Strauss Genealogie


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2901 Georg Heinrich Orth entstammt dem Langenselboldischen Zweig der Familie Orth, die ursprünglich aus Langenselbold in der Nähe von Hanau gekommen und 1533 über Frankfurt am Main nach Heilbronn eingewandert waren. Das Wappen des Langenselboldischen Zweigs der Familie Orth stellt einen goldenen Löwen dar, der aufspringt und einen Pfeil hält. Der Sohn des Bürgermeisters Johann Heinrich Orth (1653–1733) und der Pfarrerstochter Maria Barbara Sommerhard (1672–1738) besuchte das Heilbronner Gymnasium und immatrikulierte sich am 29. April 1716 an der Universität Jena für Rechtswissenschaft, wo er als Lizentiat abschloss. Zurück in Heilbronn ließ er sich als Advokat und Rechtskonsulent nieder und wurde am 13. Juli 1731 in den inneren, kleinen Rat der Stadt berufen. Am 18. August 1739 wurde er Steuerherr. Nach dem Tode des Bürgermeisters Johann Ludwig Kübel 1753 wurde er dritter Bürgermeister und damit verbunden auch Vogt des reichsstädtischen Dorfes Böckingen. Nach dem Tod von Johannes Schübler rückte er 1757 auf die zweite Bürgermeisterstelle nach. Nachdem Esaias Meyer 1765 aus Altersgründen sein Amt niederlegte, folgte ihm Orth im Amt als erster Bürgermeister. Er verstarb nach kurzer schwerer Krankheit im Januar 1769 und wurde im Friedhof an der Weinsberger Straße beigesetzt. Vor seinem Tod hatte er einen Text vorbereitet, der anstelle einer Predigt an seinem Grab verlesen wurde. Der Pfarrer notierte, er sei „würdig seiner Ämter“ gewesen.

Er war verheiratet mit Dorothea Catharina Maria Andler, Tochter des Kaufmanns Levin Friedrich Andler, und hatte mit ihr acht Kinder. Der Sohn Heinrich Karl Philibert Orth (1733–1795) wurde später auch Bürgermeister zu Heilbronn. Ein weiterer Sohn Eberhard Raimund Orth (1738–1800) wurde Pfarrer. Tochter Sofia Dorothea Orth (1734–1805) heiratete Johann Rudolf Schlegel, der 1760 bis 1790 Rektor des Heilbronner Gymnasiums war, eine weitere Tochter Magdalena Regina Sidonie (1746–1816) heiratete in die Heilbronner Ratsherrenfamilie Feyerabend. 
ORTH, Georg Heinrich (I57518)
 
2902 Georg Hermann Quincke war ein Sohn des geheimen Medizinalrats Hermann Quincke (1808–1891) in Berlin, sein jüngerer Bruder Heinrich Irenaeus Quincke (1842–1922) war ein seinerzeit berühmter Internist. Georg Hermann Quinckes Sohn Friedrich Quincke (1865–1934) wurde Chemiker und ebenfalls Hochschullehrer.

Quincke studierte Physik, Chemie und Mathematik in Königsberg, Heidelberg und Berlin und wurde dort 1858 über Kapillarerscheinungen bei Quecksilber promoviert. 1859 habilitierte er sich und wurde Privatdozent. 1863 heiratete er Rebecca Rieß (1836–1924), die Tochter des Physikers Peter Theophil Rieß. Die Berliner Universität berief ihn 1865 zum außerordentlichen Professor der Physik; weitere Lehraufträge hatte er an der Gewerbeakademie (1860–1872) und der Bauakademie (1862–1865). 1872 ging Quincke als Ordinarius an die Universität Würzburg und kam 1875 schließlich als Nachfolger von Gustav Kirchhoff zurück an die Universität Heidelberg, wo er 1907 emeritiert wurde.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte sich Quincke insbesondere mit der Kapillarität, der Akustik, der Optik, der Elektrizität (Quincke-Rotation) und dem Magnetismus. Er entdeckte kolloidale Flüssigkeiten und studierte deren elektrische Eigenschaften und forschte auch über die Molekularkräfte. 1866 konstruierte Quincke das nach ihm benannte Quinckesche Interferenzrohr zur Messung akustischer Wellenlängen.[1] Zu seinen Schülern gehören unter anderen Albert A. Michelson, Ferdinand Braun und Philipp Lenard. Quincke war Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (1866), der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1873), der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften (1879), der Royal Society London (1879), der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien (1895), der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (1909), der Akademie zu Uppsala und seit 1889 der Royal Society of Edinburgh.[2] Im Jahr 1897 erhielt er die Cothenius-Medaille der Leopoldina.

Eine Straße im Heidelberger Stadtteil Neuenheim und eine Straße im Ortsteil Markendorf in Frankfurt (Oder) tragen seinen Namen. Die Quincke-Straße in Kiel ist nach seinem Bruder Heinrich Irenäus Quincke Internist benannt. 
QUINCKE, Georg Hermann (I55385)
 
2903 Georg Leonhard Zili war das älteste Kind von Hans Anton Zili (24. März 1747; † 10. Februar 1811), Kaufmann, Spediteur und 1770 Gemeindewachtmeister und dessen Ehefrau Maria Elisabeth (* 8. Juni 1749; † 22. Juni 1786), Tochter von Jakob Zollikofer; er hatte noch sieben Geschwister. Sein Grossvater war Caspar Zili (1717–1758), Spediteur und Begründer des Bankhauses Wegelin & Co. In zweiter Ehe war sein Vater mit Rosina (* 20. Oktober 1751 in St. Gallen; † 14. Juni 1821 ebenda), eine Tochter von Julius Hieronymus Zollikofer, Bürgermeister in St. Gallen, verheiratet.

Von 1791 bis 1793 absolvierte er eine Lehre als Kaufmann in Lyon und trat anschliessend in das Handlungshaus Leinentuchhandel und Speditionshandlung der Familie Zili ein, aus dem später die Privatbank Wegelin & Co. entstand, das er 1811 zusammen mit seinem Bruder Caspar (* 1783; † 1863) und Johann Caspar Schobinger, der die Witwe von Caspar Zili heiratete, übernahm, so dass er als Bankier, Kaufmann und Spediteur tätig war. 1799 war er interimistischer Oberzahlmeister der helvetischen Armee.

Seit 1820 war er Mitglied und Kassierer des Kaufmännischen Direktoriums (älteste Handelskammer der Schweiz).

Von 1821 bis 1822 war er Richter-Vertreter und von 1823 bis 1839 Richter des Bezirksgerichts in St. Gallen.

Georg Leonhard Zili war seit 1798 mit Susanna, Tochter des Johannes Weber, Pfarrer, verheiratet.
Mitgliedschaften

Ab 1819 entwickelte er als Mitglied der neu gegründeten Naturwissenschaftliche Gesellschaft eine rege Vortragstätigkeit.

1820 wurde er Mitglied der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft.  
ZILI, Georg Leonhard (I3353)
 
2904 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Vertraulich (I6958)
 
2905 Gepa, der Name ist eine Kurzform von Gerberga („die mit ihrem Speer Schutz verschafft“), wurde als viertes von fünf Kindern und einzige Tochter des Grafen Konrad II. von Werl-Arnsberg (* um 1040; † 1092) und dessen Frau Mechthild/Mathilde (* um 1050; † um 1092), einer Tochter des Grafen Otto von Northeim, in Detmold geboren. Ihre Brüder waren Hermann von Werl-Arnsberg (* um 1070; † 19. Juli 1092), Friedrich I. „der Streitbare“ von Werl-Arnsberg (* um 1071; † Februar 1124), Liupold von Werl (* um 1076; † um 1102) und Heinrich I. von Werl-Rietberg (* um 1079; † um 1116).

Gepa war zweimal verheiratet. Ihr erster Mann war Gumbert von Itter (1065–1127). Als dessen Witwe bekam sie die Burg Itter nach 1127 als Witwensitz und nannte sich danach Gepa von Itter. In zweiter Ehe war sie mit Graf Konrad I. von Everstein verheiratet.

Gepa von Itter hatte sieben Kinder, drei Söhne und vier Töchter. Wiltrud († 1132, während einer Reise nach Rom) wurde Nonne im Kloster Kaufungen, Lutrud (* vor 1128; † ~ 1149) heiratete Widekind I. von Schwalenberg, den Stammvater der Grafen von Waldeck. Bertha oder Mechthild (* ~ 1095; † 1155) heiratete den Stammvater des zweiten Hauses Itter, dem sie unter anderem Burg und Herrschaft Itter einbrachte. 
VON ITTER, Mechthild Gepa (I40733)
 
2906 Gerber, Mitglied des Stadtgerichts 1513-1523, Zwölfer zur Gerwe 1514, übernimmt 1520 den Gasthof zum Schwert, 1524 das Gasthaus zur Linden, Zwölfer zur Meise 1527, Mitglied des Rates von Freier Wahl und vort zu Stammheim 1532, Seckelmeister 1543-1548, städtischer baumeister 1543-1548, Befehlshaber des Castello Sforzesco in Mailand 1515, Hauptmann im I. Kappelerkrieg und im Müsserkrieg, oft Tagessatzungsgesandter RAHN, Heinrich (I1365)
 
2907 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I2880)
 
2908 Gerhard Haniel war das drittälteste überlebende Kind von Jacob Wilhelm Haniel und Aletta Haniel geb. Noot. Er hat wahrscheinlich eine ähnliche Schulausbildung wie sein jüngerer Bruder Franz Haniel erhalten. Anschließend musste er im Geschäft der seit 1782 verwitweten Mutter Aletta aushelfen. 1793 begann er im Alter von 19 Jahren eine Weiterbildung bei Anton Franz Cassinone (1712–1799) in Köln – einem Geschäftspartner der Haniels mit Niederlassungen in Frankreich. Als die französischen Revolutionstruppen im Herbst 1794 den linken Niederrhein eroberten, kehrte er nach Ruhrort zurück.

Ab 1796 war er wie sein Bruder Franz in der Firma J. W. Haniel seel. Wittib seiner Mutter beschäftigt. Er kümmerte sich vor allem um den Kohlenabsatz für die Firma J. G. Müser & Comp., an der das Haus Haniel seit 1796 beteiligt war. Hier vertrat er seine Mutter. Es kam jedoch zu Konflikten mit Carl Friedrich Gethmann, einem Kompagnon der Firma Müser, der ihm mangelhafte Buchführung vorwarf. 1802 wurde die Firma J. G. Müser & Comp. schließlich aufgelöst. Im selben Jahr gründete Gerhard Haniel seine eigene Kohlenhandlung und -Reederei. Geschäftspartner waren zwei ehemalige Beteiligte der Müser-Kompanie: ein Mitglied der Familie Müser und wahrscheinlich Gerhard Haniels Vetter Peter Heinrich Noot.

Das Geschäft wurde zunächst auf gemeinsame Rechnung mit der Kohlenhandlung seines Bruders Franz betrieben, d. h. die Konten waren noch nicht getrennt, der Bankrott des einen hätte auch den anderen in den Ruin treiben können. Die Firma existierte mindestens bis 1809 und schien sehr erfolgreich gewesen zu sein. So betrieb er seine Reederei im Jahr 1806 mit acht Ruhrschiffen, so genannten Nachen, während Bruder Franz nur über sechs Nachen verfügte.

Ab 1802 war er an der Firma seiner Mutter beteiligt. 1809 wurde das Geschäft aufgelöst und zwischen ihm und seinem Bruder Franz aufgeteilt. 1805 erwarb er gemeinsam mit Franz die Anteile der Fürstäbtissin Maria Kunigunde an den Eisenhütten St. Antony und Neu-Essen. Dritter Eigentümer war der Schwager Gottlob Jacobi. Mit dem Kauf der Hütte Gute Hoffnung 1808 und der Beteiligung des Schwagers Heinrich Huyssen entstand die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen (JHH), die spätere Gutehoffnungshütte (GHH). Abwechselnd übernahmen die Teilhaber nach dem Tod Jacobis 1823 die Leitung der Hüttengewerkschaft. Dass er seine Reederei nicht nur für den Kohlentransport einsetzte, zeigte die 1817 erfolgte Übernahme des Salztransportmonopols auf der Ruhr für mindestens ein Jahr. Ab 1826 war er Mitglied im Ruhrorter Gemeinderat.

Seit Dezember 1807 war er mit Henriette Magdalena Huyssen verheiratet, der älteren Schwester von Franz Haniels Ehefrau Friederike. Das Paar hatte drei Kinder. Er hinterließ seine Frau Henriette, die Söhne Carl Haniel (1811–1861) und Alphons (1814–1891) sowie Tochter Bertha (1813–1899), die ihren Cousin Hugo Haniel geheiratet hatte.

Vermutlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts und verstärkt Anfang der 30er Jahre erwarb Gerhard Haniel Beteiligungen an mehr als einem Dutzend Zechen im Ruhrgebiet. 
HANIEL, Wilhelm Gerhard Heinrich (I58755)
 
2909 GERHARD I. von Gösgen wird zwischen 1224 und 1267 erwähnt. Er erhielt vom Stift Werd (am 15. März 778 als Werith erstmals erwähnt; Werd bedeutet «Flussinsel») die Erlaubnis zum Burgenbau auf stiftseigenem Gebiet. Die so entstandene Anlage über Bözach erhielt den Namen Niedergösgen, der bald für die ganze Gegend stand. GERHARD I. verstand es, die umliegenden Dörfer auf beiden Seiten der Aare unter seinen Einfluss zu bringen. Vom BISCHOF VON STRASSBURG wurden sie mit der Kastvogtei über das Stift Werd (späterer Name Schönenwerd) belehnt.

GERHARD I. hatte zusammen mit seiner Ehefrau, der Freiin AMALIA VON HINWIL, zwei Söhne, GERHARD II. (erwähnt von 1256 bis 1311) und KONRAD. Sie lagen im Streit mit dem Stift Schönenwerd, da sie danach strebten, aus der Kastvogtei eine Familienherrschaft zu machen.
Dem Stift stand KONRAD ab 1282 als Propst vor. Von 1305 bis 1323 war er in Basel Domherr. Die Herren VON GÖSGEN zeigen sich als treue Parteigänger von RUDOLF VON HABSBURG. GERHARD VON GÖSGEN begleitete diesen in seinem Feldzug gegen OTTOKAR II. VON BÖHMEN.

STIFT SCHÖNENWERD
Reguliertes, später weltl. Chorherrenstift auf einem Hügelsporn östlich über der Aare in der Gem. S., Diözese Konstanz, nach 1828 Diözese Basel. Das Stift ist erstmals in einer Urkunde vom 15.3.778 erwähnt: Bf. Remigius von Strassburg vergabte seiner bischöfl. Marienkirche u.a. das Klösterchen S. (monasteriolum, quod dicitur Werith). Die erste Gründung des Stifts soll in der 2. Hälfte des 7. Jh. durch den elsäss. Dux Eticho oder dessen Nachkommen, die zweite um die Mitte des 8. Jh. durch Bf. Rapert von Arles erfolgt sein, der es dann Remigius geschenkt haben soll. Stiftspatrone waren Maria, Leodegar (Hausheiliger der Etichonen) und Trophimus, erster Bf. von Arles. 
VON HINWIL, Amalia (I7955)
 
2910 Gerhard II. von Geldern war in der Zählung derer von Wassenberg Gerhard IV. Sein Vater war Gerhard I. von Geldern bzw. Gerhard III. von Wassenberg, der mindestens bis 1129 gelebt haben muss. Es lässt sich nicht feststellen, wann die beiden Gerharde gestorben sind und ob Gerhard II. die Grafenrechte ausgeübt hatte. Zwischen März 1131 und dem 9. April 1138 findet sich kein Quellenbeleg für einen geldrischen Grafen, bis dann zu Ostern 1138 Heinrich I., der Sohn Gerhards II., als Graf von Geldern erwähnt wird. Ob die zwischen 1085 und 1131 belegten Gerharde eine Person sind oder nicht, ist nach bisheriger Quellenlage nicht entscheidbar.

Gerhard II. heiratete Ermengarde († 1138), die Tochter des Grafen Otto II. von Zutphen und Erbin der Grafschaft Zutphen, deren östlich der mittleren Ijssel gelegenes Territorium über zahlreiche Außenposten in Friesland, Westfalen und den Rheinlanden verfügte. Gerhard behauptete diese Erbschaft gegen den Bischof von Münster und stützte sich vorwiegend auf Brabant.

Gerhard liegt begraben in der Kirche zu Wassenberg. 
(GELDERN), Gerhard II. (I52318)
 
2911 Gerhard III. von Lohn entstammte als Sohn des Gottschalk II. von Lohn dem Geschlecht der Edelherren von Lohn und wuchs zusammen mit seinen Brüdern Johannus und Hermann von Bredevoort auf. Gerhard war mit Richeza von Bredevoort verheiratet. Aus der Ehe sind die Söhne Hermann (Nachfolger als Graf), Otto und Heinrich (beide Domherren in Münster) sowie die Töchter Beatrix (∞ Sueder van Ringelberg) und Mechthild (∞ Hermann von Münster) hervorgegangen.
Gerhard trat im Jahre 1195 die Nachfolge seines verstorbenen Vaters an. Zu seinen wichtigsten Taten zählt die Gründung des Klosters Bethlehem. Nach Gerhards Tod übernahm sein Sohn Hermann die Geschäfte der Freigrafschaft. Die Quellenlage gibt über seinen weiteren Lebensweg keinen Aufschluss. 
VON LOEN, Gerhard III. (I18781)
 
2912 Gerichtsdiener in Kampen (Overijssel)
Taufeintrag (IGI): „Johann Abraham von Auw“, Eltern „Thomas Mathias von Auw“ und „Helena Gerdruth Steinbuchel“

http://www.heidermanns.net/gen-pers.php?ID=77686 
VON AUW, Johann Abraham (I459)
 
2913 Gerichtsherrn von Marthalen
1552 Obervogt der Herrschaft Blumenegg
und Vertreter des Abts von St. Blasien bei der Eidgenossenschaft. Im selben Jahr Reichsvogt
1554 Mitglied des Gr. Rats
1559 Säckelmeister
1560 Obervogt von Neuhausen am Rheinfall
1561 Vogtrichter und Pannerherr
1563 Obherr der Kaufleute und damit Mitglied des Kl. Rats.
1563 wurde W. zum Obervogt von Neunkirch gewählt, was die Gesellschaft zun Kaufleuten nicht billigte, worauf er im selben Jahr das Amt des Obervogts von Buch im Hegau antrat. Er beteiligte sich 1557 mit Benedikt Stokar mit einer namhaften Summe am grand parti, einer grossen Anleihe der französischen Krone bei reichen Privatleuten. Durch den Schwiegervater kam er in den Besitz der Gerichtsherrschaft Marthalen. 
VON WALDKRICH, Christoph (I26336)
 
2914 Gernsbach: Altes Rathaus

Das Alte Rathaus in Gernsbach ist das schönste Gebäude der Altstadt und eines der bedeutendsten Wohngebäude des Manierismus in Süddeutschland. Es entstand 1617/1618 im Auftrag des erfolgreichen Hauptschiffers der Murgflößerei und Holzhändlers Johann Jakob Kast (ältester Sohn des wegen seines enormen Vermögens bekannten Murgschiffers Jakob Kast aus Hörden und Ursula Kellerin) durch den Heidelberger Hofbaumeister Johann Schoch (1550-1631). Die stilistische Nähe zu dessen Arbeiten in Heidelberg ist unverkennbar, man vergleiche den Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses. Volutengiebel, Zwerchgiebel und vor allem der polygonale Erker beleben die Fassaden des dreigeschossigen Baus aus rotem Sandstein. Das Dekor ist detailreich, man achte z. B. auf die beiden kleinen Sonnenuhren am Erker, und wuchtig, man beachte die wuchtigen Simse und Sprenggiebel über den Fenstern. Wenn man die enge und steile Straße hinaufsteigt, ist man geblendet von der unerwarteten Pracht, die hoch vor einem aufragt, von der Regelmäßigkeit des Fassadenkonzepts mitten in der Altstadt. Und dennoch ist dieses Gebäude ein Torso. An der Nordseite sieht man an dem an die äußerste Ecke gerückten Zwerchgiebel, daß das Gebäude weitergehen sollte, und die Westwand zum Nachbargebäude ist nicht aus Stein, sondern aus Fachwerk errichtet. Ursprünglich sollte das Gebäude doppelt so groß und mit einem rechtwinklig daran angrenzenden Flügel versehen werden, was aber daran scheiterte, daß das Bistum Speyer dem Bauherrn das dafür notwendige zweite Grundstück verweigerte. Was ein Stadtpalast hatte werden sollen, blieb unvollendet - was der Schönheit des Vorhandenen natürlich keinen Abbruch tut.

Kurz nach Teilvollendung zog Johann Jakob Kast mit seiner Frau Maria Vogler (Heirat 31.8.1596) aus Gernsbach fort nach Straßburg, wo er 1623 das Bürgerrecht bekam und Mitglied der protestantischen Gemeinde Temple Neuf wurde. Maria Vogler war seine zweite Frau, denn bereits 1589 hatte er in Selbach Klara Nebel geheiratet, die Tochter des Bingener Bürgermeisters, die allerdings nicht lange lebte. Und in neuen Wohnort heiratete er ein drittes Mal, am 11.12.1627 Katharina Berner aus Straßburg. Die Hintergründe seines Wegzugs dürften im Scheitern seiner Bemühungen um das notwendige zweite Grundstück liegen sowie Querelen um die Murgschifferei und religiöse Streitereien im Vorfeld des 30jährigen Krieges. Jedenfalls zog Kast 1618 fort. Daß er wegen seiner Frau wegzog, ist ein Gerücht - sie lebten 20 Jahre gemeinsam glücklich in Gernsbach, bevor sie wegzogen. Daß er das Haus der Stadt schenkte, ist eine nette Legende. Noch 1626 listet Kast das Haus als seinen Besitz auf und beziffert seinen Wert mit 2800 Gulden. Bis mindestens 1663 war das Gebäude im Besitz seiner Angehörigen. Tatsächlich wurde es von der Stadt seit ca. Mitte des 18. Jh. als Rathaus genutzt, offiziell ist es aber erst 1890 im Rahmen eines Ausschlußverfahrens gegenüber Dritten und ihren Ansprüchen in den Besitz der Stadt übergegangen, die es quasi als herrenlos gewordenes Gut betrachtete. 1975-1979 fand eine umfassende Sanierung statt.

Über dem Portal des Alten Rathauses (erbaut 1617/18) ist ein Allianzwappen, dessen Bedeutung bis dato als nicht vollständig geklärt gilt und immer wieder Fragen aufwirft.

Sammeln wir zuerst die Fakten:

Im optisch linken Schild haben wir in Silber eine rote Rose mit blauem Butzen, vermutlich die Ebersteiner Rose
Als Helmzier haben wir optisch links einen Löwen, der eine ausgerissene Tanne präsentiert. Dies ist niemals eine Ebersteiner Helmzier.
Der Bauherr war Holzhändler und Murgschiffer, einer der bedeutendsten Handelsherren, der mit der Murgflößerei reich geworden ist.
Es gibt auf einem Gernsbacher Friedhof einen Grabstein aus dem Jahre 1595 für den Murgschiffer Christoph Kast, offensichtlich ein naher Verwandter, unten sind zwei Wappenschilde darauf abgebildet mit den Buchstaben CK und Schifferzeichen, aber keine Rose.
Im optisch rechten Wappenschild am Rathaus haben wir in Silber einen schwarzen Doppelhaken (Wolfsangel)
Gernsbach führte als Stadtwappen früher einen oder zwei Doppelhaken (Wolfsangeln), vgl. Kondominatsbrunnen.
Heute führt Gernsbach als Stadtwappen in Silber eine rote, blau besamte Rose über zwei schräggekreuzten, blauen Doppelhaken (Wolfsangeln). Dieses Stadtwappen geht auf einen Entwurf des Generallandesarchivs aus dem Jahre 1902 zurück.
Das Vorhandensein von Helmzieren spricht für das Vorliegen von Personenwappen.
Oberwappen mit Helmzieren sind für Stadtwappen in der Regel unüblich.
Johann Jacob Kast war mit Maria Vogler aus Heilbronn verheiratet. Maria Vogler entstammt einem angesehenen Heilbronner Patriziergeschlecht.
Im Siebmacher gibt es kein Wappen Vogler mit einem Doppelhaken.
In Heilbronn gibt es eine angesehene Familie namens Vogler, die u. a. im 16. Jh. den Bürgermeister Raimund Vogler stellte, die als Wappen einen gespaltenen Schild führten, vorne zwei gekreuzte Äxte, bewinkelt von drei (0:2:1) Keilen, hinten ein halber Adler am Spalt. Die Helmzier ist ein Adler.
Beim optisch rechten Wappen haben wir als Helmzier einen Adler.
Johann Jacob Kast verließ Gernsbach, nachdem ihm der Bauplatz für die zweite Haushälfte verweigert worden war und er das Gebäude unvollendet lassen mußte. Danach nutzte die Stadt das Gebäude von 1715/1754 ab als Rathaus, bis 1936.
Die Figuren rechts und links des Doppelwappen stammen aus dem 18. Jahrhundert
1834 hat die Stadt einmal Geld ausgegeben, um das Wappen neu zu malen.

Theorie 1: Phantasiewappen von J. J. Kast
These: Kast, bürgerlicher Herkunft, reich geworden durch Holzhandel, hat sich hier in seinem Bestreben, seiner gesellschaftlichen Arriviertheit ein angemessenes Monument zu schaffen, ein Phantasiewappen entworfen und dabei für sich die Ebersteiner Rose adaptiert. Dabei hat er sie in der Darstellung leicht verändert (der Butzen innen sieht aus wie eine innere Lage Blätter) und eine andere Helmzier benutzt. Es ist eine rundum phantasievolle heraldische Konstruktion: Schildbild der Ebersteiner + Doppelhaken der Stadt + fiktives Symbol für den Holzhandel des Erbauers als Helmzier + fiktives redendes Symbol für Vogler als Helmzier. An seinem eigenen Haus wird Kast wohl sein eigenes Wappen angebracht haben. Die Ebersteiner Rose ist durch den Ortsbezug begründet. Die Helmzieren zeigen, daß es sich hier um Personenwappen, nicht um kommunale Heraldik handelt. Kast konnte sich mächtig fühlen und prunkvoll auftreten, denn er war der reichste Mann im Ort und die Ebersteiner waren bei ihm hoch verschuldet.
Contra: Dieser Theorie vermag ich nicht zu folgen. Eine mögliche Adaptierung der Ebersteiner Rose durch Kast in leicht veränderter Form ist unwahrscheinlich. Würden es die Grafen von Eberstein zu Lebzeiten, also vor 1660, geduldet haben, daß ihr Wappenschild mit der typischen Rose von einer anderen Familie, wenn auch mit anderer Helmzier, geführt wird? Mitnichten. Zur leicht veränderten Darstellung der Rose: Heute gehen wir von einer größeren Unterscheidungskraft kleinerer Merkmale aus als früher. Heute würden wir eine einfache und eine doppellagige Rose als zwei verschiedene Schildbilder ansprechen. Doch in vergangenen Jahrhunderten hat man das offensichtlich viel weniger eng gesehen. Je länger man sich mit historischen Beispielen befaßt, desto mehr erfährt man, daß früher die Toleranz bzgl. heraldisch korrekter Darstellung erheblich größer war. Umgekehrt heißt das aber auch, daß man früher es nicht notwendigerweise als hinreichend abweichendes Wappen empfand, wenn aus einer einlagigen Rose eine doppellagige wurde z. B. In Silber eine rote Rose mit Blau innendrin ist einfach eine Ebersteiner Rose. Und es kann nicht angenommen werden, daß ein uraltes Grafengeschlecht wie das der Ebersteiner das so einfach hingenommen hätte, daß ein (aus ihren Augen) bürgerlicher Emporkömmling ihre Rose nimmt - wir sollten das immer vor dem Hintergrund der damaligen Gesellschaft und ihrem Standesbewußtsein sehen. Auch ein Fugger hätte es sich nicht erlauben können, einfach das Habsburger Wappen zu adaptieren, egal wie hoch der Kaiser bei ihm verschuldet war, er blieb auch bei seinen beiden Lilien (bzw. in der anderen Linie bei seinem Reh). Ein Phantasiewappen ist ebenfalls unwahrscheinlich, denn um 1617 hat Heraldik noch eine wichtige Rolle beim Adel und beim Stadtpatriarchat etc. gespielt. Wer sich da einfach ein Phantasiewappen zusammenbastelt, würde sich damit vollkommen lächerlich machen und außerhalb der Gesellschaft stellen, zu der ein reich gewordener Handelsherr gerne gehören möchte. Er hätte sein Ansehen verspielt und würde so ernst genommen worden sein wie ein Faschingsprinz.

Theorie 2: Phantasiewappen der Stadt
Eine Variante der Phantasie-Wappen-These wäre, daß das Ganze nicht ein Phantasiewappen der Familie Kast, sondern der Stadt Gernsbach sei und erst zusammen mit den Figuren rechts und links daneben im 18. Jh. nachträglich angebracht wurde, also schon von der Stadt und Bürgerschaft Gernsbach ausging, symbolisch die Vereinigung von Ebersteiner Herrschaft (Rose) und altem Stadtsymbol (Doppelhaken) zeigend. Gegen die Verwendung ihrer Symbole konnten sich die Ebersteiner Grafen nicht mehr wehren, da sie schon 1660 im Mannesstamme ausgestorben waren. Gegen diese Theorie spricht die unübliche Verwendung von Oberwappen mit Helmzieren für ein kommunales Gemeinwesen, die zudem ohne Vergleich wären. Weiterhin würde man im 18. Jh. stilistisch einen anderen Ausdruck erwarten.

Theorie 3: Nachträgliche Umänderung.
These: Die Schildinhalte zeigen das auf zwei Teile aufgespaltene Wappen der Stadt Gernsbach, während die Helmzieren von ursprünglich dort vorhandenen Vollwappen Kast und Vogler stammen. Ursprünglich war da wohl das Allianzwappen Kast/Vogler, des Erbauers und seiner zweiten Frau. J. J. Kast ist durch die Murgschiffahrt und den Holzhandel reich geworden. Als er sich das Wappen zulegte, wählte er typische Symbole, z. B. die Helmzier mit dem Löwen, der den Baum präsentiert, die Grundlage seines Wohlstandes und Ansehens. Er heiratete Frau Vogler aus Heilbronn, mit dem Vogel als Helmzier und familientypischem Schildinhalt. Später nach dem etwas seltsamen Abgang Kasts nach Straßburg wurde das Haus von der Stadt genutzt. Diese ließ die beiden Wappenschilde ummeißeln und die beiden Elemente des Gernsbacher Stadtwappens anbringen, Rose und Doppelhaken, sicher erst nach dem Ende der Herrschaft der Ebersteiner 1660, vermutlich sogar erst um 1890, als das Haus in den Besitz der Stadt kam. Da das Stadtwappen keine eigene Helmzier hatte, und da ein Herausmeißeln zu viel Mühe gekostet hätte und eine böse Lücke hinterlassen hätte, beließ man die alten Helmzieren. Es ist viel darüber geschrieben worden, wie seltsam der Abgang von Kast aus Gernsbach war, wie lächerlich er sich machte mit dem halben Haus und dem verweigerten Bauplatz für die zweite Hälfte, daß es Querelen um die Murgschifferfahrt und Streitereien um die Religionszugehörigkeit gab - könnte es nicht auch ein bißchen Häme der Gernsbacher Bürger gewesen sein, Kast nach dessen Abgang absichtlich das Wappen so zu verändern, daß jeder sah, daß hier die Bürger jetzt dort residieren, wo der Handelsherr scheiterte? Und das so zu machen, daß man es an den Helmzieren noch sah? Wir sehen also noch die alten Helmzieren Kast/Vogler, die zugehörigen Symbole aus den Schilden sind aber verschwunden und durch die Stadtsymbole ersetzt worden, aufgeteilt auf beide Schilde. Mit dieser These ließen sich jedenfalls alle eingangs aufgelisteten Fakten problemlos verbinden, und so erscheint diese Erklärung als die plausibelste.

Was auch immer tatsächlich passiert ist, mit dem Gernsbacher Alten Rathaus haben wir eines der schönsten manieristischen Bürgerpaläste, auch wenn es nie fertig geworden ist, und das Allianzwappen gibt dem Betrachter immer noch Rätsel auf, auch wenn wir eine plausible These anbieten können.


 
KAST, Hans (I28250)
 
2915 Gero entstammte einem der mächtigsten und angesehensten Adelsgeschlechter Ostsachsens. Sein Vater Thietmar[3] diente am Hof als Erzieher und Berater des sächsischen Herzogs und späteren ostfränkisch-deutschen Königs Heinrich I. und führte in der Schlacht bei Lenzen im Jahr 929 ein sächsisches Heer zum Sieg gegen die slawischen Redarier. Über seine Mutter Hildegard, Schwester der Gemahlin des Grafen Erwin von Merseburg, war Gero mit Thankmar verwandt, dem erstgeborenen Sohn König Heinrichs I. aus dessen erster Ehe mit Hatheburg, die wiederum eine der beiden Töchter Erwins war. Donald C. Jackman hält Geros Mutter für eine Schwester König Konrads I.[4] und erklärt auf diese Weise die Herkunft des Namens Gero als Kurzform von Gerold aus dem konradinischen Namensgut.

Geros älterer Bruder Siegfried von Merseburg[5] stand wie sein Vater hoch in der Gunst König Heinrichs I., mit dessen Halbschwester er in erster Ehe verheiratet war. Unter Otto I. verwaltete er das östliche Sachsen bei Abwesenheit des Königs als dessen Vertreter.[6] Die Söhne von Geros Schwester Hidda aus der Ehe mit dem Grafen Christian erlangten bedeutende kirchliche und weltliche Ämter: Der gleichnamige Gero wurde Erzbischof von Köln, und Thietmar beerbte seinen Onkel Gero als Markgraf von Meißen.[7]

Geros eigene Nachkommen aus der Ehe mit der ansonsten unbekannten Judith[8] verstarben noch zu seinen Lebzeiten kinderlos. Sein Sohn Siegfried, Patenkind König Ottos I., heiratete zwar um 952 die zu diesem Zeitpunkt 13-jährige Hathui,[9] eine Tochter des Billungers Wichmann I.,[10] verstarb aber bereits am 25. Juni 959 oder 961.[11] Über den Sohn Gero ist nichts bekannt.[12] Ein weiterer Sohn Christian wird vereinzelt vermutet, ist aber nicht belegbar. 
VON MERSEBURG, Gero I. (I36662)
 
2916 Gero entstammte einem hoch angesehenen ostsächsischen Adelsgeschlecht. Aufgrund seiner Herkunft und der persönlichen Nähe zum König erhielt er nach dem Tod seines Bruders das prestigeträchtige Amt eines militärischen Oberbefehlshabers (Legat). In dieser Funktion sicherte er ab dem Jahr 937 von Sachsen aus den Anspruch Ottos I. auf die Oberhoheit über die elbslawischen Stämme. Damit trug Gero die Hauptlast der sächsisch-slawischen Grenzkämpfe und hielt dem König den Rücken frei für andere Aufgaben. Dafür zeichnete ihn Otto I. um das Jahr 940 mit dem ursprünglich karolingischen Markgrafentitel aus. Diese Auszeichnung hob Gero nochmals aus der Menge der sächsischen Grafen hervor, verlieh ihm aber keine zusätzlichen Befugnisse oder eine Mark als Amtsgebiet. Nachdem Gero fast 20 Jahre zu den engsten Vertrauten Ottos I. gehört hatte, kam es im Zuge des Liudolfinischen Aufstandes zu einer tiefgreifenden Entfremdung zwischen König und Markgraf, in deren Folge Otto I. sich von Gero abwandte und Hermann Billung zu seinem Stellvertreter in Sachsen machte. Gero wurde in seinem Amt belassen, spielte aber bis zu seinem Tode für die Königsherrschaft Ottos I. keine Rolle mehr. Von Geros Selbstverständnis und dem sich daraus ergebenden Repräsentationsanspruch zeugt mit der romanischen Stiftkirche St. Cyriakus in Gernrode eines der bedeutendsten ottonischen Baudenkmäler.

Während mittelalterliche sächsische Quellen Geros Tatkraft rühmten, galt er national gesinnten Historikern des 19. und 20. Jahrhunderts in Deutschland und Polen als Prototyp des Markgrafen und Symbolfigur einer mittelalterlichen „deutschen“ Eroberungspolitik im Osten. Heute geht die Geschichtswissenschaft davon aus, dass die Verleihung des Markgrafentitels ehrenhalber erfolgte und Geros Kämpfe mit den Elbslawen keine Eingliederung der slawischen Gebiete in das Ostfrankenreich zum Ziel hatten, sondern vorrangig der gewaltsamen Durchsetzung von Tributzahlungen durch die unterworfenen Slawen dienten.  
VON OSTSACHSEN, Thietmar (I35935)
 
2917 Gerold Meyer von Knonau - Dorothea von Hinwil
I
Johnnes Meyer von Knonau - Anna Reinhard Anna Meyer von Knonau - Konrad Röist
Huldrich Zwingli - Anna Reinhard (Schweizer Garde)
(Reformator)

Der Sohn Johannes von Konau heiratet Anna Reinhard, die wiederum nach seinem Tod in zweiter Ehe die Huldirch Zwingli heiratet.
Die Tochter Anna Meyer von Knonau heiratete den Kommandaten der Schweizergarde Kaspar Röist, der Palst Leo X., Papst Hadrian VI. und Clemens VII dient und in Verteidigung von Papst Clemens VII. am 06.05.1527 starbt.
Während der Plünderung Roms (Sacco di Roma) am 6. Mai 1527 starben 147 von 189 Mann; auch der Kommandant Kaspar Röist kam beim Rückzug von Papst Clemens VII. in die Engelsburg ums Leben. Der 6. Mai gilt daher als Gedenktag der Schweizergarde, an dem jährlich die neuen Gardisten vereidigt werden.

Einen Monat nach dem Sacco di Roma ergab sich der Papst und die Garde wurde von 200 deutschen Söldnern Custodia Peditum Germanorum ersetzt. 12 Schweizer traten in diese neue Garde ein.  
HINWIL, von von Dorothea (I1433)
 
2918 Gerold war der Sohn des Gerold von Anglachgau und der Imma. Es sind sieben Brüder Gerolds bekannt sowie die Schwester Hildegard, die 771 mit Karl dem Großen verheiratet wurde. Der Nähe zum König aufgrund dessen Ehe mit Hildegard wird im Allgemeinen der politische Aufstieg und die herausragende Stellung Gerolds zugeschrieben. Die Familie, die der fränkischen Reichsaristokratie angehörte, hatte beträchtliche Machtpositionen im Raum zwischen Worms und Oppenheim, Heidelberg und Bruchsal, aber besonders in Alemannien.[3] Mutter Imma war die Tochter des alemannischen Herzogs Hnabi und daher mit dem baierischen Herzogshaus der Agilolfinger verwandt. Auch die Geroldonen, als deren Stammvater der Vater Gerolds gilt, werden zu den Agilolfingern gerechnet.[6] Das Verwandtschaftsverhältnis zum baierischen Herzogshaus der Agilolfinger dürfte eine wichtige Rolle bei der Ernennung Gerolds zum baierischen Präfekten sowie der Legitimierung Gerolds als Präfekt in Baiern gespielt haben.[3] Möglicherweise war der Graf ein Vorfahre der Aribonen sowie des Hauses Württemberg.[7]

Graf Gerold war mit einer Waltrat verheiratet, deren Herkunft unbekannt ist, die jedoch als Witwe im Jahre 821 mit Zustimmung eines Grafen Uto, der offensichtlich zu ihrer Verwandtschaft zählte, das Kloster Fulda beschenkte.[3] Gerold hatte zumindest zwei Söhne.

Hadrian. Ein Sohn Gerolds dieses Namens ist aus einer Schenkung an das Kloster Lorsch aus dem Jahre 793 bekannt. Wie Michael Mitterauer vermutet, dürfte die Wahl dieses Namens damit zusammenhängen, dass Graf Gerold Kaiser Karl den Großen auf dessen ersten Romzug im Jahre 774 begleitet hat und seinen Sohn nach Papst Hadrian I. (772–795) nannte.[3]
Erpo. Er dürfte früh verstorben sein, da er in der genannten Urkunde aus dem Jahr 793 erwähnt wird, mit der sein Bruder Hadrian für dessen Seelenheil Besitz an das Kloster Lorsch in Hessen übergibt.[3]
Über weitere Nachkommen Gerolds ist allerdings nichts Sicheres bekannt.[8] Wie viele andere fränkische Reichsaristokraten verlor die Familie Gerolds unter dem späteren König Ludwig dem Deutschen stark an Einfluss.[3]

Politische Funktionen
785 und 790 wird er als Graf in der Baar (Bertoldsbaar) in Urkunden erwähnt und ist auch als erster Graf im Nagoldgau fassbar.[9] Gerold scheint eine entscheidende Rolle bei der Integration Bayerns in das fränkische Reich und im Kampf gegen den letzten bayerischen Stammesherzog Tassilo III. gespielt zu haben. Nach der Absetzung Tassilos 788 wollte Karl in Baiern keinen Herzog einsetzen und ernannte Gerold daher zum „Präfekten“ Bayerns und machte ihn zum Königsboten.[10] Die Königsboten jener Zeit hatten höchstes Ansehen. Bei ihrer Ankunft erwies man ihnen dieselbe Ehre wie dem König selbst und hielt ein feierliches Hochamt.[11]

Nach der Eroberung des Awarenreiches 796 wurde er zudem Markgraf der Awarenmark. In dieser Funktion diente ihm Lorch an der Enns als Amtssitz. 798 wirkte er im Dienste der Christlichen Mission in Karantanien. Gemeinsam mit dem kirchlichen Königsboten und Erzbischof Arn von Salzburg führte er in dieser Region den Missionsbischof Theoderich in seinem Sprengel ein.[5] Seine Verbundenheit mit der Kirche zeigt weiters seine Stiftung einer Marienkapelle im sächsischen Paderborn sowie erhebliche Schenkungen an die Klöster Reichenau und St. Gallen. 799 fand in Treisma eine Diözesansynode statt, mit der die Missionierung der Awaren begann. Teilnehmer waren unter anderen Bischof Waldrich von Passau und Gerold als Vertreter des Königs.[12] Im Zuge dieser Synode wurde von Waldrich eine Urkunde ausgestellt, aufgrund derer Gerold Linz mit der dortigen Martinskirche zu Lehen auf Lebenszeit empfing.[13]

Nach Gerolds Tod wurde das Baierische Ostland verwaltungsmäßig von Baiern getrennt und bekam einen eigenen Präfekten. In Baiern folgte Audulf Gerold als Präfekt, im Ostland Goteram.[3]

Heerführer
Er begleitete Karl u. a. bei dessen Feldzug 773/774 zu den Langobarden, wo er sich durch Tapferkeit auszeichnete und zum signifer des Königs gemacht wurde.[14] Wahrscheinlich waren Gerold und sein Vater unter jenen Großen, die gemeinsam mit König Karl zu Ostern 774 in Rom bei Hadrian I. weilten. Es war dies der erste Besuch eines fränkischen Königs beim Papst.[3]

Ab 791 stand er an der Seite des Königs im Krieg gegen die Awaren. Dort tat er sich gemeinsam mit dem Markgrafen Erich von Friaul hervor, sodass Karl die Fortführung des gesamten Feldzugs Gerold, Erich und seinem Sohn Pippin von Italien anvertraute. Auch im Kampf gegen die Sachsen und Slawen tat sich Gerold hervor und da er damals noch keine Amtstätigkeit ausführte war er 778 wahrscheinlich auch am Feldzug gegen die Sarazenen beteiligt. Nach der Kaiserchronik hat Gerold den Herzog der Sachsen Widukind „durch Anwendung einer List“ erschlagen, worauf der Krieg zwischen Franken und Sachsen von neuem entflammt sei.[15] 799 starb er in einer Schlacht gegen die Awaren gemeinsam mit Erich und seinem Sohn an einem unbekannten Ort in Pannonien.[16] Der Dichter Walahfrid Strabo berichtet, dass die Leiche Gerolds von Getreuen in das Kloster Reichenau gebracht und dort bei dem von ihm selber gestifteten Marienaltar im Münster bestattet wurde.[17] 
IM VINZGAU, Gerold II. ´der Jüngere` (I18668)
 
2919 GEROLD war Graf im Kraichgau und im Anglachgau. Später zog es ihn nach Alamannien, wo er IMMA heiratete, die Tochter des alamannischen Grafen HNABI und Schwester von Graf RUATPERT. Durch die Ehe mit IMMA gelangte GEROLD in den höchsten alamannischen Adel und konnte somit seine Position in Alamannien deutlich stärken.
IMMAS Großvater HUOCHING war der Bruder des bayrischen Herzogs ODILO, was ihm somit auch den Zugang zum bayrischen Adel verschaffte.

Wie im LORSCHER CODEX am 1. Juli 784 urkundlich belegt, schenkten GEROLD und seine Frau IMMA der Reichsabtei Lorsch umfangreiche Güter im Anglachgau, Kraichgau sowie im Wormsgau, Lobdengau und Ufgau. Vermutlich kurze Zeit darauf verstarb GEROLD.  
VON ALEMANNIEN, Imma (Hemma) (I18670)
 
2920 Gerold war Graf im Kraichgau und im Anglachgau. Später zog es ihn nach Alamannien, wo er Imma heiratete, die Tochter des alamannischen Grafen Hnabi und Schwester von Graf Ruatpert. Durch die Ehe mit Imma gelangte Gerold in den höchsten alamannischen Adel und konnte somit seine Position in Alamannien deutlich stärken. Immas Großvater Huoching war der Bruder des bayrischen Herzogs Odilo, was ihm somit auch den Zugang zum bayrischen Adel verschaffte.

Wie im Lorscher Codex am 1. Juli 784 urkundlich belegt, schenkten Gerold und seine Frau Imma der Reichsabtei Lorsch umfangreiche Güter im Anglachgau, Kraichgau sowie im Wormsgau, Lobdengau und Ufgau. Vermutlich kurze Zeit darauf verstarb Gerold. 
VON ANGLACHGAU \ IM VINZGAU, Graf Graf Gerold I. (I24329)
 
2921 Gerperga (häufig auch Gerberga) war die Ehefrau des Karolingers Karlmann I., des Bruders und Mitkönigs Karls des Großen.

Nachdem ihr Gatte 771 gestorben und Karl sich dessen Reichsteil unter Übergehung der Söhne Karlmanns angeeignet hatte, flüchtete Gerperga mit ihren Kindern zum Langobardenkönig Desiderius. Danach verschwindet sie aus der Überlieferung. 
VON ITALIEN, Geberga (I18856)
 
2922 Gerswind wird in Einhards Schrift Leben Karls des Großen als „Gerswind, von sächsischem Geschlecht, die ihm eine Tochter Adaltrud (...) gebar“ erwähnt. Mehr ist von ihr nicht bekannt.

Nach dem Schriftsteller Gerd Treffer soll Gerswind eine Tochter des sächsischen Herzogs Widukind gewesen sein. Für diese Spekulation gibt es keinerlei Anhaltspunkt. Ferner nennt er, gleichfalls unbelegt, als Geburtsjahr Gerswinds „um 782“ und als ihr Todesjahr „um 829“.  
N., Gerswind (I10805)
 
2923 Gertrud von Baden heiratete um 1180 den Grafen Albrecht / Albert II. von Dagsburg († 1211). Mit ihm hatte sie zwei Söhne, Heinrich und Wilhelm, und eine Tochter, Gertrud († 1225).

Beide Söhne wurden 1202 bei einem Turnier in Andain getötet, so dass das Adelsgeschlecht der Etichonen mit Albrecht II. 1211 im Mannesstamm ausstarb.

Erbin der Grafschaft Dagsburg war damit die gemeinsame Tochter Gertrud. Diese heiratete 1215 in erster Ehe den Herzog (seit 1213)Theobald I. von Lothringen († 1220), 1220 in zweiter Ehe den Grafen Theobald IV. von Champagne, ab 1234 Teobaldo I. König von Navarra, der sie 1222 verstieß, sowie 1224 in dritter Ehe Simon von Leiningen († 1234/36), der vor seinem Vater, dem Grafen Friedrich II. von Leiningen (seit 1214) aus dem Haus Saarbrücken verstarb. Nach Simons Tod fiel der Titel der Grafschaft Dagsburg an dessen Bruder Friedrich III. († 1287), der als Stammvater das Haus Leiningen-Dagsburg begründete. Die aufgrund der Hohenstaufen (Hzg. Heinrich II von Schwaben, später König HRR Heinrich VII, Sohn von Kaiser Friedrich II) 1226 an den Fürstbischof von Strasbourg gegebenen allodialen Ländereien der Dagsburg wurden nach entsprechenden Schritten Kaiser Friedrichs II. als Lehen dem rechtsmässigen Erbe Friedrich III 1241 zurückgegeben, wodurch diese aber ihre Reichsunmittelbarkeit für lange Zeit einbüssten. 
VON BADEN, Gertrud (I40232)
 
2924 Gertrud von Hohenberg war die älteste Tochter des Grafen Burkhard V. von Hohenberg und dessen Ehefrau Pfalzgräfin Mechthild von Tübingen, Tochter von Pfalzgraf Rudolf II. von Tübingen. Die schwäbischen Grafen von Hohenberg waren eine früh abgespaltene Seitenlinie der Grafen von Zollern.

Die Acta Murensia nennen sie “uxor Gertrudis, quae et Anna, Ludovici, Comitis Froburgi et Hochbergi Comitis filia” (die Ehefrau Gertrud, die auch unter dem Namen Anna erscheint, die Tochter Ludwigs, des Grafen von Frohburg und Hochberg). Der Schweizer Historiker Aegidius Tschudi († 1572) stellte folglich die These auf, dass Gertrud von Hohenberg, die Ehefrau Königs Rudolf von Habsburg, aus dem Hause Homberg-Frohburg stamme. Gemäß Tschudi wäre Gertrud Tochter († 1274) des Grafen Ludwig und Schwester von Graf Hartmann und Graf Herman IV. Die Grafschaft Homberg kam jedoch erst durch Heirat ihres (von Tschudi vermuteten) Bruders Herman IV. mit der Erbtochter des Grafen Werner III. von Homberg an die Frohburger.
Zwanzig Jahre lang war Gertrud von Hohenberg Burggräfin auf der Burg Stein. Am 1. Oktober 1273 wählten die Kurfürsten ihren Mann in Frankfurt am Main einstimmig zum deutschen König. Nach dessen Krönung in Aachen nannte sie sich Königin Anna.

Aus der Ehe mit Rudolf gingen vierzehn Kinder hervor (sechs Söhne und acht Töchter) 
VON HOHENBERG, Gertrud (Anna) (I1931)
 
2925 Gertrud war Tochter des Sulzbacher Grafen Berengar I. und der Adelheid von Dießen-Wolfratshausen. Zu ihren Geschwistern zählte unter anderem Bertha von Sulzbach, die unter dem Namen Irene Gattin von Kaiser Manuels von Byzanz war.[1] Wohl 1135/36 wurde die Ehe mit dem späteren römisch-deutschen König Konrad III. geschlossen. Weniger plausibel sind Datierungsversuche zu den Anfängen des Klosters Ebrach aus spätmittelalterlicher Überlieferung, wonach eine angeblich um 1132 anzusetzende Mitwirkung Konrads und Gertruds an der Gründung der Zisterze eine bereits zu diesem Zeitpunkt geschlossene Ehe vermuten lasse.[2] Aus ihrer Ehe mit Konrad III. hatte sie die beiden Söhne Heinrich-Berengar und Friedrich IV. Nach der Geburt ihres Sohnes Friedrich erkrankte Gertrud und starb vermutlich im Alter von 36 Jahren im Kloster Hersfeld.[3]

Sie wurde im Zisterzienserkloster Ebrach beigesetzt, wo ihr Grab seit 1650 in der südlichen Nische hinter dem Choraltar der Abteikirche stehend eingemauert ist. Rechts davon befindet sich das ihres Sohnes Friedrich von Rothenburg. Ihr Gisant stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, der ihres Sohnes aus dem 17. Jahrhundert.[4] 
VON SULZBACH, Gertrud (I35986)
 
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2927 Geschichte
Das Geschlecht gehörte dem Adel der Grafschaft Mark an und trat urkundlich erstmals 1209 auf.[1] Schon 1280 saß es zu Olpe unweit Lennep. In jenem Jahr verkaufte Hermann de Foresto dieses Gut dem Grafen Adolf von Berg mit der Bemerkung, dass schon Hermanns Vorfahren das Gut besaßen.[2] 1297 hatte Herman miles de Foresto das Haus Vorst bei Leichlingen inne.[1] Mit diesem Hermann von Forste beginnt auch die Stammreihe der Familie.[3] 1317 saß die Familie zu Overkempinc bei Kamen, 1326 zu Heinkhausen und zu Haus Opherdicke, 1386 zu Ergste bei Iserlohn, 1391–1794 zu Haus Kallenberg bei Hagen, 1386 Brockhausen in Bochum-Stiepel, 1400–1440 zu Haus Horst in Herne-Bickern, 1402 zu Ende bei Hagen und 1416–1466 zu Burg Gerkendahl.[4][5]

In der Grafschaft Mark gehörten später u. a. noch Haus Aden (1748–1754), Ardey (Kreis Soest) (1727–1760), Asbeck (1452), Haus Bärendorf (1776), Haus Oberfelde in Niederaden (1748–1754), Haus von der Recke in Westhemmerde (1727–1759), Haus Heven (Anfang 15. Jahrhundert und 1629–1747), Haus Göckinghof in Schwelm (1627–1662)[6] und Haus Weitmar (1776–1780) zum Besitz der Familie.[4][5]

Darüber hinaus war die Familie zeitweise auch in Schlesien und in der Mark Brandenburg begütert. In Schlesien waren dies 1645 Haltauf und 1745–1801 Klein-Zauche, beide Kreis Trebnitz, sowie 1801 Lerchenberg-Zerbau im Landkreis Glogau, in der Mark Brandenburg u. a. 1843 Freienhagen im Kreis Niederbarnim.[4][5]

Vertreter der Familie standen in Diensten der königlich-preußischen Armee. 1857 waren Nachkommen des Eugen Freiherr von Vaerst, Major a. D., zu Herrendorf mit Vorwerk Carolinshof im Landkreis Soldin in der preußischen Provinz Brandenburg begütert.[4] Anfang des 20. Jahrhunderts blühte die Familie noch.[7]

Persönlichkeiten
Bernhard von der Vorst, Herr zu Horst, 1416–1432 Drost zu Essen, 1427 sowie 1432–1436 Amtmann im Amt Angermund
Eugen von Vaerst (1792–1855), preußischer Offizier und Schriftsteller
Heinrich von der Vaerst, 1434–1436 Komtur der Kommende Reval
Hermann Hans von Vaerst (1798–1877), Offizier und Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes
Gustav von Vaerst (Tiermediziner) (1858–1922), deutscher Veterinärmediziner und Hochschullehrer
Gustav von Vaerst (General) (1894–1975), deutscher Offizier, General der Wehrmacht
Jorien von der Vorst, 1524–1534 Freigraf von Volmenstein
Mathias von Vaerst († 1638), Drost zu Bochum
Wolfgang Vaerst (1931–2015), deutscher Manager
Wappen
Blasonierung: Zwölfmal von Rot und Gold geständert mit blauem Herzschild. Auf dem rot-golden bewulsteten Helm ein goldener und ein roter nach außen gekehrter Palmzweig, alias zwei grüne Zweige mit Beeren (auch zwei Sägen), dazwischen der Schild wiederholt. Die Helmdecken sind (blau–) rot–golden.[7]

Aufgrund der Wappenähnlichkeit vermutet Anton Fahne eine Abstammung von den von Eller.[8]

Literatur
Konrad Blažek: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 8. Abt., T. 3: Der abgestorbene Adel der Preußischen Provinz Schlesien, 3. Teil, Nürnberg 1894, S. 63 f. und Tfl. 38.
Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter, Band 2, Köln 1853, S. 180.
Anton Fahne: Geschichte der westphälischen Geschlechter, 1858, S. 390 f. (mit Stammtafel).
Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 2: Der Nichtimmatrikulierte Adel, Nürnberg 1901, S. 231 und Tfl. 161.
Otto Titan von Hefner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 1. Abt.: Der Adel des Königreichs Preußen: Grafen und Freiherren, Nürnberg 1857, S. 68 und Tfl. 88.
Otto Titan von Hefner, Alfred Grenser, George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 2. Abt., Bd. 1, T. 2: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute M–Z, Nürnberg 1878, S. 424 und Tfl. 468.
Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 9 (Steinhaus–Zwierlein), Friedrich Voigt’s Buchhandlung, Leipzig 1870, S. 355 f.
Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Band 3: T–Z, Berlin 1858, S. 49 f.
George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 1. Abt., Bd. 2: Der Preußische Adel: Freiherren und Grafen. Nachträge und Verbesserungen, Nürnberg 1906, S. 25 und Tfl. 20.
Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 50; Band 2, Görlitz 1903, Tafel 120.
Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XV, Band 134 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2004, S. 175–176, ISSN 0435-2408
Einzelnachweise
Eintrag von Tanja Potthoff zu Vorst in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 25. November 2022.
Fahne (1853), S. 180.
Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XV, Band 134 der Gesamtreihe GHdA, 2004, S. 175–176
Kneschke (1870), S. 356.
Ledebur (1858), S. 49 f.
Haus Göckinghof auf wiki.genealogy.net, besucht am 25. November 2022.
Spießen (1901–1903), S. 50.
Fahne (1853), S. 180. Analog Hefner/Grenser/Mülverstedt (1878), S. 424. 
VON DER VORST, N. (I23381)
 
2928 Geschichte
Die Waldstromer (auch Strohmeyer, Stromeir, Stromair oder auch Stromeyr genannt) wurden erstmals um 1230 urkundlich erwähnt und entstammten vermutlich einer staufischen Reichsministerialenfamilie, den Kammerstein-Reichenbach-Schwabach. Sie waren eng verwandt mit den Stromer von Reichenbach; es ist ungeklärt, ob die beiden Familien einer Linie entstammten.

Die Waldstromer erhielten, als Nachfolger des Reichsbutiglers, das Reichslehen über den Lorenzer Reichswald wahrscheinlich bereits Anfang des 13. Jahrhunderts und übten dort das Reichsforstmeisteramt aus, das zu den erblichen Reichsämtern gehörte und nach seinen Lehnsträgern, auch Waldstromeramt genannt wurde, da die Familie zur Unterscheidung von den Stromer aufgrund des ihnen verliehenen Amtes in Waldstromer umbenannt wurden. Im Lorenzer Reichswald ließ Konrad III. 1336 in Reichelsdorf (etwa zehn Kilometer südwestlich von Nürnberg) eine Wasserburg errichten, die später namengebend für das Geschlecht wurde.[1]

Das Reichsforstmeisteramt wurde aufgrund seiner Größe spätestens 1230/40 auf zwei Familien aufgeteilt.[2] Die Waldstromer behielten das nach ihnen benannte Amt und waren im Besitz fast aller forstgerichtlicher Funktionen, so auch des Zeidelgerichts mit Sitz in Feucht. Die hierarchisch unter ihnen stehenden Koler erhielten das Forstmeisteramt als Lehen und nahmen ihre Amtsbezeichnung als Familiennamen Koler genannt Forstmeister an.

Durch übermäßige Vergabe von Nutzungsrechten für Glasöfen, Eisenverhüttung und Köhlerei im 13. und 14. Jahrhundert, schädigten die Waldstromer, Koler und deren Erbförster den Wald durch Übernutzung schwer. Da er für die Wirtschaft der Reichsstadt Nürnberg als Rohstofflieferant von zentraler Bedeutung war, versuchte der Innere Rat den Wald an sich zu bringen. 1396 verkauften die Waldstromer ihr Lehen an die Stadt Nürnberg, nachdem diese bereits 1372 das Forstmeisteramt von den Koler erwerben konnte. Der Rat behielt die Zweiteilung bis 1440 bei und vergab das Waldstromeramt an einen Oberforstmeister und das Forstmeisteramt an einen Unterforstmeister.

Ihre Besitztümer in Reichelsdorf, Eibach und Gostenhof behielten die Waldstromer zu dieser Zeit noch.

Im Gegensatz zu den Stromer und Koler wurden sie erst 1729 in das Nürnberger Patriziat kooptiert und durften Mitglieder in den Inneren Rat entsenden. Mit Christoph Wilhelm Waldstromer stellten sie den letzten Nürnberger Reichsschultheißen. 1813 als Edle in den bayerischen Adel immatrikuliert, starben die Waldstromer 1844 aus.

In der Barfüßerkirche befand sich ein rotmarmornes Hochgrab mit der reliefierten Darstellung von Konrad I. Waldstromer als Ritter im Plattenharnisch (ohne Helm), mit Schwert und Wappen, von dem sich heute nur noch Reste im Germanischen von Nationalmuseum befinden.[1]

Ehemalige Besitzungen (Auszug)
13. Jh.–1358 das Petzenschloss in Lichtenhof (damals Weiherhaus)
1309–1396 die Forsthube Zerzabelshof
1337–1495 die Dutzendteichmühlen
1344–1539 die Forsthube Eibach
1347–???? Malmsbach (Pfand von den Fischbecken von Fischbach)
1347–???? Eckenhaid (Pfand von den Fischbecken von Fischbach)
1362–1453 das Lehen Gostenhof

Waldstromer-Schlösschen in Reichelsdorf
1347–1396 das Jagdschloss Brunn* 1347–1396 Netzstall bei Brunn
1344–1378 das Hallerweiherhaus (Hallerschloß (Nürnberg))
1336–???? die Ortschaft Mühlhof
1336–1547 die Ortschaft und Herrensitz Reichelsdorf
1387–1539 die Burg Prackenfels bei Altdorf
????–???? das Zeidlerschloss in Feucht (zwischen 1428 und 1504)
????–1455 das Pfinzingschloss in Feucht
1624–1664 den Herrensitz Hammerschloss in Hirschbach
1632–1660 den Herrensitz „Alte Behausung“ in Diepoltsdorf
1663–1670 das Herrenhaus Strengenberg in Rückersdorf-Strengenberg
1683–1684 den Herrensitz Imhoffschloss in Kalchreuth
1700–1720 den Herrensitz Vogelsgarten in der Tullnau
1709–???? den Dietherrschen Herrensitz in Erlenstegen (Anteil an der Erbengemeinschaft)
1727–1814 das Schwaiger Schloss
Stiftungen

Waldstromerfenster in der Marthakirche (1390)
Franziskanerkloster Nürnberg (Durch die Burggrafen und Konrad Waldstromer 1224)
Pilgerhospiz und Pilgerspital St. Martha (1363) in Nürnberg
Waldstromerfenster in der Marthakirche (1390) 
WALDSTROMER, Agnes (I51488)
 
2929 Geschichte der Familie
Paul Andreae stammte aus einer protestantischen Textilhändlerfamilie aus Mülheim, das zum Zeitpunkt seiner Geburt noch nicht zu Köln gehörte. Sein Ur-Ur-Urgroßvater Christian Andreae (1665–1742), der ursprünglich aus Frankfurt stammte, hatte 1687 eine Seiden- und Leinenfabrik in Köln gegründet, die 1714 nach Mülheim umzog; zudem betrieb er einen Kommissions- und Weinhandel.[2]

Grund für den Umzug von Andreae nach Mülheim war die restriktive Politik der Stadt Köln: Protestanten konnten nicht Mitglied einer Kölner Zunft werden und unterlagen auch weiteren beruflichen Einschränkungen.[3] Daraufhin siedelten zu Beginn des 18. Jahrhunderts neun bedeutende protestantische Großkaufleute auf die andere Rheinseite nach Mülheim, das damals noch zum Herzogtum Berg gehörte und Protestanten wiederum wirtschaftliche Privilegien einräumte.[4] Die abgewanderten Großkaufleute und Manufakturisten machten den Kölnern mit ihren Handelsbeziehungen zum Niederrhein und den Niederlanden in der Folge Konkurrenz.[2] Andreaes Söhne gründeten 1763 eine Samt- und Seidenproduktion, die spätestens eine Generation darauf europaweit bekannt war.[5] Ein Enkel, Christoph Andreae (1735–1804), heiratete Maria Christina Katharina Scheibler (1740–1807), die jüngste Tochter des Begründers der Monschauer Tuchindustrie, Johann Heinrich Scheibler.

Gesellschaftlicher Aufstieg
1870/71 nahm Paul Andreae als Offizier im Königs-Husaren-Regiment (1. Rheinisches) Nr. 7 der Preußischen Armee am Deutsch-Französischen Krieg teil. 1875 wurde er Teilhaber des Familienunternehmens und übernahm die Leitung der Bandfabrik. 1882 kaufte er das im heutigen Köln-Dellbrück gelegene Gut Mielenforst, ließ die alten Gebäude zum Teil abbrechen und ein neues Herrenhaus erbauen.[6] Mit der Abwicklung der Bandfabrik 1886 aus wirtschaftlichen Gründen zog sich Andreae aus dem Unternehmen zurück und widmete sich fortan hauptsächlich der Bewirtschaftung des Gutes, vor allem der Pferdezucht.[7] Zusätzlich besaß die Familie ein Stadthaus als „Winterwohnung“ am Neumarkt. 1904 wurde das Gut in ein Familienfideikommiss umgewandelt und Paul Andreae am 17. August 1909 in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben.[8] Als Rittergutsbesitzer auf Gut Mielenforst war Andreae „geborener Gemeindeverordneter“ der Bürgermeisterei Merheim ab 1883 bis zu deren Eingemeindung nach Köln im Jahre 1914. Er bekleidete dort zudem die unbesoldeten Stellungen eines 3. Beigeordneten (1891–1897), 2. Beigeordneten (1897) und 1. Beigeordneten (1898–1914).[9] Ferner war er Mitglied des Kreistages und des Kreis-Ausschusses des Kreises Mülheim sowie Mitglied des Provinziallandtages der Preußischen Rheinprovinz.[10]

1905 zählte Paul Andreae an der Seite seines Onkels Otto Andreae zu den Mitbegründern der „Colonie für kleine Landhäuser in Weiden bei Köln“, die bis 1914 unter der technischen Leitung der Kölner Architekten Emil Wilhelm Schreiterer und Bernhard Traugott Below (Schreiterer & Below) zwischen der Aachener Straße und dem Lövenicher Bahnhof eine Villenkolonie anlegte.[11] Bis 1910 gehörte Andreae ferner dem Aufsichtsrat der „Sinziger Mosaikplatten und Thonwaarenfabrik“ in Sinzig am Rhein an, deren Vorgängerin 1869 unter maßgeblicher Beteiligung der Familie Andreae und hierbei auch seines Vaters gegründet worden war.

Wirken in Dellbrück
Andreae engagierte sich karitativ, politisch und gesellschaftlich vor Ort in Dellbrück und den anliegenden Gemeinden, die 1905 zu Dellbrück zusammengefasst und 1914 zu Köln eingemeindet wurden. 1893 bot er dem Gemeinderat eine Schenkung zur Einrichtung eines Kindergartens an, dann gründete er aber die „Paul-Andreae-Mielenforst-Stiftung“ mit 100 000 Mark Kapital zur Errichtung eines Pflegeheims mit „Kinderbewahranstalt“, Volksbad und Handarbeitsschule.[12] Zudem beteiligte er sich an der Finanzierung des Baus der evangelischen Christuskirche, die 1905 eingeweiht wurde, indem er den Bauplatz sowie das Pfarrhaus stiftete und sich mit 10 000 Mark an den Baukosten beteiligte.[13] Er gehörte nicht nur dem Gemeinderat an, sondern auch mehreren Vereinen.[14] Als Mäzen unterstützte er den Erwerb von Kunstwerken und historischen Dokumenten. So stiftete er z. B. 1911 dem Wallraf-Richartz-Museum gemeinsam mit anderen Schenkern das Bild „Ein Italiener“ von Wilhelm Leibl.[15]

Familie und Privates
Verheiratet war Andreae seit dem 12. Dezember 1878 mit der aus Belgien stammenden Emma Peltzer (1858–1935), Schwester von Édouard Peltzer und Tochter von Paul Nicolas Édouard Peltzer (1829–1903), einem Tuchfabrikanten sowie Stadt- und Provinzialrat von Verviers, der aus der Aachen-Stolberger Unternehmerfamilie Peltzer stammte.[16] Das Ehepaar hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Die Mitgift der Ehefrau war so hoch, dass damit der Neubau des Gutes finanziert werden konnte.[17] Die Schwester von Emmy Andreae, Olga, war verheiratet mit dem Bergisch Gladbacher Papierfabrikanten Hans Wilhelm Zanders. Der älteste Sohn von Emmy und Paul Andreae, Christoph (1881–1914), fiel schon in den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs als Leutnant der Reserve; er wiederum war mit Ilse von Mallinckrodt (1886–1940), einer Tochter des Kölner Industriellen Gustav von Mallinckrodt, verheiratet.[18] Christophs Tochter Elisabeth von Andreae war mit dem Schriftsteller Max Christian Feiler (1904–1973) in Berlin und zuletzt München verehelicht. Ihre einzige Tochter Else (1879–1962) hatte in dem Gutsbesitzer Max Pfeifer (1875–1942) einen Sohn des Kölner Zuckerfabrikanten (Pfeifer & Langen) Valentin Pfeifer 1903 geheiratet. Kurt von Andreae (1885–1943), das jüngste der drei Kinder, lebte als Kaufmann in London.[19] Der Bankier und Hobby-Astronom Heinrich Eduard von Lade war ein Onkel mütterlicherseits von Paul von Andreae, ein Onkel väterlicherseits der Kunstmaler Karl Christian Andreae.

Paul von Andreae starb vier Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges; er liegt beerdigt auf der privaten Grabstätte der Familie in der Nähe des Gutes. Seine Frau Emmy überlebte ihn um 13 Jahre. 
VON ANDREAE, Christoph Paul (I59650)
 
2930 Geschichte der Familie Vaerst - von Vaerst S. 108
Aus dem Zweig Wengern ist noch der jüngste Sohn von (B 89) Dietrich August, (B147) Karl (geb. 1871), zu erwähnen. In den Fußstapfen sweines Bruders (B 142) Gustav wurde auch er Tiermediziner, promovierte zum Dr. phil. und med. vewt. und war dann Regierungsveterinär in Meiningen. Aus seiner ersten Ehe mit Maria Elisabeth auer (1881-1948) gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Hans Gustav Adolf (geb. 1903), Dr. jur., ist zur Zeit Senior des Familienverbandes Vaerst: er lebt mit seiner Frau Dr. med. Inge Vaerst, geb. Braun, in Köln. Er war verantwortlich für die Familientreffen 1978 und 1984 sowie den mit der 700-Jahr-Feier der Kreuzkapelle in Olpe bei Kürten verbundenen 9. Familientag. Sein hervorragendes Orgelspiel in der alten Ender Kirche bleibt aöllen Teilnehmern der Familientage unvergesslich.
- (B 233) Johanna Maria (geb. 1907) heiratete in erster Ehe Dr. med. Hans Myckert (1895-1946), nach dessen Tod den Konzertmeister Helmut Auer in Zürich (geb. 1906); die Familie Myckert, großteils in der Schweiz, aber auch in Alling/Oberbayern und in Bremerhaven ansässig, fühlt sich den Vaersts nach wie vor verbunden.
- (B234) Karl Georg Ruprecht (1916 - 1974), Bankdirektor, lebte in Gießen und zuletzt in Bielefeld, verheiratet mit Charlotte Mattern (geb. 1920); seine Tochter (B293) Dr. Christa Prarr-Vaerst (geb. 1946 ist in Köln, sein Sohn (B 293a) Dr. Reinhard Vaerst (geb. 1948) in Meckenheim zu Hause.
- Aus einer spät geschlossenen zweiten Ehe (B147) Karls mit Martha Kirchner (geb. 1925) stammt der Sohn (B235) Dr. Jürgen Vaerst (geb. 1943), der mit seiner Familie in Altenburg / Thüringen ansässig ist. 
VAERST, Dietrich August (I44984)
 
2931 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I6948)
 
2932 Geschichte von alzey von der Frühen Neuzeit bis zum Anfang des 20. Jhts.
1529 ließ Ludwig V. von der Pfalz (* 2. Juli 1478 in Heidelberg; † 16. März 1544 ebenda), Wittelsbacher, ohne Urteilsspruch 350 Täufer, wegen ihres Glaubens, in Alzey unter Leitung von Burggraf Dietrich von Schönenburg (* um 1480, wohl auf Burg Hartelstein bei Schwirzheim; † 10. November 1542 in Heidelberg) hinrichten, die Männer wurden enthauptet und die Frauen in der Roßschwemme ertränkt (Märtyrer der Täuferbewegung).

1620 zog Graf Spinola auf Seiten des katholischen Kaisers im Dreißigjährigen Krieg gegen die protestantische Kurpfalz und erobert auch Alzey. 1689 wurden Stadt und Burg im pfälzischen Erbfolgekrieg von den französischen Truppen einer Politik der verbrannten Erde folgend niedergebrannt, als zuvor eroberte Gebiete von den Armeen Ludwigs XIV. wieder geräumt werden mussten.

1798 wurden die Gebiete westlich des Rheins, darunter auch die bis dahin kurpfälzischen, an Frankreich angeschlossen. Alzey gehörte bis 1814 zum Departement Donnersberg (du Mont-Tonnerre).

1799 wurde in Alzey die älteste bekannte Freiwillige Feuerwehr Deutschlands schriftlich erwähnt.[7] ohne Urteilsspruch 350 Täufer, wegen ihres Glaubens, in Alzey unter Leitung von Burggraf Dietrich von Schönenburg hinrichten,[4][5] die Männer wurden enthauptet und die Frauen in der Roßschwemme ertränkt (Märtyrer der Täuferbewegung).[6]

1620 zog Graf Spinola auf Seiten des katholischen Kaisers im Dreißigjährigen Krieg gegen die protestantische Kurpfalz und erobert auch Alzey. 1689 wurden Stadt und Burg im pfälzischen Erbfolgekrieg von den französischen Truppen einer Politik der verbrannten Erde folgend niedergebrannt, als zuvor eroberte Gebiete von den Armeen Ludwigs XIV. wieder geräumt werden mussten.

1798 wurden die Gebiete westlich des Rheins, darunter auch die bis dahin kurpfälzischen, an Frankreich angeschlossen. Alzey gehörte bis 1814 zum Departement Donnersberg (du Mont-Tonnerre).

1799 wurde in Alzey die älteste bekannte Freiwillige Feuerwehr Deutschlands schriftlich erwähnt.

„Die drie künege wâren, als ich gesaget hân,
von vil hôhem ellen: in wâren undertân
ouch die besten recken, von de man hât gesaget,
starc und vil küene, in scharpfen strîten unverzaget.

Daz was von Tronege Hagene und ouch der bruoder sîn,
Dancwart der vil snelle, von Metzen Ortwîn,
der zwene marcgrâven Gêre und Ekkewart,
Volkêr von Alzeije, mit ganzem ellen wol bewart.

Neuhochdeutsche Übersetzung:

Die drei Könige waren, wie ich bereits ausgeführt habe,
von größter Tapferkeit. In ihren Diensten standen zudem
die allerbesten Kämpfer, von denen man je gehört hat,
stark und äußerst mutig, selbst in den härtesten Kämpfen unerschütterlich.

Das waren: Hagen von Tronje und ebenso sein Bruder,
der gewandte Dankwart, Ortwin von Metz,
die beiden Markgrafen Gere und Eckewart
und Volker von Alzey, ein Mann voller Kampfeskraft.“

– Nibelungen Lied: Aventiure 1, Strophen 8 und 9 
WEINGÄRTNER, Johann Jacob (I16582)
 
2933 Geschichter der Kyburger

Die Grafen von Dillingen in Bayern erwarben im 11. Jahrhundert Besitzungen in der heutigen Ostschweiz. Durch die Ehe Hartmanns von Dillingen († 1121) mit der Erbtochter Adelheid von Winterthur-Kyburg kamen sie zu weitläufigen Besitzungen und Gebietsansprüchen im Thurgau, unter anderem auch zur Kyburg. Die Herkunft Adelheids ist in der Geschichtsforschung umstritten. Sie könnte eine Erbin der Grafen von Grüningen-Winterthur oder einer Winterthurer Seitenlinie der Grafen von Nellenburg gewesen sein. Wahrscheinlich war sie die Tochter Adalberts, des letzten Grafen von Winterthur, der im Jahre 1053 mit seinem Bruder, dem kaiserlichen Bannerträger Werner II. von Winterthur, in der Schlacht von Civitate gegen die Normannen fiel.

Die Enkel Hartmanns von Dillingen teilten ihren Besitz auf. Hartmann III. von Dillingen übernahm dabei als Hartmann I. von Kyburg den Besitz in der Schweiz. Die Kyburger waren Verbündete der Herzöge von Schwaben aus dem Geschlecht der Staufer. Die Verbindung wurde wahrscheinlich durch die Ehe Hartmanns mit Richenza von Baden-Lenzburg in der Mitte des 12. Jahrhunderts bekräftigt. So erbten die Kyburger nach dem Aussterben der Grafen von Lenzburg 1172/1173 zusammen mit den Staufern und den Zähringern Teile der umfangreichen lenzburgischen Besitzungen in der heutigen Schweiz und Süddeutschland. Wie umfangreich der Erbteil war, ist unsicher und war wohl auch damals umstritten. Gesichert ist jedenfalls, dass die Kyburger damals in den Besitz der lenzburgischen Eigengüter im Gaster, am Walensee und um Baden kamen. Später befinden sich auch die lenzburgischen Vogteien über die Klöster Schänis und Beromünster in der Hand der Kyburger.

Durch das Aussterben der Herzöge von Zähringen 1218 ergab sich eine weitere Gelegenheit für die Kyburger, ihren Besitz zu erweitern, da Anna von Zähringen, die Schwester des letzten Zähringers, Berchtold V., die Ehefrau Ulrichs III. von Kyburg († 1227) war. In den Erbstreitigkeiten mit anderen Adelsgeschlechtern, die mit den Zähringern verwandt waren, konnte Ulrich III. für sich die linksrheinischen Besitzungen der Zähringer in der heutigen Schweiz behaupten. Darunter befanden sich sowohl Güter im damaligen Zürichgau im Herzogtum Schwaben wie auch im Aargau im Königreich Burgund, darunter die Städte Freiburg im Üechtland, Thun und Burgdorf. Die Herrschaftsansprüche der Kyburger aus dieser Erbschaft liessen sich aber nicht überall durchsetzen, sie verloren beispielsweise die Stadt Zürich und die Vogtei über das Kloster St. Gallen. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wandten sich die Kyburger gegen die Staufer und wurden zur Hauptstütze der päpstlich-antistaufischen Koalition auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Im Streit zwischen Papst und Krone wandte sich Hartmann der Ältere von Kaiser Friedrich II. ab und wechselte in das päpstliche Lager. Ihnen schlossen sich auch die Freiherren von Wart an, die sich nun eng an die Kyburger anlehnten.

Die Grafen von Kyburg gründeten in ihrem Machtbereich im 12. und 13. Jahrhundert die Städte Winterthur, Frauenfeld, Diessenhofen, Zug, Baden (1230), Aarau, Lenzburg, Mellingen, Sursee (1250), Weesen (1250), Laupen, Kyburg, Richensee und Huttwil. Im Raum Winterthur gründeten sie 1225 das Chorherrenstift Heiligenberg, das ihre Grablege wurde und 1233 begründeten sie das Kloster Töss. Die Kyburger wurden dadurch zu einem der mächtigsten Adelsgeschlechter im Gebiet der heutigen Schweiz und standen dementsprechend in harter Konkurrenz mit den Rapperswilern, den Habsburgern und den Savoyern, die ebenfalls zur gleichen Zeit versuchten, ihre Herrschaftsgebiete auszubauen und zu konsolidieren. Im Kyburger Urbar (um 1260) hielten die Grafen von Kyburg ihre Rechte und Ansprüche schriftlich fest; dieses Dokument zählt – obwohl nur in Fragmenten erhalten – zu den frühesten Verwaltungsdokumenten in der Deutschschweiz.

Der kinderlose Graf Hartmann IV. übertrug 1250/1251 den westlichen Teil seines Besitzes mit der Reuss als Grenze seinem Neffen Hartmann V. von Kyburg Dieser versuchte mit der Unterstützung der Habsburger von seinem Herrschaftszentrum Burgdorf aus sich gegen die Stadt Bern und die Savoyer durchzusetzen. Nach dem Tod Hartmanns V. 1263 und Hartmanns IV. 1264 war die einzige Erbtochter, Anna von Kyburg, noch minderjährig. Rudolf I. von Habsburg, dessen Mutter Heilwig von Kyburg eine Tochter Ulrichs III. war, übernahm die Vormundschaft und damit auch die Verwaltung des Herrschaftsgebiets. Bis 1273 konnte Rudolf I. sich sogar gegen die Ansprüche der Savoyer durchsetzen, die über die Witwe Hartmanns V., Margarethe von Sayoyen, über gut begründete Ansprüche verfügten.

Durch die Ehe Annas mit Eberhard I. von Habsburg-Laufenburg entstand 1273 aus einem Teil des Besitzes Hartmanns IV. die neue Dynastie der Grafen von Kyburg-Burgdorf bzw. Neu-Kyburg.

Familienmitglieder
Werner von Kyburg oder Wezelo (* um 980; † 1030), Graf
Uto von Kyburg Abt im Kloster St. Blasien
Ulrich I. von Kyburg-Dillingen († 1127), von 1111 bis 1127 Bischof von Konstanz
Ulrich von Kyburg († 1237), von 1233/1234 bis zu seinem Tod Bischof von Chur 
VON SAVOYEN, Margarethe (I23909)
 
2934 Geschichtliches
Als Stammvater dieser Familie gilt Bartholomäus de
Madiis, der in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts in
Bern erscheint. Sein Name wird verschieden geschrieben, bald
de Madiis, Maggio, Meyggo, Meyen oder endlich May.
Über ihn ist wenig bekannt; das erste Mal, wo seiner ur­kundlich
erwähnt wird, ist im Udelbuch von ca. 1400, wo von allerdings
etwas späterer Hand steht »Barthlome Meyen der Lamparter,
Jacob Panian der Lamparte, Jacob de Madiis, Barthl. Sun, hant
Udel in dem vorgenannten (Domus Bartholomei Meyen des
Lampartent Hus) an der Kirchgasse Schatten-halb».

Die Bezeichnung »Lamparte» weist auf die italienische Her­kunft
Barthlomes hin, und in der Tat kommt der Name Maggio oder
de Madiis im 15. und 16. Jahrhundert in mehreren lom­bardischen
und oberitalienischen Städten, wie z. B. Mailand, Lucca und
Brescia vor. Woher nun Barthlome stammte, hat bis jetzt noch
nicht gewiss ermittelt werden können, doch weisen verschiedene
Umstände darauf hin, dass seine ursprüngliche Heimat im
Mailändischen, in der Gegend von Introzzo war.
Nach Leu's Lexikon soll schon 1392 oder 1398 Heinzmann May,
ein »Ingenieur» aus Lucca, Burger in Bern ge­worden sein; in
einer Urkunde vom l. April 1405 im Stiftsdokumentenbuch wird
allerdings Heinzmann Maven und seine Frau, welche beide zu
einer rückständigen Zahlung an den Kirchmeyer der Leutkirche
Bern verurteilt werden, als »Burger und gesessen zu Bern»
genannt, und zwar muss er dies schon am 26. Mai 1404 gewesen
sein.

Ein Zusammenhang desselben mit Bartholomäus ist aber nirgends
zu finden; überhaupt scheinen im 15. und 16. Jahrhundert Träger
der Namen Mey und Maygi in Bern vorgekommen zu sein, die
mit Barthlome und dessen Nachkommenschaft auch. in keiner
verwandtschaftlichen Beziehung standen und daher von
genanntem Heinzmann abstammen könnten. Die May zu
Lucca, deren Stamm daselbst 1718 erlosch, führten ein von
demjenigen der bernischen May ganz verschiedenes Wappen,
während das­jenige der Maggio zu Mailand, die anfangs des
17. Jahrhunderts ausstarben, dem bernischen sehr ähnlich
gewesen sein soll. Auch in Genf kommt im 16. Jahrhundert
eine aus Lucca stam­mende Familie Mey vor, ein »Vincent Mey,
fils de Blaise Mey de Lucques» wurde nach Galiffe 1560 in Genf
zum Burger an­genommen und hinterliess daselbst Deszendenz,
die aber bald erlosch.
Wie dem nun auch sei, so lässt sich doch die Stammreihe der
heutigen May auf den eingangs genannten Barthlome als auf
ihren höchst wahrscheinlichen Stammvater mit ziemlicher
Sicherheit zurückführen. Sein Sohn Jakob vermählte sich um
1440 mit Isabella Squazzini aus Mailand, in der Folge er­hielten er
und seine mit ihr erzeugten Kinder, - möglicher­weise um sich von
den andern in Bern wohnenden May zu unterscheiden - den
Zunamen Squazzini; er erscheint meistens als «Jacob de Madiis
genannt Squazzini», «Jacobus Squacini dictus de May», «Jacob
de Madiis sonst ge­nannt Scatzini», sogar als Jakob Scatzini
kurzweg oder auch als «Jakob May der Lamparte». 1439 war
«Jakob Meiggo, Bartolomes Sohn» - also vor seiner Heirat und
ohne den erwähnten Zunamen - mit Niciaus Käsli, Herrn zu Toffen
in einem Handelsgeschäft assoziert, das den Grund zum späteren
Wohlstande der Familie May legte. Er erscheint noch oft in
Verbindung mit Mailand (nie dagegen mit Lucca) und starb, ein
angesehener Mann, ungefähr 1480, nachdem er 1446 in den Grossen
Rat gelangt war und sich beim Roten Löwen (Mittel­löwen) angekauft
hatte. Wann er Burger geworden, lässt sich nicht genau ermitteln,
höchst wahrscheinlich war es schon sein Vater geworden. Von
Isabella Squazzini hinterliess er zwei Töchter Barbara und Luzia,
erstere 1474 mitBonfanti de Pandiano - aus einem Geschlecht, welches
damals aus der Gegend von Intra nach Bern gekommen war -, letztere
mit Rudolf v. Kilchen vermählt, und einen Sohn Bartholomäus.

Bartholomäus, geb. 1446, gest. 1531, gelangte 1467 in den Grossen
Rat, wurde Schultheiss nach Thun 1486, des Kleinen Rates 1494 - 1518,
1520 - 21 und 1523 - 31, dehnte nach seines Vaters Tode dessen
Geschäft in ausserordentlichem Masse aus. Mit den Welsern und
Vöhlin in Augsburg in Geschäftsverbindung und auch sonst in
freundschaftlichen Beziehungen, wurde Bart­lome durch seinen
Handel einer der reichsten Berner seiner Zeit und ist wohl der
grösste Handelsherr, den Bern je hervor­gebracht hat. Nach der
Schlacht bei Grandson kaufte er den berühmten Diamanten Karls
des Kühnen - später »Sancy» genannt -, 1482 verkaufte er ihn
jedoch wieder an den Schult-heissen Wilhelm v. Diesbach, der
ihn seinerseits an genuesische Kaufleute weiterveräusserte; 1468
erhielt er als »Bartholomeus de Madiis de Monte Introtii habitator
Bernae», einen Salvaconduct an Mailand behufs Liquidation seiner
väterlichen Guter bei Introzzo. Aber auch auf politischem Gebiet
spielte 'r eine Rolle, von seiner Vaterstadt wurde er zu verschiedenen
diplomatischen Missionen verwendet, so 1484 nach Lyon zur
Einforderung der von Frankreich den Eidgenossen schuldigen
Gelder, 1498 nach Mailand, 1506 nach Baden etc.; als Auszüger
vom Roten Löwen nahm er an den Schlachten von Erlincourt, wo
er nach Mays histoire militaire de la Suisse den Ritterschlag erhalten
haben soll, und Grandson teil; an den Schlachten von Novarra und
Marignano finden wir ihn als einen der bernischen Hauptleute. Aus
Novarra brachte er aus der Beute des Herzogs de la Tremouille
zwei junge Bären nach Bern zurück und schenkte sie der Stadt,
infolgedessen diese den Bärengraben gründete. Ein Freund der
neuen Lehre, war er mit Zwingli befreundet, welcher ihm eine die
«Nachhut vom Nachtmahl des Herrn» betitelte Schrift zuwidmete.
1499 und 1516 erwarb Barthlome die Herrschaft Strättligen am
Thunersee, 1507 Tonen, später die Herrschaften Wattenwyl und
Thierachern, Twing und Bann zu Madiswyl u. a. mehr.
Dreimal verheiratet hinterliess er von seiner ersten Frau Katharina
v. Gasel vier Söhne und zwei Töchter, der älteste, Glado oder
Claudius, f 1527, des Grossen Rates 1492, Vogt zu Lenzburg 1502,
zeugte mit seinen zwei Frauen Ur­sula Trüllerey von Rohr und Luzia
Brüggler acht Söhne und acht Töchter, letztere alle verheiratet. Von
»einem Vater erbte Glado die Herrschalten Strättligen, Toffen,
Wattenwyl etc., und 1520 erwarb er seitens des Junkers Jakob
v. Büttikon tauschweise die Herrschaft Rued im Aargau mit allen
Pertinenzen, welche über 350 Jahre in der Familie verblieb. Wie
sein Vater mit Zwingli und Haller befreundet, war er ein eifriger
Vorkämpfer der Reformation; den Sieg der neuen Lehre in Bern
zu erleben, war ihm jedoch nicht vergönnt.
Von seinen Söhnen pflanzten Bendicht, gest. 1569, Sulpitius,
gest. 1549, Anton, gest. 1551, Bartlome, gest. 1576, und Claudius,
gest. 1568, das Geschlecht im Mannesstamme fort. Bendicht,
Herr zu Rued, Strättligen, Thierachern und Wattenwyl, hinterliess
von Anna Am Staad aus der Schaffhauser Familie Brümsy, der
Erbin ihres Geschlechtes, drei Söhne, von denen der zweite,
Georg, gest.1584, Herr zu Rued, durch seine Ge­mahlin Maria
Peyer von Flach, Stammvater aller jetzigen bernischen May
wurde. Der jüngste von Bendichts Söhnen:
Johann Jakob, gest. 1566, wohnte zu Burgdorf und Aarau, in welch
letzterer Stadt er das Bürgerrecht erwarb; seine mit Elisabeth
Katharina v. Luternau erzeugte Deszendenz verblieb in Aarau und
erlosch daselbst in der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Die Nachkommenschaft von Glados drittem und viertem Sohne
Sulpitius und Anton starb gegen Ende des 16. Jahr­hunderts in Bern
aus, ebenso diejenige des sechsten Sohnes Glado oder Claudius.
Der fünfte Sohn dagegen, Bartlome, des Grossen Rates 1520 und
des Kleinen Rates 1522, zog, mit der Reformation unzufrieden, 1537
nach Augsburg, wo er sich 1548 mit Sibilla Rembold vermählte, 1551
von Kaiser Karl V. mit-seinen Brüdern einen Adelsbrief (siehe unten)
er­hielt, von dem er jedoch keinen Gebrauch machte, 1561 in den Rat
gelangte und 1570 Bürgermeister wurde. Obwohl selber
protestantisch, liess er alle seine Kinder katholisch erziehen;
seine Nachkommenschaft gelangte in Augsburg zu hohem An­sehen
und schloss Allianzen u.a. mit den Geschlechtern Welser, Rehlinger,
Langenmantel etc. Sein Enkel Marx, gest. 1643, wurde durch
Gnadenbrief von Ferdinand II. mit seiner Familie nochmals in den
Stand der adeligen Geschlechter von Augsburg erhoben, auf welche
Erhöhung er aber wie sein Grossvater ver­zichtete und in der Folge
Bürgermeister von Augsburg wurde. Dessen Sohn Marx II.
(1612 - 1666) war der einzige von seinen drei Brüdern, der dem
weltlichen Stande angehörte, infolge ver­schiedener Umstände
verliess er 1653 Augsburg und zog nach Solothurn, wo er 1657
das Bürgerrecht erwarb und sich mit Maria Stapfer vermählte.
Der letzte der augsburgischen Linie, starb er 1666 in kaiserlichen
Diensten zu Raab in Ungarn, ohne Kinder zu hinterlassen.
Im alten Freistaat Bern sassen die May seit Ende des 15.
Jahrhunderts ununterbrochen in beiden Räten der Republik,
bisweilen in grösserer Anzahl. Beinahe alle ergriffen den
Staatsdienst oder den Kriegsdienst. Im Auslande dienten sie
namentlich in Frankreich und in Holland, wo sie mit Aus­zeichnung
höhere Offiziersstellen versahen; in der Schlacht von Malpaquet
1709 standen sich zwei May mit Generalsrang feindlich gegenüber.
Nach den politischen Umwälzungen und dem Ende der Solddienste im
XIX. Jahrhundert fanden die Angehörigen der Familie als Juristen, Ärzte,
Ingenieure und Kaufleute im In- und Ausland eine neue Existenzgrundlage.
Zugleich weitete sich der im Ancien Régime fast ausschliesslich auf die
Berner Patrizierfamilien beschränkte Heiratskreis auf bürgerlichen
Aufsteigerfamilien auch ausserhalb Berns aus.

Von den vielen Herrschalten und Besitzungen der May mögen
namentlich erwähnt werden: Strättligen 1499 resp. 1515 bis 1590,
Wattenwyl 1499-1630, Toffen 1507-1610, Marthalen im Amt
Kyburg 1522 - 1569, Rued 1520 - 1877, Hünigen 1588 bis heutzutage,
Kiesen 16 . .-17 . ., Schottland 1664-1840, der Löwenberg bei Murten
1664 bis ca. 1790, Schloss Binningen bei Basel 16 . .-17 . ., die
Schadau bei Thun 1760-1837, Urseilen 1751-1802 und nach einer
kurzen Unterbrechung wieder bis heutzutage, Allmendingen seit
1806, Brestenberg am Hallwylersee 1805-1823, der Gurnigel
1526-1533, der See, Waldungen und Allmend zu Amsoldingen
1495-1536, das Mannlehen zu Erlach 1630-1704, Deisswyl 1
750-1804, das Gässligut bei Worb um 1700, ferner das Hubeigut
und das Schlössligut bei Bern im Anfang des 19. Jahrhunderts,
das Brüggfeld um 1600, das Liebifeld 1738 - 1740; in welschen
Landen Champreveyres 1624-1634, Perroy 1743 - 1830, die
Rebgüter Bellestmches 1746-1873, daneben Reben zu St.Blaise,
zu Martheray, Crochet bei Rolle etc. Auch heutzutage verfugt die
Familie über einen ansehnlichen Grundbesitz, neben meh­reren
Häusern in der Stadt und deren Umgebung, den Gütern Hünigen,
Ursellen und Allmendingen besitzen Angehörige der­selben Güter
in Österreich und die Baronien Waalwyk, Besoyen lind Ramsdonk
in Holland.
Am 9. März 1551 erhielt der nachmalige Bürgermeister von
Augsburg Barthlome, gest. 1576, für sich und seine damals noch
am Leben befindlichen Brüder Bendicht, Anton, Glado und Wolfgang,
sowie für seinen Neffen Barthlome - ein Sohn seines 1549
verstorbenen Bruders Sulpitius - einen Adelsbrief für sie selbst und
ihre eheliche Nachkommen­schaft, worin ihr alter Adel und ihr altes
Wappen bestätigt wird. Aber schon vorher führten in Bern Mitglieder
der Familie den Junkerntitel, schon von 1484 an heisst Jacob in
lateinischen Urkunden »nobilis»; 1651 wurde den May als einem
adelmässigen Geschlecht die Titulatur «Edelfest» zugesprochen.
Das Wappen ist nach dem Adelsbrief «ein Schilt inmitten üherzwerch
und das under Theill nach der Länge in sechs Theill gleicher Grösse
abgetheillt, das vorderst, dritt und fünft blauw oder Lasurfarb, und die
andern drei desgleichen das Ober Theill des Schilts gelb oder goldfarb,
in demselben aber auf ihren hindern Pranken gegen einander aufrecht
stehend zwei blauw oder lasurfarbene Leüwen mit rothen
ausschlagender Zung und zurück aufgeworffenen Schwäntz, der
vordere sein link und der hindere sein recht vordere Prank
gegeneinander aufrechts und die andere für sich, auch gegeneinand
haltend». Die Helmzier' ist ein wachsender blauer rotbewehrter Löwe;
Decken blau-gold.
Im 17. und 18. Jahrhundert ecartelirten zuweilen Mitglieder der Familie
ihr Wappen mit demjenigen der Herrschaft Rued, nämlich in blau ein
schräggestelltes silbernes Ruder, und führten daun entweder als
zweite Helmzier einen weissen Schwanenhals mit blau und weissem
mit Pfauenfedern bestecktem Kamm oder den Löwen mit dem Ruder
in den Pranken. Devise: Ex ungue leonem.

Besondere Erwähnung verdienen, ausser dem eingangs
besprochenen Ratsherrn Barthlome und dessen ebenfalls schon
erwähnten Sohne Glado, die beide zu den eifrigsten Förderern der
Reformation in Bern gehören, Jakob, geb. 1495, gest. 1538, nahm
in seiner Jugend an den italienischen Feldzügen teil, auch unter
dem Marschall Lautrec an der Eroberung von Neapel, von Bern zu
verschiedenen Gesandschaften verwendet; Glado II., gest. 1568,
Schultheiss zu Burgdorf, Vogt nach Morsee 1534, des Kleinen Rates
1539, 1543 und 1550, nahm ebenfalls an sehr vielen Gesandtschaften
teil, u.a. 1544 nach Basel, 1546 nach Strassburg, 1554 nach Pontarlier,
1557 nach Frankreich zu Heinrich IL, 1562 nach Baden; Bartlome, gest.
1576, Bürger­meister von Augsburg 1570; Marx, gest. 1643, sein Enkel,
eben­falls Bürgermeister von Augsburg 1629; Johann Rudolf,
1619 - 1672, Herr zu Rued und Schöftland, Oberst in Frankreich
1649, des Grossen Rates 1651 und Oberst im Aargau,
spielte als solcher eine tätige Rolle im Bauernkrieg und ersten
Vilmergerkrieg, 1657 Oberst der Schweizerlergarde des
Pfalzgrafen Karl Ludwig bei Rhein, Landvogt nach Neuss 1659;
sein Sohn, auch Johann Rudolf, 1652 - 1715, focht in Katalouien
1673 - 1698 als Hauptmann und Oberstleutnant in den
Regimentern Erlach und Manuel, Oberst und Kommandant des
Regiment Jung Salis in Frankreich 1701, Brigadier 1706;
Gabriel, 1661 - 1747, Herr zu Hünigen, focht in seiner Jugend
ebenfalls in französischen Diensten in Katalonien, Oberst des
Regiments Mülinen in Holland 1697 und des grossen Rates zu
Bern 1701, focht am Schellenberg. Höchstädt und Oudenarde
und 1709 als Brigadier bei Maplaquet, quittiert 1717, Landvogt
zu Milden 1718 und des Kleinen Rates 1731; Friedrich,
1654 - 1721, zuerst Hauptmann in Frankreich, Landvogt zu
Trachselwald 1700, Generalquartiermeister mit Oberstenrang im
Krieg von 1712, Lanndvogt zu Neuss 1721; Beat Ludwig,
1671 - 1789, Major im Regiment Villars Chandieu in Frankreich,
Oberst daselbst 1728, Brigadier 1734, gest. zu Metz, wo eine
Schanze seinen Namen erhielt; Friedrich, 1695 - 1776, Herr
zu Kiesen, Major im Regiment Constant in Holland 1746,
Generalmajor daselbst 1748, Generalleutnant 1766, Friedrich,
1708 - 1799, ebenfalls zuerst im Regiment Constant in Holland,
Major 1750, Oberst 1765, Generalmajor 1772, Generalleutant
1787; Gabriel Fmanuel, 1741 - 1837, Herr zu Hünigen,
Kapitänkommandant in der holländischen Schweizergarde mit
Oberstenraug, Generalmajor in Holland 1787, Generalleutnant
1797, des Grossen Rates zu Bern 1803 - 1814; Beat Ludwig
Rudolf, 1766 - 1833, zuerst Leutnant im Regiment Ernst in
Frankreich bis zu dessen Aufhebung, des Grossen Rates 1795,
Oberst 1798, Kommandant der Stadt Bern 1802 - 1806, Oberst
des dritten Schweizerregiments in Frankreich 1806, unter der
Restauration Ritter der Ehrenlegion und des merite militaire,
marechal de camp 1816; Johann Karl, 1745 - 1824, des
Grossen Rates 1775, Vogt zu Fraubrunnen 1787, des Kleinen
Rates 1792, Zeugherr 1794, wieder des Rates 1803,
Stadtschultheiss zu Bern 1803, Besitzer des Schlössli und von
Belletruche; Beat Emanuel, 1734 - 1802, Landschreiber zu Landshut,
genannt nach seinem Vater Emanuel, der Landvogt zu
Romainmotier war, «May von Romainmotier», Verfasser
einer 1788 in Lausanne gedruckten achtbändigen «Histoire
militaire de la Suisse et des Suisses dans les differents Services
de l’Europe», die sich durch grosse Vollständigkeit auszeichnet. 
MAY, Stammlinie (I38782)
 
2935 Geschichtliches.

Der Name Gruner, Gruener und Gruoner erscheint in Bern
schon im XIII. und XIV. Jahrhundert, zuerst im Batstuberbrief
vom 3. Februar 1295 in der Person eines C. Gruner.
Ein Uolricus Gruner - vermutlich der nämliche, der ohne
Vornamen in einer Urkunde vom 9. Dezember 1322 als Bebauer
verschiedener Grundstücke zu Ostermundigen vorkommt - figuriert
am 15. Oktober 1325 als Zeuge bei einem Verkauf von Äckern
zu Wankdorf seitens Jakob von Wankdorfs an die Schwestern
des Frauenkonvents bei der Kirche zu Bern. Vermutlich ein
anderer Uolrich Gruner ist es, der anlässlich einer Schenkung
des Freiherrn Dietrich v. Rüthi an das Gotteshaus St. Urban
als Bebauer zweier Schuposen zu Rohrbach am 18. April 1328
und 27. März 1330 genannt wird. Auch zu Koppigen findet
sich ein Ulli Gruener als Besitzer einer Matte und als Zeuge
bei einem Verkauf am 16. Mai 1364.
Im Jahrzeitenbuch von St. Vincenzen erscheinen ebenfalls
mehrere Träger des Namens, vermutlich auch aus dem XIV.
Jahrhundert; so hat am 24. Januar Jahrzeit «Swester mezza
Gruennera», am 10. April «Metzza uxor uelini Grueners,
Elli Grueners» und Ulricus Gruoner, am 22. April
«Chuonradus Gruoner et Berchta uxor » , am 14. September
wieder Chuonratus gruoner und am 19. Dezember
Uolrich Gruener.

Im XV. Jahrhundert findet man laut Osterbuch einen Hans
Gruner 1441 als Mitglied des Grossen Rates zu Bern.

Ein Zusammenhang der genannten Personen mit der heute
blühenden, in Bern seit Ende des XVI. Jahrhunderts verburgerten
Familie Gruner lässt sich jedoch diplomatisch auf keinerlei
Weise nachweisen. Laut einer alten Familientradition soll
dieselbe allerdings in der Person eines Johannes Gruner im
XIII. Jahrhundert aus Zwickau in Sachsen nach Bern gekommen
und später nach Zürich gezogen sein, wo der erwiesene
Stammvater des Geschlechts anfangs des XVI. Jahrhunderts
erscheint, - urkundliche Belege für diese Ansicht lassen sich
aber ebenfalls keine erbringen. Der Name Gruner kam zwar noch im
XV. Jahrhundert in Zwickau, wie auch heute noch in verschiedenen
Gegenden Deutschlands vor; ein Vincenz Gruner aus Zwickau
war um 1410 Professor der Theologie zu Leipzig.

Der urkundliche Stammvater der vom XVII. Jahrhundert
an sehr verzweigten Bernerfamilie dieses Namen ist Johannes
Gruner, zum erstenmal 1528 im Verzeichnis der zürcherischen
Geistlichkeit zusammen mit einem Oswald Sägenser als Conventual
des Johanniterhauses Küsnacht genannt. Über seine Herkunft
herrscht Ungewissheit. Die zürcherischen Genealogen Meiss und
Darsteler geben als seine Heimat Rapperswyl an, freilich ohne
weitere Belege; höchstwahrscheinlich bringen sie ihn mit den
in Rapperswil, Pfäffikon (Kanton Schwyz), Wädenswil u.a. O,
vorkommenden Grünau ein in Zusammenhang, welche mehrfach im
XV. und XVI. Jahrhundert das zürcherische Burgerrecht erwarben.
Eine Margreth Grunerin, Tochter Conradt Gruners, Bürgers zu
Nürnberg, war am Anfang des XVI. Jahrhunderts mit Conrad
Rechperger zu Zürich verheiratet; um ihre Hinterlassenschaft
erhob sich zwischen ihren Anverwandten zu Nürnberg und
Leipzig und Andres Gessner und Cunrad Luchsinger von
Zürich ein Prozess, der am Dienstag nach der
jungen Fastnacht 1519 daselbst vor den Rat kam. Aber auch
mit diesen Nürnberger «Gruner» ist der erwähnte Conventual zu
Küsnacht Johannes Gruner nicht in Verbindung zu bringen.
Von 1534 an erscheint derselbe in den Küsnachteramtsakten
als Pfarrer zu Seengen im Aargau, dessen Kollatur 1490 durch
den Grossballeier des Johanniterordens in Deutschen Landen der
Commende Küsnacht inkorporiert worden und nach Aufhebung
der Comthurei 1525 an Zürich gekommen war. In seiner
Eigenschaft als Pfarrer zu Seengen, welches bernisches Gebiet
war, immatrikulierte sich Johannes Gruner am 13. März 1549
persönlich in der Kanzlei zu Bern und schwor daselbst den Eid.
Bei seinem am 7. März 1568 zu Seengen erfolgten Absterben
hinterliess er von seiner Frau Anna Hirtzlin (Hirzel?) ausser
einer an den Schultheissen Müller zu Lenzburg vermählten
Tochter zwei Söhne, die sich ebenfalls dem Pfarrdienst
widmeten, nämlich Samuel, geb. 1528 und gestorben in hohem
Alter zu Seengen 1625. vermählt 1556 mit Margaretha
Zeender aus Bern und 1569 mit Elisabeth Glar, Helfer zu
Suhr 1564, Pfarrer zu Seon 1567, nach seines Vaters Tod auf
die Verwendungen der Junker Hartmann und Burkhardt v. Hallwyl
und der Stadt Bern hin Pfarrer zu Seengen 1568 und endlich
nachmals Dekan der Classe Aarau, und Hans 15.. - 1578,
vermählt 1570 mit Sara Haller aus Bern, Siechenprediger zu
Bern 1570 und am Ende desselben Jahres Pfarrer zu Aarwangen
und Pfarrer zu Kirchberg seit 1575. Beide waren wie ihr Vater
nicht Burger von Bern ; sie sind die näheren Stammväter der
zwei noch blühenden Linien, deren Mitglieder sukzessive gegen
Ende des XVI. und Anfangs des XVII. Jahrhunderts das bernische
Burgerrecht erwarben, zuerst des Dekans von Aarau ältester
Sohn Samuel, Tochtermann des bernischen Venners Vinzenz
Wysshahn.

Dieser letztere Samuel, ein Schreiber, liess sich als
Kanzleisubstitut zu Bern am 15. April 1591 zum Burger annehmen
und wurde 1597 vom Rat in den Rat der CC befördert.
Gerichtsschreiber 1601, Landvogt nach Wanden 1603, Zollner im
Kaufhaus 1610, Einunger 1612 und 1613 Gubernator nach
Peterlingen, hinterliess er von zwei Frauen Susanna Wysshahn
verh. 10. April 1590 und Ursula Kohl er verh. 19. September
1594 mehrere Kinder. Sein Sohn erster Ehe, Samuel
1593 - 1649, ebenfalls ein Notar, des Grossen Rates 1621,
Gerichtsschreiber 1623, Schultheiss nach Thun 1626, Einunger
1633 und Kastlan nach Wimmis 1643, vermählt I. 1616 mit
Margaretha Haller, II. mit Rosina Steiger und III. 1638
mit Veronika Zeender, hinterliess Deszendenz, die 1811 in
direkter Abstammung erlosch; auf Metzgern zünftig, gelangte
dieser zu Bern am frühesten verburgerte Ast im XVIII.
Jahrhundert nicht mehr in die Regierung und betrieb um
diese Zeit meistens Gewerbe.

Jeremias, der zweite Sohn des Dekans Samuel und der
Elisabeth Glar, ein Steinmetz, wurde am 12, August 1613 als
«Jeremias Gr. von Lentzburg » um 100 Kronen zum Burger
angenommen. Er wurde in der Folge obrigkeitlicher Werkmeister
und gelangte 1632 in den Grossen Rat. Bei seinem
1650 erfolgten Ableben hinterliess er nebst mehreren Töchtern
von seiner ersten Frau Elsbeth Byland einen Sohn Jeremias
1616 - 16.., ebenfalls ein Steinmetz und als solcher zum Affen
zünftig. Dieser Ast erlosch im Mannesstamme 1712 mit dessen
Sohn Anthoni, geb. 1652.

Hans Georg endlich, der dritte Sohn des Dekans Samuel,
geb. 1570, trat ebenfalls in den Pfarrdienst und wurde Prädikant
zu Aarburg. Sein Sohn, ebenfalls Hans Georg, Hess sich am
16. Januar 1629 als «Hans Georg Gruener von Seengen, Rotgerber
und Lederarbeiter» in Bern zum Burger annehmen. Seine
zahlreiche Deszendenz führte beinahe ausnahmslos das väterliche
Gewerbe fort und besteht, auf Obergerwern zünftig, noch
heutzutage; von ihren Mitgliedern gelangte jedoch keines in die
Regierung.

Die Deszendenz des Pfarrers Johannes zu Aarwangen und
Kirchberg und der Sara Haller teilte sich in vier Äste:

Johannes, der älteste Sohn, geb. 1571, gest. 10 März 1623,
Studiosus 1589, Pfarrer zu Suhr 1595 und zu Wynau 1598,
vermählt mit Maria Rhagor, scheint nicht Burger von Bern
geworden zu sein. Sein Sohn Johann Ulrich, geb. 15..
setzte sich zu Wynau fest, wo seine Nachkommen bis gegen
Ende des XVIII. Jahrhunderts im Bauernstände lebten. Johann
Jakob 1756 - 1819, ein Advokat, und sein Bruder Johann, die
Nachkommen in der sechsten Generation von obigem Pfarrer
Johannes zu Wynau, wurden auf ihr Bewerben hin am 15. April
1791 mit ihrer ehelichen Deszendenz in das regimentsfähige
Burgerrecht aufgenommen und der Gesellschaft zu Obergerwern
zugeteilt; Johann aber und sein Sohn Johann wurden laut
Ratsbeschluss vom 23. April 1792 wieder aus der Zahl der
Burger gestrichen, da sie ihren Aufnahmeverpflichtungen nicht
nachgekommen waren. Die Deszendenz Johann Jakobs erlosch
indessen 1865 resp. 1885.

Der zweite Sohn Josua 1572 - 1640, ein Uhrmacher,
«Versorger der Statt Uhren zu Bern», liess sich am 9. August
1596 daselbst zum Burger aufnehmen; 1617 kam er in den
Grossen Rat und wurde 1618 Kirchmeier von Burgern. Von
drei Frauen, Anna König, verh. 1597, Magdalena Gürtler
verh. 1626 und Margreth Mathys verh. 1633 hinterliess er
zahlreiche Nachkommenschaft, die auf Schuhmachern zünftig, noch
heute besteht. Die meisten Mitglieder dieses Astes widmeten
sich in der Folge dem Pfarrdienst; in die Regierung gelangten
sie nicht mehr.

Hans Rudolf, der dritte Sohn, 1575 - 1620, ein Kürschner,
hinterliess von Katharina Hagelstein verh. 1600 Deszendenz,
die aber schon bald ausstarb, zu Bern lebte, jedoch offenbar
nicht das Burgerrecht besass.

Johann Jakob endlich, der vierte Sohn, geb. 1577, gest. 1656,
auch ein Geistlicher, Schulmeister zu Burgdorf 1603, Pfarrer zu
Trachselwald 1606 und zu Jegenstorf 1612 - 1651, liess sich mit
drei Söhnen am 4. Februar 1641 in Bern zum Burger annehmen.
Von seinen zahlreichen mit Elisabeth Grätz verh. 1603
erzeugten Kindern verstarben die meisten in der Jugend. Der
eine Sohn, Samuel 1615 - 1691, ein «Hutstaftierer», zünftig
zu Kaufleuten, des Grossen Rates 1657, Landvogt nach Erlach
1665, Einunger 1671, Kornherr 1678 und mehreremal XVIer,
hinterliess von Maria May ebenfalls zahlreiche Deszendenz, die
aber schon 1720 ausstarb. Sein jüngerer Bruder Johannes
1619 - 16.. ein Goldschmied, ebenfalls zünftig zu Kaufleuten,
vermählt 1644 mit Johanna Härder, ist der nähere Stifter
des heu Zutage am stärksten vertretenen, auf Kaufleuten
zünftigen jüngsten Astes der Familie. Entgegen den andern Ästen
gelangte derselbe namentlich im XVIII. Jahrhundert zu Blüte
und Ansehen; von der zweiten Hälfte desselben an süssen mehrere
seiner Mitglieder in der Regierung und bekleideten Landvogteien.
Dem Pfarrdienst widmeten sich auch verschiedene. Der Begründer
der Stellung, deren sich dieser Ast erfreute, ist besonders
David 1684 - 1764, Enkel des Goldschmiedes Johannes
und dritter Sohn des Pfarrers Johannes zu Biglen 1682 und
zu Eriswil 1694 (geb. 1652, gwat. 1707), aus dessen Ehe mit Esther
v. Wattenwyl von Loins. Ein Handelsmann und Bankier,
Erblehenbesitzer der Papiermühle, erwarb er sich ein bedeutendes
Vermögen; durch seine 1710 geheiratete Gemahlin Johanna
Maria Malacrida war er Schwiegersohn des bekannten bernischen
Bankiers Niklaus Malacrida, dessen gewagte Spekulationen
nach Law'schen System 1720 mit einem grossen Fallimente
endigten, bei welchem sowohl die Obrigkeit als auch eine
Menge bernischer Familien bedeutende Verluste erlitten. Am
8. Juni 1722 brachte David Gruner den ganzen Fonds des
Bankhauses seines Schwiegervaters durch Kauf an sich und es
gelang ihm, innert 14 Tagen jedem Gläubiger 56½ % und der
Regierung 25¼ % ihrer Ansprachen auszuzahlen. In der Folge
erwarb er 1723 die Herrschaft Corcelles-sur-Chavornay in der
Waadt und 1724 das Landgut Märchligen bei Bern, das er bis
zu seinem Tode 40 Jahre lang bewohnte. Von seinen vielen
Kindern pflanzte sein zweiter Sohn Samuel 1715 - 1792 den
Ast fort. Ebenfalls Bankier und Herr zu Corcelles, gelangte
er 1755 in den Grossen Rat, wurde 1762 Grossweibel, 1769
Stiftschaffner nach Zofingen und endlich 1796 Salzdirektor von
Burgern; 1743 vermählte er sich mit Rosina Wyss von
Mathod. Sein jüngerer Bruder David 1722 - 1805 trat zuerst
in holländische Dienste, quittierte 1751 als Oberstleutnant,
gelangte 1764 ebenfalls in den Grossen Rat, wurde 1765
Ohmgeldner, 1774 Zollner im Kaufhaus, 1775 Landvogt nach Aubonne
und 1795 Schultheiss nach Unterseen; von seiner Gemahlin
Maria v. Jenner verh. 1750 hinterliess er nur Tochter.

In fremde Dienste sind im XVIII. Jahrhundert mehrere Angehörige
der Familie getreten, und zwar namentlich in französische
und holländische. Eine sehr grosse Zahl hat sich wie ihr
Stammvater Johannes zu allen Zeiten dem Pfarrdienst gewidmet;
mehrere haben sich in den Wissenschaften einen Namen gemacht.
Besonders hervorzuheben sind noch Johann Rudolf (von
dem auf Schuhmachern zünftigen Ast) 1680 - 1761, Pfarrer zu
Trachselwald 1707, zu Burgdorf 1725 - 61, Kämmerer 1742
und Dekan des Burgdorf Kapitels 1744 - 1761, ein gelehrter
Kenner der vaterländischen Geschichte und Topographie und
verdienter Genealoge, dessen zahlreiche Arbeiten (386 Bände!)
leider alle nur Handschrift blieben bis auf die 1732 in Zürich
gedruckten, in Bern selber verbotenen «Deliciae urbis Bernae»;
in Burgdorf stiftete er das Schulfest, die Stadtbibliothek und
eine Predigerwitwenkasse. Sein Sohn Gottlieb Sigmund
1717 - 1778 studierte das Notariat, wurde 1741 Archivar des
Landgrafen von Hessen-Homburg, begleitete 1743 den Prinzen
Christian von Anhalt-Schaumburg als Hofmeister nach Brandenburg
und Schlesien, 1749 Amtsschreiber nach Thorberg und 1764
Landschreiber nach Landshut, tätiges Mitglied der ökonomischen
Gesellschaft und Verfasser mehrerer Schriften geographischen
und geologischen Inhaltes über sein Heimatland, von denen
namentlich sein 1760 erschienenes dreibändiges Werk «Die
Eisgebirge des Schweizerlandes». (umgearbeitet und 1775 als
«Reise durch die merkwürdigsten Gegenden Helvetiens» neu
herausgegeben), seinem Namen ein bleibendes Andenken gesichert
haben. Dessen Sohn Gottlieb Sigmund 1756 - 1830, Helfer 1794,
1807 - 11 Pfarrer zu Herzogenbuchsee und hernach
zu Zimmerwald, Sekretär der ökonomischen Gesellschaft, ein
um das Armenwesen, die Förderung der Landwirtschaft und
Volkswohlfahrt sehr verdienter Mann. Johann Rudolf (der
älteste Sohn des Dekans zu Burgdorf) 1707 - 1778. Pfarrer in
Veltheim 1740, zu Höchstetten 1760 - 65 und zu Sigriswil 1765
bis zu seinem Tode, ein hervorragender Orientalist, der 1735
einen Ruf als Professor der morgenländischen Sprachen und
hebräischen Altertümer nach Amsterdam ausschlug. Endlich
Emanuel Ludwig, geb. 11. Mai 1809, durchlief 1828 - 1832
die Ecole Polytechnique und die Ecole des Mines in Paris,
Mineningeuieur in St. Etienne 1834, 1835 - 1847 Professor an
der Ecole des Mineurs, Direktor dieser Anstalt 1852 - 1858,
Professor der Metallurgie und Inspecteur general der Ecole des
Mines in Paris, 1858 - 1872, Inspecteur general des Mines 1866,
Vizepräsident des Conseil general des Mines 1873 - 79, Präsident
der Societe Geologique de France 1865 und Mitglied mehrerer
Wissenschaftlicher Gesellschaften; er veröffentlichte wertvolle
geologische Arbeiten namentlich über das Gebiet der Loire, sowie
ein Traite de metallurgie, an dessen Vollendung ihn jedoch
der Tod, der ihn am 26. März 1883 in Beaucaire ereilte, verhinderte;
Ritter der Ehrenlegion seit 1852 und später Commandeur derselben.
Emmanuel-Louis (1809 - 1883) aus Worblaufen wurde Professor für
Metallurgie in Paris und Generalinspekor der franz. Bergwerke. Er
begründete den in Frankreich ansässigen, in Bern noch verburgerten
Zweig der Familie, dem auch der Medizinprofessor und Genealoge
Jean Emmanuel (geb. 1909) angehört. Paul war Professor für theoretische
Physik in Bern, Erich Prof. für Politikwissenschaft an derselben
Universität. Die Familie umfasst auch Künstler und Kunsthandwerker,
so den Porträtmaler Johann (1711 - 1770, Sohn des Dekans in Burgdorf),
den Graveur Jakob Friedrich Samuel (1803 - 1888) und die
Malerin Ida (1867 - 1949).

Von Grundbesitz der Familie sind ausser den schon erwähnten
Gütern Märchligen 1724 - 1765 und der Herrschaft Corcelles-
sur-Chavornay 1723 - 17.. namentlich noch die beiden Papiermühlen
zu Worblaufen 1743 - 1868 zu nennen, wo der jüngste Ast
teilweise als bernisches Erblehen über 100 Jahre lang eine
Papierfabrik betrieb, die 1863 in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt wurde; ausserdem besass dieser Ast noch verschiedene
Landgüter zu Worblaufen, so das Fischraingut 1743 - 1876, den
Sandhof 1804 - 1904, den Lindenhof (Altikofen) 1804 - 18..
und während einigen Jahren (1899 - 1901) den Seidenberg bei
Muri. Heutiger Grundbesitz: städtische Grundstücke, ein
Landgut zu Bossey bei Genf und eine Villa zu Cliqueboeuf in der
Normandie.

Das ursprüngliche Wappen der Familie war nach einem
Petschaft des Pfarrers Johannes zu Seengen auf einem Briefe
vom 15. April 1541 (Staatsarchiv Zürich) eine Rose. Heutiges
Wappen: In von rot und silber schräglinks gespaltenem Schild,
auf grünem Dreiberg eine gestengelte grünbeblätterte weiss-rote
Rose mit verwechselten Tinkturen, begleitet in der roten Hälfte
des Schildes von einem silbernen, in der silbernen von einem
roten sechsstrahligen Stern. Helmzier eine wachsende rot
bekleidete Jungfrau, in der rechten Hand eine rote, in der
linken eine weisse Rose haltend.

Literatur: Bernertaschenbuch von 1853; Sammlung bernischer
Biographien, herausgegeben vom historischen Verein des Kantons
Bern; Sterchi «Kurze Biographien hervorragender schweizerischer
Naturforscher», Bern 1881, Huber & Co., pag. 85 ff.; Discours
prononces aux funerailles de M. L. Gruner, Inspecteur general
desMines en retraite etc., Paris 1883, Dunod editeur; M.Gruner,
Emanuel Louis, (Societe de l`industrie minerale) St. Etienne,
Theolier & Cie. 1883.
(Info: SGB) 
GRUNER, STAMMLINIE (I41447)
 
2936 Geschichtliches.
I. Vor Eintritt in das bernische Burgerrecht.
Die Familie v. Muralt zu Bern, eines Stammes mit der
Zürcherfamilie dieses Namens, gehörte mit den Orelli und
Magoria zu den sog. Capitaneen von Locarno. Die Geschichte
derselben wird gegenwärtig im Auftrag der Familie von Herrn
Dr. Karl Meyer in Luzern in urkundlicher Weise zusammengestellt
und deshalb hier nur auf die bisher darüber erschienene
Literatur verwiesen.

Als infolge des auf der Tagsatzung zu Baden im November
1554 zwischen den protestantischen und katholischen Orten
abgeschlossenen Vergleiches die Protestanten von Locarno ihre
Heimat verlassen mussten, zogen im Frühjahr 1555 auch
verschiedene Angehörige der Familie v. Muralt nach Zürich, an
ihrer Spitze Martinus Muraltus («nobilis dominus Martinus
Muraltus, legum doctor»). Mit seiner Gemahlin Lucia Orella
und einem Sohne und vier Töchtern traf er am 12. Mai 1555
Zürich ein, setzte sich daselbst fest, kaufte das Haus zum
Mohrenkopf am Neumarkt und starb um 1567. Zugleich mit
ihm waren seine zwei Vettern Giovanni und Giovanni
Antonio Muralto von Locarno ausgewandert; Giovanni,
ein vortrefflicher Wundarzt, erhielt am 14. Januar 1566 mit
seinen zwei Söhnen Johann Jakob und Franciscus für seine
namentlich im Pestjahr 1564 geleisteten Dienste das zürcher
Bürgerrecht. Von ihm stammt die Zürcherlinie ab.

Von den Töchtern des Doktors Martin M. heirateten
Magdalena 1578 Junker Johann Anton Pestalutz aus
Chiavenna, Bürger zu Zürich seit 1567, und wurde die
Stammmutter der Pestalozzi zu Zürich. Isabella vermählte sich
mit dein ebenfalls aus Locarno ausgewanderten Sammtfabrikanten
Cornelius Toma: ihre Tochter Elisabeth Toma wurde 1606 die
Frau Johannes v. Muralts, des Enkels des gleichnamigen
Erwerbers des zürcher Bürgerrechts, und durch ihn die
gemeinsame Ahnfrau aller noch blühenden Zweige der Muralt
von Zürich, Virginia endlich, eine dritte Tochter, Gemahlin
des Kaufherrn Melchior Orell, wurde die Stammmutter der
heutigen Orelli.

Literatur: Die Capitaneen oder Cattanneen von Locarno
und deren vom Schlosse Muralto benannte Nachkommen, Zürich
1855; Codex diplomaticus capitaneorum Locarnensium de
Muralto, de Orelli et de Magoria, Berolini 1856 ; Dr. C. Keller-
Escher «Die Einbürgerung der Familie von Muralt in Zürich
und die Frage ihrer Regimentsfähigkeit» (Schweizer Archiv für
Heraldik 1911, pag. 9) ; ferner Leu, Schweizer-Lexikon XIII,
pag» 450, Suppl. dazu IV, pag. 280.

II, Nach Eintritt in das bernische Burgerrecht.
Erwerber desselben ist Hans Ludwig, geb. 1548, einziger
Sohn des vorgenannten Martinus und der Lucia Orella.
kam 1567 zur Erlernung der Wundarznei nach Bern und verlobte
sich daselbst mit Maria v. Mülinen, einer Tochter des
nachmaligen Schultheissen Beat Ludwig v. Mülinens, welche bei
ihrem Oheim Anton Tillier erkrankt und ihm zur Pflege
anvertraut war. Trotz des anfänglichen Widerstandes ihrer Eltern
heiratete er sie am 29. September 1567 zu Köniz. Mit seiner
jungen Frau zog er bald darauf wieder nach Zürich, kehrte aber
schon 1570 mit ihr nach Bern zurück, wo er am 30. März dieses
Jahres zu einem Burger und Hintersassen angenommen wurde
«mit Gedingen, dass er sich mit Gwehr und Harnist, ouch einer
Stuben (Zunft), wie sich gepurt, versehen solle.» (Ratsmanual
377, pag. 311). Nebst mehreren Töchtern, zeugte er einen Sohn
ebenfalls Hans Ludwig genannt, geb. 1573, welcher 1594
den Grossen Rat gelangte und jung 1604, zwei Jahre vor seinem
Vater verstarb. Von seiner Gemahlin Anna v. Weingarten
verh. 1593, hinterliess derselbe mehrere Kinder, worunter einen
Sohn Jost 1601 - 1676, des Grossen Rates 1638, Landvogt nach
Gottstadt 1644, nach St.Johannsen 1655 und Kornherr 1666
vermählt 1631 mit Anna Schweizereisen, welcher die Familie
fortführte.

Entgegen ihren Zürcherverwandten liess diese bernische Linie
des Geschlechts den von ihrem Stammvater ausgeübten Arztberuf
gänzlich fallen und widmete sich vorzugsweise dem
Kriegsdienst und der Magistratur. Seit Ende des XVI. Jahrhunderts
sass sie bis 1798 ununterbrochen im Grossen, und von 1684
an ebenfalls beinahe fortwährend im Kleinen Rate der Republik.

Besondere Erwähnung verdienen: Johann Bernhard 1634 - 1710,
des Grossen Rates 1664, Hofmeister zu Königsfelden
1674 - 1860, als erster seiner Familie Mitglied nach Kleinen
Rates 1684, Teutschseckelmeister 1693, Venner zu Gerwern
1709, Freiherr zu Belp und Besitzer des Rothauses, ein sehr
gebildeter und tätiger Staatsmann, der zu vielen Gesandtschaften
verwendet wurde. Franz Ludwig 1638 - 1684, des vorigen
Bruder, diente zuerst als Hauptmann im Regiment Weiss der
Republik Venedig, focht hernach als Oberstleutnant in
französischen Diensten bei Nimwegen 1672, Maastricht 1673,
Senef 1674 und in Katalonien, wo er bei Puycerda verwundet
wurde und infolgedessen den Abschied nehmen musste, nachdem
er 1677 zum Brigadier ernannt worden war. Beat Ludwig
1665 - 1749, des vorigen Sohn, musste sich wegen Neigung zum
Pietismus nach Colombier im damaligen Fürstentum Neuenburg
zurückziehen, wo er sein bekanntes Buch «Lettres sur les
Anglais et sur les Francais» schrieb, welches verschiedene
Auflagen erlebte (die erste erschien 1725) und auch in neuerer
Zeit (1897) wieder herausgegeben wurde. Johann Bernhard
1709 - 1780, des Grossen Rates 1745, Grossweibel 1754,
Schaltheiss nach Thun 1760, des Kleinen Rates 1766, Venner
Zu Gerwern 1774 und Teutschseckelmeister 1777. Wilhelm
Bernhard, 1737 - 1796, Major in Frankreich und Ritter des
Verdienstordens 1772, des Grossen Rates 1775, Oberstleutnant
der Miliz 1782, des Kleinen Rates 178. und Welschseckelmeister
1789, Oberkommandant der Waadt 1790 - 1792. Abraham
Rudolf 1783-1859, diente zuerst in England, dann in Holland
seit 1814, Platzkommandant von Groningen 1834, von Utrecht
1837, Generalmajor 1838, Militärkommandant von Nordbrabant
1840. Bernhard Ludwig 1776 - 1853, nahm 1813 - 1814 an
vielen diplomatischen Missionen teil, Stadtseckelmeister 1826,
Ludwig Bernhard Karl 1795 - 1854, zuerst Hauptmann in
Holland, hernach in Neapel, daselbst Oberst 1848, Brigadier
1849, in welcher Eigenschaft er am Feldzug von 1849 in Sizilien
rühmlichst teilnahm, Ritter des neapolitanischen Ordens von
St.Ferdinand und Kommandant des Ordens von St. Georges de la
Reunion, Grosskreuz von St. Wladimir von Russland. Auch im
XIX. und XX. Jahrhundert waren die beiden Familienzweige in Politik und Wissenschaft
vertreten. Aus neuester Zeit ist endlich zu nennen Alexander
Ludwig Amadeus 1829 - 1909, Ingenieur und Burgerratspräsident
1890 - 1909.

Von Grundbesitz ist namentlich anzuführen im Kanton Bern
die Freiherrschaft Belp 1700 - 1720, Schloss und Herrschaft
Thunstetten 1769 - 89, der Landsitz Rothaus bei Bolligen
168G - 1710; im Waadtland Montcherand und Güter zu Valeyres
sous Rances und ein Gut zu Colombier im Neuenburgischen im
XVIII. Jahrhundert. Gegenwärtig besitzt die Familie ausser
städtischen Grundstücken das Multengut bei Muri, Springenhaus
auf dem Belpberg, in der Waadt seit längerer Zeit das Schloss
Chardonne ob Vivis und ein Gut zu Genollier, im Kanton
Freiburg das Gut Mueses bei Posieux und in den Niederlanden
die Herrschaft Vlijmen (Provinz Nordbrabant).

Allianzen schloss das Geschlecht in Bern u.a. noch mit den
V. Bonstetten, Brüggler, v. Diesbach, v. Erlach, Ernst,
V. Goumoens, v. Graffenried, Kirchberger, Manuel,
May, Morlot, v. Mülinen, Müller (mit den Säulen im
Wappen), Müller (mit dem Pfeil und halben Rad im Wappen),
Rosselet, Sinner, Steiger (weiss), Stettler, Stürler,
v. Tavel, Thormann, Tillier, Tscharner, v. Wattenwyl,
Weiss, v. Werdt und Willading, ferner mit den Familien
Reding von Schwyz, Rahn von Zürich, Favre von Genf und
de Loriol aus der Waadt.

Das Wappen ist in silber ein rotes Burgtor mit zwei
Zinnentürmen, begleitet von vier (1, 2, 1) Lilien. Diese
letzteren waren früher golden, - sie sind es noch heutzutage
im Wappen der Zürcher- und Locarnerlinie, - seit Ende des
XVII. Jahrhunderts werden sie aber in Bern in roter Farbe
geführt. Helmzier: das rote Burgtor oder eine wachsende rot
und weiss gekleidete Jungfrau, mit grossem schwarzem Hut oder
mit einer goldenen, mitraförmigen Kopfbedeckung, in der
rechten Hand das Burgtor, in der linken eine silberne Lanze
und einen Schid haltend, .auf welchem über einem nach links
aufsteigenden silbernen Felsen in rot eine goldene Sonne
hervorbricht (Anspielung auf die behauptete sagenhafte
Abstammung von einem Grafen von Clermont).

Der Junkerntitel wurde der Familie schon bei ihrem ersten
Erscheinen in Bern zugesprochen, und 1651 erhielt sie als
«edelmässiges Geschlecht» die Titulatur «edelvest»,

Zunftangehörigkeit: Obergerwern.

Literatur: Leu, Schweizer-Lexikon XIII, pa. 450, Suppl.
dazu IV, pag. 280; Bernertaschenbuch von 1853; R. de Steiger
«Les generaux bernois», Bern 1864; Sammlung bernischer
Biographien, Bd. I, pag. 387, 394, Bd. II, pag. 1, Bd. III, pag.
157 und Bd. IV, pag. 037 ; «Beat Ludwig Muralt», Neujahrsblatt
der bernischen.Literar. Gesellschaft 1895, von Dr. Otto von Greyerz.
(Info: SGB) 
VON MURALT, Stammlinie (I22904)
 
2937 Geschichtliches.
Vor dem Eintritt in das bernische Bürgerrecht.
Burger der Stadt Biel. Der Ursprung der Familie lässt sich
nicht genau feststellen, möglicherweise ist er auf eine Ortschaft
Wittenbach zurückzuführen, deren es aber im Kanton Bern und
auch bei Freiburg mehrere gibt. Schon in einem Rodel über eine
in der Stadt Biel erhobene Kriegssteuer von 1363 erscheint ein
«dictus Wittenbach sutor» als mit 2 ₣ besteuert. Im
XIV. und XV. Jahrhundert erscheinen vermutlich aus dem
Emmental stammende Träger des Namens «von Wittenbach» in
Bern, die aber mit der heutigen Familie dieses Namens in
keinerlei Zusammenhang stehen. Als Stammvater der letzteren
ist Bertschi Wyttenbach anzusehen, der am Ende des
XIV. und Anfang des XV. Jahrhunderts zu Biel lebte und mit
Elisabeth, der Tochter des Egkli Colon oder Colin von Bargen
vermählt war. Dessen Sohn Steffan Witembach von Biel
erscheint am Freitag vor Elisabethentag 1479 vor dem bernischen
Rat wegen eines Streites bezüglich des Zehntens zu Schmitten
und hinterliess von seiner Frau Belin Schilt nebst einer
verstorbenen Tochter Margaritha zwei Söhne Clewi und
Ulmann, welche als die Stammväter der beiden, nach ihrem
Wappen «schräge» und «gerade» Wyttenbach genannten
Linien der Familie anzusehen sind.

Über Clewi, den Stammvater der schrägen Wyttenbach ist
wenig bekannt. Laut Jahrzeitbuch der Kirche von
Biel war er mit Verena Maillet oder Mailler verheiratet,
von welcher er zwei Söhne, Peter und Steffan, hatte. Peter
war 1470 Anführer des bielerischen Hülfsvolkes bei Murten
(Tillier II, pag. 291) und 1485 des Rats zu Biel. 1490 wurde
er daselbst Venner und 1493 - 1494 Statthalter am Meyeramt;
im Schwabenkrieg führte er als Hauptmann eine Fahne von 150
Auszügern zu der Eidgenössischen Armee nach Konstanz. Von
1509 - 1510 bekleidete er zu Biel das Meyeramt, 1518 verstarb
er, von zweien Frauen, einer Christina ... und einer Anna
Rüggerecks, keine Kinder hinterlassend. Sein Bruder
Steffan, welcher sich der Tradition nach in seiner Jugend am
savoyischen Hofe aufgehalten haben soll, erhielt am 24. Januar
1511 zu Freiburg im Breisgau von Kaiser Maximilian einen
Wappenbrief, nach welchem er und seine Nachkommen drei
schräge silberne Bäche in rotem Schilde führten. Im gleichen
Jahre wurde er vom Rat von Biel zum Hauptmann über den
Auszug nach Italien ernannt, ein Amt, das er aber nicht
annahm. Bald darauf zog er auch von Biel fort nach Freiburg
im Uechtland, wo er am Donnerstag vor Nicolai des nämlichen
Jahres mit seinem Sohne Niklaus zum Bürger angenommen
wurde und sich dauernd festsetzte. 1522 lebte er noch, scheint
aber bald darauf gestorben zu sein. Nach seinem Tode kam
seine Witwe Gabrielina Carelli, mit der er sich 1491
vermählt hatte, mit ihrem Sohne Niklaus wieder nach Biel, wo
sie noch 1541 als lebend erscheint. Dieser Niklaus kam 1523
in den Rat, war im gleichen Jahr Venner bis 1525, Gesandter
an die Tagsatzung 1525, wiederum Venner 1540 und ein eifriger
Förderer der Reformation in Biel. Am 18. November 1518
wurde er in Bern zum Burger und 1549 daselbst zum roten
Löwen angenommen; 1560 gelangte er in seiner neuen Heimat
in den Grossen Rat und testierte, sehr reich, am 28. August
1564. Zweimal verheiratet, zuerst 1515 mit Anna May von
Bern und nachmals mit Adelheid Jenli von Freiburg,
hinterliess er von seiner ersten Frau 3 Söhne und mehrere
Töchter, von denen Ursula Jean Merveilleux und Margaretha
Samuel Merveilleux von Neuenburg, Maria aber Sulpitius
Brüggler von Bern, Vogt nach Ripaille 1560, heirateten
Der altere seiner Söhne, Samuel, geb. 1515, verblieb in Biel,
diente in seiner Jugend in Frankreich, gelangte 1549 zu Biel
in den Rat und 1557 zur Würde eines Burgermeisters, welches
Amt er bis 1586 bekleidete; 1587 starb er. Von seinen zwei
Frauen Küngold v. Schönau und Barbara Hirsinger, des
bernischen Venners Jakob Thormanns Witwe, hatte er
mehrere, in die Familien Archer, v. Ligerz und v. Luternau
verheiratete Töchter, sowie zwei Söhne, Niklaus und
Peter, von denen der erstere der nähere Stammvater aller
späteren schrägen Wyttenbach zu Biel, der letztere aber
derjenige der noch lebenden schrägen Wyttenbach zu Bern ist.
Samuels Brüder, Josua und Steffan, blieben in Bern, ihre
Deszendenz erlosch aber schon mit ihren Söhnen (s.u.)

Des letztgenannten Niklaus, (geb. 1550, Ratsherr zu Biel
1593, gest. 1604, vermählt mit Salome Thormann von Bern)
Nachkommenschaft, die in Biel verblieb, erlosch daselbst mit
seinem Urenkel Niklaus, geb. 1670, Hauptmann in Frankreich,
Stadthauptmann und Ratsherr, welcher 1710 starb, ohne von
seiner Frau M. Katharina Hugi Kinder zu hinterlassen;
seine jüngste Schwester Katharina Margaretha überlebte
ihn und starb ledig erst 1767 als allerletzte dieser Linie
zu Biel. Mehrere ihrer Mitglieder traten in französische und
venezianische Dienste; Niklaus, 1596 - 1680, des obigen Sohn,
bekleidete von 1636 an bis zu seinem Tode die Würde eines
Burgermeisters von Biel.

Näherer Stammvater der sogenannten «geraden» Wyttenbach
zu Biel und nachmals zu Bern ist der schon eingangs genannte
Ulmann. Wenn auch kein bestimmter Beweis vorhanden ist,
dass er ein Sohn Steffan Wittenbachs und der Belin
Schilt war, so kann dies aus mehreren Gründen doch als
ziemlich sicher angenommen werden; z.B. wird seinem Sohne
Bendicht am 5. März 1529 nach Einführung der Reformation
Das Jahrzeit der schon früher genannten Margaretha
Wyttenbach, Steffans Tochter, und am 25. September 1638
zusammen mit dem auch schon besprochenen Niklaus Wyttenbach
(von der schrägen Linie) das Jahrzeit obigen Steffan
Wyttenbachs zugesprochen - ein Umstand, der sehr für diese
Filiation spricht. Ulmann erscheint 1483 als Ratsherr und
noch 1511 als Altrat zu Biel; von zweien Frauen, einer
Dorothea einer Elisabeth, hatte er mehrere Kinder, worunter
einen Sohn Bendicht. Derselbe focht 1518 bei Novarra,
gelangte 1519 in den Rat, wurde 1538 Venner und starb 1549
mit Hinterlassung mehrerer Söhne und Töchter von seiner
Gemahlin Magdalena Stölli von Solothurn. Die eine seiner
Töchter, Rosina, wurde 1545 die zweite Frau des bekannten
bernischen Schultheissen Hans Franz Nägeli und Mutter der an
drei bernische Schultheissen verheirateten Magdalena Nägeli.
Christoph, der älteste Sohn, kam 1551 in den Rat und gelangte
1556 zur Meyerwürde, die er bis an seinen 1593 erfolgten Tod
bekleidete. Von seiner Frau Anna Peyer im Hof aus Schaffhausen
hinterliess er Deszendenz, die indessen schon mit seinem Enkel
Bendicht, geb. 1590, Ratsherr 1616 und Seckelmeister zu
Biel, erlosch, welcher 1621 als letzter «gerader»
Wyttenbach zu Biel verstarb, ohne von seiner Gattin Küngold
Wyttenbach (von der schrägen Linie) Kinder gehabt zu haben.
Jakob, ein jüngerer Bruder des Meyers Christoph, vermählt
1555 mit Dorothea Peyer im Hof (der Schwester seiner
Schwägerin), wurde dagegen durch seinen Sohn Bendicht
Stammvater der noch jetzt blühenden «geraden» Wyttenbach
zu Bern. Bendicht zog 1583 als Kompanieschreiber in
Christoph v. Luternau's (des Meyers Christoph Wyttenbachs
Tochtermann) halben Kompanie nach Frankreich und sollte nach
seiner Rückkehr in Biel Kirchenbusse tun, da er der Liga
gedient hatte, verweigerte sie aber, infolgedessen ihm die
Trauung mit seiner Verlobten Anna Des Bois aus dem Erguel in
Biel abgeschlagen wurde. Sein Oheim, der Meyer Christoph,
setzte aber am 13. Juni 1586 die Trauung in der Kirche zu
Pieterlen durch; später versöhnte sich Bendicht indessen wieder
mit der Kirche zu Biel. Nebst mehreren jungverstorbenen Kindern
hinterliess er eine 1608 mit Benoit Chambrier von Neuenburg
vermählte Tochter Dorothea und einen 1595 geborenen
Sohn Hans Konrad, welcher nach Bern zog und 1623 daselbst
zum Burger angenommen wurde (s.u.).

Sowohl die «schrägen» als auch die «geraden» Wyttenbach
führten während des ganzen XVI. Jahrhunderts zu Biel
und zu Bern häufig den Junkerntitel.

Das Wappen der «schrägen» Wyttenbach ist das schon angeführte
durch Diplom von 1511 dem Ratsherrn Steffan verliehene; die
Helmzier ein roter Halbflug mit Wiederholung der Schildfigur.

Die «geraden» Wyttenbach führten dagegen 3 waagrechte
silberne Bäche im roten Schild mit entsprechender Helmzier;
hin und wieder finden sich aber bei beiden Linien auf
Wappenabbildungen die 3 Bäche zu einem einzigen breiten schrägen
oder waagrechten Bache vereinigt.

Das bekannteste Mitglied der Familie aus dieser Periode
ist der Reformator Thomas Wyttenbach, 1472 - 1526, dessen
Verwandtschaftsverhältnis (obgleich ein solches durchaus
erwiesen ist) zu den übrigen Trägern des Namens
merkwürdigerweise heutzutage nicht mehr genau bestimmt
werden kann. Nachdem er als Lehrer Zwinglis und Leo Judä's in
seiner Eigenschaft als Professor an der Universität Basel
gewirkt hatte, wurde er 1507 zum Leutpriester von Biel ernannt,
in welcher Stellung er durch sein tatkräftiges und
entschiedenes Auftreten dem Einzug der neuen Lehre in seiner
Vaterstadt den Weg bahnte. Sowohl der Namen seiner 1524
geehelichten Frau (Glando Klenk?) als diejenigen seiner Kinder
sind ebenfalls nicht sicher festzustellen.

Literatur: Scheurer, Bernerisches Mausoleum, Bern 1740;
Berner Taschenbuch 1853, pag. 161 ff und 314 ff.


1. Wyttenbach (die schrägen).
Eintritt in das bernische Burgerrecht 1548.
Grosser Rat 1560 resp. 1599

Geschichtliches.
Nach Eintritt in das bernische Burgerrecht.
Erster Erwerber desselben ist, wie schon erwähnt, Niklaus,
der am 13. November 1548 in Bern zum Burger angenommen
wurde. Währendem sein älterer Sohn Samuel wieder nach Biel
zog, verblieben seine zwei andern Söhne Josua und Steffan in
ihrer neuen Heimat. Josua, angenommen zum roten Löwen
1551, gelangte zugleich mit seinem Vater 1560 in den Grossen
Rat und wurde 1562 Landvogt nach Yferten und 1680 Schultheiss
nach Murten. Ein hitziger und leidenschaftlicher Mann;
geriet er indessen mit der bernischen Obrigkeit in Zerwürfnis,
die ihn schliesslich 1595 seiner Ämter entsetzte und
lebenslänglich aus der Stadt verbannte, nachdem er sich schon
1594 wiederum in Biel zum Burger hatte aufnehmen lassen. Er
starb am 4. Januar 1596 zu Mörigen, nachdem ihm alle seine mit
seiner ersten Frau Magdalena v. Luternau erzeugten Kinder
ins Grab vorangegangen waren. (Eine Tochter Anna hatte sich
1570 mit Beat Ludwig v. Mülinen, dem Sohne des gleichnamigen
Schultheissen von Bern, und ein Sohn Augustin, geb. 1553,
gestorben 1577 an der Pest, 1576 mit dessen Schwester
Johanna v. Mülinen vermählt.) Steffan kam 1572 in den
Grossen Rat und wurde 1578 ebenfalls Landvogt nach Yferten
und starb 1590; sein mit Antonia Peyer von Flach erzeugter
Sohn David, geb. um 1568, des Grossen Rates 1591,
Iseler 1592, Sechzehner 1596, starb in letzterem Jahre, von
seiner 1589 geheirateten Gemahlin Elisabeth v. Mülinen -
auch einer Tochter des Schultheissen Beat Ludwigs - nur
Töchter hinterlassend.

Peter, der jüngere Sohn des obgenannten Samuel, zog ebenfalls
wie Benedicht Wyttenbach (von der «geraden» Linie) in
Christoph v. Luternau's halben Kompanie als Fähnrich nach
Frankreich, verweigerte bei seiner Rückkehr in Biel ebenfalls
die ihm auferlegte Kirchenbusse, worauf sein Vater, der
Burgermeister Samuel am 27. Januar 1586 seines Sohnes
Burgerrecht zu Biel vor Rat und Burgern aufgab. Seines
Berufes ein Goldschmied, zog Peter nach Bern, wo er von seinem
Grossvater Niklaus her schon das Burgerrecht besass, und
verheiratete sich daselbst 1588 mit Eva Megger, des nachmaligen
Seckelmeisters Ulrich Megger Tochter. Er gelangte 1599 in den
Grossen Rat, wurde 1606 Zöllner im Kaufhaus und 1608 Landvogt
nach Oron, wo er aber im nämlichen Jahr starb. Die Deszendenz
seiner ältern Söhne Ulrich (1591 - 1662, des Grossen Rates
1619, Kastlan zu Zweisimmen 1629, Böspfenniger 1640 und
Teutschweinschenk 1645) und Samuel (1593 - 1668, des Grossen
Rates 1621, Ohmgeldner auf dem Land 1625, Obervogt zu Aarburg
1627, Kornherr 1647 und Welschweinschenk 1653) erlosch
schon in der folgenden Generation; sein vierter Sohn Steffan,
geb. 1598, gest. 1662, des Grossen Rates 1627, Rathausammann
1628 und Landvogt nach Trachselwald 1631, vermählt 1621 mit
Ursula Knecht, pflanzte den Stamm fort. Mit den Söhnen
seines Enkels Hans Rudolf, 1651 - 1687, Schulmeister zu
Aarau 1679 und Pfarrer zu Adelboden 1686, vermählt 1679 mit
Barbara Müsli, teilte sich diese Linie der Familie in zwei
Äste: Hans Rudolfs älterer Sohn Hans Jakob, 1681 - 1759,
Pfarrer zu Langnau 1711, zu Wohlen 1788 und Dekan der Klass
Büren 1742, ist durch seinen einzigen, mit seiner dritten
Gemahlin Salome Fellenberg erzeugten Sohn Steffan Friedrich
(1721 - 1785, Major in Holland 1779) der Begründer des
noch lebenden, auf Mittellöwen zünftigen älteren Astes; sein
jüngerer Sohn Abraham, 1686 - 1747, ein Tischmacher, vermählt
1715 mit Maria Magdalena Erhard, ist Begründer des jüngeren,
auf Zimmerleuten zünftigen und 1877 mit dem Ingenieur
Friedrich Eduard erloschenen Astes.

Viel weniger zahlreich als die «geraden» Wyttenbach, gelangte
diese Linie in Bern nie in den Kleinen Rat; im Grossen
Rat sassen ihre Angehörigen noch im XVII. Jahrhundert
ununterbrochen, im XVIII. dagegen nur noch vereinzelt. Viele
ergriffen den geistlichen Stand und den Schuldienst oder
betrieben, namentlich im XVIII. Jahrhundert, Gewerbe. Mehrere
traten im XVII. Jahrhundert als Offiziere in französische Dienste,
Burkhard, 1649 - 1713, trat zuerst in das Regiment Alsace,
wurde als Hauptmann im Regiment v. Erlach 1678 bei Puycerda
in Katalonien verwundet und quittierte den Dienst 1690
als Oberstleutnant; im XVIII. Jahrhundert finden sich mehrere
in holländischen Diensten. Besonders hervorzuheben ist Jakob
Samuel (vom jüngeren erloschenen Ast) 1748 - 1830,
Spitalprediger 1775, Pfarrer am heiligen Geist 1783, Mitglied
des Oberehegerichts 1803, des Bergrates 1803, der Curatel 1813
und des Schul- und Kirchenrates 1816, Stifter der bernischen
Bibelgesellschaft und der bernischen naturforschenden
Gesellschaft; ein Freund des alternden Albrecht v. Haller, war
er einer der ersten, der das Verständnis und die Liebe für die
Schönheiten der Alpen zu wecken wusste. Zusammen mit dem
Buchdrucker Wagner machte er sich an die Herausgabe eines
freilich nie vollendeten Werkes über die Alpen, dessen erster
Teil 1776 zu Bern unter dem Titel «Merkwürdige Prospekte
aus den Schweizer Gebirgen und derselben Beschreibung»
erschien; daneben ist er auch der Verfasser zahlreicher anderer
Schriften, meist geologischen und geographischen Inhaltes über
die Alpen und die Schweiz überhaupt: «Bernerisches Magazin
der Natur, Kunst und Wissenschaften», Bern 1775 - 79; «Kurze
Anleitung für diejenigen, welche eine Reise durch einen Teil
der merkwürdigsten Alpgegenden des Lauterbrunnentals,
Grindelwald, und über Meiringen auf Bern zurück, machen wollen»,
Bern 1777; «Gelehrte Nachrichten aus Welschland, die Künste und
Wissenschaften, vorzüglich die Physik und Naturhistorie
betreffend», Basel 1783 etc. Auch schrieb er eine Vorrede und
zahlreiche Noten zum 1795 und 1813 herausgegebenen Pflanzenwerk
des grossen Hallers «Icones plantarum Helvetiae».

Allianzen schlössen die «schrägen» Wyttenbach u.a. noch
mit den Archer, v. Büren, v. Diesbach, Ernst, Fischer,
Freudenreich, v. Graffenried, Güder, Kirchberger, v. Ligerz,
v. Luternau, v. Mülinen, v. Praroman, Stürler, Tschiffeli,
v. Werdt, Willading, Wurstemberger und v. Offenburg und
von Speyr aus Basel.

Den Junkerntitel liessen sie schon anfangs des XVII.
Jahrhunderts fallen, dagegen wurde ihnen gegen Ende desselben
im amtlichen Titularstil das Prädikat «vest» zugesprochen, wohl
infolge des ihrem Vorfahren erteilten kaiserlichen Wappenbriefes.
Das Adelsprädikat «von» führt die Familie gestüzt auf den
Grossratsbeschluss 1783.

Literatur: Berner Taschenbücher von 1853 und 1853
«Jakob Samuel Wyttenbach» von Rudolf Wolf, in zwei Abteilungen,
ferner 1853 pag. 316; vergl. auch Leu, Schweizer. Lexikon und
Supplement von Holzhalb.



2. Wyttenbach (die geraden).
Eintritt in das bernische Burgerrecht 1623,
Grosser Rat 1629.
Kleiner Rat 1708.

Geschichtliches.
Nach Eintritt in das bernische Burgerrecht
Erwerber desselben ist der schon angeführte Haus Konrad,
der laut dem an den «vesten, achtbaren Hans Kunradt Wyttenbach»
ausgestellten, noch erhaltenen Burgerbriefe am 13. Februar
1623 zugleich mit seinem schon 1619 in Bern getauften Sohne
Daniel zum Burger dieser Stadt angenommen wurde, gegen
Erlag von 120 Kronen Einzugsgeld. In seiner Jugend war er
in venezianischen Kriegsdiensten gewesen, scheint in der Folge
in Biel kaiserlicher Notarius publicus geworden zu sein und
sich schliesslich als Apotheker in Biel niedergelassen zu haben.
Er wird noch mehreremale als «Junker» bezeichnet, ein Titel
welchen freilich seine Nachkommen nicht mehr führten. In
Bern trat er in die Gesellschaft zu Schmieden ein und gelangte
1629 als erster seiner Linie in den Grossen Rat, in der Folge
wurde er 1612 Landvogt nach Erlach und 1657 Obervogt zu
Biberstein. Dreimal verheiratet, zuerst mit Anna Egg1i.
dann 1640 mit Maria Wähinger und endlich 1616 mit
Dorothea Haller, hinterliess er bei seinem 1665 erfolgten
Tode nebst mehreren Töchtern 4 Söhne, Daniel, Albrecht,
Hans Konrad und Jakob, welche alle zahlreiche Deszendenz
hatten. Daniel, 1619 - 1668, ein Apotheker, des Grossen Rates
1651 und Landvogt nach Gottstadt 1056 ist der Begründer des
noch blühenden, stets zahlreicheren älteren Astes der Familie ;
Albrecht, 1630 - 1673, ebenfalls ein Apotheker, des Grossen
Rates 1664, durch seine Frau Elisabeth König, verh. 1652,
Stifter eines erst 1823 erloschenen Astes. Hans Konrad,
1632 - 1706, Chorweibel 1690, hatte ebenfalls mehrere Kinder,
von denen aber keines das Geschlecht fortpflanzte, und Jakob
endlich, 1640 - 1669, ein Notar, Kanzleisubstitut und
Landschreiber nach Schenkenberg 1665, ist der Stifter des
jüngeren, erst 1905 im Mannesstamme erloschenen Astes.

In ihrer neuen Heimat widmeten sich viele Angehörige der
stets ziemlich zahlreichen Familie der Magistratur; seit
ihrem näheren Stammvater Hans Konrad sassen sie
ununterbrochen im Grossen Rate und zu dreienmalen auch im
Kleinen Rate der Republik. Der erste, welcher in den
Kleinen Rat gelangte war Samuel, 1650 - 1724 (ein Sohn des
Landvogts Daniel zu Gottstadt), Apotheker an der Kreuzgasse,
des Grossen Rates 1680, Bauherr von Burgern 1683,
Stiftschaffner zu Bern 1699, des Kleinen Rates 1708 und
Kirchmeyer vom Rat 1718. Auch zur Vennerwürde gelangte das
Geschlecht mit Daniel, 1742 - 1797, des Grossen Rates 1775,
Kommandant zu Aarburg 1785, des Kleinen Rates 1790 und
Venner zu Schmieden 1794. Sehr viele betrieben in Bern den
Apothekerberuf, nicht weniger als 4 Apotheken waren mehr oder
weniger gleichzeitig während des XVII. und XVIII. Jahrhunderts
im Besitz der Familie: Schon Hans Konrad erwarb die
Apotheke an der Kreuzgasse, die sich vom Vater auf den
Sohn bis auf seinen Urenkel Sigmund, 1702 - 1738, vererbte;
Daniel, 1671 - 1737, errichtete die Apotheke zu Rebleuten,
welche bis um 1818 in der Familie verblieb, Hans Rudolf,
geb. 1658 errichtete die eine Apotheke beim Zeitglocken, welche
sich bis auf seinen Enkel Hans Rudolf, 1733 - 1774, vererbte
und Gottlieb, 1692 - 1763, sowie sein gleichnamiger Sohn
(geb. 1728, gest. 1781) besassen die Apotheke zu Kaufleuten.
Ausserdem ergriffen eine grosse Anzahl den Pfarrdienst, mehrere
auch das Notariat, den ärztlichen Beruf und die Goldschmiederei;
einzelne betrieben auch Gewerbe. Im Ausland diente die Familie
namentlich in Holland und Frankreich und in neuerer Zeit mit
Auszeichnung in Neapel und Sizilien. Aber namentlich auf dem
Gebiet der Wissenschaften und der Theologie hat sie sich weit
über die Grenzen ihrer Heimat einen Namen gemacht durch Daniel,
1706 - 1779, in das Predigtamt erwählt 1732, Helfer am Heiligen
Geist 1740, Professor Theologiae elenchthicae vel polemicac s.
controversarium in Bern 1746, Rektor 1750 - 1753, als erster
Professor der Theologie an die Universität Marburg
berufen 1750, wo er nebstdem als Kirchenrat und
Inspektor der reformierten Kirchen in Hessen bis zu seinem
Tode wirkte, und durch seinen Sohn Daniel, 1746 - 1820,
der in Göttingen und Leyden studierte, 1771 zum Professor
der Philosophie und Philologie und später auch der Geschichte
am Kollegium der Remonstranten zu Amsterdam ernannt und 1799
als Professor der Philologie auf die Universität Leyden berufen
wurde; Ritter des Ordens de la Reunion, erlangte er als einer
der hervorragendsten Philologen seiner Zeit europäische
Berühmtheit, von seinen Schriften ist besonders die 1779
erschienene «Vita Ruhnkenii» (seines Lehrers in Leyden) bekannt.
Seine Nichte Johanna Gallien, gest. 1830 (Tochter seiner an
den Hanauischen Professor Gallien verheirateten Schwester
Susanna Katharina), die er 1817 als seine langjährige getreue
Pflegerin und gelehrte Gehülfin in seinem hohen Alter geheiratet
hatte, wurde als seine Witwe 1827 von der philosophischen
Fakultät zu Marburg anlässlich der dritten Säkularfeier dieser
Universität mit dem Doktorgrade der Philologie und dem
Titel eines «Magisters der freien Künste» beehrt.

Ausserdem verdienen noch besonderer Erwähnung: Albrecht,
1657 - 1738, studierte zu Marburg, 1686 zum Pfarrer
der Schweizergemeinde nach Potsdam berufen, wo er beinahe
20 Jahre wirkte, Pfarrer zu Wohlen (bei Bern) 1701 - 1738,
Dekan der Klass Büren 1725; Johannes, 1731 - 1798, Spitalprediger
1758, Pfarrer zu Büren 1761, Helfer am Münster 1766,
Pfarrer daselbst 1772 und Dekan der Klass Bern 1778; sein
Sohn Johannes, 1763 - 1811, Kanzleisubstitut 1785, des
Grossen Rates 1795, Unterschreiber 1798, gelangte zur Zeit
der Helvetik in den gesetzgebenden Rat und nach Einführung
der Mediation 1803 in den Grossen Rat und in den Kleinen
Stadtrat, Seckelschreiber und 1809 Kurator der Akademie, ein
wegen seiner Kenntnisse und Charaktereigenschaften allgemein
geschätzter Mann; Samuel, 1732 - 1808, Staatsschreiber 1786;
Friedrich Albrecht, 1777 - 1855, diente sukzessive als
Offizier in Sardienien, Frankreich und England, Platzmajor
von Bern 1803, Oberstleutnant, Platz- und Waffenkommandant
1805, Oberst 1818, Oberstkommandant des IV. Schweizer
Regiments in königl. sizilianischen Diensten 1829 - 1837,
1821 Ritter und 1829 Offizier der Ehrenlegion, Ritter des
St. Mauritius und Lazarusordens, und endlich sein Sohn Karl
Johann Albrecht, 1810 - 1896, diente 1826 als Leutnant
im 3. Schweizer Linienregiment in Frankreich, trat 1829 als
Oberleutnant in das von seinem Vater befehligte IV. Schweizer
Regiment in Königl. sizilianische Dienste, focht als
Grenadierhauptmann in Neapel am 15. Mai 1818 und in Messina
am 7. September des nämlichen Jahres, Oberstleutnant 1850,
Oberst 1852 und Brigadier 1859, mit welchem Grade er 1860 eine
neapolitanische Brigade bei Palermo kommandierte, quittierte
im gleichen Jahre als Ritter des neapolitanischen Ordens von
St. Georg de la Reunion und Franz I. und als Inhaber der
goldenen Medaille für den sizilianischen Feldzug von 1819.
Als fleissiger Siegelsammler und Kenner von Wappen verdient
auch noch des letzteren Bruder, Samuel Rudolf Friedrich,
V.D.M. und Pfarrer in Dürrenroth, 1811 - 1895, erwähnt
zu werden.

Allianzen schlossen die geraden Wyttenbach, sofern sie nicht
schon aufgeführt sind, u. a. mit den Archer, v. Diesbach,
Ernst, Fellenberg, Fischer, v. Graffenried, Haller, Herport,
Jenner, Kirchberger, v. Breiten-Landenberg, Lombach, Manuel,
Malacrida, v. Praroman, Rodt, Sinner, Steiger (die weissen),
Stettler, Stürler, Thormann, Tschiffeli, Wagner, Wild,
Wurstemberger, Wyss, Zeerleder, Zeender und Zehender.

Zunftangehörigkeit: Schmieden und Webern, auf welch
letztere Gesellschaft David Karl, 1739 - 1825, der Hutmacher,
übertrat und wo seine Deszendenz in der Folge verblieb.

Wappen: Das eingangs angeführte (3 waagrechte silberne
Bäche auf rotem Grunde).

Das Adelsprädikat «von» tragen der auf Webern zünftige
Zweig und andere Mitglieder der Familie gestützt auf den
Grossratsbeschluss von 1783.

Die Familie besitzt heutzutage mehrere städtische Grundstücke
und Villen bei Bern; in früherer Zeit gehörte der Landsitz
«im Winkel» bei Kirchdorf, 1751 - 1788 und nochmals
1803 - 1832, Angehörigen derselben.

Literatur: Berner Taschenbuch von 1853; Bernische Biographien,
herausgegeben vom Historischen Verein des Kantons Bern;
R. de Steiger «Les generaux bernois», Bern 1864; vergl.
auch Leu, Schweizer. Lexikon und Supplement von Holzhalb.

In Baden und Steiermark blüht heutzutage eine freiberrliche
Familie «v. Wyttenbach» oder «v. Wittenbach» (in den
Freiherrenstand erhoben 1675), die nach ihrer Familientradition
aus der Schweiz herstammen soll; irgendwelche Anknüpfungspunkte
mit der hier behandelten lassen sich aber nicht nachweisen,
auch führt diese Familie ein von der schweizerischen durchaus
verschiedenes Wappen (auf Silber sieben rote Berge).
(Info: SGB)

weiterführende Info: HLS Wiki  
WYTTENBACH, Stammlinie (I32864)
 
2938 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I55161)
 
2939 Geschwister von Magdalena Herzfelder

Rosy Hellmann, geboren 19.10.1895 München, verh. mit HNO-Prof. Dr. Karl H., emigrierte 1936 von Würzburg in die Türkei nach Istanbul, gestorben 14.04.1982 Haifa, Palästina
Dr. jur. Franz (Francois) Jakob Herzfelder, geboren 29.05.1901 München, emigrierte im Mai 1934 nach Nizza, gestorben 06.06.1999 Paris, Frankreich 
HERZFELDER, Franz Jacob (I55189)
 
2940 gest. auch: 8.12.1706 Quellen: 208(127), 220(218) GALLENKAMP, Sibylla (I44257)
 
2941 Getreu dem Schema der Sagaverfasser der Heimskringla, dass auf einen kriegerischen König ein friedlicher, auf einen friedlichen König ein kriegerischer folge, wird Magnus als besonders kriegerisch herausgestellt. Gleichwohl dürfte diese Darstellung auf ihn zutreffen. Es gibt keine sichere Erklärung für den Beinamen. Snorri gibt die Erklärung, er habe nach einem Feldzug nach Schottland die schottische Mode übernommen und sei mit nackten Beinen und mit Kilt gegangen. Diese Erklärung ist aber falsch, da der Kilt erst etwa 100 Jahre nach seinem Tod in Schottland zu finden ist. Wahrscheinlich ist die Übernahme des damals üblichen irischen Waffenrocks, der nicht tiefer als bis zum Knie reichte, während die norwegischen Waffenröcke in der Regel bis zu den Knöcheln reichten. Zu Lebzeiten hatte er den Beinamen Sryrjaldar-Magnus, was „Kriegs-Magnus“ bedeutet. (NORWEGEN), Magnus III. (I40876)
 
2942 Géza wurde im Jahr 985 gemeinsam mit seinem Sohn Vajk, der dabei den Namen Stephan erhielt, von Adalbert von Prag getauft. Während der Großfürst Géza trotz der Taufe im Grunde Heide blieb, erhielt Stephan eine christliche Erziehung. Diese wurde noch verstärkt durch die Heirat Stephans mit der zehnjährigen bayerischen Herzogstochter Gisela, der Schwester des späteren Kaisers Heinrich II. Zudem festigte die Hochzeit das Bündnis Ungarns mit den bayerischen Fürsten, die noch 991 einen Feldzug gegen die Ungarn geführt hatten, und besiegelte die Bindung der Ungarn an die Westkirche. Als Stephan 997 nach dem Tod seines Vaters Großfürst wurde, war er, auch dank des Einflusses von Adalbert von Prag, vermutlich überzeugter Christ. Am Anfang seiner Herrschaft musste er sich gegen seinen Onkel Koppány durchsetzen, der als Clanältester selbst den Anspruch auf den Fürstenstuhl erhob.  VON UNGARN, Stephan (I36242)
 
2943 GHS 3, 69-141, 412-416, (mit Stammtaf.)
J. Baumann, «Die Herren von Eptingen», in BHB 10, 1966, 98-126; 11, 1969, 167-184
D.A. Christ, Das Familienbuch der Herren von Eptingen, 1992
D.A. Christ, Zwischen Kooperation und Konkurrenz, 1998
D. Rippmann, «Gem. im Widerspruch: Soziale Unrast und Bauernunruhen», in Nah dran, weit weg. Gesch. des Kt. Basel-Landschaft 2, 2001, 197-223
Marcel Clémence: "Eptingen, von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 14.11.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019990/2005-11-14/, konsultiert am 11.11.2024. 
VON EPTINGEN, Margaretha (I345)
 
2944 Gibica ist der erste namentlich genannte, historisch jedoch nicht sicher belegte König der Burgunden. Er wird hypothetisch auf das Ende des 4. Jahrhunderts datiert. Die nachgewiesenen Burgundenkönige des 5. Jahrhunderts gelten als seine Nachkommen.

Sein Name wird in den Lex Burgundionum genannt, aber auch im Atlilied und (als Gjúki) in der Völsunga-Saga. Der im Waltharius auftretende Gibbich, König der Franci Nebulones, wird mit ihm gleichgesetzt, woraus die Verbindung zur Nibelungensage geknüpft wird. In der Nibelungensage wiederum, wo er Dankrat/Dankrad/Tankred genannt wird, gelten Gunnar/Gundahar/Gunther, Guttorm/Godomar/Gundomer und Giselher (Gislahar) als seine Söhne bzw. Nachkommen, die er gemeinsam mit seiner Gemahlin Ute hatte. Soweit skandinavische Sagen hinzugezogen werden, soll auch Högni (Hagen von Tronje) sein Sohn sein. 
VON BURGUND, Gibich (I22690)
 
2945 Gillhaußen (auch Gillhausen, Gilhausen, Gillhauzen o. ä.) ist der Name eines rheinländisch-preußischen Adelsgeschlechts.

Das Geschlecht war in der Gegend von Wesel ansässig.[1] Der königlich-preußische Major a. D. Friedrich Wilhelm Conrad von Gillhaußen (* 6. September 1768; † 30. Juni 1833) erhielt 1823 ein königlich-preußisches Anerkennungsdiplom des ihm zustehenden Adelsstandes. 1793 war derselbe Sekondeleutnant beim in Wesel stationierten Infanterieregiment No. 48 von Georg Boguslav von Koethen und 1806 Capitän beim Infanterieregiment „Kurfürst von Hessen“. Außerdem war er Ritter des Ordens Pour le Mérite, erworben 1793 im Gefecht bei Sembach, und Träger des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, erworben in der Schlacht bei Ligny. Mehrere Nachkommen waren ebenfalls in der preußischen Armee aktiv.[2][3][4] So zum Beispiel sein Sohn Moritz Wilhelm Ferdinand Karl von Gillhaußen (1807–1874) 1852 als Hauptmann im königlich-preußischen 16. Infanterie-Regiment.[5][6] Eine verwitwete Frau von Schell geb. Gillhaußen besaß 1857 Haus Rechen im Kreis Bochum.[7]


Spätklassizistisches Gutshaus in Esbach, Landkreis Coburg
Benno von Gillhaußen kaufte 1869 das Poppengut in Esbach, Landkreis Coburg. Zum Gut gehörte eine Ziegelei. Zwischen 1872 und 1875 baute Benno von Gillhaußen den Betrieb zu einem der ersten Industriebetriebe im Coburger Land aus und verkaufte 1882 die Ziegelei an das Unternehmen Berghold. Das Gut mit dem 1876 errichteten spätklassizistisches Gutshaus verkaufte Benno von Gillhaußen 1886 an den herzoglichen Kammerherrn Wolff von Werthern.

Persönlichkeiten
Guido von Gillhaußen (1870–1918), deutscher Kriegspoet, Komponist und preußischer Offizier
Moritz Wilhelm Ferdinand Karl von Gillhaußen (1807–1874), königlich preußischer Generalmajor
Wappen
Blasonierung: Der Schild quadriert. Felder 1 und 4 in Grün ein goldenes Haus; Felder 2 und 3 in Blau ein silberner einwärts gewandter Hund, der eine silberne Ente (in der Darstellung von Adolf Matthias Hildebrandt ist es eine Eule) im Maul hält. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Helmdecken zwei gekreuzte schwarze Fahnen an goldenen Stangen.[1]

Alternativ wird das Wappen wie folgt beschrieben: Quadriert. Felder 1 und 4 in Blau ein auf grünem Boden sitzender Hund, der einen silbernen Vogel im Maul hält; Felder 2 und 3 in Grün ein goldenes Haus. Der gekrönte Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken trägt zwei gekreuzte, silber-schwarz geteilte Fahnen.[8][5][6][3]

Es handelt sich teilweise um ein Redendes Wappen, da das goldene Haus einen Namensanspielung auf „Güldenhaus“ (= Gillhaußen) ist.[6][3]

Mülverstedt gibt darüber hinaus noch ein anderes Wappen an: In Rot ein auf grünem Boden liegender silberner Hirsch. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein silbernes Hirschgeweih.[4] 
GILLHAUSEN, N. (I45761)
 
2946 Gisela galt als schöne und kluge, aber ein wenig überhebliche Frau, die aber nach Wipos Gesta Chuonradi II imperatoris ihrem Mann eine notwendige Gefährtin mit großem Einfluss gewesen sein soll.  VON SCHWABEN, Gisela (I1954)
 
2947 Gisela heiratete um 995 vermutlich im Alter von zehn Jahren Stephan, den späteren König von Ungarn.

Nach Stephans Tod 1038 wurde sie verfolgt und gefangen genommen. Nachdem sie 1042 durch König Heinrich III. befreit worden war, brachte er Gisela zurück nach Bayern. Dort scheint sie sich eine Zeit lang im Kloster Kochel am See als Nonne aufgehalten zu haben,[1] bevor sie Äbtissin des Benediktinerinnen-Klosters Niedernburg in Passau wurde. Durch sie erhielt das Kloster zahlreiche Schenkungen. In Niedernburg blieb sie bis zu ihrem Tod. Ihr Grab, ein Hochgrab aus der Spätgotik über dem originalen Grabstein aus dem 11. Jahrhundert, in der Klosterkirche ist erhalten. Gisela setzte sich für die Christianisierung Ungarns ein, was ihr die Feindschaft der heidnischen Nationalpartei eintrug, und stiftete mehrere Klöster und Kirchen. So gilt sie auch als Stifterin der Domkirche in Veszprém („Gisela-Kapelle“), wohl daher der Kirchturm in ihrer Hand auf dem ungarischen Krönungsmantel, der ursprünglich ein von ihr nach Stuhlweißenburg geschenktes Messgewand war. Das Giselakreuz in München stiftete sie für das Regensburger Grab ihrer Mutter.

Gisela wird als Selige verehrt (Fest am 7. Mai und 1. Februar). Ihr Grab ist Ziel zahlreicher Pilger aus Ungarn. Seit 1995 besitzt auch die Kathedrale von Veszprém Reliquien von ihr.[2] In Wien-Penzing (14. Bezirk) ist die Giselagasse nach ihr benannt. Am 27. September 2013 wurde das Musical „Gisela & Stephan“ in Pfaffenhofen an der Ilm welturaufgeführt.[3] 2016 gab es weitere Aufführungen in der ungarischen Stadt Veszprém sowie in Scheyern und Passau.  
VON BAYERN, Selige Selige Gisela (I36241)
 
2948 Gisela war die Schwester von Hugo, dem Lothar II. im Jahr 867 das Herzogtum Elsass übertrug. Während der Raubzüge der Wikinger in den Rheinlanden kam es im Jahr 882 zu Friedensverhandlungen zwischen dem Wikingerführer Gottfried und Karl III. Im Zuge dieses Friedens ließ sich der Wikinger taufen und bekam die fränkische Prinzessin Gisela zur christlich angetrauten Frau.

Gottfried erwies sich aber schon bald als wortbrüchig und fiel schon im Sommer erneut in das Rheinland ein. Karl III. beauftragte daraufhin seinen Herzog Graf Heinrich von Babenberg, gegen ihn ins Feld zu ziehen.

Heinrich von Babenberg entriss 884 Gottfried die von den Normannen 883 eroberte Stadt Duisburg und vertrieb ihn vom Niederrhein. Als Gottfried im Jahr 885 mit einem Heer in das Rheinland zurückkehrte, wurde er von Graf Babenberg in einen Hinterhalt gelockt und gemeinsam mit anderen Wikingerführern erschlagen. Seine Frau Gisela war zuvor im Mai 885 in ein Kloster in Sicherheit gebracht worden, um die Königstochter vor der Rache der Wikinger zu schützen.

Später wurde Gisela Äbtissin von Nivelles und Fosses.  
VON NIVELLES, Gisela (I18432)
 
2949 Gisela war die Schwester von Hugo, dem Lothar II. im Jahr 867 das Herzogtum Elsass übertrug. Während der Raubzüge der Wikinger in den Rheinlanden kam es im Jahr 882 zu Friedensverhandlungen zwischen dem Wikingerführer Gottfried und Karl III. Im Zuge dieses Friedens ließ sich der Wikinger taufen und bekam die fränkische Prinzessin Gisela zur christlich angetrauten Frau.

Gottfried erwies sich aber schon bald als wortbrüchig und fiel schon im Sommer erneut in das Rheinland ein. Karl III. beauftragte daraufhin seinen Herzog Graf Heinrich von Babenberg, gegen ihn ins Feld zu ziehen.

Heinrich von Babenberg entriss 884 Gottfried die von den Normannen 883 eroberte Stadt Duisburg und vertrieb ihn vom Niederrhein. Als Gottfried im Jahr 885 mit einem Heer in das Rheinland zurückkehrte, wurde er von Graf Babenberg in einen Hinterhalt gelockt und gemeinsam mit anderen Wikingerführern erschlagen. Seine Frau Gisela war zuvor im Mai 885 in ein Kloster in Sicherheit gebracht worden, um die Königstochter vor der Rache der Wikinger zu schützen.

Später wurde Gisela Äbtissin von Nivelles und Fosses.  
VON LOTHRINGEN, Gisela (I22754)
 
2950 Gisela war neben ihren beiden Brüdern Karl und Karlmann das dritte Kind von Pippin und Bertrada, das das Erwachsenenalter erreichte und den Vater überlebte. In der Vita Karoli des Einhard ist sie erwähnt:

„Er [Karl d. Große] hatte eine einzige Schwester, Gisela, die sich von Kindheit an einem religiösen Leben geweiht hatte, und er hegte für sie ebenso viel Zuneigung wie für seine Mutter. Auch sie verstarb einige Jahre vor ihm im Nonnenkloster, in dem sie ihr Leben verbrachte.“

– Einhard: Vita Karoli

Seitens ihrer Familie wurde mehrfach ihre Vermählung aus Bündniserwägungen in Betrachtung gezogen: In den 760er Jahren durch Pippin mit Leo, dem Sohn des byzantinischen Kaisers Konstantin V., und in den 770er Jahren durch Karl mit Adelchis, dem Sohn des letzten Langobardenkönigs Desiderius.[2][3] In beiden Fällen kam die Eheschließung mit Rücksicht auf den Papst nicht zustande.

Stattdessen entschied Gisela sich für das klösterliche Leben und wurde Äbtissin von Chelles. Als Herrschertochter mit den Artes Liberales vertraut und gebildet, blieb sie vom Kloster aus mit dem Hof verbunden. Insbesondere gibt es einen intensiven Briefwechsel mit Alkuin, zu dessen Freundeskreis sie unter dem Pseudonym „Lucia“ gehörte.[4] Alkuin widmete ihr und ihrer Nichte Rotrud seinen Kommentar des Johannesevangeliums, dessen Erstellung auf ihre Anregung zurückging.[5][6]

Die Forschung geht davon aus, dass auf Anregung Giselas im Skriptorium der Abtei Chelles um 806 die Abfassung der Metzer Annalen erfolgte.[7] Sie war auch verantwortlich für die Betreuung der umfangreichen und in ihrer Zeit wachsenden Reliquiensammlung des karolingischen Herrscherhauses in der Abtei Chelles.[8] Gisela starb 810 und ist in der Abtei Chelles begraben.

Judy Chicago widmete ihr eine Inschrift auf den dreieckigen Bodenfliesen des Heritage Floor ihrer Installation The Dinner Party. Die mit dem Namen Gisela beschrifteten Porzellanfliesen sind dem Platz mit dem Gedeck für Hrotsvit zugeordnet. 
VON FRANKEN, Gisela (I10780)
 

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