Strauss Genealogie


Notizen


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3051 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I7550)
 
3052 Hallwyl, auch Hallwil oder Hallweil, ist der Name eines Geschlechts des niederen Adels in der Schweiz, das jedoch später wegen seiner Dienste mit dem Titel eines Reichsgrafen im Rang erhöht. Der Ursprung der Familie liegt im Seetal im heutigen Kanton Aargau. Der Stammsitz der Familie ist das Schloss Hallwyl.

Margret von Baldegg, geb. von Hallwyl, quittiert ihren Vettern, die Brüder Rudolf & Konrad von Hallwyl, um den Empfang ihres jährlichen Leibgedings von 33 1/2 Stück für 1429, das ihr von Rüdi Heltschi, der genannten Brüder Amtmann, gänzlich ausbezahlt wurde 
VON HALLWIL, Margareta (I10484)
 
3053 Hallwyl, auch Hallwil oder Hallweil, ist der Name eines schweizerischen Uradelsgeschlechts mit Stammsitz Schloss Hallwyl im Seetal im heutigen Kanton Aargau. Das Geschlecht diente den Habsburgern und wurde später in das Berner Patriziat aufgenommen, nachdem 1415 die Stadt und Republik Bern die Herrschaft im Berner Aargau übernommen hatte. Einzelne Zweige traten in verschiedene ausländische Dienste. 1671 wurde die Familie von Kaiser Leopold I. in den erbländischen Grafenstand erhoben. Der Stammsitz Schloss Hallwyl blieb bis 1994 im Besitz der Familienstiftung. VON HALLWIL, N. (I31964)
 
3054 Hammerschmied, Beruf Hüttenbesitzer, Beruf Rheidtmeister, Beruf Zunftmeister. Ihr Sohn Jacob Flender (* um 1563, + 1620/27) war Hüttenbesitzer und Hammerschmied und betrieb zudem in solchem Maße Handel, dass Böttger ihn den wohl "führenden Industriellen jener Zeit" nennt. Er muß wegen seiner um-fangreichen Tätigkeiten in hohem Ansehen gestanden haben, denn er erhielt zahlreiche Aufträge von seinem Landesherrn, Graf Johann VII von Nassau-Siegen. So lieferte er 12 Zentner Fensterstangen für das Dillenburger Schloß und Rüstungsgegenstände wie Geschütze verschiedener Kaliber. Solche staatlichen Aufträge brachten ihm beträchtliche Summen ein, die ihm wiederum eine Ausweitung seiner Handelsbeziehungen ermöglichten. Aus einem erhaltenen Brief vom 17. April 1619 an seinen Landesherrn, in dem er mit "Jacob Flender vor d(er) Hardt" unterschreibt, geht hervor, dass seine
Kontakte bis nach Danzig reichten. Als Hammerschmied war er auch Mitglied der Zunft der Hammerschmiede und Massenbläser. 1604 wird er zu deren erkorenem Meister (Zunftmeister) gewählt - in Anerkennung für seine führende Tätigkeit. Während seiner Amtszeit wurden alle neu aufgenommenen Zunftbrüder jährlich in das "Handtwercksbuch der Massenbläser undt Hammerschmidtszunfft in undt vor der Statt Siegen" eingetragen.
Aus: "Friedrich Flender vor der Hardt - Ein Kämpfer für Recht und Freiheit des siegerländer Volkes" (Hermann Böttger):
"Unter diesen vier Flenderahnen ist Jacob besonders beachtenswert; man kann ihn ohne Übertreibung als führenden Siegerländer Eisenindustriellen seiner Zeit bezeichnen. Aus den Ausgabeverzeichnissen des landesherrlichen Rentmeisters geht hervor, daß er z.T. zusammen mit Jacob Schleifenbaum vor der Hardt eine beträchtliche Zahl von Geschützen verschiedener Kaliber für den Grafen hergestellt hat, die einen Gesamtwert von rund 672 Gulden hatten, eine für die Wirtschaft jener Zeit erhebliche Summe, entsprach sie doch dem Kauf wert von 112 Kühen...".
Forschungs-Notizen: Urgrossvater des siegerländischen Freiheitskämpfers Friedrich Flender vor der Hardt. 
FLENDER, Jacob (I1129)
 
3055 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I19)
 
3056 Hans Albrecht von Barfus trat schon in jungen Jahren in die Armee ein. Er kämpfte in Schlachten gegen Polen, Schweden, Frankreich und vor allem gegen das Osmanische Reich. So konnte er sich 1686 bei der Befreiung Ofens auszeichnen und 1691 die schon verloren geglaubte Schlacht bei Slankamen gewinnen helfen. Vom Kaiser Leopold I. wurde Barfus für seine Tapferkeit gelobt und 1699 in den Reichsgrafenstand erhoben, außerdem vom Kurfürsten zum Generalfeldmarschall befördert. Durch seine Heirat in die einflussreiche Familie von Dönhoff gewann er am brandenburgischen Hof an Macht, war 1697 nach dem Sturz Eberhard von Danckelmans sogar kurzzeitig Premierminister. Wegen einer Intrige gegen Graf Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg musste er 1702 schließlich seinen Abschied nehmen und sich auf seine Güter zurückziehen.

Herkunft
Johann Albrecht von Barfus wurde 1635[1] auf dem Rittergut Möglin geboren. Sein Vater Georg Henning von Barfus (1611–1673) war zu dieser Zeit Rittmeister beim kaiserlichen Kürassier-Regiment des Obersten von Wins und noch 1640 in diesen Diensten. Später wurde er Oberst zu Ross beim brandenburgischen Reiterregiment des Generals Graf Georg Friedrich zu Waldeck. 1663 erschien er in einem Verzeichnis der kriegserfahrenen Offiziere der Mark Brandenburg als Oberstleutnant. Er entstammte einem alten märkischen Adelsgeschlecht, das 1251 erstmals erwähnt wurde,[2] und heiratete Cäcilia Freiin von Wins, die auch aus einem wohlbegüterten jüngeren brandenburgischen Geschlecht stammte.[3]

Die väterlichen Güter Möglin, Reichenow, Bliesdorf und Altwriezen, die zum Teil schon seit Jahrhunderten in Familienbesitz waren, hatte der Dreißigjährige Krieg sehr mitgenommen, besonders der langwierige Aufenthalt des kaiserlichen Regiments des Generalfeldmarschalls Torquato Conti.

Die beiden Brüder der Mutter standen in kaiserlichen Diensten und hatten es dort zu hohen Ehren gebracht. Der Ältere, Christoph von Wins, war Oberst und hatte in Schlesien in den Fürstentümern Münsterberg und Neisse die Rittergüter Schützendorf und Gührau erworben. Der Jüngere, Johann von Wins, war Kammerherr, Kriegsrat sowie Oberst eines Regiments Kürassiere und wurde samt seinem Bruder und seiner Schwester 1630[4] vom Kaiser Ferdinand II. in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Der Kaiser unterzeichnete das Diplom persönlich und verlieh ihm den Namen Freiherr von Leis und Wins.

Militärische Karriere
Unter Kurfürst Friedrich Wilhelm
Der Einfluss seines Vaters, wie auch seiner Onkel, bestimmte Hans Albrecht von Barfus schon früh zum Kriegsdienst. 1650 trat er beim Fußvolk in die kurbrandenburgische Armee ein und diente „von der Pike auf“, was er des Öfteren zu erwähnen pflegte, als er später zum General aufgestiegen war.

Seine ersten Feldzüge unternahm er unter dem Feldmarschall Otto Christoph von Sparr, den Generalen Joachim Ernst von Görzke, Georg von Derfflinger und dem Grafen Georg Friedrich zu Waldeck. So focht er 1656 als Leutnant auf schwedischer Seite gegen die Polen und nahm an der Schlacht bei Warschau teil. In seinen ersten Dienstjahren stieg er nur langsam auf, war im Januar 1670 immer noch Leutnant. Erst der Französisch-Niederländische Krieg, in dem Brandenburg auf holländischer Seite kämpfte, machte ihn 1672 zum Hauptmann und zum 1673 Oberstwachtmeister. Er scheint wegen seiner langsamen Beförderung daran gedacht zu haben, den Kriegsdienst zu verlassen, da er von 1673 bis 1677 mehrere Güter um Soldin in der Neumark ankaufte.

Am 25. Dezember 1677 zum Oberst befördert, erhielt er Anfang 1678 das Regiment des gestorbenen Generalfeldzeugmeisters Christian Albrecht von Dohna und wohnte mit demselben dem Feldzuge in Pommern gegen die Schweden bei; der brandenburgische Kurfürst hatte inzwischen die Seiten gewechselt. Im September 1678 war er bei der Landung auf Rügen und beim Angriff des Korps unter General Otto Wilhelm von Königsmarck zugegen. Schließlich konnten die Brandenburger Stralsund und ganz Vorpommern erobern. Am 28. Februar 1683[5] wurde er Gouverneur der Festung Peitz, am 9. Juni dieses Jahres[6] Generalmajor. Im August führte er mit dem Generalmajor Graf Wolfgang Christoph Truchsess von Waldburg 1000 Mann Fußvolk und 200 Dragoner dem Kaiser Leopold I. gegen die Türken zur Hilfe.[7] Sie vereinigten ihre Truppen mit einem Teil der polnischen Armee, konnten aber bei der Beendigung der Belagerung Wiens am 12. September noch nicht eingreifen, weil sich der Wiener und der Berliner Hof nicht über die Bedingungen einigen konnten. Zur Befreiung der wichtigen Festung Gran konnten sie am 21. September allerdings beitragen, worüber der polnische König Johann III. Sobieski in seinem Schreiben an den Kurfürsten von Brandenburg seine besondere Zufriedenheit äußerte. Auch bei der Einnahme der Festung Schretzein zeichneten sie sich aus und eroberten ein altes brandenburgisches Geschütz, das die Türken in einem früheren Krieg erbeutet haben mögen und das von Barfus als Siegeszeichen dem Kurfürsten heimbringen durfte. Damit war der Feldzug in Ungarn beendet: Das weitere Vordringen der Türken nach Mitteleuropa war gestoppt, Nordwestungarn wurde habsburgisch und die Truppen kehrten in die Mark zurück.

Am 10. Januar 1685 wurde von Barfus Gouverneur und Oberhauptmann der Festung Spandau. In Friedenszeiten hatte er auch administrative Pflichten zu erfüllen. Im April 1685 erhielt er beispielsweise vom Kurfürsten den Auftrag, einen Streit zwischen dem Fürstenwalder Magistrat und der Bürgerschaft beizulegen. Den von ihm vorgeschlagenen Rezess genehmigte der Kurfürst.


Die Befreiung Budas, Gemälde eines unbekannten Künstlers (um 1700)
Am 27. Dezember 1685 erhielt von Barfus den Befehl, sich zu einem erneuten Feldzug nach Ungarn bereitzuhalten. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte sich verpflichtet, dem Kaiser 8000 Mann zur Hilfe zu senden, darunter auch vom Regiment Barfus ein 578 Mann starkes Bataillon. Am 17. April 1686 hielt der Kurfürst die Heerschau bei Crossen ab und das Korps marschierte unter dem Oberbefehl des Generalleutnants Hans Adam von Schöning durch Schlesien nach Ungarn. Im Juni kamen die Truppen vor Buda an und wurden am 27. Juni durch den kaiserlichen kommandierenden General Karl von Lothringen besichtigt. Nach mehr als neun Wochen Belagerung erfolgte am 2. September der Hauptangriff, wobei Charles Eugène de Croÿ den rechten, Hans Albrecht von Barfus den linken Flügel befehligte. Die Türken flüchteten sich auf das Schloss und ergaben sich tags darauf. Damit war Buda, damals die Hauptstadt der Türken in Ungarn, befreit. Die Brandenburger traten im Oktober den Rückmarsch an und erreichten am 7. Dezember Grünberg in Schlesien, wo das Korps auseinanderging.

Unter Kurfürst Friedrich III.
Am 29. April 1688 starb der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm. Am darauf folgenden Tag wurde von Barfus von seinem Nachfolger, dem Kurfürsten Friedrich III., zum Generalleutnant befördert. Am 19. September fand die feierliche Beisetzung des „Großen Kurfürsten“ statt, wobei von Barfus die in Berlin aufgestellten Truppen befehligte. Am 11. Dezember erhielt er die Ernennung zum wirklichen geheimen Kriegsrat. Damit war der Grundstein seiner politischen Laufbahn gelegt, die ihn später in höchste Ämter führen sollte. Doch zunächst standen noch einige Kriegszüge bevor.


Belagerung und Bombardierung der Stadt Bonn, Kupferstich von J. P. Richermo (1689)

„Plan von der Belagerung von Bonn“, Kupferstich von J. W. Schleuen (1690)
Am Anfang des Jahres 1689 befand sich von Barfus am Rhein und im Februar in Den Haag, wo er mit Graf Georg Friedrich zu Waldeck und holländischen Generalen den nächsten Feldzug gegen die Franzosen beriet. Die Holländer vereinigten sich daraufhin bei Alpen mit den am Rhein zusammengezogenen brandenburgischen Truppen unter den Generalen von Schöning, Alexander von Spaen und von Barfus. Der Kurfürst von Brandenburg übernahm das Oberkommando. Am 13. März trug von Barfus zum Erfolg der Schlacht bei Uerdingen bei.[8] Dann wurden Neuss, Rheinberg, Zons sowie Kaiserswerth genommen und die Armee marschierte nach Bonn. Am 22. Juni war von Barfus mit seinen Truppen Bonn gegenüber angekommen und hatte Befehl, die Beueler Schanze auf der rechten Rheinseite einzunehmen. Der Zufall fügte es, dass zwei Tage später beim Beschuss eine Granate in das Pulvermagazin der Schanze schlug und eine Bresche in die Verteidigungsanlagen riss. Im Sturmangriff wurden die Reste der Besatzung überwältigt. Von Barfus ließ die eroberte Schanze erweitern und Wurfbatterien anlegen, die Bonn bombardierten. Die brandenburgische Armee schloss Bonn auf der linken Rheinseite ein. Der am 11. Juli im Lager Wesseling eingetroffene Kurfürst war unschlüssig, ob er den französischen Kommandanten von Bonn, Alexis Bidal Marquis d’Asfeld (1654–1689), durch eine Blockade oder eine förmliche Belagerung zur Übergabe zwingen sollte, weshalb er seine Generale aufforderte, sich schriftlich dazu zu äußern. Von Barfus stimmte für eine förmliche Belagerung und forderte in seinem Schreiben vom 15. August „mehr Infanterie, Artillerie, Munition, Schanzzeug, Faschinen, Geld und etliche Tausend Bauern.“[9]

Der Streit mit von Schöning

Hans Adam von Schöning, Kupferstich von August Christian Fleischmann (um 1690)
Am 24. August kam die Nachricht, dass der Marschall Louis de Crévant, duc d’Humières ein Korps gegen Mainz entsandt habe, um die Belagerung durch die Verbündeten zu brechen. Von Barfus erhielt den Befehl, mit 6000 Mann zur Verstärkung der Belagerungsarmee von Mainz unter dem Herzog Karl von Lothringen zu marschieren. Die Truppen brachen auf, und von Barfus wollte ihnen am 30. August folgen, als sich ein Streit zwischen ihm und dem jüngeren, aber militärisch über ihm stehenden von Schöning ereignete. Feldmarschallleutnant von Schöning, der als hochmütig und habsüchtig beschrieben wird, behandelte seine Untergebenen oft mit Härte und Geringschätzung. In einer schriftlichen Stellungnahme äußerte sich von Barfus folgendermaßen zu dem Vorfall: Er habe vom Kurfürsten den Befehl erhalten, sich bei von Schöning abzumelden und diesen in Kenntnis gesetzt …

„nach Mainz zu marschiren […] worauf er mir zur Antwort gab: es wäre Wunder, daß ich ihm die Civilität thäte und ihn anspräche, so er doch vermeinte, daß es schon längst meine Schuldigkeit wäre. Ich sagte, daß ich thäte, was meines gnädigen Herrn Befehl wäre, und wenn ich gewußt hätte, daß ich keine andere Antwort von ihm bekommen sollte, würde ich stillgeschwiegen haben. Er sagte wenn Seine Kurfürstliche Durchlaucht mir auch nichts befohlen hätte, so wäre es dennoch meine Schuldigkeit gewesen und wenn Seine Kurfürstliche Durchlaucht nicht zugegen wären, wollte er mir schon lehren, was meine Schuldigkeit wäre, so er zum andernmale repetirte, worauf ich antwortete, wenn Seine Kurfürstliche Durchlaucht nicht zugegen wären, müßte ich sehen, was er mir lehren würde.“[10]

Dann kam Geheimrat Eberhard von Danckelman, von dem von Barfus sich verabschiedete und die beiden sofort verließ, um zu seinen Truppen zu reiten. Bevor er sein Pferd besteigen konnte, kam der Feldmarschall-Leutnant und bat ihn zur Seite:

„Da wir bis ungefähr 100 Schritte von der Hauptwache waren, blieb er stehen und sagte zu mir: ich sollte den Degen ziehen. Ich antwortete, daß er mich ja hergeführt: er möge ihn selbst ziehen, so würde er schon sehen, was ich thun würde. Da er zu unterschiedlichenmalen an mich begehret, daß ich erst sollte den Degen ziehen, ich ihm aber antwortete, daß ich schon sähe, was er damit wollte, sagte er: ich hätte das Herz nicht gegen ihn den Degen zu ziehen, welches er wohl zehnmal repetirte und endlich zu den Umstehenden sich umwendete und mit verächtlicher Miene sagte, der Teufel sollte ihn holen, wo ich das Herz hätte, den Degen gegen ihn zu ziehen, wendete er sich wieder nach mir und schlug mit seinem Stocke den meinigen, worauf ich mich mit meiner linken Hand gestützet, aus, daß er bei drei Schritte wegfiel, worauf ich den Stock wieder aufgehoben und nach ihm gestoßen, so er gleichfalls gethan, und ich darauf zum Degen gegriffen, desgleichen er auch gethan.“[11]

Die Umstehenden konnten die Generale nur mit Mühe voneinander trennen. Der Kurfürst ließ beide vorläufig festnehmen und entzog ihnen ihr Kommando. Er nahm die Sache sehr ernst[12] und forderte Gutachten unter anderen von den Wirklichen Geheimräten Ezechiel Spanheim und Otto von Schwerin an. Die Folge war von Schönings Entlassung aus dem kurfürstlichen Dienst.

Die Belagerung von Bonn wurde trotz dieses Zwischenfalls fortgesetzt und die Festung am 2. Oktober eingenommen. Danach bezog von Barfus Winterquartier in Neuss. 1690 führten der greise Feldmarschall von Derfflinger und von Barfus den Oberbefehl über die brandenburgischen Truppen, die mit den Verbündeten Dinant belagerten. Von Barfus führte bald das alleinige Kommando, da von Derfflinger wegen Krankheit die Armee verlassen musste. Er rückte zum Niederrhein ab und zog nach der Schlacht bei Fleurus nach Brabant. Später wurden die brandenburgischen Regimenter über die Maas verlegt, und von Barfus begab sich nach Berlin.

Die Schlacht bei Slankamen
→ Hauptartikel: Schlacht bei Slankamen
1691 erhielt von Barfus den Befehl, ein Korps Brandenburger dem Kaiser Leopold I. gegen die Türken zur Hilfe zu führen.[13] 4809 Mann Infanterie und 1444 Berittene wurden Mitte April bei Crossen vereinigt und am 23. April vom Kurfürsten besichtigt. Das Korps trat danach seinen Marsch durch Schlesien und Mähren nach Ungarn an. In Göding an der mährisch-ungarischen Grenze musterte der Kaiser die Truppen. Am 9. Juni brach von Barfus wieder auf und marschierte über Neuhäusel und Gran zur Vereinigung mit der kaiserlichen Armee unter dem Markgrafen Ludwig von Baden. Am 20. Juli setzte sich die Armee von Essegg nach Peterwardein in Bewegung, welches sie am 18. August erreichten.

Die Türken hatten bei Slankamen auf den Höhen längs der Donau ein verschanztes Lager, worin der Großwesir Köprülü Fazıl Mustafa Pascha mit 50.000 Janitscharen und anderer Infanterie stand. 200 Geschütze verteidigten die günstig gelegene Verschanzung. In der Ebene stand die türkische Kavallerie, ebenfalls 50.000 Mann stark, unter dem Seraskier Pascha und dem ungarischen Grafen Emmerich Thököly. Die kaiserliche Armee bestand aus 55 Bataillonen und 134 Schwadronen mit 90 Geschützen, in einer Stärke von etwa 45.000 Mann. Den rechten Flügel bildete die Masse der Infanterie und 20 Bataillone unter dem Feldzeugmeister Carl Graf Souches. Der linke Flügel stand in der Ebene gegenüber der türkischen Reiterei und bestand aus 85 Schwadronen sowie 16 Bataillonen unter Feldmarschall Johann Heinrich von Dünewald. Das Zentrum von 17 Bataillonen und 31 Schwadronen befehligte von Barfus.


Die Schlacht bei Slankamen, Kupferstich eines unbekannten Künstlers (1702)
Am 19. August griff die kaiserliche Infanterie über den rechten Flügel an. Im Sturmschritt erreichten sie die türkischen Verschanzungen und hissten das Banner des Kaisers. Da streckte eine Kugel den General Graf Souches zu Boden und die Janitscharen drängten das Fußvolk zum Rückzug. Die Kürassiere der Division des Herzogs von Holstein zwangen die Janitscharen unter großen Verlusten wieder in die Verschanzungen und wurden zum zweiten Mal zurückgeschlagen. General Graf Guido von Starhemberg, von einem Pfeil in der Brust getroffen, befehligte den dritten Angriff. Auch dieser war nicht erfolgreich – alle Führer waren nun tot oder verwundet. Der längst befohlene Angriff des linken Flügels wurde durch Gestrüpp und hohes Gras aufgehalten. Den Ansturm der türkischen Reiterei vermochten die Kaiserlichen nicht aufzuhalten. Ihre Reihen wurden durchbrochen und der Sieg der Türken stand bevor. Da schwenkte von Barfus mit den Soldaten des Zentrums und griff die Türken in der Flanke an, so dass der rechte Flügel Zeit gewann, sich zu sammeln und in Gemeinschaft mit den Brandenburgern zurückzuschlagen. Markgraf Ludwig übernahm im linken Flügel selbst den Befehl. Das Fußvolk zurücklassend führte er die Kavallerie der zahlenmäßig überlegenen feindlichen Reiterei in die rechte Flanke. Die aus 6000 Kürassieren bestehende Reserve stürzte ins feindliche Lager. Als von Barfus die Erfolge des linken Flügels sah, rückte er mit dem Zentrum im Sturmschritt gegen die türkischen Verschanzungen vor, gefolgt von den Überresten des rechten Flügels. Obwohl sich die Janitscharen bis in die Nacht verteidigten, konnten sie ihre Niederlage nicht mehr aufhalten. 20.000 von ihnen bedeckten am nächsten Morgen das Schlachtfeld. Durch den Sieg der Kaiserlichen wurde Siebenbürgen habsburgisch und Österreich war auf dem Weg zur europäischen Großmacht. Aber der Sieg war teuer erkauft: Der Verlust betrug 7300 Mann, davon 1000 Brandenburger. Markgraf Ludwig schrieb dem Kurfürsten Friedrich III.:

„Ich kann Euer Kurfürstlichen Durchlaucht den außerordentlichen Valor und das gute Benehmen Dero General-Lieutenant von Barfus, sowie Ihrer braven Truppen nicht genug rühmen, und ihnen allein hat der Kaiser den Sieg und die Vernichtung der Türken zu danken.“[14]

Dem Kaiser schrieb er:

„[…], daß Dero löbliche General und alle Officirer ein jeder bey seinem Posto eine gross Tapfferkeit und Eiffer bezeuget, die höhere Generals auch als Feld-Marschall Graff Dünewald, General-Feld-Zeugmeister Graff Souches, General der Cavalleria Graff Styrum und Brandenburgische General-Lieutenant von Barfuß, hin und wieder, nachdem es die Zeit und Noth erfordert ihren Valor, Tapfferkeit und Conduite beständig erwiesen.“[15]

Kaiser Leopold hatte schon damals die Absicht, General von Barfus in den Reichsgrafenstand zu erheben. Dieser verbat sich aber diese Ehre, da er mit seiner Gemahlin in kinderloser Ehe lebte. Kurfürst Friedrich III. beförderte ihn in Anerkennung seiner Verdienste zum General der Infanterie und erteilte dem gesamten Geschlecht der von Barfus ein Lehnspardon, worin ihnen alle Lehnsfehler verziehen und die Belehnung mit sämtlichen Familiengütern erneuert wurde.

Nach der Schlacht marschierte von Barfus mit den Brandenburgern und General Graf Guido von Starhemberg mit fünf Bataillonen Kaiserlicher zur Einschließung der Festung Großwardein, welche am 16. Oktober unter persönlicher Führung der beiden Generale im Sturm genommen wurde. Hierauf wurden die Winterquartiere bezogen und die Brandenburger kehrten im Frühjahr 1692 in die Heimat zurück.

1692 war von Barfus mit Feldmarschall von Flemming und General Friedrich von Heiden Befehlshaber der brandenburgischen Truppen am Rhein und in den Niederlanden. Auch hielt er sich während dieser Zeit öfters im Hauptquartier des englischen Königs Wilhelm III. auf. Dieser und Kurfürst Max Emmanuel von Bayern leiteten die Befreiung Namurs, das die Franzosen unter Marschall Herzog von Luxemburg besetzt hatten. Von Barfus bezog mit dem Generalstab Winterquartier in Xanten. Wo er die nächsten beiden Jahren verbrachte, ist nicht überliefert. Einzig die Hochzeit mit der Eleonore aus der einflussreichen Familie von Dönhoff wird in der Literatur erwähnt. Zu weiteren Feldzügen sollte er jedoch nicht mehr eingesetzt werden. Von 1693 bis 1702 war er Kommandeur der Leibgarde.

Politische Karriere
Premierminister
Am 15. Juni 1695 wurde von Barfus Feldmarschallleutnant und bemühte sich von Berlin aus die Quittainenschen Güter im Kreis Preußisch Holland in Ostpreußen zu erwerben, die bisher der Feldmarschall von Derfflinger besessen hatte. Nach dem Tode des Feldmarschalls hatte er mit dessen Erben einen Kaufvertrag abgeschlossen und ersuchte die Oberräte der preußischen Regierung in Königsberg um einen jus indigenatus. Der Kurfürst Friedrich III. erteilte ihm dieses Recht am 16. Dezember 1695.

Nach dem Tod des polnischen Königs Johann III. Sobieski im Juni 1696 wurde von Barfus mit einigen Regimentern nach Preußen beordert, um die Grenzen zu sichern. Am 11. Juni ernannte ihn der Kurfürst zum Generalfeldmarschall. Er nahm nun vermehrt repräsentative Pflichten wahr. Zum Beispiel begleitete er den Kurfürsten 1697 auf einer Reise nach Königsberg und zu dessen Schwager, dem Herzog von Kurland. Im Mai wurde die russische Gesandtschaft in Königsberg empfangen, wobei der Feldmarschall rechts vom Throne hinter dem Markgrafen Albrecht stand.


Eberhard von Danckelman, Ölgemälde von David Richter d. Ä. (um 1690)

Wortlaut des „Edict, wegen Einführung der Wagen- und Peruquen-Steuer“
Spanien hatte bei Brandenburg noch Schulden von mehr als 400.000 Talern, wofür das Herzogtum Limburg an der Maas als Unterpfand eingeräumt und von den Brandenburgern besetzt wurde. Die Holländer hatten ebenfalls große Geldforderungen an Spanien und strebten ebenso nach diesem Pfand. Der Erste Minister Freiherr Eberhard von Danckelman soll Bestechungen seitens der Holländer zugänglich geworden sein und veranlasste den Abzug der brandenburgischen Truppen aus dem Limburgischen, das die Holländer sofort besetzten. Brandenburg hatte danach nie wieder Gelegenheit gehabt, seine Forderungen sicherzustellen. Von Barfus, Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg und Christoph von Dohna leiteten daraufhin den Sturz Danckelmans ein. Im November 1697 wurde er verabschiedet – von Barfus überbrachte ihm das Entlassungsschreiben des Kurfürsten – und kam im Dezember in Festungshaft nach Spandau, später nach Peitz, seine Güter und der größte Teil seines Vermögens wurden eingezogen. Als einige Monate später eine Kriminaluntersuchung gegen von Danckelman eingeleitet wurde, stand von Barfus an der Spitze der damit beauftragten Kommission. Es ist nicht auszuschließen, dass von Barfus persönliche Motive hatte, v. a. weil von Danckelman seinen Bruder Daniel Ludolph von Danckelman 1691 zum Generalkriegskommissar gemacht hatte; auch die Verdrängung aus dem aktiven militärischen Dienst schrieb er dem Ersten Minister zu.

Von Barfus versah nach dem Sturz Danckelmans vorübergehend die Funktion des Premierministers, ohne allerdings den Titel „Oberpräsident“ zu übernehmen. Nie ein Freund der Franzosen, war eine seiner ersten Amtshandlungen die Einführung der Perückensteuer, um der französischen Mode entgegenzutreten. Außerdem versuchte er durch Reduktion der Armee die angespannte Finanzlage zu verbessern. Seine Macht wurde jedoch bald auf Militärisches begrenzt. Am 2. Dezember 1699 erging ein kurfürstliches Dekret, das vorschrieb, dass von Barfus jedes vom Regenten in Kriegssachen herausgegebene Papier mitunterzeichnen solle, in Finanzsachen Graf Kolbe von Wartenberg und in Staats-, Justiz-, Lehns- und Gnadenangelegenheiten der Geheime Staatsrat Paul von Fuchs. Nachdem Letzterer immer mehr verdrängt wurde, konnte Kolbe von Wartenberg der Nachfolger Danckelmans werden.

1698 hatte von Barfus einen Auftrag seines Kurfürsten wegen der Besitznahme von Elbing und dessen Umgebung. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte nämlich 1655 dem König Johann II. Kasimir von Polen Hilfsgelder zum Krieg gegen die Schweden bewilligt und dafür die Stadt Elbing und das umliegende Gebiet als Unterpfand bekommen. 1698 wurden einige Regimenter unter Generalleutnant Wilhelm von Brandt in Preußen zusammengezogen, um die bedeutende Handelsstadt zu besetzen. Der Bürgermeister übergab sie friedlich, nachdem General von Brandt ihm gezeigt hatte, welche militärischen Mittel bereitstanden. Von Barfus wurde noch in diesem Jahr Gouverneur von Berlin[16], Oberkriegspräsident, Kommandeur der Garde zu Fuß und Chef des ehemaligen von Flemmingschen Kürassier-Regiments. Im September dieses Jahres trat er die Oberhauptmannschaft von Spandau an den Oberhofmarschall Philipp Karl von Wylich und Lottum ab und am 29. September wurde er zum Landeshauptmann der Länder Ruppin und Bellin ernannt.

1699 war der Graf Christoph von Dohna vom Kurfürsten zum König Wilhelm III. von England gesandt worden, um das durch die Entlassung des Ministers von Danckelman gestörte freundschaftliche Verhältnis wiederherzustellen. Der König erklärte, sein Vertrauen in keiner Weise dem damaligen Oberkammerherrn Graf Kolbe von Wartenberg geben zu wollen, sondern entweder dem Feldmarschall von Barfus, den er von den Kriegen gegen Frankreich kannte, oder dem Grafen Alexander von Dohna, Bruder des Grafen Christoph.

Reichsgraf und Ritter des schwarzen Adlerordens
Von Barfus wurde 1699 von Kaiser Leopold I. in den Reichsgrafenstand erhoben. Nachdem er 1691 diese Standeserhöhung abgelehnt hatte, nahm er jetzt gern an, weil er inzwischen mit Gräfin Eleonore von Dönhoff vermählt war, die ihm bereits zwei Söhne geschenkt hatte. Das Grafendiplom wurde am 10. September 1699 unterzeichnet:

„Wenn wir [Leopold I.] nun gnädiglich angesehen […] das Uralte, adliche und Ritterliche Herkommen Tugend, große Vernunft, Geschicklichkeit und in Kriegesdiensten erworbene, sonderbare Erfahrenheit, womit […] General-Feld-Marschall und Oberster Krieges-Präsident Hans Albrecht von Barfus gerühmet worden […] da Er sowohl bei der mit stürmender Hand eingenommenen Festung Ofen, als auch in glücklicher und tapferer Anführung der von des Kurfürsten Liebden[17] im jüngst geendigten Türkenkriege wider den Erbfeind christlichen Namens geschickten 6000 Mann Hülfsvölker bei der zu Szalankament vorgegangenen blutigen Schlacht einen so unverzagten Heldenmuth und Resolution bezeiget, daß desselben hierbei bewiesene ungemeine Tapferkeit und Geschicklichkeit, Uns von Unserer ganzen Generalität angerühmet, auch Ihm und gedachten Hülfsvölkern, billig ein nicht geringer Theil des erstrittenen großen Sieges zugeleget worden. […]
So haben Wir demnach zu eigener Erkenntnis solch uralten Herkommens getreuen und nützlichen Diensten, aus selbsteigener Bewegnis, mit wohlbedachten Muth und Rath und rechtem Wissen, Ihn Hans Albrecht von Barfus samt allen seinen jetzigen und künftigen ehlichen Leibeserben, beiderlei Geschlechts absteigender Linie, für und für in ewiger Zeit, in den Stand, Ehr und Würde, Unserer und des Heiligen Römischen Reichs, auch Unserer Erbkönigreich, Fürstenthum und Landen Grafen und Grafinnen erhebet und gestalt, also ob sie von ihren vier Ahnen Vater- und Mutterlichen Geschlechts beiderseits rechtgeboreren Grafen und Gräfinnen wären.“[18]


Kasimir Graf Kolbe von Wartenberg
Am 29. Oktober 1699 wurde der Reichsgrafenstand durch ein kurfürstliches Dekret anerkannt.[19] Friedrich III. bereiste im Herbst 1699 die Neumark und Pommern in Begleitung des Feldmarschalls von Barfus und des Oberkammerherrn Graf Kolbe von Wartenberg. Er hielt seinen festlichen Einzug in Küstrin und Stargard. In Letzterem eröffnete das Kürassier-Regiment, dessen Chef der Feldmarschall war, den Zug. Von Barfus erwarb in diesem Jahr auch Güter in der Mark Brandenburg und zwar in der Gegend von Beeskow, nachdem er seine väterlichen Güter im Landkreis Oberbarnim an seine Brüder abgetreten hatte. Im Juli 1699 kaufte von Barfus die Dörfer Kossenblatt und Werder für 32.000 Taler und 100 Dukaten Schlüsselgeld von Friedrich Wilhelm von Oppen (1664–1709), mit dem er über seine Großmutter Catharina von Oppen verwandt war. Zur Abrundung des Besitzes erwarb er im Jahre 1700 von Adam und Hans von Pannwitz das Rittergut Briescht, 1702 von Caspar von Oppen (* 10. Juni 1683) die Lehngüter Wiese, Plattkow mit der „Splauheyde“ und der Schäferei.

Den Kurfürsten beschäftigte schon längere Zeit der Plan, die Königswürde für das souveräne Herzogtum Preußen zu erwerben. Der Premierminister von Danckelman war stets dagegen und zog sich dadurch den Unwillen des Kurfürsten zu. Kaiser Leopold I. wurde durch den Sieg bei Slankamen schon günstig gestimmt, dazu kam die Bestechung seines Beichtvaters.[20][21] Am 6. November 1700 wurde schließlich ein förmlicher Vertrag abgeschlossen.[22] Kurfürst Friedrich III. reiste am 17. Dezember von Berlin nach Königsberg ab, um sich dort zum König krönen zu lassen. Von Barfus begleitete ihn als Vertreter der Armee. Am 17. Januar 1701 wurde der Schwarze Adlerorden als höchste preußische Auszeichnung gestiftet, in welchen von Barfus noch am selben Tag aufgenommen wurde.

Rückzug nach Kossenblatt

Schloss Kossenblatt, Lithografie von Theodor Albert (1870)
Dem Premierminister Kolbe von Wartenberg, der nach dem Sturz von Danckelmans an die Macht gekommen war, wurden noch größere Anmaßungen als seinem Vorgänger nachgesagt, dazu kamen Vermögensanhäufungen, wozu seine Frau nicht wenig beitrug. Von Barfus war der Einzige, der es wagte, ihm die Stirn zu bieten. Auch wenn er eine mächtige Partei auf seiner Seite hatte, so die Königin Sophie Charlotte, die Grafen Christoph und Alexander von Dohna, den Generalkriegskommissar Otto Magnus von Dönhoff, den Oberhofmarschall Graf von Wylich und Lottum und den Hofmarschall Christoph Ludwig von der Wense, misslang die gegen Kolbe von Wartenberg eingefädelte Intrige. Von Barfus musste am 18. August 1702 seinen Abschied aus Berlin nehmen und beschäftigte sich dann mit dem auf einer Spreeinsel in Kossenblatt begonnenen Schlossbau.[23] Weil der Ort nicht sehr günstig war – man musste viele starke Baumstämme in den sumpfigen Grund rammen – wurde das Schloss erst 1712 fertiggestellt. Der Generalfeldmarschall starb schon am 27. Dezember 1704 und wurde in dem an der Kirche erbauten Erbbegräbnis beigesetzt. Die Leichenpredigt hielt der königliche Hofprediger Daniel Ernst Jablonski.

Gestalt und Charakter
Hans Albrecht von Barfus war von großem, kräftigen Körperbau, über sechs Fuß (ungefähr 190 cm, wenn mit Fuß der Preußische gemeint ist) hoch und durch den anstrengenden Kriegsdienst abgehärtet. Er wird beschrieben als

„streng und eifrig in Ausübung seiner Dienstpflichten, tapfer und unerschrocken gegen den Feind, [er] besaß vorzügliche und seltene Eigenschaften eines Feldherren, namentlich die, Fehler des Feindes in der Schlacht und in den großen Bewegungen gleich zu erkennen und zu benutzen, was […] die Einnahme der Beueler Schanze 1689 und die Schlacht von Szalankament 1691 besonders darthun. Anmaßungen von Personen, die gleich ihm eine hohe Stellung einnahmen, konnte er nicht ertragen, sondern wurde gleich veranlaßt, ihnen die Spitze zu bieten. Dies beweisen sein Streit mit dem General von Schöning und seine Einwirkungen gegen die Minister von Dankelmann und Graf Kolbe von Wartenberg.“[24]

Carl Hinrichs beschrieb ihn als eine „mächtige und derbe, soldatisch-steifnackige Gestalt, umwittert von dem Glanz der Teilnahme an den Türkenkriegen.“[25] Kurt von Priesdorff dagegen nannte ihn „vorbildlich, persönlich tapfer, beliebt bei seinen Soldaten, die ihm gern folgten. Barfus war ein in Krieg und Frieden bewährter General.“[26] Auch Bernhard Erdmannsdörffer äußerte sich ähnlich: „B[arfus] gehörte unstreitig zu den tüchtigsten unter den älteren, aus der Schule des 17. Jahrhunderts hervorgegangenen Generälen der preußischen Armee; man rühmt an ihm neben persönlicher Tapferkeit und Mannszucht besonders die Fähigkeit schneller Orientirung und gewandter Benutzung der Gelegenheiten und der Fehler des Feindes.“[27] Nach Theodor Fontane „war [er] tapfer, soldatisch, spezifisch deutsch, antifranzösisch […], habsüchtig, aber unbestechlich, rechthaberisch, aber nicht ungerecht, in Intriguen verwickelt, aber nicht eigentlich intrigant.“[28]

Vier Bildnisse von ihm sind überliefert:

ein Kupferstich eines unbekannten Künstlers aus dem 14. Band des „Theatrum Europaeum“, Matthäus Merians Erben, Frankfurt am Main 1702. Dieser zeigt ihn in Rüstung als Brustbild vor kreuzschraffiertem Hintergrund in Oval innerhalb eingefasstem Schraffur-Rechteck. Unten am Rahmen ist das Wappen abgebildet. Die lateinische Umschrift des 16 × 12 cm großen Stichs lautet „JOHAN[ne]S ALBERTUS A BARFUS DOMINUS IN QUITTENEN. SERENISS[i]MI ELECTORIS BRANDENBURG[urgi]CI CONSILIARIUS BELLI INTIMUS ET CAMPI MERECHALLUS GENERALIS“.[29][30]
ein Porträt, Öl auf Leinwand, eines unbekannten Malers um 1702. Von Barfus ist mit Schulterband und Bruststern des schwarzen Adlerordens abgebildet und in eine Uniform der kurmärkischen Garde gekleidet, deren Kommando er Mitte 1702 niederlegte.[31] Das 42 × 32 cm große Gemälde wird heute in der Zitadelle Spandau aufbewahrt.
ein Ölgemälde in Lebensgröße, Kniestück, gemalt von König Friedrich Wilhelm I.
ein Ölgemälde in Lebensgröße des Malers Otto Mengelberg.
1. Kupferstich eines unbekannten Künstlers (1702)
1. Kupferstich eines unbekannten Künstlers (1702)

2. Ölgemälde eines unbekannten Künstlers (um 1702)
2. Ölgemälde eines unbekannten Künstlers (um 1702)

3. Ölgemälde von König Friedrich Wilhelm I. (1736)
3. Ölgemälde von König Friedrich Wilhelm I. (1736)
Nachkommen
Am 6. Juli 1667 ging von Barfus mit Elisabeth von Schlabrendorff, (* 1. März 1647; † 30. September 1691) eine Ehe ein, welche kinderlos blieb. Von Barfus weihte ihr nach ihrem Tod in der Domkirche in Brandenburg ein prachtvolles Denkmal aus Marmor mit einer selbstverfassten Inschrift. 1693 vermählte sich von Barfus in zweiter Ehe mit Eleonore von Barfus geb. Gräfin von Dönhoff (* 23. Mai 1669; † 1726;[32] Tochter des Oberkammerherrn Friedrich von Dönhoff), mit der er drei Söhne hatte. Der Älteste, Friedrich Otto wurde 1694 geboren und wie sein Vater Soldat. Ab 1707 war er an der Ritterakademie Brandenburg und widmete sich dann frühzeitig dem Kriegsdienst. 1715 war er Adjutant des Grafen Christoph von Dohna bei der Belagerung von Stralsund. 1716 wohnte er dem Feldzug gegen die Türken in Ungarn bei, wurde als Major bei einem Kürassier-Regiment in der Schlacht bei Belgrad schwer verwundet und starb am 3. September 1717 an diesen Verletzungen in Wien. Auch der zweite Sohn, Karl Friedrich, war wie sein Bruder seit 1707 Zögling, hier Nr. 37, der Ritterakademie in Brandenburg, wurde Offizier und starb 1730 jung.[33]

Karl Friedrich Ludwig, geboren 1700, scheint eine absichtlich vernachlässigte Erziehung erhalten zu haben, da seine nächsten Verwandten nach seinem Erbe trachteten. Der Graf Alexander von Dönhoff, Bruder seiner Mutter, General und Adjutant König Friedrich Wilhelms I. leitete und förderte 1736 den Verkauf der Kossenblatter Güter an den preußischen König und bewirkte die Allodifikation der Quittainschen Güter in Preußen, welche er seinem Neffen Otto Philipp Graf von Dönhoff testamentarisch vermachte. Ludwig starb wie seine Brüder kinderlos und damit war der Stamm der Grafen von Barfus erloschen.

Nachleben
Im Jahre 1889 gab Kaiser Wilhelm II. einem 1813 gegründeten Regiment den Ehrennamen „Graf Barfuß“, den es bis zu seiner Auflösung nach dem Ersten Weltkrieg trug:

„Ich will das Andenken an den General-Feldmarschall Grafen Barfuß dadurch ehren und in Meiner Armee dauernd lebendig erhalten, daß Ich dem 4. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 17 den Namen Infanterie-Regiment Graf Barfuß (4. Westfälisches) Nr. 17 verleihe. Ich habe dem Regiment diese Auszeichnung zugedacht, weil es aus dem 4. Ostpreußischen Infanterie-Regiment, dem Truppenteil hervorgegangen ist, welcher die Reste des alten Barfußschen Regiments in sich aufgenommen hat. Ich weiß, daß das Regiment seinem neuen Namen stets Ehre machen und den wohlbegründeten Ruf der Tapferkeit und Treue bis in die fernste Zukunft aufrecht erhalten wird.“

– Berlin, den 27. Januar 1889 gez. Wilhelm[34]
1894 wurde im „Türkenkriegsviertel“ in Berlin-Wedding die Barfusstraße nach ihm benannt.[35] Im Sprichwort „Sich hassen wie Schöning und Barfus“ lebt der Streit zwischen den beiden Offizieren fort.[36] In der Novelle „Der alte Wachtmeister vom Dragonerregiment Anspach-Bayreuth“ von Detlev von Liliencron taucht „Graf Barfuß“ am Ende kurz auf.[37] In Fontanes Frau Jenny Treibel wird folgende Geschichte von ihm erzählt:

„General Barfus […] präsidierte, während der Belagerung von Bonn, einem Kriegsgericht, drin über einen jungen Offizier abgeurteilt werden sollte. […] Der Abzuurteilende hatte sich, das mindeste zu sagen, etwas unheldisch benommen, und alle waren für schuldig und totschießen. Nur der alte Barfus wollte nichts davon wissen und sagte: ‚Drücken wir ein Auge zu, meine Herren. Ich habe dreißig Renkontres[38] mitgemacht, und ich muß Ihnen sagen, ein Tag ist nicht wie der andere, und der Mensch ist ungleich und das Herz auch und der Mut erst recht. Ich habe mich manches Mal auch feige gefühlt. So lange es geht, muß man Milde walten lassen, denn jeder kann sie brauchen.‘“

– Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel[39]
Albert Emil Brachvogel zeichnete 1869 in seinem historischen Roman „Die Grafen Barfus“[40] das Leben Hans Albrechts von Barfus und seiner Familie in den Jahren 1689 bis 1740 nach. Er stellte ihn als braven bescheidenen Mustersoldaten dar, als treuen Patrioten mit herkulischer Gestalt, aber auch als boshaft, gewissenlos, unersättlich, machtgierig, finster, kalt, von oben herab, hinterlistig, habgierig und unbarmherzig. Brachvogel schilderte den Streit zwischen von Schöning und von Barfus, wobei er Ersteren als unglücklichen Helden darstellte, als Opfer des rachsüchtigen von Barfus. Auch von Danckelman musste ihm im Roman weichen. Erst auf seinem Sterbebett ermöglichte es von Barfus seinen Söhnen, sich mit den Kindern seiner Feinde zu versöhnen. 
VON BARFUSS, Hans Albrecht (I57868)
 
3057 Hans Bär, Basler Fähnrich bei Marignano 1515

Basel ist eine Stadt die das kriegerische nicht liebt. So erstaunt es, dass im Zentrum am Rathaus ein monumentales Kriegerdenkmal zu sehen ist. Der dort abgebildete Bannerträger ist Hans Bär, der 1515 in der Schlacht von Marigano in Norditalien ums Leben kam. Sein gleichnamiger Vater Hans Bär (gestorben 1502, auch Ber) stammte aus Zabern (Saverne) im Elsass. Er erscheint in Basel mit seiner Aufnahme in die Zunft zu Safran 1465. [1] Drei Jahre später wurde er Basler Bürger.
Das Basler Rathaus mit dem 1901 vollendeten Turm. Hervorgehoben das Monumentalgemälde von Wilhelm Balmer, darstellend Hans Bär als Basler Bannerträger (Siehe auch Bildvergleich weiter unten).

Im Jahr 1471 trat er der Zunft zum Schlüssel bei und beglich die Gebühr in Bar. [3] Der erfolgreiche Kaufmann wurde 1474 als Prokurist des Wechslers Hans Zscheckenbürlin (gestorben 1490) in einen grossen Münzbetrug hineingerissen. Man nahm ihn fest, entliess ihn allerdings schon bald wieder aus der Haft. Es erging über ihn auch kein Urteil, was vermuten lässt dass keine Beweise für seine Mitschuld vorlagen. [4] Er war später Besitzer von Liegenschaften an der Freien Strasse.

Der Basler Historiker August Burckhardt (1868-1935) rollte die Geschichte der Familie Bär auf, und hielt fest dass Hans Bär die Liegenschaften "zem Venix" (Zum Phönix) und "zem roten Hut" (später Zum Kardinal, Freie Strasse 36) kaufte. Bereits früher hatte er an der Pfluggasse und der Weissen Gasse Häuser erworben und zu einem grossen Kornlager umbauen lassen. [5] Der Getreidehandel war eines der lukativen Felder auf denen der vielseitige Kaufmann aus Zabern aktiv war.

Laut Buckhardt sei Bär nicht wohltätig veranlagt gewesen. Bekannt sei nur eine einzige Spende aus dem Jahr seines Todes 1502. Es war die Stiftung von 30 Schilling für Fisch und die Schenkung von Käse im Wert eines Guldens. [6] Grosszügiger war sein Sohn gleichen Namens. Hans Bär der jüngere gab Geld für Sanierungsarbeiten, für ein Fenster in der Gästekammer so wie für 32 Schilling Nahrungsmittel. [7] Im Unterschied zu seinem Vater war Bär der jüngere nicht Krämer.

Hans Bär der jüngere

Als Tuchmann war Hans Bär der jüngere auf den Handel mit Stoffen spezialisiert. Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Seine Mutter war Anna Eberler (gestorben 1506, auch Grünzweig), die zweite Ehefrau von Hans Bär dem älteren. Im Jahr 1504 wurde er mit Unterstützung von Ratsherr Matthias Iselin (1455-1512) in die Zunft zu Safran aufgenommen. [8] Im selben Jahr nahm ihn die Schlüsselzunft der Tuchleute auf. Schliesslich trat er im Jahr 1513 auch noch der Zunft zu Hausgenossen bei. [9]

Zum Preis von 700 Gulden erwarben Hans Bär und seine Frau Barbara Brunner 1507 das Haus Zum Goldenen Falken (Freie Strasse 9). Seit dem Tod seines Vaters war Bär auch Miteigentümer des Hauses zem roten Hut. Die Ehe mit Barbara brachte sechs Töchter hervor. Aus dem Jahr 1508 ist ein Verstoss von Bär gegen die Ordnung der Schlüsselzunft aktenkundig. Die Vorgesetzten der Zunft büssten ihn, weil er sich dem Spiel hingab während noch zu Abend gegessen wurde. [10]

Der "Holbein-Tisch"

Lange galt Hans Bär als einer der ersten Auftraggeber von Hans Holbein dem jüngeren (ca 1497-1543). Dieser habe die Platte eines Tischs bemalt. Die Darstellung zeigt den Niemand der Übles tut so wie weitere Szenen. Das Allianzwappen Bär-Brunner weist klar den Auftraggeber aus. Der Kunsthistoriker Hans Reinhardt (1902-1984) erkannte 1960 in der Malerei noch "deutlich ausgeprägt" den Stil Holbeins so wie die "Genialität" des damals jugendlichen Künstlers. [11]

Aus der Theorie dass die Tischplatte von Hans Holbein dem Jüngeren stammte, folgerte Reinhardt (wie andere Fachleute vor ihm), dass der junge Künstler im Sommer 1515 bereits in Basel geweilt haben müsse. Der Kunsthistoriker stellte die vage Vermutung in den Raum, dass Holbein in den Spuren seines Vaters nach Basel gekommen sein könnte. Hier habe er bei Meister Hans Herbst (ca 1470-1552, auch Herbster) Arbeit gefunden, wie später sein Bruder Ambrosius Holbein auch. [12]

Im Jahr 1966 widersprach der Basler Kunsthistoriker Lucas Heinrich Wüthrich (geboren 1927) der Theorie vom "Holbein-Tisch" und wies die Signatur "HH" nicht Hans Holbein dem jüngeren sondern dem bereits erwähnten Hans Herbst zu. Auch wenn der Stil der Malerei auf der Tischplatte eine Raffinesse offenbare die man dem jungen Holbein zutrauen dürfe, spräche der Gehalt des Werks für einen gereiften Menschen. [13] Herbst hatte wohl schon 1502 einen Auftrag für die Familie Bär ausgeführt.

Wüthrich nennt den Grabstein für Hans Bär den älteren (heute im Münsterkreuzgang) als Werk des Malers. [14] Herbst, dessen Sohn Johann Herbst (1507-1558, latinisiert Oporinus) einer der prominenten Basler Buchdrucker werden sollte, war 1492 von Strassburg nach Basel gekommen und wurde als Maler und die Zunft zum Himmel aufgenommen. In den Reihen dieser Zunft nahm er als Wehrpflichtiger 1512/13 an den Feldzügen des Eidgenössischen Heeres nach Pavia und Novara teil.

der grabstein von hans baer dem aelteren und das familienwappen

Der Hans Herbst zugeschriebene Grabstein von Hans Bär dem älteren im Kreuzgang des Basler Münsters (links) und das Familienwappen der Bär nach einer Darstellung des 16. Jahrhunderts (rechts).

Hans Bär in den Mailänderkriegen

Als Mitglied der Schlüsselzunft war auch Hans Bär auch zum Kriegsdienst verpflichtet. Er wurde in der Vergangenheit auch als Ratsherr dieser Zunft angesprochen, was aber nicht korrekt ist. Schon August Burckhardt hatte festgestellt, dass aufgrund der Gleichheit der Namen die Nachwelt Vater und Sohn Bär zeitweise verwechselte. Die Eidgenossenschaft kämpfte ab 1511 für Papst und Kaiser in Mailänderkriegen. Dazu gehörten die beiden bereits erwähnten Feldzüge von 1512/13.

Bär selbst war schon am sogenannten Kalten Winterfeldzug über den Gotthard gegen Mailand im November 1511 beteiligt. An der Kampagne im Jahr 1513 ist für das Basler Kontingent erstmals das Vorhandensein eines eigenen Schreibers und eines Fouriers (militärischer Beauftrager für Verpflegung) belegt. [15] Dieser "Furierer" war Hans Bär. Mit dem eidgenössischen Heer kämpfte das Kontingent von Basel am 6. Juni 1513 in der Schlacht von Novara. Es verlor in diesem Feldzug 75 Mann.

Wahrscheinlich nicht Bannerträger

Zwei Jahre später schickte Basel drei Aufgebote in den Krieg nach Norditalien. Mit dem zweiten Aufgebot, das eine Stärke von 600 Mann hatte, zog Ende Juni 1515 auch Hans Bär als Fähnrich. Die Geschichtsschreibung früherer Zeiten schildert Hans Bär als den Träger und Retter des Basler Banners in der Schlacht von Marignano. Es darf aber in Frage gestellt werden, ob Bär wirklich das "Panner" anvertraut war. Dieses kam nur einem Aufgebot mit einer Stärke von 1500 bis 2000 Mann zu. [16]

Das erste und das zweite Aufgebot kamen zusammen auf maximal 1600 Mann. [17] [*] Das Aufgebot zu dem Bär gehörte umfasste aber mit 600 Mann gerade genügend Mannschaft um ein sogenanntes Fähnlein zu bilden, also ein kleineres Aufgebot als ein Auszug zum Banner. Ein solches Fähnlein hatte wenig gemein mit dem prachtvollen Juliusbanner mit seinem goldenen Baselstab, welches Papst Julius II. (1443-1513) den Baslern für ihre Kriegsdienste im Jahr 1512 verliehen hatte.

Das dreieckige Fähnlein war schmucklos und in den Basler Standesfarben schwarz und weiss gehalten. Es wies nicht einmal einen Baselstab auf. [18] Die zeitgenössische Chronik von Fridolin Ryff (gestorben 1554) nennt Hans Bär hierzu als "fenrich" des zweiten Aufgebots und Hans Lutzelman den Metzger als ebensolchen für das erste Aufgebot. [19] Chronist Christian Wurstisen (1544-1588) schreibt 1580 ebenso von "Hans Bären dem Fehnrich von Basel", und konkret von "sein Fehnlin". [20]

Im August erging ein drittes Aufgebot. Somit waren drei Basler Kontingente im Feld. Das erste wurde laut Ryff geführt von Hans Truttmann (gestorben nach 1521). Das zweite von Hauptmann Henman von Offenburg (gestorben 1558). Das dritte von Hauptmann Heinrich Meltinger (gestorben 1531). [21] [*] Die Verzeichnisse zu den Ausgaben Basels von 1515/16 sprechen klar von "unnseren dryen venlinen". [22] Demnach wird Bär kaum ein Banner sondern ein Fähnlein getragen haben.

Auf dem Schlachtfeld von Marignano

Bei Marignano traf schliesslich ein eidgenössisches Heer von rund 20'000 Mann am 13. September 1515 auf eine Übermacht im Dienste des französischen Königs und Venedigs. Es kam zu einer zweitägigen Schlacht. Der erste Tag verlief für die eidgenössische Seite scheinbar gut. Die Basler kämpften mit den Luzernern an der rechten Flanke. Ein ungestümer Vorstoss führte mitten in das Heerlager der Franzosen, wo der Kampf mit Einbruch der nächtlichen Dunkelheit erstarrte bis zum nächsten Morgen.

Am 14. wurde der Kampf fortgesetzt, bis die Front des Zentrums der Schlachtordnung aus Ost- und Zentralschweizern zu Mittag nicht mehr standhielt. Basler und Luzerner, jetzt mit Urnern und Schwyzern an der Flanke vereinigt, mussten nun ebenfalls zurückgehen. Die Schlacht war verloren. Unter den Verwundeten und Toten waren auch die Fähnriche des ersten und zweiten Basler Fähnleins, Hans Lutzelman und Hans Bär. Ryff schreibt von den Gefallenen von denen er vernommen hatte:

"...Do kamen zu beyden deillen vil redlicher lüt um, wart mancher fromer redlicher eydgnosz erschlagen, esz kamen vil erlicher redlicher burger von Basel um. Got wel in allen gnedig sin! Esz bliben von Basel usz, die umkummen worren, so mir im besten bekant worren, der fenrich Hans Ber, der fenrich Hans Lutzelman, Bartlome Schmyd lifferher, Jeronimus Stechely, Bartlome zum Sternnen, etlich wurtten wund und geschosen heim brocht, es gieng fast ubel. Got erbarms!" [23] [*]

Meister Ludwig der Scherer hatte als Chirurg viel blutige Arbeit zu verrichten nach der Schlacht. Die Stadt zahlte ihm nach der Rückkehr 6 Gulden und 5 Schilling für die Versorgung Verwundeter. [24] Die Hauptleute des zweiten und dritten Basler Fähnleins, Henman Offenburg und Heinrich Meltinger, wurden in vorderster Reihe kämpfend schwer verwundet. Sie hatten damit getan was das Ehrverständnis jener Epoche von ihnen verlangte. Hauptleute waren damals keine Befehlshaber im modernem Sinne.

Gemäss dem Basler Historiker Werner Meyer (geboren 1937) hatte ein Hauptmann in der Praxis eher beratende Funktion. Mannschaften wurde nicht im heutigen Sinne geführt. Dafür waren sie schlichtweg zu unkontrollierbar. Ein Hauptmann hatte damals, alle Gefahr missachtend, an der Spitze seiner Leute zu kämpfen um sie durch sein Beispiel anzutreiben. [25] Seit dem Jahr 1512 wurde ein Basler Fähnlein von einem einzigen Hauptmann geführt. Sein Stellvertreter war der Luttener (Leutnant). [26]

Fähnrich Hans Bär und sein Tod

Zum Personal um den Hauptmann gehörte auch der Fähnrich. Ausserhalb des Kampfes war er wie der Hauptmann beritten und trug das Fähnlein, das eine spezielle Wache bis zum Tod zu verteidigen hatte, selten persönlich. Selbst im Kampf nahm der Fähnrich das Feldzeichen nur wenn notwendig selbst in die Hand. [27] Bei Hans Bär war dies offenbar der Fall. Sein Tod ist verschieden überliefert. Eine Version stammt vom Chronisten Paolo Giovo (1483-1552, latinisiert Paulus Iovius).

Das Ende von Hans Bär wird von Giovo gemäss dem Historiker August Burckhardt folgendermassen geschildert. Bär wäre von Franzosen umringt und mehrfach verwundet in hoffnungsloser Lage gewesen. Um das Feldzeichen vor der Erbeutung durch den Feind zu bewahren, habe er es von der Stange gezerrt um es zu zerreissen. Danach habe er bis zum Tod weitergekämpft. Zugleich wies Burckhardt, ebenso wie Christian Wurstisen lange vor ihm, diese Variante als wenig glaubwürdig zurück.

Wahrscheinlicher sei der Bericht von Baslern die an der Schlacht beteiligt gewesen seien. Ihnen zufolge habe die Stückkugel eines Geschützes Bärs beide Schenkel derart schwer verletzt (Wurstisen schreibt "hingenommen", was auf Abtrennung hindeutet) dass er nicht mehr länger habe stehen können. Damit konnte er seine Aufgabe als Fähnrich nicht erfüllen und habe vor seinem Tod das Feldzeichen dem anwesenden Basler Georg Werlin weitergegeben. Dieser habe das Fähnlein nach Basel zurückgebracht. [28]

Für das Seelenheil des in Italien ruhenden Hans Bär war auch seine Zunft zum Schlüssel besorgt. Das Ausgabebuch des Zunft listet für das Jahr 1516 Zahlungen von jeweils drei Pfund für die Jahrzeitfeier des Toten auf. Das Gedenken war abzuhalten im Münster, zu St.Martin und zu Barfüssern. [29] Seiner Witwe Barbara Brunner wurde für ihre sechs Töchter Jakob Meyer als Vogt zugewiesen. Einen langjährigen Prozess um eine Wiese die er dafür als Entschädigung verlangte verlor er. [30]

Der Bannerträger am Rathausturm

Das zu Beginn erwähnte Monumentalgemälde von Hans Bär am Rathausturm stammt vom Basler Maler Wilhelm Balmer (1865-1922). Das Werk von 1901 hat wenig mit der Realität zu tun. Die Komposition ist das Ergebnis einer historisch inspirierten Fantasie. Bär trägt auf dem Bild nicht das korrektere schlichte Dreiecksfähnlein ohne Baselstab sondern ein Banner. Der abgebildete Kriegsmann tritt dem Betrachter damit als wichtiger Bannerherr eines grossen Basler Aufgebots entgegen.

Bär wurde mit diesem Kniff aufgewertet, vom Fähnlein zum Banner. Das gezeigte Feldzeichen ist allerdings wiederum für ein Banner des frühen 16. Jahrhunderts viel zu klein. Auch entspricht es von der Gestaltung her nicht dem wesentlich grösseren Juliusbanner wie es im September 1515 hätte getragen werden sollen, wenn es denn zum Einsatz gekommen wäre. Effektiv ist es an das älteste überlebende Basler Stadtbanner angelehnt, welches aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt. [31]

Dieses Banner mit den Massen 100 mal 122 Zentimetern ist unverkennbar das Vorbild für das Gemälde. Der Grund wieso Bär am Rathausturm ein altes Feldzeichen trägt das nicht aus seiner Zeit stammt, dürfte am Geschmack um 1901 gelegen haben. Das päpstliche Banner mit goldenen Baselstab wäre dem Publikum wohl zu fremd gewesen. Offenbar lag der schwarze Stab des mittelalterlichen Banners den Vorstellungen näher. Es entspricht Hans Bär weder in Funktion noch in Gestaltung.

vergleich des banners am rathaus und des juliusbanners

Vergleich des mittelalterliche inspirierten Banners am Rathaus (links) und des Juliusbanner von 1512 nach einem Schnitt von Georg Sickinger um 1580 (rechts). Unterschiede und Gestaltung und Grösse sind deutlich.

Auch beim Gesicht des gemalten Hans Bär nahm man sich Freiheiten. Die Abbildung hat den Charakter eines Portraits, aber nicht eines von Bär. Der stellvertretende Staatsarchivar Ulrich Barth (geboren 1939) erkannte darin anhand einer erhaltenen Portraitskizze die Gesichtszüge des Architekten Eduard Vischer (1843-1929). [32] Dieser leitete den Umbau des Rathauses von 1898 bis 1904. Der wohl einzige öffentliche Basler Kriegsheld ist somit eigentlich ein Mann friedlicher Baukunst.

Zusammenfassung

Der auf dem Basler Rathausturm abgebildete Fähnrich war der Sohn des aus dem Elsass eingewanderten Hans Bär, der es in Basel zu einem erfolgreichen Kaufmann und zum Ratsherrn brachte. Dieser starb 1502 und wurde im Münsterkreuzgang nahe des St.Bartholomäus-Altars beigesetzt. Der vermutlich von Hans Herbst gestaltete Grabstein hat bis heute überlebt. Bärs gleichnamiger Sohn Hans war Tuchhändler und ab 1504 wie bereits sein Vater zünftig zum Schlüssel und zu Safran.

Im Jahr 1513 trat er zusätzlich der Zunft zu Hausgenossen bei. Hans Bär der jüngere heiratete Barbara Brunner; die Ehe brachte sechs Töchter hervor. Das Ehepaar hatte 1507 das Haus zum Goldenen Falken an der Freien Strasse erworben. Bär galt lange irrtümlich als früher Auftraggeber von Hans Holbein dem jüngeren. Seit 1966 zählt der fragliche Tisch mit Bärs Wappen, bemalter Platte und der Signatur HH allerdings als ein Werk von Meister Hans Herbst, einem Mentoren Holbeins.

Hans Bär wurde von der Nachwelt oft mit seinem gleichnamigen Vater verwechselt. So hielt man ihn zeitweise für einen Basler Ratsherrn, wobei in Wahrheit sein Vater dieses Amt bekleidet hatte. Es komplizierte das Unterscheiden, dass beide zum Schlüssel und zu Safran zünftig waren. Mit der Zunft zum Schlüssel zog Bär der jüngere wiederholt in die Mailänderkriege, an denen Basel als eidgenössischer Stand beteiligt war und dadurch für Papst und Kaiser kämpfte.

Eine erste Teilnahme Bärs an einem Feldzug über den Gotthard nach Norditalien ist für das Jahr 1511 belegt. An der Schlacht von Novara nahm er als Fourier des Basler Kontingents teil. Als Basel im Sommer 1515 drei Aufgebote mit den eidgenössischen Truppen nach Italien schickte, gehörte Hans Bär dem zweiten an. Die Aufgebote von jeweils mehreren hundert Mann nannte man nach dem ihnen vom Stand mitgegebenen Feldzeichen Fähnlein. Bär hatte den Posten eines Fähnrichs.

Er war damit verantwortlich für die Sicherheit des Feldzeichens des zweiten Basler Fähnleins. Er war nicht wie oft behauptet Träger des Banners, denn die baslerischen Aufgebote waren zu klein als dass man ihnen das wertvolle Banner mitgegeben hätte. Stattdessen führten sie ein schlichtes dreieckiges Fähnlein in den Standesfarben ohne Baselstab. Ein solches Fähnlein war Hans Bär anvertraut. Im Rahmen seiner Aufgabe fiel er in der Schlacht von Marignano am 14. September 1515.

Die glaubwürdigste Überlieferung von Bärs Tod in der verlorenen Schlacht von Marignano geht davon aus, dass ihm eine feindliche Kanonenkugel beide Beine verstümmelte. Als er nicht länger in der Lage gewesen sei das Fähnlein zu schützen, habe er es Zeugen gemäss dem Basler Georg Werlin anvertraut bevor er starb. Bärs Leiche wurde nicht in die Heimat gebracht. Für sein Seelenheil gab die Schlüsselzunft 1516 drei Pfund für eine Jahrzeitfeier im Münster, zu St.Martin und zu Barfüssern.

Die Darstellung Hans Bärs auf dem Rathausturm ist historisch nicht korrekt. Der Maler Wilhelm Balmer bildete Bär 1901 mit einem Banner anstatt mit einem Fähnlein ab, was den Dargestellten aufwertete. Zudem entspricht das falsche Feldzeichen nicht dem Banner das Basel 1512 von Papst Julius II. verliehen bekam. Vielmehr handelt es sich eher um ein Banner des 15. Jahrhunderts, das wohl aus optischen Gründen gewählt wurde. Bärs Gesicht ist ein Portrait des Architekten Eduard Vischer.

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Querverweis zum Thema:

>> Jakob Meyer zum Hasen (Schwager von Hans Bär)



Beitrag erstellt 02.06.11

Anmerkungen:

[1] P. Koelner, Unterabschnitt "Krämer", in Abschnitt "Die Zunftaufnahmen seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1798", publiziert in Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, Basel 1935, Seite 501, Spalte 2

[2] P. Koelner, Unterabschnitt "Krämer", in Abschnitt "Die Zunftaufnahmen seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1798", publiziert in Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, Basel 1935, Seite 501, Spalte 2, vergleiche Staatsarchiv, Ratsbücher A 1, Rotes Buch 1357-1493, 225

[3] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 256

[4] W. Vischer, Abschnitt 8 - Process des Münzmeisters und der Wechsler in Basel 1474, in kommentierten Aufzeichnungen des Stadtschreibers Niclaus Rüsch, Basler Chroniken, Band 3, Leipzig, 1887, Seite 408

[5] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 61

[6] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 63

[7] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 71

[8] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftaufnahmen seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1798", publiziert in Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, Basel 1935, Seite 432, Spalte 1 (Matthias Iselin) so wie 586 (Hans Bär der jüngere).

[9] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 287

[10] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 287

[11] H. Reinhardt, Die Malerfamilie Holbein in Basel, im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Basel, Basel, 1960, Seite 27

[12] H. Reinhardt, Die Malerfamilie Holbein in Basel, im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Basel, Basel, 1960, Seite 25

[13] L. H. Wüthrich, Beitrag "Herbst, Hans", in Neue Deutsche Biographie, Band 8, Berlin, 1969, Seite 509

[14] L. H. Wüthrich, Beitrag "Herbst, Hans", in Neue Deutsche Biographie, Band 8, Berlin, 1969, Seite 509

[15] E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 21

[16] E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 17

[17] R. Wackernagel, Anmerkungen zu Seite 112, Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 15*

[*] Ryffs Aufzeichnungen weisen bei der Zuteilung der Hauptleute zu den Fähnlein vom offiziellen Rodel ab.

[18] R. Wackernagel, 9. Buch "Die grossen Jahrzehnte", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 113 so wie E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 22

[19] F. Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken, Band 1, Leipzig, 1872, Seite 23

[20] C. Wurstisen, Bassler Chronick, Basel, 1580, Seite 521

[21] F. Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken, Band 1, Leipzig, 1872, Seite 22

[*] Die Chronik des Fridolin Ryff spricht hingegen von je 600 Mann beim ersten und zweiten Aufgebot, und nochmals 600 bei einem dritten, was eine Gesamtstärke von 1800 Mann ergäbe.

[22] B. Harms, Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittelalter, Erste Abteilung, Band 3, Tübingen, 1913, Seite 253 Spalte 2, Zeile 88

[23] F. Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken, Band 1, Leipzig, 1872, Seite 23 ¨

[*] Einer Überlieferung gemäss habe Hans Lutzelman (auch Lützelmann) die Schlacht mit dreizehn Wunden überlebt und sei von einem Kleinbasler Waffengefährten vom Schlachtfeld geschleppt worden. In einer Sänfte sei er nach Basel zurückgebracht worden, wo man ihn ins Rathaus habe getragen, damit er seinen Bericht von der Schlacht abgeben konnte. Siehe P. Koelner, Abschnitt VII. - Schicksale und Gestalten, in Anno Dazumal, Basel, 1929, Seiten 211 bis 212

[24] B. Harms, Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittelalter, Erste Abteilung, Band 3, Tübingen, 1913, Seite 253 Spalte 2, Zeilen 64 bis 66

[25] W. Meyer, Unterabschnitt "Die Kriegsbereitschaft", in Abschnitt "Krieg und Frieden", publiziert in Hirsebrei und Hellebarde - auf den Spuren des mittelalterlichen Lebens in der Schweiz, Olten, 2. Auflage 1986, Seite 360

[26] E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 20

[27] E. A. Gessler, Kapitel "III. Heereseinteilung", publiziert in Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1938, Seite 22

[28] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 72 so wie C. Wurstisen, Bassler Chronick, Basel, 1580, Seite 521

[29] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 287

[30] A. Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Basel, 1900, Seite 78

[31] C. H. Baer, Abschnitt "Geschichte und Bild der Stadt Basel", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 1, Basel, 1932/71, Seite 64

[32] U. Barth, Beitrag "Baugeschichte", publiziert in Das Basler Rathaus, Basel, 1983, ISBN 3 7245 05213, Seite 22

Quellen:

Casimir Hermann Baer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 1, herausgegeben von der Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler, Birkhäuser Verlag, Basel, 1932/71, Seite 64

Ulrich Barth, Beitrag "Baugeschichte", publiziert in Das Basler Rathaus, herausgegeben von der Staatskanzlei, Kommissionsverlag Friedrich Reinhard Verlag, Basel, 1983, ISBN 3 7245 05213, Seite 22

August Burckhardt, Beitrag "Die Familie Baer", publiziert in Basler Biographien, Band 1, Verlagsbuchhandlung Benno Schwabe, Basel, 1900, Seiten 61, 63. 71, 72 und 78

Eduard Achilles Gessler, Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1938, Seiten 21 und 22

Bernhard Harms, Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittelalter, Erste Abteilung, Band 3, H.Laupp'sche Buchhandlung, Tübingen, 1913, Seite 253

Hans Rudolf Kunz, Schweizerschlachten, A. Francke AG Verlag, Bern 2. erweiterte Auflage 1977, Seiten 227 bis 234 (zur Schlacht von Marignano)

Paul Koelner, Anno Dazumal, Lehrmittelverlag des Erziehungsdepartements Basel-Stadt, Basel, 1929, Seiten 211 bis 212

Paul Koelner, Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, herausgegeben von E.E. Zunft zu Safran, Verlag Benno Schwabe & Co, Basel 1935, Seiten 432, Spalte 1 (Matthias Iselin), 501 (Hans Bär der ältere) und 586 (Hans Bär der jüngere)

Paul Koelner, Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Benno Schwabe & Co, Basel, 1953, Seiten 256 Hans Bär der ältere), 261/62, (Hans Truttmann), 273/74 (Heinrich Meltinger) und 287 (Hans Bär der jüngere)

Werner Meyer, Hirsebrei und Hellebarde - auf den Spuren des mittelalterlichen Lebens in der Schweiz, Walter-Verlag AG, Olten, 2. Auflage 1986, ISBN 3-530-56707-8, Seite 360

Hans Reinhardt, Die Malerfamilie Holbein in Basel, im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Basel, Kunstmuseum, Basel, 1960, Seite 27

Lisa Röthinger / Gabriela Signori, Das Gräberbuch des Basler Domstifts, Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte, herausgegeben vom Staatsarchiv Basel, 2009, ISBN 978-3-7245-1620-0, Seiten 43 und 173 (zur Lokalisierung des Grabes von Hans Bär dem älteren)

Fridolin Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken, Band 1, herausgegeben von Wilhelm Vischer und Alfred Stern, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1872, Seite 22 und 23

Wilhelm Vischer, Basler Chroniken, Band 1, herausgegeben von Wilhelm Vischer, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1887, Seite 408

Rudolf Wackernagel, Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1911, Seiten 113 und 15* (Anmerkungen)

Christian Wurstisen, Bassler Chronick, Sebastian Henricpetri, Basel, 1580, Seite 521

Lucas Heinrich Wüthrich, Beitrag "Herbst, Hans", in Neue Deutsche Biographie, Band 8, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Duncker & Humblot, 1969, Berlin, Seite 509
 
BAER, Hans (I38316)
 
3058 Hans Fugger starb 1408 oder 1409. Seine Witwe Elisabeth führte die Weberei und den Textilhandel bis zu ihrem Tod im Jahre 1436 weiter, wobei sie das Unternehmensvermögen kontinuierlich mehrte[14] und ein Kupfermonopol aufbaute. Ihre Söhne Andreas und Jakob ließ sie als Lehrlinge das Goldschmiedehandwerk erlernen und selbst brachte sie ihnen das Weberhandwerk und den Tuchhandel bei. Die beiden Brüder bilden die „Zweite Generation“ der Fugger. Sie arbeiteten geschäftlich zusammen, wie aus der gemeinsamen Steuerveranlagung hervorgeht.

Andreas Fugger saß im Rat der Stadt Augsburg und hatte großen Einfluss. 1448 besaßen die Brüder gemeinsam bereits das fünftgrößte Vermögen der Stadt, schließlich gingen sie jedoch getrennte Wege. Im Steuerbuch von 1455 wurden sie erstmals getrennt veranlagt.[14]

Andreas Fugger starb bald nach der Unternehmensspaltung. Seine Söhne führten sein Unternehmen weiter und erhielten im Jahr 1462 ein Wappen mit dem Wappenbild eines springenden Rehs verliehen. Daher wird dieser Familienzweig „Fugger vom Reh“ genannt. Ihre Firma wurde jedoch Ende des 15. Jahrhunderts aufgrund eines riskanten Kredits, den sie Erzherzog Maximilian I. gegeben hatte, zahlungsunfähig. Maximilian verweigerte die Rückzahlung, und die gegebene Sicherung erwies sich als wertlos. Nach dem Bankrott erlangten nur noch wenige Nachkommen dieses Zweiges Geltung.

Jakob Fuggers Familienzweig florierte hingegen weiter. Er erhielt ein Wappen mit dem Wappenbild von zwei Lilien verliehen, daher wird dieser Zweig „Fugger von der Lilie“ genannt. Nach Jakob Fuggers Tod 1469 führten zunächst seine Witwe Barbara und danach seine Söhne die väterliche Firma weiter. Sie machten sie zu einem der größten und reichsten Handelshäuser Europas. Sein Sohn Jakob Fugger erhielt den Beinamen „der Reiche“. Anfang des 16. Jahrhunderts begann der Aufstieg der Familie in den Adel. 
GATTERMANN, Elisabeth (I22873)
 
3059 Hans Hartmann, Sohn des Hans Ottmar von Flachsland(en) zu Dürmenach und seiner Frau Elisabeth geb. von Mülinen selig, und Anna Maria von Breitenlandenberg, Tochter Hans Rudolfs von Breitenlandenberg selig und seiner Frau Christine geb. von Gemmingen, schließen durch ihre Eltern, Brüder, Vettern und Vormünder Martin von Flachsland, Vogt zu Wattweiler, Hans Friedrich von Hallweil zu Schafisheim (Schaffissen), Jakob Christoph und Hans Wilhelm von Flachsland, Brüder, und Gottfried von Eptingen einerseits und Hans Ulrich von (Breiten)Landenberg zu Herdern, Hans Rudolf von (Breiten)Landenberg zu Spiegelberg, die Vormünder der Braut, Hans Jakob und Hans Dietrich von und zu Breitenlandenberg, ihre Brüder anderseits, einen Heiratsvertrag. VON FLACHSLANDEN, Hans Hartmann (I37883)
 
3060 Hans Jacob Rietmann war der Sohn des Jacob Rietmann (* 1633 in St. Gallen; † 1708 ebenda), Vogt, und dessen Ehefrau Dorothea Leu (* 1638; † unbekannt) aus Bischofszell.

Er war als Weiss- und Rohzuschauer (Qualitätskontrolleur) Mitglied der Weberzunft und wurde 1720 als Elfer gewählt.[1] Von 1721 bis 1725 war er Zunftmeister und von 1725 bis 1729 Unterbürgermeister.

1729 bis 1740 übte er in einem Dreijahresturnus die Ämter des Amtsbürgermeisters, Altbürgermeisters und Reichsvogtes im Wechsel mit David Stähelin (1673–1750) und Christoph Hochreutiner (1662–1742) aus; anschliessend übte er bis 1752 im gleichen Turnus die Ämter im Wechsel mit Friedrich Girtanner (1674–1753) und Kaspar von Fels (1668–1752) aus und bis 1755 mit Johannes Vonwill und Caspar Bernet.

Hans Jacob Rietmann war seit 1701 in erster Ehe mit Katharina Ronner (* unbekannt; † 1721 in St. Gallen) aus Teufen verheiratet; namentlich bekannt sind die Söhne:

Jacob Rietmann (* 7. Mai 1702; † 20. Mai 1782), Hauptmann im Quartier St. Jacob, verheiratet in erster Ehe mit Maria Scheitlin (* 1701; † 1754) und in zweiter Ehe mit Anna Barbara Hochreutiner (* 1700; † 1781)
Pankraz Rietmann (* 24. Juni 1706 in St. Gallen; † 25. Juni 1775 ebenda), übernahm 1767 von seinem Bruder den Hauptmann-Dienstposten, verheiratet in erster Ehe mit Euphrosina (* 1712 in St. Gallen; † 1768 ebenda), einer Tochter des Anton Scheitlin (1682–1745), und in zweiter Ehe mit Maria Scheiwiler (* 1712; † 1771), der Witwe von Hans Wild.

In zweiter Ehe war er mit Weibratha (* 5. Januar 1664; † 10. Februar 1738), Tochter des Ulrich Weyermann, Bürgermeister, und in dritter Ehe mit Elsbetha (* 1678; † 1754), Tochter des Hans Georg Zollikofer, Apotheker, verheiratet.  
RIETMANN, Hans Jakob (I15480)
 
3061 Hans Joachim Steinmann wurde als Sohn des Webers Caspar Steinmann und dessen Ehefrau Anna geb. Bernet geboren. Sein gleichnamiger Enkel, Hans Joachim Steinmann, wurde später ebenfalls Bürgermeister von St. Gallen.

Er gehörte als Weber und Fabrikant als Mitglied der Weberzunft von St. Gallen an und war in der Zeit von 1748 bis 1754 Elfer (Vorstand) der Weberzunft, darauf folgte bis 1758 seine Wahl zum Zunftmeister und daran anschliessend seine Wahl zum Ratsherrn bis 1760.

In der Zeit von 1760 bis 1792 war er im Dreijahresturnus Amtsbürgermeister, Altbürgermeister und Reichsvogt[2]; hierbei wechselte er sich mit Daniel Högger (1706–1784) (bis 1765), Heinrich Schlumpf (1702–1783) (bis 1783) Julius Hieronymus Zollikofer und Hans Joachim Bernet (1725–1809) (bis 1793) ab.

Er heiratete 1731 in erster Ehe Weibratha Zörnlin, Tochter des Ratssubstituten (dritthöchstes Amt in der Staatskanzlei nach dem Stadtschreiber und dem Ratsschreiber) Hans Jacob Zörnlin. 1769 heiratete er dann in zweiter Ehe Sara, Tochter des Apothekers Hermann Kromm, der auch Elfer und Quartiermeister war.  
STEINMANN, Hans Joachim (I14029)
 
3062 Hans Luder, auch (Groß-)Hans Luther (* 1459 in Möhra; † 29. Mai 1530 in Mansfeld) war ein deutscher Unternehmer. Er war Hüttenmeister in der Grafschaft Mansfeld, Bergmann, Grubenbesitzer und späterer Ratsherr sowie Vater des Reformators Martin Luther, der die Namensform mit „th“ erst um 1517 annahm.[1] Die Familie führte ihren Nachnamen in unterschiedlichen Varianten: Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther.[2] Damit bezog sie sich auf den seit etwa 1302 in Möhra ansässigen Ritter Wigand von Lüder, der aus dem Adelsgeschlecht von Lüder aus Großenlüder stammte.[3] Auch dieser Ort wurde abwechselnd Luodera, Lutra, Luttura und Lutar geschrieben.[4] Der Familienname Luder kann aber auch auf eine Form des Vornamens Lothar zurückgeführt werden.[5][6]

Leben
Die Lebensverhältnisse der Familie Luder sind vor allem als Hintergrund für die Jugend des ältesten Sohns, Martin Luther, interessant. War die Forschung lange Zeit von Luthers autobiographischen Äußerungen bestimmt, der Vater sei ein armer Bauer, Bergmann, Häuer gewesen, so ergibt sich heute ein differenziertes Bild. Zum allgemeinen politisch-ökonomischen Hintergrund der Familie Luder sind folgende Fakten bedeutsam: Seit dem Jahre 1460 stritten die Kurfürsten von Sachsen, etwa Kurfürst Ernst von Sachsen, und die Mansfelder Grafen um die Berghoheit, die Abbaurechte im Mansfeldischen. Um 1511 gründete Graf Albrecht VII. von Mansfeld-Hinterort (1480–1560), einer der Söhne des Grafen Ernst I. von Mansfeld-Hinterort (1475–1485/1586), die Eislebener Neustadt[7] als Bergarbeitersiedlung, sie wurde im Auftrag des Grafen von Albrecht mit einer Kirche und einem Kloster ausgestattet.

Elternhaus und Geschwister
Hans Luder entstammte der bäuerlichen Oberschicht in Möhra. Seine Eltern waren Heine Luder (um 1430 – um 1510) und Margarete, geborene Ziegeler (um 1434 – 1521). Durch diese Ehe hatten sich zwei der wohlhabendsten Bauernfamilien des Orts verbunden.[8] Sie hatten mindestens drei Söhne, wobei die Angaben zu den Geburtsjahren differieren:

(Groß-)Hans
Veit (* um 1460)
(Klein-)Heinz Luder (1459–1530).[9]
Die Familie Luder war in Möhra Jahrzehnte auf einem Erbbauernhof ansässig. (Klein-)Heinz hatte als jüngster Sohn die Anwartschaft auf den elterlichen Hof. Für das Jahr 1531 lassen sich die Einwohner des Orts anhand ihres Steueraufkommens wie folgt einordnen: 11 % gut situierte Bauern, 18 % mittlere Bauern, 71 % Kleinbauern.[10] (Klein-)Heinz Luder wurde mit einem Steueranschlag von 203 Schock Groschen veranschlagt. Er gehörte damit zu den sieben reichsten Bauern in Möhra. Der Familienverband der Luders in Möhra insgesamt stand in der dörflichen Hierarchie an dritter Stelle hinter den Barchfeldt und Ziegeler (der Familie von Hans Luders Mutter).[11]

(Groß-)Hans Luder war nach den Gesetzen der Region, obgleich der älteste Sohn der Luders, nicht erbberechtigt. Es war aber nicht so, wie von der älteren Forschung angenommen, dass er aus Möhra weggezogen wäre, um nicht als Knecht seines Bruders zu arbeiten.[12] Die Luders in Möhra betrieben nach archivalischen Quellen einen Kupferhammer bei Ettenhausen, und montanarchäologisch ist der Abbau von Kupferschiefererzen im Raum Gumpelstadt nachgewiesen. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum sich Hans Luder der Montanindustrie zuwandte und in Kupfersuhl wohl regelrecht zum Bergmann ausgebildet wurde. So sammelte er seine ersten Arbeitserfahrungen im örtlichen Bergbau.[13] So arbeitete er als Bergmann wahrscheinlich zunächst in Kupfersuhl in der Nähe von Möhra.[14]

Heirat mit Margarethe Lindemann (um 1479)
Nun hatte das im Raum Möhra produzierte Kupfer eine minderwertige Qualität und war seit den 1460er-Jahren kaum noch konkurrenzfähig. Professionelle Bergleute wie Hans Luder waren hingegen gesucht. Der Wechsel in ein anderes Revier war die naheliegende Konsequenz, wie überhaupt die berufliche Mobilität kennzeichnend für Berg- und Hüttenleute war. Wie Sohn Martin erinnerte, zog sein Vater zunächst nach Eisenach, wo im Zeitraum 1466–1482 bergbauliche Aktivitäten in den Quellen nachweisbar sind, die über Prospektionen allerdings nicht hinauskamen.[15]

Hans Luder heiratete um 1479 die gleichaltrige Margarethe Lindemann (* 1459 wohl in Eisenach; † 30. Juni 1531 in Eisleben). Margarethe, in der Familie auch Hanna genannt, entstammte dem in Eisenach ansässigen Bürgergeschlecht der Lindemann. Die Lindemanns stammten aus dem gehobenen Handwerker- oder Kaufmannsstand; Margarethes Brüder hatten ein Jurastudium abgeschlossen, eine Voraussetzung für weiteren sozialen Aufstieg. Ein anderer Zweig der Familie Lindemann war im Bergwerks- und Hüttenwesen engagiert: Der Onkel von Margarethe, Antonius Lindemann, war zu jener Zeit der oberste Bergverwalter (Berggraf) in der Grafschaft Mansfeld. Beide Komponenten erklären die Eheschließung des aus der dörflichen Oberschicht stammenden Hans Luder mit einer Frau aus städtischem Bürgertum.[15]

Die Eisenacher Verwandtschaft mütterlicherseits war für den jungen Martin Luther wichtig, so äußerte er sich in einem Brief aus dem Jahr 1520: „In Eisenach wohnt nahezu meine ganze Familie, die können für mich zeugen …“[16]


Bildnis des Hans und der Margaretha Luther, geb. Lindemann, 1527
Umzug nach Eisleben (1483)
Im Sommer 1483 entschied sich Hans Luder, mit seiner Ehefrau Margarethe in die Grafschaft Mansfeld umzuziehen. Er kam nicht als einfacher Bergarbeiter („Dinghauer“) in die Mansfelder Grafschaft, vielmehr hatte er bereits an seinen früheren Wohnorten Erfahrungen in der Gewinnung sowie Verhüttung von Kupferschiefer gesammelt und besaß ferner genügend Eigenkapital, um die jährlichen Pachtsummen für ein „Feuer“, also für die Unterhaltung einer Hütte, bezahlen zu können. Im Gegensatz zur älteren Forschung ist nicht anzunehmen, dass er diese Summe von einem Hauerlohn zusammensparte (dieser reichte nur für die Grundlebenshaltung einer Familie); dass er „aufgrund seines familiären und verwandtschaftlichen Hintergrundes bereits über das notwendige Betriebs- bzw. Startkapital verfügte“, ist zwingend vorauszusetzen.[17]

Die erste Station war Eisleben. Seit dem Jahre 1460 stritten die Kurfürsten von Sachsen, etwa Kurfürst Ernst von Sachsen und die Mansfelder Grafen um die Berghoheit, den Abbaurechten im Mansfeldischen. Um 1511 gründete Graf Albrecht VII. von Mansfeld-Hinterort (1480–1560), einer der Söhne Grafen Ernst I. von Mansfeld-Hinterort (1475–1485/1586), die Eislebener Neustadt als Bergarbeitersiedlung, sie wurde im Auftrag des Grafen von Albrecht mit einer Kirche und einem Kloster ausgestattet. In Eisleben mietete Hans Luder ein schlichtes Fachwerkhaus etwas abseits des Marktplatzes. Dort kam am 10. November 1483 ihr Sohn Martin zur Welt.

Wie viele Kinder das Ehepaar hatte, ist nicht sicher, insgesamt waren es wohl neun Kinder, von denen die Söhne Martin und Jakob sowie drei Töchter das Erwachsenenalter erreichten.[18]

Umzug nach Mansfeld (1484)
Da Hans Luder in Eisleben nicht recht vorankam, zog die Familie im Frühsommer 1484 weiter nach Mansfeld, das in dieser Zeit als eine Hochburg der Kupfergewinnung galt. Die Residenzstadt der Grafen von Mansfeld blieb bis zum Lebensende Hans Luders dessen Wohnsitz. Der Grund für den Wohnortwechsel lag darin, dass Hans Luder – er war zunächst in der Kupferproduktion um Möhra und Eisleben in Thüringen tätig – die silberhaltigen Kupferschiefervorkommen im Mansfeldischen, die bessere Gewinne boten, den unrentabel gewordenen Hütten vorzog. Schon im Frühjahr 1484 pachtete Hans Luder eine Schmelzhütte mit den Schmelzöfen, die sogenannten Herrenfeuer, von dem Grafen Ernst II. von Mansfeld-Vorderort (1479–1531) und etablierte sich in kurzer Zeit im Kupferschieferbergbau. Im Jahr 1491 wurde er Mitglied des Stadtrates, ein sogenannter Vierherr. Wegen seines guten Startkapitals und einer Vernetzung, über die der Onkel verfügte, stieg Hans Luder bald als Hüttenmeister und Kaufmann sowie Ratsherr zu den Honoratioren der Stadt auf. Er betrieb in Mansfeld eine Schmelzhütte für die Verarbeitung von Erzen aus dem Harzbergbau. Sein Geschäftspartner war Hans Lüttich († 1507), der zu den wichtigsten Eisleber Hüttenmeisterfamilien gehörte und das Amt des Stadtvogts ausübte. In einem Vertrag vom August 1507 zwischen Tile Rinck, der die unmündigen Kinder des Hans Lüttich vertrat, und Hans Luder wurde vereinbart, dass die Geschäftsbeziehungen trotz des Todes Lüttichs aufrechterhalten und beide Vertragspartner am Gewinn der Schmelzhütte vor dem Rabenkupp beteiligt werden sollten. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gehörte Hans Luder bereits zu der bürgerlichen Schicht der Hüttenmeister und war in die Mittel- bzw. Oberschicht der Stadt Mansfeld aufgestiegen.[19]

Hüttenbetrieb (ab 1484)
In den frühen Dezennien des 15. Jahrhunderts entwickelte sich das Seigerhüttenverfahren, mit welchem es gelang, insbesondere die häufig gemeinsam auftretenden Kupfer-Silber-Erze (siehe Kupferschiefer, Kupferbergbau), aufzutrennen. Das „Mansfelder Erz“ ist ein polymetallisches Erz, aus dem letztlich bis zu einundzwanzig Metalle gewonnen werden konnten. Das Saigerhüttenverfahren, das mit seiner Entwicklung eine Silberscheidung aus Kupfererzen ermöglichte, gehörte neben der Erzeugung von flüssigem, d. h. gießbarem, Eisen zu denjenigen metallurgischen Verfahren, die den Beginn der Neuzeit kennzeichnen und die eine lang andauernde technologische Stagnationsphase beendeten.


Darstellung des Bergbaus von Georgius Agricolas aus De re metallica (1556)
Diese neuartige Hüttentechnik brachte eine größere Anzahl von externen Investoren in das sich nunmehr komplexer gestaltende ökonomische Beziehungsgeflecht ein. Die Folge waren ein Aufheben der sonst zeitlich nicht eindeutig begrenzten Pachtverträge zugunsten kürzerer Laufzeiten. Hieraus entstand eine Zweiklassenordnung der Hüttenbesitzer mit einer kleinen, wohlhabenden Elite und einem tief verschuldeten Rest an Hüttenpächtern.

Heinz Lüttich, Hans Luders Geschäftspartner des Jahres 1484, entstammte einer alteingesessenen Hüttenmeisterfamilie aus Eisleben. Er hatte dort 1501 und 1504 das Amt des Stadtvogtes inne. Später besaß Hans Luder in Mansfeld sieben Rennfeuer und ließ bis zu 200 Arbeiter in seinem Betrieb arbeiten. Aus der sich komplexer entwickelnden ökonomischen Situation waren nunmehr Kenntnisse für das Lesen und Aufsetzen von rechtsgültigen Verträgen notwendiger geworden, wahrscheinlich ein bedeutender Grund dafür, seinen Sohn Martin Luther Rechtswissenschaften studieren zu lassen.[20][21][22]

1507 schloss Hans Luder mit Tile Rinck einen Vertrag über den Betrieb eines Hüttenwerks mit drei Schmelzfeuern vor der „Rabenkupp“ westlich von Mansfeld.[23] Über die Zeit und durch günstige wirtschaftliche Umstände konnte Hans Luther etwa 10 Prozent der damaligen Jahresproduktion an Mansfelder Kupfer erzeugen, das entsprach etwa 100 Tonnen Kupfer und 600 Kilogramm Silber mit einem Materialwert von etwa 39.000 Gulden. Allerdings waren seine Hütten und Bergwerke aufgrund einer Verschuldung schon im Jahre 1520 auf eine Seigergesellschaft übergegangen.

Wohnhaus (um 1500)
In Mansfeld wohnte die Familie zunächst zur Untermiete in einem Haus am Stufenberg bei der Familie Dienstmann. Wenig später bezogen die Luders ein gegenüber dem Schloss gelegenes repräsentatives Wohnhaus. Es handelt sich dabei um einen Vierseithof, gegenüber dem Gasthof „Zum Goldenen Ring“ in der heutigen Lutherstraße, von dem das bislang als eigentliches Elternhaus Luthers bezeichnete Gebäude nur einen kleinen Teil ausmachte.[24] Mit den nicht mehr vorhandenen Wirtschaftsbauten bildete das ursprüngliche Anwesen mit seiner vierseitigen Hofbebauung, die mit einem Garten und einem teilweise noch erhaltenem Stallgebäude an der östlichen Seite des Hofes ergänzt wurde, einen umfangreichen Gebäudekomplex. Sowohl Ausmaß als auch entsprechende Funktionsbereiche sprechen für einen hohen sozio-ökonomischen Status des Besitzers.[25]

Ebenso unterstützen diese Annahme die archäologischen Funde, die auf dem Gelände des abgegangenen Zwischenstücks des Vorderhauses entdeckt wurden, und belegen die gute ökonomische Stellung der Familie Luder. Bei Ausgrabungen Schlenkers (2007)[26] im Hof des lutherischen Elternhauses fand man in einem Treppenschacht, der einst wahrscheinlich als Müllhaufen u. a. für Essensreste diente, ca. 7000 Tierknochen, die meisten stammten von (jungen) Hausschweinen, aber auch von Geflügel, wie Gänsen, jungen Hühnern, einigen Enten und Tauben, aber auch Singvögeln, etwa anhand von gefundenen Buchfinkenschnäbeln. Fisch wurde als Fastenspeise verzehrt: Karpfen, Zander, Aale und Meeresfische wie Heringe, Dorsche und Schollen.[27]

Letzte Lebensjahre und Tod
Hans Luder war vor 1505 Mitglied in der Marienbruderschaft und 1510 in der St.-Georgs-Bruderschaft.[28] Die frühen archivalischen Nachweise Hans Luders als „Vierherrn“ stehen fast alle im Zusammenhang mit Altarweihen in der Mansfelder St. Georgskirche.[28]

Martin Luther berichtete rückblickend, wie sein Vater die Neuigkeit, der Sohn wolle Mönch werden, aufnahm: „…do wollte mein Vater auch tolle werden, war übel zufrieden und wolt mirs nicht gestatten, und ich wolts gleichwol auch mit seinem Wissen und willen thun. Do ichs ihm schriebe, antwort er mir schriefftlich widder und hies mich Du – zuvor hies er mich Ir, weil ich Magister war – und sagte mir allen gonst und Veterlichen willen gar abe.“[29]

Der Klostereintritt des Sohnes Martin durchkreuzte seine Planungen; er spendete aber anlässlich von dessen Primiz 1507 der Klosterküche die erhebliche Summe von 20 Gulden und erschien zu diesem Anlass mit zwanzig von ihm freigehaltenen Gästen.[30]

Das wirtschaftliche Fundament der meisten Hüttenmeister und so auch des Hans Luder beruhte auf dem Hütten- und Bergwerksbetrieb, zweitens auf Grund- und Landbesitz und drittens aus Zinseinkünften aus Geldgeschäften. Viertens hatte Hans Luder auch die Bergbeamtenfunktion eines Schauherren, was ihm ein Gehalt und Anteil an verhängten Strafgeldern einbrachte. Der erste Teil dieser Einkünfte brach allerdings für Hans Luder, wie für viele Hüttenmeister, in den 1520er Jahren weg.[31]

Die Schuldverschreibung und damit ein genaues Datum liegt nicht vor, aber Hans Luder war seit dieser Zeit gezwungen, seine Berg- und Hüttenwerke als Pfand zu verschreiben.[31] Er arbeitete nur noch als Angestellter für einen Lohn von 50 Gulden im Jahr bei den Investoren der Seigergesellschaft von Schwarza, gegründet am 4. Juli 1472 von Graf Friedrich von Henneberg-Aschach.[32] Das war ein Rückschlag, änderte aber, da die anderen Einkünfte fortbestanden, nichts daran, dass Hans Luder relativ wohlhabend war. Die Hüttenmeisterei Luder nahm den Betrieb von Hütten im Goslarer Raum auf, als die Mansfelder Grafen in ihrem Herrschaftsbereich die Hütten an sich zogen und die früheren Hüttenbesitzer somit auch die Familie Luder weitgehend verdrängten.[33]

Als Martin Luther im Sommer 1525 heiratete, waren auch seine Eltern anwesend.[34] 1527 malte Lucas Cranach der Ältere zwei Porträts von Hans und Margarethe Luder. Ihr jüngerer Sohn Jacob Luther[35] übernahm den elterlichen Betrieb. Bei seinem Tod 1530 hinterließ Hans Luder Güter im Wert von 1250 Gulden, nämlich zwei Häuser bzw. ein Doppelhaus in Mansfeld sowie Landbesitz. (Zum Vergleich: das war mehr als das zehnfache Jahresgehalt eines normalen Wittenberger Professors.[18]) Klugerweise hatte er seine Bergwerks- und Hüttenanteile, also sein Betriebskapital, von seinem Privatbesitz getrennt, so dass die Seigerhandelsgesellschaft auf letzteren keinen Zugriff hatte. Es scheint aber, dass die Hütten und Bergwerksanteile zur Schuldentilgung an die Schwarzer Seigerhandelsgesellschaft fielen, jedenfalls betrieb Sohn Jacob nur die eigenen Hütten und Bergwerke und nicht die seines Vaters.[36] Er war vom Jahre 1533 bis 1560 Ratsherr und mehrfach Schultheiß in Thal Mansfeld (Mansfelder Grafschaft).

Martin Luther erhielt am 29. Mai 1530 auf der Veste Coburg die Nachricht vom Tod seines Vaters.[37] 
LUDER, Hans (I48605)
 
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3064 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I54726)
 
3065 Hans wurde Burger 1476 SPINDLER, Hanns (I1452)
 
3066 Hartmann entstammte dem schwäbischen Geschlecht der Grafen von Dillingen, das im Donauraum begütert war. Er war der Sohn von Hupold († 1074), Graf von Dillingen.[1] Durch die Ehe Hartmanns I. von Dillingen mit Adelheid von Winterthur-Kyburg, vermutlich eine Tochter des letzten Winterthurer Grafen Adalbert II., kamen die Grafen von Dillingen zu weitläufigen Besitzungen und Gebietsansprüchen im Thurgau und nannten sich nun auch Grafen von Kyburg. Ein Sohn von Hartmann war Ulrich I. von Kyburg-Dillingen († 1127), Bischof von Konstanz. Eine Tochter war Adelheid von Dillingen († 1. Dezember 1141 als Nonne im Kloster Zwiefalten), die verheiratet war mit Ulrich I. von Gammertingen († 18. September 1110), Graf von Gammertingen.

Das Kloster Neresheim wurde 1095 von Graf Hartmann von Dillingen und seiner Frau Adelheid auf der Burg Neresheim als Augustiner-Chorherrenstift gegründet und 1106 in eine Benediktinerabtei umgewandelt, die sich der Hirsauer Reform anschloss. Vor seinem Tod trat Hartmann I. als Mönch in das Kloster Neresheim ein und starb dort im Jahr 1121. 
VON DILLINGEN, Hartmann I. (I47145)
 
3067 Hartmann entstammte dem schwäbischen Geschlecht der Grafen von Dillingen, das im Donauraum reich begütert war und die Vogtei über die Reichsstadt Ulm innehatte. Er war der jüngste Sohn von Graf Hartmann IV. von Dillingen († 1258) und der Willibirgis († vor 1248).[1] Der Familie entstammten auch der Augsburger Bischof Walter I. (1133–1152) und die Konstanzer Bischöfe Eberhard I., Warmann und Ulrich I.

Hartmann war 1246/47 Domherr in Augsburg. Nach der Absetzung des staufertreuen Bischofs Siboto von Seefelds durch Papst Innozenz IV. wurde er 1248 zum Bischof von Augsburg ernannt. Weil Augsburg in staufischer Hand war, erfolgte seine Weihe allerdings erst im Jahr 1256. Im Konflikt zwischen Staufern und Papst zählte Hartmanns Familie zusammen mit den Grafen Ulrich I. von Württemberg und Hartmann II. von Grüningen zu den bedeutendsten Gegnern von König Konrad IV.

In seinem Bistum war er ein Förderer der Klöster und Spitäler. Er erlaubte den Bettelorden der Dominikaner, Franziskaner und Karmeliter, die Seelsorge in seiner Diözese. Er lag seit 1256 im Streit mit Ludwig II. von Bayern um die Vogtei des Hochstifts, konnte sich schließlich 1270 durchsetzen, verlor aber die Vogtei 1276 wieder an das Reich. In der Fehde mit Ludwig III. von Oettingen um die Vogtei des Klosters Neresheim entschied ein Schiedsgericht unter Leitung von Albertus Magnus gegen ihn. Schwigger II. von Mindelberg nahm ihn 1266 gefangen und brannte seine Burg Straßberg nieder.

Nach dem Tode seines Bruders Adalbert (1257) und seines Vaters Hartmann IV. (1258) hatte er neben seinen Schwägern einen Großteil des verbliebenen Dillinger Besitzes geerbt,[2] die 1258 bzw. 1286 weitgehend an das Hochstift Augsburg übergingen. Mit Hartmanns Tod 1286 erlosch das Geschlecht der Grafen von Dillingen.

Hartmann wurde im Augsburger Dom vor dem Kreuzaltar bestattet. 
VON DILLINGEN, Hartmann V. (I47136)
 
3068 Hartmann war Sohn Rudolfs I. von Werdenberg und Clementias von Kyburg. Er war der Bruder von Hugo I. von Werdenberg. Er war seit 1256 Ehemann von Elisabeth, der einzigen Tochter von Rapoto III. von Ortenburg, des Pfalzgrafen von Bayern und Grafen von Kraiburg und Marquartstein.

Nach Rapotos Tod im Jahre 1248 hatte dessen Witwe Gräfin Adelheid die Regierung geführt, jetzt übernahm Hartmann I. von Werdenberg die Besitzungen. Seither nannte sich Hartmann Pfalzgraf von Kraiburg, obwohl er mit dem Amt des Pfalzgrafen nie belehnt wurde. Nachdem sowohl Rudolf (bereits vor 1247) als auch sein jüngerer Bruder Hugo gestorben waren, erfolgte 1258 eine Aufteilung des Familienbesitzes der Werdenberger, den Grafschaften über Churrätien, Tettnang, Bregenz, Feldkirch, Sonnenberg, Werdenberg und Sargans. Dabei erhielt er den südlichen Teil des montfortischen Besitzes; die Familie der Werdenberger verzweigte sich in die Hauptlinien „Werdenberg-Heiligenberg“ und „Werdenberg-Sargans“.

Bereits im Jahr 1259 verkaufte Hartmann die Grafschaft Kraiburg und die gesamten Besitzungen des ehemals ortenburgisch-pfalzgräflichen Hauses an den Wittelsbacher Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern. Dieser gliederte die Besitzungen an sein Herzogtum an, was das Ende für die Grafschaft bedeutete.

Hartmann führte seit spätestens 1259 den Titel comes de Werdenberch und war Stammvater der Grafen von Werdenberg-Sargans. Sein Nachfolger als Graf von Werdenberg-Sargans war Rudolf II. († 1322/23). Seine anderen beiden Söhne schlugen klerikale Laufbahnen ein. So ist Hartmann II. als Domherr von Bamberg bezeugt und Hugo III. als Johanniterkomtur in Wädenswil und Bubikon. Hartmann I. von Werdenberg starb um das Jahr 1271.  
VON WERDENBERG, Hartmann I. (I1810)
 
3069 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I7171)
 
3070 Hartwig wird im Allgemeinen der Aribonensippe zugeordnet und ist ihr auch verwandtschaftlich sehr nahe verbunden; er entstammt allerdings laut H. Dopsch dem Geschlecht der Hartwig-Engelbert-Gruppe im Salzburggau. Sein Großonkel war der Salzburger Vogt Hartwig († 925/930), ein proximus (sehr naher Verwandter) des Erzbischofs Odalbert. (Dieser Vorfahre Hartwig ist auch der Grund, dass Pfalzgraf Hartwig I. manchmal auch als Hartwig II. gezählt wird.) VON BAYERN, Hartwig I. (I37432)
 
3071 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I16241)
 
3072 hat Besitz in Grimmelfingen, Rot bei Pfaffenhofen, Göttingen bis 1520 und in Erbishofen KRAFFT, Wilhalm (I9983)
 
3073 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Vertraulich (I5175)
 
3074 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I5516)
 
3075 hatte zu Marburg, woselbst er im Jahre 1689 promovierte und sich habilitierte, Rechtswissenschaft studiert und war 1703 als vierter Professor der Rechtswissenschaft nach Gießen berufen worden.
Im Jahre 1714 schloß er eine dritte Ehe mit Maria Klara Mollenbeck (1694-1766), der Tochter des Geheimen Rates, Kanzlers und Professors-Primarius der Rechte Bernhard Ludwig Mollenbeck.
Ein Jahr später wurde er akademischer Syndikus und nach dem 1720 erfolgten Tode seines Schwiegervaters dessen Nachfolger als erster juristischer Professor und Kanzler der Universität.
Er starb am 28. September 1722, nachdem ihm kurz vorher, am 5. Juni, noch ein Stammhalter, Adolf Ludwig, der Vater Karls, geboren worden war. 
GROLMANN, Melchior Detmar (I942)
 
3076 HATTUARIEN (auch Hettergau, lat. pagus Attoarii) war ein MEROWINGISCH-KAROLINGISCHES Territorium im Frühmittelalter. Das Gebiet, das in historischen Quellen als Land (terra), (Groß)Gau (pagus) und Grafschaft (comitatus) erscheint, bezeichnete im Laufe der Zeit sehr unterschiedliche landschaftliche Einheiten und politische Bezirke. Ursprünglich war mit Hattuarien ein Gebiet beiderseits des Niederrheins gemeint, später dann eine linksrheinische Grafschaft entlang der Niers. Die Hauptorte waren Geldern, Gennep und Xanten.  N., N. (I29368)
 
3077 Hatzfeld (Adelsgeschlecht)
Hatzfeld oder auch Hatzfeldt ist der Name eines alten edelfreien Geschlechts aus dem oberen Lahngau mit gleichnamigem Stammhaus Hatzfeld im Landkreis Waldeck-Frankenberg (Hessen), das erstmals 1138 urkundlich erwähnt wird. Von 1418 bis 1806 regierte die Familie die reichsunmittelbare Herrschaft Wildenburg, weshalb sie zum Hochadel gezählt wird.

1635 wurden die Linien Hatzfeld-Wildenburg-Weisweiler und Hatzfeld-Wildenburg-Crottorf in den erblichen Reichsgrafen- bzw. Grafenstand erhoben. Die Linie Hatzfeldt-Gleichen-Trachenberg erhielt 1741 den preußischen Fürstenstand, seit 1803 gefolgt von der Linie Hatzfeldt-Werther-Schönstein (noch blühend), die 1900 in Primogenitur zum „Herzog zu Trachenberg“ erhoben wurde; im 19. Jahrhundert wurde auch die Linie Hatzfeld-Wildenburg gefürstet (1941 im Mannesstamm erloschen).  
VON HATZFELD, Johann (I17426)
 
3078 Haus Broich (von: Bruch = Sumpfgebiet) ist ein ehemaliges Rittergut in Willich zwischen den Stadtteilen Willich und Anrath im Westen des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Das Gut wurde erstmals 1247 als Besitz von Adolf de Broich erwähnt. Die Herren von Broich waren Besitzer bis 1395. Arnold von Honselaer wurde 1395 durch Heirat Besitzer. Nach zahlreichen Besitzwechseln, unter anderem an die Familie von der Brügghen, wurde Haus Broich 1694 als freiadliger, allodialer Rittersitz verkauft.  VON DER LIEPP GENANNT HOHN, Margaretha (I1760)
 
3079 Haus Clyff VON KÖNIG, Anna Theodora Elisabeth (I45755)
 
3080 Haus Clyff (Winz)

Hierarchie Regional > Historisches Territorium > Mark-Wap.jpg - Portal:Grafschaft Mark > Grafschaft Mark > Amt Blankenstein (Grafschaft Mark) > Haus Clyff (Winz)

Lage
Winz
Hattingen (Ruhr)
Kreis Bochum
Einführung
Das Herrenhauses des Adelssitzes Clyff und seine letzten spärlichen Reste sind auf dem Steilufer der Ruhr heute (2006) noch unter Gebüsch und wuchernden Ranken als festgefügtes Mauerwerk zu erkennen, auch wenn der größte Teil des Hofplatzes dem Bahnbau von Dahlhausen nach Blockstelle Henrichshütte in den Jahren 1867/69 zum Opfer fiel.

Ein von dem damaligen Besitzer Wennemar von Heiden zu Bruch (Welper) im Jahre 1729 errichtete Torbogen zum weitläufigen Garten mit der Inschrift "Mehr Tadlers als Künstlers" stand noch bis vor wenigen Jahren auf dem Hofe der Stellmacherei Beine an der Bahnhofstraße in Hattingen.

Darpe erwähnte, das das castrum Clyff um 1225 als festes Haus von der Abtei Deutz auf dem Ruhrufer erbaut worden sei und zum Sitz des Schultheißen ihres Hofes in Hattingen bestimmt war. Dieser sollte die Einkünfte aus dem Hof Hattingen (Hattneggen) sichern, weil durch die unsicheren Zeiten ein ruhiger Genuß der Hofesabgaben nicht möglich gewesen wäre.

Rechte
Haus Clyff verfügte über wesentliche Grundherrenrechte im Raum Hattingeh und über das Schultheißamt in Hattingen.

Gerichtsbarkeit
1666 Das Haus Kliff wurde mit einer Anzahl zugehöriger Güter und den Hofesgütern des Hofes Hattingen der Jurisdiktion des zeitlichen Schultheißen in Hattingen (damals Joh. Dietrich von Syberg) unterstellt. Doch blieb die Verbindung mit dem Amt Blankenstein erhalten.
1732 fiel die Jurisdiktion heim und wurde
1733 dem Gericht Hattingen wieder einverleibt.
Besitzer
Im Laufe seiner langen Geschichte hat Haus Clyff viele Besitzer gehabt.
1270 Friedrich van Clive (op den Clive) Schultheiß des Hofes Kliff
Im 13. Jahrhundert wohnte hier die Familie Weite, die auch die Schultheißenrechte erwarb.
Johannis Weyten op den Cleve war nach 1326 Mitglied der Kalandsbruderschaft zu Essen / Wattenscheid.
Graf Engelbert von der Mark ließ im Jahre 1386 einen Betrag von 60 Mark durch Johann Weite vanrne Cleve (Clyff) von der Stadt Dortmund erheben.
Besitzwechsel
Am Ende des 14. Jahrhunderts kam der Erbsitz an die Herren Overhus, gt. Lebbing. Mit Cord Overhus wurde am 2. 7.1396 von Dietrich von der Mark im Beisein der Ratsherrn von Hattneggen der denkwürdige Vertrag geschlossen, der mit der Befestigung des Kirchdorfes Hattneggen die Stadtwerdung dieses Ortes rechtskräftig werden ließ.

Besitzwechsel
Der Familie Overhus folgten von 1497 bis 1513 die von Krickenbeck gt. Spor.

Besitzwechsel
Von den Overhues kam das Haus Clyff an die von Lützenrod / Lützenrath. Diese besaßen neben Clyff (bei Hattingen) auch Forst bei Frechen, Hardenberg bei Bochum, Klarenbeck (heute Lennep), Kulseck und Weilerswist (heute Lechenich), Mehrum und Roth (heute Mühlheim) auch noch Wensberg. Neben dem angekauften Schultheißenamt stellten die Herren von Clyff zeiweise den märkischen Drosten im Amt Blankenstein.

Besitzwechsel
1695 Bestätigung der Landtagsfähigkeit des Hauses Clyff als Sitz der Familie von der Recke zu Stiepel.
Zwei Besitzer
Joh. Georg von Syberg zu Wischlingen und sein Bruder Joh. Dietrich von Syberg zu Clyff, Drosten zu Blankenstein und Bochum, klagten 1639 vor dem Richter zu Hattingen, 1647 vor dem Hofgericht Kleve und 1657 vor dem Reichskammergericht zu Wetzlar gegen Arnold von Elverfeldt zu Sinzig (oo Magd. Kath. Landschade, geb. 06.01.1604 und seit dem 22.02.1634 Wwe. des Joh. Wilh. von Lützenrath zu Clyff). Es ging dabei um eine Forderung über 2.000 Talern aus rückständigen Rentenverschreibungen, insbesondere aber um eine Mitgiftverschreibung anlässlich der Heirat des Joh. Georg von Syberg mit Sybilla Arnolda von der Recke zu Stiepel vom 13.06.1639 und deswegen Zwangsvollstreckung in die Güter des beklagten Ehepaares.
In den Akten des RKG Protololl der Augenscheinbesichtigung des verwüsteten Hauses Clyff im Jahre 1647 durch das Hofgericht Kleve und Vorurkunden seit 1554.
Besitzwechsel
1654-74 Johann Dietrich von Syberg zu Clyff und Rauschenburg, Obristenwachtmeister, Amtmann zu Bochum oo Ursula Josine von der Mark (1680)
Besitzwechsel
Das freiadelige Gut Haus Clyff war 1681 im Besitz des Jürgen (Georg) von Syberg zu Vörde, Amtmann zu Blankenstein und kam schließlich an Johann Dietrich von Syberg. Die Witwe seines Sohnes brachte es durch ihre zweite Heirat an Johann von der Reck, von dem es an die Freiherren von Heyden zu Haus Hovestadt kam.

1695 Bestätigung der Landtagsfähigkeit des Hauses Clyff als Sitz der von der Recke.
Besitzwechsel
1711 Ferdinand Sigismund von Heyden zum Clyff war 1711 Amtsverwalter zu Blankenstein für seinen älteren Bruder Friedrich Adolph von Heyden, 1714 wurde er Amtmann.

Besitzansprüche
1752 machte Sophia Margarethe Schumacher geb. von Mumm zu Aldendorf auf das Haus Clyff bei Hattingen Erbansprüche geltend, welches von der Abtei Deutz her lehnrührig sei.
Verkauf
Nach der Veräußerung des umfangreichen Heidener Besitzes zu Anfang des 18. Jahrhunderts kam das alte Lehngut der Abtei Deutz an die Familie von Aussen.

1760 Ankauf des Besitzes durch den Freiherrn von König vom Geheimrat von Aussen [1]
Schon in der von Aussenschen Zeit, besonders aber unter dem Freiherrn von König verarmten die Besitzer mehr und mehr, so daß am Ende des 18. Jahrhunderts die zugehörigen Flächen stückweise in öffentlichen Verkaufsterminen auf Walbaum, dem Sitz der Verwalter des Hauses Clyff, verkauft wurden.

14.11.1785, Wetter, Bergrichter Maehler gibt bekannt, daß der Frhr. v. König seinen Rittersitz Clyff in der Gfsch. Mark vor der Stadt Hattingen am schiffbaren Ruhrstrom mit einem massiven u. modernen herrschaftlichen Wohnhause u. großem Garten, Weiden, Wiesen. Ländereien, Holzungen, Fischereien, Mühlen, Bauerngütern, sonstigen Geldnaturalienpächten u. Leistungen (Prästationen) nebst Rechten, besonders Jagden, Schafshuden. Kirchensitzen in der luth.-reformierten Kirche zu Hattingen, Begräbnissen u. Gewölben, als auch seine sonstige adelige als bürgerliche immobiliar Besitzungen in der Gfsch. Mark zwar aus freier Hand, jedoch unter seiner [Maehlers] Leitung — wozu er am 11. l. Mts. landesherrlich beauftragt sei —. am 13. März, dem einzigen hierzu festgesetzten Termin, im Gasthofe bei Walbaxim an der Hattingschen Ruhrbrücke öffentlich u. freiwillig verkaufen will. Ein Teil der Kaufgelder kann gegen Sicherheit u. landesübliche Zinsen beim Ankäufer stehen bleiben. Anschlag, Taxe u. Kaufsbedingungen sind beim Verkäufer, Hoffiskal Striebeck in Hattingen, u. bei ihm als Kommissar einzusehen. gez. Maehler. Abdruck zur Freitagszeitung des Duisburger Intelligenzzettels, vom 2. Dezember 1785, Nr. 192. Akte C 16, Bl. 101., Quelle: Symann, ernst: Die Urkunden des Archivs Wanne-Eickel 1600-1800, Wanne-Eickel 1929, Nr. 1205, S. 46-47
Verkaufsanzeige des Hauses Clyff vom 1. März 1787 Haus und Hofraum wanderten ebenfalls von einer Hand in die andere. Nach den Besitzern von König, von Berswordt- Wallrabe und von Düngelen kam das Restgut mit dem Ankauf durch die Familie Bölling in bürgerlichen Besitz. Im Jahre 1864 kaufte die Hattinger Familie Weygand den verbliebenen Rest des Gutes, um es dann schließlich mit dem Gelände des Ruinenplatzes an die Familie Birschel zu veräußern.

Landtagsfähigkeit
Wegen der Zerstückelung durch Verkäufe wurde Haus Clyff aus den Martrikeln der landtagsfähigen Güter 1877 gelöscht.
Archiv
Der verbleib des Archivs des Hauses Clyff konnte bisher noch nicht ermittelt werden..


Haus Kliff, in anderen Schreibweisen auch Haus Klyff, Haus Cleef oder Haus Clyff, war ein Rittergut bei Hattingen. Es wachte über die Ruhrquerung (zunächst als Furt, später als Brücke) am kleinen Hellweg (Hilinciweg) von Köln nach Münster. Die Herren von Haus Kliff (Klyft) waren viele Jahrhunderte die Schultheißen des Hofes Hatneggen.

Geschichte
Bei Bauarbeiten im Jahre 1958 wurden im Bereich von Haus Kliff Spuren einer Mühle wiederentdeckt, die Graf Adolf II. von der Mark im Jahre 1335 an dieser Stelle hatte errichten lassen. Für die Bauern war es Pflicht, ihr Korn dort mahlen zu lassen (Mühlenzwang). Der Müller erhielt ein Zwanzigstel des gemahlenen Kornes als Lohn.

Diese Mühle war durch Eisgang auf der Ruhr eines Winters zerstört worden. Daher schloss der Graf mit Johannes Weite als Besitzer von Haus Kliff einen Vertrag über die Zusammenlegung der Mahlpflichtigen, die nun alle zur Weiten Mühlen von Haus Kliff zum Mahlen gehen mussten.

Johann Diedrich von Syberg erwarb Mitte des 17. Jahrhunderts Haus Kliff. Später erbten die Freiherren von Heiden zu Bruch den Besitz.

Aus späterer Zeit existieren Berichte, wie die Herren für die Kohlentransporte entlang der Straßen Wegezoll erhoben, wer sich diesem entziehen wollte, wurde nicht selten unter Anwendung körperlicher Gewalt dazu gezwungen.

Im Jahre 1820 erbaute der Besitzer des Hauses Kliff die Hattinger Schleuse an der Ruhr aus Stein. Sie war 39 Meter lang und 5,50 Meter breit.

Die letzten Besitzer verarmten und die Burg verfiel. 1877 wurde Haus Kliff aus der Reihe der Rittersitze gestrichen. Das dazugehörige Gut ging Ende des 19. Jahrhunderts in Konkurs und wurde versteigert.

Das Burggelände ging 1880 an die Familie Birschel, die dort eine industrielle Mühle mit einer Fassade im Burgenstil errichtete. Mittlerweile wurde die Birschel-Mühle renoviert und zum Seniorenwohnheim umgebaut.

Von der alten Burg sind bis heute nur einzelne Mauerreste erhalten geblieben; ein Giebelbalken des Hauses mit Inschriften befindet sich im Hattinger Heimatmuseum. Bei Aushubarbeiten im August 2006 wurden Mauerreste freigelegt, die belegen, dass es neben dem eigentlichen bekannten Burggebäude auch eine so genannte Vorburg gegeben haben muss, die wahrscheinlich schon zum Ende des Hochmittelalters an Bedeutung verloren hat.

Über das mittelalterliche Rittergut gab und gibt es im Hattinger Raum zahlreiche Sagen. Eine besagt, dass der Niedergang des Hauses auf den Übermut einer Herrin zu Kliff zurückzuführen ist; eine andere berichtet von gespenstischen Vorgängen in der alten Mühle. 
VON KÖNIG, Karl Simon (I45766)
 
3081 Haus Crengeldanz
ist ein Herrenhaus im Wittener Stadtteilbezirk Crengeldanz, Otto-Seeling-Straße 6. Das Gebäude gehörte früher zu dem freien, adeligen Rittergut Crengeldanz und steht seit dem 20. August 1984 unter Denkmalschutz.

Im Jahr 1341 erstmals urkundlich erwähnt,[2] war das Anwesen im 14. Jahrhundert im Besitz der Ministerialenfamilie von Dücker. In diese Familie heiratete Hermann von Witten-Steinhausen (1374–1435) ein, wodurch sich die Linie Witten-Crengeldanz bildete. In der Folgezeit wechselte das Haus durch Heirat von Erbtöchtern mehrere Male den Eigentümer. Es gehörte nacheinander den Familien von Hoete (ab 1532), von Stammheim und von Sydow (1743 bis 1825)[3]

1825 erwarben die Brüder Gustav und Theodor Müllensiefen das Haus für 4.400 Taler[2] und gründeten auf dem Gelände eine Glashütte, die später von der Flachglas AG übernommen wurde und nun zum Unternehmen Pilkington gehört. Sie ließen zusätzlich vom Regierungsbaumeister Heinrich Klutmann die Villa Müllensiefen als Wohnsitz errichten.[4] In unmittelbarer Nähe liegt auch die Gartenstadt Crengeldanz.

Das Haus Krawinkel
war ein Rittergut mit Burganlage im Stadtquartier Stahlhausen der Stadt Bochum im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen.

Der Adelssitz hat sich aus dem seit dem 12. Jahrhundert belegten Schulzenhof Crawinkel der Abtei Werden in Essen entwickelt. Zwischen 1243 und 1478 ist neben den Schulzen auch ein Rittergeschlecht von Krawinkel belegt. Um 1300 waren diese Ministeriale der Grafen von Kleve, sind aber um 1320 dem Abt von Werden übertragen worden. Nach deren Aussterben besaßen die Herren von der Leiten, von Schele, von Eickel zu Vörde, von Rump zu Crange und von Essellen Hof und Burg zu Lehen. Der Burgplatz ist heute durch ein Stahlwerk überbaut. 
VON ESSELEN, Friedrich Heinrich Dietrich (I44372)
 
3082 Haus Heven ist ein ehemaliges Rittergut am Ufer des Oelbachs im Bochumer Stadtteil Querenburg. Es befindet sich im Gerlach-von-Heven-Weg und wird heute als privat bewirtschafteter Bauernhof genutzt.

Im 11. Jahrhundert zum Besitz der Abtei Werden gehörend, wurde der damalige große Hof im Urbar des Klosters als „suyta Hevinne“[1] erstmals urkundlich erwähnt. Später wurde er durch die Werdener Äbte als Lehen an adlige Dienstmannen vergeben. Im Jahr 1344 war der Lehnsnehmer mit Henrici de Lutzelowe ein Angehöriger der Familie von Lüttelnau, deren Stammsitz ein Rittergut im heutigen Essener Stadtteil Kettwig war, an den noch der Essener Kattenturm erinnert. Nach dem nahe gelegenen Dorf nannten sich die Ritter später auch „von der Hevene“ und bauten den Hof zu einer Wasserburg aus.

Das Anwesen kam zu Beginn des 15. Jahrhunderts an die Herrn von Vaerst (auch „von dem Vorste“ genannt), zu deren Besitz auch das Rittergut Kallenberg bei Kirchende gehörte. Damals wurde Haus Heven ausdrücklich als Burg erwähnt, zu der eine Mühle gehörte. Nachdem die Ritter von Vifhusen vorübergehend auf dem Gut saßen, gelangte es erst an die „vom Holte“ und ab 1527 an die Ritter von Elverfeld, die das Lehen bis 1627 innehatten. Im Jahr 1629 wurde wieder ein Mitglied der Familie von Vaerst damit belehnt: Conrad von Vaerst zum Callenberg. Sein Nachfahr, der Freiherr Ludolf Bernhard von Vaerst, verkaufte Haus Heven am 25. März 1747 für 46.800 Reichstaler an Wilhelm Ludolf von Boenen zu Berge.

Nachdem es kurzzeitig im Besitz der Freiherren von der Recke gewesen war, kam es über Mitglieder der Familie von Boenen an die Grafen von Westerholt-Gysenberg.

Ein Verzeichnis der zum Gut gehörigen Pertinenzen aus dem Jahr 1816 beschreibt das Wohnhaus des Anwesens als ein Gebäude, das „mäßig aufgeführt“ war und „kaum noch an den alten Rittersitz erinnern mochte.“[2] Der Wassergraben, der die Gutsgebäude umgab, war zu jener Zeit vollständig verschlammt.

Um 2010 wurde das Haus umfassend renoviert. Auf der Rückseite kam eine Mauer hinzu, in fast historistischem Stil. 
VON VAERST, Adolf Heinrich Bernd (I45724)
 
3083 Haus Kallenberg ist ein ehemaliges Herrenhaus und heutiger Bauernhof am Kallenberger Weg im Stadtteil Kirchende von Herdecke. Weiter östlich liegen eine Erbbegräbnisstätte und ein Friedhof. Südlich fließt der Ender Mühlenbach.

Auf der ehemals zum Hof gehörenden Weidefläche nördlich der bewaldeten gleichnamigen Anhöhe Kallenberg (198 m ü. NN.) wurde im Jahr 2005 ein Einkaufszentrum errichtet.

Die Herren von der Vaerst zu Callenberg saßen schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf diesem Rittersitz. Ihr Wappen zeigt einen zwölfmal rot und gold geständerten Schild, einen blauen Mittelschild und auf dem Helm einen goldenen und einen roten Palmzweig oder zwei grüne Zweige mit Beeren. Um 1400 wurde Hermann von dem Vorste als Lehnsnehmer von Haus Heven in Bochum angeführt. In der evangelischen Kirche von Kirchende befindet sich die Grabplatte von Hermann von dem Varst aus dem Jahre 1549. Sie steht heute im Turmraum der Kirche.

Um 1774 kaufte sich die Familie aus der Lehnsherrschaft der Abtei Werden frei.

Friedrich Goswin Freiherr von Vaerst zum Callenberg erwarb 1774 Haus Weitmar und Haus Bärendorf auf dem heutigen Bochumer Stadtgebiet. 
VON VAERST, Heinrich (I45661)
 
3084 Haus Kallenberg ist ein ehemaliges Herrenhaus und heutiger Bauernhof am Kallenberger Weg im Stadtteil Kirchende von Herdecke. Weiter östlich liegen eine Erbbegräbnisstätte und ein Friedhof. Südlich fließt der Ender Mühlenbach.

Auf der ehemals zum Hof gehörenden Weidefläche nördlich der bewaldeten gleichnamigen Anhöhe Kallenberg (198 m ü. NN.) wurde im Jahr 2005 ein Einkaufszentrum errichtet.

Die Herren von der Vaerst zu Callenberg saßen schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf diesem Rittersitz. Ihr Wappen zeigt einen zwölfmal rot und gold geständerten Schild, einen blauen Mittelschild und auf dem Helm einen goldenen und einen roten Palmzweig oder zwei grüne Zweige mit Beeren. Um 1400 wurde Hermann von dem Vorste als Lehnsnehmer von Haus Heven in Bochum angeführt. In der evangelischen Kirche von Kirchende befindet sich die Grabplatte von Hermann von dem Varst aus dem Jahre 1549. Sie steht heute im Turmraum der Kirche.

Um 1774 kaufte sich die Familie aus der Lehnsherrschaft der Abtei Werden frei.

Friedrich Goswin Freiherr von Vaerst zum Callenberg erwarb 1774 Haus Weitmar und Haus Bärendorf auf dem heutigen Bochumer Stadtgebiet.

Literatur
Gustav von Vaerst: Der Rittersitz Callenberg bei Herdecke. In: Der Märker, 19. Jahrgang 1970, Heft 3, S. 59 f.
Bernhard Brecker: Haus Callenberg. In: Ende. Kirchspiel, Gemeinde, Herdecker Ortsteil. Herdecke 2002, S. 58–76. 
VON VAERST, Gisbert Jobst Balduin (I45685)
 
3085 Haus Nesselrath liegt im Tal der Wupper nördlich des Leichlinger Zentrums in der naturräumlichen Einheit Unteres Wuppertal. Der nahe Fluss bildet die Stadtgrenze zu Solingen.

Nachbarorte sind Nesselrath, Leysiefen, Kradenpuhl, Diepenbroich, Oberschmitte, Bennert und Hohlenweg auf Leichlinger Stadtgebiet diesseits der Wupper und Haasenmühle, Wipperkotten, Wippe und Wipperaue auf der anderen Flussseite auf Solinger Stadtgebiet.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Haus Nesselrath im Jahre 1303 als Lehen der Abtei Deutz. In den Urkunden wird die Burg sowohl Nesselrath, als auch Nesselrode genannt. Beide Endsilben sind Toponyme für Rodung. Die ursprünglich zweiteilige Wasserburg wurde um 1300 von der bergischen Ministerialadelsfamilie Nesselrode erbaut und bewohnt. 1511 erwarb die Adelsfamilie Ketteler den Rittersitz und baute die Burg 1536 grundlegend um. Aus dieser Zeit sind ein Teil der Vorburg mit einem zweigeschossigen Torhaus aus Bruchstein, spitzbogiger Durchfahrt, Fachwerk im Giebel und Kreuzstock im Fenster sowie Teile der Ringmauer erhalten.

Die Karte Topographia Ducatus Montani aus dem Jahre 1715 zeigt einen Adelssitz unter dem Namen Nesselrodt. Im 18. Jahrhundert gehörte der Wohnplatz zum Kirchspiel Leichlingen im bergischen Amt Miselohe. Die Topographische Aufnahme der Rheinlande von 1824 und die Preußische Uraufnahme von 1844 verzeichnen den Ort als Haus bzw. Schloss Nesselrath. 
N., N. (I21968)
 
3086 Haus Pallandt Herrschaft Wittem; HRR
1466–1481: Dietrich von Pallandt († 1481)
1481–1514: Johann von Pallandt (um 1475–1514)
1514–1540: Gerard von Pallandt (um 1510–1540)
1540–1598: Florenz I. von Pallant (1537–1598)
1598–1639: Florenz II. von Pallant (1578–1639) 
VON PALAND, Gerard (Everhard) (I59343)
 
3087 Haus Tervoort, auch „Schloss Tervoort“ oder „Haus ter Voorth“, ist ein ehemaliges Rittergut in Rheinkamp, einem Stadtteil von Moers. Die Hofanlage, vermutlich zeitweise eine Wasserburg, stammt aus dem 12. Jahrhundert und wird erstmals urkundlich 1443 als Rittergut erwähnt.[1] Nach einem Bombentreffer auf das Hauptgebäude im Zweiten Weltkrieg und einem Brand 2004 werden vom ursprünglichen Anwesen heute nur noch drei Nebengebäude benutzt; ansonsten sind nur Ruinen vorhanden. LIEBRECHT, Louis (I58867)
 
3088 Hausbau in Etappen
Friedrich von Salis starb 1570; fortan war sein Sohn Johann das Oberhaupt der Salis in Samedan. 1595 baute Johann sein Haus aus – den Nordflügel bzw. linken Teil der heutigen Chesa Planta. 1760 wurde das Haus zu seiner heutigen Grösse «verdoppelt», 1817 ging es in den Besitz der Familie Planta über. Heute ist es eine Stiftung und beherbergt unter anderem eine bedeutende Bibliothek, mit unzähligen Werken aus der Zeit von «Bergünerstein».

Die Fotografie von Annemarie Schwarzenbach zeigt das Haus im Jahr 1936, mit Sgraffiti wahrscheinlich aus der Zeit des Ausbaus zum Doppelhaus.

Vicari Johann von Salis
Johann von Salis-Samedan war der einzige Sohn des Friedrich von Salis und der Ursina Travers. Nach seiner Mutter bzw. seinem berühmten Grossvater mütterlicherseits wurde er auch Johann Travers von Salis genannt. Er lebte von 1546 bis 1624 und war dreimal verheiratet. Mit seiner ersten Ehefrau, Eva von Planta, hatte er 19 Kinder. Seine zweite Frau war Catarina Curo aus Bever, die dritte war Ursula v. Stockar aus Schaffhausen. Schaffhausen war denn auch das Ziel der Familie Salis-Samedan, als sie im Herbst 1621 durch Bergün vor den anrückenden Österreichern flüchtete.

Politiker und Parteigänger Venedigs
Der Titel des Vicari geht auf seine Tätigkeit als Vicari des Veltlins in den Jahren 1583 bis 1585 zurück. Und wahrscheinlich kam er zwanzig Jahre später noch zwei Mal zu kurzen Einsätzen als Vicari: einmal nach der vermuteten Absetzung von Vicari Albert Dietegen von Salis 1602 und einmal als Vertreter des angeblich überforderten Bartholomäus Caflisch 1604.

Zeit seines Lebens war Johann von Salis ein vehementer Befürworter einer Allianz mit Venedig.

Bergbauunternehmer
Das Hauptbetätigungsfeld von Johann von Salis war aber nicht die Politik, sondern das Geschäftsleben, insbesondere der Bergbau. Er betrieb zahlreiche Bergwerke in den Drei Bünden und verfügte über weitverzweigte Geschäftsbeziehungen. Der Erzabbau am Murtel da Fier und im Val Tisch bei Bergün war somit nur ein Geschäft von vielen – aber offenbar eines, das von Beginn an schlecht lief. Immer wieder kam der Betrieb mangels Kapital zum Erliegen, immer wieder wurde er nach Kapitalzuschüssen von neuen Geschäftspartnern wieder aufgenommen. Doch 1615 scheint Johann von Salis den Bergüner Betrieb endgültig aufgegeben zu haben. 
VON SALIS-SAMEDAN, Johann Baptist (I56571)
 
3089 Hauslehrer in Schleiden (Eifel) DAHL, Johann Ferdinand (I119)
 
3090 Hauszeichen an der haustüre des Rathauses Burgau;
Erbauer Peter Moosberger 1632 
MOOSBURG(ER) \ MOOSBURGER, N. (I22984)
 
3091 Hazecha (Hacecha) von Ballenstedt war mindestens von 1044 bis 1046 die 3. Äbtissin des freien weltlichen Stiftes Gernrode und Frose. Sie war die Nachfolgerin von Äbtissin Adelheid I. Unter ihrer Herrschaft konnte das Stift seinen Besitz durch Schenkungen enorm vergrößern.

Hazecha war die Tochter von Adalbert I. von Ballenstedt und Hidda von der sächsischen Ostmark. Sie hatte noch 4 Geschwister: Esico von Ballenstedt, Uta von Ballenstedt, welche mit Ekkehard II. von Meißen verheiratet war, sowie Dietrich Propst zu Ballenstedt und Ludolf Mönch zu Corvey. Ihr Bruder Esico gilt als Stammvater der Askanier. Sein Urenkel war Albrecht der Bär und ist der erste urkundlich nachweisbare Schutzvogt des Stiftes Gernrode. Von diesem Zeitpunkt an bis zur Auflösung des Stiftes hatten die Askanier die Schutzvogtei inne.

Nach den Annales Gernrodensis des Chronisten Andreas Popperodt aus dem 16. Jahrhundert hat sie das Amt der Äbtissin 19 Jahre innegehabt. Allerdings ist Hazecha nur aus zwei Kaiserurkunden von 1044[1] und 1046 bekannt.

Im Jahr 1044 scheint sie die Zustimmung des Königs Heinrich III. zu ihrer Wahl eingeholt zu haben, da er im selben Jahr dem Stift ein weitreichendes Privileg in Goslar erteilte in dem ihr Name als Äbtissin genannt wird.

Das Stift Gernrode erhielt von ihrem Schwager, dem Markgrafen Ekkehard II. von Meißen, vor seinem Tod eine beträchtliche Schenkung, da seine Ehe mit ihrer Schwester Uta kinderlos geblieben war. Diese Schenkung wurde durch Kaiser Heinrich III. am 19. Februar 1046 bestätigt. Die Schenkung umfasste Güter in Gundersleve, einer Wüstung bei Wegeleben, Westerhausen, wo das Stift bereits einige Güter besaß, in Mordorf sowie in Richbrechtigerode, beides Wüstungen bei Blankenburg, Wendhusen, heute ein Ortsteil von Thale, und Egihardingerode sowie in Dorbonrod, Wüstungen, deren Lage unbekannt ist. 
VON BALLENSTEDT, Hazecha (I36272)
 
3092 Hebamme: Ww. Klein, Verr KAUERT, Johannes Friederich (I44916)
 
3093 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I58875)
 
3094 Hedwig wurde als jüngere Tochter von Rudolf IV. von Habsburg und seiner ersten Frau Gertrude von Hohenberg geboren. Das genaue Geburtsjahr ist unbekannt, ist aber durch die Geburten ihrer Geschwister zwischen 1258 und 1261 zuordenbar.[1] Die Habsburger waren ein relativ unbedeutendes Geschlecht, bis Hedwigs Vater Rudolf 1273 zum römisch-deutschen König gewählt wurde. Danach begann der Aufstieg der Habsburger zur Herrscherdynastie des Heiligen Römischen Reiches.

Hedwig war das fünfte von zehn Kindern. Ihr Bruder Albrecht I. folgte seinen Vater als römisch-deutscher König nach. Ihr Bruder Hartmann ertrank 1281. Rudolf II. wurde Herzog von Schwaben, starb aber 1290. Hedwig und ihre Schwestern wurden mit mächtigen Fürsten verheiratet: Mathilde heiratete Ludwig, Herzog von Oberbayern, Katharina Otto III. von Niederbayern, Agnes Albrecht II. den Herzog von Sachsen-Wittenberg, Klementia Karl Martell, Titularkönig von Ungarn und Guta König Wenzel II. von Böhmen.[2]

Nach dem Tod von Hedwigs Mutter 1281 heirate Rudolf Isabella von Burgund. Diese war, abgesehen von Guta, jünger als ihre Stiefkinder. 
VON HABSBURG, Hedwig (I54338)
 
3095 Heeckeren (auch Heekeren oder Hekeren) ist der Name eines Adelsgeschlechts aus dem Herzogtum Geldern.
Der bekannteste der Herren van Heeckeren war Friedrich (circa 1295–1357), Herr von der Ehze, einem Landgut, das rund zehn Kilometer östlich von Zutphen in der heutigen Gemeinde Gorssel liegt. Friedrich war Ratsherr von Herzog Rainald II. Im Jahre 1348 geriet er auf Kriegsfuß mit Gysbrecht van Bronkhorst wegen bestimmter Jagd- und anderer Rechte. Er schloss ein Bündnis mit Johann von Arkel, Bischof von Utrecht. Gysbrecht van Bronkhorst hingegen verbündete sich mit dem Herzog Rainald. Da dessen Nachfolger, Rainald III., eine Hegemonie der Bronkhorster fürchtete, schlug er sich auf die Seite Heeckerens. Dies war der Beginn eines sich jahrzehntelang hinschleppenden Konflikts. Die niederländischen Adelsgeschlechter van Voorst und die Grafen von Rechteren-Limpurg stammen von ihm ab.

Das heutige Adelsgeschlecht mit dem Namen van Heeckeren stammt ab von Jacob van Heker, Herr van Roderlo, der 1440 starb. Wahrscheinlich stammte dieser Ahnherr von älteren Namensträgern van Heeckeren ab, jedoch konnte die Abstammung bisher noch nicht bewiesen werden. Zu diesem jüngeren Geschlecht gehörte Willem van Heeckeren van Kell (1815–1914), der von 1858 bis 1860 niederländischer Außenminister war.

Von der Familie Van Wassenaer ging das Schloss Twickel bei Delden an die Van Heeckeren van Kell über, die es 1953 in eine Stiftung überführten; die Stiftung wird heute von den Grafen zu Castell-Rüdenhausen administriert.  
VON HEECKEREN, Gottfried (I18736)
 
3096 Heer van Geich, Obergeich, Konzendorf, Schlich und Horn - Koninklijk Minister, Heer van Echts, van (der) Merode (Merovingen) van den Bergh, Geich, Konzendof, Schlich und Horn AUS RHODE VAN DER MERODE (MEROVINGEN) VAN DEN BERGH, Werner II. (I8851)
 
3097 HEGI
ist ein Quartier der Stadt Winterthur. Zusammen mit den Quartieren Guggenbühl, Grüze, Hegmatten, Talacker, Zinzikon, Reutlingen, Stadel und Ricketwil bildet es den Kreis 2 (Oberwinterthur).
Das historische Dorf Hegi lag südlich von SCHLOSS HEGI.
SCHLOSS HEGI wurde vermutlich 1200 gebaut und wird 1225 erstmals urkundlich erwähnt. Besitzer des Schlosses war die Ministerialenfamilie «VON HEGI» aus Konstanz, deren Vertreter Hugo VON HEGI war 1342/43 Schultheiss der Stadt Winterthur. Während des Mittelalters stand die Dorfbevölkerung HEGIS, nicht wie anzunehmen, unter dem Einfluss der Herrscher von SCHLOSS HEGI, vielmehr gehörte ab 1400 ein Grossteil der Wirtschaft Hegis zum ST. PETER und PAUL-STIFT aus EMBRACH, für die sie auch Abgaben zu leisten hatten.
Der Einfluss des Klosters war jedoch auch durch die räumliche Distanz und anderer Grundbesitzer (u. a. das KLOSTER PETERHAUSEN, deren Verwalter seinen Sitz im Hohlandhaus in Oberwinterthur hatte) im Dorf eingeschränkt, auch kirchenrechtlich gehörte das Dorf zu Oberwinterthur, die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den Herrschern der KYBURG, die Vogtei gehörte den HERREN VON BREITENLANDENBERG und den Zehnten lieferte es zuerst dem BISCHOF VON KONSTANZ und später dem KLOSTER TÖSS ab. Bedeutend für die Entwicklungs HEGI war auch die Eulach, deren Wasserkraft zum Antrieb von zahlreichen MÜHLEN diente – die Älteste wurde bereits um 1379 urkundlich erwähnt.

Der letzte Vertreter der Familie von Hegi, Hugo VON HEGI (um 1410–1493), vermachte das SCHLOSS HEGI seiner Tochter BARBARA , Frau des JAKOB VON HOHENLANDENBERG.
Damit gingen um das Jahr 1460 das Schloss und die zugehörigen Herrschaftsgebiete an die Familie HOHENLANDENBERG über – der 1457 auf dem Schloss geborene HUGO VON HOHENLANDENBERG wurde im Jahr 1496 BISCHOF VON KONSTANZ.
Die Besitzer des Schlosses verwalteten zu dieser Zeit Lehen in Wiesendangen, Gundetswil, Zünikon, Hegi und Oberwinterthur. Das Schloss war ursprünglich eine Wasserburg mit Wehrturm, Wohnturm und Wassergraben. Mehrmalige Umbauten gaben ihm die heutige Form. Zu mehr Einfluss auf das Dorf kam das naheliegende SCHLOSS HEGI erst 1531, als der Schlossherr KASPAR VON HALLWIL die Vogtei HEGI erwerben konnte und damit diese beiden Gebiete erstmals vereinigte, das Dorf Hegi umfasste damals etwa neun Bauernhöfe, die Acker- und Rebbau betrieben.
Da die Klöster und damit auch der ST. PETER und PAUL-STIFT aus EMBRACH zur gleichen Zeit durch die REFORMATION ihren Einfluss verloren und deren Besitz und Rechte bei der Stadt Zürich landeten, stand HEGI nun bis zum Ende des ANCIEN RÉGIME im Machtbereich des SCHLOSSHERRN ZU HEGI und dem Landvogt von KYBURG, deren Ansprüche sich auch öfters gegensätzlicher Natur waren.
Bis zum Ende der ALTEN HERRSCHAFT ist auch ein Anstieg der Bevölkerung des Dorfes zu verzeichnen: 1670 sind 160 Einwohner vermerkt und 1771 sind es bereits deren 239, die sich auf damals 47 Haushalte verteilten.  
N., N. (I22278)
 
3098 Heidermanns
Anschlusstafeln: Claudius–Goethe (PDF/JPG), Jacobi–Goethe (PDF/JPG), Jacobi–Hoffmann2 (PDF/JPG), Jacobi–Krafft (PDF/JPG), Jacobi–Schelling (PDF/JPG), Mallinckrodt–Goethe (PDF/JPG), Marx–Engels (PDF/JPG), Perthes–Goethe (PDF/JPG), Rückert–Goethe (PDF/JPG)
Tafelindex: 5 „Clermont“ auf 12 Anschlusstafeln

Helene Elisabeth, genannt „Betty“, war eine Tochter des Aachener Tuchhändlers Esaias von Clermont (1698–1751) und dessen Ehefrau Helene Margarethe, geborene von Huyssen (1705–1776), einer Tochter des Essener Bürgermeisters Arnold von Huyssen (1659–1734) und Nichte des russischen Diplomaten Heinrich von Huyssen. Bettys Bruder war der Industrielle Johann Arnold von Clermont, ihr Schwager der Essener Bürgermeister Heinrich Arnold Kopstadt.

Sie heiratete am 26. Juli 1764 in Aachen den Düsseldorfer Kaufmann Friedrich Heinrich Jacobi; in die Ehe brachte sie ein beträchtliches Vermögen ein. Im selben Jahr trat ihr Ehemann in das Geschäft seines Vaters Johann Konrad Jacobi ein. 1772 avancierte er auf Vorschlag des jülich-bergischen Statthalters Johann Ludwig von Goltstein zum Hofkammerrat der Regierung im Herzogtum Berg, 1779 berief ihn der kurfürstliche Landesherr Karl Theodor auf Vorschlag von Franz Karl Joseph Anton von Hompesch zu Bollheim zum Geheimrat und Ministerialreferenten für das Zoll- und Handelswesen in das Innenministerium nach München.

Das Paar, das ein Stadthaus in der Düsseldorfer Altstadt und ein Landgut im nahegelegenen Pempelfort (Altbau am heutigen Malkasten-Haus) bewohnte, führte offenbar eine glückliche Ehe[1] und hatte acht Kinder, darunter:

Johann Friedrich Jacobi (1765–1831), Politiker, Munizipalpräsident Aachen, Präfekturrat und Abgeordneter des Ruhr-Departements im Corps législatif; ⚭ Johanna Katharina Luisa von Clermont (1763–1844), seine Cousine und Tochter von Johann Arnold von Clermont
Georg Arnold Jacobi (1768–1845), Jurist, 1793 Amtmann in Wickrath bei Mönchengladbach, sachsen-weimarischer Regierungsrat und später Geheimer Regierungsrat in Pempelfort
Maximilian Jacobi (1775–1858), deutscher Psychiater
Betty und die Tante ihres Ehemanns, Johanna Fahlmer (1744–1821), später Ehefrau des Schriftstellers Johann Georg Schlosser, lernten Goethe im Freundeskreis von dessen Schwester Cornelia im Herbst 1772 und im Frühling 1773 in Frankfurt am Main kennen. Beide Damen, Johanna, das „Täntchen“, und Betty, die „herrliche Niederländerin“, die „durch ihr tüchtiges Wesen an die Rubensischen Frauen erinnerte“,[2] hatten den Dichter so für sich eingenommen, dass sich in den folgenden Jahren ein reger Briefwechsel zwischen ihnen ergab. Die Korrespondenz, in der sich Betty scherzhaft als das „Mamachen“ stilisierte, trug wesentlich dazu bei, die zwischen Goethe und Friedrich Heinrich Jacobi bestehende Missstimmung zu beseitigen. Die Missstimmung war entstanden, weil Goethe 1772 in der (verloren gegangenen) Farce Das Unglück der Jacobis Friedrich Heinrich Jacobi und dessen Bruder Johann Georg Jacobi als Repräsentanten der Empfindsamkeit verspottet hatte.[3] Am 23. Juli 1774 besuchte Goethe während einer Rheinreise den Landsitz der Jacobis in Pempelfort. Gemeinsam unternahm man anderntags einen Ausflug zum Schloss Bensberg und nach Köln. Zwischen den Jacobis und Goethe entwickelte sodann sich eine langjährige Freundschaft.

Weitere literarisch bedeutende Persönlichkeiten, mit denen Betty Jacobi in regem Briefwechsel stand, waren die Schriftstellerin Sophie von La Roche und der Dichter Matthias Claudius. 
CLERMONT, Helena Elisabeth ´Betty` (I48399)
 
3099 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I48481)
 
3100 Heine gilt als einer der letzten Vertreter und zugleich als Überwinder der Romantik, machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte, elegante Leichtigkeit. Die Werke kaum eines anderen Dichters deutscher Sprache wurden bis heute so häufig übersetzt und vertont. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Im Deutschen Bund mit Publikationsverboten belegt, verbrachte er seine zweite Lebenshälfte im Pariser Exil. Antisemiten und Nationalisten feindeten Heine wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Haltung über den Tod hinaus an. Die Außenseiterrolle prägte sein Leben, sein Werk und dessen Rezeptionsgeschichte.

Leben und Werk
Herkunft, Jugend und Lehrjahre

Geburtshaus von Heinrich Heine, Bolkerstraße 53 in Düsseldorf

Erinnerungstafel für den Schulbesuch in der Citadellstraße 2b (heute Max-Schule), Düsseldorf

Betty Heine (Gemälde von Isidor Popper)

Napoleons Einzug in Düsseldorf im Jahr 1811 schilderte Heine in Ideen. Das Buch Le Grand, Kapitel VI (1826).

Salomon Heine (1767–1844); unterstützte als vermögender Onkel bis zu seinem Tod seinen Neffen Heinrich

Amalie Heine, Heinrichs Cousine und erste große Liebe
„Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin […]“

– Heinrich Heine: 1827 in Ideen. Das Buch Le Grand[1]
Heines Geburtsort ist also bekannt, über sein genaues Geburtsdatum herrscht dagegen bis heute Unklarheit. Alle zeitgenössischen Akten, die darüber Auskunft geben könnten, sind im Laufe der letzten 200 Jahre verloren gegangen. Heine selbst bezeichnete sich scherzhaft als „ersten Mann des Jahrhunderts“, da er in der Neujahrsnacht 1800 geboren sei. Gelegentlich gab er auch 1799 als Geburtsjahr an. In der Heine-Forschung gilt heute der 13. Dezember 1797 als wahrscheinlichstes Geburtsdatum. Im Februar 1798 trug der bergische Landesrabbiner Löb Scheuer ihn – möglicherweise anlässlich seiner Beschneidung – als „Hery Heine“ in das Register der jüdischen Gemeinde Düsseldorf ein.[2]

Die Familie Heine ist seit dem 17. Jahrhundert in Bückeburg nachgewiesen. Harry Heine – so sein Geburtsname[3] – war das älteste von vier Kindern des Tuchhändlers Samson Heine und dessen Frau Betty (eigentlich Peira), geborene van Geldern. Sie war eine Tochter des angesehenen Arztes Gottschalk van Geldern, der bis 1795 der Judenschaft in Jülich-Berg vorgestanden hatte, sowie die Urenkelin des kurfürstlichen Hofkammeragenten Joseph Jacob van Geldern, in dessen Wohnhaus zu Beginn des 18. Jahrhunderts die erste Synagoge Düsseldorfs eingerichtet worden war. Über die Familie seiner Mutter war Heine ein Cousin dritten Grades von Karl Marx, mit dem er sich später anfreundete.

Die Geschwister wuchsen in einem Elternhaus auf, das vom Geist der Haskala, der jüdischen Aufklärung, geprägt und weitgehend assimiliert war. Alle drei gingen auf christliche Schulen, sobald ihnen dies gestattet war.

Harry Heine besuchte zunächst ab 1803 die israelitische Privatschule von Hein Hertz Rintelsohn. Als die kurpfälzisch-bayerische Regierung, der das Herzogtum Berg und dessen Hauptstadt Düsseldorf unterstanden, 1804 auch jüdischen Kindern den Besuch christlicher Schulen erlaubte, wechselte er auf die städtische Grundschule, die heutige Max-Schule in der Citadellstraße, und 1807 in die Vorbereitungsklasse des Düsseldorfer Lyzeums, des heutigen Görres-Gymnasiums, das im Sinne der Spätaufklärung wirkte. Das Lyzeum, das von katholischen Ordensgeistlichen geleitet wurde, besuchte er seit 1810. Er und sein Bruder Maximilian waren dort für lange Zeit die einzigen jüdischen Schüler.[10] Im Jahr 1814 verließ Heine das Lyzeum ohne Abgangszeugnis, da er sich, der Familientradition folgend, an einer Handelsschule auf einen kaufmännischen Beruf vorbereiten sollte.

Infolge der Französischen Revolution fielen Heines Kindheit und Jugend in eine Zeit großer Veränderungen. 1811 erlebte der 13-Jährige den Einzug Napoleons I. in Düsseldorf. Maximilian Joseph von Bayern hatte die Souveränität über das Herzogtum Berg 1806 an den Kaiser der Franzosen abgetreten. In manchen biografischen Schriften findet sich die unbegründete Annahme, Heine hätte aus diesem Grund Anspruch auf die französische Staatsbürgerschaft erheben können. Entgegen späteren Behauptungen des antisemitischen Historikers Heinrich von Treitschke hat er dies nie getan.[11] Als Großherzogtum Berg wurde seine Heimat von 1806 bis 1808 von Napoleons Schwager Joachim Murat und von 1808 bis 1813 von Napoleon selbst regiert. Als Gliedstaat des Rheinbunds stand das Land unter starkem französischem Einfluss. Heine verehrte den Kaiser zeitlebens wegen der Einführung des Code civil, der 1804 in Kraft getreten war und Juden und Nicht-Juden gesetzlich gleichgestellt hatte. Nach dem Ende der Franzosenzeit erlebte Heine die politische und territoriale Neuordnung des Kontinents unter dem restaurativen Metternichschen System, das als Inbegriff von Verfolgung und Unterdrückung von Demokratie, Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit galt.

In den Jahren 1815 und 1816 arbeitete Heine als Volontär zunächst bei dem Frankfurter Bankier Rindskopff. Damals lernte er in der Frankfurter Judengasse das bedrückende und ihm bis dahin fremde Ghettodasein vieler ärmerer Juden kennen. Heine und sein Vater besuchten damals auch die Frankfurter Freimaurerloge Zur aufgehenden Morgenröte. Unter den Freimaurern erfuhren sie die gesellschaftliche Anerkennung, die ihnen als Juden ansonsten oft verwehrt blieb. Viele Jahre später, 1844, wurde Heine Mitglied der Loge Les Trinosophes in Paris.[12]

1816 wechselte er ins Bankhaus seines wohlhabenden Onkels Salomon Heine in Hamburg. Dieser war, im Gegensatz zu seinem Bruder Samson, geschäftlich höchst erfolgreich und mehrfacher Millionär. Bis zu seinem Tod im Jahr 1844 unterstützte Salomon seinen Neffen finanziell, obwohl er wenig Verständnis für dessen literarische Interessen hatte. Überliefert ist sein Ausspruch: „Hätt’ er gelernt was Rechtes, müsst er nicht schreiben Bücher.“[13] Schon während seiner Schulzeit auf dem Lyzeum hatte Harry Heine erste lyrische Versuche unternommen. Seit 1815 schrieb er regelmäßig, und 1817 wurden in der Zeitschrift Hamburgs Wächter erstmals Gedichte von ihm veröffentlicht. Dennoch fühlte sich Heine in Hamburg nicht wohl. In Briefen an seinen Düsseldorfer Schulfreund Christian Sethe bezeichnete er die Stadt als „Schacherstadt“[14] und „verludertes Kaufmannsnest“, in dem es „Huren genug, aber keine Musen“ gebe.[15] Nach der Literaturwissenschaftlerin Anna Danneck zeigte sich bereits hier, in der als materialistisch empfundenen Hamburger Umgebung, Heines Selbstverständnis als rebellischer Dichter.[16]

Da Heine weder Neigung noch Talent für Geldgeschäfte mitbrachte, richtete sein Onkel ihm schließlich 1818 ein Tuchgeschäft ein. Aber „Harry Heine & Comp.“ musste bereits 1819 Konkurs anmelden. Der Inhaber hatte sich schon damals lieber der Dichtkunst gewidmet. Dem Familienfrieden abträglich war auch Harrys unglückliche Liebe zu seiner Cousine Amalie (1800–1838). Die unerwiderte Zuneigung verarbeitete er später in romantischen Liebesgedichten im Buch der Lieder. Die bedrückende Atmosphäre im Haus des Onkels, in dem er sich zunehmend unwillkommen fühlte, beschrieb er in dem Gedicht Affrontenburg. 
HEINE, Christian Johann Heinrich (I60455)
 

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