Treffer 3,151 bis 3,200 von 6,111
| # | Notizen | Verknüpft mit |
|---|---|---|
| 3151 | Hennerke Winkhaus *1530 Ist als Erster seines Stammes genannt | WINKHAUS, Lydia (I5267)
|
| 3152 | Henriette Dorothea (Dortchen) Wild (1793–1867) Dorothea Wild, 1815 KHM 13: Die drei Männlein im Walde KHM 24: Frau Holle KHM 28: Der singende Knochen KHM 36: Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack KHM 39: Die Wichtelmänner KHM 46: Fitchers Vogel KHM 49: Die sechs Schwäne KHM 52: König Drosselbart KHM 55: Rumpelstilzchen (mit Johanna Elisabeth (Lisette) Wild (1782–1858)) KHM 56: Der Liebste Roland KHM 65: Allerleirauh KHM 88: Das singende springende Löweneckerchen KHM 103: Der süße Brei KHM 104: Die klugen Leute KHM 105: Märchen von der Unke (mit Lisette Wild) Möglicherweise auch KHM 60a: Das Goldei | WILD, Henrietta Dorothea (I52646)
|
| 3153 | Henriette Mendelssohn kam im Sommer 1775 als vierte Tochter des Philosophen Moses Mendelssohn und seiner Ehefrau Fromet Mendelssohn, geb. Guggenheim, in Berlin zur Welt. Sie war eine Enkelin von Mendel Heymann, dem Stammvater der weitverzweigten jüdischen Familie Mendelssohn, der viele Gelehrte, Künstler und Bankiers entstammen. Henriette Mendelssohns ältere Schwester Brendel war die Schriftstellerin Dorothea Schlegel, ihre beiden Brüder die Bankiers Joseph Mendelssohn und Abraham Mendelssohn Bartholdy. Sie war eine Tante der Musiker und Komponisten Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy und der beiden Maler Johannes und Philipp Veit. Gemeinsam mit ihrer Schwester Brendel und ihrem Bruder Joseph wurde Henriette Mendelssohn zu Hause unter der Aufsicht ihres Vaters von Hauslehrern unterrichtet.[2] Ihre Interessen lagen bei der Musik, bildenden Kunst und Literatur; sie war eine gute Klavierspielerin. Als Kind verbrachte sie gemeinsam mit ihren Geschwistern oft die Sommerferien in der norddeutschen Residenz des Herzogs von Mecklenburg-Strelitz, wo Mendel Meyer, ein enger Freund ihres Vaters, als Kammeragent arbeitete.[3] Ab 1786 lebte Henriette Mendelssohn einige Jahre gemeinsam mit ihrer verwitweten Mutter und den jüngeren Brüdern in Neustrelitz bei ihrer Schwester Recha, die mit einem Sohn Mendel Meyers verheiratet war.[1] Etwa 1793 kehrte Henriette Mendelssohn nach Berlin zurück, wo sie regelmäßig in den literarischen Salons ihrer Freundin Rahel Levin und der Schriftstellerin Henriette Herz verkehrte. Ihre erste Stelle als Erzieherin führte Henriette Mendelssohn im Jahr 1799 nach Wien; sie wechselte jedoch schon im Jahr 1802 nach Paris und eröffnete dort im Garten der jüdischen Bankiersfamilie Fould ein Mädchenpensionat. In ihrer Wohnung, ein beliebter Treffpunkt der Deutschen in Paris, waren Persönlichkeiten wie Madame de Staël, Benjamin Constant, Gaspare Spontini, Alexander von Humboldt, Karl August Varnhagen, David Koreff oder Helmina von Chézy zu Gast. Dem Beispiel ihrer älteren Schwester Brendel folgend, konvertierte Henriette Mendelssohn im Jahr 1812 ebenfalls zum Christentum; bei ihrer katholischen Taufe in Paris nahm sie bewusst den Taufnamen Maria an. Im selben Jahr trat Henriette Mendelssohn die Stelle der Erzieherin von Fanny Sebastiani an, deren Vater, General Horace-François Sébastiani, früh Witwer geworden war. In den folgenden Jahren führte sie in Paris ein zurückgezogeneres Leben, traf sich jedoch mit ihren Brüdern Joseph und Abraham, wenn diese sich wegen ihrer Bankgeschäfte in der Stadt aufhielten. Mehrere Reisen mit Fanny Sebastiani führten Henriette Mendelssohn in die Schweiz, nach Bad Ems und in die Provence. Nachdem ihr Zögling im Jahr 1824 geheiratet hatte, verließ Henriette Mendelssohn im Frühjahr 1825 Paris und kehrte wieder nach Berlin zurück. Dort verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre in der Nähe ihrer Brüder. Bei einem Besuch in Dresden traf sie im Jahr 1830 nach 26 Jahren zum ersten Mal auch wieder persönlich mit ihrer Schwester Brendel zusammen.[1] Henriette Mendelssohn wurde nur 56 Jahre alt. Sie starb im November 1831 in Berlin, nur wenige Monate nach dem Tod ihrer Schwester Recha Meyer.[1] Ihr Grab befand sich zunächst auf dem katholischen St.-Hedwigs-Friedhof in der Chausseestraße; später wurde es auf den neu angelegten St.-Hedwigs-Friedhof (heute: Alter Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde) in der Liesenstraße verlegt und im Jahr 1955 endgültig aufgelassen.[1] Briefe Galerie von Bildnissen aus Rahel’s Umgang und Briefwechsel. Hrsg. v. Karl August Varnhagen von Ense, Gebr. Reichenbach, Leipzig 1836, Bd. 1, S. 63–78 (Web-Ressource). Karl August Varnhagen von Ense: Paris, 1810. Reisebericht aus Straßburg, Lothringen und Paris mit neun Briefen von Henriette Mendelssohn an den Autor. Hrsg. v. Nikolaus Gatter, Varnhagen Gesellschaft, Köln 2013, ISBN 978-3-00-040929-5 Literatur Josef Körner: Mendelssohns Töchter; in: Preußische Jahrbücher 214 (1928). Sebastian Panwitz: Das Testament Fromet Mendelssohns, geb. Gugenheim (1737-1812) vom 31.12.1792. In: Mendelssohn-Studien 19 (2015). Cécile Lowenthal-Hensel: Mendelssohn (Familie). In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 17. Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 44–46 (deutsche-biographie.de). Mendelssohn, Henriette. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 17: Meid–Phil. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. De Gruyter, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-598-22697-7, S. 33–34. Weblinks | MENDELSSOHN, Henriette Maria „Jente“ (I60773)
|
| 3154 | Henriette war die älteste Tochter Heinrichs II., Graf von Montbéliard, der 1396 ein Jahr vor seinem Vater – dem Grafen Stephan von Mömpelgard – starb, und der Maria Gräfin von Châtillon. Männliche standesgemäße Nachkommen waren in der Grafschaft Mömpelgard nicht vorhanden, obwohl Heinrich drei weitere uneheliche Kinder und noch zwei jüngere Töchter aus der Ehe mit Maria von Chatillon hatte. Am 13. November 1397 schloss der württembergische Graf Eberhard III. (Eberhard der Milde) einen Heiratsvertrag für seinen Sohn Eberhard IV. und Henriette ab. Auf diese Weise übernahm er die Regierung über Mömpelgard und einige dazugehörige Herrschaften, die er bei der Hochzeit der beiden 1407 an Eberhard IV. übergab. Mömpelgard blieb daraufhin bis 1802 Teil des Landes Württemberg. Aus der Ehe Henriettes mit Eberhard IV. gingen drei Kinder hervor: Anna (1408–1471, Gräfin von Katzenelnbogen), sowie die beiden späteren Grafen Ludwig I. (1412–1450) und Ulrich V. (1413–1480). Nach dem Tod Eberhards IV. 1419 übernahm Henriette die Vormundschaft für ihre beiden Söhne und damit gemeinsam mit Beamten, sogenannten „Räten“, die Regierung in Württemberg. Ende 1421 zog sich Henriette aus der Regierung des gesamten Landes zurück, regierte aber bis zu ihrem Tod weiter in Mömpelgard. Literatur Bernd Breyvogel: 3.0.2. Henriette. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 77–79. Bernd Breyvogel: Die Rolle Henriettes von Mömpelgard in der württembergischen Geschichte und Geschichtsschreibung. In: Sönke Lorenz, Peter Rückert (Hrsg.): Württemberg und Mömpelgard – 600 Jahre Begegnung. Beiträge zur wissenschaftlichen Tagung vom 17. bis 19. September 1997 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde. Band 26). DRW, Leinfelden-Echterdingen 1999, ISBN 3-87181-426-1, S. 47–76. Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 1: Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig. 6. Auflage. Landhege, Schwaigern 2014, ISBN 978-3-943066-34-0, S. 238–250. Weblinks Commons: Henriette von Mömpelgard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Artikelkopie aus dem Pressearchiv des Deutsch-Französischen Instituts; Karl Moerschs: Ein Ehevertrag mit Folgen – Durch Henriette kam Mömpelgard 1397 zum Hause Württemberg; abgerufen am 26. Dezember 2013 Andrea Bachmann: Mömpelgarder Weg. In: Tagblatt-Anzeiger vom 15. Februar 2012 ; abgerufen am 26. Dezember 2013 Landesarchiv Baden-Württemberg: Bestand A 602: Württembergische Regesten; Hausarchiv; Henriette v. Mömpelgard Online-Findbuch Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, G 16 a, Gräfin Henriette (1387-1444) Hochzeitsbild auf www.museum-digital.de | VON MÖMPELGARD, Henriette (I61237)
|
| 3155 | Henry de Percy entstammte der Familie Percy und war der älteste Sohn von William de Percy († 1245) und von dessen zweiter Frau Elena, einer Tochter von Ingram de Balliol. Noch minderjährig, bot er Anfang 1249 £ 900, um die Ländereien seines 1245 verstorbenen Vaters sowie das Recht zur Heirat zu erhalten. Vor Juni 1257 wurde er zum Ritter geschlagen, in diesem Jahr diente er in der Armee von König Heinrich III. bei den Kämpfen in Wales. Anfang 1259 gehörte Percy zu den Freunden und Verbündeten von Richard de Clare, 5. Earl of Hertford, als dieser eine Vereinbarung mit dem Thronfolger Eduard schloss, damit gehörte er vermutlich anfänglich zur Reformpartei von Simon de Montfort. Später jedoch stand er auf der Seite des Königs und gehörte zu den Baronen, die Heinrich III. ins französische Amiens begleiteten, wo der französische König in der Mise of Amiens zwischen den Baronen unter Montfort und dem König zu schlichten versuchte. Während des nun folgenden Zweiten Kriegs der Barone kämpfte Percy im April 1264 während der Belagerung von Northampton auf der Seite des Königs. Anschließend gehörte er zu den Verteidigern von Rochester Castle, die die Burg erfolgreich gegen die Belagerung durch Simon de Montfort und Gilbert de Clare verteidigten. In der Schlacht von Lewes wurde er am 14. Mai 1464 gefangen genommen und blieb bis nach dem Sieg der königlichen Partei in der Schlacht von Evesham am 4. August 1265 in Gefangenschaft. Im September 1268 heiratete er Eleanor de Warenne, die älteste Tochter von John de Warenne, 6. Earl of Surrey und von Alice de Lusignan, der Halbschwester des Königs. Er hatte mit ihr mindestens zwei Söhne, John de Percy (1270–1293), Henry de Percy (1273–1314), die Existenz eines häufig genannten dritten Sohns, William, ist nicht belegt. Er wurde in Sawley Abbey in Yorkshire begraben. Nach dem frühen Tod seines ältesten Sohns John wurde schließlich sein postum geborener Sohn Henry sein Erbe. | DE PERCY, Henry (I17640)
|
| 3156 | Henry de Worms was born in London on 20 October 1840, the third son of Solomon Benedict de Worms (1801–1882). His father owned large plantations in Ceylon and was made a Hereditary Baron of the Austrian Empire by Emperor Franz Joseph I of Austria. His mother was Henrietta Samuel (d.1845), daughter of Samuel Moses Samuel. His siblings were George de Worms, 2nd Baron de Worms (1829–1902), Anthony Mayer de Worms (1830–1864), and Ellen Henrietta de Worms (born 1836). Both on his father′s side and on his mother′s side he belonged to wealthy mercantile families. His paternal grandmother was Schönche Jeannette Rothschild (1771–1859), thus his paternal great-grandfather was Mayer Amschel Rothschild (1744–1812), the founder of the Rothschild banking dynasty. As a result, his paternal great-granduncles were Amschel Mayer Rothschild (1773–1855), Salomon Mayer von Rothschild (1774–1855), Nathan Mayer Rothschild (1777–1836), Carl Mayer von Rothschild (1788–1855), and James Mayer de Rothschild (1792–1868). His uncles, who owned plantations in Ceylon with his father, were Maurice Benedict de Worms (1805–1867) and Gabriel Benedict de Worms (1802–1881).[1] His maternal grandfather was a West Indian merchant, whose fortune Lord Pirbright inherited indirectly through his uncle George Samuel.[2] He was educated at King's College London.[3] He was called to the Bar, Inner Temple, in 1863, and became a fellow of King's College in the same year.[3] Political career De Worms served as Conservative Member of Parliament for Greenwich from 1880 to 1885 and for Liverpool East Toxteth from 1885 to 1895 and held office under Lord Salisbury as Parliamentary Secretary to the Board of Trade from 1886 to 1888 and as Under-Secretary of State for the Colonies from 1888 to 1892. He was British Plenipotentiary and President of the Conference on Sugar Bounties in 1888,[4] and later served as a Commissioner for the Patriotic Fund.[5] He was appointed a Privy Counsellor in 1888 and raised to the peerage as Baron Pirbright, of Pirbright in the County of Surrey, in 1895.[6] He was elected a Fellow of the Royal Society in 1889.[citation needed] His publications include England's Policy in the East, The Earth and its Mechanism, The Austro-Hungarian Empire and Memoirs of Count Beust.[3][5] Lord Pirbright died at his residence in London on 9 January 1903, aged 62.[2] Family Lord Pirbright's tomb at St Mark's Church, Wyke, Surrey De Worms married first, in 1864, Franziska "Fanny" von Todesco (1846–1922), eldest daughter of Baron von Todesco [de], of Vienna. They had three daughters:[7] Hon. Alice Henrietta Antoinette Evelina de Worms (1865–1952); married 1st in 1886 John Henry Boyer Warner (d. 1891), of Quorn Hall, Loughborough and Kepwick Park, Northallerton; married 2nd in 1892 David McLaren Morrison; and left several daughters by her second husband. Hon. Dora Sophia Emily de Worms (1869–?) Hon. Constance Valérie Sophie de Worms (1875–1963); married in 1895 Count Maximilian of Löwenstein-Scharffeneck, a nephew of Wilhelm, Prince of Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. They had several children, including Hubertus, Prince of Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, and she was thus the grandmother of Prince Rupert Loewenstein,[8] manager of the rock band The Rolling Stones. He divorced his first wife in 1886, and married secondly in 1887 Sarah Phillips, daughter of Sir Benjamin Samuel Phillips, and sister of Sir George Faudel Phillips, 1st Baronet. Both her father and her brother served as Lord Mayors of London.[2] Born Jewish, he was an active member of the Jewish community until he married a Christian woman. He then dissociated himself entirely from Judaism, and was buried at the Christian cemetery of St. Mark's in Wyke, Surrey.[1] The barony became extinct on his death as he had no sons. His second wife Lady Pirbright died in November 1914. | VON WORMS, Henry (I55833)
|
| 3157 | Henry of Lancaster entstammte einer Nebenlinie der englischen Herrscherfamilie Plantagenet. Er war der zweite Sohn von Edmund Crouchback, 1. Earl of Lancaster, dem jüngsten Sohn von König Heinrich III., und von dessen Frau Blanche, einer Tochter von Graf Robert von Artois und Witwe von König Heinrich I., König von Navarra und Graf von Champagne. Durch seine Geburt gehörte Heinrich sowohl in England wie auch in Frankreich dem Hochadel an. Er war nicht nur mit den englischen Königen eng verwandt, sondern über seine Halbschwester Jeanne auch mit dem französischen Königshaus. Kindheit, Erbe und Heirat Henry verbrachte seine Kindheit und Jugend in England zusammen mit seinem älteren Bruder Thomas und mit Johann, dem Sohn und Erben des Herzogs von Brabant, der mit Henrys Cousine Margarete, einer Tochter von König Eduard I. verlobt war. Zusammen mit Thomas nahm Henry bereits als Jugendlicher an Turnieren teil, doch Henry hatte zu seinem älteren Bruder nie ein enges Verhältnis.[2] Um seinen jüngeren Sohn mit Besitzungen zu versorgen, übertrug sein Vater die walisischen Burgen Grosmont, Skenfrith und Whitecastle, die sogenannten Three Castles, sowie Monmouth und zwei Güter in Gloucestershire dem König. Dieser gab sie Henrys Vater als lebenslanges sowie Henry als erbliches Lehen zurück, so dass Henry nach dem Tod seines Vaters 1296 der alleinige Besitzer dieser Besitzungen und damit zum Marcher Lord wurde. Sein Bruder Thomas erbte dagegen die anderen, umfangreichen Besitzungen ihres Vaters und die Titel Earl of Lancaster und Earl of Leicester. Daneben erbte Henry von seiner Großmutter väterlicherseits Eleonore von der Provence Besitzungen in der Provence.[3] 1291 hatte Eduard I. das Recht, die junge Erbin Maud de Chaworth zu verheiraten, an seinen Bruder Edmund vergeben. Dieser verlobte sie mit Henry. Die Hochzeit fand vor dem 2. März 1297 statt. Durch das Erbe seiner Frau erhielt Henry die Herrschaft Kidwelly in Wales sowie weitere Besitzungen in Hampshire, Gloucestershire, Wiltshire und Northamptonshire. Nach dem Tod seines jüngeren Bruders John um 1317 erbte er dessen französischen Besitzungen, darunter Beaufort in der Île de France.[4] Dienst als Militär Von 1297 bis 1298 nahm Henry of Lancaster während des Französisch-Englischen Kriegs am Feldzug von Eduard I. nach Flandern teil.[5] Im Februar 1299 wurde er erstmals als Baron Lancaster in ein Parlament berufen. 1301 wurde er zum Ritter geschlagen. Den Brief der Barone, mit dem diese 1301 gegen die Einmischung des Papstes in den Krieg mit Schottland protestieren wollten, besiegelte er als Henry of Lancaster, Lord of Monmouth. Ab 1300 wurde Henry regelmäßig zum Kriegsdienst im Krieg mit Schottland berufen, dabei nahm er 1300 an der Belagerung von Caerlaverock Castle teil. Von 1309 bis 1310, 1317 und 1323 sollte er in seinen walisischen Besitzungen Truppen für den Kampf in Schottland aufstellen. Während der Rebellion des Walisers Llywelyn Bren führte er als Marcher Lord im März 1316 zusammen mit William Montagu und John Hastings von Südostwales Truppen nach Glamorgan, um die Rebellion niederzuschlagen.[6] Sein Cousin Eduard II., der seit 1307 König als Nachfolger von Eduard I. war, überließ ihm dafür die beschlagnahmten Besitzungen seiner walisischen Vasallen, die die Rebellion unterstützt hatten. Verhältnis zu Eduard II. Politische Tätigkeit bis 1317 1308 gehörte Henry zu den Magnaten, die Eduard II. und seine Frau Isabelle nach ihrer Heirat in Frankreich bei ihrer Ankunft in Dover begrüßten. Danach nahm er eine hervorgehobene Position während der Krönung des Paares in Westminster Abbey ein.[7] 1310 gehörte er jedoch zu den oppositionellen Baronen, die den König zur Ernennung der Lords Ordainer zwangen, die 1311 die Ordinances, ein Programm zur Reform der Herrschaft veröffentlichten. 1313 begnadigte ihn der König für seine Rolle bei der Ermordung des königlichen Günstlings Piers Gaveston, wobei unklar ist, inwieweit Henry an der Affäre beteiligt war. In den nächsten Jahren nahm er mehrfach an Parlamenten und Ratsversammlungen teil. Bei der Ratsversammlung von Clarendon im Februar 1317 vertrat er möglicherweise seinen Bruder Thomas, der ein erbitterter Gegner der Politik des Königs geworden war.[8] Rolle während der Rebellion seines Bruders 1317 berief der französische König Philipp V. Henry nach Frankreich, damit er ihm für seine Besitzungen in der Champagne und in Brie huldigen solle, die er von seiner Mutter geerbt hatte. Eduard II. bat den französischen König, diesen Termin aufzuschieben, doch von 1318 bis mindestens 1320 war Henry nicht in England, möglicherweise war er in Frankreich und besuchte seine dortigen Besitzungen sowie die Güter, die er nach dem Tod seines jüngeren Bruders John geerbt hatte. Henry blieb vermutlich sogar bis Frühjahr 1322 in Frankreich,[9] so dass er sich nicht an der Rebellion seines Bruders Thomas ab 1321 beteiligte. Während dieser Rebellion, die im März 1322 von Eduard II. niedergeschlagen wurde, hatte Henry offenbar gar keinen Kontakt zu seinem Bruder.[10] Zwar wurden auch die Besitzungen von Henry als Bruder des führenden Rebellen zeitweise beschlagnahmt, doch er erhielt sie rasch wieder zurück.[11] Nachdem Thomas of Lancaster im März 1322 als Verräter hingerichtet worden war, bat Henry den König rasch, als Erbe seines kinderlos gestorbenen Bruders die Titel Earl of Lancaster und Earl of Leicester führen zu dürfen, dazu beanspruchte er die beschlagnahmten Besitzungen seines Bruders. Der König überließ ihm aber nur einen Teil der Familiengüter, dazu durfte er ab 1324 den Titel Earl of Leicester führen. Damit trat ein Teil der Vasallen und Gefolgsleute, die bereits seinem Bruder gedient hatten, in Henrys Dienst, darunter Hugh Cuilly und William Trussell.[12] Zunehmenden Spannungen zwischen Lancaster und Eduard II. Im Sommer und Herbst 1322 nahm Henry nicht an dem gescheiterten Feldzug des Königs nach Schottland teil, da er möglicherweise immer noch in Frankreich war, doch ein Kontingent seiner Vasallen gehörte zum königlichen Heer.[13] Nach dem Scheitern der Rebellion von Thomas of Lancaster wurde die Politik des Königs von dessen Günstlingen Hugh le Despenser dem Älteren und dessen gleichnamigen Sohn Hugh bestimmt. Hugh le Despenser der Ältere war zwar der Stiefvater von Henrys Frau Maud gewesen, doch Henry wurde rasch ein Gegner der Despensers. Als Bischof Adam Orleton von Hereford beschuldigt wurde, den Rebellen Roger Mortimer of Wigmore bei dessen Flucht aus dem Tower unterstützt zu haben, bat er Henry um Unterstützung. Henry sagte Orleton seine Unterstützung zu, doch als der König davon erfuhr, beschuldigte er nun auch Henry des Verrats. Der König wurde in seiner Überzeugung bestärkt, da Henry begonnen hatte, das Wappen seines Bruders zu führen und zu dessen Gedächtnis in Leicester ein Gedenkkreuz errichtet hatte. Die Vorwürfe gegen Henry sollten während eines Parlaments beraten werden, doch während des Parlaments stand die Debatte um eine geplante Reise des Königs nach Frankreich im Vordergrund. Als Herzog von Aquitanien sollte Eduard II. dem neuen französischen König Karl IV. huldigen. Henry sollte seinen Cousin auf dieser Reise begleiten, doch der König brach aus Angst, während seiner Abwesenheit könne es zu einer erneuten Rebellion kommen, nie nach Frankreich auf. 1326 beauftragte der König Henry, mit den Mord an dem Richter Roger Beler zu untersuchen, dazu sollte er im Kriegsfall die Aufstellung von Aufgeboten in den Midlands überwachen. Rolle während des Sturzes von Eduard II. Anstelle von Eduard II. war Königin Isabelle nach Frankreich gereist, um dem französischen König zu huldigen. Aus Gegnerschaft zu den Despensers hatte sie sich jedoch in Frankreich mit dem aus dem Tower entkommenen Roger Mortimer of Wigmore verbündet. Der König betraute verschiedene Magnaten mit der Verteidigung der verschiedenen Regionen des Reiches, um sie vor einem befürchteten Angriff von Mortimer zu schützen. Henry sollte zusammen mit dem älteren Despenser die Midlands verteidigen.[14] Als im September 1326 tatsächlich die Königin und Mortimer mit einem kleinen Söldnerheer in Südengland landeten, um den König zu stürzen, kam Anfang Oktober John Vaux mit Geld, Waffen und Pferden nach Leicester. Er wollte damit den älteren Despenser bei der Abwehr der Invasion unterstützen, doch Henry erfuhr, dass Vaux in Leicester Abbey Quartier bezogen hatte. Er überraschte dort Vaux, nahm ihn gefangen und bemächtigte sich der Ausrüstung und des Geldes.[15] Innerhalb von drei Tagen stellte er ein Aufgebot auf, mit dem er sich Königin Isabelle in Dunstable anschloss. Die Herrschaft von Eduard II. und der Despensers brach rasch zusammen. Henry nannte sich nun Earl of Lancaster und Leicester. Am 26. Oktober 1326 nahm er an der Ratsversammlung in Bristol teil, bei der zahlreiche Barone den Prince of Wales Eduard zum Reichsverweser anstelle des geflüchteten Königs ernannten. Am nächsten Tag gehörte er zu den Richtern, die den gefangen genommenen Hugh le Despenser den Älteren zum Tod verurteilten und hinrichten ließen. Anschließend leitete er die Verfolgung von Eduard II., der mit dem jüngeren Despenser nach Wales geflüchtet war. Am 16. November konnte er den König und Despenser in Südwales gefangen nehmen.[16] Lancaster brachte den König in seine Herrschaft Monmouth. Am 20. November übergab ihm dort der gestürzte König das Großsiegel, und Lancaster, wie Henry nun genannt wurde, brachte ihn weiter in seine Burg Kenilworth. Danach nahm er in Hereford an dem Tribunal teil, das den jüngeren Despenser zum Tod verurteilte. Im Dezember 1326 übertrug die neue Regierung Lancaster die Verwaltung der Honour of Lancaster einschließlich Lancaster Castle sowie von weiteren Besitzungen, die früher seinem Bruder Thomas of Lancaster gehört hatten. Lancaster unterstützte anschließend den Thronwechsel zugunsten des jungen Prince of Wales. Er nahm im Januar 1327 an dem Parlament teil, das Eduard II. für abgesetzt erklärte und stattdessen dessen Sohn Eduard III. auf den Thron setzte. Anschließend gehörte er der Delegation an, die den gefangenen Eduard II. in Kenilworth zur Abdankung bewegte. Dabei soll er zusammen mit dem Bischof von Winchester den ehemaligen König gestützt haben, als dieser zusammenbrach, als von ihm verlangt wurde, abzudanken. | OF LANCASTER, Henry (I57190)
|
| 3158 | Henry Percy war der älteste Sohn von Henry Percy, 1. Earl of Northumberland, und dessen Gattin Margaret Neville. Er machte schnell militärische Karriere und erwarb sich als „Harry Hotspur“ (Heißsporn) in Schlachten gegen Schotten und Franzosen einen Ruf. 1388 wurde er in der Schlacht von Otterburn von den Schotten gefangen genommen, aber gegen Lösegeld wieder freigelassen. Im selben Jahr wurde er als Knight Companion in den Hosenbandorden aufgenommen.[1] Von 1393 bis 1395 war er Gouverneur von Bordeaux, das damals angevinische Besitzung war. 1399 unterstützte er seinen Freund und Waffengefährten Henry Bolingbroke gegen dessen Cousin König Richard II. Als Bolingbroke jedoch als Heinrich IV. König geworden war und weitere Zusagen, die er den Percys gegeben hatte, nicht einhielt, rebellierten Henry, sein Vater und sein Onkel Thomas Percy, 1. Earl of Worcester, gegen den König. Am 21. Juli 1403 kam es zur Schlacht von Shrewsbury. Harry Hotspur war der Anführer des Rebellenheeres. Da jedoch die erhoffte Unterstützung durch den walisischen Rebellenführer Owain Glyndŵr ausblieb, hatte Hotspur gegen das zahlenmäßig überlegene Heer des Königs keine Chance. Er wurde in der Schlacht getötet. König Heinrich IV. bestattete ihn zunächst ehrenvoll. Als jedoch im Norden Gerüchte zu zirkulieren begannen, Hotspur wäre noch am Leben, ließ er dessen Leichnam exhumieren. Er wurde in vier Teile geteilt, die man in ganz England herumschickte, während sein Kopf am Stadttor von York aufgespießt wurde. Familie Henry Percy heiratete um 1379 Lady Elizabeth Mortimer (1371–1417), Tochter der Edmund Mortimer, 3. Earl of March und der Philippa Plantagenet, 5. Countess of Ulster. Sie hatten drei Kinder: Henry Percy, 2. Earl of Northumberland (1392–1455), ⚭ 1414 Lady Eleanor Neville, Tochter des Ralph Neville, 1. Earl of Westmorland; Elizabeth Percy (um 1402–1437), ⚭ (1) John Clifford, 7. Baron de Clifford, ⚭ (2) 1426 Ralph Neville, 2. Earl of Westmorland; Mathilda Percy († jung). Seine Witwe heiratete um 1406 Thomas de Camoys, 1. Baron Camoys. In William Shakespeares Königsdramen Heinrich IV., 1. und 2. Teil, dient Harry Hotspur als Gegenbild zu Prinz Harry, dem Sohn von Heinrich IV. und späteren König Heinrich V. Während der Prinz ein liederliches Leben in Gesellschaft von John Falstaff führt, heimst Harry Hotspur militärischen Ruhm ein. Am Ende jedoch ist es Prinz Harry, der den zum Verräter gewordenen Hotspur im Zweikampf besiegt. In Wahrheit war Hotspur über 20 Jahre älter als Heinrich V. Der Londoner Fußballverein Tottenham Hotspur ist nach Sir Henry Percy benannt. | PERCY, Henry ´Hotspur` (I57186)
|
| 3159 | Henry Percy war der älteste Sohn von Henry Percy, 3. Baron Percy, und von Mary of Lancaster (eine Tochter des Henry Plantagenet, 3. Earl of Lancaster und Maud de Chaworth). Percy war somit ein Urenkel des englischen Königs Heinrich III. Während der Regierungszeit von König Edward III. hatte er hohe Verwaltungsämter in Nordengland inne. 1377 wurde er Marschall von England und Earl of Northumberland.[1] Da aber Edwards Enkel Richard II. Percys Rivalen Ralph Neville förderte, schloss Percy sich Richards Cousin Heinrich Bolingbroke an, der als Heinrich IV. 1399 die Macht übernahm. Zur Belohnung wurde Percy Lord Marshal of England und King of Mann. Doch Heinrich IV. hielt Zusagen, was Land und Geld betraf, die er Percy gemacht hatte, nicht ein. Außerdem hielt auch er an Neville fest. 1403 rebellierte der mächtige Percy deshalb gemeinsam mit seinem Bruder Thomas, 1. Earl of Worcester, und seinem Sohn Henry Percy, genannt Harry Hotspur. Doch die Unterstützung des walisischen Rebellenführers Owain Glyndŵr, auf die die Percys sich verlassen hatten, blieb aus. Harry Hotspur fiel in der Schlacht von Shrewsbury, Thomas Percy wurde gefangen genommen und als Verräter enthauptet. Henry Percy, der an der Schlacht nicht teilgenommen hatte, verlor zunächst nur seine Ämter. 1405 nahm er an der Rebellion von Richard le Scrope, dem Erzbischof von York, gegen Heinrich IV. teil. Auch dieser Aufstand scheiterte[1] und Percy floh nach Schottland. 1408 versuchte er eine Invasion und wurde in der Schlacht von Braham Moor getötet. Henry Percy war in erster Ehe mit Margaret Neville (* 1341; † 1372), einer Tante seines Konkurrenten Ralph Neville, verheiratet. Sie hatten drei Söhne: Henry Hotspur, Ralph (* um 1365; † 1397) und Thomas (* 1366; † 1388). Die zweite Ehe mit Matilda de Lucy, 5. Baroness Lucy (Maud, * um 1359; † 1398), der Tochter von Thomas de Lucy, 2. Baron Lucy, blieb kinderlos. Literatur J. M. W. Bean: Percy, Henry, first earl of Northumberland (1341–1408). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/21932 (Lizenz erforderlich), Stand: Mai 2005. | PERCY, Henry (I57187)
|
| 3160 | Henry Percy, 2. Baron Percy (of Alnwick) (auch Henry de Percy; * 1301; † 26. Februar 1352 in Warkworth Castle) war ein englischer Militär und Magnat. In der Familiengeschichte der Percys nimmt er eine ähnlich bedeutende Stellung wie sein Vater Henry Percy, 1. Baron Percy ein, der die führende Stellung der Familie in Northumberland begründet hatte. Der zweite Baron Percy baute diese Stellung durch den Erwerb von Warkworth weiter zu einem Territorium in Nordengland aus. Zwar verlor er durch das Scheitern des Thronanspruchs von Edward Balliol weitere Ländereien in Schottland, doch seine Rolle im Kampf gegen Schottland machte ihn zu einem unverzichtbaren Vasallen der englischen Könige und sicherte seiner Familie ständige Bedeutung in der englischen Politik gegenüber Schottland. Herkunft und Erbe Henry Percy entstammte der anglonormannischen Familie Percy. Er wurde vermutlich im Februar 1301 als ältester Sohn von Henry Percy, 1. Baron Percy und von dessen Frau Eleanor FitzAlan, einer Tochter von John FitzAlan, geboren. Sein Vater starb 1314, und im Oktober 1318 erhielt Percy trotz seiner Minderjährigkeit die Verwaltung von Alnwick Castle und, mit Ausnahme der Besitzungen in Yorkshire, der anderen Ländereien seines Vaters. Engagement im Krieg gegen Schottland Im Mai 1321 nahm Percy nach dem Despenser War am Treffen der nordenglischen Barone mit Thomas of Lancaster teil, unterstützte jedoch nicht weiter dessen Rebellion gegen König Eduard II. Stattdessen blieb er dem König gegenüber loyal und leistete ihm am 26. Dezember 1321 Hommage, worauf er das vollständige Erbe seines Vaters übernehmen durfte. Am 26. März 1322 wurde er unter dem Befehl von Andrew Harclay, 1. Earl of Carlisle, zum Krieg gegen Schottland aufgerufen und am 10. September desselben Jahres zum Ritter (Knight of the Bath) geschlagen[1]. Im September 1322 diente er unter David Strathbogie in Northumberland, wo er besonders mit der Verteidigung seiner Burg Alnwick beauftragt wurde. Im April 1323 diente Percy in Schottland als Geisel für die Sicherheit des schottischen Gesandten, des Earl of Moray, der für Verhandlungen nach England gereist war. Im Juli 1325 wurde er beauftragt, für die Einhaltung des Waffenstillstandes mit Schottland zu sorgen. Percy unterstützte Königin Isabelle, als diese im September 1326 in England landete und erfolgreich gegen ihren Mann König Eduard II. und die Herrschaft von dessen Günstlingen, den Despensers, rebellierte. Als wenige Wochen nach der Krönung des neuen Königs Eduard III. im Februar 1327 die Schotten einen neuen Überfall über die Grenze führten, wurde Percy am 27. Februar mit der Verteidigung von Nordengland betraut, wofür ihm 100 Men-at-arms zusätzlich zu seinen eigenen Kräften zur Verfügung gestellt wurden. Kurz darauf wurde er zum Hüter der Scottish Marches ernannt. Am 5. September 1327 wurde sein Amt als Hüter der Scottish Marches bis Weihnachten verlängert. Am 9. Oktober wurde er zu einem der beiden Gesandten ernannt, die einen endgültigen Frieden mit Schottland schließen sollten, worauf er mit das Abkommen von Edinburgh und Northampton aushandelte. Während der Verhandlungen verfolgte er dabei zweifelsfrei auch eigene Interessen. Noch am 28. Juli 1326 hatte ihm der schottische König Robert Bruce Ländereien in Schottland, die seinem Vater gehört hatten, vor allem die Baronie Urr in Galloway sowie Red Castle in Angus, zugesprochen. Percy gehörte damit zu den sogenannten Enterbten, die wegen des Krieges Ländereien in Schottland verloren hatten oder zumindest dort Ländereien beanspruchten. Percys Ansprüche waren dabei rechtlich sehr zweifelhaft. Am 3. Juni 1331 zahlte er dem rechtmäßigen Erben der Ländereien 200 Mark, damit er auf seine Ansprüche verzichtete. Dies zeigt aber auch, dass er wenigstens für kurze Zeit über die beanspruchten Ländereien verfügen konnte. Unterstützung des Thronanspruchs von Edward Balliol Die Beziehungen zwischen Schottland und England verschlechterten sich wieder, als nach dem Tod von Robert Bruce Edward Balliol den von seinem Vater verlorenen schottischen Thron beanspruchte und mit Hilfe eines Teils der Enterbten 1332 in Schottland einfiel. Percy verhielt sich anfangs zurückhaltend und abwartend, doch als der englische König Eduard III. nach kurzer Zeit offen Balliol unterstützte, sagte auch Percy am 9. Mai 1333 Balliol seine Hilfe zu und versprach ihm, 100 Waffenknechte oder 30 Ritter zu stellen. Balliol versprach ihm dafür Ländereien in Schottland, aus denen Percy 2000 Mark Jahreseinkünfte beziehen sollte. In weniger als drei Monaten hatte Percy sein Ziel fast erreicht. Nach der Eroberung von Berwick und dem Sieg bei Halidon Hill erhielt Percy am 29. Juli 1333 Teile von Lochmaben sowie Annandale und Moffat. Am 5. September 1333 erhielt er eine Reihe beschlagnahmter Güter bei Stirling, und am 20. September erhielt er weitere Besitzungen bei Lochmaben. Mit diesen Ländereien kam er fast auf die versprochene Summe von 2000 Mark an Jahreseinkünften. Percy war so zu einem der wichtigsten Unterstützer von Balliol geworden. Seine Bedeutung, die sich vor allem während der Belagerung von Berwick gezeigt hatte, führte dazu, dass Balliol die Ansprüche anderer Enterbter zugunsten von Percy ignorierte. Edward de Bohun, ein jüngerer Sohn von Humphrey de Bohun, 4. Earl of Hereford beanspruchte beispielsweise auch Lochmaben und Annandale, die sein Vater 1306 von König Eduard I. erhalten hatte. Als Balliol weite Teile von Südschottland an den englischen König abtrat, schien eine Lösung des Konfliktes zwischen Bohun und Percy möglich. Am 20. September 1334 trat Percy seine Ländereien in Südschottland an die englische Krone ab. Im Gegenzug erhielten er und seine Erben von Eduard III. Jedburgh Castle und den Wald von Jedburgh, die etwa 1000 Mark im Jahr wert waren, sowie eine Pension von 500 Mark, die aus den Zöllen von Berwick sowie aus der Verwaltung von Berwick Castle bestritten werden sollte. Dies waren noch nicht alle Vorteile, die Percy zu Beginn der Herrschaft Eduards III. aus den schottischen Kriegen hatte. Er hatte einem Vertrag zugestimmt, dass er lebenslang mit einer Kompanie Waffenknechte für den König dienen würde und dafür jährlich 500 Mark erhalten sollte. Am 1. März 1328 gewährte ihm die Krone unter Verzicht auf die jährlichen 500 Mark die Besitzungen der Familie Clavering in Northumberland, wozu auch die Baronie Warkworth samt Warkworth Castle gehörte. Diesen Vertrag erklärte das Parlament 1331 für unzulässig und Percy musste Warkworth dem König übergeben. Dieser vergab Burg und Baronie dann jedoch, mit Zustimmung des Parlaments, als Lehen an Percy. Der letzte männliche Angehörige der Familie Clavering starb 1332, und nach dem Tod seiner Witwe 1345 fielen alle Besitzungen der Familie in Northumberland endgültig an Percy. Sicherung der Scottish Marches Im Sommer 1334 bedrohte eine Rebellion Balliols Herrschaft in Schottland, worauf Eduard III. ihn in den nächsten drei Jahren weiter unterstützte. Nach Beginn der Rebellion ernannte Eduard am 3. August 1334 Percy und Ralph Neville zu Hütern der Scottish Marches und der Ländereien des Königs in Schottland. Im Januar 1335 schlug Percy einen schottischen Überfall auf Redesdale zurück. Im Juli 1335 spielte er eine wichtige Rolle bei einem englischen Feldzug, bei dem zwei Abteilungen nach Schottland vorstießen. Percy war dabei der Kommandeur der englischen Abteilung, die Balliol von Berwick aus führte. 1336 und 1337 begleitete er Eduard III. bei dessen Feldzügen nach Schottland. Die Engländer konnten jedoch die Herrschaft von Edward Balliol nicht mehr durchsetzen, und in den nächsten Jahren trat die Bedeutung des schottischen Unabhängigkeitskrieges gegen den beginnenden Hundertjährigen Krieg mit Frankreich zurück. Nachdem der König die Kriegsführung gegen Frankreich übernommen hatte, übernahm Percy mit die Sicherung der Grenze zu Schottland. Aufgrund dieser Stellung ernannte ihn der König am 28. April 1340 zu einem der Ratgeber für Edward, den jungen Prince of Wales, als er nach Flandern zog. Als der König und der Prince of Wales 1346 zu dem Feldzug nach Frankreich aufbrachen, der zu der Schlacht von Crecy führte, blieb Percy als einer der Verwalter des Königreichs zurück. Als der schottische König David II. daraufhin mit einer Armee in Nordengland einfiel, führte Percy die erste Abteilung der englischen Truppen, die die schottische Armee stellten und in der Schlacht von Neville’s Cross entscheidend besiegten. Wegen Krankheit konnte er jedoch am englischen Gegenangriff nach Schottland nach der Schlacht nicht teilnehmen. Die Gefangennahme des schottischen Königs und der Tod oder die Gefangennahme zahlreicher schottischer Magnaten bei Neville’s Cross bot den Engländern ähnlich wie 1333 die Gelegenheit, weite Teile Schottlands zu erobern. Am 26. Januar 1347 schloss Percy mit Lionel of Antwerp, einem jüngeren Sohn des Königs, der während der Abwesenheit seines Vaters das Reich verwaltete, ein Abkommen, nach dem er für ein Jahr mit 100 Waffenknechten und 100 berittenen Bogenschützen in Schottland diente. Die Führung der Invasionsarmee übernahm wieder Edward Balliol, der eine Abteilung der Armee von Carlisle aus führte, während Percy die andere von Berwick aus führte. Die Armee war zwar nicht stark genug, um für Balliol den schottischen Thron zurückzuerobern, sicherte jedoch die englischen Besitzungen in Südschottland und stärkte Percys Kontrolle über Jedburgh. Die beanspruchten Besitzungen bei Stirling musste er dagegen aufgeben. | BARON DE PERCY, Henry de 2nd (I57214)
|
| 3161 | Henry Pomeroy Davison Sr. (12. Juni 1867 – 6. Mai 1922) war ein amerikanischer Bankier und Philanthrop.[1] Biographie Henry Pomeroy Davison wurde am 12. Juni 1867 in Troy, Pennsylvania, als ältestes der vier Kinder von Henrietta und George B. Davison geboren. Henrys Mutter starb 1877, als er neun Jahre alt war.[2] Karriere Nach Abschluss seiner Ausbildung wurde er Buchhalter in einer Bank, die von einem seiner Verwandten geleitet wurde, und im Alter von 21 Jahren fand er eine Anstellung bei einer Bank in Bridgeport, Connecticut, der Heimatstadt seiner Frau. Drei Jahre später zog er nach New York City, wo er bei der Astor Place Bank angestellt war und einige Zeit später Präsident der Liberty National Bank wurde. Einige Jahre später war er an der Gründung und Gründung der Bankers Trust Company beteiligt.[3] 1909 wurde er Senior Partner bei JP Morgan & Company und 1910 nahm er an dem geheimen Treffen auf Jekyll Island, Georgia, teil, das den Grundstein für die Schaffung des Federal Reserve Systems im Jahr 1913 legte.[4] Engagement beim Roten Kreuz Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg im Jahr 1917 wurde Davison zum Vorsitzenden des Kriegsrats des Amerikanischen Roten Kreuzes ernannt.[5] In dieser Funktion leitete er eine Kampagne zur Gewinnung finanzieller Unterstützung für das Rote Kreuz und sammelte schnell vier Millionen Dollar, die zur Finanzierung von Krankenwagen des Roten Kreuzes verwendet wurden. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm die Distinguished Service Medal verliehen, einer der wenigen Zivilisten, die so geehrt wurden. Nach Kriegsende drängte er auf die Gründung einer internationalen Organisation, um die Arbeit der verschiedenen nationalen Rotkreuzgesellschaften zu koordinieren.[6] Auf seine Empfehlung hin wurde am 15. Mai 1919 die Liga der Rotkreuzgesellschaften von den Gesellschaften Großbritanniens, Frankreichs, Japans, Italiens und der Vereinigten Staaten gegründet. Davison wollte, dass die Liga der Rotkreuzgesellschaften das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bei der Kontrolle der Aktionen des Roten Kreuzes in internationalen Angelegenheiten ersetzt. Er argumentierte: Es sollte in Wirklichkeit und nicht nur dem Namen nach ein Internationales Komitee sein, ein Komitee, in dem Vertreter aller Länder vertreten sein werden, und nicht, wie derzeit, ein Komitee, das aus liebenswürdigen, aber etwas ineffektiven Genfer Herren besteht. Das, was sich „international“ nennt, ist ziemlich provinziell geworden … Neues Blut, neue Methoden, eine neue und umfassendere Sichtweise, diese Dinge sind notwendig.[7] Die Liga wurde 1919 mit Davison als Vorsitzendem gegründet. Allerdings „war die Schweizer Distanziertheit oder der Unilateralismus schwer zu überwinden“[8] und die Beziehung zwischen dem IKRK und der Liga wurde und blieb auch in den kommenden Jahren ein Problem. Im Jahr 1919 veröffentlichte Davison „The American Red Cross in the Great War“, ein Buch, das die Kriegsaktivitäten des Roten Kreuzes beschreibt. Er blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1922 Vorsitzender der Liga. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (der Name der Liga seit 1991) verleiht ihm zu Ehren den Henry Davison Award. Persönliches Leben Davisons Haus in New York an der 690 Park Avenue und East 69th Street, 1917 von Walker & Gillette entworfen. Am 13. April 1893 heiratete er Kate Trubee (1871–1961). Zusammen hatten sie zwei Söhne und zwei Töchter:[9] Frederick Trubee Davison (1896–1974) war Personaldirektor der Central Intelligence Agency Henry Pomeroy Davison Jr. (1898–1961) war Regisseur des Time Magazine und heiratete Anne Stillman (1902–1987), die Tochter von James A. Stillman Alice Trubee Davison (1899–1983), die 1922 Artemus Lamb Gates (1895–1976) heiratete Frances Pomeroy Davison (1903–1969), die 1926 Ward Cheney, einen Sohn von Charles Cheney, einem Partner bei J.P. Morgan & Company, heiratete.[9] Davison starb am 6. Mai 1922 im Alter von 54 Jahren auf dem Anwesen seiner Familie, Peacock Point im Locust Valley, Long Island, während er sich einer Operation zur Entfernung eines Gehirntumors unterzog.[10] Er hatte sich bereits zwei gescheiterten Gehirnoperationen unterzogen. Er überließ den Großteil seines Vermögens seiner Frau zur treuhänderischen Verwaltung.[11] | DAVISON, Henry Pomeroy ´Sr.` (I55113)
|
| 3162 | Henry war der jüngere Sohn von Roger de Beaumont und Adeline of Meulan, der Tochter von Waleran III., Graf von Meulan. Er erbte die kleinere Herrschaft von La Neubourt in der mittleren Normandie. De Beaumont steht auf der Liste der Ritter, die gemeinsam mit Wilhelm dem Eroberer nach England kamen, scheint aber an der Schlacht bei Hastings nicht teilgenommen zu haben. Er verbrachte den größten Teil seines Lebens in der Normandie, sein Name findet sich auch nicht im Domesday Book. Eine führende Rolle spielte er bei der Versöhnung des Eroberers mit seinem ältesten Sohn Robert im Jahr 1081; er stand hoch in der Gunst des Königs. Ihm wurden zahlreiche Ehrungen zuteil, 1068 wurde er Constable von Warwick Castle, kurz darauf übergab ihm König William die Burg mit dem ganzen Bezirk und Anwesen. 1079 wurde er vom König zum Berater ernannt, am 12. April 1080 in der Normandie zum Baron of the Exchequer ernannt. Als 1088 eine Reihe von Baronen unter Führung von Odo von Bayeux gegen Wilhelms Sohn und Nachfolger König Wilhelm Rufus rebellierten, zählte de Beaumont zu den wichtigsten Unterstützern von Wilhelm Rufus bei der Niederschlagung des Aufstandes. Zur Belohnung ernannte ihn der König zum Earl of Warwick und übergab ihm umfangreichen Grundbesitz in England. Der „Bear and Ragged Staff“ war das Abzeichen von Guy, einem bedeutenden Kämpfer gegen die Dänen, Henry nahm es mit seiner Erhebung zum Earl als sein Symbol an, seitdem wird des von den nachfolgenden Earls von Warwick verwendet. Odericus teilt mit, dass er sich diese Ehre durch seinen Wert und seine Loyalität verdient habe, Wace bezeichnet ihn als tapferen Mann. De Beaumont war einer der Begleiter und Freunde von Heinrich I., als sich 1100 um die Frage der Nachfolge von König Meinungsverschiedenheiten unter den Baronen entwickelten, ging die Entscheidung für Heinrich vor allem auf seinen Rat zurück. Als sich im folgenden Jahr eine Anzahl der Barone offen oder versteckt gegen den König wandte, um Herzog Robert die Krone zu verschaffen, zählte er mit seinem Bruder zu den wenigen, die dem König treu blieben. König Heinrich I. dankte ihm, indem er ihn 1106 als Nachfolger des Walisers Hywel ap Goronwy zum Lord of Gower ernannte und ihm die Erlaubnis gab, die südwalisische Halbinsel zu erobern. De Beaumont begann um 1107 mit der Eroberung von Gower und errichtete als Mittelpunkt seiner neuen Herrschaft Swansea Castle, dazu errichtete er eine Reihe von weiteren Burgen. 1116 konnte er einen Angriff des walisischen Fürsten Gruffydd ap Rhys auf Swansea zurückschlagen.[1] Von seinem Charakter her galt Henry ein ruhiger und zurückgezogener Mensch, der von seinem Bruder Robert de Beaumont, 1. Earl of Leicester, der als einer der brillantesten Männer Englands galt, deutlich überstrahlt wurde. Nach seinem Tod 1119 wurde er in der Abtei von Les Préaux bestattet. | DE BEAUMONT, Henry (I61479)
|
| 3163 | Herbergier aan de Gosediek in Rheine, Provisor van het oude hospitaal aldaar Erft het ouderlijk huis "am Gosedick" in Rheine | DANKELMANN, Georg (Jürgen) (I2971)
|
| 3164 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I48073)
|
| 3165 | Herbert von Bismarck entstammt dem Adelsgeschlecht Bismarck und war der älteste Sohn des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck und dessen Ehefrau Johanna von Puttkamer. Getauft wurde Bismarck auf besonderen Wunsch seines Vaters durch Johannes Evangelista Goßner. Taufpate war Ernst Ludwig von Gerlach.[1] Er nahm als Sekondeleutnant im 1. Garde-Dragoner-Regiment der Preußischen Armee 1870/71 am Deutsch-Französischen Krieg teil, wurde in der Schlacht bei Mars-la-Tour verwundet und mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Am 27. Januar 1899 erhielt Bismarck den Charakter als Generalmajor à la suite der Armee. 1873 trat er in das Auswärtige Amt ein, wo er zunächst überwiegend als Privatsekretär seines Vaters tätig war, aber auch an mehreren Gesandtschaften Dienst tat. So war er 1882 Botschaftsrat in London, 1884 in Sankt Petersburg und Den Haag. 1885 wurde er zum Unterstaatssekretär und am 18. Mai des folgenden Jahres[2] zum Staatssekretär des Auswärtigen Amts ernannt. Im Königreich Preußen wurde er 1888 Staatsminister, machte sich durch sein teilweise schroffes Auftreten jedoch bei einigen Zeitgenossen recht unbeliebt. Ihm wurden gute Aussichten auf die Nachfolge seines Vaters als Reichskanzler nachgesagt. Als Kaiser Wilhelm II. 1890 den Reichskanzler zum Rücktritt aufforderte, schied Herbert von Bismarck wenige Tage nach seinem Vater aus seinem Amt als Staatssekretär des Auswärtigen Amts, obwohl Wilhelm dem ausdrücklich widersprochen hatte. 1893 wurde er für die Deutsche Reichspartei in den Reichstag gewählt. Bismarck war Mitglied des Corps Borussia Bonn. 1881 erregte seine Affäre mit der noch verheirateten Fürstin Elisabeth zu Carolath-Beuthen Aufsehen. Sein Vater sträubte sich mit allen Mitteln gegen diese Verbindung, drohte seinem Sohn erst mit Enterbung, dann mit Selbstmord und erreichte schließlich, dass die beiden ihre Liaison lösten. 1892 heiratete Herbert von Bismarck in Wien Marguerite Malvine Gräfin von Hoyos (1871–1945), die Tochter von Georg Anton Graf von Hoyos und der Alice, geb. Whitehead und somit Enkelin des Erfinders Robert Whitehead, mit der er fünf gemeinsame Kinder hatte. Im Vorfeld der Hochzeit entwickelte sich eine politische Krise, da Otto von Bismarck die Reise zur Hochzeit seines Sohnes für eine „Großdeutsche Rundreise“ nutzen und dabei König Albert von Sachsen, Prinzregent Luitpold von Bayern und letztendlich Kaiser Franz Joseph von Österreich treffen wollte. Wilhelm II., der sich seit der Entlassung des Fürsten in einer Privatfehde mit den Bismarcks befand und von diesen öffentlich kritisiert wurde, schrieb persönlich an den österreichischen Kaiser, um eine Audienz zu verhindern. Außerdem wies er den deutschen Botschafter in Wien Heinrich VII. Prinz Reuß an, von der Hochzeit keinerlei Notiz zu nehmen. Am 16. Juni 1892 teilte der österreichisch-ungarische Außenminister Gustav Kálnoky Reuß schließlich mit, dass Kaiser Franz Joseph eine Audienz für Otto und Herbert von Bismarck ablehne.[3] Ähnlich früh wie sein jüngerer Bruder Wilhelm von Bismarck starb Herbert von Bismarck an einem durch seine Alkoholkrankheit ausgelösten Leberleiden.[4] Die „Fürstin Herbert“, wie seine Witwe genannt wurde, zog nach der Übernahme von Friedrichsruh durch den Sohn Otto nach Schloss Schönhausen (Altmark). | VON BISMARK, Nikolaus Heinrich Ferdinand Herbert (I58097)
|
| 3166 | Herdern, mit rund 400 Einwohnern, hat sich jeher im Dorf und in weitem Umkreis um Kirche und Schloss gesammelt. http://www.herdern.ch/xml_1/internet/de/application/d5/f15.cfm | VON HOHENLANDENBERG, Johann I. (I8099)
|
| 3167 | Herdern, mit rund 400 Einwohnern, hat sich jeher im Dorf und in weitem Umkreis um Kirche und Schloss gesammelt. http://www.herdern.ch/xml_1/internet/de/application/d5/f15.cfm | VON HOHENLANDENBERG, Hans (I8103)
|
| 3168 | HERIBERT VON LAON Sein Vater ist unbekannt, seine Mutter war BERTRADA DIE ÄLTERE, Tochter des (Pfalzgrafen) HUGOBERT aus der Familie der HUGOBERTINER und der IRMINA VON OEREN; da Bertrada 721 die Stifterin der ABTEI PRÜM war, wurde er für diese Einrichtung zum Mitstifter. Seine Tochter war BERTRADA DIE JÜNGERE, die Ehefrau PIPPINS DES JÜNGEREN; des fränkischen Hausmeiers und späteren Königs. Dadurch war Heribert von Laon der Großvater mütterlicherseits von KARL DEM GROßEN. | VON PRUEM, Bertrada (I18389)
|
| 3169 | Heribert, der in den Quellen ab 877 nachweisbar ist, wurde 886/898 Graf von Soissons und Laienabt vom Kloster des heiligen Crispinus in Soissons, 888/889 Graf von Meaux und Madrie, und war in dieser Zeit gemeinsam mit dem Erzbischof Fulco von Reims, einer der Anführer der Adelsopposition gegen den neuen König Odo von Paris, der 888–898 der erste Robertiner auf dem französischen Thron war. Am 28. Januar 893, dem Jahrestag von Karls des Großen Tod, krönten Heribert und Fulco Karl den Einfältigen, den Sohn Ludwigs des Stammlers zum Gegenkönig, eine Maßnahme, die erst nach Odos Tod 898 Erfolg hatte, unter anderem deswegen, weil Odo nach und nach die Parteigänger Karls auf seine Seite zog, darunter schließlich auch Heribert, dem er dafür 896 die wichtige Grafschaft Vermandois übergab. Heribert weitete nach dem Erwerb des Vermandois seine Macht in die Champagne aus, ohne vom König dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Bei Auseinandersetzungen um Vermandois hat er am 28. Juni 896 den Grafen Rodulfus aus dem Haus Flandern getötet. Ebenso wie Fulco von Reims wurde auch Heribert einige Jahre später am 6. November 907 im Auftrag des Grafen Balduin II. von Flandern, eines älteren Bruders des Rodulfus, ermordet. Heriberts Ehefrau ist unbekannt[1]. Er hatte vielleicht einen Sohn und drei Töchter[2], direkte Quellenzeugnisse dazu gibt es jedoch nicht[3]: | (VERMANDOIS), Heribert I. (I11054)
|
| 3170 | Heribrand war der Sohn und Erbe von Heribrand II. von Hierges, Kastellan von Bouillon, und dessen Gattin Hedwig von Orchimont. Hierges gehörte damals zur französischen Grafschaft Champagne, während Bouillon zum deutschen Herzogtum Niederlothringen gehörte. Heribrands Lehnsherr für Bouillon war Herzog Gottfried von Bouillon. Er war mit Hodierna († 1118), der Tochter des Grafen Hugo I. von Rethel verheiratet. Hodierna war eine Schwester Balduins von Bourcq, der 1100 Graf von Edessa und 1118 König von Jerusalem wurde. Zusammen mit seinem Schwager Balduin nahm er im Heer Gottfrieds am Ersten Kreuzzug (1096–1099) teil. Der Chronist Albert von Aachen erwähnt ihn namentlich bei der Belagerung von Nicäa 1097.[1] Mit Hodernia hatte er einen Sohn, Manasses von Hierges († 1176). Dieser war von 1140 bis 1152 im Heiligen Land und machte dort als Konstabler von Jerusalem Karriere. | VON HIERGES, Heribrand III. (I52230)
|
| 3171 | Herkunft 1933 stellte Kimpen die These auf, dass Richenza und Ida von Elsdorf Töchter des Ezzonen Otto, zunächst Pfalzgraf und dann Herzog von Schwaben, gewesen seien. Obwohl Kimpen seine Hypothese später selbst verwarf, wurde sie von den Kommilitonen Lange und Hucke in ihren Dissertationen über die Northeimer und Udonen übernommen. Während die umfangreichen genealogischen Überlegungen zu Ida von Elsdorf diese These nicht bestätigten, wurde die Abstammung ihrer angeblichen Schwester Richenza von Herzog Otto von Schwaben wenig in Frage gestellt. Im Gegenteil diente sie mehrfach als Begründung für den Aufstieg ihres zweiten Ehemanns Otto von Northeim zum Herzog von Bayern. Insbesondere Lewald wies 1979 bei ihrer Untersuchung über die Ezzonen darauf hin, dass Herzog Otto von Schwaben nicht von seiner Schwester beerbt worden sein könnte, wenn er Töchter gehabt hätte. Borchert kam 2005 aufgrund der im Elbe-Weser-Raum liegenden Erbgüter der Richenza zum Ergebnis, dass sie aus einer dortigen Familie stammen müsse. Da Richenza ihren Söhnen drei Haupthöfe entlang des linken Ufers der Unterelbe mit ca. 150 Hufen hinterließ, die im Gemengelage mit dem Erbgut des Billungers Wichmann II. liegen, dürfte sie eine Nachfahrin seines Bruders Ekberts des Einäugigen gewesen sein. | (WERL-NORTHEIM), Richenza (I35897)
|
| 3172 | Herkunft Adam Heinrich entstammte einem alten Adelsgeschlecht und war der Sohn des schwarzburgischen Oberst Adam Heinrich von Wolfframsdorff und dessen Ehefrau Magdalene Sophie. Militärkarriere Wolfframsdorff war zunächst ab 1736 Page am Hof in Rudolstadt in Thüringen. Er wurde dann am 1. Februar 1741 als Gefreiterkorporal im Infanterieregiment No10 (1806) „Dietrich von Anhalt“ der Preußischen Armee angestellt. Mit diesem beteiligte er sich während des Feldzuges 1741/42 an den Schlachten bei Mollwitz und Chotusitz und machte die Belagerungen von Brieg und Neiße mit. Als Fähnrich (seit 24. Dezember 1743) kämpfte er während des Zweiten Schlesischen Krieges bei Kesselsdorf. Am 17. Januar 1746 folgte seine Ernennung zum Sekondeleutnant. Im Siebenjährigen Krieg von 1756n bis 1763, rückte Wolfframsdorff mit seinem Regiment zunächst in Sachsen ein und beteiligte sich an der Belagerung bei Pirna, die mit der Kapitulation der Sächsischen Armee endete. Anschließend wurde er am 7. November 1756 zum Premierleutnant befördert. Im weiteren Kriegsverlauf nahm er dann an der Belagerung von Prag sowie den Schlachten bei Breslau und Leuthen teil, wurde am 21. Januar 1758 Stabskapitän und kurz darauf Kapitän sowie Kompaniechef. Er kämpfte dann bei Torgau und wurde bei Freiberg verwundet. Nach dem Frieden von Hubertusburg verblieb Wolfframsdorff weiterhin in seinem Regiment und wurde in den folgenden Jahren am 1. April 1764 zum Major, am 18. Juli 1773 zum Oberstleutnant sowie am 25. Januar 1777 zum Oberst befördert. Während des Feldzuges 1778/79 nahm das Regiment an keinen nennenswerten Kampfhandlungen teil und Wolfframsdorff wurde am 20. Juli 1779 zum Regimentskommandeur ernannt. Am 5. April 1785 wurde er dann Chef des Füsilierregiments „von Keller“ und als solcher kurz darauf am 20. Mai 1785 zum Generalmajor befördert. Seine langjährigen militärischen Verdienste würdigte Friedrich Wilhelm II. am 19. August 1787 mit der Verleihung des Ordens Pour le Mérite. Drei Jahre später wurde er Generalleutnant. Während des Feldzuges 1792/93 wurde Wolfframsdorff unter Verleihung Großen Roten Adlerordens am 20. Juli 1793 zum Gouverneur von Mainz ernannt. Krankheitsbedingt wurde er am 15. Januar 1794 von seinem Posten entbunden und am 28. Dezember 1794 mit einer Pension von 1200 Talern aus dem Militärdienst entlassen. Familie Wolfframsdorff war mit Sophie Charlotte Dorothea Hickmann, verwitwete Hermann (* 1728 in Glogau; † 11. Januar 1810) verheiratet. Sie hatten vier gemeinsame Kinder und seine Frau brachte vier Kinder in die Ehe ein, die von Wolfframsdorff am 26. Februar 1787 adoptiert wurden. Johann Heinrich (* 8. August 1755 in Kemnitz, Oberlausitz, Sachsen), Kriegsrat bei der Kriegs- und Domänenkammer Hamm Johann Wilhelm (* 8. Januar 1761 in Kemnitz, Oberlausitz, Sachsen; † 25. Februar 1840 in Torgau), Oberstleutnant und Artillerist Sophie Charlotte Dorothea ⚭ Prediger Wendt, Brockhagen Dorothea Amalie ⚭ Major von Schkopp Sophie (* 1765) ⚭ Kapitän Christian Ferdinand von Vaerst Marie Auguste (* 1766) ⚭ Kapitän August Wilhelm von Leipziger Christine Henriette (* 1767) ⚭ Major Johann Balthasar von Seydlitz Christian Friedrich Heinrich (* 1768; † 25. Dezember 1841 in Oels), Oberstleutnant, Platzmajor in Breslau Literatur Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 2, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. [1937], DNB 367632772, S. 195–196, Nr. 710. Schlesische Provinzialblätter, Band 19, 1794, Glogauer Bürger feiern Wolfframsdorff Wolfframsdorf. In: Marcelli Janecki, Deutsche Adelsgenossenschaft (Hrsg.): Jahrbuch des Deutschen Adels. Dritter Band. W. T. Bruer’s Verlag, Berlin 1899, S. 833–834 (dlib.rsl.ru). | VON WOLFRAMSDORF, Adam Heinrich (I45787)
|
| 3173 | Herkunft Alexander war der Sohn von Karl Nikolaus Alexis von Simolin (* 1756; † 30. Juli 1796) und dessen Ehefrau Sibylle, geborene von Trotta genannt Treyden (* 30. Juni 1758; † 17. Juli 1797). Sein Vater war Herr aus Neuhausen, Weitenfeld und Stirnen in Kurland. Militärkarriere Im Februar 1803 kam Simolin als Junker in das Kürassierregiment „von Borstell“ und avancierte Ende März 1804 zum Kornett. Als solcher nahm er während des Vierten Koalitionskriegs an der Schlacht bei Auerstedt teil und wurde nach der Kapitulation von Magdeburg inaktiv gestellt. Nach dem Frieden von Tilsit wurde Simolin am 4. September 1807 zum Sekondeleutnant und am 12. Dezember 1807 mit Patent vom 7. Oktober 1807 in das Brandenburgische Kürassier-Regiment versetzt. Als die Preußische Armee mit dem Vorbereitungen für den Angriff auf Kurland begannen, nahm er seine Abschied und erhielt am 1. Mai 1812 seine Demission, um in russische Dienste zu wechseln. Auf russischer Seite nahm Simolin 1812 an den Kämpfen gegen Preußen in Kurland teil. Für das Gefecht bei Eckau erhielt er den Orden der Heiligen Anna III. Klasse, ferner kämpfte er bei Dahlenkirchen und Dünaburg. Am 22. April 1814 kam Simolin als Rittmeister und Eskadronchef in das 2. Husaren-Regiment der russisch-deutschen Legion und wurde bereits am 2. Juni 1814 zum Major befördert. Mit der Legion kämpfte Simolin während der Befreiungskriege bei den Belagerungen von Hamburg, Maulbeuge, Givet sowie in der Schlacht bei Belle Alliance. Für die Schlacht an der Göhrde erhielt Simolin den Orden der Heiligen Anna II. Klasse und für Sehestedt den Orden des Heiligen Wladimir II. Klasse. Er kämpfe ferner bei Namur und erwarb bei Fleurus das Eiserne Kreuz II. Klasse. Als die Legion in preußische Dienste übertrat, wurde Simolin am 29. März 1815 als Major mit Patent vom 13. April 1814 angestellt. Er kam daraufhin als Eskadronchef in das 11. Husaren-Regiment und stieg Mitte September 1817 zum etatsmäßigen Stabsoffizier auf. Mit der Beförderung zum Oberstleutnant beauftragte man Simolin am 30. März 1829 mit der Führung des 8. Husaren-Regiments. Ein Jahr später erfolgte seine Ernennung zum Regimentskommandeur. In dieser Eigenschaft wurde er am 30. März 1832 mit Patent vom 2. April 1832 zum Oberst befördert. Daran schloss sich ab dem 30. März 1838 eine Verwendung als Kommandeur der 2. Kavallerie-Brigade in Danzig an sowie am 30. März 1839 die Beförderung zum Generalmajor an. In Genehmigung seines Abschiedsgesuches und unter Verleihung des Roten Adlerordens II. Klasse mit Eichenlaub wurde Simolin am 10. März 1842 mit Pension verabschiedet. Nach seinem Abschied lebte er ein Jahr in Italien, kehrte aber nach Preußen zurück und starb am 5. Juli 1866 in Düsseldorf. Er war von 1840 bis 1843 Herr auf Berghof und Apussen in Kurland. In seiner Beurteilung aus dem Jahr 1840 schrieb der General von Wrangel: „Sein Charakter und seine Moralität sind von großer Gediegenheit und zeigt er regen Eifer im Dienst, mit dessen Detail er gründlich vertraut ist. Auch ist er als Kommandeur einer Brigade wohl brauchbar, doch als Führer größerer Kavallerieabteilungen würde er dem Staate im Kriege wenig Nutzen bewähren; denn bei den Felddienstübungen, wo sich ihm manche schöne Gelegenheit mit Erfolg zu attackieren darbot, wurde sie nicht benutzt, weil ihm der schnelle Überblick und der Entschluss zum Handeln fehlte. Er ist daher zu höheren Posten durchaus nicht geeignet.“ Familie Simolin heiratete am 26. Mai 1838 in Düsseldorf die Bankierswitwe Wilhelmine Henriette Weiland (* 7. März 1803; † 26. Juni 1874[1]) verwitwete Martini. Aus der Ehe ging die Tochter Elisabeth Karoline Wilhelmine (* 28. Februar 1841; † 5. Dezember 1912) hervor, die sich am 10. Juni 1858 mit dem späteren Major und Kommandeur der Militärreitschule in Hannover[2] Goswin Freiherr von Vaerst (* 6. März 1836; † 24. Juni 1882) verheiratete. | VON SIMOLIN, Alexander Heinrich Alexius (I45803)
|
| 3174 | Herkunft August von der Heydt stammte aus der angesehenen Kaufmannsfamilie von der Heydt zu Elberfeld. Sein Vater war Daniel Heinrich von der Heydt (1767–1832), Bankier, Stadtrat, Bürgermeister sowie Präses des Handelsgerichts in Elberfeld. Seine Mutter war dessen Ehefrau Wilhelmine Kersten (1771–1854). Sein Großvater Abraham Kersten (1733–1796) aus Spangenberg in Hessen war ebenfalls Bankier und Kaufmann. Dieser hatte bereits 1754 das Bankhaus Abraham Kersten gegründet und 1794 Daniel von der Heydt als Teilhaber aufgenommen und so das Bankhaus von der Heydt-Kersten geschaffen. Leben Er übernahm nach einem Aufenthalt in England und Frankreich mit zwei Brüdern das Bankgeschäft des Vaters. Er heiratete am 6. Juni 1836 in Elberfeld die ebenfalls aus Elberfeld stammende Julie Blank (1804–1865). An den öffentlichen Angelegenheiten seiner Vaterstadt nahm er lebhaften Anteil und wurde 1841 von dieser in den Provinziallandtag der Rheinprovinz, 1847 auch in den Vereinigten Landtag deputiert. Hier trat er durch seine parlamentarische Begabung hervor. 1848 gehörte er dem Vorparlament an.[1] Ende 1848 von Elberfeld in die Nationalversammlung gewählt, übernahm er im Kabinett Brandenburg-Manteuffel am 4. Dezember 1848 das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten. Im Jahr 1858 ging er auch in das Kabinett Hohenzollern über. Sein Departement verwaltete er mit Energie, wobei ihm auch „manche büreaukratische Willkür“ zur Durchsetzung staatlicher Interessen nachgesagt wurde. Nach ihm benannt sind die Siedlung Von der Heydt bei Saarbrücken, die Zeche Von der Heydt in Herne sowie der Von-der-Heydt-Schacht in Ibbenbüren. Von der Heydt wurde auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg beigesetzt. Die Grabstätte gehört seit 1984 zu den Ehrengräbern der Stadt Berlin. Politik Obwohl von Haus aus ein Liberaler und dem kommerziellen Eisenbahnbau zugeneigt, zeigte er sich im Dienste Preußens als Anhänger des Staatsbahngedankens. Auf seine Bemühungen erfolgte zunächst der Bau und Betrieb der Preußischen Ostbahn auf Staatskosten, später auch wesentliche Erweiterungen der staatlichen Eisenbahnen durch Betriebsübernahmen und Zukäufe. 1850 war er Abgeordneter im Volkshaus des Erfurter Unionsparlaments. Gleichzeitig mit der Dienstentlassung der Minister Auerswald, Patow, Pückler, Schwerin und Bernuth aus dem Kabinett Hohenlohe vom 17. März 1862 wurde „von der Heydt, unter interimistischer Belassung der oberen Leitung des Staatsministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, zum Finanz-Minister“ ernannt.[2] Mit dem Eintritt Otto von Bismarcks am 24. September 1862 schied er aus dem Kabinett wieder aus und wurde im Januar 1863 in den erblichen preußischen Freiherrenstand erhoben. Von 1855 bis 1862 und erneut von 1863 bis 1870 gehörte er dem Preußischen Abgeordnetenhaus an, von 1854 bis zu seinem Tode war er Mitglied des Preußischen Staatsrates.[3] Kurz vor Ausbruch des Krieges mit Österreich, am 5. Juni 1866, übernahm er zum zweiten Mal das Finanzministerium und verstand es, die Geldmittel für den Feldzug ohne Anleihe zu beschaffen. Mit Geschick leitete er auch die Finanzoperationen für das Retablissement der Armee, die Dotierung des Staatsschatzes etc. Als aber die Geschäfte zu stocken anfingen und ein Teil des Etats an den Norddeutschen Bund überging, prophezeite August von der Heydt ein großes Defizit und verlangte eine Menge neuer Steuern im Reichs- und Landtag, die sämtlich nicht bewilligt wurden. Am 26. Oktober 1869 erhielt er unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens die erbetene Entlassung. Von August 1867 bis Ende März 1870 war er Mitglied des Reichstages des Norddeutschen Bundes, schloss sich im Parlament jedoch keiner Fraktion an.[4] | VON DER HEYDT, August (I53413)
|
| 3175 | Herkunft Clemens Brentano war der zweite Sohn des Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano (aus der Linie der Brentano di Tremezzo) und dessen (zweiter) Ehefrau, der vom jungen Goethe verehrten Maximiliane von La Roche, und war damit ein Enkel von Sophie von La Roche. Zu seinen zahlreichen Geschwistern gehörten Bettina, die ebenso eine bedeutende Schriftstellerin der Romantik war, Georg, Christian, Sophie, Ludovica („Lulu“), Kunigunde („Gunda“), die mit dem Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny verheiratet war, sowie Magdalene („Meline“; verheiratete von Guaita). Er wurde katholisch getauft; der in vielen Lexika anzutreffende zweite Vorname Maria gehört nicht zu seinen Taufnamen. Brentano benutzte in seinen ersten Veröffentlichungen den Namen Maria als Pseudonym und hat stets den 8. September, den Feiertag von Mariä Geburt, als seinen Geburtstag angegeben. Der Name wird sehr oft Clemens von Brentano geschrieben, doch beruht diese (fälschliche) Annahme einer Nobilitierung des Dichters auf einer Verwechslung mit dem Diplomaten Clemens von Brentano (1886–1965), der mit Clemens Brentano nur entfernt – als Ururenkel seines Halbbruders Franz Dominicus Brentano – verwandt ist. Clemens Brentano wuchs unter mehrfachem Wohnortwechsel in Frankfurt am Main und Koblenz sowie kurzzeitig in Heidelberg und Mannheim auf.[1] Während einer Reise freundete sich Clemens Brentano in Jena mit den gleichaltrigen Hans von Bostel (1779–1839) und Friedrich Carl von Savigny (1779–1861) an. Von Savigny lehrte nach 1800 an der Universität Marburg. Sein erster Marburger Schüler war Jacob Grimm, über ihn stieß auch dessen Bruder Wilhelm Grimm zu dem Kreis hinzu. 1804 vermählte sich Savigny mit Kunigunde Brentano, der älteren Schwester von Clemens und Bettina Brentano. 1805 lernte Savigny auch Achim von Arnim kennen und begegnete Karoline von Günderrode. 1811 heiratete Bettina Brentano Achim von Arnim. Aus ihr wurde als Bettina von Arnim eine bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik. Dieser Kreis hielt sich häufig auf Hof Trages auf. Clemens Brentano schrieb hier in den 1830ern sein berühmtes Märchen Gockel, Hinkel und Gackeleia (erschienen 1838). Die Geschichte beginnt mit dem Satz „In Deutschland in einem wilden Wald, zwischen Gelnhausen und Hanau, lebte ein ehrenfester bejahrter Mann […]“. Im weiteren Text enthaltene Ortsbeschreibungen lassen vermuten, dass die romantische Klosterruine des nahen Klosters St. Wolfgang bei Hanau als Vorlage für den Schauplatz „Gockelsruh“ diente. Studium Göttinger Gedenktafel für Clemens Brentano an der Ratsapotheke, Weender Straße 30.[2] Nach dem Scheitern einer kaufmännischen Lehre 1795–1796 in Langensalza[3] studierte Brentano ab dem 19. Mai 1797 in Halle Bergwissenschaften und wechselte am 5. Juni 1798 zum Medizinstudium an die Universität Jena.[4] Statt sein Studium abzuschließen, widmete er sich aber immer mehr seinen literarischen Neigungen. In Jena lernte er die Vertreter der Weimarer Klassik (Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried von Herder, Johann Wolfgang von Goethe) und der Frühromantik (Friedrich Schlegel, Johann Gottlieb Fichte und Ludwig Tieck) kennen. Letztere ist ab 1800 in Jena personell nahezu vollständig vertreten.[5] Von ihren Werken und literaturtheoretischen Schriften ließ Brentano sich zu seinen ersten Werken anregen, vor allem zu dem Roman Godwi, in dem auch einige der bekanntesten Gedichte Brentanos enthalten sind (Zu Bacharach am Rheine, Sprich aus der Ferne, Ein Fischer saß im Kahne). 1801 in Göttingen, wo er als Student der Philosophie eingeschrieben war, lernte er Ludwig Achim von Arnim kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband und mit dem er 1802 eine Reise auf dem Rhein unternahm. In den nächsten Jahren wohnte er bis 1811 immer wieder über längere Zeiträume hinweg mit Arnim zusammen. Clemens Brentano, Büste von Christian Friedrich Tieck, 1803 Unterschrift von Clemens Brentano, im Brief an Susanne Schinkel, 17. Juli 1811 Clemens Brentano (Bild aus einem Lexikon von 1906; Ausschnitt aus einer Radierung von Ludwig Emil Grimm, 1837) Ehen Nach seiner Heirat mit der Schriftstellerin Sophie Mereau zog er 1804 nach Heidelberg, wo er mit Arnim die Zeitung für Einsiedler und die Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn herausgab. Der mit ihm befreundete Werner von Haxthausen schenkte den Band schon 1806 seiner Halbschwester Therese, Mutter der damals 9-jährigen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff[6]. Seine Frau starb 1806 bei der Geburt des dritten Kindes; auch die beiden ersten Kinder – Achim und Joachime – sind nur wenige Wochen alt geworden. Zudem hatte Sophie eine Fehlgeburt erlitten. Wenige Monate später heiratete Brentano Auguste Bußmann, behielt aber sein „Wanderleben“ bei (Aufenthalte in Kassel und Landshut). Die von Hans Magnus Enzensberger als Prototyp der Amour fou beschriebene Beziehung ist das Thema im Kinofilm Requiem für eine romantische Frau von Dagmar Knöpfel. Diese zweite Ehe wurde 1814 geschieden. Brentanos Verhältnis zu seinen Frauen war problematisch. War er mit Sophie zusammen, stritten sie sich häufig, auf Reisen schrieb er immer wieder, wie sehr sie ihm fehle. Er war außerdem eifersüchtig und hielt ihr immer wieder eine frühere Affäre vor.[7] Er heiratete Auguste nach ihrer gemeinsamen Flucht von Frankfurt nach Kassel, sie war damals 16 Jahre alt. Sie flirtete gerne mit anderen Männern und spielte ihm kindliche Streiche, die ihn sehr ärgerten. Er bereute diese Heirat.[8] Berlin, Böhmen, Wien Seit Ende 1809 hielt er sich in Berlin auf, wo er am literarischen Leben teilnahm und an seinem (bereits seit 1802 entstehenden und erst postum veröffentlichten) Versepos Romanzen vom Rosenkranz und an den (ebenfalls erst nach seinem Tod erschienenen) Rheinmärchen arbeitete. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der seit 1810 bestehenden Deutschen Tischgesellschaft, deren antijudaistische, zum Teil in Antisemitismus übergehende Tendenz er unter anderem mit seiner Schrift Der Philister vor, in und nach der Geschichte aktiv unterstützte. Antijudaistische Anspielungen begegnen auch in vielen weiteren seiner nach 1810 entstandenen Werke, z. B. in Gockel, Hinkel und Gakeleia. Das bekannteste seiner religiösen Werke, Das bittere Leiden, versammelt fast alle Topoi des christlichen Antijudaismus. Dagegen findet sich in einem anderen, etwa gleichzeitig entstandenen Werk, dem Leben Jesu, eine genaue und offenbar mit Sympathie geschriebene Schilderung des Judentums zur Zeit Christi. Nur kurze Zeit währte seine Mitarbeit an Heinrich von Kleists Berliner Abendblättern; sie endete nach Differenzen mit Kleist. 1811 reiste Brentano von Berlin ab, um sich die nächsten beiden Jahre in Böhmen und seit 1813 in Wien aufzuhalten. In dieser Zeit entstanden die Dramen Aloys und Imelde (erst 1912 veröffentlicht) und Die Gründung Prags (1815 im Druck erschienen). Der Versuch, sich in Wien als Bühnenautor zu etablieren, führte zu einem eklatanten Misserfolg. Rückkehr nach Berlin Seit seiner Rückkehr nach Berlin im Jahr 1815 befand sich Brentano in einer Lebenskrise, die ihn zunächst zur pietistischen Erweckungsbewegung und schließlich zur Rückkehr zur katholischen Kirche führte. Dieser Schritt wurde motiviert durch die Bekanntschaft mit der Pastorentochter Luise Hensel, die er Ende 1816 kennenlernte. Zunächst erwog der geschiedene Brentano den Übertritt zum Protestantismus, um Luise Hensel heiraten zu können. Als sie seinen Antrag zurückwies, bemühte er sich um die Bekehrung der Freundin zur katholischen Kirche; 1818 konvertierte sie. Er legte 1817 die Generalbeichte ab und inszenierte seinen Verzicht auf weltliches Dichtertum, ohne sich jedoch im Privaten von der Dichtung zu verabschieden. Die Luise Hensel gewidmete Lyrik (u. a. O schweig nur Herz, Ich bin durch die Wüste gezogen) verbindet Elemente frühromantischer Dichtungstheorie mit religiösen und erotischen Themen. Etwa seit 1816 entstand auch ein Teil der Italienischen Märchen, darunter die erste Fassung von Gockel, Hinkel und Gackeleia. Brentano als Bischof (Scherenschnitt von Luise Duttenhofer) Dülmen → Hauptartikel: Anna Katharina Emmerick#Clemens Brentanos Emmerick-Schriften 1818 löste er seinen Berliner Hausstand auf, um die nächsten sechs Jahre im westfälischen Dülmen die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick an deren Krankenlager in vierzig Foliobänden aufzuzeichnen. Im Ergebnis veröffentlichte er vier Werke aus dem Themenkreis der Emmerick-Visionen: Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi, das Leben der hl. Jungfrau Maria, das Leben Jesu und eine von Karl Erhard Schmöger vervollständigte Biographie der Nonne. Wie sich in Untersuchungen, die während des ersten Seligsprechungsverfahrens Anna Katharina Emmericks unternommen wurden, erwies, sind Brentanos Aufzeichnungen keine reinen Gesprächsnotizen, sondern vermischen die Aussagen Emmericks mit eigenen Anmerkungen sowie schriftstellerischen Passagen. Deshalb ist es schwer, den authentischen Wert der Visionsschriften zu bewerten. In der Zeit in Westfalen lernte Brentano über seinen Freund Hans von Bostel auch die strenggläubige Familie Diepenbrock kennen. Die Tochter Apollonia Diepenbrock machte er mit Luise Hensel bekannt – ebenfalls eine Freundin Anna Katharina Emmericks – und beeinflusste dadurch ihren Lebensweg; Apollonia Diepenbrock pflegte ihn später an seinem Sterbebett. Frankfurt und München Nach dem Tod der Emmerick (1824) lebte Brentano an wechselnden Orten, ab 1829 in Frankfurt, ab 1832 in Regensburg und ab 1833 in München. In dieser Zeit arbeitete er an Büchern, in denen er die Visionsaufzeichnungen verarbeitete: Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi (1833), Leben der heiligen Jungfrau Maria (1852, postum), Lehrjahre Jesu (1858–1860 in einer Bearbeitung von Karl Erhard Schmöger erschienen; authentische Ausgabe zuerst 1983) und eine Biographie Anna Katharina Emmericks (unvollendet; 1867–1870 in Schmoegers Bearbeitung; authentische Ausgabe zuerst 1981). Mit seinem Buch Die Barmherzigen Schwestern (1831) unterstützte er die Einführung der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in Deutschland; zugleich ist das Werk einer der Höhepunkte deutscher Prosa. Als Organisator laikaler sozialkaritativer Tätigkeiten, die bei Brentano stets mit der Pflege enger persönlicher Beziehungen zu Frauen verbunden waren, hat Brentano eine nicht unerhebliche Bedeutung in der Vorgeschichte des katholischen Vereinswesens. 1833 lernte Brentano in München die Schweizer Malerin Emilie Linder kennen. Wie bei früheren Frauenbekanntschaften wiederholten sich Liebeswerbung und Bekehrungsbemühungen; wie früher entzog sich die Freundin diesen Forderungen, ohne aber von ihnen ganz unbeeindruckt zu bleiben. Sie konvertierte nach Brentanos Tod zur katholischen Kirche. Im Zusammenhang mit Brentanos später Liebe zu ihr entstand sein lyrisches Spätwerk (u. a. Ich darf wohl von den Sternen singen). Wie die Linder-Lyrik, so knüpfen auch die in den 1830er Jahren entstandenen Märchenromane (Fanferließchen Schönefüßchen, zu Lebzeiten unveröffentlicht; Gockel, Hinkel und Gackeleia, 1838 erschienen) an das dichterische Werk aus der Berliner Zeit 1810–1818 an; zu den komplexesten und interessantesten seiner Arbeiten gehört das 102 Strophen lange Gedicht Alhambra. Neben diesen hochartifiziellen Werken beteiligte Brentano sich zeitweise aktiv an der propagandistischen Tätigkeit des katholischen Kreises um Joseph von Görres. Inwieweit er die politischen Absichten des restaurativen Konservatismus teilte, ist eine nicht leicht zu beantwortende Frage. Zeitgenossen, unter denen manche ihn für einen Satanisten oder für eine „dämonische“ Gestalt hielten, fiel die irritierende Vieldeutigkeit seines Lebenswandels und seiner mündlichen und unveröffentlichten schriftlichen Äußerungen auf, die sich mit dem Bild des fromm gewordenen alternden Dichters schlecht vereinbaren ließ. Die Orthodoxie seiner „religiösen“ Werke war immer umstritten, es kam jedoch nie zu einer Indizierung der außerordentlich erfolgreichen Werke durch die römische Indexkongregation. Nach dem Ersten Vatikanischen Konzil haben sich auffällig viele von Brentanos ehemaligen, zu dieser Zeit noch lebenden Freunden und Bekannten von der Kirche abgewandt, ebenso viele aber gehörten zu den besonders entschiedenen Anhängern der Kirche. Die letzten Lebensjahre Brentanos waren von Schwermut geprägt. Am 5. Juli 1842 zog er zu seinem Bruder Christian nach Aschaffenburg, in dessen Haus er nach wenigen Wochen im Alter von 63 Jahren starb. Er ist auf dem Aschaffenburger Altstadtfriedhof beigesetzt. Die Grabstätte steht unter Denkmalschutz. | BRENTANO, Clemens Wenzeslaus (I52656)
|
| 3176 | Herkunft Der Name leitet sich wahrscheinlich vom in Münster gelegenen Brockhof und dem damit verbundenen Schultheißamt ab, der zum münsterischen Domkapitel gehörte und dessen Ursprung in spät karolingischer Zeit angenommen wird. Als frühe Leitnamen wurden Hermann und Rolof an Angehörige der Familie vergeben. Wahrscheinlich bestand eine Stammesverwandtschaft mit denen von Bevern, von Steinfurt und den Edelherren von Meinhövel (die ein ähnliches Wappen führen) und weiteren westfälischen Dynastengeschlechtern.[1], z. B. mit den Deckenbrock / Droste zu Hülshoff. Nach Kneschke werden bereits im 10. Jahrhundert die von Münster als angesehene Ritter genannt. In älterer Literatur wird als Stammvater der vermutete Erbauer von Burg Meinhövel unweit von Nordkirchen, Hermann I., Sohn von Ethelhard und Bruder von Albion, genannt. Er soll als Heerführer der Sachsen gegen Karl den Großen 789 bei Harstatt gefallen und mit Asta, der Schwester des norwegischen Königs, verheiratet gewesen sein.[2] Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht im Jahr 1170 mit Ernestus de Monasterio.[3] Die Stammgüter lagen in Westfalen, vor allem im Hochstift Münster. In einer Urkunde von 1226 wird Ritter Hermann I. von Münster als Bewohner der Wallburg Haskenau in Handorf (Münster) genannt. Im Familienbesitz waren neben Lehn- auch Allodialgüter. Die Bischofskirche zu Münster wurde auf den Besitzungen des Geschlechts errichtet, weshalb sie auch bis 1268 das Patronatsrecht ausübten. Im selben Jahr mussten sie nach langen Streitigkeiten dieses Recht an das Bistum Münster für 800 Mark abtreten.[2] Frühe Lehnsverhältnisse bestanden auch zur Abtei Werden. Mitglieder der Familie zählten zu den Förderern des 1142 gegründeten Klosters Hohenholte und traten als Ministeriale, Burgmannen und Drosten der Bischöfe von Münster, Osnabrück und der Grafen von Bentheim auf. | VON MÜNSTER, Jutta (I18756)
|
| 3177 | Herkunft Die Colombs Marie-Elisabeth von Humboldt entstammte einer Kaufmanns- und Kunsthandwerkerfamilie teils hugenottischer Herkunft. Ihr Großvater, der Pariser Kaufmann Henri Colomb († 1719), wanderte nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685) zunächst nach Kopenhagen aus und wurde dort Posamentenmacher am königlichen Hof. Um 1711 zog er nach Neustadt an der Dosse ins Brandenburgisch-Preußische und bekleidete dort ein Amt im Direktorium der königlichen Spiegelmanufaktur. Bewirkt hatte diesen Umzug sein Schwiegervater, der Goldschmied Jean-Henri de Moor († 1722) aus Wageningen in der Provinz Gelderland, von 1696 bis 1711 selbst Direktor der Manufaktur. Jean-Henri de Moor war der Begründer der französischen Kolonie in Neustadt. Sein Sohn Jean Henri de Moor (Johann Heinrich de Moor) führte zusammen mit Henri Colomb als Teilhaber das Unternehmen weiter.[2] Auch der Vater Marie-Elisabeths, Johann Heinrich Colomb (1695–1759), war von 1733 bis 1741 Direktor der Neustädter Spiegelmanufaktur. Danach ließ er sich als Hausbesitzer mit seiner Familie in Berlin nieder. Sein Grab befindet sich in den Gewölben der Parochialkirche in Berlin. Marie-Elisabeth war eine Cousine[3] von Amalie von Colomb (1772–1850), der jüngsten Tochter des Auricher Kammerpräsidenten Peter von Colomb,[4] Schwester des preußischen Generals Peter von Colomb und ab 1795 zweite Ehefrau des späteren Feldmarschalls Gebhard Leberecht von Blücher. Die Durhams Mütterlicherseits entstammte Marie-Elisabeth der preußischen Beamtenfamilie schottischen Ursprungs Durham of Grange.[5] Sie übersiedelten 1650 von Schottland nach Preußen. Der Urgroßvater Alexanders und Wilhelms von Humboldt war Wilhelm Durham (1658–1735), königlich-preußischer Generalsfiskal, Geheimer Oberappellationsgerichts- und Kirchenrat sowie Ältester und Vorsteher der Parochialkirchengemeinde in Berlin. Er bewohnte mit seiner Familie in Berlin das Haus am Jüdenhof 9. Seine Tochter Justine Susanne (1716–1762) war die Mutter Marie-Elisabeths. Ehen Der junge Alexander, ein Barometer haltend, mit seiner verwitweten Mutter Marie-Elisabeth Colomb heiratete 1760 Friedrich Ernst von Holwede (1723–1765), Baron, Erb- und Gerichtsherr auf Tegel, Ringenwalde und Crummecavel. Dieser Ehe entstammten zwei Kinder, eine Tochter[6], die schon im Kindesalter starb, und der Sohn Heinrich Friedrich Ludwig Ferdinand von Holwede[7] (1762–1817), den die Mutter später im angesehenen Berliner Kürassierregiment „Gens d’armes“ als Rittmeister unterbrachte. Friedrich Ernst von Holwede war Kanonikus des St.-Sebastian-Stifts in Magdeburg. Er starb im Jahre 1765 und hinterließ seiner Witwe das Erbpachtgut Tegel[8] bei Berlin sowie die Güter Ringenwalde mit dem Vorwerk Crummecavel in der Neumark (Kreis Soldin, heute Polen). Mit diesem Erbe und dem Erbe ihrer Eltern, das unter anderem die Bibliothek mit ca. 300 Buchtiteln und vor allem das Haus Jägerstraße 22 in Berlin umfasste, war Marie-Elisabeth eine hochinteressante Partie. Das Berliner Haus ist heute Sitz der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften[9]. Am 19. Oktober 1766 heiratete Marie-Elisabeth von Holwede zum zweiten Mal.[7] Auf dem Gut Lancke bei Berlin, das dem Bruder ihres ersten Ehemanns gehörte, gab sie dem königlichen Kammerherrn und Obristwachtmeister (Major) der Kavallerie a. D. Alexander Georg von Humboldt (1720–1779) das Jawort. Dieser entstammte einem pommerschen Beamten- und Offiziersgeschlecht, das verschiedenen brandenburgisch-preußischen Fürsten gedient hatte. Erst der Vater, Johann (Hans) Paul von Humboldt (1684–1740), preußischer Hauptmann und Herr auf Zeblin, „erbat und erhielt 1738 die erbliche Adelsverleihung.“ Alexander Georg war als königlich-preußischer Major und Adjutant des Generals Prinz Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, an allen drei Schlesischen Kriegen beteiligt. 1761 nahm er nach einem Unfall seinen Abschied vom Militär und wurde 1764 von Friedrich II. zum Kammerherrn ernannt. Ab 1765 war er Kammerherr bei Elisabeth Christine von Braunschweig, der Ehefrau des Thronfolgers Friedrich Wilhelm. Im Jahre 1769 schied von Humboldt aus dem Staatsdienst aus und widmete sich mit Hingabe der Landwirtschaft auf dem Gut Tegel. Er starb am 6. Januar 1779 und wurde zunächst auf dem Gut Ringenwalde beigesetzt.[7] Ihr überliefertes Wesen Wird die Mutter der Humboldt-Brüder als zurückhaltende, spröde und sehr ernste Person geschildert, so sind sich die Humboldt-Biographen einig über das muntere, heitere und lebensbejahende Naturell des Vaters. So äußerte sich Frau von Briest, Mutter der Schriftstellerin Caroline de la Motte Fouqué, über Marie-Elisabeth von Humboldt in einem Brief an ihre Schwester im Jahr 1785: „Alles ist bei den Humboldts wie es war. In dem Hause ändert sich nichts, weder die Menschen, noch die Art und Weise. Ihn (gemeint ist Alexander Georg von Humboldt) werde ich zwar immer sehr da vermissen. Seine leichte, muntere Unterhaltung machte einen charmanten Contrast zu der leisen Ruhe und Gemessenheit seiner Frau. Diese, ich versichere Dich, sieht heute so aus, wie sie gestern aussah und morgen aussehen wird. Der Kopfputz wie vor zehn Jahren und länger, immer glatt, fest, bescheiden! Dabei das blasse, feine Gesicht, auf dem nie eine Spur irgendeines Affects sichtbar wird, die sanfte Stimme, die kalte, gerade Begrüssung und die unerschütterliche Treue in allen ihren Verbindungen! Immer duldet sie den Schwager (gemeint ist wahrscheinlich Victor Ludwig Baron von Holwede (gest. 1793), der mit der Schwester Marie-Elisabeths, Wilhelmine Anne Susanne (1743–1784) verheiratet war), seine Tochter, die alte Tante um sich; immer liegt der alte, schnarchende Hund Belcastel auf dem Sofa; ihr Gleichmuth leidet weder durch Widerspruch, noch sonst durch häusliche Störungen. Man kann darauf schwören, wie man sie heute verlässt, so findet man nach Jahr und Tag die Familie im Innern und Aeussern wieder.“[10] Marie-Elisabeth hat durch ihre Klugheit und durch ihren Charakter in der Gesellschaft Eindruck gemacht, so dass Caroline von Dacheroeden aus Erfurt ihrem Verlobten Wilhelm von Humboldt in Berlin schrieb: „Deine Mutter steht hier in großem Ruf und Ansehen. Die Generalin Knorr hat in Frankfurt die Generalin von Lengefeld über meine Heirat gesprochen. Sie hat Mama gewaltig herausgestrichen, ihren Verstand, ihren Charakter, mit einem Wort alles. Der General sprach mir davon und sagte: ‚Von Ihrer künftigen Frau Schwiegermutter hör ich unendlich viel Gutes. Es soll eine würdige, vortreffliche, große Frau sein.‘“[11] Ausbildung der Humboldt-Brüder Eines der größten Verdienste von Marie-Elisabeth von Humboldt war die konsequente Planung und Durchführung der Ausbildung ihrer Söhne zu „geistiger und sittlicher Vollkommenheit“;[12] „statt mütterlicher Wärme, ließ sie ihnen die beste Erziehung angedeihen.“[13] Alexander schrieb darüber: „Meine wissenschaftliche Erziehung war sehr sorgfältig. Mein Vater und vor allem meine Mutter (denn der erstere starb, als ich neun Jahre alt war) brachten jedes Opfer, um uns von den berühmtesten Männern […] zu Hause, ohne Schulbesuch, im Sommer auf dem Lande, im Winter in der Stadt, immer in großer Zurückgezogenheit, unterrichten zu lassen.“ Der Verwalter Gottlob Johann Christian Kunth (1757–1829), „der viele Jahre für den Unterricht verantwortlich war, behandelte [die Brüder] mit einer eigentümlichen Mischung aus Missfallen und Enttäuschung, während er gleichzeitig ein Gefühl der Abhängigkeit in ihnen nährte.“[14] „Für Alexander war es besonders schwer, weil er, obwohl zwei Jahre jünger, dasselbe lernen musste wie sein frühreifer Bruder.“[15] Die (noch unvollständige) Liste der Lehrer, die zum Unterricht der Söhne engagiert wurden, ist beeindruckend: | COLOMB, Maria Elisabeth (I48782)
|
| 3178 | Herkunft Er entstammt einer sehr alten mecklenburgischen Familie Lützow. Er gehört zur Linie Pritzier-Schwechow und wurde in Schulpforte erzogen. Sein Vater war Marquard Georg von Lützow († 1752) Obermundschenk von Sachsen-Weißenfels. Seine Mutter war Anna Dorothea von Taubenheim. Er war der vierte und jüngste Sohn des Paares. 1756 erhielt er eine Expektanz auf eine Domherrenstrelle in Naumburg.[1] Militärkarriere Lützow trat 1762 zuerst in das Regiment „Bernburg“, dann in das „von Rammin“ zuletzt „von Möllendorf“. Er war sieben Jahre Inspektions- und Gouverneurs-Adjutant. Während des Bayerischen Erbfolgekrieges war er Brigade-Major und Generaladjutant des Generals von Rammin. In dem Regiment „von Möllendorf“ wurde er am 13. Juli 1790 zum Major, dann zum Kommandeur eines Grenadier-Bataillons und am 24. Juli 1798 zum Oberstleutnant befördert. Ein Jahr später wurde er Kommandeur des Regiments und am 7. Juni 1800 Oberst. Am 18. März 1806 ernannte ihn der König zum Kommandanten von Berlin, doch führte er in dem Feldzuge dieses Jahres 1806 eine Brigade bei der Hauptarmee. Nach dem Frieden von Tilsit war er einer der Bevollmächtigten bei der Vollziehung des Friedens und wurde mit vielfachen ehrenvollen Aufträgen seines Monarchen versehen. Am 28. November 1808 wurde der Freiherr zum Generalmajor ernannt. Er wurde aber immer kranker und so wurde er im Jahre 1813 in den Ruhestand versetzt. Er starb am 6. November 1819 auf einer Reise nach Pommern in Stargard. Bereits im Jahre 1806 war er Dompropst des Kapitels in Kolberg geworden. | VON LÜTZOW, Johann Adolph (I59620)
|
| 3179 | Herkunft Er war Angehöriger des preußischen Adelsgeschlechts Lehndorff und der älteste Sohn des preußischen Landhofmeisters Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff (1727–1811), Kammerherr der Königin Elisabeth Christine von Preußen, und der Amalie Karoline Gräfin von Schmettau (1751–1830). Werdegang Lehndorff begann seine Laufbahn 1784 auf der Ecole militaire. 1786 war er Gefreiterkorporal im 1. Bataillon Garde (Nr. 15a) und avancierte 1789 zum Fähnrich. Er nahm am Ersten Koalitionskrieg, insbesondere den Belagerungen von Mainz, Landau und den Gefechten bei Weißenburg, Trippstadt und Johanniskreuz teil. 1794 stieg er zum Sekondeleutnant auf und wurde 1795 als Johanniter-Ritter investiert. Seine Beförderung zum Premierleutnant erfolgte im Jahr 1800, als er der Regiment der Gardes du Corps aggregiert wurde. 1801 war er aggregierter Stabsrittmeister und stieg im selben Jahr, nur einen Monat später zum Kapitän und Eskadronchef im Dragonerregiment „von Rouquette“ (Nr. 13). Lehndorff avancierte 1804 zum Major und nahm 1806/1807 am Vierten Koalitionskrieg, insbesondere am Gefecht bei Marienwerder, wo er sich eine Hiebwunde am Kopf zuzog, bevor er in Gefangenschaft geriet, teil. 1807 bereits war er zur Auswechslung vorgesehen, wurde im selben Jahr auf halbes Gehalt gesetzt und ist schließlich dimittiert. Im Einvernehmen mit den preußischen Landständen stellte er im Frühjahr 1813 das Ostpreußische National-Kavallerie-Regiment auf, das sich wie die Ostpreußische Landwehr 1813 in den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Besetzung auszeichnete. Er nahm den Schlachten an der Katzbach, bei Leipzig, bei Laon, bei Paris und den Gefechten bei Bunzlau, Bischofswerder, Roth-Rauschitz, Freyburg an der Unstrut, La Chaussée, Châlons, Montmirail, Château-Thierry, Meaux und Claye teil. An der Katzbach verdiente er sich das Eiserne Kreuz II. Klasse und den Sankt-Stanislaus-Orden, bei Leipzig den Sankt-Georgs-Orden IV. Klasse und schließlich bei Paris den Sankt-Anna-Orden II. Klasse. Noch 1813 wurde er zu General Yorck kommandiert und avancierte zum Oberstleutnant. 1815 wurde Lehndorff mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet, zu General Zieten kommandiert und stieg in den Rang eines Obersts auf. 1817 wurde er Brigadekommandeur der 2. Kavalleriebrigade und erhielt das Großkreuz der französischen Ehrenlegion. Im Folgejahr war er Kommandeur der 15. Kavalleriebrigade. 1820 wurde er zum Generalmajor befördert. Er kehrte 1824 zur 2. Kavalleriebrigade nach Danzig zurück und hat 1825 das Dienstkreuz erhalten. 1832 wurde Graf Lehndorff als Generalleutnant aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Er war Mitglied der Königsberger Freimaurerloge Zu den drey Kronen. Er hat 1840 den Roten Adlerorden I. Klasse erhalten. Seit 1843 war er Obermarschall des Königreichs Preußen und wurde 1853 Ritter des Schwarzen Adlerordens. Lehndorff war Herr auf Steinort in Ostpreußen. | VON LEHNDORFF, Karl Friedrich Ludwig Christian (I57893)
|
| 3180 | Herkunft Er war der Sohn von Aaron David Simon Bückeburg. Dieser zog von Bückeburg nach Hannover. Als wohlhabender Mann spielte er dort in der jüdischen Gemeinde eine wichtige Rolle. Heymann hat seinen eigentlichen Vornamen eingedeutscht und ihn als Familiennamen genutzt. Großvater Isaac († 1734) war gräflich schaumburg-lippischer Hoflieferant und Hofbankier in Bückeburg gewesen sowie Stammvater des späteren Adelsgeschlechts „von Heine-Geldern“ (ab 1867).[2] Leben Heine war ein angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinde. An der Gründung des 1762 entstandenen Wohltätigkeitsvereins war er mit achtzehn weiteren Mitgliedern der Gemeinde beteiligt. Er war fromm, besuchte täglich die Synagoge und studierte die Heiligen Schriften (Tanach, Talmud und Sohar). In erster Ehe war er mit Edel/Ethel verheiratet, der Tochter des angesehenen Leser Gans. In zweiter Ehe heiratete Heine vor 1769 in Altona bei Hamburg Marthe Eva Popert († 9. April 1799 in Altona), die Tochter des Kaufmanns Meyer Samson Popert. Nach dem Tod Heines heiratete die Witwe den Geschäftsmann Bendix Schiff. Heymann Heine wurde auf dem jüdischen Friedhof von Hannover bestattet. Von seinen sechs Söhnen wurden aus der Ehe mit Marthe Eva Popert die Söhne erfolgreich: der Erstgeborene und Bankhausgründer Isaac Heine in Bordeaux, der Zweitgeborene Samson Heine als Tuchhändler in Düsseldorf und der Drittgeborene, der Hamburger Bankier und Philanthrop Salomon Heine; Hamburg verdankt ihm u. a. die Gründung des heutigen Israelitischen Krankenhauses sowie eine außerordentliche Förderung der Kunst in der Stadt. Heymann Heine war der Großvater des Schriftstellers Heinrich Heine und des Publizisten Gustav Heine von Geldern, beide waren Söhne Samson Heines Söhne.[3] Siehe auch Heine (Familie) Alice Heine Einzelnachweise Die Internet-Datenbank des Mormonen-Archivs (Utah) gibt - wohl fälschlich, denn sein Grabstein ist in Hannover erhalten - als Sterbeort Altona bei Hamburg an. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band V, Seite 74, Band 84 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1984. - Gustav Heine wurde 1867 in den österreichischen Ritterstand und 1870 in den Freiherrnstand erhoben. Généalogies Heine. Genea-bdf.org, abgerufen am 9. Juli 2010 (frz.). Literatur | HEINE, Heymann (I60449)
|
| 3181 | Herkunft Er war Sohn des Hauptmanns Hans Paul von Humboldt (1684–1740), der 1738 in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben wurde, und dessen Ehefrau Sophie Dorothea, geborene von Schweder (1688–1749). Leben Humboldt wurde Soldat im Dragonerregiment „von Finckenstein“ der preußischen Armee. Mit diesem Regiment nahm er – zunächst als Premierleutnant – 1756/63 am Siebenjährigen Krieg teil. Er erlangte das Vertrauen des Oberbefehlshabers Herzog Ferdinand von Braunschweig, dem er in der Schlacht bei Krefeld am 28. Juni 1758 das Leben rettete; hierdurch stieg er rasch zum Oberstwachtmeister und Regimentsadjutanten auf. 1761 nahm er aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied. Als Regimentsadjutant für die Verpflegung und Ausrüstung des Regiments hatte Humboldt auch wirtschaftlich durch den Krieg stark profitiert; das half ihm bei seinem Aufstieg innerhalb der Berliner Hofgesellschaft. Friedrich der Große ernannte ihn 1764 für seine Verdienste im Siebenjährigen Krieg zum Kammerherrn. Ab 1765 war er diensttuender Kammerherr bei Elisabeth Christine von Braunschweig, der Ehefrau des Thronfolgers Friedrich Wilhelm. Auch nach der Scheidung dieser Ehe blieb er Friedrich Wilhelm eng verbunden. Familiengrabstätte in Berlin-Falkenberg Sargtafeln von Alexander Georg von Humboldt (links) und Friedrich Ernst von Holwede, dem ersten Ehemann von Marie-Elisabeth von Humboldt (rechts), dazwischen ein Foto der verschollenen Grabplatte Marie-Elisabeths in der evangelischen Kirche Berlin-Wartenberg[1] Sein Vermögen investierte Humboldt unter anderem in Aktien der General-Tabaks-Pachtungs-Gesellschaft von 1765 und in die gleichfalls 1765 gegründete Giro-und-Lehn-Bank, eine Vorläuferin der späteren Reichsbank.[2] Die Ausbeutung der Tabakbauern durch das Generaltabaksblätter-Magazin wurde zwar kritisiert; hinsichtlich des Wirtschaftsgebarens Alexander Georgs von Humboldt später auf Gut Tegel hieß es aber: „Es rührte mich nicht wenig, als ich während des kurzen Aufenthalts im neuen Kruge, die gegenwärtigen einheimischen Leute des Orts, so zärtlich von ihm reden hörte. Ein gemeiner Mann rühmte seine Fürsorge für die Tagelöhner des Orts, denen er zu aller Zeit Arbeit und Brodt verschafft habe.“[3] Humboldt war auch an der Gründung der preußischen Zahlenlotterie beteiligt. Dadurch entstand der Kontakt mit Karl Friedrich von Dacheröden d. J. (1732–1809), dem späteren Schwiegervater seines Sohnes Wilhelm. 1766 heiratete Humboldt auf deren Gut Lanke bei Berlin die verwitwete Freifrau Marie-Elisabeth von Holwede, geborene Colomb. Aus dieser Ehe gingen seine beiden Söhne Wilhelm und Alexander von Humboldt hervor. Durch seine Eheschließung kam 1766 das Jagdschloss in Tegel in seinen Besitz, in dem die Familie im Sommer lebte, und wo er sich mit Hingabe der Landwirtschaft widmete. Eine Auflage der Domänenkammer, auf dem Gut Maulbeerbäume für die Seidenzucht zu züchten, konnte aber wegen ungeeigneter Bodenbeschaffenheit nicht erfüllt werden und musste 1770 eingestellt werden. Die von Humboldt als Erstem in Tegel eingeführte Stallfütterung ermöglichte eine gesteigerte Milchleistung, was zu einer Erhöhung des Ertrags pro Kuh auf 50 bis 60 Taler führte. Dazu erkannte er den Nutzen des Anbaus von Klee als Futterpflanze, noch bevor dieser von Johann Christian Schubart (1734–1787) propagiert wurde. Der Betrieb wurde damit zum ersten Frischmilchlieferanten der königlichen und prinzlichen Höfe. Das ebenfalls zum Besitz gehörende Gut Ringenwalde entstammte der Erbmasse der Brüder Friedrich Ernst (* 12. März 1723; † 26. Januar 1765) und Victor Ludwig (* 8. März 1737; † 2. Februar 1793) von Holwede, die die Schwestern Marie-Elisabeth und Wilhelmine Anne Susanne Colomb (1743–1784) geheiratet hatten. Nach seinem frühen Tod Anfang 1779 mit 58 Jahren übernahm Gottlob Johann Christian Kunth, ein Vertrauter der Familie und Hauslehrer der elf und neun Jahre alten Söhne Wilhelm und Alexander die Vermögensverwaltung.[4] | VON HUMBOLDT, Alexander Georg (I48784)
|
| 3182 | Herkunft Heinrich Ernst entstammte dem alten meißnischen Adelsgeschlecht von Leipzig und war der Sohn von Hans Dietrich von Leipziger (* 1693; † 18. September 1741), Herr auf Wildenau und dessen Ehefrau Gertrude Elisabeth, geborene von Schlieben. Militärkarriere Leipziger war ab 1733 Kadett im kursächsischen Kadettenkorps in Dresden. 1740 dimittierte er und trat im Jahr darauf am 16. Februar 1741 als Sekondeleutnant im Infanterieregiment „Camas“ Nr. 37 in preußische Dienste. Mit dem Regiment nahm Leipziger am Feldzug 1744/45 teil, machte die Belagerung von Prag mit und kämpfte bei Hohenfriedberg und Soor. Am 27. Juli 1747 wurde er Premierleutnant sowie am 12. September 1755 Kapitän und Kompaniechef. Während des Siebenjährigen Krieges stand er wieder vor Prag und focht bei Kolin, Zorndorf und Torgau. Als Major wurde Leipziger am 5. Juni 1771 Kommandeur des Infanterieregiments „von Keller“ Nr. 37. In dieser Stellung folgten am 4. Juli 1772 die Beförderungen zum Oberstleutnant sowie am 20. Mai 1776 zum Oberst. Während des Bayerischen Erbfolgekriegs kämpfte er bei Schatzlar und erhielt dafür den Orden Pour le Mérite. Außerdem wurde Leipziger am 19. August 1779 Domherr von Minden. 1784 bekam er das Infanterieregiment „Anhalt-Bernburg“ Nr. 3 und am 20. Mai 1784 wurde er zum Generalmajor ernannt. 1786 war Leipziger wenige Monate außer Dienst, wurde dann aber durch König Friedrich Wilhelm II. wieder angestellt. Am 23. Mai 1788 dimittierte er schließlich mit einer jährlichen Pension von 1200 Talern. Er zog sich darauf nach Glogau zurück, wo er starb. Familie Leipziger war seit 26. November 1751 mit Johanna Klara Hartmann († 15. Juli 1788 in Glogau) verheiratet. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor: Ernst († 27. September 1833), preußischer Offizier Christiane August Elisabeth (* 18. März 1752 in Glogau) August Wilhelm (* 30. Oktober 1764 in Glogau; † 29. April 1829), Hauptmann a. D., zuletzt im Regiment von Wolfframsdorff, seit 1794 Generaladjutant des Generalfeldmarschalls von Möllendorf, 1797–1801 Staatsgefangener in der Festung Graudenz, war zuletzt Regierungsdirektor zu Bromberg und Schriftsteller. Er schrieb u. a. „vom Geist der National-Oekonomie und Staatswirthschaft, für National-Repräsentanten, Geschäftsmänner, und die, die es werden wollen“ (1813), „Ideal einer stehenden Armee im Geiste der Zeit“ (1808), „Dumourier im Jahre 1792: Ueberblick der politischen und militairischen Ereignisse dieser Zeit“ (1796) und einige Theaterstücke. Er war mit Marie Auguste von Wolfframsdorff verheiratet, der Tochter des Generalmajors Adam Heinrich von Wolfframsdorff, Kommandeur des Füselierregimentes Nr. 37. Nach ihrem Tod heiratete er Wilhelmine Friederike Sophie von Steinwehr. | VON LEIPZIGER, Heinrich Ernst (I45883)
|
| 3183 | Herkunft Heinrich Graf zu Dohna-Wundlacken ist der Sohn von Burggraf Ludwig Graf von Dohna-Wundlacken (1733–1787), des nächstjüngeren Bruders von August von Dohna-Lauck, und Amalie Wilhelmine von Waldburg (1753–1793). Er hatte zwei Schwestern: Amalie Friederike Ottilie (1784–1808) ⚭ 1784 Graf Christoph Emil Alexander Leopold von Dohna-Lauck Dorothea Teófila Paulina Ludovica (1786–1855) ⚭ 1786 Burggraf Alexander Fabian zu Dohna-Schlobitten (1781–1850).[2] Leben Heinrich Graf zu Dohna-Wundlacken studierte 1791–1795 an der Albertus-Universität Königsberg. Sein Professor war unter anderem Immanuel Kant. Während seiner Studienzeiten verfasste Graf zu Dohna-Wundlacken in den Jahren 1791 bis 1793 etliche Kolleghefte[3] über seine Vorlesungen. Teilweise sind diese Hefte noch heute erhalten.[4] 1802 wurde er Kriegs- und Domänenrat in Königsberg. 1809 wurde Dohna-Wundlacken als Staatsrat nach Berlin berufen. Während der napoleonischen Befreiungskriege diente er unter seinem Schwager Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow als Offizier im Lützowschen Freikorps, dem späteren preußischen Infanterie-Regiment „von Lützow“ (1. Rheinisches) Nr. 25.[5][6] Von 1815 bis 1831 war Dohna-Wundlacken Regierungspräsident in Köslin[7]. 1835 wechselte er in gleicher Funktion nach Königsberg[8], wo er 1834 zusätzlich zum Obermarschall ernannt wurde. 1843 war er kurzzeitig Präsident des Provinzialkonsistoriums der Kirchenprovinz Ostpreußen mit dem Rang eines Oberpräsidenten. Heinrich Graf zu Dohna-Wundlacken war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er am 29. August 1812 mit Wilhelmine Sophie Freiin von Lützow[9] (* 12. Mai 1784; † 10. Januar 1837) und die zweite Ehefrau war Constança Hermínia von Dohna-Reichertswalde (* 29. Oktober 1807; † 29. Dezember 1882). | ZU DOHNA-WUNDLACKEN, Heinrich (I59630)
|
| 3184 | Herkunft Herzog Johann Friedrich kam als erstes Kind von Friedrich I. und Sibylla von Württemberg im Schloss zu Mömpelgard zur Welt. Im Alter von vier Jahren zog seine Familie mit ihm in die Residenz Stuttgart. Leben Herzog Johann Friedrich trat die Regierung in einer Zeit an, in der sich die Konflikte zwischen den konfessionellen Lagern im Deutschen Reich steigerten. Im Jahr 1608 schlossen sich zahlreiche protestantische Reichsstände zur „Union“ zusammen. Als einer der angesehensten protestantischen Fürsten versuchte Herzog Johann Friedrich, durch einen konzilianten Kurs den großen Religionskrieg zu vermeiden, den viele seiner Zeitgenossen für unvermeidlich hielten. Zwar suchte er Unterstützung bei den europäischen Gegnern des katholischen habsburgischen Kaisers, bei Frankreich, England und den niederländischen Generalstaaten, um für eine militärische Auseinandersetzung gerüstet zu sein. Aber er versuchte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, den großen Krieg abzuwenden. Auf einem sogenannten „Kompositionstag“ verhandelten konzessionsbereite Repräsentanten der beiden konfessionellen Parteien über die Streitpunkte. Es gelang jedoch nicht, den Krieg zu verhindern. Die Außenpolitik bestimmte die Regierungstätigkeit des Herzogs, der sehr auf seine Berater hörte. Er stellte die Verfassung des Landes, welche sein Vater geändert hatte, wieder her. Die Räte des im Jahr 1593 verstorbenen Herzogs Ludwig, welche Friedrich I. beseitigt hatte, berief Herzog Johann Friedrich wieder. Dann ließ er Herzog Friedrichs mächtigen Kanzler Enzlin wegen Veruntreuung und Erpressung zu lebenslanger Festungshaft verurteilen. Enzlin wurde später wegen hochverräterischer Umtriebe unter der Folter verhört und 1613 auf dem Marktplatz in Urach hingerichtet. Gründungsurkunde der Protestantischen Union in Auhausen an der Wörnitz am 14. Mai 1608 (heute im Bayerischen Staatsarchiv): Johann Friedrich, Herzog zu Württemberg (in der Mitte links) Nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges unterstützte Herzog Johann Friedrich zunächst den von den protestantischen Ständen in Böhmen gewählten König Friedrich von der Pfalz. Denn seine Besitzungen im Bottwartal, die Burg Lichtenberg, das Kloster Oberstenfeld, die Orte Beilstein und Großbottwar waren Lehen des Königs von Böhmen. Da aber die Gegner Habsburgs sich nicht in Westeuropa engagierten, gab Württemberg die Ambitionen des böhmischen Königs Friedrich verloren und stellte seine Unterstützung für ihn ein. Kaiser Ferdinand II. errang nach der siegreichen Schlacht am Weißen Berge gegen Friedrich und die Böhmen eine dominierende Position im Deutschen Reich. Als erster regierender Herzog hatte Johann Friedrich mehrere Brüder. Im fürstbrüderlichen Vergleich vom 28. Maijul. / 7. Juni 1617greg. überließ er dem ältesten seiner jüngeren Brüder, Ludwig Friedrich, die zum Herzogtum Württemberg gehörige, aber rechtlich unabhängige Grafschaft Mömpelgard mitsamt den elsässischen Herrschaften Reichenweier und Horburg. Der jüngere Bruder Julius Friedrich erhielt die erst kurz zuvor erworbenen Besitzungen Brenz und Weiltingen, wodurch die zwei Nebenlinien Württemberg-Mömpelgard (erloschen 1723) und Württemberg-Weiltingen (erloschen 1792) entstanden. Außerdem erhielten die Brüder Friedrich Achilles und Magnus die Schlösser Neuenstadt bzw. Neuenbürg. Da die beiden letzteren unverheiratet starben, fielen ihre Besitzungen schnell wieder an die Hauptlinie zurück. Am 26. April 1622 schlug der bayrische Feldherr Graf von Tilly in der Schlacht bei Wimpfen Markgraf Georg Friedrich von Baden. In dieser Schlacht erlitt der jüngste Bruder des Herzogs, Magnus, Verwundungen, an denen er starb. Obwohl Herzog Johann Friedrich einen Neutralitätsvertrag mit dem Kaiser geschlossen hatte, zogen die siegreichen kaiserlichen Truppen durch die nordwestlichen Teile des Herzogtums Württemberg. Auch in den folgenden Jahren lasteten Durchzüge und Einquartierungen wiederholt schwer auf dem Gebiet. Familie Siehe auch: Stammtafel von Württemberg Am 5. November 1609 heiratete er Barbara Sophia von Brandenburg (1584–1636), Tochter des Kurfürsten Joachim Friedrich von Brandenburg. Anlässlich dieser Hochzeit ließ er das Schloss Urach in Urach umbauen, das heute mit dem Goldenen Saal einen der schönsten Festsäle der Renaissance in Deutschland zählt. Aus dieser Ehe gingen die folgenden Kinder hervor: Henriette (* 12. Dezember 1610; † 18. Februar 1623) Friedrich (* 15. März 1612; † 12. Juni 1612) Antonia (* 24. März 1613; † 1. Oktober 1679) Eberhard III. (* 16. Dezember 1614; † 2. Juli 1674), Herzog von Württemberg Friedrich (* 19. Dezember 1615; † 24. März 1682), Herzog von Württemberg-Neuenstadt Ulrich (* 15. Mai 1617; † 5. Dezember 1671), Herzog von Württemberg-Neuenbürg Anna Johanna (* 13. März 1619; † 5. März 1679) Sibylle (* 4. Dezember 1620; † 21. Mai 1707) Eberthal (* 4. September 1623; † 9. Januar 1624) Literatur Axel Gotthard: Johann Friedrich. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 142–146. Axel Gotthard: Konfession und Staatsräson. Die Außenpolitik Württembergs unter Herzog Johann Friedrich (1608–1628). Kohlhammer, Stuttgart 1992, ISBN 3-17-011964-8. Axel Gotthard: Johann Friedrich (Württemberg). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 42, Bautz, Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0, Sp. 770–783. Bernd Ottnad: Johann Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 543–544 (deutsche-biographie.de). Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 2: Das Haus Württemberg von Herzog Friedrich I. bis Herzog Eberhard III. Mit den Linien Stuttgart, Mömpelgard, Weiltingen, Neuenstadt am Kocher, Neuenbürg und Oels in Schlesien. 4. Auflage. Landhege, Schwaigern 2014, ISBN 978-3-943066-12-8, S. 83–116. Paul Friedrich von Stälin: Johann Friedrich, Herzog von Würtemberg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 441 f. | VON WÜRTTEMBERG, Johann Friedrich (I61226)
|
| 3185 | Herkunft Hitzig stammte aus der brandenburgisch-preußischen Hofjudenfamilie Itzig. Sein Großvater väterlicherseits war Daniel Itzig und seine Eltern Elias Daniel Itzig (23. Januar 1755 in Berlin; † 11. Januar 1818 in Potsdam), Besitzer der Englischen Lederfabrik auf dem Tornow bei Potsdam, Stadtrat in Potsdam, und Marianne Leffmann (* 1758; † 17. November 1827), Tochter des Herz Abraham Leffmann. Sie hatten mindestens acht Kinder. Die Familie trat 1799 zur lutherischen Kirche über und nahm den Nachnamen Hitzig an. Seine Schwester Henriette Marianne Hitzig (1781–1845) heiratete 1811 in Potsdam Nathan Mendelssohn (1781–1852, seit 1809 reformiert), Sohn des Moses Mendelssohn und der Fromet Gugenheim. Seine Schwester Caroline Hitzig (1784–1848) heiratete den Physiker Paul Erman. Die Schwester Elise Adelaide (1789–1866) war mit dem General Franz August O’Etzel verheiratet. Louise mit dem Professor Jean Jacques Arland († 1830). Familie Er heiratete 1804 in Berlin Johanna Bartenstein (1782–1814), geschiedene Meyer, eine Tochter des Kaufmanns Naphtali Barnet Bartenstein aus Troppau. Das Paar hatte einen Sohn und zwei Töchter sowie eine Pflegetochter: Friedrich (* 8. April 1811; † 11. Oktober 1881) ⚭ 1837 Franziska Reiß (1816–1900), Architekt Eugenie (1807–1843) ⚭ Johann Jacob Baeyer (1794–1885) Generalleutnant und Geodät (Eltern von Adolf von Baeyer) Klara (1812–1873) ⚭ Franz Kugler (1808–1858), Kunsthistoriker, Dichter Antonie Piaste (Pflegetochter) (1800–1837) ⚭ Adelbert von Chamisso (1781–1838) Leben Julius Eduard Hitzig war 1792 Gründungsmitglied der Gesellschaft der Freunde.[1] Er studierte Rechtswissenschaften in Halle und Erlangen und absolvierte anschließend den juristischen Vorbereitungsdienst in Warschau (Auskultator) sowie am Kammergericht in Berlin (Referendar). Seit 1804 Regierungsassessor in Warschau, wurde er 1807 aus dem preußischen Justizdienst entlassen, weil Napoleon die Regierung gestürzt hatte und französische Truppen Warschau besetzten. Hitzig zog nach Berlin, machte eine Buchhändlerausbildung und gründete einen Verlag, in dem er unter anderem die Berliner Abendblätter (1810/11) Heinrich von Kleists veröffentlichte. 1814 kehrte er in den Justizdienst am Berliner Kammergericht zurück, er wurde 1815 zum Kriminalrat und 1827 zum Director des Inquisitoriats sowie zum Mitglied im Criminal-Senat ernannt; 1835 ging er in den Ruhestand. Mit der Gründung strafjuristischer Fachzeitschriften (z. B. Zeitschrift für die Criminal-Rechts-Pflege in den Preußischen Staaten mit Ausschluß der Rheinprovinzen, 1825 ff.) förderte er die Fachdiskussion. Doch er war auch in das literarische Leben seiner Zeit involviert – nicht nur als Verleger, sondern auch als Mitglied und Mitbegründer literarischer Gesellschaften, darunter 1824 die Neue Mittwochsgesellschaft und Die Serapionsbrüder sowie durch Freundschaften mit zahlreichen Autoren seiner Zeit. Er verfasste biografische Arbeiten über Zacharias Werner, Adelbert von Chamisso und E. T. A. Hoffmann. Ab 1842 war er gemeinsam mit Willibald Alexis Herausgeber des Neuen Pitaval, in dem bis 1890 in sechzig Bänden etwa 600 Kriminalfälle veröffentlicht wurden. Er war seit 1804 verheiratet mit Johanna Baruch (auch Bartenstein oder Barkenstein, vgl. Inschrift ihres Grabsteins im Mausoleum Hitzig), geschiedene Meyer (1782–1814) aus Troppau, Tochter des aus Königswart in Böhmen stammenden Tabak-Distriktsverlegers Hirschl (Naphtali) Baruch und der Barbara Götzl aus Wien.[2] Grabstätte der Familie Hitzig, im Vordergrund das Grab von Karl Friedrich Schinkel Das als Mausoleum gestaltete Familiengrab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte, Chausseestraße in der Abt. CM. Dort ist auch sein Sohn Friedrich Hitzig beigesetzt. Werke (Auswahl) Lebens-Abriss Friedrich Ludwig Zacharias Werners. Sandersche Buchhandlung, Berlin 1823; archive.org. Verzeichniss im Jahre 1825 in Berlin lebender Schriftsteller und ihrer Werke. Dümmler, Berlin 1826; Digitalisat in der Google-Buchsuche. Aus Hoffmann’s Leben und Nachlass. Zwei Bände. Dümmler, Berlin 1823. Band 1 der 1. Auflage, archive.org; Band 2 der 2. Auflage [1831], urn:nbn:de:bvb:12-bsb10915543-5. Das Königl. Preußische Gesetz vom 11. Juni 1837 zum Schutz des Eigenthums an Werken der Wissenschaft und Kunst gegen Nachdruck und Nachbildung. Dümmler, Berlin 1838; dlc.mpg.de. Nachdruck in Archiv für Urheber- und Medienrecht. Band 107, 1988, S. 163–226. Über belletristische Schriftstellerei als Lebensberuf. Ein Wort der Warnung für Jung und Alt. Vereins-Buchhandlung, Berlin 1838; Digitalisat in der Google-Buchsuche. Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso. Zwei Bände. Weidmann, Leipzig 1839; Digitalisat in der Google-Buchsuche. Anleitung zur Abfassung einer Relation aus Kriminalakten. Zum Besten der Justizoffizianten-Witwenkasse. Berlin 1843. Literatur Simon Apel: Julius Eduard Hitzig (1780–1849). In: Simon Apel, Louis Pahlow, Matthias Wießner (Hrsg.): Biographisches Handbuch des Geistigen Eigentums. Mohr Siebeck, Tübingen 2017, ISBN 978-3-16-154999-1, S. 140–142. Anna Busch: Hitzig und Berlin. Zur Organisation von Literatur (1800–1840). Wehrhahn, Hannover 2014, ISBN 978-3-86525-368-2. Nikolaus Dorsch: Julius Eduard Hitzig. Literarisches Patriarchat und bürgerliche Karriere. Eine dokumentarische Biographie zwischen Literatur, Buchhandel und Gericht der Jahre 1780–1815. Lang, Frankfurt a. M. u. a. 1994, ISBN 3-631-46441-X (= Marburger Germanistische Studien, Band 15). Adalbert Elschenbroich: Hitzig, Julius Eduard. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 9. Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 274–276 (deutsche-biographie.de). Martin Ernerth, Jörg Kuhn (Hrsg.): Der Dorotheenstädtische Friedhof. Prominente Geschichte in der Mitte Berlins. Mit Beiträgen von Jürgen Quandt, Jörg Kuhn, Klaus-Henning von Krosigk, Klaus von Dohnanyi, Giselher Hickel, Dieter Lomnitz, Nina Nedelykov, Pedro Moreira. VBB Verlag (André Förster), Berlin 2019, ISBN 978-3-947215-49-2 (mit Abbildung des Grabsteins). Ludwig Gieseke: Erinnerung an Julius Eduard Hitzig (1780–1849). In: Archiv für Urheber- und Medienrecht (UFITA). Nr. 1, 2006, S. 173–187. Teichmann: Hitzig, Julius Eduard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 509–511. Belletristik Norbert Kron: Der Mann, der E.T.A. Hoffmann erfand: Roman einer Freundschaft. AphorismA, Berlin 2022, ISBN 978-3-86575-080-8. | HITZIG, Julius Eduard (I60905)
|
| 3186 | Herkunft Johann Leopold entstammte dem pommerischen Adelsgeschlecht Thadden und war der Sohn des Erbherren von Reddestow[1] und preußischen Kapitäns im Infanterieregiment „von Grumbkow“ Nr. 17 Franz Ludwig von Thadden (* 6. November 1693; † 17. Juni 1779) und dessen Frau Barbara Sophia Elisabeth von Zitzewitz (* 1712; † 26. Mai 1750). Militärkarriere Johann Leopold v. Thadden. 1749 kam Thadden in die Kadettenanstalt in Berlin. 1754 wurde er als Unteroffizier in das Grenadier-Gardebataillon „von Retzow“ Nr. 6 übernommen. Er avancierte 1757 zum Fähnrich, 1758 zum Sekondeleutnant und 1765 zum Premierleutnant. Im Jahr 1766 wurde er Hauptmann und Inspektionsadjutant des Generalleutnants Friedrich Christoph von Saldern. 1769 war er Major im Regiment „Anhalt-Bernburg“ Nr. 3. 1774 erhielt er bei einer Revue den Pour le Mérite. 1777 wurde er zum Oberstleutnant befördert und erhielt die Stelle des Kommandanten des Regiments. Am 10. September 1780 wurde er Oberst und am 3. Juni 1788 erfolgte die Ernennung zum Generalmajor, dazu wurde er Chef des Infanterieregiments „von Leipziger“ Nr. 3. Die Position gab er zum 1. Oktober 1800 ab. Am 13. Januar 1794 erhielt er die Ernennung zum Generalleutnant und wurde Inspekteur der Magdeburger Infanterie. Für seine Teilnahme am Rheinfeldzug (u. a. Schlacht bei Kaiserslautern) erhielt er den Großen Roten Adlerorden. 1800 wurde er wegen Erkrankung in den Ruhestand versetzt und erhielt zur Versorgung eine Gouverneursstelle mit einem Gehalt von 1200 Talern. So war er von 1803 bis zu französischen Besetzung 1806 Gouverneur von Spandau. Thadden war Erbherr auf Reddestow und Mittel Lowitz in Pommern sowie auf Diemitz im Saalkreis. Außerdem war er seit 1786 Domherr von Halberstadt. Familie Seine erste Frau war seit 1775 Christiana Luise von Bülow a.d.H. Helmsdorf (* 26. Juni 1741; † 20. Mai 1782), Tochter des Geheimrats Buffo Heinrich von Bülow. Seine zweite Frau war seit dem 18. August 1785 Rahel Juliane Charlotte von Hünerbein (* 3. Juli 1759; † 5. März 1812), eine Schwester des Generals Friedrich Heinrich Karl von Hünerbein. Aus beiden Ehen gingen folgende Kinder hervor: Franz Gottlob Leopold (* 10. Dezember 1776) Karl Friedrich Christian (* 25. Januar 1780), 1795 preußischer Jagdjunker, später Oberforstmeister und Ritter des Johanniterordens August Wilhelm Heinrich (* 31. Juli 1786), preußischer Hauptmann Friederike Luise Johanna (* 28. September 1787; † 1880) ⚭ Friedrich von Kerssenbrock (* 1774; † 1841), kurfürstlich hessischer Kammerherr[2][3] Karoline Sophie Auguste (* 4. November 1788; † 22. Dezember 1877) ⚭ Freiherr Karl d’Orville von Löwenclau (* 21. April 1777; † 13. Februar 1842), preußischer Regierungs- und Forstrat[4] Eleonore Juliane Charlotte (* 4. Januar 1790; † 1867) ⚭ Freiherr Georg d’Orville von Löwenclau (* 4. Januar 1780; † 18. Januar 1832), preußischer Rittmeister[5] Georg Ludwig (* 11. August 1791; † 30. November 1791) Amalie Wilhelmine Henriette (* 28. September 1792; † 2. März 1847) ⚭ Ernst Heinrich August Freiherr von und zu Gilsa (* 25. Januar 1785; † 7. April 1826), preußischer Rittmeister im Husarenregiment Nr. 9. Eltern des Generalleutnant Karl von und zu Gilsa Marianne Friederike (* 22. Juni 1795; † 21. Juli 1826) ⚭ 1820 Hermann Ludwig Ulrich Dominikus von Suckow (* 1792; † 3. April 1872), preußischer Generalmajor Ferdinand Leopold (* 21. September 1798; † 13. Februar 1857), preußischer Oberstleutnant[6] | VON THADDEN, Johann Leopold (I57397)
|
| 3187 | Herkunft Juliane Charlotte Friederike Grimms Vater war der Steinauer Pfarrer Friedrich Grimm der Jüngere (1707–1777), ihre Mutter Christine Elisabeth, geb. Heilmann (1715–1754). Juliane Grimm war die älteste und kinderlose Schwester des Vaters der Brüder Grimm, Philipp Wilhelm Grimm (1751–1796). Sie verwitwete 1785. Erziehung der Brüder Grimm in Hanau (1785–1791) Verwitwet und selbst kinderlos, hatte sie einen nicht unerheblichen Einfluss auf die kindliche Erziehung und Entwicklung von Jacob und Wilhelm Grimm.[1] Sie wohnte in unmittelbarer Nachbarschaft der Familie Grimm in der Fahrgasse in der Hanauer Neustadt. Bei ihr hielten sich Jacob und Wilhelm Grimm in ihren Kinderjahren täglich auf.[2] Die Brüder Grimm hingen sehr an ihrer Tante, die sie liebevoll „Tante Schlemmer“ nannten. Jacob Grimm berichtete später einmal, dass er in dieser Zeit mehr an der Tante gehangen habe als an Vater und Mutter.[3] Sie gab den etwa Fünfjährigen ihren ersten systematischen Unterricht in Lesen und Schreiben und besaß unbedingte Autorität.[4] Ein Scherenschnitt aus der Hanauer Zeit überliefert ihr Profil mit energischem Kinn und langer Nase.[3] Noch mehr als Wilhelm Grimm, lag ihr besonders Jacob Grimm am Herzen. Ihn lehrte sie kontinuierlich das Abc. Zu diesem Zwecke hatte sie sich aus einem alten Fächer einen elfenbeinfarbenen Zeigestock anfertigen lassen, der nach erfolgreicher Lektion als Merkzeichen ins Lesebuch gelegt wurde.[5] Mit der Religion machte sie die beiden Brüder ebenfalls vertraut, indem sie ihnen biblische Geschichten erzählte.[6] Mit Jacob Grimm nahm sie auch noch den kleinen Katechismus, eine christliche Glaubenslehre in Frage- und Antwortform, durch.[7] In ihrer Rolle als Erzieherin kümmerte sie sich liebevoll um das geistige Wohl der Brüder Grimm und förderte ihre intellektuellen Fähigkeiten somit bereits in deren frühester Jugend.[8] Durch die Erzählungen der Tante kamen die Brüder auch zum ersten Mal mit den deutschen Volksmärchen in Berührung.[9] Die Liebe zur Bildung, die Juliane Charlotte Friederike Grimm bei den beiden jungen Brüdern Grimm geweckt hatte, hielt ihr ganzes Leben lang an.[10] Erziehung der Brüder Grimm in Steinau (1791–1796) Ehemaliges Amtshaus in Steinau an der Straße (heute Brüder Grimm-Haus) Diese Erziehung und kulturelle Bildung durch Juliane Charlotte Friederike Grimm dauerte zunächst an, bis 1791 der Vater, Philipp Wilhelm Grimm, zum Amtmann der hanau-münzenbergischen Ämter Schlüchtern und Steinau ernannt wurde, was den Umzug der Familie nach Steinau an der Straße in das dortige Amtshaus zur Folge hatte. 1791, wenige Wochen nach dem Umzug der Familie Grimm nach Steinau, verkaufte Juliane Charlotte Friederike Grimm ihr Haus in Hanau und zog ebenfalls mit in das Amtshaus der Familie ihres Bruders in Steinau ein. Im sozialen Familienverband der Familie Grimm übernahm sie, neben dem Stadtpräceptor Johann Georg Zinkhahn, weiterhin die Rolle der Hauslehrerin und Erzieherin der Brüder Grimm. In der Steinauer Zeit erteilte Juliane Charlotte Friederike Grimm den Brüdern hauptsächlich Unterricht in Religion. Auf der Grundlage des bereits in der Hanauer Zeit angefangenen Studium des Katechismus las sie mit den Brüdern weiterhin intensiv die Bibel. Jacob Grimm schrieb später einmal, dass er „… durch Lesen in Hübners biblischer Historie und durch häufiges Vorlesen aus der Bibel bei der Tante“ sich mehr an Religion angeeignet habe als durch den Unterricht bei Johann Georg Zinkhahn.[11] Juliane Charlotte Friederike Grimm kümmerte sich in Steinau auch um die Bestellung des Feldes und die Pflege des Gartens. Nach dem Tod von Philipp Wilhelm Grimm im Januar 1796 musste die Familie Grimm das Amtshaus in Steinau verlassen und zog in das Huttische Spital um. In dieser Zeit unterstützte die „Tante Schlemmer“ die Familie Grimm auch finanziell und konnte auf diese Weise den mit dem Tode Philipp Wilhelm Grimms verbundenen sozialen Abstieg der Familie etwas abmildern.[12] Juliane Charlotte Friederike Grimm starb im Dezember 1796. Für Jacob und Wilhelm Grimm bedeutete der Tod der Tante einen schweren Schicksalsschlag und einen tiefgreifenden Einschnitt in ihrem Leben.[13] | GRIMM, Juliane Charlotte Friederike (I52636)
|
| 3188 | Herkunft Ludwig war ein Sohn Ludwigs des Springers und Adelheids von Stade. Er hatte dadurch verwandtschaftliche Beziehungen zu mächtigen Adelskreisen. So war seine Urgroßmutter die Großmutter Königin Richenzas. Sein Bruder Udo war Bischof von Naumburg. Herrschaft Er wurde 1131 vom deutschen König Lothar III. zum Landgrafen von Thüringen erhoben und regierte bis 1140. Der Titel des Landgrafen wurde eigens für ihn geschaffen. Nach der Familienregel wäre er eigentlich als Ludwig III. zu bezeichnen gewesen. Er gewann jedoch für sein Geschlecht die sogenannte Landgrafschaft Thüringen und somit wurde nach dieser Rangerhöhung die Zählung von vorn begonnen. Durch seine Ehe mit Hedwig von Gudensberg, der Tochter des hessischen Gaugrafen Giso IV., und durch eine weitere 1123 geschlossene Ehe von Hedwigs Mutter Kunigunde von Bilstein mit seinem jüngeren Bruder Heinrich Raspe I. fiel den Ludowingern nach dem Tod von Giso V. 1137 und von Kunigunde 1140 eine umfangreiche Erbschaft zu, die die Verbindung Thüringens mit Hessen einleitete. Ab 1137 war er auch Graf von Hessen-Gudensberg. Dieses Erbe umfasste den gisonischen Besitz nördlich von Marburg mit der Stiftsvogtei Wetter, den bilsteinischen Erbteil Kunigundes südlich von Marburg und die Vogtei über Hersfeld. Ferner erbte erden gesamten hessischen Besitz der 1121 ausgestorbenen und von Giso IV. und Kunigunde beerbten Grafen Werner, insbesondere die Grafschaft Maden-Gudensberg mit den Vogteien Fritzlar, Hasungen und Breitenau. Ludwig war damit ab 1137 auch Graf von Hessen-Gudensberg. Die Nähe zu Kaiser Lothar III. (von Supplinburg) hatte Ludwigs Erhebung zum Landgrafen gefördert und damit den Aufstieg in den Fürstenstand. Nach dem Tod Lothars 1137 wechselte Ludwig I. zur staufischen Partei: Die Zeit des Machtkampfes zwischen den Staufern und den Welfen um die Vormachtstellung im Reich war angebrochen. Der erste ludowingische Landgraf starb am 12. Januar 1140 und wurde im Hauskloster Reinhardsbrunn bestattet. Nachkommen Eine Tochter Ludwigs hieß Jutta bzw. Judith von Thüringen, (ca. 1135 – ca. 1180). Mit ihrem Namen ist die älteste Steinbrücke über die Moldau verbunden. Sie war Königin von Böhmen, da sie die zweite Frau des böhmischen Herzogs Vladislav II. (1110–1174) wurde. Als Eigenbesitz oder Mitgift brachte sie die Herrschaft und Burg Mer (Meerane) in die Ehe mit.[1] Eine weitere Tochter, Cäcilie war erste Ehefrau von Udalrich II. (1134–1177), mährischer Herzog von Brünn und Königgrätz. | (THÜRINGEN), Ludwig I. (I61297)
|
| 3189 | Herkunft Paul Fuchs wurde am 15. Dezember 1640 in Stettin im Herzogtum Pommern geboren. Sein Vater Samuel Fuchs (* 1597; † 1644) war Pastor an der Stettiner Nikolaikirche, er stammte aus einer alten Stettiner Apotheker- und Kaufmannsfamilie. Seine Mutter Anna Friedeborn (* 1608; † 1678) war die Tochter des Stettiner Bürgermeisters Paul Friedeborn.[1] Karriere Fuchs besuchte ab 1658 das Pädagogium Stettin und studierte dann an den Universitäten Greifswald, Helmstedt, Jena, Leiden und Franeker. 1667 wurde er als Professor an die juristische Fakultät der Universität in Duisburg berufen. In Duisburg gab er seine evangelisch-lutherische Konfession auf und trat zur evangelisch-reformierten Konfession über. 1670 trat er als Kabinettssekretär in den Dienst des Großen Kurfürsten, dem er sich bald durch seine Gewandtheit und Treue unentbehrlich zu machen wusste, und den er auf allen Reisen und Feldzügen begleitete. Berliner Gedenktafel für Paul von Fuchs 1679 wurde er Hofrat, 1682 Geheimer Staatsrat und erhielt nun mehrere wichtige diplomatische Sendungen übertragen, sowohl bei deutschen Reichsfürsten als auch bei dem Prinzen von Oranien und den Generalstaaten, mit denen er 1685 ein neues Bündnis abschloss. Am 5. September 1682 wurde er zum Ober-Postdirektor für Brandenburg-Preußen ernannt. Dieses Amt übte er bis 1698 aus, als er es freiwillig niederlegte. Als Staatsminister des Kurfürsten war Fuchs 1685 maßgeblich an der Ausarbeitung des Edikts von Potsdam beteiligt. Er führte 1688 mit Bentinck die geheimen Verhandlungen über die Beteiligung Brandenburgs an der englischen Expedition Wilhelms III. von Oranien. Daneben leitete er besonders die Verhandlungen mit Dänemark. 1694 war er Kurator der Universitäten und richtete die neue Hochschule zu Halle ein. Nach der Einrichtung der Universität in Halle[2] erstellte er mehrere Dokumente für das von Gottfried von Jena begründete Freiweltliches adeliges von Jena’sches Fräuleinstift in der Saalestadt, darunter eines vom 4. Januar 1703 über deren Privilegien.[3] 1683 wurde er in den Reichsadelsstand erhoben, der 1684 für Brandenburg anerkannt wurde. Eine weitere Standeserhöhung wurde ihm 1701 mit der Erhebung in den Reichsfreiherrenstand durch Kaiser Leopold zuteil, die der preußische König Friedrich I. für Brandenburg-Preußen bestätigte. Am 2. Oktober 1702 wurde er von Friedrich I. zum Kanzler von Pommern ernannt. 1683/84 erwarb er im Austausch gegen Blankenburg das Malchower Gut von Heinrich von Barfuss. Er ließ in Malchow ein zweistöckiges Herrenhaus, zahlreiche Wirtschaftsgebäude, darunter ein Brauhaus, ein Predigerwitwen- sowie ein Armen- und Waisenhaus neu errichten. Auf seinem Landsitz in Malchow hielt sich von Fuchs oft auf, im herrschaftlichen Wohnhaus gab er Empfänge und Feste. König Friedrich I. stattete mit Gattin Sophie Charlotte seinem Minister von Fuchs wiederholt Besuche in Malchow ab. Der Große Kurfürst belehnte 1685 seinen Minister Paul Freiherr von Fuchs mit den Ländereien in Wolfshöfen im Kreis Königsberg, die dieser dann in „Fuchshöfen“ umbenannte.[4] Aus der ersten Ehe (vor 1668) mit Gabriele Fromond († 1673) gingen vier Söhne und eine Tochter hervor. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er am 15. Januar 1674 seine Cousine Luise Friedeborn (1654–1707). Aus beiden Ehen entstammen unter anderen: Johann Paul (1676–1712), brandenburger Hof- u. Legationsrat, dann Appellationsrat in Ravensburg ⚭ Henriette von Brandt (1686–1702), Tochter des Kanzlers der Neumark Ludwig von Brandt (1640–1711) ⚭ Anna Francelina (Franzelline) Louise von Wylich (Heiratet als Witwe Ludwig von Wylich und Lottum) Charlotte (* 20. September 1669) ⚭ Freiherr Wolfgang von Schmettau (1648–1711) | VON FUCHS, Paul (I22138)
|
| 3190 | Herkunft Raimund Berengar I. war der Sohn von Berengar Raimund I. und Enkel von Ermessenda von Carcassonne. Nach dem Tod Berengar Raimunds I. am 26. Mai 1035 wurde dessen Grafschaft auf seine drei Söhne aufgeteilt: Guillem wurde Graf von Osona, Raimund Berengar Graf von Girona und Barcelona, während Sancho das Gebiet im Süden, zwischen Llobregat und dem maurischen Herrschaftsgebiet, das Penedès, zugesprochen bekam. Da alle drei Söhne beim Tode ihres Vaters noch minderjährig waren, übernahm deren Großmutter, Ermessenda von Carcassonne, wie auch bereits bei ihrem Sohn die Regentschaft. Der Adel des Landes nutzte diese Situation zur Stärkung der eigenen Position und zur Schwächung der gräflichen Gewalt. Dabei traten insbesondere hervor: im Penedès Mir Geribert, in Barcelona der Vicomte Udalard II. und Bischof Guislabert, die gemeinsam zwei der vier Türme der Stadtmauer Barcelonas sowie die Hafenfestung Montjuïc kontrollierten. Unterdessen gelangte Mir Geribert in den Besitz der strategisch wichtigen Burgen von Subirats und La Vit und sicherte sich die Gefolgschaft zahlreicher Barone, die mit der gräflichen Politik nicht einverstanden waren. Die Regentin Ermessenda verbündete sich gegen diese Opposition mit dem Bischof von Girona, dem Abt Oliba, sowie einigen treu gebliebenen Adligen wie Amat Elderich von Orís und Gombau von Besora. Volljährigkeit Mit Erreichen der Volljährigkeit im Jahre 1041 übernahm Raimund Berengar I. selbst die Regierung und musste sich nun mit den Ansprüchen des Adels auseinandersetzen. Unterdessen verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Raimund Berengar und seiner Großmutter. Ehen Raimund Berengar heiratete zunächst Isabel von Narbonne, mit der er drei Kinder hatte: Berengar, Arnau und Pere Ramon, wobei nur Letzterer das Erwachsenenalter erreichte. Es folgte eine zweite Ehe mit Blanche von Narbonne, von der er sich allerdings 1052 trennte, um Almodis de la Marche zu heiraten, die vorher Ehefrau von Pons, Graf von Toulouse, gewesen war. Ermessenda missbilligte diese Heirat und setzte über ihre Kontakte zur Kirche durch, dass Papst Viktor II. das Paar im Jahr 1056 exkommunizierte. Politische Erfolge Unterdessen war Raimund Berengar I. 1049 in den Besitz des Penedès gelangt und setzte sich hier gegen Mir Geribert durch, doch erschütterte die Exkommunikation dann seine gräfliche Autorität. Das Blatt wendete sich dann aber wieder zu seinen Gunsten, nachdem die wichtigsten Verbündeten seiner Großmutter, der Abt Oliba und der Bischof von Girona, nacheinander verstarben und auch Ermessenda sich schließlich aus der Politik zurückzog und 1058 starb. Im selben Jahr gelang ihm auch der entscheidende Sieg über Mir Geribert, der ins Exil nach Tortosa flüchten musste. Zudem wurde Raimund Berengar I. im Jahre 1054 Nachfolger von Guillem als Graf von Osona, so dass nunmehr die gesamte Grafschaft, wie zu Zeiten Berengar Raimunds I., wieder in einer Hand vereinigt war. Reconquista Nunmehr war Raimund Berengar auch mächtig genug, um an die Wiederaufnahme der Reconquista gegen die Mauren im Süden zu denken. Bereits 1046 konnte er die Zahlung von Tributen (so genannten paries) durch die Stadt Lleida erzwingen, 1052 auch durch die Stadt Tortosa. 1058 erfolgte dann ein erster Angriff gegen den muslimischen König Muktadir von Saragossa, einem Rivalen des Emirs von Lleida, der den Grafen von Barcelona zu Hilfe gerufen hatte. Die Feldzüge Raimund Berengars I. reichten im Westen bis nach Barbastro. Nicht nur gelang daraufhin den Katalanen die Eroberung von Baixa Ribagorça, Pilçà, Puig-roig, Estopinyà und Canyelles, außerdem wurde 1062 nun auch Muktadir zur Zahlung von Tributen gezwungen, was zu einem deutlichen Aufschwung der Wirtschaft in der Grafschaft führte. Die Grenze der Grafschaft wurde dabei bis vor die Tore der Stadt Tarragona vorgeschoben. Im internen Machtkampf mit dem Adel kam der Graf den Baronen durch eine vermittelnde Haltung entgegen. In den 1060er Jahren schloss er Abkommen mit den wichtigsten Familien, denen er ihre Rechte bestätigte und die ihm dafür im Gegenzug ihre Gefolgschaft versicherten. Rechtsverfassung Raimund Berengar sorgte durch die Kodifikation des katalanischen Rechts in den Usatges de la Cort de Barcelona (Gepflogenheiten des Hofes in Barcelona) für eine der ersten schriftlichen Zusammenfassung des Feudalrechts in Europa. Für den Landesausbau förderlich war auch die Erklärung des Gottesfriedens im Jahre 1027, mit dessen Hilfe Adelsfehden eingedämmt wurden und der zum Vorbilde für ähnliche Landfriedensregelungen in ganz Europa wurde. Der Durchsetzung der gräflichen Gewalt diente der Hof (curia) in Barcelona, in dem der Seneschall (dem die Truppen der Grafschaft unterstanden), der Hausmeier (jutge de palau) und der Vikar von Barcelona die wichtigsten Ämter innehatten. Als Seneschall amtierte zunächst Amat Elderich von Orís, ein Vertrauter der Ermessenda, dem dann 1068 Guillem Ramon von Montcada folgte. Hausmeier war Guillem March, der sich für die schriftliche Festsetzung des katalanischen Rechts einsetzte. Der Vikar von Barcelona wiederum war für die Durchsetzung der gräflichen Autorität auf lokaler Ebene zuständig, insbesondere durch die Verwaltung der landesherrlichen Burgen. Finanzielle Verfassung Die finanzielle Situation der Grafschaft wurde durch die Einnahmen infolge der Siege über die Mauren deutlich verbessert. Raimund Berengar I. konnte mit den Erlösen nicht nur seine gräfliche Domäne erweitern, sondern auch durch entsprechende Zuwendungen die Barone für sich gewinnen und den Ausbau der Infrastruktur in der Grafschaft vorantreiben. Südfrankreich Von besonderer Bedeutung waren die Verbindungen nach Südfrankreich, die durch Raimund Berengars Ehen stark gefördert wurden. Zudem gelang es Berengar Raimund, 1067 die Grafschaft Carcassonne und Rasès zu erwerben, die er seinem Sohn Raimund Berengar II. übertrug. Raimund Berengars I. Frau Almodis gebar ihm außerdem noch einen zweiten Sohn, Berengar Raimund II., doch wurde sie selbst 1071 von Pere Ramon, einem Sohn aus Raimund Berengars erster Ehe, ermordet. Nachfolge Die Nachfolge als Grafen von Barcelona übernahmen nach dem Tod Raimund Berengars I. dessen Söhne, die Zwillingsbrüder Raimund Berengar II. und Berengar Raimund II., zunächst gemeinsam. | (BARCELONA), Raimund Berengar I. der Alte (I40905)
|
| 3191 | Herkunft Sein Großvater war vermutlich Marum Schaul Meier Guggenheim (* 1625 in Worms; gest. 1699 in Lengnau), ein Neffe des Samuel Schlumi (* ca. 1600 Frankfurt am Main; gest. 1657 in Stühlingen), welcher der Urururgroßvater von Meyer Guggenheim (1749–1813, Lengnau) war, dessen Sohn Simon Meyer Guggenheim (1792–1869, Vater des Meyer Guggenheim) im Jahr 1847 aus der Schweiz über Hamburg nach Amerika auswanderte[1] und die bekannte nordamerikanische Linie Guggenheim gründete. Abrahams Eltern waren der Geldwechsler Joseph Juda Guggenheim Marum am Rost (* ca. 1660 Lengnau; gest. 3. Februar 1735 in Frankfurt am Main) und dessen Gattin Frumet Oppenheimer (gest. 1713 in Frankfurt am Main), jüngste Tochter des kaiserlichen Hofagenten Samuel Oppenheimer. Leben Abraham (Awraham ben Joseph) Gugenheim[2] wuchs vermutlich in Frankfurt auf, bevor er bereits einige Zeit vor Oktober 1737 als Kaufmann nach Altona kam. 1751 war er als Rabbi und Almosenverwalter[3] Mitglied in der dortigen jüdischen Gemeinde und zählte zum Unterstützerkreis von Eybeschütz.[4] Abraham hatte aus erster Ehe mit Miriam Glückel Cleve-Gomperz (* ca. 1694; ✡ 20. Oktober 1738, Altona)[5] die Töchter Fromet (1737–1812) und Chava. Aus seiner zweiten Ehe[6] mit Vogel Gugenheim, geb. Levi[7] (gest. 1793 in Neustrelitz) hatte er neben dem ältesten Sohn Joseph Gugenheim (* 1743) noch den Sohn Isaak (* 1749) und mindestens vier weitere Töchter, nämlich Brendel (* 1740, verheiratet mit Leon Elias Bösing, gest. 1772), Blumche (1743–1788, verheiratet mit Moses Selig Bacher[8]), Rachel (* 1750, verheiratet mit Moses Fürst) und Gitel Gugenheim. Im Mai 1761 besuchte Moses Mendelssohn einen Freund, den Augenarzt Aaron Gumpertz, der zu dieser Zeit bei seinen Verwandten, der Familie des Abraham Gugenheim in Hamburg, wohnte. Dort lernte er dessen Tochter, Fromet Gugenheim, kennen und heiratete sie, zunächst ohne Einwilligung Abraham Gugenheims, im Jahr 1762. Schon vor dieser Heirat förderte Mendelssohn auch die Karriere von Fromets Halbbruder Joseph Gugenheim, der später zu seinem Geschäftspartner werden sollte, ebenso wie Mendelssohns anderer Schwager, der Kopenhagener Kaufmann Moses Fürst. Der Grabstein Abraham Gugenheims von 1766 auf dem jüdischen Friedhof Altona in der Königstraße[2] ist beschädigt aber erhalten geblieben, der seiner ersten Gattin Glukche Mirjam bat Man Kleve[9] ist erhalten. Seine verwitwete zweite Gattin Vogel zog unvermögend, mitsamt der ebenfalls verwitweten Stieftochter Fromet Mendelssohn zur Enkelin Recha Meyer nach Neustrelitz und starb dort 1793. Nach Rechas Scheidung kehrten Fromet und Recha jedoch bald nach Altona zurück. | GUGGENHEIM, Abraham (I60107)
|
| 3192 | Herkunft Seine Eltern waren der Seidenhändler Friedrich von der Leyen (1732–1787) und dessen Ehefrau Maria ten Kate (1741–1772) aus Haarlen. Leben 1800 wird Friedrich Heinrich von der Leyen Bürgermeister von Krefeld. 1802 kauft er das kriegsgeschädigte Gut und Schloss Bloemersheim bei Neukirchen-Vluyn auf. Eigentümer ist heute Friedrich Freiherr von der Leyen, welcher mit seiner Familie das Schloss bewohnt und von dort aus den Grundbesitz bewirtschaftet. 1804 kauft Friedrich Heinrich von der Leyen das säkularisierte und zerstörte Klostergut Haus Meer in Meerbusch. Im selben Jahr besucht Napoléon Bonaparte Krefeld und wohnt beim „Seidenbaron“ von der Leyen. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Krefeld wird Friedrich Heinrich von der Leyen zum ersten Vorsitzenden der Chambre consultative de manufactures, fabriques, arts et métiers, einem Vorläufer der heutigen Industrie- und Handelskammer (IHK), gewählt. Die Kammer hatte sich 1804 gegründet; von der Leyen war eines ihrer Gründungsmitglieder. 1805 wurde er Deputierter der gesetzgebenden Versammlung in Paris. Von der Leyen war mit seinem gleichnamigen Vetter in 3. Generation auch Geschäftsführer und Eigentümer der Seidenwebereien Friedrich & Heinrich von der Leyen seines Vaters und einer der reichsten Fabrikanten des Departements. 1813 wurde er mit dem Titel eines baron de l’Empire in der Noblesse impériale geadelt und 1816 in den preußischen Freiherrenstand erhoben. Dazu war er Träger hoher französischer und preußischer Auszeichnungen. Unter anderem wurde er mit dem Pour le Mérite geehrt. 1823 gründete er mit Peter von Loewenich die Seidenweberfirma „F. H. von der Leyen & P. von Loewenich“, nachdem der Gesellschaftervertrag der Seidenwebereien durch Ausscheiden seines Vetters aufgehoben worden war. Da von der Leyen bereits 1825 starb, konnte er den Werdegang dieser neuen Firma nur noch wenig beeinflussen. Familie Von der Leyen war verheiratet mit seiner Cousine Henriette von der Leyen (* 4. August 1774 in Krefeld; † 3. Januar 1850 ebenda). 1800 wurde Friedrich Heinrich von Friedrich (Name des Vaters) von der Leyen zum Bürgermeister von Krefeld. 1801 wurde Krefeld von Frankreich erobert und zum Hauptort des gleichnamigen Arrondissements im Département de la Roer gemacht. 1802 wurde die Gewerbefreiheit nach französischem Recht in Krefeld eingeführt. 1803 kaufte Friedrich Heinrich das Schloss Bloemersheim bei Neukirchen-Vluyn mit seinem kriegsgeschädigten Gutsbetrieb auf und nur ein Jahr später zudem das säkularisierte und zerstörte Klostergut Haus Meer in Meerbusch; beide sind bis heute im Besitz der Familie. Zeitgleich besuchte Napoléon Bonaparte Krefeld und wohnte beim Seidenbaron. Unter seinem Vorsitz als Bürgermeister wurde die Chambre consultative de manufactures, fabriques, arts et métiers, die heutige Industrie- und Handelskammer in Krefeld gegründet. 1805 wurde er Deputierter der gesetzgebenden Versammlung in Paris, 1813 zum baron de l’Empire in der Noblesse impériale erhoben und 1816 auch in den preußischen Freiherrenstand mit dem Namen von der Leyen zu Bloemersheim. Nach dem Ende der Franzosenzeit und der Kontinentalsperre 1815 konnten die Firmen aber nicht mehr zu ihrer alten Blüte heranwachsen. 1825 starb Friedrich Heinrich. | VON DER LEYEN, Friedrich Heinrich (I47935)
|
| 3193 | Herkunft Susette Borkenstein kam als Tochter von Hinrich Borkenstein zur Welt und hatte noch zwei jüngere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Beim Tod ihres Vaters war sie acht Jahre alt und wuchs dann im Hause ihrer hugenottischen Großmutter mütterlicherseits, Johanna Susanne Bruguier geb. Sarasin (1722–1795), heran. Von ihrer Mutter Susanne Borkenstein geb. Bruguier (1741–1793) erhielt sie eine umfassende kulturelle Erziehung und Förderung, zum Beispiel in französischer Literatur, im Musizieren am Klavier, eine Ausbildung zum Gesang und Unterricht zum Tanz in Gesellschaft. Die erhaltenen Briefe von Susette dokumentieren zudem ihre sehr gut ausgebildete Handschrift.[1] Gründung ihrer Familie Susette (oder, wie sie selbst ihren Vornamen schrieb, Suzette) Borkenstein heiratete am 9. Juli 1786 im Haus der reformierten Gemeinde in der Königstraße in Altona (heute zu Hamburg) den fünf Jahre älteren Frankfurter Bankier Jakob Friedrich Gontard und gebar in den folgenden Jahren vier Kinder (Heinrich * 1787, Henriette * 1789, Helene * 1790 und Amalie * 1791). Begegnung mit Hölderlin Im Januar 1796 trat Hölderlin auf Vermittlung von Johann Gottfried Ebel seine Stelle als Hauslehrer bzw. „Hofmeister“ im Haus Weißer Hirsch der Familie Gontard an. Der Name „Hölderlin“ war für Susette Gontard schon ein Begriff, da sie dessen Fragment von Hyperion, welches 1794 in Schillers Zeitschrift Neue Thalia erschienen war, gelesen hatte. Hölderlin sollte sich insbesondere um die Erziehung des Sohnes kümmern. So stand er selbstverständlich in engem Kontakt zu dessen Mutter. Hölderlin war von Susette Gontard seit der ersten Begegnung auf Grund ihrer äußeren Schönheit und ihrer kunstsinnigen und belesenen Art fasziniert. Der Pädagoge August Hermann Niemeyer sah die generelle Gefahr, die die Nähe von Hauslehrer und Dame des Hauses zu jener Zeit prinzipiell darstellte und gab in einer Abhandlung den Rat, dass ein Hauslehrer von selbst unverzüglich zu kündigen habe, wenn er den Eindruck gewonnen hatte, dass die Hausherrin annähernde Schritte machte.[2] Aus Hölderlins Briefen lässt sich jedoch rekonstruieren, dass seit etwa Mai 1796 von einer Liebesbeziehung zwischen der Hausherrin Susette Gontard und Hölderlin auszugehen ist. Hölderlin war zu der Zeit 26 Jahre alt, Susette Gontard 27 Jahre und Mutter des acht Jahre alten Heinrichs (Rufname: Henry), der sechs Jahre alten Henriette (auch Jette genannt), der 5-jährigen Helene und der 4-jährigen Amalie (Rufname: Male). Nach außen hin und gegenüber dem meist abwesenden Hausherrn bildeten Susette Gontard, ihr Sohn Henry, der Hauslehrer Hölderlin, Gontards drei kleine Töchter und die für deren Erziehung verantwortliche Gouvernante Marie Rätzer (1772–1849) aus Bern eine harmonische Einheit.[3] Im Sinne der Pädagogik wurde viel gelernt. In den Stunden der Muße fanden auch gebildete Unterhaltungen statt. Zudem musizierten sie ausgiebig. Für die Hausmusik bildeten die Erwachsenen ein Trio mit Susette Gontard am Klavier, Hölderlin an der Flöte und Marie Rätzer an der Gitarre. Flucht aus Frankfurt nach Driburg Friedrich Hölderlin identifizierte seine Muse Susette Gontard mit Diotima. Eine Büste auf der Insel im Teich des Gräflichen Parks Bad Driburg in Sichtweite zum Hölderlin-Hain erinnert an sie. Die Büste in Driburg ist eine Nachbildung der von Landolin Ohmacht 1793 aus Alabaster gefertigten Porträtbüste der Susette Gontard, die sich in der Liebieghaus Skulpturensammlung befindet. Im Juli 1796 rückte die französische Revolutionsarmee Sambre- und Maas im Zuge ihres Rheinfeldzugs auf Frankfurt vor. Dadurch entstand Panik in der Bevölkerung und viele suchten ihr Heil in der Flucht. Es wurde gepackt, was nur ging, und in den Frankfurter Gassen und Ausfallstraßen drängelten sich die Wagen und Kutschen in langen Trecks. Auf Wunsch des Bankiers Jakob Friedrich Gontard begaben sich auch seine Mutter Susanne Maria Gontard geborene d’Orville (1735–1800), seine ledige Schwester Margarethe Gontard (1769–1814), seine Frau Susette zusammen mit ihren vier Kindern, der Gouvernante Marie Rätzer und dem Hauslehrer Hölderlin auf eine Reise über Kassel Richtung Hamburg zu Verwandten. In Kassel angelangt, kam es in der dortigen Gemäldegalerie zu einer Begegnung mit Wilhelm Heinse. Statt nun wie geplant weiter nach Hamburg zu reisen, entschied sich die aus Frankfurt geflohene Familie Gontard, mit Heinse ins näher gelegene Heilbad Driburg bei Paderborn zu fahren. Dort blieben sie von August bis September 1796 für sechs Wochen und Susette Gontard erlebte in der abgeschiedenen Idylle des Driburger Parks mit Hölderlin eine sehr glückliche Zeit.[4] Weitere Beziehung zu Hölderlin Zurück in Frankfurt blieb Hölderlin noch ganze zwei Jahre als Hauslehrer bei der Familie Gontard. In dieser Zeit spielte Susette Gontard weiterhin die perfekte Rolle der Hausherrin einer großbürgerlichen Familie. In angesehener Gesellschaft repräsentierte sie, unterhielt sich mit den Gästen und neigte dabei auch zu Scherzen und Albernheiten, die Hölderlin wesensfremd waren.[5] Bei solchen Gelegenheiten mied es Susette Gontard, gemeinsam mit Hölderlin in Erscheinung zu treten oder sich mit ihm zu unterhalten.[3] Es kamen jedoch in der Stadt Frankfurt trotzdem Gerüchte über die Beziehung von Susette Gontard zu ihrem Hauslehrer Hölderlin in Umlauf. Im September 1798 verließ Hölderlin das Haus Gontard fluchtartig und zog zu seinem Freund Isaac von Sinclair nach Homburg vor der Höhe, nachdem wegen seines Verhältnisses zu Susette ein Streit mit dem Ehemann Jakob Friedrich Gontard ausgebrochen war. Bis mindestens zum Mai 1800 bestanden zwischen Hölderlin und Susette noch briefliche Kontakte, und es gab (seltene) Treffen, von denen Jakob Friedrich Gontard nichts wissen durfte. Dabei tauschten sie geheim gehaltene Briefe aus, die nicht per Post, sondern bei den oft nur flüchtigen Begegnungen, durch einen Zaun und eine Hecke getrennt, überreicht wurden. Dazu wanderte Hölderlin bei Wind und Wetter von Homburg bis nach Frankfurt und wieder zurück, was in Summe etwa 30 Kilometer Fußmarsch bedeutete. Aus dieser Zeit sind 17 Briefe mit insgesamt 53 beidseitig beschriebenen Briefseiten von Susette Gontard erhalten, die im Geheimfach von Hölderlins Reisekoffer versteckt waren. Eventuell gab es noch weitere nicht erhaltene Briefe. Von Hölderlins Briefen an Susette sind lediglich drei Entwürfe (sowie ein Fragment) überliefert.[6] In einem der letzten erhaltenen Briefe (vielleicht vom 5. März 1800) schrieb Susette: „Ich kann nicht weiter schreiben, Lebe wohl! Lebe wohl! Du bist unvergänglich in mir! und bleibst so lang ich bleibe. - -“[7] Aus Gründen der Vernunft erklärte Susette Gontard im Mai 1800 die endgültige Beendigung des Verhältnisses, da sie verheiratet war, vier Kinder hatte und eine wohlsituierte Frau bleiben wollte. Sie konnte sich eine außereheliche Beziehung zu einem im Prinzip mittellosen Schriftsteller nicht leisten. Der Preis wäre zu hoch gewesen, der Skandal für die Familie Gontard untragbar. Die Ausweglosigkeit ihrer Liebe zu Hölderlin erschütterte nach dem Schlussstrich ihr Gemüt, da sie ihre Sehnsucht zu ihm nach außen hin verbergen musste. Sie versuchte im Alltag weiterhin als Dame der Gesellschaft und als Mutter zu funktionieren, litt jedoch fortan an einer starken Depression, an tief empfundener Öde, innerer Einsamkeit und bangen Ahnungen. Sie erkrankte an Tuberkulose. Zwei Jahre nach der definitiven Trennung von Hölderlin versiegte ihre Lebenskraft.[8] Die Nachricht von Susettes Erkrankung könnte Hölderlin zum Weggang von seiner Hauslehrerstelle in Bordeaux im Mai 1802 veranlasst haben. Bald darauf, vermutlich Anfang Juli 1802, dürfte er in Stuttgart von ihrem Tod erfahren haben. Geschwächt durch die Tuberkulose erlag sie einer Röteln-Infektion.[9] In dem Gedichtfragment „Wenn aus der Ferne“ lässt er die verstorbene Geliebte sagen: „denk / An die, die noch vergnügt ist, darum, / Weil der entzükende Tag uns anschien, / Der mit Geständniß oder der Hände Druk / Anhub, der uns vereinet. Ach! wehe mir! / Es waren schöne Tage. Aber / Traurige Dämmerung folgte nachher.“[10] Als Witwer heiratete Jakob Friedrich Gontard in zweiter Ehe am 11. Juni 1815 in Frankfurt am Main die gebürtige Offenbacherin Renette Thurneyssen, geb. d’Orville (1769–1856), Witwe des Baumwollhändlers Carl Wilhelm Thurneyssen.[11] | BORKENSTEIN, Susette (I57327)
|
| 3194 | Herkunft Theodor von Bismarck-Bohlen war der Sohn des Hauptmann im 1. Elb-Landwehr-Infanterieregiment Ernst Friedrich Alexander von Bismarck (1763–1820)[1] und Luise Henriette Dorothea, geborene von Miltitz (1771–1805)[2]. Fürst Otto von Bismarck war ein Vetter ersten Grades von Theodor Bismarck-Bohlen. Werdegang Bismarck besuchte die Schule Kloster Berge, bevor er 1805 als Fähnrich ins I. Bataillon Garde der Preußischen Armee eintrat. 1806 nahm er an der Schlacht von Auerstädt teil und geriet dort mit dem Korps „Hohenlohe“ zunächst in Kriegsgefangenschaft. Er avancierte mit Patent von 1807 im Jahre 1809 zum Sekondeleutnant im Regiment Garde zu Fuß, wo er 1813 zum Premierleutnant aufstieg. Während der Befreiungskriege wurde er in der Schlacht bei Großgörschen schwer verwundet, kämpfe weiterhin u. a. vor Dresden, Leipzig, Paris, wo er erneut verwundet wurde. Für Großgörschen hatte er das Eiserne Kreuz II. Klasse erhalten. Nach seiner Beförderung zum Kapitän und Kompaniechef im 29. Infanterie-Regiment zeichnete er sich in der Schlacht bei Ligny aus und erhielt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Neben weiteren Gefechten nahm er auch an der Schlacht bei Belle Alliance teil. Noch 1815 wechselte er zum 33. Infanterie-Regiment. 1819 stieg er zum Major auf, wechselte 1820 zum 34. Infanterie-Regiment und erhielt schließlich 1828, da sein Schwiegervater gestorben war und er das Landgut verwalten musste, seinen Abschied als Oberstleutnant mit der Erlaubnis zum Tragen der Regimentsuniform. Bismarck wurde 1830 Führer des 2. Aufgebots beim III. Bataillon im 2. Landwehr-Regiment und Ritter des Johanniterordens. Nachdem er 1843 zum Oberst aufstieg, wurde er 1851 von dem Verhältnis bei der Landwehr entbunden, jedoch à la suite beim III. Bataillon weitergeführt. 1854 erhielt er seinen abermaligen Abschied als Generalmajor. Er erhielt 1863 den Charakter als Generalleutnant und anlässlich des 50. Jahrestages der Schlacht bei Großgörschen wurde ihm ebenfalls 1863 der Rote Adlerorden I. Klasse verliehen. Bereits 1832 wurde Bismarck als Abgeordneter der Ritterschaft des Greifswalder Kreises in den Provinziallandtag der Provinz Pommern und in den Kommunallandtag von Neuvorpommern und Rügen gewählt. 1842 wurde er zum Landtagsmarschall ernannt. Er gehörte 1847 dem Vereinigten Landtag an.[3] Die Kommunalstände wählten ihn 1851 zum Landkasten-Bevollmächtigten. Familie | VON BISMARK-BOHLEN, Theodor Karl Alexander Friedrich Philipp (I58110)
|
| 3195 | Herkunft Werner III. war der einzige Sohn des Grafen Werner II. von Maden und im Neckargau, der am 18. Juni 1053 in der Normannenschlacht von Civitate zusammen mit seinem Bruder Adalbert II. von Winterthur und ihrem Vetter Burkhard II. von Nellenburg für den mit ihnen verwandten Papst Leo IX. gefallen war. Da Werner beim Tode seines Vaters noch minderjährig war, verwaltete vermutlich seine unbekannte Mutter das hessische Erbe, während ein Vetter seines Vaters, Eberhard der Selige von Nellenburg, in Schwaben die Rolle des Vormunds übernommen haben soll und zeitweise als Graf im Neckargau amtierte.[1] Werner III. nannte sich auch Werner von Grüningen, wohl um zu betonen, dass er ein Spross der Grafenfamilie war, die das Vorstreitrecht und Erbamt des Reichssturmfähnrichs innehatte, welches mit dem Reichslehen von Burg und Stadt Grüningen (heute Markgröningen) verbunden war.[2] Gefährte des jungen Königs Von 1061 an, inzwischen volljährig geworden, war Werner offiziell Inhaber der Grafschaft Maden im Hessengau, welche die Gebiete um Fritzlar, Rotenburg, Spangenberg, Melsungen und Homberg an der Efze umfasste. Dazu kamen ab 1062 bzw. 1065 zumindest Teile der Ohm-Lahn-Grafschaft (Weilburg), Großen-Linden südwestlich von Gießen, und Homberg an der Ohm. Von seinem Großvater Werner I. von Winterthur stammten außerdem Eigengüter und Lehen bei der Kyburg im Thurgau, im Neckargau, im Rheingau und in Worms. Er scheint, trotz seiner Jugend, erheblichen Einfluss auf den noch jüngeren, erst 1050 geborenen und vermutlich mit ihm verwandten König Heinrich IV. gehabt zu haben. Jedenfalls spricht ihm Lambert von Hersfeld neben Kaiserin Agnes und Erzbischof Adalbert von Bremen entscheidenden Einfluss auf die Reichspolitik dieser Jahre zu. Allerdings war der Chronist ein entschiedener Gegner des Erzbischofs und des „mächtigen“ und ob seiner „Wildheit“ offenbar gefürchteten Grafen Werner, der 1064 Lamberts Kloster, der Reichsabtei Hersfeld, mit Unterstützung des Königs ein Gut in Kirchberg bei Gudensberg entwendet hatte.[3] Werner war mit Willebirg von Achalm verheiratet, durch die er und in der Folge sein Sohn weiteren schwäbischen Besitz erlangte. Im Januar 1065 erhob König Heinrich IV. Werners minderjährigen Schwager Werner II. von Achalm zum Bischof von Straßburg – eine Kirchenrecht ignorierende Gefälligkeit, mit der sich die Beteiligten den Vorwurf der Simonie einhandelten und die zum Investiturstreit beitragen sollte. Ende Am 24. Februar 1065[4] mischte sich Graf Werner in Ingelheim in ein Handgemenge ein, in das seine Vasallen wegen Plünderei geraten sein sollen. Dabei wurde er durch den Keulenhieb eines „der niedrigsten Leibeigenen unseres Klosters oder, wie andere sagen, einer Tänzerin“ aufs Haupt niedergestreckt. Laut Lambert von Hersfeld wurde der Schwerverletzte sodann zum Königshof getragen, wo ihm die dort anwesenden Bischöfe zusetzten, den unrechtmäßig angeeigneten Meierhof in Kirchberg dem Kloster Hersfeld zurückzugeben: „Er aber fügte sich auf keine Weise, bis die Bischöfe einstimmig drohten, dem Sterbenden das heilige Abendmahl nicht reichen zu wollen, wenn er nicht vorher von einer so großen Sünde sich entlastet hätte.“ Als er schließlich nachgegeben hatte, „verschied er gleich darauf“.[5] Werner III. hinterließ einen etwa fünfjährigen Sohn, Werner IV., der als letzter Vertreter seines Hauses ebenfalls an der Seite Heinrichs IV. und schließlich dessen Sohnes Heinrich V. zu finden war. Literatur Ludwig Friedrich Hesse & Wilhelm Wattenbach: Die Jahrbücher des Lambert von Hersfeld. Leipzig 1893 Ludwig Friedrich Heyd: Geschichte der Grafen von Gröningen. Stuttgart 1829 Paul Kläui: Die schwäbische Herkunft des Grafen Werner. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Bd. 69, 1958, S. 9–18 Wilhelm Christian Lange: Werner IV. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 42, Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 22–27. Karl Hermann May: Reichsbanneramt und Vorstreitrecht in hessischer Sicht. Münster/Köln 1952 Weblinks Werner III. auf www.genealogie-mittelalter.de (Memento vom 7. Mai 2010 im Internet Archive) | VON GUDENSBERG, Werner III. (I61302)
|
| 3196 | Herkunft Zu Glismuts Herkunft liegen keine Quellen vor, in der Forschung ist die Frage umstritten. Die Behauptung, Glismut sei eine uneheliche Tochter des Kaisers Arnulf gewesen (und König Konrad I. stamme folglich von den letzten Karolingern ab), wurde bereits 1779 von Johann Martin Kremer „hinlänglich widerlegt“[1], wird aber immer noch kolportiert[2]. Einem Eintrag in einem Nekrolog der Abtei Remiremont zufolge ist der Name von Glismuts Mutter „Amulred“. Diese könnte somit eine Tochter (dux) Ekberts von Sachsen sein. Die Nachkommenschaft Glismuts mutterseits, aus dem Geschlecht der Cobbonnen, konnte von Jackman (2006) nachgewiesen werden. Stein hatte 1872 gezeigt, dass Oda, die Ehefrau des Kaisers Arnulf, keine Schwester Konrads des Älteren war, und angenommen, dass ihr Vater Berengar oder Berthold war, zwei Brüder und Onkel Konrads aus der Familie der Konradiner. Diese Auffassung wird auch heute noch weitgehend akzeptiert. Hintergrund der Vermutungen in Richtung der Konradiner sind die Bezeichnungen propinquus Ludovici und nepos amabilis, die den Söhnen Konrads des Älteren in Bezug auf König Ludwig das Kind gegeben werden. Jackman sieht diese Bezeichnungen, insbesondere mit dem Zusatz amabilis, als Hinweis auf eine wesentlich engere Verwandtschaft, als von Stein und Hlawitschka aufgezeigt, allerdings nicht auf der väterlichen, sondern auf der mütterlichen Seite: Er kommt zu dem Schluss, dass Königin Oda als Mutter König Ludwigs und Glismut als Mutter König Konrads Schwestern gewesen seien. Daraus schließt er insbesondere, dass weder Berengar noch Berthold Odas Vater waren sowie dass Oda nicht zur Familie der Konradiner gehören kann. Eine Folge seiner Annahme ist, dass König Konrad I. als Vetter ersten Grades der nächste Blutsverwandte Ludwig war, was – nach Jackman – bei der Königswahl im Jahr 911 eine entscheidende Rolle spielte. | Glismut (I47242)
|
| 3197 | Herkunft und Ausbildung Veit stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie. Seine Mutter Karoline Veit (1774‒1857) war eine Tochter von Salomon Veit (1751‒1827), Mitgründer und Mitinhaber des Berliner Bankhauses Gebrüder Veit; sein Vater Philipp Veit (1758‒1838) war ein jüngerer Bruder von Salomon Veit. Simon Veit, der erste Ehemann von Dorothea Schlegel, war ein Bruder des Vaters. Die Familie war bereits seit der Zeit des Großen Kurfürsten in Berlin ansässig.[1] Veit besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium und legte sein Abitur 1825 ab. Er besuchte die Universität Berlin und hörte Vorlesungen in unterschiedlichen Fächern, insbesondere Geschichte, Philosophie, Philologie und Geographie. Er blieb an der Universität bis 1832/33 eingeschrieben, besuchte aber seit 1829 keine Vorlesungen mehr. Hauptsächlich beeinflusst wurde er von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Er machte viele Reisen nach Dresden, Heidelberg und verschiedentlich nach Weimar. Dort kam er unter anderem mit dem Kreis um Johann Wolfgang von Goethe in Kontakt. In Berlin führte sein Vater ein gastfreundliches Haus. An den dortigen „Donnerstag Abenden“ beteiligte sich unter anderem auch Heinrich Heine. Die meisten Teilnehmer dieser Runden waren Juden oder Personen mit jüdischen Wurzeln. Da er materiell abgesichert war, widmete sich Veit dem Schreiben. Er arbeitete als Kritiker und äußerte sich als Journalist gegen antijüdische Entwicklungen. Er schrieb dabei regelmäßig für zahlreiche Zeitschriften und Zeitungen. Ab 1830 gab er den Berliner Musen-Almanach heraus, an dem sich auch Johann Wolfgang von Goethe und zahlreiche weitere bekannte Autoren wie Achim von Arnim, Gustav Schwab und Adelbert von Chamisso beteiligten. Auch Veit selbst veröffentlichte dort einige seiner Gedichte. Allerdings musste der Almanach wegen ausbleibenden Erfolgs vermutlich schon 1831 wieder eingestellt werden. Er erkannte wohl in dieser Zeit, dass er kaum Karriere als Dichter machen könnte. Auch eine akademische Laufbahn kam für ihn als Juden nicht in Frage. Im Jahr 1833 hat er in Jena mit einer Arbeit über Henri de Saint-Simon promoviert. Danach heiratete er am 10. Juni 1834 Johanna Elkan (* 25. September 1807; † 24. Dezember 1889), Tochter des Bankiers Julius Elkan in Weimar. Die Ehe blieb kinderlos. Das Paar führt ein geselliges Haus in Berlin. An den dortigen Abenden nahmen Buchhändler, Politiker, Schriftsteller und Gelehrte teil. 1840 trat Veit der Gesellschaft der Freunde bei und wurde mehrfach zu deren stellvertretendem Vorsitzenden gewählt. Moritz Veit wurde im Friedhof Schönhauser Allee in der Ehrenreihe von Feld A beerdigt. Seine Ehefrau wurde neben ihm beigesetzt.[2] Verleger Veit selbst entschloss sich, Buchhändler zu werden, und erwarb zusammen mit Joseph Levy (ab 1839: Joseph Lehfeldt) eine entsprechende Konzession. Im Jahr 1833 wurde ein Verlag gekauft und 1834 die Firma Veit & Company gegründet. Das Hauptgeschäft machte das Unternehmen mit einem Wohnungsanzeiger für Berlin. Die neue Firma übernahm auch die Herausgabe des Enzyklopädischen Wörterbuchs der medizinischen Wissenschaften. Daneben wurden zahlreiche wissenschaftliche Werke und Zeitschriften herausgegeben. Johann Gustav Droysen und Wilhelm Adolf Schmidt gehörten zu den Hauptautoren. Unter den wissenschaftlichen Zeitschriften war die von Schmidt herausgegebene Allgemeine Zeitschrift für Geschichte. Nicht zuletzt gab er die neun Bücher preußischer Geschichte von Leopold Ranke heraus. Wichtig war das Laienbrevier von Leopold Schefer. Es erschienen naturwissenschaftliche, forstwissenschaftliche, juristische, medizinische Werke und Bücher weiterer Fachrichtungen. Besonders gepflegt wurde die Literatur zum Schachspiel. Herausgegeben wurden eine Reihe philosophischer Werke. Dabei hatten die Gesamtausgabe der Werke von Johann Gottlieb Fichte sowie der Briefwechsel zwischen Friedrich Schiller und Körner nur mäßigen Erfolg. Veits anhaltender Nähe zu Fichte drückte sich auch darin aus, dass er 1862 einer der Hauptredner zur Feier des hundertjährigen Geburtstages des Philosophen war.[3] Veit verlegte einige Werke Bettina von Arnims und ihres Mannes Achim von Arnim. Ebenso wurde das System des römischen Rechtes von Friedrich Carl von Savigny veröffentlicht. Die erste deutsche Übersetzung eines Werkes vom bedeutenden deutsch-amerikanischen Anthropologen Franz Boas, Kultur und Rasse, erschien 1914 in für ein deutsches Publikum umgearbeiteter Form. Daneben erschienen einige politische Schriften etwa von Maximilian Duncker. Er veröffentlichte Schriften zu Themen des Judentums und der Emanzipation. Der Verlag von Veit gehörte nicht zu den großen aber zu den hoch geachteten seiner Zeit. Enge Verbindung pflegte Veit zu auswärtigen Verlegern, regelmäßig besuchte er die Leipziger Buchmesse. Veit setzte sich interessenpolitisch für den Buchhandel ein. Er arbeitete intensiv in der Buchhändlerkorporation mit, wurde stellvertretender Vorsitzender und von 1853 bis 1863 Vorsitzender des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler. Dabei trat er regelmäßig gegen eine Einschränkung der Pressefreiheit und für den Schutz der Autorenrechte auf. Er wirkte in diesem Zusammenhang in den 1850er Jahren an Abkommen mit Frankreich zum Schutz des geistigen Eigentums bei. Nach dem Tod seines Partners 1858 verkaufte Veit seine Anteile an einen Leipziger Buchhändler. Der Verlag ging 1919 im Walter de Gruyter Verlag auf. Politiker Daneben hat er in verschiedener Funktion die Politik in Berlin beeinflusst. Seit den 1840er Jahren war er Berliner Stadtverordneter. Im Jahr 1849 wurde er unbesoldeter Stadtrat. Nach Ablauf seiner Amtszeit wurde er wieder Stadtverordneter und blieb dies auch in den folgenden Jahren mit kurzen Unterbrechungen. Im Jahr 1863 wurde er zum stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Insbesondere arbeitete Veit in der Gewerbedeputation und im Bereich der Schul- und Waisenpflege mit. Mitglieder der Casinofraktion in der Frankfurter Nationalversammlung Veit selbst war politisch gemäßigt, blieb überzeugter Monarchist und erstrebte die deutsche Einheit unter Führung Preußens auf friedlichem Wege. Nach der Märzrevolution von 1848 war er Mitglied des liberalen konstitutionellen Clubs und für den 6. Berliner Wahlbezirk in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Nach Ernest Hamburger war er auch bereits Mitglied im Vorparlament.[4] Dort gehörte er der Casinofraktion an. Er sprach nie im Plenum, beteiligte sich aber intensiv an den Beratungen der volkswirtschaftlichen Kommission. Als Zielvorstellung einer künftigen Wirtschaftspolitik formulierte er, dass diese „die Ausschließlichkeit des Privilegs ebenso vermeiden sollte, wie die ungezügelte Anarchie des Laissez-faire“[5] Veit unterstützte die Gründung der kurzlebigen Reichsbibliothek als einer deutschen Nationalbibliothek tatkräftig.[6] Er veröffentlichte verschiedene Flugblätter und Schriften, in denen er unter anderem gegenüber seinen Wählern seine Positionen darstellte. Dabei begrüßte er als Maßnahmen gegen die Radikalen die Verlegung der preußischen Nationalversammlung von Berlin nach Brandenburg.[7] Von Dezember 1848 bis Mai 1849 war Veit Redakteur der „Parlamentskorrespondenz der Zentren.“ Er wählte Friedrich Wilhelm IV. zum Deutschen Kaiser mit. Zusammen mit seiner Partei schied er am 20. Mai 1849 aus dem Parlament aus. Er war im selben Jahr Teilnehmer des Gothaer Nachparlaments.[8] Im Jahr 1851 wurde er in einer Nachwahl in die erste Kammer des preußischen Landtages gewählt, wo er sich mit der geschwächten liberalen Partei weitgehend erfolglos für die Pressefreiheit einsetzte. In den frühen 1850er Jahren war er als politischer Schriftsteller besonders aktiv. Er schrieb regelmäßig für die „Constitutionelle Zeitung“, die er nach dem Ausscheiden von Rudolf Haym zeitweise auch redigierte. Auch auf Grund der Eingriffe durch die Zensur musste das Blatt sein Erscheinen bereits 1851 einstellen. Veit hatte insbesondere wegen seiner politischen Äußerungen mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So wurde seinem Verlag der lukrative Berliner Wohnungsanzeiger entzogen. In den folgenden Jahren der Reaktion blieb er einer gemäßigten altliberalen Linie treu. In deren Umfeld stand Veit zwar nie in erster Reihe, gab aber im Hintergrund Ratschläge und wirkte am politischen Leben mit. Seit 1858 war er Mitglied im preußischen Abgeordnetenhaus. Er wirkte dort in vielen Kommission und brachte zusammen mit Hermann Carl Rudolf Duncker den Entwurf für eine Novelle der Gewerbegesetzgebung ein. Nicht zuletzt versuchte er, die Reste der Diskriminierung der Juden zu bekämpfen. Veit gehörte an führender Stelle dem Deutschen Nationalverein an. Wie Gabriel Riesser gehörte er dem Präsidium an.[9] Zusammen mit anderen gehörte er dem Ausschuss zur Gründung der „Berliner Allgemeinen Zeitung“ an. Als er 1861 zu Beginn des preußischen Verfassungskonflikts für die von der Mehrheit der Liberalen abgelehnten Militärreform stimmte, bedeutete dies das Ende seiner politischen Laufbahn. Allerdings sollte sich sein Abschiedswort als zutreffend erweisen: „Ich will die Militärreform ohne – Ihr werdet sie mit einem konservativen Ministerium bekommen.“ Tätigkeit in der jüdischen Gemeinde Die neue Synagoge in Berlin um 1865 Neben seiner beruflichen und politischen Tätigkeit war Veit auch religiös engagiert. Allerdings lässt er sich nicht klar einer Richtung innerhalb des Judentums zuordnen. Bei aller Liberalität bewahrte er immer auch Respekt vor den traditionellen Formen seiner Religion. Gegenüber den Reformbestrebungen blieb er auf Abstand. Er setzte mit seinem langjährigen Freund Michael Sachs in der jüdischen Gemeinde einen Rabbiner durch, von dem er glaubte, dass dieser seine Haltung teilte.[10] Veit war von 1839 bis 1848 einer der Ältesten der jüdischen Gemeinde. Danach war er Vorsteher des Repräsentantenkollegiums. Über zwei Jahrzehnte übte er einen entscheidenden Einfluss auf die Berliner jüdischen Gemeinde aus. Ihm war das 1840 gegründete und 1858 neuorganisierte Lehrerseminar besonders wichtig.[11] Erheblichen Anteil hatte er an der Ausarbeitung des Gemeindestatuts von 1847. In diesem Zusammenhang veröffentlichte er auch eine allgemeine Schrift zum Thema.[12] Auch für den Bau der neuen Synagoge war er intensiv tätig. Sie wurde allerdings erst nach seinem Tod eröffnet. In verschiedenen Fällen befragten ihn Behörden in Fragen des Judentums als Gutachter und zogen ihn Minister und politische Gremien als Interessenvertreter jüdischer Interessen heran. Immer, wenn es galt, gegen Beschränkungen für jüdische Bürger vorzugehen, meldete sich Veit zu Wort. Teilweise kam es dabei auch zum Widerspruch mit seinen allgemeinen politischen Ansichten. So beklagte er, dass die Herrscher mehrfach das Prinzip der Gleichberechtigung beschworen hätten, diesen Grundsatz aber nie zur Ausführung kommen ließen. Dagegen wäre das Volk dem Prinzip der Gleichheit niemals untreu geworden.[13] Werke (Auswahl) Berliner Musenalmanach für 1831. Berlin 1831. Digitalisat. Polenlieder ein Todtenopfer. Hamburg 1832. Digitalisat. Saint Simon und der Saintsimonismus. Allgemeiner Völkerbund und ewiger Friede. Leipzig 1834. Digitalisat. Die Erweiterung des Schutzes gegen Nachdruck zu Gunsten der Erben verdienter Autoren. Berlin 1855. Digitalisat. Literatur W. Wehrenpfennig: Zum Andenken an Moritz Veit. (Besonders abgedruckt aus dem dreizehnten Bande der Preußischen Jahrbücher.) Berlin 1864. Digitalisat. Erweitert um Gedichte von Veit: Andenken an Moritz Veit. Für Freunde als Manuskript gedruckt. Berlin 1870. Digitalisat. Ludwig Geiger: Veit, Moritz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 535–546. Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 6. Berlin/Eberswalde 1908, S. 972–975 Digitalisat. Ernest Hamburger: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit. 1848–1918. Tübingen 1968. Hanns G. Reissner: Gebrüder Veit · Berlin (1780‒1931). In: Gegenwart im Rückblick. Festgabe für die Jüdische Gemeinde zu Berlin 25 Jahre nach dem Neubeginn. Heidelberg 1970, S. 274‒295, mit Abridged genealogical table VEIT als loser Beilage. (S. 285‒287: Moritz Veit.) Ernst G. Lowenthal: Von Moritz Veit bis Heinrich Stahl. Gemeindevorsteher 1845 bis 1943 / Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Berlin. In: Jahrbuch Der Bär von Berlin. Hrsg. v. Verein für die Geschichte Berlins, 28. Jahrgang, Berlin 1979. Anne-Katrin Ziesak: Der Verlag Walter de Gruyter 1749‒1999. Berlin 1999, ISBN 3-11-016698-4. (S. 106‒140: Hochgeachtet und vornehm. Der Verlag Veit & Comp.) Christian Jansen: Veit, Moritz. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. 734 (deutsche-biographie.de). Veit, Moritz, in: Renate Heuer (Hrsg.): Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 20, München: De Gruyter 2012, S. 172–176 | VEIT, Moritz (I60750)
|
| 3198 | Herkunft und Familie Ehemalige Sommerresidenz der Familie an der Brühler Kaiserstraße Ludolf Camphausen kam als Bürger der Ersten Französischen Republik während der Annexion des Rheinlands durch Napoleon Bonaparte zur Welt und wurde erst 1815 Preuße. Die Familie Camphausen spielte schon seit längerem eine bedeutende Rolle für den Handel und das produzierende Gewerbe im Rheinland. Gottfried Ludolf war Sohn des Kaufmannes Gerhard Gottfried Camphausen, der eine Tabak- und Ölhandlung betrieb. Die Mutter war Maria Wilhelmine geborene Peuchen. Das Ehepaar hatte mehrere Kinder. Der Bruder August war später Geschäftspartner von Ludolf Camphausen. Ein anderer Bruder war der spätere preußische Finanzminister Otto von Camphausen. Camphausen besuchte das Gymnasium in Weilburg. Später ging er auf die Handelsschulen in Rheydt und Berg. Anschließend machte er eine kaufmännische Lehre in Düsseldorf und beteiligte sich am kulturellen Leben der Stadt. Durch den Besuch der Handelsschulen gehörte Camphausen zu der kleinen Gruppe der höher Gebildeten unter den frühen Unternehmern. Dies erleichterte ihm später die Kontakte mit den Bildungsbürgern auf der einen Seite und den vielfach aus der Praxis kommenden Wirtschaftsbürgern auf der anderen Seite.[1] Ludolf Camphausen heiratete Elise Lenssen, die Tochter eines Spinnereibesitzers aus Rheydt. Mit ihr war er mehr als sechzig Jahre verheiratet. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, die später einen Justizrat Nacken aus Köln heiratete. | CAMPHAUSEN, Gottfried Ludolf (I52808)
|
| 3199 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I60964)
|
| 3200 | Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. | Lebend (I7035)
|