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| 4001 | Leben Sie wurde als älteste überlebende Tochter von Graf Johann Kasimir von Salm-Kyrburg (1577–1651), einem Feldherrn in schwedischen Diensten und jüngeren Bruder des regierenden Wild- und Rheingrafen Johann IX. von Kyrburg-Mörchingen, und seiner Frau Gräfin Dorothea zu Solms-Laubach (1579–1631) in Finstingen geboren. Als Militär im Dreißigjährigen Krieg war er mit seiner Familie öfter auf der Flucht. Ab 1635 hielt sich die Familie in Straßburg auf. Nach der Niederlage der Protestanten in der Schlacht bei Nördlingen vom 6. September 1634 wurde Württemberg geplündert und gebrandschatzt. Herzog Eberhard floh mit seinem Hofstaat ins Exil nach Straßburg. Dort lernte er Anna Katharina kennen und heiratete sie am 26. Februar 1637. Die Eheschließung wurde von den Zeitgenossen sehr kritisch gesehen, weil sie im Hinblick auf den Kaiser politisch unklug und im Hinblick auf die Herkunft der Braut gerade noch standesgemäß erschien. Auch die Geburt des ersten Kindes bereits Anfang September war geeignet, weiteres Aufsehen zu erregen.[1] Am 30. Oktober 1638 zog der Hof wieder in Stuttgart ein. Nachkommen Aus der Ehe mit Herzog Eberhardt gingen die folgenden Kinder hervor: Johann Friedrich von Württemberg (* 9. September 1637 in Straßburg; † 2. August 1659 in London) Ludwig Friedrich von Württemberg (* 2. November 1638 in Straßburg; † 18. Januar 1639 in Stuttgart) Christian Eberhard von Württemberg (* 29. November 1639 in Stuttgart; † 23. März 1640 ebenda) Eberhard von Württemberg (* 12. Dezember 1640 in Stuttgart; † 24. Februar 1641 ebenda) Sophie Luise von Württemberg (* 19. Februar 1642 in Stuttgart; † 3. Oktober 1702 in Bayreuth) – verheiratet mit Markgraf Christian Ernst von Bayreuth (1644–1712) Dorothea Amalie von Württemberg (* 13. Februar 1643 in Kirchheim unter Teck; † 27. März 1650 in Stuttgart) Christine Friederike von Württemberg (* 28. Februar 1644 in Stuttgart; † 30. Oktober 1674 ebenda) – verheiratet mit Fürst Albrecht Ernst I. von Oettingen-Oettingen (1642–1683) Christine Charlotte von Württemberg (* 21. Oktober 1645 in Stuttgart; † 16. Mai 1699 in Bruchhausen-Vilsen) – verheiratet mit Fürst Georg Christian von Ostfriesland (1634–1665) Wilhelm Ludwig von Württemberg (* 7. Januar 1647 in Stuttgart; † 23. Juni 1677 in Hirsau), 9. Herzog von Württemberg Anna Katherine von Württemberg (* 27. November 1648 in Stuttgart; † 10. November 1691 in Aurich) Karl Christoph von Württemberg (* 28. Januar 1650 in Stuttgart; † 2. Juni 1650 ebenda) Eberhardine Catharine von Württemberg (* 12. April 1651 in Stuttgart; † 19. August 1683 in Oettingen) – verheiratet mit Fürst Albrecht Ernst I. von Oettingen-Oettingen (1642–1683) Friedrich Carl von Württemberg-Winnental (* 12. September 1652 in Stuttgart; † 20. Dezember 1698 in Stuttgart) – verheiratet mit Eleonore Juliane von Brandenburg-Ansbach (1663–1724) Karl Maximilian von Württemberg (* 28. September 1654 in Stuttgart; † 9. Januar 1689 in Vaihingen) | VON SALM-KYRBURG, Anna Katharina Dorothea (I61225)
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| 4002 | Leben Siegfried Johannes Reimer war ein Sohn des aus Greifswald stammenden Berliner Verlegers Georg Andreas Reimer und dessen Ehefrau Wilhelmine Charlotte Susanne Philippine Reinhardt (1784–1864). Nach dem Besuch des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums studierte er anfangs Philosophie und Naturwissenschaften, danach ausschließlich Medizin in Bonn und Berlin, wo er 1837 promoviert wurde. Bis 1841 sammelte Reimer praktische Erfahrungen in Halle, Wien und Paris. Nach Berlin zurückgekehrt, wurde er Arzt am neugegründeten Elisabeth-Krankenhaus, städtischer Armenarzt und Arzt der Schuldgefangenen sowie Arzt der Siechenanstalt Bethesda. Er war Assistent von Karl Wilhelm Mayer in der gynäkologischen Armenpraxis. 1845 hielt er sich wegen eines Lungenleidens in Italien auf. An der politischen Bewegung 1848/49 nahm er „lebhaften Anteil“ (ADB). Er war jahrelang im Vorstand des Männerturnvereins und zeitweise Lehrer für Anatomie und Physiologie an der militärischen Central-Turnanstalt. Siegfried Johannes Reimer starb nach kurzer heftiger Krankheit ein halbes Jahr nach seiner Heirat mit Elisabeth Jonas. Das von den damals noch wenig bekannten Medizinern Rudolf Virchow und Benno Reinhardt gegründete Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie fand durch Siegfried Johannes’ Vermittlung in dessen Bruder Georg Ernst Reimer einen Verleger. | REIMER, Siegfried Johannes (I59847)
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| 4003 | Leben Sophie von Schadow wurde im Winter 1822/1823 in Berlin als einzige Tochter von Wilhelm von Schadow und seiner aus Kurland stammenden Ehefrau Charlotte von Groschke geboren. Ihr Vater war zum Zeitpunkt der Geburt Professor der Preußischen Akademie der Künste und wurde 1826 Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie. Sophie von Schadow wuchs im Düsseldorfer Künstlermilieu auf. In ihrem Elternhaus im Flinger Steinweg (heute Schadowstraße) 54, verkehrten die Maler der Düsseldorfer Malerschule, Schriftsteller und Komponisten, darunter Felix Mendelssohn Bartholdy, welcher mehrere Jahre in der Nachbarschaft lebte. Von Schadow, der seine Tochter mehrmals porträtierte, erteilte ihr höchstpersönlich Malunterricht. Im Alter von sechs Jahren reiste Sophie mit ihren Eltern erstmals nach Italien, zehn Jahre später zum zweiten Mal in Rom erlernte sie die italienische Sprache. 1844, mit 21 Jahren, heiratete sie den Arzt Richard Hasenclever, der ab 1847 Sanitätsrat war. Das Paar lebte bis 1848 in Grevenbroich, wo er als Kreisphysikus arbeitete. Richard Hasenclever war vielfältig künstlerisch, schriftstellerisch und politisch tätig, wurde später Mitbegründer der altkatholischen Bewegung und Reichstagsabgeordneter. Das Ehepaar bekam zwei Kinder, Anna (* 1846) und Felix (1851–1892). Ihr Sohn ging später zur Marine und wurde Korvettenkapitän und Marineattaché.[1] Ihre Tochter Anna heiratete 1877 den Kaufmann Eduard Paniel (1849–1907). Die beiden Jahrzehnte nach der Geburt der Kinder trat Sophie Hasenclever nicht als Dichterin in die Öffentlichkeit, sondern widmete sich dem Familienleben, welches den gesellschaftlichen Erwartung an verheiratete Frauen entsprach. Tatsächlich arbeitete Sophie Hasenclever auch in der Familienphase an eigenen Dichtungen und Übersetzungen. Goltsteinstraße 24 In Düsseldorf wohnten sie bis Anfang der 1860er Jahre in der Hofgartenstraße 8, auch das Sterbehaus ihres Vaters im Jahr 1862. Später hatte sie ein Haus in der Goltsteinstraße 24.[2] Direkte Nachbarn waren Ende des 19. Jahrhunderts die Familie des Malers Karl Rudolf Sohn und der Else Sohn-Rethel. Im Haus der Hasenclevers wohnte der damals schon ältere Bildhauer August Wittig und um 1880 der Maler Hermann Schmiechen.[3] Hier führten sie und ihr Ehemann einen künstlerisch-literarischen Salon, in dem viele Größen der damaligen Zeit ein und aus gingen, unter ihnen der Dichter Karl Immermann und Gottfried Keller, sowie die Komponisten Ferdinand Hiller, Robert Schumann und die Komponistin und Pianistin Clara Schumann. Der Maler Carl Gehrts fand gesellschaftlichen Anschluss im Kreis der Schriftstellerin Hasenclever. 1873 gründete ihr Gatte gemeinsam mit Gesinnungsgenossen den Alt-Katholikenverein, aus dem die alt-katholische Gemeinde in Düsseldorf hervorging. Sophie Hasenclever schloss sich, „ihrem Gewissen folgend, aus voller Überzeugung“ an – so Pfarrer Wilhelm Schirmer bei ihrer Beerdigung. Grabstätte Sophie und Richard Hasenclever (2020) 1892 starb Sophie Hasenclever im Alter von 69 Jahren und hinterließ eine Fülle unveröffentlichter Manuskripte. Ihr Grab befindet sich auf dem Golzheimer Friedhof.[4] Werk Unter Sophie Hasenclevers Werken finden sich verschiedene zivilisationskritische Gedichte, in ihren Novellen geht es vielfach um den Mensch, der sich in einer Krisensituation bewähren muss. Viele ihrer Gedichte, Märchen, Lustspiele und Satiren sind unveröffentlicht geblieben. Teilweise schrieb sie unter dem Pseudonym S. Rolant[5], unter anderem den historischen Roman „Geisterschlacht“. Auch als Übersetzerin machte Sophie Hasenclever sich einen Namen. Sie beherrschte nicht nur die italienische, sondern auch die französische Sprache. Über Jahre entstanden Übersetzungen aus ihrer Hand mit eigenen Einleitungen, in denen sie das jeweilige Werk literaturhistorisch einordnete. Ab den 1870er Jahren veröffentlichte Sophie Hasenclever unter anderem die Novellette, „Aus der Kriegszeit 1870–71“ und die Lyriksammlung „Rheinische Lieder“, die allgemein große Beachtung fanden. Der Literaturhistoriker Heinrich Groß bescheinigte Sophie Hasenclever mit dieser Sammlung „eine bleibende Stätte in der deutschen Literatur.“ (Deutschlands Dichterinnen, 1882).[6] 1874 erschien ihre Übersetzung der Gedichte des bretonischen Dichters Auguste Brizeux. 1875 legte sie zum 400. Geburtstag Michelangelos eine bis heute nicht überholte Übersetzung seines gesamten poetischen Werks vor, an der sie ein volles Jahrzehnt gearbeitet hatte. Neben Naturhymnen und zivilisationskritischen Gedichten, in denen sie vor voranschreitender Industrialisierung warnte, fanden sich Variationen zu Liebe, Einsamkeit und Tod. In der 1884 erschienenen zweibändigen Ausgabe ihrer „Novellen und Märchen“, die sie dem Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller widmete, thematisierte sie vor allem Krisen- und Konfliktsituationen, in denen Menschen sich bewähren müssen. Zu Mendelssohn-Bartholdys „Athalia“, die am Hofe des damals in Düsseldorf residierenden Fürsten von Hohenzollern privat aufgeführt wurde, dichtete sie den Text. Der Komponist Ferdinand Hiller legte seiner Kantate für Soli, Chor und Orchester „Nala und Damayanti“ Sophie Hasenclevers Bearbeitung dieses indischen Stoffes zu Grunde. Die Geschichte handelt von König Nala, der sein Königreich durch Spielleidenschaft verliert und es schließlich wieder zurückgewinnt, und von seiner treuen Gattin Damayanti.[7] Zur Vorbereitung hatte Sophie Hasenclever jahrelang altindische Literatur studiert. 1890 erschien ihre Übersetzung von Dantes „La Divina Commedia“.[8][9] Werke (Auswahl) A. Briseux, Gedichte, Übersetzung, 1874 Aus der Kriegszeit von 1870 bis 1871, Novellen, 1877 Rheinische Lieder, Gedichte, 1881 Novellen und Märchen, 2 Bände, 1884 Dantes Göttliche Komödie, Übersetzung 1889,[10] gebundene Ausgabe, Felix Bagel, 1915 Michelangelos Gedichte. Sämmtliche Gedichte Michelangelo’s in Guasti’s Text, mit deutscher Uebersetzung von Sophie Hasenclever, eingeführt durch M. Jordan. Dürr, Leipzig, 1875[11] Michelangelo, Poesiealbum (Lyrikreihe), 1973 | VON SCHADOW, Sophie (I60889)
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| 4004 | Leben Tycho von Wilamowitz-Moellendorff war der älteste Sohn des Altphilologen Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff und dessen Ehefrau Marie geb. Mommsen, der Tochter von Theodor Mommsen. Seinen Vornamen erhielt er nach seinem Großonkel Tycho Mommsen (1819–1900). Tycho studierte Klassische Philologie und Germanistik, zuerst bei seinem Vater in Berlin, dann in Göttingen bei Gustav Roethe und Eduard Schwartz, mit dem er 1909 nach Freiburg wechselte. Dort verteidigte er 1911 seine Dissertation über die Dramentechnik des griechischen Tragödiendichters Sophokles in dessen Stück Antigone. Während der Arbeiten an einer erweiterten Fassung dieser Schrift wurde er 1914 zum Ersten Weltkrieg eingezogen. Er fiel in der Nacht vom 14. zum 15. Oktober 1914 nahe Ivangorod (heute Dęblin), südlich von Warschau. Seine Schrift wurde 1917 unter dem Titel Die dramatische Technik des Sophokles von Ernst Kapp in der Schriftenreihe Philologische Untersuchungen herausgegeben. Der Vater des Verstorbenen, Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, ergänzte das Werk um ein Kapitel zum König Ödipus und ein Geleitwort. Wilamowitz-Moellendorff war seit seinem Studium Mitglied und später Alter Herr des Philologisch-Historischen Vereins Göttingen im Naumburger Kartellverband.[1] | VON WILAMOWITZ-MOELLENDORFF, Tycho (I59811)
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| 4005 | Leben Über Hiels Herkunft ist nichts bekannt. Scheinbar hatte er in Frankreich oder Belgien Unterricht genossen, bevor er sich im Mai 1553 an der Universität Rostock immatrikulierte.[1] Hier wurde er 1555 Baccalaurus der Medizin und erwarb sich das Lizentiat derselben Fachrichtung. 1559 zog er an die Universität Jena, wo er Professor der Medizin und Botanik wurde. Zu diesem Zweck promovierte er in Jena 1560 zum Doktor der Medizin. 1561[2] hatte er sich mit Gertrud Schröter (* Weimar; † 1566 in Jena), die Tochter des Weimarer Bürgermeisters und Tuchhändlers Petrus Schröter und dessen Frau Gertrud Dietz, eine Schwester des Jenaer Professors Johannes von Schröter, verheiratet. Aus der Ehe stammt ein Sohn. Hiel beteiligte sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Jenaer Hochschule und war im Wintersemester 1562 Rektor der Alma Mater. Er wurde ein Opfer seiner Berufsrichtung und verstarb mit seiner Familie an der Pest. In der Jenaer Stadtkirche St. Michael wurde ihm und seiner Frau ein Epitaph errichtet.[3] Werke (Auswahl) Epitomen Historiae Aniimalium quadrupedum. Dissert. Inaugural. de Morbo Gallico. Jena 1559. Literatur Hiel (Laurentius). In: Christian Gottlieb Jöcher (Hrsg.): Allgemeines Gelehrten-Lexicon. Band 2: D–L. Johann Friedrich Gleditsch, Leipzig 1750, Sp. 1587 (books.google.de). Hielius (Laurentius). In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 13, Leipzig 1735, Sp. 12. | HIEL, Lorenz (I47702)
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| 4006 | Leben Über Megingoz' Geburt und Jugend ist nichts bekannt, er scheint aber aus dem niederrheinischen Geldern zu stammen, wo seine Familie große Güter besaß – ebenso wie in der Nähe von Bonn.[1] Zwar wird Megingoz in der um 1057 erstellten Heiligen-Vita seiner Tochter Adelheid und einer vermutlich von den Vilicher Nonnen verfälschten Papsturkunde von 996 als comes (Graf) bezeichnet,[2][3] doch hat er den Grafentitel tatsächlich wohl nicht geführt. Königsdiplome führen ihn als nobilis vir,[4] d. h. Megingoz stammte aus einem edelfreien Hause. Als Vasall Heinrichs und Gegner der deutschen Herrschaft in Lotharingien ergriff Megingoz im Streit gegen König Otto I. beim zweiten Aufstand 941 die Partei Heinrichs und kämpfte auf dessen Seite. Möglicherweise war er auch bereits beim ersten Aufstand im Jahre 939 dabei. Nach der Niederschlagung musste er fliehen, um sich vor der Todesstrafe zu retten, verlor aber sämtliche Besitzungen. Nachdem Heinrich von seinem Bruder Otto wieder in Ehren aufgenommen worden war, erhielt auch Megingoz auf Heinrichs Bitten sein Eigengut mit Urkunde vom 18. Juli 944 durch Otto I. zurück.[5] Megingoz ehelichte die aus höchstem Hause stammende Gerberga, Tochter des lothringischen Pfalzgrafen Gottfried und Enkelin des westfränkischen Königs Karl III. (des Einfältigen). Zudem war sie eine Nichte des Kölner Erzbischofs Wichfried. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Gottfried (* spätestens 960; † 976/977 in Böhmen) Irmintrud Alvera Bertrada († vor 1002 in Köln), Äbtissin des Kölner Klosters St. Maria im Kapitol Adelheid (* nach 965 und vor 970 in Geldern; † vmtl. 1015 in Köln), Äbtissin des Stifts Vilich Im Jahre 976 oder 977 fiel Gottfried, der einzige Sohn und Erbe, im Kampf gegen die Böhmen. Zu seinem Andenken gründete Megingoz mit seiner Frau Gerberga 978 auf ihrem Grund und Boden in Vilich ein Frauenstift neben einer bereits seit dem 8. oder 9. Jahrhundert befindlichen kleinen Kirche, die wohl schon zuvor als Friedhofskapelle genutzt worden war. 987 wurde aus dem Kloster ein Reichsstift mit besonderen Privilegien. Da die Tochter Bertrada bereits Äbtissin des Kölner Klosters Maria im Kapitol war, setzten die Eltern ihre jüngste Tochter Adelheid als Leitung des Stifts ein, dessen erste Äbtissin sie wurde und das sie später, nach dem Tod der Eltern, in ein Kloster umwandelte. Nach der Stiftsgründung zog sich Megingoz für den Rest seines Lebens nach Geldern zurück. Als er starb, wurden seine Gebeine in das Stift Vilich überführt. Literatur Severin Corsten: Megingoz und Gerberga. Gründer des Stiftes Vilich. In: Bonner Geschichtsblätter, Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins, Band 30, Bonn 1978, 5. 7–25. Helga Giersiepen: Zum Gründungsbesitz des Stiftes Vilich, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 191, Pulheim 1988, S. 17–21. Erich Wisplinghoff: Gründung und Frühgeschichte des Stiftes Vilich, in: Dietrich Höroldt (Hrsg.): 1000 Jahre Stift Vilich 978–1978. Beiträge zur Geschichte und Gegenwart von Stift und Ort Vilich, Bonn 1978, S. 23–40. Megingoz. In: Josef Niesen: Bonner Personenlexikon. 3., verbesserte und erweiterte Auflage. Bouvier, Bonn 2011, ISBN 978-3-416-03352-7. | VON GELDERN, Mengingoz (I39304)
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| 4007 | Leben Ulrich I. von Kyburg-Dillingen war ein jüngerer Sohn des Grafen Hartmann I. von Dillingen und der Adelheid von Winterthur, Tochter von Graf Adalbert II. von Winterthur. Möglicherweise empfing Ulrich seine priesterliche Ausbildung bei den Augustiner-Chorherren im Stift Marbach im Elsass. 1111 von Kaiser Heinrich V. eigenmächtig zum Bischof von Konstanz ernannt, blieb er die ersten acht Jahre seiner Amtszeit jedoch ungeweiht, versah das Amt lediglich als Elekt und konnte erst nach dem Tod Papst Paschalis II. (1118) vom Erzbischof von Mailand die offizielle Bischofsweihe empfangen. Bau der bischöflichen Burg Castell Um das Jahr 1120 ließ Ulrich I. mit der Burg Castell die erste Höhenburg der Konstanzer Bischöfe im unmittelbaren Vorfeld der Bischofsstadt Konstanz errichten. Diese lag nur wenige Kilometer südwestlich von Konstanz am Abhang des Seerückens an der alten Straße, die von Zürich und Pfyn nach Konstanz führte. Wahrscheinlich wollte Ulrich I. für sich und seine Nachfolger einen wehrhaften Sitz außerhalb Konstanz schaffen, um in Krisenzeiten weniger von dem Wohlwollen der Konstanzer Bürger abhängig zu sein. Dafür, dass die Burg Castell tatsächlich eine zweite Residenz werden sollte, spricht auch der Umstand, dass zwei übereinanderliegende Burgkapellen mit getäfelten Decken eingebaut worden waren. Die Heiligsprechung von Bischof Konrad Vergoldete Konrad-Scheibe vom Ostgiebel des Konstanzer Münsters (12./13. Jh.) Die Konstanzer Diözesanpatrone Konrad (links; mit seinem Attribut, dem Kelch mit Spinne), Maria und Pelagius auf einem Missale von 1505. Bischof Ulrich I. stand außerdem zuvorderst hinter der 1123 erfolgten Heiligsprechung von Konrad von Konstanz, welcher von 935 bis 976 Bischof von Konstanz gewesen war. Neben dem „Römer“ Pelagius, wollte Ulrich I. für die Bischofsstadt und das Bistum einen „einheimischen“ Heiligen etablieren. Konrad bot sich an, da schon nach dessen Tod zumindest eine örtliche Verehrung einsetzte. Im Jahr 1089 waren von Ulrichs Vorgänger, Bischof Gebhard III. (1084–1110), die Gebeine Konrads von der Mauritiusrotunde in die neu erbaute Domkirche gebracht worden, doch zeitigte diese Translation weiter keine Auswirkungen. Erst Ulrich betrieb die Heiligsprechung Konrads konsequent und ließ durch den Mönch Udalschalk, der infolge der Wirren des fast schon ausklingenden Investiturstreits Augsburg verlassen musste, eine Vita Konradi aufschreiben. Diese Heiligenvita, die im zweiten Buch zudem Berichte über vom Heiligen ausgehende Wunderheilungen und -errettungen enthält, wurde zusammen mit einem Schreiben des Konstanzer Bischofs, der Petitio um Kanonisation, Papst Kalixt II. (1119–1124) in Rom vorgelegt. Die Reise Udalschalks nach Rom wird dabei auf Frühjahr 1123 zu datieren sein. Das erst nachträglich von Udalschalk aufgeschriebene dritte Buch der Vita Konradi berichtet, wie auf dem Zweiten Laterankonzil (März 1123) zu Gunsten der Kanonisation Konrads entschieden wurde, und zitiert den auch im Original erhaltenen Papstbrief an den Bischof Ulrich vom 28. März 1123. Der Weg zur Erhebung der Gebeine Konrads von Konstanz war damit frei. Die „eigentliche“ Kanonisation fand auf dem magnus conventus, der „großen Zusammenkunft“ in Konstanz Ende November 1123 statt, als unter Teilnahme von drei Herzögen, vieler Grafen, von Geistlichkeit, Äbten und Mönchen sowie von vielen Gläubigen am 26. November, dem Todestag des Heiligen, in einer aufwändigen liturgischen Feier die Gebeine des Heiligen in einen neuen Schrein umgebettet und der Verehrung ausgesetzt wurden. Die Konstanzer Reliquien wurden allerdings in der Zeit der Reformation vernichtet. Das Hochgrab des Konrad mit einem lebensgroßen Ganzkörperrelief findet sich in der Konradikapelle im Konstanzer Münster. Die Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts Kreuzlingen Der heilige Konrad von Konstanz hatte von einer seiner drei Reisen nach Jerusalem einen Kreuzpartikel mitgebracht, den er einem von ihm gestifteten Hospital in der Vorstadt Stadelhofen schenkte. Deshalb erhielt diese Einrichtung den Namen Crucelin (Crucis Lignum = Holz vom Kreuz), was später zur Bezeichnung Crucelingen und Creuzlingen führte. Nach dem Tod Konrads scheint diese Hospital jedoch bald verfallen zu sein. In der zuvor bereits erwähnten „Vita Konradi“, wird es von dem Mönch Udalschalk als „durchs Alter baufällig“ bezeichnet. In einer Urkunde von Kaiser Heinrich V. von 1125 wird das Hospital gar als „teilweise zerstört“ beschrieben und die Nachlässigkeit einiger Nachfolger des Bischofs Konrad dafür verantwortlich gemacht. St. Ulrich und St. Afra, Klosterkirche des ehemaligen Augustinerstifts Kreuzlingen Das erste Fest zu Ehren des Heiligen Konrads 1123, gab Ulrich I. den Anlass, das Hospital Crucelin neu zu begründen. Zunächst stiftete er an der östlichen Grenze der Konstanzer Vorstadt Stadelhofen im freien Feld eine Kirche zu Ehren des heiligen Ulrich, Bischof von Augsburg (923–973) und der heiligen Afra. Dann vereinigte er die Kirche mit dem Hospital und übertrug deren Leitung spätestens 1125 an das von ihm ins Leben gerufenen Augustiner-Chorherrenstift St. Ulrich und St. Afra zu Kreuzlingen (heute Kanton Thurgau, Schweiz). Dieses Doppelpatronat ist ein typisch Augsburger Patronat. Bischof Ulrich I. wählte es, weil er aus derselben Familie entstammte wie der heilige Ulrich von Augsburg. Auch die von Ulrichs Familie als Augustiner-Chorherrenstift errichtete Abtei Neresheim in Neresheim wurde Ulrich und Afra geweiht. Zudem lebte der Mönch Udalschalk, bevor er als Kaplan in Ulrichs Dienste trat, im Augsburger Kloster St. Ulrich und Afra. Bei dem Kreuzlinger Augustiner-Chorherrenstift handelte es sich um eine Gemeinschaft von Priestern (nicht Mönchen), die nach den Regeln des heiligen Augustinus lebten und von einem Propst angeführt wurden. Als wirtschaftliche Grundlage erhielt der neue Stift von den süddeutschen Herzogsgeschlechtern, der Welfen, der Zähringer und der Staufer umfangreiche Ländereien geschenkt. Weitere Güter steuerte Ulrich I. aus seinem Privatbesitz und aus Bischofseinkünften bei. Die rechtliche Absicherung der Neugründung war bereits Anfang 1125 durch Kaiser Heinrich V. erfolgt, während Papst Honorius II. noch Ende desselben Jahres die geistliche Zustimmung für ein nach den Augustiner Regeln geführtes Stift und Hospital erteilte. | VON DILLINGEN, Ulrich (I47147)
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| 4008 | Leben Veit wurde am 2. März 1790 in Berlin als Sohn des jüdischen Bankiers Simon Veit und dessen Frau Brendel (später Dorothea Friederike), der ältesten Tochter Moses Mendelssohns, geboren. Nachdem sich die Eltern getrennt hatten, blieb Veit zunächst bei seinem Vater in Berlin. 1805 begann er in Hamburg eine Kaufmannslehre beim Bankhaus J. & A. Mendelssohn seiner Onkel Joseph und Abraham Mendelssohn. 1808 wandte er sich der Malerei zu, wozu er die Kunstakademie Dresden unter Friedrich Matthäi besuchte. Am 26. Juli 1810 konvertierte er gemeinsam mit seinem Bruder Philipp in Wien zum katholischen Glauben und nahm den Vornamen Johannes an. Im Februar 1811 zog er nach Rom, obgleich er zunächst Paris zum Ziel hatte. Anlass waren die Werke Gottlieb Schicks gewesen, die Veit sehr faszinierten. In Rom freundete er sich mit Friedrich Overbeck an und verlor das Interesse an Schick. 1819 kehrte er nach Berlin zurück und heiratete 1821 Flora Ries, die später ebenfalls katholisch wurde. Nach der Heirat übersiedelte er 1822 endgültig nach Rom, wo er weiter mit Overbeck verkehrte, und schließlich am 18. Januar 1854 verstarb. Veit war ein langsam arbeitender Künstler mit hohen Ansprüchen an sich selbst. Dabei waren seine Ansprüche höher als das, was er zu verwirklichen mochte. Unter seinen Werken ragt besonders eine Darstellung der Anbetung der Hirten in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin und das Gemälde Christus vor Pilatus in Sant’Andrea delle Fratte in Rom hervor.[1] | VEIT, Johannes (I60757)
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| 4009 | Leben Von 1861 bis 1867 besuchte Kaufmann das Gymnasium in Kremsier. Dort studierte er Bibel und Talmud bei Jakob Brüll, dem Rabbiner von Kojetein, und mit dessen Sohn Nehemiah. Seit 1867 besuchte er das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau und studierte gleichzeitig an der Universität Breslau. Im Sommer 1875 habilitierte er sich an der Universität Leipzig. Am 29. Januar 1877 erfolgte seine Ordination zum Rabbiner. Den Ruf auf eine Professur am Jüdisch-Theologischen Seminar in Cincinnati nahm er nicht an. Stattdessen übernahm er einen Lehrstuhl für Geschichte, Religionsphilosophie und Homiletik am neugegründeten Rabbinerseminar zu Budapest. Dort lehrte er bis zu seinem Tode 1899. Den daneben erteilten Unterricht in Griechisch und Deutsch an der Budapester Elementarschule gab er in der von ihm rasch erlernten ungarischen Sprache. Als Bibliothekar am Seminar erwarb er die große Bibliothek von Lelio Della Torre von Padua. Dadurch wurde die Seminarbibliothek eine der reichsten europäischen Sammlungen hebräischer Literatur. Als Lehrer war Kaufmann sehr erfolgreich; seine Beziehung zu den Studierenden war die eines freundlichen Ratgebers. Er führte eine lebhafte Korrespondenz mit den wichtigsten jüdischen Gelehrten (hieraus erwuchs das „Kaufmanns Nachrichtendienst“ genannte Netzwerk) und auch wichtigen Forschern anderer Disziplinen. Er war korrespondierendes Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Madrid und Mitglied der Budapester Alliance Israélite Universelle. Werke Kaufmanns Veröffentlichungen sind vielseitig; die Bibliographie seiner Studien (angelegt von Markus Brann für das Gedenkbuch zur Erinnerung an David Kaufmann, hg. M. Brann und Franz Rosenthal, Breslau 1900) umfasst 546 Titel aus allen Bereichen jüdischer Studien. Zu seinen ersten und wichtigsten Arbeiten zählen die Studien zur Religionsphilosophie, darunter: Die Theologie des Bachja ibn Pakuda, Verfasser des חובות הלבבות, ein Wettbewerbsaufsatz, den er als Student am Seminar verfasste (in Berichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien 1874) Geschichte der Attributenlehre in der Jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters von Saadia bis Maimuni (Gotha 1877–78), sein Hauptwerk. Es behandelte wichtige Aspekte der jüdischen und arabischen Religionsphilosophie des Mittelalters. Die Spuren al-Batlajusi's in der Jüdischen Religionsphilosophie. Nebst einer Ausgabe der Hebr. Uebersetzung Seiner Bildlichen Kreise (Budapest 1880; auch auf Ungarisch) Die Sinne. Beiträge zur Geschichte der Physiologie und Psychologie im Mittelalter. Aus Hebräischen und Arabischen Quellen (Budapest 1884; auch auf Ungarisch) Herausgabe der Minḥat Ḳena'ot von Jehiel ben Samuel Pisa (Berlin 1898, ein Teil der Meḳiẓe Nirdamim-Sammlung) Studien über Salomon ibn Gabirol (Budapest 1899; auch auf Ungarisch) eine große Zahl an Aufsätzen in verschiedenen Zeitschriften, darunter Der Führer Maimuni's in der Weltlitteratur (Nachdruck aus dem Archiv für Geschichte der Philosophie, hg. L. Stein, 11/3). Beiträge zur Geschichte des Judentums Kaufmanns wichtigste Monographien sind: Die Letzte Vertreibung der Juden aus Wien, Ihre Vorgeschichte (1625–70) und Ihre Opfer (Wien 1889; auch auf Ungarisch) Digitalisat Zur Geschichte Jüdischer Familien: Samson Wertheimer, der Oberhoffactor und Landesrabbiner, 1658–1724, und Seine Kinder (Wien 1888) Digitalisat Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimers (Budapest 1891; auch auf Ungarisch) Die Familien Prags nach den Epitaphien des Alten Jüdischen Friedhofs in Prag, Zusammengestellt von Simon Hock, aus Dessen Nachlasse Herausgegeben, mit Anmerkungen Versehen und Biographisch Eingeleitet von Prof. Dr. D. Kaufmann (hebr. Titelblatt, Pressburg 1892)[1] Zur Geschichte Jüdischer Familien: I., R. Jair Chajjim Bacharach, 1638–1702, und Seine Ahnen (Trier 1894) Dr. Israel Conegliano und Seine Verdienste um die Republik Venedigbis nach dem Frieden von Carlowitz (Budapest 1895; auch auf Ungarisch) Die Erstürmung Ofens und Ihre Vorgeschichte nach dem Berichte Isaak Schulhofs [Megillat Ofen], 1650-1732; Herausgegeben und Biographisch Eingeleitet (Trier 1895) Aus Heinrich Heine’s Ahnensaal (Breslau 1896) Digitalisat Die Memoiren der Glückel von Hameln (Frankfurt/Main 1896, Edition des westjiddischen Originaltexts) Die Chronik des Achimaaz aus Oria (Nachdruck aus der Monatsschrift 1896). Zur jüdischen Kunst Kaufmann behandelte als erster die Kunstgeschichte der Synagoge. In diesen Bereich fallen die folgenden Werke: Zur Geschichte der Kunst in den Synagogen (Wien 1897) Zur Geschichte der Jüdischen Handschriften-Illustration (Beitrag zur Vorzugsausgabe von Die Haggada von Sarajewo, hg. D. H. Müller und I. v. Schlossar, Wien 1898) Sens et Origines des Symboles Tumulaires de l'Ancien Testament dans l'Art Chrétien Primitif (R. E. J. xiv. 33, 217). Polemische Schriften Zu seinen polemischen Schriften zählen: Ein Wort im Vertrauen an Herrn Hofprediger Stöcker von Einem, Dessen Name Nichts zur Sache Thut (Berlin 1880) Paul de Lagarde's Jüdische Gelehrsamkeit (Leipzig 1887), eine Verteidigung seines Freundes und Lehrers Leopold Zunz Wie Heben Wir den Religiösen Sinn Unserer Mädchen und Frauen (Trier 1893) Einleitung zu S. Hellers Die Echten Hebräischen Melodien (Trier 1893) Kaufmanns Bibliothek Kaufmann war außerdem ein aktives Mitglied von Meḳiẓe Nirdamim, einer Gesellschaft zur Publikation alter hebräischer Handschriften. Er besaß eine große Bibliothek mit zahlreichen wertvollen Handschriften, Inkunabeln und Erstausgaben. Die von ihm erworbene Marco Mortara Bibliothek bildete deren Kernbestand. | KAUFMANN, David (I60239)
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| 4010 | Leben Von Rothschild war die fünfte von sieben Töchtern des Bankiers Mayer Carl von Rothschild und seiner Ehefrau Louise. Sie war ihrer Heimatstadt eng verbunden, blieb aber, anders als ihre Schwestern, zeitlebens unverheiratet.[2] Sie wuchs in einem wohlhabenden jüdisch-bürgerlichen Elternhaus auf, auf dessen gesellschaftliches Engagement zahlreiche Sammlungen und Stiftungen in Frankfurt zurückgehen. Sie kümmerte sich 1870/1871 gemeinsam mit ihren Schwestern in einem von ihrer Mutter gegründeten Hospital um verwundete Soldaten und „unterstützte viele soziale und kulturelle Einrichtungen sowohl der Israelitischen Gemeinde als auch zum Wohle aller Bewohner Frankfurts.“[2] Ihre bekanntesten Gründungen waren:[3] 1887 die Freiherrlich Carl von Rothschild’sche öffentliche Bibliothek, die auf der Familienbibliothek aufbaute, und 1890 das Carolinum, eine medizinische und zahnärztliche Einrichtung zur Beratung und Behandlung bedürftiger Menschen. Die Benennung der Bibliothek und des Carolinum erfolgten beide zu Ehren ihres verstorbenen Vaters, und in beiden Einrichtungen arbeitete Hannah-Louise auch selber mit.[2] Sie hatte für das Carolinum eine Million Goldmark für die Errichtung und Ausstattung gespendet und beteiligte sich als Krankenschwester vor allem an der Behandlung zahnkranker Patienten.[4] Marmorbüste der Hannah Louise von Rothschild, die nach deren Tod von dem Bildhauer Gustav Martin Herold (1839–1927) angefertigt worden war. Die Büste befindet sich im Frankfurter Jüdischen Museum. Von Rothschild verstarb unerwartet im Alter von erst 41 Jahren. Sie ist auf dem jüdischen Friedhof in der Rat-Beil-Straße in Frankfurt am Main begraben. In einem Nachruf auf sie hieß es: „Wenn die korpolente Dame mit den freundlichen Gesichtszügen auf dem eigenhändig gelenkten Ponyeinspänner durch die Straßen fuhr, wurde sie von Jedermann erkannt und gern gesehen. So einfach und zurückgezogen auch die Lebensführung des Freifräulein Hannah-Louise war, so wenig man auch in der Öffentlichkeit von ihrer Mildtätigkeit erfuhr, da sie das Geräusch vermied und z. B. grundsätzlich ihren Namen nicht in den Beitragslisten der Zeitungen bei öffentlichen Sammlungen sehen wollte, man wusste doch zur Genüge, welche barmherzige Freundin alle Armen in der Baronesse besaßen, welch' edle Wohltäterin sie war.“ – Kleine Presse. Frankfurt am Main, 23. März 1892.[2] Am 23. März 1893 fand in Anwesenheit von Vertretern des Magistrats und anderer Behörden und Körperschaften die feierliche Einweihung eines Grabdenkmals für sie statt. Rudolph Plaut, der Rabbiner der Israelitischen Gemeinde,[5] der bereits ein Jahr zuvor die Trauerrede für sie gehalten hatte[6] würdigte sie mit den Worten: „Offen waren Hand und Herz, wo es galt, menschenfreundliche Liebe und hilfreiche Mildthätigkeit zu üben. Wie viele Bedrängte fanden bei ihr eine schützende Zuflucht, wie so manchem Verlassenen wurde sie eine Trösterin, wie vielen Armen eine untermüdliche Wohlthäterin! … Die Stiftungen, welche die uns allen allzufrüh durch die unerbittliche Hand des Todes Entrissene ins Leben gerufen hat, sind lichtvolle Schöpfungen unter den Wohlthätigkeitsanstalten unserer Vaterstadt, die nie erlöschen werden, sondern das Andenken an ihre Schöpferin als glanzvolle Sterne fortleuchten lassen.“ – Rudolf Plaut: zitiert nach dem Artikel Hannah Louise von Rothschild (1850 - 1892) auf der Webseite der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main Nach ihrem Tod sorgten ihre Mutter und ihre Schwestern für den Fortbestand der Stiftungen, denen durch königlichen Erlass vom 1. April 1893 auf Grund der Statuten vom 28. Dezember 1892 die Rechte einer juristischen Person verliehen worden waren.[7] Der Bestand der Rothschild’schen Bibliothek hat den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden und ist heute Teil der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg. Das Carolinum gehörte 1914 zu den Gründungsinstitutionen der Königlichen Universität zu Frankfurt am Main, aus der später die Goethe-Universität wurde. Die heute als Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) (ZZMK) firmierende Gemeinnützige GmbH erinnert in ihrem Namen an die Ursprünge, wird aber nicht mehr von der ehemaligen Stiftung betrieben. Die Stiftung Carolinum unterstützt aber weiterhin die Arbeit des ZZMK. Eine Stele auf dem Gelände vor Haus 29 des Universitätsklinikums der Goethe-Universität Frankfurt in unmittelbarer Nähe zum Eingang des ZZMK erinnert an dessen Gründerin und die Geschichte der Einrichtung. | VON ROTHSCHILD, Hannah Louisa (I61122)
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| 4011 | Leben Vorgeschichte und Aufstieg Flavius Constantius stammte ursprünglich aus dem Osten des Imperium Romanum, war aber 395 zusammen mit dem magister militum (Heermeister) Stilicho nach dem Tod von Kaiser Theodosius I., der letztmals über das Gesamtreich geherrscht hatte, im Westen geblieben. Das Weströmische Reich wurde in dieser Zeit durch innere Unruhen und germanische Vorstöße stark geschwächt: Zwischen 401 und 403 kam es zu einer ersten Konfrontation mit dem gotischen Heermeister Alarich, der Norditalien verwüstete, um so ein foedus mit Westrom zu erzwingen. Nach mehreren Niederlagen gegen Stilicho musste er sich jedoch vorläufig wieder zurückziehen. 405 fiel der Gote Radagaisus mit einem großen Heer in Italien ein. Erst im August des folgenden Jahres konnte er mit Mühe in der Schlacht bei Faesulae gestoppt werden. 406 wurden in Britannien mit Marcus und Gratian gleich zwei Kaiser durch die dortigen Soldaten ausgerufen. Zum Jahreswechsel 406/07 überschritten mehrere germanische Kriegergruppen (Vandalen, Sueben, Sachsen) sowie Alanen den Rhein (Rheinübergang von 406), nachdem die meisten Truppen, die zuvor die Grenze gesichert hatten, zur Verteidigung Italiens abgezogen worden waren. Nahezu ungehindert konnten die Invasoren Gallien und Hispanien verwüsten. Die verbliebenen regulären Einheiten waren überdies durch die Usurpation Konstantins (III.) gebunden. Dieser hatte sich 407 in Britannien nach der Ermordung der Usurpatoren Marcus und Gratian selbst zum Kaiser erhoben, war mit seinen Truppen nach Gallien übergesetzt und konnte seinen Machtbereich rasch bis nach Hispanien ausdehnen. Der übermächtige Stilicho wurde unterdessen im August 408 gestürzt und getötet, was als Befreiungsschlag des Hofes gedacht war, das Reich aber militärisch schwächte. Der weströmische Kaiser Honorius war der Situation nicht gewachsen und musste sich 409 vorläufig mit Konstantin arrangieren. Vom 24. bis 26. August 410 plünderten die meuternden westgotischen foederati unter Alarich die Stadt Rom. Vielleicht schon seit 409, relativ sicher aber seit 410, war Flavius Constantius als Nachfolger des Varanes, der wiederum direkter Nachfolger Stilichos in diesem Amt war, mit dem Oberkommando der kaiserlichen Infanterie betraut.[1] Über seine vorherige Karriere ist wenig bekannt, aber er hatte wohl bereits unter Theodosius I. gedient.[2] Er war dann ein Gefolgsmann Stilichos gewesen und hatte offenbar die nach dessen Tod einsetzenden Säuberungen überlebt. Er rächte Stilicho, indem er dem magister officiorum Olympius, der als Verantwortlicher für den Sturz Stilichos galt, die Ohren abschnitt und ihn anschließend totprügeln ließ. Zunächst stand er am Hof noch im Schatten des Allobichus, der 409 durch eine Soldatenrevolte zum magister militum geworden war. Weil er sich aber mit dem Usurpator Konstantin III. einließ, wurde Allobichus wohl im Herbst 410 wegen Hochverrats hingerichtet,[3] womit für Constantius ein wichtiger Konkurrent beseitigt war. Heermeister, Regent und Kaiser Konsulardiptychon des Flavius Constantius von 420 (?). Die beiden sitzenden Figuren im oberen Abschnitt stellen den Westkaiser Honorius (links) und den Ostkaiser Theodosius II. dar. Da Honorius der senior Augustus war, ist er größer dargestellt. Neben den beiden Augusti sitzen Personifikationen von Rom und Konstantinopel. Anfang 411 zog Constantius dann mit einem Heer nach Gallien, wo es ihm gelang, die Usurpation Konstantins (III.) niederzuschlagen. Konstantin musste sich in Arles ergeben und wurde kurze Zeit später hingerichtet, nachdem Constantius’ Kollege Ulfilas das Entsatzheer unter Konstantins General Edobich, der germanische Krieger angeworben hatte, geschlagen hatte. Damit wurde Constantius zum starken Mann im Reich und erbte gewissermaßen die Stellung, die Stilicho bis 408 innegehabt hatte. Im Jahr darauf konnte er die Westgoten unter ihrem neuen Anführer Athaulf aus Italien vertreiben und machte aufgrund seiner Erfolge rasch Karriere. 413 konnte er seinen letzten römischen Rivalen, den comes Africae Heraclianus, ausschalten. Dieser hatte noch versucht, Constantius in Italien anzugreifen, unterlag aber und fand den Tod. Auch hinter der Ermordung Athaulfs, der Galla Placidia, die Halbschwester des Honorius, geheiratet und für den gemeinsamen Sohn Ansprüche auf das Kaisertum angemeldet hatte, kann man Constantius als Drahtzieher vermuten. Seit dieser Zeit lenkten faktisch nicht Honorius und der Kaiserhof, sondern das Militär, angeführt von Constantius, das Westreich. 414 bekleidete er erstmals das Consulat, wurde dann mit dem Ehrentitel patricius ausgezeichnet und schließlich im Jahr 417 gegen ihren Willen mit der verwitweten Galla Placidia verheiratet, mit der er zwei Kinder zeugte. Er war nun nach Beseitigung aller Rivalen für alle erkennbar der eigentliche Machthaber im Westen des Imperium Romanum. 417 wurde er zugleich ein zweites Mal Consul. 418 konnte er die Westgoten, die nun wieder in römischen Diensten standen und in Constantius’ Auftrag gegen Vandalen, Alanen und Sueben gekämpft hatten, als foederati in Südgallien ansiedeln. Als es 418 nach dem Tod des römischen Bischofs Zosimus zu einer Doppelwahl und anschließenden Straßenkämpfen kam, entschied nicht Honorius, sondern Constantius im Frühjahr 419 den Streit und erklärte Bonifatius I. zum rechtmäßigen Nachfolger. 420 bekleidete er zum dritten Mal das Consulat, und am 8. Februar 421 erhob Honorius den Constantius (wohl nicht ganz freiwillig) schließlich zum Augustus und Mitkaiser. Damit fand seine überragende faktische Machtstellung nach Jahren auch einen offiziellen Ausdruck und wurde so legitimiert. Constantius starb jedoch überraschend nur wenige Monate später am 2. September 421 an Wassersucht (Herzinsuffizienz) oder einer Rippenfellentzündung, laut Olympiodoros von Theben während der Vorbereitungen zu einem Feldzug gegen den östlichen Kaiser Theodosius II., den Neffen des Honorius, der Constantius die Anerkennung verweigert hatte und ihn als Usurpator betrachtete. Dennoch unterstützte Theodosius vier Jahre später Constantius’ Sohn Valentinian im Kampf gegen den dynastiefremden Usurpator Johannes durch Entsendung eines Heeres gegen Ravenna, die westliche Kaiserresidenz, wo sich der Hofbeamte Johannes nach dem Tod des Honorius 423 selbst zum Kaiser proklamiert hatte. Am Ende wurde daher der Sohn aus der Ehe Constantius’ III. mit Galla Placidia als Valentinian III. 425 mit Hilfe seines Vetters Theodosius II. neuer Augustus des Westens. Bedeutung Mit Constantius etablierte sich endgültig die Rolle des patricius et magister militum als eigentlicher Regierungschef Italiens: Seit Constantius war der Titel patricius in Verbindung mit der Stellung als erster Heermeister im weströmischen Bereich (anders als im Osten) ausschließlich dem jeweils nächst dem Kaiser mächtigsten Mann vorbehalten; auch nach dem Ende des westlichen Kaisertums 476/80 sollten daher Männer wie Odoaker oder Theoderich der Große diesen Titel anstreben, um so ihre Stellung zu legitimieren. Selbst Karl der Große nannte sich noch patricius Romanorum. Constantius’ Aufstieg vom Oberbefehlshaber der weströmischen Armee zum faktischen Machthaber, zum Schwager des Kaisers und zuletzt gar zum Augustus beeinflusste nachhaltig die späteren patricii et magistri militum, besonders Aëtius und Ricimer; doch hatte zuvor schon Constantius’ Patron und Vorbild Stilicho als Reichsfeldherr und Schwiegervater des Honorius eine sehr starke Stellung errungen. Constantius unterschied sich von Stilicho und Ricimer allerdings in seiner genuin römischen Herkunft, was ihm die Möglichkeit eröffnete, dem Vorbild Theodosius’ I. folgend selbst Kaiser zu werden, während sich Ricimer mit der Rolle des Kaisermachers und Kaisermörders begnügte. Bemerkenswerterweise soll Constantius seine Kaisererhebung aber laut Olympiodor bald bedauert haben, da er erkannt habe, mit welchen Beschränkungen die Rolle als Augustus verbunden war. Vielleicht ist dies der Grund, wieso nach 421 auch römische Heermeister wie Aëtius oder Flavius Orestes nicht mehr nach dem Purpur griffen. Viele Forscher sind der Ansicht, nur der frühe Tod des Constantius habe eine dauerhafte Stabilisierung Westroms verhindert, die auch sein mittelbarer Nachfolger als comes et magister militum et patricius, Aëtius, nicht mehr erreichen konnte. Andere bewerten Constantius hingegen negativer und halten ihn für einen machthungrigen Mann, der vor allem eigene Interessen verfolgte, den Kaiserhof und den römischen Westen rücksichtslos unter seine Kontrolle brachte und auch vor einem Bürgerkrieg gegen den Osten nicht zurückgeschreckt wäre. | FLAVIUS, Constantinus III. (I47231)
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| 4012 | Leben Weber stammte aus dem Bielefelder Handelspatriziat. Sein Bruder war der Oerlinghauser Unternehmer Carl David Weber. Weber studierte in Göttingen, wo er sich im Wintersemester 1854/55 der Burschenschaft Hannovera anschloss[1][2], und in Berlin. Nach Promotion zum Dr. jur. utr. und Zweitem Juristischen Staatsexamen arbeitete er kurze Zeit bei der Stadtverwaltung Berlin. Zwischen 1862 und 1869 war er besoldeter Stadtrat in Erfurt. Danach war er in ähnlicher Position bis 1893 in Berlin, wohnte allerdings im damals noch selbständigen Charlottenburg. Er war führendes Mitglied der Nationalliberalen Partei und gehörte dem zentralen Vorstand an. Zwischen 1872 und 1877 (Reichstagswahlkreis Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha 1 Coburg), 1879 und 1881 (Wahlkreis Magdeburg-Stadt) sowie von 1881 bis 1884 (Reichstagswahlkreis Herzogtum Braunschweig 3 Holzminden-Gandersheim) war Weber Reichstagsmitglied.[3] Dem Preußischen Abgeordnetenhaus gehörte er von 1868 bis 1882 (Wahlkreis Erfurt) und von 1884 bis 1892 (Wahlkreis Oschersleben-Halberstadt-Wernigerode) an.[4] Weber war Mitglied der Reichsschuldenkommission sowie der preußischen Schuldenkommission. Er verfasste einige kleinere politische Schriften und Arbeiten zur Kommunalstatistik. Familiengrab Weber (Zustand 2012) Mit Helene Weber, geb. Fallenstein (1844–1919)[5], die er 1863 heiratete[6], hatte er acht Kinder, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten, darunter die Soziologen Max und Alfred Weber, Karl Weber, der Architekt wurde und im I. Weltkrieg 1917 vor Brest-Litowsk fiel[7], und der jüngste Sohn Arthur (1877–1952), ein Offizier. Die älteste überlebende Tochter Clara (1875–1953) heiratete den Arzt Ernst Mommsen (1863–1930), einen Sohn von Theodor Mommsen. Über Helenes ältere Schwestern Ida und Henriette Fallenstein war er mit Hermann Baumgarten und Adolf Hausrath verschwägert. Familiengrab Weber (Zustand 2024) Max Weber sen. ruht – nachdem er in Riga auf einer Reise gestorben war[8] – in einem Familiengrab auf dem Friedhof IV der Gemeinde Jerusalems- und Neue Kirche an der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg, in dem auch seine Frau sowie Clara und Ernst Mommsen bestattet wurden.[9] Einzelnachweise Henning Tegtmeyer: Mitgliederverzeichnis der Burschenschaft Hannovera Göttingen, 1848–1998, Düsseldorf 1998, S. 23, dort: "Maximilian" Gerhard Wagner und Claudius Härpfer: Max Webers vergessene Zeitgenossen, Wiesbaden 2016. Zit.: ... ein alter Duzfreund seines Vaters, seit sie der Burschenschaft Hannovera angehörten. Die Bekanntschaft Max Weber sen. mit dem jungen Treitschke rührte aus der Zeit Mitte der 1850er Jahre, als sie gemeinsam in Göttingen studierten. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 578. Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf: Droste Verlag, 1988, S. 404f (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien: Bd. 3) die jüngste Tochter des Geheimen Finanzrats Georg Friedrich Fallenstein (1790–1853) und der Emilie Souchay (1805–1881) Dirk Kaesler: Max Weber. Preuße, Denker, Muttersohn. Eine Biographie. München 2014. Zit.: Am 23. Juni 1863 wurde mit Gottes Segen der Bund der Ehe zwischen dem 27-jährigen Dr. jur. utr. Max Weber und der 19-jährigen Helene Fallenstein in der unierten «Providenz-Kirche», der Garnisons- und Universitätskirche in der Heidelberger Hauptstraße, geschlossen. Hinnerk Bruhns: Max Weber und der Erste Weltkrieg. Mohr Siebck, Tübingen 2017, ISBN 978-3-16-152542-1, S. 159. Henning Tegtmeyer: Mitgliederverzeichnis der Burschenschaft Hannovera Göttingen, 1848–1998, Düsseldorf 1998, S. 23 Rita Aldenhoff-Hübinger, Gangolf Hübinger: Das Berlin Max Webers. Erfahrungswelten einer Großstadt. Berlin 2025, S. 31–38, 221–229. | WEBER, Maximilian ´Max`senior (I60806)
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| 4013 | Leben Wigger war Sohn von Rugger I. von Bilstein († um 1025) und Urenkel von Markgraf Wigger I. von Zeitz. Wigger stammte aus dem Geschlecht der Bilsteiner[1] und war vermutlich von 1034 bis 1044 Graf im Engersgau. Bereits um das Jahr 1025 erbte er die Grafschaft Bilstein mit den rheinischen Gütern um Braubach, Linz, Breitbach, Altenwied, Schöneberg und Horhausen[2]. Durch Kunigunde von Bilstein, eine Enkelin von Wigger, kam der gesamte rheinische Besitz um 1098 an die Grafen von Gudensberg, dann 1140 an die Landgrafen von Thüringen, 1215 an die Grafschaft von Sayn und anschließend an Kurköln. Im Jahr 1044 übernahm Arnold II. von Arnstein, genannt von Nassau, das Amt und war bis 1067 Gaugraf im Engersgau. In einer ungenauen Angabe einer Urkunde von 1034 werden Arnold I. von Arnstein und Wigger mit dem Titel „von Nassau“ genannt. Man geht allerdings davon aus, dass Engers- und Einrichgau gemeint sind. Besitzungen Welche thüringischen Besitzungen er von seinem Vater erbte und woher die rheinischen Besitzungen stammen, ist nicht eindeutig festzustellen. Die rheinischen Besitzungen um Braubach und im Engersgau könnten aus der Ehe von Wigger mit einer Tochter des Grafen Gebhard von Gleiberg stammen, dessen Vater Heribert von der Wetterau war. Auffällig ist auch, dass im Einrichgau zwischen 857 und 880 ein Graf Ruodger (Rugger) herrschte, der in Gemmerich bei Braubach und im Engersgau begütert war. Diesem Ruodger folgte 880 ein Ruodker († um 926), der ebenfalls Graf im Einrich- und Engersgau war. Wiggers Vater Rugger I. war Graf in der Germarmark und besaß unter anderem Güter zu Sonneborn, Hersfeld, Waldkappel, Rodebach und Gerode[3]. In den rheinischen Besitzungen der Landgrafen von Thüringen aus dem Erbe Kunigundes gab es auch eine Burg Bilesteyn (Bilstein), die allerdings nicht gleichzusetzen ist mit der Burg Bilstein an der Werra, die um 1100 von einem Nachfahren Wiggers wieder aufgebaut wurde. Graf Werner IV. von Gudensberg schenkte im Jahr 1111 die Hälfte Braubachs an Erzbischof Adalbert I. von Mainz, nachdem Werner IV. mit Kunigunde von Bilstein eine Erbteilung durchgeführt hatte. Nachdem Kunigunde 1138 gestorben war, schenkte der Landgraf von Thüringen die andere Hälfte ebenfalls an den Erzbischof von Mainz.[4] Familie Die Ehefrau Wiggers war eine Tochter des Grafen Gebhard von Gleiberg, Sohn von Heribert aus dem Geschlecht der Konradiner, der ebenfalls Graf im Engersgau war. Wigger hatte drei Söhne und eine namentlich bekannte Tochter. Eberhard (* um 1030; † 1093), Graf von Bilstein (1044–1093) Frideruna (* um 1032; † vor dem 26. Juli 1107), Nonne in Helmarshausen Wigger IV. (* um 1035; † 1075), Vogt von Gerode (1069–1075) Rugger II. (* um 1037; † 1085/1096), Graf von Bilstein (1044–1096), Vater von Kunigunde von Bilstein und Rugger III. Weblinks Die Grafen des Engersgaues Auszug aus Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes Wigger III. von Bilstein Wigger-Wittechind Manfred-Hiebl – Genealogie Mittelalter | VON BILSTEIN, Wigger III. (I61303)
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| 4014 | Leben Wilhelm Beer wurde am 4. Januar 1797 in Berlin als Sohn von Jakob Herz Beer und Amalie Beer geboren. Nach der Beendigung der Schulbildung am Joachimsthalschen Gymnasium Berlin erfolgte 1813 der Eintritt in die Kavallerie und nur ein Jahr später nahm Wilhelm Beer von 1814 bis 1815 an den Befreiungskriegen teil und erwarb dort auch sein Offizierspatent. Nach seinem Eintritt in das väterliche Bank-Geschäft schloss er 1818 die Ehe mit Doris Schlesinger, mit der er drei Kinder hatte. 1824 machte er die Bekanntschaft mit Johann Heinrich Mädler. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1825 wurde er Verwalter des väterlichen Erbes, erwarb 1828 das Berliner Bürgerrecht und wurde Mitglied, später Ältester der Korporation der Berliner Kaufmannschaft und Mitglied der Direktion des Luisenstifts.[1] Als Amateurastronom leistete Beer in den Jahren von 1830 bis 1840 hervorragende Arbeit. Für die Erstellung einer genauen Mondkarte erfuhr er zahlreiche Ehren, darunter die Ernennung zum Ritter des Dannebrogs, der Lalande-Preis und die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Obwohl Beer und Mädler 1840 ein Werk über das Sonnensystem herausgaben (Fragment sur les corps célestes du système solaire), lehnte er selbst 1841 einen Ruf als Berufsastronom nach Paris und Pulkovo ab. Beer wurde Direktor der Potsdam-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft. In den Folgejahren war Beer als Direktor oder Mitglied der Aufsichtsgremien zahlreicher Eisenbahngesellschaften tätig. 1838 wurde er Mitglied der Armenkommission der Jüdischen Gemeinde und es erfolgte seine Ernennung zum Ritter des Wasaordens. 1844 erfolgten erste Arbeiten als Publizist, vor allem in der Spenerschen und Vossischen Zeitung. Seine Erhebung in den Adelsstand durch den Herzog der Toskana erfolgte im gleichen Jahr. Beer leistete in dieser Zeit auch ideelle Unterstützung für den Central-Verein für das Wohl der arbeitenden Klassen und die Berliner gemeinnützige Baugesellschaft. Als ehrenamtlicher Stadtrat in Berlin veröffentlichte Beer 1848 die Flugschrift Das Vereinigte Deutschland mit Erhaltung der Selbständigkeit deutscher Stämme. Zwei Jahre später, nach seiner 1849 erfolgten Wahl zum Abgeordneten der 1. Kammer des preußischen Parlaments, starb er am 27. März 1850 nach mehrwöchiger Krankheit und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee in Berlin beerdigt. Astronomie Detail der Mappa Selenographica Bekanntheit erlangte Beer durch seine Leistungen als Amateurastronom. Er richtete 1829 ein privates Observatorium im Berliner Tiergarten ein, das mit einem Refraktor mit 9,5 cm Öffnung ausgestattet war. Gemeinsam mit dem Astronomen Johann Heinrich Mädler gab er in den Jahren 1834 bis 1836 eine genaue Mondkarte (Mappa Selenographica) heraus. 1837 folgte eine Mondbeschreibung (Der Mond nach seinen kosmischen und individuellen Verhältnissen). Über viele Jahre blieben diese Werke die besten Darstellungen des Mondes.[2] Beer und Mädler stellten 1830 auch die erste systematische Darstellung der Oberfläche des Planeten Mars anhand eines Marsglobus vor. 1840 erstellten die beiden eine detailliertere Marskarte und berechneten die Rotationsperiode des Mars mit 24 Stunden, 37 Minuten, 22,7 Sekunden auf 0,1 Sekunde genau. Wohl deshalb hat man auch einen Einschlagkrater auf dem Mars nach ihm benannt. 1835 berechnete Beer die Umlaufbahnen von Monden des Planeten Saturn. Nach Wilhelm Beer wurden der Mondkrater Beer sowie der gleichnamige Marskrater benannt. Auch Alexander von Humboldt schätzte die astronomischen Arbeiten von Beer und erwähnte sie in seinem Kosmos-Werk.[3] Ökonomie, Publizistik, soziales und politisches Engagement Wilhelm Wolff Beer war ein äußerst vielseitig interessierter und engagierter Mensch. Neben seiner astronomischen Tätigkeit beteiligte er sich intensiv am Aufbau des Eisenbahnwesens in Deutschland. Er engagierte sich in der jüdischen Gemeinde und übernahm mehrere Ämter. In seinem letzten Lebensjahrzehnt widmete er sich als Publizist politischen und ökonomischen Themen, insbesondere der Finanzwirtschaft und dem Geldwesen. Kurz vor seinem Tod wurde er zum Abgeordneten gewählt. Schriften mit J. H. Mädler: Der Mond nach seinen kosmischen und individuellen Verhältnissen oder allgemeine vergleichende Selenographie. Simon Schropp & Comp., Berlin 1837 (online). mit J. H. Mädler: Physische Beobachtungen des Mars bei seiner Opposition im September 1830. Berlin 1830 (online). mit J. H. Mädler: Mappa selenographica totam Lunae hemisphaeram visibilem complectens observationibus propriis secundum projectionem orthographicam quartuor sectionibus constructa et delineata. Berlin 1834 (Digitalisat) mit J. H. Mädler: Beiträge zur physischen Kenntniss der himmlischen Körper im Sonnensysteme. B. F. Voigt, Weimar 1841 (online). Bemerkungen über Zettel-Banken und Papiergeld. Berlin 1845. Die Gefahren der Differential-Zölle und der Revision des Zolltarifs. Berlin 1848. Literatur Jürgen Blunck: Wilhelm Beer. Genius der Astronomie und Ökonomie. 1797 - 1850. Ausstellung Staatsbibliothek zu Berlin, In: Ausstellungskataloge, N.F., 20; Reichert, Wiesbaden 1997. ISBN 3-88226-928-6. | BEER, Wilhelm Wolff (I60831)
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| 4015 | Leben Wilhelm Durham war ein Sohn des in Schottland geborenen William Durham (* 1624)[2], der 1649/50 auswanderte und sich als Kaufmann in Elbing in Ostpreußen niederließ. Wilhelm Durham ging nach Berlin, wo er sehr bald Karriere machte. Er war 1684/85 Hoffiskal, 1694 bis 1704 Bürgermeister von Friedrichswerder, 1704 bis 1731 Generalfiskal in allen königlichen Provinzen, 1705 erfolgte die Bestallung zum Kammergerichtsrat und Sitz und Stimme bei fiskalischen Angelegenheiten im Geheimen Justizrat, 1709 wurde er Vorsitzender des Mons pietatis, Kirchenältester und Vorsteher der Parochialkirche, 1712 königlich preußischer Geheimer Justizrat und Oberappellationsgerichtsrat und 1713 Rat des evangelisch-reformierten Kirchendirektoriums. Er übte die Jurisdiktion über die unter königlichem Schutz stehenden Juden aus und ließ sich auf dem Großen Jüdenhof (Nr. 9) ein Haus errichten,[3] das 1735 an seine Erben ging. Wilhelm Durham war dreimal verheiratet: 1683 mit Katharina Regina Placentinus (Catharina Regina Platenkin)[4] (1658–1695), 1696 mit Henriette Scharden (1672–1699) und 1700 mit Maria Glöckner (1681–1725). Aus der dritten Ehe stammte die Tochter Justina Susanna (1716–1762), die 1739 den Fabrikanten Johann Heinrich Colomb heiratete. Aus dieser Ehe stammte Marie-Elisabeth Colomb, die Mutter von Wilhelm und Alexander von Humboldt. | DURHAM, Wilhelm (I48779)
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| 4016 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I59813)
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| 4017 | Leben Wilhelm von Aquitanien hatte Berà ab 790 die Verwaltung der Grafschaften Rasès und Conflent anvertraut. Die Verwaltung der Grafschaft Roussillon und Ampurias übertrug Wilhelm seinem anderen Sohn Gauzhelm. Die Eroberung von Barcelona Seit 796 herrschte der maurische Wali Sadun al-Ruayni in Barcelona. Von Beginn an war er Gegner des Emirs von Córdoba. Im April 797 sprach er in Aachen vor und bot Karl dem Großen an, seine Stadt zu übergeben. Voraussetzung sei, dass dieser ihm die Macht belasse und ihn im Kampf gegen Córdoba unterstütze. Eine Versammlung in Toulouse im Frühjahr 800 beschloss daraufhin einen Feldzug nach Barcelona, den Karls Sohn Ludwig der Fromme (damals Vizekönig von Aquitanien) gemeinsam mit weiteren Adligen führen sollte. Unter ihnen waren Graf Rostany von Girona, Graf Ademar von Narbonne und Herzog Wilhelm von Aquitanien aus der Grafschaft Toulouse. Sie zogen aus und erwarteten die Übergabe der Stadt sowie die Herrschaft über die gesamte Region. Arc de Berà an der Via Augusta (an der heutigen Nationalstraße N340) Sadun weigerte sich aber, die Stadt zu übergeben, und sie wurde daraufhin von den Franken belagert. Bei einem Fluchtversuch nach Córdoba wurde Sadun gefangen genommen. An seine Stelle in Barcelona trat Harun. Die Bevölkerung der Stadt litt Hunger und schließlich lieferten die gotischen Christen im April 801 Harun aus. Am folgenden Tag marschierte Ludwig der Fromme in Barcelona ein. Kurz darauf wurde Berà, der mit seinem Vater an dem Feldzug teilgenommen hatte zum Grafen von Barcelona ernannt (und zum Markgrafen, da er über eine Grenzregion herrschte). Die Grafschaft Barcelona reichte zunächst bis zum so genannten Arc de Berà, einem römischen Triumphbogen an der heutigen Nationalstraße N340, zwischen den Orten Roda de Berà und Creixell. Dieser Bogen aus dem Jahre 13 v. Chr. erhielt seinen heute gebräuchlichen Namen nach Berà. Aber schon bald mussten die Franken die Grenzen der Grafschaft bis zum Llobregat am südlichen Stadtrand des heutigen Barcelona zurückziehen. Diese änderten sich während des gesamten 9. und 10. Jahrhunderts nicht. Die Feldzüge nach Tortosa Berà war stark von seiner gotischen Mutter beeinflusst. Daher wird angenommen, dass er für einen Frieden mit den Mauren stand und damit die Mehrheit der gotischen Mächtigen in Barcelona hinter sich hatte. Dennoch musste er an Feldzügen der Franken in Richtung des Ebro teilnehmen, der eine natürliche Verteidigungslinie gebildet hätte. Den ersten Feldzug 804 führte Ludwig der Fromme. Nachdem Tarragona erreicht war, teilten sie sich in zwei Züge. Ludwig zog weiter in Richtung Tortosa. Der zweite Zug, geführt durch Berà, Ademar von Narbonne und Borrell, Graf von Osona, sollte die Westflanke schützten und Tortosa von Süden angreifen. Berà überquerte den Ebro nahe der Einmündung des Cinca, die Angriffe der Mauren zwangen ihn aber zum Rückzug. Es gelang ihm, zu Ludwig zu stoßen, der seit acht Tagen Tortosa erfolglos belagerte. Gemeinsam zogen sie sich nach Norden zurück. 808 nahm Berà an einem weiteren Feldzug teil. Dieser wurde von Ingobert geführt, einem Feldherrn Karls des Großen, den Ludwig zu Eroberungen südlich von Barcelona sandte. Ludwig selbst blieb in Aquitanien. Ingobert verfolgte dieselbe Taktik wie 804 und teilte seine Truppen. Seinen Truppenteil führte er in Richtung Tortosa, der andere Teil, geführt von Berà und Ademar, hatte Tortosa westlich zu umgehen und die Stadt von Süden anzugreifen. Beràs Truppen überquerten den Ebro heimlich mit Booten und die Pferde durchschwammen den Fluss. Deren Exkremente wurden von der Strömung jedoch nach Tortosa getrieben und dort entdeckt. Der Wali der Stadt griff daraufhin Berà und Ademar an, denen es aber gelang, sich mit wenigen Verlusten den Truppen von Ingobert anzuschließen. Gemeinsam traten sie den Rückzug an. Der dritte Feldzug fand bereits im folgenden Jahr (809) statt und wurde wieder durch Ludwig den Frommen geführt. Er wurde von fränkischen Adligen wie Isembard, Heribert, Liutard und anderen begleitet sowie von örtlichen Truppen unter Markgraf Berà. Sie schafften Belagerungsgeräte bis Tortosa und belagerten die Stadt 40 Tage lang. Die Belagerung musste aber aufgehoben werden, als maurische Truppen unter dem Emir von Córdoba, Abd ar-Rahman II., eingriffen. Die Franken wurden vernichtend geschlagen. Waffenstillstand Nach dieser erneuten Niederlage wurden die Vorschläge von Berà bei Hofe gehört und Karl der Große 812 akzeptierte einen Waffenstillstand für die Dauer von drei Jahren. Am 18. Mai 812 starb Wilhelm von Aquitanien und Berà erbte die Grafschaften Rasès und Conflent, zu deren Gouverneur ihn sein Vater bereits 790 ernannt hatte. Die Verwaltung dieser Grafschaften vertraute Berà kurz darauf seinem ältesten Sohn Guillemó an. Als 815 der Waffenstillstand abgelaufen war, begannen erneut die Kämpfe gegen die Mauren, die unter Ubayd Allah, dem Onkel des Emirs Al-Hakam I., Barcelona angriffen. Als aber ein Heer, das sich möglicherweise aus Goten der Umgebung zusammensetzte vor der Stadt erschien, mussten sie den Überfall abbrechen und den Rückzug antreten. Dieser Sieg erhöhte das Ansehen von Berà, dessen Beziehungen zum gotischen Adel ausgezeichnet sein mussten. Als 817 (oder schon 812?) Graf Odilo von Girona und Besalú starb, gingen diese Grafschaften an Berà. Im November 816 reiste der Wali von Saragossa nach Aachen, um einen neuen Waffenstillstand mit dem Frankenreich auszuhandeln. 817 wurde dieser vereinbart, erneut für die Dauer von drei Jahren. Während dieser drei Jahre erlitt die Politik der Franken schwerwiegende Niederlagen. In Pamplona verbündeten sich 817 die Basken mit den Mauren unter Banu Qasi aus dem Ebro-Tal und übernahmen die Macht. Und in Aragonien zwang Galindo Garcés (genannt „der Böse“) gegen 820 den fränkischen Vasallen Graf Aznar I. Galíndez zur Flucht. Anschließend verbündete er sich mit Pamplona. Diese Niederlagen nutzten die politischen und persönlichen Feinde und machten Berà, der ein Befürworter des Waffenstillstands war, dafür verantwortlich. Sie betrachteten den Waffenstillstand als schädlich für die Interessen des Landes. Die Kriegsbefürworter wurden angeführt von seinen Stiefbrüdern Gauzhelm und Bernhard, dem späteren Herzog von Septimanien. Absetzung und Tod von Berà 820 wurde Berá zur Reichsversammlung in Aachen vorgeladen. Gauzhelm hatte seinen Statthalter, den Goten Sanila gesandt, der eine förmliche Anklage gegen den Grafen von Barcelona vortrug. Er beschuldigte ihn der Untreue und des Verrats. Die Schuldfrage wurde – wie damals üblich – umgehend durch einen Zweikampf zu Pferde (Gerichtskampf) geklärt, dem Ursprung der späteren Turniere. Bera, nicht mehr der Jüngste, wurde von Sanila geschlagen. Diese Niederlage bestätigte die Anschuldigungen. Doch obwohl dies einem Todesurteil gleichkam, hob Kaiser Ludwig der Fromme, der Berà nicht für einen Verräter hielt, das Urteil auf und verbannte ihn nach Rouen, wo er 844 starb. Seine Besitzungen wurden aufgeteilt. Die Grafschaften Barcelona, Girona und Besalú wurden dem Franken Rampó übertragen, der keiner der streitenden Parteien in Gothien angehörte. Die Grafschaften Rasès und Conflent erhielt Beràs Sohn Guillemó, der diese Gebiete bereits seit 812 oder 813 verwaltete. | VON RASÈS, Berà (I35683)
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| 4018 | Leben Wirken als Geschäftsmann Wertheimers Familie stammte ursprünglich aus Worms. Er zog 1684 nach Wien, wo er durch Vermittlung von Samuel Oppenheimer (1630–1703), dem damaligen Wiener Hofjuden und „Fugger seiner Zeit“ zu den Finanzgeschäften am Wiener Hof zugelassen wurde. Gemeinsam mit Oppenheimer unterstützte er Kaiser Leopold I. während des Spanischen Erbfolgekrieges. Nach dem Tode Oppenheimers wurde Wertheimer der alleinige Kreditgeber der österreichischen Regierung und zum kaiserlichen Hoffaktor ernannt. Nach Abschluss der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 begründete er in Wien eine der reichsten und angesehensten Familien des Heiligen Römischen Reiches. Nach der Zerstörung der Stadt Worms im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) durch Truppen König Ludwig XIV. gelang es Wertheimer, in Wien für die Stadt ein Schuldenmoratorium zu erwirken. Im Gegenzug dazu ließ er sich die dortige Roßmühle verkaufen, in der die Juden Frondienst leisten mussten und die für sie ein Symbol der Unterdrückung war. Wertheimer ließ sie einfach nicht mehr aufbauen.[1] 1708 zog sich Samson Wertheimer vom Geldgeschäft zurück und übergab diese an seinen Sohn Wolf Wertheimer.[2] Nach dem Großbrand in der Frankfurter Judengasse vom 14. Januar 1711 wollte Samson Wertheimer für seinen Stiefsohn Isaac Nathan Oppenheimer ein vierstöckiges, massives, steinernes Haus in Frankfurt erbauen. Fünf Jahre lang verweigerte der Rat der Stadt die Baugenehmigung. Erst 1717 konnte, auf mehrfachem Druck des Kaisers, mit dem Bau begonnen werden. 1887 wurde es abgerissen. Zwischen 1718 und 1719 entstand das nach Samson Wertheimer benannte Haus Wertheimer im fränkischen Marktbreit. Samson ließ das Haus durch den Baumeister Joseph Greissing für seinen Bruder Emanuel errichten. Wirken als Rabbiner Wertheimer verfügte über ein großes talmudisches Wissen und besaß den Titel eines ungarischen Landesrabbiners. Da aber seit 1670 eine jüdische Gemeinde in Wien nicht mehr zugelassen war (siehe Vertreibung der Wiener Juden 1670), übte er die rabbinischen Funktionen in Eisenstadt aus, das zu den sieben Gemeinden gehörte, in denen auf Einladung von Paul I. Fürst Esterházy jüdisches Leben willkommen war. Zu den Schülern von Samson Wertheimer gehörte der Talmudist und Kabbalist Jonathan Eybeschütz. Nachkommen Grabstein Wertheimers im Jüdischen Friedhof Roßau Simon Wolf Wertheimer Löb oder Löw Wertheimer, (gest. 12. Februar 1763), später Ehemann von Sara oder Serchen Lehmann (gest. 10. Dezember 1763), Tochter von Issachar Berend Lehmann[3][4] Serchen, später Schwiegertochter von Leffmann Behrens aus Halberstadt Tolze, später Ehefrau von David Oppenheimer († 1739 in Hannover) Chava Rivka Eskeles (Rabbinerfamilie) Channa Miriam, später Ehefrau des Bankiers Seligmann Kohn († 1741 in Altona) Bestattung Wertheimer ist begraben im Jüdischen Friedhof Roßau in Wien. Nachwirken Eine Tochter Wertheimers lebte in Frankfurt am Main und war mit dem Bankier Moses Löb Isaak zur Kann aus der einflussreichen Frankfurter jüdischen Familie Kann verheiratet. Bis ins 19. Jahrhundert blieben die Wertheimers führend im Geldhandel. Die Bank E. & L. Wertheimer gehörte zu den wichtigsten Banken Frankfurts. Auch ist eine neugotische, großbürgerliche Villa Wertheimer in Frankfurter Zeppelinallee 69 bis heute erhalten. Wertheimers ehemaliges Haus in Eisenstadt beherbergt heute das Österreichische Jüdische Museum. Siehe auch | WERTHEIMER, Samson (I60189)
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| 4019 | Leben Yolande de Polastron wurde als Tochter des Jean François Gabriel de Polastron, Graf von Polastron, Ritter von Noueilles, Venerque und Grépiac († 1794) und der Jeanne Charlotte Hérault (* 1726), ihrerseits Tochter des Pariser Polizeipräfekten René Hérault (1691–1740) und dessen erster Frau Marguerite Durey de Vieuxcourt (1700–1729), in Paris geboren. Bald nach ihrer Geburt zog die Familie ins Languedoc. Nach dem Tode der Mutter im Jahre 1753 (oder 1756) wurde sie zu ihrer Tante geschickt, die sie in einen Konvent für adelige Damen gab. Im Alter von 18 Jahren wurde sie mit dem Kapitän des königlichen Dragonerregiments, dem Grafen Jules François Armand de Polignac (1745–1817), Sohn von Héracle Louis de Polignac (1717–1802) aus dem Hause Polignac und der Diane de Mazarin (1726–1755), verheiratet. Mit ihm hatte sie vier Kinder, wobei es jedoch wahrscheinlich ist, dass ihr zweitgeborenes Kind einer Affäre mit Joseph Hyacinthe François de Paule de Rigaud, Graf von Vaudreuil, entstammte. Durch die Schwester ihres Mannes, Diane de Polignac (1746–1818), gelang es beiden, am Hof von Versailles eingeführt zu werden, wo Yolande 1775 auf Marie-Antoinette traf und umgehend deren Gunst gewinnen konnte. Wegen ihrer beruhigenden Wirkung, die sie auf die Königin hatte, machte sie sich auch bei Ludwig XVI. beliebt. So verdrängte sie schon bald Marie-Louise de Savoie-Carignan, die Fürstin von Lamballe, als engste Vertraute der Königin. Als Anführerin des exklusiven Zirkels um die Königin gelang es ihr, große Vorteile für ihre gesamte Familie zu gewinnen, was ihr jedoch die Gegnerschaft und den Neid des alten Hofadels einbrachte, der sie als Emporkömmling ansah. Gleichzeitig zog sie sich auch den Hass der Massen zu, die ihren luxuriösen Lebensstil am Hofe und die Versorgung ihrer Familie auf Staatskosten missbilligten. Auf dem Höhepunkt ihres Einflusses wurde sie zur Gouvernante der königlichen Kinder Frankreichs, darunter des Dauphins Louis Joseph und der Prinzessin Marie Thérèse Charlotte, berufen und ihr Gemahl 1780 in den Herzogsstand erhoben. Die Polignac-Fraktion war nun einer der bedeutendsten Machtfaktoren am Hof, ihr Unterhalt verschlang jedoch Unsummen. Nach der Geburt von Marie-Antoinettes zweitem Sohn Louis Charles 1785 begann Yolande de Polignacs Macht jedoch zu schwinden, da die Königin die Kosten, die durch die Polignacs und ihren Anhang verursacht wurden, aber auch deren Betragen zunehmend als bedrückend, gar als despotisch ihr gegenüber empfand. Das Missfallen der Königin äußerte sich schließlich darin, dass sie Yolande de Polignac die Stellung der Ersten Kammerfrau entzog und sie der Jeanne-Louise-Henriette Campan übertrug. Yolande zog daraus schließlich ihre Konsequenzen und entschloss sich, Freunde in England zu besuchen. Nach ihrer Rückkehr involvierte sie sich zunehmend in die aktuelle Politik und führte bald die Ultraroyalisten am Hof an, die jegliches Entgegenkommen an die Angehörigen des Dritten Standes ablehnten und auf die Rehabilitierung des Absolutismus hofften. So überzeugte sie gemeinsam mit dem Bruder des Königs, Karl von Artois, und dem Baron von Breteuil die Königin, deren Gunst sie erneut erlangte, den reformfreudigen und beim Volk beliebten Finanzminister Jacques Necker zu entlassen und stattdessen Charles Alexandre de Calonne einzusetzen. Nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 flüchteten die Polignacs in die Schweiz und unternahmen Reisen nach Italien, von wo aus sie jedoch weiterhin Briefkontakt mit der königlichen Familie pflegten. Als Gouvernante folgte ihr Louise Félicité Joséphine de Croÿ d’Havré. Yolande selbst erkrankte schon einige Jahre später an Krebs und starb, kurz nachdem sie von der Hinrichtung ihrer einstigen Freundin und Gönnerin erfahren hatte, bei einem Aufenthalt in Wien. Beurteilung Das Bild der Herzogin von Polignac ist allgemein durch Berichte aus der revolutionären Zeit getrübt, die ihr vor allem Günstlingswirtschaft, Verschwendung und unersättliche Extravaganz vorwerfen und sie als Verkörperung der das einfache Volk unterdrückenden herrschenden Klasse ansehen. Die Historiker Pierre de Nolhac und Pierre de Ségur beschreiben Yolande jedoch als träge und naiv und urteilen, dass die Mehrzahl der Probleme, welche angeblich durch sie verursacht wurden, eher ihrem Gefolge zuzuschreiben sind. Nachkommen Aglaé Louise Françoise Gabrielle (* 7. Mai 1768 in Paris; † 30. März 1803 in Edinburgh), Guichette genannt, ⚭ 11. Juli 1780 Antoine VIII., Herzog von Gramont und Guiche (Haus Gramont) Armand Jules Marie Héracle (* 17. Januar 1771 in Paris; † 1. März 1847 ebenda oder in Saint-Germain-en-Laye), ⚭ 6. September 1790 Ida Johanna von Neukirchen genannt Nyvenheim, Nichte von Albertine Elisabeth de Champcenetz Jules Auguste Armand Marie (* 14. Mai 1780 in Paris; † 29. März 1847 in Paris), ⚭ 1.) 6. Juli 1816 Barbara Campbell; 2.) 3. Juni 1824 Mary Charlotte Parkyns; 1829/30 französischer Premierminister Camille Henri Melchior (* 27. Dezember 1781 in Versailles; † 2. Februar 1855 in Fontainebleau), ⚭ 1. Oktober 1810 Marie Charlotte Calixte Alphonsine Le Vassor de La Touche Trivia In Sofia Coppolas Film Marie Antoinette aus dem Jahr 2006 wird Yolande de Polignac von der Australierin Rose Byrne gespielt. In Benoît Jacquots Film Leb wohl, meine Königin! von 2012 wird sie von Virginie Ledoyen dargestellt. | VON POLASTRON, Yolande Martine Gabrielle (I61211)
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| 4020 | Leben Zu Beginn seiner Herrschaft unterstützte Gottfried zusammen mit Theobald I. von Blois den König Lothar gegen den Normannenherzog Richard I. Langschwert und verteidigte dabei Nantes. Im Jahr 970 schlug er bei Roches den Herzog Wilhelm IV. von Aquitanien, welcher versucht hatte Gottfrieds Besitzungen im Poitou (Loudun, Mirebeau) zu gewinnen. Der Tod des Grafen Theobald I. von Blois 975 veränderte nachhaltig das Verhältnis zwischen den Häusern Anjou und Blois, die fortan zu erbitterten Feinden im Kampf um die Vorherrschaft im Nordosten Frankreichs werden sollten, denn der Nachfolger Theobalds, Odo I., betrieb eine Expansionspolitik, die gegen die Interessen Anjous verlief. Schauplatz des Kampfes war die Bretagne, wo Odo den Grafen Conan den Krummen von Rennes gegen den Grafen von Nantes unterstützte, der wiederum ein Protegé Gottfrieds war. In der ersten Schlacht von Conquereuil (981) wehrte Gottfried einen Angriff Conans ab, danach übernahm Gottfried 984 die direkte Kontrolle über Nantes, nachdem dessen Graf Guérech versuchte, aus der Bevormundung Gottfrieds auszubrechen, indem er sich mit König Lothar verbündete. Gottfried aber, ein getreuer Gefolgsmann des Robertiners Hugo Capet, ließ den Grafen einsperren und errichtete vor Nantes die Burg Le Pallet. Gegen Blois gerichtet stärkte Gottfried seinen Einfluss in der Touraine und im Berry, indem er die Kontrolle über mehrere Abteien (u. a. Saint-Martin de Tours) übernahm und sich mit lokalen Herren, wie denen von Preuilly, verbündete. Die Feindschaft zwischen den beiden Häusern spiegelte sich auch im Machtkampf um den Königsthron zwischen Robertinern und Karolingern wider, während Gottfried zu Hugo Capet hielt, unterstützte Odo den König Lothar und nach ihm dessen Bruder Karl von Niederlothringen. Im Juli 987 unterstützte Gottfried die Erhebung Hugo Capets zum neuen König. Noch im selben Monat belagerte er mit dem Grafen Burchard dem Ehrwürdigen von Vendôme verbündet die Burg in Marçon (heute im Département Sarthe), welche Odo von Blois gehörte, wobei er starb. Der Dynastiewechsel von den Karolingern zu den Robertiner/Kapetingern brachte für Gottfried und seine Nachfolger einige Veränderungen mit sich. Waren er und seine Vorfahren als Grafen von Anjou (bzw. Vizegrafen von Angers) nur Vasallen der Robertiner in deren Eigenschaft als Herzöge von Franzien (bzw. Markgrafen von Neustrien), sollten seine Nachkommen nun Kronvasallen werden, da das Herzogtum Franzien mit der Thronbesteigung Capets faktisch aufhörte zu existieren. Andere mächtige Vasallen, wie eben die Grafen von Blois oder Toulouse, wie auch die Herzöge von Aquitanien, verweigerten Hugo Capet die Anerkennung und betrachteten ihn als Usurpator. In dieser Folge avancierten die Grafen von Anjou zu den bedeutendsten natürlichen Verbündeten des neuen Königshauses und wurden diesem in den folgenden Generationen eine wichtige Stütze. Gottfried starb am 21. Juli 987, drei Wochen nach der Krönung und Salbung Hugo Capets. | (ANJOU), Gottfried I. ´Graujacke` (I61450)
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| 4021 | Leben Zu Bückeburg stieg ich ab in der Stadt, Um dort zu betrachten die Stammburg, Wo mein Großvater geboren ward; Die Großmutter war aus Hamburg. Heinrich Heine. Ein Wintermärchen (1844) Den Mangel an Informationen über die väterliche Linie seines Stammbaums erklärte Heinrich Heine damit, dass sein Vater Samson Heine „als ganz fremder Mann nach Düsseldorf gekommen [sei] und hier keine Anverwandten, keine jener alten Muhmen und Basen [hatte], welche die weiblichen Barden sind, die der jungen Brut tagtäglich die alten Familienlegenden mit epischer Monotonie vorsingen.“ Auf die Frage, wer sein Großvater gewesen sei, habe er von seinem Vater Samson lediglich die ausweichende Antwort erhalten: „Dein Großvater war ein kleiner Jude und hatte einen großen Bart“.[1] Dieser „Großvater mit großem Bart“ war Heymann Heine, ein aus Bückeburg stammender Hoffaktor in Hannover. In zweiter Ehe war Heymann Heine mit der aus Altona stammenden Marthe Eva Popert verheiratet. Sie bekamen sechs Kinder. Ihr zweites Kind war Samson Heine, der am 19. August 1764 in Hannover geboren wurde. Isaak Heine (um 1763–1828), Kaufmann und Bankier in Bordeaux Samson Heine (1764–1828) Salomon Heine (1767–1844), Bankier in Hamburg, Ehe mit Betty Heine, geb. Goldschmidt (1777–1837) Samuel Heine (…?–1809) Meyer Heine (…?–1813) Henry (Herz) Heine (1774–1855), Makler in Hamburg[2] In Altona und in Hamburg erlangte Samson die erste kaufmännische Ausbildung. Zu Anfang der Französischen Revolution diente er als Proviantmeister der Armee des Prinzen Ernst von Cumberland in den Feldzügen in Flandern und Brabant. Im Juli 1796 zog er mit einem Empfehlungsschreiben aus Hamburg in die von Franzosen besetzte Stadt Düsseldorf ein. Im August 1796 verlobte er sich dort mit Betty van Geldern und ging zunächst nach Hamburg zurück. Das Paar erwirkte im November 1796 für Samson Heine das Niederlassungsrecht für Düsseldorf und sie heirateten dort Anfang Februar 1797. Sie bekamen vier Kinder: Heinrich (Harry) Heine (1797 oder 1799–1856), Ehe mit Mathilde Heine, geb. Crescencia Eugenie Mirat (1815–1883) Charlotte Embden, geb. Heine (1800 oder 1802/03–1899), Ehe mit dem Kaufmann Moritz Embden (1790–1860 oder 1866) Gustav Freiherr von Heine-Geldern (1803 oder 1805–1886), Zeitungsverleger und Buchdruckereibesitzer in Wien, 1867 in den Ritter- und 1870 in den Freiherrnstand erhoben, Ehe mit Emma Heine, geb. Kaan d'Albest (1822–1859) Maximilian von Heine (1806 oder 1807–1879), Militärarzt und Hofrat in St. Petersburg[3] In der Bolkerstraße Nr. 602 etablierte Samson Heine ein Tuchwarengeschäft. Sein Haupthandelsartikel war Velveteen, den er direkt aus Liverpool bezog. 1809 kaufte er das gegenüberliegende Haus Bolkerstraße Nr. 42, wohin er auch sein Geschäft verlegte. Als während der Napoleonischen Kriege infolge der Kontinentalsperre die Einfuhr englischer Stoffe stockte, ging das Geschäft stark zurück. 1820 musste er Bankrott anmelden und er verzog nach Oldesloe im südöstlichen Holstein. Im Frühling 1822 zog die Familie weiter nach Lüneburg. Hier lebte Samson Heine bis zum Sommer 1828, zog dann nach Hamburg, wo er am 2. Dezember 1828 starb.[4] In seinen Memoiren schreibt Heinrich Heine: „Eine grenzenlose Lebenslust war ein Hauptzug im Charakter meines Vaters, er war genusssüchtig, frohsinnig, rosenlaunig. In seinem Gemüte war beständig Kirmes, und wenn auch manchmal die Tanzmusik nicht sehr rauschend, so wurden doch immer die Violinen gestimmt. … Er war wirklich ein großes Kind mit einer kindlichen Naivetät, die bei platten Verstandesvirtuosen sehr leicht für Einfalt gelten konnte, aber manchmal durch irgend einen tiefsinnigen Ausspruch das bedeutendste Anschauungsvermögen verriet. Er witterte mit seinen geistigen Fühlhörnern, was die Klugen erst langsam durch die Reflexion begriffen. Er dachte weniger mit dem Kopf als mit dem Herzen und hatte das liebenswürdigste Herz, das man sich denken kann … [Mein Vater] war von allen Menschen derjenige, den ich am meisten auf Erden geliebt.“[5] Literatur Hermann Schiff: Heinrich Heine und der Neuisraelitismus; Briefe an Adolf Strodtmann. Richter, Hamburg 1866, S. 3 (Digitalisat) Maximilian von Heine: Erinnerungen an meinen Bruder Heinrich Heine. In: Die Gartenlaube, No 5 (1866) S. 75 (Digitalisat) Adolf Strodtmann: H. Heine’s Leben und Werk. F. Drucker, Wien und New York, Band 1 (1867), S. 5 (Digitalisat)(S. 357 Anmerkungen) Maximilian von Heine: Erinnerungen an Heinrich Heine und seine Familie. Dümmler, Berlin 1868, S. 34–37: Der Vater und Goethe’s Gedichte. (Digitalisat) Gustav Karpeles: Heinrich Heine. Biographische Skizzen. Graetz, Berlin 1869, S. 4–7 (Digitalisat) Eduard Engel (Hrsg.): Heinrich Heine’s Memoiren über seine Jugendzeit (1854–1855). In: Die Gartenlaube (1884) (Digitalisat) Gustav Karpeles: Heinrich Heine. Aus seinem Leben und aus seiner Zeit. Adolf Tietze, Leipzig 1899, S. 10–24 (Digitalisat) Heinrich Schnee: Heinrich Heines väterliche Ahnen als Lippische Hoffaktoren: Ein Beitrag zur Geschichte der Familie Heine und der Institution des Hoffaktorentums an kleinen Fürstenhöfen im Zeitalter des Absolutismus. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte. Brill, Leiden, Bd. 5, No. 1 (1953), S. 53–70 Hans Ebke: Vater und Sohn Heine und das hannoversche Militär. In: Heine-Jahrbuch, 55. Jg. (2016), S. 1–15 | HEINE, Samson (I60453)
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| 4022 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I52705)
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| 4023 | Leben und Laufbahn Martin Joseph Haller (bis 1805 Mendel Joseph Haller) kam um 1794 als mittelloser Zuwanderer in die Dreigemeinde Hamburg. Er war verehelicht mit Elisabeth (bis 1805 Blümchen) Gottschalk (1770–1816), einer vermutlich wohlhabenden Urenkelin des Salomon Düsseldorf[2] aus Hannover, und lebte als sogenannter Schutzjude unter den für damalige Verhältnisse liberalen Umständen im dänisch kontrollierten Altona. Um 1799 fand er eine Stellung in der Hamburger Handelsfirma Fürst et Comp.[3] des Kaufmanns Levin Salomon Fürst (ab 1802 Lorenz Fürst). Um 1804 wurde er Teilhaber dieser Firma, die nun auch als Fürst, Haller & Co. bezeichnet wurde[4]. Nach der Geburt seines Sohnes Nicolaus Ferdinand wurde er von den Gemeindeältesten angezeigt, da er den Sohn nicht hatte beschneiden lassen. Er wollte[5] seinen Sohn: ...dieser Operation nicht aussetzen, die weit gefährlicher ist als man sie allgemein glaubt. Die Fälle der Verblutung oder Verstümmlung sind gar nicht selten, u[nd] noch neulich verlor einer meiner Freunde ein Kind an dieser Operation, der mich dringend auffordert, sie zu unterlassen. Kurz darauf (am 26. Juni 1805 in der Kirche zu Allermöhe) ließ er sich und die Familie christlich taufen und nahm den Namen Martin Joseph Haller an. Seine Paten dabei waren Hallers Geschäftspartner, Lorenz Levin Salomon Fürst (der 1802 selber zum Christentum konvertiert war), und der Jurist Johann Hermann Luis, die Taufe nahm der Pastor Karl Johann Heinrich Hübbe vor[6], nachdem Haller ihm am 30. Mai 1805 einen langen Brief[7] mit religionsphilosophischen Überlegungen gesandt hatte, worin eher ein aufklärerischer Leitgedanke als christliche Überzeugung zum Ausdruck kam[8]. Bereits um 1797 hatte Haller das Bankhaus J. M. Haller gegründet (später Bankhaus Haller, Söhle & Co.), als dessen Inhaber er es bald zu Ansehen brachte. 1818 wurde er Mitglied[9] der Commerz-Deputation, deren Präses er von Mai 1822 bis Mai 1823 war. Musikförderer und Kunstsammler Haller[10] war ein belesener Kulturliebhaber, legte eine Bibliothek und eine Gemäldesammlung in seinem Hause an[11], und war wie sein Kollege Lorenz Fürst ein Liebhaber der Hausmusik und Förderer des Komponisten Georg Gerson. Daneben war er an Konzerten in der von Gerhard von Hoßtrup gegründeten Börsenhalle zugegen[12]. Über seine Tätigkeit als Kunstsammler besagten Zeitzeugen: Er hatte, wenn auch kein Urteil, so doch Interesse für Gemälde und hat eine nicht unbedeutende Sammlung teilweise wertvoller alter Ölbilder hinterlassen, die er gelegentlich von notleidenden Emigranten im Anfang des 19. Jahrhunderts billig erwarb[13]. Familie und Nachkommen (Auswahl) Stele für Elisabeth und Martin Joseph Haller, Familiengrab Martin Haller, Friedhof Ohlsdorf Martin Joseph Haller war der Sohn des Joseph Benjamin Haller (* um 1720; † 1772 in Halle)[14] und entstammte einer der 50 jüdischen Familien, die aus Wien vertrieben in der Stadt Halle Asyl fanden. Er hatte einen Bruder namens John Ries[15] und einen jüngeren Bruder, Joseph Benjamin (Benny) Haller (* 15. Juli 1772 in Halle; † 26. September 1838), dessen Tochter Philippine (1822–1892) später die Mutter des Malers Max Liebermann wurde. Hallers Schwägerin, Amalie Angelica Christiane Gottschalk (* 26. Juli 1777 in Hannover; † 20. Februar 1838 in St. Petersburg) war mit Baron Ludwig Stieglitz, dem Gründer des Bankhauses Stieglitz & Co. in St. Petersburg verheiratet. Martin Joseph Haller hatte mehrere Nachkommen, darunter: Auguste Clara Haller (1799–1883); ⚭ 1829 Kaufmann Johann Christian Söhle (1801–1871). Zeitzeugen besagten: ...Niemand, der diese kleine, runde, geschäftige Hausfrau sah oder ihr auf dem Hopfenmarkt begegnete, wo sie stets persönlich die Einkäufe von Fischen, Gemüsen und dergleichen besorgte und in Platt über den Preis verhandelte, niemand würde in ihr eine geistvolle, hochgebildete Dame vermutet haben, die nicht nur Englisch und Französisch, sondern auch Italienisch, Spanisch und Russisch sprach, wozu sie durch die häufigen Tischbesuche auswärtiger Geschäftsfreunde ihres Vaters reichliche Gelegenheit fand. Wilhelm Ludwig Haller (1800–1825) Nicolaus Ferdinand Haller (* 21. Januar 1805 Hamburg; † 10. Oktober 1876 ebenda), Hamburger Bürgermeister 1863 bis 1875 Martin Haller, erbaute u. a. die Musikhalle, das damalige philharmonische Konzerthaus Hamburg. Johann Eduard Haller (* 2. März 1810 in Hamburg; † 15. Februar 1889 ebenda), Bankier. Werke Ueber die vorgeschlagene Einführung Teutscher Reichszölle zur Aufnahme der Industrie; in Nemesis, Zeitschrift für Politik und Geschichte, Band 3, II. Stück (Weimar, 1814). S. 170–198; Online über Google-Bücher (zuletzt besucht am 30. April 2020) Sechs Briefe über den Handel der Hansestädte, besonders in Beziehung auf die Angriffe des Manuscripts aus Süd-Deutschland. Verlag Johann Georg Heyse (Bremen, 1821); Online über Google-Bücher (zuletzt besucht am 30. April 2020) | HALLER, Martin Joseph (I60690)
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| 4024 | Leben und politisches Wirken Ulrich war der Sohn von Graf Eberhard IV. von Württemberg und Henriette von Mömpelgard. Nach dem frühen Tod seines Vaters übernahm für Ulrich und seinen älteren Bruder Ludwig seine Mutter gemeinsam mit württembergischen Räten die Vormundschaft. Ludwig wurde bereits im Jahr 1426 für mündig erklärt, womit er alleine die Regierungsgeschäfte übernahm, bis sein Bruder Ulrich 1433 zur Mitregierung zugelassen wurde. Nach einigen Jahren der gemeinsamen Regierung setzte Ulrich im Jahr 1441 nach seiner Hochzeit mit Margarete von Kleve (1416–1444), einer Tochter des Adolf II. (Kleve-Mark), die Teilung des Landes durch, die am 23. April 1441 beurkundet wurde. Ulrich erhielt den östlichen und nördlichen Landesteil mit der Residenzstadt Stuttgart, Ludwig den westlichen und südlichen Landesteil mit der Residenzstadt Urach. Die Teilung, die ursprünglich auf vier Jahre befristet worden war, wurde bereits am 25. Januar 1442 durch den Nürtinger Vertrag als unbegrenzte Teilung festgeschrieben. 1444 unterstützte Ulrich das Haus Habsburg unter König Friedrich III. im Alten Zürichkrieg im Kampf gegen die schweizerischen Eidgenossen. Gemeinsam mit seinen Verbündeten, dem Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg, dem Mainzer Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach sowie dem Markgrafen Jakob I. von Baden bildete er den Kern des Mergentheimer Bundes, der mehr und mehr gegen die Reichsstädte vorging. Seinen Höhepunkt fanden diese Spannungen in der Fehde zwischen Markgraf Albrecht und der Reichsstadt Nürnberg 1449. Graf Ulrichs Hauptgegner unter den Reichsstädten war Esslingen, das durch die Erhöhung seiner Zölle die Einnahmen der Grafschaft Württemberg deutlich verringerte. Ulrich gelang es aber nicht, trotz mehrfacher Siege gegen Esslingen und weitere Reichsstädte, einen entscheidenden Vorteil zu gewinnen. 1450 fiel Ulrich nach dem Tod seines Bruders Ludwig die Vormundschaft über seine beiden Neffen zu, die künftigen Grafen von Württemberg-Urach Ludwig II. und Eberhard V. Dies führte bald zu einem Streit mit Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz, der, als Onkel mütterlicherseits, ebenfalls Anspruch auf die Vormundschaft geltend machte. 1456 begann Ulrich mit dem Bau des Württembergischen Landgrabens, um seine Gebietsansprüche im Norden zu behaupten. Ludwig II. starb bereits 1457. Die Uracher Landstände hoben 1459 auch die Vormundschaft Ulrichs über Graf Eberhard V. auf. 1458 ließ Ulrich die Burg Widdern zerstören, auf der sich pfälzische Lehnsleute befanden. Dies verstärkte die Auseinandersetzungen zwischen Ulrich und Friedrich I. von der Pfalz. Im Deutschen Reich bildeten sich damals zwei Bündnisblöcke heraus. Ulrich schloss sich der Allianz zwischen dem 1452 zum Kaiser gekrönten Friedrich III. und Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg an. Deren Hauptgegner waren der Bruder des Kaisers Herzog Albrecht VI. von Österreich, Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz und Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut. 1460 kam es zu ersten militärischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Bündnisblöcken. Nach einem kurzen Waffenstillstand rief Friedrich III. 1461 erneut den Reichskrieg gegen Bayern aus. Ulrich übernahm gemeinsam mit Albrecht Achilles die Reichshauptmannschaft gegen Bayern. In der kurz danach ausbrechenden Mainzer Stiftsfehde von 1461 bis 1463 unterstützte er Erzbischof Adolf II. von Nassau gegen dessen abgesetzten Vorgänger Diether von Isenburg und Friedrich I. von der Pfalz. Nach verschiedenen Kämpfen kam es am 30. Juni 1462 zur Schlacht bei Seckenheim, in der Ulrichs Truppen und Verbündete besiegt und gefangen genommen wurden. Schließlich wurde nach einem letzten Zweikampf Ulrichs mit Hans (dem Kecken) von Gemmingen auch Ulrich von ihm besiegt und gefangen genommen. Erst am 27. April 1463 kehrte Ulrich nach einer Lösegeldzahlung zurück nach Stuttgart. In diesem Jahr ließ er in Marbach am Neckar in seinem Schloss unter anderem das Schlafgemach neu herrichten. Wandgemälde zeigen ihn als gottesfürchtigen Mann und leidenschaftlichen Jäger; in einer Inschrift gedenkt er des Pfälzer Kriegs und beteuert, er habe diesen aus ehrenvollen Motiven geführt.[1] 1473 gingen Ulrich und Eberhard V. einen Hausvertrag ein, der die gemeinsame Erbfolge regeln sollte und bereits auf die Wiedervereinigung der beiden württembergischen Landesteile hinzielte. Ulrich erhielt später bei Eberhard V. auch Unterstützung gegen seinen eigenen renitenten Sohn, Eberhard VI., wodurch Eberhard V. auch Einfluss im Stuttgarter Landesteil gewann. Familie Ulrich V. war dreimal verheiratet. Im Jahr 1441 heiratete er Margarete von Kleve (1416–1444). Aus der Ehe stammte die Tochter: Katharina (* 7. Dezember 1441; † 28. Juni 1497 in Würzburg), zunächst Prämonstratenserin, später Dominikanerin, am Ende aus dem Kloster geflohen unter dem Schutz des Bischofs Rudolf von Würzburg. Nach dem Tod Margaretes am 20. Mai 1444 traf Ulrich bereits am 9. September 1444 die Eheabrede mit Elisabeth von Bayern (1419–1451), Tochter Herzog Heinrichs des Reichen. Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor: Graf Eberhard VI. (1447–1504), später Herzog Eberhard II. Margarete (* zwischen 1445 und 1450; † 21. Juli 1479 im Kloster Liebenau bei Worms), Dominikanerin[2] Graf Heinrich von Württemberg (um 1448–1519), Domkanoniker in Mainz und Eichstätt, ab 1473 bis 1482 Graf von Mömpelgard Elisabeth (* 23. Dezember 1450 in Landshut; † 6. April 1501), verheiratet am 13. September 1469 mit Graf Friedrich II. von Henneberg-Aschach Elisabeth starb nach der Geburt ihrer Tochter Elisabeth im Wochenbett am 1. Januar 1451. Ulrich heiratete daraufhin am 11. November 1453 Margarethe von Savoyen (1420–1479), die bereits mit Herzog Ludwig III. von Anjou und Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz verheiratet gewesen war. Mit Ulrich hatte sie folgende Kinder: Helene (* nach 1453; † 19. Februar 1506), verheiratet mit Graf Kraft VI. von Hohenlohe. Margarethe (* nach 1453; † 21. April 1470), verheiratet am 23. April 1469 mit Graf Philipp von Eppstein-Königstein Philippine (* nach 1453; † 4. Juni 1475 in Weert), verheiratet mit Graf Jakob II. von Horn (Haus Horn) Erhaltene Kunstwerke Jagdarmbrust aus dem Besitz Ulrichs V., Metropolitan Museum of Art, New York Aus dem Besitz Ulrichs V. hat sich eine 1460 datierte Jagdarmbrust erhalten, die vermutlich von seinem aus der Schweiz stammenden Hof-Armbrustmacher Heinrich Heid von Winterthur hergestellt wurde und vielleicht ein Geschenk seiner dritten Frau, Margarethe von Savoyen, war.[3] Literatur Eugen Schneider: Ulrich V., Graf von Württemberg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 235–237. Thomas Fritz: Ulrich V. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. 598 (deutsche-biographie.de). Thomas Fritz: Ulrich V. der Vielgeliebte. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 86–89 Thomas Fritz: Ulrich der Vielgeliebte (1441–1480). Ein Württemberger im Herbst des Mittelalters. Zur Geschichte der württembergischen Politik im Spannungsfeld zwischen Hausmacht, Region und Reich (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde. Band 25). DRW, Leinfelden-Echterdingen 1999, ISBN 3-87181-425-3. Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 1: Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig. 6. Auflage. Landhege, Schwaigern 2014, ISBN 978-3-943066-34-0, S. 295–305. | VON WÜRTTEMBERG, Ulrich V. ´der Vielgeliebte` (I61234)
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| 4025 | Leben und Reichtum Konrad Groß wurde um 1280 in Nürnberg als Sohn von Heinrich Groß (genannt Heinz der Reiche, ca. 1250–1314/17) aus der Nürnberger Ratsfamilie Groß und der Sophie von Vestenberg geboren. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehörte Konrad Groß zu den sehr reichen Unternehmern der Reichsstadt Nürnberg. Er war verheiratet mit Agnes Zollner († 1342) aus Bamberg und hatte vier Söhne und drei Töchter. Sein jüngerer Halbbruder war Philipp Groß (um 1290–nach 1355), der Stadtbaumeister von Nürnberg und Architekt des gotischen Saalbaues des Alten Rathauses. In und um Nürnberg hatte Groß weitläufige Besitzungen, so den Plobenhof südlich der später errichteten Frauenkirche und die Herrensitze Simonshofen und Dehnberg. Er diente unter anderem als Finanzier des Bischofs von Bamberg und Kaiser Ludwigs des Bayern, zu dem er enge Beziehungen unterhielt. Von ihm erwarb er auch 1339 das Reichsschultheißenamt in Nürnberg mit Zoll und Münzrecht[1], das ihn „über Rat und Bürgerschaft erhob[en]“[2] hat. Seelgerätstiftungen Einen Großteil seines Vermögens wendete Konrad Groß für Seelgerätstiftungen auf, was ihn in Konflikt mit seinen Söhnen brachte, die sich als seine Geschäftspartner um ihr Erbe gebracht sahen. Motiv für die reichen Stiftungen mag unter anderem die kirchliche Missbilligung der von ihm auch getätigten Geldgeschäfte gewesen sein. Neben dem Heilig-Geist-Spital war Konrad Groß unter anderem beteiligt an der Gründung des Zisterzienserinnenklosters Himmelthron durch Kunigunde von Orlamünde (1343), einer Spitalstiftung der Kitzinger Benediktinerinnen (1344) und der Einsiedelei Pillenreuth mit Ludwig dem Bayern (1345). Stiftung des Heilig-Geist-Spitals Heilig-Geist-Spital Die Stiftung des Heilig-Geist-Spitals durch Konrad Groß 1331/1339 gilt als eine der größten und wertvollsten Seelgerätstiftungen überhaupt. Das Heilig-Geist-Spital bot zunächst Platz für 128 Sieche und 72 Pfründner (Rentner) und wurde nach Konrad Groß’ Tod bereits im Mittelalter mehrfach durch Zustiftungen erweitert. Die überformatige Stiftungsurkunde vom 13. Januar 1339 gibt Auskunft über die Motive der Stiftung: „Wie heilsam ist doch die Unterstützung der Armen, die, während sie bemüht ist, dem Nächsten in seinem augenblicklichen Unglück zu helfen, sich die Errettung vom ewigen Unglück verdient“[3]. So steht keinesfalls selbstlose Nächstenliebe im Fokus des Stifterwillens, sondern vielmehr die Sorge um das Heil „seiner eigenen Seele, und der seiner Eltern, Freunde und Wohltäter“. Durch die Einrichtung zahlreicher Ewigmessen in der Spitalkirche sollte dieses Seelenheil gewährleistet werden. Tischgrab des Konrad Groß Tischgrab des Konrad Groß im Heilig-Geist-Spital, Nürnberg Konrad Groß starb 1356 in Bamberg und wurde in der ebenfalls in der Stiftung enthaltenen, im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstörten, Kirche des Heilig-Geist-Spitals beigesetzt. Sein kunsthistorisch bedeutendes Grabmal befand sich ursprünglich im Chor der Kirche, ist heute aber neben dem Grabmal des Herdegen Valzner im Kreuzigungshof des Spitals aufgestellt. Das Tischgrab wird der Werkstatt der Lorenzer Westfassade zugeschrieben und zeugt von dem Repräsentationswillen eines Nürnberger Bürgers. Acht Trauerfiguren (sogenannte Pleurants) in zeitgenössisch hochmoderner Gewandung scharen sich hockend um die Liegefigur des Verstorbenen mit dem Modell der gestifteten Kirche und tragen zugleich die (erneuerte) Deckplatte aus kostbarem Rotmarmor. | GROSS, Konrad (I51407)
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| 4026 | Leben und verwandtschaftliche Einordnung Ulrichs verwandtschaftliche Beziehung zu seinen Vorgängern als Graf von Württemberg ist näherungsweise geklärt. Die These des Historikers Hansmartin Decker-Hauff, der Ulrich als Sohn Hermanns von Württemberg und der Irmengard, Tochter von Graf Ulrich von Ulten, bezeichnete,[3] wird durch neuere Forscher dahingehend modifiziert, dass die um 1200/02 geborene Irmengard eine Schwester des um 1191/93 geborenen Grafen Ulrich von Ulten war.[4][5] Hermann, der nur einmal 1231 urkundlich erwähnt wird, war wahrscheinlich ein um 1190/95 geborener Sohn Hartmanns I. Ulrich regierte, urkundete und siegelte 1241 gemeinsam mit seinem Bruder Eberhard von Württemberg.[6] Im Jahr 1243 werden beide als Neffen des ebenfalls aus dem Haus Württemberg stammenden Grafen Hartmann I. von Grüningen bezeichnet. Dieser verkaufte im April 1243 in Capua die „Grafschaft im Albgau“ nebst der Burg Eglofs mit Leuten, Besitzungen und allem Zubehör an Kaiser Friedrich II. Der in Raten zu zahlende Kaufpreis von 3200 Mark Silber – oder die als Pfand dienende Stadt Esslingen – sollte im Falle seines vorzeitigen Ablebens an seine Neffen (nepotibus suis), die Grafen von Württemberg, übergehen, weil der erst seit 1237 genannte Hartmann I. damals offenbar keine geschäftsfähigen Erben hatte.[7] Das Wort Nepos bedeutete im Mittellateinischen außer Neffe oder Enkel auch allgemein Vetter oder Verwandter.[8] Hier ist offenbar „Vetter“ gemeint, da Hartmann I. von Grüningen einerseits (als Sohn Konrads I.) und Eberhard I. und Ulrich I. von Württemberg andererseits (als Söhne Hermanns) derselben Generation des Gesamthauses Württemberg angehörten und Vettern ersten Grades waren. Das erste Lebenszeichen Ulrichs ist allerdings älter: ein Siegel von 1238, das einen Dreiberg mit jeweils einem Turm zeigt.[9] Es wird angenommen, dass es Ludwig II. infolge seiner Hochzeit mit einer Tochter des Grafen von Kirchberg von diesem übernommen hatte.[10] Das ursprünglich nellenburg-veringische Hirschstangen-Wappen könnte Ulrich um 1247 als Erbe Graf Hartmanns I. von Grüningen übernommen haben, denn die Grüninger Linie führte die Hirschstangen bereits seit mindestens 1228 im Wappen.[11] 1255 verwies Graf Adalbert IV. von Dillingen in einem Schreiben an den Eichstätter Bischof Heinrich IV. von Württemberg auf seine Verwandtschaft mit Ulrich von Vatersseite her.[12] Nach Adalberts Tod (1257) ohne Nachkommen konnte neben Hartmann V., Bischof von Augsburg, und dessen Schwagern auch Ulrich Erbansprüche stellen und einige Dillingische Positionen wie die Vogtei über Ulm übernehmen.[13] 1256 bezeichnete Ulrich Graf Rudolf von Tübingen als seinen Oheim.[14] Das hieße streng genommen, dass sein Vater, der laut Ludwig Friedrich Heyd möglicherweise mit dem 1235 in Würzburg[15] und 1236 in Tübingen[16] erwähnten Grafen Eberhard von Württemberg[17] identifiziert werden könnte, mit einer Schwester des Tübinger Grafen verheiratet war.[18] Johann Steiner bezeichnete Ulrich 1583 zwar als Sohn eines Grafen Eberhards, der anstatt mit einer Tübingerin jedoch mit der Herzogstochter Agnes von Zähringen verheiratet gewesen sein soll.[19] Allerdings ist lediglich eine Tochter Agnes von Berthold V. von Zähringen bekannt, die den Grafen Egino IV. von Urach geheiratet hatte.[20] Da Eginos Enkel Heinrich von Fürstenberg-Urach im Januar 1265 Ulrich als Blutsverwandten („noster consanguineus“) bezeichnete, könnte Ulrichs Mutter eine Tochter Eginos IV. sein und mütterlicherseits auch von den Zähringern abstammen.[21] Andererseits soll der Schlüssel zu Ulrichs mütterlicher Verwandtschaft im Vornamen Ulrich liegen, der zuvor bei den Württembergern nicht üblich war und vermutlich vom Vater seiner Mutter stammt. Ulrich war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Mechthild von Baden entstammen die Töchter Agnes und Mechthild sowie der spätere Graf Ulrich II. Aus der zweiten Ehe mit Agnes von Schlesien-Liegnitz stammen eine vermutete weitere Tochter namens Irmengard und der spätere Graf Eberhard I., bei dessen Geburt seine Mutter verstarb. Ulrich wurde wie seine beiden Gattinnen im Stift Beutelsbach begraben. Später wurde sein Leichnam in die Stiftskirche Stuttgart überführt. Graf Hartmann II. von Grüningen übernahm 1265 die Vormundschaft für Ulrichs verwaiste Söhne Ulrich II. und Eberhard I. Politik Die Auseinandersetzung zwischen dem Stauferkaiser Friedrich II. und den Päpsten Gregor IX. und Innozenz IV. hatte auch Auswirkungen auf die Verhältnisse im Herzogtum Schwaben. Nach der Absetzung Friedrichs II. durch das Konzil von Lyon (1245) gelang es der päpstlichen Diplomatie, einen großen Teil der Adligen des Herzogtums auf die Seite der Gegenkönige Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland zu ziehen. Zu Beginn der Schlacht bei Frankfurt am 5. August 1246 traten Ulrich und Hartmann II. von Grüningen mit weiteren schwäbischen Adligen und 2000 Mann Gefolge zum „Pfaffenkönig“ Heinrich Raspe über, was die Niederlage des Staufers Konrad IV. besiegelte.[22][23] Ulrich und Hartmann nutzten anschließend die Situation, um mit päpstlicher Rückendeckung ihre Territorialmacht im Mittleren Neckarraum auszubauen. Nach dem Tod Konrads IV. 1254 erkannte Ulrich dessen Erben Konradin formell als Herzog von Schwaben an. Im Gegenzug verzichtete Konradins Vormund Herzog Ludwig II. von Bayern auf dessen Ansprüche auf die Königskrone und die Rückforderung der nach dem Seitenwechsel erfolgten Annexionen Ulrichs und anderer schwäbischer Adliger. Ulrich gelang es so, die territorialherrschaftliche Basis für die Grafschaft Württemberg abzusichern. Die Heirat mit Mechthild von Baden half zudem, die territoriale Bereinigung beider Häuser mit dem Rückzug Badens aus dem Mittleren Neckarraum anzustoßen. So kam zum Beispiel die spätere württembergische Hauptstadt Stuttgart bei der Hochzeit der beiden von Baden nach Württemberg.[24] Kurz vor seinem Ableben konnte Ulrich sein Territorium um die restlichen Teile der Grafschaft Urach erweitern.[21] Ulrichs zweitem Sohn Eberhard I. gelang es, die Grafschaft trotz königlichen Gegenwinds weiter auszubauen. Nachkommen Aus seiner ersten Ehe mit Mechthild von Baden hinterließ er drei Kinder: Ulrich II. von Württemberg Agnes von Württemberg, ⚭ I) Konrad IV. Graf von Öttingen, ⚭ II) Friedrich II. Graf von Truhendingen, ⚭ III) Kraft I. von Hohenlohe-Weikersheim Mechthild (vor 1264 bis 24. Juni 1284), ⚭ Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg, ältester Sohn des Rudolf von Habsburg, römisch-deutscher König Aus seiner zweiten Ehe mit Agnes von Schlesien-Liegnitz sollen zwei Kinder stammen: Irmgard (vor 1264 – vor 1278), ⚭ Hesso I. Markgraf von Baden (nur bei Gabelkover mit unmöglichem Sterbedatum 1287 genannt – Hesso war nach 1278 anderweitig verheiratet) Eberhard I. von Württemberg Literatur Dieter Mertens: Ulrich I. der Stifter (mit dem Daumen). In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 20–22. Dieter Mertens: Ulrich I. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. 595 (deutsche-biographie.de). Karl Pfaff: Der Ursprung und die früheste Geschichte des Wirtenbergischen Fürstenhauses. Metzler, Stuttgart 1836. Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 1: Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig. 6. Auflage. Landhege, Schwaigern 2014, ISBN 978-3-943066-34-0, S. 3–35, (Zugleich: Tübingen, Universität, Dissertation, 1984: Das Haus Württemberg von Graf Ulrich I. dem Stifter, 1265, bis Herzog Ludwig, 1593.). Harald Schukraft: Kleine Geschichte des Hauses Württemberg. Silberburg, Tübingen 2006, ISBN 3-87407-725-X. | VON WÜRTTEMBERG, Ulrich I. (I37279)
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| 4027 | Leben und Werdegang Georg Hasenclever war der Sohn des Kaufmannes David Hasenclever und der Henriette, geb. Schlosser sowie Bruder des Reichstagsabgeordneten Richard Hasenclever und des Kaufmanns Ernst Hasenclever. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Koblenz studierte er Rechts- und Kameralwissenschaften an den Universitäten Bonn und Berlin (1836–1840). Daran anschließend trat er am 12. Juni 1840 als Auskultator bei dem Stadtgericht in Berlin ein, wo er auch am 26. April 1843 zum Gerichtsreferendar ernannt wurde. In die Rheinprovinz zurückkehrend wechselte Hasenclever am 26. Juli 1843 zur Regierung Düsseldorf. Von dort aus wurde er für den Zeitraum vom 1. Mai 1846 bis zum 1. Januar 1847 vertretungsweise mit der Verwaltung des Landkreises Kleve beauftragt, bevor er in gleicher Weise vom 13. Juli 1848 bis zum 15. Februar 1849 die Verwaltung des Kreises Bromberg leitete. Mit der Ernennung zum Regierungsassessor wechselte er dann zum 11. Februar 1850 an die Regierung Aachen. Infolge der Neubesetzung der Leitung des Stadtkreises Aachen durch Franz Carl Hasslacher wurde Georg Hasenclever zum 3. Juli 1850 kommissarisch dessen bisherige Stelle als Landrat des Landkreises Aachen übertragen; am 17. Oktober 1853 folgte seine definitive Ernennung. Zum 31. Dezember 1882 trat er nach über 29 Jahren im Amt in den Ruhestand. Zuvor war ihm von höchster Stelle mit Erlass vom 22. November 1882 die Charakterisierung als Geheimer Regierungsrat verliehen worden.[1.1] Hasenclever war Mitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Aachener Bezirksvereins des VDI.[2] Familie Der Protestant Georg Hasenclever heiratete am 1. Oktober 1851 in Düsseldorf Friederike Altgelt (geboren am 23. Juni 1826 in Düsseldorf; gestorben am 17. Januar 1894 in Aachen), eine Tochter des Regierungsrats der Regierung Düsseldorf Johann Hermann Altgelt (1795–1871[3]) und der Laura Antonie, geb. de Greiff (1798–1845[3]).[1.1] Einer seiner Enkel ist der Schriftsteller Walter Hasenclever. Georg Hasenclevers Familiengrabstätte auf dem Heißbergfriedhof in Aachen wurde von dem Bildhauer Karl Krauß geschaffen. Im Oktober 2022 wurde aus dem Nachlass von Georg Hasenclever der Stadt Aachen eine kunstvoll verzierte Schatulle mit Grußbotschaften an Georg Hasenclever übergeben. Das 17 × 10 Zentimeter große, dunkelrote Behältnis beherbergt neben diversen Briefen aus dem Kreis der großbürgerlichen Patrizierfamilie Hasenclever auch eine lyrische Widmung aus der Feder von Ernst Moritz Arndt. Dieser dichtete dazu „Der Himmelsschein ist Herzensschein, drum halte Dir die Seele rein“, datiert auf den 27. Juni 1838 und besiegelt mit schwungvoll filigraner Unterschrift.[4] | HASENCLEVER, Georg Bernhard Albert (I60900)
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| 4028 | Leben und Werk Bild der Familie des Ulrich Sitzinger (1. von links) Ulrich Sitzinger war der Sohn des Wormser Priesters Ulrich Sitzinger d. Ä., der sich 1523 als einer der ersten Wormser Geistlichen verheiratete und damit einen Skandal und einen langwierigen Rechtsstreit auslöste. Während die Bürgerschaft und verschiedene Geistliche Sitzinger und damit der Reformation den Rücken stärkten (u. a. durch die Herausgabe einer Druckschrift mit dem Titel Eine getrewe vermanung eins liebhabers der Evangelischen warheyt an gemeyne pfaffheit, nit zu widderfechten den Ehelichen standt, so ein Erßamer Priester zu Wormbs (im von got im neüwen unnd Alten Testament zugelassen) an sich genommen hat. Worms 1523), versuchte Bischof Reinhard von Rüppurr ihn aus dem Amt zu drängen. Dies gelang ihm nicht, worauf er als Oberhirte zurücktrat.[1] Ulrich d. J. besuchte in Worms die Lateinschule und zeigte dabei so große Begabungen, dass ihn seine Eltern (zusammen mit seinem jüngeren Bruder Samuel) zum weiteren Unterricht nach Nürnberg zu Johannes Ketzmann und Veit Dietrich schickten. Von dort wechselte er 1544 zum Studium an die Universität Wittenberg, wo er u. a. auch bei Martin Luther und Philipp Melanchthon studierte, vor allem Philosophie, Geschichte, Astronomie und Theologie. 1548 erwarb er den Magistergrad und heiratete Melanchthons Nichte Anna (gest. 1567), die Tochter von Sebaldus Münsterer. Danach spezialisierte er sich auf ein Jura-Studium, hielt auch juristische Vorlesungen an der Universität und erwarb 1551 den Titel eines Dr. iur. utr. (Doktor beider Rechte, also weltliches (römisches) Recht und Kirchenrecht). Noch im selben Jahr kehrte er in seine Heimatstadt Worms zurück und ließ sich dort als Rechtsgelehrter nieder. Schon 1551 berief ihn Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken als Rat, 1555 machte er ihn zu seinem Kanzler. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Einführung der Reformation in Pfalz-Zweibrücken beteiligt: 1556 verfasste er die Kirchenordnung für das Herzogtum, die bis ins 18. Jahrhundert mehrmals nachgedruckt und auch in anderen Fürstentümern eingeführt wurde. 1558 veranlasste er eine umfassende Visitation des Fürstentums und führte die Umwandlung der ehemaligen Klöster in höhere Schulen (etwa heutigen Gymnasien vergleichbar) durch. 1559 wurde er auch Kanzler für Pfalz-Neuburg. Nach 1560 schien sein Stern in Zweibrücken allerdings zu sinken, was letztlich an der steigenden konfessionellen Spannung zwischen Lutheranern und Calvinisten in der benachbarten Kurpfalz lag: Während die Kurpfalz offen zum calvinistischen Lager überwechselte, steuerte Herzog Wolfgang einen strikt lutherischen Kurs. Dem konnte Sitzinger als Melanchthon-Schüler wahrscheinlich nicht zustimmen; zudem entpuppte sich der einst auf Sitzingers Empfehlung eingestellte Hauslehrer der Söhne Wolfgangs als heimlicher Calvinist. Sitzinger musste seinen Abschied als Kanzler nehmen und zog sich 1561 auf den Posten eines Landrichters in Sulzbach (Oberpfalz) zurück. Trotzdem war sein juristischer und politischer Sachverstand oft gefragt, und Herzog Wolfgang setzte ihn auch nach 1561 oft in diplomatischer Mission und als Gesandten ein. In dieser Zeit war Sitzinger auch im Auftrag anderer Fürsten und Herren oft unterwegs, u. a. war er als Rat für Kaiser Maximilian II., für die Herzöge von Württemberg, die Grafen von Öttingen und die Reichsstädte Augsburg und Nürnberg unterwegs. Sitzinger starb 1574 auf seinem Schloss Holnstein und wurde in der Kirche zu Sulzbach beigesetzt. Dort ließ ihm seine zweite Frau Helena ein prächtiges Grabmal errichten, auf dem eine biblische Szene zu sehen ist. Im Vordergrund sieht man Sitzinger, seinen einzigen Sohn Ulrich (1551–1587), seine beiden Frauen sowie die drei überlebenden Töchter. Literatur David Chytraeus: Oratio de Ulrico Sitzingero i.u.d., cancellario inclyti principis Wolfgangi, Palatini Rheni, ducis Bavariae etc. (1577). In: Ders.: De illustrissimo prioncipe Wolfgango, Palatino Rheni duce Bavariae etc. oratio. Wittenberg 1580. Sitzinger, Ulrich. In: Heinz Scheible (Hrsg.): Melanchthons Briefwechsel. Band 15, Personen S. Stuttgart–Bad Cannstatt 2021, S. 320–321. Emil Sehling: Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts. Band 18: Rheinland-Pfalz I. Bearbeitet von Thomas Bergholz. Tübingen 2006. Karl-Heinz Drescher: Der Zweibrücker Kanzler Ulrich Sitzinger. Ein Leben für die Einigung der Protestanten. In: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und Volkskunde 45, 1978, S. 186–207. Johann Schneider: Sitzinger, Ulrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 424–429. Thomas Bergholz: Sitzinger, Ulrich d.Ä. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 28, Bautz, Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7, Sp. 1446–1450. | SITZINGER VON HOLNSTEIN, Ulrich (I51281)
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| 4029 | Leben und Werk Salomon Hirzel 1874 bei S. Hirzel erschienene Erstausgabe von G. Freytag Die Ahnen Salomon Hirzel entstammte einer alten Schweizer Gelehrten- und Kaufmannsfamilie, sein Vater Heinrich war Professor für Philosophie in Zürich. 1823 ging er bei dem Berliner Verleger Georg Andreas Reimer in die Lehre, dessen Tochter Anna (1813–1885) er 1830 heiratete. Im gleichen Jahr übernahm er zusammen mit seinem Schwager Karl August Reimer (1801–1858) die Leitung der bereits seit 1680 bestehenden Weidmannschen Buchhandlung in Leipzig, die sich im Besitz seines Schwiegervaters befand. Am 1. Januar 1853 gründete er in Leipzig den S. Hirzel Verlag. Schon vorher hatte er die Brüder Grimm in Berlin kennengelernt. Nachdem diese wegen ihrer Teilnahme an den Protesten der Göttinger Sieben ihre Professorenämter an der Universität Göttingen verloren hatten, schlugen Reimer und Hirzel 1838 den beiden Amtsenthobenen vor, die „unfreiwillige musze auszufüllen und ein neues, groszes wörterbuch der deutschen sprache abzufassen“. Das daraufhin begonnene Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm wurde verlegerisch im neuen S. Hirzel Verlag betreut. Der Verlagsname „S. Hirzel“ besteht bis heute, die Firma mit dem Sitz in Stuttgart ist unverändert verlegerisch aktiv. Hirzel-Sammlungen Salomon Hirzel war neben seiner verlegerischen Tätigkeit ein passionierter Sammler alter Drucke und Manuskripte bedeutender Dichter, vor allem Goethes. Aus seinem Nachlass sind zwei Sammlungen hervorgegangen, die sich heute im Besitz der Universitäten Frankfurt/Main und Leipzig befinden. Eine davon, die begehrte Spezialsammlung mit Barockliteratur, konnte die Stadtbibliothek Frankfurt 1908/1909 durch Sondermittel erwerben. Die Sammlung Hirzel besteht aus 426 Originaldrucken deutscher Literatur aus der Zeit von 1520 bis 1750, unter ihnen zahlreiche Unikate. Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf Werken des 17. Jahrhunderts, unter anderem mit Erstausgaben von Grimmelshausen, Christian Reuter und Christian Weise. Die andere, umfangreichere Sammlung umfasst handschriftliche und gedruckte Texte Goethes und seines Umfeldes. Es handelt sich um die größte Goethe-Sammlung außerhalb Weimars. Hirzel vermachte diese Sammlung 1877 testamentarisch der Universitätsbibliothek Leipzig, die sie noch heute vollständig besitzt. Der Bestand der Sammlung wird in einem gedruckten Katalog von Reinhard Fink nachgewiesen. Ehrung Zu Ehren von Salomon Hirzel trägt im Leipziger Ortsteil Kleinzschocher eine Straße den Namen Hirzelstraße.[2][3] | HIRZEL, Salomon (I59797)
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| 4030 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60815)
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| 4031 | Leben und Werk Die Souchays waren eine seit dem 18. Jahrhundert in Frankfurt ansässige hugenottische Kaufmannsfamilie, die im Tuchhandel zu Wohlstand gelangt war. Sein Vater Cornelius Carl Souchay hatte das Tuchhandelsunternehmen Schunck, Souchay & Co. gegründet, das über seine Niederlassungen in England, Italien und Russland den europäischen Markt belieferte. Johann Daniel Souchay war sein älterer Bruder. Eduard Souchay wuchs in einem kultivierten Elternhaus auf. Sein Vater förderte die Künste, der Salon seiner Mutter Helene geb. Schunck in der Villa am Fahrtor war ein gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt seiner Heimatstadt. Eduard Souchay besuchte von 1813 bis 1818 das Frankfurter Gymnasium. Der Unterricht bei dem Historiker Friedrich Christoph Schlosser war von nachhaltiger Wirkung. 1818 ging er zum Studium der Jurisprudenz und Geschichte nach Heidelberg, schloss seine Studienzeit in Göttingen ab und wurde 1821 zum Dr. jur. promoviert. Während seines Studiums wurde er 1818 Mitglied der Alten Heidelberger Burschenschaft und 1821 Mitglied der Alten Göttinger Burschenschaft. Er ließ sich 1823 in Frankfurt als Rechtsanwalt nieder, wechselte aber 1832 als Stadtgerichtsrat in die Rechtsprechung und war zuletzt von 1839 bis 1849 Appellationsgerichtsrat. Von 1832 bis 1849 gehörte er dem Senat der Freien Stadt Frankfurt an. Als Senator trat er in liberalem Sinne für den Anschluss Frankfurts an den Zollverein und für den Eisenbahnbau ein. 1838 war er jüngerer Bürgermeister. 1848 gehörte er dem Vorparlament an, das die Frankfurter Nationalversammlung vorbereitete.[1] 1848/1849 war er Bevollmächtigter Frankfurts für die Provisorische Zentralgewalt, der gesamtdeutschen Regierung dieser Zeit. 1849 wurde er von der Nationalversammlung mit der Bildung einer provisorischen Regierung für Schleswig-Holstein beauftragt. Nach dem Scheitern der Deutschen Revolution 1849 gab er sein Senatorenamt auf, blieb aber Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung der Freien Stadt Frankfurt, der er von 1832 bis 1857 angehörte, zuletzt als deren Präsident. Als Verleger und Vorsitzender des Patriotischen Vereins trat er für eine Reform der Frankfurter Verfassung, der Konstitutionsergänzungsakte, ein. Nach der Annexion Frankfurts durch Preußen war er von 1868 bis zu seinem Tod Mitglied der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Von 1848 bis 1854 beschäftigte er Konrad Duden als Hauslehrer.[2] Souchay war langjähriges Vorstandsmitglied der Polytechnischen Gesellschaft. 1846 gehörte er zu den Hauptrednern des ersten Germanistentages, der in Frankfurt stattfand. 1849 erschien seine juristische Abhandlung Anmerkungen zu der Reformation der Freien Stadt Frankfurt, 1861/1862 die vierbändige Geschichte der deutschen Monarchie von ihrer Erhebung bis zu ihrem Verfall. Ehrungen Eduard Souchay ist auf dem Frankfurter Hauptfriedhof begraben. Sein Grab wurde zum Ehrengrab erklärt und steht unter Denkmalschutz. Nach ihm ist die Souchaystraße in Sachsenhausen benannt. Schriften Anmerkungen zu der Reformation der Freien Stadt Frankfurt, 2 Bände, Frankfurt 1849 Geschichte der deutschen Monarchie von ihrer Erhebung bis zu ihrem Verfall, 4 Bände, Frankfurt 1861/62 Deutschland während der Reformation, 1. Band, Frankfurt 1868 Literatur Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 5: R–S. Winter, Heidelberg 2002, ISBN 3-8253-1256-9, S. 460–461. Reinhard Frost: Souchay, Eduard Franz im Frankfurter Personenlexikon (Stand des Artikels: 25. August 1995), auch in: Wolfgang Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie. Personengeschichtliches Lexikon (= Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission. Band XIX, Nr. 2). Zweiter Band: M–Z. Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-7829-0459-1, S. 400. Rudolf Jung: Souchay, Eduard Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 697 f. Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, Band 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 48: Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen, Teilband 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 400. Guenther Roth: Max Webers deutsch-englische Familiengeschichte 1800–1950. Mohr Siebeck, Tübingen, 2001, S. 450–456 (Online-Fassung). | SOUCHAY DE LA DUBOISSIÉRE, Eduard Franz (I60789)
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| 4032 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60087)
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| 4033 | Leben und Werk Hans Kugler war der jüngste Sohn des Kunsthistorikers und Dichters Franz Kugler, der hoher Beamter im preußischen Kultusministerium war, und seiner Frau Clara (geborene Hitzig, 1812–1873) einer Tochter des Kriminologen Julius Eduard Hitzig. Sein Bruder war der spätere Historiker Bernhard von Kugler. Die Familie war mit Theodor Fontane befreundet. Kugler studierte an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar bei Arnold Böcklin. Er war sein Leben lang schwer chronisch krank. Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter mit ihren Söhnen Bernhard und Johannes nach München. 1863 ging Kugler mit seinem Freund Adolf von Wilbrandt nach Rom, wo er bis 1864 arbeitete. Er kehrte anschließend wieder nach München zurück. Ohne Titel In den frühen 1860er Jahren gehörte er mit Wilbrandt, seinem Schwager Paul Heyse und dem Maler Ludwig von Hagn zu einem Freundeskreis, in den auch Franz von Lenbach und Böcklin einbezogen wurden.[1] Von ihm stammte ein bekanntes Porträt von Lenbach. Die Malerfreunde hielten engen Kontakt zu dem Kunstsammler Adolf Friedrich von Schack. Vor allem gelang es Kugler, den Sammler von der Arbeit Böcklins zu überzeugen.[2] Nach dem Tod ihrer Tochter Margarethe 1862 zog Clara Kugler in das Haus ihres Schwiegersohns Paul Heyse, um ihn und die Enkelkinder zu betreuen. Dorthin zog auch Hans Kugler, der von seiner Mutter gepflegt wurde. Anfang Dezember 1873 unternahm er einen scheinbar erfolgreichen Selbstmordversuch, indem er sich einen Trank aus Morphium und Schlafmitteln mixte und zu sich nahm, worauf sich seine Mutter Clara das Leben nahm. Zehn Tage später verstarb Kugler letztlich durch seinen Freitod.[3][4] Publikationen Johannes Kugler: Im Fegefeuer. Eine Geschichte nach der Natur. Mit biographischer Einleitung von Adolf Wilbrandt. L. Rosner, Wien 1874 (digitale-sammlungen.de). Literatur Der Heimgang eines Unglücklichen. In: Die Gartenlaube. Heft 3, 1875, S. 54–55 (Volltext [Wikisource]). Kugler, Hans. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 22: Krügner–Leitch. E. A. Seemann, Leipzig 1928, S. 79 (biblos.pk.edu.pl). Weblinks Commons: Hans Kugler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Einzelnachweise Ludwig von Buerkel (Hrsg.): Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. Band 3/39, Prestel, München 1988, S. 192. Andrea Pophanken: Graf Schack als Kunstsammler: private Kunstförderung in München (1857–1874). (= Beiträge zur Kunstwissenschaft. Band 60). Scaneg, München 1995, ISBN 3-89235-060-4, S. 126. Kugler, Clara. In: Petra Wilhelmi: Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert (1780–1914). Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 73. Berlin / New York 1989, S. 704–707 (books.google.de) Theodor Fontane: Tage- und Reisetagebücher: Tagebücher 1866–1882, 1884–1898. Aufbau-Verlag, 1995, S. 481. | KUGLER, Hans (I60924)
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| 4034 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I61176)
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| 4035 | Leben und Werk Michael Beer war der jüngste der vier Söhne des jüdischen Zuckerproduzenten und Bankiers Jacob Herz Beer (1769–1825) und der Amalie Beer, genannt Malka, einer Tochter des Liepmann Meyer Wulff. Sein ältester Bruder war der Komponist Giacomo Meyerbeer, der auch die Bühnenmusik zu Michael Beers Trauerspiel Struensee über den Sturz Johann Friedrich Struensees schrieb. Die anderen Brüder waren Wilhelm Beer und Heinrich Beer (1794–1842), der nie einen Beruf ausübte. Beers bekanntestes, insbesondere von Goethe geschätztes Stück war das Trauerspiel Der Paria[1] (uraufgeführt Berlin 1823), der, so die Allgemeine Deutsche Biographie, „Schmerzensschrei über die Pariastellung des Judenthums“. Der im Alter von 32 Jahren verstorbene Dichter hinterließ ein großes Vermögen, das er in eine Stiftung umgewandelt hatte. Deren Verwaltung lag testamentarisch bei der Königlich Preußischen Akademie der Künste in Berlin, die aus den Erträgen jährlich den Preis der Michael-Beer-Stiftung an zwei junge Künstler, von denen einer Jude sein musste, vergab. Er ermöglichte den Preisträgern die Finanzierung eines einjährigen Studienaufenthaltes in Italien, wovon sie mindestens acht Monate in Rom zu verbringen hatten.[2] Gedenken Michael Beers Grab auf dem Alten Israelitischen Friedhof in München ist erhalten. Es wurde von Leo von Klenze entworfen und 1841 von Johann Baptist Dilger in einer Kreidelithographie abgebildet.[3] Auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee in Berlin Prenzlauer Berg, wo seine Mutter und seine Brüder Giacomo und Wilhelm im Familiengrab begraben sind, wurde eine Gedenktafel für Michael Beer angebracht.[4] | BEER, Michael (I60832)
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| 4036 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60813)
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| 4037 | Leben und Werk Philipp Veit war ein Sohn des Bankiers Simon Veit und der ältesten Tochter Moses Mendelssohns, Brendel (später Dorothea Friederike). Nach der Scheidung der Eltern 1799 blieb Philipp Veit zunächst bei der Mutter und lebte mit ihr und ihrem neuen Ehemann Friedrich Schlegel in Jena, Paris und Köln, bevor er 1806 zum Vater nach Berlin zurückkehrte und dort seine Schulbildung beendete. Ab 1808 studierte Philipp Veit Malerei an der Kunst-Academie in Dresden. Zu seinen dortigen Lehrern gehörte Friedrich Matthäi, in dessen Ausbildung schon Veits älterer Bruder Jonas stand. Unter dem Einfluss seiner Mutter und Friedrich Schlegels konvertierte er gemeinsam mit seinem Bruder im Jahr 1810 zum katholischen Glauben.[1] Während der Freiheitskriege freundete er sich mit Joseph von Eichendorff und seinem Leutnant Friedrich de la Motte Fouqué an. 1814 nahm er seinen Abschied, malte ein Bild der Prinzessin Wilhelm, vollendete das Porträt der Gräfin Zichy und malte ein Bild für die Kirche von Heiligenstadt bei Wien, bevor er 1815 seinem Bruder nach Rom folgte, wo er sich den deutschen Romantikern des so genannten Lukasbunds anschloss. Hier beteiligte er sich mit Peter von Cornelius, Wilhelm von Schadow und Friedrich Overbeck an den Fresken der Casa Bartholdy, von denen er Joseph bei der Frau des Potiphar und die sieben fetten Jahre (jetzt in der Berliner Nationalgalerie) ausführte. In der Villa Massimo malte er Darstellungen aus Dantes „Göttlicher Komödie“ in Fresko. 1821 vermählte er sich mit der jungen Römerin Carolina Pulini (1807–1890). Sie war die Tochter des Bildhauers Gioacchino Pulini und dessen Ehefrau Benedetta, geborene Gürtler (1783–1824),[2] bei denen Veit damals wohnte. Das Paar bekam fünf Kinder, Maria Dorothea Aloisia (1822–1897, ab 1844 Ehefrau des Malers Joseph Settegast), Maria Theresa (1824–1870, ab 1852 erste Ehefrau von Johann Claudius von Longard), Maria Franziska (1824–1912, ab 1871 zweite Ehefrau von Johann Claudius von Longard), Maria Benedicta (1828–1838) und Friedrich Anastasia Maria (1830–1878).[3] Im Auftrag des Naumburger Domherren Immanuel Christian Leberecht von Ampach entstand ab 1820 das Gemälde Christus auf dem Ölberg für den Christus-Zyklus im Naumburger Dom. Andere Werke seiner römischen Zeit sind ein großes Altarbild der Himmelskönigin Maria (in Trinità dei Monti zu Rom) und der Triumph der Religion (im Vatikan). 1830 als Direktor des Städelschen Instituts nach Frankfurt am Main berufen, schuf er auch hier eine Reihe von kirchlichen Gemälden, welche zum großen Teil in Stich und Steindruck erschienen sind; so den heiligen Georg 1833 als Altarbild für die St.-Georgs-Kirche zu Bensheim, Simeon im Tempel, die beiden Marien am Grab (in der Berliner Nationalgalerie) und das große Freskogemälde im Städelschen Institut, welches die „Einführung des Christentums und der Künste“ in Deutschland zum Gegenstand hat, nebst den beiden Nebenbildern Italia und Germania. Die Werke, die er in Frankfurt angefertigt hat, wurden von Felix Mendelssohn Bartholdy als „einfach, schön und fromm“ gelobt, wobei er sie mit den Werken alter Meister vergleicht und Veit eine „aufrechte Künstlerseele“ nennt.[4] Später zog Veit auch antike Stoffe in den Bereich seiner Kunst. In dieser Hinsicht sind besonders das Deckengemälde im Städelschen Institut, das Wirken der ältesten hellenischen Bildner darstellend, und der Schild des Achilleus nach Homer (Federzeichnung, mit Gold, Städtisches Museum) hervorzuheben. Für den Kaisersaal im Römer malte er die Porträts Karls des Großen, Ottos I., Friedrichs II. und Heinrichs VII.[5] 1843 gab er die Leitung des Städelschen Instituts auf und verlegte sein Atelier gemeinsam mit Schülern ins Deutschordenshaus nach Sachsenhausen, weil er als strenger Katholik sich durch den Ankauf des Gemäldes Jan Hus zu Konstanz von Carl Friedrich Lessing durch die Verwaltung des Städelschen Instituts gekränkt fühlte.[6] Hier schuf er für den Frankfurter Dom ein großes Altarbild, die Himmelfahrt Mariä, und für den König von Preußen das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, die Ägyptische Finsternis und ihre Schrecken und für die Chornische des projektierten Berliner Doms einen Entwurf zu einem Freskobild (jetzt in der Berliner Nationalgalerie). Als das Deutschordenshaus 1848 für eine Kaserne gebraucht wurde, zog er um in die Villa Metzler, in deren Erdgeschoss Gerhardt von Reutern ihn und andere Künstler zum Arbeiten einlud. Im März 1848 hing ein großes Germania-Bild in der Paulskirche. Es hängt heute im Treppenhaus des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Oftmals wird es Veit zugeschrieben, möglicherweise war Veit aber nur ein Ideengeber. 1853 nahm Veit seinen Wohnsitz in Mainz, wo er Direktor der Gemäldesammlung wurde und unter anderem einen Zyklus von Gemälden für den Obergaden des Mainzer Doms komponierte, die von Joseph Anton Nikolaus Settegast, August Gustav Lasinsky und Th. Herrmann in Fresko ausgeführt wurden. Er starb am 18. Dezember 1877 und wurde auf dem Hauptfriedhof Mainz beigesetzt.[7] Bis an sein Lebensende blieb er der strengen asketischen Richtung seiner Jugend treu, welche auch von seinem Schüler Eduard Jakob von Steinle fortgesetzt wurde. | VEIT, Philipp (I60758)
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| 4038 | Leben und Werk Rothschild war der älteste von vier Söhnen von Carl Mayer von Rothschild, dem vierten der fünf Söhne des Familiengründers Mayer Amschel Rothschild, und seiner Frau Adelheid geb. Hertz. Er erhielt seine Ausbildung in verschiedenen Niederlassungen des Hauses Rothschild in Europa, dazwischen studierte er 1837 Jura in Göttingen und 1838 in Berlin. Seit 1843 arbeitete er im Frankfurter Stammhaus der Bank, dessen Leitung er 1855 nach dem Tod seines Vaters und seines Onkels Amschel Mayer zusammen mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm Carl übernahm. 1842 heiratete er Louise von Rothschild (1820–1894), Tochter seines Londoner Onkels Nathan Mayer Rothschild. Gemeinsam hatten sie sieben Töchter, von denen drei Mitglieder der Familie Rothschild heirateten, zwei christliche Adelige: Adele Hannah (1843–1922), Emma Louisa (1844–1935), Clementine, Laura Therese (1844–1931), Hannah Louisa, Margaretha (1855–1901), Bertha Clara (1862–1903).[1] Das Rothschild-Palais am Untermainkai, heute Sitz des Jüdischen Museums Schloss/Villa Günthersburg, Architekt Friedrich Rumpf Rothschild war von 1857 bis 1872 Mitglied der Frankfurter Handelskammer und Mitbegründer der Frankfurter Bank, Konsul von Parma und Bayern und Generalkonsul von Österreich. Er gehörte 1866 der Delegation an, die mit Otto von Bismarck verhandelte, um günstigere Bedingungen für die Annexion der Freien Stadt Frankfurt durch Preußen zu erreichen. 1867 bis 1871 gehörte er der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung an und gleichzeitig dem Norddeutschen Reichstag.[2] 1871 wurde er als erster Jude Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Rothschild und seine Frau traten auch als Sammler und Stifter auf. Seine umfangreiche Bibliothek seiner Villa Günthersburg vermachte er testamentarisch der Stadtbibliothek. Louise von Rothschild stiftete 1865 im Gedenken an ihre jung verstorbene Tochter Clementine das Clementine Kinderkrankenhaus. Die Tradition der Schenkungen und Stiftungen an die Stadt Frankfurt wurde auch von seinen Töchtern fortgesetzt. Rothschilds fünftes Kind, seine Tochter Hannah Luise von Rothschild stiftete 1890 zu seinem Andenken die Heilanstalt Carolinum, die bis heute existiert. Rothschildpalais 1843 erwarb Mayer Carl Freiherr von Rothschild von Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess errichtete klassizistische Haus Untermainkai 15 und ließ es durch Friedrich Rumpf umgestalten. 1887 zog in das Palais die Freiherrlich Carl von Rothschild’sche öffentliche Bibliothek, die Rothschilds Tochter Hannah Luise von Rothschild gegründet hatte und deren Namensgeber Carl von Rothschild wurde. Es ist heute als Rothschildpalais Sitz des Jüdischen Museums.[3] Villa Günthersburgpark 1845 schenkte ihm sein Vater Carl Mayer von Rothschild ein umfangreiches Gelände im Norden der Stadt Frankfurt am Main, die sogenannte Günthersburg. Mayer Carl Freiherr von Rothschild ließ sich von Friedrich Rumpf dort ein neues Herrenhaus, das Palais/die Villa Günthersburg, nebst Park, Teehaus und Orangerie erbauen. Seit 1850 hing hier u. a. auch das berühmte großformatige Gemälde Goethe in der Campagna, das 1786/87 Johann Heinrich Wilhelm Tischbein in Rom malte. Tischbein selbst brachte es 1798 nach Neapel, wo es 1840 Mayer Carl Freiherr von Rothschild während einer Italienreise kaufte und es dann ab 1850 in seine Villa Günthersburg brachte. Seine älteste Tochter Adèle von Rothschild schenkte nach dem Tod ihres Vaters das Gemälde Goethe in der Campagna von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein der Stadt Frankfurt am Main, das sich heute im Städel befindet und zu einem der wichtigsten Werke der Sammlung zählt. Große Teile seiner bedeutenden Silbersammlung aus der Villa Günthersburg sollen sich noch im Chateau Mouton im Familienbesitz befinden. Den Günthersburgpark selbst vermachte er der Stadt Frankfurt am Main mit der testamentarischen Auflage, ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als testamentarische Bedingung verfügte er, das sein von ihm geliebtes klassizistische Herrenhaus, die Villa Günthersburg, vollständig abzureißen sei. Der Gedanke, das Fremde in seiner Villa herumspazierten, war ihm unerträglich. Das Teehaus wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer vernichtet, nur die ehemalige Orangerie blieb von der damaligen Bebauung heute übrig. Grab von Mayer Carl von Rothschild (links) und seiner Ehefrau (rechts) Schloss Rennhof 1853 ließ Mayer Carl Freiherr von Rothschild das Schloss Rennhof im Empirestil im Hüttenfeld, einem Stadtteil/Gemeindeteil von Lampertheim errichten. Das Grundstück liegt in der Nachbarschaft des heute als Rathaus genutzten Schloss Rothschild in Hemsbach, das sein Vater 1839 als Villa (mittlerer Trakt) von dem kurpfälzischen Jagdrat Besen kaufte und zum Schloss im mediterranen Stil mit Flügeln und Ecktürmen erweitern ließ. Bereits ein Jahr nach dem Tod von Mayer Carl Freiherr von Rothschild wurde 1887 das Schloss an einen Fürst Löwenstein-Wertheim-Freudenberg verkauft. Seit dem 16. Februar 1954 ist hier das Litauische Gymnasium Hüttenfeld beheimatet. Siehe auch Nachfahren Mayer Amschel Rothschilds | VON ROTHSCHILD, Mayer Carl (I55614)
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| 4039 | Leben und Wirken Grabmal als Teil des Grabes seines Schwiegersohnes Albert Müller auf dem Essener Ostfriedhof Julius Baedeker machte nach dem Schulbesuch eine Buchhändlerlehre bei seinem ältesten Bruder Karl Baedeker in Koblenz, Gründer und Autor der Baedeker-Reiseführer. Er war Mitglied der Schülerverbindung Euterpier und wurde 1841 Mitglied des Bonner Wingolf. Julius übernahm 1844 zusammen mit seinem Bruder Eduard (1817–1879) das elterliche Geschäft, den G. D. Baedeker Verlag in Essen, der sich aus Buchhandlung, Buchverlag und Druckerei zusammensetzte und infolge um weitere Zweige erweitert wurde. Julius Baedeker heiratete 1849 Berta geborene Barth (* 29. Dezember 1826; † 4. Oktober 1856) und 1859 in zweiter Ehe Clara, geborene Wilberg (* 1837; † 1923)[2]. Julius interessierte sich insbesondere für pädagogische Autoren. Zudem förderte er unter anderem die Herausgabe der Zeitschrift für die gesamte Naturwissenschaft, des Berg- und Hüttenkalenders sowie des Ingenieurkalenders. Zudem war er verantwortlicher Redakteur der Allgemeinen Politischen Nachrichten, die von 1860 bis 1882 die Essener Zeitung und ab 1883 bis 1944, nach Verschmelzung mit der Westfälischen Zeitung, die Rheinisch-Westfälische Zeitung war. Dieses Blatt war bereits 1738 als Neueste Essendische Nachrichten von Staats- und Gelehrtensachen gegründet worden. Julius Baedeker war bis 1883 Leiter der Zeitung und bis 1894 Leiter des Verlages. Julius Baedeker wurde auf dem Friedhof am Kettwiger Tor beigesetzt. Als dieser 1955 aus städtebaulichen Gründen aufgegeben worden war, wurde sein Grab als Teil des Grabes seines Schwiegersohnes, dem Bankier und Geheimen Kommerzienrat Albert Müller auf den Essener Ostfriedhof überführt. Dieser hatte 1882 Julius’ Tochter Emmy Baedeker in Essen geheiratet | BAEDEKER, Julius (I59790)
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| 4040 | Leben und Wirken Hofgartenstraße 8, Sterbehaus von Friedrich Wilhelm von Schadow Grabstätte Richard Hasenclever auf dem südlichen Teil des Golzheimer Friedhofs Richard Hasenclever war der Sohn des Kaufmannes David Hasenclever und der Henriette, geb. Schlosser, sowie Bruder des Kaufmanns Ernst Hasenclever und des Landrates Georg Hasenclever. Er studierte Medizin in Bonn und Berlin. Während seines Studiums wurde er 1832 Mitglied der Burschenschaft Marcomannia Bonn. Danach ließ er sich in Düsseldorf als Arzt nieder. 1845 vermählte er sich mit Sophie (1824–1892), der Tochter von Friedrich Wilhelm von Schadow, die als Dichterin und Übersetzerin bekannt wurde. Später wurde Hasenclever Kreisphysikus in Grevenbroich und leitete ein Militärhospital als Sanitätsrat. 1873 gründete Hasenclever gemeinsam mit Gesinnungsgenossen den Alt-Katholikenverein, aus dem die alt-katholische Gemeinde in Düsseldorf hervorging. Er veröffentlichte die Schrift Das neue Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes im Lichte der Vernunft und der alten Lehre betrachtet (1874), unterzeichnete die Koblenzer Laienadresse und wurde Mitglied der Synodalrepräsentanz. Weiter leitete er Privatgesangvereine und komponierte besonders für Kirchengesang. 1874 schrieb er das Buch Ueber die Grundzüge einer rationellen musikalischen Erziehung. Politisch betätigte sich Hasenclever von 1855 bis 1861 als Abgeordneter Düsseldorfs in der preußischen zweiten Kammer[1] und wurde dann im Wahlkreise Regierungsbezirk Aachen 1 (Malmedy-Montjoie-Schleiden) in den ersten deutschen Reichstag gewählt, wo er als Mitglied der Fraktion der Liberalen Reichspartei zu den entschiedensten Gegnern der ultramontanen Partei gehörte.[2] Die Familie Hasenclever wohnte zuerst in der Hofgartenstraße 8, auch das Sterbehaus des Schwiegervaters, und dann in der Goltsteinstraße 24 am Hofgarten.[3][4] Die Grabstätte von Sophie und Richard Hasenclever befindet sich auf dem südlichen Teil des Golzheimer Friedhofs. Einzelnachweise Kurzbiografie und Bild in: Horst Conrad, Bernd Haunfelder: Preussische Parlamentarier. Ein Photoalbum 1859–1867. (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien). Vorwort von Lothar Gall. Droste Verlag, Düsseldorf 1986, S. 71. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 181; vgl. auch A. Phillips (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Verlag Louis Gerschel, Berlin 1883, S. 113; zur Biographie vergleiche auch: Georg Hirth (Hrsg.): Deutscher Parlaments-Almanach. 9. Ausgabe vom 9. Mai 1871. Verlag Franz Duncker, Berlin 1871, S. 196. Hasenclever, R., Dr. med. u. Sanitätsrath, Hofgartenstr. 8, in Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf, 1859, S. 30 Goltsteinstraße 24, Hasenclever, Dr. med. in Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf, 1865. | HASENCLEVER, Richard (I60890)
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| 4041 | Leben und Wirken Betty Heine wurde als Peira van Geldern in Düsseldorf geboren. Ihre Eltern waren der praktische Arzt Gottschalk van Geldern aus Düsseldorf (1726–1795), „Obervorgänger“ der Judenschaft von Jülich, Kleve und Berg, und dessen Ehefrau Sara, geborene Bock, aus Siegburg.[1] Ihre Vorfahren, darunter ihr Urgroßvater Joseph Jacob van Geldern als Bauherr der ersten Synagoge Düsseldorfs, waren bekannte Hoffaktoren und Ärzte. Sie erhielt eine Schulausbildung, die für Frauen der höheren Schichten als ihrerzeit gewöhnlich angesehen werden kann. Van Geldern verfügte über Kenntnisse der lateinischen, französischen und englischen Sprache, die es ihr ermöglichten, Werke der Weltliteratur in Originalsprache zu studieren. Zu den von ihr bevorzugten Autoren und Werken gehörten Johann Wolfgang von Goethe und Emile oder über die Erziehung von Jean-Jacques Rousseau. Als junge Frau mit den Ideen der Aufklärung gut vertraut, beklagte sie „modische Empfindsamkeit“ und die Kleinstaaterei der Deutschen. Sie orientierte sich am „Wohlanstand“, den sie Konventionen und Etikette vorzog. 1797 heiratete van Geldern, die ihren Vornamen in „Betty“ ändern ließ, den zugezogenen Kaufmann Samson Heine. Das Ehepaar hatte die vier Kinder Heinrich (Geburtsname: Harry), Charlotte, Gustav und Maximilian.[2] Da die jüdische Gemeinde in Düsseldorf Samson Heine nachdrücklich Heirat und Niederlassung verweigerte, nahm Betty Heine am Gemeindeleben fortan nicht mehr teil. Um ihren Kindern eine spätere Assimilierung zu vereinfachen, erzog sie sie aufklärerisch-liberal. Die drei jüngsten Kinder Charlotte, Gustav und Maximilian Heine folgten den Vorstellungen ihrer Mutter. Heinrich Heine dagegen wurde Dichter, was Betty Heine als „brotlose Kunst“ ansah. 1819 musste Samson Heine nach zunächst erfolgreichem Beginn der eigenen Geschäfte Konkurs anmelden. Betty und Samson Heine erhielten in dieser Zeit finanzielle Zuwendungen von Samson Heines Bruder Salomon Heine, der in Hamburg als sehr erfolgreicher Bankier agierte. Das Ehepaar zog von Bad Oldesloe über Lüneburg nach Hamburg. Dort starb Samson Heine 1828. Salomon Heine zahlte Betty Heine nach dem Tod ihres Gatten eine Rente in Höhe von 1000 Mark pro Jahr. Ihren Sohn Heinrich Heine, der seit 1831 seinen Lebensmittelpunkt in Paris hatte, sah Betty Heine nach zwölf Jahren 1843 wieder. Ein Jahr später kehrte er mit seiner Ehefrau Mathilde nochmals nach Hamburg zurück. Da Mathilde Heine keinen Weg fand, sich in die Familie zu integrieren, verließ sie Hamburg vorzeitig. Betty Heine starb im September 1859 in Hamburg und wurde 87 Jahre alt und überlebte ihren berühmt gewordenen Sohn Heinrich um dreieinhalb Jahre. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf (Ilandkoppel) beigesetzt, Planquadrat ZX 12. Betty Heine und die Werke Heinrich Heines Auch wenn Betty Heine das Schaffen ihres Sohnes als Dichter nicht guthieß, schrieb er nur wohlwollend über sie. In seinen Memoiren notierte er: „Ueber meine wirkliche Denkart hat sie sich nie eine Herrschaft angemaßt und war für mich immer die Schonung und Liebe selbst. [...] Sie war sparsam, aber nur in Bezug auf ihre eigne Person; für das Vergnügen Andrer konnte sie verschwenderisch seyn, und da sie das Geld nicht liebte sondern nur schätzte, schenkte sie mit leichter Hand und setzte mich oft durch ihre Wohlthätigkeit und Freigebigkeit in Erstaunen.“[3] Briefe, die Betty Heine und ihr Sohn einander schrieben, zeigen, dass beide eng emotional miteinander verbunden waren. Da Heinrich Heine einen Großteil der Briefe seiner Mutter vernichtete, sind nur wenige dieser Schriftstücke erhalten geblieben. Auf das künstlerische Schaffen ihres Sohnes hatte Betty Heine nur geringen Einfluss. Heinrich Heine bat seine Mutter während seiner Zeit in Paris nur, kleine Geschäfte mit seinem in Hamburg ansässigen Verleger Julius Campe zu tätigen. Heine erwähnte seine Mutter in den Gedichten An meine Mutter B. Heine, geborene v. Geldern, den Nachtgedanken, in Deutschland. Ein Wintermärchen und mehreren anderen Werken. Dabei machte er Angaben zu biografischen Details des Lebens seiner Mutter, die er erfand oder aus stilistischen Gründen verfremdete. Sie sind daher keine belastbare Quelle für das Leben Betty Heines. Literatur Rita Bake: Heine, Betty. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 1. Christians, Hamburg 2001, ISBN 3-7672-1364-8, S. 125–126. | VAN GELDERN, Betty (I60454)
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| 4042 | Leben und Wirken Der Sohn des Eisen- und Papierfabrikanten Eberhard Hoesch (1756–1811) und der Sara Schleicher (1760–1814) erbte gemeinsam mit seinen Brüdern Eberhard Hoesch (1790–1852) und Wilhelm Hoesch (1791–1831) nach dem Tod des Vaters dessen sämtliche Unternehmen, bestehend aus den Papiermühlen in Krauthausen und Schneidhausen sowie den Eisenwerken in Zweifallshammer und Simonskall und welche nun unter Gebrüder Hoesch firmierten. Nach einer Reihe von schlechten Jahren mit sinkenden Eisenpreisen kam es 1819 zur Aufteilung des Unternehmens 1819 und Ludolf wurde im Rahmen einer Verlosung das am höchsten eingeschätzte und 1786 gegründete Werk Krauthausen zugeteilt, während Eberhard und Wilhelm Hoesch gemeinsam die übrigen Werke erhielten. Damit war Ludolf Hoesch der Erste in der Familie, der sich ausschließlich der Papierherstellung widmete. Darüber hinaus erhielt er 1829 noch die Konzession zum Bau der Papiermühle Friedenau in Niederau, einem Nachbarort von Kreuzau. Diese beiden Betriebe stellten die Ausgangsbasis für den Aufschwung der Papierfabriken der Familie Hoesch für die nächsten Jahrzehnte dar. Im Jahre 1841 erwarb Hoesch zusätzliche Anteile an der Papierfabrik Oberste Mühle von Ludolf Schüll (1801–1863) in Kreuzau, welche vor allem durch vorzügliche Post- und Zeichenpapiere Anerkennung gefunden hatte, und nun unter dem Namen Schüll & Hoesch firmierten. Diese Fusion hatte zum Ziel, dem enormen Konkurrenzdruck der ebenfalls in Krauthausen etablierten Papierfabrik Schoellershammer Paroli zu bieten. Ludolf Hoesch stattete das Werk als eines der ersten seiner Art mit einer Dampfmaschine aus und konnte dadurch eine erhebliche Produktionssteigerung bewirken. Doch bereits im Jahre 1846 wurde der Vertrag aufgelöst, da Ludolf Schüll diesen Aufschwung ausnutzen und sein ursprüngliches Werk wieder allein leiten wollte. Hoesch nahm nun die Gelegenheit wahr, sein Krauthausener Werk, welches jetzt auch Hoeschmühle genannt wurde, durch die Aufstellung englischer Papiermaschinen zu modernisieren. Zugleich beteiligte er ab 1846 seine Söhne Matthias Eberhard Ludolf (1818–1868), Wilhelm Edmund (1820–1891) und Eduard Hoesch (1821–1894) an seinen Unternehmen und firmierten jetzt gemeinsam als Hoesch & Söhne. Ein Jahr vor Ludolf Hoeschs Tod im Jahre 1857 ging sein früherer Kompagnon Ludolf Schüll in Konkurs und Eduard Hoesch hatte nun die Gelegenheit ergriffen, das Werk Oberste Mühle erneut für den Familienbesitz zu erwerben. Nach Ludolf Hoeschs Tod wurde das Gesamtunternehmen Hoesch & Söhne aufgelöst und anteilsmäßig an seine drei Söhne übertragen. Daraus entstanden neben dem bereits oben genannten Werk Oberste Mühle in den Folgejahren auch das Unternehmen Gebr. Hoesch GmbH mit dem Werk Friedenau und der zwischenzeitlich übernommenen Werk Mittleren Mühle in Kreuzau-Niederau sowie das Unternehmen Ludolf & Emil Hoesch auf der Hoeschmühle in Krauthausen. Aus dem Werk Ludolf & Emil Hoesch gingen später die Firmen Eugen Hoesch & Orthaus (1885) und Paul Emil Hoesch KG hervor, die mittlerweile alle nicht mehr existieren. Das Werk Friedenau ging auf Ludolfs Enkel Heinrich Arthur Hoesch über, wurde 1939 von den Melitta-Werken AG erworben und 1981 stillgelegt. Auf dem Gelände dieser ehemaligen Papierfabrik wurden 1987 neue Montagekapazitäten für Whirlwannen und -pools für die Badewannenfabrik Hoesch Metall- und Kunststoffwerk geschaffen, die aus dem familieneigenen Hüttenbetrieb in Haus Schneidhausen hervorgegangen ist und heute zu den größten Badewannenherstellern Europas zählt. Die Fabrik in Kreuzau-Niederau übernahm Ludolfs zweiter Enkel Walter Hoesch (1851–1916), aus der sich ein führender Anbieter weiß gedeckter Wellpappenrohpapiere für die Verpackungsindustrie entwickelt hat. 1993 wurde Gebr. Hoesch von der Schweizer Firma Sihl übernommen, die im darauf folgenden Jahr die Produktion in Kreuzau-Niederau einstellte. Teile der Werksanlagen wurde anschließend von der Papierfabrik Niederauer Mühle übernommen. Der Sohn von Walter, Professor der Chemie Kurt Hoesch (1882–1932), war Kreuzau weiterhin verbunden geblieben und machte sich unter anderem als Sponsor für den örtlichen Sport verdient. Nach ihm wurde die Sportanlage in Kreuzau Kurt-Hoesch-Kampfbahn benannt. Ludolf Matthias Hoesch war verheiratet (1813) mit Juliane Schleicher (1793–1868), mit der er neben den bereits erwähnten Söhnen noch die Tochter Maria Emma (1814–1845) hatte, die 1833 den späteren Kölner Zuckerfabrikanten (Pfeifer & Langen) Emil Pfeifer (1806–1889) ehelichte. (In der „Chronik der Familie Pfeifer“ eine etwas abweichende Schreibweise: Ludolph Mathias Hoesch und Frau Maria Agnes Julie, geb. Schleicher. Diese Chronik wurde um 1975 veröffentlicht, aber nur innerhalb der Familie Pfeifer verteilt.) | HOESCH, Ludolf Matthias (I47540)
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| 4043 | Leben und Wirken Der Sohn des Webers Martin Kirdorf (1811–1847) und der Amalie Dickens (* 1811) und älterer Bruder des Industriellen Emil Kirdorf besuchte nach dem 1862 am Realgymnasium in Düsseldorf abgelegten Abitur[1] die Webschule in Mülheim am Rhein, um nach dem frühen Tod des Vaters die Handweberei Burberg & Kirdorf in Mettmann zu übernehmen, die zwischenzeitlich von einem Onkel geführt wurde. Dazu kam es jedoch nicht mehr, da das Unternehmen 1870 in Konkurs ging, weil die Leitung den für einen wirtschaftlichen Aufschwung erforderlichen Anschluss an die in den 1860er Jahren einsetzende Mechanisierung verpasst hatte. Auf Grund dieser negativen Entwicklung hatte Adolphs Onkel den Freitod gewählt. Stattdessen übernahm Kirdorf eine Stelle als technischer Direktor bei der mechanischen Weberei Simons & Frowein in Leichlingen und anschließend bei der Dortmunder Union, wo er auch Prokura erhielt. Im Jahr 1875 berief man ihn schließlich zum kaufmännischen Leiter des Aachener Hütten-Aktien-Vereins Rothe Erde, um diesen nach der Gründerkrise und mehrfachem Besitzerwechsel neu aufzustellen und zu sanieren. Nachdem bereits zwei Jahre vor seinem Dienstantritt in Aachen das Bessemer-Verfahren eingeführt worden war, setzte Kirdorf die weitere Modernisierung des Mischbetriebs konsequent fort. Neben dem weiterhin bestehenden Siemens-Martin-Ofen wurde im Jahr 1880 auf seine Initiative hin vom Aachener Hütten-Aktien-Verein als eine der ersten Hütten in Deutschland die Stahlproduktion nach dem Thomas-Verfahren aufgenommen. Da es in Rothe Erde keine Hochöfen gab, in denen das Eisenerz zu Roheisen verhüttet werden konnte, erwarb Kirdorf ab 1892 zu diesem Zweck mehrere Hochofenwerke und Zechenbetriebe sowohl in Esch-sur-Alzette in Luxemburg, das zum Gebiet des Deutschen Zollvereins gehörte, als auch in der Gemeinde Audun-le-Tiche / Deutschoth in Lothringen, das seit 1871 Teil des Deutschen Reichs war. Die benötigte Kohle- und Koksmengen erhielt er von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, wo sein Bruder Emil zu jener Zeit ebenfalls als kaufmännischer Direktor tätig war. Kirdorfs Strategie zahlte sich aus und bis 1887 nahm der Aachener Hütten-Aktien-Verein mit einer Rohstahlerzeugung von rund 500.000 Tonnen den ersten Platz unter den deutschen Stahlwerken ein und steigerte dieses Ergebnis bis 1890 auf über eine Million Tonnen Rohstahl. Im Jahr 1904 gehörte Adolph Kirdorf zu den Mitbegründern des Stahlwerksverbands in Düsseldorf, der zum Ziel hatte, die heterogene Produktion der eisenverarbeitenden Industrie in einem Wirtschaftskartell beziehungsweise Syndikat zusammenzuschließen und der infolgedessen zusammen mit dem oberschlesischen Stahlwerksverband die gesamte deutsche und luxemburgische Stahlindustrie beherrschte. Dieser vertrat somit unter anderem auch die Interessen des Aachener Hütten-Aktien-Vereins. Weiterhin ging Kirdorf zusammen mit dem Schalker Gruben- und Hüttenverein zum 1. Januar 1905 eine Interessengemeinschaft ein, die schließlich im Jahr 1907 in einer formalen Fusion unter dem Dach der Gelsenkirchener Bergwerks-AG mündete, wo sein Bruder Emil mittlerweile zum Generaldirektor aufgestiegen war. Im Jahr 1906 veranlasste Adolph Kirdorf die Angliederung der Eschweiler Drahtfabrik an den Aachener Hütten-Aktien-Verein, da diese in jenem Jahr durch ein Hochwasser der Inde schwer beschädigt worden war. Schließlich begann er im Jahr 1910, wiederum zusammen mit seinem Bruder, noch die nach ihnen benannte Adolf-Emil-Hütte im luxemburgischen Esch-sur-Alzette zu errichten, um mit den lothringisch-luxemburgischen Erzvorräten weiter in der Stahlindustrie zu expandieren. Diese 1912 fertiggestellte Hütte galt als eine der modernsten Anlagen ihrer Zeit. Damit gehörte der Aachener Hütten-Aktien-Verein mit mittlerweile elf Hochöfen neben der einheimischen Arbed mit 15 Hochöfen und der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG mit neun Hochöfen nunmehr auch zu den bedeutendsten Unternehmen der Schwerindustrie in Luxemburg. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem damit verbundenen Zusammenbruch der Rohstoffversorgung sowohl auf Grund des Wegbrechens der Hütten und Zechen in Lothringen und des Austritts Luxemburgs aus dem Deutschen Zollverein als auch durch den Verlust der Absatzmärkte im Osten Deutschlands durch die Alliierte Rheinlandbesetzung war Kirdorf gezwungen, sein Unternehmen an das französisch-belgisch-luxemburgische Konsortium Société Métallurgique des Terres Rouges unter Führung des Luxemburger Stahlkonzerns Arbed zu verkaufen. Adolph Kirdorf, dessen Verantwortungsbewusstsein geprägt war durch den frühen Tod seines Vaters und den Bankrott des väterlichen Unternehmens, befürwortete stets eine Politik des sozialen Ausgleichs. Der soziale Friede und ein offenes Verhältnis zu seiner Arbeiterschaft war für ihn, der sich politisch der Nationalliberalen Partei zugeneigt fühlte, die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung seines Unternehmens. Für seine Verdienste wurde Kirdorf zum Geheimen Kommerzienrat ernannt und im Jahr 1912 mit der Ehrendoktorwürde (als Dr.-Ing. E. h.) der RWTH Aachen geehrt. Adolph Kirdorf fand seine letzte Ruhestätte auf dem Heißbergfriedhof Burtscheid/Aachen. | KIRDORF, Heinrich Adolph Elogius (I47538)
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| 4044 | Leben und Wirken Der Sohn von Eduard Simson, der 1888 in den preußischen erblichen Adelsstand erhoben wurde, ging nach Studien an der Universität Königsberg, wo er 1860 über Einhards Beteiligung an den Reichsannalen promoviert wurde, und an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität zunächst in den Schuldienst, um dann in den Archivdienst zu wechseln, bevor er 1863 an der Jenaer Universität habilitierte und ab 1874 in Freiburg im Breisgau seine Lebensstellung als Geschichtsprofessor an der Albert-Ludwigs-Universität fand (seit 1874 als Extraordinarius, seit 1877 als ordentlicher Professor). Simson legte eine Reihe von materialreichen Arbeiten vor allem zur mittelalterlichen Geschichte vor. Er war Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica und der Allgemeinen Deutschen Biographie. 1887 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Bernhard von Simson starb am 15. August 1915 im Alter von 75 Jahren in Charlottenburg. Beigesetzt wurde er am 18. August auf dem Berliner Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor. Das Grab ist nicht erhalten.[1] | VON SIMSON, Bernhard (I60084)
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| 4045 | Leben und Wirken Dietrich Wilhelm Heinrich Busch wurde in einer Marburger Arztfamilie geboren. Sein Großvater Johann Jakob Busch und sein Vater Johann David Busch waren Professoren an der Universität Marburg. Dietrich Wilhelm Busch studierte ab 1804 an der Marburger Universität ebenfalls Medizin. 1808 wurde er dort bei seinem Vater promoviert. Zwischen 1806 und 1814 war er mehrfach als Chirurg in Lazaretten tätig. 1814 wurde Busch zum Generalstabsarzt des hessischen Armeecorps und zum außerordentlichen Professor für Chirurgie, sowie 1817 zum ordentlichen Professor an der Universität Marburg ernannt. Nach Ende der Napoleonischen Kriege widmete er sich mehr und mehr der Geburtshilfe, so dass er 1820 zum Professor für Geburtshilfe berufen wurde. In dieser Eigenschaft war er auch Direktor der geburtshilflichen Klinik. 1827 war er Prorektor und damit Leiter der Universität. Nach dem Tod von Adam Elias von Siebold (1775–1828) wurde Dietrich Wilhelm Busch als dessen Nachfolger 1829 an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin berufen. Franz Naegele (1778–1851) aus Heidelberg hatte den Ruf zuvor abgelehnt. Zu Buschs Schülern gehörten in Berlin Carl Siegmund Franz Credé, Karl von Hecker und Bernhard Sigmund Schultze. Er war fünfmal Dekan, sowie von 1835 bis 1836 und 1849 bis 1850 Rektor der Berliner Universität. Unter Buschs Direktorat zog die Geburtsklinik von der Oranienburger Straße in die Dorotheenstraße um. Er leitete die Klinik für Geburtshilfe bis zu seinem Tode kurz vor Vollendung des 70. Lebensjahres. Zu seinem Nachfolger wurde Eduard Arnold Martin (1809–1875) aus Jena berufen. Der Chirurg Karl David Wilhelm Busch war der Sohn von Dietrich Wilhelm Heinrich Busch. Freimaurerei Busch ist 1812 in die Marburger Freimaurerloge Marc Aurel zum flammenden Stern aufgenommen worden, in der auch sein Vater Mitglied war; er fungierte zeitweise als deren Meister vom Stuhl. Später ist er der Loge Zum Pilgrim in Berlin beigetreten. Ab 1834 war er für 15 Jahre Landes-Großmeister der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland. Schriften (Auswahl) Einrichtung der geburtshülflichen Klinik in der Akademischen Entbindungs-Anstalt zu Marburg. Dissertation, Universität Marburg 1808 Observata quaedam de febre puerperali. Marburg 1927 Lehrbuch der Geburtskunde. Marburg 1829 Die theoretische und praktische Geburtskunde durch Abbildungen erläutert. Hierzu ein Atlas von 50 Steindrucktafeln in Folio. 1838 Das Geschlechtsleben des Weibes in physiologischer, pathologischer und therapeutischer Hinsicht. 5 Bände, 1839–1844 Atlas geburtshülflicher Abbildungen mit Bezugnahme auf das Lehrbuch der Geburtskunde. 1841 mit A. Moser: Handbuch der Geburtskunde in alphabetischer Ordnung. 4 Bände, 1840–1843 | BUSCH, Diedrich Wilhelm Heinrich (I48329)
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| 4046 | Leben und Wirken Er war ein Enkel des Grafen Friedrich von Luxemburg und der Irmtrud von der Wetterau, einer Tochter des Grafen Heribert von der Wetterau, durch deren Ehe die Burg Gleiberg mit den dazugehörigen Besitzungen nach dem Tod Heriberts an das Luxemburger Grafengeschlecht gekommen war. Hermann II. von Gleiberg wird häufig mit seinem Vetter Hermann von Salm verwechselt, dem Sohn seines Onkels Giselbert von Luxemburg. Hermann von Salm stand als einziges Mitglied seiner Luxemburger Sippe im Lager der Gegner von König Heinrich IV. und wurde 1081 zum Gegenkönig gewählt. Hermann von Gleiberg hingegen war ein loyaler Gefolgsmann Heinrichs IV. und zeichnete sich insbesondere während dessen Kriegs gegen die sächsischen Rebellen in den Jahren 1073 bis 1075 aus. Der Chronist Lampert von Hersfeld berichtet in seinen „Annales“ von der Schlacht Heinrichs am 9. Juni 1075 bei Homburg an der Unstrut gegen das sächsische Bauernheer unter Otto von Northeim: „Die Schlacht hatte sich bereits vom Mittag bis zur neunten Stunde hingezogen, und es war schon nahe daran, daß sich zwei Heerhaufen zweier Länder, Schwaben und Bayern, zur Flucht wandten, und wiederholt meldeten Boten dem König, daß ihre Leute in höchster Gefahr seien, da rückten plötzlich Graf Hermann von Gleiberg auf der einen, auf der anderen Seite die Bamberger Mannen zum Angriff heran. Jetzt wirft auch der Herzog von Böhmen, jetzt der Herzog Gozelo von Lothringen ihre Reiter mit verhängten Zügeln in den Kampf. Diesem gewaltigen Ansturm konnten die Sachsen nicht mehr standhalten und wichen langsam zurück.“ | VON GLEIBERG, Hermann II. (I61307)
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| 4047 | Leben und Wirken Fromet Gugenheim kam als älteste Tochter des Kaufmanns Abraham Gugenheim in Altona zur Welt. Zu ihren Vorfahren gehörte der Wiener Hofbankier Samuel Oppenheimer (1630–1703). Der Arzt Aaron Emmerich Gumpertz (1723–1769) machte sie 1761 mit dem Philosophen Moses Mendelssohn bekannt. Dieser teilte seinem Freund Gotthold Ephraim Lessing in einem Brief mit, dass Fromet Gugenheim zu diesem Zeitpunkt kein Vermögen besaß und „weder schön noch gelehrt“ sei. Beide beschlossen zu heiraten. Moses Mendelssohn vermittelte seiner zukünftigen Ehefrau Privatunterricht bei Johann Joachim Christoph Bode. In der Zeit vor der Heirat führten sie einen Briefwechsel, von dem die Ausführungen Mendelssohns erhalten geblieben sind. Den Dokumenten ist zu entnehmen, dass beide einander wirklich liebten. Entgegen den damaligen Gepflogenheiten unter Juden schlossen sie bei ihrer Hochzeit am 22. Juni 1762 in Berlin keinen Ehevertrag. Von 1763 bis 1782 gebar Fromet Mendelssohn zehn Kinder, von denen vier früh verstarben. Neben den drei Töchtern Brendel, Recha und Henriette erreichten die Söhne Joseph, Abraham und Nathan das Erwachsenenalter. Zu ihren Enkeln gehörten der Maler Philipp Veit, der Geograph Georg Benjamin Mendelssohn, die Bankiers Alexander Mendelssohn und Paul Mendelssohn-Bartholdy sowie die Komponisten Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy. Neben der Arbeit im Haushalt übernahm Fromet Mendelssohn auch die geschäftliche Korrespondenz ihres Mannes, wenn dieser nicht anwesend war. Sie galt als leidenschaftliche Theaterbesucherin. Da sie Kontakte mit Gotthold Ephraim Lessing und Johann Jakob Engel pflegte, nahm sie auch Einfluss auf das kulturelle Leben in Berlin. Dies ist dokumentiert in den wenigen Briefen, die von ihr aus der Zeit zwischen 1773 und 1775 erhalten sind. Der Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz beim Jüdischen Museum Berlin Moses Mendelssohn starb Anfang 1786. Die verwitwete Fromet Mendelssohn lebte von 1787 bis 1800 bei ihrer Tochter Recha Meyer in Neustrelitz und ging nach deren Scheidung gemeinsam mit ihr zurück nach Altona. Aus der Zeit in Berlin hatte sie einen 1774/75 von ihr und ihrem Gatten in Auftrag gegebenen Toravorhang mitgebracht, der vermutlich aus ihrem Brautkleid angefertigt worden war. Dieser Toravorhang wurde im Jahr 1805 der großen Altonaer Synagoge geschenkt. Heute kann er im Jüdischen Museum Berlin im Sammlungsbereich „Angewandte Kunst“ besichtigt werden.[1] Fromet Mendelssohn starb am 5. März 1812. Ihre Beisetzung erfolgte drei Tage später auf dem Jüdischen Friedhof in Altona, wo ihr im Jahr 2009 restaurierter Grabstein zu den prominentesten Gräbern des Friedhofs gehört.[2][3] Restauriertes Grab Fromet Mendelssohns auf dem jüdischen Friedhof in Altona Ehrungen Nach dem Ehepaar Mendelssohn wurde nach langen Querelen am 26. April 2013 der Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz vor dem Jüdischen Museum in Berlin-Kreuzberg benannt.[4] | GUGGENHEIM, Fromet (I60104)
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| 4048 | Leben und Wirken Georg Ernst Reimer war Sohn von Georg Andreas Reimer. Wie Bismarck besuchte er als Adeliger die Plamannsche Erziehungsanstalt. Nach dem Abschluss der Schule studierte er in Berlin und Bonn unter anderem bei dem Historiker Barthold Georg Niebuhr. In religiöser Hinsicht blieb er ein Anhänger von Friedrich Schleiermacher, der auch sein Pate gewesen war. Im Jahr 1826 trat er in den Buchhandel und Verlag seines Vaters ein. Nach dessen Tod wurde er 1842 Leiter des Unternehmens. 1847 wurde der graphische und Kunstverlag ausgegliedert. Dessen Leitung übernahm der Bruder Dietrich Reimer. Georg Ernst Reimer verlegte 1858 den Betrieb und seine Wohnung aus der Wilhelmstraße zur Anhaltstraße. Der Verlag widmete sich weiterhin der Herausgabe wissenschaftlicher Literatur. Neben Werken namhafter Wissenschaftler erschienen in seinem Verlag auch die Protestantische Kirchenzeitung sowie die Preußischen Jahrbücher. Der Sohn Ernst Reimer wurde 1865 Prokurist und 1876 Teilhaber. Im Jahr 1884 ging der Betrieb ganz auf diesen über. Reimer war auch interessenpolitisch für den Buchhandel tätig. In den Jahren 1850 bis 1852 war er Vorsteher des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler. Auch an der Kommunal- und Landespolitik beteiligte sich Reimer. Er zählte zu den sogenannten Altliberalen. Er gehörte zwischen 1846 und 1872 der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Dort fungierte er zeitweise als stellvertretender Vorsitzender. Zwischen 1852 und 1861 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Literatur Fritz Jonas: Reimer, Georg Ernst. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 712 f. Reimer, Georg Ernst. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 8: Poethen–Schlüter. K. G. Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-25038-5, S. 279 (google.de – eingeschränkte Ansicht). | REIMER, Georg Ernst (I59833)
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| 4049 | Leben und Wirken Gundelinde wurde im Kloster Hohenburg auf dem Odilienberg erzogen. Gründerin und Äbtissin des Klosters war ihre Tante Odilia. Später trat Gundelinde, wie auch ihre Schwestern Eugenia und Attala, in das Kloster Hohenburg als Ordensfrau ein. Anfang des 8. Jahrhunderts regierte Odilia auf den Zustrom kranker Pilger zum Odilienberg durch Gründung eines Spitals, südlich des Berges gelegen. Zur Betreuung der Kranken siedelte sie einen Konvent ihrer Klosterfrauen dort an, unter ihnen Gundelinde. Die Niederlassung entwickelte zunehmende Eigenständigkeit und wurde schließlich zum Kloster Niedermünster ausgebaut. Nach dem Tod Odilias (um 720) wurde Niedermünster zur Abtei und Gundelinde die erste Äbtissin. Dort blieb sie zeitlebens; sie starb nach 720 und wurde in der Klosterkirche beigesetzt. Verehrung als Heilige Relief über dem Westportal der Klosterkirche von Niedermünster. Gundelinde wurde nach ihrem Tod als Heilige verehrt, vermutlich in Anerkennung ihrer Verdienste um die Kranken und den Aufbau des Klosters. Ihre Gebeine wurden später erhoben und in der Klosterkirche an hervorgehobener Stelle beigesetzt.[1] Gundelinde war, zumindest zeitweise, neben der Gottesmutter Maria Patronin der Klosterkirche.[2] Ein Relief über dem Westportal zeigt vermutlich Gundelinde und Maria flankierend neben Jesus Christus.[3] Ein Glasfenster des Straßburger Münsters aus dem 14. Jahrhundert zeigt Gundelinde im Kreis weiterer Heiliger.[4] Nach dem Untergang des Klosters im 16. Jahrhundert wurden ihre Gebeine in das Kloster Einsiedeln überführt. Ihr Gedenktag ist der 28. März, ein eigenes liturgisches Fest ist jedoch nicht überliefert. | VON TOURS, Gundelinde (I61413)
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| 4050 | Leben und Wirken Herkunft Adalbert wurde als ältester Sohn des Elsässerherzogs Eticho geboren, der dem Volk der Burgunden entstammte und als Dux im Pagus Attoriensis, dem Gebiet zwischen Dijon und Langres begütert und einflussreich war, bevor er die Herzogswürde des Elsass übernahm. Sein Urgroßvater Amalgar gehörte zu den mächtigsten Adelsvertretern in Burgund und über seine Urgroßmutter Aquilina, der Tochter des Herzogs Waldelenus bestand eine direkte Verwandtschaft mit jener burgundischen Adelsfamilie, die in den folgenden zwei Jahrhunderten als Sippe der Waltriche zu einer der einflussreichsten Familien im Fränkischen Reich aufsteigen sollte. Seine Mutter, Bertswinda (auch Berswinda) war nach den Aufzeichnungen des Klosters Ebersheimmünster, dem Chronicon Ebersheimense, eine Nichte des heiligen Leodegar von Autun und Schwester Chimnechilds, der Ehefrau des austrasischen Königs Sigibert III. Die Namensgebung für den Herzogssohn folgte dem im Frühmittelalter häufig verbreiteten Brauch, den Sohnesnamen des Erstgeborenen durch eine Kombination aus Namensgliedern der Eltern zu bilden – Adalbert erhielt seinen Namen aus der Kombination des Erstglieds seines Vaternamens Adal(-ricus) mit dem Erstglied des Mutternamens Bert(-swinda). Adalbert war ein Bruder der heiligen Odilia, der noch heute verehrten Schutzpatronin des Elsass und des Augenlichts. Komitat und Herrschaft als Herzog Nach der Ernennung zum Dux des Elsass nutzte Eticho die politischen Wirren in der Spätphase der Merowingerherrschaft geschickt dazu aus, die bis dahin personengebundene Führung des Dukates, welche die Ernennung durch den König bedingte, in eine quasi unabhängige und familienerbliche Herzogsherrschaft umzugestalten. Auch das Amt des Comes oder Grafen, der im Gegensatz zum Dux keine militärische Aufgabe, sondern ausschließlich die Leitungsfunktion der Verwaltung innehatte, wurde in die Transformationspolitik Etichos mit einbezogen. Sind für die Frühzeit des etichonischen Hauses noch die Comites Rodebert und Erich nachgewiesen, die sicher nicht der herzoglichen Familie zuzurechnen sind, so wurde in der Folgezeit das Amt stets dem erstgeborenen Sohn des Herzogs verliehen. Dementsprechend wird Adalbert auch in einem Diplom Theuderichs III. vom 9. Februar 683 als Comes des Sundgau erstmals urkundlich erwähnt – offenkundig diente seine Ernennung dazu, ihm die Verwaltungsabläufe des Herzogtums näher zu bringen und ihn dergestalt auf die Nachfolge für seinen Vater im Amt des Herzogs vorzubereiten. Als Eticho am 20. Februar 690 verstarb, ging die Herzogswürde im etichonischen Selbstverständnis auf Adalbert über; in den zeitgenössischen Quellen ist von einer Beteiligung Theuderichs III. oder dessen übermächtigen Hausmeier Pippin an der Erhebung zum Dux nichts überliefert. Im Gegensatz zur Herrschaftsausübung seines Vaters, die sich überwiegend auf das Oberelsass und insbesondere die Region um den Odilienberg konzentrierte, wandte sich Adalbert verstärkt dem Nordgau zu, um die herzogliche Macht der Etichonen auch dort vollständig zur Geltung zu bringen. Von wo aus Adalbert sein Herzogtum im Norden regierte, lässt sich aus den wenigen erhaltenen Zeitzeugnissen nicht mehr bestimmen; seine Klostergründungen sowie die Neuanlage eines Suburbiums im späteren Stadtteil Königshofen deuten aber auf die Region um Straßburg hin.[1] 718 gründete er Kirche und Kloster St. Stephan an der Breusch, und 721 errichtete er in Königshofen einen Palast.[2] Letztmals als Dux ist Adalbert für den Juni des Jahres 722 im Rahmen einer Donation für die Klostergründung Hohenaugia urkundlich belegt; die Forschung geht gemeinhin davon aus, dass Adalbert im Laufe des Jahres 723 verstarb, da seine Söhne bereits im Dezember des Jahres der genannten Klostergründung den ererbten Besitz des Vaters schenkten.[3] Nach der Vitae Odiliae, die freilich erst in der Mitte des 9. Jahrhunderts entstand, wurde Adalbert von einem rachsüchtigen Diener in seiner Herzogsresidenz auf dem Odilienberg ermordet.[4] Kloster St. Stephanus und Abtei Honau Ehemalige Klosterkirche St. Stephanus Um das Jahr 718[2] gründete Adalbert an der Breusch[5][6] innerhalb der Stadtmauern von Straßburg auf herzoglichem Grundbesitz ein dem heiligen Stephanus geweihtes Frauenkloster; zur ersten Äbtissin bestimmte er seine Tochter Attala. Die nach dem Vorbild des Klosters Hohenburg geschaffene Abtei wurde von ihrem Gründer so reich ausgestattet, dass sie eine der wohlhabendsten des Elsass wurde. Der Chor der Klosterkirche diente gleichzeitig als Grablege für die Familie Adalberts – er selbst wurde auf der rechten Seite bestattet, seine beiden Ehefrauen sowie die Töchter Liutgard und Savina linker Hand begraben.[7] Neben St. Stephanus sowie den von seinem Vater gegründeten Abteien Odilienberg und Ebersmünster galt Adalberts besondere Aufmerksamkeit dem Kloster Hohenaugia. Um 720 erteilte er einer Gruppe irischer Mönche die Erlaubnis, auf einer heute untergegangenen Rheininsel, knapp 25 Kilometer nördlich von Straßburg gelegen, eine Abtei zu gründen und stattete die Einrichtung reich mit Besitzrechten im Stadtgebiet von Straßburg aus. Das Kloster diente in der ersten Phase der iroschottischen Mission als Ausgangspunkt für Wandermönche und förderte durch die Verehrung der aus Irland mitgebrachten Reliquien der heiligen Brigida von Kildare selbst die Christianisierung des elsässischen Nordens. Darüber hinaus verfolgte Adalbert mit der Niederlassung irischer Mönche, die für ihre Gabe der Kultivierung unwirtlicher Gebiete hohes Ansehen genossen, auch den Zweck, die Gebiete um die Abtei Honau urbar zu machen und somit dem wirtschaftlichen Gewinnstreben des Herzogs zu erschließen. | VON TOURS, Adalbert (I36631)
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