nur auf die Unterstützung durch die Kinder angewiesen zu sein.[23] Das war ungewöhnlich, denn während der Ehe hatte normalerweise der Mann die alleinige Verfügungsgewalt über das Familienvermögen.[20] Hirsch starb 1712. Über Glikls letzte Lebensjahre ist nichts bekannt. Sie starb 1724 im Haus ihrer Tochter Esther, die mit dem reichen Gemeindevorsteher Moses Krumbach in Metz verheiratet war. | LEIB, Glikl bas Judah (I60176)
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| 4056 | Leben und Wirken Im 18. Jahrhundert gründeten Mitglieder der Familie Baedeker in Essen und Dortmund erste Zeitungen und Verlagshäuser. Gottschalk Diederich Baedeker wurde als Sohn des Fürstlichen Essendischen Hofbuchdruckers Zacharias Gerhard Diederich Baedeker (1750–1800) geboren. Er besuchte das Essener Burggymnasium sowie das Akademische Gymnasium Dortmund. 1798, im Alter von 20 Jahren, übernahm er die Wohllebensche Buchdruckerei seines Vaters, der die Witwe von Johann Christian Theodor Wohlleben heiratete, der in Essen eine Druckerei besaß. Gottschalk Diedrich übernahm auch den Zeitungsverlag seines Vaters, da dieser gesundheitlich angeschlagen war. So gab er die Allgemeinen Politischen Nachrichten bis zu seinem Tode heraus. 1803 erwarb Baedeker die Helwingsche Universitätsbuchhandlung Duisburg und gründete seine Firma mit dem Namen Baedeker Kürzel in Duisburg und Essen, aus der 1816 der G. D. Baedeker-Verlag wurde. Er setzte damit besondere Aufmerksamkeit auf das Buchgeschäft und vertrieb insbesondere pädagogische Schriften, Fibeln, Schul- und Gesangbücher. Gegen seinen Willen wurde Baedeker zur Zeit der französischen Fremdherrschaft von 1808 bis 1813 Munizipalrat. 1813 war er Hauptmann der Landwehr. Danach bekleidete er das Amt des Stadtrates in Essen bis 1839 und war deshalb auch ab 1824 Mitglied des Kuratoriums des Burggymnasiums. Dort blieb er bis zu seinem Tode ehrenamtlicher Rendant. 1817 erwarb Baedeker ein Wohnhaus der Essener Stiftsdamen, die sogenannte Von-Harrach’sche Kurie.[1] An deren Stelle errichtete man 1928 das heute unter Denkmalschutz stehende Baedekerhaus.[2] G. D. Baedeker hat 1800 Marianne, geborene Gehra, (1781–1847) in Neuwied geheiratet. Es sind acht Kinder bekannt. Die ersten Nachfolger in Gottschalk Diederich Baedekers Unternehmen waren seine jüngsten Söhne Eduard (1817–1879) und Julius Baedeker (1821–1898). Der älteste Sohn Karl Baedeker gründete den Verlag Karl Baedeker und gab die später bekannten Baedeker-Reiseführer heraus. Grabmal Baedekers auf dem Ostfriedhof Essen Gottschalk Diederich Baedeker wurde auf dem Friedhof am Kettwiger Tor beigesetzt. Als dieser 1955 aufgegeben werden musste, wurde sein Grab auf den Essener Ostfriedhof überführt. | BAEDEKER, Gottschalk Diedrich (I59786)
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| 4057 | Leben und Wirken Jacob Luther wurde als ein weiterer Sohn des Hüttenmeisters Hans Luder (1459–1530) und seiner Frau Margarethe Lindemann (1459–1531) geboren. Die Eltern hatten um 1479 geheiratet und waren nach Eisleben gezogen, wo der Vater eine Hütte pachtete. Seine Familie führte ihren Nachnamen in verschiedenen Varianten.[2] Martin Luther wählte seine Nachnamensform um 1512 oder 1517. Er leitete sie vom Herzog Leuthari II. oder vom griechischen Adjektiv eleutheros („frei“) ab und benutzte vorübergehend die Form Eleutherios („der Freie“).[3] Darstellung des Bergbaus von Georgius Agricola aus De re metallica (1556) Bergmann der auf dem Leder einfährt, aus dem Kapitel „Die verschiedenen Arten der Fahrung“ De re metallica (1556) Wie viele Kinder das Ehepaar Hans und Margarethe Luder hatte, ist nicht sicher bekannt, insgesamt waren es wohl neun Kinder, von denen die Söhne Martin und Jacob sowie drei Töchter das Erwachsenenalter erreichten.[4][5] Die Schwestern hatten Mansfelder Hüttenmeister zu ihren Gatten genommen, so war Dorothea (* 1487) mit Paul Balthasar Mackenrodt († 1517), Margarethe mit Heinz Kaufmann und die dritte Schwester Maria Luder mit dem Hüttenmeister Klaus Polner verheiratet.[6] Insgesamt ist die Biografie Jacob Luthers lückenhaft. Er war zweimal verheiratet, aus der ersten Ehe gingen fünf Kinder hervor, Veit, Martin, Andreas, Johannes und Fabian. Er ehelichte seine erste Frau Barbara, geborene Meme (1496–1538) im Jahre 1515 in Hettstedt.[7][8] Genau wie Jacob Luther so war auch Wilhelm Reiffenstein mit einer Tochter des Hüttenmeisters Hans Meme aus Hettstedt verheiratet.[9] Jener Reiffenstein führte in seinen Briefen an Martin Luther, dessen Bruder Jacob als seinen Schwager an.[10] Seine zweite Ehefrau war (wahrscheinlich) Margarete, geborene Lutteroth oder Lutterod, sie heirateten 1538 nach dem Tod ihres ersten Ehemannes Hans Reinecke.[11] Ein Jugendfreund von Jacob Luther war der 1538 verstorbene Hans Reinicke. Wie sein Vater erlernte Jacob Luder den Beruf des Bergmannes und trat 1522 dessen Nachfolge als Hüttenmeister an. Als der Vater starb, erbte Jakob 1530 gemäß der Erbfolge das väterliche Haus in Mansfeld und zahlte seine Geschwister aus, wie es im Erbvertrag 1534 festgelegt wurde. Am 9. Januar 1533 wurde er zum Schultheissen im Thal Mansfeld gewählt. Die Grafen von Mansfeld erneuerten die 1535 abgelaufenen Pachtverträge über die Herrenfeuer nicht mehr, sie nahmen die Feuer in eigene Regie. Das Bergbau-Regal (lateinisch jura regalia ‚königliche Rechte‘) erlaubte es den Adeligen, die an Privatbetreiber vergebenen Konzessionen wieder an sich zu ziehen und in der Folge für sich zu nutzen. An die Stelle der Hüttenmeister traten mindestens seit 1536, oder schon früher, vom Grafen eingesetzte Faktoren (beamtete Betriebsleiter). Als die Mansfelder Grafen ab den 1530er Jahren die privaten Hüttenmeister von ihren Feuern vertrieben, ging Jacob Luder mit seinem Sohn Fabian im Jahre 1555 zum Rammelsberg nach Goslar, wo sie dann Gruben und eine Schmelzhütte betrieben.[12] Jacob Luther war durch vielfältige familiäre (Heirat, Verwandtschaft) und berufliche Beziehungen eingebettet in ein ausgedehntes (Montan[13]-)Netzwerk, so etwa zu Jacob Welser (1468–1541) in Nürnberg und Heinrich Scherl (1475–1548) in Leipzig, den Grafen zu Stolberg und Wernigerode. Über das Verhältnis der beiden Brüder Jacob und Martin berichtete u. a. Johann Schneidewein, der Ziehsohn und Schüler[14] Martin Luthers, der über zehn Jahre in dessen Umfeld und Haus lebte. So sollen sich die beiden Brüder gegenseitig sehr unterstützt und wohlgesonnen gewesen sein.[15] Als Martin Luther seinen Rückweg von Worms aus, am Freitag, den 26. April 1521 nach Wittenberg antrat, wurde er u. a. von seinem Bruder Jacob begleitet.[16] Über Frankfurt am Main, Friedberg, Grünberg und Hersfeld wurde Eisenach am 2. Mai erreicht. Luther ließ Hieronymus Schurff, Jonas und Petrus Suawe allein weiterreisen, da er seine Verwandten in Möhra besuchen wolle. Luther hatte jetzt nur noch Petzensteiner und den in die Planungen eingeweihten von Amsdorff bei sich. In einem Hohlweg, eine halbe Stunde hinter der Burg Altenstein,[17] auf der einst die Raubritter des Sternerbundes hausten und mit der Hans Heinrich Hund von Wenkheim 1492 nach seiner Reise mit den Kurfürsten von Sachsen in das Heilige Land von Kurfürst Friedrich dem Weisen[18] belehnt worden war,[19] fand am 4. Mai der geplante, fingierte Überfall mehrerer mit Armbrust bewaffneter Reiter auf Luthers Reisewagen statt. Unter den Angreifern befanden sich neben Hans Heinrich, eben auch sein Bruder Jacob[20] und Burkhard Georg Hund von Wenkheim.[17][21] Petzensteiner flüchtete, Amsdorff protestierte laut, und Luther wurde von den Bewaffneten auf Umwegen zur Wartburg gebracht, wo er spät abends eintraf.[22] | LUDER, Jakob (I48611)
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| 4058 | Leben und Wirken Johann Mercker war der Sohn von Johann Anton Mercker († 5. Februar 1691), dem ersten evangelischen Pfarrer in Essen, der offiziell amtieren konnte. Er immatrikulierte sich am 22. April 1682 an der Universität Gießen. Sein Großvater Hermann Mercker war ebenfalls Pfarrer. Zwei Jahre später, mit 25 Jahren, wurde er Rektor der lutherischen Lateinschule und dritter Prediger in Essen. Am 31. Oktober 1687 wurde Mercker als Pfarrer in Mülheim am Rhein eingeführt. Nach dem Tod seines Vaters wurde er am Sonntag nach Trinitatis, am 1. Juli 1691, dessen Nachfolger als Pfarrer in Essen. Mercker vertrat das Programm des radikalen Pietismus. Er lehnte die Autorität der Theologen ab und trat dafür ein, dass gemäß dem Priestertum aller Gläubigen jeder Christ predigen, Sünden vergeben und Sakramente spenden könne. Sein Versuch, gegenüber dem Essener Magistrat dieses Programm, verbunden mit strenger Kirchenzucht durchzusetzen, führte 1700 zum Merkerschen Streit, der innerhalb kirchlicher Kreise reichsweites Aufsehen erregte. Trotz verschiedener Gutachten, u. a. von Philipp Jakob Spener und der Universität Halle, lenkte Mercker nicht ein, sondern exkommunizierte im Juli 1702 den Magistrat. Dem langjährigen Essener Bürgermeister Heinrich Leimgardt verweigerte er die Leichenpredigt. Am 18. Januar 1703 wurde Mercker suspendiert, zunächst für vier Wochen. Ein Verbot der Konventikel im März 1703 führte aber zu enormen Unruhen in Essen, weil Merckers Anhänger sich für ihn einsetzten. Im Mai 1703 setzte der Magistrat Mercker ab. König Friedrich I. (Preußen)schaltete sich in die Auseinandersetzung ein und beauftragte den Geheimen Rat des Herzogtums Kleve mit der Verfolgung des Falles. Erst nach weiteren juristischen Gutachten mehrerer Universitäten wurde die Entlassung im Mai 1705 endgültig bestätigt. Mercker wurde mit einem Vergleich abgefunden. Mercker ließ 1706 die Akten des Streitfalls in einem voluminösen Band drucken.[1] Im August 1713 wurde er als Vikar in Hattingen eingeführt.[2] | MERCKER, Johannes (I56680)
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| 4059 | Leben und Wirken Krafft begann sein Studium der Naturwissenschaften 1869 bei August Kekulé, Rudolf Clausius und Gerhard vom Rath. Daneben beschäftigte er sich mit Musikgeschichte und hatte als Freiwilliger am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teilgenommen. 1874 promovierte er bei August Kekulé zum Dr. phil. mit der Arbeit Über Thiobenzol und Thioanilin.[1][2] Nach einem weiteren kurzen Studium an der ETH Zürich zog er nach Basel und habilitierte sich 1875 mit der Schrift Über die Entwicklung der Theoretischen Chemie. Er war dann Assistent von Jules Piccard, bis er 1877 in Basel zum ao. Professor ernannt wurde. 1880 wechselte er nach Heidelberg, wo er 1888 ao. Professor wurde und bis 1922 lehrte. Anfangs hatte er dort, wie auch Bunsen, keinen leichten Stand und arbeitete bis 1898 unter sehr beengten Verhältnissen. Sein Interesse galt den Fettsäuren, den aromatischen Sulfonsäuren und dem stufenweisen Abbau der Carbonsäuren (Krafftscher Carbonsäureabbau, 1879[3]). Er synthetisierte aromatische Selen- und Tellur-Verbindungen und bestimmte den Siedepunkt der Edelmetalle. Ehrungen 1892 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. 1923 wurde er in Heidelberg noch kurz vor seinem Tod zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt.[4][5] | KRAFFT, Friedrich (I53441)
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| 4060 | Leben und Wirken Mitglieder der Familie Ballin lebten seit dem 17. Jahrhundert in Norddeutschland. Die erste bekannte Persönlichkeit war Elia Ballin (ca. 1615–1680), der seinen Wohnsitz zumeist in Altona hatte und der dortigen jüdischen Gemeinde vorstand. Er handelte mit Edelsteinen, die er auch an den ostfriesischen Hof sandte. Wohl aufgrund dieser Geschäftsbeziehungen beantragte er für seinen Sohn 1668 einen Wohnsitz in Aurich, der er ihm im selben Jahr bewilligt wurde. Gottschalk Josef Ballin gehörte diesem ostfriesischen Zweig der Ballins an. Sein Vater Josef Meyer Ballin, der 1802 starb, war ein erfolgreicher Kaufmann und verheiratet mit Priba (Prievchen), geborene Goldschmidt (ca. 1761–1836). Während der Oldenburgischen Franzosenzeit zog Gottschalk 1812 mit seinen Brüdern Samuel (1778–1870) und Cosmann (1788–1820) nach Oldenburg. Unmittelbar nach dem Umzug gründete er die dortige jüdische Gemeinde mit und stand dieser über viele Jahre vor. Die Brüder Ballin handelten anfangs mit Ellenwaren und waren nebenbei als Bankiers tätig. So entstand das Bankhaus C. & G. Ballin, das sie ab 1854 losgelöst von den Ellengeschäften führten. Das Unternehmen existierte viele Jahre als alleinige und bedeutende Privatbank Oldenburgs. 1815 erhielt Gottschalk Josef Ballin das Oldenburger Bürgerrecht. Er entwickelte sich zu einer wichtigen Persönlichkeit in der Wirtschaft und Gesellschaft der Stadt. Er versuchte wiederholt und energisch, die rechtliche Stellung jüdischer Mitbürger zu verbessern. 1845 erstellte er ein weitreichendes Gesuch, in dem er dafür plädierte, Juden und Christen gleichzustellen. Dieses Ansinnen erfüllte sich erst 1849, als die neue Verfassung für das Großherzogtum Oldenburg in Kraft trat. Ballin hatte u. a. 1814 Anteil an der Anlage des jüdischen Friedhofes in Oldenburg und der Einweihung der neuen Synagoge im Jahr 1854. Am 8. November 1820 heiratete Ballin seine Cousine Bräunchen geb. Goldschmidt (* 17. Januar 1789; † 25. Mai 1883), deren Vater Josef Baruch Goldschmidt als Kaufmann wirkte und aus einer der ältesten jüdischen Familien Oldenburgs kam. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, die Christinnen heirateten. Sie wandten sich vom jüdischen Glauben ab und ließen sich taufen. Der Sohn Karl Joseph Ballin (* 1833) heiratete Hermanna Will (* 1841 in Rostock).[1] Nach 1918 übernahm eine überregionale Privatbank 1918 das Bankhaus C. & G. Ballin. Auch in Ostfriesland lebende Nachkommen der Ballins konvertierten gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum Christentum über und schlossen christliche Ehen. Daher überlebten sie die Zeit des Nationalsozialismus. Literatur Martin J. Schmid: Bet Olam – Haus der Ewigkeit. Der alte jüdische Friedhof zu Oldenburg. Isensee Verlag, Oldenburg 2021. ISBN 978-3-7308-1823-7. Werner Vahlenkamp: Ballin, Gottschalk Josef. in: Martin Tielke (Hrsg.): Biographisches Lexikon für Ostfriesland. Ostfriesische Landschaftliche Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Aurich; Band 3 (2001), S. 21–22. ISBN 3-932206-22-3. Harald Schieckel: Die ältesten jüdischen Familien in der Stadt Oldenburg. in: Die Geschichte der Oldenburger Juden und ihre Vernichtung, Teil der Anne-Frank-Shoah-Bibliothek, Hrsg. Veröffentlichungen des Stadtmuseums Oldenburg; Band 4, Isensee Verlag, Oldenburg (1988), S, 31 ff. ISBN 3-920557-79-4. | BALLIN, Gottschalk Josef (I60471)
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| 4061 | Leben und Wirken Otto Camphausen kam als Bürger des Französischen Kaiserreichs während der Annexion des Rheinlands durch Napoleon Bonaparte zur Welt und wurde erst 1815 Preuße. Er studierte Jura und trat im Herbst 1834 in den Staatsdienst ein. Er beschäftigte sich vorrangig mit Handels- und Finanzfragen. Ab 1837 war er Regierungsassessor in Magdeburg, Koblenz und Trier. 1844 wurde er Regierungsrat in Trier und 1845 als vortragender Rat ins preußische Finanzministerium berufen. Dort beschäftigte er sich mit der Grundsteuer und verfasste 1847 einen Gesetzesentwurf für die Einkommensteuer. 1849 und von 1850 bis 1892 war er Mitglied der Zweiten Kammer und 1850 des Erfurter Volkshauses. Er schloss sich der gemäßigt liberalen Partei an. 1854 wurde er als Nachfolger von August Friedrich Bloch Präsident der Seehandlung und am 26. Oktober 1869 Finanzminister. Der Staatshaushalt wies zu dieser Zeit ein Defizit von fünf Millionen Talern auf. Er konnte dieses Defizit in den Folgejahren abbauen und nach dem Deutsch-Französischen Krieg sogar einen Überschuss erwirtschaften. Mit dem überschüssigen Geld baute er Staatsschulden ab, schaffte einige Steuern ab (Mahl- und Schlachtsteuer), erhöhte die Beamtenbezüge und finanzierte den Bau öffentlicher Gebäude. Grab von Camphausen auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof Berlin Als am 9. November 1873 Albrecht Graf von Roon zurücktrat, wurde Camphausen Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums. Camphausen wurde, nachdem der Überschuss im Staatshaushalt verschwand, für den wirtschaftlichen Niedergang verantwortlich gemacht und wurde auf seine Bitte am 23. März 1878 entlassen. Kurz vor seinem Tod, am 18. Januar 1896, wurde ihm der Schwarze Adlerorden, der höchste preußische Orden, verliehen, womit die automatische Erhebung in den persönlichen Adel verbunden war.[1] Camphausen war der Bruder des preußischen Ministerpräsidenten Ludolf Camphausen. Nach ihm wurde die Grube Camphausen und in der Folge auch die nahegelegene Siedlung Camphausen benannt. | VON CAMPHAUSEN, Otto (I52809)
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| 4062 | Leben und Wirken Peter Georg d’Orville wurde als Sohn des Privatbankiers und Unternehmers Jean Georg d’Orville (1747–1811) und dessen Frau Jeanne Rahel Bernard (1751–1822) geboren. Die Vorfahren der Familie d’Orville waren französische Glaubensflüchtlinge, die sich in Frankfurt am Main zwei Generationen zuvor als Bankiers niedergelassen hatten. Die Familie d’Orville wählte Offenbach am Main zunächst als Sommersitz und war durch Heirat mit der Unternehmerfamilie Bernard verbunden, die in der Stadt bereits die Fürstlich Isenburgsche privilegierte Schnupftabakfabrik betrieb. Der Vater Jean Georg d’Orville vererbte nach seinem Tod 1811 die Teilhaberschaft an der Tabakfabrik an seinen Sohn Peter Georg. 1812 gründete Peter Georg mit seinem Partner Jakob Philipp in Regensburg aus zollrechtlichen Gründen ein Zweigwerk der Offenbacher Tabakfabrik, das sich später zur Hauptniederlassung entwickelte. 1821 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Handelskammer in Offenbach. 1835 bis 1841 war er Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen. Familie Am 19. Juli 1807 heirateten Peter Georg d’Orville und Maria Mimi Fuchs–Bernard (* 6. September 1788; † 17. September 1863 in Offenbach am Main), diese war die Adoptivtochter des Peter Bernard und Tochter des Finanzrats und Bankiers Johann Georg Fuchs und der Jacobea Thurneysen. Das Paar hatte mehrere Kinder, darunter: Theodor (* 1816; † 1860), Kaufmann in Offenbach ⚭ Agathe Alewyn Jeanette (1810–1859) ⚭ Walter Gustav Alewyn (1810–1879) Politik Peter Georg d’Orville wurde im Jahr 1823 zum ersten Bürgermeister von Offenbach am Main ernannt. Seine erste, damals noch ehrenamtliche Amtsperiode dauerte vom 1. August 1823 bis zum 8. Januar 1826. Seine zweite Amtsperiode begann am 31. Dezember 1834 und endete am 19. März 1837. In dieser Zeit begann in Offenbach der kontinuierliche Aufschwung von vorindustriellen Manufakturen zu industriellen Unternehmen, welche die Stadt später als Fabrikstadt prägten. | D`ORVILLE, Peter Georg (I57404)
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| 4063 | Leben und Wirken Recha Mendelssohn kam im Sommer 1767 als dritte Tochter des Philosophen Moses Mendelssohn und seiner Ehefrau Fromet Mendelssohn, geb. Gugenheim, in Berlin zur Welt. Sie war eine Enkelin von Mendel Heymann, dem Stammvater der weitverzweigten jüdischen Familie Mendelssohn, der viele Gelehrte, Künstler und Bankiers entstammen. Recha Mendelssohns ältere Schwester Brendel war die Schriftstellerin Dorothea Schlegel, ihre beiden jüngeren Brüder die Bankiers Joseph Mendelssohn und Abraham Mendelssohn Bartholdy. Sie war eine Tante der Komponisten Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy und der beiden Maler Johannes und Philipp Veit. Gemeinsam mit ihrer Schwester Brendel und ihrem Bruder Joseph wurde Recha Mendelssohn zu Hause unter der Aufsicht ihres Vaters von Hauslehrern unterrichtet.[2] Als Kind verbrachte sie gemeinsam mit ihren Geschwistern oft die Sommerferien in der norddeutschen Residenz des Herzogs von Mecklenburg-Strelitz, wo Mendel Meyer, ein enger Freund ihres Vaters, als Kammeragent arbeitete.[3] Im Sommer 1786 heiratete Recha Mendelssohn auf Wunsch ihres Vaters im Alter von ungefähr neunzehn Jahren Meyers Sohn Mendel Nathan Meyer, dessen Schwester Henriette später ihren Bruder Joseph heiratete.[4] Recha Meyer lebte zunächst mit ihrer verwitweten Mutter und den jüngeren Geschwistern bei ihrem Ehemann in Neustrelitz.[5] Im Oktober 1793 kam ihr einziges Kind, die Tochter Rebecca „Betty“ Meyer (1793–1850), zur Welt. Die Ehe Recha Meyers verlief nicht glücklich und wurde im Jahr 1800 wieder geschieden.[3] Recha Meyer zog nach ihrer Scheidung gemeinsam mit ihrer Mutter nach Altona und führte dort ab 1802 zunächst in der Palmaillenstraße, später in der Kleinen Mühlenstraße, ein Pensionat für junge Mädchen.[6] Später kehrte sie nach Berlin zurück und lebte in der Familie ihres Bruders Abraham.[7] Im Jahr 1818 heiratete ihre Tochter Betty in Berlin den Bankier Heinrich Beer (1794–1842), einen Bruder des Komponisten Giacomo Meyerbeer[4]; im Jahr 1821 wurde ihr Enkel Anton Ludwig Beer geboren, der jedoch bereits im Alter von zehn Jahren verstarb.[8] Während die meisten ihrer Geschwister zum Christentum konvertierten, blieb Recha Meyer zeitlebens Jüdin. Recha Meyer war ihr Leben lang kränklich und häufig darauf angewiesen, dass sie von Angehörigen gepflegt wurde. Nach mehrjähriger Krankheit starb sie am 23. April 1831 in Berlin an „Lungensucht“.[9] Nur wenige Monate zuvor hatte der Kunstmaler Wilhelm Hensel, der Ehemann ihrer Nichte Fanny, die einzige von ihr erhaltene Porträt-Zeichnung angefertigt.[10] Recha Meyer wurde auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee begraben.[11] Ihre Tochter Betty widmete ihr neben dem Ehrengrab ihres Schwagers Giacomo Meyerbeer eine Denktafel.[12] Literatur Josef Körner: Mendelssohns Töchter; In: Preußische Jahrbücher 214 (1928). Sebastian Panwitz: Das Testament Fromet Mendelssohns, geb. Gugenheim (1737–1812) vom 31.12.1792. In: Mendelssohn-Studien 19 (2015), S. 27–43. Siegfried Silberstein: Moses Mendelssohns Witwe in Neustrelitz. (Mit Nachtrag von Max Freudenthal). In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland 3 (1931), S. 123–129. | MENDELSSOHN, Recha „Reikel“ (I60770)
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| 4064 | Leben und Wirken Reimer wurde am 25. Dezember 1845 als Sohn des Buchhändlers Karl August Reimer (1801–1858) in Leipzig geboren. Sein Vater verlegte 1854 die Weidmannsche Buchhandlung von Leipzig nach Berlin. Da er kurz darauf verstarb, konnte Karl Reimer sein Abitur am Friedrichs-Gymnasium Berlin erst 1865 ablegen. Sein Studienbeginn in Göttingen und Greifswald wurde unterbrochen durch den Deutschen Krieg von 1866. Erst nach Auskurieren einer schweren kriegsbedingten Typhuserkrankung konnte er sein Chemiestudium in Greifswald, dann Heidelberg und zuletzt in Berlin fortsetzen. An der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin begann er seine Dissertation bei A. W. v. Hofmann auf einem Forschungsgebiet von Eduard Linnemann und die Deutsche Chemische Gesellschaft zu Berlin wählte ihn am 22. März 1869 zum studentischen Mitglied.[1] Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 behinderte erneut intensivere Forschungen.[2] So promovierte Reimer erst im Juli 1871 bei A. W. v. Hofmann mit einer Arbeit „Ueber einige Derivate des Gährungsbutylalkohols“. Danach erhielt er kurzweilige Anstellungen bei Theodor Hartig an der Königl. Forstakademie Eberswalde und bei A. W. v. Hofmann an der Universität. Letzterer vermittelte Reimer auch an die neue, 1870 gegründete Berliner Chemische Fabrik von C. A. F. Kahlbaum in der Schlesischen Straße.[3] Im Frühjahr 1875 übernahm er wegen des plötzlichen Todes von Theodor Goldschmidt kurzfristig und vertretungsweise die Geschäftsleitung dessen Fabrik für Zinn-Präparate. Sommer 1874[4] hatte Hofmanns Schwager F. Tiemann gemeinsam mit W. Haarmann „Haarmann's Vanillinfabrik“ in Holzminden gegründet. Nachdem Haarmann Berlin verlassen hatte, band Tiemann Karl Reimer in technische Problemlösungen (Oxidation von Coniferin) bei der aktuellen Vanillin-Produktion seiner Firma ein.[5] Eigenständig entwickelte Karl Reimer Ende 1875 einen neuen Syntheseweg zu aromatischen Aldehyden durch Reaktion von wäßrigen Phenolat-Lösungen mit Chloroform (Reimer’sche Reaktion).[6] Karl Reimer verzichtete gegenüber F. Tiemann auf eine eigene wissenschaftliche Erforschung dieser Reaktion[7] und wurde im Gegenzug von Tiemann 1876 als gleichberechtigter Mitinhaber an Haarmann’s Vanillinfabrik in Holzminden beteiligt. Diese „Reimer'sche Reaktion“ ermöglichte erstmals eine bequeme und billige Vanillin-Synthese durch Reaktion von Guajacol mit Chloroform; wegen der Bildung isomerer Nebenprodukte konnte sich dieser Syntheseweg nicht durchsetzen. Durch zahlreiche Publikationen Tiemanns wurde „Reimers Reaktion“ als Reimer-Tiemann-Reaktion allgemein bekannt.[8] Die Vanillin-Fabrik der drei Chemiker Tiemann, Haarmann und Reimer wurde 1876 in Haarmann & Reimer umbenannt. Bereits 1881 schied Reimer krankheitsbedingt aus dem Unternehmen aus und verstarb kurz danach im Januar 1883. | REIMER, Karl (I59832)
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| 4065 | Leben und Wirken Reimer wurde am 3. März 1856 als Sohn des Buchhändlers Dietrich Reimer in Berlin geboren. Er legte am Kgl. Wilhelms-Gymnasium 1873 das Abitur ab und begann ein Chemiestudium an der Universität Heidelberg bei Bunsen und später an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin bei A. W. v. Hofmann. Die Deutsche Chemische Gesellschaft zu Berlin wählte ihn am 28. Februar 1876 zum studentischen Mitglied.[2] Während seiner Promotion erhielt er 1876 die Gelegenheit, ein kleines Teilgebiet der von seinem Cousin Karl Reimer entwickelten Reimer'schen Reaktion zu bearbeiten.[3] 1878 wurde Carl Ludwig Reimer in Berlin bei F. Tiemann mit einer Arbeit Ueber Aldehyde mehrbasischer aromatischer Oxysäuren[4] promoviert. Bis Sommer 1879 bearbeitete er als Assistent von Tiemann dieses Arbeitsgebiet weiter.[5][6] Ende 1879 erhielt er als Unterrichtsassistent an der Universität Leiden (Niederlande) bei Antoine Franchimont eine Anstellung.[7][8][9][10] In 1883 untersuchte er Farbstoffsynthesen im Berliner Privatlabor von Emil Jacobsen, der Verbindungen zu Ernst Schering und dessen Chemiefabrik in Berlin unterhielt.[11][12][13] In den Jahren 1884–1887 war er für die Oelmühle von Wilhelm Herz in Wittenberge tätig, notwendige Analysen wurden an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin von Wilhelm Will durchgeführt.[14][15][16][17] 1888 wurde er Leiter[18] einer Fabrik bei den Vereinigten Chemischen Fabriken zu Leopoldshall AG.[19] Dieser Zusammenschluss von zehn Fabriken verarbeitete Kalisalze aus den Staßfurter Lagerstätten.[20] 1901[21] übernahm er als Fabrikdirektor die Leitung der zu den Mecklenburgischen Kali-Salzwerken Jessenitz[22] AG gehörenden Chlorkaliumfabrik. 1905 war er auch Mitglied des Vorstandsmitglied der AG. Ab 1908 leitete er als Direktor die zur Gewerkschaft Hermann II gehörende Chlorkaliumfabrik[23] in Groß-Rhüden am Harz. 1912 zog er sich aus der Industrie zurück und recherchierte von Hannoversch Münden aus für seine Verbandszeitungen „Zeitschrift für angewandte Chemie“ sowie „KALI, Zeitschrift für Gewinnung, Verarbeitung und Verwertung der Kalisalze“.[24] Er lieferte hier wertvolle Beiträge zu Abwasserfragen,[25] Abwassermessungen[26] und Verfahrenspatenten.[27] In Ullmanns Enzyklopädie der Technischen Chemie ergänzte er Beiträge zu Natriumsalzen.[28] 1920 engagierte ihn die Kali-Forschungs-Anstalt GmbH, Leopoldshall-Staßfurt als wissenschaftlichen Mitarbeiter. Leopoldshall war erst 1873 gegründet[29] und Sitz des Deutschen Kalisyndikats geworden. | REIMER, Carl Ludwiog (I59852)
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| 4066 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I59825)
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| 4067 | Leben und Wirken Wertheimer war der zweite Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Er entstammte einer alten und sehr angesehenen Familie. Sein Vater Salomon Josef war ein Freund des Aufklärers Joseph von Sonnenfels, seine Mutter Mirjam (Marianne), verwitwete Itzig, unter anderem verschwägert mit den Wiener Salonnières Fanny von Arnstein und Cäcilie von Eskeles, der Gattin des Bankiers Bernhard von Eskeles.[2] Schon um 1825 hatte sich Wertheimer mit aus England kommenden Methoden der Kleinkindererziehung beschäftigt und dazu einige Schriften verfasst. Am 4. Mai 1830 gründete er zusammen mit dem katholischen Pfarrer Johann Lindner in Wien, anlässlich der Feier des Geburtstages von Kaiser Franz I., die erste Einrichtung für Kinder in noch nicht schulpflichtigem Alter: Was veranlasste Josef Wertheimer zu diesem Schritt? Ungeachtet dessen, dass er von Samuel Wilderspin, dem Leiter der 'Zentral-Kleinkinderschule' in London, beeinflusst war, stellte er fest, dass in den Armenvierteln in Wien doppelt so viele Kleinkinder starben, verunglückten, verkrüppelt oder krank waren, als in den wohlhabenden Stadtteilen. Der jüdische Kaufmann verglich die Totenlisten von 1824 und 1826, daraus resultiert u. a. seine Forderung, für die Kinder der Armen Institutionen zu schaffen, in denen sie vor Vernachlässigung des Geistes bewahrt, des körperlichen Wohlbefindens und der Sittlichkeit gefördert werden.[3] Ferner rief er 1843, ebenfalls in Wien, die erste Israelitische Kinderbewahranstalt ins Leben. 1860 wurde Wertheimer aufgrund seiner philanthropischen Aktivitäten und seiner Verdienste um die österreichische Wirtschaft zum Ritter des Franz-Joseph-Ordens ernannt.[4] Im Jahre 1868 gehörte er zu den Mitbegründern der ersten österreichischen Privat-Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, Wien-Leopoldstadt, Schiffamtsgasse 15, die sich eines regen Zuspruchs erfreute, „darunter Schülerinnen aus Bayern, Württemberg und Russland.“[5] 1864–1867 war er Präsident der Wiener Kultusgemeinde; er gehörte auch zu den Begründern der Wiener Rettungsgesellschaft. Er war schriftstellerisch tätig (Dramen, historische und pädagogische Schriften), veröffentlichte eine "Geschichte der Juden in Österreich" (2 Bände, 1842) und das Werk "Die Stellung der Juden in Österreich" (1852). Er setzte sich für die Emanzipation der Juden ein und kämpfte für freie Berufswahl und Gleichberechtigung.[6] Wertheimer gründete im Jahr 1872 nach dem Vorbild der Alliance Israélite Universelle die Israelitische Allianz in Wien, eine jüdische Kultur- und Hilfsorganisation, die sich für verfolgte Juden besonders in Osteuropa und auf dem Balkan einsetzte, dem damaligen Einfluss- und Einzugsgebiet Österreich-Ungarns.[7] Sein Ehrengrab befindet sich im alten israelitischen Teil des Wiener Zentralfriedhofes, Tor 1, Gruppe 6, Reihe 1, Nr. 3. In diesem Grab ruht auch seine Gattin Henriette von Wertheimer (geb. Ullmann). Sie führte gemeinsam mit ihrem Mann einen bekannten Wiener Salon, in dem unter anderem Eduard von Bauernfeld, Franz Grillparzer, Ludwig August Frankl und Ernst von Feuchtersleben verkehrten. Werke Wilderspin, S.: Ueber die frühzeitige Erziehung der Kinder und die englischen Klein-Kinder-Schulen, oder Bemerkungen über die Wichtigkeit, die kleinen Kinder der Armen von anderthalb bis sieben Jahren zu erziehen … Übersetzt von J. Wertheimer. Wien 1826 Digitalisat Die Juden in Oesterreich. Vom Standpunkte der Geschichte, des Rechts und des Staatsvortheils. In drei Büchern. Mayer & Wigand, Leipzig 1842; Digitalisat Bd. 1 Literatur S. B. Weiss: Wertheimer, Josef (Joseph) Ritter von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 16, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2019–, S. 145 f. (Direktlinks auf S. 145, S. 146). Constantin von Wurzbach: Wertheimer, Joseph Ritter von. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 55. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1887, S. 124–130 (Digitalisat). Manfred Berger: Von der Kleinkinder-Bewahranstalt zum Kindergarten als Bildungsinstitution. Ausgewählte Aspekte zur Entwicklung des Kindergartens in Österreich, in: Unsere Kinder. Sonderausgabe Herbst 2004, Tagungsdokumentation: Kindergarten Gestern – Heute – Morgen, Linz 2004, S. 1–6. Gerson Wolf: Joseph Wertheimer. Ein Lebens- und Zeitbild. Beiträge zur Geschichte der Juden Oesterreich's in neuester Zeit. Mit Benützung archivalischer Quellen. Herzfeld & Bauer, Wien 1868. Vorschau in der Google-Buchsuche Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie. Band VI, S. 266–267. Ben Asai: Das Vermächtnis eines ehemaligen Präsidenten der Wiener israel. Kultusgemeinde (Teil 1). In: Wiener Jüdische Volksstimme, 1. August 1912, S. 1 f. (online bei ANNO). Ben Asai: Das Vermächtnis eines ehemaligen Präsidenten der Wiener israel. Kultusgemeinde (Teil 2 und Schluss). In: Wiener Jüdische Volksstimme, 8. August 1912, S. 2 f. (online bei ANNO). Björn Siegel: Wertheimer, Josef von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 27. Duncker & Humblot, Berlin 2020, ISBN 978-3-428-11208-1, S. 861–862 (deutsche-biographie.de). Björn Siegel: Österreichisches Judentum zwischen Ost und West. Die Israelitische Allianz zu Wien 1873–1938. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010 (bearbeitet erneut veröffentlicht als: Die Israelitische Allianz zu Wien 1873–1938. In: Europäische Traditionen. Enzyklopädie jüdischer Kulturen. Metzler’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2012). | WERTHEIMER, Josef (I61054)
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| 4070 | Leben und Wirken Zacharias Gerhard Diederich Baedeker wurde als Sohn des Dortmunder Stadtbuchdruckers Gottschalk Diederich Baedeker geboren (nicht zu verwechseln mit seinem gleichnamigen Enkel Gottschalk Diedrich Baedeker). Sein Vater bildete ihn in seinem Dortmunder Betrieb zum Drucker aus. Später führten ihn seine Wege nach Essen, nachdem er am 20. Juli 1775 die Witwe von Johann Christian Theodor Wohlleben, Anna Theodora geborene Bastian, geheiratet hatte. Wohlleben übernahm 1769 die Essener Druckerei, in der die einzige Essener Zeitung gedruckt worden war, und die Baedeker 1775 übernahm. Er führte zu diesem Zeitpunkt die örtliche Zeitung mit dem neuen Namen Essendische Zeitung von Kriegs- und Staatssachen weiter und vereinte sie danach mit der Dortmundischen vermischten Zeitung. Von Kriegs- und Staatssachen. Sie war bisher durch seinen Bruder unter dem Dach seiner Druckerei in Essen erschienen. Maria Kunigunde von Sachsen, die letzte Fürstäbtissin des Damenstiftes Essen, ernannte Zacharias Gerhard Diederich Baedeker im Jahre 1777 zum Hochfürstlichen Hofbuchdrucker. Gedruckt wurden pädagogische Schriften und Schulbücher, Kalender und andere Akzidenzen sowie religiös-erbauliche Gebrauchsliteratur. Zudem betrieb Baedeker einen Presseverlag, eine Buchhandlung, einen Schreibwarenladen und eine Anzeigenannahme- und Lotteriestelle und eröffnete um 1790 Essens ersten kommerziellen Buchverleih. Zacharias Gerhard Diederich Baedeker litt an einer Augenkrankheit, weshalb er sich 1796 weitgehend aus seinen Geschäften zurückzog. Aus diesem Grund übernahm zwei Jahre später sein Sohn Gottschalk Diedrich Baedeker, im Alter von 20 Jahren, sowohl die Druckerei, als auch die anderen Geschäfte und gründete den G. D. Baedeker Verlag. | BAEDEKER, Zacharias Gerhard Diedrich (I59787)
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| 4071 | lebt mit ihrer Tochter in Pest, jetzt Budapest, Hauptstadt von Ungarn hinteließ ihr kleines immerhin beachtenswertes Vermögen; Carl Heinrich Ferdinand Henking informierte sich "vor dem entscheidenden Schritt" über "seine Angebetete und Ihre Mutter" mit Hilfe von Graf Stephan Szécheny bei Gräfin Teliki. Blanka Teleki Gräfin Blanka Teleki de Szék (széki gróf Teleki Blanka, * 5. Juli 1806 in Langendorf bei Frauenbach, Siebenbürgen; † 23. Oktober 1862 in Paris) war eine ungarische Gräfin, die als Frauenrechtsaktivistin, Förderin der Frauenbildung und Künstlerin wirkte. Blanka Teleki wurde am 5. Juli 1806 in Langendorf geboren, dem heutigen Satulung in Rumänien (ungarisch Kővárhosszúfalu). Ihre Eltern waren Graf Imre Teleki (* 1782, † 1848) und dessen Ehefrau Karoline Brunsvik (* 1782, † 1843). Blanka hatte zwei jüngere Geschwister: Emma (* 1809, † 1893) und Maximilian (ungarisch Miksa; * 1813, † 1872). Sie war die Nichte der Bildungsreformerin Therese Brunsvik, die 1828 den ersten Kindergarten im damaligen Ungarn gegründet hatte. Teleki entschied sich erst für eine künstlerische Laufbahn. Sie studierte in München und Paris im Studio von Léon Cogniet Malerei und in Budapest Skulptur bei István Ferenczy. Nachdem sie ihre Ideen für die Bildung von Frauen publiziert hatte, eröffnete sie 1846 in Budapest ihre eigene Schule für Mädchen. 1848 forderten Teleki und einige ihrer Schülerinnen in einer Petition die gleichen Rechte für Männer und Frauen in Ungarn, das Frauenwahlrecht und den Zugang zu den Universitäten für Frauen. Sie beteiligte sich, ebenso wie die Erzieherin Klára Leövey, an der Ungarischen Revolution im selben Jahr. In der Folge wurden sie inhaftiert.[1] Insbesondere die Festungshaft in Kufstein (Tirol) trug zur Bekanntheit Telekis bei.[2] Während der Haft schuf sie kleine Skulpturen, darunter Selbstporträts, von denen sie eines nach Frankreich zu Jules Michelet geschickt haben soll. Nachdem sie 1857 freigelassen worden war, verließ Teleki Ungarn und ließ sich in Paris nieder. Dort verstarb sie am 23. Oktober 1862.[3] Teleki (Adelsgeschlecht) Teleki von Szék ist der Name eines aus Siebenbürgen stammenden Adelsgeschlechts, dass zu den bedeutendsten ungarischen Adelsgeschlechtern im ehemaligen Königreich Ungarn zählte. Seit 1696 waren die Telekis gleichzeitig Reichsgrafen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Mein Privatleben in Ödenburg ist, soweit es der Öffentlichkeit angehörte, durch das Vorstehende bekannt; erwähnenswert ist aber die Frenesie (Raserei / Leidenschaft) der Frau Schweigermutter, welche gewalttätig unsere Ehe stören wolltenach dem Tod des ersten Mädchens (strab am 22. Juli 1842), zu dessen Geburt sie zu uns gereist war, wollte sie meine Frau bereden, mich zu verlassen, sich von mir subventionieren zu lassen und mit ihr nach Pest zurückzukehren. Der saubere Antrag zerschellte an der Rechtschaffenheit und Treue Mariens, hatte aber die wohlmotivierte, allsogleiche Entfernung der Frau Schwiegermutter zur Folge. Wir hatten ihr freie Separatwohnung und Sonntagsverpflegung angetragen; sie aber wollte das Hauswesen auf möglichst Großungarischem Fuße dominieren, während die Tochter ihres eigenen Regimentes froh war. Zurück in Pest war die Mutter im Begriffe, ihre Tochter zu enterben, starb aber Tags zuvor, nach Gottes Rat und hinterließ uns ihr kleines, immerhin beachtenswertes Vermögen... Lebensbilder Carl Heinrich Ferdinand Henking S. 251 | N., Theres (I10078)
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| 4072 | Lebte 1290 auf dem Burgstall Knonau, Mitkäufer des Zehntens zu Knonau 1322 und 1324, besass das Gericht Mettmenstetten Wappenbeschreibung / Blasonierung In Rot silberner Meierhut mit verschlungenen, in Quasten endigenden, silbernen Schnüren. | MEYER VON KNONAU, Rudolf (I5774)
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| 4073 | lebte 1650 auf Limmlinghofen/Lymmelkoven. Die Familie stammt wahrscheinlich aus dem Ort Dahl. Der Ort Dahl wurde vermutlich das erste Mal in einer Urkunde über die Einkünfte und Rechte des Kölner Sankt Apostelnstiftes im Jahre 1443 als „in dem hynder dal“ genannt. Allerdings ist die Zuordnung unsicher, da es im Kirchspiel Wiehl damals zwei Ortschaften mit dem selben Ortsnamen gab. Es könnte sich auch um eine Wüstung handeln. Wahrscheinlich wurde aber die Auflistung der Orte geografisch angeordnet, so dass die Zuordnung zu Dahl bei Drabenderhöhe möglich ist. Das genannte „dal“ liegt tatsächlich weit hinter der Kirche zu Wiehl, wobei die andere Ortschaft Dahl sehr nahe am Ortszentrum liegt. Die erstaufgeführten Orte wie „up dem cleve“ (Neuklef), „zo der lynden“ (Linden), „zo der molen herhusen“ (Mühlen-Herhausen), „zo der molen burenhusen“ (Mühlen-Börnhausen), „in dem hynder dal“, „zo helmerhusen“ (Helmerhausen), „zo der molen up dem teghe“ (Weiershagener Hütte-Mühlen), „zo wiershagen zo der molen stehen zo hart“ (Weiershagen-Mühlen-Zur Hardt), „zo ayspelenkhusen“ (Osberghausen), „zo dem homel“ (Hömel), „zo bantenberch“ (Oberbantenberg) liegen alle im Unterkirchspiel Wiehl, der späteren Gemeinde Drabenderhöhe. | DAHL\VOM DAILL\ZOM DAILL, Gört\Gotfried (I983)
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| 4074 | lebte 1758 noch auf dem RIEFENACKER, wurde am 28.06.1756 in die Bürgerschaft von Solingen ger. 1765 Bürgermeister | DAHL, Johann Clemens (I2859)
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| 4075 | lebte auf dem Katternberg | GRAH, Johann Peter (I2864)
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| 4076 | lebte bis 1712 auf Limminghofen (umfasste die heutigen Solinger Stadtteile Wald, Merscheid und Ohligs) und zog dann zum Katternberg (südlich von Dahl). Hat vermutlich das Haus seines Schwiegervaters JOHANN FRANTZ,übernommen. | DAHL, Johannes (I610)
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| 4077 | Lebte und starb in Waldrennach, wurde aber nicht dort geboren. "Lauttmann" laut familysearch (alt) ist falsch! Kauffmann im OFB Waldrennach. In der Familiensuche (neu) als Martin Kauffman aus Oberkollwangen, wohnhaft zu Deckenpfronn. -Wohnort: Deckenpfronn, später Waldrennach | KAUFMANN, Martin (I11742)
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| 4078 | lebte zu Pilghausen | DAHL (GET. ZUR WALD), Adolf (I2842)
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| 4079 | lebte zur Zeit des 30jährigen Krieges (1618-1648) | BERGFELD, N. (I8624)
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| 4080 | lebten in "Wähnersch" | HIRSCH, Jakob (I995)
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| 4081 | lebten in „Christes“ zu Dillnhenrichshütte: Sieghütte war ein mittelalterlicher Vorort der Stadt Siegen im Kreis Siegen. Er entstand um die gleichnamige Hütte und trug früher auch die Bezeichnungen ´Dillnhenrichshütten` bzw. ´Tillnhenrichshütten` oder ´Auf der Sieg`. 1798 gab es in Sieghütte 58 Häuser. zu Weidenau: Weidenau liegt nördlich von Siegen im Tal der Sieg und von deren Nebenfluss Ferndorf(-bach). Zusammen mit den Ortsteilen Buschgotthardshütten, Fickenhütten, Haardt, Meinhardt, Münkershütten, Müsenershütten und Schneppenkauten bildete die Gemeinde jahrhundertelang einen Schwerpunkt von Bergbau und Eisenindustrie. | FLENDER, Johann Jakob (I997)
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| 4086 | Lehre als Kaufmann in der Firma des späteren Schwiegervaters in Zürich. Z. wurde 1741 Teilhaber und 1744 Nachfolger im väterl. Speditionsgeschäft, das er erfolgreich ausbaute. Mit dem Teilhaberschaftsvertrag von 1741 entstand die Firma Caspar Zyli „Leinentuchhandel mit Spedition", Firma handelte mit Textilien und unter anderem mit Baumwolle der Zellweger von Lyon bis Portugal. Die später auch Geldgeschäfte tätigte. Diese wurde dann in der 1. Hälfte des 19. Jh. zur reinen Bank umgewandelt und ab 1893 unter dem Namen Wegelin & Co. fortgeführt. Als älteste Schweizer Privatbank musste sie 2013 ihren Bankbetrieb endgültig einstellen. Wolf Seelentag, St. Gallen | ZILI, Caspar (I3325)
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| 4087 | Lehrerin, ledig | REINFRIED, Martha (I7383)
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| 4088 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Vertraulich (I41038)
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| 4089 | Leimat Das Gebiet liegt nördlich des heutigen Stadtparks. Erste urkundliche Nennung 1405 (Cuontzun ab der Kachtelstatt fuort zwen toten ab dem Laimatt in die Bruggen zuo der Letzi) - später u.a. 1575 (am Laimet am Rodtmundten glegen). Der Name leitet sich von ahd. *leimôti ‘Lehmgebiet’ ab. Quelle: ortsnamen.ch. 1424 ist in der Stadtrechnung vermerkt, das Hochgericht auf der Leimat sei (neüw gebauwen) worden. Quelle: St.Galler Stadtgeschichte/n. Heute liegen in diesem Gebiet die Villa zum Bürgli (auf der Liste der Kulturgüter in St. Gallen) sowie das Bürgli-Schulhaus. Die heutige Villa zum Bürgli wurde 1890 als Privathaus einer Fabrikantendynastie erbaut, es kann aber wohl davon ausgegangen werden, dass hier oder in der Nähe ein früherer Bau mit den Namen Bürgle/Bürgli gestanden hat. | GSELL, Laurenz \ Lorenz (I2466)
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| 4090 | Leipzig, auch Leipziger, ist der Name eines alten sächsischen Adelsgeschlechts. Die Familie, die später auch in Brandenburg und Schlesien zu Besitz und Ansehen gelangte, gehört zum meißnischen Uradel. Nach einer preußischen und sächsischen Genehmigung Anfang des 20. Jahrhunderts, nannte sich die Familie von Leipziger wieder nach ihrem alten Geschlechternamen von Leipzig.[1] Herkunft Erstmals urkundlich erwähnt wird die Familie im Jahre 1185 mit Burtzlaus und Albertus de Lybz, nobiles (lat. Edle).[2] Leipzig, das namensgebende Stammhaus des Geschlechts[1], ist heute die größte Stadt im Freistaat Sachsen. Die Leipziger dürften als Ministerialen auf der dortigen markgräflich meißnischen Stadtburg gedient haben; Markgraf Otto der Reiche hatte dem Ort an der Kreuzung der Via Regia mit der Via Imperii 1165 das Stadtrecht und das Marktrecht erteilt (siehe: Geschichte der Stadt Leipzig). Die Schreibweise des Familiennamens wechselt von Lipzke, Lipzik, Leiptzk, Leibzcigk, Leiptzigk, Leiptziger und Leipziger. Am 5. Juli 1905 zu Gjenner Föhrde erhielten die von Leipziger eine preußische Genehmigung, den alten Geschlechtsnamen von Leipzig wieder anzunehmen. Eine sächsische Genehmigung erfolgte am 23. Dezember 1905 zu Dresden und für die Wildenauer Linie am 26. Februar 1906.[1] Ein Teil des schriftlichen Nachlasses der Familie von Leipzig, mit einer Laufzeit von 1880 bis 1930, befindet sich im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden. Er besteht aus 29 Mappen mit Ahnentafeln, Stammbäumen, Wappensagen, Wiederherstellung des Namens von Leipzig, Privatkorrespondenz, Abschriften historischer Arbeiten zur Militärgeschichte sowie Fotografien und Faszikel.[3] Linien und Persönlichkeiten Conrad von Leipziger erscheint im Jahre 1348 als Zeuge in einer Urkunde der Stadt Wurzen. Johann von Leipziger begleitete 1413 den Kurfürsten Rudolf von Sachsen auf das Konzil von Konstanz. Christoph von Leipziger war kursächsischer Rat und Landvogt. Er erhielt 1486 von Kurfürst Friedrich dem Weisen, wegen seiner treuen Dienste, das Ländchen Bärwalde bei Jüterbog geschenkt.[4] Das Geschlecht teilte sich in zwei Linien, die Zwethau-Friedersdorfer und die Wildenauer Linie, deren vermutlicher gemeinsamer Stammvater Kaspar von Lipczik war. Kaspar erscheint 1421 in einem Lehnbrief und starb 1424.[1] Zwethau-Friedersdorfer Linie Aus der Zwethau-Friedersdorfer Linie kam Georgen von Leipziger auf Zwethau, kursächsischer Landrat und Vizehofrichter zu Wittenberg. Er ehelichte Maria von Scheiding. Heinrich von Leipzig, kursächsischer Amtshauptmann zu Torgau und Liebenwerda war mit der gleichnamigen Maria von Scheiding aus dem Haus Schenkenberg vermählt. Hans Heinrich von Leipziger auf Zwethau und Friedersdorf (heute Ortsteil von Herzberg), der Sohn von Peter von Leipziger († 1597) und dessen Frau Anna von Rungen aus dem Haus Triestewitz, wurde kurfürstlich sächsischer Beisitzer des Hofgerichts zu Wittenberg. Seine beiden Söhne, Wolf Christoph und George Friedrich aus der Ehe mit Anna von der Droessel, teilten die Zwethau-Friedersdorfer Linie in die Äste zu Zwethau und Friedersdorf.[5] Ast zu Zwethau Wolf Christoph von Leipziger (1607–1664) war der Stifter des Astes zu Zwethau. Sein Enkel Christoph Heinrich von Leipziger auf Zwethau und der Mahla (* 1678), der Sohn von Balthasar Hieronymus von Leipziger (1644–1731) und seiner Frau Katharina Margarethe, eine geborene von Berbisdorf aus dem Haus Mittelseyda, wurde kurfürstlich sächsischer Kammerherr und Stallmeister. Er starb 1749 als Amtshauptmann zu Torgau. Christoph Heinrich war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Johanne Elenore von Loß († 1718), Hofdame der Königin Christiane Eberhardine von Polen, und in zweiter Ehe mit Henriette Friederike von Erdmannsdorff († 1751), Hoffräulein der Königin. Sein Erbe und Nachfolger wurde Karl Heinrich von Leipziger auf Zwethau (1718–1761), ein Sohn aus erster Ehe. Er war zunächst Rittmeister in der kurfürstlich sächsischen Garde du Corps und später wie schon sein Vater kursächsischer Stallmeister. Karl Heinrich heiratete 1749 in Tobertitz Christiane Charlotte von Tettau. Ihr gemeinsamer Sohn August Wilhelm Gotthelf von Leipziger (1753–1816) war königlich sächsischer geheimer Finanzrat und Kammerjunker.[5] Der Sohn Christian Heinrich August von August Wilhelm Gotthelf aus seiner ersten 1783 geschlossenen Ehe mit Josepha Karoline Elisabeth Freiin von Wiese (1762–1796) wurde 1784 in Dresden geboren. Er trat in königlich preußische Staatsdienste und wurde geheimer Justiz- und Oberappellationsgerichtsrat. Er arbeitete als Richter im Konvent für die preußische Provinz Sachsen und wurde Rechtsritter des Johanniterordens. Christian Heinrich August von Leipziger starb am 14. Mai 1860 in Naumburg. Aus seiner 1809 zu Parchen geschlossenen Ehe mit Auguste Wilhelmine Antoinette von Byern (1786–1863) gingen die vier Söhne Heinrich Adolf, Heinrich August Eduard, Heinrich Alfred Hugo und Rudolf Heinrich Arthur hervor.[5] Der älteste Sohn Heinrich Adolf von Leipziger (* 1811) wurde königlich preußischer Appellationsgerichtsrat und starb 1887 als Hauptmann a. D. in Kösen. Von seinen vier Söhnen aus der Ehe mit Laura von Stangen (1829–1888) starben die beiden erstgeborenen noch vor ihren Eltern, von den beiden nachgeborenen wurde Heinrich Erdmann Arndt (1858–1921) preußischer Generalleutnant. Heinrich August Eduard von Leipziger (1818–1851), der zweitälteste Sohn von Christian Heinrich August, wurde preußischer Sekondeleutnant und Bataillonsadjutant im 31. Infanterie-Regiment. Er heiratete 1845 Emma von Suckow († 1848) und hatte zwei Söhne. Der jüngere Sohn Wolf wurde nur fünf Jahre alt, der ältere Kurt (* 1846) starb 1866 als Seekadett in New York. Heinrich Alfred Hugo von Leipziger (* 1822), der dritte Sohn von Christian Heinrich August, trat in herzoglich sachsen-altenburger Dienste und wurde Wirklicher Geheimer Rat und Staatsminister sowie Rechtsritter des Johanniterordens. Aus seiner 1854 geschlossenen Ehe Marie Wilhelmine Gasparine von und zu Mannsbach ging Sohn Heinrich August Erich von Leipziger hervor, welcher als Oberst Militärattaché des Osmanischen Reiches wurde, und 1905 die Erlaubnis erhielt den Namen von Leipzig zu tragen. Der jüngste der vier Brüder Rudolf Heinrich Arthur von Leipziger (1829–1892) wurde preußischer Generalmajor. Er war zuletzt Kommandeur der 31. Infanterie-Brigade. Seine 1869 zu Potsdam geschlossene Ehe mit Auguste Hedwig Freiin Hiller von Gärtringen (* 1845) blieb kinderlos.[5] Ast zu Friedersdorf George Friedrich von Leipziger auf Friedersdorf und Klitzschen († 1667), der Bruder von Wolf Christoph, war der Stifter des Astes zu Friedersdorf. Er heiratete Elisabeth von Bünau aus dem Haus Prößdorf. Ihr Enkel Heinrich Siegfried von Leipziger (1680–1747), der Sohn von Georg Heinrich von Leipziger (1648–1704) und dessen Frau aus erster Ehe Martha Elisabeth von Karas aus dem Haus Grossen, stand als Kammerjunker in fürstlich schwarzburg-sondershausener Diensten. Friedrich Wilhelm Kurt von Leipziger auf Kropstädt, Jahmo, Weddin, Assau und Boßdorf (heute Ortsteile von Lutherstadt Wittenberg) sowie Ließnitz und Wüstemark (heute Ortsteile von Kropstädt) (* 1761), ein Enkel von Heinrich Siegfried und Sohn des königlich sächsischen Oberforst- und Wildmeisters Friedriech Adolf von Leipziger (1724–1760), starb 1824 als königlich preußischer Landrat des Landkreises Wittenberg. Er heiratete 1788 Sophie Friederike Charlotte von Krosigk (1762–1801). Das Paar hinterließ zwei Söhne und eine Tochter.[5] Schloss Kropstädt Schloss Kropstädt um 1860/61, Sammlung Alexander Duncker Der älteste Sohn Karl Heinrich Adolf von Leipziger auf Kropstädt, Jahmo, Weddin, Assau, Boßdorf, Ließnitz und Wüstemark (1789–1851) war königlich sächsischer Kreisoberforstmeister zu Schneeberg. Seine einzige Tochter Clara von Leipziger (1823–1885) heiratete 1842 den königlich sächsischen Geheimrat und Präsidenten des evangelischen Landeskonsistoriums Eduard Freiherr von Könneritz. Ihr jüngerer Bruder Kurt von Leipziger (1835–1893) wurde königlich sächsischer Kammerherr. Er hinterließ aus seiner 1865 geschlossenen Ehe zwei Töchter und einen Sohn, Heinrich. Seine Frau Anna Amalie Karoline Brandt von Lindau erhielt als Witwe am 5. Januar 1906 eine Eintragung in das königlich sächsische Adelsbuch unter der Nummer 238.[1] Karl Heinrich Adolfs Nachfolger und Erbe wurde Friedrich Adolf Karl von Leipziger (1821–1872), sein ältester Sohn aus erster Ehe mit Isidore von Burgsdorff († 1832). Friedrich Adolf Karl wurde Kreisdeputierter und diente als Leutnant in der königlich hannoverischen Garde du Corps. 1855 und 1856 ließ er nach Plänen des Berliner Architekten Friedrich Hitzig das Schloss Kropstädt im neogotischen Stil errichten. An seiner Stelle stand 1150 die Wasserburg Liesnitz. Heute beherbergt es ein Hotel. Friedrich Adolf Karl hinterließ nach zwei Ehen drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Der einzige Sohn aus seiner ersten Ehe mit Marie Therese von Könneritz, Karl von Leipziger (1848–1924), war von 1893 bis 1898 Mitglied des Reichstages für die Deutschkonservative Partei. 1900 wurde er in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 1918 angehörte. Von seinen beiden Schwestern heiratete Isidore Clara Auguste von Leipziger 1881 den königlich preußischen Kammerjunker und Schriftsteller Victor Amadeus Adolf Graf von Westarp und Wanda Clara Felicie von Leipziger in erster Ehe Ludwig Max Joseph von Ziegler und Klipphausen, preußischer Oberst und Kommandeur des 2. Schlesischen Husaren-Regiments und in zweiter Ehe den königlich sächsischen Leutnant Albert Gustav Emil von Prollius.[5] Georg Adolf Moritz von Leipziger auf Niemegk (1795–1865), der zweitälteste Sohn von Friedrich Wilhelm Kurt und Bruder von Karl Heinrich Adolf, wurde 1822 kommissarischer Landrat des Landkreises Bitterfeld. Ein Amt, das er 1823 endgültig übernahm und bis zu seinem Tod ausübte. 1847 wurde er Mitglied des Vereinigten Landtages und war von 1850 bis 1861 auch Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses sowie Ehrenritter des Johanniterordens. Georg Adolf Moritz heiratete 1824 in Merseburg Thekla Adolfine von Selmnitz (1801–1857). Sie waren die Eltern von Adolf Hilmar von Leipziger auf Niemegk (* 1825), der 1854 Landrat des Landkreises Oschersleben, 1864 Polizeipräsident von Königsberg, 1869 Landdrost in Hannover und 1872 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Aachen wurde. Im Oktober 1882 wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Titel Exzellenz ernannt. Von 1878 bis 1888 war er Oberpräsident der preußischen Provinz Hannover und 1888 Oberpräsident der Provinz Westpreußen. Er heiratete 1853 in Halle Amalie Louise Franziska (Fanny) von Funcke und hinterließ zwei Töchter und einen Sohn. Sein jüngerer Bruder Wilhelm Ernst von Leipziger (* 1837) starb 1903 als preußischer General der Kavallerie und Gouverneur von Köln. Aus seiner 1869 geschlossenen Ehe mit Charlotte Friederike Louise von Wyschetzki ging ein Sohn und eine Tochter hervor. Beide Brüder hatten noch vier Schwestern, von denen Karoline Thekla von Leipziger mit dem preußischen General der Kavallerie Hermann von Guretzky-Cornitz (1828–1892) verheiratet war.[5] Karoline von Leipziger (1796–1840), die einzige Tochter von Friedrich Wilhelm Kurt und Schwester von Karl Heinrich Adolf und Georg Adolf Moritz, heiratete 1818 in Kropstädt Friedrich von Krosigk auf Großböhla (1784–1871). Friedrich von Krosigk war königlich preußischer Wirklicher Geheimer Rat und Regierungspräsident des Regierungsbezirks Merseburg sowie Propst des Domstifts Merseburg. Das Paar hatte einen Sohn, Kurt von Krosigk (1819–1898), der preußischer Geheimrat und Landrat wurde. Wildenauer Linie Aus der Wildenauer Linie kam Albrecht von Leipziger auf Wildenau und Haus Ostrau, der Sohn des gleichnamigen Albrecht von Leipziger († 1518). Er heiratete Margarethe von Schönfeld aus dem Haus Loebnitz. Ihr gemeinsamer Sohn Ernst von Leipziger auf Wildenau, er erscheint ab 1600, wurde Beisitzer des kurfürstlich sächsischen Hofgerichts zu Wittenberg. Ernst ehelichte Anna von Angern aus dem Haus Barleben. Ihr Nachkomme in der vierten Generation Hans Dietrich von Leipziger († 1741) war der Stammvater der beiden Äste der Wildenauer Linie. Seine beiden Söhne Heinrich Ernst und Johann Dietrich aus der Ehe mit Gertrude Elisabeth von Schlieben begründeten den ersten und zweiten Ast.[5] Erster Ast Heinrich Ernst von Leipziger (1718–1790) war der Begründer des ersten Astes. 1756 wurde er preußischer Hauptmann der Grenadiere und kämpfte im Siebenjährigen Krieg in den Schlachten bei Leuthen und bei Hochkirch. Während des Bayerischen Erbfolgekriegs kämpfte er bei Schatzlar und erhielt dafür den Orden Pour le Mérite. 1784 wurde er Regimentschef und zum Generalmajor befördert. Er erhielt im Mai 1788 seinen Abschied und eine Pension von 1200 Talern. Heinrich Ernst zog sich nach Glogau zurück wo er 1790 verstarb. Sein Sohn August Wilhelm von Leipziger (1764–1829) wurde preußischer Hauptmann und Regierungspräsident in Posen. Er schrieb mehrere Werke so unter anderem Vom Geist der National-Oekonomie und Staatswirthschaft, für National-Repräsentanten, Geschäftsmänner, und die, die es werden wollen (1813), Ideal einer stehenden Armee im Geiste der Zeit (1808), Dumourier im Jahre 1792: Ueberblick der politischen und militairischen Ereignisse dieser Zeit (1796) und einige Theaterstücke. August Wilhelm war in erster Ehe mit Marie Auguste von Wolfframsdorff verheiratet, der Tochter des Generalleutnants Adam Heinrich von Wolfframsdorff, und in zweiter Ehe mit Wilhelmine Friederike Sophie von Steinwehr.[5] Rittergut Pietronke um 1860, Sammlung Alexander Duncker Er war der Vater von Hermann von Leipziger (1814–1886), der 1848 Mitglied der Preußischen Nationalversammlung und mehrmals Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses war. 1867 war er außerdem Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes für die Nationalliberale Partei. 1839 heiratete er Eveline Clementine Molly von Rittberg (1817–1895). Im Jahre 1840 übernahm er das Rittergut Pietronke (heute Ortsteil von Chodzież) im Landkreis Kolmar von seiner Mutter, wo er auch am 19. Oktober 1886 verstarb. Von seinen neun Kindern, vier Söhnen und fünf Töchtern, konnten Hermann Wilhelm Ernst und Konrad Wilhelm Hermann die Linie mit Nachkommen fortsetzen. Der älteste Sohn Wilhelm August Hermann von Leipziger (* 1841) wurde königlich preußischer Stadtrichter. Er starb 1878 zu Görbersdorf unverheiratet. Sein jüngerer Bruder Hermann Wilhelm Ernst von Leipziger (* 1846) war preußischer Oberstleutnant. Er diente zuletzt als Ingenieuroffizier in Posen und heiratete 1891 Elisabeth Karoline Marie Ida von Unger. Der jüngste Bruder Konrad Wilhelm Hermann von Leipziger auf Briefen (* 1852) wurde Pächter von Morsk (heute Ortsteil von Świecie) im Landkreis Schwetz. Aus seiner 1881 geschlossenen Ehe mit Agnes Minna Karoline Stumm gingen drei Töchter und zwei Söhne hervor. Eveline Adelheid von Leipziger (* 1856), die jüngste Tochter von Hermann und Eveline Clementine Molly, ehelichte 1880 in Pietronke den preußischen Generalmajor Ewald Otto Küster.[5] Zweiter Ast Der Begründer des zweiten Astes war Johann Dietrich von Leipziger auf Wildenau (1728–1796), der Sohn von Hans Dietrich und Bruder von Heinrich Ernst. Er heiratete eine Tochter aus dem Adelsgeschlecht von Bestenbostel. Sein Enkel Heinrich Adolf Karl von Leipziger (* 1803), der Sohn des Kapitäns der königlich sächsischen Armee Hans Heinrich Seyfried von Leipziger (1762–1829), wurde Bankrat und Buchhalter an der königlichen Seehandlung. Er starb als preußischer Hauptmann a. D. am 17. Oktober 1862 in Berlin. Heinrich Adolf Karl heiratete 1845 in Glatz Ida Jeanette von Maltitz. Sie hatten zwei Töchter, von denen die jüngere Ulrike Auguste Martha von Leipziger 1869 Alfons Julius Hugo Materne heiratete, preußischer Major und Oberamtmann sowie Pächter von Chwalkowo mit Zartki im Landkreis Schroda.[5] Friedrich Otto Ludwig von Leipziger (* 1811), der Bruder Heinrich Adolf Karl, starb 1878 in Berlin-Steglitz als preußischer Oberstleutnant a. D. Er diente zuletzt im 8. Pommerschen Infanterie-Regiment Nr. 61. Friedrich Otto Ludwig war zweimal verheiratete, in erster Ehe seit 1844 mit Amalie Charlotte von Lettow-Vorbeck (1805–1852), und in zweiter Ehe ab 1860 mit Mathilde von Braunschweig (1822–1890). Otto Hans Heinrich von Leipziger (* 1846), sein Sohn aus erster Ehe, war zunächst preußischer Sekondeleutnant. Er wanderte nach Südamerika aus und wurde Grundbesitzer in Kolumbien. 1878 wurde Otto Hans Heinrich Chef des Generalstabes der Kolumbianischen Revolutionsarmee. Er starb am 16. November 1885 zu Colon in Panama.[5] Besitzungen In Sachsen war die Familie von Leipzig seit dem 15. Jahrhundert bis 1799 zu Wildenau, während des 17. Jahrhunderts zu Wunschwitz, 1605 zu Nudersdorf (bis 1622), 1610 zu Deutschenbora bei Nossen, Freywalde (heute Ortsteil von Schönewalde) und Friedersdorf (heute Ortsteil von Herzberg) (bis 1747), 1626 zu Möst (heute Ortsteil von Raguhn-Jeßnitz), 1650 zu Bergendorf, Heyda und Gaditz bei Wittenberg (bis 1750), 1686 zu Wiederau (bis 1732) und Weßnig, 1690 zu Bennewitz, 1700 zu Jagsal, 1710 zu Klitzschen bei Torgau (bis 1790), 1750 zu Leetza bei Wittenberg und Moderwitz in Sachsen-Weimar-Eisenach (bis 1830), 1789 zu Jahmo bei Wittenberg (bis 1803), Kropstädt (bis 1855), Obereula (heute Ortsteil von Nossen), Ostrau und Weddin bei Wittenberg (bis 1803), 1800 zu Berg vor Eilenburg (heute Ortsteil von Eilenburg), Niemegk (bis 1855) und Wedelwitz sowie 1871 Rittergut Wolframsdorf mit Schloss in Katzendorf[6] (bis 1945), heute Ortsteil von Langenbernsdorf, OT Trünzig bzw. Mohlsdorf-Teichwolframsdorf, OT Großkundorf, begütert.[7] In Brandenburg waren von 1440 bis 1734 das Ländchen Bärwalde bei Jüterbog, von 1473 bis 1482 Dahme, während des 15. Jahrhunderts Welsickendorf[8] und während des 16. Jahrhunderts mit Johann Gottfried von Leipzig[9] konkret bis 1728 Wiepersdorf, 1512 Koppatz (heute Ortsteil von Neuhausen/Spree), Riesdorf und Rinow[8] sowie Rogosna bei Cottbus, 1518 Mehlsdorf (heute Ortsteil von Ihlow), von 1686 bis 1696 Weißen[8] und bis 1699 Kossin[8], von 1690 bis 1715 Meinsdorf[8], von 1720 bis 1764 Herbersdorf[8], 1728 Casel (heute Ortsteil von Drebkau), von 1789 bis 1855 Boßdorf und von 1803 bis 1855 Assau (heute Ortsteil von Wittenberg) im Besitz bzw. Teilbesitz derer von Leipzig. In Schlesien waren Angehörige der Familie 1830 zu Peltschütz (heute Ortsteil von Domaniów) bei Breslau, Mittel-Sohra (heute Ortsteil von Pieńsk), Schmograu und Würchland (heute Ortsteil von Pęcław) bei Glogau besitzlich. In Posen war 1855 Pietronke (heute Ortsteil von Chodzież) in deren Besitz. Wappen Familienwappen Das Wappen zeigt in Gold einen springenden, an der Stelle der Lunte mit vier bis sechs abwechselnd silbernen und schwarzen Hahnenfedern besteckten roten Fuchs. Auf dem Helm mit rot-goldenen Helmdecken der Fuchs wachsend.[1] Wappensage In einer Fehde im Jahre 1294 zwischen Markgraf Albrecht dem Unartigen und seinen Söhnen soll ein gewisser Heinrich von Leipzig, der auch der Schwarzburger oder der Sterner hieß, Hauptmann von Markgraf Friedrich über ein Fähnlein Fußvolk gewesen sein. Er soll sich ins Lager des Fürsten Eberhard von Anhalt bei Dommitzsch, eines Feindes seines Herrn, geschlichen haben und den Leuten des Markgrafen das Tor geöffnet haben. Zahlreiche Aufständische wurden dabei erschlagen, die anderen in die Flucht getrieben. Der Fürst von Anhalt selbst wurde gefangen genommen. Dafür hat der Markgraf Friedrich diesen Heinrich von Leipzig unter dem Namen von Leipziger geadelt und zum Ritter geschlagen. Er erhielt ein Landgut bei Leipzig geschenkt und als Wappen einen springenden Fuchs, der an Stelle des Schwanzes mit etlichen Hahnenfedern besteckt ist, da er sich wie ein listiger Fuchs in die feindlichen Verschanzungen geschlichen und als ein freudiger Hahn Leib und Leben gewagt hat.[10] August Wilhelm von Leipziger Er stammte aus dem sächsischen Adelsgeschlecht Leipzig. Leipziger stiftete zusammen mit Ignaz Aurel Feßler ( gnaz Aurelius Feßler, ungarisch Fessler Ignácz Aurél (* 18. Mai 1756 in Zurndorf (ungarisch Zurány), Komitat Wieselburg; † 15. Dezember 1839 in Sankt Petersburg) war katholischer Geistlicher, Orientalist, Kapuziner und Freimaurer sowie lutherischer Generalsuperintendent.) 1792 den freimaurerischen Geheimbund „Evergeten“ (griech. Wohltäter), in dem er den Ordensnamen „Charondas“ führte. Der Bund der Evergeten war eine aufklärerische Geheimloge und ein Freidenkerbund gegen den Staat gerichtet, wie er sich unter dem Preußen Friedrich Wilhelms des II. darstellte. In einer von Leipziger gegründeten Lesegesellschaft lernten sich Feßler und Leipziger kennen und berieten schon 1791, ob man nicht eine Gesellschaft gründen konnte, die zum Wohle der Menschheit arbeite und die wirksamer sei, als die Freimaurerei.[2] Der Evergetenbund mit rund 10 Mitgliedern löste sich 1795 wieder auf und Leipziger wurde wegen "Verleitung der Untertanen zu Aufruhr und Empörung" von einem Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Erst nach einem Thronwechsel wurde er begnadigt.[3] August Wilhelm von Leipziger war in erster Ehe mit Marie Auguste von Wolfframsdorff verheiratet, der Tochter des Generalleutnants Adam Heinrich von Wolfframsdorff. Mit ihr hatte er zwei Töchter, Henriette Leopoldine Idalie und Auguste Mathilde Franziska, die Wilhelm Johann Egmont von Grandville heiratete. In zweiter Ehe war er mit Wilhelmine Friederike Sophie von Steinwehr verheiratet, mit der er den Sohn Hermann Heinrich Friedrich von Leipziger auf Gut Pietronke hatte. | VON LEIPZIGER, August Wilhelm (I45880)
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| 4091 | Leo Jud, auch Leo Judä oder Leo Keller (* 1482 in Gemar im Oberelsass; † 19. Juni 1542 in Zürich), war ein Schweizer Reformator elsässischer Herkunft. Nach seinem Vornamen war Jud in Zürich fast nur als Meister Leu bekannt, weswegen seine Nachfahren sich teilweise auch so nannten. Leben und Schaffen Jud wurde als Sohn des Priesters Johann Jud und Elsa Hochsang geboren.[1] Er besuchte zunächst die Lateinschule Schlettstadt und studierte ab 1499 in Basel und Freiburg im Breisgau Medizin. 1505 wandte er sich in Basel der Theologie zu und befreundete sich mit Ulrich Zwingli. Von 1507 bis 1510 war er Diakon in Basel, studierte dann weiter und wurde 1512 zum Magister artium promoviert. Anschliessend war er Leutpriester in St. Hippolyte und 1519 als Nachfolger von Zwingli in Einsiedeln und begann die Bibel zu übersetzen. 1523 übernahm er die Pfarrei St. Peter in Zürich, heiratete und wurde Zwinglis engster Mitarbeiter. Ihm stand er bei der Zürcher Disputation bei und war ein tatkräftiges Mitglied der Zürcher Prophezey. Er wirkte als Prediger, Liederdichter, Eherichter, Dozent und als Bibelübersetzer (zusammen mit Zwingli an der Zürcher Bibel). Mit Heinrich Bullinger erarbeitete er die Zürcher Kirchenordnung. Seine Psalmdichtungen wurden unter anderem in der Psaltervertonung von Sigmund Hemmel verwendet. Die Freunde Zwinglis wie Jud und andere waren sehr aktiv in der Übersetzung und Produktion von reformatorischen Schriften, die in Zürich gedruckt wurden und eine breite Leserschaft erreichten.[2] Ehe und Familie Jud heiratete 1523 die ehemalige Nonne Katharina Gmünder (* um 1493; † 1583). Von ihren acht Kinder erreichten drei das Erwachsenenalter, darunter der Pfarrer Johannes (1528–1597), der sich später Johannes Leonis bzw. Joh | JUD, Leo (I46114)
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| 4092 | Leo, der um 680 in Germanikeia in der südostkleinasiatischen Landschaft Kommagene, einer antiken landschaft im Südosten Kleinasiens, geboren worden war und angeblich ursprünglich Konon hieß, wurde noch als Kind mit seiner Familie umgesiedelt. Der Beiname „der Isaurier“ beruht wohl auf einem Fehler eines byzantinischen Chronisten. Leo war verheiratet mit einer gewissen Maria, mit der er vier Kinder hatte: den Sohn Konstantin und die Töchter Anna, Kosmo und Irene. Leo erhielt eine militärische Ausbildung, diente unter Kaiser Justinian II. und wurde unter Anastasios II. möglicherweise Kommandant der Truppen im Thema Anatolikon.[2] Nach einer anderen Quelle diente er als hoher Offizier (Spatharios) im Thema Anatolikon. 717 wurde Leo gegen Theodosios III. und dessen Sohn zum Kaiser erhoben, doch variieren in den Quellen die entsprechenden Einzelheiten: Mal ist von einer Wahl durch die Soldaten die Rede, in anderen Quellen heißt es, Theodosios sei in der Hauptstadt als unfähig angesehen worden und mehrere Personen aus der Führungsschicht Konstantinopels hätten dann Leo zum neuen Kaiser gewählt. Jedenfalls wurde Theodosios abgesetzt und Leo bestieg den Thron, sah sich aber schon zu Beginn seiner Regierungszeit mit mehreren Problemen konfrontiert. Leo wurde bei seiner Kaisererhebung von Artabasdos, erwar als Usurpator gegen Konstantin V. byzantinischer Kaiser von 741/42 bis 743, unterstützt, dem Strategos des Themas Armeniakon. Zum Dank erhielt Artabasdos den Titel Kuropalates und heiratete Leos Tochter Anna. | (BYZANZ), Leo III. (I37354)
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| 4093 | Leon Phokas (mittelgriechisch Λέων ὁ Φωκᾶς; * um 875/880; † nach August 919), zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Neffen der Ältere genannt, war ein byzantinischer Feldherr und Rebell gegen Kaiser Konstantin VII. und dessen Mitregenten Romanos Lakapenos. Leon Phokas war ein Sohn des Feldherrn Nikephoros Phokas, der unter Kaiser Leo VI. bis 896 als Domestikos der Scholen (Oberkommandierender der Reichstruppen) an der Spitze der byzantinischen Militärhierarchie gestanden hatte. Diesen Posten bekleidete später auch Leon Phokas, der vom Kaiser zudem mit der Magistros-Würde ausgezeichnet wurde. Im August 917 kommandierte Leon Phokas jene Armee, die in der Schlacht von Anchialos gegen die Bulgaren eine verheerende Niederlage erlitt. Im Gegensatz zu vielen anderen Anführern überlebte Leon und konnte nach Mesembria fliehen. Ein neuerliches Zusammentreffen mit den Bulgaren bei Katasyrta westlich von Konstantinopel im Winterhalbjahr 917/918 endete für die wiederum von Leon Phokas befehligten Truppen in einer weiteren Katastrophe. Aufgrund von Gerüchten, Leon Phokas strebe nach dem Kaiserthron, baten Konstantin VII. und seine Mutter Zoe Karbonopsina im Frühjahr 919 den Flottenkommandanten (Drungarios) Romanos Lakapenos um Hilfe. Dieser sorgte dafür, dass Leon als Domestikos der Scholen abberufen und sein einflussreicher Schwager, der Parakoimomenos Konstantin, entmachtet wurde. Leon Phokas zog sich daraufhin zunächst nach Kappadokien ins Privatleben zurück. Nachdem Konstantin VII. am 9. Mai 919 die Tochter des Romanos geheiratet und seinen Schwiegervater als Basileopator zum Mitregenten erhoben hatte, entschloss sich Leon Phokas zur Rebellion. Offiziell gab er vor, den jungen Kaiser zu unterstützen und nur die Machtübernahme durch Romanos verhindern zu wollen. Diesem gelang es aber, Chrysobulle im Rebellenlager zu verteilen und so mehrere Parteigänger Leons auf seine Seite zu ziehen. Dennoch marschierte Leon mit seinen Soldaten bis nach Chrysopolis und bezog auf der kleinasiatischen Seite des Marmarameers Aufstellung. Romanos entsandte auf einer Dromone einen weiteren Boten, der den gegnerischen Truppen ein von Konstantin VII. autorisiertes Schriftstrück vorzeigte, in dem Leon Phokas als Usurpator gebrandmarkt wurde. Dieser wurde daraufhin von seinen Anhängern verlassen und ergriff die Flucht, wurde jedoch in Goeleon in Lykaonien gefasst und entweder schon dort oder in Konstantinopel geblendet. Im August 919 wurde er in der Hauptstadt auf einem Maultier öffentlich vorgeführt. Leons weiteres Schicksal ist unbekannt. Sein jüngerer Bruder Bardas, ebenfalls ein prominenter General, war der Vater des späteren Kaisers Nikephoros II. | PHOKAS, Leon (I24263)
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| 4094 | Leopold II. war mit Ida verheiratet, deren Herkunft nicht gesichert ist, die aber vermutlich aus dem Haus der – papsttreuen – Grafen von Formbach (Landkreis Passau) stammt.[19] Vor ihrer Ehe mit Leopold II. war sie vermutlich mit Haderich von Schwarzenburg aus dem oberpfälzischen Geschlecht der Schwarzenburger verheiratet.[20] Im Jahre 1101 schloss sie sich den Herzögen Welf IV. von Bayern († 1101) und Wilhelm IX. (Aquitanien) Wilhelm IX. von Aquitanien († 1126) an und nahm als eine der ersten namentlich bekannten Kreuzfahrerinnen zusammen mit Erzbischof Thiemo von Salzburg – der gleichfalls aus dem Geschlecht der Grafen von Formbach stammt – am Kreuzzug von 1101 teil, auf dem sie verstarb. | VON ÖSTERREICH, Ida (I39651)
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| 4095 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I58095)
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| 4096 | Leopold wurde als Sohn von Herzog Albrecht II. dem Weisen (Lahmen) und Johanna, Tochter von Ulrich II. (Graf von Pfirt) geboren. Bezüglich seiner Nachfolge hatte Albrecht II. schon 1355 eine habsburgische Hausordnung erlassen, wonach die Söhne gemeinsam und gleichberechtigt die Regierungsgeschäfte hätten führen müssen. Als er am 20. Juli 1358 starb, übernahm aufgrund der Minderjährigkeit der drei jüngeren Söhne der älteste, Rudolf IV. der Stifter, allein die Regierung. 1364 entschloss sich dieser, die Rudolfinische Hausordnung zu erlassen, wonach die habsburgischen Länder gemeinsamer Besitz aller Brüder seien. Ein Dokument, das die Unterschriften aller drei Brüder zeigt (der zweitälteste, Friedrich III., verstarb schon 1362), ist der berühmte Gründungsbrief der Wiener Universität 1365. Schon wenige Monate später aber verstarb Rudolf IV. überraschend 26-jährig, und die zwei Brüder Albrecht III. mit dem Zopf (15 oder 16 Jahre alt) und Leopold (14 Jahre alt) teilten sich die Regierungsgeschäfte. Die formelle Belehnung erfolgte durch Kaiser Karl IV. Aufgrund des höheren Alters kam Albrecht die führende Rolle in der gemeinsamen Regierungstätigkeit zu, was bei den überlieferten Unterschieden im Naturell der beiden Brüder, Leopold wird als ehrgeizig und tatendurstig beschrieben, Albrecht hingegen als besonnen, bald zu immer größeren Spannungen führte. Durch den Frieden von Schärding 1369 war der habsburgische Besitz Tirols durch die Wittelsbacher anerkannt worden. 1373 teilten die Brüder die Verwaltung der Besitztümer fix unter sich auf: Leopold wurde Regent von Tirol und den Vorlanden. Schließlich wurde, wohl auch um einen offenen Kampf zu verhindern, sowohl die Regierung als auch der Besitz der habsburgischen Ländereien geteilt: Durch den Neuberger Teilungsvertrag vom 25. September 1379 erhielt Leopold die Herzogtümer Steiermark (mit Wiener Neustadt), Kärnten, Krain, die Windische Mark, Görz und Güter in Friaul sowie die Grafschaft Tirol und Vorderösterreich westlich des Arlbergs zugesprochen. Damit kam es auch zur folgenschweren Teilung des Hauses Habsburg in die Leopoldinische und Albertinische Linie. | VON HABSBURG, Leopold III. (I28557)
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| 4097 | Leovigild († April/Mai 586 in Toledo) war von 569 bis 586 König der Westgoten in Spanien, ab 571/572 auch im Reichsteil Septimanien (im Südwesten Frankreichs). Er gilt als bedeutender Herrscher, da er die Machtdes Königtums festigte und es nach römischem Vorbild umgestaltete, die Sueben unterwarf und sich gegen die Oströmer durchsetzte. Seine Religionspolitik blieb jedoch gesamthaft erfolglos, da es ihm nicht gelang, das Reich auf der Basis des Arianismus religiös zu einigen. Nach dem Tode des Königs Athanagild blieb das Reich monatelang ohne Herrscher, bis schließlich 568/569 in Septimanien Adlige Liuva I. zum König erhoben. Liuva machte seinen jüngeren Bruder Leovigild zum Mitherrscher, überließ ihm Spanien und behielt nur Septimanien für sich. Leovigild, dessen erste Frau, die Mutter seiner beiden Söhne, gestorben war, heiratete Athanagilds Witwe Goswintha (Goiswintha). Nach Liuvas Todkonnte Leovigild 571/572 beide Reichsteile unter seiner Herrschaft vereinen. Das erste Ziel Leovigilds war die Verkleinerung des von Kaiser Justinian I. geschaffenen oströmischen Herrschaftsbereichs im Süden der Iberischen Halbinsel. Auf einem ersten Feldzug 570 konnte er nur Verwüstungen anrichten, nicht aber befestigte Städte erobern. 571 gelang ihm jedoch durch Verrat die Einnahme von Medina-Sidonia, worauf er die oströmische Besatzung hinrichten ließ. Die Oströmer waren außerstande, Verstärkungen zu schicken, und mussten sich mit den Gebietsverlusten abfinden. 572 konnte Leovigild auch Córdoba und dessen Umgebung erobern, einGebiet, das zuvor unter der Kontrolle nicht näher bekannter lokaler Kräfte gewesen war.[1] Nach diesem Erfolg im Süden wandte sich Leovigild nach Nordspanien, umdort selbständige Stammesgebiete und einen örtlichen Machthaber zu unterwerfen. 574 besiegte er die Kantabrer und nahm deren Hauptstadt Amaya (heutige Provinz Burgos) ein. Sie hatten zuvor eine Adelsrepublik gebildet, die einer Ratsversammlung („Senat“) unterstand.[2] Auch hierordnete Leovigild nach dem Sieg zahlreiche Hinrichtungen an und annektierte das Gebiet. Mit Miro, dem König der Sueben, schloss er einen Waffenstillstand. 581 zog Leovigild gegen die Basken und eroberte einen Teil ihres Gebiets. 573 erhob Leovigild seine beiden Söhne aus erster Ehe, Hermenegild undRekkared, zu Mitherrschern, um die Herrschaft seiner Familie dauerhaft zu sichern und das Wahlrecht des Adels auszuschalten. Die SicherungSeptimaniens gegen fränkische Übergriffe und die Verhinderung eines suebisch-fränkischen Bündnisses waren vordringliche Ziele seiner Außenpolitik.[3] Daher verheiratete er seinen älteren Sohn Hermenegild im Jahre 579 mit der fränkischen Prinzessin Ingund, einer Tochter des KönigsSigibert I. von Austrasien. Daraus entstand ein religiöser Konflikt,denn Ingund war Katholikin, wogegen die westgotische Königsfamilie amArianismus festhielt, obwohl ein großer Teil der Reichsbevölkerung katholisch war. Die Königin Goswintha, die Hermenegilds Stiefmutter und zugleich Ingunds Großmutter (mütterlicherseits) war, drängte auf den Übertritt Ingunds zum Arianismus. Als Ingund dies verweigerte, entschärfte Leovigild den Konflikt, indem er seinen Sohn und seine Schwiegertochter nach Sevilla schickte und Hermenegild die Verwaltung eines südlichen Reichsteils übertrug. Dort geriet Hermenegild jedoch unter den Einfluss des katholischen Bischofs Leander von Sevilla. Zusammen mit Ingund erreichte Leander, dass Hermenegild öffentlich zum Katholizismus übertrat. Außerdem begann Hermenegild 579 einen Aufstand gegen seinen Vater. In der Forschung ist umstritten, welches dieser beiden Ereignissezuerst geschah und ob eines von ihnen die Ursache des anderen war oder kein ursächlicher Zusammenhang zwischen ihnen bestand. Hermenegild verhielt sich durchgängig defensiv; offenbar wollte er nicht seinen Vater stürzen, sondern einen eigenständigen katholischen Herrschaftsbereich mit Sevilla als Zentrum begründen. Zu diesem Zweck bemühte er sichum den Beistand der Franken und verbündete sich mit den Feinden des Reichs, den Sueben und den Byzantinern. Er trat den Byzantinern sogar die Stadt Córdoba ab, bekam jedoch von ihnen keine wirksame Hilfe. Leovigild strebte zunächst eine friedliche Lösung an, obwohl Hermenegild eigene Goldmünzen prägte, sich wie ein eigenständiger Herrscher verhielt und als Vorkämpfer des Katholizismus auftrat. Schließlich ging Leovigild mit einer überlegenen Streitmacht gegen seinen aufständischenSohn vor. Ab 582 unterwarf er in knapp zwei Jahren die abgefallenen Gebiete. 583 begann er die Belagerung Sevillas. Córdoba gewann er durcheine Geldzahlung von den Byzantinern zurück. Anfang 584 kapitulierteHermenegild. Ingund fand mit Hermenegilds Sohn Athanagild im byzantinischen Machtbereich Zuflucht. Sie starb in Afrika, Athanagild wurde nach Konstantinopel gebracht. Hermenegild blieb in Haft. 585 wurde er ermordet, angeblich weil er sich weigerte, zum Arianismus zurückzukehren. Die Hintergründe der Tat bleiben unklar, und es ist unsicher, ob Leovigild den Mordbefehl gab.[4] Unterwerfung der Sueben und Frankenkrieg Die Sueben unter König Miro, die bereits katholisch waren, wollten Hermenegild zu Hilfe eilen, vermochten aber militärisch nichts auszurichten. Auf diesem Feldzug starb Miro. Im Suebenreich kam es zu einer Auseinandersetzung um die Königswürde; Miros Sohn und Nachfolger wurde voneinem Usurpator gestürzt. Leovigild nutzte diese Wirren, um 585 die Sueben zu unterwerfen, wobei er auf wenig Widerstand stieß. Damit endete das suebische Königtum. Das Suebengebiet wurde ins Westgotenreich eingegliedert.[5] Der merowingische Frankenkönig Guntram I. versuchte vergeblich das westgotische Septimanien zu erobern. Die Franken konnten zunächst Carcassonne einnehmen, erlitten dann aber schwere Niederlagen gegen die vom Thronfolger Rekkared geführten Westgoten, welche die verlorenen Gebietezurückeroberten und ihrerseits auf fränkisches Territorium vordrangen Leovigild strebte danach, seinem Königtum kaiserlichen Glanz zu verleihen, indem er sich an der römischen Tradition orientierte.[7] Dabei nahm er nicht nur das zeitgenössische oströmische Kaisertum, sondern auch ältere (west)römische Gepflogenheiten zum Vorbild. Zu dieser „Imperialisierung“ des westgotischen Königtums gehörten folgende Maßnahmen: Leovigild war der erste Westgotenkönig, der „unter den Seinigen“ –also auch außerhalb diplomatischer Anlässe – ein besonderes Herrschergewand trug und auf einem Thron saß. Auf Münzen ist er im Königsornatabgebildet.[8] Vor Leovigild hatten die Westgoten Goldmünzen mit dem Bild und Namen des jeweiligen Kaisers geprägt, womit sie ein Vorrecht des Kaisersrespektierten. Leovigild ging dazu über, seine Münzen mit seinem eigenen Bild und Namen zu versehen. Anlässlich militärischer Erfolge (Eroberung von Sevilla, Córdoba und Braga) wurden nach römischem Brauch Münzen mit entsprechenden Aufschriften geschlagen. Vorbild hierfür war nicht die zeitgenössische oströmische Prägung, sondern die alte weströmische.[9] Mit Städtegründungen knüpfte Leovigild ebenfalls an die kaiserliche römische Tradition an. Dies kam auch in der Namensgebung der neuen Städte zum Ausdruck: eine hieß Reccopolis (zu Ehren Rekkareds), eine andere, anlässlich des Sieges über die Basken gegründete nannte der König Victoriacum („Siegesstadt“). Zu dieser Politik gehörte auch die Erhebung Toledos zur neuen Hauptstadt des Reichs. In dieser Funktion als ständige Residenz des Herrschers erscheint Toledo ab 580. Leovigild veranlasste eine Aufzeichnung des gesamten geltenden Rechts,d. h. der älteren Gesetze und seiner eigenen. Ein Ziel seiner gesetzgeberischen Tätigkeit war die rechtliche Angleichung von Romanen und Goten, womit er die Einheit der Reichsbewohner stärkte. Aus den ethnischen Einheiten (gentes) sollte ein Reichsvolk (populus) werden. Bisher hatten die Goten ihr Stammesrecht (Codex Euricianus), während für die Romanen ein eigenes, an der römischen Tradition orientiertes Gesetzbuch(Lex Romana Visigothorum) galt. Leovigild hat diese rechtliche Trennung wohl mit seinem Gesetzbuch gänzlich beendet. Er hob das Verbot derEheschließung zwischen Goten und Romanen auf, das ohnehin schon oft missachtet worden war, und führte das bei den Romanen geltende Erbrechtder Töchter auch für die Goten ein. Leovigild strebte ebenso wie im Rechtswesen auch auf religiösem Gebieteine Vereinheitlichung an. Sein Ziel war eine gemeinsame Staatsreligion für alle Reichsbewohner. Diese sollte nach seiner Überzeugung der traditionelle Arianismus der Goten sein. Daher versuchte er durch Druck, Überredung und Belohnungen auf die Katholiken einzuwirken. Der katholische Bischof Vincentius von Saragossa trat zum Arianismus über. DerKönig begnügte sich aber mit dieser Zermürbungstaktik und unternahm keinen umfassenden Angriff auf die katholische Kirche. Er erlaubte die katholische Religionsausübung und die Neubesetzung freigewordener katholischer Bistümer. Die von den Katholiken als Verfolgung beklagtenMaßnahmen des Königs setzten anscheinend erst nach dem Aufstand Hermenegilds ein. Der katholische Geschichtsschreiber Isidor von Sevilla behauptet, Leovigild habe zahlreiche katholische Bischöfe in die Verbannung geschickt; namentlich bekannt sind aber nur zwei, Masona von Méridaund Leander von Sevilla. Im Fall Leanders, der sich als Ratgeber Hermenegilds politisch kompromittiert hatte, handelte es sich möglicherweise um ein freiwilliges Exil. Verbannt wurde auch der Chronist Johannesvon Biclaro, der später – nach Leovigilds Tod – Bischof von Girona wurde. 580 trat in Toledo ein Konzil der arianischen Bischöfe zusammen, das einzige in der westgotischen Geschichte, von dem wir wissen. Es fassteauf Wunsch des Königs Beschlüsse zur Dogmatik und zum Kult, die den Katholiken entgegenkamen, um ihnen den Übertritt zu erleichtern; die katholische Taufe wurde als gültig anerkannt. Diese Schritte erfolgten unter dem Eindruck des im Vorjahr ausgebrochenen Aufstands Hermenegilds.Das Eingreifen des Königs sogar in dogmatische Angelegenheiten entsprach oströmischem Brauch, es war in den arianischen Kirchen der Germanenreiche nicht üblich. Die Erfolge von Leovigilds Religionspolitikblieben vereinzelt; gesamthaft ist sie gescheitert, da der Katholizismus schon zu stark war. | VON CARTAGENA, Theodosia (I22590)
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| 4098 | Leszno (deutsch Lissa, früher auch Lissen und Polnisch-Lissa, ist eine kreisfreie Stadt in der polnischen Woiwodschaft Großpolen, rund 70 Kilometer südwestlich von Posen und etwa 90 Kilometer nordwestlich von Breslau | VON SCHMETTAU, Susanne Marie (I564)
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| 4099 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I7158)
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| 4100 | Leuchtenberg mit dem Hauptort Pfreimd und zuvor mit Sitz in Leuchtenberg war eine kleine Landgrafschaft im nördlichen Oberpfälzer Wald, etwa 30 km östlich von Amberg und dem Fürstentum Sulzbach. Sie bestand aus den vier Ämtern Leuchtenberg, Pfreimd, Wernberg und Mißbrunn mit einer Gesamtfläche von etwa 250 km². Herrschaft des Hauses Leuchtenberg bis 1646 Die Landgrafschaft Leuchtenberg entstand im Nordgau um die Burg Leuchtenberg. Die Leuchtenberger wurden 1158 in den Grafenstand erhoben, 1196 wurden sie zu Landgrafen und im 15. Jahrhundert zu Reichsfürsten mit Sitz im Reichsfürstenrat. Sie führten bis zu ihrem Erlöschen 1646 den Landgrafentitel. | VON LEUCHTENBERG, Gebhard III. (I31989)
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