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| 3851 | Leben Die Eltern von Abraham Furtado waren portugiesische Marranen aus Lissabon. Während des Erdbebens von Lissabon 1755 wurde der Vater getötet. Die Mutter ging daraufhin nach London, wo sie sich offen zum Judentum bekannte. Nach der Geburt ihres Sohnes zog sie zunächst nach Bayonne und dann nach Bordeaux, wo Abraham die Schule besuchte. Als junger Mann trat Furtado in eine Schiffs-Assekuranz ein. Nach einer kurzen Tätigkeit als Kaufmann widmete er sich dem Handel mit Grundstücken. In seiner Freizeit beschäftigte er sich mit naturwissenschaftlichen Fragen und schrieb an einem Werk, das in Auszügen publiziert wurde und ihm viel Anerkennung einbrachte. Als Malesherbes eine Kommission einrichtete, die Vorschläge zur Verbesserung der Situation der Juden in Frankreich erarbeiten sollte, wurde auch Fuentes in diese einberufen. 1789 wurde Furtado Munizipalrat von Bordeaux. Da er den Girondisten nahestand, wurde er 1793 aus Frankreich ausgewiesen und enteignet. Erst nach dem Ende der Terrorherrschaft kehrte er nach Frankreich zurück und wurde ins Wahlkollegium der Gironde berufen. 1806 lud Napoleon jüdische Würdenträger und Fachleute nach Paris, unter ihnen auch Furtado. Von dieser Versammlung, der „Assemblée des Notables“, wurde er als Präsident gewählt. Die Versammlung sollte Antworten auf die ihnen gestellten Fragen zum Verhältnis von jüdischem und staatlichem Recht, jeweils basierend auf Grundsätzen von Halacha und Bibel, finden. Sprecher des am 9. Februar 1807 konstituierten Grand Sanhédrin wurde Abraham Furtado, den der Abbé Grégoire so sehr schätzte, dass er ihn für den bedeutendsten französischen Juden hielt.[1] Als der Grand Sanhédrin unvermittelt aufgelöst wurde, trat die Notablenversammlung wieder zusammen und Furtado wurde ihr Sekretär. Am 8. März 1807 unterzeichnete er im Pariser Rathaus, als einer der 71 jüdischen Würdenträger des napoleonischen Kaiserreiches, die „Lehrbeschlüsse des Großen Sanhedrin“. Rabbi Abraham Furtado Nach der Entmachtung Napoleons, schloss er sich den Royalisten und dem am 12. März 1814 nach Bordeaux zurückgekehrten Herzog von Angoulême an. an. Ein während der Hundert Tage angebotenes Amt als Beigeordneter des Stadtrats von Bordeaux lehnte er ab. 1815 setzte ihn Ludwig XVIII. als Kämmerer in Bordeaux ein. Eine Schwester Furtados, Rebecca Mendez Furtado, heiratete 1765 in London Benjamin D’Israeli (1730–1816); sie waren die Großeltern des zweimaligen britischen Premierministers Benjamin Disraeli. Abrahams Bruder Joseph Furtado (1757–1840) wurde Rabbiner von Bayonne. Dessen Sohn Élie Furtado (1769–1869) und Rose, geb. Fould (1791–1870) waren die Eltern von Cécile Charlotte Furtado (1821–1896), die am 2. Oktober 1838 Beer Carl Heine (1810–1865) heiratete, den Sohn des Hamburger Bankiers Salomon Heine und Cousin von Heinrich Heine.[2] Ihre Tante Auguste Furtado, eine Schwester Élie Furtados, verstarb 1894 unverheiratet in Bayonne.[3] Nachruhm In Bordeaux ist eine Straße nach Abraham Furtado benannt. Die Schriftstellerin Doris Wittner (1880–1937) ließ Abraham Furtado in ihrer historischen Erzählung Der tote Jude auftreten. Schriften [Mit David Gradius und Salomon Lopes-Dubec:] Lettre adressée à M. Grégoire, curé d'Emberménil, député de Nancy, par les députés de la nation juive portugaise, Versailles 1789 (Web-Ressource). Discours de MM. les Commissaires de S. Majesté impériale et royale, prononcé à l’Assemblée des Français professant le culte de Moïse, dans la séance du 18. séptembre 1806, Plassan, Paris 1806 Discorso pronunziato nella grande sinagoga di Parigi, all' occasione dell' apertura del Gran Sanhedrim, Levrault, Paris 1807. Lettre & adresse par une société d'Israelites à Francfort s/m, qui à pour but de contribuer des Israëlites à Monsieur Furtado, président de l'Assemblée des Députés des Israélites à Paris, et la réponse, o. O., 1807. | FURTADO, Abraham (I61079)
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| 3852 | Leben Die ererbte Firma Isaak Behrens und sein weniger aktiver älterer Bruder Gumpert Behrens wuchsen im großzügigen Lebensstil einer prominenten jüdischen Familie in die Bank- und Handelsgeschäfte ihres berühmten Großvaters hinein. Isaak heiratete als Teenager die Tochter Lea des ebenfalls berühmten Halberstädter Hofjuden Issachar Berend Lehmann[2]; das Paar hatte 1721 bereits sieben Kinder.[3] Trotz ihres guten Rufs hatte die großväterliche Firma, als die Brüder sie erbten, nur wenig verfügbares Kapital, das Vermögen bestand im Wesentlichen in schwer eintreibbaren Außenständen. Die Lage verschlechterte sich, weil Miterben ausgezahlt werden mussten, die Juwelenpreise verfielen und Kunden ihre Einlagen abzogen, um in den in Mode kommenden Aktien zu investieren. Die drei zur Firma gehörenden Manufakturen (Tuch, Kerzenwachs, Tabak) arbeiteten mit Verlusten. Kinder Jacob Hannover Cohen Behrens, (Starb 25. August 1784), Schüler von Jacob Emden, heiratete 1758 Mate, die Tochter von Wolf Oppenheim, wurde 1764 Rabbi der Klaus in Halberstadt Joel, lebte in Leimen bei Heidelberg Lehmann, Arzt in Rendsburg Leffmann (starb 1780 in Pressburg) Kossmann, lebte in Dresden Elias, lebte in Dresden[4] Verschuldung, Konkurs, Anklage und Folter Um ihren Kredit und einen hohen Lebensstandard aufrechtzuerhalten, verschuldeten sich die Brüder bei Isaaks Schwiegervater, dem im preußischen Halberstadt residierenden Issachar Berend Lehmann. Als Sicherheit überließen sie ihm fremde und eigene Schuldverschreibungen sowie Juwelen. Als sie in großer Geldverlegenheit am 1. April 1721 in Richtung Halberstadt aufbrachen, um bei Berend Lehmann einige verbliebene Wertsachen zu versetzen, wurden sie von der kurhannoverschen Justiz verhaftet, für bankrott erklärt und des Betruges zum Schaden ihrer Gläubiger beschuldigt. Angeblich hatten sie (hauptsächlich bei Berend Lehmann) große Werte versteckt und damit der Konkursmasse entzogen. Diese Behauptung wurde nie bewiesen, und um ein entsprechendes Schuldbekenntnis zu erzwingen, wurden die Brüder nach dreijähriger Kerkerhaft gefoltert. Sie gestanden nichts, höchstwahrscheinlich, weil nichts zu gestehen war. Nach weiteren zwei Jahren Haft wurden sie entlassen und auf Lebenszeit des Landes verwiesen.[5] Nach der Freilassung Über Gumpert Behrens ist bisher nichts weiter bekannt, als dass er 1738 nicht mehr am Leben war. Isaak dagegen ließ sich in Altona (damals dänisch) nieder und schrieb 1738 eine Megillah, d. h. einen Erlebnisbericht zur Verlesung beim Purimfest. Sie ist ein auch sprachgeschichtlich wichtiger Text in jiddischer Sprache. Isaak Behrens starb, etwa siebzigjährig, bei einem seiner Söhne, einem Arzt in Rendsburg. Sein Grabstein auf dem Alten Jüdischen Friedhof in der Hannoveraner Nordstadt ist erhalten.[6] Einzelnachweise Behrens, Isaak, Megillah, 1738, Manuskript in der Bibliotheca Rosenthaliana der Universitätsbibliothek Amsterdam, Sign. Hs Ros 82. Hochdeutsche Übersetzung: Isaak Marcus Jost: Eine Familien-Megillah aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Getreulich ins Hochdeutsche übertragen von Dr. J. M. Jost In: Zeitschrift für Wissenschaft und Geschichte des Judenthums, Jg. 2 (1865), S. 64–82 Bernd Schedlitz: Leffmann Behrens. Untersuchungen zum Hofjudentum im Zeitalter des Absolutismus (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. 97), Hildesheim 1984, S. 25 Berndt Strobach: Bei Liquiditätsproblemen: Folter. Das Verfahren gegen die jüdischen Kaufleute Gumpert und Isaak Behrens in Hannover, 1721–1726, epubli Berlin 2013, ISBN 978-3-8442-4986-6, S. 83 Louis und Henry Fraenkel: Forgotten Fragments of the history of an old Jewish Family, Kopenhagen 1975 Berndt Strobach: Bei Liquiditätsproblemen: Folter. Das Verfahren gegen die jüdischen Kaufleute Gumpert und Isaak Behrens in Hannover, 1721–1726, epubli Berlin 2013, ISBN 978-3-8442-4986-6, S. 13–20 Peter Schulze: Beiträge zur Geschichte der Juden in Hannover (Hannoversche Studien, Bd. 6), Hannover 1998 | BEHRENS, Isaak (I60666)
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| 3853 | Leben Die jüngste Tochter von fünf Kindern des Komponisten Giacomo Meyerbeer (1791–1864) und seiner Frau Minna, geb. Mosson (1804–1886), wuchs in Berlin auf. Cornelie Meyerbeer ließ sich als 16-Jährige in der Berliner Nikolaikirche taufen und kurz danach konfirmieren. Sie heiratete 1866 den 19 Jahre älteren Maler Gustav Richter. Seither spielte sie in den Jahrzehnten bis zum Ersten Weltkrieg eine immer wichtigere gesellschaftliche Rolle im Berlin der Gründerzeit und der Belle Époque. Ab etwa 1890 führte sie, bereits früh verwitwet, einen regelrechten Salon, in dem vor allem Künstler und Kunstfreunde verkehrten, aber auch zahlreiche Literaten der aufkommenden Moderne, unter ihnen Hugo von Hofmannsthal. „Innig befreundet“[1] mit der gleichaltrigen Marie von Schleinitz, stand sie mit Axel von Varnbüler und Harry Graf Kessler in engem Kontakt. Cornelie Richter starb 1922 in ihrem Haus in der Hohenzollernstraße 9 (heute Nr. 8a) in Wannsee[2]. Das Haus wurde in den 70er Jahren abgerissen.[3] Urteil Marie von Bunsen urteilte über Cornelie Richter in ihren Mémoiren: „Mehr als alle anderen Damen jüdischer Herkunft, die sich eine gesellschaftliche Stellung bei uns erwarben, hat man sie ins Herz geschlossen. Man hat sie geliebt. Sie war sanft, warmherzig und weiblich, sie sprach nicht viel, war nicht bedeutend, doch hatte sie instinktmäßiges Verständnis für Menschen.“[4] Bekannte Habitués Gustav und Cornelie Richter im Salon des Malers. Um 1880 Franz von Arenberg George Bancroft Reinhold Begas Wilhelm von Bode Bernhard von Bülow Daniela von Bülow Hans von Bülow Marie von Bunsen Ernst Dohm Eleonora Duse Philipp zu Eulenburg Elisabeth Förster-Nietzsche Heinrich Grünfeld Ferdinand von Harrach Anna von Helmholtz Hermann von Helmholtz Albert Hertel Ferdinand Hiller Hugo von Hofmannsthal Alexander von Hoyos Ernst von Ihne Joseph Joachim Alexander Carathéodory Pascha Harry Graf Kessler Hermann von Keyserling Theodor Kirchner Ludwig Knaus Botho von dem Knesebeck Friedrich Kraus Lilli Lehmann Ernst von Leyden Karl Max von Lichnowsky Wilhelm Lübke Adolph Menzel Paul Friedrich Meyerheim Ottmar von Mohl Kuno von Moltke Helene von Nostitz-Wallwitz Hedwig von Olfers Marie von Olfers Maximiliane von Oriola Waldemar von Oriola Ludwig Passini Joseph Maria von Radowitz Marie von Radziwiłł Walther Rathenau Max Reinhardt Walter Robert-tornow Anton Rubinstein Marie von Schleinitz Götz von Seckendorff Hildegard von Spitzemberg Adolf Stahr Bayard Taylor Hugo von Tschudi Axel von Varnbüler Henry van de Velde Cosima Wagner Familie Cornelie Meyerbeer und Gustav Richter heirateten 1866 und hatten vier Söhne: Gustav Giacomo Richter (1869–1943; Maler) Raoul Michael Richter (1871–1912; Philosoph) Reinhold Richter (1872–1947) Hans Richter (1876–1955; Jurist) Quellen Marie von Bunsen: Zeitgenossen, die ich erlebte. Leipzig 1932. Literatur Sven Kuhrau (Hrsg.): Juden, Bürger, Berliner. Das Gedächtnis der Familie Beer – Meyerbeer – Richter. Berlin 2004 (Ausstellungskatalog). Petra Wilhelmy: Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 1989. Hans Moeller (Hrsg.): „Ich weiß auch, daß Sie Vielen gehören.“ Briefe an Cornelie Richter, geb. Meyerbeer 1884–1922. Hentrich & Hentrich, Berlin 2015. ISBN 978-3-95565-082-7 | MEYERBEER, Cornelia (I60834)
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| 3854 | Leben Eberhard IV. war das einzige überlebende Kind aus der Ehe von Graf Eberhard III. und Antonia Visconti. Am 13. November 1397 wurde er mit Henriette von Mömpelgard verlobt. Henriette war die älteste Tochter und Haupterbin Heinrichs von Mömpelgard, der 1396 starb, ein Jahr vor seinem Vater, dem Grafen Stephan von Mömpelgard. Durch die spätestens 1407 geschlossene Ehe wurde die Grafschaft Mömpelgard württembergisch. Eberhard IV. beteiligte sich ab 1407 aktiv an der Regierung des Landes. Ab 1409 regierte er gemeinsam mit Henriette die Grafschaft Mömpelgard. Nach dem Tod Eberhards III. am 16. Mai 1417 übernahm er die Regierung in ganz Württemberg. Bei seinem Tod am 2. Juli 1419 waren seine beiden Söhne, die späteren Grafen Ludwig I. und Ulrich V., erst sieben beziehungsweise sechs Jahre alt. Deshalb wurde eine Vormundschaftsregierung aus Henriette und bis zu 32 württembergischen Räten eingesetzt. Nachkommen Eberhards Kinder mit Henriette von Mömpelgard waren: Anna, * 1408 in Waiblingen, ⚭ 1422 mit Philipp I. von Katzenelnbogen Ludwig I., * 1412 in Urach Ulrich V. „der Vielgeliebte“, * 1413. Daneben hatte Eberhard mit seiner Geliebten Agnes von Dagersheim noch mehrere Kinder[1]: Antonia von Dagersheim, ⚭ Konrad Lyher, Kanzler in Stuttgart. Aus dieser Ehe ging Elisabeth Lyher hervor, Ehefrau des Markgröninger Vogtes Heinrich Volland, deren Sohn Ambrosius Volland (1472–1551) württembergischer Kanzler, kaiserlicher Rat und Rechtsgelehrter an der Universität Wittenberg war.[2] Über diese Linie ist sie Vorfahrin von Hegel, Schelling, Hölderlin, Uhland, Mörike, Hauff, Kerner...[3] Anna von Dagersheim, ⚭ Hans Ferg, genannt Vergenhans, bedienstet am Hof zu Urach. Dieser Verbindung entstammen die Tochter Anna Vergenhans, der Sohn Ludwig Vergenhans (Dr., Probst in Stuttgart, Domherr in Konstanz und Augsburg, Kanzler in Stuttgart) und sein Bruder Johannes Vergenhans. Wilhelm von Dagersheim (Bürgermeister von Stuttgart) verheiratet mit Margarethe von Enzberg (Tochter des Bischofs von Speyer). Ihm wurde in der Hospitalkirche in Stuttgart ein Grabstein errichtet mit den württembergischen Hirschstangen und einem Bastardbalken und der Bezeichnung Lediger von Württemberg. Seine Tochter Agnes von Dagersheim heiratete den Stuttgarter Ratsherren Hans Welling und wurde Mutter von Sebastian Welling, dem Stuttgarter Bürgermeister und Mitregent Württembergs während der Vormundschaft für Herzog Ulrich.[4] mehrere weitere Kinder Einzelnachweise Hansmartin Decker-Hauff et al., Die Universität Tübingen von 1477 bis 1977 in Bildern und Dokumenten. 500 Jahre Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Beiträge zur Geschichte der Universität Tübingen 1477–1977. Attempto, Tübingen 1977, ISBN 3-921552-02-8, Stammtafel S. 24f. Otto Beuttenmüller (Bearb.): Schwäbisches Geschlechterbuch. Neunter Band, Starke, Limburg an der Lahn 1975 (Deutsches Geschlechterbuch. Band 170), S. 69 ff. Hansmartin Decker-Hauff: Geschichte der Stadt Stuttgart. Hrsg.: Städtische Sparkasse und Städtische Girokasse Stuttgart. 1 Von der Frühzeit bis zur Reformation. Kohlhammer, Stuttgart 1966, S. 259. Hansmartin Decker-Hauff: Geschichte der Stadt Stuttgart. Hrsg.: Städtische Sparkasse und Städtische Girokasse Stuttgart. 1 Von der Frühzeit bis zur Reformation. Kohlhammer, Stuttgart 1966, S. 259. Literatur | VON WÜRTTEMBERG, Eberhard IV. ´der Jüngere` (I61236)
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| 3855 | Leben Eberhard unterstützte die Königsherrschaft seines Bruders (911–918) aktiv, insbesondere gegen die Herzöge Arnulf von Bayern und Heinrich von Sachsen. Als Konrad I. Ende 918 wusste, dass er sterben würde, forderte er alle Herzöge auf, zu ihm nach Forchheim zu kommen. Sicher ist, dass Heinrich nicht kam. Widukind von Corvey berichtet, dass Konrad auf seinem Sterbebett am 23. Dezember 918 seinen Bruder Eberhard beauftragt habe, Heinrich die Königsinsignien persönlich zu übergeben. Im Mai 919 übergab Eberhard auf dem Reichstag in Fritzlar die Insignien an Heinrich, und Franken sowie Sachsen wählten Heinrich zum König, womit zum ersten Mal ein Sachse Herrscher des ostfränkischen Reiches wurde. Widukinds Designationsbericht wird allerdings heute von vielen Geschichtsforschern als eine von den Liudolfingern aufgebrachte Legende betrachtet. Das Verhältnis Eberhards zu dem neuen König Heinrich I. war ungetrübt. Von 926 bis 928 übertrug Heinrich I. Eberhard auch das Herzogtum Lothringen, was als Vertrauensbeweis gelten kann: Der neue Herzog konnte durch seine Regierung das Land schnell beruhigen. Nach Heinrichs Tod geriet Eberhard sehr bald in Konflikt mit Heinrichs Sohn und Nachfolger Otto I. Im Jahre 937 belagerte Eberhard die Burg Helmern bei Peckelsheim, die im fränkischen Herzogtum an der Grenze zu Sachsen lag. Der Burgherr Bruning war Sachse und lehnte ein Lehnsverhältnis zu Eberhard und generell zu einem Franken oder Nicht-Sachsen ab. Otto I. forderte alle Beteiligten auf, nach Magdeburg zum Königsgericht zu kommen. Eberhard musste ein Bußgeld zahlen und seine Hauptleute wurden zum öffentlichen Tragen von toten Hunden verurteilt, was als eine besonders entehrende Strafe angesehen wurde. Eberhard schloss sich daraufhin den Gegnern Ottos an. 938 rebellierte er gemeinsam mit Ottos älterem Halbbruder Thankmar und dem neuen Herzog von Bayern, Eberhard (Sohn Arnulfs von Bayern). Thankmar wurde jedoch schon 938 im Kampf getötet und Eberhard von Bayern wurde durch seinen Onkel Berthold ersetzt, der in Bayern von 938 bis 945 regierte. Nach kurzzeitiger Versöhnung mit Otto verbündete sich Eberhard mit Giselbert von Lothringen und Ottos jüngerem Bruder Heinrich schon bald darauf zum erneuten Aufstand. Am 2. Oktober 939 wurden Eberhard und Giselbert von den konradinischen Grafen Konrad Kurzbold und Udo I. von der Wetterau in der Schlacht bei Andernach am Rhein geschlagen. Eberhard fiel in der Schlacht; Udo soll ihn eigenhändig getötet haben. Giselbert ertrank im Rhein bei dem Versuch, zu fliehen. | (FRANKEN), Eberhard (I47244)
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| 3856 | Leben Elisa von Ahlefeldt war das einzige überlebende Kind des Grafen Friedrich (auch: Frederik) von Ahlefeldt-Laurvig (1760–1832) und der Charlotte Louise von Hedemann (1762–1812), einer Tochter des Landrates Georg von Hedemann. Sie genoss eine ausgezeichnete Erziehung, hatte aber keine glückliche Kindheit und Jugend. Häusliche Zerwürfnisse, meist hervorgerufen durch Verschwendung und Ausschweifungen des Vaters, trennten die Ehe der Eltern. 1806 wurde sie morganatisch dem dänischen Kronprinzen Christian (später Christian VIII.) angetraut und gebar am 21. November 1807 eine Tochter, Wilhelmine Georgine Adolfine Laurbug (gest. 19. April 1863). Diese erste gegen den Willen des Vaters geschlossene kurze, glückliche Ehe wurde verschwiegen und Adolfine von Dänemark ferngehalten. Bei einer Badereise nach Bad Nenndorf mit ihrer Mutter begegnete sie dem preußischen Offizier Adolf von Lützow, der sich dort von Verwundungen aus Kämpfen der Freischar Ferdinand von Schills gegen Napoleon kurierte. Sie heiratete ihn am 20. März 1810 nicht ohne den schwer zu überwindenden Widerstand ihres Vaters. Die Ehe war anfangs glücklich, solange die Vaterlandsliebe beide zu gemeinsamer Tätigkeit verband. Als Lützow 1813 sein Freikorps errichtete, hatte Elisa daran entschiedenen Anteil. Sie wirkte begeistert für die Werbung und Ausrüstung der Freiwilligen, nahm in Breslau die Meldungen an und widmete sich später aufopfernd den Verwundeten. Theodor Körner, Friedrich Friesen und Friedrich von Petersdorff gehörten damals zu ihren treuesten Freunden. Mit Friedrich Friesen verband sie eine enge Freundschaft und sie wirkte 1843 maßgeblich mit, dass dieser 29 Jahre nach seinem Tod auf dem Berliner Invalidenfriedhof feierlich beerdigt werden konnte. In den Kämpfen blieb sie dem Korps nahe, helfend, pflegend (namentlich ihren oft verwundeten Gatten), alle Mühen teilend. Liebesbeziehung mit Immermann Nach dem Frieden lebte sie in Berlin, Königsberg und Münster (seit 1817), wo Lützow in Garnison stand. Dort lernte sie 1822 den jungen Carl Leberecht Immermann (1796–1840) kennen. Über gemeinsame literarische und künstlerische Neigungen entwickelte sich zwischen ihnen eine enge Liebesbeziehung, die vom Frühjahr 1822 an über 17 Jahre ihr Leben bestimmte. Ludwig Pietsch: Aus Immermann’s Kreis, Illustration aus der Zeitschrift Die Gartenlaube, 1868 – Das Bild zeigt Elisa von Ahlefeldts Salon auf Gut Collenbach in Düsseldorf. An ihrem Tische sitzen oder stehen (von links nach rechts): Christian Dietrich Grabbe, Friedrich von Uechtritz, Karl Immermann und Carl Friedrich Lessing. Um Abstand zu gewinnen, ließ sich Immermann 1824 nach Magdeburg versetzen. Elisa trennte sich jedoch von ihrem Ehemann, der inzwischen General geworden war, und übersiedelte nach Dresden. 1825 wurde ihre Ehe mit Lützow geschieden; sie weigerte sich jedoch, Immermann zu heiraten, folgte ihm aber zuerst nach Magdeburg, dann nach Düsseldorf und führte mit ihm einen gemeinsamen Haushalt in einem Landhaus, dem Collenbach’schen Gut an der Ratinger Chaussee im nahen „Derendorf“ (heute Pempelfort),[1] wo sie im Mai 1829 ihr Exmann General von Lützow besuchte, um ihr sein Leid über seine neue, doch unglückliche Ehe mit Auguste Uebel zu klagen.[2] Von 1831 an führte sie – mit Genehmigung des dänischen Königs – wieder ihren Geburtsnamen. Von 1827 bis 1839 unterstützte sie Immermanns schriftstellerische Arbeit, nachdem es schon in Münster zu Anfängen einer gemeinsamen Übersetzung von Walter Scotts Ivanhoe gekommen war. Sie wirkte auf Immermanns dichterische Tätigkeit sehr fördernd und gewann großen Einfluss auf sein dichterisches Schaffen. Nach Immermanns Verlobung mit Marianne Niemeyer (1838) verließ sie Düsseldorf und trennte sich im August 1839 endgültig von ihm. Anfang 1840 ging sie nach Berlin, wo sie zunächst mit ihrer Freundin Johanna Dieffenbach zusammen lebte, widmete sich ihrem neuen und alten Freundeskreis und blieb auch nach Immermanns frühem Tod mit dessen Frau und Tochter freundschaftlich verbunden. Nach längerem Leiden starb Elisa von Ahlefeldt 1855 im Alter von 66 Jahren in Berlin an der Wassersucht.[3] Ihr nicht erhaltenes Grab befand sich auf einem der Friedhöfe vor dem Halleschen Tor. Auf welchem genau, ist nicht bekannt.[4] Salon Ihr Salon in Berlin existierte von 1840 bis 1855, auch als „Sonntage“ bekannt. Dieser befand sich von 1840 bis 1846 zunächst in der Potsdamer Chaussee 38, ab 1846 dann in der Schulgartenstraße 1a (heutige Ebertstraße) und in den 1850er Jahren in der Dessauer Straße 7. Diesen Salon besuchten ehemalige Angehörige des Lützowschen Freikorps und weitere Familienmitglieder der Familie ihres geschiedenen Mannes, zu denen sie auch nach ihrer Scheidung immer noch in Verbindung stand. Es war auch üblich, mit anderen Salons in Verbindung zu stehen. Elisa Gräfin von Ahlefeld stand mit denen von Ludmilla Assing, Clara Mundt-Mühlbach und Fanny Lewald in Kontakt und sie besuchten sich gegenseitig. Als Gäste kamen zu ihr[5]: Rudolf von Auerswald (Politiker), Therese von Bacheracht (Schriftstellerin), Karl Isidor Beck(Dichter), Louis Blanc (Maler), Eduard von Bülow (Schriftsteller), Peter von Cornelius (Maler), Johanna Dieffenbach, Katharina Dietz (ihre Freundin), Rudolf von Gottschall (Schriftsteller), Alexander von Humboldt (Naturforscher), Karl Albert von Kamptz (Preußischer Justizminister), Adolf Friedrich von Krummacher (Theologe), Gustav Kühne (Schriftsteller), Heinrich Laube (Schriftsteller), Caroline Lauska (Malerin), Fanny Lewald (Schriftstellerin, Salon), Theodor Mundt (Schriftsteller), Clara Mundt (Schriftstellerin, Salon), Henriette Paalzow (Schriftstellerin, Salon), Emil Palleske (Schauspieler, Schriftsteller) mit Frau, Leo von Palm (General und Gefährte Lützows), Betty Paoli (Schriftstellerin), Friedrich von Petersdorff (General und Gefährte Lützows), Gustav zu Putlitz (Lustspieldirektor), Christian Rauch (Bildhauer), Friedrich von Raumer (Professor für Geschichte), Max Ring (Mediziner, Schriftsteller), Hermann Sagert (Schriftsteller), Eduard Schnaase (Kunsthistoriker), Adolf Stahr (Philologe, Schriftsteller), Henrik Steffens (Naturphilosoph), Theodor Stein (Architekt), Ludwig Tieck (Dichter), Karl August Varnhagen van Ense (Schriftsteller), Wilhelm Wach (Maler), Feodor Wehl (Schriftsteller, Dichter), Wilhelm Zahn (Professor). | VON AHLEFELDT, Elisa (I59627)
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| 3857 | Leben Elternhaus und Schulzeit Fotografie des Vaters Karl Wilhelm Ludwig Heyse Mutter Julie Heyse, Zeichnung von unbekannt Am 15. März 1830 wurde Heyse in Berlin in der Heiliggeiststraße geboren. Der Vater Karl Wilhelm Ludwig Heyse, außerordentlicher Professor für klassische Philologie und Allgemeine Sprachwissenschaft, war von 1815 bis 1817 Erzieher von Wilhelm von Humboldts jüngstem Sohn sowie von 1819 bis 1827 von Felix Mendelssohn Bartholdy.[2] Die Mutter, Julie Heyse geb. Saaling (1788–1863), stammte aus der begüterten und kunstinteressierten Familie des preußischen Hofjuweliers Jakob Salomon, der sich nach seinem Übertritt vom Judentum zum Christentum Saaling nannte. Sie war eine Cousine von Lea Salomon, der Mutter von Felix Mendelssohn Bartholdy. In Paul Heyses Elternhaus traf sich die kultivierte Gesellschaft, um sich über Musik und Kunst zu unterhalten.[3] Heyse war bis 1847 Schüler des renommierten Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums. Sein Reifezeugnis weist ihn als Musterschüler aus.[4] Schon als Gymnasiast trat er mit eigenen poetischen Versuchen hervor und war an der Gründung eines Dichterklubs beteiligt. Durch die Mutter erlangte Heyse Zutritt zu den künstlerischen Salons Berlins. 1846 lernte er seinen späteren literarischen Mentor kennen, den 15 Jahre älteren Emanuel Geibel, einen damals populären Dichter. Heyse zeigte Geibel seine Gelegenheits- und Liebesgedichte vor. Zwischen den beiden Literaten entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft, aus der auch einige gemeinsame Arbeiten entstanden. Geibel führte Heyse in das Haus des Kunsthistorikers und Schriftstellers Franz Kugler ein, der später Heyses Schwiegervater wurde. Dort lernte er auch Jakob Burckhardt kennen[5]. Studienjahre Nach seinem Schulabschluss begann Paul Heyse 1847 mit dem Studium der klassischen Philologie in Berlin. Frühlingsanfang 1848, das erste gedruckte Gedicht Heyses, drückt seine Begeisterung für die Märzrevolution aus.[6] Nach einem schwärmerischen Ausflug zu den Studentengarden zog er sich bald wieder aus deren Kreis zurück, vermutlich auch aus Rücksicht auf seine Eltern und Geibel. Er kam in Kontakt mit Adolph Menzel, Theodor Fontane und Theodor Storm. 1849 schloss Heyse sich ihrem Dichterkreis an, dem Tunnel über der Spree. Nach zwei Studienjahren in Berlin wechselte er im April 1849 zum Studium der Kunstgeschichte und Romanistik an die Universität nach Bonn. 1850 entschied er sich endgültig für den Dichterberuf und begann seine Dissertation bei Friedrich Diez, dem Begründer der Romanischen Philologie in Deutschland. Wegen einer Liebesaffäre mit der Frau eines seiner Professoren musste Heyse Ostern nach Berlin zurückkehren. Noch im selben Jahr erschien sein Erstling Der Jungbrunnen (Märchen und Gedichte) anonym, vom Vater herausgegeben. Heyse bekam vom Verleger Alexander Duncker ein Manuskript des noch unbekannten Theodor Storm. Seine begeisterte Rezension der Sommergeschichten und Lieder wurde zum Grundstein einer dauerhaften Dichterfreundschaft. Heyse-Porträt von Adolph Menzel (1853) 1851 gewann Heyse mit seiner Ballade Das Tal von Espigno einen internen Balladenwettstreit des Tunnels. Heyses erste Novelle Marion wurde 1852 im Tunnel ausgezeichnet. Im selben Jahr erschien das später mehrfach vertonte Spanische Liederbuch mit Übersetzungen von Geibel und Heyse. Es war der Beginn einer lebenslangen Übersetzertätigkeit, in der Heyse vor allem als Vermittler der italienischen Literatur (Leopardi, Giusti) Hervorragendes leistete. Um den steifen Umgangsformen im Tunnel zu entgehen, fanden sich einige der Mitglieder im Dezember 1852 im Dichterverein Rütli zusammen. Reise nach Italien Im Mai 1852 war Heyse mit einer Arbeit über den Refrain in der Poesie der Troubadoure promoviert worden. Dank eines preußischen Staatsstipendiums konnte er im Anschluss eine Italienreise zur Untersuchung alter provenzalischer Handschriften unternehmen. In der Bibliothek des Vatikans erhielt er 1852 Hausverbot, weil er sich Notizen von ungedruckten Handschriften machte. Heyse erlebte in Italien ein glückliches Studienjahr und freundete sich mit zahlreichen Künstlern, unter anderen Arnold Böcklin und Joseph Victor von Scheffel,[7] an. Unter dem Eindruck der italienischen Landschaft entstanden Werke, die ihn weithin als Schriftsteller bekannt machen, unter anderen die Tragödie Francesca von Rimini. Heyses berühmteste Novelle, L’Arrabbiata (1853), und seine Lieder aus Sorrent (1852/53) erschienen als Beitrag in der Argo, dem Jahrbuch des Rütli. Heyse in München 1852 war Emanuel Geibel zum literarischen Ratgeber des bayerischen Königs Maximilian II. berufen worden. 1854 überredete er den König, den jungen Paul Heyse, der damals noch ein talentierter, aber unbekannter Anfänger war, mit einer hohen Pension nach München zu berufen. So erhielt der 24-jährige Heyse von Maximilian II. zu seiner Überraschung das Angebot, für eine jährliche Pension von zunächst 1000 Gulden nach München überzusiedeln und dort zu dichten.[8] Heyse sollte an den vom König veranstalteten Symposien teilnehmen. Zudem wurde ihm ein Vorlesungsrecht an der Universität gewährt (Professur in romanischer Philologie). Nach der Heirat mit Margaretha Kugler (1834–1862) traf Heyse am 25. Mai 1854 in München ein. Bei seiner ersten Audienz beim König überreichte Heyse diesem seine Verserzählungen Hermen. Wie sich später zeigte, musste Heyse seinen Dienstherrn auch auf Reisen begleiten und bei den Teeabenden der Königin lesen. Sein Vorlesungsrecht übte er dagegen nicht aus. Heyse durfte sich nun zur geistigen Elite des drittgrößten deutschen Teilstaates zählen und genoss ein reges geselliges Leben. Bei den königlichen Gesprächsrunden, den Symposien, saß der junge Dichter gleichberechtigt neben Geibel und Friedrich Bodenstedt, neben den besten Wissenschaftlern Münchens wie dem Chemiker Justus von Liebig, dem Philologen Friedrich Thiersch, den Historikern Heinrich von Sybel und Wilhelm Heinrich Riehl und dem Arzt Max von Pettenkofer. Die Teilnehmer an den Symposien verkehrten häufig mit dem König und zwangloser als mancher Minister. In der Ehe mit Margaretha geb. Kugler wurden vier Kinder geboren: Franz[9], Julie (genannt „Lulu“)[10], Ernst[11], Clara[12]. Paul Heyses Tochter Julie „Lulu“ von Heyse gemalt von Franz von Lenbach Zwischen 1855 und 1874 war Heyse Mitglied der Zwanglosen Gesellschaft München.[13] Mit den ebenfalls nach München berufenen „Nordlichtern“ Geibel und Riehl gründete er 1856 den Dichterverein Die Krokodile. Zu den Mitgliedern der Vereinigung gehörte auch der Komponist Robert von Hornstein, in dessen Haus Heyse zeitweise wohnte und dem er einige Libretti lieferte. In Zürich lernte Heyse 1857 Gottfried Keller kennen, mit dem er schon bald in einen Gedankenaustausch trat, vorwiegend in Form eines Briefwechsels (1859–1888), woraus sich eine dauerhafte Freundschaft entwickelte.[14] Seit Dezember 1854 pflegte Heyse auch eine langjährige Korrespondenz mit Eduard Mörike. Ab 1859 musste Heyse einige Mitglieder der Familie Kugler versorgen und deshalb den ungeliebten Redakteursposten beim Literaturblatt zum deutschen Kunstblatt annehmen. Er sagte einem verlockenden Angebot des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach ab, der ihn zur Übersiedlung nach Thüringen bewegen wollte. In diese Zeit fiel der Beginn einer Freundschaft mit dem schwäbischen Dichter Hermann Kurz. Angeregt durch ein Bild seines Freundes Bonaventura Genelli schrieb Heyse 1860 für die Argo die Novelle Der Centaur. Im selben Jahr erschien die Sammlung italienischer Volkslieder Italienisches Liederbuch, die später von Hugo Wolf unter demselben Titel vertont wurde. 1861 lernte Heyse bei einem Besuch in Wien Grillparzer und Hebbel kennen. Auf Heyses Zureden übernahm der Verleger Wilhelm Ludwig Hertz Fontanes Balladen in seinen Verlag. 1862 entstand das Schauspiel Ludwig der Bayer. Heyse gab Ein Münchner Dichterbuch zusammen mit Emanuel Geibel heraus. Andrea Delfin erschien in der Sammlung Neue Novellen. Am 30. September 1862 erlag Heyses Frau Margaretha in Meran einer Lungenkrankheit. Paul Heyses zweite Frau Anna gemalt von Franz von Lenbach, 1867 1867 heiratete Heyse die junge Münchnerin Anna Schubart (* 25. Mai 1849; † 26. Juli 1930).[15] Die Novelle Beatrice erschien. 1868 entzog Ludwig II. Geibel die Pension wegen des Gedichtes An König Wilhelm, das den preußischen König als zukünftigen Kaiser feierte. Daraufhin verzichtete Heyse auf seine eigene Pension und erklärte freimütig, er sei der gleichen Meinung wie Geibel. Von 1868 bis 1870 entstanden Das Mädchen von Treppi, Die Stickerin von Treviso (Novellen), Moralische Novellen und Die Göttin der Vernunft (Tragödie).[16] Heyse wurde 1871 Mitglied des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst. Er entwickelte in der Einleitung des Deutschen Novellenschatzes (bis 1876 24 Bände, herausgegeben mit Hermann Kurz) seine Falkentheorie und veröffentlichte Die Stickerin von Treviso (Novelle). Heyses Villa in München, 1910 Anfang der 1870er Jahre erwarb Heyse in der Maxvorstadt, nahe der Glyptothek und den Propyläen am Königsplatz, ein 1835 erbautes kleines Wohnhaus, das er von 1872 bis 1874 von dem Architekten Gottfried von Neureuther zu einer Villa im neoklassizistischen Stil ausbauen ließ. Hier empfing Heyse zahlreiche Freunde und Gäste. Die Paul-Heyse-Villa entwickelte sich zu einem Mittelpunkt der Literatur in München.[17] Heyse spazierte täglich mit seinem Hund durch Schwabing. Der Schriftsteller Hans Carossa erinnerte sich, wie respektvoll die Spaziergänger Paul Heyse im Englischen Garten grüßten. 1887 schlug Heyse vor, Ludwig Anzengruber in den Bayerischen Maximiliansorden aufzunehmen. Als der Vorschlag am Einspruch klerikaler Kreise scheiterte, trat Heyse aus dem Orden aus und gab die ehrenvolle Auszeichnung zurück. 1895 wurde er zum Mitglied der American Philosophical Society gewählt.[18] Seit 1899 verbrachte Heyse ein Jahrzehnt lang die Winterhalbjahre in seiner Villa in Gardone Riviera am Gardasee. In dieser Zeit schrieb er das Drama Maria von Magdala, Neue Märchen und Das literarische München – 25 Porträtskizzen. Der alternde Dichter legte immer noch viel vor, aber wenig Neues. In seinen Gedichten finden sich Abschiede und sentimentale Rückblicke. Adolph von Menzel (Mitte), Paul Heyse (links) und seine zweite Frau Anna (rechts), 1902 in Heyses Münchner Wohnung Im Jahr 1900 veröffentlichte Heyse seine Jugenderinnerungen und Bekenntnisse. Er wurde Münchner Ehrenvorsitzender des Deutschen Goethe-Bundes, außerdem Ehrenmitglied der Deutschen Schillerstiftung. Zu seinem 70. Geburtstag erschienen Sonderhefte (Jugend), Alben und zahlreiche Publikationen. Wilhelm Bölsche, Georg Brandes, Maximilian Harden und Alfred Kerr widmeten ihm, neben vielen anderen, einen Geburtstagsartikel. Der alte Dichterfürst unterrichtete sich weiter über die Aktivitäten der jüngeren Schriftstellergeneration. Als Literaturkritiker bewahrte er sich den Blick für das qualitativ Gute und Neue. Auch im vertrauten Kreis gab er sachkundige Urteile ab. Die Stadt München ernannte Heyse 1910 anlässlich seines 80. Geburtstages zum Ehrenbürger. Prinzregent Luitpold verlieh ihm den persönlichen Adelstitel, von dem er jedoch niemals Gebrauch machte. Am 10. Dezember erhielt Heyse als erster deutscher Autor belletristischer Werke den Literaturnobelpreis. Die Letzten Novellen und die Italienischen Volksmärchen waren 1914 die letzten Arbeiten Heyses. Heyse hatte mit seiner zweiten Frau Anna zwei Kinder, die aber beide früh starben: Tochter Marianne[19] starb bereits im zweiten Lebensjahr. Sohn Wilfried[20] starb siebenjährig an „der Diphteritis, zu der Scharlachfieber hinzugetreten“ war[21]. Heyse selbst starb im Alter von 84 Jahren als letzter der großen Erzähler des 19. Jahrhunderts am 2. April 1914, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Grabstätte Grabstätte für Paul Heyse und Anna Heyse im Münchner Waldfriedhof Die Grabstätte von Paul Heyse und seiner zweiten Frau Anna befindet sich im alten Teil des Münchner Waldfriedhofs (Grabnr. 43-W-27a/b) ♁Standort. Das Grabmal besteht aus einem drei Meter hohen Halbrund aus verbundenen Säulen mit Gedenkplatte im Zentrum. Es stammt vom Architekten Otho Orlando Kurz, der sich ansonsten vor allem mit Kirchenbauten und Industriebauten hervorgetan hat. Er war der Enkel von Heyses Schriftstellerfreund Hermann Kurz. | VON HEYSE, Paul (I60926)
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| 3858 | Leben Er besuchte die Ritterakademie in Braunschweig und trat 1764 als Hofjunker in den Dienst des Herzogs Friedrich von Mecklenburg. 1775 begleitete er als Kammerherr den Erbprinzen Friedrich Franz zu dessen Hochzeit mit Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg nach Gotha. 1796 vertrat er den Hof bei den Verhandlungen wegen der Verlobung von Luise Charlotte zu Mecklenburg in Stockholm. In den Jahren 1806/1807 war er der Hauptunterhändler des Herzogtums mit den Franzosen und stand 1807 an der Spitze einer Delegation der mecklenburgischen Stände nach Warschau, wo er mit Talleyrand wegen der Rückkehr der ins Exil nach Altona geflüchteten herzoglichen Familie verhandelte. 1813 stand er kurzzeitig an der Spitze der Regierung von Mecklenburg-Schwerin. 1792 erwarb er die Güter Retgendorf (heute Ortsteil der Gemeinde Dobin am See), Flessenow, Neu-Schlagstorf (heute Neu Schlagsdorf) und Ventschow. Er war zunächst verheiratet mit Elisabeth, geb. von der Lühe (* 17. Februar 1753; † 21. Juni 1796). Als sie starb, hinterließ sie acht minderjährige Kinder. Bülow heiratete in zweiter Ehe 1798 Charlotte Louise Caroline geb. von Oertzen (* 17. April 1764; † 22. Februar 1833), mit der er noch vier weitere Kinder hatte.[1] Heinrich von Bülow und Adolf von Bülow waren zwei seiner sechs Söhne. Von seinen Töchtern heiratete Louise den Oberstallmeister Vollrath Joachim Helmuth von Bülow und Catharina Louise (1801–1865) den Kammerdirektor Wilhelm von Meerheimb. Er war der Großvater von Helene von Bülow und Bernhard Ernst von Bülow und Urgroßvater von Bernhard von Bülow. Das Grab von Bernhard Joachim von Bülow und seiner zweiten Frau befindet sich in der Kirche von Retgendorf. | VON BÜLOW, Bernhard Joachim (I48816)
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| 3859 | Leben Er folgte seinem Vater nach, der von den Konsuln von Béziers am 15. Oktober 1167 umgebracht worden war.[1] Seine Regierungszeit war geprägt durch das Aufkommen der Katharer und den Versuchen der katholischen Kirche, diese Häresie zu bekämpfen. Besonders in der Belagerung von Lavaur kumulierte dieser Streit, der unter anderem auch die zwischenzeitliche Exkommunikation von Roger nach sich zog. Im Jahr 1170 heiratete er Adelheid die Tochter des Grafen Raimund V. von Toulouse. Nach 13 Jahren Ehe bekam das Paar den erhofften Nachwuchs, Raimund-Roger. Im selben Jahr wurde seine Schwester Béatrix mit Raimund VI. von Toulouse vermählt.[2] Roger und seine Gemahlin wurden in einer Gruft der Abtei von Cassan begraben.[3] | TRENCAVEL, Roger II. (I61510)
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| 3860 | Leben Er führte nach seiner Mutter den Namen Komnenos. Er war ein Großneffe des byzantinischen Kaisers Manuel I. (1143–1180) und ein Enkel des Sebastokrators Isaak. Der vollständige Name seiner Mutter ist nicht überliefert. Keine der byzantinischen Quellen macht genaue Angaben zu seinem Vater, Niketas Choniates berichtet lediglich von einer „angesehenen Familie“. Wertner vermutet, Isaak sei ein Sohn der Prinzessin Maria Komnena und ihres Gatten, des Königs Stephan IV. von Ungarn (1162–1164) gewesen;[1] hierin sind ihm andere Forscher kaum gefolgt. R. Stiernon hält ihn für einen illegitimen Sohn Kaiser Manuels. Am wahrscheinlichsten ist die These Collenbergs, er gehöre väterlicherseits einem jüngeren Zweig der Dukai an. Statthalter von Isaurien und Tarsos Kaiser Manuel machte Isaak zwischen 1174 und 1175 bereits in jungen Jahren zum Statthalter von Isaurien und der Stadt Tarsos in Kilikien, der heutigen Osttürkei. Hier heiratete er, vermutlich 1178, Irene, eine rubenidische Prinzessin, Tochter von Thoros II. von Kleinarmenien (1120–1169) und Isabella von Courtenay-Edessa, mit der er zwei Kinder hatte. Nachdem sich die byzantinisch-armenischen Beziehungen verschlechtert hatten und Rubenos III. von Kleinarmenien ein Bündnis mit dem Sultan von Ikonion eingegangen war, begann Isaak einen Krieg gegen Kleinarmenien, bei dem er in Gefangenschaft geriet. Gefangenschaft Armenische Quellen berichten, dass er einen Feldzug gegen den Sultan von Ikonion unternommen habe. Nach dem Tod Kaiser Manuels (1180) während der Herrschaft seines minderjährigen Sohnes Alexios II. scheint sich niemand mehr um Isaaks Schicksal gekümmert zu haben, und er blieb lange Zeit in armenischer Gefangenschaft. Die armenischen Lösegeldforderungen schienen zudem relativ hoch gewesen zu sein, schließlich bildeten diese ein wichtiges Einkommen für die kleinarmenischen „Herren der Berge“. 1182 wurde der kleinarmenische Herrscher Rubenos III. von Bohemund III. von Antiochia gefangen genommen. Als Lösegeld sollte er 30.000 Solidi zahlen und einige kilikische Küstenstädte übergeben. An Stelle des immer knappen Geldes bot Rubenos an, den Kreuzfahrerstaaten Isaak und seine Familie zu übergeben. Bohemund willigte ein und setzte nun seinerseits ein Lösegeld von 60.000 Solidi für Isaak fest. Schließlich konnte seine Tante Theodora ihren langjährigen Geliebten, den neuen Kaiser Andronikos I. Komnenos (1123–1185), überreden, zum Lösegeld für ihren Neffen beizutragen, ebenso wie sein Stiefvater Konstantinos Makrodukas und Andronikos Dukas, ein weiterer Verwandter und Jugendfreund. Nach der Zahlung von 30.000 Solidi kam Isaak 1183 oder Anfang 1184 frei, musste seine Kinder aber als Sicherheit in Antiochia zurücklassen. Der Templerorden (die Phreri, wie Niketas Choniates sie nennt) garantierte für das noch fehlende Lösegeld. Isaak sammelte das noch fehlende Lösegeld auf der Insel Zypern ein, das damals zum Gouvernement von Kilikien gehörte, und sandte es an die Templer. Es wurde jedoch unterwegs von Piraten geraubt (Collenberg vermutet hier die Hand Bohemunds) und seine Kinder blieben zwei weitere Jahre als Geiseln in Antiochia, wie der Chronist Roger von Hoveden berichtet. Was mit seiner Frau geschah, ist unbekannt, wahrscheinlich war sie zu ihrer Familie in Armenien zurückgekehrt, als Isaak an Bohemund übergeben wurde. Als Schwester von Thoros II. kann sie auf Zypern nicht sehr beliebt gewesen sein, zu sehr hatte die Insel unter dem Überfall gelitten, den Thoros 1157 gemeinsam mit Renaud de Châtillon durchgeführt hatte. Benoit von Peterborough beschuldigt Isaak, seine Frau ermordet zu haben, nennt aber keine Details. Sie wird jedenfalls nach 1185 nicht mehr erwähnt und muss verstorben sein, bevor Isaak in zweiter Ehe eine Schwester Wilhelms III. von Sizilien heiratete. Statthalter von Zypern Die nun folgenden Ereignisse sind unklar. Laut Niketas Choniates, einem eindeutig auf der Seite der Angeloi stehenden Chronisten, habe Isaak eine Söldnertruppe angeworben und sei mit ihnen nach Zypern übergesetzt. Dort habe er Briefe mit kaiserlichem Siegel – beides mutmaßlich von ihm gefälscht – vorgezeigt, welche die örtliche Verwaltung anwiesen, ihn in jeder Hinsicht zu unterstützen, und die Insel wie ein Statthalter regiert. Konstantinos Makrodukas und Andronikos Dukas hatten in Byzanz für Isaaks Lehnstreue gebürgt. Als er nicht zurückkehrte, ließ Kaiser Andronikos I. Komnenos sie wegen Verrats einsperren, obwohl Konstantin bis dahin sein loyaler Untergebener gewesen war. Andronikos fürchtete angeblich, Isaak könne versuchen, seinen Thron zu erobern, zumal das Wasserorakel des Höflings Stephanos Hagiochristophorites ein „I“ (Jota) als Anfangsbuchstabe des nächstens Kaisers ergeben hatte. Als die Gefangenen aus dem Gefängnis geholt wurden, um sie einem Gericht vorzuführen, begann Stephanos Hagiochristophorites sie zu steinigen und zwang andere ihm zu folgen. Beide Gefangenen wurden vor dem Mangana-Palast gepfählt. Ein weiteres Orakel teilte Andronikos den Regierungsantritt des nächsten Kaisers mit; das Datum lag jedoch zu nahe, um Isaak von Zypern aus die Möglichkeit zu geben, nach Konstantinopel zu kommen. Kaiser von Zypern Als Andronikos 1185 seinen Widersacher Isaak II. Angelos verhaften lassen wollte, erhob sich ein Volksaufstand. Andronikos wurde gestürzt, öffentlich gefoltert und getötet. Isaak II. Angelos wurde neuer Kaiser von Byzanz.[2] Daraufhin setzte Isaak Komnenos einen autokephalen Patriarchen für Zypern ein und ließ sich selbst zum Kaiser krönen. Die Geschichte mit den gefälschten Briefen, die die Einsetzung Isaaks als Statthalter bewirkten, passt zwar in das Bild, das von der Herrschaft Isaaks später gemacht wurde, erscheint aber im Kontext der bekannten Effizienz der byzantinischen Verwaltung eher unwahrscheinlich. Vermutlich wurde Isaak von Andronikos ganz legal zum Statthalter der Insel ernannt. Nach der Machtergreifung von Isaak II. Angelos war Isaak als Komnene in einer Machtposition gefährlich und ein Fokus für die Anhänger der alten Dynastie. Vermutlich deshalb versuchte ihn Niketas Choniates als Rebell bereits gegen Andronikos statt als loyalen Gefolgsmann darzustellen. Die Pfählung von Makrodukas belegt Machtkämpfe innerhalb der byzantinischen Oberschicht, deren genauer Verlauf aus den Quellen nicht mehr zu rekonstruieren ist, die aber nur bedingt mit der Befreiung Isaaks in Verbindung stehen. Vermutlich versuchte Andronikos, die mächtige Familie der Makrodukai auszuschalten, fand hierbei aber weder am Hofe noch im Volk Unterstützung – offensichtlich war ein öffentlicher Aufruhr geplant, weshalb der Ort der Hinrichtung verlegt wurde. Wahrscheinlich empfand Andronikos seinen Verwandten Isaak als gefährlichen Konkurrenten, weil dieser gute Verbindungen nach Armenien hatte und Zypern zu seiner Zeit sehr reich war. Isaak Angelos stellte noch 1185 einen Verband von 70 Schiffen auf, um Zypern zurückzuerobern. Die Flotte stand unter dem Kommando von Johannes Kontostephanos und Alexios Komnenos, einem Neffen, den der frühere Kaiser einst beiseitegeschoben hatte. Beide scheinen jedoch ihrer Aufgabe nicht gewachsen gewesen zu sein – Johannes war zwar ein berühmter Feldherr, aber schon ziemlich alt, Alexios war seinerzeit auf Andronikos’ Befehl geblendet worden. Nachdem sie auf Zypern gelandet waren, raubte ihnen Megareites von Brindisi, ein Pirat in Diensten des Königs Wilhelm II. von Sizilien, die Schiffe, so dass es keine Möglichkeit zur Rückkehr gab. Das Unternehmen scheiterte, doch die byzantinischen Soldaten mussten auf Zypern bleiben. Mangelnde Versorgung verschlechterte die ohnehin missliche Lage noch weiter: „Erst viel später kehrten sie heim, sofern sie nicht alle gestorben waren.“ In der Zwischenzeit hatte Isaak viele weitere Europäer (wahrscheinlich Normannen) in seinen Dienst genommen und ließ in Nikosia eigene Münzen schlagen. Nach Niketas begann er nun mit der Plünderung der Insel und verhängte grausamste Strafen für Verbrechen, um sich das Eigentum der Bürger anzueignen. Niketas Choniates berichtet: „Zyprioten von hohem Ansehen, in der Schande vergleichbar mit Hiob, wurden bettelnd in den Straßen gesehen, nackt und hungrig, sofern sie nicht von diesem jähzornigen Tyrannen ins Schwert gestoßen worden waren.“ Neben diesen Schilderungen eines Tyrannen berichtet Niketas Choniates außerdem, dass er seinem alten Lehrer Basileios Pentakenos einen Fuß abhauen ließ, den allgemeinen Schandtaten also noch persönliche Grausamkeiten hinzufügte. Sicher ist, dass Isaak die Abgaben erhöhen musste, um die Verteidigung der Insel sicherzustellen. Vermutlich flossen weitere Gelder nach Armenien und nach Sizilien, um die dortigen Verbündeten bei Laune zu halten. Die Darstellung Niketas’ macht es wahrscheinlich, dass Isaak, dem Vorbild von Andronikos folgend, versuchte, den Einfluss der örtlichen Magnaten zurückzudrängen und sie stärker zur Finanzierung der öffentlichen Ausgaben heranzuziehen. Solche Ansätze stellten sich diesen natürlich als unrechtmäßige Ausplünderung dar. Isaaks Sohn aus erster Ehe starb zwischen 1187 und 1191, damit war seine Tochter, die „Maid von Zypern“ (Name unbekannt) seine einzige Erbin. Benoit von Peterborough beschuldigt Isaak, seinen Sohn ermordet zu haben. Andere Quellen berichten aber, er habe seine Kinder sehr geliebt. Isaak wird von Niketas Choniates als jähzornig und gewalttätig beschrieben, „kochend vor Wut wie ein Kessel auf dem Feuer“, aber Niketas, ein Anhänger der Angeloi, war in diesem Fall offenbar nicht unparteiisch. Eroberung Zyperns durch die Kreuzfahrer und Tod Die Burg von Kantara 1191 eroberte der englische König Richard Löwenherz die Insel während des Dritten Kreuzzuges. Richards Schwester Johanna und seine Braut Berengaria von Navarra waren nach einem Schiffbruch auf der Insel gestrandet und Richard brach von Rhodos aus mit seiner Flotte auf, angeblich um einer möglichen Gefangennahme seiner Angehörigen durch Isaak Komnenos zuvorzukommen. Am 6. Mai 1191 landete Richards Flotte im Hafen von Lemesos (Limassol). Richard besetzte die Stadt und heiratete dort am 12. Mai 1191 seine Braut Berengaria. Als Isaak Komnenos mit seinen Truppen in Lemesos ankam, sah er ein, dass diese dem Kreuzfahrerheer unterlegen waren. Richard forderte die Abdankung Isaaks, doch dieser wies das Ansinnen der Invasoren zurück. Er beschloss, von seinen Festungen im Pentadaktylos und hier insbesondere von Kantara aus Widerstand zu leisten. Richard setzte Isaaks Truppen mit einem Ritterheer nach und schlug diese bei Tremetusia. Dabei wurde er nicht nur von den wenigen Katholiken der Insel Zypern, sondern vor allem von den vornehmen Familien unterstützt, die in den vergangenen sieben Jahren unter der Herrschaft Isaaks zu leiden gehabt hatten. Nach der Belagerung der Burg von Kantara durch Richard ergab sich Isaak Komnenos dem englischen König. Er wurde in der Nähe des Kap St. Andreas auf der Halbinsel Karpas, dem nordöstlichsten Punkt der Insel, gefangengesetzt. Der Überlieferung nach hatte Richard Isaak versprochen, ihn nicht in Eisen zu legen – stattdessen verwendete er Ketten aus Silber.[3] Isaak wurde zur Bewachung zunächst einem Getreuen Richards, Ralph Fitz Godfrey, und nach dessen Tod den Johannitern übergeben, die ihn in der Burg Margat im Norden der Grafschaft Tripolis gefangen hielten.[4] Nachdem König Richard auf seinem Rückweg vom Kreuzzug in die Geschangenschaft Herzog Leopolds V. von Österreich und Kaiser Heinrich VI. geraten war, kam Isaak vermutlich auf Betreiben Leopolds, der mütterlicherseits mit Isaak verwandt war, wieder frei.[5] Nach dem Bericht des Niketas Choniates schlug Isaak in der Folge briefliche Rückrufe an den Hof durch Kaiser Alexios III. aus und suchte stattdessen bei den Machthabern Kleinasiens nach Unterstützung für einen eigenen Weg auf den Thron, wurde dann jedoch im Jahr 1195 oder 1196 auf Betreiben des Kaisers vergiftet.[6] Die Unabhängigkeit, die Isaak Komnenos für die Insel Zypern für kurze Zeit erreicht hatte, basierte auf einem komplizierten Gleichgewicht der Kräfte zwischen Byzanz, den Reichen des Islam und dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Isaak scheint mit Wilhelm von Sizilien verbündet gewesen zu sein, der als „mächtiger Dorn im Fleisch“ des Heiligen Römischen Reichs galt und der ihm ausdauernd half, die Insel zu halten. Isaak dürfte auch enge Beziehungen zu Sultan Saladin gepflegt haben. Richard machte sich nach der Gefangennahme Isaaks zunächst selbst zum Herrscher von Zypern, da er die Insel als strategisch wichtige Ausgangsbasis für weitere Kreuzzüge ansah. Im Juni 1191 setzte er mit dem Großteil seiner Truppen den Kreuzzug fort. Auf Zypern ließ er Richard de Camville und Robert of Thornham als seine Statthalter zurück. Isaaks Tochter, deren Name unbekannt ist (die Quellen nennen sie „Die Maid von Zypern“), heiratete 1202 Thierry (Dietrich), einen unehelichen Sohn Balduins von Flandern. Im Rahmen des Vierten Kreuzzuges versuchten sie erfolglos, ihren Anspruch auf Zypern durchzusetzen. Nachwirken Die Eroberung Zyperns und die Gefangennahme Isaaks durch Richard von England ist Thema folgender Opern: Antonio Lotti: Isacio Tiranno (Venedig 1710) Georg Friedrich Händel: Riccardo Primo, Re d'Inghilterra (London 1727) André-Ernest-Modeste Grétry: Richard Cœur de Lion (Paris 1784) | (ZYPERN), Isaak Komnenos (I61521)
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| 3861 | Leben Er gehörte der Familie Mendelssohn an und war ältester Sohn von Moses Mendelssohn und Fromet Gugenheim. Erzogen wurde er unter anderem von Joseph Engel. 1792 gründete er mit Gleichgesinnten die Gesellschaft der Freunde, einen Verein jüdischer Junggesellen, die den Idealen der Haskala anhingen. Drei Jahre später, 1795, machte er sich als Bankier selbständig. 1804 trat auch sein Bruder Abraham, der Vater von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy, in das Bankhaus Mendelssohn ein. In Horchheim kaufte Mendelssohn 1818 ein Palais und ließ im benachbarten Park um 1830 von Johann Claudius von Lassaulx ein Garten- und Teehaus errichten. In dem Palais waren einige berühmte Persönlichkeiten zu Gast, so beispielsweise sein Neffe Felix Mendelssohn Bartholdy und Alexander von Humboldt.[1] Auf dem Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee 23 in Berlin-Prenzlauer Berg befindet sich die Familiengrabstätte mit den Grabsteinen von Joseph Mendelssohn (1770–1848), seiner Gemahlin Henriette, geb. Meyer (1776–1862), seiner Schwiegertochter Marianne, geb. Seeligmann (1799–1880) und seinem Sohn Alexander Mendelssohn (1798–1871). Die Grundschule in Koblenz-Horchheim trägt heute den Namen Joseph-Mendelssohn-Schule. | MENDELSSOHN, Joseph (I60102)
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| 3862 | Leben Er stammte aus dem thüringischen Adelsgeschlecht von Hopffgarten. Seine Eltern waren der spätere Generalmajor und Kommandant der Festung Pfleißenburg Georg Friedrich von Hopffgarten (* 2. Januar 1660; † 8. Januar 1732) und dessen Ehefrau Christine Sybille von Einsiedel (* 19. April 1685; † 19. Juli 1718). Seine Brüder waren Carl Gottlob von Hopffgarten und der spätere Geheime Kriegsrat Christian Friedrich von Hopffgarten (* 16. August 1707; † 18. Juli 1793). Friedrich Abraham stellte sich wie sein Vater in den Dienst der Wettiner. Am Hof in Dresden erfolgte seine Ernennung zum kurfürstlich-sächsischen Geheimen Rat. Am Naumburger Dom wurde er Propst und wohnte dadurch eine Zeitlang auch in Naumburg. Mehrere Jahre war er außerdem als Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld in Eisleben tätig. | VON HOPFFGARTEN, Friedrich Abraham (I48806)
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| 3863 | Leben Er stammte aus dem Zweig Thalebra des thüringischen Adelsgeschlechts von Dacheröden und war der Sohn von Georg Christoph von Dachröden, Herr auf Thalebra, Mittel- und Gangloffsömmern. 1723 erreichte er im Sekundogeniturfürstentum Sachsen-Weißenfels die Umwandlung seines Gutes Grumbach in ein Mann- und Weiberlehen. Er hinterließ die Witwe Johanna Elisabetha von Dachröden geb. von Wallitz, den Sohn Carl Friedrich, der nach Preußen ging und Präsident der Landesregierung und des Konsistoriums im Herzogtum Magdeburg sowie Hof- und Kammergerichtsrat wurde sowie die beiden Töchter Dorothea Antoinetta von Bredau und Marie Sophie von Hopffgarten. Caroline von Humboldt war seine Enkeltochter. Er wurde am 29. März 1728 in Thalebra beigesetzt. | VON DACHERÖDEN, Georg Anton (I48840)
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| 3864 | Leben Er stammte aus der Linie Thalebra des thüringischen Adelsgeschlechts von Dachröden und war der Sohn von Georg Anton von Dachröden. Marie Sophie von Hopffgarten war seine jüngere Schwester und wurde von dieser und der zweiten Schwester ausgezahlt, die das väterliche Rittergut Grumbach übernahmen. Er schlug eine Verwaltungslaufbahn ein. In Magdeburg wurde er zum Regierungspräsidenten ernannt. Verheiratet war er mit Charlotte Ludmilla von Posadowsky, mit der er den Sohn Karl Friedrich von Dacheröden hatte. | VON DACHERÖDEN, Carl Friedrich (I48838)
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| 3865 | Leben Er war Angehöriger der preußischen Grafen von Oriola und der zweite Sohn des portugiesischen Diplomaten Joaquim José Lobo da Silveira (1772–1846) und dessen Ehefrau Sophia Amalie, geborene Murray aus dem Hause Atholl (1787–1862). Der Vater wurde 1822 als Joaquim von Oriola in den preußischen Grafenstand aufgenommen. Militärkarriere Nach seiner Erziehung im Berliner Kadettenkorps wurde Oriola am 5. April 1826 als Sekondeleutnant dem Garde-Dragoner-Regiment der Preußischen Armee überwiesen. Zur weiteren Ausbildung absolvierte er 1829/32 die Allgemeine Kriegsschule. Im August 1837 nahm Oriola in Begleitung von General Friedrich Karl Emil zu Dohna-Schlobitten an den Übungen der Französischen Armee bei Compiègne teil und wurde im Jahr darauf zum Premierleutnant befördert. Es solcher folgte im April 1839 seine Kommandierung zur Dienstleistung beim Generalstab des VIII. Armee-Korps. Mit der Beförderung zum Hauptmann am 30. März 1840 wurde Oriola in den Großen Generalstab versetzt. Am 14. März 1842 zum Kammerherrn ernannt, war Oriola 1842/43 als Begleiter von Prinz Adalbert von Preußen kommandiert und unternahm mit ihm eine Reise nach Brasilien. Sie überbrachten im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. dem Kaiser Pedro II. den Schwarzen Adlerorden. 1844/46 kommandierte man Oriola als Begleiter des Prinzen Waldemar von Preußen auf dessen Reise nach Indien. Sie bereisten den Himalaya und Tibet. In Britisch-Indien gerieten sie dabei in den Ersten Sikh-Krieg und nahmen auf Seiten der Engländer an den Kampfhandlungen teil. Als Anerkennung für seine bewiesene Tapferkeit und Umsicht, besonders in der Schlacht von Ferozeshah, wurde Oriola nach seiner Rückkehr am 18. Dezember 1846 der Orden Pour le Mérite verliehen. Zwischenzeitlich zum Major befördert, versah er zunächst wieder Dienst im Großen Generalstab. Von April bis Juli 1848 zur Dienstleistung als Flügeladjutant von Friedrich Wilhelm IV. kommandiert, war er mit dem König auf dem Kriegsschauplatz in Schleswig-Holstein. Am 14. Oktober 1848 trat Oriola in den Truppendienst zurück und kam als etatmäßiger Stabsoffizier in das Garde-Dragoner-Regiment. Kurzzeitig fungierte er von Ende November 1850 bis Mitte Februar 1851 als Führer dieses Regiments. Am 11. März 1852 wurde Oriola zum Kommandeur des 7. Husaren-Regiments in Bonn ernannt und in dieser Stellung am 23. März 1852 zum Oberstleutnant sowie am 13. Juli 1854 zum Oberst befördert. Vom 30. Oktober 1856 bis 1. Juli 1857 war er Kommandeur der 5. Kavallerie-Brigade und anschließend der 2. Garde-Kavallerie-Brigade. Zwischenzeitlich hatte man Oriola am 4. Dezember 1856 à la suite des 7. Husaren-Regiments gestellt. Am 22. Mai 1858 folgte seine Beförderung zum Generalmajor und am 19. November 1859 erhielt er das Kommando über die 1. Garde-Kavallerie-Brigade. Schließlich beauftragte man Oriola am 1. Juli 1860 mit der Führung der 11. Division und ernannte ihn am 24. Juli 1861 zum Divisionskommandeur. In dieser Stellung folgte am 18. Oktober 1861 die Beförderung zum Generalleutnant. Für seine langjährigen Verdienste wurde Oriola am 14. November 1861 mit dem Stern zum Roten Adlerorden II. Klasse mit Schwertern am Ringe ausgezeichnet. Daneben hatte er im Laufe seiner Militärkarriere u. a. das Großkreuz des Ordens der Eichenkrone, das Kommandeurkreuz II. Klasse des Ordens Heinrichs des Löwen sowie den Orden der Heiligen Anna II. Klasse erhalten.[1] Er verstarb in Ausübung seines Dienstes am 20. Oktober 1862 an einem Herzinfarkt in Breslau. | VON ORIOLA, Eduard (I54271)
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| 3866 | Leben Er war der älteste Sohn des Anne de Noailles, Herzog von Noailles, aus dessen Ehe mit Louise Boyer. Als sein Vater 1678 starb, erbte er den Herzogstitel. Er trat 1661 in das französische Heer ein, wurde 1673 zum Maréchal de camp befördert und zum Lieutenant-général des Languedoc ernannt. 1680 befehligte er Truppen in Flandern. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) kommandierte er 1689 Truppen in Roussillon gegen die Hugenotten, gegen die er große Milde und Versöhnlichkeit bewies, und 1690 bis 1694 in Katalonien, wo er am 27. Mai 1694 die Schlacht am Ter (in der Nähe von Torroella de Montgrí) gewann. Er nahm ebenfalls am Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) teil. Später fiel er um seines Bruders, des Kardinals Louis-Antoine de Noailles, Willen beim König in Ungnade. Ehe und Nachkommen Am 13. August 1671 heiratete er Marie-Françoise de Bournonville (1656–1748), Tochter des Ambroise-François, Herzog von Bournonville. Mit ihr hatte er 21 Kinder, darunter: Marie Christine de Noailles (1672–1748), ⚭ 1687 Antoine V. de Gramont, Herzog von Gramont, Marschall von Frankreich (Haus Gramont) Marie Charlotte de Noailles (1677–1723), ⚭ 1696 Malo, Marquis von Coëtquen. Adrien-Maurice de Noailles, Herzog von Noailles (1678–1766), ⚭ Françoise Charlotte Amable d’Aubigné, Nichte von Madame de Maintenon Lucie Félicité de Noailles (1683), ⚭ 1698 Victor-Marie d’Estrées, Herzog von Estrées, Marschall von Frankreich Marie Thérèse de Noailles (1684–1784), ⚭ 1698 Charles François de la Baume Le Blanc, Herzog von La Vallière Marie Françoise de Noailles (1687), ⚭ 1703 Emmanuel de Beaumanoir, Marquis von Lavardin Marie-Victoire de Noailles (1688–1766), ⚭ (1) 1707 Louis de Pardaillan, Marquis de Gondrin († 1712), Sohn von Louis Antoine de Pardaillan de Gondrin; ⚭ (2) 1723 Louis Alexandre de Bourbon, Graf von Toulouse, unehelicher Sohn Ludwigs XIV. Anne Louise de Noailles (1695), ⚭ (1) 1716 François Le Tellier, Marquis de Louvois († 1719) (Le Tellier de Louvois), ⚭ (2) Jacques Hippolyte Mancini, Marquis Mancini Weblinks Commons: Anne Jules de Noailles – Sammlung von Bildern Anne-Jules, 2e duke de Noailles (Encyclopædia Britannica) | DE NOAILLES, Anne-Jules (I61208)
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| 3867 | Leben Er war der Sohn des Grafen Gerhard im Metzgau und der Oda von Sachsen, einer Tochter von Otto dem Erlauchten, Herzog von Sachsen aus der Familie der Liudolfinger, und somit ein Neffe des Königs Heinrich I. Darüber hinaus war er der jüngere Bruder von Wichfrid, der von 924 bis 953 Erzbischof von Köln und ab 941 Erzkanzler ihres Vetters, des Königs Otto I. war. Er heiratete Ermentrud, * 908/909, die wohl älteste Tochter von Karl dem Einfältigen, König von Westfranken, der von 910 bis 923 im Besitz des Herzogtums Lothringen und damit sein Lehnsherr war. Da Karl im Jahr 923 sowohl als König als auch als Herzog abgesetzt wurde und kurze Zeit später in Gefangenschaft geriet (und sein einziger Sohn, der 2-jährige Ludwig. von seiner Mutter nach England in Sicherheit gebracht wurde) ist es wahrscheinlich, dass die Hochzeit kurz vor dem Sturz Karls stattfand, zumal die übrigen fünf Töchter offenbar nicht mehr verheiratet wurden. In einem nicht bekannten Zeitraum war Gottfried als Pfalzgraf von Lothringen der Vertreter des Herzogs. Das Amt wurde von 911 bis 915 von Reginhar (als Markgraf) und anschließend von Wigerich ausgefüllt. Da Wigerich vor 922 starb und Karl III. 923 abgesetzt wurde, bleibt ein kurzes Zeitfenster, in dem Gottfried (trotz seiner Jugend) zum Stellvertreter seines Schwiegervaters in Lothringen eingesetzt worden sein könnte. Da Gottfried aber gleichzeitig der Neffe Heinrichs I., der Vetter Ottos I. und der Bruder von Ottos engem Berater und späteren Kanzler Wichfrid war, ist es auch möglich, dass ihm dieses Amt nach 923 trotz seiner Verbindung zum gestürzten Karl III. anvertraut wurde. Die Tatsache, dass sein Sohn Gottfried von Jülich 959 selbst Herzog von Niederlothringen wurde, und zwar anfangs als Stellvertreter von Erzbischof Brun von Köln, Ottos Bruder und Nachfolger Wichfrids in beiden Ämtern, spricht dafür, dass die verwandtschaftlichen Beziehungen nach Sachsen bedeutender waren als die ins Westfrankenreich. | VON JÜLICH, Gottfried (I39306)
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| 3868 | Leben Er war der Sohn des Juristen und Buchhändlers Julius Eduard Hitzig; ein gleichzeitig geborener Zwillingsbruder starb noch im selben Jahr.[1] Georg Friedrich Heinrich Hitzig absolvierte nach dem Abschluss des Friedrich-Wilhelms-Gymnasium die Gewerbeschule und die Berliner Bauakademie. 1829 legte er die Feldmesserprüfung ab. Er arbeitete als Praktikant unter Karl Friedrich Schinkel beim Bau der Berliner Sternwarte. Nach einem Aufenthalt in Paris bestand er im Jahr 1837 die Baumeisterprüfung. Anstatt in den Staatsdienst zu treten, ließ er sich wie Eduard Knoblauch als Privatbaumeister in Berlin nieder. Hitzig wurde zu einem besonders gefragten Architekten in der Zeit nach Schinkel. Dessen klassizistischen Stil entwickelte er durch die Nutzung von Elementen der Renaissance in seinen Entwürfen weiter und gilt damit als Schinkel-Schüler. In der Bellevue-, Lenné-, Roon- (heute: Konrad-Adenauer-) und der nach dem Architekten benannten Hitzigstraße (heute: Stülerstraße) entstanden zahlreiche Privathäuser, die sich unter Einbeziehung von Vorgärten mit Baumgruppen an ländlicher Villenarchitektur orientierten. Hitzig gestaltete Stadthäuser für den Kaufmann Gerson, den Bankier und Weinhändler Krause und den Grafen von Pourtalès.[2] In den 1840er und 1850er Jahren unternahm Hitzig Studienreisen nach unter anderem nach Ägypten, Griechenland, in die Türkei, Frankreich und Italien. Danach fand er in Triest als Architekt Gelegenheit zur praktischer Arbeit. 1850 wurde er Mitglied der preußischen Baudeputation und 1855 Mitglied der Akademie der Künste. 1868 wurde er Mitglied des Senats der Akademie der Künste und 1875 deren Präsident. Am 1. Oktober 1880 wurde er von der Akademie des Bauwesens zum Abteilungs-Dirigenten für Hochbau gewählt.[3] Mausoleum der Familie Hitzig auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte, im Vordergrund das Grabmal Schinkels Das Familiengrab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte. Dort sind auch sein Vater und sein Sohn Eduard Hitzig beigesetzt. Mehrfamilienhaus für Hermann Gerson, nach 1861 von dessen Bruder Julius Gerson übernommen Bauten und Entwürfe (Auswahl) 1838: Schloss Behrenhoff, 1945 beseitigt 1848–1851: Schloss Neetzow, erhalten 1848–1853: Schloss Kittendorf, erhalten 1848: Gutshaus Poggelow, erhalten 1850–1852: Villa Pourtalès, abgerissen 1939[4] 1852–1854: Schloss Bredenfelde, erhalten 1853–1854: Mausoleum Koblentz 1853–1859: Schloss Kartlow, erhalten 1853: Mausoleum für die Familie von Eickstedt in Koblentz, restaurierungsbedürftig[5] 1855–1856: Schloss Dahlwitz, erhalten 1855–1856: Schloss Kropstädt, erhalten 1852–1858: Palazzo Revoltella in Triest, erhalten 1856–1858: Ferdinandeo in Triest, erhalten 1858: Schloss in Simmenau, Oberschlesien, 1956/57 abgerissen Berliner Börse und Friedrichsbrücke 1859–1864: Berliner Börse, 1944 im Innern ausgebrannt, die wiederaufbaufähige Ruine 1957/1958 beseitigt 1861–1862: Mehrfamilienwohnhaus Gerson in Berlin-Tiergarten, Bellevuestraße 10 / Lennéstraße 8, im Zweiten Weltkrieg zerstört[6] 1861: Westflügel zum Schloss Fürstenstein bei Waldenburg, Niederschlesien, größtenteils erhalten 1865: Villa für Wilhelm Colsman-Bredt in Langenberg (Rheinland), 1905 von Arno Eugen Fritsche verändert, erhalten[7] Erste Markthalle in Berlin ab ca. 1865: Schloss Remplin, Umgestaltung 1865–1867: Markthalle in Berlin, funktional mehrmals verändert und umgebaut, zuletzt durch Hans Poelzig, 1988 wegen irreparabler Beschädigung abgerissen 1866: Villa Loisset in Eisenach, nach 24-jährigem, leerstandbedingten Verfall 2014 abgebrochen Palais Kronenberg in Warschau 1868–1871: Palais Kronenberg in Warschau, 1939 Inneres ausgebrannt, 1961/1962 abgebrochen 1867–1868: Wohnanlage „Am Zirkus“ in Berlin, zum Teil erhalten[8] Reichsbankgebäude in Berlin 1869–1878: Gebäude der Reichsbank in Berlin-Mitte, Jägerstraße 34–36, 1945 bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt, Ruine 1960 abgerissen 1870–1871: Palais Frerichs in Berlin-Tiergarten (1910/1911 mit dem Nachbargebäude umgebaut durch Paul Baumgarten), seit 1919 Vertretung der Schweiz 1870–1872: Gebäude der Eisenbahndirektion in Hannover, erhalten 1873–1877: Schloss Dwasieden, 1948 gesprengt 1877–1881: Ruhmeshalle im Berliner Zeughaus, nach Kriegsschäden beim Wiederaufbau des Zeughauses ab 1949 beseitigt 1878–1884: Technische Hochschule Charlottenburg, mit Julius Raschdorff unter Überarbeitung der Entwürfe von Richard Lucae, nach Kriegsschäden 1965 teilweise in den Neubau von Kurt Dübbers integriert. Ehrungen Hitzig war Geheimer Regierungs- und Oberbaurat. Hitzig war Träger des Ordens Pour le Mérite in der Friedensklasse. Nach Hitzig wurde eine Straße am Berliner Tiergarten benannt, die 1938 arisiert und nach Friedrich August Stüler umbenannt wurde. 1947 wurde ersatzweise die frühere Regentenstraße in Hitzigallee umbenannt. Literatur Hans Christian Förster: Der Modearchitekt nach Schinkel. In: TU intern, Nr. 10, Oktober 2006. Neidhardt Krauß: Der Architekt Friedrich Hitzig und seine Schloßbauten in Mecklenburg und Vorpommern. In: Baltische Studien, 1993, Band 79, S. 58–77, ISSN 0067-3099. Irmgard Wirth: Hitzig, Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 9. Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 274 (deutsche-biographie.de). Adolf Rosenberg: Nekrologe. Friedrich Hitzig. In: Kunst-Chronik. Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Jg. 17, Nr. 3, 3. November 1881, Sp. 39 ff.; Textarchiv – Internet Archive. Ute Wachsmuth-Major: Der Berliner Architekt Friedrich Hitzig (1811–1881), Dissertation TU Berlin 1996. Martin Ernerth, Jörg Kuhn (Hrsg.): Der Dorotheenstädtische Friedhof. Prominente Geschichte in der Mitte Berlins. Mit Beiträgen von Jürgen Quandt, Jörg Kuhn, Klaus-Henning von Krosigk, Klaus von Dohnanyi, Giselher Hickel, Dieter Lomnitz, Nina Nedelykov, Pedro Moreira. VBB Verlag (André Förster), 2019. | HITZIG, Georg Friedrich Heinrich (I60908)
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| 3869 | Leben Er war der Sohn des Landwirts und Schullehrers Jakob Baeyer (* 3. Mai 1769 in Müggelheim; † 7. Januar 1828 ebenda) und dessen Ehefrau Elisabeth Margarete, geborene Tisch (* 25. August 1768 in Müggelheim; † 20. Dezember 1822 ebenda). Baeyer besuchte die Müggelheimer Dorfschule und erhielt, gefördert durch den Köpenicker Pfarrer Gronau, 1810 eine Freistelle am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin. Er trat am 26. Februar 1813 als freiwilliger Jäger in das 3. Ostpreußische Infanterie-Regiment Nr. 4 ein und machte die Feldzüge von 1813, 1814 und 1815 mit. Während des Befreiungskrieges avancierte er zum Offizier und als die Mobilmachung des Jahres 1815 begann, wurde er zum Sekondeleutnant befördert und nach Aachen gesandt, um bei der Aufstellung der rheinischen Landwehr mitzuwirken. Nach längerer Zeit im nördlichen Frankreich ohne Kampfhandlungen entschloss er sich, Soldat zu bleiben und besuchte danach die von Gneisenau in Koblenz neu errichtete Kriegsschule, wo er sich besonders mit topographischen Arbeiten beschäftigte. General Karl von Müffling beauftragte Baeyer – erst in Koblenz, dann in Erfurt – mit topographischen Arbeiten. 1821 erfolgte die Abkommandierung zur Trigonometrischen Abteilung des preußischen Generalstabs. Ab 1826 hielt Baeyer an der Kriegsschule Vorlesungen. 1826 verheiratete er sich mit Eugenie Hitzig (1807–1843), der Tochter von Julius Eduard Hitzig. Mit ihr hatte er die vier Töchter Clara (* 1826), Emma (* 1831), Johanna (Jeanette) (* 1839), Adelaide (*/† 1843) sowie die drei Söhne Georg (* 1829), Eduard (* 1832) und Adolf (1835–1917). Während seiner Offizierszeit als Kommissar des Generalstabs führte er wichtige Vermessungsarbeiten durch, unter anderem die ostpreußische Gradmessung mit dem Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel von 1831 bis 1836 zur Verbindung der preußischen und russischen Triangulierung, Küstenvermessungen an der Ostseeküste im Zeitraum 1837–1847, weitere Messungen zwischen der Odermündung und Berlin sowie an der Nordseeküste. Die Ergebnisse publizierte Baeyer in verschiedenen Büchern. In der Zwischenzeit wurde Baeyer zum Chef der trigonometrischen Abteilung des Generalstabs ernannt, avancierte 1832 zum Major und wurde 1835 Mitglied der Studienkommission. Von 1835 bis zu seiner Verabschiedung aus der Armee als Generalleutnant 1857 leitete er zahlreiche wichtige Landvermessungen in Preußen. Im Jahre 1848 übernahm Baeyer für einige Monate das Amt des Königlich Preußischen Telegraphendirektors, nachdem der bisherige Telegraphendirektor Franz August O’Etzel aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig aus dem Amt schied. 1858 wurde er als Generalleutnant zur Disposition gestellt und mit der Ausführung des von Preußen übernommenen Anteils einer europäischen Längengradmessung unter dem 52. Parallelkreis betraut. Nach Ausscheiden aus dem preußischen Generalstab 1857 veröffentlichte Baeyer mehrere wissenschaftliche Arbeiten zur „Begründung der mitteleuropäischen Gradmessung“, die die Vermessung Mitteleuropas nach Längen- und Breitengraden und die Untersuchung lokaler Verhältnisse unter anderem des Schwerefeldes und der Erdkrümmung sowie die internationale Zusammenarbeit zum Ziel hatten. Als er 1861 den Vorschlag einer mitteleuropäischen Gradmessung machte, vereinigten sich alle mitteleuropäischen Staaten zu gemeinsamer Ausführung dieses Unternehmens, das durch den Beitritt auch der übrigen europäischen Staaten (außer England) sich zu einer europäischen Gradmessung erweiterte. Die praktischen Arbeiten zur mitteleuropäischen Gradmessung begannen mit Beratungen im Jahre 1862 in Berlin. Für die Zwecke derselben wurde 1864 in Berlin ein unter Baeyers Leitung stehendes so genanntes „Zentralbüro der Europäischen Gradmessung“ errichtet. Auf Baeyers Antrag wurde 1869 das Geodätische Institut in Berlin gegründet, dessen Leitung er bis zu seinem Tode innehatte. 1886 zog das Institut nach Potsdam auf den Telegrafenberg. Das permanente Geodätische Institut kümmerte sich insbesondere um die Arbeiten zur mitteleuropäischen Gradmessung. Baeyer erwarb sich große Verdienste bei den organisatorischen Arbeiten zur internationalen Koordinierung der europäischen Vermessung. Die „Europäische Gradmessung“ war die erste und bis zum Ersten Weltkrieg die bedeutendste internationale geodätische Vereinigung. Die Konferenz von 1862 wird heute von der Internationalen Assoziation für Geodäsie als ihre Gründungskonferenz und Johann Jacob Baeyer als ihr Begründer angesehen. Mit der Gründung wurde Baeyer am 1. Januar 1870 zum Leiter des Geodätischen Instituts Berlin berufen, das jährlich einen „Generalbericht über die europäische Gradmessung“, die Verhandlungen der Konferenzen der Kommissare und „Publikationen“ in einzelnen Heften veröffentlichte. Baeyer starb am 10. September 1885 an einer Lungenentzündung in seiner Wohnung in der Lützowstraße 42 in Berlin. Er wurde am 15. September 1885 auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor begraben. Baeyer lernte auch Alexander von Humboldt kennen, der ihn auf eine Forschungsreise mitnehmen wollte, Baeyer konnte aber krankheitshalber nicht daran teilnehmen. Er eignete sich bei der Reisevorbereitung chemische und mineralogische Kenntnisse an, die er auch seinem Sohn vermittelte, dem späteren Chemie-Nobelpreisträger Adolf von Baeyer (1835–1917). Baeyer widmete sein Werk Über die Größe und Figur der Erde mit einem huldigenden Vorwort Alexander von Humboldt. Baeyer und die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin Baeyer gehörte im Jahr 1828 zu dem kleinen Kreis der Mitstifter der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Am 20. April 1828 traf er sich in Berlin mit Christian Friedrich Gottlieb Wohlers, Major Karl von Rau, Director Karl Friedrich von Klöden, Major Franz August von Etzel, Johann August Zeune und Heinrich Berghaus zu einer vorbereitenden Besprechung, bei der man sich auf den Zweck der zu gründenden Gesellschaft, die „Beförderung der Erdkunde im weitesten Sinne des Worts durch mündliche oder schriftliche Mittheilung“ einigte. An der Gründungsversammlung der Gesellschaft, am 7. Juni 1828, nahmen 27 Personen teil.[2] Ehrungen Schon 1861 war Baeyer auswärtiges Mitglied der Königlich schwedischen Académie des Sciences Militaires, korrespondierendes Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg und Ehrenmitglied der K.K. geographischen Gesellschaft zu Wien. Baeyer wurde 1865 zum Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften[3] und 1867 zum Ehrenmitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften[4][5] gewählt. 1868 wurde er als Ehrenmitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften[6] und als assoziiertes Mitglied in die Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique[7] aufgenommen. Er war zudem Ehrendoktor der Universität Wien und seit 1883 auswärtiges Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei.[8] Zum 100. Jahrestag des Bestehens der Internationalen Erdmessung im Jahre 1962 ehrte ihn sein Geburtsort Müggelheim gemeinsam mit dem Geodätischen Institut Potsdam mit einem Gedenkstein am östlichen Ende des Dorfangers, in nächster Nähe zu seinem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Elternhaus. Der Gedenkstein ist eine Stele mit einem Bronze-Tondo des Baeyer-Kopfes im Profil. Sie krönt ein bronzener Globus, dem ein Gradnetz eingraviert wurde. Die Bronzearbeiten wurden von der Bronzegießerei Füssel aus Berlin ausgeführt. Die Inschrift lautet: Dem Begründer der Internationalen Erdmessung 1794–1885 Johann Jacob Baeyer aus Müggelheim anläßlich des 100-jährigen Bestehens der internationalen Erdmessung im Jahre 1962 Nach Baeyer ist die rund 250 m lange Johann-Jacob-Baeyer-Straße[9] im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick (Ortsteil Müggelheim) benannt (seit dem 5. November 1994) sowie die Baeyerhöhe bei Lampersdorf westlich von Dresden, in den 1860er Jahren eine Station 1. Ordnung der Königlich-Sächsischen Triangulation. Seit 1997 ist er auch Namensgeber für den Baeyer-Canyon, einen Tiefseegraben in der Lasarew-See in der Antarktis. Wichtige Schriften Gradmessung in Ostpreußen und ihre Verbindung mit Preußischen und Russischen Dreiecksketten. Ausgeführt von F.W.Bessel, Director der Königsberger Sternwarte, Baeyer, Major im Generalstabe. Berlin 1838 (der Text stammt von Bessel), urn:nbn:de:bvb:12-bsb10000711-6 Nivellement zwischen Swinemünde und Berlin. Berlin 1840, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10001762-2 Die Küstenvermessung und ihre Verbindung mit der Berliner Grundlinie. Berlin 1849, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10000687-9 Die Verbindungen der preußischen und russischen Dreiecksketten bei Thorn und Tarnowitz. Berlin 1857 Über die Größe und Figur der Erde. Berlin 1861, Digitalisat (PDF; 3,9 MB) Das Messen auf der sphäroidischen Erdoberfläche. Berlin 1862, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10053274-7 Wissenschaftliche Begründung der Rechnungsmethode des Zentralbüreaus der europäischen Gradmessung. Berlin 1869–1871, 3 Hefte Vergleichung einiger Hauptdreiecksketten der königlichen Landestriangulation mit der Besselschen Methode. Berlin 1879 Über die Nivellementsarbeiten im preußischen Staat und die Darstellung ihrer Resultate in richtigen Meereshöhen. Berlin 1881 Unter Baeyers Leitung veröffentlicht das Geodätische Institut seit 1863 jährlich einen „Generalbericht über die europäische Gradmessung“, die Verhandlungen der Konferenzen der Kommissare und „Publikationen“ in einzelnen Heften, so z. B. Das Rheinische Dreiecksnetz II. Heft, Berlin 1878[10] | BAEYER, Johann Jacob (I60911)
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| 3870 | Leben Er war der Sohn von Hermann VII. von Baden (1266–1291) und Agnes von Truhendingen († nach 1309). Nach dem Tod des Vaters regierte Rudolf die Markgrafschaft zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich. Später erfolgte eine Landesteilung. Friedrich erhielt Baden-Baden und Eberstein, Rudolf erhielt Pforzheim.[1] In der Pforzheimer Vorstadt ließen Rudolf und seine Gattin Luitgard 1322 ein Spital einrichten. das sie am 24. September 1323 an den Heilig-Geist-Orden und damit in die Obhut des Grüninger Heilig-Geist-Spitals übergaben.[2] Rudolf IV. heiratete vor dem 28. Februar 1318, in erster Ehe, Luitgard von Bolanden († 1324/25), Schwester der Zisterzienserin Anna von Bolanden; in zweiter Ehe, vor dem 18. Februar 1326, Maria von Oettingen († 10. Juni 1369). Aus der 2. Ehe gingen folgende Kinder hervor: Friedrich III. von Baden (* um 1327; † 2. September 1353) Rudolf V. von Baden (* unbekannt; † 1361), heiratete am 26. August 1347 seine Cousine zweiten Grades Adelheid von Baden († 1370/1373), die Tochter von Rudolf Hesso von Baden († 1335) Maria von Öttingen wurde als Witwe Zisterzienserin im Kloster Lichtenthal und durch sie gelangte dorthin vermutlich der heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe befindlichen Psalter Codex Lichtenthal 37, der ursprünglich Anna von Bolanden im Kloster Kirschgarten (Worms) gehörte. Anna von Bolanden war die Schwester der 1. Frau von Markgraf Rudolf IV.[3] | (BADEN), Rudolf IV. (I61280)
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| 3871 | Leben Er war der Sohn von Rudolf IV. von Baden († 25. Juni 1348) und Marie von Oettingen († 10. Juni 1369), der Tochter des Grafen Friedrich I. von Oettingen. 1348 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Rudolf die Regierung. Er hatte seine Residenz in Baden-Baden. Ehe und Nachkommen Friedrich III. von Baden heiratete um 1345 Margareta von Baden († 1. September 1367), die Tochter des Markgrafen Rudolf Hesso von Baden. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor: Rudolf VI. von Baden († 21. März 1372) Margarete, heiratet am 10. November 1363 den Grafen Gottfried II. von Leiningen-Rixingen († um 1380) und in zweiter Ehe den Grafen Heinrich von Lützelstein († 1394) Siehe auch Stammliste des Hauses Baden Literatur Johann Christian Sachs: Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft und des marggrävlichen altfürstlichen Hauses Baden. Zweyter Theil. Lotter, Carlsruhe 1767, S. 151–156 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1050 - 1515, herausgegeben von der Badischen Historischen Commission, bearbeitet von Richard Fester, Erster Band, Innsbruck 1900, S. 101–111 online im Internet Archive | (BADEN), Friedrich III. ´der Friedfertige` (I61277)
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| 3872 | Leben Erman stammte aus einer Genfer Familie, die 1720 nach Berlin übergesiedelt war. Bereits mit 17 Jahren wurde er Lehrer am Französischen Gymnasium Berlin und noch vor seinem 20. Lebensjahr Prediger der französischen Gemeinde, um deren Entwicklung er sich sehr große Verdienste erwarb. 1766 wurde er Direktor des Französischen Gymnasiums und 1783 zum Oberkonsistorialrat ernannt. 1786 wurde Erman in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen[1] und 1792 zum Historiographen der brandenburgischen Geschichte ernannt. Nachdem französische Truppen nach der für Preußen verlorenen Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt Berlin besetzt hatten, kam es am 28. Oktober 1806 im Berliner Schloss zu einer kurzen Unterredung zwischen dem siegreichen Kaiser der Franzosen Napoleon Bonaparte und dem 71-jährigen Erman, der an der Spitze einer Delegation von Berliner Geistlichen stand.[2] In dieser Unterredung verteidigte Erman die Politik Preußens sowie die preußische Königin Louise gegen Napoleons Vorwürfe und erwiderte auf die Vorhaltung Napoleons, dass er doch Franzose sei und den Sieg Frankreichs eigentlich begrüßen müsste, dass er als treuer Untertan der preußischen Krone und Anhänger des reformierten Glaubens die Anwesenheit Napoleons an diesem Ort „nur mit dem größten Schmerz sehen“ könne.[3] Napoleon soll nach der Unterredung geäußert haben: „Aujourd’hui j’ai rencontré quelqu’un, qui ma bien dit mes vérités.“ („Heute traf ich jemanden, der mir wirkliche Wahrheiten sagte.“).[4] Nach den Ereignissen von 1806 gab Erman wie die allermeisten Hugenotten Preußens aus Protest gegen die französische Besetzung den Gebrauch der französischen Muttersprache auf und verwendete künftig das Deutsche. Familie Seine Eltern waren Jean-Pierre Erman (* 17. Mai 1710; † 5. Mai 1762) und dessen Ehefrau Susanne Mercier (* 1706; † 5. Januar 1745). Er hatte keine Brüder, aber eine Schwester Marie Charlotte (1739–1802), die mit dem Kaufmann Charles Lecoq (1736–1814) verheiratet war. Letzterer wurde 1749 der erste Direktor der Berliner Zuckersiederei von David Splitgerber. Am 22. September 1759 heiratete Jean Pierre Erman Louise Lecoq (* 12. Oktober 1738; † 11. November 1791), eine Tochter des einflussreichen Tabakhändlers Paul Lecoq (* 9. Januar 1703; † 9. April 1769) und dessen Ehefrau Anna Jordan (* 19. November 1711; † 9. Januar 1739). Sein Sohn Paul Erman war ein bekannter Physiker in Berlin. Ein anderer Sohn wurde 1783 Pastor der französisch-reformierten Gemeinde in Potsdam; er beging 1805 Selbstmord. Werke Mémoires pour servir à l’histoire des réfugiés. 9 Bände. Berlin (1782–1799) mit Pierre Christian Frédéric Reclam Band 1; books.google.de Band 2; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00074439-8 Band 3; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00074440-0 Band 4; archive.org. Band 5; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00074442-1 Band 6; books.google.de Band 7; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00074444-2 Band 8; books.google.de Band 9; archive.org. Mémoire historique sur la fondation du Collège Royal François de Berlin; à l’occasion du jubilé célébré le 1. Dez. 1789 / rédigé par Erman. Starcke, Berlin 1789 Sermons sur divers textes de l’ecriture sainte, par M. Erman, ministre du S. Evangile et Pasteur de l’Église réformée françoise de Potsdam. S. Fauche, Neuchatel / Hamburg 1791. Mémoire historique sur la fondation des colonies françoises dans les États du Roi: publié à l’occasion du jubilé qui sera célébré le 29. octobre MDCCLXXXV. archive.org. Mémoire historique sur la fondation de l’Église françoise de Berlin. archive.org. Mémoire historique sur la fondation de l’Église françoise de Potsdam. archive.org. Eloge Historique De Sophie Charlotte Reine De Prusse: Second Mémoire. Lu dans l’Assemblée publique de l’Académie Royale des Sciences & Belles Lettres du 3. Février 1791. archive.org. Mémoires pour servir à l’histoire de Sophie Charlotte, reine de Prusse. Starcke, Berlin 1801. Literatur P. Hummel: Jean-Pierre Erman (1733–1814) et la Renaissance humaniste du collège français de Berlin. In: Wiener Studien, Nr. 11, S. 253–266. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1879. Wilhelm Erman: Jean Pierre Erman (1735–1814). Ein Lebensbild aus der Berliner französischen Kolonie. E.S. Mittler und Sohn, Berlin 1914. Wilhelm Erman: Paul Erman. Ein Berliner Gelehrtenleben 1764–1851 (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins. Band 53). 1927, S. 146 (zlb.de – Porträt auf Vorsatzblatt). | ERMAN, Jean Pierre (I60942)
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| 3873 | Leben Ernst von Richthofen stammte aus dem Adelsgeschlecht der Richthofen. Er war ein Sohn des Landrats Karl von Richthofen (1787–1841), sein älterer Bruder war der Rechtshistoriker Karl von Richthofen (1811–1888). Er studierte Rechtswissenschaften in Bonn, wo er 1847 Mitglied der Bonner Burschenschaft Frankonia wurde. Nach seinem Studium wurde er nach seinem Erbe Besitzer der Güter Brechelshof, Tscharnikau, Tschierschkau, Klein Schönbrück, Niederstreit und Mittelfaulbrück. Er war Kreisdeputierter von Jauer und von 1862 bis 1870 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für die Wahlkreise 6, 7 und 9 in Liegnitz. Er gehörte der Rechte/Grabow, den Konstitutionellen und den Altliberalen an. | VON RICHTHOFEN, Ernst Carl Felix (I59613)
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| 3874 | Leben Esico war ein Sohn eines namentlich nicht bekannten Vaters (Adalbert), der Vogt der Klöster Nienburg und Hagenrode war, und einer namentlich nicht bekannten Tochter (Hidda) des Markgrafen Hodo I. der Ostmark. Ob Uta, Ehefrau von Markgraf Ekkehard II. von Meißen und Hazecha, Äbtissin des Stifts Gernrode seine Schwestern waren, ist unsicher. Die als Uta von Naumburg bezeichnete Statue im Naumburger Dom soll Uta von Ballenstedt darstellen.[1] Er wurde 1036 erstmals in einer Urkunde König Konrads II. erwähnt.[2] Darin wurde er wie in allen weiteren Urkunden nur als Graf (comes Hesicho) ohne weiteren Zusatz bezeichnet. Nur der Annalista Saxo im 13. Jahrhundert bezeichnete ihn als Esicus de Ballenstide.[3] Wahrscheinlich um 1043 gründete er ein Kollegiatstift St. Pancratius und Abundus auf der Burg Ballenstedt. Das Gebiet seiner Grafschaft ist nur ungefähr bekannt. Es lag im Schwaben-, Harz- und Hardagau. Esico hatte wahrscheinlich über seine Mutter Allodien in verschiedenen Gebieten geerbt, die Grafenrechte in diesen Gebieten gingen jedoch nicht vollständig auf ihn über.[4] Teilweise werden Besitzungen im slawischen Gebiet östlich der Elbe angenommen.[5][6] Esico wurde insgesamt neunmal in Urkunden seiner Zeit genannt, zuletzt 1059.[7] Da die letzte urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1059 datiert ist, ist davon auszugehen, dass Esico kurz darauf verstarb, vermutlich im Jahre 1060.[8] | VON BALLENSTEDT, Esico (I61392)
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| 3875 | Leben Eugen Alexander war der zweitälteste Sohn des Generalpostmeisters Lamoral Claudius Franz von Thurn und Taxis und dessen Ehefrau Anna Franziska Eugenia Gräfin von Horn. Nach dem Tod seines Vaters trat er im September 1676 die Nachfolge als Generalerbpostmeister der Kaiserlichen Reichspost, sowie als Generalpostmeister der Spanischen Niederlande an. 1681 ernannte ihn der letzte spanisch-habsburgische König Karl II. zum spanischen Fürsten und wertete die von Lamoral Claudius Franz erworbene Grafschaft Braine-le-Château zum Fürstentum unter dem Namen Principauté de la Tour et Tassis auf.[1] Am 4. Oktober 1695 folgte seine Ernennung zum Reichsfürsten im Heiligen Römischen Reich durch Kaiser Leopold I., obwohl Eugen Alexander keinen Territorialbesitz im HRR hatte.[2] Er vermehrte seinen Besitz im Jahr 1700 noch um die Herrschaft Impden, musste die Spanischen Niederlande jedoch nach der französischen Besetzung im Spanischen Erbfolgekrieg verlassen und wurde 1701 vom neuen spanischen König Philipp V., einem Enkel des französischen Königs Ludwig XIV. als Generalpostmeister der Niederlande abgesetzt.[3] Seine Besitztümer in den Spanischen Niederlanden unterlagen der französischen Konfiskation.[1] Er übersiedelte 1702 nach Frankfurt am Main, wo unter seiner Leitung eine neue Zentrale der Kaiserlichen Reichspost entstand. Am 26. November 1704 erhielt er Stimme und Sitz in der Fürstenbank des Kurrheinischen Kreises, obwohl er kein Territorium besaß. Als Gegenleistung musste er zwei berittene Männer sowie sechs weitere Männer stellen und das Reichskammergericht in Wetzlar jährlich mit 39 Gulden unterstützen.[4] In seinem 1713 entstandenen Testament legte er die Umwandlung des Familienbesitzes in ein Fideikommiss fest und schlug vor, dass die niederländischen Besitztümer zugunsten von Erwerbungen im Heiligen Römischen Reich verkauft werden sollten.[5] Nach seinem Tod wurde er beigesetzt im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt, wo sich sein prachtvoller Marmorepitaph erhalten hat. Eugen Alexander war seit dem 24. März 1678 in erster Ehe mit Prinzessin Anna Adelheid von Fürstenberg-Heiligenberg († 13. November 1701) verheiratet, Tochter von Fürst Hermann Egon. In zweiter Ehe war Eugen Alexander seit dem 21. November 1703 mit Anna Augusta Gräfin von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst († 21. September 1711) verheiratet, eine Tochter von Graf Ludwig Gustav. Nachkommen Anselm Franz (Taufe am 30. Januar 1681; † 8. November 1739), Nachfolger als Generalerbpostmeister, ⚭ mit Maria Ludovika Anna von Lobkowitz Jacob Lamoral, 1696 als Domherr zu Köln belegt Anna Franziska (Taufe am 24. (25.) Februar 1683; † 17. Januar 1763), ⚭ mit Franz Ernst Altgraf zu Salm-Reifferscheidt Eleonora Ferdinanda (Taufe am 18. September 1685; † 22. Dezember 1721), ⚭ mit Philipp Hugo Graf von Manderscheid-Kail Inigo Lamoral Felix Maria Franz (Taufe am 2. September 1686; † 16. August 1717), Soldat, gefallen vor Belgrad Anna Theresia (Taufe 18. Juni 1689), Nonne Maria Isabella Godofreda (Taufe am 1. Dezember 1691; † 22. April 1764) ⚭ mit Guillaume Alexandre Comte de Lannoy, Baron de Wignacourt Heinrich Franz (Taufe am 26. Februar 1682; † 4. Dezember 1700), Domherr zu Köln und Augsburg (illegitim) im Kindesalter gestorben Dorothea (1679–1681) ungenannter Sohn (1680–1680) Lothar Franz (1705–1712) Maximilian Philipp Eleonore (1706–1706) Philipp Lamoral (1708–1708) Maria Josepha Franziska (1711–1711) Literatur Wolfgang Behringer: Thurn und Taxis. Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen. Piper, München und Zürich 1990, ISBN 3-492-03336-9. Martin Dallmeier: Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens 1501–1806. Teil II: Urkunden-Regesten. Verlag Michael Lassleben, Kallmünz 1977. Martin Dallmeier: In: De post van Thurn und Taxis, La Poste des Tour et Tassis 1489–1794. Brüssel 1982 Martin Dallmeier, Martha Schad: Das Fürstliche Haus Thurn und Taxis, 300 Jahre Geschichte in Bildern. Friedrich Pustet, Regensburg 1996, ISBN 3-7917-1492-9. Europäische Stammtafeln. Band V, Haus Thurn und Taxis, Tafel 129 und 130. Josef Rübsam: Taxis (Thurn und Taxis), Eugen Alexander Fürst von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 484–488. | VON THURN UND TAXIS, Eugen Alexander (I61248)
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| 3876 | Leben Familie Israel Stieglitz wurde als Sohn des Schutzjuden und Fürstlich-Waldeckschen Kammeragenten Lazarus Stieglitz und dessen Ehefrau Friederike Luise, geb. Marc geboren[4] und war der Bruder des späteren Bankiers Ludwig Stieglitz. Der Dichter Heinrich Wilhelm Stieglitz war sein Neffe zweiten Grades. Werdegang Israel Stieglitz besuchte das Gymnasium in Gotha, studierte anfangs Philosophie in Berlin und ab November 1786 Medizin in Göttingen.[3] Seit seiner Studienzeit in Göttingen war er mit Wilhelm von Humboldt befreundet, dem er beim Baden sogar das Leben rettete: „Er (Humboldt) badete mit seinem Freunde Stieglitz, dem nachherigen hannöverschen Leibarzt, bei Göttingen abends in der Leine und geriet in einen Strudel, der ihn fortriß; nach vergeblichem Ringen hielt er sich für verloren und rief dem Freunde zu: ‚Stieglitz, ich ertrinke, aber es tut nichts!‘ Doch dieser sprang ihm nach und rettete ihn.“ ([5]) Stieglitz wurde 1789 in Göttingen promoviert und ließ sich anschließend als Arzt in Hannover nieder. 1792 heiratete er Jente (Sophie Jeanette) Ephraim (1764–1843),[6] Tochter des Berliner Unternehmers Benjamin Veitel Ephraim und seiner Frau Gutche, geb. Philipp (1743–1812).[7] Im Jahre 1800 konvertierte das Ehepaar mit den beiden Söhnen vom Judentum zum Christentum. Sie ließen sich in der evangelisch-lutherischen Michaeliskirche in Ronnenberg durch den Ronnenberger Superintendenten Johann Konrad Achaz Holscher, zu dessen Sprengel die selbständige Neustadt vor Hannover gehörte, taufen.[8] Taufzeuge war u. a. der Konsistorialrat Johann Christoph Salfeld, Abt des Klosters Loccum. Israel Stieglitz hieß seitdem Johannes Stieglitz,[3] seine Frau erhielt die Namen Jeanette Sophie, seine Söhne hießen Carl Ludwig und Wilhelm Adolph.[8] 1802 wurde der Christ Johann Stieglitz zum Hofmedikus ernannt, 1806 zum ersten Leibmedikus, 1820 Hofrat und schließlich 1832 Obermedizinalrat und Direktor des Obermedizinalkollegiums in Hannover,[3] und somit „erstes und vorsitzendes Mitglied aller in Hannover errichteten ärztlichen Collegien für Civil und Militär“.[9] Diese bürgerliche Karriere wäre ihm ohne christliche Taufe nicht möglich gewesen. Bereits 1805 war Stieglitz mit dem Beinamen Philumenus IV. in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (Matrikel-Nr. 1031) und in die Göttinger Akademie der Wissenschaften[10] aufgenommen worden. Stieglitz veröffentlichte längere Zeit „ausführliche Beurtheilungen wichtiger medicinischer Erscheinungen“ und bekämpfte erfolgreich Irrlehren der Medizin wie das Brown’sche System und den Mesmerismus,[9] etwa bei der Behandlung des Scharlachfiebers,[11] wodurch sein Name weit über die Grenzen des Königreichs Hannover bekannt wurde.[3] Grabmal auf dem Neustädter Friedhof Johann Stieglitz’ denkmalgeschütztes Grabmal auf dem Neustädter Friedhof[12], für das der Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves nachweislich einen Entwurf lieferte,[13] trägt die Inschrift: „Zu helfen der leidenden Menschheit, zu streben nach Wahrheit, zu beglücken die Seinen, war bis zum letzten Athemzuge seines schönen Lebens heiliger Zweck.“[14] Ehrungen Vom Ärzteverein Hannover gestiftete, vom Medailleur Henri François Brandt auf den 25. April 1839 datierte Bronzemedaille mit dem Porträt von Stieglitz nach links; Science Museum, London 1839, noch zu Lebzeiten von Johann Stieglitz, stiftete der Ärzteverein Hannover eine Medaille anlässlich des 50-jährigen Doktor-Jubiläum von Stieglitz mit dessen Porträt; Bronze und Silber, 45 mm, Medailleur: Henri François Brandt (1789–1845). Literatur: Hildegard Lehnert (Enkelin), Berlin 1897, Nr. 76. 1839, auch aus Anlass des Doktorjubiläums, „Kommandeur“ des hannoverschen Guelphen-Ordens Schriften Dissertatio inavgvralis De morbis venereis larvatis. Dissertation, Göttingen 1789. Ueber das Zusammenseyn der Aerzte am Krankenbett, und über ihre Verhältnisse unter sich überhaupt. Hahn, Hannover 1798. Versuch einer Prüfung und Verbesserung der jetzt gewöhnlichen Behandlungsart des Scharlachfiebers. Hahn, Hannover 1807. Ueber den thierischen Magnetismus. Hahn, Hannover 1814. Pathologische Untersuchungen. 2 Bände. Hahn, Hannover 1832. Über die Homöopathie. Hahn, Hannover 1835. | STIEGLITZ, Johann (I60699)
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| 3879 | Leben Fanny Arnstein, geb. Vögele Itzig, stammte aus einer reichen jüdischen Familie – ihr Vater Daniel Itzig (1723–1799) war Hoffaktor von Friedrich Wilhelm II. – und genoss daher eine umfassende Erziehung. Durch ihre Heirat mit Nathan Adam von Arnstein, Enkel des kaiserlichen Hoffaktors Isaak Arnstein, im Jahr 1776 kam sie nach Wien und konnte sich als erste Wiener Jüdin die Führung eines eigenen Literarischen Salons im Sinn der Aufklärung leisten. Ihr Palais Arnstein befand sich am Hohen Markt im ersten Bezirk von Wien.[2] Vor allem während des Wiener Kongresses trafen sich im Hause Arnstein prominente Vertreter aus Diplomatie, Wissenschaft, Kunst und Journalismus. Zudem war Fanny von Arnstein Mitbegründerin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.[3][4] Felix Mendelssohn Bartholdy war ihr Großneffe, Fanny Hensel ihre Großnichte und Sara Levy ihre Schwester. Fanny von Arnstein war politisch sehr engagiert. Mit ihrem Mann unterstützte sie den Tiroler Volksaufstand gegen Napoléon.[5] Fanny von Arnstein war es auch, die 1814 den ersten historisch bezeugten Weihnachtsbaum in Wien aufstellte – eine Tradition, die sie aus Berlin mitgebracht hatte: „Bei Arnsteins war vorgestern nach Berliner Sitte ein sehr zahlreiches Weihnachtsbaum- oder Christbaumfest. Es waren dort Staatskanzler Hardenberg, die Staatsräte Jordan und Hoffmann, Fürst Radziwill, Herr Bartholdy, alle Anverwandten des Hauses. Alle gebetenen, eingeladenen Personen erhielten Geschenke oder Souvenirs vom Christbaum. Es wurden nach Berliner Sitte komische Lieder gesungen…Fürst Hardenberg amüsierte sich unendlich.“[6] Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Währing bestattet. Ihre Gebeine, ebenso wie die aus mehreren anderen Gräbern, wurden in nationalsozialistischer Zeit ausgegraben und angeblich für „wissenschaftliche Zwecke“ ins Naturhistorische Museum Wien überführt. Im Jahr 1947 wurden sämtliche im Naturhistorischen Museum Wien vom Jüdischen Friedhof Währing eruierbaren Skelette der Israelitischen Kultusgemeinde Wien übergeben und in Familiengräbern wiederbestattet.[7][8] Zu den Wiederbestatteten zählen auch acht Mitglieder der Familie von Arnstein, die zwischen 1785 und 1857 gestorben sein sollen. Es wird angenommen, dass sich auch die sterblichen Überreste von Fanny von Arnstein darunter befinden können. Allerdings liegen weder für die Exhumierung der Gebeine von Fanny von Arnstein noch für deren wissenschaftliche Untersuchung am Naturhistorischen Museum Wien Belege vor. Demnach ist fraglich, ob sie überhaupt unter jenen Relikten waren, die in das Naturhistorische Museum überführt wurden.[9] Ihre Tochter, Henriette von Pereira-Arnstein (1780–1859), wurde in Wien ebenfalls als Pianistin und Gastgeberin eines Salons bekannt. Literatur Constantin von Wurzbach: Arnstein, Franziska Freiin von. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 1. Theil. Universitäts-Buchdruckerei L. C. Zamarski (vormals J. P. Sollinger), Wien 1856, S. 69 f. (Digitalisat). Gustav Gugitz: Arnstein, Fanny von, Freifrau. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 394–395 (deutsche-biographie.de). Hilde Spiel: Fanny von Arnstein oder Die Emanzipation, Frankfurt am Main 1962. Patricia Steines: Hunderttausend Steine. Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof Tor I und Tor IV, Falter, Wien, 1993. Maria Teschler-Nicola und Margit Berner: Die anthropologische Abteilung des Naturhistorischen Museums in der NS-Zeit; Berichte und Dokumentation von Forschungs- und Sammlungsaktivitäten 1938-1945. In: Untersuchungen zur Anatomischen Wissenschaft in Wien 1938–1945, Akademischer Senat d. Universität Wien, S. 333–358. Petra Wilhelmy: Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 1989. Robert S. Wistrich: Die Juden Wiens im Zeitalter Kaiser Franz Josephs, Wien 1999. Jana Mikota: Jüdische Schriftstellerinnen – wieder entdeckt: Fanny von Arnstein und die Salonkultur des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. In: Medaon 4 (2010), 7 (online). Homa Jordis: Eine Salonière als Mediatorin europäischer Machtpolitik – Erfahrungsräume, Netzwerke und Leitmotive der Fanny von Arnstein in der Zeit vor und während des Wiener Kongresses. Buchschmiede von Dataform Media GmbH, Wien 2022 (Dissertation, Universität Wien), ISBN 978-3-99139-755-7. | ITZIG, Vögele (Fanny) (I60975)
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| 3880 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I6934)
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| 3881 | Leben Flaccilla stammte aus Hispanien.[2] Sie gehörte der dortigen Hocharistokratie an und heiratete um 376 den knapp 30-jährigen Theodosius, einen angesehenen Militär, der ebenfalls aus Spanien stammte und sich nach der Hinrichtung seines Vaters dorthin zurückziehen musste. Um 377 gebar Flaccilla ihren ersten Sohn Arcadius, etwa ein Jahr später – noch vor der Thronbesteigung ihres Gemahls[3] – ihre Tochter Aelia Pulcheria. 379 wurde Theodosius nach der für die Römer katastrophalen Schlacht von Adrianopel zum Kaiser des Ostens erhoben. Flaccilla wurde nun Kaiserin und lebte mit ihrem Gemahl seit 380 in Konstantinopel. Am 9. September 384 kam ihr zweiter Sohn Honorius zur Welt.[4] Pulcheria starb schon um 386 als Kind kurz vor ihrer Mutter.[5] Theodosius ehrte Flaccilla um 384 mit der Verleihung des Titel Augusta, womit er sie nominell sich selbst als Augustus gleichstellte. Dies war seit der Regierung Konstantins des Großen nicht mehr erfolgt. Über Flaccillas Wirken als Kaiserin ist wenig bekannt; und ebenso liegen kaum Informationen vor, welche Rolle sie für ihre Kinder spielte.[6] Wahrscheinlich zeigte Flaccilla wie spätere Frauen der theodosianischen Dynastie ein gewisses politisches Engagement. Darauf deutet u. a. die Aufstellung ihrer Statue neben jener ihres Gatten im Sitzungssaal des Senats in Konstantinopel hin.[7] Ferner ließ Thedosius eine Statue Flaccillas in Antiochia errichten.[8] Noch zu ihren Lebzeiten wurde auch ein Palast in Konstantinopel, das Palatium Flaccillianum, nach ihr benannt.[9] Politisches Interesse Flaccillas verrät auch das Aussehen ihrer Münzen, auf denen sie im Feldherrnmantel und mit Diadem, Zeichen kaiserlicher Macht, abgebildet ist. Sie war die erste weibliche Angehörige des Kaiserhauses seit Helena, für die wieder Münzen geprägt wurden. Der Aufdruck des Familiennamens Aelia als einer Art weiblicher Titulatur auf den Münzen der Kaiserinnen war seit Flaccilla üblich. Da Theodosius auf keine kaiserlichen Ahnen verweisen konnte, hatte er großes Interesse an der intensiven Präsentation seiner Familie, auch der weiblichen Mitglieder, in der Öffentlichkeit, um seine junge Dynastie im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Dies trug zur bedeutenden Rolle der Frauen der Kaiserfamilie am Hof und in der Politik bei.[10] Flaccilla, die eine Anhängerin des nicaenischen Christentums war, galt als sehr fromm und mildtätig, unterstützte Arme und Kranke und setzte sich entschieden gegen den Arianismus ein.[11] Dies bewog den römischen Presbyter Faustinus, der ein radikaler Anhänger des Bekenntnisses von Nicäa war, seine um 380 verfasste Kampfschrift gegen die Arianer (Adversum Arianos et Macedonianos) der Kaiserin zu widmen.[12] Es war auch auf Flaccillas Einfluss zurückzuführen, dass Theodosius dem führenden Arianer Eunomius, Bischof von Kyzikos, ein Religionsgespräch verweigerte.[13] Die Kaiserin starb 386 im thrakischen Badeort Skotumis, von wo ihre Leichnam nach Konstantinopel überführt wurde.[14] Der bedeutende Theologe Gregor von Nyssa hielt der Verblichenen – wie schon zuvor ihrer Tochter Pulcheria – die noch erhaltene Leichenrede.[15] Er hatte diesen ehrenvollen Auftrag aufgrund seiner Rednergabe erhalten. In seiner Grabrede auf Flaccilla entwarf er bewegende Bilder. So sprach er wie schon in der Leichenrede auf Pulcheria von einem Erdbeben, das Konstantinopel wegen des Todes der Kaiserin erschüttert habe. Er bemühte noch weitere Vergleiche: Flaccillas Ableben sei wie eine Kriegskatastrophe oder eine Wasserflut; die Zierde des Reichs, die eifrig für den wahren Glauben gekämpft habe, sei von ihnen gegangen.[16] Nach ihrem Tod heiratete Kaiser Theodosius I. 387 Galla, die Tochter des 375 verstorbenen Kaisers Valentinian I. | AELIA FLAVIA, Flaccilla (I47213)
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| 3882 | Leben Flavius Theodosius stammte aus Cauca, einer kleinen Stadt in der spanischen Provinz Gallaecia. Sein Vater hieß Honorius,[1] wie auch sein zweiter Sohn und einer seiner Enkel, der spätere Kaiser Westroms Flavius Honorius. Er war verheiratet mit einer gewissen Thermantia. Theodosius war Christ, wie wohl auch schon sein Vater, Mitglied der lokalen Oberschicht und besaß einige größere Latifundien. Flavius Theodosius erwies sich als ein erfahrener und überaus erfolgreicher Militär. 368 setzte er im Auftrag Kaiser Valentinians I. mit einer kleinen Armee nach Britannien über, wo er den Usurpator Valentinus (+ 368) Pannonier, niederwarf, den Hadrianswall wieder bemannte und sicherte und die in der Provinz marodierenden Banden der Pikten und Sachsen vertrieb. So stellte er rasch die Ordnung auf der Insel wieder her. Auch sein Sohn Theodosius, der spätere Kaiser, begleitete ihn auf diesem Feldzug. Die Erfolge des Vaters ebneten den Weg für seine weitere Karriere in der römischen Armee. Wohl seit 369 hatte Flavius Theodosius als Magister equitum praesentalis einen der wichtigsten militärischen Posten des Reiches inne. In dieser Funktion bekämpfte er die Franken und seit 372 auch die Alamannen an der Rheingrenze. Kaiser Valentinian beorderte ihn schließlich 373 nach Africa, um dort den Aufstand des Firmus niederzuschlagen, was ihm bald auch gelang. Dabei ging er auch konsequent gegen die Machenschaften des korrupten Statthalters Romanus und gegen die Disziplinlosigkeit der Soldaten vor. Damit machte er sich jedoch viele Feinde. Seine Gegner sorgten schließlich für seinen Sturz und die anschließende Hinrichtung, die Anfang 376 in Karthago stattgefunden haben soll. Die näheren Umstände seines Todes bleiben jedoch im Dunkeln. Möglicherweise wollte man damit sicherstellen, dass der erfolgreiche Feldherr nach dem Tode Valentinians nicht die Herrschaft über das Reich an sich riss. Sein Sohn Theodosius zog sich nach der Hinrichtung des Vaters auf seine spanischen Güter zurück. Nachdem er 379 zum Kaiser des Ostens ernannt worden war, sorgte er für die Rehabilitierung seines Vaters. | FLAVIUS, Theodosius (I47202)
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| 3883 | Leben Franz Emil Lorenz entstammte dem alten schwäbischen Adelsgeschlecht von Wimpffen. Er war der Sohn von Karl Franz Eduard Reichsgraf von Wimpffen (1776–1842) aus seiner ersten Ehe mit Victoria von Anhalt-Bernburg-Schaumburg, einer verwitweten Erbprinzessin von Hessen-Philippsthal. Ein entfernter Verwandter war Feldmarschall Maximilian von Wimpffen, ein Kampfgefährte Radetzkys. Im Oktober 1813 trat er als Unterleutnant beim 5. Jäger-Bataillon in das kaiserliche Heer ein. Beim Infanterie-Regiment Nr. 16 machte er als Oberleutnant die Feldzüge von 1813 und 1814 in der Hauptarmee der Verbündeten mit. Den Feldzug von 1815 verbrachte er bei der Frimontschen Armee in Italien. 1822 wurde er zum Hauptmann und 1828 zum Major befördert. Im Jahr 1830 wurde er Oberstleutnant, 1833 stieg er zum Oberst auf und übernahm das Kommando über das Infanterieregiment „Großherzog von Baden“. Mit 27. September 1839 wurde er Generalmajor und Brigadekommandant in Triest, mit 16. November 1846 Feldmarschallleutnant und Divisionskommandant des II. Armeekorps in Padua. In der Folge zeichnete er sich unter FML Aspre im Feldzug von 1848 besonders aus. Für seine Einsätze in der Schlacht von Vicenza am 10. Juni, in den Gefechten bei Sona und Sommacampagna (23. und 24. Juli), die Einnahme der Höhen von Madonna del Monte am 25. Juli in der Schlacht bei Custozza und sein Verhalten in der Schlacht bei Volta (27. Juli) erwarb er sich am 27. November 1848 das Ritterkreuz zum Militär-Maria-Theresien-Orden. Im Feldzug von 1849 übernahm er die am 21. März gebildete Kombinierte Division (Brigade Eduard Liechtenstein und Cavriani) und deckte bei Casale den Poübergang, während die Hauptarmee Radetzkys in der Schlacht bei Novara den Feldzug gegen Sardinien-Piemont siegreich beendete. An der Spitze der zur Intervention im Kirchenstaat bestimmten Korps zwang er am 16. Mai Bologna und am 19. Juni Ancona durch Artilleriebeschuss zur Kapitulation und übernahm darauf die Leitung des Gouvernements der Legationen. Im Oktober 1849 wurde er zum Zivil- und Militärgouverneur von Triest und Statthalter des Küstenlandes ernannt. Für seine Verdienste in Italien erhielt er am 26. März 1850 das Kommandeurkreuz zum Maria-Theresien-Orden verliehen. Nach dem Ausscheiden von Vizeadmiral Hans Birch von Dahlerup aus den Diensten der k.k. Kriegsmarine im August 1851 wurde er – da der Bruder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog Ferdinand Max für diese Position noch zu jung erschien – mit dem provisorischen Oberkommando der Kriegsmarine betraut. In dieser Funktion führte er die Reorganisation der Seestreitkräfte durchaus ersprießlich weiter. Nach seinem Ausscheiden als Marineoberkommandant wurde er am 24. April 1854 zum Feldzeugmeister ernannt. Ab September 1854 befehligte er eine Zeit lang das 1. Armeekorps; im Juni 1859 führte er unter dem Oberbefehl des Generals der Kavallerie Franz von Schlick die 1. Armee in der für die Monarchie verhängnisvollen Schlacht bei Solferino. Am 11. September 1860 trat er in den Ruhestand und starb am 26. November 1870 in Görz. Familie Marianne Gräfin Wimpffen, geb. Eskeles (1801–1862), Lithographie von Josef Kriehuber, 1856 Franz Emil Lorenz vermählte sich am 5. Oktober 1825 in Wien-Hietzing mit Maria Anna Cäcilie Henriette von Eskeles (* 2. März 1802 Wien; † 11. August 1862 München), Tochter des österreichischen Bankiers Bernhard von Eskeles und Enkelin des königlich preußischen Hoffaktors Daniel Itzig. Dieser Ehe entstammten drei Söhne und eine Tochter: Heinrich Emil Bernhard (* 1. Mai 1827; † 17. Oktober 1896), k.k. Rittmeister, war Oberhaupt der gräflichen Linie Franz Alfons Maximilian (* 23. August 1828; † 22. Juli 1866), verstarb infolge einer Verwundung nach der Schlacht bei Nachod, k.k. Oberst und Kommandant des Infanterie-Regiments Nr. 20 Victor Ägidius Christian (* 24. Juli 1834; † 22. Mai 1897), k.k. Korvettenkapitän a. D., Hofrat Maria Anna Cäcilie (* 13. Mai 1842; † 21. März 1918) ⚭ Friedrich Freiherrn von Gagern. Literatur Constantin von Wurzbach: Wimpffen, Franz Emil Lorenz Graf. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 56. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1888, S. 247–250 (Digitalisat). Antonio Schmidt-Brentano: Österreichs Admirale 1808–1895. Biblio Verlag, Osnabrück 1997, S. 88–92. Weblinks Commons: Franz Emil Lorenz Wimpffen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Einzelnachweise Antonio Schmidt-Brentano: Die K.K bzw. K.u.K Generalität 1816–1918. (Memento des Originals vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Österreichisches Staatsarchiv, Wien 2007, S. 203 (PDF). | VON WIMPFFEN, Franz Emil Lorenz (I61004)
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| 3884 | Leben Friedrich Carl war Sohn des Herzogs Eberhard III. von Württemberg und der Anna Catharina, Wild- und Rheingräfin von Salm-Kyrburg. Friedrich Carl von Württemberg-Winnental, Radierung nach Johann Rudolf Huber (1699) Am 27. November 1677 erhielt Friedrich Carl von Kaiser Leopold I. die Obervormundschaft über seinen Neffen Eberhard Ludwig und damit die Regentschaft über Württemberg. Diese endete am 22. Januar 1693 mit der Volljährigkeit Eberhard Ludwigs.[2] Friedrich Carl ersetzte den leitenden Minister des Geheimen Rats, Freiherr Christoph von Manteuffel,[3] durch den Heilbronner Syndikus Jakob Friedrich Rühle.[4] Unter Friedrich Carls Regentschaft gab es folgende weitere Mitglieder des Geheimen Rats: Johann Eberhard von Varnbüler (1639–1722), Maximilian von Menzingen (1635–1708) und Johann Jakob Kurz (1621–1693), der ab 1679 den Titel Vizekanzler trug. Auch Barthold von Bülow (1631–1690) gehörte dem Geheimen Rat an. Wichtigster persönlicher Berater Friedrich Carls war der Hofmarschall Heinrich Friedrich Forstner von Dambenoy (1641–1687). Als Kriegsrat war Carl Johann Tobias Heller (1644–1692) tätig.[5] Innenpolitisch kümmerte Friedrich Carl sich um die Konsolidierung des Landes, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Kirchen- und Schulwesen. In seine Amtszeit fällt die Gründung des ersten Stuttgarter Gymnasiums, 1686. Friedrich Carl von Württemberg-Winnental (Mitte), seine Schwägerin Magdalena Sibylla von Hessen-Darmstadt (links) und Eberhard Ludwig von Württemberg (rechts) Außenpolitisch war die Zeit durch den Pfälzischen Erbfolgekrieg geprägt. Ab 1684 führte er auch die Administration der Grafschaft Württemberg-Mömpelgard, da sein dort eigentlich regierender Vetter Georg II. wegen der vorangegangenen französischen Besatzung im Exil lebte.[1] Im Herbst 1688 musste Friedrich Carl mit dem zwölfjährigen Eberhard Ludwig nach Nürnberg flüchten. Im September 1692 wurde Friedrich Carl in der Schlacht bei Ötisheim, von den Franzosen gefangen genommen und nach Versailles gebracht. Verhandlungen lehnte er aber ab, da er keine Rücksprache mit dem Kaiser halten konnte. Als er im Januar 1693 freigelassen wurde, hatte Magdalena Sibylla von Hessen-Darmstadt, Eberhard Ludwigs Mutter zusammen mit dem württembergischen Geheimen Rat beim Kaiser die vorzeitige Volljährigkeitserklärung Eberhard Ludwigs erwirkt. Als Entschädigung für die Entbindung von der Administration erhielt er von der Landschaft eine größere Geldsumme ausbezahlt. Außerdem ernannte ihn der Kaiser zum Generalfeldmarschall. Er kämpfte ab 1694 am Oberrhein unter Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden und erhielt während der Winterquartiere den Oberbefehl über die Reichsarmee. Ab 1696 begann er zu kränkeln. Am 20. Dezember 1698 (alten Stils) starb er an der Syphilis. Er ist beigesetzt in der Gruft der Herzöge von Württemberg in der Stuttgarter Stiftskirche[6]. Ehe und Nachkommen Eleonore Juliane von Brandenburg-Ansbach Am 31. Oktober 1682 heiratete Friedrich Carl Eleonore Juliane von Brandenburg-Ansbach (1663–1724), eine Tochter des Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor: Carl Alexander (1684–1737), der spätere 11. Herzog von Württemberg Dorothea Charlotte (1685–1687) Friedrich Karl (1686–1693) Heinrich Friedrich (1687–1734) Maximilian Emanuel (1689–1709), persönlicher Freund des Schwedischen Königs Karl XII., Sein Herz wurde in Ansbach bestattet Friedrich Ludwig (1690–1734), gefallen Christiane Charlotte (1694–1729), verheiratet mit Markgraf Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach Literatur Christoph Eberlein: Friedrich Carl. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 233–237. online Eberhard Gönner: Friedrich Karl. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 594–595 (deutsche-biographie.de). Bernhard Kugler: Friedrich Karl, Herzog von Württemberg-Winnenthal. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 50–52. Wolfgang Mährle (Hrsg.): Im Bann des Sonnenkönigs. Herzog Friedrich Carl von Württemberg-Winnental (1652–1698): Tagung des Arbeitskreises für Landes- und Ortsgeschichte im Verband der württembergischen Geschichts- und Altertumsvereine am 28. November 2019 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Kohlhammer, Stuttgart 2022 (Geschichte Württembergs; 7), ISBN 978-3-17-041308-5. Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 3: Das Haus Württemberg von Herzog Wilhelm Ludwig bis Herzog Friedrich Carl. Hohenheim, Stuttgart/Leipzig 2002, ISBN 3-89850-084-5/ISBN 978-3-943066-11-1, S. 219–256. Harald Schukraft: Kleine Geschichte des Hauses Württemberg. Silberburg, Tübingen 2006, ISBN 3-87407-725-X, S. 109–111. Constantin von Wurzbach: Württemberg, Friedrich Karl Herzog. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 58. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1889, S. 238 f. (Digitalisat). Weblinks Commons: Friedrich Carl von Württemberg-Winnental – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Werke von und über Friedrich Carl in der Deutschen Digitalen Bibliothek Online-Findbuch Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, G 136, Herzog Friedrich Karl von Württemberg-Winnental (1652-1698) Einzelnachweise Paul Friedrich von Stälin: Georg, Herzog von Württemberg-Mömpelgard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 709 f. Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege IV. Das Haus Württemberg von Herzog Eberhard Ludwig bis Herzog Carl Alexander. Landhege Verlag, Schwaigern (2015 ?), ISBN 978-3-943066-39-5, S. 22, Hinweis auf das Originaldiplom Kaiser Leopolds I. betreffend die Erteilung der venia aetatis für den Herzog Eberhard Ludwig in Wien am 20. Januar 1693 Otto Borst: Württemberg und seine Herren. Bechtle Verlag, Esslingen 1988, ISBN 3-7628-0470-2, S. 155 Otto Borst: Württemberg und seine Herren. Bechtle Verlag, Esslingen 1988, S. 156 Frank Huss: Eberhard Ludwig. Der Schwäbische Sonnenkönig. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2008, ISBN 978-3-938047-35-4, S. 30 Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart: Die Gruft der Herzöge von Württemberg in der Stuttgarter Stiftskirche. In: Webseite. Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, 1. Dezember 2008, abgerufen am 23. April 2025 (deutsch). | VON WÜRTTEMBERG-WINNENTAL, Friedrich Carl (I61223)
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| 3885 | Leben Friedrich Schey war der Sohn eines wohlhabenden jüdischen Inhabers eines Handelshauses in Güns. In seinem Heimatort besuchte er das Gymnasium und studierte anschließend Rechtswissenschaften am Lyzeum in Ödenburg sowie 1831/1832 am Polytechnikum Wien. 1835 arbeitete er beim Bankhaus Wertheimstein in Wien, kehrte aber wieder nach Güns zurück, wo er in das elterliche Unternehmen eintrat. 1839 heiratete er Emilie Landauer (1817–1840) und wurde Teilhaber im Unternehmen seines Schwiegervaters. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Schey 1840 deren Schwester Charlotte Landauer (1820–1842) und vier Jahre nach deren Tod die Landauer-Tochter Hermine (1822–1902). Aus dieser Ehe stammt sein Sohn, der Rechtswissenschaftler Josef Schey von Koromla (1853–1938). Friedrich Schey ging nach dem Tod seines Schwiegervaters nach Wien, wurde 1854 Direktor der Vöslauer Kammgarnfabrik und gründete die „Firma Schey, k. k. priv. Großhändler“, die mit Textilien handelte und Geldgeschäfte betrieb. Er war Bankier von Erzherzog Albrecht und wurde durch diesen Kontakt Lieferant des kaiserlichen Heeres. 1857 gehörte er zu den Mitbegründern der Wiener Handelsakademie und war deren erster Präsident. 1859 wurde er gemeinsam mit seinem Onkel, Philipp Schey (1798–1881), unter dem Ehrenwort Edler sowie dem Prädikat von Koromla geadelt;[1] 1860 erhielt er das Bürgerrecht der Stadt Wien. Ab 1859 gehörte er für zwei Jahre dem Verwaltungsrat der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft an und war mit einer Unterbrechung im Jahr 1866 von 1861 bis 1869 Direktor der Österreichischen Nationalbank. 1863 wurde Schey von Koromla in den Ritterstand erhoben. Das Palais Schey von Koromla ließ er 1863/1864 errichten. 1865 wurde er in den Verwaltungsrat der Rückversicherungsgesellschaft „Securitas“ berufen und war ab 1869 deren Vizepräsident. Er gehörte ab der Gründung der Theißbahn 1856 dem Verwaltungsrat an, wurde 1861 Präsident der Kaiserin-Elisabeth-Bahn und führte die Verhandlungen zu deren Verstaatlichung, die schließlich 1884 vollzogen wurde. Schey von Koromla galt als guter Geiger und trug eine Büchersammlung zusammen. Er förderte das Wiener Stadttheater, dessen Präsident er war, den Bau des Wiener Musikvereins, das Künstlerhaus Wien, trug zur Finanzierung der Österreichisch-Ungarischen Nordpolexpedition bei sowie der Errichtung einer Reihe von Denkmälern in Wien. Friedrich Schey von Koromla erhielt 1862 den Orden der Eisernen Krone III. Klasse und Auszeichnungen aus Preußen, Frankreich, Russland, Brasilien, Mexiko und anderen Ländern. Er ruht nun in der Familiengruft in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs. Literatur Constantin von Wurzbach: Schey von Koromla, Friedrich Freiherr. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 29. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1875, S. 243–246 (Digitalisat). Josef Mentschl: Schey von Koromla Friedrich. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 10, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1994, ISBN 3-7001-2186-5, S. 100 f. (Direktlinks auf S. 100, S. 101). Josef Mentschl: Schey, Friedrich von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 718–719 (deutsche-biographie.de). | SCHEY VON KOROMLA, Friedrich (I61150)
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| 3886 | Leben Friedrich wurde als Sohn des Grafen Georg I. von Württemberg-Mömpelgard (1498–1558) und der Barbara von Hessen (1536–1597) in Mömpelgard, dem heutigen Montbéliard im Osten Frankreichs, 13 km von der Schweizer Grenze entfernt, geboren. Er hielt sich in seiner Jugend am württembergischen Hof in Stuttgart auf, wo sich Herzog Christoph selbst um seine Erziehung kümmerte. Von 1571 bis 1574 wurde er in dem späteren Collegium Illustre in Tübingen ausgebildet und besuchte neben verschiedenen deutschen Höfen Dänemark, Ungarn, Österreich, Frankreich, Italien und England. Friedrich unterzeichnete die Konkordienformel von 1577 und das Konkordienbuch von 1580.[1] 1581 schloss er die Ehe mit Sibylla, der Tochter des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt. Zu diesem Zeitpunkt erhielt er auch die Regierung seiner linksrheinischen Herrschaften von Württemberg-Mömpelgard. Als am 8. Augustjul. / 18. August 1593greg. sein Cousin 2. Grades, Herzog Ludwig von Württemberg, ohne Nachkommen starb, erbte Friedrich die Herzogswürde und die Macht über das gesamte Herzogtum Württemberg. Damit war Württemberg-Mömpelgard wieder bis zum Regierungsantritt der neuen Nebenlinie Ludwig Friedrichs 1617 mit dem Herzogtum Württemberg in Personalunion verbunden. Friedrich I. erkaufte 1599 die Rückwandlung Württembergs, welches seit 1534 ein österreichisches Afterlehen war, in ein Reichslehen. Den Habsburgern wurde eine Anwartschaft auf das Land eingeräumt für den Fall, dass das Haus Württemberg in männlicher Linie aussterben sollte, wozu es jedoch nie kam. Im selben Jahr, 1599 gab Friedrich den Befehl zur Anlage einer neuen Stadt am Ostrand des Nordschwarzwalds, die den Namen Freudenstadt erhielt. Im Jahre 1603 wurde er zum Ritter des Hosenbandordens ernannt. Eine Delegation aus Großbritannien verlieh ihm im Auftrag von König James I. diese Ehrung. Die Entscheidung selbst wurde noch unter der Herrschaft der Königin Elisabeth I. getroffen. Die feierliche Investitur fand zwischen dem 2. und 14. Oktober 1603 in Stuttgart statt.[2] Förderung der Künste und Wissenschaften Friedrich förderte schon in seiner Zeit als Graf von Mömpelgard nicht nur Unternehmungen im Bereich der Infrastruktur und Wirtschaft wie Brücken, Bergwerke und Eisenhütten, sondern auch Projekte zur Hebung des Geisteslebens und der schönen Künste. Immer wieder lieh er sich aus Stuttgart die Architekten und Ingenieure Georg Beer und Heinrich Schickhardt aus. Von Anfang an spielten bei den kulturellen Unternehmungen Friedrichs auch Verbindungen zum französischen Sprachraum eine große Rolle. So arbeitete ab 1571 in Mömpelgard der Naturforscher Jean Bauhin und ab 1586 der aus Lyon stammende Drucker Jaques Foillet. Der erste richtete einen Botanischen Garten ein, einen der ersten nördlich der Alpen. Der letztere druckte in Mömpelgard etwa 150 Werke, die etwa zu je einem Drittel die deutsche, die französische und die lateinische Sprache repräsentierten. In Mömpelgard wurde auch eine große humanistisch geprägte Bibliothek aufgebaut. 1593, mit dem Regierungsantritt als Herzog in Stuttgart modernisierte Friedrich auch die dortige Hofkultur und gab ihr einen dezidiert weltläufigeren Charakter als zuvor unter Herzog Ludwig. Schon bald wurden Hofkünstler aus Frankreich, aus England (wie die Kammermusiker John Price, John und David Morrell) und aus Italien in den Dienst genommen. Die Hofmode öffnete sich den französischen Neuerungen. Friedrich sammelte seltene Objekte und Raritäten und begründete um 1596 die Kunst- und Wunderkammer der württembergischen Herzöge, nachdem vorher schon in einem Lusthaus die Harnischkammer besondere Schaustücke vereinigt hatte. Mit all diesen Veränderungen setzte sich Friedrich deutlich ab von der Haltung seines Cousins und Vorgängers Herzog Ludwig, der althergebrachte einheimische Gebräuche und auch Hofdiener aus dem eigenen Lande bevorzugt hatte. Friedrich war ein Anhänger der Alchemie und ließ im Rahmen einer Affäre um die Verhaftung des polnischen Alchemisten Sendivogius (1605) seinen Hofalchemisten Mühlenfels hinrichten. Auch den Alchemisten Alexander Seton ließ er verfolgen, nachdem er von diesem bei der vorgeblichen Goldmacherei hereingelegt worden war (Seton war damals allerdings wahrscheinlich schon tot). Schon 1598 warb er den Alchemisten Hans Heinrich Nüscheler aus Zürich zum Goldmachen an. Wegen seiner Erfolglosigkeit wurde Nüscheler 1601 inhaftiert und hingerichtet. Insgesamt beschäftigte der Herzog zehn Hofalchemisten, von denen er fünf hinrichten ließ.[3] Sein gut eingerichtetes Labor befand sich im alten Lusthaus im Tier- und Lustgarten. Weitere Laboratorien gab es im Stuttgarter Neuen Spital und im Freihof in Kirchheim unter Teck. Allerdings benutzte er sie nicht nur für Alchemie, sondern auch zum Beispiel zur Analyse von Erzen und Metallurgie im Rahmen seiner Suche nach Bodenschätzen in seinem Herzogtum. Dabei entdeckte man auch die Eignung der Mineralbrunnen in Bad Boll für Heilzwecke. Für seine alchemistische Leidenschaft gab er tausende Gulden aus,[4] was ihm der Landtag 1599 vorwarf. Nachkommen Herzog Friedrich I. von Württemberg und Sibylla von Anhalt (im Zentrum), die fünf Söhne: Johann Friedrich, Ludwig Friedrich, Julius Friedrich, Friedrich Achilles und Magnus (von oben links bis unten), die fünf Töchter: Sibylla Elisabeth, Eva Christina, Agnes, Barbara und Anna (von oben rechts bis unten) Friedrichs Kinder aus seiner Ehe mit Sibylla von Anhalt (1564–1614), Tochter des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt, waren: Johann Friedrich (1582–1628), Herzog von Württemberg Georg Friedrich (1583–1591) Sibylla Elisabeth (1584–1606) ⚭ Johann Georg I., Kurfürst von Sachsen Elisabeth (*/† 1585) Ludwig Friedrich (1586–1631), Herzog von Württemberg-Mömpelgard Joachim Friedrich (*/† 1587) Julius Friedrich (1588–1635), Herzog von Württemberg-Weiltingen Philipp Friedrich (*/† 1589) Eva Christina (1590–1657) ⚭ Johann Georg, Herzog von Brandenburg-Jägerndorf Friedrich Achilles (1591–1631), Herzog von Württemberg-Neuenstadt Agnes (1592–1629) ⚭ Franz Julius, Prinz von Sachsen-Lauenburg Barbara (1593–1627) ⚭ Friedrich V., Markgraf von Baden-Durlach Magnus (1594–1622), Herzog von Württemberg-Neuenbürg August (*/† 1596) Anna (1597–1650) Literatur Thomas Lansius: Oratio funebris in obitum inclyti et magni Principis Dn. Friderici, Ducis Würtembergiae & Tecciae; Comitis Mompelgardiae; ..., Tübingen 1608, Digitalisat der Leichenrede in lateinischer Sprache Walther Ludwig: Herzog Friedrich I. von Württemberg als Ritter des Hosenbandordens. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte. Bd. 81 (2022), S. 111–139. Bernd Ottnad: Friedrich I. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 593–594 (deutsche-biographie.de). Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 2: Das Haus Württemberg von Herzog Friedrich I. bis Herzog Eberhard III. Mit den Linien Stuttgart, Mömpelgard, Weiltingen, Neuenstadt am Kocher, Neuenbürg und Oels in Schlesien. 4. Auflage. Landhege, Schwaigern 2014, ISBN 978-3-943066-12-8, S. 4–55. Paul Sauer: Herzog Friedrich I. von Württemberg 1557–1608. Ungestümer Reformer und weltgewandter Autokrat. DVA, München 2003, ISBN 3-421-05791-5. Paul Friedrich von Stälin: Friedrich I., Herzog von Württemberg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 45–48. Dieter Stievermann: Friedrich I. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 138–142. Weblinks Commons: Friedrich I. (Württemberg, Herzog) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Werke von und über Friedrich I. in der Deutschen Digitalen Bibliothek Druckschriften von und über Friedrich I. im VD 17. Online-Findbuch Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, G 59, Herzog Friedrich I. (1557-1608) Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Fürst ohne Grenzen: Herzog Friedrich I. von Württemberg (+ 1608) | VON WÜRTTEMBERG, Friedrich I. (I61228)
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| 3887 | Leben Frühes Leben Meyer HaLevy Stadthagen-Oppenheim-Goldschmidt (auch: Mejr Segal Goldschmidt Stadthagen) wurde in Stadthagen als Sohn des Moses Kramer HaLevy Stadthagen-Goldschmidt, auch Moshe bar Baruch Daniel Shmuel Halevi (* vor 1620, wohl in Fulda; ✡ 1. März 1670 in Stadthagen) und der Gutel Meyer (* um 1625 in Fulda; gest. 29. Juli 1669 in Stadthagen), einer Tochter des Meyer Wallich aus Minden, geboren. Für eine kurze Übergangszeit lebte er in Oppenheim und ging dann nach Altona zu seinem Bruder Joseph HaLevy Joost Goldtschmit-Stadthagen (1646–1699), der dort Gemeindevorsteher geworden war und 1675 Elkele Pinkerle, eine jüngere Schwester der Glikl von Hameln, geheiratet hatte. Zeitweise ließ Meyer Goldschmidt sich auch in Hamburg nieder, Von dort übersiedelte er nach Kopenhagen, wo er vorerst als Tabakspinner tätig war. Mit Hilfe des aus Köthen[1] stammenden Hofjuweliers Israel Salomon Levy, der in Altona lebte, aber seit 1681 freien Zugang zu Dänemark hatte, konnte Meyer Goldschmidt mit königlicher Duldung vom 6. Oktober 1683 dauerhaft in Dänemark bleiben.[2] Er gilt als einer der ersten aschkenasischen Händler aus Altona, die sich in Kopenhagen niederließen, nachdem sephardische Juden schon seit einer königlichen Deklaration vom 19. Januar 1657 im ganzen Königreich Handel treiben durften.[3] Gründung der Gemeinde und des Friedhofs in Kopenhagen Am 16. Dezember 1684 erhielt er die Erlaubnis, in seinem Hause religiöse Zeremonien, aber vorerst keine Predigten, durchzuführen,[4] was als Gründungsakt der Gemeinde in Kopenhagen angesehen wird. Erster Rabbiner in der wachsenden Gemeinde von Meyer Goldschmidts sogenannter Deutscher Synagoge war Abraham Salomon aus Mähren (* um 1687, ▭ 1700 Møllegade), ein anderer Berendt Jacob (gest. 1749, Schwiegersohn des Abraham Cantor). Goldschmidt kaufte im Sommer 1694 zusammen mit Axel Cantor (Tabakspinner[5] 1682), Abraham Cantor (aus Hildesheim[6]) und Ruben Fürst das erste der Grundstücke für den Friedhof Møllegade (Mühlenstraße), das damals noch außerhalb des Stadtteils Nørrebro lag. Auf der ersten Grabstelle war bereits 1693 der junge Juwelenhändler David Israel bestattet worden.[7] Nach dem Tod des Hofjuweliers Israel Salomon Levy (September 1695 in Altona)[2] wurde Meyer Goldschmidt um 1699 dessen Nachfolger als Hofjuwelier.[8] Um 1699 war Goldschmidt offenbar ein bekannter Mann in Kopenhagen und fiel unter die Zuständigkeit des Landgerichts, als er eines Tages dem Stadtvogt meldete, dass eine arme Frau in sein Haus eingedrungen sei und gefragt habe, ob hier nicht ein reicher jüdischer Händler wohne, dem sie ihr Kind verkaufen könne. Sie habe gehört, dass Juden rituell das Blut von Kindern nutzten. Er ließ die Frau festnehmen und sie wurde zu einer Strafe am Pranger verurteilt, dann aber zum Dienst in einem Waisenhaus begnadigt. Konflikte mit Josef Meyer Levin Goldschmidt wurde durch königliche Bewilligung vom 9. September 1699 zusammen mit seinem Bruder Just Goldschmidt, seinem Schwiegersohn Henrik Chajim Fürst und seinem Sohn Moses Mejr Goldschmidt von allen Steuern und Abgaben gegen eine freiwillige Jahresgebühr (Schutzpfennige) an die königliche Schatzkammer befreit.[9] So verschaffte er den deutschen Juden mehrere Privilegien. Zudem gab Goldschmidt dem König langfristige Kredite. Zu Beginn des Nordischen Krieges im April 1700 gab er, mitsamt der jüdischen Gemeinde, dem König Kriegsanleihen, die im Juni 1703 zurückgezahlt wurden. Am 20. Oktober 1710 folgte er einer weiteren Aufforderung, finanziell zur Fortsetzung des Krieges beizutragen.[10] Unterschrift des Meyer Goldschmidt, 1723 Goldschmidt und seine Familie schienen eine Art Vormachtstellung gegenüber den übrigen aschkenasischen Juden erlangt zu haben, was um 1722 in gerichtlichen Konflikten mit dem Kreis um Josef Meyer Levin (gest. 11. September 1738)[11] gipfelte. Die askenasische Familie Levin besuchte aus Protest die sephardische Synagoge statt Meyer Goldschmidts Synagoge[12] und trug nicht zu den Jahresabgaben an den König bei. Zudem zog sie Gemeindemitglieder in ein eigenes Lehrhaus ab.[12] Im November 1724 erging ein Urteil zu Gunsten Goldschmidts, und Levin wurde zu hohen Geldstrafen verurteilt. Der König entschied aber am 31. Mai 1726 andererseits, dass Levin in seiner Schule nicht nur seinen Vater, seine Brüder und Schwäger, sondern auch deren Diener unterrichten durfte, und dass er einen Schulmeister halten musste. Zwei Jahre später kam es zu neuen Streits wegen Heiraten, Begräbnissen, Exkommunikation usw. mit Levins Familie.[13] Überdauern von christlichen Konversionsbestrebungen und Großbrand 1728 In einem Brief vom 17. Januar 1725 „von der Jüdischen Gemeinn von Meyer Goldschmidts Synagoge“ bat Goldschmidt den König Friedrich IV. um Erlaubnis, auch christliche Diener einstellen zu dürfen, was nicht gebilligt wurde.[14] Am 20. Mai 1728 wurden die Ältesten der Juden in die „Vaisenhuset-Kapelle“ einberufen, wo ihnen der Geheimrat Johann Georg von Holstein im Namen des Königs befahl, die Juden der Reihe nach in derselben Kirche eintreffen zu lassen. Dort sollten die Pastoren der St.-Petri-Kirche, Henrik Dürkop und Mathias Schreiber, versuchen, sie zur Konversion zu bewegen, indem sie „in Sanftmut“ vernünftige Fragen stellen. Am 7. September erbaten Meyer Goldschmidt, Meyer Levin und Berendt Jakob jedoch im Namen der „ganzen jüdischen Nation“ um Freistellung von dieser Prozedur.[15] Goldschmidt verlor durch den dreitägigen Großbrand von Kopenhagen bis 23. Oktober 1728 einen bedeutenden Teil seines Vermögens,[12] was seine Stellung aber kaum schmälerte. Bis 1732 war die Synagoge in seinem Haus Badstuestræde 20[16] untergebracht und hatte erst danach ihren Sitz in gemieteten Räumlichkeiten in der Læderstræde, sodann bis 1795 in der Læderstræde Nr. 11.[17] Als Vorsteher und Ältester der Gemeinde und Hofjuwelier des Königs Friedrich IV. wurde Goldschmidt wohlhabend und lebte auf Slotsholmen im Herzen Kopenhagens. Er starb am 18. Februar 1736 in Kopenhagen. Auf dem Friedhof in Møllegade befindet sich sein Grabstein,[16] der aber heute unleserlich ist.[18] | MEYER GOLDSCHMIDT, HaLevy (I60399)
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| 3888 | Leben Frühes Leben Meyer HaLevy Stadthagen-Oppenheim-Goldschmidt (auch: Mejr Segal Goldschmidt Stadthagen) wurde in Stadthagen als Sohn des Moses Kramer HaLevy Stadthagen-Goldschmidt, auch Moshe bar Baruch Daniel Shmuel Halevi (* vor 1620, wohl in Fulda; ✡ 1. März 1670 in Stadthagen) und der Gutel Meyer (* um 1625 in Fulda; gest. 29. Juli 1669 in Stadthagen), einer Tochter des Meyer Wallich aus Minden, geboren. Für eine kurze Übergangszeit lebte er in Oppenheim und ging dann nach Altona zu seinem Bruder Joseph HaLevy Joost Goldtschmit-Stadthagen (1646–1699), der dort Gemeindevorsteher geworden war und 1675 Elkele Pinkerle, eine jüngere Schwester der Glikl von Hameln, geheiratet hatte. Zeitweise ließ Meyer Goldschmidt sich auch in Hamburg nieder, Von dort übersiedelte er nach Kopenhagen, wo er vorerst als Tabakspinner tätig war. Mit Hilfe des aus Köthen[1] stammenden Hofjuweliers Israel Salomon Levy, der in Altona lebte, aber seit 1681 freien Zugang zu Dänemark hatte, konnte Meyer Goldschmidt mit königlicher Duldung vom 6. Oktober 1683 dauerhaft in Dänemark bleiben.[2] Er gilt als einer der ersten aschkenasischen Händler aus Altona, die sich in Kopenhagen niederließen, nachdem sephardische Juden schon seit einer königlichen Deklaration vom 19. Januar 1657 im ganzen Königreich Handel treiben durften.[3] Gründung der Gemeinde und des Friedhofs in Kopenhagen Am 16. Dezember 1684 erhielt er die Erlaubnis, in seinem Hause religiöse Zeremonien, aber vorerst keine Predigten, durchzuführen,[4] was als Gründungsakt der Gemeinde in Kopenhagen angesehen wird. Erster Rabbiner in der wachsenden Gemeinde von Meyer Goldschmidts sogenannter Deutscher Synagoge war Abraham Salomon aus Mähren (* um 1687, ▭ 1700 Møllegade), ein anderer Berendt Jacob (gest. 1749, Schwiegersohn des Abraham Cantor). Goldschmidt kaufte im Sommer 1694 zusammen mit Axel Cantor (Tabakspinner[5] 1682), Abraham Cantor (aus Hildesheim[6]) und Ruben Fürst das erste der Grundstücke für den Friedhof Møllegade (Mühlenstraße), das damals noch außerhalb des Stadtteils Nørrebro lag. Auf der ersten Grabstelle war bereits 1693 der junge Juwelenhändler David Israel bestattet worden.[7] Nach dem Tod des Hofjuweliers Israel Salomon Levy (September 1695 in Altona)[2] wurde Meyer Goldschmidt um 1699 dessen Nachfolger als Hofjuwelier.[8] Um 1699 war Goldschmidt offenbar ein bekannter Mann in Kopenhagen und fiel unter die Zuständigkeit des Landgerichts, als er eines Tages dem Stadtvogt meldete, dass eine arme Frau in sein Haus eingedrungen sei und gefragt habe, ob hier nicht ein reicher jüdischer Händler wohne, dem sie ihr Kind verkaufen könne. Sie habe gehört, dass Juden rituell das Blut von Kindern nutzten. Er ließ die Frau festnehmen und sie wurde zu einer Strafe am Pranger verurteilt, dann aber zum Dienst in einem Waisenhaus begnadigt. Konflikte mit Josef Meyer Levin Goldschmidt wurde durch königliche Bewilligung vom 9. September 1699 zusammen mit seinem Bruder Just Goldschmidt, seinem Schwiegersohn Henrik Chajim Fürst und seinem Sohn Moses Mejr Goldschmidt von allen Steuern und Abgaben gegen eine freiwillige Jahresgebühr (Schutzpfennige) an die königliche Schatzkammer befreit.[9] So verschaffte er den deutschen Juden mehrere Privilegien. Zudem gab Goldschmidt dem König langfristige Kredite. Zu Beginn des Nordischen Krieges im April 1700 gab er, mitsamt der jüdischen Gemeinde, dem König Kriegsanleihen, die im Juni 1703 zurückgezahlt wurden. Am 20. Oktober 1710 folgte er einer weiteren Aufforderung, finanziell zur Fortsetzung des Krieges beizutragen.[10] Unterschrift des Meyer Goldschmidt, 1723 Goldschmidt und seine Familie schienen eine Art Vormachtstellung gegenüber den übrigen aschkenasischen Juden erlangt zu haben, was um 1722 in gerichtlichen Konflikten mit dem Kreis um Josef Meyer Levin (gest. 11. September 1738)[11] gipfelte. Die askenasische Familie Levin besuchte aus Protest die sephardische Synagoge statt Meyer Goldschmidts Synagoge[12] und trug nicht zu den Jahresabgaben an den König bei. Zudem zog sie Gemeindemitglieder in ein eigenes Lehrhaus ab.[12] Im November 1724 erging ein Urteil zu Gunsten Goldschmidts, und Levin wurde zu hohen Geldstrafen verurteilt. Der König entschied aber am 31. Mai 1726 andererseits, dass Levin in seiner Schule nicht nur seinen Vater, seine Brüder und Schwäger, sondern auch deren Diener unterrichten durfte, und dass er einen Schulmeister halten musste. Zwei Jahre später kam es zu neuen Streits wegen Heiraten, Begräbnissen, Exkommunikation usw. mit Levins Familie.[13] Überdauern von christlichen Konversionsbestrebungen und Großbrand 1728 In einem Brief vom 17. Januar 1725 „von der Jüdischen Gemeinn von Meyer Goldschmidts Synagoge“ bat Goldschmidt den König Friedrich IV. um Erlaubnis, auch christliche Diener einstellen zu dürfen, was nicht gebilligt wurde.[14] Am 20. Mai 1728 wurden die Ältesten der Juden in die „Vaisenhuset-Kapelle“ einberufen, wo ihnen der Geheimrat Johann Georg von Holstein im Namen des Königs befahl, die Juden der Reihe nach in derselben Kirche eintreffen zu lassen. Dort sollten die Pastoren der St.-Petri-Kirche, Henrik Dürkop und Mathias Schreiber, versuchen, sie zur Konversion zu bewegen, indem sie „in Sanftmut“ vernünftige Fragen stellen. Am 7. September erbaten Meyer Goldschmidt, Meyer Levin und Berendt Jakob jedoch im Namen der „ganzen jüdischen Nation“ um Freistellung von dieser Prozedur.[15] Goldschmidt verlor durch den dreitägigen Großbrand von Kopenhagen bis 23. Oktober 1728 einen bedeutenden Teil seines Vermögens,[12] was seine Stellung aber kaum schmälerte. Bis 1732 war die Synagoge in seinem Haus Badstuestræde 20[16] untergebracht und hatte erst danach ihren Sitz in gemieteten Räumlichkeiten in der Læderstræde, sodann bis 1795 in der Læderstræde Nr. 11.[17] Als Vorsteher und Ältester der Gemeinde und Hofjuwelier des Königs Friedrich IV. wurde Goldschmidt wohlhabend und lebte auf Slotsholmen im Herzen Kopenhagens. Er starb am 18. Februar 1736 in Kopenhagen. Auf dem Friedhof in Møllegade befindet sich sein Grabstein,[16] der aber heute unleserlich ist.[18] | STADTHAGEN GOLDSCHMIDT, Joseph HaLevy Joost (I60420)
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| 3889 | Leben Gagern war der älteste Sohn von Heinrich von Gagern, dem ersten Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung von 1848. Nach dem Besuch des Lyzeums und der Universität in Heidelberg war er bei der k.u.k. Österreichischen Kriegsmarine, wo er als Seeoffizier verschiedene größere Reisen machte. Von 1876 bis 1882 war er Mitglied des Landrats von Oberfranken und von 1884 bis 1892 Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer für den Wahlkreis Bamberg. Grabstein von Friedrich Balduin von Gagern in Hannberg Von 1881 bis 1893 war er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Oberfranken 4 (Kronach, Staffelstein, Lichtenfels, Stadtsteinach, Teuschnitz) und die Deutsche Zentrumspartei.[1] Der Diplomat Maximilian von Gagern war sein jüngerer Bruder. Weblinks Gagern, Friedrich Balduin Freiherr von in der Parlamentsdatenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte in der Bavariathek. Freiherr von Gagern, Friedrich Balduin in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten Biografie von Friedrich Balduin Freiherr Gagern. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich) Einzelnachweise Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1904, S. 204. | VON GAGERN, Friedrich Balduin (I61010)
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| 3890 | Leben Garcia IV. war ein Sohn des navarresischen Infanten Ramiro Sánchez, Herr von Monzón und Logroño, und der Cristina Rodríguez, einer Tochter des berühmten Rodrigo Díaz „El Cid“ de Vivar.[1] Sein Großvater Sancho Garcés war ein unehelicher Sohn des Königs García III. von Navarra gewesen, weshalb er nach der Ermordung seines Halbbruders Sancho IV. 1076 in der Thronfolge der Könige von Aragón übergangen worden war, die ebenfalls dem navarresischen Haus Jiménez angehörten. Navarra und Aragón waren seither für mehrere Jahrzehnte in Personalunion vereint gewesen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm García die Herrschaft in Monzón und Logroño und diente seither seinem Vetter, König Alfons I. von Aragón-Navarra. Im August 1134 kämpfte er in der Schlacht von Fraga gegen die Mauren mit und floh nach der Niederlage mit dem tödlich verwundeten König in das Kloster San Juan de la Peña, wo der König starb.[2] Obwohl Alfons I. seine Königreiche per Testament den Ritterorden der Templer und Hospitaliter vermachte, überging der aragónesische und navarresische Adel diesen letzten Willen. Während die Aragónesen mit Ramiro II. den Bruder des toten Königs zu ihrem neuen König wählten, entschieden sich die Navarresen in Pamplona für García, um so die nunmehr 58-jährige Personalunion mit dem ungeliebten Aragón zu beenden.[3] Die zwei neuen Könige räumten die dadurch entstandenen Konfliktfelder im Frühjahr 1135 bei einem Treffen in Vadoluongo aus, indem das Verhältnis Garcías gegenüber Ramiro II. wie das eines Sohnes zu seinem Vater definiert wurde, was also einer Adoption mit inbegriffener Unterordnung Navarras gegenüber Aragón gleichkam. Dieses Verhältnis weichte García aber noch im selben Jahr auf, als er in Nájera gegenüber König Alfons VII. von León-Kastilien als dessen Vasall huldigte und von diesem den Schwertleite erhielt.[4] Der leónesische König beanspruchte nämlich eine imperiale Oberhoheit als „Kaiser von ganz Spanien“ über alle Reiche der iberischen Halbinsel. Aber auch mit dem „Kaiser“ geriet García bald in Konflikt, als er seine Vasallität aufkündigte und Ansprüche auf La Rioja erhob, ein alter navarresischer Landstrich, der schon länger unter der Kontrolle von León-Kastilien stand. Dazu verbündete er sich mit Alfons I. von Portugal und vereinbarte mit ihm einen Zweifrontenkrieg gegen Alfons VII.[5] Gegenüber dem „Kaiser“ geriet García jedoch schnell in die Defensive, nachdem sein Verbündeter nach unterlegenem Kampf früh aufgab. Weiterhin verbündete sich Alfons VII. mit Raimund Berengar IV. von Barcelona, der seit 1137 auch in Aragón herrschte; und beide Herrscher griffen nun ihrerseits Navarra an zwei Fronten an. Während García gegen den Grafen von Barcelona in einer Schlacht zunächst noch siegreich war, musste er gegen Alfons VII. eine Niederlage hinnehmen.[6] Nachdem seine Feinde im Februar 1140 im Pakt von Carrión die Aufteilung von Navarra vereinbart hatten, unterwarf sich García auf Vermittlung des Grafen Alfons Jordan von Toulouse erneut dem „Kaiser“ und sprengte somit die Allianz seiner Gegner.[7] Die Unterwerfung wurde durch seine Verlobung mit einer Tochter des „Kaisers“ untermauert.[8] Den Krieg gegen den Grafen von Barcelona setzte García hingegen fort und besetzte zeitweise Tarragona. Im Jahr 1147 nahm er an dem Feldzug zur Eroberung von Almería teil.[9] | (NAVARRA), García IV. ´der Restaurator` (I40306)
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| 3891 | Leben Geburts- und Todesjahr des Bonifatius gelten nicht als vollständig gesichert. Als Geburtsjahr wird auch das Jahr 800 angegeben, als Todesjahr auch 846. Die Ursprünge des Hauses Bonifatius lagen in Bayern. Bonifatius II. war der Sohn des Bonifatius I. von Lucca und folgte diesem als Graf von Lucca nach. Lothar I., römischer Kaiser und König von Italien ernannte Bonifatius im Jahr 828 zum Markgrafen von Tuscien (italienisch Toscana) und zum Präfekten von Korsika, das er im Jahr 833 erfolgreich gegen die Angriffe der Sarazenen verteidigte. Die Stadt Calcosalto an der Südspitze Korsikas nahm zu seinen Ehren daraufhin seinen Namen an: Bonifacio (korsisch: Bunifaziu). Nachdem sich Bonifatius im Jahr 833 auf die Seite des Kaisers Ludwig I. gestellt hatte, des Nachfolgers Karls des Großen, wurde er von dessen Sohn Lothar I. als Markgraf von Tuscia abgesetzt. Bonifatius setzte sich im folgenden Jahr für die Freilassung von Kaiserin Judith ein, überwarf sich damit weiter mit Lothar I. und musste ins Exil gehen. Die Jahre 836–838 verbrachte er in Deutschland, seine späteren Lebensjahre in Frankreich. Als seine Ehefrau wird Bertha angegeben. Sein Sohn Adalbert folgte ihm ab 846 als übernächster Markgraf von Tuscia nach. | VON LUCCA, Bonifazius II. (I61433)
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| 3892 | Leben Gemeinsam mit dem Vater von Martin Luther war er Mitbegründer einer Lateinschule in Mansfeld. 1491 ist er als Bürger gemeinsam mit Hans Luder als Ratsherr in Mansfeld nachweisbar. 1509 wird er als Schultheiß genannt, außerdem war er viele Jahre als Bergvogt der Grafschaft Mansfeld tätig. Er betrieb mehrere Bergwerke und die Oberhütte bei Mansfeld. Dafür war eine ungeheure Menge an Holzkohle erforderlich, die er größtenteils aus dem Harz bezog. So bezahlte er im Jahre 1500 dem Rentmeister des Grafen Botho zu Stolberg, Heinrich Schneidewein, die Summe von 80 Gulden, um dafür in den folgenden zwei Jahren den Museberg und das Tunkelholz ausholzen zu können.[1] 1507 reiste Reinicke gemeinsam mit Hans Luder (* 1459 in Möhra; † 29. Mai 1530 in Mansfeld) nach Erfurt zum Lutherzug, der Priesterweihe von Martin Luther. Im Jahre 1509 erfolgte seine Ernennung zum Schultheißen der Stadt Mansfeld.[2] Der Hüttenmeister Hans Reinicke ist sein Sohn und Erbe. Die Tochter Anna Reinicke heiratete den Theologen Georg Aemilius. | REINEKE, Peter (I48635)
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| 3893 | Leben Geoffroy war ein Sohn von Rotrou II., Graf von Mortagne und Vizegraf von Châteaudun, Herr von Nogent, und Adelise de Bellême, einer Tochter von Guérin de Domfront. Er wird 1060 in einem Dokument seines Vaters mit seinen Brüdern Hugues, Rotrou und Fulcois erwähnt. 1066 nahm er an der normannischen Eroberung Englands teil und kämpfte in der Schlacht von Hastings. Er zählt zu den 15 „proven companions“ Wilhelms des Eroberers und wurde vom neuen König mit Domänen in England belohnt. 1080 folgte er seinem Vater in Mortagne und Nogent, während sein jüngerer Bruder die Vizegrafschaft Châteaudun erhielt. Rotrou, der dritte Bruder, erwarb durch Heirat die Herrschaft Montfort-le-Rotrou. Mit seinen beiden Brüdern griff er die Domänen von Robert de Bellême, Herr von Bellême und Alençon an plünderte sie. Später versuchte er eine Wiederholung mit Hilfe von Élie de la Flèche, scheiterte aber. 1090 nahm er den Titel „Graf von Perche“ an und erhob damit den Anspruch, den rivalisierenden Grafen von Perche-Gouët aus der Familie Gouët überlegen zu sein. Gegen Ende seines Lebens widmete er sich religiösen Stiftungen und schuf die erste Leprakolonie des Perche. | (PERCHE), Gottfried II. (I61472)
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| 3894 | Leben Georg wurde als Sohn des Bergmanns Nicolaus Oemler (Öhmler d. Ä.) und seiner Frau Anna Reinicke, der Tochter des Bergvogts Peter Reinicke in Mansfeld geboren. Sein Vater war ein Freund von Martin Luthers Eltern und hatte neben Georg noch den Sohn Nicolaus Öhmler d. J. Nach einem Besuch einer Lateinschule, die Georg vermutlich in Stolberg absolvierte, immatrikulierte er sich im Wintersemester 1532 an der Universität Wittenberg, um sich dem Studium der Theologie zu widmen. In Wittenberg befreundete er sich mit dem ebenfalls dort studierenden Valerius Cordus. Dieser regte Aemilius mit der Beschäftigung der Botanik an und ließ von ihm seine Schriften bearbeiten. Auf Anregung Philipp Melanchthons latinisierte er seinen Familiennamen Oemler zu Aemilius und begann lateinische Dichtungen abzufassen. 1537 erwarb Aemilius den akademischen Grad eines Magister Artium und übernahm die Leitung einer Wittenberger Privatschule. 1540 wurde er mit einem Empfehlungsschreiben Martin Luthers, der ihn als „gar einen sonderlichen feinen Gesellen, dazu auch still und sittig“ bezeichnete, als Rektor der Lateinschule in Siegen berufen, die er bis 1553 leitete. Hier übertrug er die französischen Epigramme von Gilles Corrozet zu Holbeins Totentanz (1547) und für die Zwecke seiner Schule die Sonntagsevangelien (1549) und Episteln (1551) in lateinische Hexameter, wobei er Johannes Spangenberg als Lehrer der Verskunst rühmt. Auch als er 1553 als Superintendent der Grafen zu Stolberg nach Stolberg gerufen wird, arbeitet er vor allem an der Entwicklung des Schulwesens weiter. Nachdem er in Wittenberg am 8. Mai 1554 den Doktortitel der Theologie erwarb, schrieb er eine kurze populäre Übersicht des Katechismus (1557) und eine „Etliche schone Prophecien oder Weissagung des alten testaments von Christo seiner Zukunfft vnd geburt auch seinem newen Reich vnd desselben Wolthaten der Jugend zum besten in deutsche reim gefasset“ in deutschen Versen (1560). Trotz seiner Friedfertigkeit hatte er später als Hofprediger durch Sixtus Amandus Auseinandersetzungen, der Aemilius' Standpunkt angriff. Für die Botanik war Aemilius durch Aufsuchen von Pflanzen und durch Pflege seltener Gewächse tätig, von denen er manche in Gedichten verherrlichte. Conrad Gessner und Johann Bauhin zitieren ihn dabei öfter in ihren Werken. Unter Rückgriff auf die Ausgabe des Holbeinschen Totentanzes von Georg Aemilius schuf der Kronstädter Reformator Valentin Wagner (1510–1557) sein Werk Imagines mortis selectiores.[1] Zu seinen Nachkommen zählt der Fotograf Hermann Dieter Oemler (1939–2011). Werke Biblicae historiae Latinis epigrammatibus illustratæ. Frankfurt/Main 1539. Imaginum in Apocalypsi Johannis descriptio, elegiaco carmine condita. Frankfurt/Main 1540. Imagines mortis, his accesserunt epigrammata. (1545, 1547, 1555, 1567, 1572). Evangelia, quae consueto more dominicis et aliis festis diebus in ecclesia leguntur, heroico carmine reddita. Köln (1549, 1554, 1560). Epistolae, quae dominicis atque festis diebus in ecclesia proponi solent, heroico carmine redditae. Basel 1551. Postilla, Evangelia et Epistolae per quaestiones explicata. 1560. Etliche schone Prophecien oder Weissagung des alten testaments von Christo seiner Zukunfft vnd geburt auch seinem newen Reich vnd desselben Wolthaten der Jugend zum besten in deutsche reim gefasset durch Georg. Emilium D. vnd Pfarher zu Stolbergk vnd zum Newen jar in Druck gegeben. Anno M.D.LX. Eisleben 1560 (bei Vrnanum Gaubisch). Poemata sacra in Jesaiae cap. LIII de passione, morte et resurrectione Christi. Basel 1550. Apocalypsis Johannis,Apocalypsis Johannis Explicatio Apocalypsis Iohannis Perspicua & breuis Tradita et Recognita a Doctore Davide Chytraeo Abhandlung: Elegiaco Carmine Condita A Georgio Aemilio. Wittenberg 1575 (bei Johann Crato). | AEMILIUS, Georg (I48637)
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| 3895 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I61143)
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| 3896 | Leben Goldschmidt war der Sohn eines jüdischen Kaufmannes in Frankfurt. Er arbeitete zunächst im Unternehmen seines Vaters, wandte sich aber dann der Malerei zu, die er in Paris studierte und ausübte. 1847 verlegte er sein Tätigkeitsfeld auf die Astronomie und entdeckte von den Fenstern seiner Mansardenwohnung zwischen 1852 und 1861 vierzehn Asteroiden von etwa 70 bis 280 km Größe. Damit löste er als „Rekordhalter“ den Astronomen John Russel Hind ab (zehn Asteroiden von 1847–1854). Nach ihm brachte es Karl Theodor Robert Luther auf 24 Exemplare (1852–1890), der Amerikaner C.H.F. Peters auf 48 (1861–1889) und der Österreicher Johann Palisa auf 123 Asteroiden (1874–1923). Der wohl interessanteste von Goldschmidts Asteroiden ist gleichzeitig sein kleinster: (44) Nysa von 1857. Er ist für seine Größe von 70 km auffallend hell (Albedo 0,55) und besitzt eine gelbliche Färbung, die man dem Mineral Enstatit zuschreibt. Durch die scheibenartige, in 6½ Stunden rotierende Form des Himmelskörpers entsteht eine seltsame Lichtkurve, wie sie bis dahin erst an einem Kleinplaneten festgestellt worden war. Im April 1861 veröffentlichte Hermann Goldschmidt die Entdeckung eines neunten Mondes des Saturn, von dem er eine Bahn zwischen Titan und Hyperion angab, und nannte ihn Chiron. Doch wurde die Entdeckung nie von einem anderen Astronomen bestätigt, weshalb der Name später dem ungewöhnlichen Asteroid-Kometen (2060) Chiron zugewiesen wurde. Den „offiziellen“ 9. Mond namens Phoebe entdeckte 1898 William Henry Pickering auf fotografischem Wege. Er ist Saturns äußerster Mond und wurde im Juni 2004 von der Raumsonde Cassini-Huygens fotografiert. Für seine Leistungen wurde Hermann Goldschmidt 1861 mit der Goldmedaille der Royal Astronomical Society ausgezeichnet. Ferner wurden der Asteroid (1614) Goldschmidt und der Mondkrater Goldschmidt nach ihm benannt. Auf der Pariser Gedenkmünze des Jahres 1868, die anlässlich des hundertsten Asteroiden geprägt wurde, ist er neben zwei anderen Mehrfachentdeckern abgebildet. Entdeckte Asteroiden Name Entdeckung (21) Lutetia 15. November 1852 (32) Pomona 26. Oktober 1854 (36) Atalante 5. Oktober 1855 (40) Harmonia 31. März 1856 (41) Daphne 22. Mai 1856 (44) Nysa 27. Mai 1857 (45) Eugenia 27. Juni 1857 (48) Doris 19. September 1857 (49) Pales 19. September 1857 (52) Europa 4. Februar 1858 (54) Alexandra 10. September 1858 (56) Melete 9. September 1857 (61) Danaë 9. September 1860 (70) Panopaea 5. Mai 1861 Literatur Karl Christian Bruhns: Goldschmidt, Hermann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 338 f. Willy Jahn: Goldschmidt, Hermann Mayer Salomon. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 6. Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 610–611 (deutsche-biographie.de). | GOLDSCHMIDT, Hermann Mayer Salomon (I60546)
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| 3897 | Leben Goldschmidt wuchs in Kopenhagen in einer streng jüdisch-orthodoxen Familie auf, seine jüngere Schwester war Ragnhild Goldschmidt. Die Begegnung mit der griechischen klassischen Kultur veränderte seine Haltung und bewog ihn nach Ansätzen der Harmonisierung jüdischen und nichtjüdischen Gedankengutes zu suchen. Besonders beeindruckte ihn die griechische Vorstellung der Nemesis und prägte zahlreiche seiner späteren Werke. Nach seiner Promotion 1836 gründete er 1837 die Præstø Amts Tidende, die 1839 mit dem Callundborg Ugeblad zur Sjællandsposten fusionierte. Diese verkaufte er 1840 und gründete im gleichen Jahr die politische und satirische Wochenschrift Corsaren („Der Korsar“), in der er unter dem Pseudonym unterschiedlicher Herausgeber den König kritisierte. Er wurde zu (sechsmal vier Tagen) Gefängnis verurteilt und am 7. Juni 1843 vom Obersten Gericht als der wirkliche Herausgeber unter Zensur gestellt. Corsaren bildete eine bleibende Innovation in der Geschichte des dänischen Journalismus. Goldschmidt rühmte Søren Kierkegaard wegen seines Werkes Entweder – Oder, aber die gegenseitige Freundschaft ging zu Bruch, als Corsaren fortgesetzte Angriffe auf Kierkegaard unternahm – teilweise durch von Kierkegaard selbst provozierte Attacken. Goldschmidt verkaufte 1846 Corsaren (die Zeitschrift erschien aber noch bis 1855) und verlegte 1847–1859 die politische Zeitschrift Nord og Syd („Nord und Süd“). Politisch war Goldschmidt anfangs ein Neuerer mit republikanischen Sympathien und Neigungen zu den utopisch-sozialistischen Anschauungen (ein Novum in der dänischen Literatur), jedoch näherte er sich ab den 1850ern einer traditionelleren liberalen Ideologie an, sodass seine Versuche, eine politische Rolle als Herausgeber zu spielen, zu Vorwürfen des Opportunismus führten. Ca. 1860 beendete er seine Laufbahn als Meinungsbilder und konzentrierte sich auf die Literatur. Seine Literatur zeigt ein Interesse an Metaphysik und Philosophie. Der Roman En Jøde (Ein Jude) beschreibt erstmals das Kopenhagener jüdische Milieu aus der Innenperspektive: Ein teilweise assimilierter Jude wird wegen der Vorurteile seiner Umgebung ausgeschlossen und fühlt Verunsicherung. Der große Roman Hjemløs beschäftigt sich mit der Vorstellung der Nemesis, ebenso die Arvingen („Die Erben“), die erste dänische literarische Bearbeitung des Themas Scheidung. Besonders wertvoll sind seine Erzählungen und Novellen, die jüdische Charaktere in einer besonderen Mischung von Ironie und von Sympathie beschreiben. Nicht selten wird dabei der Realismus durch eine Spielart des Mystizismus gebrochen. Aus einer kurzen Ehe gingen ein Sohn (1846) und eine Tochter (1848) hervor. Der Nachwelt gilt Goldschmidt als ambivalenter Autor. Seine Romane weisen durch lange Passagen reiner Handlungen und Schilderungen von Nebensächlichkeiten Schwachstellen auf, aber in der konzentrierten Form (besonders in den Altersnovellen) erweist er sich als der letzte große dänische Prosaautor der Romantik. Als Romantiker wendet sich sein Interesse den Problemen zu und er nimmt bestimmte Fragen der Psychologie vorweg, nicht zuletzt die Schriften Henrik Pontoppidans. Als erster dänisch-jüdischer Schriftsteller trug er mit der Schilderung seines Herkunftsmilieus zu einer wachsenden Aufgeschlossenheit zwischen beiden Kulturen bei. Schließlich gilt er als einer der Pioniere des modernen und unabhängigen dänischen Journalismus. | GOLDSCHMIDT, Meïr Aron (I60404)
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| 3898 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60277)
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| 3899 | Leben Gustav Heine war der zweite Sohn jüdischer Eltern, des Tuchhändlers Samson Heine und seiner Frau Betty, Tochter des Düsseldorfer Arztes Gottschalk van Geldern. Gustavs älterer Bruder war der Dichter Heinrich Heine, seine Schwester die Salonnière Charlotte Embden, sein jüngerer Bruder Maximilian von Heine. Nach dem Konkurs des Vaters zog die Familie nach Hamburg, wo Salomon Heine, der Bruder des Vaters, lebte. Dort beendete Gustav Heine seine Schulausbildung und studierte anschließend an den Universitäten Halle und Göttingen. Nach Studienabschluss war er in der Landwirtschaft und als Geschäftsmann tätig. 1831 trat er als Kadett in das 6. Mährische Dragoner-Regiment in Böhmen ein, wurde 1832 zum Unterleutnant und 1836 zum Oberleutnant befördert und diente als solcher 1838 bis 1844 im 3. Galizischen Chevaux-Legers-Regiment in Siebenbürgen. Im Jahr 1847 gründete er in Wien die Tageszeitung Fremden-Blatt, die zum offiziellen Organ des Ministeriums des Äußern wurde. Am 30. März 1867 wurde er mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse ausgezeichnet und aufgrund der Ordensstatuten in den erblichen österreichischen Ritterstand erhoben. Am 24. September 1870 wurde er in den erblichen österreichischen Freiherrnstand erhoben und am 20. Oktober 1870 sein Name mit dem Zusatz Geldern (Familienname seiner Mutter) verbunden. 1878 erhielt er den – auf dem nebenstehenden Bild besonders ins Auge fallenden – Franz-Joseph-Orden II. Klasse (Komturkreuz mit Stern). Er war Besitzer der Rittergüter Schönkirchen, Raggendorf, Neuhof und Straßhof. Er war verheiratet mit Emilie Kaan von Albest (1824–1859), einer Tochter des 1826 in den ungarischen Adelsstand erhobenen Wiener Industriellen Heinrich Samuel Kaan de Albest.[3] Einer seiner Söhne, Maximilian Freiherr von Heine-Geldern,[4] schrieb unter dem Pseudonym „M. Heldern“ u. a. das Libretto zur Operette Mirolan des Komponisten Moritz Fall.[5] Über seine Tochter Marie war er Großvater von Gustav Heinrich Maria Graf Sizzo de Noris. Ein weiterer Sohn, Gustav Franz Xaver Freiherr von Heine-Geldern (1848–1899), heiratete die Operetten- und Opernsängerin Regine Klein. | HEINE VON GELDERN, Gustav (I61094)
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| 3900 | Leben Gustav Heyse war der jüngste Sohn von Johann Christian August Heyse, damals bereits ein bekannter Wörterbuch- und Grammatikautor, Rektor des Gymnasiums und Direktor der höheren Töchterschule in Nordhausen. Heyse besuchte zunächst das nordhäuser Gymnasium, danach die Gewerbe- und Handelsschule in Magdeburg. Im Jahr 1823 verließ er die Schule und begann eine Ausbildung im Bergbauwesen, die ihn nach Ilsenburg, Clausthal-Zellerfeld, Göttingen und Berlin führte. Eine halbjährige Bildungsreise durch Sachsen, Österreich, Italien, Schweiz, Bayern und ein Studienaufenthalt in den schlesischen Berg- und Hüttenwerken schlossen sich an. Ab Ostern 1830 studierte er in Göttingen[1] und Berlin. Von 1836 bis 1868 wirkte er in Aschersleben als Lehrer (1842 Oberlehrer, 1859 Professor) für Mathematik und Naturwissenschaften an der höheren Bürgerschule. 1867 bekam er von seinen Schülern am Gymnasium Stephaneum ein übergroßes Fotoalbum geschenkt, das die ältesten Ansichten der Stadt Aschersleben beinhaltet und bis heute im Depot des Museums Aschersleben aufbewahrt wird.[2] Heyse zählte zu den ersten Mitgliedern im Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde.[3] Der unverheiratete und kinderlose Heyse führte das Fremdwörterbuch seines Vaters fort,[4] schrieb an der Heyseschen Familienchronik, sammelte Münzen, Bergwerksmarken, Fossilien, Autographen sowie Literatur über den Harz. Seine Geschichte der Brockenreisen gilt auch heute noch als Standardwerk. | HEYSE, Gustav Ferdinand (I60939)
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