Strauss Genealogie


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2801 Friedrich Freiherr von Diergardt (* 25. März 1795 in Moers; † 3. Mai 1869 in Morsbroich) war ein rheinischer Industrieller und Seidenfabrikant.
Biografie
Herkunft
Friedrich Diergardt stammt aus einer protestantischen Pfarrerfamilie. Seine Eltern waren der Konsistorialpräsident Johann Heinrich Diergardt und dessen Ehefrau Marie Margarethe Susanne von Rappard (1763–1844).

Unternehmerische Tätigkeit
Diergardt errichtete 1813 mit Theodor Kaentzeler in St. Tönis eine Samt- und Samtbandfabrik, die 1816 nach Viersen verlegt wurde. Nach dem Tod des Geschäftspartners führte Diergardt das Geschäft unter seinen Namen.

Das Unternehmen war sehr bedeutsam für die rheinpreußische Industrie. In über 40 Ortschaften der Regierungsbezirke Düsseldorf und Aachen arbeiteten Hausweber für Diergardts Handelshaus und Fabrik. So wurden seit den 1840er Jahren von Viersen aus über 3000 Hausweber, Wirker und Appreteure beschäftigt. Die Fabrikate wetteiferten bald erfolgreich mit den französischen und englischen und verdrängten sie vielfach im Welthandel vom Markt.

Diergardt förderte auch durch seinen Einfluss den Ausbau des Eisenbahnnetzes, beteiligte sich an vielen industriellen Unternehmungen und war einer der führenden Industriellen bei der Erschließung der Kohlefelder am Niederrhein.

Politische Funktionen
Er fungierte als Abgeordneter der rheinischen Ritterschaft auf den Provinziallandtagen und wurde 1847 Mitglied des ersten vereinigten preußischen Landtags sowie des Preußischen Abgeordnetenhauses bis 1860. 1860 wurde er in den Freiherrenstand erhoben und als lebenslanges Mitglied ins Herrenhaus berufen. 1857 erwarb er Schloss Morsbroich im heutigen Leverkusen als standesgemäßen Wohnsitz.

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der evangelischen Kreuzkirche in Viersen.[1]

Diergardt als Sozialpolitiker
Diergardt war bemüht, seine Arbeiter auch in absatzschwachen Zeiten weiter zu beschäftigen. Schon 1816 gründete er eine freiwillige Krankenlade zur sozialen Absicherung der arbeitenden Klasse. Er setzte sich persönlich beim König für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein, ergriff die Initiative zum Bau von Krankenhäusern in Viersen,[2] Moers[3] und Brüggen, gründete die Elisabethstiftung für Blindenunterricht in Düren und schließlich die Diergardt-Familienstiftung[4] für bedürftige Fabrikarbeiter.

Familie
Diergardt heiratete 1819 in Süchteln Julie Deußen (1802–1867), eine Tochter des Seidenfabrikanten Wilhelm Deußen († 1857). Das Paar hatte einen Sohn:

Friedrich (1820–1887) ⚭ Bertha von der Heydt (1828–1902), Nichte des preußischen Ministers August von der Heydt (1801–1874), ihr Sohn: Johannes von Diergardt
Ehrungen und Preise

Diergardt bei der Sammetprüfung auf einem Relief des Reiterstandbildes König Friedrich Wilhelm III. in Köln von 1878
Diergardt wurde am 25. März 1859 Ehrenbürger von Moers. Nach ihm und seinem Sohn Friedrich Heinrich von Diergardt wurden die Zechen Zeche Friedrich Heinrich und Zeche Diergardt benannt. Verschiedene Straßen der Region und eine Schule tragen heute seinen Namen. Er erhielt zahllose Auszeichnungen und Preise, u. a.

1832: Preußischer Roter Adlerorden
1842: Diergardt wird zum Königlich Geheimen Kommerzienrat ernannt
1851: Erster Preis der Großen Londoner Weltausstellung mit Einladung in den Buckingham-Palast
1853: Große Goldene Medaille für die Verdienste um die Gewerbe in Preußen
1854: Ritterkreuz des Verdienstordens vom Heiligen Michael
1855: Erster Preis sowie Goldmedaille bei der Großen Pariser Weltausstellung
Benennungen
Nach Diergardt benannt sind unter anderem die Diergardtstraße in Moers, die Diergardtschule und der Diergardtplatz in Viersen, die Von-Diergardt-Str. in Köln[5] und Leverkusen[6], der Von-Diergardt-See in Köln an der Stadtgrenze zu Leverkusen (wobei dieser See auch Dünnwalder See genannt wird), sowie der Diergardtsche Wald[7] im Naturpark Maas-Schwalm-Nette. 
VON DIERGARDT, Friedrich (I48261)
 
2802 Friedrich Grimm wurde als Sohn des Zollbeamten Heinrich Grimm und seiner Frau Juliane Marie, einer geborenen Pezenius, geboren.[1] Grimm ist der Urgroßvater der Brüder Grimm. Er besuchte seit 1678[2][Anm. 1] das Pädagogikum der Hohen Landesschule in Hanau, 1691 wechselte er zum Gymnasium Illustre in Bremen.

1698 wurde er dritter Pfarrer an der damals reformierten Marienkirche in Hanau, 1699 Hofprediger des Grafen Karl August von Ysenburg-Büdingen in Marienborn, zugleich Pfarrer in Eckartshausen.

1701 erhielt er die zweite, 1706 die erste Pfarrstelle an der Hanauer Marienkirche. Mit letzterer Position wurde er zugleich Inspektor der reformierten Kirchengemeinden der Grafschaft Hanau-Münzenberg, also quasi reformierter Landesbischof.[3] Verbunden war damit auch seine Mitgliedschaft im reformierten Konsistorium der Grafschaft Hanau-Münzenberg.[Anm. 2]

Friedrich Grimm war drei Mal verheiratet und hatte sieben Kinder.

Friedrich Grimm wurde auf dem alten Deutschen Friedhof an der Nussallee in Hanau beigesetzt. Der Grabstein wurde während des Zweiten Weltkriegs bei dem Luftangriff vom 19. März 1945 auf Hanau zerstört. 
GRIMM, Friedrich ´der Ältere` (I52637)
 
2803 Friedrich Heinrich Jacobi wurde als zweiter Sohn des Kaufmanns Johann Konrad Jacobi (1715–1788) und dessen Ehefrau Maria Fahlmer (1713–1746) am 25. Januar 1743 in Düsseldorf geboren.

Seine Großeltern väterlicherseits waren Johann Andreas Jacobi (1680–1756), Pfarrer in Wollershausen, und Johanna Juliane Bauer (1684–1767), mütterlicherseits der Kaufmann Georg Fahlmer (1687–1759), geboren in Michelstadt, und Aleida von Sonsfeld (um 1675–1739).

Jacobi heiratete am 26. Juli 1764 in Aachen Helene Elisabeth (Betty) von Clermont (1743–1784), Schwester des „Tuchbarons von Vaals“, Johann Arnold von Clermont, sowie Tochter des Tuchhändlers Esaias von Clermont (1698–1751) und der Helene Margarethe von Huyssen (1705–1776). Das Paar hatte acht Kinder,[1] darunter:

Johann Friedrich Jacobi (1765–1831), Politiker, Munizipalpräsident Aachen, Präfekturrat und Abgeordneter des Ruhr-Departements im Corps législatif. Er heiratete Johanna Katharina Luisa von Clermont (1763–1844), seine Cousine und Tochter von Johann Arnold von Clermont
Georg Arnold Jacobi (1768–1845)[2], Jurist, 1793 Amtmann in Wickrath bei Mönchengladbach; sachsen-weimarischer Regierungsrat und später Geheimer Regierungsrat in Pempelfort
Maximilian Jacobi (1775–1858), deutscher Psychiater
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Jacobis Vater erneut. Seine zweite Frau war Maria Catharina Lausberg (1728–1763), die Tochter des Weinhändlers Johann Heinrich Lausberg (1690–1751) und der Catharina Bamberg (1703–1780).

Johann Friedrich Jacobi (1712–1791), Generalsuperintendent in Celle, war sein Onkel. Der Dichter und Publizist Johann Georg Jacobi (1740–1814) war sein älterer Bruder. Seine aus der zweiten Ehe des Vaters hervorgegangenen Halbschwestern Charlotte (1752–1832) und Helene (1753–1838) führten nach dem Tod seiner Frau Helene Elisabeth den Haushalt.

Leben
Anders als sein älterer Bruder Johann Georg wurde Jacobi gegen seinen Willen zur beruflichen Nachfolge des Vaters bestimmt. Nach Lehrjahren in Frankfurt und Genf, wo er den Mathematiker LeSage, Voltaire und den Kreis um Rousseau kennenlernte (1759–1761), wurde ihm sein Wunsch, in Glasgow Medizin zu studieren, abgeschlagen. Stattdessen trat er in das väterliche Handelshaus in Düsseldorf ein und übernahm von 1764 bis 1772 die Leitung. Ab 1765 war er Freimaurer und gleichzeitig Schatzmeister der Loge „La Parfaite Amitié“ in Düsseldorf.[3]

1772 erfolgte eine Berufung zum Hofkammerrat der Herzogtümer Jülich und Berg mit der Aufgabe, deren Zoll- und Handelswesen zu reformieren. Mit dieser Tätigkeit war er in den folgenden Jahren (er wurde ab 1775 sogar zum Zollkommissar befördert)[4] kontinuierlich beschäftigt und konnte darin Erfolge, insbesondere im Rahmen des Rheinzollwesens, vorweisen.[5]

1779 wurde er nach München bestellt, um als Ministerialreferent und Geheimrat (wie bereits in Jülich-Berg) an einer Reform des nun gesamten pfalzbayrischen Zoll- und Handelswesens mitzuwirken. Jedoch stießen seine politischen und wirtschaftstheoretischen Publikationen, die an die liberale Lehre von Adam Smith anschließen, ebenso wie seine liberal-wirtschaftsreformerischen Bestrebungen sehr bald auf Widerstand. Daher musste Jacobi seine Stellung bereits im selben Jahr wieder aufgeben, jedoch nicht ohne zuletzt v. a. auch eine entscheidende Rolle im Hinblick auf die Abschaffung der Leibeigenschaft in Bayern gespielt zu haben.[6]

Er zog sich als Privatmann auf sein Landgut in Pempelfort zurück, das in der Zwischenzeit, auch durch die Unterstützung seiner Frau Betty von Clermont, zu einem vielbesuchten und hochgeschätzten Treffpunkt literarisch, politisch und insbesondere auch philosophisch Interessierter avanciert war; unter anderen waren Goethe, Herder, die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt,[7] Hamann, Lavater, Diderot und Hemsterhuis Gäste im sogenannten „Jacobihaus“.

Darüber hinaus hatte Jacobi bereits mit der Rückkehr aus Genf 1762 eine intensive Korrespondenz mit weiteren prominenten Vertretern der damaligen Geisteswelt begonnen, die seitdem kontinuierlich fortbestand und sich insbesondere in den 1780er Jahren intensivierte, sodass sich in Jacobis Briefwechsel das geistig-kulturelle Geschehen um 1800 wie in einem Brennglas konzentrierte. Bedeutende Briefpartner waren u. a. Matthias Claudius, Johann Gottlieb Fichte, Fürstin Amalia von Gallitzin, Immanuel Kant, Friedrich Gottlieb Klopstock, Jean Paul, die Familie Reimarus, Friedrich Schiller, Friedrich Schlegel und F. D. E. Schleiermacher.[8]

Die über seinen Bruder Johann Georg vermittelte Bekanntschaft mit dem Dichter Christoph Martin Wieland führte zeitweise zur Zusammenarbeit bei der nach dem Vorbild des Mercure de France konzipierten Literaturzeitschrift Der Teutsche Merkur. Während Wieland seit 1773 als deren Herausgeber fungierte, trug Jacobi einige Aufsätze bei. In die Zeit der 1770er Jahre fiel auch der Beginn der Freundschaft mit Goethe (1774) und die Abfassung und Veröffentlichung seiner beiden Romane in erster Fassung: Eduard Allwills Papiere (1775/76) und Woldemar. Eine Seltenheit aus der Naturgeschichte (1777/79), mit denen Jacobi nichts weniger als die ersten „philosophischen Romane“ in deutscher Sprache vorlegte.[9] Beide Romanprojekte wurden in den 1790er Jahren fortgeführt: Eduard Allwills Briefsammlung erschien 1792; 1794 erschien zunächst eine Beilage zum Woldemar, 1796 dann der Woldemar selbst in einer zweiten, verbesserten Auflage. Indem es Jacobi in beiden Romanprojekten, wie er später in der Vorrede zum Allwill von 1792 auch für die Versionen des Woldemar gültig[10] schrieb, darum ging, „Menschheit wie sie ist, erklärlich oder unerklärlich, auf das gewissenhafteste vor Augen [zu] stellen“,[11] handelt es sich hierbei nicht um eine bloße, d. h. aufs rein Literarische und Dichterische sich beschränkende „Darstellung einer Begebenheit“.[12] Der Woldemar enthält so nicht bloß die Darstellung der Freundschaft zwischen dem titelgebenden Helden und Henriette. In dieser Darstellung wird durch die Handlungen der Figuren zugleich die sehr viel komplexere Reflexion insbesondere auch auf die Grenzen der in den Figuren verkörperten Auffassungen von Freundschaft mitgegeben. Im Roman erweist sich Jacobis Einsicht gemäß, dass es bei Freundschaft zu keiner Zeit um einen abstrahierbaren Begriff, sondern stets um die existenzielle Erfahrung der Begegnung zweier Personen „mit Nahmen“[13] geht, als die adäquate Form, die eine solche Reflexion gerade auch in philosophische Hinsicht unverkürzt abbilden kann. Diesbezüglich zeigt sich gerade in der Spätfassung des Woldemar, dass Freundschaft ein Kontingenzphänomen ist, das auf Resonanz beruht.[14] Diese Gewahrwerdung von möglicher Resonanz ist eine sukzessive Erfahrung, weil die wertschätzende "Anerkennung eines Du" Zeit braucht.[14]

In die Zeit der 1780er Jahre fiel demgegenüber der Beginn von Jacobis im engeren Sinne philosophischer Wirksamkeit. Sein Besuch bei Lessing in Wolfenbüttel 1780, die 1783 an Mendelssohn gesandte Aufzeichnung des damals stattgefundenen Gesprächs und die letztlich aus der so entstandenen Korrespondenz resultierende Publikation Über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn 1785 (1789 in zweiter, v. a. um die grundlegende Beilage VII wesentlich ergänzter Auflage) waren nicht nur Auslöser der sogenannten „Spinozarenaissance“, in der dessen bis dato als atheistisch und fatalistisch verpönte Ethik überhaupt erst zum philosophischen Klassiker avancierte. Sie markierten auch den Beginn des sogenannten „Spinoza-“ oder auch „Pantheismusstreits“. Im Zuge dieses Streits entwickelte Jacobi erstmals seine eigene, sein gesamtes philosophisches Werk bestimmende Position in kritischer Durchdringung von Spinozas Ethik. Von dort ausgehend entbrannte in der Auseinandersetzung mit Mendelssohn über die Frage nach Lessings Spinozismus eine sehr viel grundsätzlichere Debatte um das rechte Verständnis von Spinozas Philosophie und damit um Verfassung und Reichweite der Vernunft überhaupt. Denn Jacobi rekonstruierte und verteidigte Spinozas Philosophie als Paradigma einer streng rationalen Philosophie, insofern ihr eine intellektuell befriedigende, begrifflich nicht widerlegbare Erklärung der Welt gelinge. Zugleich markierte Jacobi aber auch Leerstellen in Spinozas Ethik. Diese konnte nach Jacobi weder den genuin zeitlichen Charakter von Veränderungen und Bewegungen als solchen begreifen noch Freiheit im Sinne eines Vermögens, aufgrund der Vorstellung von Handlungszwecken willentlich neue Kausalreihen in der wirklichen Welt zu beginnen. Vielmehr gelte Spinoza die Vorstellung der causa finalis sowohl in Bezug auf göttliches als auch auf menschliches Handeln als gravierendstes menschliches Vorurteil. Jacobi teilt daher mit anderen Kritikern die Diagnose, dass Spinozas Philosophie fatalistisch und atheistisch sei, gibt ihr zugleich aber eine völlig neue systematische Bedeutung, indem er den Fatalismus und Atheismus als notwendige Konsequenz der Rationalität selbst versteht.

Diese Debatte setzte sich der Sache nach fort in Jacobis zweiter philosophischer Hauptschrift, dem 1787 erschienenen Dialog David Hume über den Glauben oder Idealismus und Realismus. Hierin unternahm Jacobi eine fundamentale Bestimmung von Wirklichkeit, in der er sich, ebenso wie schon in seiner Auseinandersetzung mit Spinoza, in wesentlichen Punkten an der Erfahrung menschlichen Handelns orientierte. Darüber hinaus enthält der David Hume insbesondere in seiner Beilage Über den transzendentalen Idealismus die nicht weniger einflussreiche Kritik Jacobis an Kants Lehre vom „Ding an sich“ als jene doppelt problematische „Voraussetzung“, von der Jacobi in prominenter Formulierung bemerkte, „daß ich ohne jene Voraussetzung in das System nicht hineinkommen, und mit jener Voraussetzung darinn nicht bleiben konnte.“[15] Dies gilt nach Jacobi deshalb, weil ohne die Annahme von „Dingen an sich“ als Grund der sinnlichen Affektion Kants Konzept der Sinnlichkeit und damit die Zwei-Stämme-Lehre der Erkenntnis unverständlich bleibe, diese Annahme zugleich aber den systematischen Rahmen des transzendentalen Idealismus sprengen würde. Diese Diagnose Jacobis ist bis in die neueste Zeit „niemals mit textnahen Gründen zurückgewiesen worden.“[16] Zugleich formulierte Jacobi mit seinem eigenen sowohl Kants transzendentalem Idealismus als auch einem später in Fichtes Wissenschaftslehre realisierten „spekulativen Egoismus“[17] entgegengesetzten „entschiedene[n]“[18] Realismus eine Position von unverminderter Relevanz. Jacobi ging es um die unmittelbar gegebene Gleichursprünglichkeit der Selbsterfahrung des erkennenden Subjekts sowie der zu erkennenden Gegenstände: „Ich erfahre, daß ich bin, und daß etwas ausser mir ist, in demselben untheilbaren Augenblick“[19], heißt es entsprechend im David Hume.[20]

1794, zehn Jahre nach dem Tod seiner Frau Betty, war Jacobi gezwungen, Pempelfort zu verlassen; er musste vor den anrückenden französischen Revolutionstruppen nach Hamburg und Holstein fliehen und fand erst 1798 wieder festen Wohnsitz in Eutin.

Ein Jahr später, 1799, erschien das öffentliche Sendschreiben Jacobi an Fichte, das als wichtigster Beitrag zum sogenannten „Atheismusstreit“ gilt. Jacobi verfasste hierin eine differenzierte Stellungnahme zum gegen Fichtes Philosophie erhobenen Vorwurf des Atheismus. Zwar nahm er Fichte dahingehend in Schutz, dass er diesen Vorwurf als „mit Unrecht“[21] ergangen auszuweisen beabsichtigte, insofern „Transscendentalphilosophie, als solche, so wenig atheistisch seyn kann, als es Geometrie und Arithmetik seyn können.“[21] Nichtsdestotrotz lieferte Jacobi hier eine nicht weniger kritische Analyse des Fichteschen Idealismus als des Spinozismus zuvor, der ihm zugleich als Deutungsrahmen diente. Denn aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit zwischen der internen Verfasstheit und systematischen Funktion von Spinozas absoluter Substanz und Fichtes absolutem Ich kennzeichnete Jacobi die Wissenschaftslehre als einen „umgekehrten Spinozismus“[22] und verband dies mit dem Vorwurf des „Nihilismus“. Dieser zielte auf eine philosophische Auflösung und Substitution alles Wirklichen „durch immer allgemeinere Begriffe“[23], indem der transzendentale Idealismus Fichtes alles als Wirkliches Bewusste, die Dinge der Außenwelt ebenso wie das Subjekt als theoretisch erkennendes und als moralisch-praktisch handelndes, aus der rein idealen Tätigkeit der schlechthin allgemeinen Subjektivität erklärte. Mit dieser Diagnose brachte Jacobi nicht nur den Begriff des ‚Nihilismus‘ erstmals auf die Bühne der philosophischen Öffentlichkeit, sondern etablierte sich auch vollends als unhintergehbare Größe im Kontext nachkantischer Philosophie.

1805 wechselte Jacobi nach München und folgte damit einem Ruf der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, deren erste Präsidentschaft nach der Umwandlung von einer freien Gelehrteneinrichtung zu einer staatlichen Zentralanstalt er in den Jahren 1807 bis 1812 übernahm.[24] Ein Zerwürfnis mit Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, der 1806 nach München kam, geriet zur öffentlichen Angelegenheit im sogenannten „Streit um die göttlichen Dinge“ (1811/1812), auch „Theismusstreit“ genannt, und zwang Jacobi zum Rückzug aus der Akademie. Ausgelöst durch Jacobis Ablehnung von Schellings spinozanisch inspiriertem Naturalismus, wie er ihn im Rahmen seiner Akademierede Über das Verhältnis der bildenden Künste zur Natur (1807) präsentierte, wurde in der folgenden Auseinandersetzung – Jacobi veröffentlichte 1811 seine Schrift Von den göttlichen Dingen und ihrer Offenbarung, auf die Schelling wiederum 1812 mit seinem Denkmal auf Jacobi reagierte – nicht nur die Frage nach der Möglichkeit einer wissenschaftlichen Gotteserkenntnis zum Thema gemacht. Auch und damit zusammenhängend wurde der Gottesbegriff überhaupt aufs Schärfste diskutiert. Goethe, der diese Diskussion mit dem Ausdruck des „statum controversiae zwischen den Natur- und Freyheitsmännern“[25] auf den Punkt brachte, ergriff letztlich und anders als z. B. Friedrich Schlegel und Jakob Friedrich Fries die Partei Schellings.

Die verbleibenden sieben Jahre bis zu seinem Tod waren der Herausgabe seiner Werke gewidmet, die von 1812 bis 1825 sechsbändig und ergänzt um die Einleitung in des Verfassers sämtliche philosophische Schriften (1815) und einen Vorbericht zur Werkausgabe der Spinozabriefe (1819) in Leipzig erschienen. 1815 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[26]

Am 10. März 1819 starb Jacobi in München.

Werk

Friedrich Heinrich Jacobi, Bildnis von Christian Gottlieb Geyser nach einem Gemälde von Johann Friedrich Eich.

Zweiter Band von Fritz Mauthners „Bibliothek der Philosophen“. 1912
Jacobi gehört zu den bedeutendsten Repräsentanten der klassischen deutschen Philosophie. Seine philosophische Konzeption, die er erstmals in den Spinozabriefen formuliert und in allen folgenden Schriften fortführt, stellt sich als eine komplexe „Doppelphilosophie“ dar.[27] Einerseits entwickelt Jacobi zeitgleich mit Kant eine eigenständige und originelle philosophische Kritik der Rationalität, indem er die Metaphysik Spinozas, später auch den transzendentalen Idealismus, als systematisch konsequente und begrifflich-rational nicht zu widerlegende paradigmatische Verwirklichung einer jeden Philosophie, die sich als Wissenschaft versteht, rekonstruiert und intellektuell bewundert. Rationale Erkenntnis ist dabei nach Jacobi durch den Grundsatz des „a nihilo nihil fit“[28], d. i. den Gedanken lückenloser Begründung gekennzeichnet: Nichts geschieht ohne zureichenden Grund; durch den zureichenden Grund aber ist die Folge notwendig bestimmt und vollständig erklärbar. Wissen stellt sich daher als ein System dar. Es ist ein einziger, durch die Beziehung von Grund und Folge konstituierter systematischer Zusammenhang; im Wissen wird alles Bestimmte und Einzelne aus dem Begrifflich-Allgemeinen hergeleitet und erklärt.

Andererseits insistiert Jacobis eigene Position, die er zunächst seinen „Antispinoza“,[29] später „Unphilosophie“ nennt,[30] auf dem philosophischen Primat der Erfahrung des lebendigen Daseins, die stets die Erfahrung eines konkreten Individuums und zugleich ursprünglich eine praktische Gewissheit ist. Diese Erfahrung ist als unmittelbare Erfahrung und im Gegensatz zu dem durch Gründe vermittelten diskursiven Wissen nach Jacobi ein „Glaube“ im Sinne eines vorgängigen ‚höheren‘ Wissens. Das Erkenntnisorgan des Glaubens nennt Jacobi zunächst „Gefühl“ und „Sinn“,[31] seit 1789 aber vor allem „Vernunft“ (von „Vernehmen“)[32] und grenzt es damit terminologisch nicht nur vom Verstand als dem Vermögen begrifflicher Vermittlung, sondern ebenso von der empirischen Sinnlichkeit und der Empfindung ab.

Beide Positionen von Jacobis Doppelphilosophie, die analytische Rekonstruktion der Philosophie als Wissenschaft einerseits und die ‚Unphilosophie‘ anderseits, bilden dabei einen engen konzeptionellen Zusammenhang und verweisen unmittelbar aufeinander. Sie kommen, wie Jacobi über das Verhältnis von ‚Unphilosophie‘ und Fichtes Wissenschaftslehre sagt, „durch den höchsten Grad der Antipathie“ miteinander in Kontakt und durchdringen sich „gewissermaßen“ „im Moment der Berührung“.[33] Genauer besteht dieses antithetische Verhältnis im Freilegen oder Auffinden der Leerstellen systematisch-rationaler Welterklärung, d. i. der nicht logisch-begrifflich aufschließbaren, sondern genuin praktisch-existentiellen Voraussetzungen von Rationalität selbst. Daher übersteigt die Unphilosophie, die diese Voraussetzungen thematisiert, nach Jacobi nicht nur das von der Philosophie als Wissenschaft konsequent ausgearbeitete rationale Weltverhältnis, sondern fundiert dieses allererst. Nur aufgrund der unmittelbaren praktischen Gewissheit, die wir als konkrete, frei handelnde Individuen von uns haben, sind wir uns nach Jacobi auch als rational Wissende zugänglich. Rationalität und philosophische Welterklärung sind nach Jacobi kein Selbstzweck, sondern ursprünglich und wesentlich Mittel und Momente praktischer Daseinsbewältigung: „Individualität ist ein Fundamentalgefühl; Individualität ist die Wurzel der Intelligenz und aller Erkenntniß; ohne Individualität keine Substanzialität, ohne Substanzialität überall nichts.“[34] Dieser Perspektivenwechsel von der systematisch-rationalen Welterklärung zum unphilosophischen Primat lebendigen Daseins ist als Auffinden unserer ursprünglichen praktisch-existentiellen Selbst- und Weltgewissheit selbst ein praktischer Akt, ein Akt der Freiheit, nicht das Ergebnis begrifflich-rationaler Folgerung, die gegen die konsequente Durchführung der Erklärung keine Alternative aufbieten kann. Daher charakterisiert Jacobi diesen Perspektivenwechsel in der Unterscheidung zwischen unmöglicher theoretischer Widerlegung und praktischem Widerspruch bereits in den Spinozabriefen in der ebenso umstrittenen wie einflussreichen Figur des „Sprunges“ bzw. des „Salto mortale“.[35]

Vor allem im David Hume entwickelt Jacobi dabei den Begriff des Glaubens auch in seiner epistemologischen Dimension. Danach sind alle vom Verstand gebildeten Begriffe nur Abstraktionen und Abbilder von ursprünglichen Wahrnehmungen, einer ursprünglichen „Darstellung“ von Wirklichkeit.[36] Jacobis entscheidender Gedanke besteht aber darin, dass er dabei zugleich die neuzeitliche Philosophie im ganzen (mit Ausnahme von Spinoza und Leibniz) für ein falsches, weil im Kern idealistisches Vorstellungs- und Wahrnehmungskonzept kritisiert, das Vorstellungen und Wahrnehmungen nur als mentalen Innenraum, als bloß subjektiv-ideale Entitäten begreift.[37] Im Anschluss an Spinoza und Leibniz insistiert Jacobi dagegen darauf, Sinnlichkeit als Medium zwischen zwei je konkreten Realia, einem Erkennenden und einem oder etwas Erkannten zu verstehen, die sich in der Wahrnehmung unmittelbar selbst geben oder, wie Jacobi sagt, „offenbaren“.[38] „Ich erfahre, daß ich bin, und daß etwas außer mir ist, in demselben untheilbaren Augenblick“.[39] Die Realitätsgewissheit der wahrgenommenen Gegenstände und das Bewusstsein eines realen, sich von den wahrgenommenen Gegenständen unterscheidenden Wahrnehmenden sind nach Jacobi also bereits gleichursprüngliche Momente des Wahrnehmungsaktes selbst.


Büste von Emil Jungblut am Malkasten-Haus, 1943
Im Kern ist jedoch Jacobis Realismus praktisch fundiert. Ihm zufolge gibt es keine ursprünglichere und „lebendigere Ueberzeugung, als daß ich thue was ich denke,“[40] also, dass ich nach der Vorstellung von Zwecken Handlungen anfange und damit Veränderungen in der Welt bewirke. Alle vom Verstand gebildeten Begriffe, auch unsere Konzepte von Raum und Zeit, verweisen nach Jacobi zuletzt auf Handlungen zurück. Eine entscheidende philosophische Leistung Jacobis besteht dabei in der Unterscheidung der Begriffe von ‚Grund‘ und ‚Ursache‘, insofern der Begriff der Ursache den genuin zeitlichen Zusammenhang von Ursache und Wirkung meint, der allein im Handeln erfahren wird. Der Begriff des Grundes bezeichnet hingegen die rein logisch-begriffliche Beziehung von Grund und Folge und wird nach Jacobi letztlich selbst allererst durch Abstraktion vom Handlungscharakter des Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs gebildet, während es das (nach Jacobi fälschliche) Bemühen der rein rationalen Philosophie sei, gerade umgekehrt den realen zeitlichen Zusammenhang von Ursache und Wirkung aus der rein begrifflichen Beziehung von Grund und Folge abzuleiten.[41] Rationale Erklärung ist nach Jacobi nur als Werkzeug eines lebendigen Wesens notwendig und gerechtfertigt,[42] eine Herleitung seines genuin praktischen Daseins aus allgemeinen Begriffen aber unmöglich.

In diesem Sinne kritisiert Jacobi schließlich auch die Moralphilosophien Kants und Fichtes für ihren Ausgang von einer als unpersönlich-allgemein gefassten praktischen Vernunft. Dadurch blieben sie ein reiner, inhaltsleerer Formalismus, insofern sie die Wirklichkeit je konkreten moralischen Handelns nicht begründen und der realen „Person [nicht] ihren eigenthümlichen individuellen Werth ertheilen“ können.[43] Jacobi setzt ihnen daher eine an Aristoteles orientierte Ethik konkreten tugendhaften Handels entgegen, die die Sittlichkeit als tatsächliche Praxis und in der ihr als solcher eigenen Verbindlichkeit zu erfassen sucht. Moralisches Handeln beruht als konkretes und empirisch wirkliches nach Jacobi auf dem „Wort eines Namentlichen Mannes“, nicht auf der Unterwerfung unter die allgemeine Pflicht einer unpersönlichen Vernunft.[43] Es ist der Mensch als konkreter Einzelner, der sich praktische Grundsätze gibt. Denn sittlich und real ist der Mensch nach Jacobi durch seine Fähigkeit, sich als ein zeitlich-endliches Wesen mit einer bestimmten Vergangenheit und empirischen Bestimmtheit auf eine bestimmte Zukunft hin zu entwerfen, sich so eine Einheit des Lebens zu geben und seinen zukünftigen Willen durch eigenen Entschluss zu binden, analog zur eigentümlichen Verbindlichkeit, die im Akt des Versprechens je konkret einem anderen Menschen gegenüber entsteht und auch der sittlichen Beziehung der Freundschaft zugrunde liegt.

Da alles Tun des Menschen, auch sein unbedingtes moralisches Tun, das Tun eines Individuums, eines endlichen lebendigen Wesens ist, das keine absolute Selbstbestimmung und Aktivität ist, sondern Anderes, Äußeres, Objektives voraussetzt, weist die unmittelbare Selbst- und Handlungserfahrung nach Jacobi zugleich in dreifacher Weise über sich hinaus, „denn ohne Du, ist das Ich unmöglich“.[44] Das betrifft einerseits die Natur und andererseits die Geschichte und den Geist einer bestimmten Epoche, die die Denk- und Handlungsweise eines jeden Menschen mitbestimmt,[45] und schließlich drittens den Verweis auf einen persönlichen Gott. Jacobis Theismus meint im Widerspruch zur göttlichen Substanz Spinozas nicht den Gott der christlichen Religion. Der Gott, der ein Geist ist,[46] „der wisse und wolle, und zu sich selbst spreche, Ich bin der ich bin“,[47] ist der ultimative symbolische Ausdruck einerseits für die Zurückweisung jeder Philosophie, die Rationalität und Erklärung absolut setzt, und andererseits für die gleichwohl in unserem je konkreten und damit bedingten Handeln erfahrene Unbedingtheit, für die rational nicht begründbare Bindungskraft meiner persönlichen Selbstbindung als moralisch-geistiges Wesen. Der Unbedingtheit freien Handelns wegen muss und will die „Unphilosophie“ Jacobis also notwendig als Metaphysik auftreten und unterscheidet sich dadurch von der später durch Marx vom „Kopf auf die Füße gestellten“ rational-materialistischen Philosophie, die die gemeinschaftliche menschliche Arbeit als die „alles begründende Wirklichkeit“[48] anerkennt.

Der komplexen Anlage als Doppelphilosophie, deren beide Hälften im Akt eines ‚Sprunges‘ miteinander verbunden sind, korrespondiert, dass Jacobis Denken sich in ganz unterschiedlichen Textarten darstellt. Dass dazu auch literarische Formen, wie die des Romans, aber auch des Briefes und des philosophischen Gesprächs gehören, ist unmittelbarer Ausdruck des unphilosophischen Primats des lebendigen, moralisch-praktischen Daseins. Dies gilt ebenso für den Umstand, dass Jacobis kritische systematische Analysen von philosophischen Systementwürfen wie denen Spinozas, Fichtes und Schellings, aber auch Kants, den Charakter von Gelegenheitsschriften haben, die aus konkreten systematischen Debattensituationen heraus entstehen.

Jacobis Doppelphilosophie übte mit allen ihren Motiven einen substantiellen Einfluss auf die Entwicklung der nachkantischen Philosophie aus, insofern diese wesentlich von der Frage nach dem Verhältnis von Wissen, Theorie und System einerseits und Freiheit, Praxis und Individualität andererseits bestimmt ist. Dabei lassen sich grundsätzlich drei Reaktionsweisen unterscheiden:[49] 1. Das Projekt einer Versöhnung von Philosophie und Wissen einerseits und Freiheit und individuellem Dasein andererseits, die durch eine Fortentwicklung des philosophischen Systems zu einem „System der Freiheit“[50] geleistet werden soll (Fichte, Schelling, Hegel). 2. Der Versuch einer Vermittlung von System und Freiheit, die verstanden als „Systemlosigkeit, in ein System gebracht“[51] weder auf einen bloß verbesserten alternativen Systementwurf noch aber auf einen grundlegenden Widerspruch gegen das Primat des Wissens bzw. des „logischen Enthusiasmus“[52] abzielt (Friedrich von Hardenberg, Friedrich Schlegel). Gelingen soll dies im Konzept der romantischen Ironie durch den Gedanken einer Öffnung des Systems, die aus der permanenten Selbstkritik des Systemgedankens resultiert. 3. Die Fortführung und Fortentwicklung der von Jacobi selbst vertretenen Haltung eines praktischen Widersprechens gegen rationale Systemphilosophie zugunsten des Perspektivenwechsels zum philosophischen Primat der je konkreten individuellen Daseins- und Handlungserfahrung. Dieser Haltung folgte von Jacobis bis heute prominenten Zeitgenossen allerdings allein der unter dem Pseudonym Jean Paul bekannte Schriftsteller Johannes Paul Richter, in gewisser Weise später auch Kierkegaard. Zu den heute nur noch wenig bekannten philosophischen Anhängern Jacobis gehörten Thomas Wizenmann, Jakob Salat, Friedrich Ancillon, Friedrich Ludewig Bouterweck und Friedrich van Calker.

Zugleich war die Rezeption Jacobis von Anfang an von zahlreichen Fehldeutungen geprägt, die seine Verteidigung des Glaubensbegriffs als Ausdruck eines naiven empiristisch-sensualistischen Realismus, einer intuitionistischen Gefühlsethik der ‚schönen Seele‘, eines religiösen Fideismus oder eines Irrationalismus missverstanden haben. 
JACOBI, Friedrich Heinrich (I48397)
 
2804 Friedrich I. (* um 1050; † 1105 vor 21. Juli) aus dem Geschlecht der Staufer war seit 1079 Herzog von Schwaben. Sein Vater war Friedrich »von Büren« (der Beiname ist nicht zeitgenössisch), seine Mutter Hildegard von Egisheim-Dagsburg, Tochter des Grafen Gerhard I. In seine Regierungszeit fiel der Aufstieg der Staufer zur Herzogsfamilie in Schwaben. Er gilt zusammen mit Peter von Lützelburg als Begründer des Klosters Sankt Walburga. Unterstützt wurden sie von seinem Bruder Bischof Otto von Straßburg.

Vermutlich hatte Friedrich vor der Herzogserhebung die Grafenwürde inne. Bereits als Graf begann Friedrich I. mit dem Ausbau der staufischen Macht. Er ließ auf der Kuppe des Berges Hohenstaufen eine Burg errichten, die zum Stammsitz und zur Namensgeberin für die Familie wurde. Eine bei Lorch (Württemberg) anzunehmende Burg wurde um 1100 in ein Benediktinerkloster (Kloster Lorch) umgewandelt, das ab diesem Zeitpunkt als Hauskloster der Staufer diente.

Allerdings scheint das Hausgut der Familie zu diesem Zeitpunkt noch gering gewesen zu sein. Vermutlich beschränkte es sich auf das Stauferland um den Hohenstaufen sowie auf die von Hildegard erlangten Besitzungen im Elsass: in und um Schlettstadt mit der Hohkönigsburg sowie bei Hagenau.

Das entscheidende Ereignis in Friedrichs Lebenszeit war aber die Übertragung der Herzogswürde in Schwaben zu Ostern 1079 in Regensburg. Während eines Adelsaufstands des gegen Heinrich IV. (* 11. November 1050 vermutlich in Goslar; † 7. August 1106 in Lüttich) aus der Familie der Salier, abtrünnigen Rudolf von Rheinfelden (auch Rudolf von Schwaben; * um 1025; † 15. oder 16. Oktober 1080 bei Hohenmölsen) gehörten die Staufer zur königstreuen Minderheit. Anfang 1079 war Rudolfs Sohn Berthold von Rheinfelden von der Adelsopposition zum Herzog von Schwaben gewählt worden. Im Gegenzug vergab Heinrich den Titel zu Ostern an Friedrich I. und verlobte am 24. März ebenfalls in Regensburg seine noch nicht siebenjährige Tochter Agnes von Waiblingen (* Ende 1072; † 24. September 1143 in Klosterneuburg) Salier, mit ihm (die Ehe wurde 1086 oder 1087 geschlossen). In den folgenden Jahren konnte sich keiner der beiden Herzöge durchsetzen. Nachdem sich Heinrich 1097 mit Berthold II. von Zähringen, (* um 1050; † 12. April 1111) dem Nachfolger Rudolfs von Rheinfelden, ausgesöhnt hatte, bestand die Spaltung Schwabens fort. Friedrich konnte sein Amt nur im Norden Schwabens tatsächlich ausüben.

Die Ausweitung der staufischen Hausmacht betrieb er vor allem in Richtung Norden. In der Pfalz wurde er in seinen letzten Herrschaftsjahren durch die Obervogtei des Klosters Weißenburg und des Hochstifts Speyer zu einem wichtigen regionalen Machtfaktor. Damit näherte sich das staufische Territorium den salischen Gütern in Rheinfranken an. Im Süden brachte Friedrich nur um Ulm nennenswerten Besitz unter seine Kontrolle, jenseits der Donau lediglich vereinzelten Streubesitz.

Während des Italienzuges Heinrichs IV. und der damit verbundenen Abwesenheit des Herrschers aus dem nördlichen Reichsteil war Friedrich dort der oberste Heerführer der kaiserlichen Seite.

Nach seinem Tod wurde er 1105 zunächst in der Stiftskirche in Lorch bestattet, dem romanischen Vorgängerbau der heutigen Evangelischen Stadtkirche. Nach Fertigstellung der Klosterkirche in dem von ihm gestifteten Kloster Lorch wurde er um 1140 von seinem Sohn Konrad III. dorthin umgebettet. Abt Nikolas Schenk von Arberg ließ 1475 sämtliche Staufergräber im Mittelschiff, vor den Stufen des Chores und im Chor öffnen und die Überreste in einer Tumba zusammentragen, die im Mittelschiff der Klosterkirche steht.

Seine Frau Agnes heiratete 1106 in zweiter Ehe den später heiliggesprochenen Babenberger Leopold III. genannt der Heilige, der Milde oder der Fromme (* 1073 in Gars am Kamp oder Melk; † 15. November 1136 bei Klosterneuburg) und wurde mit diesem gemeinsam im Stift Klosterneuburg in der Nähe von Wien bestattet.

Neben den beiden Söhnen Herzog Friedrich II. von Schwaben(* 1090; † 4. April (vielleicht auch 6. April) 1147 in Alzey), und dem späteren römisch-deutschen König Konrad III. (* 1093 oder 1094; † 15. Februar 1152 in Bamberg)ist eine Tochter Gertrud nachweisbar, die Hermann von Stahleck († 2. Oktober 1156), einzige Sohn des Grafen Goswin von Stahleck und der Luitgard von Hengebach, der Witwe Heinrichs I. von Katzenelnbogen heiratete. Angaben über weitere Kinder, die Hansmartin Decker-Hauff aufgrund von ihm gefälschter Lorcher Quellen machte, haben sich als Phantasieprodukte erwiesen 
(SCHWABEN), Friedrich I. (I40700)
 
2805 Friedrich I. entstammte dem Geschlecht der Sighardinger (das nach einem Leitnamen der Sippe benannt ist) und damit ebenfalls dem bayrischen Hochadel. Dieses Geschlecht hatte durch viele Generationen Grafschaften im Chiemgau und Salzburggau (heute Flachgau und Rupertigau) verwaltet. Die Wahl dieses Erzbischofs erfolge nach dreijähriger Vakanz auf der Synode von Ingelheim, maßgeblich auf Betreiben Ottos des Großen.

961 begleitete dieser treue Diener des späteren Kaisers Otto nach Italien und mit höchster Wahrscheinlichkeit auch zur Kaiserkrönung, die Papst Johannes XII. am 2. Februar 962 vornahm. Fünf Tage nach der Kaiserkrönung bestätigte der Papst Friedrich I. alle Rechte und Besitzungen des Erzstiftes, darunter auch die von Papst Agapit II. gegen einen jährlichen Pachtschilling überlassenen Patrimonien in Bayern. Der feierliche Gebrauch des Palliums, das Friedrich schon 958 verliehen worden war, wurde ihm nun für weitere 4 Festtage im Jahreskreis gestattet. Anlässlich der Synode von Ravenna 967, in der die Androhung des Bannes gegenüber Herold wiederholt wurde, hat der Papst Friedrich I. ausdrücklich als ehrwürdigen und lobenswerten Mann gelobt.

967 zog Friedrich mit dem Kaiser erneut nach Italien, wobei er auch die 70 Panzerreiter, die Friedrich für die Kriege Ottos zu stellen hatte, persönlich dem Kaiser überbrachte. Im Krieg Heinrich des Zänkers gegen den Kaiser war er eine verlässliche Stütze des Kaisers. So ist verständlich, dass Otto den Salzburger Erzbischof mit verschiedenen neuen Gunsterweisungen in Form von Gütern für das Erzstift belohnte, vor allem mit dem Besitz zu Grabenstätt im Chiemgau und der (unter Herold eingezogenen Abtei) Herrenchiemsee, die später den Grundstock des umfangreichen Besitzes des Salzburger Domkapitels im Chiemgau bilden sollte. Auch ein Forstgebiet an der Traun und weitere Salzrechte in Reichenhall erhielt der Erzbischof.

Die Rolle Friedrichs I. war damit die eines sehr typischen ottonischen Reichsbischofs, der primäre Aufgaben des Kaisers übernahm, denselben bei Heerzügen begleitete, bei Aufständen unterstützte und daher nur beschränkt Zeit fand, auch als Kirchenoberhaupt in seiner Erzdiözese zu wirken und zu gestalten.

Im Zuge der inneren Kirchenreform hielt er es aber für angebracht, die Aufgaben als Abt von St. Peter von jenen des Erzbischofs zu trennen. Er berief daher den hochgebildeten Mönch Tito aus dem Kloster St. Emmeran als neuen Abt nach St. Peter. Friedrich trennte dabei auch die bisherige räumliche Einheit von Kloster und den Amtsräumen des Erzbischofs. Bis 987 war die Domkirche gleichzeitig die Klosterkirche von St. Peter. Das Kloster erhielt nun Grund am Mönchsbergfelsen nächst den Salzburger Katakomben zugewiesen, wo zuvor schon ein alter Friedhof bestanden hatte, wo bald ein neues Klostergebäude und danach auch eine neue Klosterkirche entstand. 
(SALZBURG), Friedrich I. (I40168)
 
2806 Friedrich II.
(* 26. Dezember 1194 in Jesi bei Ancona, Reichsitalien; † 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera, Königreich Sizilien) aus dem Adelsgeschlecht der Staufer war ab 1198 König von Sizilien, ab 1212 römisch-deutscher König und von 1220 bis zu seinem Tod Kaiser des römisch-deutschen Reiches. Außerdem führte er ab 1225 den Titel „König von Jerusalem“. Von seinen 39 Regierungsjahren als römisch-deutscher Herrscher hielt er sich 28 Jahre in Italien auf. 
VON HEIDEGG, Heinrich (I7869)
 
2807 Friedrich III.
(* 21. September 1415 in Innsbruck; † 19. August 1493 in Linz) aus dem Hause Habsburg war als Friedrich V. ab 1424 Herzog der Steiermark, von Kärnten und Krain, ab 1439 Herzog von Österreich, als Friedrich III. ab 1440 römisch-deutscher König und ab 1452 bis zu seinem Tod Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Er war der vorletzte römisch-deutsche Kaiser, der vom Papst gekrönt wurde, und der letzte, bei dem dies in Rom geschah.
Friedrichs Herrschaftszeit war die längste aller römisch-deutschen Herrscher. Unter ihm verschob sich der Herrschaftsmittelpunkt von Böhmen in die innerösterreichischen Erblande (Steiermark, Kärnten, Krain) an der südöstlichen Peripherie des Reiches. Friedrich regierte weitgehend reichsfern und war durch innerdynastische Auseinandersetzungen in seinen Erblanden gebunden. Von den 53 Herrschaftsjahren hielt sich Friedrich insgesamt nur neun Jahre außerhalb seiner Erblande auf. Während eines Zeitraums von 27 Jahren (1444–1471) verließ er seine Erblande, abgesehen von zwei Reisen nach Italien 1452 und 1468/69, überhaupt nicht.
Seit den 1470er Jahren wandte er sich verstärkt dem Reich im Westen zu. Die neue Aktivität des Kaisers im Reich ging mit einem tiefgreifenden Struktur- und Verfassungswandel einher, der von der Spätmittelalterforschung als „Verdichtung“ des Reiches beschrieben wird. Durch die Anwartschaft Ungarns 1459/63 und insbesondere den Erwerb Burgunds sowie die Sicherung der Nachfolge für seinen Sohn Maximilian I. setzte Friedrich die Grundlage für den großdynastischen Aufstieg der Habsburger. Ihm gelang durch die Beerbung der Albertiner 1457/63 und der Tiroler Linie 1490 die Wiedervereinigung der seit 1379 geteilten Länder des Hauses Österreich.
In der älteren Forschung wurde das Reich als durch Friedrichs Untätigkeit und Abwesenheit innerlich zerrissen und nach außen machtlos beschrieben. Friedrich galt als „des Heiligen Römischen Reiches Erzschlafmütze“, jedoch auch infolge einer stark unvollständigen Quellenlage: Bekannt waren nur etwa 8000 der geschätzten 30.000 bis 50.000 Urkunden, die er in seiner langen Herrschaftszeit hinterließ. Die bislang unbekannten Dokumente werden seit 1982 von der „Deutschen Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii e. V.“ publiziert. Durch sie begann in der Forschung eine Revision der bis in die jüngste Vergangenheit sehr negativen Beurteilung Friedrichs III. und seiner Regierung. 
VON HINWIL, Herdegen II. (I10255)
 
2808 Friedrich III. war der ältere Sohn von Graf Friedrich II. († 1237), dem Stammvater des zweiten Leininger Grafengeschlechts und dessen Frau Agnes von Eberstein, Schwester des Grafen Eberhard IV. von Eberstein und Cousine der Hl. Hedwig. Sein Bruder Berthold von Leiningen amtierte als Bischof von Bamberg, ein anderer Bruder, Heinrich von Leiningen, war Bischof von Speyer, welches Amt zuvor schon ihr Onkel Konrad von Eberstein bekleidete; der Großonkel Poppo von Meran war ebenfalls Bischof von Bamberg.

Nachdem der Vater 1237 verstorben war, teilte der Speyerer Bischof Konrad V. von Eberstein die Leininger Grafschaft zwischen Friedrich III. und seinem Bruder Emich IV., der die Landecker Linie stiftete. Auf dem Siegel der Teilungsurkunde erscheint erstmals das Leininger Wappen mit den drei Adlern.

Spätestens 1245 ehelichte Friedrich die Gräfin Adelheid von Kyburg, Cousine König Rudolfs I. von Habsburg, Nichte des Metzer Bischofs Jakob von Lothringen und Enkelin Herzogs Friedrich II. von Lothringen.[1] Einzige Nachkommen waren Friedrich IV. und der nur einmal, 1281, in einer Urkunde als Zeuge genannte Konrad.

Regierungszeit
Die Stammburg Altleiningen wurde zum gemeinschaftlichen Besitz der beiden Brüder, da aber Friedrich III. sie nicht zusammen mit seinem Bruder Emich IV. bewohnen wollte, erbaute er sich von 1238 bis 1241 unweit davon die Burg Neuleiningen. Wahrscheinlich gründete er auch die gegenüberliegende Burg Battenberg. In seiner Regierungszeit endete 1249 der Streit mit der Abtei Limburg wegen des Baus der Hardenburg.

Friedrich III. konnte das Herrschaftsgebiet und die Rechte der Leininger erheblich ausweiten. Der Bischof von Straßburg verweigerte dem Grafen zunächst das Lehen der lothringischen Grafschaft Dagsburg samt der gleichnamigen Burg, auf das er nach einem Erbfall Anspruch erhob. Erst als sich Kaiser Friedrich II. zugunsten des Leiningers einsetzte, wurde das Lehen 1241 an die Leininger übertragen. 1242 erwarb Friedrich von Kurköln das Lehen an der Vogtei Guntersblum.

1254 trat der Graf dem Rheinischen Städtebund bei; sein Bruder Emich schlug sich jedoch auf die Gegenseite. Ein Vergleich beendete 1256 die Differenzen zwischen beiden Geschwistern.

Sein Verwandter, König Rudolf I. von Habsburg belehnte Friedrich III. 1274 mit der Burg Lindelbrunn und übertrug ihm 1275 das Amt des Landvogtes im Speyergau sowie den Schutz der Abtei Otterberg. 1277 war Friedrich königlicher Landrichter. 1278 wurde er von Pfalzgraf Ludwig II. als Burgmann in Alzey eingesetzt und 1281 ernannte ihn König Rudolf zum Burggrafen in Hagenau.

Bereits im Jahre 1271 scheint Graf Friedrich eine Pilgerreise ins Hl. Land unternommen zu haben, da ihm dort am 6. September des Jahres, der Dominikanerpater Johannes, Erzbischof von Tyrus, diverse Reliquien für das Kloster Höningen in der Wormser Diözese übergab und den Verehrern der Heiligtümer bzw. den Guttätern des Klosters, vorbehaltlich der Zustimmung des Ortsbischofs, einen Ablass verlieh.[2]

Friedrich verstarb im Jahre 1287 und wurde in Höningen beigesetzt. Das Todesjahr seiner Frau ist nicht bekannt. 
VON LEININGEN, Friedrich III. (I52171)
 
2809 Friedrich III. war ein Sohn des Königs Peter II. von Sizilien aus dem Haus Aragon und dessen Gemahlin Elisabeth von Kärnten. Er folgte 1355 seinem Bruder Ludwig, der ohne legitime Nachkommen gestorben war, als König von Sizilien und nach dem Tod Friedrichs I. von Athen als Herzog von Athen und Neopatria.

Er stand zunächst unter Regentschaft seiner ältesten Schwester Konstanze, nach deren Tod 1355 führte seine jüngere Schwester Eufemia bis 1357 die Regierungsgeschäfte. Am 15. April 1361 heiratete er in Catania Konstanze, Tochter des Peter IV., König von Aragon, mit der er sein einziges eheliches Kind hatte: Maria I., Königin von Sizilien.

Der Anfang von Friedrichs Regierungszeit war überschattet durch mehrfach unterbrochene Kriege mit dem Königreich Neapel. 1372 kam er mit den Neapolitanern und dem Papst zu einem Friedensschluss, nach dem er als tributpflichtiger König von „Trinacria“ bezeichnet wurde, was der faktischen Anerkennung der Autonomie Siziliens gleichkam. Zur Bekräftigung dieses Friedens heiratete Friedrich 1377 die neapolitanische Adlige Antonia del Balzo, Tochter des Francesco I., Herzog von Andria.

Friedrich zeigte sich seiner Aufgabe als König in ständiger Rivalität zu den Baronen in keiner Weise gewachsen. Er stützte sich auf seinen Günstling Graf Enrico di Ventimiglia-Gerace, der schließlich in einer Rebellion vertrieben wurde. 1374 entging Friedrich einem Attentat in der Kirche von Messina.

Verhandlungen über eine dritte Ehe des Königs mit Antonia, Tochter des Bernabò Visconti, wurden durch den Tod Friedrichs 1377 gegenstandslos.

„Friedrich der Einfältige“ wird oft mit Friedrich II. (regierte 1296–1337) verwechselt, der sich selbst Friedrich III. nannte, im Gedenken an seinen Vorgänger, den Stauferkaiser Friedrich II., der auch König von Sizilien war. 
(SIZILIEN), Friedrich III. (I61238)
 
2810 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I55418)
 
2811 Friedrich Strauß wurde als Sohn eines Pfarrers im westfälischen Iserlohn geboren. Von 1805 bis 1808 studierte er an der Friedrichs-Universität Halle und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Evangelische Theologie. Während seiner Studienzeit lernte er den späteren Theologieprofessor August Neander kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Zusammen mit Otto von Loeben („Isidorus Orientalis“), Joseph von Eichendorff („Florens“) und Wilhelm Budde (1786–1860, Pseudonym „Astralis“) verbanden sie sich im „Eleusischen Bund“. Von 1809 bis 1814 war er Pfarrer der lutherischen Gemeinde in Ronsdorf, anschließend in Elberfeld. Hier entstand sein erfolgreiches vierbändiges Werk Glockentöne. 1816 heiratete Strauß Johanna von der Heydt, Tochter des einflussreichen Bankiers und ehemaligen Elberfelder Bürgermeisters Daniel Heinrich von der Heydt-Kersten und Schwester des Bankiers und späteren preußischen Handels- und Finanzministers August Frh. von der Heydt. 1822 wurde er vierter Dom- und Hofprediger am preußischen Hof in Berlin und Professor für Praktische Theologie an der Berliner Universität. 1824 gehörte er zu den Mitbegründern der Berliner Missionsgesellschaft. 1833/34 amtierte er als Rektor der Universität, 1836 wurde er geistlicher Rat im Kultusministerium. Als 1840 Friedrich Wilhelm IV., der im Gegensatz zu seinem Vater sehr zur Frömmigkeit neigte, den preußischen Thron bestieg, gewann Strauß erheblichen Einfluss auf den König. Während der Märzrevolution 1848 soll er diesen zum Nachgeben bewogen haben. 1850 wurde er Mitglied im altpreußischen Evangelischen Oberkirchenrat und 1856 Oberhofprediger.


Gedenkstein auf dem Berliner Domfriedhof II
Strauß’ Söhne, der Gründer des Berliner Jerusalemsvereins Friedrich Adolf Strauß und Otto Strauß (späterer Superintendent), schlugen gleichfalls die theologische Laufbahn ein. 
STRAUSS, Gerhard Friedrich Abraham (I53416)
 
2812 Friedrich von Essellen wurde als drittes von acht Kindern der Eheleute Friedrich Heinrich von Essellen (Justizrat, 1787 in den Adelsstand erhoben) und Dorothea Mallinckroth geboren. Er trat 1794 in den preußischen Militärdienst ein und war Rittmeister im ehemaligen 1. Westfälischen Landwehr-Kavallerie-Regiment. Nach dem Gesuch des Kreistags Soest um Übertragung des Amtes des Landrats wurde von Essellen am 26. März 1817 unter Dispensation von der Prüfung zum Landrat des Kreises Soest ernannt. Am 15. April 1817 trat er seinen Dienst an und betrieb seine Dienstgeschäfte in zwei Räumen in seiner Privatwohnung in der Thomästraße 1 in Soest. Die Kosten für den beantragten dritten Raum wollte die Königliche Regierung in Arnsberg nicht übernehmen.[1]

Am 21. Februar 1838 trat von Essellen auf eigenes Gesuch in den Ruhestand.

In seinem Testament vom 30. Juli 1839 hinterließ Friedrich von Essellen den Armen der evangelischen Gemeinde zu Bochum 100 Taler und den Armen der Stadt Soest 50 Taler.[2]

Ehrungen
Eisernes Kreuz II. Klasse.
Weblinks
Friedrich von Essellen, Kurzportrait im Internet-Portal Westfälische Geschichte
Ahnentafel Familie von Esselen 
VON ESSELEN, Friedrich Wilhelm Adolf Heinrich Dietrich (I44382)
 
2813 Friedrich von Grolman war der Sohn des Gießener Rechtsprofessors Adolf Ludwig Grolman (1722–1795) und dessen Ehefrau Anna Sophie, geborene von Rauen (1744–1827). Der spätere Staatsminister Karl Ludwig Wilhelm von Grolman (1775–1829) war sein Bruder. Am 4. März 1813 erfolgte die großherzoglich-hessische Adelsanerkennung des königlich-preußischen Adelsstandes der Familie, die evangelisch war.

Friedrich von Grolman heiratete Johanna Eleonore Philippine geborene Seyler (1781–1848). Aus der Ehe gingen hervor:

Friedrich Ludwig Franz Emil Georg Adolph (1809–1864), Hofgerichtsrat und Landtagsabgeordneter
Amalie, die den späteren Kreisrat Wilhelm Rautenbusch heiratete.[1]

Friedrich von Grolman war bis 1810 Hofgerichtsadvokat in Gießen und wurde 1810 Justizamtmann in Homberg an der Ohm/Burg Gemünden. 1817 wechselte er als Wirklicher Hofgerichtsrat und erster Peinlicher Richter an das Hofgericht Darmstadt. Ab 1819 war er Wirklicher Regierungsrat und 1827 Wirklicher Geheimer Regierungsrat. 1832 wechselte er als Wirklicher Oberappellations- und Kassationsgerichtsrat an das Oberappellationsgericht Darmstadt. 1831 und 1834 und erneut 1849–1858 war Mitglied des Staatsrates, 1836 wurde er zum Geheimen Rat ernannt.

Von 1820 bis 1824, 1826 bis 1830 und erneut 1834 bis 1849 gehörte er der Zweiten Kammer der Landstände an. Er wurde für den Wahlbezirk Oberhessen 13/Gedern-Ortenberg, Oberhessen 4/Homberg und später Oberhessen 2/Gladenbach gewählt. 1856 wurde er zum Mitglied der ersten Kammer des hessischen Landtags auf Lebenszeit ernannt und 1858 pensioniert

1856 wurde er mit dem Titel eines Dr. jur. h. c. geehrt. 
GROLMANN, Friedrich (I6314)
 
2814 Friedrich von Hausegger erhielt seine musikalische Schulung bei Karl Gottfried Salzmann und Felix Otto Dessoff. Er studierte Jura und war bereits Hof- und Gerichtsadvokat in Graz, als er sich 1872 für Geschichte und Theorie der Musik an der Universität Graz habilitierte.[1]

Seine Schrift „Die Musik als Ausdruck“ (Wien 1885, 1887) gilt als ursprüngliche Begründung der spezifisch neuromantischen Musikästhetik und stellt den Gegenpol zu Eduard Hanslicks Darstellung „Vom Musikalisch-Schönen“ dar. Außerdem schrieb er „Richard Wagner und Schopenhauer“ (Leipzig 1878, 1892), „Das Jenseits des Künstlers“ (Wien 1893), „Die Anfänge der Harmonie“ (Charlottenburg 1895), „Die künstlerische Persönlichkeit“ (Wien 1897), „Gedanken eines Schauenden“ (Gesammelte Aufsätze, herausgegeben von seinem Sohn Siegmund von Hausegger) und „Unsere deutschen Meister Bach, Mozart, Beethoven, Wagner“ (herausgegeben von R. Louis, München 1901).[1] 
VON HAUSEGGER, Friedrich (I52913)
 
2815 Friedrich von Isenberg, Graf von Isenberg, auch Friedrich de Novus Ponte genannt (* vor 1193; † 14. November 1226 in Köln), war Sohn von Arnold von Altena, dem Grafen von Altena († nach 1205) und Mechthild von Holland (andere Quellen nennen auch Mathilde von Holland oder Mathilde von Cleve als Ehefrau[1]). Sein Stammsitz war die Burg Isenberg bei Hattingen. Er ließ seinen Onkel 2. Grades Engelbert I. von Köln (auch Engelbert II. von Berg), den Erzbischof von Köln, am 7. November 1225 in einem Hohlweg im heutigen Gevelsberg von Gefolgsleuten überfallen. Weil der Erzbischof bei dem Kampf lebensgefährlich verletzt wurde und kurz darauf starb, wurde Friedrich von Isenberg nach langer Flucht festgenommen und hingerichtet. VON ISENBERG, Friedrich (I52329)
 
2816 Friedrich war der Sohn des Wojwoden zu Pernau Magnus Ernst von Dönhoff († 18. Juni 1642) und der Katharina Gräfin von Dohna († 1659). Am 18. Mai 1667 trat Friedrich von Dönhoff als Oberstleutnant und Kommandeur eines Regiments, des späteren altpreußischen Infanterieregiments No. 2, auf. Am 24. Juni 1668 wurde er Oberst und Chef dieses Regiments, das damit seinen Namen trug. 1673 wurde er vom Großen Kurfürsten zur polnischen Königswahl gesandt. Seit dem 10. April 1678 war er Generalmajor und seit dem 18. Juli Gouverneur von Memel. Am 5. März 1684 wurde er zum Generalleutnant befördert und 1688 Oberkammerherr. Im Jahr darauf wurde er wirklicher Geheimer Etats- und Kriegsrat, 1692 auch Chef der Garnisonskompanie in Memel, wo er 1696 starb. VON DÖNHOFF, Friedrich (I57861)
 
2817 Friedrich war der Sohn von Heinrich II. von Veldenz und Loretta von Sponheim-Starkenburg. Sein Bruder Johann von Veldenz († 1434) war Benediktiner und Abt des Klosters Weißenburg (Wissembourg) im Elsass. Friedrich trat eine geistliche Laufbahn an und war 1393 Domherr in Trier. Nach dem Tod seines Bruders Heinrich III. trat er in den weltlichen Stand zurück, heiratete Margarethe von Nassau und übernahm die väterliche Erbschaft. 1387 war die Grafschaft von Heinrich II. und dessen Bruder Friedrich II. in eine niedere und eine obere Grafschaft geteilt worden. 1396 konnte Friedrich die beiden Teile wieder vereinen, nachdem sein Onkel Friedrich II. ohne Erben gestorben war. Einzige Tochter und Erbin der Grafschaft war Anna von Veldenz, die 1410 Herzog Stefan von Pfalz-Zweibrücken heiratete. 1419 nahm Friedrich seinen Schwiegersohn Stefan als Mitregent auf. 1425 wurde im Beinheimer Bescheid der anstehende Erbfall der Grafschaft Sponheim mit Baden als Miterben geregelt. 1437 starb mit Johann V. von Sponheim der letzte Graf von Sponheim. Gemäß der Vereinbarung übernahmen Friedrich und Markgraf Jakob von Baden das Erbe. Durch die Vererbung von Sponheim, Veldenz und den Pfälzischen Anteilen entstand ein neues großes Territorium (siehe Pfalz-Simmern-Zweibrücken). 1438 wurde bereits eine zukünftige Erbteilung unter Stefans Kindern vereinbart. Friedrich von Veldenz stimmte dieser Erbteilung zu. (VELDENZ), Friedrich III. (I54320)
 
2818 Friedrich war ein Sohn des Grafen Friedrich IX. von Hohenzollern aus dessen Ehe mit Adelheid († nach 1385), Tochter des Grafen Burchard V. von Hohenberg-Wildberg.

Friedrich erwirkte von König Wenzel die Exemtion seines Landes von den kaiserlichen Landgerichten und schloss sich 1381 militärisch Herzog Leopold III. von Österreich an, mit dem er 1386 in der Schlacht bei Sempach kämpfte. Später vermittelte er für die Österreicher in ihrem Konflikt mit schwäbischen und fränkischen Reichsstädten.

In seinen letzten Lebensjahren kümmerte sich Friedrich um innere und Familienangelegenheiten der Grafen von Zollern, deren Senior er seit 1408 war und als solcher den Familienfrieden erhalten konnte. Mit Friedrich erlosch die von seinem Vater begründete schwarzgräfliche Linie der Hohenzollern wieder. Friedrichs Ehe mit Anna († 1421), Tochter des Grafen Burchard IX. von Hohenberg-Nagold, die als Priorin von Reuthin starb, war kinderlos geblieben. Den Großteil seiner Güter vermachte er seinem Vetter Friedrich dem Oettinger. 
VON ZOLLERN, Friedrich X. der jüngere Schwarzgraf (I40820)
 
2819 Friedrich war ein Sohn des Grafen Konrad II. von Werl-Arnsberg und Mathilde von Northeim, einer Tochter des Grafen Otto von Northeim, Herzog von Bayern. Er selbst war verheiratet mit Adelheid von Limburg, einer Tochter des Herzogs Heinrich I. Aus der Ehe ging die Tochter Ida (teilweise auch als Jutta bezeichnet) als Erbin der Grafschaft Werl-Arnsberg hervor. Diese war in erster Ehe mit Gottfried II. Graf von Cappenberg und in zweiter Ehe mit Gottfried I. Graf von Cuyk verheiratet. (ARNSBERG), Friedrich I. ´der Streitbare` (I22783)
 
2820 Friedrich war Sohn des Grafen Friedrich IV. von Zollern aus dessen Ehe mit Elisabeth von Abensberg und folgte seinem Vater um 1255 als Graf von Zollern.

Er erwarb die Vogtei über das Kloster Beuron und war 1259 der Gründer von Kloster Stetten im Gnadental. Die Stiftung wurde 1267 gemeinsam mit seiner Gemahlin nochmals erweitert. Im selben Jahr wurde das Kloster Stetten auch zur Erbgrablege der Hohenzollern bestimmt. Der Sage nach soll Friedrich das Kloster gegründet haben, um Kaiser Friedrich II. versöhnlich zu stimmen, da er ihm die Heerfolge versagt hatte.[1] Mit den verwandten schwäbischen Grafen von Hohenberg lag Friedrich in ständigen Auseinandersetzungen, die erst 1286 durch Schlichtung von König Rudolf von Habsburg beigelegt wurden. Die Streitigkeiten mit den Hohenbergern hatten eine lange Vergangenheit, besonders im Jahr 1267 eskalierte die Situation.

Die Besitzungen der schwäbischen Hohenzollern bildeten ein recht geschlossenes Herrschaftsgebiet. Entfernter Besitz war ohnehin größtenteils verkauft worden. Friedrich beherrschte das Gebiet des späteren Fürstentums Hohenzollern-Hechingen, das spätere württembergische Oberamt Balingen, die Herrschaft Mühlheim an der Donau und einen Landstrich zwischen Hechingen und Tübingen. Balingen ging den Hohenzollern 1403 durch Verkauf an die Württemberger verloren. Kein geschlossenes Gebiet war in Richtung des Machtbereichs der Grafen von Hohenberg vorhanden. Hier durchmischten sich die Besitzungen. Unter Friedrich, der als fromm und geachtet beschrieben wurde, erreichten die Zollerngrafen einen Machthöhepunkt. Durch die Teilung des Landes unter seinen Söhnen Friedrich VI. und Friedrich I. verlor die eigentliche Grafschaft erheblich an Bedeutung. 
(ZOLLERN), Friedrich V. ´der Erlauchte` (I1603)
 
2821 Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt (* 22. Juni 1767 in Potsdam; † 8. April 1835 in Tegel) war ein preußischer Gelehrter, Schriftsteller und Staatsmann. Als Bildungsreformer initiierte er die Neuorganisation des Bildungswesens im Geiste des Neuhumanismus, formte das nach ihm benannte humboldtsche Bildungsideal und betrieb die Gründung der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin.

Zusammen mit seinem Bruder Alexander von Humboldt zählt er zu den großen, fortwirkend einflussreichen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturgeschichte. Während Alexander dabei vor allem der erd- und naturwissenschaftlichen Forschung neue Horizonte erschlossen hat, lagen die Schwerpunkte für Wilhelm in der Beschäftigung mit kulturwissenschaftlichen Zusammenhängen wie der Bildungsproblematik, der Staatstheorie, der analytischen Betrachtung von Sprache, Literatur und Kunst sowie in aktiver politischer Mitgestaltung als Reformmotor im Schul- und Universitätswesen und als preußischer Diplomat.

Entgegen der zur Zeit der Aufklärung nicht unüblichen Ausrichtung von Politik, Kultur, Wissenschaft und Erziehungswesen am Allgemeinwohl definierte Wilhelm von Humboldt als oberste Aufgabe des Menschen die Bildung der eigenen Individualität und Persönlichkeit. Dabei ging es ihm um „die höchste und proportionierlichste Ausbildung aller menschlichen Kräfte zu einem Ganzen“. 
VON HUMBOLDT, Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand (I48785)
 
2822 Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (* 14. September 1769 in Berlin; † 6. Mai 1859 ebenda) war ein deutscher Forschungsreisender mit einem weit über Europa hinausreichenden Wirkungsfeld. In seinem über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten entstandenen Gesamtwerk schuf er „einen neuen Wissens- und Reflexionsstand des Wissens von der Welt“[1] und wurde zum Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft. Er war der jüngere Bruder von Wilhelm von Humboldt.

Mehrjährige Forschungsreisen führten Alexander von Humboldt nach Lateinamerika, in die USA sowie nach Zentralasien. Wissenschaftliche Feldstudien betrieb er unter anderem in den Bereichen Physik, Geologie, Mineralogie, Botanik, Vegetationsgeographie, Zoologie, Klimatologie, Ozeanographie und Astronomie. Weitere Forschungen betrafen die Wirtschaftsgeographie, die Ethnologie, die Demographie, die Physiologie und die Chemie. Alexander von Humboldt korrespondierte mit zahlreichen Experten verschiedener Fachrichtungen und schuf so ein wissenschaftliches Netzwerk eigener Prägung.

In Deutschland erlangte Alexander von Humboldt vor allem mit seinen Werken Ansichten der Natur und Kosmos außerordentliche Popularität. Schon zu Lebzeiten genoss er im In- und Ausland ein hohes Ansehen und wurde als „der größte Naturforscher [seiner] Zeit“ betrachtet.[2] Die Preußische Akademie der Wissenschaften würdigte ihn als „die erste wissenschaftliche Größe seines Zeitalters“, dessen Weltruhm sogar den von Gottfried Wilhelm Leibniz überrage.[3] Die Pariser Akademie der Wissenschaften verlieh ihm den Beinamen „Der neue Aristoteles“.

Die Vielschichtigkeit von Humboldts Werk und Vita brachte es mit sich, dass sich nach seinem Tod zahlreiche gesellschaftliche und politische Strömungen für ihre jeweiligen Ziele auf ihn beriefen. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts – unter dem Eindruck einer umfassenden Globalisierung – wird sein Wirken als Pionier des ökologischen Denkens rezipiert, für den die Einsicht galt: „Alles ist Wechselwirkung“. 
VON HUMBOLDT, Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander (I48786)
 
2823 Friedrich Wilhelm Strieder, Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte, 2. Band, Göttingen 1782, S. 386-388. Studium in Basel BS 1694 (Matrikel der Universität Basel - siehe www.e-codices.ch - am 19.7.1694, "Hanov.") und Dr. med. ebenda 1696 (Aegritudines infantum ac puerorum / quarum originem et curam meditatione iatrica inaugurali ... pro gradu doctoratus summisque in medicina honoribus ac privilegiis rite & legitime consequendis publicae placidaeque eruditorum disquisitioni submittit Fridericus Christ. Cregutus Neo-Hanoviensis. Ad diem 5. Februar. Anni MDCXCVI. ...., Basel 1696). CREGUT, Prof. Dr. med Prof. Dr. med Friedrich Christian (I12112)
 
2824 Friedrich Wilhelm Strieder, Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte, Band 1, S. 63/64. Matrikel der Universität Utrecht im Aug. 1696, "Herborna-Hassovius". Professor in Marburg (1699), Pfarrer in Hamburg (1704) und Hofprediger in Berlin (1709). ANDREAE, Prof. Dr. theol. Prof. Dr. theol. Johann Ernst (I28868)
 
2825 Friedrich-Wilhelm Strieder, Grundlage zu einer hessischen Gelehrten und Schriftsteller-Geschichte. 16. Band, S. 234. Rosenkranz, Das Evangelische Rheinland, II. Band, 1958, S. 525. Geboren Hirschberg (Dillkreis). Studium in Herborn 1621/25 (Matrikel der Hohen Schule Herborn am 20.4.1621, "Hochstetensis; inspector Diezensis"). Helfer bei seinem Vater in Hahnstätten 1625, Diakon in Diez 1627, Pfarrer in Ober-Ingelheim 1632/35, Diez 1635/58 und St. Goar 1658/66. Veröffentlichung: Hertz-erfrewliche und Trostreiche Christenfeyer : Darinnen Ein jeder frommer Christ zu sehen/ mit was für Gedancken er vor- und nach der Verrichtung deß Sontäglichen Gottesdiensts/ den Sabbath recht zu-feyren/ umbgehen solle, Frankfurt am Main, 1648. TREVIRANUS, Nikolaus (I12161)
 
2826 Froben Christoph von Zimmern wurde am 19. Februar 1519 auf Schloss Mespelbrunn im Spessart als Sohn von Johann Werner von Zimmern und Katharina von Erbach geboren. Er wurde dort und in Aschaffenburg von seinem Stiefgroßvater Philipp Echter und seiner Großmutter, der Gräfin von Werdenberg, erzogen.

Erst 1531 kam er zum ersten Mal in seine zimmerische Heimat. Nach kurzem Aufenthalt auf Burg Falkenstein, der mit einem ersten konfliktgeladenen Treffen mit seinem Vater verbunden war und ihn zum Weggang zu seinem Onkel Gottfried Werner von Zimmern in Meßkirch bewog, begann er, zusammen mit seinem älteren Bruder Johann Christoph, zunächst bis 1533 sein Studium in Tübingen.

Nach einem Aufenthalt in Straßburg studierte er ab dem Winter 1533/34 bis 1536 in Bourges, danach, nach Aufenthalt im Winter 1536/37 in Köln, ab Ostern 1537 ohne seinen Bruder Johann in Löwen. Dort blieb er bis Juli 1539.

Nach kurzem Aufenthalt zuhause reiste er Anfang November 1539 mit dem Plan ab, über Löwen nach Spanien zu reisen, um dort seine Studien fortzusetzen. Diesen Plan lässt er aber in Löwen fallen und im Dezember 1539 reiste Froben Christoph über Paris nach Angers.

Aus Paris datiert vom 23. Februar 1540 sein erstes historisches Opus, der „liber rerum Cimbriacarum“, quasi eine erste (Kurz-)Fassung der Zimmerischen Chronik.

Kurz nach Ostern 1540 reiste Froben zusammen mit seinem jüngeren Bruder Gottfried, mit dem er in Paris zusammengetroffen war, nach Angers weiter. Im Winter 1540/41 setzten sie aber ihre Studien in Tours fort, da die Lebenshaltungskosten in Angers zu hoch geworden waren. Froben erkrankte dort schwer an den Pocken. Es ist aber auch möglich, dass es sich um Auswirkungen seiner alchemistischen Experimente, die er dort unternommen hatte, handelte.

Nach seiner Genesung unternahm er eine überhastete Rückreise nach Meßkirch, da er, auf Grund einer Fehde gegen das Haus Zimmern, um sein Leben fürchtete. Er erreichte Meßkirch Ende Juli 1541. Diese Befürchtung erwies sich aber als unbegründet, so dass Froben im Herbst seine Studien in Speyer fortsetzen konnte. Er wohnte dort bei seinem Onkel Wilhelm Werner, der zu dieser Zeit noch als Beisitzer (Richter erst ab 1548) am dortigen Reichskammergericht tätig war. Nachdem Wilhelm Werner im Juli 1542 seine Tätigkeit am Reichskammergericht (vorübergehend) aufgab, beendete Froben Christoph seine Studien ebenfalls.... 
VON ZIMMERN, Froben Christoph (I52102)
 
2827 Fromond II. und eine Tochter des Thibaud von Rougemont hatten vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter.
- Thiébaud Ier
- Vandeline : elle épouse le 23 janvier 1180 Jean de Rye,
- Amédée qui créé la branche de Frasne
- Clémence, (? - après 1272) : elle épouse Pierre IV de Scey-Montbéliard, (? - après 1239), seigneur de Scey et Montron.

Geschichte
Dramelay war im Mittelalter eine Seigneurie. Herren von Dramelay waren:

Amedé, 1044 bezeugt
Onfroy, dessen Enkel, um 1090 bezeugt
Bernard de Tromelai, Großmeister der Tempelritter 1151-1153
Hugues I. de Dramelay, Konstabler der Grafschaft Burgund 1173
Hugues II. de Dramelay, dessen Sohn, Herr von Dramelay 1189-1217
1240 wurde Burg Dramelay erobert und in der Folge Besitz des Grafen von Chalon, der sie 1248 an seinen Schwager Rudolf von Courtenay weitergab. 1260 war Hugo von Chalon im Besitz der Burg, später Jean III. de Chalon, Graf von Auxerre († 1379). Die Burg ging an eine jüngere Linie, die Herren von Châtel-Belin und schließlich an die Chalon-Arlay, Fürsten von Orange.

Eine Nebenlinie besaß (infolge des Vierten Kreuzzugs) ein Dutzend Burgen auf dem Peloponnes und 34 Burgen in der Franche-Comté. Zu dieser Linie gehört Amadeus de Tramelay, Erzbischof von Besançon 1197-1220.

Die Burg Dramelay wurde in den Kämpfen nach dem Tod Karls des Kühnen († 1477) zerstört.

Bevölkerungsentwicklung
1962 : 42
1968 : 45
1975 : 43
1982 : 43
1990 : 44
1999 : 32

Sehenswürdigkeiten
Burgruine
Kapelle der Tempelritter 
VON DRAMELAY, Fromond II. (I11163)
 
2828 Froschauer erlernte das Setzer- und Buchdruckerhandwerk vermutlich bei seinem Onkel Hans Froschauer in Augsburg. Um 1515 kam er nach Zürich und arbeitete zuerst als Angestellter bei Hans Rüegger, wo er eine Druckerei aufbaute. Nach Rüeggers Tod heiratete Froschauer 1517 dessen Witwe, übernahm die Druckerei und bekam 1519 das Bürgerrecht der Stadt verliehen.

Dadurch erhielt er Druckaufträge vom Stadtstaat Zürich. Er druckte ins Deutsche übersetzte Werke von Erasmus von Rotterdam, von Luther und insbesondere von Zwingli. Zwingli bediente sich des neuen Mediums sehr gewandt und liess Predigten und andere programmatische Schriften in kurzer Zeit bei Froschauer drucken. Froschauer wurde so zu einem wichtigen Förderer der Reformation in Zürich.

In Froschauers Haus fand im Beisein Zwinglis das «Wurstessen» während der Fastenzeit 1522 statt, eine geplante Provokation, für die er sich vor dem Stadtrat verteidigen musste.[1]

Verheiratet war Froschauer in erster Ehe mit Elise Rüegger-Zimmermann († 1550), nach ihrem Tod mit Dorothea Locher; beide Ehen blieben kinderlos. Froschauer starb 1564 an der Pest. Die Druckerei wurde von seinem Neffen Christoph Froschauer dem Jüngeren weitergeführt und wechselte nach dessen Tod 1585 über die Jahrhunderte mehrfach den Besitzer.
In Froschauers Druckerei wurden zwischen 1520 und 1564 über 700 Titel[2] in annähernd einer Million Exemplaren gedruckt, darunter reich ausgestattete Bibeln, wie 1524 Luthers Neues Testament, 1525 Altes Testament, 1530 die «Zürcher Bibel» mit etwa 100 Illustrationen nach Vorlagen von Hans Holbein d. J. Zu den Glanzstücken aus der Druckerei Froschauers gehört die prachtvoll illustrierte «Schweizer Chronik» (1547/48) von Johannes Stumpf. Den überwiegenden Teil dieser Illustrationen (400 Holzschnitte) schuf Heinrich Vogtherr der Ältere.[3] Bedeutung erlangte Froschauer auch als Verleger von kartografischen Werken: Bereits die Bibel von 1525 war mit einer Karte des Heiligen Landes versehen. 1546 gab er die Kosmografie Johannes Honterus’ von 1541 im Nachdruck heraus, und die Karten der Stumpf-Chronik erschienen auch separat als «Landtafeln».

Froschauer druckte nicht nur, sondern schnitt seine eigenen Schriften, baute eine Typengiesserei auf, übernahm Buchbindearbeiten und den Vertrieb der Werke in einer eigenen Buchhandlung. Mit der Pacht der städtischen Papiermühle auf der Papierwerd in der Limmat erzeugte er sein eigenes Papier.

Die meisten seiner Druckermarken zeigen einen Baum mit kletternden Fröschen, ein Bilderrätsel, das durchaus doppelsinnig gelesen werden kann, indem der Baum eine Weide darstellt, die auf einer Aue (Homonym zu Weide) steht, somit eine Frosch-Weide auf einer Frosch-Aue.[4]

Der Gebäudekomplex an der heutigen Froschaugasse (Hausnummer 4 war die mittelalterliche Synagoge) hatte nach der Aufhebung des Frauenklosters St. Verena und Verkauf der Gebäude an Christoph Froschauer im Jahr 1551 den Namen «Zur Froschau» erhalten.[5]

Die heutige Orell Füssli (Verlag, Buchhandlung, Karten- und Banknotendruck) führt ihre Anfänge auf Froschauers Druckerei zurück.  
FROSCHAUER, Christoph (I34396)
 
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2831 Frühe Jahre und Herrschaftsbeginn
Rudolfs Vater war Herzog Ludwig II. von Bayern, seine Mutter dessen dritte Gattin Mathilde von Habsburg, die Tochter des römischen Königs Rudolf von Habsburg und der Erbgräfin Gertrud von Hohenberg.

1294 folgte Rudolf seinem verstorbenen Vater als Herzog von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein nach. Neben anderen Städten wie Amberg, Nabburg und Schwandorf wurde München durch Rudolf begünstigt, schon 1294 wurde die Rudolfinische Handfeste ausgestellt, eine Sammlung der Rechte und Pflichten der Bürger der Stadt München.

Reichspolitik und Bruderzwist
In der Schlacht bei Göllheim 1298 kämpfte Rudolf, ebenso wie der niederbayerische Herzog Otto, auf der unterliegenden Seite seines Schwiegervaters König Adolf von Nassau, der in dieser Schlacht fiel. Bei der anschließenden Königswahl seines Onkels, des Habsburger Albrecht I., wechselte er auf dessen Seite, geriet aber wegen hausmachtspolitischen Fragen bald wieder mit ihm in Konflikt. Rudolf verbündete sich mit den rheinischen Erzbischöfen gegen den König. Eine Belagerung Heidelbergs durch Albrecht im Jahr 1301 scheiterte zwar; trotzdem musste Rudolf sich ihm unterwerfen, worauf auch die restliche Opposition gegen den König zusammenbrach. Rudolf verlor dabei wichtige Lehen, wie Neumarkt, Donauwörth und Schongau sowie etliche Rheinzölle.

Rudolf war nun auch in die Auseinandersetzungen innerhalb des Hauses Wittelsbach verwickelt. Schon früh befand er sich im Streit mit seinem jüngeren Bruder, dem späteren Kaiser Ludwig IV., der mit Unterstützung der Habsburger und seiner Mutter 1301 seine Beteiligung an der Herrschaft erstritt. Mathilde wurde sogar 1302 in München von ihrem Sohn Rudolf festgenommen und gezwungen, sich künftig nicht mehr in Regierungsangelegenheiten einzumischen. Nachdem sie wieder frei gekommen war, brach sie das Versprechen und sicherte sich die Unterstützung ihres Bruders König Albrecht. Wie es Herzog Ludwig II. der Strenge in seinem Testament bestimmt hatte, teilte sich Rudolf die Herrschaft in der Pfalzgrafschaft und im Herzogtum Oberbayern nun mit seinem jüngeren Bruder.

1302 gelang den Brüdern eine Einigung mit dem oberbayerischen Adel gegen jede weitere Steuererhebung mit der Schnaitbacher Urkunde. Das zugesicherte Steuerbewilligungsrecht der Landstände markiert zusammen mit der Ottonischen Handfeste des niederbayerischen Herzogs von 1311 den Beginn des Parlamentarismus in Bayern.

Nach König Albrechts Ermordung 1308 verfolgte Rudolf eigene Thronpläne, nahm aber dann 1310 am Italienzug des zum König gewählten Luxemburgers Heinrich VII. teil, brach ihn jedoch frühzeitig ab. Denn im Jahre 1310 brach erneut über das väterliche Erbe in Bayern Streit zwischen den Brüdern Rudolf und Ludwig aus. Es folgte die Oberbayerische Teilung von 1310. Im Münchner Frieden von 1313 söhnten sich die Brüder Rudolf und Ludwig IV. vorübergehend aus und regieren nach den Jahren der Trennung Oberbayern wieder gemeinsam. Im selben Jahr besiegte Ludwig dann die Habsburger in der Schlacht von Gammelsdorf und empfahl sich so für die Königskrone. Dessen Sieg im November 1313 entzog das wohlhabende Niederbayern den habsburgischen Ambitionen und festigte die Herrschaft Ludwigs in Bayern.

1314 lag Rudolf daher erneut in Kämpfen mit seinem Bruder Ludwig und unterstützte dann im gleichen Jahr sogar Friedrich den Schönen, als Habsburger nun ein Gegner des Hauses Wittelsbach. Bei der Königswahl im Oktober 1314, die als rivalisierende Doppelwahl an zwei verschiedenen Orten in Frankfurt am Main rechts und links des Mains stattfand, gab Rudolf seine Kurstimme nicht dem Bruder, sondern dem rivalisierenden Habsburger.[1] Am 25. November 1314 wurde Friedrich im Bonner Münster vom Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg zum römisch-deutschen König gekrönt, während Ludwigs Krönung am selben Tag in Aachen, dem traditionellen Krönungsort, vom Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt vollzogen wurde. Bald darauf befand sich der gegen Friedrich zum König gewählte Ludwig IV. aber in der Pfalz und in Bayern in der militärischen Offensive, auch wenn eine größere Schlacht zunächst ausblieb.

Herrschaftsende
Die Münchener Bürgerschaft verhinderte im Frühjahr 1315 den Ausbruch neuer Feindseligkeiten zwischen den Brüdern, aber im Herbst wurde unter anderen Rudolfs wichtige Burg Wolfratshausen von Ludwig eingenommen. 1317 gab Rudolf nach einer Reihe von Niederlagen in seiner aussichtslos gewordenen Lage seine Herrschaftsansprüche in Bayern und der Rheinpfalz weithin auf. Ludwig nahm auch die Rheinpfalz auf Grund des mit seinem Bruder Rudolf am 26. Februar 1317 abgeschlossenen Vertrags mit Waffengewalt in Besitz. Nach dem Vertrag sollte Ludwig so lange allein regieren, wie der Thronstreit mit den Habsburgern andauerte. Rudolf hielt sich dann 1318, wie eine Urkunde aus dem österreichischen Staatsarchiv zeigt, zeitweise in Wien auf. Der Krieg der Wittelsbacher und Habsburger um die Königskrone endete erst 1322, Jahre nach Rudolfs Tod. Aber erst nachdem auch seine Witwe Mechthild im Juni 1323 in Heidelberg starb, deren Hass gegen Ludwig eine dauerhafte Versöhnung unmöglich gemacht hatte, kam es zwischen diesem und den drei Söhnen Rudolfs zu einer Aussöhnung. Wo Rudolf im August 1319 fern der Heimat starb, ist nicht mit Sicherheit bekannt, nach einer Ebersberger Chronik war es Anglia, was der englische Teil Nordfrankreichs gewesen sein könnte. Seine Söhne standen danach unter der Vormundschaft des Grafen Johann von Nassau, einem Anhänger der österreichischen Partei Friedrichs.

Dynastische Bedeutung
Ende September 1322 besiegte Ludwig schließlich Friedrich in der Schlacht bei Mühldorf und hatte somit freie Hand. 1329 gab Ludwig im Hausvertrag von Pavia die Rheinpfalz und weite Teile der nun sogenannten Oberpfalz den Nachkommen Rudolfs zurück. Dadurch spaltete sich die Dynastie der Wittelsbacher in eine ältere pfälzische und eine jüngere bayerische Linie. Letztere starb 1777 im Mannesstamm aus und wurde von den Nachfahren Rudolfs beerbt. Alle heute lebenden Wittelsbacher stammen von der Pfälzer Linie Rudolfs ab. 
(PFALZ), Rudolf I. (I54330)
 
2832 Frühes Leben (1748–1798)
Henriette Philippine Zimmer war die Tochter von Johann Hermann Zimmer (1709–1798) und Anna Elisabeth Zimmer, geborene Boppo (1718–1792). Sie war Vertraute und wurde Hofdame der Landgräfin, die als Ehefrau des Landgrafen und späteren Kurfürsten Wilhelm IX./I. schon bald durch Mätressen abgelöst wurde.

Nach dem frühen Tod von Philipp Wilhelm Grimm (1735–1796), der seine Witwe und ihre sechs überlebenden Kinder, darunter Jacob (1785–1863), Wilhelm (1786–1859) und Ludwig Emil Grimm (1790–1863), auch wirtschaftlich hart traf, sorgte Henriette Philippine Zimmer fortan für eine finanzielle Absicherung der Familie Grimm und ermöglichte später den Brüdern Grimm deren Schulausbildung und Studium.

Finanzielle Sorge für die Familie Grimm (1796)
Im Januar 1796, wenige Tage nach dem Tod des Vaters, wandte sich Jacob Grimm brieflich an seine Tante, mit der Bitte, sich der Familie, ihm und seiner Geschwister anzunehmen.[1] Henriette Philippine Zimmer erwirkte daraufhin, bereits drei Tage nach Erhalt des Bittbriefes, bei der Landgräfin, dass ihre Schwester Dorothea Grimm von der Kabinettskassen-Direktion eine jährliche Pension in Höhe von 100 Gulden Frankfurter Währung erhielt, mit dem Ziel, den Lebensstandard der Familie Grimm nach dem Tode des Vaters einigermaßen zu sichern.[2]

Sorge für Ausbildung der Brüder Grimm (1798–1805)
Nachdem die finanzielle Situation durch den Tod der im Familienverband der Grimms lebenden Tante Juliane Charlotte Friederike Grimm (seit 1785 verwitwete Schlemmer), die die Familie finanziell unterstützt hatte, erneut schwierig wurde, fiel Henriette Philippine Zimmer, die in gesicherten Verhältnissen lebte, die Aufgabe zu, die Sorge für die Ausbildung der Brüder Grimm in ihre eigenen Hände zu nehmen. Fortan sorgte sie bis zu ihrem Tod für eine solide Ausbildung der Kinder.

Ende Juni 1798 reiste sie zu diesem Zweck nach Steinau an der Straße, um mit Dorothea Grimm und dem Großvater mütterlicherseits, Johann Hermann Zimmer (1709–1798), der offiziell als Vormund der Brüder Grimm fungierte, die Details einer Übersiedelung der Brüder Grimm nach Kassel zu besprechen.[3]

Ende September 1798 holte Henriette Philippine Zimmer die beiden Brüder schließlich zu sich nach Kassel, um dort für sie zu sorgen und sie aufs Lyzeum zu schicken.[4]

Da sie selbst im Haushalt der Landgräfin im Stadtschloss oder im Wilhelmshöher Schloss wohnte und über keinen eigenen Hausstand verfügte, brachte sie die Brüder in der Familie von Abraham Vollbrecht, einem landgräflichen Mundschenk und Hofkoch, in Kassel unter.[5] Vollbrecht und seine Frau nahmen die Brüder Grimm als Kostgänger auf und stellten den Brüdern eine kleine Stube zum Lernen zur Verfügung. Die Kosten für Kost und Logis übernahm fortan Henriette Philippine Zimmer.[6] Ihre Unterstützung war dabei „von der reinsten, aufopfernden Liebe“ geprägt.[7]


1802 ging Jacob Grimm zum Studium nach Marburg, Wilhelm folgte ihm 1803. Henriette Philippine Zimmer half den Brüdern auch in ihrer Studienzeit, indem sie z. B. die Kosten für die Miete und das Büchergeld übernahm.

Insbesondere für Jacob Grimm wurde Henriette Philippine Zimmer eine wichtige Ratgeberin und Vertraute für den Fortgang seines Studiums und seiner späteren Berufslaufbahn. Zum Jahreswechsel 1804/1805 wandte sich Jacob Grimm brieflich an seine Tante, mit der Bitte, ihm das Einverständnis für seinen Auslandsaufenthalt bei Savigny in Paris zu erteilen. Kurz vor Ende seines Studienaufenthalts in Paris weihte Jacob Grimm Henriette Philippine Zimmer brieflich in seinen persönlichen Konflikt ein, ob er sich in Zukunft weiter seinen Studien widmen sollte oder nicht doch aus finanziellen Gründen gezwungen sei, sich eine Anstellung zu suchen.[8]

Mehrmals setzte sich Henriette Philippine Zimmer durch Vorsprache bei der Kurfürstin dafür ein, dass ihre beiden „Neveus“ Stellen am kurfürstlichen Hof erhalten sollten. Durch briefliche Ratschläge und finanzielle Unterstützung half sie auch ihrer Nichte Charlotte Grimm, als diese nach dem Tod der Mutter den Brüdern Grimm den Haushalt führte.[9]

Spätes Leben (1806–1815)
Die Brüder Grimm hielten auch nach Abschluss ihres Studiums brieflich und persönlich Kontakt zu ihrer Tante. Ende Juli 1807 reiste Wilhelm Grimm nach Gotha, um die Tante Zimmer bei der Kurfürstin Karoline von Hessen-Kassel zu besuchen, die vor den Franzosen zu ihrer in Gotha verheirateten jüngsten Tochter geflohen war.[10] Jacob Grimm traf die Tante 1813 nach dem Ende der Völkerschlacht bei Leipzig in Leipzig wieder.

Philippine Henriette Zimmer starb unerwartet am 15. April 1815 nach einem, zunächst ungefährlich scheinenden, Katarrhfieber. Für die Brüder Grimm war der Tod der „Tante Zimmer“, die sie während ihrer Gymnasial- und Studienzeit in Kassel und Marburg so viel unterstützt hatte, ein persönlich sehr schmerzliches Ereignis.[11] Jacob Grimm, der zu seiner Tante immer ein inniges, zärtliches Verhältnis hatte, traf der Tod der Tante besonders schwer.[12]

 
GRIMM, Henriette Philippine (I59585)
 
2833 Frühes Leben und Bildungsweg
Paul Luther wurde am 28. Januar 1533 in Wittenberg als fünftes Kind des Reformators Martin Luther und Katharina von Bora geboren.

Anfänglich widmete sich Paul dem Studium der griechischen und lateinischen Sprache unter der Anleitung von Philipp Melanchthon und Veit Winsheim. Im Alter von zwölf Jahren verlor er seinen Vater. Die Pflege seines sterbenden Vaters und Melanchthons Rat führten zu seinem Entschluss, Medizin zu studieren. Diesen Weg schlug er 1543 ein, als er zusammen mit seinem Bruder an der Universität Wittenberg immatrikuliert wurde, wobei es sich aufgrund seines jungen Alters noch nicht um ein reguläres Studium handeln konnte. Der bescheidene Nachlass seines Vaters betrug nur 1.250 fl. und war auf fünf Kinder aufzuteilen. Im Alter von neunzehn Jahren, am 20. Dezember 1552, verlor er auch seine Mutter.[1]

Nur die Heirat mit Anna Warbek am 5. Februar 1553, der Tochter des Hofrats und Vizekanzlers Veit von Warbek, ermöglichte ihm den weiteren Verbleib an der Universität und den Abschluss seines Studiums. Unter dem Vorsitz von Dekan Jacob Milich erhielt er am 29. Juli 1557 die medizinische Doktorwürde Oratio de pulmone et discrime arteriae tracheae et oesophagi; [Luther: De aporismo sexto patris II.] Seine Antrittsrede De Arte medica et cura tuenda valetudinis legte den Grundstein für seine akademische Laufbahn und betonte den ursprünglichen Wunsch seines Vaters, dass er Medizin studieren solle, eine Entscheidung, die Martin Luther nicht unterstützt, aber gebilligt hatte.[2]

Am 8. Dezember 1558 trat Paul Luther eine Stelle als Professor[3] für Medizin an der neu gegründeten Universität Jena an, zu der er von den Söhnen des verstorbenen Herzogs Johann Friedrich des Großmütigen (1503–1554) berufen wurde.[2]

Tätigkeit als Leibarzt
Im Jahr 1560 nahm er die Stelle des Leibarztes bei Johann Friedrichs II. von Sachsen in Gotha an. Diese Entscheidung wurde durch theologische Streitigkeiten zwischen Victorin Strigel und dem Calvinisten Matthias Flacius beeinflusst. Dort verblieb Luther bis zur Gefangennahme Johann Friedrichs II. durch den sächsischen Kurfürsten August im April 1567, was ihn zwang, Gotha zu verlassen.

Nach seiner Zeit in Sachsen fand Paul Luther Aufnahme am brandenburgischen Hof des Kurfürsten Joachim II., wo er bis zum Tod des Kurfürsten am 3. Januar 1571 diente. Luther gelang es 1569, den Kurfürsten von einer schweren Krankheit zu heilen, wofür er mit zwei goldenen Medaillen und einer Geldsumme belohnt wurde. Zusätzlich zu seiner Rolle als Leibarzt wurde er vom Kurfürsten zum Rat ernannt.[2]

Danach wurde er Leibarzt des Kurfürsten August von Sachsen und dessen Nachfolgers Christian I. in Dresden. Seine letzte Anstellung in Kursachsen begann am 20. Juli 1571 und war bis auf Widerruf mit einem Kündigungsrecht von sechs Monaten für beide Parteien versehen. Luther hatte sich regelmäßig am Hof einzufinden und war nicht nur für die herzogliche Familie, sondern auch für die Räte und das Hofgesinde zuständig. Für seine Dienste erhielt er ein Gehalt von 460 fl. 16 gr., ausgezahlt in vier Raten, zuzüglich 44 fl. für den Hauszins, was auf eine Wohnstätte abseits des Hofes hinweist.[2]

Rückzug nach Leipzig und späte Jahre
Im Jahr 1587 zog er sich aufgrund der damaligen Unruhen um die Kryptocalvinisten und Meinungsverschiedenheiten vom Hofe nach Leipzig zurück. Am 24. Mai 1586 wurde er zwar formal zum Leibarzt von Hause aus bestellt, es ist jedoch nicht eindeutig dokumentiert, wo er zu dieser Zeit lebte. Für seine Dienste erhielt er ein Gehalt von 200 Florin, um die fürstliche Familie medizinisch zu betreuen, zusätzlich konnte der Kurfürst ihm die Behandlung weiterer Personen übertragen. Die Verpflegung am Hof wurde ihm zugesichert, doch Angaben zu kostenlosen Transportmitteln für seine Reisen fehlen.[2]

Trotz seines Rückzugs blieb Luther bis 1589 Leibarzt von Kurfürst Christian I. von Sachsen. Nach dem Tod von Christian I. im Jahr 1591 versuchte Herzog Friedrich Wilhelm als Vormund der unmündigen Kinder des verstorbenen Kurfürsten, Luther erneut als Leibarzt nach Dresden zu holen. Luther lehnte jedoch ab und bevorzugte den Verbleib in Leipzig, eine Stadt, die für ihre orthodoxe theologische Ausrichtung bekannt war und von den Theologen Nicolaus Selnecker und Georg Weinrich beeinflusst wurde.

Im Jahr 1592 wurde Paul Luther erneut zum kurfürstlichen Leibarzt berufen. Herzog Friedrich Wilhelm, der Verweser des neuen, noch minderjährigen Kurfürsten Christian II., gewährte ihm eine lebenslange Pension von 300 Florin ab dem letzten Quartal Trinitatis für seine Dienste. Diese Berufung schien mehr eine Form der Pensionierung zu sein, da nicht klar ist, in welchem Umfang seine ärztlichen Dienste tatsächlich in Anspruch genommen wurden.[2]

Tod und Vermächtnis
Am 8. März 1593 verstarb Paul Luther in Leipzig. Er hinterließ ein beträchtlich vermehrtes Vermögen im Vergleich zu seinem Vater, Martin Luther. Während Martin Luthers Nachlass lediglich 1.250 Florin betrug, die unter seinen fünf Kindern aufgeteilt wurden, konnte Paul ein Vermögen von etwa 1.750 Florin pro Kind akkumulieren. Diese erhebliche Steigerung des Vermögens, fast das Achtfache des elterlichen Erbes, unterstreicht Paul Luthers finanziellen Erfolg und seine Fähigkeit, die familiären finanziellen Verhältnisse während seiner Lebenszeit wesentlich zu verbessern.[2]

Wirken
Medizinische und Alchemistische Praxis
Paul Luther hatte das Interesse an Heilmitteln von seiner Mutter Katharina von Bora übernommen. Er entwickelte verschiedene Medikamente, darunter „Unguentum ex nitro“, „Magistrum perlarum“, „Magistrum collorum“ und „Aurum potabile“, die in die sächsischen Apotheken aufgenommen wurden, sowie eine Salpeter-Salbe und Destillate und Veraschungen von Perlen und Korallen. Diese Arzneimittel basierten auf unterschiedlichen Destillationsverfahren und fanden Anwendung in der Behandlung verschiedener Beschwerden, einschließlich der Heilung des Kurfürsten August, nachdem herkömmliche Methoden gescheitert waren.[2]

Neben seiner Tätigkeit als Arzt widmete er sich der Erzkunde, der Spagyrik (Scheidung zur Verwandlung der Erze) und verfolgte ebenso eine intensive alchemistische Praxis. Er beaufsichtigte den Betrieb von Destillierhäusern in Annaberg, Torgau, Dresden und Stolpen, die von Kurfürstin Anna errichtet wurden.[2]

Sein spezielles Interesse galt der Herstellung von Gold durch alchemistische Verfahren, wobei er in seinen Schriften die Herstellung von Gold durch Berührung mit einem speziellen Goldpulver beschrieb. Diese Forschungen stellten einen Versuch dar, durch alchemistische Prozesse Metalle in wertvollere Substanzen zu transformieren, ein verbreitetes Ziel der Spagyrik in dieser Zeit.[2]

Familie
Eine seiner Taufpatinnen war Margarethe Thommel, die Ehefrau des Medizinprofessors Caspar Lindemann (1485–1536).[1]

Paul Luther war seit dem 5. Februar 1553 in Torgau mit Anna († 15. Mai 1586 in Dresden)[4], der Tochter des Hofrates Veit von Warbeck, verheiratet. Aus dieser Ehe entstammten sieben Kinder:

Paul Luther (* um 1553; † 23. Februar 1558 in Wittenberg)
Margarete Luther (* 1555) verheiratet 1570 mit dem Möllenvoigt in Magdeburg Simon Gottsteig († 1597)
Johann Ernst Luther (* 24. August 1560; † 30. November 1637) Domherr und Senior des kurfürstlichen sächsischen Stifts in Zeitz, verheiratet 1610 mit Martha Blumenstengel
Johann Friedrich Luther (* 1562 in Gotha; † 26. Januar 1599 in Arnsfeld)
Anna Luther (* 1564) verh. 15. November 1584 mit Nicolaus Freiherr Marschall von Bieberstein in Oberschaar
Johann Joachim Luther (* 3. April 1569 in Berlin; † 21. März 1600 in Jena)
Ein weiterer Sohn namens Martin Luther wurde 1568 geboren. Dessen Nachkommen setzten die medizinische Tradition der Familie fort. Martins Sohn, Georg Luther (1602–1681), heiratete Magdalena und deren Sohn, Simon Luther (1645–1677), war Lehrer in Erfurt und verheiratet mit Martha Maria Hirschfeld. Deren Sohn, Lautertius Theophilus Luther (1677–1737), war Chemie- und Medizinprofessor in Erfurt und heiratete Anna Dorothea Sterl (* 1688). Ihr Sohn, Johann Melchior Luther (1725–1788), war ebenfalls Medizinprofessor in Erfurt und heiratete Margarethe Maria Wagner (1724–1793).[5] 
LUTHER, Paul (I48601)
 
2834 Führende Patrizierfamilie in Basel, die vermutlich aus dem fürstbischöfl. Muriaux bei Saignelégier stammt und sich im 15. Jh. in zwei Linien teilte. Als Stammvater gilt Theobald Meria (1415-1505), auch Diepold Muria genannt, bischöfl. Meier in Courroux. Sein Sohn und Gründer der älteren Linie Theobald (um 1465-1544), Schiffmann (Schiffer) und Inhaber einer Sägemühle in Kleinbasel, erlangte 1498, Burkard (1518 bis nach 1562), ein Nachkomme der jüngeren Linie, 1553 das Bürgerrecht.

Als Angehöriger der älteren Linie kaufte sich 1595 Onophrion (1566-1621) in die Safran- und die Schlüsselzunft ein. Mit seinem gleichnamigen Sohn (1593-1665), der Ratsherr und Landvogt in Riehen war, rückten die M. in den kleinen Kreis der ratsfähigen, führenden Basler Fam. auf. Hier knüpften sie Beziehungen und gingen bis zum 19. Jh. Heiratsverbindungen ein, u.a. mit den Burckhardt, Faesch, Forcart, Sarasin, Stähelin, Thurneysen, Werthemann und Wieland. Die Nachkommen Onophrions bildeten den wohl bedeutendsten Zweig der M. Sie waren Handelsherren, Fabrikanten, Bankiers, Offiziere und Gelehrte. Zu nennen sind Johann Jakob (->), Bürgermeister und Eisenwerkbetreiber, Samuel (->), Bürgermeister und Mitinhaber einer Bank, die beiden Brüder Johann Jakob (->) und Christoph (->), die das grösste Handelsunternehmen im Basel des 18. Jh. und frühen 19. Jh. gründeten, und Christoph (->), der Sohn des Letztgenannten, der mit seinem Vermögen die Basis für die Christoph-Merian-Stiftung der Stadt Basel legte, sowie der Ratsherr und Geologieprofessor Peter (->).

Zur jüngeren Linie der Fam. zählen Gastwirte, Säger, Dielenhändler, Zimmerleute, Bäcker, Pfarrer und insbesondere der nach Frankfurt am Main ausgewanderte Kupferstecher, Maler und Verleger Matthaeus (->) sowie dessen Kinder Matthäus (->) und Maria Sibylla (->). In Basel am bedeutsamsten war Andreas (->), der machtvolle Bürgermeister und Schweizer Landamman von 1806. Sein gleichnamiger Sohn wurde als Staatsrat in den russ. Adel erhoben. Die jüngere Linie verzweigte sich weiter nach Frankreich, Dänemark, Brasilien und in die USA. 
MERIAN, Theobald Diebold Muria (I37789)
 
2835 Fulko befand sich fast die gesamte Zeit seiner Herrschaft in militärischen Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn, welche zunächst den Tod seines Vaters zu nutzen suchten, um den von diesem erweiterten Einfluss Anjous im Westen Frankreichs zu beseitigen. Besonders der bretonische Graf von Rennes, Conan der Krumme, brachte das Anjou dabei in Bedrängnis. Im Jahr 990 eroberte Conan die von Anjou kontrollierte Grafschaft Nantes und nahm den Herzogstitel an. Fulko zog umgehend mit einem Heer in die Bretagne und siegte in der zweiten Schlacht von Conquereuil (992) über Bretonen und Normannen, Conan wurde im Kampf getötet.

Im Westen dadurch von einer Bedrohung befreit, wandte sich Fulko, eng im Bunde mit den kapetingischen Königen, gegen seinen östlichen Rivalen Odo I. von Blois. Diesen hatte Fulko bereits 990 angegriffen, indem er Saumur, Chinon und Blois brandschatzte, doch wurde er von Odos Gefolgsmann Gelduin von Saumur, welcher „Fuyons, der Teufel von Saumur“ genannt wurde, zurückgedrängt. Odo schlug im Winter 995 zurück, belagerte Fulkos Burg Langeais und konnte erst nach einer Intervention König Hugo Capets vertrieben werden. Nachdem Odo I. von Blois 996 starb, nutzte Fulko die Situation und überfiel erneut die Touraine, doch Odos Witwe Bertha heiratete noch im selben Jahr den neuen König Robert II. und bewog diesen, zugunsten ihrer Söhne aus erster Ehe Partei zu ergreifen, worauf Fulko seine Eroberungen wieder fallen lassen musste. Im Gegenzug nutzte Gelduin von Saumur Fulkos Abwesenheit während seiner ersten Pilgerreise 1002–1003, um dessen Land zu verwüsten und um die Burg Pontlevoy zu errichten, inmitten Fulkos Einflussgebiet in der Touraine.

Danach kam es zu einem länger andauernden Frieden zwischen Anjou und den Blois, den Fulko für einen intensiven Burgenbau (u. a. Loches, Montbazon, Montrichard, Montrésor) und eine weitere Pilgerreise (1008) nutzte. Die war nötig, weil Fulko kurz zuvor von Bischof Fulbert von Chartres exkommuniziert worden war, weil er den Pfalzgrafen Hugo von Beauvais, der ein Parteigänger von Blois war, während einer königlichen Jagdgesellschaft vor den Augen des Königs ermordet hatte. Diese erneute Abwesenheit nahm nun Odo II. von Blois zum Anlass eines erneuten Angriffes auf Fulkos Burgen in der Touraine, doch Fulko nahm sofort nach seiner Rückkehr den Kampf auf. In der Schlacht bei Pontlevoy (1016) entging Fulko nur knapp einer Niederlage und konnte erst nach dem Eingreifen des Grafen Herbert I. Wachhund von Maine Odo zur Flucht nötigen. Alle gefangengenommenen Feinde ließ er erschlagen. 1026 griff Fulko selbst seinen Rivalen an und eroberte nach einem Nachtmarsch und kurzem Kampf dessen mächtige Burg Saumur, deren zugehörige Stadt er niederbrennen ließ. Dabei soll er auf einem Grabhügel stehend gerufen haben: „Heiliger Florentius, lass sie verbrennen. Ich werde dir ein besseres Heim in Angers bauen.“ Als aber die Überführung der Reliquie des Heiligen nach Angers Schwierigkeiten bereitete, erklärte er ihn zum Bauerntölpel, der seiner Stadt nicht anstehe, und sandte die Überreste zurück nach Saumur.

In den Jahren 1031 bis 1033 war Fulko dem König Heinrich I. ein Rückhalt während der Opposition der Königin Konstanze und deren jüngerer Söhne, die sich mit Odo von Blois verbündet hatten, und belagerte dabei Sens. Gemeinsam mit dem Normannenherzog Robert dem Prächtigen begab sich Fulko 1034 auf seine dritte Reise nach Palästina, die Macht in Angers übernahm stellvertretend für ihn sein Sohn. Diesen konnte Fulko nach seiner Rückkehr erst mit Gewalt zur Aufgabe der Regentschaft zwingen, nachdem sich Gottfried zunächst geweigert hatte. Danach befehdete Fulko weiterhin seinen Rivalen Odo von Blois und eroberte die Burg Saint-Aignan, deren Burgherr Gottfried von Donzy er gefangen nahm und später hinrichten ließ.

Fulko starb am 21. Juni 1040 in Metz, nachdem er sich auf seine vierte Pilgerreise begeben hatte.

Neben seinen kriegerischen Aktivitäten war Fulko ein bedeutender Bauherr. Von 987 bis 1040, seiner Regierungszeit, ließ er mehr als hundert Burgen, Donjons und Klöster errichten, darunter 1007 die Abtei von Beaulieu-lès-Loches (Belli Locus), in der er bestattet wurde, oder die 1020 gestiftete Abtei von Saint-Nicolas bei Angers. Viele der Klostergründungen folgten auf gewaltsame Übergriffe gegen die Kirche. Weiterhin unterstützte er den Bau der Kathedrale von Angers. 
(ANJOU), Fulko III. Nerra (I36642)
 
2836 Fulko heiratete noch vor dem Jahr 990 Elisabeth von Vendôme († Dezember 999), Tochter des Grafen Burchard I. von Vendôme und der Elisabeth von Melun. Aus dieser Ehe ging die Tochter Agnes († 26. Februar 1033/35) hervor. Nach dem erbenlosen Tod ihres Onkels mütterlicherseits, Renaud († 1017), wurde Agnes die rechtmäßige Erbin der Grafschaft Vendôme. Durch ihre Ehe mit Bodo von Nevers († 1023) gelangte dieses Lehen so in den Besitz des Hauses Monceaux. VON ANJOU, Agnes (I37713)
 
2837 Fulko ist erstmals 886 urkundlich erwähnt und wird seit 898 auch als Vizegraf benannt. Er war ein Vasall der Familie der Robertiner und nahm für diese als Vizegraf von Angers Abwehraufgaben gegen die im Westen angrenzenden Bretonen war. Nachdem der Herrscher der Bretagne Alain I. der Große 907 starb, nutzte Fulko die ausbrechende Anarchie unter den Bretonen aus und bemächtigte sich der Grafschaft Nantes. Im Gegenzug übertrug er in dieser Zeit Tours seinem Amtskollegen aus Blois, Theobald dem Alten, möglicherweise auf Druck seines Dux Robert, um eine zu große Machtfülle Fulkos zu unterbinden. Auch Nantes verlor Fulko 919 an die in die Bretagne einfallenden Loire-Normannen. Trotz des Verlustes führte Fulko den Titel eines Grafen weiter, der ihm 930 auch von seinem Lehnsherrn Hugo dem Großen anerkannt wurde.

Verheiratet war Fulko seit ca. 905 mit Roscilla, Tochter des Burgherren Garnier (Warnerius) von Loches (Touraine). Das Paar hatte fünf Kinder, wobei die Elternschaft bei den zwei Töchtern nur vermutet wird:  
(ANJOU), Fulko I. (I35568)
 
2838 Fulrad (* um 710 in Andaldovillare (heute Saint-Hippolyte) im Elsass; † 16. Juli 784 in Saint-Denis) war ein Benediktiner, Abt der Abtei Saint-Denis und eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts.

Fulrads Eltern Riculf und Ermengard hatten reiche Besitzungen im Gebiet von Mosel und Maas; enge Beziehungen der Familie mit anderen Familien des fränkischen Hochadels, u. a. den Widonen, sind nachgewiesen. Fulrad selbst wird das erste Mal im Jahr 749 erwähnt, gehört aber zu diesem Zeitpunkt schon zu den wichtigsten Ratgebern Pippins des Jüngeren: Von Pippin, zu diesem Zeitpunkt noch Hausmeier, wird Fulrad zusammen mit Bischof Burkard von Würzburg zu Papst Zacharias gesandt, um die Absetzung des Merowingers Childerich III. und die Einsetzung Pippins zum neuen fränkischen König zu erreichen.

Nach der erfolgreichen Mission erhielt Fulrad 750, wohl als Dank Pippins, die wichtige Abtei Saint-Denis und wurde 751 zum Vorsteher der Hofkapelle ernannt. Daneben war er weiterhin an diplomatischen Aktivitäten beteiligt, so verhandelte er 756 die Übergabe des Exarchats von Ravenna an den Heiligen Stuhl und blieb Verbindungsmann der fränkischen Könige zum Papst. Hadrian I. verlieh ihm den Titel eines archipresbiter Franciae und machte ihn damit zum Primas der fränkischen Geistlichkeit.

Im Jahr 752 ist er zusammen mit Graf Ruthard im königlichen Dienst bezeugt.[1] Von Ruthard erwarb er Besitz im Breisgau, der eigentlich dem Reich zustand. Die „Adelungcella“ (Hoppetenzell) wurde ihm durch Adalung, Bischof von Eichstätt, übertragen.

Auch an der Missionierung der Sachsen soll Fulrad beteiligt gewesen sein. Es wird angenommen, dass die Mönche des Abtes Fulrad von Saint-Denis und dieser selbst um 777 im Lerigau missionierten.[2]

Als Abt von Saint-Denis gelang es ihm, verloren gegangene Besitzungen des Klosters zurück und neue Gebiete hinzu zu gewinnen und durch zahlreiche Kloster- und Zellengründungen im elsässischen und südbadischen Raum die Bedeutung von Saint-Denis zu steigern: u. a. entstanden auf seine Initiative die Klöster in Leberau, Salonnes, St. Pilt (heute Saint-Hippolyte) und Esslingen am Neckar, eventuell auch Schwäbisch Gmünd. Auch zu bayerischen Klöstern wie Tegernsee, Salzburg oder Schäftlarn hat er Beziehungen geknüpft.

Seinen enormen Eigenbesitz im Elsass, aber auch in Schwaben und Rom vermachte er in seinem Testament dem Kloster Saint-Denis. 
Ermentrudis (I43003)
 
2839 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I55307)
 
2840 für die damalige Zeit unüblicherweise nach ihrer noch lebenden Mutter benannt, folgte dieser bald ins Grab und wurde mit ihr in St. Arnulf in Metz beigesetzt. N., Hildegard (I10801)
 
2841 Für ihn und seinen Bruder Walter IV. von Grünenbergbezeugt am 23. Januar 1343 zu Zofingen, in Anwesenheit von Nikolaus Bischof, Abt des Klosters St. Urban, sein Vetter Ulrich VI. Schnabel von Grünenbergden Verkauf von Gütern zu Madiswil und Ried (vermutlich Buttenried) von seiner verwitweten Mutter Katharina von Sumiswaldan das Kloster St. Urban; Zeuge für seine Mutter ist sein Grossvater Johann von Sumiswald(Plüss 1900: 60).
Verkauft am 1. Februar 1343 zusammen mit seinem Bruder Walter IV.durch die Hand ihres Vogtes, des Vetters Ulrich VI. Schnabel von Grünenberg, eine Schuppose zu Rütschelen für 20 Pfund in Burgdorfer Pfennigen an das Johanniterhaus Thunstetten (Plüss 1900: 60). 
VON GRÜNENBERG, Johann II. (I25955)
 
2842 Fürstentum Polozk (russisch Полоцкое княжество, weißrussisch Полацкае княства) war ein altrussisches Fürstentum mit dem Zentrum in Polozk im Verband der Kiewer Rus.  VON POLOZK, Iwan (I1507)
 
2843 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I5635)
 
2844 G. wurde 928 von ihrem Vater an Giselbert, wohl bei dessen Erhebung zum Herzog von Lothringen, zur Frau gegeben und scheint auf diesen unruhigen und wankelmütigen Mann lange Zeit einen mäßigenden Einfluß ausgeübt zu haben. Am Ausbruch des Aufstandes gegen ihren Bruder Otto den Großen, bei dem Giselbert 939 umkam, dürfte sie kaum Schuld treffen, obgleich eine späte Quelle von einer solchen spricht. Nach dem Tode ihres Gatten verweigerte sie zunächst ihrem Bruder Heinrich, dem Haupt der Verschwörung gegen Otto den Großen, den Aufenthalt in Chèvremont, nahm jedoch König Ludwig IV. von Westfranken, den Giselbert und Heinrich ins Bündnis gezogen hatten, in ihre Feste auf, begleitete ihn auf seinem Rückzug nach Frankreich und heiratete ihn gegen den Willen des deutschen Königs. In Reims wurde sie Ende 939 von EB Artold zur Königin der Franken gesalbt. Offenbar wollte Ludwig durch sie seinen Anspruch auf Lothringen, das 923-25 dem Westreich verloren gegangen war, verstärken. Ihrem um etwa 7 Jahre jüngeren 2. Gatten war G. im Kampf gegen die übermächtig gewordenen Lehnsfürsten eine treue und tatkräftige Helferin. Sie begleitete ihn oftmals auf seinen Zügen, und als Ludwig am 13.7.945 in Rouen verräterisch gefangengesetzt worden war, versuchte sie, seine Freigabe durch Auslieferung des eben geborenen Söhnchens Karl zu erlangen; als aber Ludwig lediglich aus der Gefangenschaft der Normannen in die Haft Herzog Hugos von Franzien, seines Schwagers und gefährlichen Rivalen, überwechselte, erbat sie gegen diesen die Hilfe Ottos des Großen, mit dem sich Ludwig 942 ausgesöhnt hatte, und König Edmunds von England. Unter Ottos Druck erhielt Ludwig am 1.7.946 die Freiheit, mußte jedoch seinen letzten festen Stützpunkt, Laon, durch G. an Herzog Hugo übergeben lassen. Nach Ottos Intervention, die Reims in die Hände des westfränkischen Königtums zurückbrachte, war es G.s Aufgabe, die Parteinahme Ottos für König Ludwig zu erhalten und zu beleben. G. sieht man Ostern 949 in solcher Mission am Hofe in Aachen. Sein Vertrauen und seine Anerkennung bewies ihr Ludwig 951 durch die Übergabe des Fiskus Attigny und der Marienabtei in Laon, die bislang seine Mutter innehatte. Neue Zwistigkeiten zwischen Ludwig und Herzog Hugo wußte G. 953 in persönlicher Vermittlung beizulegen. Nach einem Jagdunfall Ludwigs am 10.9.954 zum 2. Male Witwe geworden, verstand sie es, mit Billigung Herzog Hugos|und Unterstützung ihres Bruders EB Brun von Köln ihren 12jährigen Sohn Lothar am 12.11.954 in Reims zum König weihen zu lassen. Sie erhielt fortan bestimmenden Einfluß auf die französische Politik, die sie mit ihrem Bruder Brun, dem archidux an der deutschen Westgrenze, wiederholt absprach und mit dessen lothringischer Politik in Einklang hielt. Dabei wurde dem durch Adelsfehden zerrissenen Westreich der innere Frieden langsam wiedergegeben. An dem glänzenden Hoftag und Familientreffen der Liudolfinger in Köln am 2.6.965 nahm sie noch mit ihren Söhnen Lothar und Karl teil, wo sie für ersteren auch die Eheverbindung mit Emma, der Tochter der nunmehrigen Kaiserin Adelheid (aus deren 1. Ehe mit König Lothar von Italien), verabredet haben dürfte. Nachher zog sie sich aus der Politik zurück. – G. war eine tatkräftige, aber auch eine literarisch interessierte Frau. Ihr als einer eifrigen Leserin der Heiligen Schrift widmete Adso von Montier-en-Der sein Buch vom Antichrist VON DEUTSCHLAND, Geberga (I10429)
 
2845 Gabriel war Armenier, gehörte aber im Gegensatz zum Großteil seines Volkes nicht der armenischen Kirche an, sondern bekannte sich zur byzantinischen Staatskirche, der orthodoxen Kirche von Konstantinopel. Seine Religion machte ihn bei seinen Landsleuten unbeliebt, verbesserte aber seine Karrierechancen im byzantinischen Reich VON MELITENE, Gabriel (I36462)
 
2846 García übernahm bereits nach der Erkrankung seines Vaters die Regentschaft in Pamplona. Er verbündete sich mit dem Haupt der Banu Qasi, Musa ibn Musa, gegen den Emir von Al-Andalus, Abd ar-Rahman II., von dem sie aber 843 in einer Schlacht besiegt wurden.[2] Diese Niederlage beschädigte offenbar seine Herrscherautorität, denn in den Jahren 858 und 860 ist ein García Jiménez als König in Pamplona bezeugt, von dem unklar ist, ob er als Co- oder Gegenkönig auftrat.

859 wurde das Land um Pamplona von einfallenden Wikingern geplündert.[3] König García Iñiguez geriet in die Gefangenschaft der Wikinger und wurde erst gegen ein hohes Lösegeld wieder freigelassen – wobei unklar ist, ob er in Pamplona oder irgendwo außerhalb Navarras im andalusischen Exil aufgegriffen worden war. Im Jahr 860 geriet Garcías ältester Sohn Fortún in die Gefangenschaft des Emirs.[4]

Im Jahr 882 (269 AH) verbündete sich García mit dem maurischen Rebellen Umar ibn Hafsun. In der Schlacht von Aibar unterlagen sie allerdings dem Prinzen al-Mundhir und García fiel.[5] Er wurde in der Abtei San Salvador de Leire bestattet.[6] 
ÍNIGUEZ, García (I40338)
 
2847 García übernahm bereits nach der Erkrankung seines Vaters die Regentschaft in Pamplona. Er verbündete sich mit dem Haupt der Banu Qasi, Musa ibn Musa, gegen den Emir von Al-Andalus, Abd ar-Rahman II., von dem sie aber 843 in einer Schlacht besiegt wurden.[2] Diese Niederlage beschädigte offenbar seine Herrscherautorität, denn in den Jahren 858 und 860 ist ein García Jiménez als König in Pamplona bezeugt, von dem unklar ist, ob er als Co- oder Gegenkönig auftrat.

859 wurde das Land um Pamplona von einfallenden Wikingern geplündert.[3] König García Iñiguez geriet in die Gefangenschaft der Wikinger und wurde erst gegen ein hohes Lösegeld wieder freigelassen – wobei unklar ist, ob er in Pamplona oder irgendwo außerhalb Navarras im andalusischen Exil aufgegriffen worden war. Im Jahr 860 geriet Garcías ältester Sohn Fortún in die Gefangenschaft des Emirs.[4]

Im Jahr 882 (269 AH) verbündete sich García mit dem maurischen Rebellen Umar ibn Hafsun. In der Schlacht von Aibar unterlagen sie allerdings dem Prinzen al-Mundhir und García fiel.[5] Er wurde in der Abtei San Salvador de Leire bestattet.[6] 
ÌÑIGUEZ, García (I52604)
 
2848 García war der Sohn von Fernán González, Graf von Kastilien und Sancha Sanchéz, einer Tochter des navarresischen Königs Sancho I. Garcés. Er folgte seinem Vater im Jahr 970 als Graf von Kastilien und Álava nach.

Zu Beginn seiner Herrschaft verfolgte er eine ausgleichende Politik gegenüber dem Kalifat von Córdoba, verbündete sich jedoch 974 mit den Königen von León und Navarra sowie den Beni Gómez. Er griff Deza an und belagerte die Festung von Gormaz, wurde jedoch von dem muslimischen General Ghalib besiegt. Seine Erwerbungen wurden nach 977 größtenteils von Almansor zurückerobert. Im Jahr 991 kam es zu einem Aufstand seines Sohnes Sancho, sowie einer Rebellion des Adels nach der Vermählung seiner Tochter Elvira mit Bermudo II. von León. García erließ im Jahr 974 den Fuero von Castrojeriz und gründete 978 das Infantado von Covarrubias zur Versorgung seiner Tochter Urraca. 995 wurde er bei einem Scharmützel verwundet und geriet in Gefangenschaft, wo er nach kurzer Zeit verstarb.[1] Er wurde in der Iglesia de los Tres Santos in Córdoba bestattet, später wurde er in das kastilische Kloster San Pedro de Cardeña bei Burgos überführt. 
FERNÁNDEZ, García (I40325)
 
2849 García war ein Sohn des Ordoño Ordóñez, der dem König Ferdinand I. von León-Kastilien als Bannerträger (alférez) gedient hatte. Im Jahr 1074 wird er selbst zwei Mal als Bannerträger des Königs Alfons VI. urkundlich genannt.[1] Die Nähe der Familie zum königlichen Haus war offenbar verwandtschaftlich begründet, da sie wohl von König Ramiro III. abstammte.

Zwischen den Jahren 1074 und 1080 wird García in keiner königlichen Urkunde mehr erwähnt, wohl weil er in jener Zeit bei König Alfons VI. in Ungnade gefallen war und sich in das Exil begeben musste. Im Dienst des maurischen Taifakönigs von Granada stehend, führte er 1079 zusammen mit zwei weiteren navarresischen Exilierten einen Angriff auf den Taifakönig von Sevilla durch, wurde dabei aber in der Schlacht von Cabra von Rodrigo Díaz „El Cid“ de Vivar, der gerade im königlichen Auftrag in Sevilla weilte, geschlagen und gefangen genommen.[2] Nur ein Jahr später hatte sich die Lage Garcías entscheidend geändert, als er erstmals in Nájera in der Position des Grafen dieser Stadt urkundlich genannt wird, in der er in einer königlichen Urkunde vom 8. Mai 1080 bestätigt wird.[3] Ihm gelang also nicht nur die Rückkehr in die königliche Gunst, sondern auch die Einsetzung in die faktische Herrschaft über La Rioja. Zugleich kam es zum Bruch zwischen dem König und dem Cid, der sich nun seinerseits zum Gang ins Exil gezwungen sah. Offenbar konnte sich García im Machtkampf am Hofe durchsetzen und seine Position als Vertrauensmann des Königs ausbauen. So fiel seine Ehe mit der Infanta Urraca, einer Tochter des Königs García III. von Navarra, und die Ernennung seines Bruders Rodrigo Ordóñez zum königlichen Bannerträger in dieselbe Zeit.[4]

Von da an trat García regelmäßig als Zeuge in königlichen Urkunden auf. 1096 wurde er gemeinsam mit Gonzalo Núñez de Lara beauftragt, dem Taifakönig von Saragossa im Kampf gegen König Peter I. von Aragón beizustehen, gegen den sie aber am 18. November in der Schlacht von Alcoraz unterlagen.[5] Schließlich wurde er zum Tutor des jungen Thronfolgers Sancho Alfónsez bestellt, mit dem er am 29. Mai 1108 in der Schlacht von Uclés gegen die Almoraviden getötet wurde. 
ORDÓÑEZ, García (I52416)
 
2850 Garibald war ein früher Vertreter der Agilolfinger, einer bedeutenden und führenden Dynastie, ohne dass bisher geklärt werden konnte, woher diese Dynastie stammt und wer die Eltern Garibalds waren. Zum Teil wird von einer engen Verwandtschaft mit den Merowingern ausgegangen – die Fredegar-Chronik berichtet, er sei fränkischer Herkunft –, andere nennen einen Theodo II. oder einen Agiwald von Meaux als Vater, letzterer ein Sohn des Agilolf von Meaux, aber auch eine Verbindung zu langobardischen Herrschern oder zum Suebenfürsten Agilulf wird für möglich gehalten. Ebendieser Agilulf soll Namensgeber der Agilolfinger gewesen sein. Angesichts dieser Unsicherheiten ist auch unklar, ob die Bajuwaren vor Garibald einen Herzog besaßen. Die Landnahme bzw. Ethnogenese der Bajuwaren fällt jedenfalls in die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts. Die gelegentlich genannten „Herzöge“ Theodon I., Theodon II. sowie Theodon III. dürften allerdings eher in den Bereich der Sage gehören.  VON BAIERN, Garibald I. (I24209)
 

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