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| 3951 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60526)
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| 3952 | Leben Kindheit und Ausbildung Caesar Wollheim kam am 21. April 1814 als drittes von fünf Kindern des Kaufmanns Samuel Wollheim (1779–1849) und seiner Frau Sarah (1780–1818), geborene Rawitz, zur Welt. Der Arzt und Politiker Hermann Wollheim war sein jüngerer Bruder. Nach dem Tod seiner Ehefrau 1818 heiratete sein Vater Henriette Kleczewska, mit der er weitere Kinder hatte. Der spätere mexikanische Botschafter Mauricio Wollheim war sein Halbbruder. Nach Abschluss seiner Schulbildung als Zwölfjähriger wählte er zunächst eine technische Ausbildung als Schlosser[1][2] und spezialisierte sich zum Maschinenbauer und Techniker.[3] Die technische Karriere befriedigte ihn nicht und so wechselte er zur kaufmännischen Seite. Mit 15 Jahren trat er in Berlin in die Buchhaltung der Dannenberger'schen Kattunfabrik ein[1], die sich seit 1812 an der Köpenicker Straße 6a–7 in Berlin befand. Im Herbst 1838 verkaufte J.F. Dannenberger die Fabrik an das Handlungshaus Nauen, Loewe et Comp.[4] Deren Inhaber C. S. Nauen beschäftigte Wollheim auch als Buchhalter in seinem Handlungshaus.[5] In der Kattunfabrik arbeitete sich Caesar Wollheim zu einer leitenden Stellung hoch und wurde durch seine eminente Rednergabe Haupthandlungsreisender der Fabrik. Seine Reisen führten ihn nach Griechenland, in den Orient und bis nach Ägypten.[2] Etablierung und Anfänge als selbständiger Kaufmann Mit 26 Jahren etablierte er sich auch gesellschaftlich. In den Judenbürgerbücher, dem Verzeichnis der zwischen 1808 und 1851 in Berlin eingebürgerte Jüdinnen und Juden, erfolgte der Eintrag seiner Einbürgerung am 11. Oktober 1840.[6] Am 17. Dezember 1840 nahm die Corporation der Berliner Kaufmannschaft den jungen Kaufmann als Mitglied auf.[7] 1854 heiratete er in Wien Caroline Pollack (7. August 1830–15. April 1910).[8] Gemeinsam hatten sie vier Kinder. Ihre älteste Tochter Hermine, geboren 1855, heiratete den Kaufmann Otto Feist (1847–1912) und war eine bedeutende Porzellansammlerin. Martha (1857–1942) heiratete den Augenarzt Max Reichenheim. Der einzige Sohn David Emil Wollheim, geboren am 28. Februar 1858 verstarb noch als Säugling am 28. Februar 1859. Die jüngste Tochter Else (1858–1904) war die erste Frau des Chemikers und Industriellen Franz Oppenheim, Vorstandsvorsitzenden der Agfa. Der betriebsame Wollheim handelte anfänglich mit unterschiedlichsten Waren wie Getreide, Textilien, Eisen und Schrott.[7] Er versuchte sich aber auch als Produzent und beteiligte sich 1856 an der Kammgarnspinnerei und -Weberei in Marklissa/Niederschlesien mit S. Woller[9] und betrieb von 1858 bis 1860 ein Verkaufslokal der Fabrik in Berlin an der Heiliggeiststraße.[10][11][12] Einstieg in den Kohlehandel Mit dem Kohlehandel kam er über den befreundeten Kohlegroßhändler Emanuel Friedländer in Gleiwitz in Kontakt. Er arbeitete zunächst als Vertreter von Friedländer & Co. und lernte den Handel und die Marktverhältnisse kennen.[13] Schnell erkannte er das Potential der oberschlesischen Kohle. Zum rasant wachsenden Kohlebedarf Berlins kam die günstige Lage als am nächsten bei Berlin gelegenes Kohlerevier, der im Vergleich zur englischen Kohle günstigere Preis ab Grube sowie die verbesserten Transportmöglichkeiten neben dem bisherigen Transport auf dem Wasserweg auf Spree und Oder durch den Bau der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn und der Oberschlesischen Eisenbahn. So machte er sich 1856 zum selbständigen Kohlegroßhändler.[7] In den 1860er Jahren gelang es ihm, die englische Kohle immer weiter vom Berliner Markt zu verdrängen und eine marktbeherrschende Stellung zu erlangen. Zu seinen Kunden in Berlin zählten die städtischen Gasanstalten und die englische Gasanstalt der Imperial Continental Gas Association, Maschinenfabriken wie Borsig oder L. Schwartzkopff, Chemiefabriken wie Kuhnheim & Co. oder Eisenbahngesellschaften, dazu kam die Verwendung als Brennstoff im Hausbrand.[14] Der erste Eintrag der Handelsgesellschaft Caesar Wollheim im Berliner Firmenregister, dem Vorgänger des Handelsregisters, erfolgte am 28. Mai 1862.[15] In diesem Jahr endete auch seine Verbindung zur Dannenberger'sche Kattunfabrik, als Benjamin und Louis Liebermann, Onkel und Vater von Max Liebermann diese übernahmen.[2] Trotz der Dominanz der oberschlesischen Steinkohle handelte Wollheims Firma auch weiterhin mit westfälischer Kohle, englischem Koks, Roheisen, Alteisen und Metallen, vor allem Blei, Rapsöl, Holz und weniger erfolgreich mit Getreide. Der Eisenhandel erfolgte mit Hilfe seines älteren Bruders Louis Wollheim (1812–1871), der in Breslau als Eisenhändler lebte.[16] Diese weiteren Geschäftszweige verkleinerten sich aber stetig zugunsten der Steinkohle und wurden schließlich aufgegeben.[14] Zu seinen vielfältigen geschäftlichen Aktivitäten gehörte auch das Versicherungsgeschäft. Von 1864 bis 1866 war er General-Agent, später Generalbevollmächtigter der Zweigniederlassung der Frankfurter Lebensversicherung in Preußen mit Geschäftslokal an der Behrenstraße 59. Seine Generalvollmacht erlosch am 1. Juni 1866.[17] Der Deutsche Krieg 1866 bedeutete einen schweren Einbruch im Geschäft mit der oberschlesischen Steinkohle, da die Abnehmer mit einer langen Kriegsdauer und der Besetzung der oberschlesischen Kohlereviere rechnete. Daher kehrten viele zur wegen der Versorgungssicherheit zu englischer Kohle zurück. Expansion Im Herbst 1863 war Eduard Arnhold als Lehrling in die Firma eingetreten.[18] Er bewährte sich schnell bei vielen Aufgaben und zwischen den beiden entwickelte sich eine Freundschaft und ein Vertrauensverhältnis, das sich auch darin äußerte, dass Wollheim den Zweiundzwanzigjährigen 1873 zum Prokuristen beförderte.[19] Zu den Aufgaben Arnholds gehörte in Abwesenheit des Firmenchefs auch die Verwaltung und tägliche Berichterstattung zu Wollheims Geschäften an der Börse, für die er sich in den 1860er Jahren stark interessierte.[18] Bereits per 1. Januar 1875 machte er Arnhold zum Teilhaber, damit verbunden war eine Änderung der Rechtsform der Firma Cäsar Wollheim zur Offenen Handelsgesellschaft.[20] Bereits in diesen Jahren begann die Wandlung des weg vom konventionellen Kohlegeschäft zum gemischtwirtschaftlichen Großunternehmen, die nach Wollheims Tod von Arnhold fortgeführt und vollendet wurde. Dazu gehörten Gründung und Beteiligungen an Gasgesellschaften und Gaswerken im In- und Ausland wie der Kremser Gasbeleuchtungs-Gesellschaft in Krems an der Donau, der Mährisch-Ostrauer Gasbeleuchtungs-Gesellschaft in Mährisch-Ostrau oder der Gasanstalt in Zabrze. Dies versprach mehrfache Gewinne aus dem Verkauf von Kohle und Gas. Eduard Arnhold setzte später die Strategie fort und Firma besaß im 20. Jahrhundert schließlich über 100 Beteiligungen an Gaswerken, vor allem im deutschen Osten. Unter Arnhold kam auch die Werft und Flussrederei Caesar Wollheim-Werft dazu. Caesar Wollheim saß im Aufsichtsrat verschiedener Unternehmen. Dazu gehörten neben den mitbegründeten Gasgesellschaften etwa die Dessauer Wollgarnspinnereien[18] oder die Hibernia & Shamrock Bergwerksgesellschaft[21]. Dazu kamen verschiedene Ehrenämter, etwa als Mitglied des Ältesten-Kollegiums der Berliner Kaufmannschaft[21], der Einschätzungskommission für juristische Personen[2] oder des ständigen Ausschusses der deutschen Verkehrs-Interessenten, der die Interessen der Unternehmen gegenüber den Eisenbahnen bei der Bildung der Gütertarife vertrat. Krankheit und Rückzug 1873 zog er aus seiner Wohnung vom Schöneberger Ufer 16, wo er seit 1863 wohnte, an die Bellevuestraße 15 in Berlin-Tiergarten.[22] Hier übernahm er die Wohnung von Adolf Liebermann von Wahlendorf, der in seine neu erbaute Villa an der Tiergartenstraße 16 wechselte. Mehrere Jahre vor seinem Tod erlitt er einen Schlaganfall, der seine Gesundheit beeinträchtigte.[21] Dies zwang ihn, sein seit 1875 wahrgenommenes Amt als Ältester im Kollegium der Berliner Kaufmannschaft niederzulegen.[21] Caesar Wollheim verstarb im Alter von 68 Jahren am 28. Mai 1882 in Berlin an einem weiteren Schlaganfall. Sein Grab liegt auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee neben dem Grab seiner Frau Caroline und dem Sohn David Emil. | WOLLHEIM, Caesar (I60097)
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| 3953 | Leben Kindheit und Jugend Aelia Galla Placidia wurde um das Jahr 390[1] in Konstantinopel als Tochter des römischen Kaisers Theodosius I. und seiner zweiten Gemahlin Galla geboren. Galla war die Tochter des Kaisers Valentinian I. und Schwester von Valentinian II.; in Gestalt von Galla Placidia verband sich mithin die neue Theodosianische Dynastie mit der bislang herrschenden valentinianischen Familie. Sie hatte zwei ältere Halbbrüder, die späteren Kaiser Honorius und Arcadius, die beide aus Theodosius’ erster Ehe mit Aelia Flavia Flaccilla hervorgegangen waren. Während ihre Halbbrüder nacheinander zu Augusti ernannt wurden, erhielt sie bereits als kleines Kind den Titel einer Nobilissima, was ihren Rang als Kaisertochter betonte. Im Jahre 394 erlag Placidias Mutter Galla den Folgen einer Fehlgeburt, am 17. Januar 395 verstarb Theodosius. Der zehnjährige Honorius wurde damit zum Kaiser der westlichen Reichshälfte und stand wohl gemeinsam mit Galla Placidia unter der Obhut des Heermeisters Stilicho und dessen Frau, ihrer Cousine Serena. Galla erhielt mutmaßlich dieselbe Erziehung wie Serenas Töchter, die späteren Ehefrauen des Honorius, die neben Bibellektüre und traditioneller weiblicher Hausarbeit auch klassische Dichtung beinhaltet haben dürfte.[2] Zum Hof ihres Bruders Arcadius, der den römischen Osten beherrschte und den Anspruch Stilichos, auch sein Vormund zu sein, ablehnte, bestanden in diesen Jahren erhebliche Spannungen. 405 wurde Galla Placidia mit Stilichos Sohn Eucherius verlobt, ohne dass jedoch eine Eheschließung erfolgte. O’Flynn vermutet, Stilicho habe Eucherius nicht zu früh protegieren wollen, um ihn nicht zu einem Konkurrenten seines erhofften Enkels aus den Ehen seiner Töchter mit Honorius zu machen, und deshalb dessen Karriere und Ehe nicht befördert.[3] 408 wurde Eucherius im Rahmen einer Palastintrige ebenso wie kurz zuvor sein Vater Stilicho und dessen Frau getötet. Zosimos berichtet, Galla Placidia habe dem römischen Senat persönlich die Zustimmung zu Serenas Hinrichtung gegeben.[4] Geisel und Königin der Westgoten Mit Stilichos Tod hatten Honorius und der westliche Hof versucht, sich vom übermächtigen Einfluss des Militärs zu befreien. Doch bald nachdem das Weströmische Reich seines obersten Heermeisters beraubt war, drangen meuternde westgotische foederati, geführt von Alarich, in Italien ein und plünderten Rom (410). Zahlreiche römische Aristokraten gerieten in Gefangenschaft, darunter auch Galla Placidia, die offensichtlich nicht mehr am kaiserlichen Hof in Ravenna lebte. Offensichtlich plante Alarich, die Prinzessin als Geisel zu verwenden; vermutlich hatte er aber auch vor, sich durch sie in das Kaiserhaus einzuheiraten. Von Rom aus zogen die Westgoten in Richtung Süden, um an der Straße von Messina nach Sizilien überzusetzen. Das Unternehmen scheiterte, und noch im Jahr 410 starb Alarich. Nachfolger wurde sein Schwager Athaulf, der die Westgoten 412 nach Gallien führte. Dort führte er Verhandlungen mit Honorius über die Aufnahme seiner Truppen in das kaiserliche Heer und das Recht der gotischen Krieger, vom römischen Staat versorgt zu werden. Als Gegenleistung verlangte der Kaiser, der inzwischen unter der Dominanz des neuen Heermeisters Flavius Constantius stand, neben militärischer Unterstützung gegen den Usurpator Jovinus die Rückgabe seiner Schwester Galla Placidia, die Constantius heiraten wollte. Athaulf leistete die versprochene Militärhilfe: Er tötete Jovinus’ Bruder Sebastianus und den römischen Feldherrn Sarus, der dem Usurpator zu Hilfe kommen wollte, und lieferte Jovinus aus. Constantius griff jedoch nun die Goten an und zwang sie zum Ausweichen. Athaulf weigerte sich daher, Galla Placidia zu den Römern zurückzuschicken, und heiratete sie im Januar 414 in Narbo nach römischer Sitte. Priscus Attalus, der von Alarich als Gegenkaiser eingesetzte und nach der Plünderung Roms ebenfalls verschleppte Stadtpräfekt von Rom, verfasste eventuell dazu ein Epithalamium.[5] Die Ehe einer Kaisertochter mit einem „barbarischen“, dem arianischen Christentum anhängenden General war für manche Zeitgenossen ein Affront. Der spanische Bischof Hydatius sah darin rückblickend die Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeiung Dan 11,6 EU.[6] Athaulf beabsichtigte mit dieser Eheschließung möglicherweise, einen Vertrag mit Kaiser Honorius zu erzwingen, der bis dahin nicht bereit gewesen war, die Versorgung der Goten in Gallien zu genehmigen. Das gelang jedoch nicht; vielmehr sahen sich die Westgoten unter dem Druck der Angriffe des römischen Heermeisters Constantius gezwungen, nach Spanien abzuziehen. Ende 414 gebar Galla Placidia in Barcelona einen Sohn namens Theodosius, der jedoch als Säugling verstarb. Seine Leiche wurde 35 Jahre später exhumiert und vermutlich im sog. Honorius-Mausoleum (ab 757 der Hl. Petronilla geweiht[7]) an der Südseite des Transepts der Peterskirche in Rom beigesetzt. 415 wurde Athaulf ermordet. Sein kurzlebiger Nachfolger Sigerich ermordete auch Athaulfs Söhne aus erster Ehe und misshandelte dessen Witwe, wurde aber nach wenigen Tagen von Wallia gestürzt. Dieser schloss 416 einen neuen Friedensvertrag mit Honorius, in dessen Rahmen Galla Placidia zu den Römern zurückkehrte. Rückkehr zu den Römern Medaillons des Honorius und der Galla Placidia aus dem Schatz von Velp Mit ihrer Rückkehr an den kaiserlichen Hof nahm Galla Placidia die Rolle der Frau an der Seite ihres unverheirateten kaiserlichen Bruders Honorius an. Unter Zwang ehelichte sie am 1. Januar 417 in Ravenna den eigentlichen Machthaber, den Heermeister und patricius Constantius, der am selben Tag sein zweites Konsulat antrat. Laut Olympiodoros von Theben fand die Hochzeit trotz Galla Placidias ausdrücklichen Protestes statt. Dieser Ehe entstammten zwei Kinder, Honoria und Valentinian. Als Papst Zosimus Ende 418 starb, beteiligte sich Galla Placidia an der Auseinandersetzung um die Nachfolge und unterstützte den vom römischen Stadtpräfekten Symmachus bestätigten Eulalius. Eine Einigung im Sinne des Kaisers auf einer Synode in Ravenna misslang jedoch, so dass Honorius zu einer zweiten Synode einlud, wozu Galla Placidia als Schwester des Kaisers persönlich Briefe an einige afrikanische Bischöfe, u. a. an Aurelius von Karthago und Augustinus von Hippo, verfasste. In diesen Briefen drückte sie zwar ihr Bedauern über das Scheitern der Synode in Ravenna aus, äußerte jedoch keine Präferenz für einen der beiden Kandidaten. Auch Paulinus von Nola lud sie ein.[8] Da Eulalius sich jedoch nicht an die Vorgabe hielt, bis zur Einigung außerhalb von Rom zu bleiben, war Honorius letztlich gezwungen, den von der Mehrheit der Presbyter gewählten Bonifatius I. zu bestätigen. Auch sonst war sie eine Verteidigerin der christlichen Reichskirche. Olympiodoros schreibt ihr die Vernichtung heidnischer Kultbilder zu und berichtet, sie habe sogar einmal ihrem Mann mit der Scheidung gedroht, sollte ein bekannter heidnischer Zauberer bzw. Priester nicht hingerichtet werden.[9] 421 erhob Honorius seinen Schwager Constantius auf dessen Drängen schließlich zum Augustus. Galla Placidia wurde nun Augusta. Ihr Sohn Valentinian wurde dadurch faktisch zum Thronfolger. Nur wenig später, am 2. September 421, erlag Constantius III. einer Rippenfellentzündung, kurz bevor er zu einem Feldzug gegen das Oströmische Reich aufbrechen konnte, das seine Erhebung zum Kaiser nicht akzeptierte. Nach dem Tod ihres Mannes unterstellten ihr einige Historiker, wie Olympiodoros, auf den Zosimos sich stützte, ein inzestuöses Verhältnis zu ihrem unverheirateten Bruder Honorius, das durch Intrige zu einem Streit führte, der auch zwischen gotischen Söldnern, Galla Placidias ehemaligen Untertanen, und römischen Soldaten ausgetragen wurde.[10] Offensichtlich war es aufgrund der ungeklärten Nachfolgefrage zum Konflikt gekommen, denn der kinderlose Honorius scheint sich geweigert zu haben, seinen Neffen Valentinian durch die Erhebung zum Caesar oder Augustus offiziell zum Thronerben zu machen. In dieser Situation gruppierten sich die einflussreichen Personen einerseits um Honorius, andererseits um Galla und ihren Sohn.[11] Der Heermeister Flavius Castinus stellte sich gegen sie, während der comes Africae Bonifatius auf ihrer Seite stand. Galla Placidia fiel zuletzt in Ungnade und verlor den Augusta-Titel. Jutta Meischner vermutet, dass Honorius, der seit einem Jahrzehnt von Constantius dominiert worden war, sich damit endlich von der Bevormundung befreien wollte.[12] Anfang 423 verließ sie mit ihren beiden Kindern Ravenna und suchte Zuflucht in Konstantinopel, wo inzwischen ihr Neffe Theodosius II. die Nachfolge seines Vaters Arcadius angetreten hatte. Doch bald nach Gallas Abreise verstarb am 27. August 423 Honorius, ohne einen Nachfolger hinterlassen zu haben. Als man nach viermonatiger kaiserloser Zeit im Westreich einen Hofbeamten namens Johannes zum Kaiser ausrief, ernannte Theodosius II. seinen Vetter Valentinian zum nobilissimus und verlobte ihn mit seiner erst zweijährigen Tochter Licinia Eudoxia. Im Herbst 424 wurde Valentinian in Thessaloniki zum Caesar ernannt, ehe Theodosius ihn mit dessen wieder zur Augusta erhobenen Mutter und seiner Schwester samt starker Heeresmacht unter dem oströmischen Heermeister Aspar zur Wahrung der legitimen Dynastie nach Italien sandte. Nach kurzem Bürgerkrieg wurde Johannes von seinen eigenen Generälen gestürzt und an Galla Placidia ausgeliefert. Der Usurpator wurde grausam hingerichtet. Am 23. Oktober 425 wurde Valentinian III. im Alter von sechs Jahren in Rom zum Augustus des Westens proklamiert. Als sein auctor imperii und senior Augustus beanspruchte Theodosius jedoch weiterhin die Oberherrschaft über das gesamte Imperium Romanum.[13] Regentin des römischen Westens Im Auftrag Galla Placidias geprägte Münze, die auf der Vorderseite ihren Sohn Valentinian III. zeigt. Auf der Rückseite steht ein Kreuz, typisch für alle Münzen mit Bezug zu Galla Placidia, das ihren christlichen Glauben verdeutlichen soll. Einfluss der Feldherren Da Valentinian III. noch nicht im regierungsfähigen Alter stand, versuchte Galla Placidia, die Geschicke des Westreiches zu lenken. Der Machtbereich, den sie für ihren Sohn regierte, war dabei erheblich kleiner als der des Honorius: Während der Regierungszeit des Usurpators Johannes hatten die Westgoten sich in Gallien ausgebreitet und die Vandalen in Spanien Sevilla und Carthago Nova erobert. Bei den Verhandlungen vor dem Feldzug gegen Johannes hatte sie vielleicht auch Teile von Illyrien, um die es zu Lebzeiten von Honorius und Arcadius Auseinandersetzungen gegeben hatte, an Theodosius II. abtreten müssen; vielleicht geschah dies aber auch erst 437. Unterstützt wurde sie anfangs vom ersten Heeresmeister Felix und dem comes Africae Bonifatius. Letzterer hatte sie bereits im Exil in Konstantinopel unterstützt,[14] während Felix, der anstelle des verdienten Bonifatius bald zum Patricius erhoben wurde, vermutlich von Theodosius II. eingesetzt worden war und dessen Interessen durchzusetzen suchte.[15] Deren schärfster Konkurrent war Aëtius, der einst für Johannes 60.000 Hunnen als Söldner angeworben hatte. Damit er diese Heeresmacht nicht gegen das Reich einsetzte, wurde Aëtius als comes in römischen Dienst übernommen und die Hunnen großzügig abgefunden. Bald wurde er magister militum per Gallias. 427 wurde Bonifatius, wie Prosper vermutet, von Felix angeklagt und zum Staatsfeind erklärt. Dass die Intrige von Aëtius ausging, der ihn und die Regentin gegeneinander auszuspielen trachtete, wie Prokop annahm, ist laut Stickler unwahrscheinlich, weil dieser sich zu diesem Zeitpunkt in Gallien befand.[16] Angeblich erklärte Bonifatius sich in Africa für unabhängig. Laut Prokop und Jordanes suchte er die Unterstützung der vandalischen Krieger in Spanien gegen das Heer, das Placidia gegen ihn sandte. Die Vandalen setzten daraufhin nach Afrika über.[17] Ein Briefwechsel zwischen Augustinus und dem kaiserlichen Gesandten von 428/429 ist erhalten. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch die germanischen Söldner bekämpfte Bonifatius aber bald wieder in Übereinstimmung mit der Regentin die Invasoren. 430 gelang es Aëtius, inzwischen als magister militum per Gallias mit Felix fast gleichrangig, diesen auszuschalten und zu töten. Damit war auch der oströmische Einfluss erheblich verringert. Aëtius, den die Kaiserin nach wie vor als Bedrohung ansah, stieg damit zum mächtigsten Mann im Weströmischen Reich auf. Während er im Norden des Reiches gegen Eindringlinge und Aufständische kämpfte, unterstützte der oströmische Feldherr Aspar Bonifatius im vergeblichen Kampf gegen die Vandalen in Africa. Nach einer Niederlage bei Hippo Regius 431 rief Galla Placidia Bonifatius nach Italien zurück und ernannte ihn 432 zum patricius und ersten Heermeister (also zum faktischen Regierungschef), während Aëtius im selben Jahr das Konsulat bekleidete. Aëtius, der erkannte, dass die Kaisermutter Bonifatius gegen ihn ausspielte, zog sein Heer aus Gallien ab nach Italien, womit er den ersten Bürgerkrieg der römischen Kaiserzeit auslöste, der nicht um das Kaisertum, sondern um das Amt des höchsten Militärs und eigentlichen Machthabers ausgefochten wurde.[18] Bonifatius siegte zwar in der Schlacht bei Ariminum, erlag aber drei Monate später seinen dabei erlittenen Wunden. Zu seinem Nachfolger machte Galla Placidia seinen Schwiegersohn Sebastianus. Doch Aëtius, der zu den Hunnen geflohen war, kehrte 433 mit starken Truppen des Hunnenkönigs Rugila zurück und erzwang mit ihrer Hilfe das Amt des Heermeisters für sich. Sebastianus wurde ins Exil gedrängt, und Aëtius heiratete Bonifatius’ reiche Witwe, die Gotin Pelagia. Placidia, die nun keinen anderen fähigen General mehr hatte, ernannte ihn notgedrungen 435 zum Patricius. Damit unterstand ihm das gesamte weströmische Heer, was Placidias Einfluss schon vor der Volljährigkeit ihres Sohnes rapide schwinden ließ. Auch dem Ansehen des weströmischen Kaisertums hatte der Bürgerkrieg erheblichen Schaden zugefügt.[19] Recht, Religion und Familie 426 erließ man im Namen Placidias und Valentinians, um der Autorität des Rechtes Geltung zu verschaffen, das sogenannte Zitiergesetz, in dem festgeschrieben wurde, welchen Schriften römischer Juristen vor Gericht größere Autorität zukommen sollte. Drei Jahre später gab der Hof die berühmte Erklärung ab, die besagte, dass der Kaiser durch die Gesetze gebunden sei und seine Autorität von der des Rechtes abhinge. Als fromme nicänische Christin veranlasste Placidia den Bau von Kirchen. In Ravenna ließ sie San Giovanni Evangelista als Dank für ihre und ihrer Kinder Bewahrung bei der Rückkehr nach Italien 425 errichten, in Rom Sankt Paul vor den Mauern und in Jerusalem die Grabeskirche restaurieren. Der Bischof von Ravenna, Petrus Chrysologus, pries sie als Mutter der Christen und in Parallele zur göttlichen Dreifaltigkeit als Verkörperung einer kaiserlichen Dreifaltigkeit als Tochter, Ehefrau und Mutter eines Kaisers.[20] Als 432 der neu gewählte Papst Sixtus III. von einem nicht näher identifizierbaren Mann namens Bassus angegriffen wurde, setzte sie eine schärfere Bestrafung für Bassus durch, als es die von ihr im Namen ihres Sohnes angeordnete Synode bestimmt hatte.[21] Spätestens mit Aëtius’ faktischer Machtübernahme 433 beschränkte sie sich auf den Bereich der Religion. Spätere Quellen sahen die Augusta oft negativ: Prokop warf Galla Placidia vor allem vor, Valentinian III. verweichlicht zu haben,[22] Cassiodor machte sie für den Niedergang Roms unter der Regierung ihres Sohnes verantwortlich.[23] Im Herbst 437 fand die Hochzeit des inzwischen volljährigen Valentinian III. mit Licinia Eudoxia in Konstantinopel statt.[24] Damit war der senior Augustus Theodosius II. der Schwiegervater seines Vetters. Da der tatsächliche Machtbereich der weströmischen Regierung seit der Verlobung erheblich an Größe verloren hatte (Britannien und große Teile von Africa, Gallien und Spanien befanden sich unter der Kontrolle von foederati, Pannonien war von Aëtius den Hunnen zur Nutzung überlassen worden[25]), mussten die Bedingungen neu ausgehandelt werden.[26] Galla Placidia war bei der Hochzeit vermutlich nicht anwesend, Sivan vermutet aber, dass sie ihrer Schwiegertochter ein kostbares Geschenk machte, den Ashburnham-Pentateuch.[27] Dass das junge Kaiserpaar sich einen eigenen Palast bauen ließ, während die Mutter weiterhin die alte Residenz bewohnte (siehe: Placidia-Palast), ist als Beleg gedeutet worden, dass ihr Einfluss auf ihren nunmehr erwachsenen Sohn eher gering war.[28] Alter und Tod Als Valentinian III. prinzipiell alt genug war, die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, zog sich Placidia immer mehr von der politischen Bühne zurück. Ihren Lebensabend verbrachte sie in Rom, während die tatsächliche Macht weiterhin bei Aëtius lag. In ihr letztes Lebensjahr fiel die Affäre ihrer mit 31 Jahren immer noch unverheirateten Tochter Honoria mit einem Hofbeamten namens Eugenius. Als sie schwanger wurde, fühlten sich Kaiser und Heermeister bedroht und reagierten hart. Honoria verlor den Augusta-Titel und musste einen unbedeutenden Mann heiraten, während ihr Liebhaber hingerichtet wurde. Daraufhin riefen sie und ihre Anhänger offenbar die Hunnen zu Hilfe: Laut späteren Quellen bot sie angeblich dem Hunnenkönig Attila die Ehe und das halbe Weströmische Reich an, sollte er ihr helfen. Laut Johannes von Antiochia[29] handelte es sich bei dem Ring, den Attila nach dem Bericht des Zeitgenossen Priskos, der selbst eine Gesandtschaft zu den Hunnen begleitet hatte, als Heiratsversprechen ausgab, jedoch nur um eine Zugabe zu der Bestechungssumme, die die Hunnen von Rom fernhalten sollte. Erst spätere Historiker, die auch Licinia Eudoxia bezichtigten, wenige Jahre später die Vandalen nach Rom gerufen zu haben, deuteten die Affäre als einen Versuch Honorias, sich für ihre Behandlung zu rächen. Wie glaubwürdig die Geschichte im Kern ist, ist umstritten.[30] Während Valentinian seine erst sechsjährige Tochter Eudocia 442 mit Hunerich, dem Sohn des Vandalenkönigs Geiserich, verlobt hatte, bekämpfte er die eigenmächtige Politik seiner Schwester. Galla Placidia schützte ihre Tochter angeblich vor dem Zorn ihres Bruders.[31] Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, die auf diese Affäre folgte und in der sich Aëtius gegen Attila verteidigen konnte, erlebte sie jedoch nicht mehr. Am 27. November 450 starb Galla Placidia in Rom und wurde dort beigesetzt (also nicht in dem Mausoleum in Ravenna, als dessen Bauherrin sie gilt[32]). Kurz zuvor hatte sie den Sarg ihres Sohnes von Athaulf, Theodosius, in das Familiengrab neben Constantius III., Honorius und seinen beiden Frauen überführen lassen. Sie hatte es letztlich trotz all ihrer Bemühungen nicht vermocht, die Macht ihrer Dynastie zu bewahren; sie, Honorius und Valentinian III. blieben stets Spielbälle der mächtigen Militärs. Vier Jahre nach ihrem Tod versuchte Valentinian III. zwar, durch die eigenhändige Tötung des Aëtius das Blatt zu wenden, doch führte dies nur zu seiner eigenen Ermordung und dem Ende der Herrschaft seiner Familie im Römischen Reich. | AELIA, Galla Placidia (I47198)
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| 3954 | Leben Kugler war das dritte Kind des Kaufmanns, Konsuls und Stadtrats Johann Georg Emanuel Kugler und dessen Ehefrau, der Predigertochter Sophie Dorothea Eleonora, geb. Sternberg. Die Malerin Louise Kugler war seine Schwester. Er wuchs in Stettin auf, wo er das Marienstiftsgymnasium besuchte. Anschließend studierte er in Berlin. 1830 erschien sein Skizzenbuch und darin das bis heute bekannte, volksliedhafte Lied An der Saale hellem Strande und als Erstdruck Albert von Schlippenbachs Gedicht Ein Heller und ein Batzen mit einer Eigenkomposition Kuglers, die heute vergessen ist. Im Sommer 1831 wurde er im Fach Kunstgeschichte mit einer Arbeit zu illuminierten Handschriften des 12. Jahrhunderts promoviert. 1833 heiratete er Clara Hitzig,[2] die Tochter des Schriftstellers Julius Eduard Hitzig. Kugler war seit 1833 Dozent und wurde 1835 ordentlicher Professor für Kunstgeschichte an der Berliner Akademie der Künste. Jakob Burckhardt besuchte seine Vorlesungen und befreundete sich mit Kugler. Später übertrug er Burckhardt die Neubearbeitung seiner Werke «Handbuch der Geschichte der Malerei» und das einbändige «Handbuch der Kunstgeschichte».[3] In den Jahren 1835 und 1838 unternahm er zusammen mit Franz von Gaudy ausgedehnte Reisen in Italien, wo er Kunstwerke besichtigte. Später schlug er eine Beamtenlaufbahn ein: Er wurde 1843 Kunstreferent im preußischen Kultusministerium. 1840 verfasste Kugler seine Geschichte Friedrichs des Großen mit einer ausführlichen, einfühlsamen Darstellung der Brechung der Persönlichkeit Friedrichs II. durch seinen Vater Friedrich Wilhelm I., die dessen Persönlichkeit verständlich machen soll. Dieses Werk war ein großer Erfolg, zu dem auch die Buchillustrationen durch seinen damals noch unbekannten Freund, den Maler Adolph Menzel, beigetragen haben dürften. Das Buch wird bis heute aufgelegt. Seine Handbücher über die Geschichte der italienischen, deutschen und niederländischen Malerei wurden ins Englische übersetzt. Ein britischer Autor verfasste hierzu einen Ergänzungsband über die Geschichte der spanischen und französischen Malerei.[4] Alter St.-Matthäus-Kirchhof Berlin, Grabstätte Franz Theodor Kugler Seit seiner Studentenzeit nahm Kugler aktiv am gesellschaftlichen Leben Berlins teil. Er war Mitglied der Sing-Akademie zu Berlin, trat dem Verein der jüngeren Künstler bei, war seit 1831 Mitglied des Architektenvereins und seit 1832 Mitglied des wissenschaftlichen Kunstvereins. Von 1848 an gehörte er den vorwiegend literarischen Vereinigungen Tunnel über der Spree (sein dortiger Beiname war Lessing)[5] und Rütli an. In der Hochphase der Glorifizierung der „deutschen Gotik“ in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Kugler im dritten Band seiner Geschichte der Baukunst (1859) die mittelalterliche Architektur erstmals in den Kontext der Kunstentwicklung insgesamt gestellt und dabei auch den Ursprung der Gotik in Nordfrankreich aufgezeigt.[6] Diese Erkenntnis setzte sich in Deutschland nur langsam durch. Danach allerdings – in den 1880er Jahren – begann man, den Baustil der angeblich „rein deutschen“ Romanik gegenüber der nunmehr „französischen“ Gotik zu bevorzugen.[7] Franz Kugler starb am 18. März 1858 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.[8] Es ist seit 1958 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet. Nach ihm wurde 1903 die Kuglerstraße in Berlin benannt.[9] In Unkenntnis seines Todes wurde er 1863 posthum zum Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique gewählt.[10] Der Historiker Bernhard von Kugler und der Maler Hans Kugler waren seine Söhne, seine Tochter Margarethe war mit dem Schriftsteller Paul Heyse verheiratet. Werke (Auswahl) Einzelschriften Skizzenbuch. Reimer, Berlin 1830, urn:nbn:de:hbz:061:2-1374 De Werinhero, saeculi XII monacho Tegernseensi, et de picturis minutis, quibus carmen suum theotiscum de vita B. V. Mariae ornavit. Petsch, Berlin 1831 (zugleich: diss. phil., Berlin 1831; Digitalisat). gemeinsam mit Robert Reinick: Liederbuch für deutsche Künstler. 1833. Neudruck: Eichendorff-Gesellschaft, Würzburg 1978. Architektonische Denkmäler der Altmark Brandenburg in malerischen Ansichten. L. Sachse & Co., Berlin 1833. Ueber die älteren Kirchen Stettins. In: Baltische Studien, Band 2, Heft 1, Stettin 1833 (books.google.de) Ueber die Polychromie der griechischen Architektur and Sculptur und ihre Grenzen. Berlin 1835 (online BSB; archive.org mit Frontispiz). Handbuch der Geschichte der Malerei in Italien seit Konstantin dem Großen. Berlin 1837, 376 Seiten (books.google.de Volltext). 3. Auflage (herausgegeben von Hugo von Blomberg), Berlin 1866, 413 Seiten (books.google.de). Englische Ausgabe in 2 Bänden, London 1841. 1. Band: A Handbook of the History of Painting, from the Age of Constantin the Great to the present time. Mit Anmerkungen von C.L. Eastlake. London 1841, 444 Seiten (books.google.de). Beschreibung der Kunstschätze von Berlin und Potsdam, Berlin 1838. Band 1: Beschreibung der Gemälde-Gallerie des Königlichen Museums zu Berlin (Digitalisat SUB Göttingen). Band 2: Beschreibung der in der Königlichen Kunstkammer zu Berlin vorhandenen Kunstsammlung. Nebst einer Monogramm-Tafel. Berlin 1838, 309 Seiten (books.google.de). Geschichte Friedrichs des Großen. Illustrator: Adolph Menzel. Leipzig 1840; Textarchiv – Internet Archive. Neudruck: Verlag Seemann, Leipzig 2008, ISBN 978-3-86502-176-2 (Ausgabe 1856 Online, Abbildungen). Pommersche Kunstgeschichte. Nach den Monumenten dargestellt. In: Baltische Studien. Jahrgang 8, Heft 1. Stettin 1840. (Digitalisat Uni Heidelberg) Handbuch der Kunstgeschichte. Stuttgart 1842. (XXIV, 920 Seiten) (Digitalisat Uni Heidelberg) 2. Auflage mit Zusaetzen von Dr. Jac. Burckhardt. Stuttgart 1848 (archive.org) 3. umgearbeitete Auflage, 2 Bände: 2. Band, Stuttgart 1858 (books.google.ch) Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte. Stuttgart 1853–1854. Teil I: Stuttgart 1853 (Google Books) (google.de/books). Teil II: Stuttgart 1854 (Digitalisat Universität Utrecht). Teil III: Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten. Stuttgart 1854, 816 Seiten (books.google.de) Geschichte der Baukunst. 5 Bände, Stuttgart 1856–1873. 1. Band: Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst. Stuttgart 1856, 578 Seiten; doi:10.3931/e-rara-26971; Textarchiv – Internet Archive, books.google.de 2. Band: Geschichte der romanischen Baukunst. Stuttgart 1859; doi:10.3931/e-rara-26814 (Volltext); Textarchiv – Internet Archive. 3. Band, Geschichte der gothischen Baukunst. Stuttgart 1859; doi:10.3931/e-rara-26972 (Volltext); Textarchiv – Internet Archive. 3. Band: Verzeichnisse zum dritten Band. (books.google.de). 4. Band: Geschichte der neueren Baukunst, verfasst von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke. Stuttgart 1867; doi:10.3931/e-rara-26973; archive.org. 5. Band: Geschichte der deutschen Renaissance, verfasst von Wilhelm Lübke, erste Hälfte, Stuttgart 1872 (archive.org). zweite Hälfte, Stuttgart 1873; Textarchiv – Internet Archive. Franz Kugler; Robert Reinick (Hrsg.): Liederbuch für deutsche Künstler. Vereins-Buchh, Berlin 1833. urn:nbn:de:hbz:061:2-857 Die Incantada. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 15. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 81–146. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt / Konstanz 2016 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv). Zeitschrift Museum, Blätter für bildende Kunst (1833–1842). Argo, Belletristisches Jahrbuch für 1854, mit Theodor Fontane, Verlag Gebrüder Katz, Dessau (archive.org). Argo, Album für Kunst und Dichtung (1857–1860), mit Friedrich Eggers und Theodor Hosemann. Verlag Trewendt & Granier, Breslau (uni-duesseldorf.de). | KUGLER, Franz (I60922)
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| 3955 | Leben Lea Mendelssohn wurde am 15. März 1777 als drittes von vier Kindern des Levin Jakob Salomon (1738–1783) und der Bella Salomon, geb. Itzig (1749–1824) in Berlin geboren.[1] Ihre Mutter war als Tochter des Königlich Preußischen Hoffaktors Daniel Itzig (1723–1799) und seiner Frau Miriam, geb. Wulff (1727–1788) in einem sehr musikalischen Haus aufgewachsen. Wie ihre Mutter Bella wurde Lea wohl von dem Komponisten Johann Philipp Kirnberger am Piano unterrichtet. Es ist anzunehmen, dass sie eine sehr gute Pianistin und eine herausragende Bach-Kennerin war. 1804 heiratete Lea Salomon den Bankier Abraham Mendelssohn (1776–1835), Sohn des jüdischen Berliner Aufklärers Moses Mendelssohn (1729–1786) und seiner Frau Fromet, geb. Gugenheim (1737–1812). Mit Abraham Mendelssohn hatte sie vier Kinder: Fanny später verh. Hensel (1805–1847), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847), Rebecka später verh. Dirichlet (1811–1858) und Paul Mendelssohn Bartholdy (1812–1874), die sie nach einer liberalen Ethik im Sinne der Aufklärung erzog. 1816 wurden ihre Kinder christlich getauft. Sie selbst ließ sich gemeinsam mit ihrem Mann 1822 taufen, beide konvertierten zum Protestantismus. Sie nahmen in Anlehnung an Leas bereits 1805 getauften Bruder, den Diplomaten Jakob Ludwig Salomon Bartholdy, den Namen Bartholdy an. Lea Mendelssohn lebte nach ihrer Heirat zunächst bis 1811 in Hamburg. Ihre Wirkung als Förderin von Kultur und Musik entfaltete sie nach ihrer Rückkehr in ihre Geburtsstadt Berlin 1811. In der Tradition der Bach-Verehrung der Familie Itzig aufgewachsen, vertrat sie eine am Gehalt der Musik orientierte „klassische“ Ästhetik, die, vom Bewährten ausgehend, Neues entwickelte. Sie setzte sich daher besonders für die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts, Joseph Haydns und Ludwig van Beethovens ein und förderte Musiker, die deren Werke verbreiteten. Als erste Klavierlehrerin ihrer musikalisch hochbegabten beiden ältesten Kinder Fanny und Felix bestimmte sie deren spätere Klavierlehrer mit großer Kenntnis und in Übereinstimmung mit ihren eigenen ästhetischen Überzeugungen. Das Mendelssohn’sche Haus, Leipziger Straße 3 in Berlin, vor 1899 Ab 1819 entwickelten sich unter ihrer Regie aus den sogenannten „musikalischen Winterabenden“ und aus der Familientradition, Geburtstage mit Musik zu feiern, größere musikalische Veranstaltungen, wie Soiréen, im Haus der Mendelssohns. Ab 1821 wurden darüber hinaus die „Sonntagsmusiken“ eingeführt. Sie boten dem Sohn Felix die Gelegenheit, seine Singspiele, Sinfonien und Konzerte zusammen mit der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts und Ludwig van Beethovens mit der Königlichen Hofkapelle aufzuführen. Die musikalischen Erfahrungen und Ereignisse im Haus der Mendelssohns fanden Eingang in die umfangreiche Korrespondenz Lea Mendelssohns mit ihrer Cousine Henriette von Pereira-Arnstein (1780–1859), wodurch sie auch auf das Wiener Musikleben Einfluss nahm. 1825 war die Familie in das ehemalige Reckesche Palais in der Leipziger Straße 3 in Berlin gezogen,[2][3] eine Adresse, die ab 1831 durch die Aktivitäten ihrer Tochter Fanny zum Inbegriff musikalischer Geselligkeit in Berlin werden sollte. Auch Lea Mendelssohn veranstaltete weiterhin in ihren eigenen Räumen musikalische Gesellschaften. Grab von Lea und Abraham Mendelssohn Bartholdy in Berlin-Kreuzberg Lea Mendelssohn Bartholdy starb 1842 im Alter von 65 Jahren in Berlin. Beigesetzt wurde sie neben ihrem sieben Jahre zuvor verstorbenen Gatten Abraham auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I vor dem Halleschen Tor. In der Gittergrabanlage dienen zwei hohe flache Stelen als Grabmarkierungen. Auch das Erbbegräbnis Hensel/Mendelssohn Bartholdy, in dem unter anderen ihre Kinder Fanny und Felix beigesetzt sind, sowie das Grab des Sohnes Paul befinden sich in der Nähe.[4] Die letzte Ruhestätte von Lea Mendelssohn Bartholdy (Grablage DV1-1-1) war von 1952 bis 2015 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Wirken „Den Mittelpunkt dieses vielfach bewegten Kreises bildete Felix’ Mutter mit seltener Geschicklichkeit. Scheinbar ohne Einmischung verstand sie Jeden in verbindlicher Weise anzuregen und gewähren zu lassen bis eine Lenkung des Gespräches oder seine Dämpfung notwendig wurde und es galt, dasselbe mit Gewandtheit in neuen Fluß zu bringen.“ – Eduard Devrient[5] Mit ihren musikalischen Gesellschaften und wegen ihrer familiären Vernetzung in europäische Metropolen wirkte Lea Mendelssohn in hohem Maße musik- und kulturfördernd sowie publikums- und kanonbildend. Reisende Künstler erfuhren durch ihre Kontakte in Berlin und Wien eine Unterstützung, die für die Entwicklung des modernen öffentlichen Konzertwesens sehr bedeutsam war. Die musikalische Erziehung ihrer Kinder hatte Lea Mendelssohn mit der privat-öffentlichen Kulturförderung in ihrem Haus eng verbunden. Ihre Briefwechsel über die musikalischen Gesellschaften der Jahre 1819 bis 1825 geben Auskunft über ihr Ideal einer umfassenden künstlerisch-literarischen Bildung. Das von ihr organisierte häusliche Musikleben war durch die Verbindung von höchstem künstlerischen Niveau und spielerischer Herangehensweise gekennzeichnet, womit sie die modernen Erziehungspraktiken ihrer Zeit aufgegriffen und praktiziert hat.[6] Literatur Quelle:[7] Autografie Briefe Lea Mendelssohns an ihren Sohn Felix Mendelssohn Bartholdy, aus den Jahren 1821 bis 1842 in den „Green Books“, Oxford, Bodleian Library, MS. M.D.M. b. 4 und d. 28 ff. Briefe Lea Mendelssohns an ihre Cousine Henriette von Pereira Arnstein aus den Jahren 1804–1842, Staatsbibliothek Berlin, Preussischer Kulturbesitz, Haus 1, MA Nachl. 15 (darunter einige Briefabschnitte und einzelne Briefe von Abraham Mendelssohn, Fanny Hensel und Rebecka Dirichlet) Ältere Quelleneditionen Eduard Devrient: Meine Erinnerungen an Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Briefe an mich. J.J. Weber, Leipzig 1869, 3. Auflage 1891 Sebastian Hensel (Hrsg.): Die Familie Mendelssohn 1729–1847, nach Briefen und Tagebüchern hrsg. von Sebastian Hensel. 2 Bände. 2. Auflage. Behr, Berlin 1880 Sebastian Hensel: Ein Lebensbild aus Deutschlands Lehrjahren. B. Behr, Berlin 1903 Jüngste Quelleneditionen Wolfgang Dinglinger, Rudolf Elvers (Hrsg.): Lea Mendelssohn Bartholdy, „Ewig die Deine“, Briefe an Henriette von Pereira-Arnstein. 2 Bände. Wehrhahn, Hannover 2010 Hans-Günter Klein, Rudolf Elvers (Hrsg.): Fanny Hensel, Tagebücher. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden / Leipzig / Paris 2002 Hans-Günter Klein: „… als unsrer geistreichsten Landsleute einen“. Lea Mendelssohn Bartholdys Briefe an Carl Gustav von Brinkmann aus den Jahren 1811–1822. In: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz Berlin. Schott, Mainz [u. a.] 2005, S. 243–266. Sekundärliteratur Cornelia Bartsch: Lea Mendelssohn Bartholdy (1777–1842). „In voller geistiger Lebendigkeit“. In: Irina Hundt (Hrsg.): Vom Salon zur Barrikade. Frauen der Heine-Zeit. Metzler, Stuttgart / Weimar 2002, S. 61–73 Cornelia Bartsch: Fanny Hensel: Musik als Korrespondenz. Furore, Kassel 2007 Martina Bick: Musikerinnen der Familie Mendelssohn (= Reihe Jüdische Miniaturen, Band 202), Berlin 2017 Wolfgang Dinglinger: Sonntagsmusiken bei Abraham und Lea Mendelssohn Bartholdy. In: Hans-Günter Klein (Hrsg.): Die Musikveranstaltungen bei den Mendelssohns – Ein musikalischer Salon? Die Referate des Symposions am 2. September 2006 in Leipzig (= Leipzig – Musik und Stadt – Studien und Dokumente, Band 2). Mendelssohn-Haus, Leipzig 2006, S. 35–47 Irina Hundt, Till Gerrit Waidelich: „Im gastlichen Hause Mendelsohns“. Erinnerungen an den Mendelssohnschen Salon von Helmina von Chézy. In: Schubert-Perspektiven, Band 5, Heft 1. Steiner, Stuttgart 2005, S. 92–100 Thomas Lackmann: Der Sohn meines Vaters: Biographische Studie über Abraham Mendelssohn. Wallstein, Göttingen 2007 Cécile Lowenthal-Hensel: Neues zur Leipziger Straße Drei. In: Mendelssohn-Studien, Band VII, Duncker & Humblot, Berlin 1990, S. 141–151 Cécile Lowenthal-Hensel: Mit Orgelton und Bim, Hochzeit im Hause Mendelssohns. In: Berlinische Monatsschrift (Luisenstädtischer Bildungsverein). Heft 10, 1999, ISSN 0944-5560, S. 4–11 (luise-berlin.de). Romane Härtling, Peter: Liebste Fenchel! Köln 2011; Biografischer Roman über Fanny Hensel | SALOMON, Lea (I60775)
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| 3956 | Leben Leffmann Behrens war der Sohn des märkischen Judenschaftsvorstehers Issachar b. Jitzchak Hakohen alias Berndt Isaaks, der 1633 bis 1661 in Bochum belegt ist.[2] Leffmann und andere Familienmitglieder wanderten aus dem Westfälischen nach Hannover zu. Nach seiner Heirat mit Jente Hameln (1629–1695), der Schwägerin der berühmten Memoirenschreiberin Glikl bas Judah Leib (auch Glückel von Hameln) (1645–1724), Witwe des Kaufmanns Salomon Gans aus der Familie Gans[3] und Tochter des vermögenden Kaufmanns Jobst Goldschmidt, gelang es Leffmann Behrens erfolgreich eine Firma aufzubauen, deren erste Gewinne mit der Vermittlung von Luxusartikeln für Herzog Johann Friedrichs Hof gemacht wurden. Die Firma wuchs weiter – auch unter der Herrschaft von Johann Friedrichs Nachfolgern Ernst August und Georg Ludwig – durch ihre Dienste als Hoflieferant (z. B. von Kutschen), Heereslieferant (Stoffe), bei der Übermittlung von sogenannten Subsidien, den Geldern für die Vermietung von eigenen Truppen an andere Mächte, etwa an das katholische Frankreich (1672–80 und 1690/91), den Kaiser in Wien oder Holland und Großbritannien (ab 1702), bei der Vergabe von Krediten an die Kammerkasse oder die herzogliche Familie, an Hofchargen und Regierungsbeamte. Großkredite von einigen hunderttausend Talern vermittelte Leffmann Behrens bei der Finanzierung der Kurfürstenwürde für Ernst August 1692 und der polnischen Krone für August den Starken 1697 (die wiederum mit dem Erwerb des Herzogtums Lauenburg durch Hannover verbunden war). Nützlich waren dabei seine auswärtigen Geschäftsbeziehungen nach Hamburg (Manoel Texeira, zu den Mussaphias), Frankfurt am Main, Wien (Oppenheimer, Wertheimer), Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe, Braunschweig-Lüneburg, dem Bistum Münster, Mecklenburg-Strelitz, nach Eichstätt, Sachsen-Gotha und Goslar. Leffmann Behrens blieb dabei ein frommer Jude, ohne jeglichen Wunsch, sich in seiner christlichen Umwelt zu assimilieren. Der gesellschaftliche Aufstieg wäre ihm in dieser Zeit ohnehin verwehrt geblieben. Er trat aktiv für seine verfolgten Glaubensgenossen ein, etwa im Falle seines Einsatzes für die Sicherung des Jüdischen Friedhofs an der Oberstraße (1671/73), als Initiator des Landrabbinats (1687) und als Stifter der ersten Synagoge in der Bergstraße (1704), finanziert von seinem Sohn Herz Behrens (1657–1709). Er intervenierte bei seinem Landesherrn auch gegen judenfeindliche Schriften (die von Gulich, 1690, und Eisenmenger, 1700) und war Mitinitiator des berühmten Religionsgesprächs (s. Literatur) mit einem getauften Juden in Hannover im Jahre 1704. Teilnehmer dieses großen Disputs waren der Stadthagener Rabbiner Joseph Samson, der Kurfürst Georg Ludwig, Herzog Georg Wilhelm aus Celle, die Kurfürstin Sophie, deren jüngster Sohn Ernst August d. J., der Loccumer Abt Gerhard Wolter Molanus, Leffmann Behrens selbst, als Zuhörer zahlreiche Hofbeamte und Gelehrte. Er dauerte dreieinhalb Stunden und fand in den Gemächern der Kurfürstenmutter Sophie im Palais in der Leinstraße statt. Schon seit dem Tode von Leffmann Behrens’ Sohn Herz 1709 war die Firma in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auch machte ihr die Konkurrenz des Hofjuden Michael David († 1758), einem ehemaligen Angestellten, zu schaffen, der 1714, nach Behrens’ Tod, zum Hof- und Kammeragenten ernannt wurde. Am 30. Januar starb Leffmann Behrens, im Juni die Kurfürstin Sophie, und im August bestieg ihr Sohn Georg Ludwig als König Georg I. den britischen Thron. Die Weiterführung der Firma Behrens durch Leffmanns Enkel Gumpert und Isaac Behrens († 1765) gelang nur bis zum Jahr 1721, in dem die Firma bankrottging. Der Konkursverlust betrug 400.000 Taler. Gumpert und Isaac mussten für fünf Jahre ins Gefängnis, danach wurden sie aus dem Kurfürstentum ausgewiesen.[4] Leffmann Behrens’ Wohnhaus, in dem er mehreren Gelehrten freie Unterkunft bot, befand sich in der Langen Straße 8 in der Calenberger Neustadt. Es war ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1674, trug die hebräischen Inschriften „Viel Gutes“ und „Durch diese Tür trete kein Ungemach!“[5] und wurde erst im Jahre 1943 durch Bomben zerstört. Henning Rischbieter weist im Hannoverschen Lesebuch[6] zu Recht darauf hin, dass Leffmann Behrens im Gegensatz zu seinem zeitweiligen Konkurrenten und Geschäftspartner, dem hannoverschen Frühkapitalisten Johann Duve (1611–1697), dem in Hannover bis ins 20. Jahrhundert hinein die falsche Legende eines wohltätigen Unternehmers gestrickt wurde, völlig unterbewertet wird. Behrens, als Hoffaktor gewissermaßen Duves jüdisches Pendant, ist dagegen sehr wohl als Wohltäter anzusehen, vor allem seiner diskriminierten jüdischen Glaubensgenossen. Grabmal Anstelle eines eigenständigen Denkmals erinnert immerhin das Grabmal von Elieser Behrens an den Hof- und Kammeragenten auf dem Alten Jüdischen Friedhof an der Oberstraße.[7] Das einzige Porträt Leffmann Behrens’ von Andreas Scheits findet sich farbig reproduziert in Louis and Henry Fraenkels Genealogical tables of Jewish families[8]. | BEHRENS, Leffmann (I60383)
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| 3957 | Leben Leopold Güterbock stammte aus einer jüdischen Familie, aus der zahlreiche Gelehrte und Künstler hervorgegangen sind. Sein älterer Bruder war der Mediziner und praktische Arzt Ludwig Güterbock (1814–1895). Leopold Güterbock studierte ab 1839 an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München. In den Jahren 1840 bis 1850 unternahm er in Begleitung von Alexius Geyer und William Cornwallis Cartwright Reisen durch Griechenland, Ägypten und die Türkei. Von 1842 bis 1847 war er in Rom, wo er dem Deutschen Künstlerverein angehörte und beim „Cervarofest“ dieses Vereins in den Jahren 1845 und 1846 die Rolle des „Generals der Gendarmerie“ spielte. Spätestens 1854 bis um 1858 lebte er in Paris. Dort wurde er Schüler von Thomas Couture und nahm 1855 am Pariser Salon im Rahmen der Weltausstellung teil. Güterbock beteiligte sich 1846 bis 1880 mehrmals an den Berliner Akademie-Ausstellungen. Auch stellte er in Lübeck (1852), Leipzig (1864) und im Münchner Glaspalast (1869) aus. Ab spätestens 1860 war er in Berlin ansässig, wo er als Maler arbeitete und 1871 Mitglied des Vereins Berliner Künstler wurde. 1862/1863 sowie 1873/1874 lebte er wieder in Rom.[1] Leopold Güterbock konvertierte 1861 zum evangelischen Glauben. Er war mit Julie Rebecca (geb. Henoch; 1838–1872) verheiratet, die 1871 ebenfalls konvertierte. Der Historiker Ferdinand Güterbock war sein Sohn.[2] Werke Güterbock gehörten zu den frühen anerkannten deutschen Vertretern der Orientmalerei. Zu seiner Zeit war er ein beliebter Genremaler. Neben vorwiegend historischen und mythologischen Genreszenen schuf er auch sorgfältig kolorierte Porträts und Landschaften. Motiv aus dem Walde von Fontainebleau, Verbleib unbekannt (BAA 1854, Nr. 188) Ein türkisches Mädchen mit einer Katze, zuletzt: Besitz der Königin Elisabeth von Preußen (ebd., Nr. 189) Griechinnen aus Smyrna, Verbleib unbekannt (ebd., Nr. 191) Weibliches Porträt, Verbleib unbekannt (ebd., Nr. 192) Ein türkisches Kaffeehaus, Verbleib unbekannt (ebd., Nr. 193) Tochter der Herodias, Städtisches Museum Semur-en-Auxois Literatur Tino Mager und Jennifer Fischer-Falckenberg: Güterbock, Leopold. In: Bénédicte Savoy, France Nerlich (Hrsg.): Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt. Band 2: 1844–1870. Berlin/Boston 2015. Dankmar Trier: Güterbock, Leopold. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 65, Saur, München u. a. 2009, ISBN 978-3-598-23032-5, S. 32. Güterbock, Leopold. In: Ulrich Thieme, Fred. C. Willis (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 15: Gresse–Hanselmann. E. A. Seemann, Leipzig 1922, S. 247 (Textarchiv – Internet Archive). | GÜTERBOCK, Leopold (I7046)
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| 3958 | Leben Lucius stammte aus einem alten katholischen Bürgergeschlecht in Thüringen. Sein Vater war der Erfurter Wollfabrikant Sebastian Lucius. Er besuchte das Königliche Gymnasium Erfurt (1847–1853) und das Gymnasium Paulinum in Münster.[1] Außerdem nahm er Privatunterricht.[2] Nach dem Abitur studierte er ab 1854 Medizin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1855 wurde er im Corps Vandalia Heidelberg recipiert.[3] Mit zwei Kommilitonen wurde er 1856 relegiert. Die drei wurden mit dem letzten Comitat der Heidelberger Universitätsgeschichte verabschiedet. Lucius wechselte an die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau und wurde 1858 dort zum Dr. med. promoviert. Schiffsarzt und Soldat Robert Lucius Nach einer Europareise meldete er sich 1859 in Düsseldorf zum 1. Leib-Husaren-Regiment Nr. 1, das Preußen als Garantiemacht des Deutschen Bundes für den Sardinischen Krieg mobilgemacht hatte. Als der Frieden von Zürich geschlossen wurde, brauchte Lucius nicht mehr eingekleidet zu werden.[2] Stattdessen meldete er sich in Edinburgh als Schiffsarzt zur Preußischen Ostasienexpedition. Unter Friedrich zu Eulenburg führte sie ihn nach Ceylon, China, Japan, Korea, Hongkong und Siam.[2] Er kehrte im August 1862 zu seiner Mutter in Erfurt zurück, trat aber bereits im Oktober desselben Jahres wieder in die Preußische Armee ein. Als Leutnant im Berliner Garde-Kürassier-Regiment (1863) nahm er an allen drei Einigungskriegen teil – am Deutsch-Dänischen Krieg, am Deutschen Krieg und am Deutsch-Französischen Krieg. Er wurde Oberstleutnant.[4] Parlamentarier und Minister Nobilitierungsurkunde Als Mitglied der Freikonservativen Partei kandidierte Lucius in den 1860er Jahren zunächst erfolglos für das Preußische Abgeordnetenhaus. Abgeordneter war er von 1870 bis 1879 und von 1882 bis 1893. 1870 wurde er in einer Ersatzwahl im Wahlkreis Erfurt 4 (Erfurt, Schleusingen, Ziegenrück) in den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt, wodurch er auch Mitglied des Zollparlaments wurde. Von 1871 bis 1881 saß er für denselben Wahlkreis im Reichstag. 1879 war er Vizepräsident des Reichstags. Lucius war ein enger Freund Otto von Bismarcks und galt als Sprachrohr des Reichskanzlers. Aus den fast täglichen Besuchen entstanden die Tagebücher. Sie wurden als „Bismarck-Erinnerungen“ von Roberts Sohn Hellmuth Freiherr Lucius von Stoedten herausgegeben und sind eine wichtige (handschriftlich nicht überlieferte) Quelle der Bismarck-Forschung.[5] 1874–1878 gehörte er außerdem dem Provinziallandtag der Provinz Sachsen an. Von 1879 bis 1890 war Lucius preußischer Landwirtschaftsminister. Dass er zum Antrittsbesuch in Leutnantsuniform erschien, amüsierte Kaiser Wilhelm I.[2] Als Minister war er zudem automatisch Kommissarius über die Landwirtschaftlichen Kreditvereine in Brandenburg-Preußen, so unter anderem über das Kur- und Neumärkisches Ritterschaftliches Kreditinstitut, der Pfandbriefbank der Rittergüter in Ostelbien.[6] 1895 wurde er zum Mitglied des Preußischen Herrenhauses ernannt. Sonstiges Gedenkstein auf der Lucius-Höhe Mit Bismarcks Befürwortung wurde Robert Lucius am 5. Mai 1888 vom todkranken Friedrich III. unter den Namen Freiherr Lucius von Ballhausen /Lucius von Stoedten nobilitiert.[7][8] Er war zudem seit 1889 Ehrenbürger von Erfurt, und die Lucius-Höhe in Mittelschmalkalden (Wiedereinweihung Oktober 2009) wurde nach ihm benannt. Aus seinen Gütern Klein Ballhausen, Groß Ballhausen und Stödten (nach 1945 beseitigt) wurden zwei Familienfideikommisse gebildet. Lucius war ein Bruder von Eugen Lucius, einem Mitbegründer der Hoechst AG. Robert Lucius heiratete 1864 Juliet Maria Souchay de la Duboissière (1835–1921) aus dem in Manchester ansässigen Zweig der wohlhabenden deutschen Kaufmannsfamilie hugenottischer Herkunft Souchay. Geheiratet wurde auf Withington, dem Landsitz der Souchays bei Manchester. Ihre Söhne waren Otto Lucius von Ballhausen und Hellmuth Freiherr Lucius von Stoedten. Robert von Lucius und Wulf-Dietrich von Lucius sind Urenkel. Ihm zu Ehren wurde die in Gruhna bei Leipzig entstandene und von der Berliner Baumschule Späth 1884 in den Handel gebrachte Birnensorte „Minister Dr. Lucius“ benannt. Seine Nichte war die Bergsteigerin Anna Voigt (1847–1921), die 1877 als erste deutsche Frau das Matterhorn bestiegen hatte. Siehe auch Liste der Abgeordneten des ersten ordentlichen Reichstags des Norddeutschen Bundes Liste der Reichstagsabgeordneten des Deutschen Kaiserreichs (1. Wahlperiode) Liste der Reichstagsabgeordneten des Deutschen Kaiserreichs (2. Wahlperiode) Liste der Reichstagsabgeordneten des Deutschen Kaiserreichs (3. Wahlperiode) Liste der Reichstagsabgeordneten des Deutschen Kaiserreichs (4. Wahlperiode) Liste der preußischen Landwirtschaftsminister Liste der Mitglieder des Preußischen Herrenhauses Literatur Hellmuth Freiherr Lucius von Stoedten (Hrsg.): Bismarck-Erinnerungen des Staatsministers Freiherrn Lucius von Ballhausen. Cotta, Stuttgart / Berlin 1920. Siegfried Hübschmann: Robert Lucius Freiherr von Ballhausen. in: Mitteldeutsche Lebensbilder, Band 2, Lebensbilder des 19. Jahrhunderts. Magdeburg 1927, S. 407–424. Die Mitglieder der Vandalia zu Heidelberg nach dem Stande vom 29. September 1935. o. O. (Berlin) o. J. (1936). Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Teil B (Briefadel). 1939, Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft, 89. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1938. Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser, B (Briefadel) 1978, Band VII, Band 68 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1978, S. 216. ISBN 3-7980-0768-3. Robert von Lucius: Die Erfurter Familie Lucius. In: Erfurter Heimatbrief (EHB), Nr. 37 (Weihnachten 1978), Hrsg. Selmar Bühling, Heimattreue Erfurter, Erfurt 1978, S. 28–37. Karl Erich Born: Lucius von Ballhausen, Robert Freiherr. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 15. Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 278–279 (deutsche-biographie.de). Robert von Lucius, Ulf Morgenstern (Hrsg.): Arzt und Abenteurer, Minister und Memoirenschreiber. Autobiographische Aufzeichnungen des Bismarck-Vertrauten Robert Lucius von Ballhausen. in: Friedrichsruher Beiträge, Band 48, Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh 2017. ISBN 978-3-933418-59-3. | VON BALLHAUSEN, Robert Lucius (I60797)
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| 3959 | Leben Ludwig Stieglitz war als Levi Stieglitz der jüngste von drei Söhnen des Waldecker Schutzjuden Hirsch Bernhard Stieglitz und dessen Ehefrau Edel Elisabeth, geb. Marcus. Sein ältester Bruder war der Mediziner Johann Stieglitz (geb. als Israel Stieglitz) in Hannover. Der Dichter Heinrich Stieglitz war sein Neffe. Als junger Mann zog Levi Stieglitz nach Russland als Vertreter des Familienunternehmens. Sowohl durch Handel als auch in zunehmendem Maß durch Bankgeschäfte kam er zu großem Vermögen und Einfluss. 1800 hatte sich sein Bruder Israel in Ronnenberg bei Hannover taufen lassen und den Namen Johann erhalten, und 1802 war er Hofmedicus in Hannover geworden. 1803 kam Levi aus Sankt Petersburg nach Ronnenberg, um sich dort ebenfalls insgeheim taufen zu lassen. Die Taufe wurde beurkundet, aber nicht ins Kirchenbuch eingetragen, da „Gründe einer öffentlichen Bekanntmachung entgegen stehen“.[1] Als Christ wurde Ludwig Stieglitz von Kaiser Alexander I. zum Hofbankier ernannt und 1826 als Baron in den Adelsstand erhoben. Auch unter Alexanders Nachfolger, Kaiser Nikolaus I., war Stieglitz als Hofbankier tätig, blieb aber auch Unternehmer. Er investierte unter anderem in den Aufbau der Dampfschifffahrtslinie zwischen Lübeck und St. Petersburg ab 1829 sowie in die Übernahme einer insolventen Tuchfabrik in Narva, welche dadurch in den folgenden Jahrzehnten unter ihrem neuen Direktor Napoléon Peltzer zu einer der renommiertesten Tuchfabriken Russlands wurde. Grundbesitz Stieglitz erwarb Anfang des 19. Jahrhunderts umfangreichen Grundbesitz in den russländischen Gouvernements Ekaterinoslaw, Taurien und Cherson, zu denen etwa 2500 leibeigene Bauern gehörten. Ferner besaß er das Gut Itovo im Gouvernement Sankt Petersburg, das Gut Groß Essern im Gouvernement Kurland und Häuser in St. Petersburg. Wegen seines kurländischen Gutes wurde er 1840 in die Kurländische Ritterschaft aufgenommen.[2] Familie Ludwig Stieglitz heiratete Amalie Angelica Christiane Gottschalk (* 26. Juli 1777 in Hannover; † 20. Februar 1838 in St. Petersburg), wodurch er zum Schwager des Bankiers Martin Joseph Haller in Hamburg wurde; ihren Nachkommen wurde der erbliche russische Adelsstand durch einen Ukas des Senats vom 3. April 1863 betätigt. Der älteste Sohn Nikolaus, der das Katharineum zu Lübeck besucht und dort 1827 sein Abitur abgelegt hatte,[3] starb schon 1833; Alexander übernahm die Bank, die er 1863 liquidierte, und wurde erster Präsident der 1860 gegründeten Staatsbank des Russischen Reiches. Die Tochter Natalie (* 17. Oktober 1803 in St. Petersburg; † 17. Mai 1882 in Frankfurt am Main) heiratete 1824 Johann David von Harder. Literatur Peter Hertel und Christiane Buddenberg-Hertel: Die Juden von Ronnenberg. Eine Stadt bekennt sich zu ihrer Vergangenheit. Hrsg.: Region Hannover. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2016, ISBN 978-3-7752-4903-4. Wolfgang Sartor: Ludwig Baron von Stieglitz. In: NDB-online, 1. Oktober 2024. Olga Stieglitz: Die Stieglitz aus Arolsen: Texte, Bilder, Dokumente (= Museumshefte Waldeck-Frankenberg 22). Museum, Bad Arolsen 2003, ISBN 3-930930-10-2 | VON STIEGLITZ, Ludwig (I60696)
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| 3960 | Leben Luise Maria Hensel, die Schwester des Malers Wilhelm Hensel und Schwägerin der Komponistin Fanny Hensel, geb. Mendelssohn, Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn, wurde am 30. März 1798 in Linum (Brandenburg) als Tochter des dortigen Pfarrers Ludwig Hensel und dessen Ehefrau Johanna Albertina Trost geboren. Sie siedelte nach dem Tode des Vaters mit ihrer Mutter 1809 nach Berlin über. Nachdem sie bereits im Alter von 14 Jahren „heimlich mit Gott einen Pakt“ geschlossen hatte und lange gedanklich und gefühlsgemäß auf der Suche nach der Wahrheit war, konvertierte sie am 7. Dezember 1818 vom lutherischen zum katholischen Glauben mit dem Ablegen des katholischen Glaubensbekenntnisses bei Propst Johannes Ambrosius Taube.[1] Der romantische Dichter Clemens Brentano und der Komponist Ludwig Berger waren ihr in dieser Zeit in Liebe verbunden. Diese Gefühle konnten von ihr aus Glaubensgründen jedoch nicht erwidert werden. Sie trug aber wesentlich zur inneren Wandlung Brentanos bei. So schrieb er 1817 an seinen Bruder Christian über 20 ihm übersandte Lieder Luises: „Diese Lieder haben zuerst die Rinde über meinem Herzen gebrochen, durch sie bin ich in Tränen zerflossen, und so sind sie mir in ihrer Wahrheit und Einfalt das Heiligste geworden, was mir im Leben aus menschlichen Quellen zugeströmt.“[2] Auch der Dichter Wilhelm Müller war unglücklich in Luise Hensel verliebt.[3] Diese unerfüllte Liebe fand ihren Niederschlag in den beiden von Franz Schubert vertonten Liederzyklen Die schöne Müllerin und die Winterreise.[4] Luise Hensels Liebe galt jedoch dem protestantischen Jugendfreund Ernst Ludwig von Gerlach, der später als Lehrer Bismarcks und Freund des Zentrums hohes Ansehen genoss. Ihre religiösen Gefühle störten aber die Beziehung und brachten sie als Konvertitin in eine seelische Krise. Gesellschafterin und Erzieherin Die Umstände veranlassten Luise Hensel im März 1819, Berlin zu verlassen. Sie trat als Gesellschafterin in den Dienst der Fürstin Marianne Salm-Reifferscheidt-Krautheim und Dyck, genannt Mimi, Tochter der Amalia von Gallitzin, und hielt sich zuerst in Münster und dann in Düsseldorf auf. In Münster stand sie unter dem Einfluss des Pädagogen Bernhard Heinrich Overberg und in Düsseldorf legte sie schließlich am 6. März 1820 bei dem Jesuitenpater Heinrich Wüsten das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Ab 1821 war Luise Hensel Gesellschafterin der Witwe des Grafen Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg und Lehrerin und Erzieherin von deren Töchtern Maria Theresia, Amalie und Pauline.[5] Sie blieb auf dem Stolbergschen Gut Sondermühlen bei Melle bis 1823. Dort brachte sie ihre religiöse Entwicklung zum Abschluss. Mit ihrem Pflegesohn Rudolf Rochs aus Berlin, dem Kind ihrer früh verstorbenen Schwester, zog sie in das westfälische Wiedenbrück, um ihn dort auf der „guten Wiedenbrücker Knabenschule“ unterrichten zu lassen. Hier führte sie bis 1825 ein stilles und mildtätiges Leben. Sie befreundete sich mit der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick aus Dülmen, pflegte sie und sichtete nach deren Tod 1824 ihren Nachlass. Hierher reiste auch Brentano, der Luise und die Nonne porträtierte. Die jahrzehntelange Freundschaft mit Brentano war für den Dichter Anlass, Luise Hensel die Sichtung seines literarischen Nachlasses zu übertragen, mit der Aufgabe, sein Werk nach seinem Tode in die Öffentlichkeit zu bringen. Bis 1872 lebte Luise Hensel alljährlich für einige Wochen oder Monate auf Schloss Knippenburg, das ihr Freund Friedrich Carl Devens, Landrat und Mitglied des Westfälischen Provinziallandtags, 1821 erworben hatte. Sie war die Erzieherin seiner Töchter Maria Antonette und Therese.[6] Wenn sie auf Schloss Knippenburg weilte, bildete sich um sie ein Hauskreis, zu dem auch die Brüder Anton, Leopold und Prosper Devens gehörten sowie der letzte Komtur der Kommende Welheim.[7] Immer wieder kamen auch Mitglieder der Familien Krupp, Haniel, Fürstenberg-Borbeck und Westerholt dazu.[8] Die Aufenthalte auf dem Wasserschloss an der Emscher inspirierten sie zu ihrem bekannten Gebet Müde bin ich, geh zur Ruh und dem Gedicht Knippenburg: Grau ragt und ernst ein Schloß empor Aus Fluren und uralten Bäumen; Es öffnet sich freundlich das gastliche Tor Zu des Hauses stattlichen Räumen. Und die Myrthe grünt und der Lorbeer rauscht Und Orangen wehen im Winde Und manch’ ein freundliches Wort wird getauscht An der grünen duftigen Linde. Doch auf der Terrasse, auf Garten und Park Ruht nicht nur poetisches Weben, Es tönt das Wort durch Herzen und Mark, Das Wort vom ewigen Leben; Denn, wenn die Glocke des Turmes erschallt Hoch über der stillen Kapelle, Dann ist die Rede des Mundes verhallt Wie des Baches fliehende Welle — — —.[9] Eine lebenslange Wallfahrt Denkmal für Luise Hensel in Paderborn Eine weitere wichtige Bekanntschaft aus der Zeit mit Brentano und Emmerick in Westfalen war Apollonia Diepenbrock aus Bocholt. Apollonia Diepenbrock und Luise Hensel waren mit der Konvertitin Maria Pohl, der Tochter des Physikers Georg Friedrich Pohl, befreundet, die in engem Kontakt zum Breslauer Fürstbischof Förster stand.[10] Gemeinsam fassten die Freundinnen den Entschluss, karitativ tätig zu werden, ohne jedoch einem Orden beizutreten. Sie reisten nach Koblenz, wo sie 1825/1826 als Freiwillige im neu eingerichteten Bürgerhospital halfen, einem ehemaligen Franziskanerkloster. Diepenbrock ging danach andere Wege. Hensel führte von nun an ein entbehrungsreiches Leben als Pilgerin, nach ihrem Aufenthalt in Koblenz vor allem in Sondermühlen und im Mädchenpensionat Marienberg bei Boppard, unterbrochen von 1827 bis 1833 durch ihre erzieherische Tätigkeit an der Höheren Töchterschule St. Leonhard in Aachen. Hier unterrichtete sie u. a. drei Schülerinnen, die später Ordensgründerinnen wurden: Clara Fey, die Gründerin des Ordens der Schwestern vom armen Kinde Jesus, Franziska Schervier, die Gründerin des Ordens der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus, und Pauline von Mallinckrodt, die Gründerin der Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe. In Aachen wurde sie durch den Heiratsantrag des Arztes Clemens August Alertz, des späteren Leibarztes des Papstes Pius IX., erneut in eine schwere Prüfung ihrer religiösen Haltung geführt. Von 1833 bis 1837 lebte sie in Berlin und Dresden, danach bis 1840 im Stift Neuburg im Haus der Gattin von Johann Friedrich Heinrich Schlosser. 1841 zog sie nach Köln und gründete dort einen karitativen Kreis, das „Armenkränzchen“. Dadurch kam sie in Kontakt mit der Familie des Kaufmanns Wilhelm Bartman, Vorstandsmitglied im Kölner Dombauverein, der für seine im gleichen Jahr verwaiste Nichte und seine beiden Neffen eine Erzieherin suchte. Von 1842 bis Ende 1849 führte sie den Haushalt in dem Bartmanschen Haus am Heumarkt 76 und zog die Kinder groß. 1853 ging sie nach Wiedenbrück und lebte dort mit Unterbrechungen bis 1872. Danach zog sie schließlich nach Paderborn, in die Nähe von Pauline von Mallinckrodt, ihrer Schülerin aus Aachener Zeiten. Gegen Ende ihres Lebens scheint Luise Hensel in Vergessenheit geraten zu sein, wie aus der Antwort einer Zeitung auf einen Leserbrief hervorgeht: „Die Dichterin Luise Hensel lebt unsers Wissens noch, und zwar in Wiedenbrück bei Gütersloh. Diese Annahme finden wir auch dadurch bestätigt, daß ein infolge Ihrer Anfrage sofort nach Wiedenbrück gerichteter Brief zwar noch nicht beantwortet, aber auch von der Post nicht zurückgeschickt worden ist, was wol sicher der Fall gewesen wäre, wenn die Dame nicht mehr lebte.“ – Illustrirte Zeitung Nr. 1712 vom 22. April 1876[11] Luise Hensel starb am 18. Dezember 1876 im Westphalenhof bei Paderborn und wurde auf dem Ostfriedhof der Stadt unweit der Kapelle beigesetzt. Werke Ihre Gedichte, zuerst mit Gedichten ihrer Schwester Wilhelmine vereinigt (herausgegeben von Hermann Kletke, Berlin 1858, Digitalisat), zeichneten sich hauptsächlich durch den Geist milder, inniger und sehnsüchtiger Frömmigkeit aus. Ihr Abendlied bzw. Nachtgebet Müde bin ich, geh’ zur Ruh[12] zählt zu den Perlen der deutschen religiösen Lyrik. Einer vollständigen Sammlung der Lieder (herausgegeben von Christoph Bernhard Schlüter, Paderborn 1869, Digitalisat; 6. Aufl. 1886) folgten Briefe der Dichterin Luise Hensel (daselbst 1878, Digitalisat). Beispiel Gedenktafel für Luise Hensel am Westphalenhof in Paderborn Gedenktafel für Luise Hensel am Wohnhaus Bilker Straße 14 in Düsseldorf Müde bin ich, geh zur Ruh (1816), hier der Text des Erstdrucks 1829:[13] Nachtgebet Müde bin ich, geh zur Ruh, Schließe beyde Aeuglein zu: Vater, laß die Augen dein Ueber meinem Bette seyn! Hab’ ich Unrecht heut gethan, Sieh es, lieber Gott, nicht an! Deine Gnad’ und Jesu Blut Macht ja allen Schaden gut. Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand. Alle Menschen, groß und klein, Sollen dir befohlen seyn. Kranken Herzen sende Ruh, Nasse Augen schließe zu; Laß den Mond am Himmel stehn, Und die stille Welt besehn! Literatur Paul Gerhard Aring: Hensel, Luise. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 1086. Ferdinand Bartscher: Der innere Lebensgang der Dichterin Luise Hensel. Schöningh, Paderborn 1882. Franz Binder: Luise Hensel. Ein Lebensbild nach gedruckten und ungedruckten Quellen. Herder, Freiburg/B. 1885 (Digitalisat der UB Paderborn). Winfried Freund: Müde bin ich, geh zur Ruh: Leben und Werk der Luise Hensel. Güth & Etscheidt, Rheda-Wiedenbrück 1984, ISBN 3-922828-15-9. Wolfgang Frühwald: Hensel, Louise Maria. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 560–561 (deutsche-biographie.de). Hermann Kletke: Gedichte von Luise und Wilhelmine Hensel. Verlag von Ludwig Raul, Berlin 1857. Christoph B. Schlüter (Hrsg.): Lieder von Luise M. Hensel. Schöningh, Paderborn 1869. Josef H. Reinkens: Luise Hensel und ihre Lieder. Verlag Neusser, Bonn 1877 (auf der Autobiografie der Dichterin beruhend). Christoph B. Schlüter (Hrsg.): Briefe der Dichterin Luise Hensel. Schöningh, Paderborn 1878. Joseph Hubert Reinkens: Hensel, Louise. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 1–3. Irina Rockel: Wilhelm und Luise Hensel – Geschwister aus Linum. Ruppiner Jahrbuch ’93, S. 57 ff., Berlin 1992. Barbara Stambolis: Luise Hensel (1798–1876). Frauenleben in historischen Umbruchszeiten. SH-Verlag, Köln 1999, ISBN 3-89498-054-0. Rüdiger Krüger: Zur Situation der katholischen Kirche im preußischen Wiedenbrück im Spiegel des Lebens der Luise Hensel und ihrer Briefe an Christoph Bernhard Schlüter. In: Johannes Meier (Hrsg.): Der Kreis Wiedenbrück in seinen ersten Jahrzehnten. Strukturen und Personen (= Veröffentlichungen aus dem Kreisarchv Gütersloh. Band 15). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2018, S. 119–153. | HENSEL, Luise (I60780)
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| 3961 | Leben Margareta war die älteste Tochter des Prinzen Eduard Ætheling von England (1016–1057), eines Sohns des englischen Königs Edmund II. (989–1016), und seiner Ehefrau Prinzessin Agathe von Ungarn, einer Nichte des Kaisers Heinrich III. Sie wuchs zusammen mit ihren beiden Geschwistern, Edgar Ætheling und Christina, in Ungarn auf. Nach der Schlacht von Hastings floh Margaret 1066 nach Schottland und heiratete dort den schottischen König Malcolm III. – einen Sohn jenes Königs, den MacBeth ermordet hatte und an dessen Familie sich Malcolm III. dann so grausam rächte, dass er den Beinamen „der Blutige“ erhielt. Wohl vor allem Margarets Einfluss besänftigte den König. Margareta und Malcolm hatten acht Kinder. Sie setzte sich für eine bessere Volksbildung ein, beseitigte alte keltische Bräuche, war eine wohltätige, fromme und beim Volk sehr beliebte Königin und gründete die später berühmte Abtei Dunfermline. Margareta verstarb drei Tage nach dem Tod ihres Mannes und ihres ältesten Sohns Eduard am 16. November 1093 in Edinburgh. Es wird gesagt, sie sei an der Trauer über die schlechten Nachrichten des Todes ihres Mannes und Sohnes gestorben.[1] In Dunfermline wurde Margaret an der Seite ihres Mannes beigesetzt. Andenken Die St Margaret’s Chapel im Edinburgh Castle steht unter ihrem Patrozinium und der Kirchenbau ist das älteste, noch erhaltende Gebäude der schottischen Hauptstadt.[1] Viele Kirchen und Kirchengebäude in der ganzen Welt stehen unter ihrem Patrozinium. Ein Beispiel dafür wäre das heutige Gillis Centre, welches als St Margaret’s Convent and School gegründet wurde. Sie wird im Volksmund als die „Perle von Schottland“ bezeichnet.[1] Heiligsprechung und Reliquien 1251 wurde Margareta von Papst Innozenz IV. (um 1195–1254) heiliggesprochen. Ihr anglikanischer wie katholischer (nicht gebotener) Gedenktag ist der 16. November. Zur Zeit der Reformation wurden die Gebeine Margaretas und ihres Ehemanns in die El-Escorial-Kapelle bei Madrid überführt. Der Kopf Margaretas befand sich zeitweise im Besitz der schottischen Königin Maria Stuart (1542–1587), später gelangte er nach Antwerpen und von dort zum Schottischen College in Douai. | VON SCHOTTLAND, Margareta (I61394)
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| 3962 | Leben Maria Augusta war die Tochter von Fürst Anselm Franz von Thurn und Taxis und seiner Gemahlin, Fürstin Maria Ludovika Anna geborene Prinzessin von Lobkowitz (1683–1750). Ihre ersten achtzehn Lebensjahre verbrachte Maria Augusta in den anfänglich spanischen, ab 1714 österreichischen Niederlande. Im Jahr 1724 zog sie zusammen mit ihrer Familie nach Frankfurt am Main, wo sich die Verwaltungszentrale der Kaiserlichen Reichspost befand. Am 1. Mai 1727 heiratete sie den kaiserlichen Generalfeldmarschall und Statthalter des Königreichs Serbien Herzog Carl Alexander von Württemberg. Sie bekam im Laufe der Jahre fünf Söhne und eine Tochter, wurde aber bereits im Alter von dreißig Jahren Witwe und hatte in der Folgezeit mit der Politik der regionalen Eliten zu kämpfen, die schon gegen ihren Gemahl opponiert hatten. Die Vormundschaft für ihren ältesten Sohn Carl Eugen, den Thronnachfolger des Württembergischen Herzogtums, war umstritten. In den Streitigkeiten vertrat sie zunächst einen strikt kaiserlichen Kurs, vollzog aber 1737 einen radikalen Kurswechsel mit einer Orientierung nach Preußen hin. Auf diese Weise erreichte sie im November 1737 einen Ausgleich mit dem Administrator Herzog Carl Rudolf von Württemberg-Neuenstadt und sicherte sich so ihr finanzielles Auskommen sowie ihren Einfluss auf die Erziehung ihrer Kinder. 1739 machte sie den Marquis d’Argens zu ihrem Kammerherrn und wahrscheinlich auch Geliebten. 1741 gab sie ein nach ihr benanntes württembergisches Dragonerregiment an die preußische Armee ab, das sie bereits seit 1734 führte. 1741 bekam sie den preußischen Schwarzen Adlerorden verliehen, 1745 wurde sie in den brandenburgisch-kulmbachischen Roten Adlerorden aufgenommen, noch im gleichen Jahr auch in den russischen Katharinenorden. Um den Einfluss des Preußen Friedrich des Großen auf ihre Söhne nicht überhandnehmen zu lassen, betrieb sie die vorzeitige Mündigkeitserklärung ihres Sohnes Carl Eugen. Im Jahr 1750 geriet sie aber in einen heftigen Streit mit ihrem nunmehr regierenden Sohn, so dass dieser sie in Verwahrung nehmen ließ. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie abgeschirmt im Göppinger Schloss. Nachkommen Die Kinder des Herzogs Carl Alexander von Württemberg und der Herzogin Maria Augusta von Württemberg waren: Carl Eugen (1728–1793) Eugen Ludwig (*/† 1729) Ludwig Eugen (1731–1795) Friedrich Eugen (1732–1797) Alexander (1733–1734) Auguste Elisabeth (1734–1787) ⚭ mit Karl Anselm von Thurn und Taxis Literatur Gabriele Haug-Moritz: Maria Augusta. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 256–258. Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 4: Das Haus Württemberg von Herzog Eberhard Ludwig bis Herzog Carl Alexander. Mit den Linien Stuttgart und Winnental. Landhege, Schwaigern 2015, ISBN 978-3-943066-39-5, S. 481–532. Karin de la Roi-Frey: Herzogin Maria Augusta von Württemberg (1706–1756), geborene Prinzessin von Thurn und Taxis. In: dies.: Mütter berühmter Schwabenköpfe. Stieglitz, Mühlacker 1999, ISBN 3-7987-0349-3, S. 11–37. Theodor Schön: Herzogin Maria Augusta von Württemberg, geborene Prinzessin von Thurn und Taxis. In: Diözesanarchiv von Schwaben, 25. Jg. 1907 und Fortsetzungen bis 30. Jg. 1912. Jürgen Walter: Carl Eugen von Württemberg – ein Herzog und seine Untertanen. Biographie. Stieglitz, Mühlacker 1987, ISBN 3-7987-0243-8. Gekürzte Neuauflage unter dem Titel: Carl Eugen von Württemberg – Biographie. Stieglitz, Mühlacker 2009, ISBN 978-3-7987-0398-8. | VON THURN UND TAXIS, Maria Augusta (I61220)
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| 3963 | Leben Markgraf Rudolf VI. ist der Sohn von Markgraf Friedrich III. von Baden (* um 1327; † 2. September 1353) und Margareta von Baden († 1. September 1367). 1353 trat Rudolf die Nachfolge seines Vaters an. Im gleichen Jahr war schon sein Vetter verstorben, der Markgraf von Baden zu Eberstein, Hermann IX. dessen Erbprinz, Friedrich IV. bereits vor ihm gestorben war, so dass nun Rudolf auch Hermann IX. beerbte. 1361 starb auch Rudolfs Onkel, Rudolf V., so dass unter Rudolf VI. die Markgrafschaft Baden wieder vereint war, da die anderen Linien erloschen waren. Unter seiner Regentschaft wurden die Markgrafen von Baden erstmals als Reichsfürsten anerkannt. Markgraf Rudolf VI. war verheiratet mit Mechthild von Sponheim († 1. November 1410). Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor: Bernhard (* 1364; † 5. April 1431), regierender Markgraf Rudolf († 1391) Matilde (Mechthildis) († 3. August 1425 in Schleusingen) ⚭ 4. Juli 1376 Graf Heinrich von Henneberg (* 1350; † 26. Dezember 1405) Siehe auch: Stammliste des Hauses Baden | (BADEN), Rudolf VI. (I61276)
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| 3964 | Leben Mathilde von Rothschild war die zweitälteste Tochter von Anselm Salomon von Rothschild, einem Chef des Wiener Hauses Rothschild. 1849 heiratete sie den Bankier Wilhelm Carl von Rothschild, dieser war ein Vetter ihres Vaters. Rothschild-Haus (mit Giebel) auf der Zeil, um 1880 Wohnen in Frankfurt und im Taunus Neues Palais an der Grünen Burg (Grüneburgpark) Villa Rothschild in Königstein Der Wohnsitz des Ehepaares war zuerst (1849) das Rothschild-Haus (Zeilpalast) auf der Zeil 34 (heute etwa 92), das Amschel Mayer von Rothschild 1834 erworben hatte. Rothschild stiftete 1903 das nach ihr und ihrem verstorbenen Gatten benannte Freiherrlich Wilhelm u. Freifrau Mathilde von Rothschild’sche Altersheim für Israelitische Frauen und Jungfrauen besserer Stände. Das Stift mit 25 Plätzen wurde 1941 von den Nationalsozialisten zwangsgeräumt. Danach bis zur Zerstörung 1944 war es Hauptbefehlsstelle der Obdachlosenpolizei. In der 2. Hälfte der 1860er Jahre siedelten Willi von Rothschild und seine Frau nach dem Palais im Grüneburgareal über. Das Grüneburgareal gehörte seit 1837 den Rothschilds, 1845 bauten sie dort ein Schloss. In den späteren Jahren weilte die Baronin oft in Königstein, wo sie inmitten großer Parkanlagen ihre Villa hatte (das spätere Hotel Sonnenhof). Auszug aus dem Text: „In wunderbarer Gebirgslage des Taunus, umgeben von einem Kranze von Schlössern und Villen von lieblichen Wiesen und Wäldern und von majestätischen Bergen, liegt Königstein im Taunus, bekannt als einer der schönsten Punkte Deutschlands und wegen seiner überaus malerischen Lage und sonstigen Vorzüge mit Recht als die „Perle des Taunus“ gepriesen. (…) Aber auch die Neuzeit hat in Königstein grossartige Bauwerke entstehen lassen. So liegt unweit der Ruine das Schloss Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin von Luxemburg und der Ruine gegenüber gleichsam das „Einst“ und „Jetzt“ charakterisierend, das pompöse Schlösschen Andreae. Weiter sind es die Besitzungen der Familie Borgniss, Baronin von Steiger, Freiherrn von Bethmann, Baronin von Rothschild und Anderer, welche zum Teil als architektonische Kunstwerke den landschaftlichen Reiz erhöhen. In der Nachbarschaft, an der Straße Homburg-Königstein, liegt das Schloss Friedrichshof, der Sommeraufenthalt der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen.“ Musikalisches Interesse Die Baronin war künstlerisch begabt und komponierte kleinere Stücke. Im kaiserlichen Schloss Friedrichshof verkehrten die Künstler der Kronberger Malerkolonie, oft war dieser Kreis zur Baronin eingeladen, nicht nur nach Königstein, sondern auch in die Grüneburg. Auch Frédéric Chopin wurde des Öfteren dort gesehen. Mathilde nahm Klavierstunden bei ihm. Um 1894 vertonte sie ein Gedicht von Victor Hugo: Si vous n’avez rien à me dire ... Die Baronin in einer Chronik der Weimarer Republik „In ihrem schönen Frankfurter Palais, im Sommer auf ihrem Landsitz im Taunus, empfing sie nicht nur die Gesellschaft ihrer Heimatstadt, sondern auch zahlreiche Fürstlichkeiten, wie die Kaiserin Friedrich, ihren Bruder Eduard VII., das Grossherzogspaar von Hessen, die verschiedenen in und um Frankfurt wohnenden Mitglieder der landgräflich hessischen Familie und andere mehr. Auch Wilhelm II. war verschiedene Male zu Gast der geistreichen und von ihm sehr geschätzten Baronin. Bekanntlich sind die Rothschilds ihrem Glauben treu geblieben und befolgen aufs strengste die rituellen Vorschriften der jüdischen Religion. So aß die verstorbene Baronin Mathilde Rothschild nur koscheres Fleisch und rührte, da sie ihren Gästen normales Essen vorsetzte, bei den grossen von ihr gegebenen Diners keinen Bissen an.“[1] Mäzenatentum In der Dokumentation des Königsteiner Stadtarchivars Sturm-Godramstein heißt es über sie: Die Baronin, die jährlich 430 Millionen Mark Vermögen versteuerte, war künstlerisch begabt: sie musizierte und komponierte auch ein wenig. Als Mäzenatin bleibt ihr Name unvergessen. Ihre reich dotierten Stiftungen kamen dem Forschungswesen und der Kunst ebenso zugute wie der Wohltätigkeit. Dazu gehörte auch eine Stiftung für alleinstehende Frauen aller Konfessionen. Paul Arnsberg schreibt über sie: Die Baronin war eine herausragende Persönlichkeit und hatte die für die Gründer-Generation der Rothschilds spezifische Energie. Sie war eine bedeutende Mäzenatin und unterstützte in bedeutendem Ausmaße viele wissenschaftliche Forschungsprojekte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Vor allem war sie aktiv auf dem Gebiete der Wohltätigkeit. Im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden gibt es nur fragmentarische Angaben zu ihren Schenkungen.[2] (Die Hauptdispositionen waren bereits durch ihren Mann getroffen worden.) Doch einiges verdient, genannt zu werden: an die Stadt Frankfurt am Main 500.000 Mark (zusammen mit der Stiftung des Freiherrn von Goldschmidt-Rothschild 1 Million Mark); Stiftung für arme Israeliten in Frankfurt am Main 250.000 Mark; für den Neubau der Israelitischen Mädchen-Waisenanstalt 160.000 Mark; zum Neubau eines Israelitischen Hospitals 50.000 Mark; Denkmal für die einstige Synagoge, die von der Baronin mitfinanziert wurde Am Waldessaum auf dieser Cinderella ist die Synagoge zu erkennen Der Israelitischen Waisenanstalt in der Uhlandstraße in Frankfurt am Main stellte sie Mittel zum Ausbau zur Verfügung, ebenso der Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden. Dem Hospital der Israelitischen Gemeinde in der Gagernstraße in Frankfurt am Main spendete sie 100.000 Mark für einen Saal. Den Neubau der Königsteiner Synagoge, die im Jahre 1906 fertiggestellt wurde, ermöglichte sie auf Grund einer Schenkung in Höhe von 50.000 Mark. Das Museum für jüdische Altertümer in Frankfurt am Main wurde 1922 mit ihrer Hilfe im früheren Rothschildschen Bankhaus eingerichtet, ebenso dort, in der Fahrgasse 146, das Museum der Rothschilds. In Baden-Baden kaufte sie ein Haus, in dem ein Erholungsheim für erschöpfte Frauen errichtet wurde. Sie war sehr interessiert an der Israelitischen Lungenheilstätte in Nordrach, eine Stiftung ihrer Tochter Adelheid, der Baronin Edmond de Rothschild, Paris, die als Gründungskapital einen Betrag von 1 Million Mark stiftete. Doch auch Mathilde ließ dieser Stiftung ein nicht unwesentliches Legat zuteilwerden. Zu ihren Hospitalstiftungen gehörte das Rothschild’sche Hospital und die Georgine Sara von Rothschild’sche Stiftung, benannt nach ihrer jung verstorbenen ältesten Tochter.[3] Sie stiftete maßgeblich die Lungenheilanstalt in Ruppertshain, die von Fritz Hallgarten geleitet wurde. im Jahre 1911 für den Neubau der Klinik Dr. Hugo Amelung in Königstein 100.000 Mark; im Jahre 1905 für ein großzügiges Erholungsheim für aktive Offiziere in Falkenstein. Kaiser Wilhelm II. hatte das nötige Geld regelrecht „erbettelt“, dazu suchte er die Baronin Rothschild persönlich auf. für Soldaten-Stiftungen 30.000 Mark usw. Wenn die Baronin an ihrem Schreibtisch saß, hätte sie als eine regierende Fürstin gelten können. (Sie wurde oft mit der rumänischen Dichter-Königin Carmen Silva verglichen.) Sie war die reichste Frau Frankfurts. Die Schätzungen zur Höhe ihres Vermögens gehen weit auseinander. Wilhelm Carl von Rothschild hatte „meine beiden lieben Kinder, Adelheid und Minna“ zu gleichen Teilen als Haupterbinnen eingesetzt.[4] Seiner Frau blieb nur der kleinere Teil. Gleichwohl war Mathilde von Rothschild eine der reichsten Frauen Deutschlands. Nach dem Tode der Baronin Grab von Mathilde von Rothschild (rechts) Über ihren Besitz hatte die Baronin in zahlreichen Einzellegaten verfügt. Die Villa Rothschild in Königstein erbte ihr Enkel Rudolf von Goldschmidt-Rothschild (* 1. November 1881; † 8. September 1962 in Basel, beerdigt neben seinem Bruder Albert im Familiengrab in Lausanne). Er hatte in München Malerei studiert und lebte als Kunstmaler in Frankfurt am Main, gehörte zeitweilig dem Ausschuss bzw. dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde an und war ein geschätzter Gastgeber vor allem für Künstler und Journalisten, darunter Heinrich Simon. 1938 wanderte er in die Schweiz aus. Abschließend sei bemerkt, dass Rudolf von Goldschmidt-Rothschild und seine vier Geschwister aus dem jüdischen Glauben herausheirateten. In den 1960er Jahren verkauften die Rothschild-Erben ein Grundstück in Königstein, auf dem ein evangelisches Gemeindezentrum gebaut wurde. Würdigung Nach Mathilde von Rothschild wurden in Frankfurt am Main die Mathildenstraße und Mathildenplatz im Stadtteil Oberrad benannt. | VON ROTHSCHILD, Wilhelmine Hannah Mathilde (I55658)
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| 3965 | Leben Matzerath, Spross einer rheinischen Juristenfamilie, Sohn des Notars Johannes Matzerath (1762–1835) und dessen Ehefrau Maria Adelheid Alexandrina Schotten (1777–1859), studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Düren, das er 1830 mit „einem glänzenden Zeugniß geistiger Reife“ verließ, Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Danach begann er seine berufliche Tätigkeit als Auskultator und Referendar beim Amtsgericht Köln. Parallel betrieb er geschichtliche und literarische Studien. 1838 veröffentlichte er bei Johann Georg Cotta in Stuttgart eine Sammlung seiner Gedichte. 1840/1841 gab er – gemeinsam mit Karl Simrock und Ferdinand Freiligrath – in zwei Jahrgängen das Rheinische Jahrbuch für Kunst und Poesie heraus. Matzerath, ein Mitglied des Maikäferbundes, ermutigte seinen Freund Nikolaus Becker 1840 zu dessen Rheinlied. Nachdem er 1840 zum Assessor ernannt worden war, berief ihn das preußische Justizministerium als „Hilfsarbeiter“ nach Berlin. Fünf Monate später wurde er dem Kultusministerium unter Friedrich Eichhorn zur Beschäftigung überwiesen. In dieser Zeit (1842) heiratete er Amalia Augusta Paulina (Pauline) Löwe (1821–1853), Tochter des Berliner Fabrikanten Heinrich Joseph Löwe († 1861) und dessen Ehefrau Amalie Wallach (1798–1877), Tochter des Kattun-Fabrikanten Heymann Moses Wallach.[1] Das Paar bekam zwei Kinder, Tochter Hedwig (1843–1911), später Ehefrau des Zuckerindustriellen Valentin Pfeifer (Pfeifer & Langen), und den Sohn Walter (1849–1878).[2] Grabstätte der Familie Matzerath Auf eigenen Wunsch wurde er am 1. Oktober 1847 zur Königlichen Regierung in Aachen als Justiziar in den Verwaltungsdienst der Rheinprovinz versetzt. Diese Stellung behielt er bis März 1856. 1850 war er Mitglied des Volkshauses des Erfurter Unionsparlaments. Von 1849 bis 1851 betätigte er sich als Abgeordneter für Montjoie in der Zweiten Kammer des Preußischen Landtags. 1852 lehnte er die Wiederwahl ab, „weil er seine Ueberzeugung der damaligen Richtung der Staatsregierung nicht unterzuordnen vermochte“. 1856 wurde er preußischer Staatskommissar in der Direktion der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft, eine Funktion, die er intensiv angestrebt hatte. Als solcher wohnte er wieder in Köln und setzte sich vehement für den Bau der Dombrücke ein. Ein schweres Augenleiden, das ihn seit längerem beeinträchtigte, bewog ihn 1866 aus dem Staatsdienst auszuscheiden. Fortan widmete er sich vor allem wieder der Lyrik. Einige seiner Gedichte wurden in der Kölnischen Zeitung veröffentlicht. Matzerath starb 1876 im Alter von 61 Jahren in Köln; seine Grabstätte liegt auf dem Melaten-Friedhof (Lit. M, zwischen HWG und Lit. O). | MATZERATH, Christian Joseph (I52770)
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| 3966 | Leben Maximilian Heine, in seiner Familie Max genannt, kam als jüngstes von vier Kindern des Tuchhändlers Samson Heine und dessen Ehefrau Betty (eigentlich Peira), geborene van Geldern, zur Welt. Seine Erziehung erfolgte im Geiste der Haskala, der jüdischen Aufklärung, zu deren Zielen die Emanzipation der Juden und deren weitgehende Assimilation gehörten. Maximilian Heine ging in Düsseldorf, Oldesloe und Lüneburg zur Schule und studierte anschließend an der Universität zu Berlin und an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie in Heidelberg und Göttingen. In Göttingen wurde er 1828 zum Doktor der Medizin promoviert. Im Mai desselben Jahres reiste er nach Würzburg, wohnte dort in der Haugerpfarrgasse und wurde 2. chirurgischer Assistent bei Cajetan von Textor.[4] Nach einem Besuch der Kliniken in Wien trat er 1829/1830 als Chirurg in den Dienst der Kaiserlich Russischen Armee und nahm im Rahmen des Russisch-türkischen Kriegs am Balkanfeldzug des Generals Diebitsch teil. Vier Jahre später veröffentlichte er seine Erinnerungen an diesen Krieg. Ein weiterer Einsatz als Militärarzt erfolgte 1832 während der Niederschlagung des Polnischen Aufstands durch die russische Armee. Anschließend kehrte er nach Russland zurück, wurde ordinierender Arzt in verschiedenen Spitäler der Residenzstadt Sankt Petersburg und übernahm dort die Stelle als Chefarzt an einer Militärschule. Nach seinem Abschied aus der Armee wurde er zum Hofrat ernannt und in den erblichen Adelsstand erhoben. Von 1844 bis 1860 gab Maximilian von Heine zusammen mit Rudolph Krebel und Karl Heinrich Thielmann die in Sankt Petersburg erscheinende, deutschsprachige „Medicinische Zeitung Russlands“ heraus.[5] Er pflegte ein enges, freundschaftliches Verhältnis zu seinem Bruder Heinrich Heine, den er mehrfach in seinem Pariser Exil besuchte.[6] Nach Heinrich Heines Tod verfasste Maximilian von Heine eine Biographie seines Bruders, worum dieser ihn nach eigenem Zeugnis ausdrücklich gebeten hatte.[7] Maximilian von Heine starb auf einer Reise in Berlin.[8] Siehe auch Heine (Familie) | VON HEINE, Maximilian (I61095)
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| 3967 | Leben Maximiliane Brentano war eine Tochter von Antonie Brentano geb. Edle von Birkenstock (1780–1869) aus deren Ehe mit dem Frankfurter Bankier und Großkaufmann Franz Brentano (1765–1844). Im Herbst 1809 zog sie mit ihrer Mutter nach Wien und wohnte dort im Haus ihres kurz zuvor verstorbenen Großvaters Johann Melchior Edler von Birkenstock (1738–1809) in der Vorstadt Landstraße, Erdberggasse Nr. 98, in dem Beethoven ab 1810 regelmäßig verkehrte. Ihr Klavierlehrer war in dieser Zeit vermutlich Wilhelm Karl Rust (1787–1855). Hofrat Joseph Wilhelm Witteczek (1787–1859), der im Nachbarhaus Erdberggasse Nr. 97 wohnte, erzählte später Carl Czerny, dass Beethoven Maximiliane „bisweilen neckte“, wohingegen sie ihm einmal, „als er eben sehr erhitzt war, in kindischem Muthwillen eine Flasche eiskaltes Wasser unversehens über den Kopf schüttete.“[1] Im Frühjahr 1812 komponierte Beethoven für Maximiliane das einsätzige Klaviertrio B-Dur WoO 39, das er mit der Aufschrift versah: „Vien am 26ten juni. 1812. für meine kleine Freundin Maxe Brentano zu ihrer Aufmunterung im Klawierspielen. – lvBthwn.“ Das Autograph enthält zudem einen eigens für die Neunjährige notierten Fingersatz.[2] Im Herbst 1812 kehrte sie mit ihrer Familie nach Frankfurt zurück. 1821 widmete ihr Beethoven die Erstausgabe seiner Klaviersonate E-Dur op. 109, die bei Adolph Martin Schlesinger in Berlin erschien.[3] Er sandte ihr die Noten am 6. Dezember 1821 zusammen mit einem Brief, in dem er schrieb: „Eine Dedikation!!! – nun Es ist keine, wie d.g. in Menge gemißbraucht werden – Es ist der Geist, der edle u. bessere Menschen auf diesem Erdenrund zusammenhält, u. keine Zeit den zerstören kann, dieser ist es, der jezt zu ihnen spricht, u. der Sie mir noch in ihren Kinderjahren gegenwärtig zeigt, eben so ihre geliebte Eltern, ihre So vortreffliche geistvolle Mutter, ihren So von wahrhaft guten u. edlen Eigenschaften beseelten vater, stets dem wohl seiner Kinder Eingedenk, u. so bin ich in dem Augenblick auf der Landstraße – u. sehe sie vor mir, u. indem ich an die vortrefflichen Eigenschaften ihrer Eltern denke, läßt es mich gar nicht zweifeln, daß Sie nicht zu Edler Nachahmung sollten begeistert worden seyn, u. täglich werden – nie kann das andenken einer edlen Familie in mir erlöschen, mögen Sie meiner manchmal in güte gedenken“[4] Maximiliane Brentano hielt sich zu dieser Zeit in Paris auf, wohin sie im Spätsommer 1821 gereist war, zusammen mit ihrer Mutter und dem Bruder Carl (1813–1850).[5] Er litt an einer schweren körperlichen und geistigen Behinderung und wurde dort von dem berühmten Arzt Franz Joseph Gall mit einer Moxa-Therapie behandelt. Sie selbst zog sich in Paris eine gefährliche Handverletzung zu. Bettina von Arnim schrieb am 22. März 1822 besorgt an ihren Mann Achim von Arnim: „Max hat sich in Paris so in den Finger geschnitten daß er steif geworden dieß hat groß Wehklagen verursacht weil sie sehr gut Klavier spielen konnte, was vielleicht ganz dadurch aufhören muß“.[6] Wahrscheinlich verkehrte Maximiliane in Paris auch bei der geistreichen Dichterin Lulu von Jordis (1787–1854), einer Halbschwester von Franz Brentano, die mit ihrem Ehemann, dem Bankier Carl von Jordis (1781–1839), seit 1812 in Paris lebte und dort einen Salon unterhielt.[7] Am 30. Dezember 1824 heiratete Maximiliane Brentano in Frankfurt den späteren badischen Geheimrat und Staatsminister Friedrich von Blittersdorf (1792–1861), mit dem sie vier Kinder hatte. Um 1838 erschien in England eine Ausgabe von Beethovens Klaviersonate B-Dur op. 106, der sogenannten „Hammerklaviersonate“, mit einer Widmung an „Maxemiliana [!] Brentano“, die wohl irrtümlich erfolgte.[8] 1852 porträtierte Moritz von Schwind sie – am Flügel sitzend – auf seinem allegorischen Gemälde Eine Symphonie, auf der im unteren Teil eine Probe zu Beethovens Chorfantasie dargestellt ist.[9] | BRENTANO, Maximiliane Euphrosine Kunigunde (I59642)
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| 3968 | Leben Meyer Wulff gründete Handels- und Transport-Unternehmen, war in Preußen Lieferant der Armee und der Münze und organisierte das Postwesen. 1793 erwarb er die Erbpacht für das Potsdamer Leihhaus, von 1794 bis 1806 war er Generalpächter der staatlichen preußischen Lotterie. Er war vielfacher Hausbesitzer und Hypothekengläubiger, um 1800 nannte er sich Bankier, allgemein wurde er Berliner Krösus genannt. Besonders unter Friedrich Wilhelm II. genoss Wulff das Wohlwollen des Hofes. Louis Eichborn nannte ihn einen Mann, der durch Privilegien und sonstige Vorteile mit Gewalt zum Nachteil der übrigen Welt reich gemacht worden sei. Auch wenn unter dem Freiherren vom Stein die Privilegien eingeschränkt wurden, so war Wulff 1812 doch noch der reichste Bürger Berlins. 1786 wurde Liepmann Meyer Wulff neben David Friedländer und Isaak Daniel Itzig als ein Repräsentant der preußischen Juden gewählt. Ziel des dreiköpfigen Gremiums war die bürgerliche Gleichstellung und weitere Emanzipation der Juden. Wulff vertrat dabei die Position des traditionellen Judentums. Er war sozial engagiert und stiftete um 1780 die Lippmann-Tauss-Synagoge. Diese befand sich mit einer angeschlossenen Religionsschule seit 1893 in der Berliner Königsstadt, Gollnowstraße 12, und wurde 1937 geschlossen, das Gebäude später zerstört. Eine Tochter von Liepmann Meyer Wulff war Amalie Beer, deren Sohn war der Komponist Giacomo Meyerbeer. | WULFF, Liepmann Meyer (I60829)
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| 3969 | Leben Moritz Embden war der Bruder von Abraham Adolph Embden (1780–1855), der von 1815 bis 1820 Gemeindevorsteher der Altonaer jüdischen Gemeinde war und dort als Jude erster Steuerklasse geführt wurde.[1] Moritz Embden lebte in Hamburg und war seit 1823 mit Charlotte Embden (1800–1899), der Schwester Heinrich Heines, verheiratet. Sie wohnten zunächst am Neuen Wall Nr. 167 und ab 1827 am Jungfernstieg. Später lebte das Ehepaar an der Großen Theaterstraße sowie an der Esplanade, Hausnummer 39. Das Ehepaar hatte vier Töchter und einen Sohn, ihre Tochter Marie (1835–1908) war später die Fürstin della Rocca. Zunächst bestand eine Freundschaft zwischen Embden und Heine. Bevor es zum Bruch kam, wohnte Heine öfter bei Embden in Hamburg. Embden wurde geadelt. Auf dem Jüdischen Friedhof Bornkampsweg in Hamburg-Bahrenfeld befindet sich der Grabstein für Moritz und Charlotte Embden.[2] Literatur (Auswahl) Artikel EMBDEN, CHARLOTTE. In: Jüdisches Lexikon, Berlin 1927, Bd. Sp. 389 f. Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie. Band II, Seite 168. | VON EMBDEN, Moritz (I61091)
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| 3970 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I61030)
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| 3971 | Leben Nach dem Tod König Elemunds († um 548) verdrängte Turisind dessen Sohn Ostrogotha von der Macht und bestieg selbst den Thron. Ostrogotha musste ins Exil gehen.[1] Die Gepiden hatten ihre Herrschaft auf dem Balkan nach der Vertreibung der Ostgoten immer weiter ausgedehnt, was dem oströmischen (byzantinischen) Kaiser Justinian I. missfiel. Bis 554 tobten Kriege zwischen den Ostgoten und byzantinischen Truppen in Italien, und Justinian wollte im Bedarfsfall Truppen auf dem Landweg über den Balkan auf die Apenninhalbinsel entsenden können. Diese Möglichkeit sah der Kaiser durch die gepidische Expansion bedroht. Daher schloss er um 547 mit dem Langobardenkönig Audoin einen Vertrag, in dem er ihm weitere Gebiete und römische Festungen in Noricum und im Süden Pannoniens abtrat. Durch diese Verlegung ihres Siedlungsraums wurden die Langobarden unmittelbare Nachbarn der Gepiden. Justinian erwartete von Audoin militärische Gegenleistungen und hoffte dadurch, die Gepiden besser in Schach halten zu können.[2] In der Folge herrschten zwischen den Langobarden und Gepiden gespannte Beziehungen. Zusätzliche Brisanz erhielt diese Kontroverse durch die Tatsache, dass der von Turisind verdrängte Ostrogotha an den Hof Audoins zog, der dem Flüchtling als möglichem Anwärter auf den gepidischen Thron Unterschlupf gewährte. Umgekehrt hielt sich Hildigis, der Thronansprüche gegen Audoin erheben konnte, am Hof Turisinds auf.[3] Als um 549 ein erster Krieg zwischen den beiden verfeindeten Völkern drohte, schickte Turisind trotz seiner gespannten Beziehungen zu den Byzantinern eine Gesandtschaft zu Justinian nach Konstantinopel, um von diesem Militärhilfe gegen die Langobarden zu erbitten oder wenigstens die militärische Neutralität des Kaisers zu erreichen.[4] Allerdings blieb Justinian seinem Bündnis mit Audoin treu und sandte diesem Hilfstruppen. Bevor diese aber am Kriegsschauplatz ankamen, hatte der Langobardenkönig einen von Turisind vorgeschlagenen Waffenstillstand akzeptiert. Dafür forderte Audoin die Auslieferung des Hildigis. Turisind löste die heikle Situation, indem er Hildigis von seinem Hof verbannte und riet, nach einer anderen Zufluchtsstätte Ausschau zu halten.[5] Bald danach zogen Heere der Gepiden und Langobarden wieder gegeneinander. Als Turisind seine Armee bereits ganz in die Nähe der gegnerischen Streitkräfte geführt hatte, sollen beide Heere laut der Darstellung des antiken Historikers Prokopios von Caesarea auf Grund von Vorzeichen in Panik geraten und geflohen sein. Deshalb habe kein Kampf stattgefunden. Vermutlich löste ein Naturereignis – etwa die Mondfinsternis vom 25./26. Juni 549 – bei beiden Armeen Schrecken aus. Turisind und Audoin schlossen danach einen weiteren, diesmal für zwei Jahre vereinbarten Waffenstillstand.[6] Turisind sah sich einem feindlichen Byzantinischen Reich und der Gefahr möglicher neuer Angriffe von Seiten der Langobarden nach dem Ablauf des Waffenstillstands gegenüber. So schloss er eine Allianz mit dem Nomadenstamm der Kutriguren. Als diese vor Ende der Waffenruhe bei den Gepiden ankamen, wurden sie von Turisind in das byzantinisch kontrollierte Illyrien weitergeschickt. So wollte der Gepidenkönig Druck auf Justinian ausüben.[7] Daraufhin mobilisierte der Kaiser die Utiguren gegen die ungebetenen Eindringlinge. Die Utiguren veranlassten die Krimgoten zur Attacke auf die Wohnsitze der Kutriguren, die daher vom Balkan abziehen mussten, damit sie ihr am Westufer des Schwarzen Meeres gelegenes Heimatland verteidigen konnten. Nun gelangten aber slawische Plünderer mit Hilfe Turisinds über die Donau.[8] Da die von Turisind veranlassten Raubzüge auf dem Balkan Justinians Gotenkrieg behinderten, erneuerte der Kaiser den früheren Vertrag mit den Gepiden. Auf deren Verlangen stimmte Justinian auch zu, dass zwölf seiner Senatoren den Pakt beschworen.[9] Wenig später endete der zwischen den Gepiden und Langobarden vereinbarte Waffenstillstand, und diesmal kam es zum Krieg zwischen ihnen. Als Turisind unter Verweis auf das eben geschlossene Bündnis Justinians Hilfe anrief, wies dieser das Ansinnen mit der Begründung zurück, dass die Gepiden erneut slawische Raubscharen über die Donau gebracht hätten. Hierdurch wäre von ihnen der Vertrag verletzt worden.[10] Justinian hatte sich nämlich mit Audoin verständigt und ihm Militärhilfe versprochen. Von den vom Kaiser auf den Kriegsschauplatz entsandten byzantinischen Truppen kam aber nur das von Audoins Schwager Amalafrid kommandierte Kontingent rechtzeitig an. Dennoch errangen die Langobarden in der wohl 552 ausgetragenen Schlacht auf dem Asfeld, die laut Jordanes sehr verlustreich verlief, den Sieg über die Gepiden.[11] Der Ort dieser Schlacht lag wahrscheinlich in der alten römischen Provinz Pannonia secunda auf gepidischem Boden.[12] Nach Paulus Diaconus hatte Audoins Sohn Alboin die Schlacht dadurch entschieden, dass er Turisinds Sohn Turismod im Zweikampf tötete.[13] Trotz des Siegs war Audoin zum Frieden geneigt; vermutlich hatte auch seine Armee große Verluste erlitten. Justinian war an der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts in der Region gelegen und vermittelte zwischen Audoin und Turisind einen Frieden, der während der Lebzeiten der beiden Könige eingehalten wurde. Der Gepidenkönig schloss auch mit dem Kaiser einen Freundschaftsvertrag.[14] Während der Friedensgespräche zwischen den Gepiden und Langobarden hatte Turisind die Auslieferung Ostrogothas verlangt. Da der Anwärter auf den langobardischen Thron, Hildigis, wieder zum Hof Turisinds zurückgekehrt war, forderte Audoin umgekehrt dessen Auslieferung. Turisind wollte einen Bruch des Gastrechts, aber auch einen Wiederausbruch des Kriegs vermeiden und ließ daher Hildigis heimlich aus dem Weg räumen.[15] Unterdessen verweigerte Audoin seinem Sohn Alboin trotz dessen kriegsentscheidendem Einsatz das Recht, sein Tischgenosse zu werden. Er verwies auf den althergebrachten langobardischen Brauch, nach dem ein Königssohn erst dann an der Tafel seines Vaters sitzen dürfe, wenn er Waffen von einem fremden König erhalten habe. Sofort zog Alboin mit 40 Kampfgefährten an den Hof Turisinds, der ihn trotz der schmerzlichen Erinnerung an seinen gefallenen Sohn gastfreundlich empfing und zu seiner Rechten Platz nehmen ließ, wo sein Sohn Turismod stets gesessen war. Beim anschließenden Gastmahl verspottete Turisinds zweiter Sohn Kunimund die Langobarden als Stuten, weil diese an ihren Waden weiße Binden trugen, die den weißen Fesseln von Stuten ähnelten. Um den Ausbruch eines Kampfes zu verhindern, griff Turisind vermittelnd zwischen den Streitparteien ein. Nach dem Ende des Gelages händigte er außerdem Alboin die Waffen Turismods aus und ließ ihn friedlich heimwärts ziehen. Wahrscheinlich geht diese von Paulus Diaconus erzählte Episode auf eine Alboin gewidmete Heldensage zurück.[16] Bei Turisinds Lebzeiten hatte der Friede zwischen den Langobarden und Gepiden Bestand. Er starb um 560, Nachfolger wurde sein Sohn Kunimund. | (GEPIDEN), Turisind (I47185)
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| 3972 | Leben Nach seinen weitaus bekannteren Brüdern John Davison Rockefeller (1839–1937) und William Rockefeller (1841–1922) brachte ihre Mutter Eliza Davison Rockefeller am 8. August 1845 die Zwillinge Franklin und Francis zur Welt. Die Schwester starb im Alter von zwei Jahren. Sein Rufname war „Frank“. Der Vater, William Avery Rockefeller, war ein ungewöhnlich erfinderischer, aktiver, aggressiver all-round Geschäftsmann in Cayuga County, in der Nähe von Moravia am Owasco Lake. In den Wäldern von Tioga fällte er Kiefern, deren Stämme er zum bestmöglichen Preis verkaufte. Er sorgte dafür, dass in Moravia eine Distrikt-Schule eingerichtet wurde, die seine Kinder besuchten. Alle Kinder jener Zeit halfen bei der Arbeit in Haus und Hof. Die Söhne konnten Kühe melken, Küken und Geflügel aufziehen, den Pferden Geschirr anlegen, sie lenken, füttern und striegeln. Die Mutter sammelte Kräuter in Wald und Flur und stellte daraus Heilmittel her. Sie war eine sehr religiöse Frau. 1853 zog die Familie nach Strongsville, Ohio, ca. 25 km südwestlich von Cleveland, und ein Jahr später nach Parma. 1857 zogen sie dann in die Stadt, wo der Vater mit Hilfe seiner Söhne ein Haus in 33, Cheshire Street errichtete.[1] Zu diesem Zeitpunkt war Franklin 12 Jahre alt. Bürgerkriegsjahre Mit Beginn des Bürgerkriegs meldete sich Frank als Freiwilliger beim 7th Ohio Volunteer Infantry Regiment und gab sein Alter mit 18 Jahren an, obwohl er erst 16 war. Am 30. April 1861 zog sein Regiment in den Krieg. Das 7th Infanterie-Regiment, mit dem Spitznamen die „Fighting Roosters“ (die kämpfenden Hähne), nahm an den Kämpfen von Winchester, Antietam, Chancellorsville teil, wo Frank eine Kopfverletzung erlitt und nach Hause entlassen wurde. Er hatte drei Jahre in dem Freiwilligen-Regiment gedient.[2] Währenddessen hatten sich seine Brüder für $400 vom Wehrdienst freigekauft und John legte mit seiner Firma Clark & Rockefeller durch den Verkauf von Getreide und Fleisch an die Armee den Grundstock für sein späteres Raffinerie-Geschäft mit Rohöl. Geschäftsmann Trabrennen auf der Glenville Rennbahn in Cleveland um 1900 Nach seiner Hochzeit 1870 trat Frank in die Firma seines Schwiegervaters, William C. Scofield, den Pioneer Oil Works ein, die bald an seinen Bruder John, der ebenfalls 1870 seine Standard Oil Company gegründet hatte, verkauft werden sollte. 1870 gründeten Frank Rockefeller, Sylvester Everett, Warren H. Corning und Howard M. Hanna die Aktiengesellschaft „The Northern Ohio Fair Assn.“ mit dem Ziel der Förderung von Landwirtschafts- und Gartenbau-Ausstellungen sowie von Trabrennen. In Glenville wurden 90 acres Land gekauft und Gebäude errichtet, einschließlich eines Amphitheaters mit 12.000 Sitzplätzen. Die erste Ausstellung fand vom 4. bis 7. Oktober 1870 statt und wurde von 85.000 Menschen besucht. 1881 wurde sie jedoch eingestellt und die Gebäude verkauft. Die Tochtergesellschaft Cleveland Driving Park Co. baute gleichzeitig 1870 auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Glennville Pferderennbahn.[3] 1884 investierte James Corrigan in die Eisenerzminen des Messabi Range Gürtels und kaufte „Franklin Mines“,[4] an denen Frank Rockefeller sich beteiligte und die anfangs erfolgreich operierten. Als ihnen das Geld ausging, liehen sie sich bei John Davison Rockefeller $124,000 sowie kurzfristiges Kapital für die laufenden Kosten.[5] In der großen Bankenkrise von 1893 konnten die beiden ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, und als John zu einer Verlängerung des Kredits nicht bereit war, kaufte er von Corrigan dessen 2500 Aktien der Standard Oil, die dieser aus einem früheren Geschäft hielt, für 168 $ pro Stück zurück. Innerhalb eines Monats stiegen diese auf $185 und Corrigan verklagte Rockefeller später bis zum höchsten Gericht in Ohio, dass dieser ihm die Fakten vorenthalten habe.[6] Die Klage war jedoch erfolglos. Diese Erfahrung mit seinem Bruder soll Frank und John entfremdet haben. Im März 1895 wurde Frank zum Direktor der Cleveland, Akron & Columbus Railway gewählt, deren Aktien er auch erwarb. Danach arbeitete Frank in der Standard Oil Company in Cleveland, wo er begeistert die Taktik verfocht, die er als ehemaliger Konkurrent betrieben hatte. Doch bald geriet er in einen Kleinkrieg mit Col. William P. Thompson,[7] der damit endete, dass Thompson 1887 in das New Yorker Büro von Standard umzog. Auch Feargus Squire, ehemaliger Bürgermeister on Wickliffe, drängte Frank beiseite.[8] 1892 wurde Frank auf die kränkelnden Eisenwerke Buckeye Malleable Iron and Coupler (später Buckeye Automatic Coupler) aufmerksam, die automatische Kupplungen für die Eisenbahnen bauten. Zusammen mit Thomas Goodwillie von der Standard Oil Company in Baltimore investierten sie Kapital und sicherten somit eine Zusammenarbeit mit Standard. Viele von Franks Freunden investierten in die Buckeye Steel Castings, deren Präsident Frank 1905 wurde. 1908 übergab er die Firmenleitung an Samuel Prescott Bush, der 1901 von der Pennsylvania Railroad in die Firma gekommen war.[9] Noch am 1. August 1939 wurde auf Frank A. Quail, den Trustee von Helen E. Rockefeller, Ehefrau von Frank Rockefeller, ein Zertifikat ausgestellt für den Bezug von 44 Vorzugsaktien der Buckeye Company im Wert von $100,00 pro Stück.[10] Rinderzüchter in Kansas Rockefellers Ranch bei Belvidere, Kiowa County, in Kansas Frank Rockefellers berühmter Hereford Bulle „Columbus“ 1895 stieg Frank aus dem Ölgeschäft aus und kaufte Land in Kansas, das sein Vater während seiner Reisen gesehen und ihm empfohlen hatte. Im Tal von Soldier Creek, südwestlich von Croft in der Nähe von Belvidere, im Westen von Kansas, baute er sich seine Kiowa County Ranch für die Rinderzucht auf. 1904 besaß er 14.000 Acres Weideland und auf 5.000 acres baute er Luzerne (Alfalfa) als Futter an für seine 10.000 Herford-Rinder und ca. 1.000 Pferde. Er beschäftigte 40 Viehexperten für die Aufzucht und galt bald als bester Züchter von Hereford- und Kurzhorn-Rindern auf der Welt. Weiter hieß es, dass er plante, 91.000 acres Weideland mit Alfalfa zu bepflanzen, die größte bisher angebaute Fläche.[11] Zwei seiner Pferde, „Fannie Foley“ und „Extractor“, nahmen an Rennen in Cleveland teil.[12] Neben der Kiowa Ranch besaß Frank weitere Ranches in Rawlins County und 8,000-acre im Cheyenne County im Nordwesten von Kansas.[13] Percy E. Walden leitete die Rockefeller Ranch, in den Townships 4 und 5, Ranges 36 und 37, in Rawlins County. Sie bestand aus 13.500 Acres, teils Eigentum, teils Pacht, und 40 Meilen Zaun mit Stacheldraht. Hier kam es zu Streitigkeiten mit seinem Nachbarn, Chauncey Dewey, der Zäune durchschneiden und sein Vieh auf Rockefellers Weiden treiben ließ. Diese Auseinandersetzungen zogen sich über das gesamte Jahr 1902 hin bis Januar 1903, als Dewey fünf Angestellte schickte, die mit Winchester-Gewehren und Pistolen ausgerüstet waren, um Zäune durchzuschneiden. Dewey wurde schließlich angeklagt und verurteilt. 1905 verkaufte Frank diese beiden Ranches und bewirtschaftete nur noch Kiowa.[14] Siegel-Sanders Live Stock Commission Company Rockefeller war Aktionär und Direktor in der Kommissions-Gesellschaft in Kansas City, Missouri, deren Geschäft im An- und Verkauf von Zucht-, Nutz- und Schlachtvieh in Kommission bestand, d. h. der Kommissionär liefert das Gut, was er einkaufen soll, selbst oder er übernimmt zu verkaufendes Gut als Käufer selbst. Eine Vorschuss- oder Kreditgewährung wurde durch ein Besitzpfandrecht auf das Vieh abgesichert. Dieses wurde indossiert und bei der Bank eingereicht. Rockefeller hatte mit der Abwicklung der Geschäfte nichts zu tun. Diese wurden vom Präsidenten Frank Siegel und Reuben D. Swain, dem Sekretär und Schatzmeister, sowie den Direktoren Wm. Askew, E. E. Matchette ausgeführt. Weil die Gesellschaft nicht über ausreichend Kapital verfügte, um Geschäfte in der gewünschten Größenordnung durchführen zu können, versuchte sie, bei den Banken Geld zu leihen. Dafür verlangten die Banken die persönliche Garantie der Inhaber und Geschäftsführer, Schuldübernahme, so auch von Rockefeller. Aktenkundig ist eine Klage von 1902 Frank Rockefeller, Complainant, Vs. the National Bank of Commerce of Kansas City, Missouri, in der dieser die Forderung der Bank von 36.229.05 $ beglichen haben will.[15] Die Bank ging gegen dieses Urteil in Berufung.[16] Gobbler Mining & Smelting Co. Im Januar 1901 kaufte Frank die Gobbler Blei- und Zink-Erzminen in Wentworth. Er gründete die Aktiengesellschaft Gobbler Mining & Smelting Co. mit einem Kapital von 350,000 $. Frank hielt 2.450 Aktien à 100 $, während die anderen Aktien unter Utley Wedge aus Bayonne, N.Y., Frank Siegel und R. D. Swain aus Kansas City sowie Robert K. Pitkin aus Joplin verteilt waren.[17] Der Betrug von Frank Siegel und Konkurs Nachdem Frank bereits für von Siegel unterzeichnete Papiere über insgesamt $251,000 gezahlt hatte, brachte eine Überprüfung der Firmenbücher ans Licht, dass Frank Siegel illegale Geschäfte durch Strohmänner und doppelte Kredite getätigt hatte, deren Schaden sich auf 500,000 $ belief. Eine Klage gegen Siegel wollte Rockefeller Utley Wedge überlassen.[18][19][20] Familie Am 12. Oktober 1870 heiratete Frank in Cleveland Helen Elizabeth Scofield, geboren in Cleveland am 25. Februar 1848. Sie war eines der fünf Kinder von William C. Scofield und dessen Frau Ann Barker. Sein Haus „Lakeland“, in Wickliffe, Lake County, stand auf einem 100 Acre großen Gelände, auf dem er gerne ausritt. Hier hielt er Hunde, Vögel und auch exotische Tiere, wie Antilopen und Elche, die er später dem Tierpark „Wade Park Zoological Garden“ überließ. In dem großen Haus soll er auch die Schlachten aus dem Bürgerkrieg nachgebaut haben. Frank und Helen hatten 5 Kinder, die alle in Cleveland geboren wurden, und von denen nur 2 Töchter das Erwachsenenalter erreichten und heirateten. Alice Maud (* 10. August 1871), war verkrüppelt Anna Beatrice (* 12. Oktober 1875) ⚭ 1909 William Fowler Nash; William Scofield (* 26. Dezember 1877; † 17. März 1878); Helen Effie (* 16. Dez. 1879) ⚭ 2. Juni 1903 Walter Scott Bowler; Myra (* 3. Juni 1884; † 23. August 1886).[21] Die Entfremdung der Brüder John hatte wohl getroffen, als Frank 1870 ausgerechnet die Tochter seines Konkurrenten im Ölgeschäft, William C. Scofield, heiratete. Im sogenannten „Cleveland Massaker“ von 1872 kaufte John 22 der 26 Raffinerien in Cleveland auf, so auch Alexander, Scofield and Company.[22] Bei den Untersuchungen gegen die South Improvement Company bezeugte Frank Rockefeller in der öffentlichen Anhörung vor dem Kongress-Ausschuss am 7. Juli 1876, dass nach seinem Eindruck zu der Zeit Rabatte in einen Pool gingen und zwischen der Standard Oil Company und den Verantwortlichen der Eisenbahn aufgeteilt wurden. Er nannte vier der letzteren mit Namen, und zwei von ihnen schickten sofort ein Dementi an die Presse.[23] Nach dem Bankrott seiner Eisenerzmine am Lake Superior mit James Corrigan änderte sich die Beziehung zwischen den Brüdern abrupt. Nach 1895 sprachen sie nur noch im Beisein eines Dritten (als Zeugen) miteinander. Frank äußerte sich gegenüber der Presse abfällig über seine Brüder und bezeichnete John als „geistesgestört“ und „besessen“. Er hielt seine Kinder von der Familie fern und verließ die Kirche der Rockefellers (Euclid Avenue Baptist Church). Trotz dieses Verhaltens rettete John ihn zweimal vor dem Bankrott und beließ ihn als Direktor bei Standard Oil, so dass er ein großzügiges Gehalt bezog, und entsandte ihn in verschiedene Aufsichtsräte. William Avery Rockefeller alias Dr. William Levingston Als 1905 im McClure’s Magazine die ersten Folgen von Ida Tarbells „History of Standard Oil“ mit einem Bild von Rockefellers Eltern erschien, machten Reporter sich auf die Suche von William Avery Rockefeller, dessen Verbleib seit dem Tod der Mutter Eliza 1889 im Haus ihres Sohnes William in New York unbekannt war. A. B. MacDonald, ein Reporter der „St. Louis Post Dispatch“, verbreitete die Nachricht, einen Dr. William Levingston in Freeport, Illinois, gefunden zu haben, weil dessen Grabstein das gleiche Geburtsdatum aufwies und als Sterbetag den 11. Mai 1906 in Freeport angab. Diese Nachricht wurde von Ida Tarbell aufgegriffen. Als Frank von Reportern 1908 um eine Stellungnahme dazu gebeten wurde, sagte er „Mein Vater lebt und es wird gut für ihn gesorgt“. Auf die Frage „Aber Wo?“ antwortete er, dass das die Öffentlichkeit nichts angehe und nannte die Geschichte „an unqualified lie“ (eine unqualifizierte Lüge).[24] Auf seinem Sterbebett diktierte Frank 1916 in Cleveland: „Frank Rockefeller has not sent for his brother John and will not send for him, nor will he advise his brother of his illness.“ (dt.: Frank Rockefeller hat nicht nach seinem Bruder John gesandt und wird nicht nach ihm schicken, noch wird er seinem Bruder seine Krankheit mitteilen.)[25] Dennoch kamen seine Brüder John und William am 17. April zur Beerdigung. | ROCKEFELLER, Franklin (I55012)
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| 3973 | Leben Obwohl häufig als Sohn Hugos von Montgomery und der Josseline de Beaumont, der Tochter Turolfs de Pontaudemer, oder einer anderen Nichte der dänischen Gunnora, der zweiten Frau Herzog Roberts, genannt, war er wohl eher der Sohn eines älteren Roger de Montgomery. In der Gründungsurkunde der Abtei Troarn bezeichnet Roger sich als Rogerius, ex normannis, normannus magni autem Rogerii filius. Hugo von Montgomery war möglicherweise sein Großvater. Der ältere Roger besaß ausgedehnte Ländereien im Herzen der Normandie, die Roger nach dessen Tod erbte. Wann Roger senior starb, ist nicht genau bekannt. Er war aber im Jahr 1056 mit Sicherheit tot, als Roger der Jüngere den Abt von Châtillon, Gislebert, mit seinen Mönchen nach Troarn einlud und die 12 Kanoniker, die sein Vater im Jahr 1022 dort installiert hatte, auswies, weil sie sich der Ausschweifung, der Völlerei und anderen fleischlichen Genüssen hingegeben hatten. Ausdehnung der Seigneurie Bellême um 1050 Ordericus Vitalis, dessen Vater Odelerius von Orléans als Berater zum engsten Umkreis Rogers gehörte und der als akkurater Chronist bekannt ist, berichtet, dass es der Familie Montgommery gelang, Guillaume II. Talvas de Bellême, der von seinem Sohn Arnoul verjagt worden war, wieder an die Macht zu bringen, wofür Roger de Montgommery im Gegenzug die Hand seiner Tochter – und Alleinerbin, nachdem Arnoul ermordet war – Mabile de Bellême erhielt. Er scheint darüber hinaus, dass Herzog Wilhelm diese Heirat gefordert hat, um nach Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen die Ruhe an der Südgrenze der Normandie wiederherzustellen und gleichzeitig das Gebiet über seinen Vertrauten Montgommery enger an sich zu binden. Roger von Montgomery wird häufig als einer der Heerführer Wilhelms in der Schlacht bei Hastings genannt. Tatsächlich war er aber höchstwahrscheinlich während der Eroberung nicht in England, sondern blieb als Statthalter Wilhelms in der Normandie zurück. Der einzige ernstzunehmende Autor, der Rogier de Montgomeri namentlich erwähnt und ihm sogar eine prominente Rolle in der Schlacht zuschreibt, ist Wace (um 1100 bis 1174). Ordericus Vitalis nennt Roger erst im Dezember 1067 als Begleiter Williams nach England und erwähnt ausdrücklich, dass Roger zur Zeit der früheren Expedition als Statthalter in der Normandie zurückgelassen worden war. Auch Robert du Mont, Wilhelm von Jumièges, Benoît de Sainte-Maure, Wilhelm von Poitiers und der Autor des Carmen de Bello Hastingensi (Bischof Guy von Amiens zugeschrieben) erwähnen Rogers Anwesenheit zur Zeit der Invasion nicht. Möglicherweise kommt der Irrtum daher, dass Roger bei der Planung der Invasion 1066 in Lillebonne anwesend war und aus seinem großen Vermögen 60 Schiffe ausgerüstet hat („A Rogero de Montgomeri sexaginta naves“). Dafür, dass er die Schiffe auch begleitet hat, gibt es keinen Beweis. Im Jahr 1083 gründete Roger die Shrewsbury Abbey, in welche er kurz vor seinem Tod (1094) eintrat; er wurde in der Abteikirche bestattet. Außerdem beendete er den Bau von Arundel Castle. Nachkommen Roger und seine Ehefrau Mabile de Bellême († 2. Dezember 1079) hatten mehrere Kinder, darunter: Robert of Bellême, 3. Earl of Shrewsbury Hugh of Montgomery, 2. Earl of Shrewsbury Roger Poitevin (Pictavinus), † 1123, 1113 Graf von La Marche Philip of Montgomery († 1099), Grammaticus, vierter Sohn, Mönch, starb auf dem Ersten Kreuzzug in Jerusalem Arnulf de Montgomery, der Stammvater der schottischen Montgomery Emma († 4. März 1113), seit 1074 Äbtissin von Almenesches Mathilde, die Ehefrau von Graf Robert von Mortain, Earl of Cornwall Mabel, Ehefrau von Hugh de Châteauneuf-en-Thymerais Sibylle, heiratete Robert FitzHamon, das Paar gründete Tewkesbury Abbey Mit seiner zweiten Frau Adeliza de Puiset hatte er einen Sohn: Everard oder Ebrard, Kaplan der Könige Wilhelm Rufus und Heinrich I. | DE MONTGOMERIE, Roger (I61352)
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| 3974 | Leben Oppenheimer hatte ein freundschaftliches Verhältnis zu dem österreichischen Feldherrn und Kunstmäzen Prinz Eugen und spielte als dessen Armeelieferant und Geldgeber eine wichtige Rolle in der Finanzierung der Türkenkriege. So ermöglichte er Prinz Eugen, medizinische Hilfsgüter für seine Truppen zu entsenden. Die von Prinz Eugen für Oppenheimer aus der Türkei herbeigeschafften hebräischen Manuskripte bildeten den Grundstock für die David-Oppenheimer-Bibliothek, heute Bestandteil der Bodleian-Bibliothek an der Universität Oxford. Obwohl die Juden in Wien 1670 von Leopold I. vertrieben worden waren, bat dieser Oppenheimer, sich dort niederzulassen. Er bekam das Privileg zugestanden, im Herzen Wiens ein Wohnhaus zu errichten. Er wurde zum Oberhoffaktor ernannt und zum Hofjuden Ludwig Wilhelms von Baden, dem er 100.000 Gulden für Kriegsauslagen zur Verfügung stellte. Weiterhin hatte er das Amt des „Judenbischofs“ von Worms inne, der oberster Vertreter der jüdischen Bevölkerung in der Stadt war.[2] 1697 wurde er durch eine antisemitische Intrige des Kardinals Kollonitsch für einen Monat verhaftet, weil er angeblich die Ermordung eines Konkurrenten geplant habe. Weil auch der preußische Hofjude Ruben Gomperz verwickelt wurde, gab es einen längeren diplomatischen Austausch mit Berlin. Um 1700 brach in Wien ein Aufruhr unter der Bevölkerung aus, Häuser wurden gestürmt und geplündert. Für die Plünderung von Oppenheimers Anwesen, der ein Günstling des Kaisers war, wurde ein Mann gehängt und weitere Mittäter inhaftiert. Als Österreichs Staatskasse 1701 infolge des Ausbruchs des Spanischen Erbfolgekriegs vor dem Bankrott stand, stellte Oppenheimer die erforderlichen Mittel zur Verfügung, um die Finanzkrise zu bewältigen. Seine zu 12 bis 20 % verzinsten Darlehen stellten den größten Posten unter den damaligen Schulden Österreichs dar. Sie sollen sich auf ca. sechs Millionen Gulden belaufen haben, die Oppenheimer größtenteils über Dritte refinanziert hatte. Nach seinem Tode entledigte sich Österreich dieser Schulden, indem es sie nicht zurückzahlte, sondern vielmehr den Konkurs über seinen Nachlass verfügte. Die kaiserliche Konkurserklärung stürzte alle mit Oppenheimer in Verbindung stehenden Geldgeber in eine schwere Krise und nachweislich auch die Frankfurter Börse. Samuel Oppenheimer starb 1703 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Rossau beerdigt. | OPPENHEIMER, Samuel Wolf (I60111)
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| 3975 | Leben Otto war der zweite Sohn Herzog Hugos des Großen und der Hadwig von Sachsen. Ottos älterer Bruder war Hugo Capet, der spätere König von Frankreich und Begründer der Dynastie der Kapetinger. Er wurde im Alter von elf Jahren um Ostern 955 mit Luitgard verheiratet, der Tochter und Erbin des princeps Giselbert von Burgund. Die Ehe sollte den Konflikt seiner Familie zu den Buviniden um die Vorherrschaft im Herzogtum Burgund beenden. Als sein Schwiegervater im Jahr nach der Hochzeit starb, erlangte Otto formell die vollständige Herrschaft über Burgund. Allerdings starb sein eigener Vater im selben Jahr und ließ Otto unmündig zurück. Diesen Umstand nützte König Lothar, um die königliche Position in Burgund zu stärken, indem er Dijon besetzte. Die Folge war eine andauernde Schwächung der herzoglichen Gewalt, da diese Lage zugleich auch die Vasallen Burgunds nutzten, um sich größere Freiheiten zu erstreiten. Otto wurde erst 960 von König Lothar als Herzog in Burgund eingesetzt. Seine Herrschaft war schwach, weshalb der Chronist Flodoard von Reims darauf verzichtete, Otto als Herzog zu titulieren. Nachkommen Ottos sind nicht bekannt; das Herzogtum ging nach seinem Tod an seinen jüngeren Bruder Heinrich den Großen über. | (BURGUND), Otto (I61388)
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| 3976 | Leben Paul Jonas stammte aus einer ursprünglich jüdischen Familie; sein Großvater war zum Christentum konvertiert. Sein Vater war Ludwig Jonas, seit 1833 evangelischer Pfarrer an der Nikolaikirche zu Berlin und liberaler Politiker; seine Mutter Elisabeth die älteste Tochter des Grafen Heinrich von Schwerin; einer seiner Brüder war der spätere Literaturhistoriker Fritz Jonas. Anders als sein Vater widmete sich Paul Jonas dem Studium der Rechtswissenschaften, und zwar an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Universität Halle. In Berlin schloss er sich 1850 dem Corps Marchia an.[1] 1857 wurde er Gerichtsassessor in Breslau, dann Regierungsassessor. 1859 berief man ihn ins preußische Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten. 1863 wechselte er in die preußische Eisenbahnverwaltung. Bis 1875 war er Präsident der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin, wechselte dann als Präsident zur Eisenbahndirektion Elberfeld, wo er bis 1881 blieb. Nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau Henriette Adelheid geb. Lehr (1842–1867) heiratete Jonas 1869 die Tochter eines Zuckerfabrikanten, Helene König (1839–1926), eine Cousine seiner ersten Frau.[2] 1880 wechselte Paul Jonas auf Bestreben seines Schwagers Adelbert Delbrück in den Vorstand der Deutsche Bank AG. Dort wurde ihm die Aufgabe übertragen, die Beteiligung der Deutschen Bank am Bau der Northern Pacific Railway in den USA zu verwalten. Jonas erwies sich mit seiner auf Sicherheit bedachten und risikoscheuen Natur sehr bald als Gegenpol zu Georg von Siemens, der noch erheblich stärker ins Ausland expandieren wollte. Von Siemens bezeichnete Paul Jonas in diesem Zusammenhang als „Mühlstein an seinem Halse“. 1887 kam es zum endgültigen Bruch mit Georg von Siemens, woraufhin Jonas aus dem Vorstand ausschied. Bis 1910 blieb er im Aufsichtsrat. Die Deutsche Bank war nicht das einzige Institut, in dem sich Paul Jonas engagierte. 1882 war er Geschäftsführer der Kurfürstendamm-Gesellschaft, die Immobilienspekulation in den Berliner Vororten Grunewald und Westend betrieb. Die Deutsche Bank war die größte Aktionärin der Gesellschaft. Paul Jonas und seine Familie hatten zwei Wohnsitze: Die Villa Tiergartenstraße 7 in Berlin (das vormalige Wohnhaus Werth) und die Villa Kulmstraße 20 in Heringsdorf auf Usedom. 1912 wurde Jonas im Jahrbuch der preußischen Millionäre ein Vermögen von über drei Millionen Mark zugeschrieben. | JONAS, Paul (I60069)
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| 3978 | Leben Philipp Longard war der Sohn des Regierungsrats und Verwaltungsgerichtsdirektors Johann Claudius von Longard und mütterlicherseits Enkel des Malers Philipp Veit. Er besuchte die Elementarschule und von 1869 bis 1878 das Gymnasium in Sigmaringen. Danach studierte er von 1878 bis 1881 Rechtswissenschaften in Freiburg, Bonn, München und Straßburg. 1881 legte er die erste, 1888 die zweite Staatsprüfung ab. 1882 bis 1884 war er Gerichtsreferendar an verschiedenen Orten, von 1884 bis 1888 Regierungsreferendar bei den Regierungen Sigmaringen, Hildesheim und Köln und von 1888 bis 1891 Regierungsassessor in Sigmaringen und Königsberg. 1891 wurde er Oberamtmann beim Oberamt Hechingen, er übte dieses Amt bis 1903 aus. Von 1903 bis 1920 war er Oberamtmann beim Oberamt Sigmaringen. Von 1892 bis 1895 und von 1898 bis 1902 für das Oberamt Hechingen sowie von 1902 bis 1918 für das Oberamt Sigmaringen war er Abgeordneter im Kommunallandtag der Hohenzollernschen Lande. 1912 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Longard war Vorsitzender der Amtsausschüsse Sigmaringen-Gammertingen, Vorsitzender des Zweigvereins des Roten Kreuzes und ab 1903 auch Vorsitzender der Bezirksstelle für Landwirtschaft und Gewerbe. Auszeichnungen 1904: Offizier des portugiesischen Militärverdienstordens San Bento D’Aviz. 1906: Ehrenkreuz des Fürstlichen Hausordens von Hohenzollern III. Klasse 1907: Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen 1907: Offizierskreuz Stern von Rumänien 1907: Roter Adlerorden IV. Klasse 1913: Kronenorden III. Klasse 1917: Eisernes Kreuz II. Klasse Literatur Wolfram Angerbauer (Redaktion): Die Amtsvorsteher der Oberämter, Bezirksämter und Landratsämter in Baden-Württemberg 1810 bis 1972. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchive beim Landkreistag Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1996, ISBN 3-8062-1213-9, S. 388. | LONGARD, Philipp (I60766)
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| 3980 | Leben Ragnhild Goldschmidt war die Tochter von Aron Goldschmidt (1792–1848) und Lea Levin Rothschild (1797–1870). In ihrer Jugend war sie Hauslehrerin und 1855 absolvierte sie eine Ausbildung zur Haushälterin beim Pächter Fritz Fabricius auf dem Hof Korsebølle auf Langeland. 1872 wurde sie Mitglied der neu gegründeten Frauenrechtsorganisation Dansk Kvindesamfund. Sie gründete 1872 die Kvindelig Læseforening (KL; Frauenleseverein) zusammen mit Sophie Petersen und Charlotte Klein, danach formte sie die KL bis zum Tod 1890. Mit ihrem Engagement und der lebhaften Persönlichkeit war sie wichtig, um die Frauen zu Debatten über moderne Literatur anzuregen.[2] Sie setzte sich für den Durchbruch der modernen Frau ein, nachdem sie 1875 anonym den Roman En Kvindehistorie publiziert hatte, der die tragische Lebensgeschichte einer Frau erzählt, die sich leidenschaftlich in einen verheirateten Mann verliebt, der sie im Stich lässt. Danach gab sie ebenfalls anonym die Novellen Fædrelandet heraus, die die Lehre der Nemesis wiedergeben, woran sie auch interessiert war. Sie war die jüngere Schwester des renommierten Autors Meïr Aron Goldschmidt. Die meiste Zeit ihres Lebens lebte sie bei ihrem Bruder und war dessen literarische Beraterin. Nach seinem Tod bewahrte sie sein Andenken.[3] | GOLDSCHMIDT, Ragnhild (I60405)
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| 3981 | Leben Reimer wuchs als Sohn eines Kaufmanns in Greifswald auf. 1790 ging er in der Greifswalder Filiale des Berliner Buchhändlers und Musikverlegers Gottlieb August Lange in die Lehre. Nach dessen Tod wurde er 1795 Geschäftsführer des Stammhauses in Berlin. 1800 übernahm er die Leitung der 1749 gegründeten Buchhandlung der Königlichen Realschule in Berlin, die ab 1817 als Reimersche Buchhandlung firmierte. Reimer löste den bestehenden Erbpachtvertrag und kaufte 1822 die Buchhandlung. In den Folgejahren erweiterte er das traditionelle Schulbuchsortiment um deutschsprachige Literatur sowie um geisteswissenschaftliche Titel aus Theologie, Philosophie, Klassischer Altertumswissenschaft sowie um naturwissenschaftliche und mathematische Titel. Reimer stieg zu einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Verleger Deutschlands auf. Er schloss dem Verlag eine eigene Druckerei an und kaufte andere Verlage und Buchhandlungen, darunter die Weidmannsche Buchhandlung in Leipzig. Der Verlag Georg Reimer erlangte in der literarischen Öffentlichkeit einen hohen Bekanntheitsgrad aufgrund der Zusammenarbeit mit namhaften Autoren der deutschen Romantik: Achim von Arnim, Novalis, E. T. A. Hoffmann, Jean Paul, Heinrich von Kleist, August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Ernst Moritz Arndt, Adolph Diesterweg, Johann Gottlieb Fichte, Wilhelm von Humboldt und die Brüder Grimm. Von besonderer Bedeutung war die enge und freundschaftliche Zusammenarbeit mit Friedrich Schleiermacher. Darüber hinaus knüpfte Reimer enge Kontakte zur Berliner Universität und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, wodurch der Verlag ein hohes wissenschaftliches Renommee erreichte. Der Verlag wurde nach dem Tod Reimers von seinem Sohn Georg Ernst Reimer weitergeführt. Politisch engagierte sich Reimer in der preußischen Reformbewegung und trat 1809 der Gesetzlosen Gesellschaft zu Berlin bei. Während der Besetzung Berlins durch Napoleon bot er preußischen Soldaten und von der Besatzungsmacht gesuchten Oppositionellen (darunter Ernst Moritz Arndt) Unterschlupf in seinem Haus. Er nahm selbst aktiv an den Befreiungskriegen 1813/14 teil. 1816 kaufte Reimer das repräsentative Sackensche Palais in der Wilhelmstraße, das zu einem Treffpunkt des Berliner Salonlebens wurde. In seinem Verlag erschienen diverse politische Schriften, in denen liberale und nationale Positionen vertreten wurden. Daher war Reimer während der Restaurationszeit staatlichen Repressalien ausgesetzt. Grabstätte Reimer ist in einem Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II bestattet. Reimer hinterließ eine umfangreiche Gemäldesammlung, die er ab 1814 zusammengetragen hatte und zu der viele Werke niederländischer Maler sowie Caspar David Friedrichs gehörten. | REIMER, Georg Andreas (I59802)
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| 3982 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I61170)
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| 3985 | Leben Rockefeller absolvierte 1960 ein Harvardstudium zum Bachelor of Arts in Geschichte und Wirtschaft mit Auszeichnung.[1][2] Nach sechsmonatigem Dienst als Soldat (Private) in der U.S. Army ging er auf eine Expedition für das Peabody Museum of Archaeology and Ethnology der Harvard University. Im zentralen Hochland von Niederländisch-Neuguinea sollten archäologische und ethnologische Studien über die Dani angestellt werden. Die Expedition produzierte Dead Birds, dt. Tote Vögel (1965),[3] einen berühmten, 1964 fertiggestellten ethnografischen Dokumentarfilm von Robert Gardner; Rockefeller war 1961 der Tontechniker. Rockefeller und sein Begleiter René Wassing, ein niederländischer Anthropologe, verließen die Expedition bei den Asmat im Bereich des Lorentz-Nationalparks im Süden Neuguineas zu eingehenderen Studien. Wassing kehrte von dieser Exkursion zurück, nicht aber Rockefeller. Sein Verbleiben ist bis heute ungeklärt. Mutmaßungen gingen bisher dahin, dass Rockefeller, der vor der Küste im Bereich der Mündung des Eilanden River (♁5° 46′ S, 138° 7′ O) mit einem Katamaran unterwegs war, entweder ertrunken oder von einem Hai oder einem Krokodil angegriffen worden sein könnte. Aufgrund von Filmmaterial, das acht Jahre nach seinem Verschwinden einen hellhäutigeren Eingeborenen zeigt, wurde spekuliert, dass Rockefeller sich einem Stamm der Asmat angeschlossen haben könnte, doch gilt dies als höchst unwahrscheinlich. Das aufgetauchte Filmmaterial regte jedoch erneute Nachforschungen an; im Jahr 2015 wurde in Erzählungen älterer Asmat das Schicksal eines schiffbrüchigen Weißen bekannt. Die Asmat kannten in den 1960er Jahren noch Kopfjagd und Kannibalismus und erstachen den Weißen möglicherweise noch im rettenden Kanu | ROCKEFELLER, Michael Clark (I55000)
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| 3986 | Leben Rudolf Schadow war ältester Sohn und Schüler von Johann Gottfried Schadow. In Berlin aufgewachsen, ging er im Jahr 1810 mit seinem Bruder Wilhelm Schadow zu Studienzwecken nach Rom, wo er das Atelier von Christian Daniel Rauch übernahm. Im Gegensatz zu seinen Brüdern Wilhelm und Felix Schadow entschied er sich nicht für die Malerei, sondern wurde Bildhauer wie sein Vater. Dieser übertrug Rudolf bereits 1807 die Marmorausführung seiner Büste von Julie Zelter, entstanden im Auftrag der Berliner Singakademie. Sein erstes selbständiges Werk, eine Statue des Paris, wurde 1812 in der Berliner Akademie ausgestellt. Es zeigt deutlich den Einfluss des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen. Von Heimweh und geringem Selbstvertrauen beeinflusst, ging Schadow für kurze Zeit nach Berlin zurück, reiste aber im Januar 1812 in Begleitung Christian Daniel Rauchs wieder nach Rom. Er konvertierte 1814 zum Katholizismus. Eine Professur an der Düsseldorfer Akademie lehnte er 1818 ab und blieb in Rom. Er starb mit 35 Jahren und wurde in Rom in Sant’Andrea delle Fratte beigesetzt. Literatur von Donop: Schadow, Ridolfo. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 30, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 513–515. Brigitte Schmitz: „Rudolf Schadow. Ein Lyriker unter den klassizistischen Bildhauern“. In: Zeitschrift Bildende Kunst Heft 7, 1986, Hrsg. Verband Bildender Künstler der Deutschen Demokratischen Republik, S. 321–322, 3 Abb. Götz Eckardt: Ridolfo Schadow. Ein Bildhauer in Rom zwischen Klassizismus und Romantik. Hrsg. von Dorette Eckardt, Jutta von Simson und Bernd Ernsting, 176 S., 120 Abb., Werkverzeichnis der Bildwerke (65 Hauptnummern) und Handzeichnungen, Dokumentation, Kurzbiographie, Bibliographie; 2000 (LETTER Schriften Bd. 13), ISBN 3-930633-11-6 Thomas Blisniewski: „… und schafft mit emsigen Händen“ – Weibliche Handarbeiten in Werken von Rudolf Schadow, Carl Joseph Begas und Johann Anton Ramboux im Wallraf-Richartz-Museum – Fondation-Corboud. In: Kölner Museums-Bulletin. Berichte und Forschungen aus den Museen der Stadt Köln (3) 2001, S. 4–18. | SCHADOW, Karl Zeno Rudolf (Ridolfo) (I60885)
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| 3987 | Leben Rudolf war der Sohn Markgraf Hermanns V. von Baden und der Pfalzgräfin Irmengard bei Rhein († 1260), einer Tochter des Pfalzgrafen Heinrichs I. bei Rhein. Er übernahm zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Hermann VI. das väterliche Erbe, bis dieser 1247 nach seiner Einheirat ins österreichische Herzogsgeschlecht nach Österreich zog und Rudolf I. die Alleinherrschaft über die Markgrafschaft Baden überließ. Sein Bruder starb bereits 1250 und sein 1249 geborener Neffe Friedrich wurde 1268 zusammen mit dem letzten Hohenstaufen, Konradin, in Neapel hingerichtet – Rudolf herrschte daher unangefochten in der Markgrafschaft. Am 5. Oktober 1255 verkauft der Markgraf seinen Hof in Steinheim an der Murr an das neugegründete Kloster Mariental.[3] Dieser Hof bildet den baulichen Grundstock des Klosters. 1257 heiratete Rudolf Kunigunde von Eberstein. Da die Ebersteiner bereits zu dieser Zeit kaum mehr finanzielle Mittel aufbringen konnten, vermachten sie ihm als Mitgift die Hälfte der Burg Alt-Eberstein. Die andere Hälfte wurde ihm von seinem Schwager Otto II. von Eberstein 1283 verkauft. Die Burg war dann im 14. Jahrhundert teilweise Sitz der Markgrafen von Baden. Im Jahre 1250 begann Rudolf I. mit dem Ausbau des Schlosses Hohenbaden. Am 23. August 1258 verlieh König Richard von Cornwall auf seine Bitte hin dem Ort Steinbach Stadtrechte. Die Herren von Weißenstein verkauften ihm 1268 zusammen mit dem Dorf Würm ihre Burg Liebeneck. Rudolf I. war in viele kriegerische Streitereien mit den Grafen von Württemberg um badische Gebiete und mit dem Bischof von Straßburg wegen der Rheinzölle verwickelt. Erst durch eine spätere Heirat einer der Söhne Rudolfs kam es mit den württembergischen Grafen zur Aussöhnung. Rudolf I. gilt als Förderer von Kirchen und Klöstern, so gehen das 1250 erbaute Seitenschiff und der Katharinenchor mit seinen berühmten Fresken der Wallfahrtskirche Bickesheim auf ihn zurück.[4] Als Liebhaber von Kunst und Minnesang wurde er von Beppo von Basel als frommer und mildtätiger Mensch gepriesen. Seine Gebeine ruhen im Kloster Lichtenthal. | (BADEN), Rudolf I. (I61285)
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| 3988 | Leben Salomon Düsseldorf stammte aus einer der angesehensten Familien, nicht nur Hannovers, sondern gesamt Norddeutschlands. Düsseldorfs Familie war ein Zweig der Familie Goldschmidt aus Frankfurt. Nach der Residenzgründung 1636 kam er nach Hannover. Er war der angesehenste Mann aus der Düsseldorfer Judengasse.[1] 1680 zog er um nach Hannover. Dort wurde er Gemeindeältester und 1719 Hofjuwelier. Synagoge In seinem Haus in der Calenberger Neustadt wurde 1688 die erste Synagoge eingerichtet, die nach Überlieferung von Glückel Hameln so klein gewesen sein soll, dass man nur durch den Frauenraum in den lediglich den Männern vorbehaltenen Hauptraum gelangen konnte. | DÜSSELDORF, Salomon (I60386)
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| 3989 | Leben Sara Itzig war das zehnte von fünfzehn Kindern des vermögenden jüdisch-preußischen Hoffaktors und Bankiers Daniel Itzig und der Mariane (Miriam), geb. Wulff, zudem die Schwester von Fanny von Arnstein, Cäcilie von Eskeles (Zippora Wulff) und Bella Salomon, der Großmutter Fanny Hensels und Felix Mendelssohn Bartholdys. Sie war eine hochbegabte Cembalistin, Lieblingsschülerin Wilhelm Friedemann Bachs von 1774 bis 1784 sowie von Moses Mendelssohn und nach ihrer Heirat mit dem Bankier Samuel Salomon Levy (1760–1806) im Jahre 1783 eine Verehrerin und Patronin Carl Philipp Emanuel Bachs. Sie unterstützte seine Witwe und subskribierte zusammen mit dreien ihrer Brüder alle seine gedruckten Werke. Abraham Mendelssohn Bartholdy, der Gatte ihrer Nichte Lea, kannte Carl Friedrich Zelter seit seiner Kindheit, da dieser im Hause seines Vaters Moses Mendelssohn verkehrte. Sara Levy drang darauf, dass Zelter der Lehrer von Abrahams älteren Kindern, Fanny und Felix, wurde. Von ihr erhielt Zelter manche wertvollen Handschriften von Kompositionen der Bach-Familie zum Geschenk. Zudem hat sie in ihrem Testament ihre umfangreiche und kostbare, aus Handschriften und Erstdrucken bestehende Musikbibliothek der Singakademie vermacht. 1854, unmittelbar nach ihrem Tod, wurden diese Schätze aus Geldnot an die Berliner Staatsbibliothek für einen Schleuderpreis verkauft. Aber schon zu Lebzeiten hatte sie der Singakademie große Teile ihrer Notensammlung zur Verfügung gestellt. In ihrem Salon verkehrten die bedeutendsten Musiker und Gelehrten Berlins, darunter Friedrich Schleiermacher, August Adolph von Hennings, Heinrich Steffens und Bettina von Arnim. Bei den Soireen in ihrem Salon wurde die Musik Johann Sebastian Bachs gepflegt, die in jenen Jahren nicht mehr modern war. Sie selbst saß dabei am Flügel und spielte, von einem Orchester begleitet, nur Werke der Familie Bach.[2] Sara Levy wird von ihren Zeitgenossen, unter anderem Louis Pierre Edouard Bignon, dem Gesandten Napoleons, als hochgebildete, charakterfeste und überaus wohltätige Frau geschildert. Sie setzte sich für die Berliner Waisenhäuser ein und vermachte diesen nach ihrem Tod 20.000 Taler. Anders als die meisten ihrer Verwandten, die zum Christentum konvertierten, blieb sie dem jüdischen Glauben zeit ihres Lebens treu. Musik und Philosophie bildeten ihre Hauptinteressen. Sie hatte keine Kinder, kümmerte sich jedoch um einige ihrer Neffen und Nichten, darunter, neben den Mendelssohn-Kindern, um den späteren Juristen Julius Eduard Hitzig und den Münzsammler Benoni Friedländer. Literatur Bach-Archiv Leipzig, Internationale Mendelsohn-Stiftung (Hg.): „Bach-Kultus“ in Berlin um 1800. Sara Levy und ihr musikalisch-literarischer Salon (Katalog zur Ausstellung im Gartenhaus des Mendelssohn-Hauses Leipzig vom 30. Oktober bis 15. Dezember 2002), Leipzig 2002. Martina Bick: Musikerinnen der Familie Mendelssohn (= Reihe Jüdische Miniaturen, Band 202), Berlin 2017. Rebecca Cypess, Nancy Sinkoff (Hrsg.): Sara Levy's World: Gender, Judaism, and the Bach Tradition in Enlightenment Berlin. Woodbridge 2018. Petra Wilhelmy-Dollinger: „Emanzipation durch Geselligkeit: Die Salons jüdischer Frauen in Berlin zwischen 1780 und 1830“. In: Marianne Awerbuch und Stefi Jersch-Wenzel (Hrsg.): Bild und Selbstbild der Juden Berlins zwischen Aufklärung und Romantik. Berlin 1992, S. 21–138. Petra Wilhelmy-Dollinger: „Musikalische Salons in Berlin 1815–1840“. In: Hans-Günter Klein (Hg.): Die Musikveranstaltungen bei den Mendelssohns – Ein musikalischer Salon? Die Referate des Symposions am 2. September 2006 in Leipzig (= Leipzig – Musik und Stadt – Studien und Dokumente, Band 2). Leipzig 2006, S. 17–34. Peter Wollny: „Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus“. Sara Levy und ihr musikalisches Wirken. Mit einer Dokumentensammlung zur musikalischen Familiengeschichte der Vorfahren von Felix Mendelssohn Bartholdy (= Beiträge zur Geschichte der Bach-Rezeption, Band 2). Wiesbaden, Leipzig, Paris, 2010. Peter Wollny: Levy, Sara. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 11 (Lesage – Menuhin). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2004, ISBN 3-7618-1121-7, Sp. 44–45. Peter Wollny: „‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus‘. Sara Levy, geb. Itzig und ihr musikalisch-literarischer Salon“. In: Anselm Gerhard (Hrsg.): Musik und Ästhetik im Berlin Moses Mendelssohns (= Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung, Band 25). Tübingen 1999, ISBN 3-484-17525-7, S. 217–255. Peter Wollny: „Sara Levy and the Making of Musical Taste in Berlin“. In: The Musical Quarterly Vol. 77, No. 4 (1993), S. 651–688. | ITZIG, Sara (I61013)
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| 3990 | Leben Schröter war der Sohn des Bürgermeisters Peter Schröter und dessen Frau Gertrud Dietz. Sein jüngerer Bruder war Jacob Schröter der Ältere. Seine Schwester Gertrud († 1566 in Jena) heiratete 1561 den Mediziner Lorenz Hiel. Er besuchte anfänglich die Schule in Weimar und danach das Domgymnasium in Naumburg. 1533 begann er ein Studium der Humaniora an der Universität Wittenberg. Hier besuchte er die Vorlesungen von Martin Luther, Philipp Melanchthon, Erasmus Reinhold und Jacob Milich. Nach dem Studienabschluss wurde er Rektor der Schule in Stams. Am 28. Dezember 1541[2] kehrte er an die Universität Wittenberg zurück und begann das Studium der Medizin, welches er kurzzeitig unterbrach, um eine Stelle als Rektor der Landschule in Wien anzunehmen. In Wittenberg hatte er sich am 16. April 1545 den Grad eines Magisters der Philosophie erworben.[3] 1549 setzte er sein Medizinstudium an der Universität Padua fort. Von dort kam er 1551 nach Wien zurück und wurde an der Universität Wien am 2. Januar 1552 zum Dr. med. promoviert. Kurz darauf erhielt er einen Lehrstuhl für Medizin in Wien und war kaiserliche Leibarzt.[4] 1554 wurde Schröter als konsultierender Arzt an das Krankenbett des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I. gerufen, dieser war bei seiner Ankunft jedoch schon nicht mehr unter den Lebenden. Darauf ernannte ihn Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen-Weimar am 1. Oktober 1554 zu seinem Leibarzt und Professor der Medizin am Gymnasium in Jena. Von diesem hatte er 1557 die Aufgabe erhalten, die Universitätssatzungen der Jenaer Hochschule Kaiser Ferdinand zur Genehmigung vorzulegen. Da die Universität Jena als evangelische Hochschule ausgeschrieben wurde, verwehrte dieser nur der theologischen Fakultät die Promotionsrechte und fertigte am 15. August 1557 die Konfirmationsurkunde aus. Als Hochschullehrer der Salana beteiligte er sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Jenaer Hochschule. So wurde er am 2. Februar 1558 als Paladin Gründungsrektor, war dann noch im Sommersemestern 1564, 1573, sowie in den Wintersemestern 1561, 1564, 1568, 1573, 1582, 1588 Rektor der Alma Mater. Johannes von Schröter wurde von Kaiser Ferdinand I. 1557 geadelt. 1579 erhielt er in Padua die Würde eines Comes palatinus. Bei seiner Beisetzung in der Stadtkirche St. Michael hielt Georg Mylius die Leichenpredigt.[5] Julius Pagel merkt an: „S. galt für einen der scharfsinnigsten Diagnostiker.“[6] Er erhielt in St. Michael ein Epitaph gesetzt.[7] Die Gründung des Botanischen Gartens in Jena 1586 geht auf seine Initiative zurück. Ein Porträt Schröters hängt in der Professoren-Galerie der Universität im Kollegienhof in Jena, ebenso wie die von zweien seiner Söhne, die ebenfalls Professoren der Universität wurden.[8] 1909 wurde die Schroeterstraße in Jena-Süd nach ihm benannt. Familie Schröter war zwei Mal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er in Wien mit Ursula Capito (Großhaupt; † 1565 in Jena), die Witwe des Wiener Kanzlers Petri, ein. Seine zweite Ehe schloss er mit Catharina Wend (* 1523 in Arnstadt; † 16. Mai 1594 in Jena), die Witwe des Basilius Monner und die Tochter des Arnstädter Bürgermeisters Andreas Wend. Aus den Ehen stammen acht Kinder, wovon 4 in Wien und vier in Jena geboren wurden. Von den Kindern kennt man: Wolfgang Schröter (* 22. Oktober 1552 in Wien; † 11. Oktober 1584 in Halle [Saale]), Generalkanzler Mansfeld, dann fürstlich magdeburgischer Hofrat in Halle und Assessor Schöppenstuhl Halle ⚭ 20. Oktober 1577 mit Catharina Steinmetz (* 19. November 1560 in Leipzig; † 1635 in Jena), die Tochter des Moritz Steinmetz Professor der Mathematik und Apotheker Leipzig Ursula Schröter (* 21. Oktober 1581 in Eisleben; † 27. September 1632 in Wittenberg) ⚭ 1614 Matthias Große († 8. Februar 1627 in Wittenberg) Moritz Schröter Mediziner in Grimma Philipp Jakob Schröter (* 8. Juli 1553 in Wien; † 31. Mai 1617 in Jena) Johann Schröter († jung) Johann Friedrich Schröter (* 20. März 1559 in Jena; † 11. Dezember 1625 in Jena) ⚭ 3. Februar 1582 in Jena Barbara Vogel (* 9. Februar 1566 in Dresden; † 9. Februar 1631 in Jena), die Tochter des Dresdner Geheimrats Elias Vogel und der Sibylle Scheutzlich. Heinrich Schröter, immatr. Uni. Jena Elisabeth Schröter (* 1555 in Jena) Ursula Schröter ⚭ Johann Steinmetz, Mediziner und Apotheker in Leipzig | VON SCHRÖTER, Johannes (I47700)
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| 3991 | Leben Sebastian Lucius war das elfte Kind des Erfurter Kaufmanns Johann Anton Lucius. Er besuchte das Evangelische Gymnasium Erfurt und machte ab 1797 bei seinem ältesten Bruder in Höchst am Main eine kaufmännische Lehre. Nach zwei Jahren kehrte Lucius nach Erfurt zurück, um seinen Vater zu unterstützen, dessen Unternehmen die Weberei von Wollbändern betrieb. Später übernahm er das Unternehmen, das sich unter der Firma Joh. Anton Lucius zu einem bedeutenden Textilhandels- und Produktionsunternehmen in Erfurt entwickelte. Lucius erwarb am Anger zwei Häuser, die er zum Lucius-Haus (heute Haus Dacheröden) vereinigte. Lucius war politisch und sozial engagiert. So leitete er zwölf Jahre die Handelskammer zu Erfurt, ihm wurde der Ehrentitel eines (königlich preußischen) Kommerzienrats verliehen. Er war Delegierter bei der Versammlung deutscher Fabrikanten und Kaufleute. Bei Lebensmittelteuerungen verkaufte Lucius Getreide unter Marktpreis an Bedürftige. Lucius und seine Frau (geb. Hebel) gründeten die Lucius-Hebel-Stiftung, die ein Grundstück und das Stiftungskapital für ein Altenheim und ein katholisches Krankenhaus in Erfurt an der Kartäuserstraße zur Verfügung stellte. Lucius war auch an der Gründung der Volk’schen Erziehungsanstalt beteiligt. 1851 kaufte er das Rittergut Klein Ballhausen zwischen Tennstedt und Straußfurt, auf das er sich im Alter zurückzog. Der zweitälteste Sohn Ferdinand Lucius führte das Unternehmen von 1857 bis 1862 fort. Nachkommen Zu seinen elf Kindern zählen: August Lucius (1816–1900), Kaufmann, Gutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags Henriette Marie Lucius (1823–1886) Ferdinand Lucius (1830–1910), deutscher Textilunternehmer in Thüringen, Ehrenbürger von Erfurt, Mitglied des Deutschen Reichstags Eugen Lucius (1834–1903), deutscher Chemiker und Unternehmer, Mitgründer der Farbwerke Hoechst Robert Lucius Freiherr von Ballhausen (1835–1914), preußischer Landwirtschaftsminister, Mitglied des Deutschen Reichstags Sonstiges Die Sebastian-Lucius-Schule in seiner Heimatstadt Erfurt (im Stadtteil Gispersleben) wurde am 10. März 2008 nach ihm benannt.[1] Literatur Wolfgang Huschke: Lucius, Sebastian. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 15. Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 276–277 (deutsche-biographie.de). Robert von Lucius: Die Erfurter Familie Lucius. In: Erfurter Heimatbrief, Nr. 37 (1978), S. 28–37. Katharina Trutz: Sebastian Lucius. In: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt (Hrsg.): Mitteldeutsche Lebensbilder, Band 3, Lebensbilder des 18. und 19. Jahrhunderts. Selbstverlag, Magdeburg 1928, S. 362–372. | LUCIUS, Sebastian (I60798)
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| 3992 | Leben Sein Vater August Hausrath (1806–1847) war ein angesehener Prediger und, gemeinsam mit Carl Zittel und Emil Otto Schellenberg, Führer der liberalen Partei. Ehrengrab von Adolph Hausrath auf dem Heidelberger Bergfriedhof in der Abt. D auf dem Professorenweg Hausrath studierte Evangelische Theologie und Philosophie in Göttingen, Berlin, Jena und Heidelberg. Während seines Studiums in Jena wurde er 1856/57 Mitglied der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten Johann Gustav Droysen, Karl August Hase und Kuno Fischer. 1861 promovierte er in Berlin zum Lic. theol. und wurde Vikar in Heidelberg, wo er sich 1862 habilitierte. 1864 wurde er Assessor im evangelischen Oberkirchenrat der badischen Kirche in Karlsruhe, 1867 außerordentlicher, 1872 ordentlicher Professor für neutestamentliche Exegese und Kirchengeschichte in Heidelberg. 1889 gehörte er als Vertreter der Universität Heidelberg der Ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung an. Kurz vor seinem Tod wurde er als außerordentliches Mitglied in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen.[2] 1864 heiratete Hausrath eine Tochter des Regierungsbeamten und Schriftstellers Dr. phil. Georg Friedrich Fallenstein (1790–1853)[3], Henriette Fallenstein (1840–1895), eine Schwester von Max Webers Mutter Helene (1844–1919) und von Hermann Baumgartens Frau Ida (1837–1899). Sie bekamen elf Kinder, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten, darunter August (1865–1944) und Hans Hausrath (1866–1945). Bis zu seinem Tod lebte Hausrath mit seiner Familie in der Villa Fallenstein, Ziegelhäuser Landstraße 17; ihm folgten als Mieter Max und Marianne Weber. Bestattet wurde er, wie auch seine Ehefrau, auf dem Bergfriedhof (Heidelberg).[4] Werk und Bedeutung Hausrath war kirchlich wie politisch ein dezidierter Liberaler. Unter dem Einfluss seiner Heidelberger Lehrer Richard Rothe (über den er eine Biographie verfasste) und Ludwig Häusser beteiligte er sich an der Gründung des Deutschen Protestantenvereins und wurde dessen erster Sekretär. Seine neutestamentlichen und kirchengeschichtlichen Arbeiten sind vorwiegend biographischer Natur (die breiteste Verbreitung hatte eine populäre Biographie Martin Luthers). Ihr wissenschaftlicher Wert ist begrenzt; dafür zeichnen sie sich, wie auch Hausraths Romane, durch psychologische Einfühlung aus. Wie Heinrich von Treitschke (dessen Biographie er ebenfalls schrieb) sah er den Protestantismus als Leitkultur des Kaiserreichs an; dagegen bekämpfte er Katholizismus und Sozialdemokratie. Von antisemitischen Zügen sind Hausraths Schriften nicht frei. Ehrungen 1869 verlieh die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien Adolf Hausrath die Ehrendoktorwürde in Theologie. 1903 wurde ihm von der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg die Ehrendoktorwürde verliehen. 1906 ernannte ihn Großherzog Friedrich I. von Baden zum Geheimrat. 1907, anlässlich seines siebzigsten Geburtstages, wurde ihm von der Stadt Heidelberg die Ehrenbürgerwürde verliehen. Werke (Auswahl) Der Ketzermeister Konrad von Marburg. Groos, Heidelberg 1861. (Digitalisat) Neutestamentliche Zeitgeschichte (2. Aufl., Heidelberg 1877–79, 4 Bde., woraus sein Werk Der Apostel Paulus (2. Aufl., 1872) einen Ausschnitt bildet) Religiöse Reden und Betrachtungen. Leipzig 1873; 2. Aufl. 1882. David Friedrich Strauß und die Theologie seiner Zeit. Heidelberg 1877–78, 2 Bde. Kleine Schriften religionsgeschichtlichen Inhalts. Leipzig 1883. Peter Abälard. Leipzig 1893. Weltverbesserer im Mittelalter. Leipzig 1895. Geschichte der theologischen Facultät zu Heidelberg im 19. Jahrhundert. Heidelberg 1901. Zur Erinnerung an Heinrich von Treitschke. Alte Bekannte. Gedächtnisblätter II, Leipzig 1901 (Englisch: The Life of Treitschke. In: Treitschke: his life and works. Translated into English for the first time. London : Jarrold, 1914) Richard Rothe und seine Freunde. 2 Bde., Berlin 1902–1906. Luthers Leben. Berlin 1904. Unter dem Pseudonym George Taylor erschienen von ihm die historischen Romane: Antinous (Leipzig 1880, 6. Aufl. 1886); Klytia (Leipzig 1883, 5. Aufl. 1884); Jetta (Leipzig 1884); Elfriede (Leipzig 1885); Pater Maternus (Leipzig 1898); Potamiäna (Stuttgart 1901). | HAUSRATH, Adolf (I60804)
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| 3993 | Leben Sein Vater Johann Friedrich Zeller war Jurist und Verwaltungsbeamter, seine Mutter Johanna Regina (1773–1844) war die fünfte von sieben Töchtern des Stuttgarter Arztes Jacob Eberhard Andreae (1737–1779). Albert Zeller hatte ein lebhaftes Interesse an Naturwissenschaften und wollte von klein auf Arzt werden, um den Menschen helfen zu können. Getragen aus einem tiefen Glauben an Gott hatte er doch von Jugend an eine gewisse Schwermut und eine weiche Gemütsart. Schon früh schrieb er Gedichte, um seine Gedanken und Eindrücke zu verarbeiten. Nach der Reifeprüfung am Gymnasium in Stuttgart arbeitete er in der Apotheke eines Verwandten und begann danach sein Studium an der Universität Tübingen bei Gustav Schübler. Bereits mit 22 Jahren promovierte er und erhielt am 6. November 1826 seine Approbation als Arzt. Kurz darauf litt er monatelang an seelischer Verstimmung. Dieser erste Schwermutsanfall war eine wichtige Erfahrung für seine spätere Vorgehensweise mit seinen Patienten. Den ersten wissenschaftlichen Kontakt mit psychiatrischen (zur damaligen Zeit als hysterisch bezeichneten) Patienten hatte er im Sommer 1827 bei einer Reise zur ältesten deutschen Irrenanstalt in Pirna, Schloss Sonnenstein. Anlässlich der Reise nach Pirna 1827 lernte Zeller in Berlin seine spätere Ehefrau Marie Reimer (1807–1847), die Tochter des Berliner Verlegers Georg Reimer, kennen. Im März 1829 wurden sie von Friedrich Schleiermacher getraut. Im Jahre 1830 ließ sich Albert Zeller als praktischer Arzt in Stuttgart nieder. In der Wissenschaft der damaligen Zeit waren psychische Erkrankungen noch wenig erforscht und wurden oft mit Hysterie oder hypnotischer Suggestion erklärt. Als der Arzt und Dichter Justinus Kerner in Weinsberg Die Seherin von Prevorst veröffentlichte, verfasste Zeller eine Gegendarstellung. Dieses Buch erregte Aufsehen und er wurde als Verfasser bekannt. In der Folge davon spezialisierte sich Zeller 1831 auf psychische Erkrankungen. Als die württembergische Regierung beschloss, im ehemaligen Deutschordensschloss Winnental eine zweite Irrenanstalt zu eröffnen, wurde der erst 27-jährige Zeller aus den zahlreichen Bewerbern ausgewählt. Auf seinen Reisen 1832 zu verschiedenen Anstalten in Deutschland, England, Schottland und Frankreich sammelte er praktische Erfahrungen. Am 3. August 1833 zog Zeller in Winnental ein. Durch sein Wirken baute er die Heilanstalt allmählich zur ersten und weithin berühmten Anstalt des Landes aus. Bis zu seinem Tod am 23. Dezember 1877 war er Leiter der Anstalt in Winnenden. Ernst von Zeller (1830–1902) wurde 1878 Nachfolger seines Vaters als Vorstand der Anstalt Winnental. Lieder des Leids Marie Zeller, die Ehefrau Albert Zellers Marie, Albert Zellers Frau, starb am 12. April 1847; sie hinterließ sieben Buben und ein Mädchen. Noch im gleichen Jahr brachte Schwiegervater Georg Andreas Reimer Albert Zellers erste Gedichte auf sie heraus, Verlust und Tod, ein Büchlein unter dem Titel Lieder des Leids, 24 Gedichte, 48 Seiten, Widmungsblatt Meinen Freunden, datiert Winnenthal, den 12. September 1847. Albert Zeller. Im Jahr darauf wurden von diesen 24 Gedichten 15 Gedichte unter dem Titel Lieder des Leids. Von †† in Albert Knapps Christoterpe auf das Jahr 1849 abgedruckt. Unter dem Titel Gedichte eines Ungenannten erschienen 1849 24 weitere Gedichte als Privatdruck, 30 Seiten, auf Kosten Albert Zellers hergestellt, für Verwandte, Freunde und nahe Bekannte. Dieselben Gedichte in derselben Reihenfolge erschienen unter demselben Titel, also anonym, in der Christoterpe auf das Jahr 1850. 1851 kam bei Reimer in Berlin die 1. Auflage unter Albert Zellers Namen und dem Titel Lieder des Leid's heraus (mit Apostroph nur die Auflagen bis incl. 1860). Danach 19 weitere Lieder, nun unter seinem Namen, in den Christoterpen auf das Jahr 1852 und 1853, und ab da ständig erweiterte und zunehmend prächtiger ausgestattete Auflagen bei Reimer. 1908 kam die 9. und letzte Auflage heraus, nicht mehr bei Reimer, sondern in Herborn, mit einem Vorwort von D. Knodt. Lieder des Leids wurden vertont von Josephine Lang (1815–1880), Friedrich Martin Jehle (1844–1941), Johannes Jehle (1881–1935) und anderen. Viele der Gedichte wurden Lieder in evangelischen Gesangbüchern, am bekanntesten: Gib dich dahin, Klag deine Not und Hindurch, hindurch mit Freuden. Zellers Lieder erschienen nicht nur in Württembergischen Gesangbüchern, sondern reichsweit in evangelischen Gesangbüchern, zudem in den siebenbürgischen Landesteilen Ungarns, in Großbritannien, in der Kirchenprovinz Posen-Westpreußen, ab etwa 1925 in der Kirchenprovinz Ostpreußen und der Grenzmark Posen-Westpreußen, in Danzig und der Unierten evangelischen Kirche in Polen, 1941 in Weimar mit entsprechenden nationalsozialistischen Textentstellungen im Gesangbuch der Deutschen Christen Großer Gott wir loben dich, bis in die 1980er Jahre im Mennonitischen Gesangbuch, im Gesangbuch Zions-Lieder der Siebenten-Tags-Adventisten, und 1958 in der DDR in Thüringen im Gesangbuch für Schmalkalden, außerdem im Gemeinschaftsliederbuch, und zwar in der „Ausgabe für die DDR“. Leistungen als Psychiater Während seines Wirkens in Winnental von 1834 bis 1877 behandelte er etwa 3600 Patienten, u. a. Nikolaus Lenau, Ludwig Feuerbachs Schwester Helene, Hermann Lingg, Josephine Langs Sohn Felix und Alwine Wuthenow. Regelmäßig gab er in seinen Berichten über die Wirksamkeit der Heilanstalt Winnental Rechenschaft über sein Tun und entwickelte darin seine wissenschaftlichen Anschauungen, die stark von somatischen, romantischen und neopietistischen Ansätzen geprägt waren.[1][2] Ein typischer Satz von ihm: „Der Wahn der meisten Verrückten ist ein glücklicher und nur der Widerspruch mit der Wirklichkeit erzeugt zuweilen Unmuth und Traurigkeit; viel seltener ist er an und für sich peinlicher Art für den Kranken, in der Regel ist er sein höchstes Kleinod und seine Glückseligkeit.“ Zur deutschen Übersetzung des Buches seines berühmten belgischen Kollegen Joseph Guislain, Abhandlung über die Phrenopathien oder neues System der Seelenstörungen (Stuttgart und Leipzig 1838), schrieb er das Vorwort (30 Seiten) sowie umfangreiche Kommentare zu den einzelnen Kapiteln.[3] Dieses Werk ist von besonderer Bedeutung, da Zeller seine Ansichten und Lehren nicht in einem eigenen, umfassenden Werk niedergelegt hat. Er holte als Kollegen aber den Psychiater Wilhelm Griesinger nach Winnenthal; von Griesinger stammt das wegweisende Lehrbuch Zur Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten. | ZELLER, Ernst Albert (I59836)
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| 3994 | Leben Sein Vater Joseph Veit war ein Bankier; dessen Bruder Simon Veit war der erste Ehemann von Moses Mendelssohns Tochter Dorothea Schlegel. Aus Veits Studienzeit stammt ein bemerkenswerter Briefwechsel mit Rahel Varnhagen von Ense, in dem Veit auch seine Begegnungen mit Goethe schildert. Mit Abraham Mendelssohn reiste er nach Beendigung seines Studiums nach Paris. 1799 übersiedelte er nach Hamburg, wo er als Arzt und Naturforscher tätig war. Er verkehrte hier u. a. mit Johann Albert Heinrich Reimarus, Friedrich Christoph Perthes, Friedrich Heinrich Jacobi und Johann Gottlieb Fichte. Schriften (Auswahl) De organorum corporis humani tam energia, seu activitate interna, quam cum organis sociis connexione, seu sympathia. Halle 1797. Digitalisat. Des Herrn Guyton Morveau allgemeine theoretische und praktische Grundsätze der chemischen Affinität oder Wahlanziehung zum gemeinnützigen Gebrauch für Naturforscher, Chemisten, Aerzte und Apotheker. Aus dem Französischen übersetzt von David Joseph Veit. Mit Anmerkungen begleitet und herausgegeben von Siegismund Friedrich Hermbstädt. Berlin 1795. Digitalisat. Johann Albert Heinrich Reimarus nach zurückgelegten Funfzig Jahren seiner medizinischen Laufbahn. Ein biographischer Beytrag zur Feyer des 29. Aprils. Hamburg 1807. Digitalisat. Briefeditionen: Aus dem Nachlaß Varnhagenʼs von Ense. Briefwechsel zwischen Rahel und David Veit. Leipzig 1861. Erster Theil, Zweiter Theil. L. Geiger: Briefe an und von David Veit. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden. Festschrift zum siebzigsten Geburtstage Martin Philippsons. Leipzig 1916, S. 232‒248. Literatur Theodor Zondek: Dr. med. David Veit (1771‒1814). In: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter Band 8, Heft 5, Oktober 1968, S. 120‒128. Digitalisat. T. Zondek: Dr. med. David Veit (1771–1814). Eine Gestalt aus der Emanzipationszeit, in: Bulletin des Leo Baeck Institutes, 15. Jg., Neue Folge, Nr. 52, S. 49–77 Hanns G. Reissner: Gebrüder Veit · Berlin (1780‒1931). In: Gegenwart im Rückblick. Festgabe für die Jüdische Gemeinde zu Berlin 25 Jahre nach dem Neubeginn. Heidelberg 1970, S. 274‒295, mit Abridged genealogical table VEIT als loser Beilage. | VEIT, David (I60755)
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| 3995 | Leben Sein Vater Juda Veit (1710–1786) war Baumwollfabrikant. Simon gründete 1780 zusammen mit seinen Brüdern Salomon (1751‒1827) und David (1753‒1835) das Bankhaus Gebrüder Veit. Der Großvater väterlicherseits war Kurhessischer Landrabbiner in Witzenhausen, der mütterliche Großvater Gründer der ersten Samtfabrik in Preußen. Er entstammte einer der fünfzig jüdischen Familien, die im 17. Jahrhundert aus Wien vertrieben worden waren und sich auf Einladung des Großen Kurfürsten in Brandenburg niederließen. Die Familie gehörte zur jüdischen Oberschicht und besaß einen der raren Schutzbriefe, die auch den Nachkommen das Aufenthaltsrecht gewährten (Generalprivilegierte). Bekannt ist Simon Veit vor allem als erster Ehemann von Brendel Mendelssohn (1764–1839), der späteren Dorothea Schlegel, und als Vater der berühmt gewordenen Söhne Johannes und Philipp Veit. Moses Mendelssohn hatte den Gatten für seine Tochter ausgewählt, er schätzte Simon Veit, der auch an seinen „Morgenstunden“ teilnahm, und der, da er den Schutzbrief hatte, der Tochter Sicherheit bieten konnte. Simon Veit und Brendel Mendelssohn wurden 1778 verlobt und heirateten 1783. Brendel gebar vier Kinder, von denen zwei überlebten: 1790 wurde Jonas, 1793 Philipp geboren. Beide konvertierten wie ihre Mutter zum Katholizismus und wurden als Maler (Nazarener) berühmt. Nach fast sechzehn Jahren unglücklicher Ehe ließ sich Brendel 1799 scheiden und lebte erst in wilder, dann in protestantischer und schließlich in katholischer Ehe mit Friedrich Schlegel. Simon Veit behielt den älteren Sohn, Jonas (später Johannes) bei sich. Philipp, der zunächst bei der Mutter aufwuchs, zog mit 15 Jahren zum Vater. Simon Veit ist nicht konvertiert, er hat sich, angeregt von seinen Söhnen und seiner geschiedenen Frau, für deutsche Literatur und Kunst interessiert. Sowohl seine Ex-Frau wie auch die Söhne wurden zeit seines Lebens von ihm finanziell unterstützt. Er war Mitglied der Börsencorporation, unterstützte die Vorschläge David Friedländers zur Neuorganisation des jüdischen Gottesdienstes, unterstützte arme Verwandte und nichtjüdische Arme. Nach Moses Mendelssohns Tod war Simon Veit Berater und Beistand von dessen Ehefrau Fromet; ein aufgeklärter, toleranter jüdischer Kaufmann und Wohltäter. Siehe auch Veit (Berliner Familie) Literatur Heinrich Graetz: Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Aus den Quellen neu bearbeitet, 11 Bände, 1853–1875 Felix Gilbert (Hrsg.): Bankiers, Künstler und Gelehrte. Unveröffentlichte Briefe der Familie Mendelssohn aus dem 19. Jahrhundert. Tübingen 1975, ISBN 3-16-836362-6 Sebastian Hensel (Hrsg.): Die Familie Mendelssohn 1729–1847.Frankfurt/M. 1995, ISBN 978-0-543-92228-1 Juden in Preußen. Ein Kapitel deutscher Geschichte. Dortmund 1981 Carola Stern: Ich möchte mir Flügel wünschen. Das Leben der Dorothea Schlegel. Reinbek 1993 Thomas Lackmann: Das Glück der Mendelssohns, Geschichte einer deutschen Familie. Berlin 2005. Hazel Rosenstrauch: Simon Veit. Der missachtete Mann einer berühmten Frau. Persona Verlag, Mannheim 2019, ISBN 978-3-924652-44-9. (Inhaltsverzeichnis) Hazel Rosenstrauch: Simon Veit, der missachtete Mann einer berühmten Frau. In: Jüdische und christliche Intellektuelle in Berlin um 1800. Freundschaften, Partnerschaften, Feindschaften. Hannover 2021 (Inhaltsverzeichnis), ISBN 978-3-86525-825-0, S. 225‒246. | VEIT, Simon (I60739)
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| 3996 | Leben Sein Vater war der bedeutende Wiener Hoffaktor Samson Wertheimer, seine Ehefrau stammte aus der Familie Oppenheimer. Damit waren zwei große Bankhäuser verbunden. Sie hatten mehrere Söhne, Isaak (geb. in Fürth, verheiratet mit Simelie Gomperz aus der Klever Faktorenfamilie), Abraham Simon und Samuel Wolf, die die Geschäfte fortsetzten. Im Jahr 1709 übernahm er, zuerst als Assistent, die Geldgeschäfte des Vaters in Wien. Zur kostspieligen Vermählung des Kurprinzen Karl Albrecht 1722 benötigte der bayerische Hof Geld, das er sich bei jüdischen Hoffaktoren lieh. Daneben forderte das Heer ständig neue Gelder. Der 1723 zum Hofjuwelier ernannte Wolf Wertheimer ließ sich in München nieder, zog wenige andere Juden nach und schuf so eine kleine Gemeinde. 1725 gab es deswegen einen antijüdischen Aufruhr unter den Schülern des Jesuitengymnasiums. Mit dem Machtantritt des Kurfürsten Karl Albrecht 1726 erwies sich die Schuldenlast als unlösbares Problem, die Tilgung kam vollends ins Stocken. Wolf Wertheimer wurde beruhigend zum kaiserlichen Oberhoffaktor ernannt, musste sich aber vollständig auf die Schuldeneintreibung konzentrieren, ohne die väterliche Firma weiterführen zu können. 1733 erreichte er immerhin die Freistellung vom Leibzoll, 1750 erweiterte Aufenthaltsrechte in ganz Bayern. Er engagierte sich für die 1744/45 von Maria Theresia vertriebenen böhmischen Juden. Den Wohnsitz verlegte er teilweise nach Augsburg oder wechselte hin und her. Seine Münchner Wohnung wurde zum Treffpunkt für den Gottesdienst.[1] Doch trotz kaiserlicher Unterstützung, um das Kreditgeschäft nicht insgesamt zu schädigen, zeigte sich der Kurfürst weiter zahlungsunfähig mit Hinweis auf die Verwüstungen und Einnahmeverluste in den dauernden Kriegen. Als er selbst 1742 Kaiser geworden war, ließ er Wolf Wertheimer kurzerhand des Landesverrats anklagen, weil er im Österreichischen Erbfolgekrieg mit dem Feind Österreich paktiert habe. Das brachte nur einen Aufschub; der 1745 nachfolgende Kurfürst Maximilian III. Joseph musste nach langen Verhandlungen schließlich 1754 die Schuld in Höhe von ca. 3,7 Mio. Gulden anerkennen, ohne sie jedoch zu begleichen. Nach Wolfs Tod 1765 wurde die Rückzahlung 1784 ganz eingestellt.[2] Sein von Augsburg aus 1744 bis 1748 geführter Briefwechsel ist in Prag aufgefunden worden. Er bietet zahlreiche Quellen zur jüdischen Geschichte, besonders zur Vertreibung der böhmischen Juden.[3] | WERTHEIMER, Simon Wolf (I60188)
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| 3997 | Leben Seine Eltern waren der Jurist und Berliner Professor Karl von Richthofen (1811–1888) und Sophie von Lützow (1816–1855), eine Tochter des preußischen Generals Leopold von Lützow. Er erbte das Schloss Kohlhöhe, das er nach dem Tod des Vaters umbaute. Die Adelsfamilie Richthofen war überwiegend in Schlesien weit verzweigt Karl von Richthofen-Damsdorf erhielt Privatunterricht im Elternhause, besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin und die Universitäten zu Göttingen und Berlin, wo er Rechtswissenschaften und Geschichte studierte. 1869 wurde er Auskultator zu Berlin und 1873 Gerichtsassessor. Als Regierungsassessor war er beim Provinzialschulkollegium zu Hannover und der Regierung zu Stettin, als Regierungsrat bei der Regierung zu Erfurt und als Oberregierungsrat in Danzig. 1888 übernahm er in den Kreisen Striegau und Liegnitz gelegene Güter. 1870/71 hat er während des Deutsch-Französischen Krieges beim Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches) Nr. 13 gedient. Von 1898 bis 1912 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Regierungsbezirk Breslau 9 Striegau, Schweidnitz und die Deutschkonservative Partei und ab 1908 Mitglied des Preußischen Herrenhauses.[1] Das Wappen des Ehepaars Richthofen-Damsdorf heiratete Margarethe von Webern (1861–1933), eine Tochter des preußischen Generalleutnants Emil von Webern (1822–1910). Das Wappen ist am Schloss Kohlhöhe noch sichtbar. | VON RICHTHOFEN-DAMSDORF, Karl Friedrich (I59602)
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| 3998 | Leben Seine Eltern waren der Kaufmann und Philosoph Moses Mendelssohn und Fromet Gugenheim. Als Abraham Mendelssohn wurde er Anfang des 19. Jahrhunderts im Bankhaus Fould & Co in Paris ausgebildet. Bei einem Berlin-Aufenthalt lernte er seine spätere Frau Lea Salomon kennen, die er am 26. Dezember 1804 heiratete. Der Ehe entstammten vier Kinder. Nachdem die junge Familie zunächst in Hamburg gewohnt hatte, zog sie, durch die französische Annexion der Hansestadt erzwungen, 1811 nach Berlin. Als Kaufmann gelangte Abraham Mendelssohn zu einem nicht unerheblichen Vermögen.[2] Seine Kinder erzog er christlich. Im Jahr 1816 ließ er alle vier Kinder christlich taufen und konvertierte 1822 gemeinsam mit seiner Frau schließlich selbst zum Protestantismus.[3] Wenige Wochen danach erhielt Abraham die behördliche Erlaubnis, den Zusatznamen „Bartholdy“ anzunehmen. Es handelte sich um den Namen des Eigentümers einer Meierei, die der Großvater seiner Frau, Daniel Itzig, 1779 gekauft hatte.[4] Sie hatte sich von 1684 bis 1730 im Besitz der Familie Bartholdi befunden. Schon die Brüder seiner Frau, Jacob und Isaac Salomon, hatten sich nach ihrer Taufe diesen neuen Familiennamen zugelegt.[5] Zwei der vier Kinder Mendelssohn Bartholdys wurden als Musiker berühmt: Seine Tochter Fanny, die den Kunstmaler Wilhelm Hensel heiratete, war ebenso eine berühmte Komponistin wie ihr weltbekannter, 1809 geborener Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy. Sein Sohn Paul, der ebenfalls musikalisch begabt war, trat dagegen in die Familienbank ein, die er ab 1871 als Seniorchef leitete. Grab von Abraham und Lea Mendelssohn Bartholdy in Berlin-Kreuzberg Ausschnitt aus dem Stammbaum der Mendelssohn-Familie mit den Kindern von Abraham Mendelssohn Bartholdy an der Wand der Dauerausstellung in der ehemaligen Kapelle auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I in Berlin-Kreuzberg Kurz vor seinem Tode wurde er am 2. Juli 1835 zum Stadtältesten von Berlin ernannt. Abraham Mendelssohn Bartholdy starb 1835 im Alter von fast 59 Jahren in Berlin. Die Beisetzung fand auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I vor dem Halleschen Tor statt. Seine Gattin Lea wurde sieben Jahre später neben ihm bestattet. In der Gittergrabanlage dienen zwei hohe flache Stelen als Grabmarkierungen. Auch das Erbbegräbnis Hensel/Mendelssohn Bartholdy, in dem unter anderen ihre Kinder Fanny und Felix beigesetzt sind, sowie das Grab des Sohnes Paul befinden sich in der Nähe.[6] Die letzte Ruhestätte von Abraham Mendelssohn Bartholdy (Grablage DV1-1-2) war von 1952 bis 2015 Ehrengrab des Landes Berlin. Literatur Mendelssohn-Studien, herausgegeben für die Mendelssohn-Gesellschaft von Cécile Lowenthal-Hensel, Rudolf Elvers, Hans-Günter Klein und Christoph Schulte, Berlin 1972 bis Hannover 2007 Thomas Lackmann: Der Sohn meines Vaters: Biographische Studie über Abraham Mendelssohn, Göttingen, Wallstein 2007. ISBN 978-3-8353-0111-5 Mendelssohn Bartholdy, Abraham. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 17: Meid–Phil. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. De Gruyter, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-598-22697-7, S. 23–25. Abraham Mendelssohn Bartholdy (1776–1835). In: Ekkehard Vollbach: Dichter, Denker, Direktoren. Porträts deutscher Juden, Leipzig: edition chrismon, ISBN 978-3-96038-243-0, S. 136–150. Weblinks Commons: Abraham Mendelssohn Bartholdy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Kurzbiographie Abraham Mendelssohn Bartholdys in der Mendelssohn-Enzyklopädie https://www.mendelssohn-gesellschaft.de/ Homepage zur Gesellschaft der Freunde (Memento vom 5. Februar 2007 im Internet Archive) Quellen zu Abraham Mendelssohn in der Staatsbibliothek zu Berlin Einzelnachweise Laut Grabstein lautet das Geburtsdatum 11. Dezember 1776. Wilhelm Adolf Lampadius: Felix Mendelssohn-Bartholdy. Leuckart, Leipzig, 1886, S. 9 in der Neuausgabe von Karl-Maria Guth, im Jahr 2014 in Berlin unter ISBN 978-3-8430-4887-3 erschienen Hermann Simon: Moses Mendelssohn – Gesetzestreuer Jude und deutscher Aufklärer. Hentrich & Hentrich, 2003, ISBN 3-933471-45-1, S. 51 Ekkehard Vollbach: Dichter, Denker, Direktoren - Porträts deutscher Juden. edition chrismon, Leipzig 2020, ISBN 978-3-96038-243-0, S. 138. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). Jacob Jacobsen: Von Mendelssohn zu Mendelssohn-Bartholdy. In: Yearbook Leo Baeck Institute. Band 5, 1960, S. 255. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 226–227. | MENDELSSOHN BARTHOLDY, Abraham (I60774)
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| 3999 | Leben Seine Eltern waren Karl von Richthofen (1801–1874) und Ferdinande von Kulisch (1807–1885), die vor ihrer Heirat 1828 als „Nanny von Kulisch“ Hofdame am herzoglich württembergischen Hof zu Carlsruhe (Oberschlesien) gewesen war und eine Biografie von Ferdinands Bruder, dem 1873 exkommunizierten Domkapitular Carl Freiherr von Richthofen (1832–1876),[2][3] verfasste. Nach der Schulausbildung am katholischen Matthias-Gymnasium in Breslau[4] studierte Richthofen Geologie, von 1850 bis 1852 in Breslau und von 1852 bis 1856 in Berlin.[5] Er promovierte 1856 an der Berliner Universität mit einer Arbeit über das Gestein Melaphyr. Von 1856 bis 1860 arbeitete Richthofen als Feldgeologe für die k. u. k. Geologische Reichsanstalt in Wien. Er führte dabei u. a. Kartierungsarbeiten in Südtirol durch und erkannte als einer der ersten die marine Bildungsgeschichte der Dolomiten.[6] Darüber hinaus war er auch in Siebenbürgen, in den Karpaten, tätig. Dabei war er an der von Franz von Hauer geleiteten Übersichtsaufnahme beteiligt, die eine umfassende geologische Beschreibung Siebenbürgens (1863 publiziert) mit einer Übersichtskarte (1861 veröffentlicht) erbrachte und lange als Standardwerk galt. Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Forschungsreisender war eine zwölfjährige Reise von 1860 bis 1872, die ihn nach Asien und Nordamerika brachte. Als Teilnehmer der von Friedrich Albrecht zu Eulenburg geleiteten preußischen Ostasienexpedition besuchte er von 1860 bis 1862 zunächst Ostasien, genauer Ceylon (Sri Lanka), Japan, Formosa (Taiwan), die Philippinen und Java. Auf Java, wo er den Mediziner und Naturforscher Franz Wilhelm Junghuhn traf, durchreiste er einige bis dahin noch unbekannte Teile der Insel. Als erster Arbeitsschwerpunkt bildete sich in dieser Zeit die Beschäftigung mit Vulkangestein heraus. Anschließend unternahm er eine Landreise von Bangkok nach Moulmein in Burma am Bengalischen Meerbusen. Seinen Plan, von Kalkutta aus quer durch Zentralasien zu reisen, musste er aufgeben. Er verließ zunächst Asien und arbeitete bis 1868 an vorwiegend geologischen Themen in Kalifornien und in der Sierra Nevada. 1868 kehrte er, finanziert von der Handelskammer von San Francisco, nach Asien zurück. Von Shanghai aus widmete er sich bis 1872 der intensiven Erforschung des Kaiserreiches China. Richthofen durchreiste, zum Teil unter widrigen Bedingungen, 13 der damaligen 18 Provinzen. Durch ihn wurde ein großer Teil Chinas für die westliche Wissenschaft erschlossen. Der Schwerpunkt seiner Untersuchungen verschob sich in China von der Geologie hin zur Geografie. Insbesondere widmete er sich den Zusammenhängen von Gesteinsbau (Stratigraphie), Oberflächenformen (Geomorphologie), Klima, Pflanzen- und Tierwelt, Besiedlung, Wirtschaft und Kultur im Untersuchungsgebiet. Genaue Einzelbetrachtungen fügte er zu einem aussagekräftigen Gesamtbild zusammen. Die Lopingium-Serie des Perm in der Erdgeschichte wurde von ihm erstmals als lithostratigraphischer Begriff eingeführt; später von anderen Autoren als chronostratigraphische Einheit umdefiniert. In Peking brach er im Oktober 1871 zu seiner letzten Reise auf. Diese Reise führte ihn über Taiyuan entlang des Flusses Fen He nach Xi’an, durch die Qin-Ling- und Daba-Shan-Berge nach Chengdu mit dem Ziel Kanton. Hinter Chengdu wurde die Expedition jedoch überfallen und ausgeraubt. Richthofen entschloss sich zum Abbruch der Reise. Über Luzhou und Chongqing im Roten Becken und danach entlang des Flusses Jangtsekiang erreichte Richthofen über Yichang, Wuhan und Nanjing schließlich Shanghai. Hauptziel seiner Asienreise war die Erfassung der chinesischen Kohlevorkommen. Mit der genauen Darstellung der einheimischen Wirtschafts- und Bevölkerungsstruktur sollte die in Europa noch unbekannte Region unter den Einfluss der deutschen Wirtschaft gebracht werden. Gedenktafel für Ferdinand von Richthofen an dessen ehemaligem Wohnort in Berlin-Schöneberg Nach seiner Rückkehr (1872) aus China war Richthofen von 1873 bis 1878 Präsident der Berliner Gesellschaft für Erdkunde. Er setzte sich für eine Ausweitung des deutschen Kolonialreiches nach China ein, unter anderem mit einer an Otto von Bismarck gerichteten Denkschrift. 1875 wurde von Richthofen Professor für Geografie in Bonn, dann ab 1883 in Leipzig Nachfolger von Otto Delitsch und ab 1886 in Berlin. Schüler waren unter anderem Otto Schlüter,[7] Sven Hedin, Alfred Philippson, Arthur Berson, Fritz Frech und Wilhelm Sievers. Auch Alfred Hettner, der sich bei ihm und seinem Nachfolger Friedrich Ratzel 1887 in Leipzig habilitierte, zählt zum Kreis von Ferdinand von Richthofen. 1862 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.[8] Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen wählte in 1875[9] und die Bayerische Akademie der Wissenschaften 1881 zum korrespondierenden Mitglied.[10] 1883 wurde er in die National Academy of Sciences gewählt. Seit 1884 war er ordentliches Mitglied der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften. Am 31. Dezember 1894 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Académie des sciences aufgenommen.[11] 1901 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Der Richthofen-Pass, ein Gebirgspass im westantarktischen Grahamland, ist nach ihm benannt. Er war Ehrenmitglied des Thüringisch-Sächsischen Vereins für Erdkunde.[12] Seine wichtigsten Arbeiten sind die Untersuchungen zum geologischen Bau und zur Geografie von China (zum Beispiel seine Arbeiten über die dortigen Steinkohlevorkommen und den asiatischen Löss). Grabstätte auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf Ferdinand von Richthofen starb 1905 im Alter von 72 Jahren in Charlottenburg und wurde auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg beigesetzt. Im Zuge der von den Nationalsozialisten 1938/1939 durchgeführten Einebnungen auf dem Friedhof wurden Richthofens sterbliche Überreste auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin umgebettet.[13] Das dortige Grabmal wurde im Jahr 2007 restauriert. Es befindet sich im Block Alte Umbettung, Abteilung C, Erbbegräbnis 127.n. Ein Splitternachlass von Richthofens befindet sich im Archiv für Geographie des Leibniz-Instituts für Länderkunde in Leipzig.[14] Ehrungen Nach ihm ist die Pflanzengattung Richthofenia Hosseus aus der Familie der Rafflesiaceae benannt.[15] | VON RICHTHOFEN, Ferdinand Paul Wilhelm (I59606)
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| 4000 | Leben Seit ihrer Kindheit hatte Elisabeth eine enge Beziehung zu ihrem Bruder, dem späteren König Christian II. Sie konnte sowohl auf Dänisch als auch auf Deutsch lesen und schreiben. Als 16-Jährige wurde sie am 10. April 1502 mit dem 18-jährigen Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg in Stendal verheiratet, während ihre Mutter im Stockholmer Schloss belagert wurde. Gleichzeitig mit Elisabeths Hochzeit fand jene ihres Onkels Friedrich mit Anna von Brandenburg statt. Die Eheverbindung Elisabeths mit Kurfürst Joachim brachte dem Haus Brandenburg die Anwartschaft auf einen Teil der Herzogtümer Holstein und Schleswig ein, wurde aber nie real wirksam. Elisabeth führte in ihren ersten Ehejahren mit ihrem Gemahl eine glückliche Ehe und gebar ihm fünf Kinder. 1507 empfing sie ihre Mutter und 1515 nahm sie an der Hochzeit ihres Bruders Christian mit Isabella von Österreich teil. Schon früh, um 1523, wandte sich Elisabeth im Stillen der Lehre Luthers zu. Ihre Hinneigung zum Protestantismus wurde wahrscheinlich durch ihren Leibarzt Matthäus Ratzenberger, einem Freund des Reformators, angebahnt. Als ihr 1523 aus seinen skandinavischen Reichen vertriebener Bruder Christian II., ein entschiedener Anhänger des neuen Glaubens, hilfesuchend in Berlin weilte, bestärkte er seine Schwester im Festhalten an der lutherischen Lehre. In der Folge blieb Elisabeth ihrer religiösen Überzeugung unter allen Umständen treu und geriet deswegen in schroffen Gegensatz zu ihrem Ehemann, einem heftigen Gegner der Reformation. Ihm entging der Gesinnungswechsel seiner Gemahlin nicht, die harte Strafmaßnahmen von seiner Seite zu befürchten hatte. Als der brandenburgische Kurfürst zu Ostern 1527 abwesend war, empfing Elisabeth heimlich von einem aus Wittenberg entsandten Prediger das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Dies wurde ihrem Gemahl hinterbracht, der sich nun zum sofortigen Einschreiten verpflichtet sah, um dem Protestantismus in seinen Landen eine derart prominente Stütze zu entziehen. Er forderte von Elisabeth, dass sie sich wieder zur katholischen Religion bekenne, und räumte ihr eine Bedenkzeit bis Ostern 1528 ein. Später ließ er ihr jedoch ausrichten, sie solle mit ihm zu Allerheiligen 1527 das Abendmahl nach altem Ritus zu sich nehmen, was sie ablehnte. Daraufhin holte der Kurfürst den Rat der höchsten Geistlichen des Landes ein, ob er seine Gattin, wenn sie beim protestantischen Glauben verharre, hinrichten oder sich von ihr scheiden lassen dürfe oder welche Maßnahmen er sonst treffen solle. Die Prälaten antworteten, er habe die Pflicht, Elisabeth lebenslang gefangen zu halten. Als die Kurfürstin von dieser Empfehlung der geistlichen Würdenträger Kenntnis erhielt, beschloss sie mit Zustimmung ihres noch in Berlin weilenden Bruders, sich aller persönlicher Gefahr durch Flucht zu entziehen. Auf ihr Ersuchen hin erklärte sich ihr Onkel mütterlicherseits, der Kurfürst Johann von Sachsen, zu ihrer Aufnahme bereit. Während der Abwesenheit ihres Ehemanns, der gerade auf einer Reise nach Braunschweig begriffen war, bewerkstelligte sie am Abend des 24. März 1528 ihre Flucht aus Berlin. Sie schaffte es, durch eine an der Wasserseite befindliche Pforte unbeobachtet aus dem Schloss zu entkommen. In einem Boot ruderte sie über die Spree zum jenseitigen Ufer und fuhr von dort aus in einem von ihrem Bruder bereitgestellten Wagen nach Torgau, wo sie am 26. März eintraf. Pastor Thomas Schneidewein, der als erster in der Heilig-Geist-Kapelle in Jüterbog evangelisch predigte, unterstützte ihre Flucht. Wenig später verschwand er spurlos, angeblich von kurfürstlichen Reitern entführt. Kurfürst Joachim I. bestand darauf, dass Johann von Sachsen ihm unverzüglich Elisabeth ausliefere. Johann forderte hingegen, Joachim müsse zuerst sein Einverständnis geben, dass Elisabeth nach ihrer Rückkehr weiterhin ihren evangelischen Glauben ungehindert ausüben dürfe und dass zwei Diener, die ihr bei der Flucht geholfen hatten, straffrei blieben. Diesen Bedingungen stimmte Joachim nicht zu, so dass Elisabeth in Sachsen verweilte und abwechselnd in Torgau, Wittenberg und Weimar lebte. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 bemühte sich Joachim erfolglos, mit Unterstützung Kaiser Karls V. die zwangsweise Rückkehr seiner Ehefrau durchzusetzen. Nach dem 1532 erfolgten Tod ihres Onkels, des Kurfürsten Johann, geriet Elisabeth in drückende finanzielle Not und musste Schulden machen. Sie studierte die Bibel sowie reformatorische Werke und schloss mit Luther nähere Bekanntschaft bei Aufenthalten in Schloss Wittenberg 1534 und 1537, als sie in schlechter gesundheitlicher Verfassung vier Monate lang unter seiner Aufsicht stand. Elisabeths wirtschaftliche Lage besserte sich erst, als ihr Ehemann im Juli 1535 starb, woraufhin ihr ihre Söhne Joachim II. und Johann eine ansehnliche jährliche Rente gewährten. Beide wollten, dass sie in ihre Heimat zurückkehrte. Doch Elisabeth widersetzte sich der Erfüllung dieses Wunsches, solange ihr älterer Sohn nicht vor allem eine kirchliche Reform in der von ihr begehrten Weise in der Mark Brandenburg durchführte; mit der Kirchenordnung Joachims II. war sie jedenfalls nicht einverstanden. Mit ihrem jüngeren Sohn Johann war sie in religiöser Beziehung zufriedener. Sie wohnte ab 1536 neun Jahre im Schloss Lichtenburg bei Prettin, das ihr Kurfürst Johann Friedrich als Residenz angewiesen hatte. Dort hielt sie einen kleinen Hof, den sie sich mittels der finanziellen Zuwendungen ihrer Söhne leisten konnte. Erst im Sommer 1545 konnte Johann seine Mutter zur Rückkehr in die Mark Brandenburg überreden, nachdem sie zahlreiche Zusicherungen für ihren Gottesdienst, ihre Geistlichen und ihre Diener bekommen hatte. Zehn Jahre lebte Elisabeth nun auf ihrem Witwensitz, der Burg Spandau und nahm, wenn sie nun auch öfters kränkelte, an der kirchlichen Bewegung lebhaft teil. Als sie sich dem Tod nahefühlte, bat sie ihren Sohn Joachim II., trotz ihres schlechten Gesundheitszustandes nach Berlin gebracht zu werden. Ihr Begehr wurde am 1. Juni 1555 erfüllt, und zehn Tage später starb sie im Alter von 69 Jahren in der kurfürstlichen Burg. Ihre letzte Ruhestätte fand sie im Berliner Dom. | VON DÄNEMARK NORWEGEN UND SCHWEDEN, Elisabeth (I61268)
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