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| 3901 | Leben Gustav Richter war ein Sohn des Zimmermeisters Friedrich Gustav Richter und dessen Ehefrau Caroline Dorothea Richter, geborene Maus.[1] Er absolvierte ein Studium bei Eduard Holbein an der Berliner Kunstakademie. 1844 ging er für zwei Jahre nach Paris, wo er ein Schüler von Léon Cogniet an der École nationale supérieure des beaux-arts wurde. Von dort aus kam er 1847 nach Rom, von wo aus er zahlreiche Aquarelle mit Szenen aus dem römischen Volksleben in die Heimat schickte. Er kehrte 1849 nach Berlin zurück. Bald nach seiner Rückkehr bekam er den Auftrag, als Mitarbeiter des Historienmalers Robert Müller (1808–1854)[2] und gemeinsam mit Gustav Heidenreich[3] Friese und Fresken für das Neue Museum nach stereochromischer Manier nach den Vorlagen Müllers anzufertigen. Für den Nordischen Saal schuf Richter den Baldur, die Walküren und die Walhalla. 1861 ging er im Auftrag König Maximilian II. von Bayern nach Ägypten, um Studien für das von diesem für das Maximilianeum in München bestellte Bild des Pyramidenbaues zu machen. In Konstantinopel malte er das Porträt von Sultan Abdülaziz. 1865 nahm er an einem Treffen des Vereins der Berliner Künstler teil, und in den Jahren 1872 bis 1874 hielt er sich in Livadia auf, der Sommerresidenz des Zaren Alexander II. auf der Krim. Hier fertigte er unter anderem Gemälde von Nikolaus Alexandrowitsch Romanow (etwa im Alter von 5 oder 6 Jahren), später Zar Nikolaus II., von Marie Pawlowna von Mecklenburg, der Braut Wladimir Alexandrowitschs, und der Großfürstin Marija Alexandrowna Romanowa, der Braut des Herzogs Alfred von Edinburgh. Im Jahr 1875 porträtierte er den Fürsten Hans Heinrich XI. von Hochberg-Pless in der Uniform des Oberstjägermeisters und 1877 Kaiser Wilhelm I., ebenfalls in ganzer Figur. Ein weiteres Porträt zeigt den Maler Eduard Hildebrandt. Durch das Bildnis seiner Schwester Dorothea[4] erlangte er in der akademischen Kunstausstellung viel Aufmerksamkeit und das Gemälde Auferweckung von Jairi Töchterlein[5] (1856, Alte Nationalgalerie in Berlin) vergrößerte sein Ansehen. Dieses von König Friedrich Wilhelm IV. und dessen Frau Elisabeth sehr geschätzte Bild wurde vor seiner Überführung in die Nationalgalerie auf mehreren Wohltätigkeitsveranstaltungen gezeigt. So war es beispielsweise im Saal des Palais der Familie des Juristen Max Siegfried Borchardt in der Französischen Straße 32 zu sehen. Dies berichtete der Maler Felix Borchardt 1927 in seinen Lebenserinnerungen Im Siebenmeilenschritt – Erinnerungen eines Malers, der das Bild als „Die Erweckung der Tochter des Jairus“ bezeichnet.[6] Richter entfaltete sich im Sinn der Düsseldorfer Malerschule, entwickelte jedoch einen für die damalige Zeit ungewöhnlichen Kolorismus[7] und bildete dann später sein Kolorit noch reicher aus. Er erkrankte an der Gicht, die seinen Körper allmählich derart schädigte, dass er die Palette an der Staffelei anbringen musste, da er nicht mehr in der Lage war, sie in der linken Hand zu halten. Obwohl es ihm nur noch mit viel Mühe gelang den Pinsel zu führen, war er noch bis kurz vor seinem Tod als Maler aktiv. Kurz nach seinem Tod wurde sein künstlerischer Nachlass und zahlreiche seiner Werke aus öffentlichem und privatem Besitz 1884 in der Berliner Nationalgalerie in einer Gedächtnisausstellung gezeigt. | RICHTER, Gustav Karl Ludwig (I60835)
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| 3902 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I59821)
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| 3903 | Leben Heinrich Hirzel stammte aus einem prominenten Zürcher Politiker- und Gelehrtengeschlecht. Er wuchs in Weiningen auf und bezog 1782 das Collegium Carolinum in Zürich. Er widmete sich neben dem Studium der Theologie dem Studium der Philosophie. 1787 empfing er in Zürich die Ordination und ging als Erzieher nach Italien. Dort wirkte er hauptsächlich in Florenz, konnte sich aber auch einer Reise durch Italien anschliessen. Hirzel kehrte 1790 nach Zürich zurück. Dort nahm er einen Ruf als Professor der Kirchengeschichte an das Carolinum an. Er durchlief verschiedene Professuren der Philosophisch-Theologischen Hochschule, bis er 1809 zum Professor der Philosophie aufstieg. Zugleich wurde er bis zur Auflösung 1832 Chorherr am Zürcher Grossmünster. Hirzel bewohnte die Chorherrenwohnung «zum grünen Schloss», die ein bekannter Ort des intellektuellen Austausches in Zürich gewesen sein soll. 1814 erfolgte die Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Società Italiana di scienze, lettere ed arti. Er stand den revolutionären Umtrieben seiner Zeit sehr kritisch gegenüber. Zu seinen Söhnen zählen der Verleger Salomon Hirzel und der Theologe Ludwig Hirzel. | HIRZEL, Heinrich (I59798)
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| 3904 | Leben Hensel war das zweite Kind und einziger Sohn des Pastors Johann Jacob Ludwig Hensel (1763–1809) und dessen Ehefrau Johanna Albertina Louise Hensel, geb. Trost (1764–1835). Zum Zeitpunkt seiner Geburt war sein Vater als zweiter Prediger in Trebbin für die Dorfkirche Thyrow zuständig, 1796 übernahm er die Pfarrstelle in Linum. Dort wurde seine jüngere Schwester Louisa Maria, eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin, geboren. Nach erstem Unterricht bei seinem Vater besuchte Hensel die Schule seiner Heimatstadt. Nach dem Tod des Vaters, der nach Einschätzung der Witwe als „mein im Leben viel verkannter und verfolgter, aber gewiß rechtschaffener Mann“[2] in Linum verstarb, begann Wilhelm Hensel 1809 mit 15 Jahren ein Studium an der Berliner Bauakademie, das er aber nach wenigen Semestern wieder abbrach. 1811 wechselte er an die Kunstakademie. Johann Christoph Frisch, sein Lehrer für Anatomie und Perspektive, ermöglichte ihm im darauffolgenden Jahr, an der großen Jahresausstellung der Akademie teilzunehmen. Hensels Werk Christus auf dem Ölberg wurde von der Kunstkritik lobend besprochen und von der Jury ausgezeichnet. Die Befreiungskriege unterbrachen Hensels weitere Studien. 1813 meldete er sich freiwillig zur Armee. Bis 1815 kämpfte er unter anderem in der Schlacht bei Bautzen und in der Völkerschlacht bei Leipzig und wurde mehrfach verwundet. 1813 und 1815 war Hensel beim Einmarsch in Paris dabei. Das Zustandekommen des zweiten Friedens von Paris erlebte er mit. Beide Aufenthalte in dieser Stadt nutzte er, um in den Museen die dortigen Kunstschätze zu studieren. Porträt von Fanny Mendelssohn Bartholdy (seiner späteren Frau), Bleistiftzeichnung von Wilhelm Hensel Palais Groeben, Mendelssohn Wohnhaus in Berlin, Leipziger Straße 3 Nach Berlin zurückgekehrt, fand Hensel als Maler und Porträtist bald Zugang zum Hof. 1821 half er maßgeblich mit, ein Fest zu Ehren des russischen Zaren Alexander I. zu gestalten. Inspiriert durch das Gedicht Lalla Rookh (Thomas Moore) gestaltete Hensel Lebende Bilder mit einer Gruppe der geladenen Gäste. Von diesen Inszenierungen schuf er anschließend zwölf Aquarelle, welche später als Radierungen weite Verbreitung fanden. Da dieses Fest ein großer Erfolg wurde, bedankte sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. mit einem großzügigen Reisestipendium. Damit wurde es Hensel ermöglicht, sich zwischen 1823 und 1828 in Rom aufzuhalten. Hensel fertigte in Rom von seinem Freund August Grahl eine Zeichnung, welche sich später in dem Tagebuch der Auguste Charlotte von Kielmannsegge wiederfand.[3] Hensel studierte dort die antiken Meister, zeigte aber auch großes Interesse am zeitgenössischen Kunstbetrieb. Hensel kopierte unter anderem Werke von Raffael. Eines seiner gelungenen Werke war Christus und die Samariterin. Im Herbst 1828 kehrte Hensel nach Deutschland zurück und ließ sich in Berlin als freischaffender Maler nieder. Vom Hof bekam er schon bald größere Aufträge: unter anderem schmückte er zusammen mit Heinrich Dähling, Karl Wilhelm Kolbe, Wilhelm von Schadow und Christian Friedrich Tieck mehrere Säle des Berliner Schauspielhauses aus. 1829 ernannte man Hensel zum Königlichen Hofmaler und wählte ihn in den Vorstand der Kunstakademie. Im Jahre 1829 heiratete Hensel in Berlin die Musikerin und Komponistin Fanny Mendelssohn Bartholdy, eine Tochter des Bankiers Abraham Mendelssohn Bartholdy und Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit ihr lebte Hensel im Hause der Schwiegereltern Mendelssohn. Die von ihr geleiteten „Sonntagskonzerte“ im Gartensaal des Hauses zogen die künstlerische und geistige Prominenz Berlins an.[4] Mit Fanny hatte Hensel einen Sohn, Sebastian.[5] Für Fanny dichtete er den Morgengruß, den sie 1846 als A-cappella-Chor in ihren Gartenliedern vertonte. Hensel war Gastgeber bei Empfängen und Salons zu Hause und auch regelmäßiger Gast in vorzugsweise zwei Zirkeln. Bei den Treffen des Juristen Julius Eduard Hitzig begegneten sich unter anderem die Schriftsteller Adelbert von Chamisso, Helmina von Chézy, E. T. A. Hoffmann, Ernst von Houwald, Friedrich de la Motte Fouqué und der Klaviervirtuose und Komponist Ludwig Berger. Bei Friedrich August von Staegemann traf er Clemens Brentano, Ferdinand von Bülow, die Brüder Ernst Ludwig von Gerlach und Ludwig Friedrich Leopold von Gerlach, Amalie von Helvig, Max von Schenkendorf und Wilhelm Müller. Im Salon der Familie von Staegemann verkehrte Hensel schon 1815. Mit der zu dieser Zeit 16-jährigen Tochter des Hauses, Hedwig, die später als Salonnière Hedwig von Olfers zu einiger Berühmtheit gelangte, blieb er freundschaftlich verbunden. Hensel war Teilnehmer an einem von den jungen Besuchern des Salons selbst verfassten gesellschaftlichen Liederspiel Rose, die Müllerin, das als Vorläufer des Schubertschen Zyklus Die schöne Müllerin (Texte: Wilhelm Müller) gelten kann. Die in das Spiel eingestreuten Lieder wurden 1816 von Ludwig Berger, der Hensels Schwester Luise den Hof machte, als Zyklus vertont – ein Jahrzehnt vor Franz Schubert. Fannys plötzlicher Tod 1847 war ein schwerer Schlag für ihn. Die politischen Wirren der deutschen Revolution von 1848 ließen Hensel wieder politisch aktiv werden. Im Frühjahr 1848 trat er an die Spitze eines bewaffneten Künstlerkorps und war als solcher auch für die Konservative Partei (Preußen) tätig. Berliner Ehrengrab von Wilhelm Hensel Im Alter von 67 Jahren starb Wilhelm Hensel am 26. November 1861 in Berlin. Beigesetzt wurde er an der Seite seiner Frau im Familiengrab der Mendelssohn Bartholdys auf dem Friedhof I der Dreifaltigkeitsgemeinde in Berlin-Kreuzberg. Seine letzte Ruhestätte ist ein Ehrengrab des Landes Berlin. Rezeption Hensel wirkte weniger durch seine Gemälde als durch seine Porträts. Seine frühen Ölgemälde sind vor allem nazarenisch beeinflusst; auch Spuren der antiken Meister lassen sich finden. Sein gesamtes Schaffen steht thematisch im Zeichen eines romantisierenden Realismus. Seine Porträts näherten sich mit der Zeit immer mehr einer photographischen Exaktheit, ohne jedoch ihre Zartheit zu verlieren. Hensel selbst sah in seinen Porträts immer die Dokumentation der Person und nie eine irgendwie ausgerichtete künstlerische Möglichkeit. Bis heute haben sich über 1000 Porträts (mit Stift und Sepia) berühmter Zeitgenossen der Berliner Romantik erhalten. Seine Radierungen waren oft Auftragsarbeiten, wie zum Beispiel die Illustrationen zu Genoveva oder Phantasus von Johann Ludwig Tieck. Literarisch wurde ihm von Theodor Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg ein Denkmal gesetzt. Fontane beschrieb den Maler: „Wilhelm Hensel gehörte ganz zu jener Gruppe märkischer Männer, an deren Spitze, als ausgeprägteste Type, der alte Schadow stand. Naturen, die man als doppellebig, als eine Verquickung von Derbheit und Schönheit, von Gamaschentum und Faltenwurf, von preußischem Militarismus und klassischem Idealismus ansehen kann. Die Seele griechisch, der Geist altenfritzisch, der Charakter märkisch. Dem Charakter entsprach dann meist auch die äußere Erscheinung. Das Eigentümliche dieser mehr und mehr aussterbenden Schadowtypen war, daß sich die Züge und Gegensätze ihres Charakters nebeneinander in Gleichkraft erhielten, während beispielsweise bei Schinkel und Winckelmann das Griechische über das Märkische beinah vollständig siegte. Bei Hensel blieb alles in Balance; keines dieser heterogenen Elemente drückte oder beherrschte das andere und die Neuuniformierung eines Garderegiments oder ein Witzwort des Professors Gans interessierten ihn ebenso lebhaft wie der Ankauf eines Raphael.“[6] E. T. A. Hoffmann skizzierte in der Erzählung Die Brautwahl die Figur des Maler Lehsen nach Wilhelm Hensel. Werke (unvollständig) Literatur Bundesblüten. Berlin 1816. Ritter Hans (Lustspiel) Malerei Christus auf dem Ölberg (1812) Christus und die Samariterin Vittoria Caldoni von Albano vor dem Kloster Christus in der Wüste Kaiser Wenzel (1844) Italienische Landleute am antiken Brunnen Mirjam den Reigen der Jungfrauen eröffnend (1836) Christus vor Pilatus (1834, Garnisonkirche zu Berlin) Der Herzog von Braunschweig vor der Schlacht bei Quatre-Bras auf dem Ball zu Brüssel Porträt von König Friedrich Wilhelm III., 1817 (Kopie nach François Gérard)[7] Literatur Heinrich Brauer: Hensel, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 562–563 (deutsche-biographie.de). Rudolf Elvers, Hans-Günter Klein (Hrsg.): Die Mendelssohns in Berlin. Eine Familie und ihre Stadt. Reichert-Verlag, Wiesbaden 1983, ISBN 3-88226-185-4 (eine Ausstellung des Mendelssohn-Archivs der Staatsbibliothek PK 1984, mit einem Stammbaum der männlichen Linien bis in die siebente Generation). Fanny Hensel (Autorin), Hans-Günter Klein (Hrsg.): Briefe aus Rom an ihre Familie in Berlin 1839/40. Reichert, Wiesbaden 2002, ISBN 3-89500-324-7. Fanny Hensel (Autorin), Hans-Günter Klein (Hrsg.): Briefe aus Venedig und Neapel an ihre Familie in Berlin 1839/40. Reichert, Wiesbaden 2004, ISBN 3-89500-387-5. Fanny Hensel (Autorin), Hans-Günter Klein (Hrsg.): Rudolf Elvers (Hrsg.): Tagebücher. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2002, ISBN 3-7651-0369-1. Sebastian Hensel: Die Familie Mendelssohn 1729–1847. Nach Briefen und Tagebüchern. Insel, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-458-33371-1 (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1908). Hans-Günter Klein (Hrsg.): O glückliche, reiche einzige Tage. Fanny und Wilhelm Hensels italienische Reise. Mit dem Faksimile der Bildseiten aus dem „Reise-Album 1839–1840“. Reichert, Wiesbaden 2006, ISBN 3-89500-482-0. Cécile Lowenthal-Hensel: Europa im Porträt. Zeichnungen von Wilhelm Hensel (1794–1861). Gebr. Mann, Berlin 2005, ISBN 3-7861-1994-5 (2 Bde.) Cécile Lowenthal-Hensel, Rudolf Elvers, Hans-Günter Klein und Christoph Schulte (Hrsg.): Mendelssohn-Studien. Beiträge zur neueren Kulturgeschichte. Wehrhahn, Hannover 1972 ff. Cécile Lowenthal-Hensel, Jutta Arnold: Wilhelm Hensel, Maler und Porträtist 1794–1861. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Gebr. Mann, Berlin 2004, ISBN 3-7861-1995-3. Fritz Weege: Hensel, Wilhelm. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 16: Hansen–Heubach. E. A. Seemann, Leipzig 1923, S. 431–433 (biblos.pk.edu.pl). Joseph Eduard Wessely, Robert Eitner: Hensel, Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 3–6. | HENSEL, Wilhelm (I60777)
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| 3905 | Leben Heribert stammte aus dem Geschlecht der Konradiner und war ein Sohn des Grafen Udo I. von der Wetterau, dem König Otto der Große das Recht zugestanden hatte, seine Reichslehen unter seinen Söhnen aufzuteilen, als ob sie persönlicher oder allodialer Besitz seien. Heriberts Mutter war eine Kunigunde (oder Adela/Adele), die eine Tochter des Grafen Heribert I. von Vermandois war. Ein Bruder von Heribert war der bereits im Jahr 938 vor Belecke gefallende Gebhard, sowie Udo II. von der Wetterau und Hugo, Graf im Einrichgau († nach 977). Beim Tode seines Vaters Udo 949 erhielt Heribert die Burg Gleiberg bei Gießen mit den dazugehörigen Besitz- und Vogteirechten und begründete damit die Grafschaft Gleiberg. 959 erscheint ein Pfalzgraf Hernbertus als Zeuge in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs, als dieser den Zentbezirk Humbach (heute Montabaur) im Reichsforst Spurkenberg beschreibt.[1] 982/83 zog er mit Kaiser Otto II. nach Italien, wo er an der Schlacht am Kap Colonna (Schlacht bei Cotrone) am 13. Juli 982 gegen die Sarazenen unter Emir Abu al-Qasim teilnahm. Nach seinem Tod im Jahr 992 gelangte ein Großteil seines Besitzes an seinen erstgeborenen Sohn Gebhard. Als dieser jedoch bereits im Jahr 1016 starb, fiel der ganze Besitz an den zweiten Sohn Otto, der so den gesamten Besitz seines Vaters wiedervereinigte.[2] | VON DER WETTERAU, Graf Graf Heribert (I15319)
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| 3906 | Leben Herkunft Herrenhaus Burgörner („Humboldt-Schloss“) Grabstein von Wilhelm von Humboldt sowie seiner Tochter Adelheid und deren Ehemann August von Hedemann Gedenkplatte im Erfurter Steigerwald (1994) August entstammte dem preußischen Zweig des Adelsgeschlechts Hedemann. Er war der Sohn von Christoph Marquard Friedrich von Hedemann (* 6. Juni 1759; † 10. April 1803) und dessen Ehefrau Johanna Maria Josepha, geborene von Wunsch (* 2. Januar 1759; † 13. November 1838). Der Vater war zum Zeitpunkt seiner Geburt als Sekondeleutnant im Husarenregiment „von Goeckingk“ in Plau stationiert, das Preußen von 1735 bis 1787 als Pfand besetzt hatte. Er stieg bis zum Rittmeister und Eskadronchef auf und war Ritter des Ordens Pour le Mérite.[2] Nach dem Tod des Vaters erhielt der Sohn eine monatliche Unterstützung von zwei Friedrichsdor und die Mutter eine dauernde Zulage von 100 Talern zu ihrem Witwengehalt. Der Landrat Georg von Hedemann war sein Großvater. Militärkarriere Hedemann trat am 26. Februar 1799 als Junker in das Husarenregiment, in dem bereits sein Vater gedient hatte, ein. Dort avancierte er bis Mitte August 1804 zum Sekondeleutnant und wurde am 30. Dezember 1805 Adjutant des Regimentschefs von Rudorff. Im Ersten Koalitionskrieg kämpfte er im Gefecht bei Criewitz und wurde dafür mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet, machte den Rückzug nach Lübeck mit und ging dort in Gefangenschaft. Er kam am 23. Januar 1807 zum Depot des Regiments. Nach seiner Auswechselung wurde Hedemann am 3. April 1807 Adjutant des Prinzen Wilhelm von Preußen, dem vierten Sohn von König Friedrich Wilhelm II. Er kämpfte dann bei Gollau und Königsberg. Ferner begleitete er den Prinzen 1808 nach Paris. Nach dem Frieden von Tilsit stieg Hedemann bis Ende April 1810 zum Stabsrittmeister auf. Am 17. Juni 1811 bekam er mit halbem Gehalt sieben Wochen Urlaub, um nach Wien zu gehen. Am 21. April 1812 wurde er zum Rittmeister befördert. Am Beginn der Befreiungskriege wurde er in der Schlacht bei Großgörschen verwundet, erhielt den Orden des Heiligen Wladimir IV. Klasse und am 19. Mai 1813 das Eiserne Kreuz II. Klasse. Er kämpfte dann bei Bautzen und an der Katzbach. Er avancierte am 4. September 1813 zum Major und kam sieben Tage später unter Belassung in seiner Stellung als Adjutant des Prinzen Wilhelm in den Generalstab. Er kämpfte dann bei Leipzig und erhielt den Orden der Heiligen Anna II. Klasse. Am 4. Januar 1814 kam er dann als Generalstabsoffizier in die 8. Brigade des Korps Yorck. Er kämpfte danach bei Laon, Paris und Belle Alliance sowie in den Gefechten bei Haynau, Colditz, Löwenberg, Görlitz, Bunzlau, Chalons, Mery, Claye Aubert und Villiers. Zudem bekam er am 1. Juni 1814 das Eiserne Kreuz I. Klasse sowie am 1. Januar 1815 den Johanniterorden. Am 2. Oktober 1815 erhielt Hedemann das Eichenlaub zum Orden Pour le Mérite. Mit seiner Beförderung zum Oberstleutnant wurde er am 30. Oktober 1815 1. Adjutant des Prinzen Wilhelm. 1817 wurde er in die Gesetzlose Gesellschaft zu Berlin aufgenommen und im gleichen Jahr erhielt Hedemann bei vollem Gehalt einen achtmonatigen Urlaub für einen Aufenthalt in Italien. Am 16. Mai 1818 erhielt den Orden des Heiligen Georg IV. Klasse. Am 29. November 1821 ernannte man Hedemann zum Kommandeur des 2. Leib-Husaren-Regiments im schlesischen Herrnstadt. In dieser Stellung wurde er am 30. März 1823 mit Patent vom 9. April 1823 zum Oberst befördert. 1825 erhielt er das Dienstkreuz. Für Hedemann komponierte Carl Maria von Weber 1822 einen Marsch. Nach dem Tod seiner Schwiegermutter wurde er auf Humboldts Wunsch von König Friedrich Wilhelm III. nach Berlin versetzt und am 30. März 1829 zum Kommandeur des 2. Garde-Ulanen-Landwehr-Regiments ernannt. In dieser Eigenschaft erhielt er am 12. Juni 1829 den russischen Sankt-Stanislaus-Orden II. Klasse mit Brillanten. Am 30. März 1832 folgte seine Ernennung zum Kommandeur der 6. Landwehr-Brigade und Hedemann wurde dem 2. Garde-Ulanen-Regiment aggregiert. Ab dem 7. August 1833 fungierte er auch als Mitglied der General-Ordens-Kommission. Am 30. März 1834 wurde er zum Generalmajor befördert und am 18. Juli 1837 mit dem Kommandeurskreuz des Schwertordens ausgezeichnet. Am 30. März 1838 wurde er als Kommandeur zur 10. Division in Posen versetzt und mit der Wahrnehmung der Geschäfte als 1. Kommandant der Festung Posen beauftragt. Mit seiner Ernennung zum Kommandeur der 8. Division wurde Hedemann am 30. März 1840 mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandeur der Festung Erfurt beauftragt. In dieser Stellung wurde er am 7. April 1842 zum Generalleutnant befördert und am 27. Oktober 1842 mit dem Großkreuz des Ordens von Weißen Falken ausgezeichnet. Er war Mitbegründer des Erfurter Gartenbauvereins und dessen Direktor. Verdient machte er sich besonders um den Erfurter Steigerwald. Gemeinsam mit Friedrich Adolph Haage ließ er die sogenannten „Hedemanns-Wege“ im Waldgebiet anlegen, um dieses für die Erfurter Bürger zu erschließen. Am 22. September 1844 wurde er mit dem Roten Adlerorden I. Klasse mit Eichenlaub ausgezeichnet. Am 5. März 1848 wurde Hedemann Kommandierender General des IV. Armee-Korps. Am 26. Februar 1849 feierte er sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Am 25. Februar 1851 bekam er das Großkreuz des Ordens Heinrichs des Löwen sowie am 29. Mai 1851 das Großkreuz des Sachsen-Ernestinischen Hausordens. Am 7. Februar 1852 wurde er dann mit dem Charakter als General der Kavallerie in den Ruhestand versetzt. Noch am 13. Januar 1857 erhielt Hedemann die Krone zum Orden Pour le Mérite. Im Ruhestand lebte er im von seiner Frau geerbten, auch „Humboldt-Schloss“ genannten Herrenhaus Burgörner und auf Schloss Tegel. Er starb mit 74 Jahren am 7. Dezember 1859 in Berlin und wurde am 21. Dezember 1859 in der Familiengrabstätte von Humboldt „Campo Santo“ im Park von Schloss Tegel beigesetzt. | VON HEDEMANN, August (I48813)
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| 3907 | Leben Herkunft Friedrich Caspar von Geismar entstammte dem Adelsgeschlecht derer von Geismar zu Riepen, die seit etwa 1200 in Warburg ansässig war. Er gehörte zur sog. Dösseler Liníe von Geismar, die seit 1667 in Dössel, einem kleinen Dorf bei Warburg, residierte. Caspar von Geismar wurde als Sohn der Eheleute Clemens August Baron de Geismar, Capitanus Regiminis de Schultz und der Bernadina de Berswardt geboren. Sein Vater war Münsterscher Major. Seine Schwester Sophie war verheiratet mit Joseph von Papen-Wilbring, Herr auf Haus Wilbring bei Waltrop, Erbsälzer zu Werl, Sohn des kaiserlichen Kürassier-Rittmeisters Andreas Ernst Adam Anton von Papen-Wilbring, Herr auf Haus Wilbring, Erbsälzer zu Werl, und dessen Frau Antonie von Kückelsheim zu Grüneberg[1]. Frühe Militärkarriere Caspar von Geismar trat am 2. August 1798 im Alter von 15 Jahren in das österreichische Deutschmeister-Infanterieregiment ein. Er nahm an der Belagerung von Mantua und an der Schlacht von Novi teil. Im Jahr 1800 wurde er bei Marengo mit seiner gesamten Abteilung von den Franzosen gefangen genommen und dann in einer Festung in Genua inhaftiert. In der nächsten Kampagne nahm er bereits im Rang eines Fähnrichs teil und zeichnete sich in den Kämpfen bei Buzzolo und Valeggio aus. 1804 trat er aus dem österreichischen Heeresdienst aus und beschloss, sein Glück im Dienste der britischen Truppen in Indien zu versuchen. Im russischen Heeresdienst Auf der Insel Korfu traf er den russischen General Reinhold von Anrep, der ihn überredete, in russischen Dienst zu treten. Im Januar 1805 wurde er als Fähnrich in das sibirische Grenadier-Regiment aufgenommen und danach in Korfu stationiert. Mit diesem Regiment nahm er an den Kriegen von 1805 bis 1806 gegen die Franzosen teil, u. a. bei der Adria-Expedition und der Landung in Neapel. Im Feldzug von 1807 zeichnete er sich im Dorf Turbat aus und eroberte an der Spitze von 100 Jägern die Burg von Baschinski in der Nähe von Obilesti. Im März 1809 stürmten er und seine Jäger die Festung von Slobodzey, wofür er den St.- Georg Orden 4. Klasse erhielt. Im Jahr 1810, während der Belagerung von Razgrad, wurde er angewiesen, über eine Übergabe der Festung zu verhandeln, die sich dann am 28. Mai ergab. Im selben Feldzug zeichnete er sich in der Nähe von Schumla aus, wobei 100 Grenadiere mehrere Stunden lang die Angriffe einer großen Gruppe türkischer Reiter abwehrten. 1811 trat Geismar in den vorzeitigen Ruhestand und ließ sich nach seiner Heirat mit einer Prinzessin Gica in Rumänien nieder. Im April 1812, nachdem er wieder in den russischen Heeresdienst eingetreten war, wurde er in das Kiewer Grenadier-Regiment aufgenommen, das dem General Bachmetjew unterstellt wurde. Er kämpfte 1812 mit der russischen 11. Infanterie-Division gegen französische Truppen, bis sich die Grande Armée am 19. Oktober wegen des einsetzenden Winters aus dem zerstörten Moskau zurückziehen musste. Bereits in der Schlacht bei Ostrowno wurde er an seinem linken Bein schwer verletzt und nach seiner Genesung zum Adjutanten des Grafen Miloradowitsch ernannt, der ihn von Kalisch als Chef einer Kosaken-Abteilung nach Sachsen schickte. 1813 kämpfte er unter General Miloradowitsch und nahm an der Schlacht bei Kulm teil. In der Völkerschlacht von Leipzig befehligte er ein Kosaken-Regiment und wurde anschließend mit ca. 800 Mann zum Schutz der herzoglichen Familie nach Weimar abkommandiert. Hier verhinderte er durch engagierten militärischen Einsatz am 21./22. Oktober 1813 den Einfall der zahlenmäßig überlegenen napoleonischen Truppen und bewahrte die Stadt Weimar vor Plünderung und Zerstörung. Hierfür verlieh die Stadt Weimar genau ein Jahr später, am Abend des 21. Oktober 1814, mit der Zustimmung aller Mitglieder des Stadtrates dem „Kaiserlich Russischen Obersten, Baron von Geismar … das Bürgerrecht für sich und seine Nachkommen“. Ihm wurde eine auf Pergament ausgefertigte Urkunde mit anhängender silberner Siegelkapsel von einer Ratsdeputation überreicht – er wurde somit der erste Ehrenbürger der Stadt Weimar. Gedenkstein für Caspar von Geismar, den ersten Ehrenbürger der Stadt Weimar (in Weimar, Ecke Friedensstraße/Jakobsplan) Bei der anschließenden Verfolgung der Truppen Napoleons soll von Geismar nach Darstellung eines Heeresberichtes als erster russischer Soldat französischen Boden betreten haben. Friedrich Caspar von Geismar wurde dafür von Zar Alexander I. mit dem höchsten militärischen Orden, Pour le Mérite, ausgezeichnet. Ehrungen Geismar wurde von den Freimaurern der Loge Anna Amalia zu den drei Rosen anlässlich ihres 50. Stiftungsfests am 24. Oktober 1814 zum Meister erhoben, was auf Johann Wolfgang von Goethe einen tiefen Eindruck hinterließ und literarischen Niederschlag in Goethes Gedicht Symbolum fand.[2][3] Sein Ruf erreichte auch seine Vaterstadt Ahlen, bei seinem letzten Besuch seines Geburtshauses‚ Gut Severinghausen (Haus Kalckstein), im Juli 1830. Bei einem feierlichen Empfang der Ahlener Bürgerschaft auf dem Marktplatz in Ahlen wurde ihm vom Magistrat die ‚Bürgerkrone’ verliehen – er wurde damit der 1. Ehrenbürger der Stadt Ahlen. Folgendes Gedicht wurde von zwölf weißgekleideten Mädchen vorgetragen:[4] Willkommen jauchzt dein Vaterland Westphalen Dir Held vom Donau-Strom, Und Jubel füllt dein Vaterstädtchen Ahlen, Auf dich so stolz wie Rom. Wie zum Triumph die Heersimperatoren Empfing die Stadt der Welt, Empfängt die Stadt den Sohn, den sie geboren, Als ruhmgekrönten Held. Dem Thor entströmt jauchzt Ahlen dir entgegen: Heil dir im Siegerkranz! Streut Blumen, baut aus Lorbeer Ehrenbögen Dem Heros Münsterlands. Des Feldherrn Ruhm sich hob mit Adler-Schwingen Zur Sonnenbahn empor, O Hellas wird, erlöst dir Paan singen, Den Gott zum Sieg erkor. Gehülfe du des Mächtigsten der Czaren, Des Kaisers Adjutant, Du hast gestürzt die höllischen Barbaren Als Schwert in Gottes Hand. Drei Namen nur erschreckten die Osmanen, Gleich einer Geistermacht, Da fliehend nur sie dem Geschick entrannen, Gebot ihr Ruf der Schlacht. Mit Paskewitsch von Eriwan dem Reussen Theilt Wodan’s Göttermahl Der Balkansfürst Diebitsch, der Stolz der Preußen, Und – Geismar der Westphal. Im Novemberaufstand 1830 Nach dem polnischen Novemberaufstand von 1830 erhielt Geismar zur Niederwerfung des Aufstandes eine Abteilung der russischen Armee unter Feldmarschall Diebitsch. Seine Truppen erlitten jedoch nacheinander bei Stoczek (14. Februar), Wawer (31. März) und Stare Iganie (10. April) mehrere Niederlagen gegen polnische Truppen unter Skrzynecki. Trotzdem erhielt er im September 1831 unter dem neuen Oberkommandierenden Paskewitsch beim Angriff auf Praga erneut Gelegenheit zur Bewährung. Beim Angriff auf die Redoute Ordona wurde er schwer verwundet. Nach dem Krieg wurde er zum Kommandierenden General des russischen I. Armeekorps ernannt. Er trat 1840 in den Ruhestand. Wirken in Gorodok 1842 ließ er sich auf der 1830 gekauften Herrschaft Gorodok (heute Westukraine) nieder, wo er den Bau von Fabriken, Kirchen, einer Schule und eines Krankenhauses förderte und die Reste der Burg zu einem bewohnbaren Schloss umbaute.[5] Die jüdische Bevölkerung stellte dort[6] zu großen Teilen die örtliche Handwerkerschaft, was um 1834 zu Interessenskonflikten führte. Familie Geismar war zweimal verheiratet. Die 1811 geehelichte erste Gattin war eine rumänische Prinzessin aus der Adelsfamilie Gica (Ghika), die er seit dem türkischen Krieg kannte. Nach Scheidung heiratete er später eine Nichte Herders namens Nathalie. Als Witwe lebte diese um 1860 noch auf der Herrschaft Gorodok.[7] Aus erster Ehe hatte Geismar drei Kinder, die er alle überlebte. Ein Sohn starb im Krieg von 1828/29 an Cholera, ein anderer (Friedrich) verstarb um 1831 als Soldat im russischen Regiment Kurland-Dragoner, ein dritter wohl im Kaukasus. Aus der zweiten Ehe hatte Geismar fünf Söhne und drei Töchter. Von den 1860 noch lebenden fünf Kindern aus zweiter Ehe, dienten die vier Söhne in der russischen Armee, etwa der älteste Sohn, Baron Alexander Feodorowitsch von Geismar (ca. 1822–1865), der seit 1860 Oberst des Garde-Kavalier-Regiments war. Ein anderer war Baron Paul von Geismar (* um 1830; † vor 1886), dessen Ehefrau Irene Belogrudoff 1886 noch in Pojnia im Gouvernement Charkow lebte. Paul war Gutsbesitzer auf Schloss Gorodok im Kreis Kamjanez-Podilskyj, und seine Tochter, Baronesse Sophia von Geismar (* 15. März 1859 Schloss Gorodok, griech.-orthodox. Bek.), heiratete am 17. Juli 1886[8] den Lepraforscher und Arzt Julius Goldschmidt (* 12. Februar 1843 in Mainz, gest. um 1930; israel. Bek.), einen Sohn des Mainzer Kaufmanns Jonathan Goldschmidt. Auszeichnungen Militärorden Pour le Mérite (1813) erster Ehrenbürger von Ahlen und Weimar Literatur 300 Lebensbilder bedeutender Westfalen – Westfälische Köpfe, S. 89 f, von Wilhelm Schulte, Ahlen – Verlag Aschendorff, Münster 1963, Friedrich Caspar Reichsfreiherr von Geismar (1783-1848) – Ein General des Zaren aus Ahlen, von Wilhelm Kohl, in: an ems und lippe 1987, Heimatkalender für den Kreis Warendorf, S. 28ff, Weimar Kultur Journal, Nr. 1/2001, S. 16 f: Friedrich Caspar von Geismar – Er rettete Weimar vor den Napoleonischen Truppen am 21.22. Oktober 1813, von Jutta Fulsche Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte, Band 56 (2002), S. 279 ff: Reichsfreiherr Friedrich Caspar von Geismar (1783–1848) früher Ehrenbürger der Stadt Weimar – Beitrag zur Lebensgeschichte eines kaiserlich russischen Generals, von Jutta Fulsche Biographie des General-Lieutenant Reichs-Freiherrn Friederich Caspar von Geismar. Münster 1860 (Digitalisat ULB Münster) | VON GEISMAR, Friedrich Caspar (I60611)
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| 3908 | Leben Herkunft Joachim Ernst war ein Sohn des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg und dessen dritter Ehefrau Elisabeth von Anhalt-Zerbst. Er übernahm 1603 die Regierung im Markgraftum Brandenburg-Ansbach, nachdem mit dem Tod von Georg Friedrich dem Älteren der Ansbach-Jägerndorfer Zweig der alten Linie der fränkischen Hohenzollern[1] erloschen war. Von ihm wurde der Ansbacher Zweig der jüngeren Linie der fränkischen Hohenzollern begründet. Erbfolgeregelung Sein Vorgänger Georg Friedrich hatte die Erbfolge in seinen beiden fränkischen Besitzungen Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach in dem 1598 abgeschlossenen Geraer Hausvertrag geregelt. Entsprechend den Bestimmungen dieses Vertrages konnte Joachim Ernst die Herrschaft im Markgraftum Brandenburg-Ansbach antreten, während sein Bruder Christian das benachbarte Brandenburg-Kulmbach (später Brandenburg-Bayreuth) übernahm. Gründungsurkunde der Protestantischen Union in Auhausen an der Wörnitz am 14. Mai 1608 (heute im Bayerischen Staatsarchiv): Joachim Ernst, Markgraf zu Brandenburg (in der Mitte) Protestantische Union In den religiösen Konflikten zu Beginn des 17. Jahrhunderts tendierte Joachim Ernst hauptsächlich zum protestantisch-calvinistischen Lager, deshalb unterstützte er auch den niederländischen Freiheitskampf. Er beteiligte sich aktiv am Zustandekommen des protestantischen Bündnisses der Union, die 1608 auf seinem Herrschaftsgebiet im säkularisierten Kloster Auhausen bei Nördlingen gegründet wurde. Aufgrund seiner militärischen Erfahrungen war er als Generalleutnant das militärische Oberhaupt der Union. Eine seiner letzten Handlungen in dieser Rolle war der Abschluss des Mainzer Akkords im April 1621, bei dem es sich um einen dreimonatigen Waffenstillstand zwischen Union und kaiserlichen Truppen handelte. Angesichts der militärischen Übermacht des kaiserlichen Lagers löste sich die Union allerdings nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges bereits am 24. April/4. Mai 1621 endgültig anlässlich des Heilbronner Unionstages auf. Nach der Selbstauflösung der Union wurde Joachim Ernst von der katholischen Gegenseite mitverantwortlich für den Ausbruch des Krieges gemacht und distanzierte sich daraufhin weitgehend von seinen bisherigen Verbündeten. Tod Er starb 1625 nach einem Schlaganfall. Er wurde im Kloster Heilsbronn bestattet. Seinen Leichenzug von Ansbach nach Heilsbronn zeigt die Druckgraphik „Fürstlicher Leichenzug des Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg-Ansbach am 25.4.1625“[2], die im Germanischen Nationalmuseum verwahrt wird. Eine weitere Darstellung des Leichenzugs befindet sich ebenfalls in der Graphischen Sammlung des Museums. Dort sind die Gruppen des Leichenzugs nicht auf einem einzigen Blatt zusammengefasst, sondern jeweils einzeln und detaillierter dargestellt.[3] Nachkommen Er war seit 1612 mit Sophie von Solms-Laubach (1594–1651) verheiratet. Aus dieser Ehe sind hervorgegangen: Sophie (1614–1646) ⚭ 1641 Markgraf Erdmann August von Brandenburg-Bayreuth (1615–1651) Friedrich III. (1616–1634), Markgraf von Brandenburg-Ansbach Albrecht (*/† 1617) Albrecht II. (1620–1667), Markgraf von Brandenburg-Ansbach ⚭ 1. 1642 Prinzessin Henriette Luise von Württemberg-Mömpelgard (1623–1650) ⚭ 2. 1651 Gräfin Sophie Margarete von Oettingen-Oettingen (1634–1664) ⚭ 3. 1665 Prinzessin Christine von Baden-Durlach (1645–1705) Christian (1623–1633) | (BRANDENBURG-ANSBACH), Joachim Ernst (I61261)
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| 3909 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I61140)
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| 3910 | Leben Herkunft Sein Vater war der preußische Generalmajor Johann Adolph von Lützow (1748–1819), seine Mutter Wilhelmine, geborene von Zastrow (1754–1815). Militärkarriere Im Jahr 1803 trat Leopold von Lützow in die Preußische Armee ein und kämpfte im Vierten Koalitionskrieg 1806/07 gegen Napoléon. Im Jahr 1809 war er Sekondeleutnant im Quartiermeisterstab. Gemeinsam mit seinem Bruder Adolf schloss er sich am 30. April 1809 dem 2. Brandenburgischen Husaren-Regiment unter Major Ferdinand von Schill an. Die Nachricht vom Aufstand in Hessen unter Wilhelm von Dörnberg hatte Schill zum Aufstand gegen die französische Besetzung veranlasst. In der Schlacht bei Dodendorf wurde Adolf von Lützow schwer verwundet. Er wurde von seinem Bruder Leopold gefunden und in Sicherheit gebracht. Im weiteren Verlauf kam es zu Differenzen zwischen Schill und Lützow, weil sie über die militärische Strategie unterschiedliche Auffassungen hatten. In Stralsund verließ Lützow die Schillschen Jäger, da Schill auf einer Verteidigung Stralsunds bestand, anstatt mit seinen Truppen nach Rügen überzusetzen, um später erneut gegen Napoléon zu kämpfen. Schill wurde von in französischen Diensten stehenden dänischen und holländischen Truppen geschlagen und fiel im Kampf. Lützow schloss sich der österreichischen Armee an. Nach der Niederlage Österreichs 1809 ging er nach Spanien und kämpfte dort von 1810 bis zum Beginn des Jahres 1812 gegen die französische Armee. Durch die Kapitulation von Valencia am 13. Januar 1812 geriet er in französische Gefangenschaft, aus der er fliehen konnte. Über die Schweiz, Deutschland und Polen reiste er, mitten durch die aufmarschierenden Truppen der Grande Armée, nach Russland. Im Juli 1812 erreichte er die russische Armee bei Drissa und wurde als Oberstleutnant übernommen. Er diente im Russlandfeldzug Napoléons und den folgenden Befreiungskriegen in der russischen Armee. Dabei zeichnete er sich in den ersten Schlachten und Gefechten des Jahres 1813 so aus, dass ihn (und 160 andere russ. Offiziere) der russische General Wittgenstein dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. mit Bericht vom 30. September 1813 zur Auszeichnung vorschlug. Mit Allerhöchster Kabinettsorder vom 8. Dezember 1813 antwortete der König „…Ich übersende Ihnen anliegend das Verzeichnis derjenigen 161 Kaiserlich Russischen Offiziere, welche Ich für Auszeichnung in den ersten Schlachten und Gefechten in Sachsen und Schlesien die dabei benannten Orden verliehen habe…“. In der Liste der 67 Verleihungen mit dem Orden Pour le Mérite befand sich auch Lützow.[1] Im Jahr 1815 trat er erneut in die Preußische Armee ein und nahm im Generalstab Blüchers an der Schlacht bei Ligny und der Schlacht bei Waterloo teil. 1817 wurde er Mitglied der Gesetzlosen Gesellschaft in Berlin. Diese Gesellschaft wurde 1809 gegründet und trug ihren Namen, weil sie keine Statuten hatte. Zu ihren Mitgliedern gehörten unter anderem Wilhelm von Humboldt, Carl von La Roche, Friedrich Carl von Savigny und August Neidhardt von Gneisenau. Lützow wurde 1829 Generalmajor und 1834 Leiter der Allgemeinen Kriegsschule. Im Jahr 1836 erhielt er das Kommando über die 9. Infanterie-Brigade. Zwei Jahre später wurde er Kommandeur der 9. Division und Kommandant der Festung Glogau. Im Jahr 1839 wurde er Generalleutnant, 1843 Gouverneur von Berlin und Chef der Landgendarmerie. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Militär-Verdienstorden für seine Beteiligung an der Völkerschlacht bei Leipzig und das Eiserne Kreuz. Ferner wurde er durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Glogau ausgezeichnet.[2] Leopold von Lützow starb am 27. August 1844 im Alter von 58 Jahren in Gotha. Beigesetzt wurde er auf dem Garnisonfriedhof in Berlin. Das Grabmal ist nicht erhalten.[3] | VON LÜTZOW, Leopold Wichard Heinrich (I59599)
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| 3911 | Leben Herkunft Sein Vater war Martin Wilhelm Oppenheim (1781–1863), Teilhaber des Königsberger Bankhauses Oppenheim & Warschauer, welcher vom jüdischen zum christlichen Glauben übergetreten war. Seine Mutter war Rosa, geb. Alexander, nach welcher die Villa Rosa in Dresden benannt wurde. Werdegang Otto Georg besuchte das Altstädtisches Gymnasium zu Königsberg, Pr., machte 1835 sein Abitur, studierte Rechtswissenschaft an den Friedrich-Wilhelms-Universitäten Bonn und Berlin und trat als 1838 als Auskultator in den preußischen Justizdienst ein. Im Laufe der Jahre arbeitete er am Stadtgericht und am Appellationsgericht Berlin, am Kammergericht, sowie am Appellationsgericht Stettin und dem Oberlandesgericht Naumburg. Er wurde schließlich im Jahr 1873 Obertribunalrat am Preußischen Obertribunal, dem in Berlin ansässigen höchsten Gericht Preußens.[2] Politisch war er ein Liberaler und der Fortschrittspartei verbunden. 1843 heiratete er Margarethe (1823–1890), Tochter des Bankiers Alexander Mendelssohn, Teilhaber der Privatbank Mendelssohn & Co., und Urenkelin des Berliner Aufklärers Moses Mendelssohn. Die Familie Otto Georg Oppenheim wohnte in Berlin zunächst in der Behrenstraße 67, bevor Oppenheim während der Jahre 1863–1868 am Appellationsgericht Stettin arbeitete. Nach der Rückkehr nach Berlin wohnten die Oppenheims zunächst in der Leipziger Straße 9 und später für lange Jahre in der Alsenstraße 12, unweit des Reichstags. Villa Oppenheim Der Schwiegervater Alexander Mendelssohn hatte 1845 das Grundstück in der ehemaligen Scharrenstraße 23–27, heute Schloßstraße 55, in Charlottenburg erworben und die dort vorhandenen bescheidenen Bauten zu seinem Sommersitz, der „Villa Sorgenfrei“, umgebaut.[3] Nach dem Tod beider Eltern erbten im Jahr 1880 die zweitälteste Tochter Margarethe und ihr Mann Otto Georg Oppenheim, das Grundstück. 1881 ließen sie von dem Architekten Christian Heidecke die Mendelssohnsche „Villa Sorgenfrei“ durch einen repräsentativen dreigeschossigen Neubau im Stil der Neorenaissance, die heutige „Villa Oppenheim“, ersetzen und ergänzten den Sommersitz um ein Stall- und Remisengebäude, eine hölzerne Kegelbahn, einen Gartensaal und zwei Treibhäuser.[4] Diese wurde bis zum Tod Otto Georg Oppenheims im Jahr 1909 als Alterssitz des Juristen sowie als Sommersitz der Nachkommenschaft genutzt. Das Haus war sehr geräumig und anscheinend von vornherein dafür vorgesehen, viele Familienmitglieder aufzunehmen. Im mittleren Teil des Hauses wohnte Otto Georg Oppenheim selbst, im linken Flügel sein älterer Sohn, der Bankier Hugo Oppenheim, mit seiner Familie, im rechten Flügel, der zwei Wohnungen umfasste, kamen weitere Familienmitglieder unter.[5] Im Auftrag der Erben verkaufte Hugo Oppenheim Haus und Grundstück im Jahr 1911 an die Stadt Charlottenburg. Otto Georg Oppenheim war sich der Verpflichtung seines Reichtums stets bewusst gewesen und damals berühmt für seinen Einsatz für die Armen: So hatte er Anweisung gegeben, jedem Bettler an der Tür des Sommersitzes eine Mark zu schenken, was zu unüberblickbaren Schlangen führte, bis die Polizei ihn bat, andere Wege zur Unterstützung der Armen zu finden. So förderte er das erste Krankenhaus in Charlottenburg an der Kirch-/Ecke Wallstraße, heute Gierkezeile/Ecke Zillestraße, und den Bau eines Heims für ältere, alleinstehende Damen, das Mariannenstift, welches seine Schwiegereltern 1870 gegründet hatten. Otto Georg Oppenheim verstarb 1909 mit 92 Jahren, überlebte seine Frau Margarethe um neunzehn Jahre und wurde auf dem Jerusalems- und Neuen Kirchhof vor dem Halleschen Tor neben seiner Frau beerdigt. Das große Familiengrab wurde in den 1960er Jahren beim Bau der Blücherstraße zerstört. | OPPENHEIM, Otto Georg (I60099)
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| 3912 | Leben Herkunft und Ausbildung Adalbert von Goldschmidt (auch „Berti“ genannt) war das sechste von sechs Kindern des Prokuraführers, preußischen Konsuls und Mitbegründers der Wiener Rothschild-Bank Moritz Ritter von Goldschmidt (1803–1888) und seiner Frau Nanette von Goldschmidt (geborene Landauer, 1803–1891[1]). Als jüngster Sohn war er das einzige Kind, das nicht die Bankierslaufbahn einschlug, sondern Künstler wurde. Die Familie stammte ursprünglich aus Frankfurt am Main. Seit 1863 residierte sie in dem von ihr selbst in Auftrag gegebenen und von Josef Hlávka entworfenen Palais am Opernring Nr. 6, direkt neben der Hofoper. Bereits als Kind war er Schüler der bei den Goldschmidts angestellten jüdischen Hauslehrer Salomon Hermann Mosenthal, Leopold Kompert und des Schopenhauer-Schülers Ludwig Ferdinand Neubürger.[2] Kompositions- und Klavierunterricht erhielt er bei Friedrich Adolf Wolf,[3] der viele Anwohner der Ringstraße musikalisch ausbildete und ihnen seine Kompositionen widmete. Seit etwa 1865 erhielt Goldschmidt zudem privaten Unterricht bei Joseph Hellmesberger. Seine ersten Kompositionen (Messe in B-Dur, Spanische Rhapsodie für Orchester) wurden mit Erfolg in den Zöglingskonzerten des neu gegründeten Konservatoriums am Wiener Musikverein aufgeführt, obwohl Goldschmidt nie offiziell dessen Student war. Dort lernte er u. a. die Studenten Gustav Mahler und Hugo Wolf sowie den als Professor für Harmonielehre und Kontrapunkt tätigen Anton Bruckner kennen. Über Eduard von Liszt machte Goldschmidt um 1870 die Bekanntschaft mit Franz Liszt und wurde ab 1876 zu dessen Meisterschüler. Er gehörte zu den ersten Mitgliedern des neu gegründeten Wiener Wagner-Vereins, unterstützte Richard Wagner finanziell beim Bau des Bayreuther Festspielhauses und kämpfte dafür, dass die gesamte Schule der Zukunftsmusik im musikalisch traditionell konservativ gesinnten Wien mehr Anerkennung fand. Kompositorisches Werk Zur Eröffnung des Künstlerhauses am Karlsplatz sah Goldschmidt Hans Makarts Gemälde Die sieben Todsünden (späterer Titel: Die Pest in Florenz) und fühlte sich dadurch zu einem Oratorium inspiriert. Er gab ein Libretto bei dem österreichischen Dichter Robert Hamerling in Auftrag. Das so entstandene Werk lieferte ein Porträt der Donau-Monarchie im Zeitalter des Spätliberalismus und macht in allegorischer Gestalt u. a. die Décadence-Mode, die Börsenspekulationen, das Aufkommen des industriellen Kapitalismus, die Arbeiteraufstände, den deutsch-französischen Krieg 1870/71 und die Pariser Kommune zum Thema. In seiner 1873 abgeschlossenen Vertonung übertrug Goldschmidt die Tonsprache Wagners zum ersten Mal in der Musikgeschichte auf das oratorische Fach und bediente sich der Orchesterbesetzung des Ring des Nibelungen und einer Leitmotiv-Technik. Zugleich versuchte Goldschmidt mit krassen Stilbrüchen über Wagner hinauszugehen und in einem modern anmutenden Collage-Verfahren Arbeiterchöre, Salonmusiken, impressionistische Klangeffekte und Operettenmelodien als Charakteristika einer neuen Programmmusik in der Tradition seines Lehrers Franz Liszt einzubeziehen. Der Musikwissenschaftler Arnold Schering nannte Goldschmidts Sieben Todsünden fünf Jahre nach seinem Tod ein „Monstrewerk“: „Das Monstrewerk wird späteren Generationen als an einem drastischen Beispiel zeigen können, nach welchen Seiten hin Wagner’s unerhört neue Bildungen junge, fortschrittsdurstige Gemüter am meisten zu Nachbildungen anregte. Goldschmidt hat in diesem Punkte erst spät Nachfolger gefunden, doch keinen, der ihm an Unbefangenheit und Kühnheit gleichgekommen wäre.“[4] Die Uraufführung der Sieben Todsünden fand am 3. Mai 1876 in den Berliner Reichshallen statt und geriet zu einem großen Erfolg. Die Leipziger Zeitschrift Der Salon bezeichnete das Stück als ein Meisterwerk, „wahrhaft epochemachend“.[5] Die Berliner Musikzeitung erkannte in der Partitur „die vollgültigsten Beweise einer sehr bedeutenden Schaffenskraft“.[6] Weit über Berlin hinaus wurde das Werk des jungen Komponisten wahrgenommen. Teil- und Gesamtaufführungen in Wien, Weimar, Hannover, Königsberg, Freiburg, Paris und New York sollten folgen. Neben Franz Liszt, der das Oratorium für ein „bedeutsames Kunstwerk“ hielt, äußerten sich in den nächsten Jahren Camille Saint-Saëns und Hugo Wolf anerkennend: „Das Werk, das ich heute zum erstenmale gehört, zermalmte mich buchstäblich, so groß war der Eindruck, so gewaltig die Composition.“ – Hugo Wolf: Brief vom 22. November 1877[7] Weniger erfolgreich verlief die Wiener Erstaufführung im Dezember 1877, da der gegen die Zukunftsmusik eingestellte Musikkritiker Eduard Hanslick gegen das Werk heftig polemisiert. Dennoch wurde das Oratorium auch ins Französische übertragen und kam am 27. März 1885 im Pariser Théâtre du Chateau-d’Eau unter der Leitung von Charles Lamoureux zur Aufführung. Seit dieser Pariser Premiere ist das Stück nicht mehr aufgeführt worden. Im Mai 2020 hatte die Sing-Akademie zu Berlin eine Wiederaufführung geplant, die allerdings bedingt durch die Corona-Pandemie zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste[8] und schließlich am 29. November 2024 in einer aufwändigen Inszenierung (mit zusätzlichen Schauspielern, u. a. Sophie Rois als Fürst der Finsternis) in der Berliner Volksbühne aufgeführt[9] (Text & Regie: Christian Filips, Musikalische Leitung: Kai-Uwe Jirka).[10] Nach dem Erfolg der Sieben Todsünden heiratete Goldschmidt Paula Kunz, Tochter eines Schneidermeisters aus den Wiener Außenbezirken und Gesangsstudentin am Konservatorium bei Mathilde Marchesi. Die Hochzeit fand unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit im Wiener Rathaus statt, weil eine Ehe zwischen einem Juden aus der zweiten Gesellschaft und einer katholischen Frau aus dem Arbeiter-Vorstadtmilieu bis dahin noch etwas sehr Unübliches war. Das junge Ehepaar richtet am Opernring 6 einen viel besuchten Künstlersalon ein, in dem Paula Goldschmidt als Salondame brillierte und Lieder ihres gemeinsamen Freundes und künstlerischen Zöglings Hugo Wolf zur Uraufführung brachte, darunter die ihr gewidmeten Mausfallen-Sprüchlein. Goldschmidt wurde 1878 Meisterschüler von Franz Liszt, der das Oratorium mit großer Begeisterung aufnahm und ein Phantasiestück für Pianoforte nach Goldschmidts Themen komponierte.[11] Zwischen 1878 und 1883 arbeitete Goldschmidt an seiner Oper Helianthus, für die er – als „Dichterkomponist“ in der Wagner-Nachfolge – auch selbst das Libretto verfasste. Die im Zeitalter der Christianisierung Sachsens spielende Oper, die den Sachsenfürsten Wittekind zu einer Hauptfigur hat, macht vor dem Hintergrund des Berliner Antisemitismusstreits implizit die Frage der Taufe und der jüdischen Assimilation um 1880 zum Thema. Die Oper wird am 26. März 1884 am Leipziger Stadttheater unter der Leitung von Arthur Nikisch uraufgeführt. Franz Liszt bezeichnete sie als das bedeutendste Musikdrama nach Wagners Tod. In seinem Sommerhaus am Grundlsee empfing Goldschmidt seit 1883 regelmäßig Gäste, darunter Franz und Joseph Schalk, die dort an den Klavierauszügen zu Anton Bruckners Symphonien arbeiten. Durch Goldschmidts Vermittlung geriet der Dirigent Arthur Nikisch in Kontakt mit den Bruckner-Symphonien und führte die siebte Symphonie beim Leipziger Musikfest auf. Das Konzert wurde zum Ereignis und sorgte dafür, dass Bruckners Werk sich dauerhaft im Kanon etablieren konnte. 1883–1885 war Goldschmidt regelmäßig in Paris zu Gast und bereitete die französische Aufführung der Todsünden vor. Dort geriet er in Kontakt mit Komponisten wie Jules Massenet, Edouard Lalo, Léo Delibes und – bei seinen nächtlichen Cabaret-Besuchen – mit Erik Satie. Kompositionen wie der französische, in Paris erschienene Zyklus Six Lieder, die Allegorie der Leere (aus: Gaea) und Miniaturen wie Zu spät belegen diese Nähe zur französischen Moderne. Von 1884 bis 1889 arbeitete Goldschmidt an seinem Musikdrama Gaea, einem auf eine dreitägige Aufführung angelegten Mysterienspiel, das der Erdmutter und ihrem „Weltkeim“ gewidmet ist. Wiederum verfasste er sowohl den Text wie die Musik selbst. Figuren aus Goethes Faust II treffen hier auf Schopenhauers Willensphilosophie, auf die darwinistische Theoriebildung jener Zeit (Ernst Haeckels Theorie des Keims) und auf frühe Formen psychoanalytisch-ödipaler Lektüren antiker Mythen. Der Münchner Symbolist Franz von Stuck wurde mit dem Bühnen- und Kostümbild beauftragt. Auch eine erste portable Drehbühne sollte eigens für die Aufführung entstehen, die sich als Gegenmodell zu den Bayreuther Festspielen verstand. Trotz zahlreicher prominenter Fürsprecher (darunter Émile Zola, Johann Strauss, Marcel Schwob und Maurice Maeterlinck) und einer eigens für die Realisierung des Gesamtkunstwerks von Hermann Bahr ins Leben gerufenen Gäa-Gesellschaft (mit Komitees in Paris, Berlin und Wien) ist es bis heute nicht zu einer Aufführung gekommen. Eine für 1898 geplante Uraufführung an der Hamburgischen Staatsoper wurde wenige Wochen vor der Premiere aufgrund des Todes des Operndirektors Baruch Pollini abgesagt, die Bühnengemälde von Franz von Stuck wurden versteigert (und sind bis heute verschollen). Gustav Mahler lehnte eine Aufführung an der Wiener Oper ab, auch wenn Alma Mahler-Werfel von Goldschmidt sagte, er sei „ein verbummeltes, aber starkes Talent“ gewesen.[12] Enttäuscht vom Scheitern seiner großen musikdramatischen Pläne wandte sich Goldschmidt verstärkt dem Lied zu, komponierte zahlreiche Stücke nach Texten von Helene Friedländer, Eduard Mörike, Goethe, Lenau, Storm, Platen, Geibel, Uhland, Rückert aber auch französische Chansons nach Gedichten von Victor Hugo, Paul Verlaine und ungarische Gedichte von Sándor Petöfi. Die meisten dieser Lieder kamen in dem von seiner Frau, der Sängerin Paula Goldschmidt geleiteten Salon am Opernring zur Uraufführung. Immer wieder waren dort prominente Gäste wie Franz Liszt, Anton Bruckner, Johann Strauß (Sohn), Hugo Wolf zu Gast. 1893 unternahm Goldschmidt als Begleiter seiner eigenen Lieder eine Europa-Tournee, die zu einem seiner größten Erfolge wird: „Hat jemals ein Musiker energischer und erfolgreicher einen Läuterungsprocess durchgemacht, als Adalbert von Goldschmidt? […] Heute, wo er als Liedersänger durch die deutschen Concertsäle geht, beweist er sich als einer der Abgeklärtesten, als der zur vollen Reife gelangten jüngeren Talente Einer.“[13] Zu Goldschmidts Spätwerk gehört die 1896 komponierte komische Oper Die fromme Helene, eine Buschiade auf die Meistersinger, nach einem Libretto von Fanny Gröger. Das an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführte Werk ist eine Parodie auf Wagners Meistersinger ebenso wie auf Wilhelm Buschs Versepos und führte bei der Uraufführung zu einem Skandal. Das anonym aufgeführte Stück wurde nach seiner gescheiterten Premiere sofort vom Spielplan genommen: „Angeregt durch die Fastnachtslaune der Orchestrierung, die, im alten musikalischen Codex übermütig das Oberste zu unterst kehrend, so gerne die Trommeln und Pfeifen in die Adagios hineinlärmen lässt, verlegte sich auch das empörte Publikum aufs Trommeln und Pfeifen.“[14] Vermutlich durch die Vermittlung des Berliner Kabarettisten Ernst von Wolzogen begann sich der junge Arnold Schönberg für das Werk zu interessieren und erarbeitete für das Berliner Überbrettl eine Kammerfassung der Oper, die für das Jahr 1901 geplant war, aber vermutlich nie zur Aufführung kam. Die Arbeit an dieser Fassung ist im fragmentarisch erhaltenen Briefwechsel zwischen Schönberg und Goldschmidt nachweisbar. In der Ästhetik des jungen Schönberg und der mit ihm befreundeten Sezessionisten fand Goldschmidt sich wieder und ermunterte den jungen Freund in einem Brief, sein Erbe anzutreten: „Lieber Schönberg! […] ich bin Ihnen von ganzem Herzen gut. […] Bleiben Sie nur in Berlin u. hören Sie den wohlgemeinten Rath eines Ihnen Ergebenen. Harren Sie aus, Sie werden von dort aus Ihren Weg machen, u. wenn Sie auch noch manche Pfützen zu überspringen haben, das macht nichts. Ich glaube Sie sind ein guter Turner. Springen Sie nur kühn hinüber. Sie werden sicherlich gut landen. Mir geht es schlecht, ich bin ein Vergessener, ein schon Verstorbener, an meine Auferstehung glaube ich wahrlich nicht mehr, im übrigen pfeife ich drauf. Ich arbeite viel, angestrengt, fast fieberisch, aber nur weil ich das aufgeschrieben haben will, was mich erfüllt. Habe keinen anderen Werth. Sie sind energisch u. jung also Glück auf den Weg. Sie werden Ihr Ziel erreichen. Ihr aufrichtiger Adalbert v. Goldschmidt.“[15] In seinen letzten Lebensjahren arbeitete Goldschmidt an einem Zyklus mit Schwarzen Märchen nach Texten der Brüder Grimm, nach Hans Christian Andersen und Fanny Gröger. In diesen experimentellen, prosa-nahen Sprachdeklamationen näherte er sich erstmals Schönbergs eigener Fortschreibung der Wagnerschen Prosodie und Sprachbehandlung in den Brettl-Liedern und im Pierrot Lunaire an. In der Konzertreihe der aus der Wiener Secession hervorgegangenen und von Schönberg und Oskar C. Posa gegründeten Tonkünstler-Vereinigung stand am 20. Januar 1905 Goldschmidts Vertonung von Das Totenhemdchen[16] nach den Brüdern Grimm auf dem Programm. Danach fiel sein Werk vollkommen in Vergessenheit und ist bis heute nicht wiederentdeckt worden. 2020 erschien im Urs Engeler Verlag mit der Studie Adalbert von Goldschmidt – Ein Dichterkomponist im Wiener Fin de Siècle zum ersten Mal eine Untersuchung und Darstellung seines Werks, verfasst von Christian Filips.[17] | RITTER VON GOLDSCHMIDT, Jacob Adalbert (I60537)
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| 3913 | Leben Herkunft und Familie Marie Bessel 1834 Die Familie Erman war eine Hugenottenfamilie und stammte aus Mülhausen im Elsass. Der Familienname lautete ursprünglich „Ermendinger“, welcher durch den Ur-Urgroßvater Georg Adolf Ermans bei seiner Übersiedelung nach Genf in „Erman“ umgewandelt worden war. Georg Adolf Erman wurde als Sohn des Berliner Physikers Paul Erman (1765–1851) und seiner Frau Caroline, geborene Hitzig (1784–1848), geboren.[2] Im Jahre 1834 heiratete Georg Adolf Erman die älteste Tochter seines Lehrers Friedrich Wilhelm Bessel, Marie Bessel. Der Ehe entsprangen 10 Kinder. Unter seinen Söhnen waren der Bibliothekar Wilhelm Erman (1850–1932), der Ägyptologe Adolf Erman (1854–1937) und der Jurist Heinrich Erman (1857–1940). Reise um die Erde Von April 1828 bis Oktober 1830 unternahm Erman eine von seinem Vater finanzierte und ausgerüstete Forschungsreise, deren Hauptziel die Durchführung möglichst vieler Messungen der erdmagnetischen Deklination, Inklination und Intensität war. Ermans Messungen bildeten, wenn auch nicht den einzigen, so doch einen großen und wichtigen Teil des Datenmaterials, das Carl Friedrich Gauß seiner Potentialtheorie zugrunde legte.[3] Erman beschränkte seine Beobachtungen allerdings nicht nur auf das erdmagnetische Vorhaben. Auf seiner Reise, die ihn um die ganze Erde führte und auf der er rund 60.000 Kilometer zurücklegte, nahm er auch Ortsbestimmungen und trigonometrische und barometrische Höhenmessungen vor; er sammelte meteorologische Daten, machte geognostische und mineralogische Beobachtungen und beschrieb botanische und zoologische Phänomene. Nicht zuletzt schilderte er die ethnographischen Verhältnisse, denen er begegnete, und trug somit „zur Erhellung der Lebensverhältnisse der sibirischen Urvölker bei.“[4] Nachdem der Vater 1827 von der geplanten magnetometrischen Expedition des norwegischen Astronomen Christopher Hansteen, der mit Messungen in Sibirien seine These von zwei magnetischen Achsen und vier Polen belegen wollte, erfahren hatte, hatte er Kontakt mit Hansteen aufgenommen und die Teilnahme des Sohnes an der Expedition vereinbart.[5] Erman hatte Berlin im April verlassen und traf sich mit Hansteen und den drei anderen Expeditionsteilnehmern im Juni 1828 in Sankt Petersburg und reiste mit ihnen zusammen nach Tobolsk. Während die Norweger dort auf bessere Schneeverhältnisse für die Weiterfahrt warteten, unternahm Erman einen einmonatigen Abstecher am Ob entlang in das etwa 1500 Kilometer entfernte, am Polarkreis liegende Salechard. In Irkutsk traf er wieder mit Hansteen zusammen und reiste mit ihm zusammen nach Kjachta, an der damaligen Grenze nach China gelegen. Während Hansteen nach Sankt Petersburg zurückreiste, wählte Erman eine östliche Route dem Lauf der Lena folgend nach Jakutsk. Von dort reiste Erman durch bis dahin relativ unerschlossene und unerforschte Gebiete nach Ochotsk, setzte von dort nach Kamtschatka über und bereiste und kartographierte die Halbinsel. In Petropawlowsk-Kamtschatski schiffte er sich am 14. Oktober 1829 auf der russischen Korvette Krotkoi unter dem Kommando des Kapitäns Ludwig von Hagemeister (1780–1834) ein und kehrte nach Aufenthalten in Alaska, San Francisco, Tahiti und Rio de Janeiro nach Sankt Petersburg und von dort nach Berlin zurück. Auch auf See nahm er regelmäßig erdmagnetische Messungen vor. Die Ergebnisse seiner Expedition verarbeitete er in dem fünfbändigen Werk Reise um die Welt durch Nordasien und die beiden Oceane, das in einen historischen Bericht (3 Bde., Berlin 1833–42), der auf über 1750 Seiten die eigentliche Reiseschilderung ausmacht, und in eine physikalische Abteilung (2 Bde. nebst Atlas, Berlin 1835–41), in der die wissenschaftlichen Ergebnisse vorgelegt werden, geteilt ist. Erman setzte sich intensiv mit Gauß’ Theorie des Erdmagnetismus auseinander und veröffentlichte in den 1840er Jahren Abhandlungen zur Berechnung der Gaußschen Gravitationskonstante in Publikationen der British Association for the Advancement of Science. Zusammen mit dem Kieler Gymnasiallehrer Heinrich Jacob Reinhold Petersen (1815–nach 1866) griff Erman das Thema in den 1870er Jahren erneut auf und gab aufbauend auf früheren Berechnungen 1874 als „krönenden Abschluss“[6] seinen Beitrag zur Berechnung der 24 Koeffizienten der Gaußschen Potentialtheorie heraus: Die Grundlagen der Gaußischen Theorie und die Erscheinungen des Erdmagnetismus im Jahre 1829. Dieses Werk, mit der die Berechnung der Konstanten auf der Grundlage erdmagnetischer Phänomene des Jahres 1829 und unter Berücksichtigung der säkularen Variationen aus allen vorliegenden Beobachtungen vervollständigt wurde und an dessen Herausgabe auch die Kaiserliche Admiralität beteiligt war, wird als Beleg dafür gewertet, dass Erman „zu den ganz wenigen Wissenschaftlern gehörte, die die Mathematik in Gauß’ ... Potentialtheorie ... verstehen konnten.“[7] Akademische Laufbahn Nachdem Georg Adolf Erman Ostern 1823 am Französischen Gymnasium, Collège Français Berlin, die Matura erlangt hatte,[8] studierte er Naturwissenschaften an der Friedrich-Wilhelms Universität Berlin und verteidigte dort 1826 seine Dissertation über „Volumänderungen der Körper beim Schmelzen“.[9] Anschließend ging er als Volontärassistent zu Bessel nach Königsberg. Von April 1828 bis Oktober 1830 reiste er zu erdmagnetischen Forschungszwecken durch Sibirien und um die ganze Welt. Nach seiner Heimkehr unterrichtete er von 1832 bis 1846 Mathematik und Physik am Französischen Gymnasium zu Berlin.[10] Privatdozent seit 1832, wurde er 1834 als Nachfolger des verstorbenen Mathematikers Jabbo Oltmanns (1783–1833) außerordentlicher Professor für Physik an der Universität Berlin. Auf einen ordentlichen Lehrstuhl wurde er jedoch nicht berufen, da er sich in Preußen durch sein politisches Engagement während der Märzrevolution 1848 als „Vertreter entschieden demokratischer Grundsätze, insbesondere des Allgemeinen Wahlrechts“,[11] durch seine leitende Rolle im Friedrich-Wilhelmstädtischen Casino, wo auch der linksliberale Politiker Franz Leo Benedikt Waldeck Reden hielt,[12] und durch „sein leidenschaftliches Temperament“[13] und seinen „unbeugsamen Charakter“[14] mächtige Feinde geschaffen hatte.[15] Aus diesen Gründen blieb ihm auch die Aufnahme in die Preußische Akademie der Wissenschaften und die Aufnahme als Korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg versagt.[16] Für die fehlgeschlagene Wahl in die Preußische Akademie macht Ermans Sohn Adolf die Feindschaft zu Heinrich Wilhelm Dove verantwortlich, der ein einflussreiches Akademiemitglied war.[17] Die erfolglosen Bemühungen um Aufnahme in die Russische Akademie hatten ihre Ursache in der Opposition von einflussreichen baltendeutschen Gelehrten, die Erman nicht nur mit Ungenauigkeiten und schwerwiegenden Fehlern in seiner Beschreibung der russischen Ostseeprovinzen brüskiert hatte, sondern vor allem mit seinen von einer naiven Verwunderung geprägten Bemerkungen über das Deutsche als Umgangssprache der gebildeten Stände und an der Universität Dorpat (heute Tartu).[18] Als Minorität betrachteten sie jede Andeutung einer Russifizierung als Gefährdung ihrer Privilegien. So warf man Erman z. B. vor, dass er in seiner Übersetzung des Reiseberichts der Lütkeschen Eismeer-Expedition (1821–1824) den Namen des baltendeutschen Expeditionsleiters, Friedrich Benjamin von Lütke, aus dem Russischen als Litke transkribiert hatte.[19] Auszeichnungen für die Forschungsarbeiten, die er auf seiner Reise um die Welt vorgenommen hatte, erhielt Erman aus England: 1842 wurde er Korrespondierendes Mitglied der British Association for the Advancement of Science.[20] Gegen Ende seines Lebens, im Jahre 1873, wählte ihn die Royal Society (London) zu ihrem auswärtigen Mitglied.[21] Durch eine finanzielle Beteiligung am Hüttenwerk Pleiskehammer an der Pleiske in der Neumark in den 1860er Jahren verlor Erman später einen großen Teil seines Vermögens.[22][23] Auszeichnungen und Ehrungen 1831: Ermans Birke (Betula ermanii) von Adelbert von Chamisso nach Adolf Erman benannt[24] 1836: Roter Adlerorden, 4. Klasse[25] 1844: Goldmedaille (Patron’s Medal) der Royal Geographical Society[26] Werke Reise um die Erde durch Nordasien und die beiden Oceane. Historische Abteilung, 3 Bde. Berlin 1833–1848, Wissenschaftliche Abteilung, 2 Bde. Berlin 1835–1841 (digitalisiert). Herausgeber: Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland. 25 Bde. Berlin 1841–1867 (digitalisiert). Die Grundlagen der Gaußischen Theorie und die Erscheinungen des Erdmagnetismus im Jahre 1829. Berlin 1874. | ERMAN, Georg Adolf (I60950)
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| 3914 | Leben Herkunft und Jugend Alexander Herzen von Hermann Scherenberg Herzen war der Sohn der aus Stuttgart stammenden Henriette Wilhelmina Luise Haag und des russischen Adligen Iwan Alexejewitsch Jakowlew. Seine Eltern schlossen keine rechtsgültige Ehe, und so erhielt ihr Sohn den Namen Herzen, weil er ein Kind des Herzens sei. 1812 verließ seine Familie mit Alexander als Säugling Moskau, um im Auftrag Napoleons Verhandlungen mit dem Zaren in Sankt Petersburg aufzunehmen. Zwei Kinderfrauen, eine Russin und eine Elsässerin, zogen Herzen auf. Er erhielt bald Zugang zur väterlichen Bibliothek und las dort täglich stundenlang vornehmlich französische Literatur. Mit 15 Jahren erhielt er Religionsunterricht bei einem orthodoxen Priester, seine Mutter begleitete er manchmal bei ihren Gängen in eine Evangelisch-Lutherische Kirche. Den Dekabristenaufstand 1825 empfand Herzen trotz seines jungen Alters als prägendes Erlebnis. Kurze Zeit danach kam er in Kontakt mit N. P. Ogarjow, der Zeit seines Lebens einer der engsten Freunde Herzens sein sollte. Studienzeit Gegen den Willen seines Vaters, der Herzen zunächst im Staatsdienst unterbringen wollte, trat er 1829 in die physikalisch-mathematische Fakultät der Universität Moskau ein. Bald fand er Zugang zu einem oppositionellen Studentenzirkel. Herausragende Ereignisse seiner Studienzeit waren der Ausbruch der Cholera in Moskau und der Besuch Alexander von Humboldts an der Moskauer Universität. Er schloss seine Studien 1833 mit einer astronomischen Dissertation ab, wofür er eine Silbermedaille als Auszeichnung erhielt. Intellektuelle Kreise in Russland Herzen 1836 von Witberg In der Nacht zum 20. Juli 1834 wurde Herzen verhaftet. Genau 9 Monate später wurde er aufgrund von angeblich zarenkritischen Äußerungen verurteilt und nach Wjatka verbannt. Erst 1838 durfte er nach Wladimir, 1840 dann wieder nach Moskau zurückkehren. Zuvor hatte Herzen 1838 seine entfernte Verwandte Natalja Alexandrowna Sacharina heimlich aus Moskau entführt und schließlich geheiratet. Nach der Verbannung trat Herzen in den Staatsdienst ein. Er wurde bald Mitglied des Stankewitsch-Kreises und bekam Kontakt zu W. G. Belinski, M. A. Bakunin, T. N. Granowski und anderen. Auch mit Ogarjow traf er wieder zusammen. Herausragenden Einfluss auf diese Gruppe hatte die Philosophie Hegels, über die Herzen in der Folgezeit mehrere Abhandlungen verfasste. Aus dem Stankewitsch-Kreis bildeten sich die Gruppierungen der Westler, zu denen sich auch Herzen zählte, auf der einen, und der Slawophilen auf der anderen Seite, die beide auf Reformen im russischen Staat drängten. Auswanderung und publizistische Tätigkeit Am 6. Mai 1846 starb Herzens Vater, und auch die Intellektuellenkreise, in denen sich Herzen bewegt hatte, lösten sich nach und nach auf. So hielt Herzen nicht mehr viel in seiner Heimat, und nachdem er mühsam einen Reisepass erhalten hatte, verließ er am 21. Januar 1847 mit seiner Familie Russland in Richtung Westen. Zunächst unternahm er eine große Europareise, die ihn u. a. nach Königsberg, Berlin, Köln, Brüssel und schließlich nach Paris führte. Dort erlebte er nach der Februarrevolution die blutige Niederschlagung eines Aufstandes im Juni 1848. Die Folgezeit verbrachte er in Genf, dann in Nizza, wo er die Bekanntschaft Garibaldis machte. Bald darauf ereilten Herzen mehrere Schicksalsschläge: Erst kamen seine Mutter und sein jüngster Sohn 1851 bei einem Schiffsunglück um, dann starb seine Frau Natalja am 2. Mai 1852 an den Folgen einer Lungenentzündung. Seit dem August 1852 hielt Herzen sich in London auf, wo er Vertreter der politischen Emigration wie Louis Blanc, Gottfried Kinkel, Lajos Kossuth und Giuseppe Mazzini kennenlernte. Die Erzieherin seiner Kinder war Malwida von Meysenbug. Herzen wurde nun verstärkt politisch aktiv, engagierte sich für die Verständigung der demokratischen Bewegungen Russlands und Polens, gründete 1853 die Freie Russische Presse, wo Schriften auf Russisch ohne Zensur gedruckt wurden. Ab 1855 gab er den Almanach Poljarnaja Zvezda („Der Polarstern“) heraus, zwei Jahre danach gründete er die Zeitschrift Kolokol („Die Glocke“), die zwischen 1857 und 1867 erschien. Herzen von Nikolai Nikolajewitsch Ge, ca. 1867 Herzens publizistischer Einfluss auf die russische Öffentlichkeit verminderte sich schlagartig, als er 1863 den Aufstand Polens als Signal zur Erhebung der gesamten slawischen Welt begrüßte. Verbittert von persönlichen Schicksalsschlägen und politischer Erfolglosigkeit zog sich Herzen aus der Öffentlichkeit zurück. Er lebte nach 1863 meist in Genf oder Brüssel und starb schließlich während eines Aufenthaltes in Paris am 21. Januar 1870. Rezeption und Ehrungen Er ist Namensgeber der Staatlichen Pädagogische Herzen Universität St. Petersburg, einer der größten Pädagogischen Hochschulen in Russland. Darüber hinaus tragen die Nunataks Gercena in der Antarktis und der Asteroid (3052) Herzen[1] seinen Namen. Herzen ist Hauptcharakter in Tom Stoppards Dramentrilogie The Coast of Utopia.[2] In einem Artikel anlässlich von Herzens 100. Geburtstag betrachtete Lenin die Schaffung der „freie[n] russische[n] Presse im Ausland“ als dessen „großes Verdienst“. Er hob außerdem seinen Einsatz für den polnischen Unabhängigkeitskampf hervor, kritisierte aber auch Herzens politische Gedanken und insbesondere seine Begründung der „Volkstümlerrichtung“.[3] Werke Wer hat Schuld ? [Roman], (Originaltitel: Kto vinovat?) 1847 teilw. online lesen; Reprint: In: Classic pages. Europäischer Hochschul-Verlag, Bremen 2010, ISBN 978-3-86741-184-4 Russlands soziale Zustände, Hamburg 1854 online lesen Aus den Memoiren eines Russen : Im Staatsgefängnis und in Sibirien, Hamburg 1855 online lesen 3. Folge: Jugenderinnerungen, Hamburg 1856 online lesen 4. Folge: Gedachtes und Erlebtes, Hamburg 1859 online lesen 5. & 6. Teil: Erinnerungen (Paris-London 1847–55), Berlin 1907 online lesen Die russische Verschwörung und der Aufstand vom 14. Dezember 1825 – eine Entgegnung auf die Schrift des Baron Modest Andrejewitsch von Korff: Die Thronbesteigung des Kaisers Nikolaus I. ..., Hamburg 1858 online lesen Erzählungen, Hamburg 1858 online lesen Mein Leben: Memoiren und Reflexionen. 3 Bände. (Originaltitel: Byloe i dumy) Hrsg. von Eberhard Reissner. Aus dem Russischen übersetzt von Hertha von Schulz. Aufbau-Verlag Berlin 1962/1963. Die gescheiterte Revolution. Denkwürdigkeiten aus dem 19. Jahrhundert (Originaltitel: Byloe i dumy übersetzt von Herta von Schulz), Insel-Taschenbuch 1097, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-458-32797-5 Briefe aus dem Westen, aus dem Russischen von Friedrich Kapp und Alfred Kurella, mit einem Essay von Isaiah Berlin, Nördlingen : Greno 1989, ISBN 978-3-89190-253-0, Reihe Die Andere Bibliothek. Frilling, Christoph (2023): Alexander Iwanowitsch Herzen 1812–1870. Konvolut. Hamburg: Verlag Dr. Kovač Frilling, Christoph (2024): „Das Paradies werden wir nicht finden …“ Alexander Iwanowitsch Herzen. Ein russischer Denker in Zeiten des Umbruchs. Hamburg: Verlag Dr. Kovač | HERZEN, Alexander Iwanowitsch (I60968)
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| 3915 | Leben Herkunft, Jugend, Studium Mommsens Geburtshaus Geburtshaus in Garding Theodor Mommsen stammte aus einer Pfarrerfamilie; sein Vater Jens Mommsen war seit 1821 Pfarrer in Oldesloe im Herzogtum Holstein, wo der älteste Sohn Theodor zusammen mit seinen zwei Brüdern Tycho (1819–1900) und August (1821–1913) sowie seiner Schwester Marie (1828–1893) aufwuchs.[1] Den strengen christlichen Glaubensvorstellungen des Vaters entzogen sich die Kinder nach und nach, jedoch blieb Mommsen bis ans Lebensende ein überzeugter liberaler Protestant, mit einer deutlichen Abneigung gegen den Katholizismus. Obwohl die Familie in eher ärmlichen Verhältnissen lebte, weckte Jens Mommsen bei seinen Kindern früh das Interesse an den antiken Klassikern. Nach anfänglichem Privatunterricht besuchte Theodor Mommsen ab Oktober 1835 das Christianeum in Altona und begann im Mai 1838 ein Jurastudium an der Universität Kiel. Hier trat er der Burschenschaft Albertina (heute Teutonia) bei und lernte 1839 den später als Dichter berühmt gewordenen Jurastudenten Theodor Storm kennen. Mit diesem teilte er sich zeitweise eine Wohnung in der Flämischen Straße und veröffentlichte zusammen mit ihm und seinem jüngeren Bruder Tycho 1843 das Liederbuch dreier Freunde, eine Gedichtsammlung, die von der Literaturkritik freundlich aufgenommen wurde. Im selben Jahr wurde Mommsen in Kiel bei Georg Christian Burchardi mit der Arbeit Ad legem de scribis et viatoribus et De auctoritate promoviert. Wiewohl eigentlich Jurist, widmete er sich fortan ausgehend von seinen Studien zum Römischen Recht fast ausschließlich der Alten Geschichte, die erst um diese Zeit als eigene Disziplin entstand. Lehrtätigkeit und Reisen Mommsen strebte eine wissenschaftliche Laufbahn an, musste zunächst aber seinen Lebensunterhalt als Aushilfslehrer an zwei Mädchenpensionaten bestreiten, die Tanten von ihm in Altona leiteten. 1844 erhielt er ein dänisches Reisestipendium (das Herzogtum Schleswig gehörte damals zum Dänischen Gesamtstaat und stand in Personalunion mit Dänemark und Holstein) und besuchte zunächst Frankreich, dann vor allem Italien, wo er seine Beschäftigung mit römischen Inschriften begann. Er trat in Kontakt mit dem Instituto di corrispondenza archeologica und plante eine Sammlung aller bekannten lateinischen Inschriften, die im Gegensatz zu früheren Corpora auf dem Autopsieprinzip beruhen sollte. Als ersten Schritt sammelte Mommsen die Inschriften des damaligen Königreichs Neapel. 1847 kehrte Mommsen nach Deutschland zurück, musste vorerst aber wieder als Lehrer arbeiten. Während der Märzrevolution von 1848 wurde er Journalist in Rendsburg und vertrat energisch seine liberalen Überzeugungen. Anfänge als Akademiker Der junge Theodor Mommsen (Mitte) mit Moriz Haupt und Otto Jahn (Daguerreotypie, Leipzig 1848) Im Herbst 1848 erhielt Mommsen einen Ruf als außerordentlicher Professor für Rechtswissenschaft nach Leipzig und konnte so endlich die wissenschaftliche Laufbahn einschlagen. Er begann eine umfangreiche Publikationstätigkeit, blieb aber auch politisch aktiv, zusammen mit seinen Freunden und Professorenkollegen Moriz Haupt und Otto Jahn. Wegen ihrer Beteiligung am sächsischen Maiaufstand 1849 wurden die drei angeklagt und 1851 aus dem Hochschuldienst entlassen. Nach dem politisch bedingten Verlust der Professur in Leipzig folgte er einem Ruf an den neugeschaffenen Lehrstuhl für Römisches Recht an die Universität Zürich. Hier lehrte er vom 29. April 1852 bis zum 27. August 1854. Ein Vortrag jener Zeit für die Antiquarische Gesellschaft in Zürich erschien später im Druck unter dem Titel Die Schweiz in römischer Zeit. In Zürich fühlte er sich jedoch sehr unwohl; er klagte in einem Brief über die Schweizer: „Die gehören zum Froschgeschlecht, und man muss Gott danken, wenn sie Hochdeutsch sprechen und eine Serviette auf den Tisch legen.“ Er wollte daher gern nach Deutschland zurückkehren und folgte 1854 einer Berufung nach Breslau, wo er mit dem Privatdozenten Jacob Bernays Freundschaft schloss. Allerdings gefiel Mommsen auch Breslau nicht; vor allem stießen ihn die dortigen Studenten ab: „Die meisten stinken, alle sind faul“.[2] 1858 erfüllte sich dann Mommsens sehnlichster Wunsch: Er wurde auf eine Forschungsprofessur an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin berufen und erhielt 1861 einen Lehrstuhl für römische Altertumskunde an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität, wo er bis 1885 Vorlesungen hielt (eine Aufgabe, die für ihn deutlich hinter die Forschungsaktivitäten zurücktrat). Höhepunkt der akademischen Laufbahn Theodor Mommsen (Stich von Louis Jacoby, 1863) Der Historiker Theodor Mommsen (Gemälde von Ludwig Knaus, 1881) Rufe an andere Universitäten, die er erhielt, nutzte Mommsen fortan zu Verbesserungen seiner Stellung in Berlin. Rasch stieg er zu einem international und weit über die Fachgrenzen hinweg berühmten Gelehrten auf. Mommsen war Mitglied der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften in Leipzig sowie ab 1852 auswärtiges Mitglied der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften, ab 1864 Ehrenmitglied (Honorary Fellow) der Royal Society of Edinburgh,[3] seit 1866 assoziiertes Mitglied der Königlichen Akademie von Belgien,[4] seit 1872 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, seit 1876 socio straniero der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom und ab 1895 auswärtiges Mitglied der Académie des inscriptions et belles-lettres. 1856 verlieh ihm die Philosophische Fakultät der Universität Greifswald seine erste Ehrendoktorwürde. Bereits 1877 wurde er zum Ehrenmitglied der philosophisch-historischen Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt, 1893 wurde er Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.[5] Bei seinen Studenten war Mommsen unbeliebt, er galt als schlechter und herrischer Dozent. Immer wieder griff er in Berufungsverfahren jedoch zugunsten seiner akademischen Schüler ein und sicherte ihnen Lehrstühle, etwa im Falle Otto Seecks und Ulrich Wilckens. Beide Male hatte Karl Julius Beloch, der mit Mommsen zerstritten war, das Nachsehen. Den meisten von Mommsens Schülern gelang es nie, aus dem Schatten ihres übermächtigen Lehrers zu treten, zumal dieser auf die meisten von ihnen als „die junge Impotenz“ herabblickte. Andere jüngere Gelehrte und einige Schüler Mommsens bemühten sich hingegen bewusst, sich von ihrem akademischen Lehrer zu emanzipieren. Unter diesen ist Max Weber der bedeutendste, den Mommsen angeblich für seinen einzig würdigen Nachfolger hielt, der sich aber noch vor der Promotion der Soziologie zuwandte. Bei einem Wohnungsbrand am 12. Juli 1880 ging in Mommsens Arbeitszimmer die damals besterhaltene Abschrift der Gotengeschichte des Jordanes verloren. Seine Bibliothek wurde fast ganz zerstört.[6] Auch seine Vorlesungsskripte, die er eigentlich als Grundlage für eine Publikation vorgesehen hatte, wurden ein Raub der Flammen. Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Mommsen hoch geehrt (Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste 1868, Ehrenbürgerschaft von Rom). Er war inzwischen auch jenseits der Fachkreise weltberühmt; Mark Twain etwa begegnete ihm 1892 in Berlin und war tief beeindruckt. Mommsen erhielt 1902 für sein Hauptwerk, die Römische Geschichte, den Nobelpreis für Literatur. Von dem Preisgeld spendete er 5000 Mark für den Magistrat der damaligen Stadt Charlottenburg, die der Volksbibliothek (1000 Mark), den beiden Gymnasien (je 1000 Mark) und den Armen (2000 Mark) zugutekommen sollten. | MOMMSEN, Theodor (I59807)
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| 3916 | Leben Hermann war der jüngere Sohn Ludwigs II. von Thüringen und dessen Gemahlin Jutta, einer Halbschwester Kaiser Friedrich Barbarossas. Vermutlich wurde Hermann gemeinsam mit seinem älteren Bruder, dem späteren Ludwig III., unter anderem am Hof Ludwigs VII. von Frankreich erzogen.[1] Ludwig II. habe vorgehabt, nacheinander alle seine vier Söhne nach Paris zu schicken, um zu erfahren, welcher sich am ehesten für die Wissenschaft eigne. Hiermit ist der Standard des deutschen Laienadels überschritten und es wird ein Bildungsanspruch sichtbar, der zuvor eher unüblich war.[2] 1181 erhielt Hermann von Ludwig III. die Pfalzgrafschaft Sachsen. Nachdem Ludwig III. 1190 beim Dritten Kreuzzug gestorben war, erbte Hermann auch die Landgrafschaft. 1197 beteiligte sich Hermann am Kreuzzug seines Cousins Kaiser Heinrichs VI., der nach dem überraschenden Tod Heinrichs vorzeitig abgebrochen wurde. Nach dem Tod Heinrichs VI. 1197 rangen die beiden gewählten Könige Philipp von Schwaben und Otto IV. im Deutschen Thronstreit um die Anerkennung ihrer Königsherrschaft. Landgraf Hermann wechselte dabei mehrmals die Seiten. Er bemühte sich, durch diese Wechsel sein Herrschaftsgebiet zu vergrößern und geschlossener zu gestalten. Dem gleichen Ziel diente die von ihm fortgesetzte Heiratspolitik der Thüringer: Er war selbst der Cousin des Königs Ottokar von Böhmen und verheiratete seinen Sohn Ludwig mit der ungarischen Prinzessin Elisabeth. 1211 entschied er sich, Barbarossas Enkel Friedrich II. bei dessen Bewerbung um die deutsche Königskrone zu unterstützen. Durch seine zeitweise Erziehung in Paris war er mit zeitgenössischer französischer Literatur bekannt, deren deutsche Neubearbeitung er förderte. Am Landgrafenhof entstanden unter anderem Heinrich von Veldekes Eneasroman, Wolfram von Eschenbachs Willehalm, möglicherweise auch Teile des Parzival und Herbort von Fritzlars Liet von Troye. Die Wartburg wurde unter seiner Herrschaft endgültig zum Hauptsitz der Ludowinger. 1206 soll dort der – fiktive – Sängerkrieg stattgefunden haben, an dem so bedeutende Minnesänger wie Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach teilgenommen haben sollen. Am 25. April 1217 starb Hermann I. in Gotha. Er wurde im Katharinenkloster zu Eisenach beigesetzt. Nachfolger wurde sein Sohn Ludwig IV. | (THÜRINGEN), Hermann I. (I61584)
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| 3917 | Leben Herzog Adalbert im Elsass aus dem Adelsgeschlecht der Etichonen[1] (683–722/23) war in erster Ehe mit Gerlinde verheiratet. Zu dieser Zeit lässt sich die Stiftung von St. Stephan in Straßburg zurückführen. Drei ihrer Töchter standen Klöstern als Äbtissinnen vor: Attala (auch Athalia; * um 690; † 741) in St. Stephan zu Straßburg, Eugenia († 735) in Hohenburg und Gundelinde (* um 680–690; † nach 720) in Niedermünster. Die heilige Odilia (* um 660; † 720) war ihre Schwägerin. Sie starb im Jahre 715 und fand ihre letzte Ruhestätte in der St. Stephanskirche zu Straßburg. Einzelheiten aus ihrem Leben sind weiterhin nicht bekannt. | VOM ELSASS, Gerlind (I61406)
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| 3918 | Leben Herzog Theodo I. stammt aus der Dynastie der Agilolfinger. Er regierte in Regensburg, der Hauptstadt der provincia baiuvariorum. Theodo I. regierte als Herzog von Baiern, ohne dass seine genaue genealogische Einordnung in den Stammbaum der Agilolfinger wirklich gesichert wäre, zumal die Quellenlage für Baiern im 7. Jahrhundert so schwach ist, dass sich gesicherte Aussagen schwer treffen lassen. Die Angaben in diesem Artikel beruhen daher weitgehend auf indirekten Schlüssen. Mit seiner Gattin Gleisnod, Tochter von Herzog Gisulf II. von Friaul, hatte Theodo zwei Kinder: den Sohn und Nachfolger im Herzogsamt, Lantpert, sowie die Tochter Uta. An seinem Hof in Regensburg ließ sich Bischof Emmeram nieder. Mit den Angelegenheiten des Frankenreiches in dieser Zeit scheint er nicht viel zu tun gehabt zu haben, da er von dieser Seite aus praktisch nicht erwähnt wird. Sein direkter Nachfolger wurde sein Sohn Landfried/Lantpert, der Mörder des heiligen Emmeram. Nach Lantperts offenbar kurzer Regierungszeit folgte Theodo II. | VON BAYERN, Theodo I. (I47183)
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| 3919 | Leben Heyse besuchte das Gymnasium in Oldenburg, wo sein Vater Johann Christian August Heyse (1764–1829) damals lehrte, ab 1807 dann das Gymnasium in Nordhausen, an dem sein Vater nun als Rektor wirkte. Von 1812 bis 1815 wurde er an Wilhelm von Türks privater Erziehungsanstalt in Vevey unterrichtet. Nach kurzer Tätigkeit als Erzieher von Wilhelm von Humboldts jüngstem Sohn studierte er ab 1816 Philologie an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität, unter anderem bei August Boeckh. Von 1819 bis 1827 lebte er als Hauslehrer in der Familie des Bankiers und Staatsrats Abraham Mendelssohn Bartholdy, wo er auch als Erzieher dessen Sohnes Felix Mendelssohn Bartholdy wirkte. Nebenbei besuchte er weiterhin Vorlesungen an der Universität, von Sprachwissenschaft bei Franz Bopp bis zu Philosophie bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Karl Wilhelm Ferdinand Solger. Im Jahr 1827 habilitierte sich Heyse an der Berliner Universität und erhielt dort 1829 eine außerordentliche Professur für Philosophie. Er hielt Vorlesungen über griechische und lateinische Literatur, Sprachphilosophie und allgemeine Sprachwissenschaft. Seine bekanntesten Publikationen waren Weiterführungen und Bearbeitungen der grammatischen und lexikografischen Werke seines Vaters. Sein linguistisches Hauptwerk System der Sprachwissenschaft erschien erst nach seinem Tod. Sein Sohn Paul Heyse (1830–1914) wurde ein gefeierter Schriftsteller und erhielt 1910 den Nobelpreis für Literatur. Werke (Auswahl) Sprachwissenschaft Kurzgefaßte Verslehre der deutschen Sprache zum Schul- und Haus-Gebrauch. Zweite umgearbeitete und vermehrte Ausgabe. Hannover 1825. Digitalisat. [Besprechung von] K. F. Becker, Organism der Sprache 1827, in Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik, Januar 1829, Spalte 127‒160. Theoretisch-praktische deutsche Schulgrammatik oder kurzgefaßtes Lehrbuch der deutschen Sprache, mit Aufgaben und Beispielen zur Anwendung der Regeln, von Dr. Joh. Christ. Aug. Heyse. 9. verbesserte Ausgabe. Hannover 1830. (ständig überarbeitet bis zur 18. Ausgabe:) Dr. Joh. Christ. Aug. Heyseʼs deutsche Schulgrammatik oder kurzgefasstes Lehrbuch der deutschen Sprache, mit Beispielen und Übungsaufgaben. Neu bearbeitet von K. W. L. Heyse. 18. verbesserte Ausgabe. Hannover 1854. Leitfaden zum gründlichen Unterricht in der deutschen Sprache für höhere und niedere Schulen, nach den größeren Lehrbüchern der deutschen Sprache von Dr. J. C. A. Heyse. 8. verbesserte Auflage. Hannover 1831. Leitfaden […]. 16., gänzlich umgestaltete und großentheils neubearbeitete Auflage. Hannover 1852. (Ab 7. Auflage (1830) bis zur 18. Auflage (1856) in ständigen Überarbeitungen.) Dr. J. C. A. Heyseʼs ausführliches Lehrbuch der deutschen Sprache. Neu bearbeitet von Dr. K. W. L. Heyse. Erster Band. (Auch unter dem Titel: Theoretisch-praktische deutsche Grammatik oder Lehrbuch zum reinen und richtigen Sprechen, Lesen und Schreiben der deutschen Sprache […]. Von Dr. Joh. Christ. Aug. Heyse. Fünfte, völlig umgearbeitete und sehr vermehrte Ausgabe. Erster Band.) Hannover 1838; Zweiter Band, Hannover 1849. Handwörterbuch der deutschen Sprache mit Hinsicht auf Rechtschreibung, Abstammung und Bildung, Biegung und Fügung der Wörter, so wie auf deren Sinnverwandtschaft. Nach den Grundsätzen seiner Sprachlehre angelegt von Dr. Joh. Christ. Aug. Heyse, ausgeführt von Dr. K. W. L. Heyse. Erster Theil (A‒K). München 1833. Zweiten Theiles erste Abtheilung (L‒schwirren) 1842, Zweiten Theiles zweite Abtheilung (schwirren‒Z) 1849. System der Sprachlaute. In: Zeitschrift für die Wissenschaft der Sprache, 4. Band, 1853/54, S. 3‒74. System der Sprachwissenschaft von K. W. L. Heyse. Nach dessen Tode herausgegeben von Dr. H. Steinthal. Berlin 1856. Digitalisat Als Herausgeber | HEYSE, Karl Wilhelm Ludwig (I60932)
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| 3920 | Leben Heyse wuchs in Oldenburg und Nordhausen auf, wo sein Vater Johann Christian August Heyse Lehrtätigkeiten ausübte. Ab 1822 studierte er (wie sein älterer Bruder Karl Wilhelm Ludwig) an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Im Jahr 1827 wurde er Lehrer an der von Christian Lippe geleiteten Erziehungsanstalt auf Schloss Lenzburg im Kanton Aargau. 1832 ging er dann nach Rom, wo er in handschriftlichen Quellen forschte und als Privatlehrer arbeitete. 1861 kam er nach München, kehrte aber bereits 1865 nach Italien zurück, wo er bis zu seinem Tod lebte. Theodor Heyse arbeitete 1827 in die große Grammatik seines Vaters die neueren Entwicklungen der syntaktischen Forschung ein;[1] nach dem Tod seines Bruders Karl besorgte er von 1858 bis 1866 die Neuauflagen der Schul-Grammatik und des Leitfadens des Vaters. Werke (Auswahl) Beschreibung der griechischen Codices des Demosthenes zu Rom. Frankfurt a. M. 1838 Editionen und Übersetzungen Polybios: Polybii historiarum excerpta gnomica (Berlin 1846) Catull: Catull’s Buch der Lieder (Berlin 1855, mit Übersetzung) Ausgabe von 1889 die Vulgata des Alten Testaments nach dem Codex Amiatinus (Leipzig 1873), mit Konstantin von Tischendorf postum erschien: Die Orestie des Äschylus (Halle 1884), hrsg. von Hartwig | HEYSE, Theodor Friedrich (I60938)
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| 3921 | Leben Hirzel stammte aus einem prominenten Zürcher Geschlecht, das diverse Gelehrte und Staatsmänner hervorgebracht hatte. Sein Vater war der Philosophieprofessor Heinrich Hirzel. Er besuchte das Zürcher Gymnasium und wechselte anschliessend an das Collegium Carolinum. Dort erhielt er seine erste theologische Ausbildung. Es folgte eine Zeit an deutschen Universitäten, an denen er sich vor allem den morgenländischen Sprachen widmete und schliesslich zum Dr. phil. promoviert wurde. Hirzel kehrte 1823 nach Zürich zurück. Dort wurde er als Prediger eingesetzt. Ausserdem wurde er zum Professor der hebräischen Sprache am Obergymnasium der Stadt ernannt und daneben zum Dozent an der Theologenhochschule Carolinum. Als etwa neun Jahre später die Universität Zürich gestiftet wurde, erhielt er eine ausserordentliche Professur an der Theologischen Fakultät der Universität. Von 1837 bis 1839 war er Dekan der Fakultät.[1] Bereits 1835 verlieh ihm die Theologische Fakultät der Universität Basel für seine Verdienste den Doktor der Theologie. Hirzel betätigte sich neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer und Prediger auch politisch. Er liess sich in den Kantonsrat des Kantons Zürich wählen. Sein früher Tod führte zu einer großen Anteilnahme der Stadtbevölkerung, was sich nicht zuletzt bei seinem Begräbnis gezeigt haben soll. Sein Sohn war der Literaturhistoriker Ludwig Hirzel. | HIRZEL, Ludwig (I59799)
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| 3922 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60288)
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| 3923 | Leben Humbert war viermal verheiratet: Aus der ersten Ehe mit Faidiva (Tochter von Alfons Jordan von Toulouse) ging eine Tochter Agneta, Alice oder Adelheid hervor, die 1174 starb und eine Braut von Johann Ohneland war.[1][4] Anschließend war Humbert mit Clementia, vormals Gemahlin Heinrichs des Löwen oder Germana[4] beziehungsweise Anna von Zähringen, einer Tochter Konrads und Schwester[5] oder Tochter Bertholds von Zähringen vermählt.[1] Es folgte eine Ehe mit Beatrice[4] von Burgund, Tochter des Grafen Gerhard I. von Macon-Vienne, mit der er zwei Kinder hatte. Sein Sohn und Nachfolger war Thomas von Savoyen, Piemont und Maurienne, dessen Schwester Eleonore zunächst im Jahr 1189 mit Graf Guido von Vintimiglia und anschließend mit Bonifatius von Montferrat vermählt war und im Jahr 1215 verstarb.[1] Die Letzte Gemahlin war Gertrud von Flandern. Zudem hatte er noch einen zweiten Sohn, Henri de Turin, welcher in der Geschichte nur als Randfigur erwähnt wurde, aber Ritter von Barbarossa war. Humbert III. war in tiefer Freundschaft mit dem englischen König Heinrich II. verbunden. Das Haus Plantagenet brauchte Humbert als wichtigen Verbündeten, da die Besitzungen Savoyens in Italien durch Kaiser Friedrich Barbarossa bedroht wurden. Zudem setzte sich der Kaiser 1178 in Saint-Trophime d’Arles die burgundische Königskrone auf und unterstellte die Bistümer Turin, Belley und Tarentaise direkt dem Heiligen Römischen Reich. Humbert war vermutlich ein sehr frommer Mensch, so ermutigte er die kirchlichen Organisationen sich in der Nächstenliebe und der Fürsorge für die armen Bevölkerungsteile in Savoyen und Piemont zu üben. Da er einen Erben benötigte heiratete er vier Mal. Im Jahre 1838 ordnete Papst Gregor XVI. an, dass er als Umberto III von Savoyen seliggesprochen wurde und der 4. März, der Tag seines Todes als Festtag gefeiert werden solle.[3] | (SAVOYEN), Humbert III. ´der Heilige` (I61504)
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| 3924 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I56601)
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| 3925 | Leben In einer Schleswiger Akte befanden sich ein allgemeiner Schutzbrief des Grafen Ernst zu Holstein-Schaumburg ohne Namen vom 5. Mai 1612 und ein beigefügtes Namensverzeichnis, das schutzverwandte Juden aufzählte. Laut Recherche von Eduard Duckesz, der davon ausging, dass Fürst hochdeutscher, also aschkenasischer Jude war, waren es laut dem Namensverzeichnis in Altona acht und in Hamburg neun aufgezählte Juden inklusive Heinrich Ruben Chajim Fürst, der als Hayen oder Haim Ruben bezeichnet wurde. Es ist gut möglich, aber nicht belegt, dass diese Namen mit dem Schutzbrief zusammenhängen.[2] 1649 wurden die hochdeutschen Juden aus Hamburg vertrieben und auch für portugiesische Juden wurde es ab 1650 in Hamburg schwerer, und so zog er nach Altona.[3] Laut Eintrag vom 2. Januar 1651 im Altonaer Grundbuch besaß er in der Straße Breite Straße ein Haus. In ihren Memoiren schrieb Glückel von Hameln, dass er der reichste Mann der Gemeinde in Altona gewesen sei,[4] mit einem Vermögen von 20.000[5] oder 10.000 Reichstalern.[6] Bis zu seinem Tod war er Gemeindevorsteher der Gemeinde in Altona. Durch eine grassierende Krankheit, durch die viele Gemeindemitglieder starben, starb auch er. Sein Grab und das seiner Frau befinden sich auf dem Jüdischen Friedhof Altona an der Königstraße. Auch das Grab seines Sohnes Salomon befindet sich dort, der zwei Tage später als er an der Krankheit starb. Andere Gräber von Familienmitgliedern befinden sich ebenfalls auf dem Friedhof. Zudem befanden sich auf den inzwischen nicht mehr existenten Friedhöfen Jüdischer Friedhof Ottensen und Jüdischer Friedhof am Grindel Gräber der Familie Fürst.[7][8] Die Schriftstellerin und Dichterin Dagmar Nick gibt in ihrem Buch Eingefangene Schatten – Mein jüdisches Familienbuch an, dass Heinrich Ruben Chajim Fürst portugiesischer, bzw. sephardischer Jude gewesen sei, und seine Vorfahren sich von Duques (Herzog) in Fürst umbenannten. In dem von Michael Brocke und dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut herausgegebenen Buch Verborgene Pracht: Der jüdische Friedhof Hamburg-Altona – Aschkenasische Grabmale wird davon ausgegangen, dass er und seine Familie aschkenasische Juden waren. Mit seiner Frau Sara (gest. 1. September 1666) hatte Fürst vier Söhne und zwei Töchter. Die Söhne hießen Salomon (Armenvorsteher und Kassenwart), Moses (gest. 1640), Nataniel, auch Netaniel (Gemeindevorsteher) und Jeremias (Rabbiner).[9] Moses Israel Fürst war ein Enkel von Chajim Fürst,[10] der Sohn seines Sohnes Moses und dessen Frau Bella. Da mehrere Nachfahren von Chajim Fürst sich mit Mitgliedern der Familie Goldschmidt verehelichten und Kinder zeugten, gehört auch Glückel von Hameln zu seinem erweiterten Familienkreis, die mit einem Goldschmidt verheiratet war. Literatur Max Grunwald: Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811, A. Jansen, Hamburg 1904, S. 5 (Digitalisat) David Jakob (auch Jacob) Simonsen: Eine Confrontation zwischen Glückel Hameln's Memoiren und den alten Hamburger Grabbüchern in Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 1905, S. 103 (PDF-Datei) Glückel von Hameln: Die Memoiren der Glückel von Hameln. Autorisierte Übersetzung von Bertha Pappenheim nach der Ausgabe von David Kaufmann, S. Meyer und W. Pappenheim, Wien 1910, S. 23, 30 und 141 (Digitalisat) Eduard Duckesz: Zur Geschichte und Genealogie der ersten Familien der hochdeutschen Israeliten-Gemeinden in Hamburg-Altona, Max Leßmann, Hamburg 1915, S. 7 (ab 1612), 8, 10, 31 und 38 (Digitalisat) Ulla Hinnenberg; Stadtteilarchiv Ottensen (Hrsg.): Die Kehille. Geschichte und Geschichten der Altonaer jüdischen Gemeinde. Dingwort, Hamburg 1996, ISBN 3-871-66-043-4. Glückel von Hameln: Die Memoiren der Glückel von Hameln. Aus dem Westjiddischen übersetzt von Bertha Pappenheim, Vorwort von Viola Roggenkamp. Beltz, Weinheim / Basel 2005, ISBN 978-3-407-22169-8. Michael Brocke (Hrsg.), Salomon Ludwig Steinheim-Institut (Hrsg.): Verborgene Pracht: Der jüdische Friedhof Hamburg-Altona – Aschkenasische Grabmale, Sandstein Kommunikation, Dresden 2009, u. a. S. 178 (Chajim), S. 179 (Sara), S. 180 (Salomon), ISBN 978-3940319333 Dagmar Nick: Eingefangene Schatten – Mein jüdisches Familienbuch, Kapitel Die Fürsts, C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-68148-6 (Leseprobe, Google Books) | FÜRST, Heinrich Ruben Chajim (I60359)
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| 3926 | Leben Irmingard heiratete Mitte Oktober 821 in Diedenhofen den karolingischen Mitkaiser Lothar I. (795–855). 834 erhielt sie die Abtei San Salvatore in Brescia. Zwei Jahre vor ihrem Tod, im Jahre 849, stiftete sie bei der Pfalz Erstein im Elsass eine Frauenabtei mit dem Patrozinium der Heiligen Maria und Cäcilia, als Geschenk hierzu erhielt sie aus Rom mehrere große Reliquienschätze. Ihre Tochter Rotrud wurde als erste Äbtissin eingesetzt. Nach ihrem Tode wurde Irmingard in der Abteikirche zu Erstein begraben; den Text zu ihrem Epitaph verfasste Hrabanus Maurus OSB.[2] Darstellung Die heilige Irmingard wird im fürstlichen Gewand dargestellt, zu ihren ikonografischen Heiligenattributen zählen die Krone, das Zepter und als Hinweis auf die Klosterstiftung ein Kirchenmodell. Ihr Gedenktag ist der 20. März. | VON TOURS, Irmingard (I11442)
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| 3927 | Leben Jacques de Castelnau-Bochetel war der dritte Sohn von Jacques de Castelnau de La Mauvissière und der Charlotte Rouxel de Médavy. Nach dem Tod seiner beiden älteren Brüder – Henri, der Älteste, war 1627 im Alter von 17 Jahren bei der Belagerung von La Rochelle gefallen, François wurde bei einem Duell in Paris getötet – war Jacques de Castelnau Erbe der Seigneurie de Breuilhamenon. Sein Vater, Jacques de Castelnau de La Mauvissière, erbte von seinem Großvater mütterlicherseits, Jacques Bochetel, die Seigneurie Breuilhamenon in Plou. Bedingung war, dass die Namen Castelnau und Bochetel zusammengelegt wurden. Jacques de Castelnau-Bochetels Urgroßvater väterlicherseits war der Diplomat Michel de Castelnau, Sieur de La Mauvissière. Militärkarriere Jacques de Castelnau-Bochetel trat mit 14 Jahren in die Armee ein und nahm als Freiwilliger am Feldzug in Holland teil. Bereits 1636 erhielt er im Alter von nur 16 Jahren die Inhaberstelle über ein neu aufgestelltes Infanterieregiment, das daher den Namen „Régiment de Castelnau“ führte.[1] Mit diesem Regiment konnte er sich noch im gleichen Jahr bei der Belagerung von Corbie und der Belagerung von La Capelle auszeichnen. Während dieser Belagerung geriet er in einen Hinterhalt und wurde gefangen genommen. Man verbrachte ihn in die Zitadelle von Cambrai, aus der er aber entkommen konnte. Im Jahre 1636 wurde er während der Belagerung von Le Catelet in der Picardie von zwei Musketenkugeln verwundet. Mehr als ein Jahr später stand er bei der Belagerung von Hesdin, als er von einer spanischen Musketenkugel getroffen wurde, die ihm ein Bein brach. Er zeichnete sich 1640 bei der Belagerung von Arras und der Belagerung von Aire aus. An der Seite von Maréchal Charles de La Porte, Duc de La Meilleraye, erwarb er den Ruf eines tapferen und verdienstvollen Soldaten. Kurz nach der Aufstellung des Régiment de Mazarin-Français durch den Kardinal Mazarin übergab es dieser an Castelnau, das von da an auch seinen Namen führte. Unter dem Oberbefehl von Louis II. de Bourbon, prince de Condé, diente er im Feldzug in Deutschland. Vom König 1644 zum „Maréchal de bataille“ ernannt, konnte er sich während der Schlacht bei Freiburg durch zwei bemerkenswerte Aktionen auszeichnen. In der einen konnte er mit seinen Männern eine strategisch wichtige Redoute wegnehmen, in der anderen hielt er seine angegriffene Stellung, obwohl er von fünf Musketenkugeln getroffen worden war. Im folgenden Jahr wurde er nach der Schlacht bei Nördlingen für die Wegnahme des Dorfes Alerheim per Brevet zum Maréchal de camp befördert. Im Jahre 1646 führte er den Sturm auf das belagerte Fort Mardyck und anschließend auf das ebenfalls belagerte Dünkirchen. Der König ernannte ihn 1648 zum Gouverneur von Brest und 1651 zum Lieutenant-général des armées du Roi. Am 9. Februar des gleichen Jahres wurde ihm von Ludwig XIV. jeweils als Chevalier des Ordre du Saint-Esprit und des Ordre du Saint-Michel ausgezeichnet. Im folgenden Jahr erhielt Jacques de Castelnau-Bochetel die Standeserhöhung der Seigneurie de Breuilhamenon zum Marquisat. Allerdings verschwanden die Namen Breuilhamenon und Bochetel jetzt – es gab für die Zukunft nur noch das Marquisat de Castelnau. Im Jahre 1656 wurde Jacques de Castelnau durch den Kardinal Mazarin zum Capitaine général ernannt. 1658 befehligte er in der Schlacht in den Dünen den linken Flügel der französischen Armee, der von einem englischen Kontingent unterstützt wurde. Beim Rückmarsch auf Dünkirchen vertrieb er die Spanier aus dem Fort Léon und ließ sogleich mit den Arbeiten zur Wiederherstellung der Wälle beginnen. Bei der Inspektion über den Fortgang der Arbeiten wurde er am 16. Juni 1658 von einer Musketenkugel getroffen, die im Körper steckenblieb. Am 20. Juni 1658 ernannte ihn der König für seine Verdienste zum Marschall von Frankreich. Jacques de Castelnau hatte nicht sehr viel von dieser hohen Ehre, er starb am 15. Juli 1658 an den Folgen seiner Verwundung. Sein Leichnam wurde nach Bourges überführt und dort in der Jakobinerkirche bestattet. Heirat und Nachkommenschaft Im März 1642 heiratete er Marie Girard de l’Espinay, sie hatten drei Kinder: Marie-Madeleine, gestorben im Alter von 12 Jahren Michel, Marquis de Castelnau Marie-Charlotte, ⚭ Antoine Charles de Gramont (Haus Gramont) Adelstitel Marquis de Castelnau Baron de Jonville et de La Mauvissière Seigneur de Poisieux, de Sainte-Lizaigne et de Saint-Georges Orden Chevalier des Ordre de Saint-Michel Chevalier des Ordre du Saint-Esprit Fußnoten Dieses Regiment kann allerdings nicht lange Bestand gehabt haben, da es in den französischen Militärakten nicht auftaucht. Literatur Père Anselme de Sainte-Marie, Père Ange de Sainte-Rosalie: Histoire généalogique et chronologique de la Maison Royale de France, des Pairs, grands officiers de la Couronne. Band 8. 3. Auflage. Libraires associéz, Paris 1733, S. 588 (Volltext in der Google-Buchsuche). La lignée des « Castelnau-Bochetel », seigneurs de Breuilhamenon de 1585 à 1647 (Memento vom 3. März 2016 im Internet Archive). In: Plou en Berry : histoires des lieux et des hommes. | DE CASTELNAU-BOCHETEL, Jacques (I61207)
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| 3928 | Leben Jean Henri de Moor stammte aus Wageningen bei Geldern in den Niederlanden, wuchs aber in Paris auf. Er betrieb dort erfolgreich eine Spiegelfabrik. 1683 ging er nach Kopenhagen, arbeitete als Goldschmied der dänischen Könige und wurde Vorstand des Konsistoriums der französisch-reformierten Kirche. 1694 wurde er Direktor einer Glasmanufaktur, löste aber 1695/96 das Geschäft auf und ging nach Berlin. 1696 unterzeichnete er einen Vertrag mit dem Kurfürsten Friedrich III., vertreten durch den Amtsverwalter Eberhard von Danckelmann (Eberhard Christoph Balthasar Freiherr von Danckelman (* 23. November 1643 in Lingen (Ems); † 31. März 1722 in Berlin; auch Danckelmann geschrieben) war Hauslehrer des ersten preußischen Königs, brandenburgischer Minister, preußischer Oberpräsident (= Premierminister) und Reichsfreiherr.) , durch den er Direktor und Teilhaber der 1688 gegründeten Spiegelmanufaktur in Neustadt/Dosse wurde und gründete dort eine französische Kolonie. 1708 wurde er Pächter der Fabrik, ab 1711 zusammen mit seinem Sohn Johann Heinrich.[1] Er wurde zum Hofrat ernannt. Sein Teilhaber wurde sein Schwiegersohn Henri Colomb, der aber bereits 1719 starb. Als die Fabrik 1720/21 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, wurden er, sein Sohn Johann Heinrich und sein Enkel Johann Heinrich Colomb in (Berlin)-Spandau für einige Monate in Schuldhaft gesetzt. Seinem Sohn Johann Heinrich überließ König Friedrich Wilhelm I. 1721 die Fabrik. Johann Heinrich Colomb wurde Gesellschafter und, nachdem Johann Heinrich de Moor 1733 starb, alleiniger Besitzer. Jean Henri de Moor war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit einer geborenen Taher aus Paris, über die nichts weiter bekannt ist, in zweiter Ehe mit Marie Schalck. Er hatte insgesamt 12 Kinder. Der Sohn Jean Henri (Johann Heinrich) und die Töchter Madelaine und Elisabeth wurden in Paris geboren, die Tochter Catherine in Kopenhagen. | DE MOOR, Jean Henri (I48799)
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| 3929 | Leben Jeanrenaud war der Sohn des französisch-reformierten Predigers in Frankfurt am Main, Franz August Jeanrenaud (1788–1819) und dessen Ehefrau Elisabeth Wilhelmine Souchay (1796–1871). Seine Schwester Cécile Mendelssohn Bartholdy heiratete Felix Mendelssohn Bartholdy. Jeanrenaud, der evangelisch-reformierter Konfession war, heiratete die Enkelin von Johann Wolfgang Textor, Johanna von Biehl. Jeanrenaud studierte Rechtswissenschaften, wurde zum Dr. jur. promoviert. und wurde Advokat in Frankfurt am Main. Dort war er von 1857 bis 1864 auch Rat beim Appellationsgericht Frankfurt am Main. Von 1845 bis 1848, 1851 und erneut von 1857 bis 1858 war er Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung der Freien Stadt Frankfurt. Er ist im Familiengrab auf der Frankfurter Hauptfriedhof bestattet. Das Familiengrab steht als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz. Literatur Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 200. Karl-Heinz Hartmann, Die Hartmanns. Genealogie einer hessischen Familie. XIV Generationen (1610–2010), Frankenberg (Eder), 2010, S. 24. | JEANRENAUD, Carl (I60808)
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| 3930 | Leben Joachim war der Sohn des brandenburgischen Kurfürsten Johann Cicero. Von 1490 bis 1498 wurde er in den fränkischen Stammlanden des Hauses Hohenzollern erzogen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm der damals erst fünfzehnjährige Joachim 1499 entgegen anders lautenden Bestimmungen der Goldenen Bulle gemeinsam mit seinem zehnjährigen Bruder Albrecht die Regierung, zunächst unter der Vormundschaft seines Onkels, Markgraf Friedrich V. von Ansbach-Kulmbach. Die gemeinsame Regierung der Brüder währte bis 1513, als Albrecht Erzbischof von Magdeburg wurde. Nachdem Albrecht 1514 zusätzlich die Erzbischofswürde in Mainz erlangte, verfügte das Haus Hohenzollern über zwei Stimmen im Kurfürstenkolleg, wobei der Mainzer Kurfürst als Erzkanzler des Reiches zudem eine besonders herausgehobene Position innehatte. Als Landesherr zeigte sich Joachim entschlossen, teilweise rücksichtslos und vielseitig interessiert. Die Rücksichtslosigkeit zeigte sich vor allem in strenger Gesetzgebung und der damit verbundenen Exekutive. Bedeutsam ist die 1506 erfolgte Gründung der Brandenburgischen Universität Frankfurt. Ebenso hervorzuheben ist das einheitliche Erbrecht, das Joachim seinen Ländern 1527 mit der Constitutio Joachimica gab und das sich stark am Römischen Recht orientierte. Seit seiner Regierungsübernahme kämpfte er zudem entschlossen und ohne Nachsicht gegen das Raubrittertum, wodurch er zugleich die Macht der Hohenzollern gegen die einheimischen Adelsgeschlechter stärkte; so ließ er 1506 siebzig Raubritter, darunter vierzig Adlige, hängen.[1] 1524 konnte Joachim nach dem Tod des Grafen Wichmann von Lindow-Ruppin die ursprünglich vermutlich reichsunmittelbare Herrschaft Ruppin als angeblich „erledigtes Lehen“ einziehen und mit der Mark Brandenburg vereinigen. Schon seit Generationen versuchten die Hohenzollern, ihren Anspruch auf das benachbarte Herzogtum Pommern und damit auf die Ostseeküste mit ihren einträglichen Hansestädten zu untermauern; Herzog Bogislaw X. war 1479 sogar gezwungen worden, den Brandenburgern einen Lehnseid zu leisten, konnte jedoch auf dem Reichstag zu Worms (1521) durch Ausstellung eines kaiserlichen Lehnsbriefes die Anerkennung Pommerns als Reichsfürstentum erwirken. Nach dessen Tod 1523 bedrohte Joachim Bogislaws Söhne und Nachfolger Georg I. und Barnim IX. militärisch; 1529 ließ er sich von ihnen schließlich im Vertrag von Grimnitz für den Falle des Erlöschens des Greifenhauses im Mannesstamm die pommersche Erbfolge zusichern (was schließlich 1637 zum Erwerb zumindest von Hinterpommern führen sollte). Dafür erhielt Georg die Hand von Joachims Tochter Margareta und zugleich die brandenburgische Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit. Vor der Kaiserwahl 1519 trat Joachim I. zunächst als Parteigänger des französischen Königs Franz I. auf, um seine Stimme schließlich doch dem Habsburger Karl V. zu geben. Religionspolitisch war Joachim ein erbitterter Gegner der Reformation, die sein Bruder, Kardinal Albrecht, mit seinem Ablasshandel unfreiwillig mit ausgelöst hatte. Seine Ehefrau, die dänische Prinzessin Elisabeth, dagegen neigte der lutherischen Lehre zu und floh 1528 vor ihrem Mann nach Wittenberg. Unter seiner Herrschaft kam es zudem zu einer brutalen Judenverfolgung. 1503 beabsichtigte Joachim I. auf Drängen der Landstände die Juden aus der Mark auszuweisen.[2] 1510 verurteilte das Berliner Hochgericht über dreißig Juden zur Verbrennung.[3] (s. Berliner Hostienschänderprozess) Sein Hofastrologe Johann Carion veranlasste den Kurfürsten, im Jahre 1525 vor einer von ihm angekündigten Sintflut auf den Kreuzberg (zu dieser Zeit Tempelhofer Berg) zu flüchten.[4] Der historische Roman Am Himmel wie auf Erden von Werner Bergengruen behandelt dieses Ereignis. Der Kurfürst war an okkulten Wissenschaften interessiert und stand in Verbindung mit Johannes Trithemius. In seinem 1534 verfassten Testament hielt Joachim seine Erben an, die Mark Brandenburg für alle Zeiten dem katholischen Glauben zu erhalten. Unter Verstoß gegen das von seinem Großvater Albrecht Achilles aufgestellte Hausgesetz (Dispositio Achillea) bestimmte er, dass Teile der Neumark an seinen zweiten Sohn, Johann fallen sollten.[5] In der Kurwürde folgte ihm sein ältester Sohn Joachim II. Da Johann jedoch ohne Söhne starb, konnte das Land unter dem Enkel Joachims I., dem Kurfürsten Johann Georg wieder vereinigt werden. | (BRANDENBURG), Joachim I. (I61267)
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| 3931 | Leben Johann Christian August Heyse studierte von 1783 bis 1786 in Göttingen[2] Theologie und Pädagogik und wurde danach ab 1792 Lehrer am Gymnasium in Oldenburg. Im Jahr 1807 wechselte er als Rektor am Gymnasium und Direktor einer im Aufbau befindlichen Töchterschule nach Nordhausen. 1819 schließlich wurde er Direktor der höheren Töchterschule in Magdeburg und blieb dort bis an sein Lebensende. Die Universität Greifswald verlieh ihm 1824 die philosophische Doktorwürde.[3] Er wohnte an der Adresse Fürstenwallstraße 6.[4] Werke Die wichtigsten Veröffentlichungen Heyses waren seine Theoretisch-praktische deutsche Grammatik (und ihre verschiedenen Kurzfassungen) und sein ebenfalls in vielen Auflagen erschienenes Fremdwörterbuch. Im Wörterbuch werden Fremdwörter sowohl erklärt als auch verdeutscht, deshalb wird es auch als erklärend-verdeutschendes Wörterbuch bezeichnet.[5][6] Das Wörterbuch erschien zum ersten Mal im Jahre 1804, im Jahre 1922 erschien die 21. Auflage. Es wurde inzwischen mehrfach neu bearbeitet.[7][5] Familie Seine Söhne Karl Wilhelm Ludwig Heyse, Theodor Friedrich Heyse und Gustav Ferdinand Heyse waren zu ihrer Zeit ebenfalls renommierte Wissenschaftler. | HEYSE, Johann Christian August (I60937)
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| 3932 | Leben Johann Daniel Souchay entstammte dem Frankfurter Zweig der hugenottischen Familie Souchay. Er war das zweite Kind und älteste Sohn des Tuchgroßhändlers Cornelius Carl Souchay (1768–1838) und dessen Frau Helene, geb. Schunck (1774–1851). Benannt wurde er nach seinem Großvater, dem Prediger in der Frankfurter französisch-reformierten Gemeinde Jean-Daniel Souchay de la Duboissière (1736–1811). Der Frankfurter Politiker Eduard Souchay (1800–1872) war sein jüngerer Bruder, Cécile Mendelssohn Bartholdy seine Nichte. Johann Daniel wuchs in einem kultivierten Elternhaus auf. Sein Vater förderte die Künste, der Salon seiner Mutter in der Villa am Fahrtor war ein gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt seiner Heimatstadt. Von 1814 bis 1817 erhielt Johann Daniel Souchay in der Schweiz und in Mailand eine kaufmännische Ausbildung. 1817 trat er in das Familienunternehmen ein und zog nach Manchester. Die Familie setzte früh auf die rasant zunehmende Bedeutung englischer Baumwollstoffe und der Eisenbahn (Liverpool and Manchester Railway) und wurde dadurch zu einer „der reichsten anglo-deutschen Handelsfamilien der Mitte des 19. Jahrhunderts“.[1] 1839 heiratete er in Leipzig seine Cousine Thekla, geb. Schunck (1809–1876). In Didsbury bei Manchester ließ er das großzügige Eltville House als Familienwohnsitz errichten. 1842 machte Felix Mendelssohn Bartholdy auf seiner Englandreise hier Station. Schloss Eckberg 1859 erwarb er ein Grundstück am Elbhang bei Dresden, nahe bei Verwandten seiner Frau, die ein Anwesen in Briesnitz besaßen. Souchay ließ nach Plänen von Christian Friedrich Arnold eine Villa im Stil der Tudorgotik errichten, das heutige Schloss Eckberg, eins der drei Elbschlösser. Das Anwesen, das die zeitgenössische lokale Presse als „nach englischem Geschmack“ beschrieb, war „das eindrucksvollste Baudenkmal des kosmopolitischen Kapitalismus“ der Familie.[2] Wie andere Mitglieder der Familie verband Johann Daniel Souchay „Kapitalbildung mit Lebensgenuss und Wohltätigkeit“.[3] Er verwendete einen Teil seines großen Vermögens für Wohltätigkeitsstiftungen in Loschwitz und erwarb sich um die Entwicklung dieses Ortes große Verdienste. 1860 und 1862 kaufte er zwei weitere Weinberge hinzu; 1861 erwarb er auch das Mohrenhausanwesen in der Niederlößnitz und verkaufte es 1866 weiter. Johann Daniel und Thekla Souchay blieben kinderlos. Nach Theklas Tod erbte ihre unverheiratete Schwester Cornelie Schunck (1821–1910), die schon dort gewohnt hatte, das große Haus; sie verkaufte Schloss Eckberg 1883 an Arthur Bruno Wunderlich, der sein Vermögen ebenfalls im Baumwollhandel erworben hatte. Zum Zeitpunkt der Testamentseröffnung wurde Johann Daniel Souchays Vermögen, vor allem Beteiligungen, als etwa 120.000 £, damals über 2 Millionen preußische Taler, beziffert. Davon erhielt seine Witwe 700.000 Taler; jedes seiner Geschwister 220.000 Taler; seine Schwägerin und Neffe je 20.000 Taler, seine Nichten je 10.000 Taler, andere Verwandte insgesamt 50.000 Taler, Wohltätigkeitseinrichtungen 45.000 Taler, seine Dienerschaft 5000 Taler.[4] Erinnerung Grabmal Das Grab von Johann Daniel und Thekla Souchay auf dem Loschwitzer Friedhof ist erhalten und steht unter Denkmalschutz. Von 1904 bis 1946 erinnerte die Souchaystraße in Loschwitz an John Daniel Souchay. Schon im Ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen, die Straße umzubenennen, da sie nach einem Engländer benannt sei. Dies wurde jedoch unter Hinweis darauf, dass Souchay Wohltäter der Gemeinde gewesen sei, abgelehnt. 1946 wurde sie in Tolstoistraße umbenannt.[5] Literatur Otto Döhner: Das Hugenottengeschlecht Souchay de la Duboissière und seine Nachkommen. (= Deutsches Familienarchiv 19) Neustadt a.d. Aisch: Degener 1961 Guenther Roth: Max Webers deutsch-englische Familiengeschichte 1800–1950, mit Briefen und Dokumenten. Mohr Siebeck, Tübingen 2001, ISBN 3-16-147557-7 | SOUCHAY, Johann Daniel (I60790)
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| 3933 | Leben Johann Georg Schlosser stammte aus einer bürgerlichen Frankfurter Familie. Sein Vater Carl Erasmus Schlosser (1696–1773) saß im Frankfurter Rat, die Mutter Susanna Maria Orth (1703–1789) war Tochter einer angesehenen Kaufmannsfamilie. Sein Bruder Hieronymus Peter Schlosser (1735–1797) wurde Stadtpolitiker in Frankfurt. Schlosser besuchte das Städtische Gymnasium in Frankfurt. Als Schüler galt sein besonderes Interesse den klassischen Sprachen. Außerdem interessierte er sich für die zeitgenössische deutsche Literatur. Er studierte Jura in Jena (ab 1758) und Altdorf (ab 1760). Mit einer Dissertation über das Vormundschaftsrecht von Frankfurt am Main schloss er 1762 ab und wurde Doktor der Rechte. Anschließend praktizierte er als Rechtsanwalt in Frankfurt. Ab 1766 war er Geheimsekretär des späteren Herzogs Friedrich Eugen von Württemberg in Treptow an der Rega, wo dieser Befehlshaber eines preußischen Regiments war. 1769 wurde Schlosser wieder Advokat in Frankfurt. Dort schrieb er 1771 seinen Katechismus der Sittenlehre für das Landvolk. Dieser stand im Gegensatz zu dem von Staat und Kirche vertretenen Erziehungswesen, machte ihn deshalb unter den aufgeklärten Intellektuellen des Landes bekannt und wurde unter anderem von Christoph Martin Wieland hoch gelobt. Er wurde 1773 Jurist und Schriftsteller in Emmendingen und markgräflich-badischer Hof- und Regierungsrat in Karlsruhe. Am 1. November 1773 heiratete er Goethes Schwester Cornelia. Ab 1774 war er Oberamtsverweser und Oberamtmann in der badischen Markgrafschaft Hochberg mit Residenz in Emmendingen. In den Emmendinger Jahren setzte er sich vor allem für Reformen in der Landwirtschaft sowie im sozialen Bereich ein. Zudem wirkte er als Förderer des Bergbaus und unterstützte den Bau von Fabriken. Bei seinen Reformbemühungen stand er nicht selten im Gegensatz zu seinem Landesherren, dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden und dessen Regierung in Karlsruhe. Nachdem Cornelia Schlosser bereits 1777 gestorben war, vermählte er sich im September 1778 mit der Frankfurterin Johanna Fahlmer (1744–1821)[1], Tochter des Kaufmanns und Kommerzienrats Georg Christoph Fahlmer (1687–1759) aus zweiter Ehe[2], der Vertrauten Goethes in dessen Erlebnissen und inneren Kämpfen während seiner Sturm-und-Drang-Periode. Schlossers Wohnsitz 1774–1787 in Emmendingen (heute Stadtbibliothek) Schlosser unterhielt Kontakte zu Wissenschaftlern und Denkern nicht nur im südwestdeutschen Raum des damaligen Reiches, sondern auch zu solchen in der Schweiz und im Elsass wie Johann Caspar Lavater, Isaak Iselin (Illuminat) oder Gottlieb Konrad Pfeffel. Auch der Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz war einige Zeit Schlossers Gast in Emmendingen; oder besser: Der zeitweise geistig verwirrte und schwierige frühere Weggenosse Goethes in gemeinsamen Sturm-und-Drang-Zeiten wanderte nach seinem von Goethe veranlassten Verweis aus Weimar nach Emmendingen und suchte Zuflucht bei Schlosser. Goethe selbst besuchte Schlosser in Emmendingen in den Jahren 1775 und 1778. Ein letztes Mal trafen sich die beiden 1793 in Heidelberg. In Dichtung und Wahrheit schildert Goethe kurz sein Verhältnis zu Schlosser. Im Katechismus der christlichen Religion für das Landvolk griff der Aufklärer 1776 wieder die protestantische Geistlichkeit an, weshalb diese Schrift in Frankfurt auf den Index gesetzt und verbrannt wurde. In Xenocrates, oder über die Abgaben aus dem Jahre 1784 setzt er sich kritisch mit den Lehren der Physiokraten auseinander, die unter anderem in Schlossers Landesherrn, dem Markgrafen Karl-Friedrich von Baden, einen gewichtigen Anhänger hatten. 1782/83 wurde er in den Illuminatenorden mit dem Namen ‚Dion/Mahomed‘ aufgenommen und hier sogenannter ‚Provinzial‘ von Schwaben, einer Region, die im Orden ‚Pannonien‘ genannt wurde. 1787 wurde er Provinzial von Freiburg/Breisgau unter dem Ordensnamen ‚Euclides‘. Schlosser reiste mehrfach in die Schweiz und verbrachte 1783 auch längere Zeit in Wien. Er war Mitglied der Wiener Freimaurerloge Zur wahren Eintracht. 1785 wurde er von der Freimaurerloge Zur edlen Aussicht in Freiburg im Breisgau zum ersten Meister vom Stuhl berufen und 1786 Mitglied der Wiener Loge ‚Zur Wahrheit‘ sowie anschließend bis 1794 Meister vom Stuhl der Loge ‚Karl zur Einigkeit‘ in Karlsruhe. Im Jahre 1787 wurde er als Geheimer Archivar und geheimer Hofrat in Rastatt und später nach Karlsruhe in die Landesregierung versetzt. 1790 wurde er dort zum Direktor des Hofgerichtes und Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Wegen andauernder Differenzen mit der Karlsruher Regierung schied er 1794 aus dem badischen Dienst aus. Anlass zu seiner Demission war die direkte Intervention des Markgrafen Karl-Friedrich in ein laufendes Gerichtsverfahren. Nach einer Zwischenstation in Ansbach lebte Schlosser ab 1796 als Privatgelehrter in Eutin, wo er unter anderem Kontakte mit Johann Heinrich Voß und Friedrich Leopold zu Stolberg pflegte. Seine Tochter Luise heiratete hier 1796 Georg Heinrich Ludwig Nicolovius. Bereits in seinen letzten Karlsruher Jahren, aber auch von Ansbach und Eutin aus, setzte sich Schlosser kritisch mit Immanuel Kant auseinander. Er lehnte dessen Philosophie als lebensfremd, vernunftlastig und ethisch bedenklich ab. Seine Angriffe auf Kant beantwortete dieser unter anderem mit den Schriften Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philosophie (1796) und Verkündigung des nahen Abschlusses eines Traktats zum ewigen Frieden in der Philosophie (1796). Schlossers polemische Repliken auf diese Arbeiten führten dazu, dass diese von Kants Anhängern, unter anderem auch von Friedrich Schlegel, heftig angegriffen wurden. 1797 wurde er Syndikus in Frankfurt am Main. In seiner Zeit war Schlosser auch ein bedeutender Übersetzer, vor allem aus dem Griechischen. So übersetzte er unter anderem Platon, Aristoteles, Xenophon, Thukydides, Aischylos, Euripides, Aristophanes, Homer und Kallimachos. Herausragend war seine Übertragung von Aristoteles’ Politik (1798). 1798 kehrte Schlosser nach Frankfurt zurück und wurde vom Rat der Stadt zum Syndikus gewählt. Sein Arbeitsbereich war vor allem die Frankfurter Außenpolitik. Werke Religionsbüchlein für die Kinder des Landvolks. Altona und Hamburg, 1776 (Digitalisat) Vorschlag und Versuch einer Verbesserung des deutschen bürgerlichen Rechts ohne Abschaffung des römischen Gesezbuchs. Leipzig 1777. Ueber Pedanterie und Pedanten, als eine Warnung für die Gelehrten des XVIII. Jahrhunderts. Basel 1787. Mit e. Nachbemerkung hrsg. v. Alexander Košenina. Revonnah Verlag Hannover. ISBN 3-927715-74-3. Briefe über die Gesezgebung überhaupt, und den Entwurf des preusischen Gesezbuchs insbesondere. Johann Georg Fleischer, Frankfurt 1789. MDZ Reader Trivia Seit 2010 sind die Stadtbusse in Emmendingen nach bekannten Persönlichkeiten benannt, die in der Stadt geboren wurden bzw. dort vorübergehend lebten und wirkten, unter anderem Cornelia Goethe, Jakob Michael Reinhold Lenz und Johann Georg Schlosser. Der Name Schlosser ist seitlich am Bus angebracht; ergänzt um eine biographische Kurzinformation. | SCHLOSSER, Dr. jur. Dr. jur. Johann Georg (I24930)
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| 3934 | Leben Johann wurde als dritter Sohn von König Christian I. und dessen Gemahlin Dorothea von Brandenburg am 2. Februar 1455 im Schloss Aalborghus im Norden Jütlands geboren. Seine beiden älteren Brüder waren bereits vor seiner Geburt als Kleinkinder verstorben. Seine überlebenden jüngeren Geschwister waren Margarethe, die den schottischen König Jakob III. heiratete und Urgroßmutter von Maria Stuart wurde, und der fünfzehn Jahre jüngere Friedrich, der 1523–1533 ebenfalls König von Dänemark und Norwegen war. Johann wurde bereits 1456 als Einjähriger zum Thronfolger in Dänemark vom dänischen Reichsrat und 1458 auch vom norwegischen und vom schwedischen Reichsrat zum Thronfolger gewählt.[1] | VON DÄNEMARK NORWEGEN UND SCHWEDEN, Johann I. (I61269)
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| 3935 | Leben Jordan war der drittgeborene Sohn einer nach Berlin eingewanderten Familie südostfranzösischer Hugenotten aus der Dauphiné.[1] Er studierte auf Wunsch des Vaters zunächst Theologie in Magdeburg und dann in Genf und Lausanne (1719–1721) und übernahm anschließend Pfarrstellen in Potzlow in der Uckermark (1724–1727) und in Prenzlau (1727–1732). Während dieser Jahre veröffentlichte er unter anderem eine lateinische Studie über Giordano Bruno[2] und eine Sammlung von Schriften zur Literatur, Philosophie und Geschichte.[3] Nach dem Tod seiner Frau Susanne geb. Perrault († 1732), mit der er seit 1727 verheiratet gewesen war und zwei Töchter hatte, gab er sein Predigeramt auf und ließ sich in Berlin nieder. Von dort aus unternahm er Bildungsreisen nach Frankreich, England und Holland, wo die Ideen der Aufklärung entwickelt wurden. Hier knüpfte er Beziehungen zu dortigen Gelehrten an, wovon unter anderem seine Histoire d'un voyage littéraire, fait en 1733 (Den Haag 1735) berichtet. Etwa ein Jahr lang wirkte er als Erzieher des Freiherrn Knyphausen in Frankfurt (Oder). Auf Vermittlung des früheren kursächsischen Kabinettsministers Ernst Christoph von Manteuffel rief ihn 1736 der damalige Kronprinz Friedrich zu sich nach Rheinsberg und machte ihn zu seinem Bibliothekar und Sekretär. Bald entstand eine enge Vertrauensbeziehung zwischen beiden. Zu den Aufgaben Jordans gehörte die Korrektur der französischen Korrespondenzen und Schriften des Kronprinzen, außerdem fertigte er für ihn die französische Übersetzung einer Schrift des von Friedrich geschätzten Aufklärers Christian Wolff an. Als Friedrich, der 1738 in Braunschweig in den Bund der Freimaurer aufgenommen worden war, 1739 in Rheinsberg seine eigene Hofloge gründete (Loge première, dann Loge du Roi), aus der 1740 dann in Berlin die Stadtloge Aux trois Globes („Zu den drei Weltkugeln“) hervorging, gehörte Jordan zusammen mit einigen Adeligen aus dem engsten Freundeskreis des Kronprinzen zu den ersten Mitgliedern. Während seiner Tätigkeit am Hof Friedrichs setzte Jordan auch die eigenen Studien fort. Auf seinen Wunsch erwarb Friedrich für ihn die Korrespondenz des zum Protestantismus übergetretenen Benediktiners Maturin Veyssière de La Croze (1661–1739), den Jordan persönlich kannte und als eine Art Lehrer betrachtete. Jordan begann in Rheinsberg eine Biographie La Crozes,[4] veröffentlichte eine Übersicht der Briefe (Conspectus thesauri epistoloci Lacroziani, Berlin 1741) und ließ den Text der Briefe von Johann Ludwig Uhl (1714–1790) im Druck herausgeben (Leipzig 1742–46, 3 Bde.). 1740 wurde Jordan Kurator aller preußischen Universitäten sowie Oberaufseher der Waisenhäuser und Hospitäler Berlins. Er richtete in Berlin ein Arbeitshaus für rund tausend Arbeitslose und Bettler ein, teilte zur Verbesserung der Sicherheit die Stadt nach Pariser Vorbild in Polizeireviere ein und verbesserte durch Einführung des Droschkenwesens auch das Verkehrswesen. 1744 berief der König ihn noch zum Vizepräsidenten der erneuerten Akademie der Wissenschaften, doch konnte er in diesem Amt wegen seines frühen Todes keine große Wirkung mehr entfalten. Literatur Jens Häseler: Ein Wanderer zwischen den Welten: Charles Etienne Jordan (1700-1745). (= Beihefte der Francia, 28). Thorbecke, Sigmaringen 1993, ISBN 3-7995-7328-3 (Online) Theodor Hirsch: Jordan, Charles Etienne. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 504–506. Gustav von Jordan, Louis von Jordan: Chronik der Familie Jordan. Berlin 1902 Charles Étienne Jordan Histoire de la vie et des ouvrages de Mr. La Croze Biographie über Maturin Veyssière de La Croze (französisch). Gerhard Knoll: Jordan, Charles Etienne. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 599–600 (deutsche-biographie.de). | JORDAN, Charles Étienne (I60972)
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| 3936 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60302)
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| 3937 | Leben Joseph Günzburg war ein Mitglied der jüdisch-russischen Händlerfamilie Günzburg. Er war der Sohn von Gabriel Günzburg (1793–1853), der Vater von Horace Günzburg (1833–1909) und der Großvater von Alexander von Günzburg (1863–1948). Nachdem Günzburg im Krimkrieg reich geworden war, gründete er 1859 in Sankt Petersburg eine Bank und engagierte sich für die Belange der Juden im Russischen Reich. Im November 1861 wurde er von der russischen Regierung zum Mitglied einer Kommission ernannt, die sich mit Fragen der jüdischen Religion im Russischen Reich beschäftigte und fünf Monate tagte. Günzburg setzte sich für eine Anhebung des Bildungsstands der Juden im Russischen Reich ein und gründete deshalb mit Erlaubnis der Russischen Regierung 1863 die Gesellschaft zur Förderung der Kultur unter den Juden, deren Präsident er bis zu seinem Tod war. Dank Günzburgs Bemühungen wurde 1874 eine allgemeine vierjährige Wehrpflicht eingeführt, die auch für Juden galt. In Vilnius, der Heimatstadt seines Vaters, richtete er eine Stiftung für die Talmud Torah-Schulen ein. Nachdem bereits sein Sohn Horace Günzburg am 9. November 1870 von Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein in den erblichen Freiherrnstand des Großherzogtums Hessen erhoben worden war, erfolgte dieser Schritt für Joseph Günzburg und seine anderen Söhne am 2. August 1874. 1879 gestattete Zar Alexander II. der Familie Günzburg den Adelstitel Baron im russischen Kaiserreich zu führen.[1] Sie wurde so die einzige geadelte jüdische Familie Russlands.[2] Siehe auch Günzburg (Familie) | GÜNZBURG, Joseph (I61154)
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| 3938 | Leben Joseph Settegast erhielt in den Jahren von 1829 bis 1831 seine erste Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf. Er wechselte jedoch, unzufrieden mit den Bedingungen in Düsseldorf, zu Philipp Veit an das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt am Main, wo er bis 1838 blieb. In dieser Zeit entstanden Altar-, Andachts- und Familienbilder. 1835 malte er – zusammen mit seinem Studienkollegen Johann Franz Brentano – das von Veit entworfene Altarbild in der Kirche St. Peter und Paul in Camberg im Taunus.[1] Den Italienaufenthalt von 1838 bis 1843 nutzte er zu mehreren Studienreisen. Von Mitte Oktober 1838 bis Anfang Mai 1843 wohnte er in Rom. Dort wurde er Mitglied des „Komponiervereins“ der Nazarener. An den „Cervarofesten“ der Ponte-Molle-Gesellschaft nahm er 1841 und 1842 teil, 1841 als „Wolkenschieber“.[2] Nach seiner Rückkehr lebte Settegast bis 1849 in Frankfurt am Main, wo er 1844 Dorothea (1822–1897), die Tochter seines Lehrers Philipp Veit, heiratete. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor. 1850 zog die Familie nach Koblenz, 1860 nach Mainz um. Settegast erhielt Aufträge zur Ausmalung und Ausgestaltung zahlreicher Kirchen: in der Maxkirche in Düsseldorf, in St. Kastor in Koblenz, in St. Lubentius in Kobern-Gondorf, im Mainzer Dom, in St. Aegidii in Münster, in St. Ansgar in Kopenhagen (die heutige Domkirche) und in anderen Kirchen. Außerdem malte er Andachtsbilder und Porträts. Für den Verein zur Verbreitung religiöser Bilder entwarf er weit verbreitete Heiligenbilder. Settegast blieb zeitlebens vom Nazarenertum geprägt, stellte seine Kunst in den Dienst der katholischen Kirche und erwarb sich über Deutschland hinaus den Ruf eines Kirchenmalers. Literatur Karl Georg Bockenheimer: Settegast, Joseph Anton. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 48. Settegast, Joseph. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 30: Scheffel–Siemerding. E. A. Seemann, Leipzig 1936, S. 537 (biblos.pk.edu.pl). Clemens-Sels-Museum (Hrsg.): Joseph Anton Nikolaus Settegast 1813–1890. Retrospektive zum 100. Todestag eines Spätnazareners. Neuss 1990. | SETTEGAST, Joseph Anton Nikolaus (I60763)
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| 3939 | Leben Josephs von Sonnenfels’ Vater Lipman Perlin (1705–1768), ein Sohn des Landesrabbiners von Brandenburg, war zunächst als Übersetzer und Lehrer orientalischer Sprachen in Nikolsburg tätig gewesen. 1734 ging er nach Wien und konvertierte im folgenden Jahr mit seinen drei Söhnen zum Katholizismus. Er nahm den Namen Alois Wienner an und wurde 1746 zum Freiherrn von Sonnenfels geadelt. Joseph von Sonnenfels lernte bei seinem Vater Hebräisch und besuchte dann die Schule der Piaristen in seiner Geburtsstadt, zunächst mit der Absicht, Geistlicher zu werden. Später entschied er sich für eine Laufbahn als Soldat und diente ab 1749 im Deutschmeisterregiment in Klagenfurt und Wien. Nach seiner Entlassung studierte er in Wien Rechtswissenschaften und arbeitete als Gehilfe beim Grafen Adam Franz von Hartig, Hofrat der Obersten Justizstelle. Gleichzeitig unternahm Sonnenfels erste literarische Versuche und machte sich Hoffnungen auf eine Professorenstelle an der Universität Wien. 1763 zum Professor für „Polizey- und Kameralwissenschaft“ der Universität Wien berufen, entfaltete Sonnenfels eine reiche publizistische Tätigkeit im Sinne der Aufklärung, die zum Teil auch literarische Belange berührte. So gab der Gelehrte ein Wochenblatt heraus (Der Mann ohne Vorurtheil, 1765–1767) und hat durch seine Briefe über die wienerische Schaubühne (Wien 1768, 4 Bände) zur Reform des Wiener Theaterlebens beigetragen,[1] dessen künstlerischen und moralischen Zustand er kritisierte. Auch wenn die kaiserliche Theaterzensur von 1790 maßgeblich politische Gründe hatte, trug Sonnenfels’ Kritik mit zu ihrer Einführung bei. Erfolgreich zeigte sich Sonnenfels auch in seinen Beiträgen zur Justiz- und Verwaltungsreform. Nachdem sich der Aufklärer in seiner Schrift Über Abschaffung der Tortur (Zürich 1775) entschieden gegen die Folter ausgesprochen hatte, wurde diese mit Anfang Januar 1776 in ganz Österreich tatsächlich abgeschafft – eine Pioniertat für Europa. Im selben Jahr 1776 reformierte Sonnenfels als Direktor der Illuminationsanstalt die öffentliche Beleuchtung der Stadt Wien mit Öllampen. Später wurde er von Maria Theresia zum Rat, 1779 zum Wirklichen Hofrat bei der Geheimen böhmischen und österreichischen Hofkanzlei und zum Beisitzer der Studien- und Zensurkommission sowie 1810 zum Präsidenten der K. k. Akademie der bildenden Künste ernannt. Sonnenfels war Mitglied der Freimaurerlogen Balduin in Leipzig und später Zur wahren Eintracht in Wien. 1784 wurde er Großmeister der Distriktloge Zur wohltätigen Eintracht. Auch war er Mitglied der Wiener Illuminaten um Ignaz von Born und gilt als deren Wiener Oberhaupt. Zu seinen bedeutendsten Bekannten zählten Ludwig van Beethoven, der Sonnenfels seine Klaviersonate in D-Dur op. 28 widmete, und Wolfgang Amadeus Mozart.[2] Verhältnis zur Sprache und zum Josephinismus Joseph von Sonnenfels war ein vehementer Verfechter der neuen hochdeutschen Schriftsprache, wie sie von Johann Christoph Gottsched 1748 etabliert worden war, und verurteilte den Gebrauch des Dialekts sowohl im offiziellen wie auch im privaten Bereich. So beanstandete er etwa 1784 in Bezug auf die Wiener, dass „die best gekleidete Dame der höheren Gesellschaft so pöbelhaft rede wie ihre Küchenmagd“. Durch seinen Hang zum Formalismus konnte er sich dem Josephinismus anpassen.[1] Im Gegensatz zu Gottsched befürwortete Sonnenfels jedoch eine pragmatischere und weniger puristische Vorgehensweise und hat dadurch gewisse Grundsteine für eine eigenständige österreichische Beamten- und Verwaltungssprache gelegt, die einige Elemente aus dem Vokabular und der Grammatik der in Österreich gesprochenen bairischen Dialekte aufnahm. Andererseits war gerade dieses „verösterreichischte“ Deutsch wieder ein sprachpolitisches Instrument, das später auch nicht-deutschsprachigen Untertanen des Habsburger Reiches aufgedrängt wurde und so zu Spannungen führte.[3] Die Wirkung auf das deutsche Nationaltheater wird dagegen eher positiv beurteilt.[1] Verhältnis zum Judentum Joseph von Sonnenfels entstammte einer mährisch-jüdischen Familie. Sein Vater hatte noch zeitweise in der jüdischen Gemeinde von Eisenstadt gelebt, bevor er 1735 mit seinen drei Söhnen zum Katholizismus konvertierte und 1746 als Freiherr von Sonnenfels geadelt wurde. Die mährischen und böhmischen Juden hielten auch während der Kriege Maria Theresias gegen Preußen Kontakt zu ihren Glaubensbrüdern im preußischen Königreich, was sie in Wien zu verdächtigen Untertanen werden ließ. Zu Moses Mendelssohn hatte von Sonnenfels jedoch ein „gespanntes Verhältnis“.[2] Als Freimaurer und Universitätslehrer und mit seinen Entwürfen zur Staatsreform hat Joseph von Sonnenfels auch zur Emanzipation der österreichischen Juden beigetragen. Dennoch waren die Juden weder unter Maria Theresia noch unter Joseph II. den anderen Untertanen gleichgestellt. Dass Sonnenfels die „Staatspolizey“ zum obersten Kontrollorgan im Staate erhob und dies nicht erst unter Metternich geschah, wird teilweise als dunkler Fleck seiner Biographie gesehen. | VON SONNENFELS, Joseph (I59639)
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| 3940 | Leben Jugend Gedenktafel am Standort des Geburtshauses, Askanische Straße 12. Moses Mendelssohns Vater Mendel Heymann war als Sofer sowie dessauischer Gemeindeschreiber und Primarschullehrer tätig. Über seine Herkunft ist nichts bekannt, außer dass er nach Dessau zugewandert war. Er war traditionell orientiert, so dass ihn sein Sohn später als „Mann aus der alten Welt“, der „seine besonderen Grillen habe“, bezeichnete.[1] Die Mutter, Rachel Sara Wahl, stammte aus einer alten jüdischen Familie, zu der bedeutende Persönlichkeiten der polnisch-jüdischen Geschichte gehören wie Moses Isserles, der Verfasser eines wichtigen Gesetzeskommentars zum Schulchan Aruch, und Saul Wahl (ca. 1545–1617).[2] Als Moses geboren wurde, war der Vater bereits 47 Jahre alt. Trotz der bescheidenen Verhältnisse im Elternhaus wurde das Kind sorgfältig ausgebildet und früh als hochbegabt erkannt. Seine Muttersprache war das späte West-Jiddisch; Hebräisch und Aramäisch (die Sprache des Talmud) lernte er bereits als Kleinkind – mutmaßlich von seinem Vater, der später den Siebenjährigen im Winter „eingehüllt in seinen Mantel“ auf dem Rücken in die Schule trug.[3] Seine dortigen Lehrer waren sichtlich begeistert von seinen Leistungen. Bereits als Zehnjähriger soll Moses im Talmudstudium hervorragende Kenntnisse besessen haben. Um 1739 wechselte der junge Mendelssohn in die Klasse des Dessauer Oberrabbiners David Fränkel (1707–1762), eines einflussreichen Gelehrten, der nach fast 200 Jahren den Führer der Unschlüssigen, ein Hauptwerk des bedeutenden jüdischen Philosophen Maimonides (1138–1204), neu herausgab. Mendelssohn arbeitete das anspruchsvolle zweibändige hebräische Werk gleich nach dessen Erscheinen 1742 zusammen mit Fränkel, der ihn auch in den Talmud und seine Kommentare einführte, durch.[4] In dieser Zeit – Mendelssohn war etwa dreizehn Jahre alt – machte sich die Krümmung seines Rückens bemerkbar. Außerdem neigte er zum Stottern. Berliner Jahre Als David Fränkel 1743 nach Frankfurt/Oder und gleich darauf als Oberrabbiner nach Berlin berufen wurde, folgte ihm sein 14-jähriger Schüler an die 1742 neu gegründete Talmudschule nach Berlin; der Sage nach in fünf Tagesmärschen zu Fuß. Er wohnte dort bis zum Jahr 1750 in der Probstgasse 3 (heute die Propststraße 3, 10178 Berlin) hinter der Nikolaikirche in der Dachkammer von Chaim und Gella Bamberger und erhielt, der Tradition entsprechend, zwei „Freitische“ beziehungsweise Gratismahlzeiten pro Woche und wurde zusätzlich von Rabbi Fränkel mit Abschreibaufträgen über Wasser gehalten.[5] Gedenktafel vom ehemaligen Wohnhaus, Spandauer Straße 68, in Berlin-Mitte Mit Hilfe älterer, weltlich gebildeter Schüler eignete sich Mendelssohn in diesen Jahren neben seinen Talmudstudien Deutsch und später Latein, Französisch und Englisch sowie weiteres weltliches Wissen an. Er zeigte früh eine Neigung zur Philosophie; den englischen Frühaufklärer John Locke studierte er zunächst auf Lateinisch mit Hilfe eines Wörterbuchs, außerdem Christian Wolff und den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. Auch Shaftesburys Denken sprach ihn an, während er den meisten französischen Aufklärern, bis auf Rousseau, eher mit Skepsis begegnete.[6] Bald wurde er selbst zum Aufklärer. Nach sieben Jahren als Bettelstudent wurde er im Jahr 1750 vom Seidenhändler Bernhard Isaak[7] als Hauslehrer für dessen Kinder eingestellt. Er begann 1754 als Buchhalter in dessen neu gegründeter Seidenfabrik.[8] Vermittelt durch Aaron Samuel Gumperz lernte er im selben Jahr, angeblich beim Schachspiel, den gleichaltrigen Pfarrerssohn und ehemaligen Theologie- und Medizinstudenten Gotthold Ephraim Lessing kennen, der ihn 1754 bei der Publikation eines anonymen Briefes als „eben so witzigen, als gelehrten und rechtschaffnen [Mann]“ bezeichnete. Ein Jahr später sorgte Lessing für die Publikation von Mendelssohns erster deutscher Schrift, den Philosophischen Gesprächen (ebenfalls anonym erschienen), und vermittelte ihm die Bekanntschaft von Friedrich Nicolai, der ihn als Mitarbeiter für seine einflussreiche Zeitschrift Briefe, die Neueste Litteratur betreffend gewann.[9] Dadurch wurde Mendelssohn zu einem einflussreichen Kritiker der neu entstehenden deutschen Literatur. Mendelssohn ist dem Verein Gelehrtes Kaffeehaus, einem der ältesten geselligen bürgerlichen Vereine in Berlin, beigetreten, der vermutlich von 1755 bis 1759 existierte. Mitglied dieser Vereinigung war auch sein Verleger Friedrich Nicolai. Zwischen Februar 1756 und Januar oder Februar 1757 kam es in dieser Vereinigung an vier Versammlungstagen zu einem Schlagabtausch zwischen dem Mathematiker und Astronomen Franz Ulrich Theodor Aepinus und Mendelssohn. Mendelssohn hatte seine „Gedanken von der Wahrscheinlichkeit“ vorgetragen, zu denen Aepinus eine Widerlegung vortrug. Darauf reagierte Mendelssohn mit einer „Gegenantwort“.[10][11] Mendelssohn soll auch dem Montagsclub in Berlin, einem Verein der Berliner Aufklärung, als Mitglied beigetreten sein.[12] Im Mitgliederverzeichnis dieser Vereinigung ist er aber nicht aufgeführt. Mendelssohn war gläubiger Jude und hat auch an diesem Glauben festgehalten. Er ist zwar zu Treffen des Montagsclubs eingeladen worden, lehnte dies aber ab, weil er wegen der jüdischen Speisegesetze nicht an den obligatorischen Mahlzeiten teilnehmen mochte.[13] 1761 wurde Mendelssohn Geschäftsführer in der Seidenfabrik und 1768, nach Bernhard Isaaks Tod, zudem Teilhaber.[8][14] Moses Mendelssohn 1768, Gemälde von Christian Bernhard Rode, ehemals im Gleimhaus Halberstadt, heute verschollen Enge Kontakte hielt Moses Mendelssohn mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der in Halberstadt als Domsekretär lebte und junge Dichtertalente mit Geld und freundlicher Anteilnahme unterstützte. In Gleims 1769 in Berlin erschienenem Bändchen mit Oden widmete dieser ein Gedicht auch dem „Sokrates“ Mendelssohn. 1768 ließ Gleim für seinen Freundschaftstempel ein Porträt Mendelssohns anfertigen. Auf die Rückseite schrieb er wie immer, warum und von wem das Bild gemalt wurde: „Moses Mendelssohn, wegen seines Phädon, gemalt von Christian Bernhard Rode“. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde das Bild 1933 aus der Ausstellung entfernt. Sein Verbleib ist bis heute ungeklärt. Moritz Daniel Oppenheim: Der Lavater-Streit, 1856. Links Mendelssohn, stehend Lessing, rechts Lavater 1770 wurde Mendelssohn von dem Schweizer Pfarrer Johann Caspar Lavater öffentlich aufgefordert, entweder in aller Form das Christentum zu widerlegen oder selber Christ zu werden,[15] was zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Mendelssohn und Lavater führte.[16][17] Diese erforderte infolge der heiklen Sachlage – die Juden lebten knapp geduldet in einer mehrheitlich christlichen Gesellschaft und Mendelssohn wurde als ihr Sprecher und Vertreter betrachtet – viel Takt, Geschick und Kraft. Er wurde in dieser Auseinandersetzung unter anderem von Johann Balthasar Kölbele öffentlich angegriffen.[18][19][20] 1771 erlitt Mendelssohn, wahrscheinlich im Zusammenhang mit diesen Anstrengungen, einen psychophysischen Zusammenbruch, der ein zeitweiliges Aussetzen jeglicher philosophischen Tätigkeit erzwang. Die im selben Jahr vorgeschlagene Aufnahme Mendelssohns in die Preußische Akademie der Wissenschaften auf Antrag von Johann Georg Sulzer, dem Präsidenten der Philosophischen Klasse, scheiterte am Widerstand Friedrichs II. 1777 traf Mendelssohn mit dem jüdischen Gelehrten und Wissenschaftler Rafael Levi zusammen.[21] 1783 bot die geheime Gesellschaft der Freunde der Aufklärung (Berliner Mittwochsgesellschaft) Mendelssohn die Mitgliedschaft an, die er aber ablehnte. Wenig später wurde er zum Ehrenmitglied berufen, das in der auf 24 Männer begrenzten Gesellschaft jederzeit Zutritt hatte. Diese Rolle füllte er engagiert aus. In der Debatte der Gesellschaft zu der Frage „Was ist Aufklärung?“ trat Mendelssohn in einem ersten Votum für uneingeschränkte Gedanken- und Redefreiheit ein. Die Grenzen der Aufklärung sollten nicht durch Gesetze und Zensurmaßnahmen, sondern vom einzelnen Aufklärer durch Aufrichtigkeit und Abwägung von Umständen und Zeit bestimmt werden. „Aufklärung hemmen, ist in aller Betrachtung und unter allen Umständen weit verderblicher, als die unzeitigste Aufklärung. (…) Das Übel, welches zufälligerweise aus der Aufklärung entstehn kann, ist außerdem von der Beschaffenheit, dass es in der Folge sich selbst hebt.“[22] In der Berlinischen Monatsschrift fasste er 1784 in dem Aufsatz „Über die Frage: was heißt aufklären?“ seine Haltung zur Aufklärung noch einmal zusammen: Die Bestimmung des Menschen[23] sei Maß und Ziel aller Bestrebungen. Bildung bestehe aus Kultur (Praxis wie Handwerk, Kunst und Sitten) und Aufklärung als Theorie, die miteinander dialektisch verschränkt seien.[24 | MENDELSSOHN, Moses (I60103)
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| 3941 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I59826)
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| 3942 | Leben Jugend Joachim II. war der älteste Sohn von Joachim I. Nestor und Elisabeth von Dänemark, Norwegen und Schweden. Als Gegenleistung für die kurfürstliche Stimme des Vaters bei der Königswahl kam es 1517–1518 zu Heiratsangeboten mit der Tochter des französischen Königs und der 10-jährigen Enkelin des Kaisers. Seine Mutter neigte früh der Lehre Martin Luthers zu und musste deshalb 1528 vor seinem Vater fliehen. Durch das Testament seines Vaters von 1534 gingen die Neumark und weitere Landesteile als Markgrafschaft Brandenburg-Küstrin an seinen jüngeren Bruder Johann. 1524 heiratete Joachim die Tochter Magdalene des sächsischen Herzogs und band sich damit zunächst stärker an die katholische Seite. 1532 zog er als Führer des Kontingents des Niedersächsischen Kreises in einen Kriegszug gegen die Türken, kehrte als Sieger zurück und ließ sich unter großem Pomp mit dem Beinamen Hector feiern. 1533 band ihn der Vater im Hallischen Bündnis noch einmal an die katholische Seite und verpflichtete die Söhne in seinem Testament 1534, auf ewig katholisch zu bleiben. | (BRANDENBURG), Joachim II. ´Hector` (I61263)
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| 3943 | Leben Jugend Liutprand war der jüngere Sohn des Ansprand und der Theodorada. Nach dem Tod des Königs Cunincpert im Jahr 700 wurde Ansprand Regent für dessen minderjährigen Sohn und Thronfolger Liutpert.[1] Dagegen erhob sich acht Monate nach dem Tod Cunincperts Raginpert, der Herzog von Turin, der sich gegen Ansprand in der Schlacht von Novara durchsetzen konnte. Zwar starb Raginpert bereits 701, doch wurde daraufhin dessen Sohn Aripert II. König.[2] In der Schlacht bei Ticinum (Pavia) besiegte Aripert II. das Heer König Liutperts unter Ansprand, Ato, Tatzo, Rotharit und Farao und nahm Liutpert gefangen.[2] Ansprand floh an den bairischen Hof, wo dux Theudebert[3] ihn wohlwollend aufnahm.[4] Der junge Liutpert wurde 703 von Aripert als potenzieller Thronrivale ermordet.[5] Ansprands Familie wurde verstümmelt: Seinem Sohn Sigiprand wurden die Augen ausgestochen, seiner Frau Theodorada und seiner Tochter Aurona wurden Nase und Ohren abgeschnitten, lediglich Ansprands kleiner Sohn Liutprand durfte zu seinem Vater ins Exil.[6] 712 stellte Theudebert ein Heer zur Verfügung, mit dem Ansprand und Liutprand über die Alpen zogen.[7] Bei Pavia kam es zur Schlacht mit Ariperts Heer. Diese war offenbar noch nicht entschieden, da setzte sich Aripert abends von seinem Heer ab, um die Nacht im Palast zu verbringen. Das Heer fühlte sich verraten und meuterte. Aripert floh aus Pavia und ertrank im Ticinus, den er mit Schätzen beladen durchschwimmen wollte. Ansprand konnte seine Nachfolge unangefochten antreten, starb allerdings bereits drei Monate darauf. Am 13. Juni konnte sich Liutprand zum König krönen lassen.[8] Königsherrschaft Tremissis Luitprands DN LI TPRAN Dominus noster Liutprandus (Unser Herr Liutprand) SCS MIHHIL (St. Michael) Im Jahr 712 kam er einem Mordanschlag seines consanguineus (Blutsverwandten) Rothari zuvor und tötete ihn. Dessen vier Söhne ließ Liutprand hinrichten. Zwei seiner armigeri (Waffenträger) planten einen weiteren Anschlag. Von Liutprand zur Rede gestellt, bekannten sie ihre Schuld und wurden begnadigt.[9] Damit war Luitprands Königtum zunächst gesichert. In Italien gab es vier konkurrierende politische Mächte: Den König, die halbautonomen Dukate Spoleto und Benevent, Byzanz und das erstarkende Papsttum. In diesem Umfeld wollte Liutprand König ganz Italiens werden. Mit Romuald II. von Benevent arrangierte sich Liutprand, indem er ihm um 715 seine Nichte Gumperga zur Frau gab.[10] Faroald II., der dux von Spoleto, eroberte um 716 eigenmächtig die byzantinische Stadt Classis, musste sie aber auf Geheiß Liutprands wieder räumen.[11] Langobarden aus dem Dukat Benevent eroberten 717 unter Romuald II. das byzantinische Cumae, wurden aber auf Intervention Papst Gregor II. nach einiger Zeit durch den dux von Neapel wieder vertrieben.[12] Liutprand bestätigte um 720 der Kirche die von Aripert II. vorgenommenen Schenkungen in den Cottischen Alpen.[13] Mit Bayern war Liutprand seit seinem Exil verbunden. Er griff 717 nach dem Tod Herzog Theodos zugunsten seiner Verwandten in innerbayerische Auseinandersetzungen ein.[14] Um 715 heiratete er die bayrische Prinzessin Guntrud, mit der er eine Tochter hatte.[13] Um 725 griff er gemeinsam mit Karl Martell nochmals in bayrische Angelegenheiten ein, eroberte mehrere Städte[15] und verschob die langobardische Grenze nordwärts nach Magias (Mais bei Meran).[16] Slawische Stämme griffen den Ort Lauriana in Friaul an, wurden aber von dux Pemmo zurückgeschlagen.[17] Die Langobarden eroberten das byzantinische Narnia (Narni).[18] Liutprand kaufte den Sarazenen die Gebeine des heiligen Augustinus von Hippo ab und überführte sie nach Pavia.[18] Ikonoklasmusstreit Der byzantinische Kaiser Leo III. verbot 726 die Bilderverehrung und ordnete die Entfernung aller heiligen Bilder aus den Kirchen an. Das bilderfeindliche Edikt des Kaisers führte im Vatikan und im Langobardenreich zum Aufruhr gegen die byzantinische Herrschaft. Papst Gregor II. verdammte auf einer römischen Synode die Bilderstürmer.[19] Liutprand belagerte Ravenna und zerstörte den byzantinischen Kriegshafen Classis. Der patricius Paulus aus Ravenna sandte Truppen gegen den Papst, die von langobardischen Heeren zurückgedrängt wurden. Liutprand eroberte die byzantinischen Städte Feronianum (Frignano)[20], Mons Bellius (Monteveglio), Buxeta (Busseto), Persiceta (San Giovanni in Persiceto), Bononia (Bologna), die Pentapolis (Rimini, Pesaro, Fano, Sinigaglia und Ancona), Auximum (Osimo) und Sutri, das er wenig später Papst Gregor II. zugesprochen haben soll;[21] eine Vorwegnahme der Pippinischen Schenkung in kleinem Maßstab. Thomas Hodgkin vertritt die Auffassung, dass die Städte sich mehr oder minder freiwillig dem Schutz Liutprands unterstellten, um sich dem Konflikt zwischen Papst und Byzanz zu entziehen.[22] Ausweitung der königlichen Macht 727 wurde der Exarch Paulus getötet. Sein Nachfolger, der Eunuch Eutychius, landete bei Neapel und verbündete sich nach einem missglückten Anschlag auf den Papst um 730 mit Liutprand. Liutprand wollte Spoleto und Benevent seinem Einfluss unterwerfen und ließ dem Exarchen freie Hand für Rom. Er unterwarf Transamund II., den Herzog von Spoleto, und marschierte dann auf Rom, wo er eine Verständigung zwischen Papst Gregor II. und dem Exarchen Eutychius erreichte. Mit den byzantinischen Städten Venedig und Comacchio schloss er Verträge.[23] Als Pemmo, der dux von Friaul, den Patriarchen Calixtus um 731 gefangen nahm, fiel er in Ungnade und Liutprand setzte dessen Sohn Ratchis als dux ein. Pemmo floh mit seinen Anhängern zu den Slawen, bis Ratchis den König zur Versöhnung bewegen konnte. Pemmo wurde mit seinen Söhnen Ratchait und Aistulf begnadigt, die anderen Missetäter wurden eingesperrt.[24] Romuald II. von Benevent war um 730 gestorben. Den Usurpator Audelahis besiegte Liutprand um 732 und setzte seinen eigenen Neffen Gregorius als dux ein. Romualds minderjährigen Sohn Gisulf II. nahm er nach Pavia, wo er ihn wie einen Sohn aufzog.[25] Er suchte gute Beziehungen zum Frankenreich, wo sich 719 der Hausmeier Karl Martell als eigentlicher Herrscher durchgesetzt hatte. Karls Sohn Pippin wurde 734/37 von Liutprand adoptiert.[26] Karl Martell war mit Sonichildis, einer Cousine von Liutprands Frau Guntrud verheiratet. Als Karl 737 Liutprand bat, ihm in der Provence gegen die Sarazenen beizustehen, erklärte er sich zu dieser Waffenhilfe bereit.[27] Liutprands Neffe Hildeprand konnte Ravenna um 737[28] einnehmen, verlor es aber um 740 wieder an die Venetianer.[27] Erneute Unruhen in Spoleto und Benevent Das „Pilatus-Becken“ im „Pilatushof“ Basilika Santo Stefano in Bologna aus dem 8. Jahrhundert trägt in einer Inschrift die Namen der Könige Liutprand und Hildeprand und des Bischofs Barbatus. Liutprands Ziel, Rom einzunehmen, wurde aber offenbar nicht aufgegeben. Die Gefährdung des Papsttums in Rom blieb bestehen und verschärfte sich. Dux Godescalc war ohne Einwilligung des Königs dessen verstorbenem Neffen Gregorius nachgefolgt. Die duces Godescalc von Benevent und Transamund II. von Spoleto verbündeten sich im Jahr 739 mit Papst Gregor III. Liutprand rückte 739 mit einem Heer an und Transamund floh nach Rom. In Spoleto setzte Liutprand im Juni 739 Hilderic als dux ein. Hildeprand nutzte eine Erkrankung seines Onkels, um selbst nach der Macht zu greifen. Der König gesundete allerdings bald wieder und beteiligte Hildeprand nun als Mitkönig an der Regierung.[25] Der Hilferuf des Papstes an Karl Martell im Jahre 739 verhallte angesichts dessen Freundschaft mit Liutprand ungehört. Somit musste der Papst auf eigene Faust mit Liutprand verhandeln, dessen Position durch den Aufstand seines Neffen Hildeprand und durch den fortdauernden Kampf mit Spoleto geschwächt war. Im Dezember 740 kehrte Transamund II. nach Spoleto zurück und tötete den von Liutprand eingesetzten Hilderic.[25] Liutprands anrückendes Heer wurde 742 zwischen Fanum (Fano) und Forum Simphronii (Fossombrone) von einem spoletanisch-byzantinischen Heer angegriffen. Dux Ratchis von Friaul und sein Bruder Aistulf bildeten mit ihren Leuten die Nachhut und deckten den Vormarsch.[29] Liutprand gelang es, Transamund abzusetzen und ihn dazu zu zwingen, ins Kloster zu gehen; sein Herzogtum fiel an Agiprand. Godescalc wurde von den Beneventanern auf der Flucht getötet[30] und Liutprand setzte seinen Neffen Gisulf II. als dux ein.[15] Mit Papst Zacharias machte Liutprand 742 seinen Frieden, wobei er auf seine Eroberungen im Dukat von Rom und auf andere römische Kirchengüter verzichtete. Der Papst konnte ihn auch von einem geplanten Feldzug gegen Ravenna abbringen.[31] Nachfolge Grabmal Liutprands in San Pietro in Ciel d’Oro: Hic iacent ossa regis Liutprandi (Hier ruhen die Gebeine König Liutprands) Liutprand starb im Januar 744 und wurde, wie sein Vater, in der St. Adrian Kirche in Pavia beigesetzt.[15] Die Nachfolge trat zunächst sein Neffe Hildeprand an, der allerdings noch im selben Jahr von Ratchis abgelöst wurde. Im 12. Jahrhundert wurde er in die von ihm erbaute Kirche San Pietro in Ciel d’Oro in Pavia umgebettet. Weitere Zeugnisse seiner Bautätigkeit sind das Kloster St. Anastasius in Corteolona und das Kloster in Bercetum.[15] Am Fuß der letzten Säule des rechten Ganges befindet sich das Grab von König Liutprand. 2018 wurden die Knochen Gegenstand einer bioarchäologischen und genetischen Untersuchung. Die Analysen zeigten, dass die Knochen zu drei Individuen der Oberschicht gehörten, die starke Muskeln hatten und Proteine, hauptsächlich aus Fleisch und Fisch, in größerem Umfang aßen als der Rest der Bevölkerung, wie die Vergleiche mit den Knochenfunden zeigten. aus einer Nekropole der Langobardenzeit in Oberitalien. Von diesen drei Individuen stammen zwei (ein Mann mittleren Alters und ein jüngerer Mann) aus dem 7. Jahrhundert, während das dritte Subjekt, das etwa 40/50 Jahre alt starb, ein Zeitgenosse von Liutprand war: Es ist daher möglich, dass die Knochen des dritten Individuums dem König gehören.[32] 2018 wurde während einiger Restaurierungsarbeiten ein Fragment der Inschrift des Herrschers in der Krypta des Doms von Pavia gefunden.[33] Rechtswesen Unter Liutprand wurde das langobardische Recht durch Jahressatzungen erweitert. Er hielt jährliche Volksversammlungen zur Bestätigung seiner Gesetze ab. Dadurch entwickelte sich das langobardische Volksrecht zu einem der Umfangreichsten und näherte sich einem Fallrecht. Die Liutprandi Leges waren zum Teil gegen Heidentum, Häresie und Apostasie gerichtet:[34] So kam es 727 zum Verbot von Wahrsagerei.[35] Wahrsager wurden als Sklaven ins Ausland verkauft.[36] Magie und Verehrung von Bäumen und Quellen wurde bei Freien mit einer Geldstrafe, bei Mägden und Knechten mit dem Verkauf ins Ausland geahndet.[37] Fragment der Inschrift des Königs in der Krypta des Doms von Pavia im Jahr 2018 gefunden Er regelte per Gesetz die Ämterhierarchie der Herzöge und Gastalden als königliche Amtsträger in den Städten, denen die Schultheißen, Decani und Saltarii als Vorsteher von Dörfern und kleineren ländlichen Bezirken untergeordnet waren. Er rief einen Landfrieden aus und untersagte Fehden. Der Verkauf von Freien als Sklaven ins Ausland wurde untersagt. Im Erbrecht fand eine Annäherung an das römische Recht statt: Lebten keine ehelichen Söhne mehr, so erbten die ehelichen unverheirateten bzw. verwitweten Töchter.[38] Andere Verwandte waren vom Erbe ausgeschlossen, insbesondere uneheliche Kinder. Im langobardischen Recht konnten allerdings nicht alle Erbfähigen gleichzeitig und zu gleichen Teilen erben, sondern nur nacheinander. Im Eherecht hob er das Verbot von Mischehen zwischen Romanen und Langobarden auf. Die Morgengabe war in der Höhe auf ein Viertel des Vermögens des Ehemanns begrenzt.[39] Frauen wurde ein „Zustimmungsrecht“ bei der Wahl des Ehemannes eingeräumt.[40] 723 wurde ein Gesetz erlassen, das die Klerikerweihe von Sklaven anderer Leute unter Strafe stellte und ihre Rückgabe an den jeweiligen Besitzer anordnete.[41] Frisch verwitwete Frauen durften nicht aus Gewinnsucht von ihrem Vormund ins Kloster eingewiesen werden.[42] Ein Gesetz von 727 befasste sich mit Mägden, die ins Kloster eingewiesen werden und auf dem Weg dorthin heiraten.[43] | ..., König der Langobarden König der Langobarden Liutprand (I36754)
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| 3944 | Leben Jugend und Ausbildung Hoesch war der einzige Sohn von Wilhelm Hoesch (1791–1831) und seiner Frau Johanna (1790–1879), eine Tochter des Hüttenbesitzers und Tuchfabrikanten Arnold Schoeller (1747–1831) und Schwester des Dürener Unternehmers Leopold Schoeller. Sein Vater Wilhelm hatte gemeinsam mit seinen Brüdern Ludolph (1788–1859) und Eberhard (1790–1852) im Jahre 1812 die Firma „Gebrüder Hoesch“ gegründet, welche die Papier- und Eisenbetriebe der Familie Hoesch in Krauthausen, Schneidhausen, Zweifall und Simonskall zusammenfasste. Nach dem Besuch der protestantischen Elementarschule in Düren schickte Wilhelm Hoesch – wie fast alle wohlhabenden Dürener Industriellen – seinen Sohn Leopold nach Köln auf die 1828 gegründete Höhere Bürgerschule, das spätere Gymnasium Kreuzgasse. Nach dem Tod des Vaters am 23. September 1831 schloss dessen Bruder Eberhard am 24. April 1832 einen Vertrag mit Leopolds Mutter Johanna. Laut J. Hashagen belief sich das Vermögen des Verstorbenen „übrigens auf nur 92.000 Thaler (…).“ Von da an lag die Erziehung des elfjährigen Leopolds allein in den Händen seiner strengen Mutter. Nach dem Abitur in Köln besuchte Leopold drei Jahre die polytechnische Schule in Wien und lebte bei seiner ältesten Schwester Pauline, die dort seit 1831 mit ihrem Mann Alexander von Schoeller wohnte. Nach Abschluss des Polytechnikums ging Leopold noch einige Monate nach Lüttich, um sein Französisch zu perfektionieren. Erste berufliche Erfahrungen und Familiengründung Wieder in Düren arbeitete Leopold im Geschäft seines Onkels Eberhard. Dieser übernahm für Leopold die Rolle eines Vaters und er erkannte seine Fähigkeiten und verlieh ihm schon bald eine bevorzugte Stellung im Unternehmen. Die Beziehung zwischen den beiden vertiefte sich zudem dadurch, dass Leopold 1844 Eberhards zweite Tochter Henrietta Maria Sibilla (1823–1872) heiratete. Die aus heutiger Perspektive ungewöhnliche Heirat im engeren Verwandtschaftskreis war in damaliger Zeit und besonders in den Fabrikantenfamilien Dürens keine Besonderheit. Leopolds Mutter kaufte sich im selben Jahr ein Haus in der Weierstraße, so dass Leopold mit seiner Frau in das von seinem Vater 1824 gekaufte, elterliche Haus in der Wirtelstraße einzog. Aus der Ehe Leopolds gingen fünf Kinder hervor: Wilhelm (1845–1923), Albert (1847–1898), Hugo (1850–1916), Adele (1853–1920) und Pauline (1858–1920). Hoeschs Vater hatte das Familienunternehmen 1846 durch die Gründung eines Walzwerks am Sticher Berg in Eschweiler sowie den Erwerb von zehn weiteren Grubenfeldern zur Sicherung der Rohstoff- und Energieversorgung stark ausgebaut. Am 1. Oktober 1846 änderte sich daraufhin die Firma „Gebrüder Eberhard und Wilhelm Hoesch“, benannt nach Leopolds Vater und Onkel, und firmierte fortan unter dem Namen „Eberhard Hoesch & Söhne.“ Leopolds Mutter trat zugunsten ihres Sohnes von ihrem Anteil zurück. Dieser war nunmehr mit einem Viertel am Unternehmen beteiligt. Neben Eberhard selbst war noch dessen ältester Sohn Gustav Hoesch (1818–1885) an dem neuen Unternehmen beteiligt, das nun die Betriebe in Eschweiler, Lendersdorf, Schneidhausen, Simonskall und Zweifall umfasste. Während infolge die mit der Märzrevolution einhergehende Depression das im Aufbau begriffene, in seinen Dimensionen bis dahin einzigartige Werk in Eschweiler gefährdete, wurde es in der folgenden Hochkonjunktur Mitte der fünfziger Jahre neben Lendersdorf zu den profitabelsten Werken. Unternehmensleiter Nach dem Tod seines Onkels Eberhard am 21. April 1852 wurde Leopold das neue, maßgebende Oberhaupt der Familie und Leiter der Unternehmen. In den 1860er Jahren wurden durch die Umstellung auf das Bessemerverfahren phosphor- und schwefelarme Eisenerze nötig. Damit drohten die Hoeschwerke wegen ihrer schlechten Verkehrslage unrentabel zu werden. Hoesch verlegte daher den Hauptsitz des Unternehmens ins Ruhrgebiet, um so von günstigen Frachtkosten und der Nähe zu den Steinkohle-Bergwerken zu profitieren. Zusammen mit seinen Söhnen Wilhelm (1845–1923) und Albert (1847–1898), die im Ausland die modernsten Technologien kennengelernt hatten, sowie mit den Söhnen seines Onkels Eberhard, Viktor und Eberhard Hoesch, wurde am 1. September 1871 das Eisen- und Stahlwerk Hoesch in Dortmund mit einem Gesellschaftskapital von 800.000 Talern gegründet. Das Unternehmen hatte zunächst die Rechtsform einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) und wurde zwei Jahre nach der Gründung in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Aktien in Familienbesitz blieben. Das Unternehmen firmierte später als Hoesch AG. Eingangsportal der ehemaligen Hauptverwaltung in Dortmund Während Albert den Aufbau und die Leitung des Werks übernahm, kümmerte Leopold sich um die strategische Ausrichtung des neuen Unternehmens. Auch auf sozialem Niveau setzte das neue Werk durch eine eigene Betriebskrankenkasse, der heutigen BKK Hoesch, sowie später durch eine Sterbegeldkasse, der Vorsorgekasse Hoesch, neue Maßstäbe. Die Entwicklung des neuen Werks verlief Punkt für Punkt nach Leopolds Plan. Später entstand unter den so genannten Hoeschianern der Begriff Karl Hoesch, eine liebevoll gemeinte Respekterklärung, die als Idiom besonders für alles steht, was mit dem Stahlunternehmen Hoesch AG zu tun hat. Leopold Hoesch hatte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender die zentrale Verantwortung im Unternehmen. Das zunächst eingesetzte Bessemerstahlwerk mit Schienen- und Trägerwalzwerk wurde 1884 durch ein Thomaswerk ersetzt. Im Jahr 1895 folgte der Bau eines Siemens-Martinwerks mit mehreren Walzstraßen. Im Jahr 1896 kam eine Hochofenanlage hinzu. Das Aktienkapital stieg unter Hoeschs Führung von 3,6 auf 15 Millionen Mark, die Schuldverschreibungen wuchsen auf 6 Millionen Mark. Unternehmensbeteiligungen Sein außerordentliches Engagement und sein unternehmerischer Instinkt wird an den zahlreichen Institutionen deutlich, in denen er meist führend aktiv war. Hier spiegelt sich wiederum die Persönlichkeit seines Vorgängers, Onkels und Vorbilds Eberhard Hoesch wider. Leopold war Aufsichtsrat des Aachener Hütten- und Aktienvereins Rothe Erde, des Hüttenwerks Phoenix in Ruhrort, des Märkisch-Westfälischen Bergwerkvereins in Letmathe, des Sieg-Rheinischen Bergwerks- und Hüttenvereins, des A. Schaaffhausen’schen Bankvereins in Köln und auch Verwaltungsratsmitglied der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft. Wirtschaftliche Interessenpolitik Nachdem er wesentlich an der Gründung einer gemeinsamen Interessenvertretung beteiligt war, wurde Leopold erster Vorsitzender des 1860 gegründeten Technischen Vereins für das Hüttenwesen (seit 1880 Verein Deutscher Eisenhüttenleute, dem heutigen Stahlinstitut VDEh). Vier Jahre später wurde er dessen Ehrenvorsitzender und gilt zudem als geistiger Vater des 1917 in Düsseldorf vom Verein gegründeten Eisenforschungsinstitutes. Mit dem Beitritt des Technischen Vereins für Eisenhüttenwesen zum Verein Deutscher Ingenieure (VDI) im Jahr 1862 wurde er VDI-Mitglied.[1] Geschickt wusste Leopold die wirtschaftspolitischen Interessen seines Unternehmens mit denen seiner Branche zu verbinden. In seiner Vereinsfunktion plädierte Hoesch in den 1860er Jahren allerdings vergeblich für die Beibehaltung von gemäßigten Eisenzöllen. Während der Gründerkrise trat er ab 1873 für die Einführung von Schutzzöllen ein. Ein Höhepunkt seines industriepolitischen Engagements war seine Rolle als Sachverständiger in der Eisen-Enquetekommission von 1878. Politik und Ehrenämter Seit 1859 war Leopold wie viele andere wohlhabende Dürener Industrielle auch Mitglied des Stadtrates, denn „die persönlichen Fähigkeiten der Unternehmer, die enge Verbindung von Gemeinde und Industrie sowie die soziale und wirtschaftliche Stellung drängten die Fabrikanten auch zu den wichtigsten politischen Aufgaben der Stadt und des Kreises Düren.“ Darüber hinaus war er Mitglied des Kreistages und gehörte – da er Besitzer des Rittergutes Boisdorf war – auch der Kreisstandschaft an. Auch in der protestantischen Gemeinde, die durch zahlreiche Stiftungen der Familie Hoesch unterstützt wurde, war Leopold neben regelmäßigen Besuchen der Messe als deren Kirchmeister von 1870 bis 1875 aktiv. Nachdem er schon in jungen Jahren zum Kommerzienrat ernannt worden war, verlieh man ihm 1884 den Titel eines geheimen Kommerzienrates. Und im selben Jahr wurden ihm für sein tatkräftiges Mitwirken bei Weltausstellungen das Kreuz der französischen Ehrenlegion und der bayrische Verdienstorden des Heiligen Michaels verliehen. Die Bedeutung bzw. Anerkennung seiner Leistungen von Seiten der Politik zeigt sich auch darin, dass General Helmuth Karl Bernhard von Moltke während eines großen Manövers um Düren zu Gast in Leopolds Haus an der Wirtelstraße war. Die konservative politische Haltung zeigt sich besonders deutlich daran, dass die Dürener Industriellen die sogenannte „Kölner Adresse“ von 1863 während des preußischen Verfassungskonflikts unterschrieben. König Wilhelm I. wurde darin um die Herstellung des verfassungsmäßigen Rechtszustandes gebeten. Als Indiz für Leopolds patriotische Gesinnung kann sein Engagement an der DOAG genannten, neuen Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft von 1887 angesehen werden. Obwohl er bezüglich der Wirtschaftlichkeit der Kolonialgesellschaft – an der neben dem Kaiser als größtem Aktionär zahlreiche rheinische Industrielle beteiligt waren – äußerst skeptisch gegenüberstand, beteiligte er sich. 1887 schrieb Leopold an den Kölner Industriellen Eugen Langen, der wesentlich an der neuen DOAG beteiligt war, dass er sich „lediglich und nur aus patriotischer Neigung und um Ihrem Interesse für diese Colonial-Angelegenheit gerecht zu werden“ an der DOAG beteilige. In Düren war Leopold als erfolgreicher und kommunal engagierter Fabrikant eine allseits geschätzte Person und residierte – wie alle erfolgreichen Unternehmer in jener Zeit – in seiner repräsentativen Villa vor dem Obertor, die er dort 1865 errichten ließ. Überhaupt war das Verhältnis zwischen Arbeitern und Fabrikanten in Düren außergewöhnlich. Die als „Fürsten“ verehrten, erfolgreichen Geschäftsmänner und deren Familien luden nach 1870 immer öfter sämtliche Mitarbeiter ihrer Betriebe mit ihren Familienangehörigen zu Festlichkeiten ein. Neben Geltungsbedürfnis spielten auch ein echtes Interesse am Wohlergehen der Gemeinde, Hilfsbereitschaft und ein Gefühl religiöser Verpflichtung eine große Rolle für das soziale Engagement der Dürener Unternehmer. Soziales Engagement und Familienleben Historische Abbildung (um 1920) Leopold-Hoesch-Museum Düren, im Zweiten Weltkrieg wurde die Kuppel zerstört und nicht wiederaufgebaut 1884 stiftete Leopold der evangelischen Schule 70.000 Mark. Sechs Jahre später konnte dank seiner mit anderen Fabrikanten erfolgreich vollzogenen Lobbyarbeit und einer weiteren Spende Leopolds von 20.000 Mark die Aufwertung der Schule zur Oberrealschule gefeiert werden. Von nun an mussten die Dürener Eleven nicht mehr nach Köln reisen, um eine gründliche und zeitgemäß hohe Ausbildung zu erhalten. Hoesch-Museum in Dortmund In diesem Engagement für die Jugend spiegelte sicher auch Leopolds eigene schwierige Kindheit wider. Für seine Söhne legte er im Sinne der Tradition schon früh die Grundlagen für deren Selbstständigkeit und gab ihnen so die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Neigungen zu entfalten. Während Albert von seinem 24. Lebensjahr an bis zu seinem überraschend frühen Tode die Oberleitung im Dortmunder Hoesch-Werk innehatte, wurde Wilhelm nach Alberts frühem Tod der alleinige Inhaber der Firma „Eberhard Hoesch und Söhne“. Für den dritten und später geadelten Sohn Hugo von Hoesch, der die Mathilde Friederike, eine Tochter des deutsch-österreichischen Großindustriellen Gustav Adolph von Schoeller geheiratet hatte, ersteigerte Leopold die Papierfabrik Hütten in Königstein/Sächsische Schweiz. Bei seinen beiden Töchtern Adele, die den Aachener Textilfabrikanten Carl Delius und Pauline, die Richard Brockhoff geheiratet haben, sorgten Verbindungen mit erfolgreichen Fabrikanten aus Aachen und Düren ebenfalls für eine gesicherte Zukunft. In Dortmund erinnert unter anderem das Hoesch-Museum an die unternehmerische Leistung Leopolds Hoesch. Tod Grabmal für Leopold Hoesch auf dem evangelischen Friedhof in Düren Am 21. April 1899 starb Leopold nach einem Gehirnschlag in seiner Villa Oberstraße 64, von wo aus am 24. April der Trauerzug den Leichnam zu seinem Grab auf dem evangelischen Friedhof geleitete. In den Traueranzeigen der Dürener Zeitungen dankten die Beamten und Arbeiter ihrem strengen, stets rechtlichen und liebevoll väterlichen Vorgesetzten für sein Engagement und Interesse am Wohl der Belegschaft. Auch die Oberrealschule gedachte ihres noblen Spenders und führte den Trauerzug an. Die starke Anteilnahme der Bevölkerung am Begräbnis ihres Wohltäters spiegelte Leopolds Ansehen und die Anerkennung seines sozialen Engagements. Aus dem Erbe des Vaters stiftete der Sohn Wilhelm Hoesch der Stadt Düren 1899 einen Betrag von 300.000 Mark für die Errichtung eines Kunstmuseums, das schließlich 1905 als Leopold-Hoesch-Museum eingeweiht werden konnte. | HOESCH, Leopold (I54537)
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| 3945 | Leben Justa Grata Honoria wurde bereits in früher Jugend mit der Würde einer Augusta bekleidet, vielleicht, damit sie durch ihren hohen Rang von einer Heirat abgehalten würde: Eine Verbindung mit ihr hätte nach damaliger Vorstellung gewisse Ansprüche auf das Kaisertum begründen können; dies wollte insbesondere der mächtige Heermeister Flavius Aëtius verhindern. Honoria gab sich aber dem Hofbeamten Eugenius hin und wurde deshalb vielleicht kurzzeitig in Konstantinopel in klösterlicher Abgeschiedenheit gehalten. Ihr Liebhaber wurde hingerichtet, und nach ihrer Rückkehr (?) nach Ravenna wurde sie 450 mit einem unbedeutenden Senator zwangsverheiratet, der keine Bedrohung für Valentinian III. oder Aëtius darstellte. Offenbar riefen Honoria und ihre Anhänger in dieser Situation die Hunnen unter Attila zu Hilfe. Später wurde erzählt, sie habe dem Hunnen durch Übersenden eines Ringes ihre Hand angeboten. Dies bot den Anlass für den Krieg zwischen Westrom und den Hunnen 451/52, in dem Aëtius Attilas Angriffe letztlich abwehren konnte. Angeblich wurde Honoria lebenslang eingekerkert. Die Umstände ihres Todes sind unbekannt. | JUSTA, Grata Honoria (I47232)
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| 3946 | Leben Karl Baedeker wurde am 3. November 1801 als Sohn einer alteingesessenen Buchdrucker- und Verlegerfamilie in Essen geboren. Er ging in Essen und in Hagen zur Schule und begann 1817 eine Buchhändlerlehre bei Mohr & Winter in Heidelberg. Anschließend studierte er 1819 bis 1822 an der Universität Heidelberg Geisteswissenschaften. 1823 bis 1825 war er Gehilfe bei Georg Reimer in Berlin.[1] Er heiratete am 4. Oktober 1829 Emilie geborene Heintzmann (* 16. Oktober 1808 in Zabrze, † 28. Juli 1879 in Koblenz). Die beiden hatten fünf Töchter und fünf Söhne, von denen Ernst, Karl junior und Fritz die Arbeit ihres Vaters fortsetzten.[2] „Rheinreise von Straßburg bis Rotterdam“ (D 1, 1835): Buchrücken und Titelblatt noch mit Autorenangabe: Prof. J. A. Klein „Rheinreise von Straßburg bis Rotterdam“ (D 1, 1835): Buchrücken und Titelblatt noch mit Autorenangabe: Prof. J. A. Klein „Rheinreise von Straßburg bis Rotterdam“ (D 1, 1835): Buchrücken und Titelblatt noch mit Autorenangabe: Prof. J. A. Klein Deutschland und der Österreichische Kaiserstaat (1842) (1/6)▶ Einband (Vorderdeckel und Rücken) Deutschland und Österreich, 3. Auflage von 1847, Einband nun im Baedeker-Rot Am 1. Juli 1827 eröffnete Karl Baedeker in Koblenz eine Verlagsbuchhandlung (Verlag Karl Baedeker). Fünf Jahre später erwarb er dort den Verlag von Franz Friedrich Röhling, der 1828 den ersten Rheinreiseführer Rheinreise von Mainz bis Cöln, Handbuch für Schnellreisende des Historikers Johann August Klein (1778–1831) herausgegeben hatte. Für die zweite Auflage 1835 überarbeitete und erweiterte Karl Baedeker die Rheinreise, sodass man mit dem Erscheinen der Rheinreise von Mainz bis Cöln vom inhaltlich ersten Baedeker-Reiseführer sprechen kann. Das Buch wurde innerhalb von zwölf Jahren dreimal neu aufgelegt. Lediglich aus absatztechnischen Erwägungen heraus verzichtete Baedeker bis 1852 auf eine Angabe seiner Autorenschaft auf dem Titelblatt Rheinreise. In dem 1842 erstmals erschienen Reiseführer Deutschland und der Österreichische Kaiserstaat legte Karl Baedeker in einer Vorbemerkung ausführlich sein Herangehen bei der Erstellung des inhaltlichen Konzepts unter Verwendung des Vorbildes von John Murray dar, verwies aber gleichzeitig auf die von ihm eigenständig daraus entwickelten Kernpunkte seines neuen Reiseführers. Sie waren Vorbild auch für alle weiteren eigenen Titel bis 1859 und diejenigen seiner Nachfolger in der Verlagsführung. In der dritten Auflage dieses Bands führte Baedeker 1846, eine durch einige Karten ergänzte Teilauflage folgte nur ein Jahr später, das legendäre Baedeker-Rot und die Sterne für besondere Sehenswürdigkeiten für seine Reiseführer ein; auch hier folgte er dem englischen Vorbild. Baedeker revolutionierte die Reiseliteratur, um die Benutzer unabhängig von Fremdenführern zu machen. Seine handlichen, in charakteristischem roten Einband gebundenen Führer zu Zielen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und anderen europäischen Ländern festigten den Ruf der Baedeker-Reiseführer als faktenreiche und niveauvolle Reisebegleiter. Baedeker legte besonderen Wert auf Übersichtlichkeit, Genauigkeit und Aktualität. Alle Reisebeschreibungen wurden ständig aktualisiert und einhergehend mit den sich im Verlaufe der Zeit ändernden Ansprüchen der Nutzer inhaltlich überarbeitet. Der Name Baedeker wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum zum Synonym für Reiseführer. Karl Baedeker gilt heute als einer der Wegbereiter des Massentourismus, da die Baedeker-Reiseführer (nach dem Vorbild des Engländers John Murray) das Reisen als Vergnügungsform institutionalisierten sowie einen zum Teil bis heute gültigen Kanon an Reiserouten und Sehenswürdigkeiten vorgaben. Er selbst aber argumentierte 1849 in seiner „Rheinreise“: „Wahren Genuß von einer Reise in der gesegneten Pfalz hat nur der Fußwanderer, weil nur ihm die Höhen und Thäler alle zugänglich sind. [...] er braucht nicht zu befürchten, hier jenem anmaßenden übersättigten R e i s e p ö b e l bei jedem Schritte zu begegnen, der in dem engeren Rheinthal vermöge des leichten Dampf-Verkehres das Land heuschreckenartig überfluthet, das Anziehendste widerwärtig zu machen geeignet ist, und in allerlei Zungen bekundet, daß er nichts gelernt und nichts vergessen hat.“[3] Baedeker arbeitete unbestechlich, nüchtern und genau. Nach einer Anekdote war er ein Erbsenzähler im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Besteigen des Mailänder Doms beobachtete der westfälische Freiherr Karl Gisbert Friedrich von Vincke 1847, wie Karl Baedeker alle 20 Stufen stehen blieb und eine trockene Erbse von der Westen- in die Hosentasche steckte. Mit 20 multipliziert, ergab die Zahl der Erbsen plus Reststufen die präzise Stufenangabe für den späteren Reiseführer. Beim Abstieg machte er dann die Gegenprobe. Eben jener Genauigkeit verdankt er auch seine Erwähnung in der humoristischen britischen Oper La Vie Parisienne[4] von Alan Patrick Herbert und Alfred Robert Davies Adams (die sich entgegen weitverbreiteten Angaben nur vage am französischen Original von Jacques Offenbach orientiert)[5]. Im Libretto von A. P. Herbert heißt es: “For Kings and Governments may err // But never Mr. Baedeker.” Grabmal von Karl Baedeker auf dem Hauptfriedhof Koblenz (links) Karl Baedeker starb an einem Herzinfarkt;[6] an seiner Beisetzung am 7. Oktober 1859 nahm auch Adolf von Pommer Esche, der Oberpräsident der Rheinprovinz teil.[7] Baedekers Grab befindet sich auf dem Koblenzer Hauptfriedhof. Bis heute erscheinen Reiseführer unter der Marke Baedeker im Verlag Karl Baedeker, der inzwischen zur Verlagsgruppe MairDumont in Ostfildern bei Stuttgart gehört. | BAEDEKER, Karl (I59791)
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| 3947 | Leben Karl Friedrich von Dacheröden wurde als Sohn des Regierungspräsidenten von Magdeburg, Carl Friedrich von Dachröden (1705–1742), und dessen Frau Charlotte Ludmilla von Posadowsky geboren. Wie sein Vater wurde er preußischer Verwaltungsbeamter und war mit 21 Jahren Landrat im preußischen Magdeburger Anteil der Grafschaft Mansfeld. Am 23. Juni 1763 wurde er mit einem Gehalt von 1600 Reichstalern zum Kammerpräsidenten in Minden ernannt. Laufend wurde er wegen nie gelieferter Unterlagen für den Adressenkalender des Fürstentums Minden gemahnt. 1765 geriet er in Verdacht, mit englischen Wechseln für Lieferungen aus dem Fürstentum Minden im Siebenjährigen Krieg unordentlich umgegangen zu sein. Er beschwerte sich über die die Wirtschaft behindernde Akziseordnung und führte eine Justizordnung ein, die Ärger erregte. Seine jährlichen Berichte wurden wiederholt gerügt. Als König Friedrich II. 1771 Dacheröden als Vorsitzenden der Preußischen Kammer in Minden ablösen ließ – offenbar wegen Unordnung in der Kasse – und ihn zum Direktor der Neumärkischen Kammer ernannte, trat dieser den niederen Posten nie an und zog sich mit Schulden auf seine Güter in der Nähe Erfurts zurück. Ende desselben Jahres bezog Dacheröden mit seiner Frau Ernestina Friderica von Hopffgarten, Tochter von Friedrich Abraham von Hopffgarten, und seinen Kindern in der Stadt das heute so genannte Dacherödersche Haus, Am Anger 37/38. Von Anfang an führte er ein sehr gastfreundliches Haus, in dem sich zum Teil regelmäßig Johann Wolfgang von Goethe, die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und andere zum Gedankenaustausch trafen. Neben einer französischen Gouvernante war in Erfurt der Journalist und Pädagoge Rudolph Zacharias Becker für die Erziehung der Dacheröderschen Kinder Caroline (* 23. Februar 1766) und Ernst Ludwig Wilhelm (* 11. November 1764) zuständig, der später von Johann Bernhard Basedow für sein Philanthropinum in Dessau abgeworben wurde. In Dacherödens Haus feierte Friedrich Schiller seine Verlobung mit Charlotte von Lengefeld und Wilhelm von Humboldt machte der Tochter Caroline dort erfolgreich seinen Heiratsantrag. Nachdem Dacheröden viele Jahre Mitglied der 1754 gegründeten kurmainzischen Akademie nützlicher Wissenschaften in Erfurt gewesen war, wurde er 1778 deren Direktor. Nach Übernahme der Kurmainzischen Statthalterschaft durch seinen Freund Karl Theodor von Dalberg und Neu-Belebung der Akademie-Zeitschrift wurde von Dacheröden 1781 Zensor für die eingehenden historischen und staatswissenschaftlichen Beiträge. Daneben schrieb er selbst Beiträge und hielt Vorlesungen. 1785 wurde er als Nachfolger von Hieronymus Friedrich Schorch zum Präsidenten der Akademie gewählt. Dacheröden hatte von seiner Großmutter das Rittergut Grumbach im Amt Langensalza geerbt, das er am 16. März 1785 an Johann Gottlob von Dachröden verkaufte. Im Alter von 77 Jahren starb Karl Friedrich von Dacheröden in Erfurt. | VON DACHERÖDEN, Karl Friedrich (I48804)
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| 3948 | Leben Karl Lehrs war Sohn des jüdischen Manufakturwarenhändlers Pinkus Kaufmann Levi (seit 1812: Lehrs), konvertierte aber 1822 zum Christentum. Er wurde 1823 promoviert und habilitierte sich 1831. Nachdem er einige Jahre unter schlechten Arbeitsbedingungen im Schuldienst tätig gewesen war, hatte er von 1845 bis zu seinem Tod eine ordentliche Professur für griechische Philologie in Königsberg inne. Karl Lehrs war ein Mann entschiedener Ansichten. Er betonte, dass man Homer als Originalgenie und nicht als Stubengelehrten sehen müsse. Daher wandte er sich gegen die analytische Homerforschung in der Nachfolge Friedrich August Wolfs und insbesondere gegen die „Einzelliedertheorie“ Karl Lachmanns; stattdessen wollte er an der einheitlichen Autorschaft Homers für die gesamte Ilias festhalten. Komparativer Mythologie und symbolischer Interpretation von Mythen konnte Lehrs nichts abgewinnen, sondern sah die griechischen Göttergestalten aus der Anschauung der Natur oder aus der Erfahrung einer ethischen Idee heraus gebildet. Zu seinem 50-jährigen Doktorjubiläum am 7. März 1873 ließ Lehrs humoristische „Zehn Gebote“ für klassische Philologen drucken, deren wichtigste sind (1.–3. Gebot): Man solle (erg.: die Gedanken anderer Autoren) nicht nachbeten oder stehlen und auch nicht der handschriftlichen Überlieferung blind vertrauen.[1] Lehrs, der bis zuletzt wissenschaftlich produktiv war, verstarb 1878 nach kurzer Krankheit an einem Blasenleiden. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Arthur Ludwich und August Lentz. Lehrs war mit dem Gutsbesitzer und Kunstsammler Fritz von Farenheid befreundet, mit dem er bis zu seinem (Lehrs) Tod einen lebhaften Briefwechsel pflegte.[2] 1860 wurde er korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.[3] Beerdigt wurde er auf dem Gelehrtenfriedhof (Königsberg). Schriften De Aristarchi Studiis Homericis. Hirzel, Leipzig 1833. (Stellte die Exegese und Textkritik Homers auf eine neue Grundlage (gemäß der Methode Aristarchs, den Text aus sich selbst heraus zu erklären.)) (Digitalisat) Quaestiones Epicae. Bornträger, Königsberg 1837. (Digitalisat) De Asclepiade Myrleano. 1845.[4] Herodiani Scripta tria emendatiora. Samter, Königsberg 1848. (Hier machte er den nur fragmentarisch überlieferten Grammatiker Herodian als Persönlichkeit greifbar.) (Digitalisat) Populäre Aufsätze aus dem Altertum, vorzugsweise zur Ethik und Religion der Griechen. 1856. 2., stark erweiterte Auflage 1875. (Digitalisat der 2. Aufl.) (Sein bekanntestes Werk, in dem er für die Schönheit der antiken Welt Begeisterung zu wecken versucht.) Horatius Flaccus. Vogel, Leipzig 1869. (Digitalisat) (Ein Werk, in dem er viele Oden des Horaz aus ästhetischen Gründen als unecht verwarf.) Die Pindarscholien, eine kritische Untersuchung zur philologischen Quellenkunde. Nebst einem Anhange über den Heyschius Milesius und den falschen Philemon. Hirzel, Leipzig 1873. (Digitalisat) Kleine Schriften. 1902. (Digitalisat) (Nachdruck Olms, Hildesheim 1979). Literatur Conrad Bursian: Karl Lehrs. In: Biographisches Jahrbuch für Alterthumskunde. Jg. 1, 1878, S. 14–28 (Digitalisat). Ludwig Friedländer: Lehrs, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 152–166. (mit Korrektur aus Bd. 18, S. 796) Jula Kerschensteiner: Lehrs, Karl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 113 f. (Digitalisat). Manfred Lossau: Karl Lehrs (1802–1878). In: Dietrich Rauschning, Donata von Nerée (Hrsg.): Die Albertus-Universität zu Königsberg und ihre Professoren. Berlin 1995 (= Jahrbuch der Albertus-Universität zu Königsberg/Pr. Band 29, 1994), S. 395–302 Manfred Lossau: Von Christian August Lobeck bis Ludwig Friedländer. Das große Jahrhundert der Königsberger Philologie. In: Archiv für Kulturgeschichte. Band 78 (1996), S. 206–224 Lehrs, Karl. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 8: Frie–Gers. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2000, ISBN 3-598-22688-8, S. 118–122. Lehrs, Karl. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 16: L – Lord Advocate. London 1911, S. 384 (englisch, Volltext [Wikisource] – mit falschem Geburtsdatum: 2. Juni statt richtig 14. Januar). | LEHRS, Karl Ludwig (I55345)
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| 3949 | Leben Karl von Richthofen war Germanist und machte sich vor allem um die friesische Rechtsgeschichte verdient. Daneben lehrte er Staatsrecht von 1841 bis 1860 an der juristischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Freiherr von Richthofen gehört dem alten schlesischen Geschlecht Richthofen an. 1850 war er Mitglied des Volkshauses des Erfurter Unionsparlaments. Bibliothek Richthofens nachgelassene Handbibliothek von 4250 Bänden wurde 1926 von der juristischen Fakultät der Columbia University erworben.[1] Familie Karl von Richthofen stammte aus dem Adelsgeschlecht der Richthofen. Sein Vater war Karl von Richthofen (1787–1841), Erbherr auf Brecheishof, Bersdorf, Rosen, Damsdorf, Tscharnikau usw. zudem preußischer Landrat des Kreises Jauer. Seine Mutter war Therese Freiin Grote (1791–1811) aus dem Haus Grabow, sie war die Tochter des hannoverschen Staatsministers Freiherr Otto Ulrich Grote (1750–1808) und der Charlotte von Plato (1757–1821). Sein jüngerer Bruder war der Abgeordnete Ernst von Richthofen. Seine erste Frau wurde 1840 in Glogau Sophie von Lützow (1816–1855), die Tochter des preußischen Generals Leopold von Lützow. Aus dieser Ehe entstammen folgende Kinder: Karl Friedrich (1842–1916), Rittergutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags Irmgard (1853–1910) ⚭ 1879 Ferdinand von Richthofen (1833–1905) Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er in Berlin 1857 Sophie von Frankenberg (1818–1879), Tochter des Majors Heinrich von Frankenberg und der Friederike von Richthofen. Seine dritte Frau wird 1879 in Berlin Elfriede Freiin Grote (1848–1930), Tochter des Karl Freiherr Grote und der Charlotte von Frankenberg. Schriften 1840: Friesische Rechtsquellen (Digitalisat) (PDF-Datei; 52,79 MB) 1840: Altfriesisches Wörterbuch 1863: Lex Frisionum (in Monumenta Germaniae Historica) 1880–1886: Untersuchungen über friesische Rechtsgeschichte (drei Teile) 1. Teil (PDF-Datei; 30,34 MB) 2. Teil 1/2 (PDF-Datei; 36,70 MB) 2. Teil 2/2 (PDF-Datei; 43,03 MB) 3. Teil (PDF-Datei; 6,33 MB) 1886: Die ältere Egmonder Geschichtsquellen | VON RICHTHOFEN, Karl (I59601)
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| 3950 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60555)
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