Strauss Genealogie


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2701 EWB 3838. OFB Ladenburg 2743. FNB: a für Scheller in Zürich ZH. KB Zürich ZH (Dürsteler): Setzte sich zu Ladenburg in der Pfalz. Schuhmacher in Ladenburg. Alter bei Tod: 42 Jahre.
Wappenbeschreibung / Blasonierung
In Rot über goldenem Hauszeichen golden besamte, silberne Rose. 
SCHELLER, Heinrich (I808)
 
2702 Expansion
Ulrich entstammt der zweiten Ehe Graf Eberhards I. von Württemberg mit Margarethe von Lothringen († 1296). Er war bereits zur Regierungszeit seines Vaters stark in die Politik eingebunden. 1319 handelte er mit König Friedrich dem Schönen einen Bündnisvertrag aus. Dieses Bündnis erneuerte er nach seinem Amtsantritt 1325, nachdem sich Württemberg zwischenzeitlich auf die Seite Ludwigs IV. begeben hatte. Ludwig und Friedrich erhoben in dieser Zeit beide Anspruch auf die Herrschaft im Reich.

Durch die Aussöhnung der beiden war es Ulrich möglich, auch nach dem Tod Friedrichs 1330 eng mit dem Reich verbunden zu bleiben. So bekleidete er auch unter Ludwigs Alleinherrschaft das von den Staufern eingeführte Reichsamt des niederschwäbischen Landvogts. Das damit erlangte politische Gewicht auf Reichsebene, seine regionale Bündnispolitik und das Heiratsgut und Erbe seiner Gattin ermöglichten es dem umsichtig agierenden Ulrich, das württembergische Territorium während seiner Regierungszeit deutlich zu vergrößern. Neben verschiedenen Erwerbungen im Elsass sind vor allem die erbliche Belehnung mit der Reichsstadt Grüningen, heute Markgröningen, und der Kauf der Grafenstädte Vaihingen an der Enz (1339) und Tübingen (1342) hervorzuheben.

Reichssturmfähnrich
Als dessen Landvogt und vorgesehener Heerführer brachte Ulrich Kaiser Ludwig den Bayern 1336 dazu, auf Konrad II. von Schlüsselberg einzuwirken,[2] dass dieser das prestigeträchtige Amt des Vorstreiters und Reichssturmfähnrichs mit dem damit verknüpften Grüninger Reichslehen gegen eine Entschädigung von 6000 Pfund Haller an Ulrich abtrat.[3] Der Kaiser verlieh ihm unmittelbar darauf die Reichssturmfahne samt Burg, Reichsstadt, Kirchenpatronat, Burggrafenamt und Stadtherrenrechten in Grüningen als Erblehen, weshalb die Württemberger Grafen, Herzöge und Könige bis ins 19. Jahrhundert den Nebentitel Grafen von Grüningen führten,[4] wie einst die Württemberger Seitenlinie der Grafen von Grüningen, die dieses Reichslehen bereits bis 1280 besessen hatten.[5]

Familie und Nachfolger
Verheiratet war Ulrich III. mit Sophie von Pfirt. Söhne aus dieser Ehe waren Graf Eberhard II. (Eberhard der Greiner) und der bis 1361 gemeinsam mit diesem regierende Graf Ulrich IV.

Ulrich III. hatte einen gleichnamigen unehelichen Halbbruder († 1348), der als Domherr in Speyer und Propst dreier Stifte wirkte.
Eine Nichte Ulrichs III., Agnes von Württemberg-Helfenstein (ca. 1305–1373), war in zweiter Ehe mit Konrad II. von Schlüsselberg verheiratet, der Ulrich 1336 das Reichslehen Grüningen abtrat.

Literatur
Ludwig Friedrich Heyd: Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Wirtembergs, größtentheils nach ungedruckten Quellen. Löflund, Stuttgart 1829. – Faksimileausgabe zum Heyd-Jubiläum, Arbeitskreis Geschichtsforschung, Heimat- und Denkmalpflege, Markgröningen 1992.
Johann Georg Kulpis: Gründliche Deduction Daß dem HochFürstl. Haus Würtemberg das Reichs-Pannerer- oder Reichs-Fendrich-Ambt, Prædicat und Insigne, schon von etlichen Seculis her, rechtmässig zustehe und dahero ohne Kränckung Desselben althergebrachter Prærogativen, keinem andern Chur- oder Fürsten erst neuerlich verliehen werden könne. Lorber, Stuttgart 1693. (Digitalisat)
Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 1: Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig. 6. Auflage. Landhege, Schwaigern 2014, ISBN 978-3-943066-34-0, S. 110–119.
Wilfried Schöntag: Ulrich III. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 29f.
Wilfried Schöntag: Ulrich III. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. 596 (deutsche-biographie.de). 
VON WÜRTTEMBERG, Ulrich III. (I61243)
 
2703 F.-W. Steinfartz, Ahnenliste des Friedrich Carl Steinfartz aus Jüchen, Oberspay 1956, S. 16
A. Blömer, Ahnenliste der Geschwister Wienandts zu Rheydt, Mönchengladbach 1984, S. 97
http://gedbas.genealogy.net/datenblatt.jsp?nr=1024069856 
PALAND, Peter (I8839)
 
2704 F.W. Bauks, Die evangelischen Pfarrer in Westfalen, Bielefeld 1980, Nr. 7025
J. Gruch, Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland IV, Bonn 2020, Nr. 14545 
DAHL, Emilia (Emilie) (I1998)
 
2705 F.W. Bauks, Die evangelischen Pfarrer in Westfalen, Bielefeld 1980, Nr. 7027  WINTERHAGER, Paul (I5465)
 
2706 F.W. Bauks, Die evangelischen Pfarrer in Westfalen, Bielefeld 1980, Nr. 7027  OVERHOFF, Ida (I5466)
 
2707 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Vertraulich (I5226)
 
2708 Fähnrich unter einem fahnen Burger als Abt Kilia und ein Graf von Ems 1529 Krieg wieder die Stadt St. Gallen führte,  FRIEDRICH \ FRIEDENREICH, Josef (I3893)
 
2709 FALKENSTEIN (schweizerisches Adelsgeschlecht)
Die GRAFEN VON FALKENSTEIN waren ein schweizerisches Adelsgeschlecht in der Gegend südlich des Juraübergangs über den oberen Hauenstein zwischen dem Mittelland und Basel. Die Familie ist über mehrere Generationen gut fassbar. Sie bildeten einen Seitenzweig der FREIHERREN VON BECHBURG. Nach der Resignation vom Landgrafenamt im Buchsgau 1318 traten die Vertreter der Familie als Freiherren auf.
Als Erben der GRAFEN VON THIERSTEIN-FARNSBURG kamen die FREIHERREN VON FALKENSTEIN wiederum zu einem Landgrafenamt, dieses Mal über den Sisgau, ein Lehen des Bischofs von Basel, das sie bis zum Verkauf der Herrschaft Farnsburg 1461 und dem Wegzug in die Gegend des mittleren Schwarzwalds ausübten.
Der letzte männliche Vertreter der Familie starb 1568 als kaiserlicher Rat und Landvogt im Elsass.

STANDESERHEBUNG ZU GRAFEN VON FALKENSTEIN

Die Nachkommen von RUDOLF I. VON BECHBURG übernahmen den neuen Namen und den Grafentitel. Die mutmassliche Tochter HEILWIG DE FALKENSTEIN (erwähnt von 1212 bis 1226) war mit ULRICH VON THORBERG verheiratet. Sein gleichnamiger Sohn RUDOLF I. VON FALKENSTEIN, 1227 als Ritter erwähnt, war der erste urkundlich nachgewiesene Besitzer der Burg Neu-Falkenstein.
Um 1250 errichtete er in der Klus bei Balsthal die Burg Alt-Falkenstein und die befestigte Vorburg am Fuss des Burgfelsens. (Alt-Falkenstein ist somit jünger als die Stammburg Neu-Falkenstein!) Er war verheiratet mit einer Tochter des GRAFEN VON NEUENBURG, ULRICH III. VON NEUENBURG-NIDAU († 1225) und der JOLANTE aus dem Haus der GRAFEN VON URACH.

Aus der Ehe mit der Grafentochter, die offenbar als standesgemäss erschien, gingen vier Söhne hervor. Die ersten drei traten alle als GRAFEN VON FALKENSTEIN auf, während der vierte, BERCHTOLD, eine geistliche Karriere einschlug und 1282 Dekan, 1286 Abt des elsässischen Benediktinerklosters Murbach war. Er starb 1298.

Seine drei Brüder, die Grafen ULRICH I., OTTO und HEINRICH VON FALKENSTEIN, tauschten 1274, hier erstmals genannt, gemeinsam und im Einverständnis mit ihren Vettern VON BECHBURG ihre Rechte über die Kirche Wynau, Kirchensatz, Vogtei und Zehnten mit dem Kloster St. Urban gegen das Dörflein Waldkirch bei Niederbipp. Sie erhielten dafür vom Kloster ein Aufgeld von 134 Mark Silber.
Wiederum alle drei gemeinsam schenkten sie 1312 den Kirchensatz des Dörfleins Waldkirch dem KLOSTER SCHÖNTHAL. Während HEINRICH und ULRICH I. anscheinend unverheiratet blieben, war OTTO († vor 1315) mit ELISABETH VON WÄDENSWIL verheiratet. Sie war eine Tochter des Freiherrn ARNOLD II. von WÄDENSWIL. ULRICH I. könnte Propst von Solothurn und von Moutier-Grandval gewesen sein...

Die Herrschaft Gösgen von seiner Urgrossmutter musste Thomas von Falkenstein 1458 an Solothurn veräussern, ebenfalls die Kastvogtei über das Kloster Werd (Schönenwerd). Die beiden Brüder Hans und Thomas von Falkenstein erwarben vor ihrem Wegzug aus dem Jura 1461 die Herrschaft Heidburg zwischen Kinzigtal und Elztal. Bald nach 1479 war Thomas gestorben.
Zwei seiner Töchter aus seiner Ehe mit Ursula von Ramstein waren Nonnen im DAMENSTIFT SÄCKINGEN. ELISABETH († 1508) amtete ab 1484-1508 als Fürstäbtissin (Schutzbrief von 1495, Gnadenbrief von 1495 und 1500 von Kaiser Maximilian I.).
Nach ihrem Tod übernahm ihre Schwester ANNA 1508 dieses Amt, das sie bis zu ihrem Tode am 24. April 1534 innehatte (Vertrag von 1508 (Tochter des THOMAS VON FALKENSTEIN und URSULA VON RAMSTEIN und Schwester von ELISABETH, der vormaligen Äbtissin)  
VON GÖSGEN, Amalia (I7824)
 
2710 Fam. aus der Stadt St. Gallen, wo der aus Sommeri stammende Ulrich 1516 das Bürgerrecht erwarb. Der Familienname wird auf Geselle bzw. (Waffen-)Gefährte zurückgeführt. Im Ancien Régime gehörten die G. häufig der Schneider- oder Weberzunft an und erlangten vereinzelt höhere polit. Ämter (Ratsherren). Aus der Fam. gingen mehrere Künstler hervor, u.a. Georg (1673-1741), Hofmaler in St. Petersburg, und Julius (1814-1904), Kunst- und Glasmaler in Paris. Ab dem 19. Jh. waren die G. häufig als Kaufleute oder in akadem. Berufen tätig, darunter Theodor ( -> 4) und Robert ( -> 3). Weiter gehörten zur Fam. Ärzte (Otto -> 2) und Juristen. Einzelne Familienmitglieder waren in der Leitung grosser Konzerne tätig, u.a. bei Hoffmann-La Roche (Basel) und der Helvetia-Versicherung (St. Gallen). Das Familienbewusstsein wurde im 20. Jh. durch verschiedene chronikal. Aufzeichnungen gepflegt.


Literatur
– O. Gsell, Zur Gesch. von St. Galler Fam., Ms., 1984, (KBSG)

Autorin/Autor: Marcel Mayer 
GSELL, Jakob Laurenz I. (I4400)
 
2711 Fam. in St. Gallen, 1432 bzw. 1478 eingebürgert, vermutlich aus Zürich stammend. Bereits 1415 lässt sich ein Heini Strub nachweisen. Der 1486 als Ratsherr belegte Hans (1497) gilt als Stammvater. Sein Enkel Leonhard war Kaufmann mit Handelsbeziehungen nach Lyon. Ein anderer Leonhard (->) gründete 1578 die erste Druckerei in St. Gallen. Die von ihm 1586 nach Konstanz verlegte Offizin hatte bis 1727 Bestand. Die S. stellten im 16. und 17. Jh. wiederholt städt. Beamte (Unterburgermeister, Ratsherren, Zunftmeister u.a.) und waren insbesondere im 18. Jh. als Kaufleute tätig. Um 1855 starb die Fam. aus. N., N. (I13247)
 
2712 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I54991)
 
2713 Familie
Andrian-Werburg war ein Enkel von Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg und Sohn von Eduard Adolf Joseph Freiherr von Andrian-Werburg. Am 10. April 1869 heiratete er in Berlin die vermögende Cäcilie Meyerbeer, die 1839 in Paris geborene Tochter und Erbin des Komponisten Giacomo Meyerbeer, mit der er die Tochter Gabriele und den Sohn Leopold Andrian hatte. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof von Altaussee (Österreich).

Leben
Er gründete 1870 die Anthropologische Gesellschaft in Wien, die er von 1882 bis 1902 leitete. Seine naturwissenschaftlichen und ethnologischen Forschungsreisen führten ihn u. a. nach Bosnien und Herzegowina. Ab 1879 war er Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina. 1894 wurde er Ehrenmitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.

Ehrungen und Würdigungen
Ehrenbürger von Altaussee
Seit 1974 verleiht die Anthropologische Gesellschaft in Wien eine Pro Meritis Medaille an verdiente Personen. Diese Medaille trägt das Bildnis von Andrian-Werburg.[1]
Literatur
Edith Heischkel-Artelt: Andrian-Werburg, Ferdinand Leopold Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 287 (deutsche-biographie.de).
Andrian-Werburg Ferdinand Reichsfrh. von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 21 f. (Direktlinks auf S. 21, S. 22).
Einzelnachweise
Anthropologische Gesellschaft in Wien (Memento vom 27. Oktober 2012 im Internet Archive) abgerufen am 8. Jänner 2013 
VON ANDRIAN-WERBURG, Ferdinand Leopold (I60841)
 
2714 Familie
Benedikt Goldschmidt war der Sohn des Levi Goldschmidt (gest. 1608). Seine Frau Rosina (Röschen) heiratete er um das Jahr 1600. Sein Sohn und Nachfolger als Judenvorsteher war Simon Goldschmidt. Benedikt Goldschmidt ist der Stammvater der ältesten Fabrikanten- und Bankiersfamilie Goldschmidt in Kassel.

Leben
Benedikt Goldschmidt stammte aus dem Frankfurter Stammhaus „Zum Goldenen Schwan“, das sich von 1521 bis 1883 in Familienbesitz befand. Er zog um 1602 als junger Mann von Frankfurt am Main nach Witzenhausen, wo er von 1618 bis 1622 erwähnt wurde. Um 1620 lieferte er der Kasseler Münze das Prägesilber. In der Liste der Steuerzahler der Stadt Kassel wurde er im gleichen Jahr 1620 als „Hofjude“ mit einer Zahlung von 500 Reichstalern genannt. Er gewann das volle Vertrauen des Landgrafen Moritz von Hessen, der ihn zur Erledigung wichtiger Geschäfte wiederholt nach Frankfurt schickte. Auch für dessen Nachfolger Wilhelm V. wurde er geschäftlich tätig.

Als man von den Juden 2000 Gold-Taler als finanziellen Beitrag zu den Kosten des Dreißigjährigen Krieges forderte, legte Benedikt als Erster Vorsteher der hessischen Landesjudenschaft – dieses Amt hatte er von seinem Verwandten Joseph Goldschmidt (vom „Goldenen Schwan“ in Frankfurt) übernommen und es blieb seitdem bis Anfang des 18. Jahrhunderts in Benedikts Nachkommenschaft erblich – diese Summe zunächst aus, verteilte diese Forderung dann aber auf alle jüdischen Familien Ober- und Nieder-Hessens beim ersten Juden-Landtag, den er im Jahre 1626 nach Kassel einberief. Im Laufe des Krieges erhielt er auf Befehl des Stadtrates eine Einquartierung in seinem Haus, worauf er sich umgehend beim Landgrafen erfolgreich beschwerte mit dem Hinweis, er habe als Hofbeamter das Privileg (wofür er 1625 und 1636 600 Reichstaler bezahlt habe), von Einquartierungen befreit zu sein. Auf Intervention des Landgrafen blieb Benedikt davon befreit.

Ein entscheidendes Kapitel seines Lebens und auch der jüdischen Gemeinde Kassels war Benedikts langjähriger Streit mit dem Rabbiner Isaak aus Bettenhausen, Führer einer Gruppe orthodoxer Juden, die in Kassel ihre Gottesdienste abhielt. Schon 1622 bezeichnete der Rabbiner den reichen Hofjuden und dessen Familie wiederholt als „selbstgewachsene Regenten“ und „Verräter der Juden“, weil Benedikt – wohl als weltoffener und modern denkender jüdischer Kaufmann – sich als Hofjude mit der bei den orthodoxen Juden verhassten Regierung eingelassen hatte. Nach etlichen Auseinandersetzungen gewann Benedikt 1625 diesen Streit, nicht zuletzt auch mit Unterstützung des Landgrafen, dem die Wirtschaftskraft der Goldschmidt-Familie näher lag als der Schutz des orthodoxen Judentums, und erwirkte 1635 sogar einen Erlass zur sofortigen Ausweisung aller in Kassel lebenden Juden mit Ausnahme seiner eigenen Familie. Noch einmal wurde 1637 dieses Dekret erneuert, „daß keinem Juden außer ihm in Cassel seßhaft zu sein, vergönnt sein sollte“.

Bereits 1631 hatte Goldschmidt einen Streit gegen die christliche Metzgerzunft gewonnen, indem ihm das Recht auf rituelles Schlachten zugestanden wurde, obwohl handwerkliche Berufstätigkeiten den Juden untersagt waren. Sein Sieg trug somit auch dazu bei, die Lage aller Juden in ganz Hessen zu erleichtern.

Mit Wegfall der jüdischen Gemeinde in Kassel gab es allerdings auch keinen jüdischen Gottesdienst mehr, da mindestens zehn erwachsene Gottesdienstteilnehmer nachgewiesen werden mussten. So führte die „immer stärker verwurzelte und physisch anwachsende Familie Goldschmidt“ ohne Erlaubnis ihren „Privat-Gottesdienst“ im eigenen Wohnhaus durch, wobei auch auswärtige Juden ohne Aufenthaltsgenehmigung zu diesen Gottesdiensten in die Stadt kamen und dort auch übernachteten. Jahre später konnte die Familie Goldschmidt „gar mit der ihr eigenen unbeugsamen Energie den Versuch wagen, ihn (den Gottesdienst) offiziell legitimieren zu lassen!“. Dieses gelang allerdings erst 1651 Benedikts Sohn Simon.

Die Goldschmidt-Familie blieb die einflussreichste unter Hessens Hofjuden bis zum Aufstieg der Frankfurter Rothschilds.

Literatur
Sigismund von Dobschütz: Die Vorfahren der Elisabeth Goldschmidt aus Kassel und Mannheim. in: Hessische Familienkunde (HFK). Hrsg.v.d. Arbeitsgemeinschaft der familienkundlichen Gesellschaften in Hessen. Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt (Aisch) 24.1998, H. 4, S. 161f. ISSN 0018-1064 (Erstver.)
auch in: Majan – Die Quelle. Schweizerische Vereinigung für jüdische Genealogie, Zürich 2005, H. 76. ISSN 1011-4009 (Neuver. m. Erg.)
Dr. Jona Schellekens, James Bennett, Rüdiger Kröger: From Goldschmidt to Goldsmid, An Anglo-Dutch Family From Hessen. Hebräische Universität, Jerusalem 2004 (unveröffentlichtes Manuskript). 
GOLDSCHMIDT, Benedikt Moses Baruch (I55555)
 
2715 Familie
Benedikt Goldschmidt war der Sohn des Levi Goldschmidt (gest. 1608). Seine Frau Rosina (Röschen) heiratete er um das Jahr 1600. Sein Sohn und Nachfolger als Judenvorsteher war Simon Goldschmidt. Benedikt Goldschmidt ist der Stammvater der ältesten Fabrikanten- und Bankiersfamilie Goldschmidt in Kassel.

Leben
Benedikt Goldschmidt stammte aus dem Frankfurter Stammhaus „Zum Goldenen Schwan“, das sich von 1521 bis 1883 in Familienbesitz befand. Er zog um 1602 als junger Mann von Frankfurt am Main nach Witzenhausen, wo er von 1618 bis 1622 erwähnt wurde. Um 1620 lieferte er der Kasseler Münze das Prägesilber. In der Liste der Steuerzahler der Stadt Kassel wurde er im gleichen Jahr 1620 als „Hofjude“ mit einer Zahlung von 500 Reichstalern genannt. Er gewann das volle Vertrauen des Landgrafen Moritz von Hessen, der ihn zur Erledigung wichtiger Geschäfte wiederholt nach Frankfurt schickte. Auch für dessen Nachfolger Wilhelm V. wurde er geschäftlich tätig.

Als man von den Juden 2000 Gold-Taler als finanziellen Beitrag zu den Kosten des Dreißigjährigen Krieges forderte, legte Benedikt als Erster Vorsteher der hessischen Landesjudenschaft – dieses Amt hatte er von seinem Verwandten Joseph Goldschmidt (vom „Goldenen Schwan“ in Frankfurt) übernommen und es blieb seitdem bis Anfang des 18. Jahrhunderts in Benedikts Nachkommenschaft erblich – diese Summe zunächst aus, verteilte diese Forderung dann aber auf alle jüdischen Familien Ober- und Nieder-Hessens beim ersten Juden-Landtag, den er im Jahre 1626 nach Kassel einberief. Im Laufe des Krieges erhielt er auf Befehl des Stadtrates eine Einquartierung in seinem Haus, worauf er sich umgehend beim Landgrafen erfolgreich beschwerte mit dem Hinweis, er habe als Hofbeamter das Privileg (wofür er 1625 und 1636 600 Reichstaler bezahlt habe), von Einquartierungen befreit zu sein. Auf Intervention des Landgrafen blieb Benedikt davon befreit.

Ein entscheidendes Kapitel seines Lebens und auch der jüdischen Gemeinde Kassels war Benedikts langjähriger Streit mit dem Rabbiner Isaak aus Bettenhausen, Führer einer Gruppe orthodoxer Juden, die in Kassel ihre Gottesdienste abhielt. Schon 1622 bezeichnete der Rabbiner den reichen Hofjuden und dessen Familie wiederholt als „selbstgewachsene Regenten“ und „Verräter der Juden“, weil Benedikt – wohl als weltoffener und modern denkender jüdischer Kaufmann – sich als Hofjude mit der bei den orthodoxen Juden verhassten Regierung eingelassen hatte. Nach etlichen Auseinandersetzungen gewann Benedikt 1625 diesen Streit, nicht zuletzt auch mit Unterstützung des Landgrafen, dem die Wirtschaftskraft der Goldschmidt-Familie näher lag als der Schutz des orthodoxen Judentums, und erwirkte 1635 sogar einen Erlass zur sofortigen Ausweisung aller in Kassel lebenden Juden mit Ausnahme seiner eigenen Familie. Noch einmal wurde 1637 dieses Dekret erneuert, „daß keinem Juden außer ihm in Cassel seßhaft zu sein, vergönnt sein sollte“.

Bereits 1631 hatte Goldschmidt einen Streit gegen die christliche Metzgerzunft gewonnen, indem ihm das Recht auf rituelles Schlachten zugestanden wurde, obwohl handwerkliche Berufstätigkeiten den Juden untersagt waren. Sein Sieg trug somit auch dazu bei, die Lage aller Juden in ganz Hessen zu erleichtern.

Mit Wegfall der jüdischen Gemeinde in Kassel gab es allerdings auch keinen jüdischen Gottesdienst mehr, da mindestens zehn erwachsene Gottesdienstteilnehmer nachgewiesen werden mussten. So führte die „immer stärker verwurzelte und physisch anwachsende Familie Goldschmidt“ ohne Erlaubnis ihren „Privat-Gottesdienst“ im eigenen Wohnhaus durch, wobei auch auswärtige Juden ohne Aufenthaltsgenehmigung zu diesen Gottesdiensten in die Stadt kamen und dort auch übernachteten. Jahre später konnte die Familie Goldschmidt „gar mit der ihr eigenen unbeugsamen Energie den Versuch wagen, ihn (den Gottesdienst) offiziell legitimieren zu lassen!“. Dieses gelang allerdings erst 1651 Benedikts Sohn Simon.

Die Goldschmidt-Familie blieb die einflussreichste unter Hessens Hofjuden bis zum Aufstieg der Frankfurter Rothschilds.

Literatur
Sigismund von Dobschütz: Die Vorfahren der Elisabeth Goldschmidt aus Kassel und Mannheim. in: Hessische Familienkunde (HFK). Hrsg.v.d. Arbeitsgemeinschaft der familienkundlichen Gesellschaften in Hessen. Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt (Aisch) 24.1998, H. 4, S. 161f. ISSN 0018-1064 (Erstver.)
auch in: Majan – Die Quelle. Schweizerische Vereinigung für jüdische Genealogie, Zürich 2005, H. 76. ISSN 1011-4009 (Neuver. m. Erg.)
Dr. Jona Schellekens, James Bennett, Rüdiger Kröger: From Goldschmidt to Goldsmid, An Anglo-Dutch Family From Hessen. Hebräische Universität, Jerusalem 2004 (unveröffentlichtes Manuskript). 
STADTHAGEN, Benedikt Moses Baruch (I60530)
 
2716 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I60281)
 
2717 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I59810)
 
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2719 Familie
Émile Deutsch de la Meurthe wurde als Sohn des jüdischen Kaufmanns Alexandre Deutsch (* 1815 in Lothringen) geboren, der in Pantin eine Erdölraffinerie einrichtete und damit den Grundstein für das zukünftige Firmenimperium legte. Émile und sein Bruder Henry nahmen den Namenszusatz de la Meurthe an, zur Erinnerung an die Herkunft ihrer Vorfahren aus dem Gebiet der Meurthe. Émile Deutsch de la Meurthe war verheiratet mit Louise, geb. Halphen († 1914). Aus dieser Ehe entstammen vier Töchter: Marie Henriette Emilie (1879–1973), Yvonne Fanny (1882–1969), Lucie Jeanne (1888–1945) und Fernande Amélie Valentine (1894–1969).

Leben
Ab 1877 führte Émile Deutsch de la Meurthe zusammen mit seinem Bruder Henry das väterliche Unternehmen, das zunächst A. Deutsch et ses Fils und später Les Fils de A. Deutsch hieß. Sie entwickelten einen Ölkonzern, der Raffinerien in Frankreich, Spanien und Österreich-Ungarn besaß. 1922 brachte Émile seine Firma in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Royal Dutch Shell ein, die neu geschaffene Firma hieß Société des Pétroles Jupiter.

Philanthropische Werke
Émile Deutsch de la Meurthe stiftete einen großen Teil seines Vermögens für philanthropische Werke. 1915 war er Mitbegründer des Œuvre des orphelins israélites de la guerre (Stiftung für jüdische Kriegswaisen). 1916 begründete er die Fraternité franco-américaine, die Kriegswaisen in mehreren Ländern unterstützte. Für seine Arbeiter gründete er eine eigene Sozialversicherung.

Mit wesentlicher Unterstützung von Émile Deutsch de la Meurthe konnte am südlichen Stadtrand von Paris die Cité internationale universitaire geschaffen werden. Das Studentenwohnheim der Fondation Deutsch de la Meurthe ist nach ihm und seiner Frau benannt.

Ehrungen
Émile Deutsch de la Meurthe war Kommandeur der Ehrenlegion, Komtur des Orden de Isabel la Católica und Träger des Croix de guerre. Nach seinem Tod wurde mit Beschluss vom 2. Oktober 1924 im 14. Arrondissement von Paris die Rue Émile-Deutsch-de-la-Meurthe nach ihm benannt.

Literatur
Brigitte Blanc und Philippe Ayrault (Fotos): La Cité internationale universitaire de Paris. La fondation Émile et Louise Deutsch de la Meurthe. Somogy, Paris 2010, ISBN 978-2-7572-0372-9, S. 5.
Deutsch de la Meurthe, Emilie, in: Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Band 6. Czernowitz, 1935, S. 540f. 
DEUTSCH DE LA MEURTHE, Émile (I60561)
 
2720 Familie
Er stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Isenberg, eines Zweiges des Geschlechts Berg. Der Vater war Arnold von Altena, seine Mutter Mechthild von Holland, Tochter von Florenz von Holland. Sein Onkel war Erzbischof Engelbert von Köln. Seine Brüder waren Bruno (Bischof von Osnabrück), Friedrich, Gottfried (Domherr zu Münster) und Dietrich (Bischof von Münster).

Erste Herrschaftszeit
In seine erste kurze Regierungszeit fielen wichtige Entscheidungen zum Ausbau des Stifts Osnabrück. Nach einer Urkunde von König Heinrich erwarb er 1225 die Gogerichte Osnabrück, Iburg, Melle, Dissen, Ankum, Bramsche, Damme und Wiedenbrück. Der Stadt Osnabrück dagegen überließ er die Hälfte des Burggerichts. Damit legte er die Grundlagen ihrer Selbstständigkeit. In den Jahren 1223 bis 1242 besaß er ein Domkanonikat in Münster.

Er wurde beschuldigt zusammen mit Bischof Dietrich von Münster und Anderen an der Ermordung von Erzbischof Engelbert I. durch Friedrich von Isenberg beteiligt gewesen zu sein. Da er diesen Verdacht nicht widerlegen konnte, musste er 1226 sein Amt abgeben. Ohne geistliches Amt hat er nunmehr die weltlichen Interessen seines Hauses verfolgt.

Zweite Herrschaftszeit
Ihm folgte Konrad I. von Rietberg als Bischof nach. Engelbert von Isenburg war die Beteiligung oder Mitwisserschaft am Mord inzwischen verziehen worden. Daher wurde er 1240 erneut Bischof in Osnabrück. In diese Periode hat er sich um die Verwaltung des Stifts gekümmert. Klöster und andere geistliche Einrichtungen hat er gefördert und mit Schenkungen versehen. Die Stadt Osnabrück blühte unter seiner Herrschaft. Sie war schließlich so selbstbewusst, dass sie sich ihren Landesherren schon widersetzen konnte. Auch die Ministerialen wandten sich gegen den Bischof. Deren Ungehorsam konnte er nur mit Hilfe des Kölner Erzbischofs brechen. 
VON ISENBERG, Engelbert I. (I52331)
 
2721 Familie
Er war ein Sohn Emichs, Wildgraf von Dhaun bzw. Kyrburg († 1289) und dessen Gattin Elisabeth von Montfort, Tochter des Grafen Hugo von Montfort und Schwester des Bischofs Heinrich I. von Chur († 1272).

Friedrichs Bruder Emicho Wildgraf von Kyrburg († 1311) amtierte als Bischof von Freising, der Bruder Gerhard dort als Dompropst und Hugo, ein weiterer Bruder, als Domkapitular in Mainz. Brüder des Vaters waren Erzbischof Gerhard I. von Mainz, Bischof Konrad II. von Freising und Heinrich, Abt von St. Maximin in Trier.[1]

Leben
Friedrich Wildgraf von Kyrburg gehörte als Ritter dem Orden der Templer an. Über sein Leben bzw. die genauen Daten ist nicht viel bekannt. Von 1287 bis 1309 urkundete er als Präzeptor bzw. Provinzmeister (Großprior) des Ordens für Alemannien und Slavien. In diesem Amt war er in seinem Bezirk der direkte Vertreter des Großmeisters. Es gab zuletzt im deutschen Templerorden drei Großpriore, die alle den Titel Heermeister in Alemannien und Slavien führten, nämlich den oberdeutschen Friedrich Wildgraf von Kyrburg, den norddeutschen bzw. brandenburgischen Friedrich von Alvensleben und einen böhmischen. Mehrere der Urkunden von Wildgraf Friedrich beziehen sich auf Schenkungen an die Templerkommende Kirchheim, wo er sich auch überwiegend aufgehalten haben soll.[2][3]

Ab Oktober 1307 begann die Verfolgung des Templerordens auf Betreiben König Philipps IV. von Frankreich, der dahingehend Druck auf den französischen Papst Clemens V. ausübte. Am 13. Oktober 1307 wurden viele Tempelritter wegen fadenscheiniger Beschuldigungen in der Pariser Templerburg verhaftet, u. a. auch der Großmeister Jacques de Molay, den man 1314 hinrichtete.

Papst Clemens V. hatte im August 1308 eine Bulle an die deutschen Bischöfe erlassen, in der er diese aufforderte, analog zu den Vorgängen in Frankreich, auch hier eine Untersuchung gegen den Templerorden einzuleiten. Diesem Ersuchen kam Erzbischof Peter von Aspelt erst auf der Mainzer Provinzial-Synode vom 12. bis 14. Mai 1310 nach. Es wird überliefert, dass Friedrich Wildgraf von Kyrburg mit 20 bewaffneten Tempelrittern unerwartet auf dieser Synode erschien, die Unschuld seines Ordens feierlich bekräftigte, gegen den Prozess Verwahrung einlegte und zur Urteilsfindung an einen zukünftigen, neutralen Papst appellierte. (Die Quellen nennen zwar den Mainzer Domherrn Hugo Wildgraf von Kyrburg, der jedoch kein Tempelritter war und nicht in der „Wir-Form“ hätte für die Tempelritter sprechen können. Man geht weithin von einer schlichten Verwechslung des Vornamens der beiden Brüder aus.) Daraufhin vertagte die Versammlung ihre Entscheidung.[4][5] Eine erneute Synode am 1. Juli 1313 in Mainz sprach den Templerorden frei und beließ ihn im Besitz aller seiner Güter.

Auf einer ähnlichen Synode, 1310 in Trier, erbot sich Wildgraf Friedrich zur Herbeiführung eines Gottesurteils sogar glühendes Eisen zu berühren, um die Unschuld des Ordens zu demonstrieren. Hierbei wollte er auch die Person des Großmeisters Jacques de Molay eingeschlossen wissen, da er mit ihm viel umgegangen sei.[6][7] Auch habe er sich mit ihm im Hl. Land aufgehalten.[8]

Unabhängig von den günstigen Untersuchungsergebnissen in Deutschland löste das Konzil von Vienne den Templerorden am 22. März 1312 auf.

Ein Vetter hatte dem schon betagten Templerprovinzmeister Friedrich Wildgraf von Kyrburg bereits 1309 die Hälfte seiner Burg Dhronecken, als Ruhesitz überlassen. Hier dürfte er die letzten Lebensjahre verbracht haben und auch gestorben sein.[9][10] Wilhelm Ferdinand Wilcke vermutet in seiner Geschichte des Tempelherrenordens nach den vorhandenen und mehreren bisher unbenutzten Quellen (Leipzig 1835), Wildgraf Friedrich sei nach Auflösung der Tempelritter in das Mainzer Domkapitel eingetreten.[11] 
VON KYRBURG, Friedrich Wildgraf (I61569)
 
2722 Familie
Er war ein Sohn Emichs, Wildgraf von Kyrburg († 1289) und dessen Gattin Elisabeth von Montfort, Tochter des Grafen Hugo von Montfort und Schwester des Bischofs Heinrich I. von Chur († 1272).

Brüder seines Vaters waren Gerhard, Erzbischof von Mainz, Heinrich, Abt von St. Maximin in Trier und Konrad II., Bischof von Freising.

Emichos Bruder Friedrich Wildgraf von Kyrburg war oberdeutscher Provinzmeister des Templerordens. Dieser und seine weiteren Brüder Gerhard, Konrad, Godefrid und Hugo (Domherr zu Mainz) erscheinen urkundlich als Wohltäter der Templerkommende Kirchheim an der Weinstraße.[2][3]

Leben und Wirken
1284 erwarb er die Herrschaft Burgrain mit Markt und Stift Isen, 1294 dann die Grafschaft Partenkirchen und Mittenwald (Werdenfels). Er löste das Bistum damit von der Vogtei und dem Landgericht der bayrischen Herzöge, und der Freisinger Bischof war fortan Landesherr im Hochstift Freising. Der für die Freisinger Bischöfe typische gekrönte Mohrenkopf im Wappen, der auf die Reichsunmittelbarkeit hindeutet, erschien als gekrönter Aethiopier („caput aethiopis“) zum ersten Mal 1284 im Wappen Emichos. 
VON KYRBURG, Emicho Wildgraf (I61570)
 
2723 Familie
Er wurde als ältester Sohn des Barons Jakob Rothschild und der Betty von Rothschild (Tochter von Salomon Mayer von Rothschild) geboren. 1857 heiratete er seine Cousine Leonora de Rothschild (1837–1911), Tochter von Lionel de Rothschild aus dem Londoner Zweig der Familie Rothschild.

Die Eheleute hatten vier Kinder: Bettina (1858–1892, Ehefrau von Albert Salomon von Rothschild), René (geboren und verstorben 1861), Béatrice (1864–1934) und Édouard (1868–1949).

Leben
Nachdem er die französische Staatsbürgerschaft erworben hatte, wurde er im Jahre 1855 Aufsichtsratsmitglied der Banque de France, wobei die Bank Rothschild Frères deren erster Aktionär war.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1868 erbte Alphonse de Rothschild ein großes Vermögen, einschließlich Aktienpositionen an der Bank Rothschild Frères und der im Rothschild-Besitz befindlichen Compagnie des chemins de fer du Nord.

Alphonse de Rothschild begann schon in jungen Jahren seine Ausbildung im Bereich Finanzen. Sein Vater beauftragte ihn, in Gold als Kapitalanlage zu investieren. In den 1860er Jahren wurde in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika nach einem passenden Währungssystem gesucht. In Frankreich waren die Bankiers Jacob Rodrigue Émile Pereire (1800–1875) und Isaac Rodrigue Pereire (1806–1880) Befürworter von Papiergeld im Gegensatz zu Alphonse de Rothschild, der das französische System des Bimetallismus erhalten wollte. Alphonse de Rothschilds Meinung wurde zunächst von Léon Say (1826–1896) unterstützt, einem ehemaligen Mitarbeiter der im Rothschild-Besitz befindlichen Compagnie des chemins de fer du Nord, der im Jahre 1872 französischer Finanzminister wurde. Das französische System des Bimetallismus wurde dennoch abgeschafft, als Frankreich – so wie der Rest von Europa – der Lateinischen Münzunion beitrat und der Goldstandard im Jahre 1873 angenommen wurde.

Während des Deutsch-Französischen Kriegs hatte Alphonse de Rothschild die Pariser Befestigungen während der preußischen Belagerung von Paris (1870–1871) bewacht. Nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg wurde die Bank Rothschild Frères damit beauftragt, die im Frieden von Frankfurt vereinbarten Reparationsleistungen in Höhe von fünf Milliarden Franc an das Deutsche Kaiserreich aufzubringen. Als Adolphe Thiers im Jahre 1871 das Décret Crémieux abschaffen wollte, konnte dies Alphonse de Rothschild verhindern. Von 1873 bis 1911 stand er als Präsident dem Consistoire central israélite, der obersten Organisation des Judentums in Frankreich, vor.

Alphonse de Rothschild gründete 1880 das Unternehmen Société Le Nickel, eine Nickel-Minen-Gesellschaft in Neukaledonien. Der Zusammenbruch der von Paul Eugène Bontoux (1820–1904) gegründeten Investmentbank „Société Générale de l'Union“ löste den Pariser Börsenkrach von 1882 aus und leitete eine Rezession der französischen Wirtschaft ein.[1] 1886 erwarb er die Gesellschaft „Société commerciale et Industrielle de Naphte Caspienne et de la Mer Noire, Société Anonyme“, die Erdöl in Baku förderte.[2] Als die Bank Comptoir national d'escompte de Paris 1889 in Konkurs ging und kurz darauf der Panamaskandal ausbrach, führte dies 1893 zu einer offiziellen Untersuchung im französischen Parlament. Für seine Verdienste um die Rettung der französischen Wirtschaft in einer Zeit der Krise wurde Alphonse de Rothschild im Jahr 1896 mit dem Großkreuz, der höchsten Klasse der Ehrenlegion, ausgezeichnet. Im Jahre 1898 wurde Alphonse de Rothschild zusammen mit Eugène Goüin (1818–1909) Vorsitzender der Gruppe Les Banques Françaises.[3]

Neben einer Stadtresidenz an der Rue Saint-Florentin 2 bei der Place de la Concorde in Paris war er Besitzer des Château de Ferrières östlich von Paris. Alphonse de Rothschild brachte im Laufe seines Lebens eine bedeutende Kunstsammlung, insbesondere Gemälde und islamische Kunst, zusammen. Er war auch ein freigiebiger Gönner und Mäzen zahlreicher Museen. 1885 wurde er Mitglied der Académie des Beaux-Arts. Eine weitere Leidenschaft war sein Interesse an Vollblutpferden. Er begründete das Gestüt Haras de Meautry in Touques (Calvados), aus dem zahlreiche erfolgreiche Pferde hervorgingen und das heute noch im Besitz der Familie Rothschild ist.[4] Ab 1852 war er Mitglied im Jockey Club de Paris. 
DE ROTHSCHILD, Alphonse James (I55589)
 
2724 Familie
Georg Friedrich Fallenstein wurde als Sohn des Theologen Johann Salomon Philip Fallenstein und dessen aus einer Hugenottenfamilie stammender Ehefrau Elisabeth Louise geb. Manché († 1847) geboren. Sein Großvater war der Pädagoge und Philosoph Johann Conrad Fallenstein (1731–1813).

1810 heiratete er Elisabeth Benecke († 1831), Enkelin des akademischen Mechanikus Johann Carl Benecke. 1811 wurde sein Sohn Adalbert geboren. Weitere Kinder waren Laura († 1813), Laura (* 1820, verheiratet mit Carl Gustav Bunge), Elisabeth (* 1827, verheiratet mit Julius Jolly), Roderich, Otto und Friedrich.

1835 heiratete er Emilie Souchay (1805–1881), Tochter des wohlhabenden Frankfurter Kaufmanns Cornelius Carl Souchay. Ihre Töchter waren Ida (1837–1899, verheiratet mit Hermann Baumgarten), Henriette (1840–1895, verheiratet mit Adolf Hausrath) und Helene (1844–1919, verheiratet mit Max Weber senior). Georg Friedrich Fallenstein war angeheirateter Onkel von Cécile Mendelssohn Bartholdy.

Seine Enkel waren Max Weber, Karl Weber, Alfred Weber, August Hausrath, Hans Hausrath, Fritz Baumgarten und Otto Baumgarten.

Leben
Mit 15 Jahren verließ er die Schule und wurde aufgrund seines Franzosenhasses Freiwilliger im österreichischen Militär. 1805 nahm er an der Schlacht bei Austerlitz teil, bei der er am Fuß verwundet wurde. Dank der Unterstützung des Hofkaplans Georg Karl Friedrich Emmrich konnte Fallenstein das Gymnasium abschließen und studierte anschließend auf den Universitäten in Jena und Halle. Auf der Universität Halle wurde er wegen einer Schlägerei relegiert.

Zur Bestreitung seines Lebensunterhalts gab er ab 1810 Privatunterricht. 1811 war er Erzieher der jüngeren Söhne von Sigmund Otto Joseph von Treskow in Owinsk bei Posen. Im selben Jahr kehrte er nach Berlin zurück. 1812 war er in Beeskow bei Frankfurt an der Oder angestellt. 1813 war er Freiwilliger im Lützowschen Freikorps, im März 1814 wurde er Oberjäger. Im August 1814 kehrte er nach Berlin zurück. Bei Kriegsausbruch 1815 war er Premierleutnant im 8. Schlesischen Infanterieregiment. Nach dem Sommerfeldzug von 1815 nahm er am 24. August am Einzug in Paris teil und war ab dem 29. August als Polizeikommandant des 7. Arrondissements tätig. Ende November kehrte Fallenstein nach Berlin zurück und trat seine Stelle als Calculator bei der Regierung in Potsdam an, bei der er im Mai 1815 angestellt worden war. Im März 1816 wurde er nach Düsseldorf versetzt, wo er als Sekretär der neuerrichteten Regierung arbeitete. Nach fünfzehnjähriger Dienstzeit wurde er 1832 als Regierungsrat nach Koblenz versetzt. 1842 wurde er ans Finanzministerium in Berlin versetzt. Am 28. Dezember 1842 wurde er zum Geheimen Finanzrat und Vortragendem Rat im Finanzministerium ernannt. Während eines einjährigen Urlaubs hielt er sich 1844 in Weimar auf. Am 12. Mai 1845 wurde er auf eigenen Wunsch hin pensioniert.

Er ließ sich in der Nähe von Heidelberg nieder. In Heidelberg war er im Kreis um den Historiker Friedrich Christoph Schlosser, gemeinsam mit Ludwig Häusser und Georg Gottfried Gervinus. 1848 war er Mitglied des Vorparlaments. In den Jahren 1850 bis 1853 unterstützte er von Heidelberg aus Schleswig-Holstein, unter anderem sammelte er 1850 während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 8000 Gulden für Lazarettbedarfslieferungen. In Heidelberg baute er das Haus Fallenstein, das heutige Max-Weber-Haus in der Ziegelhäuser Landstraße 17.

Fallenstein forschte zum deutschen Sprichwort und war Mitarbeiter an Grimms Wörterbuch; in dessen Vorrede erwähnt Jacob Grimm ihn als einen seiner fleißigsten Mitarbeiter. Bereits 1815 hatte er den Brüdern Grimm das Märchen Häsichenbraut übermittelt. In den Jahren 1823 bis 1832 stand er im gelegentlichen Schriftwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe. Fallenstein arbeitete seit den Freiheitskriegen an einem Roman Das Mädchen der Freude. Er schuf elegische Stücke, Zechlieder, Freiheitslieder sowie Kampf- und Kriegsgesänge. Während seiner Zeit beim Lützowschen Freikorps bestand eine Freundschaft mit Theodor Körner, Friedrich Friesen, Friedrich Ludwig Jahn und Joseph von Eichendorff. Ein guter Freund von Fallenstein war Karl Immermann.

In Düsseldorf engagierte er sich für die Düsseldorfer Malerschule und pflegte intensiven Kontakt zu Wilhelm von Kaulbach, Carl Friedrich Lessing und Johann Wilhelm. 1831 wurde er Mitglied des Kuratoriums der Kunstakademie Düsseldorf. Er war erster Sekretär im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen.

Er starb nach mehreren Schlaganfällen Ende 1853 in Heidelberg.

Ehrungen
1845: Roter Adlerorden, 4. Klasse
Schriften (Auswahl)
Mehrere Beiträge 1812 in: August Kuhn: Der Freimüthige oder Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser.
Iduna. Taschenbuch für Freunde und Freundinnen vaterländischer anspruchsloser Dichtung. Hayn, Berlin 1813. Google-Books
Zuglied der schwarzen Jäger. In: Friedrich Ludwig Jahn: Sammlung Deutscher Wehrlieder, 1813. Neue verbesserte und vermehrte Auflage 1814, S. 16–17. Google-Books
Mehrere Lieder in: August Bercht: Braga. Düsseldorf 1814.
Zur Vertheidigung des Professor G. G. Gervinus wider die gegen ihn erhobene Anklage. Frankfurt a. M. 1853.
Literatur
Günter Voldenberg: Georg Friedrich Fallenstein – ein niederrheinischer Querdenker?. In: Niederrhein-Magazin 16. 2013/14 (2013), Duisburg 2013, S. 3–18. 
FALLENSTEIN, Georg Friedrich Ahrenhold Adrian (I60800)
 
2725 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I60523)
 
2726 Familie
Hermann entstammte der Familie der Herren von Landenberg, eines thurgauischen Rittergeschlechts. Seine Eltern waren Hermann IV., genannt Schöch, und Ursula Truchsess von Diessenhofen.

Sein Bruder Wildhans von Breitenlandenberg war der Hauptmann von Greifensee und ist eine historische Gestalt der Schweiz. Sein Bruder Kaspar von Breitenlandenberg war von 1442 bis 1463 Abt von Kloster St. Gallen. Seine Schwester Anna soll mit dem Zürcher Bürgermeister Schwend verheiratet gewesen sein.

Er war der Schwager von Ritter Bilgeri von Heudorf (Pilgrim von Heudorf).[1]

Leben
Hermann studierte ab 1424 an der Universität Heidelberg, ab 1436 an der Universität Bologna. 1430 wurde er Kanoniker und Domherr in Konstanz. 1442 hatte er ein Domkanonikat in Chur inne. Von 1451 bis 1466 war er Domdekan zu Konstanz.

Am 24. April 1466 wurde er als Nachfolger des verstorbenen Burkhard II. von Randegg zum Bischof des Bistums Konstanz. Er berief sogleich Ludwig von Freiberg, Konstanzer Domherr, zu seinem Koadjutor.

Bischof Hermann galt als Friedensstifter. 1468 und 1472 als wichtiger Vermittler zwischen Eidgenossenschaft und Habsburg; er starb kurz vor Abschluss der von ihm mitbeeinflussten „Ewige Richtung 1474“.

Am 18. September 1474 starb Hermann von Breitenlandenberg und wurde im Konstanzer Münster beigesetzt.

Nachfolger wurden im Konstanzer Bistumsstreit, Ludwig von Freiberg als Kandidat des Papstes Sixtus IV., und Otto IV. von Sonnenberg, als Kandidat des Domkapitels und des Kaisers. 
VON BREITEN-LANDENBERG, Hermann V. (I28513)
 
2727 Familie
Isaak Daniel Itzig war der Sohn des Bankiers Daniel Itzig und der Miriam, geborene Wulff (1727–1788). Er war in erster Ehe (ab 1773) verheiratet mit Henne Veitel Ephraim, die aber bereits 1776 (in Padua) starb; diese Ehe blieb kinderlos. Aus seiner zweiten Ehe (ab 1783) mit Edel (Adelaide), geborene Wulff (1764–1851), stammen neun Kinder. Die Söhne Jakob und Benjamin (Benny) waren Mitbegründer der reformpädagogischen Cauerschen Anstalt. Die Tochter Marianne Louise war verheiratet mit dem Gründer und Direktor des Instituts, Ludwig Cauer.[4]

Die Familie Itzig wurde durch königliches Patent am 2. Mai 1791 naturalisiert.

Siehe auch
Itzig (Familie)
Literatur
Thekla Keuck: Hofjuden und Kulturbürger. Die Geschichte der Familie Itzig in Berlin (= Jüdische Religion, Geschichte und Kultur JRGK. Band 12). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-56974-0.
Reinhard Rürup: Jüdisches Großbürgertum am Ende des 18. Jahrhunderts. In: Themenportal „Europäische Geschichte“, 2006.
Detlev Schwennicke (Hrsg.): Daniel Itzig 1723–1799 und seine Familie. In: Europäische Stammtafeln. Band XXI: Brandenburg und Preußen 2. Verlag Degener & Co, Neustadt (Aisch) 2002. 
ITZIG, Jakob (I60861)
 
2728 Familie
Johann Claudius Longard war der Sohn des Justizrats Johann Nepomuk Longard in Koblenz und der Christina geb. Lassaulx. 1852 heiratet er Therese Veit, Tochter des Historienmalers Philipp Veit. Sie starb 1870 und ein Jahr später heiratete er Franziska Veit, die Schwester seiner ersten Frau. Er hatte 13 Kinder, darunter der spätere Oberamtmann und Abgeordnete Philipp Longard.

Leben
Er studierte Rechtswissenschaften in Freiburg, Bonn, Heidelberg und München. 1846 legte er die erste, 1849 die zweite Staatsprüfung ab. 1851 begann Longard seine berufliche Laufbahn als Assessor bei der Regierung in Düsseldorf. Bereits 1852 wurde er zur Regierung in Posen versetzt. 1854 schließlich kam er nach Sigmaringen, wo er ebenfalls bei der Behörde des Regierungspräsidenten tätig war und 1860 zum Regierungsrat ernannt wurde. 1869 berief man ihn zum Stellvertreter des Regierungspräsidenten. 1883 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt. 1884 übernahm Johann Claudius von Longard als Direktor des Verwaltungsgerichts Sigmaringen eine neue Aufgabe, die er bis zu seiner Pensionierung 1887 ausübte. Von 1892 bis 1894 war er außerdem für das Fürstenhaus Hohenzollern Abgeordneter im Kommunallandtag der Hohenzollernschen Lande und in dieser Zeit auch Mitglied des Landesausschusses.

1874 erhielt Johann Claudius von Longard das Ehrenkreuz des Ordens der Württembergischen Krone[1], welches mit dem persönlichen Adelstitel (Nobilitierung) verbunden war. 
VON LONGARD, Johann Claudius (I60765)
 
2729 Familie
Johann Wilhelm Stucki entstammte einer alten und angesehenen Zürcher Patrizierfamilie. Er war der Sohn von Hans Rudolf Stucki (* 9. Februar 1507 in Zürich)[1], der im Auftrag des Zürcher Rates als Vogt die Güter des Klosters Töss verwaltete, und dessen zweiter Ehefrau Martha, Tochter des Besitzers des Schlosses Laufen[2] und Gerichtsherrn zu Osterfingen, Wilhelm von Fulach. Im Alter von sechs Monaten wurde er zur weiteren Erziehung an die Schwester seiner Mutter, Ursula von Fulach, nach Basel gegeben.

Sein Neffe war der Theologe und Professor Johann Rudolf Stucki und sein Vetter war Melchior Goldast, den er tatkräftig bei dessen Studium unterstützte und auch später noch förderte.[3]

Er war viermal verheiratet[4]:

Erste Ehe: 1568 mit Elisabetha (* 1544 in Zürich; † vor 1577), Tochter des Ratsherrn Jakob Röist (1523–1573);
Zweite Ehe: 1577 mit Maria, Tochter von Hans Stockar;
Dritte Ehe: 1593 mit Katharina, Tochter des Stadtphysikus Benedikt Burgauer;
Vierte Ehe: 1595 mit Maria Magdalena von Oftringen.
Vier Söhne und drei Töchter überlebten ihn.

Ausbildung
Im Alter von acht Jahren kam er 1550 zur weiteren Ausbildung nach Zürich zu Ludwig Lavater, der mit einer Tochter von Heinrich Bullinger verheiratet war. Er besuchte die Lateinschule am Fraumünster unter dem Rektor Johannes Fries und den Lehrern Conrad Gessner, Rudolfus Collinus und Samuel Pellicanus (1527–1564), ein Sohn von Konrad Pellikan.

1557 wurde er von seinen Eltern an die neu gegründete Akademie Lausanne gesandt und studierte dort die lateinische, griechische und französische Sprache. Seine dortigen Lehrer waren Johannes Randonus und Franciscus Beraldus; er studierte dort unter anderem gemeinsam mit dem Schotten Peter Young, der später nach dem Tod von George Buchanan die Erziehung des schottischen Königs Jakob VI., des Sohnes von Maria Stuart, übernahm; Peter Young war der Vater des Gräzisten Patrick Young.

Nach Beendigung der Akademie wurde er 1559 in die Schweiz zurückgerufen, ging nach Freiburg im Breisgau, um Glarean zu treffen, und reiste von dort nach Strassburg an das Gymnasium Schola Argentoratensis (Strassburger Schule) – das heutige Jean-Sturm-Gymnasium (Gymnase Jean Sturm), das vom Rektor Johannes Sturm geführt wurde; während seines Aufenthaltes wohnte er im Haus von Franciscus Hotomanus, den er in der Vorrede seiner Schrift Descriptio sacrorum gentilium ehrte, indem er betonte, wie wichtig und nachhaltig dessen Anregungen und Förderungen für seine Studien gewesen seien.

Von Strassburg ging er auf Anregung Bullingers und weiterer Zürcher Gelehrter an das Collège de France in Paris und studierte bei Adrien Turnèbe, Denis Lambin, Jean Dorat, dazu Hebräisch bei Jean Mercier (1510–1570), Jean Cinquarbres (1514–1587) sowie Dialektik und Mathematik unter anderem bei Petrus Ramus. Der Zeitpunkt seines Aufenthaltes in Paris ist allerdings unbekannt, er selbst gibt in seiner Vorrede zu Antiquitates Convivialium an, es sei vor Ausbruch des Ersten Hugenottenkrieges, also vor 1562, gewesen.

Werdegang
Er hielt sich 1561 in Poissy auf, als dort im September ein Religionsgespräch[5] eröffnet wurde, auf dem katholische und reformierte Theologen fünf Wochen lang erfolglos eine Verständigung der beiden Bekenntnisse bezüglich der Lehren vom Abendmahl und von der Kirche herbeizuführen bestrebt waren. Auf protestantischer Seite vertraten neben Theodor Beza aus Genf der ehemalige florentinische Augustinermönch Petrus Vermilius, gewöhnlich Petrus Martyr genannt, ihre Positionen; Johann Wilhelm Stucki wurde, gemäss dem Rat und Presbyterium von Zürich, Martyr als Sekretär und Dolmetscher beigestellt und unterstützte diesen während des Kolloquiums.

Nach Beendigung des Religionsgesprächs blieb Johann Wilhelm Stucki in Frankreich und war als Lehrer der Söhne eines französischen Prinzen tätig. In dieser Aufgabe lernte er Philippe Duplessis-Mornay, den späteren Berater Heinrichs IV., kennen, der sein Freund und Gönner wurde.

1564 hielt er sich mit seinem Jugendfreund Johann Jakob Grynaeus an der Universität Tübingen auf und besuchte unter anderem die Vorlesungen der Philologen Martin Crusius und Georg Hitzler, des Ethikers Samuel Heiland, des Physikers Georg Liebler und vor allem die des philosophischen Mediziners Jakob Degen.

Von Tübingen ging er über Zürich und Genf, noch vor Beginn des Zweiten Hugenottenkrieges 1567, zum zweiten Mal nach Paris; von da aus reiste er weiter nach Italien, um an der Universität Padua den Rechtsgelehrten Guido Panciroli (1523–1599) zu hören und beim jüdischen Rabbiner Meir Katzenellenbogen die chaldäische und syrische Sprache zu erlernen.

Nach einem Jahr kehrte er 1569 aus Italien in die Schweiz zurück und übernahm an dem von Huldrych Zwingli gegründetem theologisch-humanistischen Institut Collegium Carolinum in Zürich die Vertretung des altersschwachen Professors der Logik und Rhetorik Johann Jakob Ammann; bereits 1572[6] wurde er zum Professor der Theologie des Alten Testaments ernannt und übte das Amt bis zu seinem Tod aus. Mit seiner Ernennung zum Professor war auch seine Berufung zum Chorherrn am Grossmünster verbunden.[7]

In den Jahren 1576 bis 1578 und 1584 wurde er zum Scholarchen des Collegium Carolinum gewählt.[8]

Einer seiner Schüler war Kaspar Waser, den er als Sekretär an den Theologen Markus Bäumler nach Worms vermitteln konnte.[9]

Er pflegte eine Freundschaft mit Johann I. von Pfalz-Zweibrücken[10], der eine reformatorische Glaubensauffassung hatte, und stand auch in Kontakt mit dem Theologen Girolamo Zanchi sowie im Briefwechsel mit Johann Konrad Ulmer.

In numismatischen Fragen tauschte er sich als Münzsammler unter anderem mit Johann Jakob Rüeger aus.

Nach seinem Tod wurde Markus Bäumler sein Nachfolger.

Theologisches und schriftstellerisches Wirken
Als Theologe gehörte Johann Wilhelm Stucki der calvinistischen Richtung an. Diesen Standpunkt vertrat er unter anderem 1588 als Mitglied der Synode in Bern, die den Burgdorfer Pfarrer Samuel Huber verurteilte, weil dieser die absolute Prädestinationslehre angegriffen und behauptet hatte, dass alle Menschen von Gott durch Christum zur Seligkeit erwählt seien.

Er verfasste Viten von Johannes Wolf, Josias Simler, Heinrich Bullinger und Ludwig Lavater, dazu beschäftigte er sich in seiner Schrift Antiquitatum convivialium libri III 1597 mit der Kulturgeschichte der Antike. 
STUCKI, Johann Wilhelm (I46135)
 
2730 Familie
Johann Wilhelm Stucki entstammte einer alten und angesehenen Zürcher Patrizierfamilie. Er war der Sohn von Hans Rudolf Stucki (* 9. Februar 1507 in Zürich)[1], der im Auftrag des Zürcher Rates als Vogt die Güter des Klosters Töss verwaltete, und dessen zweiter Ehefrau Martha, Tochter des Besitzers des Schlosses Laufen[2] und Gerichtsherrn zu Osterfingen, Wilhelm von Fulach. Im Alter von sechs Monaten wurde er zur weiteren Erziehung an die Schwester seiner Mutter, Ursula von Fulach, nach Basel gegeben.

Sein Neffe war der Theologe und Professor Johann Rudolf Stucki und sein Vetter war Melchior Goldast, den er tatkräftig bei dessen Studium unterstützte und auch später noch förderte.[3]

Er war viermal verheiratet[4]:

Erste Ehe: 1568 mit Elisabetha (* 1544 in Zürich; † vor 1577), Tochter des Ratsherrn Jakob Röist (1523–1573);
Zweite Ehe: 1577 mit Maria, Tochter von Hans Stockar;
Dritte Ehe: 1593 mit Katharina, Tochter des Stadtphysikus Benedikt Burgauer;
Vierte Ehe: 1595 mit Maria Magdalena von Oftringen.
Vier Söhne und drei Töchter überlebten ihn.

Ausbildung
Im Alter von acht Jahren kam er 1550 zur weiteren Ausbildung nach Zürich zu Ludwig Lavater, der mit einer Tochter von Heinrich Bullinger verheiratet war. Er besuchte die Lateinschule am Fraumünster unter dem Rektor Johannes Fries und den Lehrern Conrad Gessner, Rudolfus Collinus und Samuel Pellicanus (1527–1564), ein Sohn von Konrad Pellikan.

1557 wurde er von seinen Eltern an die neu gegründete Akademie Lausanne gesandt und studierte dort die lateinische, griechische und französische Sprache. Seine dortigen Lehrer waren Johannes Randonus und Franciscus Beraldus; er studierte dort unter anderem gemeinsam mit dem Schotten Peter Young, der später nach dem Tod von George Buchanan die Erziehung des schottischen Königs Jakob VI., des Sohnes von Maria Stuart, übernahm; Peter Young war der Vater des Gräzisten Patrick Young.

Nach Beendigung der Akademie wurde er 1559 in die Schweiz zurückgerufen, ging nach Freiburg im Breisgau, um Glarean zu treffen, und reiste von dort nach Strassburg an das Gymnasium Schola Argentoratensis (Strassburger Schule) – das heutige Jean-Sturm-Gymnasium (Gymnase Jean Sturm), das vom Rektor Johannes Sturm geführt wurde; während seines Aufenthaltes wohnte er im Haus von Franciscus Hotomanus, den er in der Vorrede seiner Schrift Descriptio sacrorum gentilium ehrte, indem er betonte, wie wichtig und nachhaltig dessen Anregungen und Förderungen für seine Studien gewesen seien.

Von Strassburg ging er auf Anregung Bullingers und weiterer Zürcher Gelehrter an das Collège de France in Paris und studierte bei Adrien Turnèbe, Denis Lambin, Jean Dorat, dazu Hebräisch bei Jean Mercier (1510–1570), Jean Cinquarbres (1514–1587) sowie Dialektik und Mathematik unter anderem bei Petrus Ramus. Der Zeitpunkt seines Aufenthaltes in Paris ist allerdings unbekannt, er selbst gibt in seiner Vorrede zu Antiquitates Convivialium an, es sei vor Ausbruch des Ersten Hugenottenkrieges, also vor 1562, gewesen.

Werdegang
Er hielt sich 1561 in Poissy auf, als dort im September ein Religionsgespräch[5] eröffnet wurde, auf dem katholische und reformierte Theologen fünf Wochen lang erfolglos eine Verständigung der beiden Bekenntnisse bezüglich der Lehren vom Abendmahl und von der Kirche herbeizuführen bestrebt waren. Auf protestantischer Seite vertraten neben Theodor Beza aus Genf der ehemalige florentinische Augustinermönch Petrus Vermilius, gewöhnlich Petrus Martyr genannt, ihre Positionen; Johann Wilhelm Stucki wurde, gemäss dem Rat und Presbyterium von Zürich, Martyr als Sekretär und Dolmetscher beigestellt und unterstützte diesen während des Kolloquiums.

Nach Beendigung des Religionsgesprächs blieb Johann Wilhelm Stucki in Frankreich und war als Lehrer der Söhne eines französischen Prinzen tätig. In dieser Aufgabe lernte er Philippe Duplessis-Mornay, den späteren Berater Heinrichs IV., kennen, der sein Freund und Gönner wurde.

1564 hielt er sich mit seinem Jugendfreund Johann Jakob Grynaeus an der Universität Tübingen auf und besuchte unter anderem die Vorlesungen der Philologen Martin Crusius und Georg Hitzler, des Ethikers Samuel Heiland, des Physikers Georg Liebler und vor allem die des philosophischen Mediziners Jakob Degen.

Von Tübingen ging er über Zürich und Genf, noch vor Beginn des Zweiten Hugenottenkrieges 1567, zum zweiten Mal nach Paris; von da aus reiste er weiter nach Italien, um an der Universität Padua den Rechtsgelehrten Guido Panciroli (1523–1599) zu hören und beim jüdischen Rabbiner Meir Katzenellenbogen die chaldäische und syrische Sprache zu erlernen.

Nach einem Jahr kehrte er 1569 aus Italien in die Schweiz zurück und übernahm an dem von Huldrych Zwingli gegründetem theologisch-humanistischen Institut Collegium Carolinum in Zürich die Vertretung des altersschwachen Professors der Logik und Rhetorik Johann Jakob Ammann; bereits 1572[6] wurde er zum Professor der Theologie des Alten Testaments ernannt und übte das Amt bis zu seinem Tod aus. Mit seiner Ernennung zum Professor war auch seine Berufung zum Chorherrn am Grossmünster verbunden.[7]

In den Jahren 1576 bis 1578 und 1584 wurde er zum Scholarchen des Collegium Carolinum gewählt.[8]

Einer seiner Schüler war Kaspar Waser, den er als Sekretär an den Theologen Markus Bäumler nach Worms vermitteln konnte.[9]

Er pflegte eine Freundschaft mit Johann I. von Pfalz-Zweibrücken[10], der eine reformatorische Glaubensauffassung hatte, und stand auch in Kontakt mit dem Theologen Girolamo Zanchi sowie im Briefwechsel mit Johann Konrad Ulmer.

In numismatischen Fragen tauschte er sich als Münzsammler unter anderem mit Johann Jakob Rüeger aus.

Nach seinem Tod wurde Markus Bäumler sein Nachfolger.

Theologisches und schriftstellerisches Wirken
Als Theologe gehörte Johann Wilhelm Stucki der calvinistischen Richtung an. Diesen Standpunkt vertrat er unter anderem 1588 als Mitglied der Synode in Bern, die den Burgdorfer Pfarrer Samuel Huber verurteilte, weil dieser die absolute Prädestinationslehre angegriffen und behauptet hatte, dass alle Menschen von Gott durch Christum zur Seligkeit erwählt seien.

Er verfasste Viten von Johannes Wolf, Josias Simler, Heinrich Bullinger und Ludwig Lavater, dazu beschäftigte er sich in seiner Schrift Antiquitatum convivialium libri III 1597 mit der Kulturgeschichte der Antike. 
STUCKI, Hans Wilhelm (I48886)
 
2731 Familie
Lida war einzige Tochter des Berliner Bildhauers Gottfried Schadow aus dessen zweiter Ehe mit Caroline Henriette Rosenstiel, einer Tochter des preußischen Staatsrats Friedrich Philipp Rosenstiel und der Luise Elisabeth Decker (1764–1832). Ihre Brüder aus dieser Ehe waren Richard (* 7. Februar 1818; † 20. August 1918), der Maler Felix sowie Julius (* 22. Juli 1824; † 1827). Ihre Halbbrüder aus der ersten Ehe ihres Vaters waren der Bildhauer Ridolfo Schadow und der Maler Wilhelm von Schadow, der Begründer der Düsseldorfer Malerschule.

Durch die Ehe mit dem Historienmaler Eduard Bendemann, einem Schüler ihres Halbbruders Wilhelm, wurde sie Schwägerin von Pauline Bendemann und deren Gatten, dem Maler Julius Hübner. Durch ihre Ehe wurde sie außerdem Schwiegertochter des jüdischstämmigen Bankiers Anton Heinrich Bendemann (geboren als Aaron Hirsch Bendix, 1775–1866) und dessen Ehefrau Fanny Eleonore (1778–1857), einer Tochter des Bankiers Joel Samuel von Halle (1747–1810).

Nicht zu verwechseln ist Lida Bendemann mit ihrer Nichte Fanny Adelheid Bendemann (* 25. Oktober 1847; † 9. Januar 1910), der Tochter von Lidas Schwager, des Geheimen Oberbergrats Emil Bendemann (1807–1882). Jene wurde Ehefrau des Chemikers und Nobelpreisträgers Adolf von Baeyer und trug ebenfalls den Rufnamen Lida.

Mit ihrem Mann hatte Lida Bendemann folgende Nachkommen:

Gottfried Arnold (* 1. Dezember 1839, Dresden; † 8. Juni 1882) Major, Ritter des Ordens Pour le mérite ⚭ Hedwig Krüger (deren Sohn ist der Ingenieur Friedrich Bendemann)
Marie Henriette (* 20. Juni 1841, Dresden; † 16. Januar 1874) ⚭ Otto Euler (* 6. Juni 1835, Opladen; † 26. Januar 1925, Düsseldorf), Justizrat (deren Sohn ist der Maler Eduard Euler)
Ernst Julius (* 1. Januar 1844, Dresden; † 25. Februar 1878) ⚭ Alwine Jung
Fanny Mathilde Susanne (* 31. März 1846, Dresden; † 30. Oktober 1846)
Felix Eduard Robert Emil (* 8. August 1848, Dresden; † 31. Oktober 1915, Berlin), kaiserlicher Admiral, 1905 geadelt, ⚭ Helene Sophia Sturz, Tochter des brasilianischen Generalkonsuls in Berlin Johann Jakob Sturz (deren Sohn Eduard, ebenfalls Maler, war verheiratet mit Margarete Susman)
Rudolf Christian Eugen (1851–1884), Historienmaler
Leben
Lida Schadow wuchs im bürgerlichen und künstlerischen Milieu ihres Elternhauses in Berlin auf, wo sie als Kind Heinrich Kaehler für eine Büste und Eduard Magnus für ein Bild Modell saß. Sie verlobte sich am 21. Februar 1838 mit dem Maler Eduard Bendemann. Das Paar heiratete am 28. Oktober 1838, noch vor Lidas Mündigkeit. Ihr Gatte hatte ein Studium der Malerei an den Kunstakademie von Berlin und Düsseldorf sowie den Militärdienst bei einem Regiment in Düsseldorf absolviert und stand durch Gemälde wie Die trauernden Juden im Exil, Die zwei Mädchen am Brunnen und Jeremias auf den Trümmern Jerusalems bereits im Rufe, einer der führenden Maler des Landes zu sein.

Dies trug ihm im Juni 1838 eine Anstellung als Professor und Leiter der Kunstakademie in Dresden ein, wo das Ehepaar in den Jahren bis 1859 lebte. 1840 bezog es mit den Hübners je eine Etage im Hause des Dresdner Bildhauers Ernst Rietschel, 1847 ein gemeinsames Haus mit den Hübners in der Dresdner Struvegasse. Als Lidas Mann 1859 das Direktorat an der Kunstakademie Düsseldorf erhalten hatte, zog die Familie an den Rhein, zunächst in das Grand Hotel Breidenbacher Hof an der Düsseldorfer Alleestraße, dann in die Goltsteinstraße 2, wo die Bendemanns bis 1868 wohnten und in dem Haus am Hofgarten – wie auch Lidas Nichte Sophie Hasenclever ein paar Häuser weiter – einen kunstsinnigen bürgerlichen Salon pflegten. In den Jahren 1866/1867 lebte das Ehepaar eine Weile in Rom.[1]

Nachdem sich bei Eduard Bendemann zunehmende gesundheitliche Beschwerden eingestellt hatten und er am 1. Januar 1868 in den Ruhestand entlassen worden war, lebte Lida mit ihrem Mann, der noch gelegentlich Privatunterricht gab, zurückgezogen in Berlin. Erst in höherem Alter, in den 1880er Jahren, lebte das Paar gemeinsam mit dem kränkelnden Sohn Rudolf,[2] der bereits 1884 in Italien verschied, wieder in Düsseldorf, wo Eduard am 27. Dezember 1889 in der Jägerhofstraße 7,[3] nach einer Influenza an einer Lungenentzündung starb.[4] Fünf Jahre später verstarb dort auch sie.[5]

Ein Porträt, das ihr Mann im neunten Ehejahr am 21. Februar 1847 in Dresden vollendete, zeigt Lida Bendemann im Alter von 25 Jahren.[6] Das Bildnis, das sich an die Porträtmalerei der italienischen Spätrenaissance anlehnt und dem nazarenischen Schönheitsideal entspricht,[7] befindet sich seit 1927 in der Sammlung des Museums Kunstpalast.[8] Außerdem schuf Bendemann noch ein Bildnis seiner Gattin im Alter.[9]

Ein Album Lida Bendemanns aus der Zeit von etwa 1860 bis 1890 sowie Porträtfotografien der Familie Bendemann verwahren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.[10]

Wirken

Grabstätte von Eduard und Lida Bendemann auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof
In Dresden pflegten Lida und Eduard Bendemann viele künstlerische und freundschaftliche Kontakte, etwa mit dem Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, insbesondere aber eine Freundschaft mit dem Musikerehepaar Clara und Robert Schumann,[11] der ihr 1849 sein Werk Bilder aus Osten (op. 66) widmete[12][13] und es mit seiner Gattin bei den Bendemanns erstmals vortrug.[14]

Gäste ihrer glanzvollen Düsseldorfer Gesellschaften waren etwa die Musiker Clara Schumann, Johannes Brahms und Joseph Joachim, der Historiker Heinrich von Sybel und die Genremaler Ludwig Knaus und Benjamin Vautier. Im Winter 1863 nahmen die Bendemanns Schumanns gesundheitlich beeinträchtigte Tochter Julie (* 11. März 1845; † 10. November 1872) bei sich in Düsseldorf auf. Clara Schumann hielt über viele Jahre engen Kontakt mit Lida Bendemann, der sich in einem vor allem musikwissenschaftlich bedeutenden Briefwechsel dokumentierte, und schrieb zu ihrem Tod:[15]

„Der Verlust von Frau Bendemann hat mich schwer getroffen, und ist mir noch immer als könnte es nicht sein. Sie war mir die treueste Helferin zu allen Zeiten, und eben so ja auch ihr Mann. Solche Freunde zu verlieren im Alter ist doppelt hart – sie sind unersetzlich, denn sie haben eine ganze Lebenszeit mit Einem durchlebt, Leid und Freud mit Einem getheilt.“

Literatur
Lida Bendemann. In: Wolfgang Seibold: Familie, Freunde, Zeitgenossen. Die Widmungsträger der Schumannschen Werke. Studiopunkt Verlag, Sinzig 2008, ISBN 978-3-89564-123-7, S. 49 ff.
Bendemann, Lida geb. Schadow. In: Schumann-Briefedition. Serie II, Band 6: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz, Annegret Rosenmüller (Hrsg.): Briefwechsel mit den Familien Bendemann, Ehrhardt, Hübner, Reinick und mit Adolph Karst, Ernst Kietz, Johann Peter Lyser, Gustav Metz, Ludwig und Heinrich Richter, Ernst Rietschel und Carl Christian Vogel von Vogelstein [Dresdner Künstler]. Dohr, Köln 2014, ISBN 978-3-86846-017-9, S. 214, 259, 480. 
SCHADOW, Lida (I60878)
 
2732 Familie
Sie entstammte dem Geschlecht der Konradiner und war mit den Ottonen, den westfränkischen Karolingern und den Königen von Burgund verwandt. Der Vater war Herzog Hermann II. von Schwaben. Die Mutter war Gerberga von Burgund, Tochter König Konrads III. von Burgund. Geschwister waren die Brüder Berchtold und Hermann III. von Schwaben und die Schwestern Gisela, die spätere mit Konrad II. verheiratete Kaiserin, und Beatrix, verheiratet mit Adalbero von Eppenstein. Halbgeschwister aus der ersten Ehe der Mutter waren Hermann II. von Werl, Rudolf von Werl und Bernhard I. von Werl.

Sie selbst war in erster Ehe mit Herzog Konrad I. von Kärnten († 1011) vermählt. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Herzog Konrad II. von Kärnten (genannt der Jüngere), Bischof Brun von Würzburg sowie eine Tochter, die den Grafen Gerhard von Metz heiratete. Ein Schwager war Brun von Toul (später Gregor V.).

Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete Mathilde Herzog Friedrich II. von Oberlothringen († 1027). Mit diesem hatte sie die Tochter Beatrix, die in erster Ehe den Markgrafen Bonifatius von Tuzien und in zweiter Ehe Herzog Gottfried III. von Niederlothringen heiratete. Eine zweite Tochter Sophie heiratete den Grafen Ludwig von Mousson. Der Sohn Friedrich III. starb 1033.

Die Forschung neigt dazu, eine dritte Ehe mit dem Grafen Esico von Ballenstedt anzunehmen und sie als Stammmutter der Askanier anzusehen. Die Bezeichnung von Esicos Ehefrau „Mathilda von Werl“ durch Annalista Saxo[1] könnte dadurch zustande gekommen sein, dass ihre Mutter Gerberga in erster Ehe mit Hermann I. von Werl verheiratet gewesen war.[2] Aus dieser Ehe stammten drei Kinder: Otto, Adelheid, die Thiemo von Schraplau heiratete, und Adalbert II. von Ballenstedt.

Leben
Noch bevor ihr Vater sich 1002 um den deutschen Thron bewarb, war Mathilde mit Konrad I. von Kärnten aus dem Haus der Salier verheiratet worden. Dieser hat seinen Schwiegervater bei dessen Königsplänen unterstützt.[3] Nach der Wahl Heinrichs II. zum König kritisierte dieser die Ehe zwischen Mathilde und Konrad wegen einer angeblichen Verwandtschaftsbeziehung auf einer Synode in Diedenhofen im Jahr 1003 scharf.[4] Trotz heftiger Tumulte kam es nicht zu einem Scheidungsverfahren. Tatsächlich lagen gemeinsame Vorfahren um vier Generationen zurück. Nach dem Tod Herzog Konrads wurde sein und Mathildes noch minderjährige Sohn, der spätere Konrad II., von Heinrich II. bei der Nachfolgeregelung in Kärnten übergangen. Stattdessen wurde mit Adalbero von Eppenstein der Ehemann ihrer Schwester Beatrix Herzog von Kärnten. Diese Handlung Heinrichs II. richtete sich gegen die herausgehobene Stellung der Salier und drohte zu einem Bedeutungsverlust zu führen.[5] Nach Konrads Tod (1011) heiratete Mathilde bald Friedrich von Bar, der seit 1019 zunächst Mitherzog und später Herzog von Oberlothringen war.

Nachdem ihre Schwester Gisela den Neffen Konrads I. von Kärnten, den späteren Kaiser Konrad II., heiratete, kam es zu guten Beziehungen Mathildes zu diesem Paar. Der Schwager Konrad unterstützte ihren Sohn Konrad, wenn auch vergeblich, durch die Schlacht von Ulm 1019 bei dessen Versuch, Herzog von Kärnten zu werden. Dabei zog sich Konrad der Ältere den Unwillen des Kaisers zu und musste möglicherweise zeitweise sogar ins Exil gehen.[6]

Das Bündnis der beiden Linien der Salier endete, als beide 1024 den Königsthron anstrebten. Mathilde verließ mit den lothringischen Großen aus Protest die Wahlversammlung in Kamba und blieb weiter widerständig. Zu Ostern 1025 kam es auch zum Bruch ihres Sohnes Konrad mit dem Kaiser. Ihr Mann Friedrich und ihr Sohn Konrad verstärkten mit ihrem Anhang die aufständischen Kaisergegner. Mathilde hat dabei selbst eine aktive Rolle gespielt. Sie schenkte dem polnischen König Mieszko II. ein wertvolles theologisches Buch „Liber de divinis officiis.“ Im Auftrag Mathildes wurde eine Dedikationsschrift „Epistola Mathildis Suevae ad Misegonem II. Poloniae Regem“ mit ihrem Bild verfasst. Das Bild ist verloren gegangen, die Handschrift befindet sich heute in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.[7] Dem von Kaiser Konrad nicht anerkannten Polenkönig hat Mathilde in dem Schreiben alle Kennzeichen des Königtums zugestanden und sogar das Altslawische als Liturgiesprache anerkannt. Auch diese Schenkung lässt sich als Akt des Widerstandes gegen den Kaiser interpretieren. Später scheint sich Mathilde mit dem Kaiser ausgesöhnt zu haben. Vom Hoftag zu Ostern 1030 in Ingelheim wird von einem guten Verhältnis zum Kaiserpaar berichtet. Mathilde stiftete im selben Jahr das Kloster St. Evre in Toul.

Nach ihrem Tod wurde sie im Dom zu Worms bestattet. Ihre noch nicht mündigen Kinder wurden nach ihrem Tod von der Kaiserin Gisela adoptiert und erzogen. Der Kaiser gedachte ihrer in seiner Memorialstiftung in Worms für seine Familie ausdrücklich. 
(SCHWABEN), Mathilde (I17252)
 
2733 Familie
Sie war die Tochter der Wiener Pianistin und Salonnière Fanny Arnstein und des Nathan Arnstein (1748–1838), eines vermögenden Bankiers. Sie erhielt ihre pianistische Ausbildung bei Muzio Clementi und bei dem Klavierbauer Andreas Streicher. Erste Auftritte hatte sie dort und in den Wiener Salons 1808 und 1809.[1]

Ehe
1802 heiratete Henriette von Arnstein den Bankier Heinrich Freiherr von Pereira (1773–1835), den ihre Eltern Fanny und Nathan Arnstein bereits adoptiert hatten. Gemeinsam hatte das Paar drei Söhne (darunter Ludwig von Pereira-Arnstein 1803–1859) und eine Tochter. Das Ehepaar Pereira konvertierte 1810 vom Judentum zum katholischen Glauben.

Salon
Nach dem Tod ihrer Mutter setzte Henriette Pereira die von ihrer Mutter eingeführte Tradition des literarisch-musikalischen Salons in kleinerem Stile fort. Sie veranstaltete jede Woche eine musikalische Soirée, bei denen sie selbst als Pianistin mitwirkte. Sie war dabei Gastgeberin bedeutender Künstler wie Beethoven, Liszt, Mendelssohn Bartholdy, Grillparzer, Stifter, Brentano und Theodor Körner, der für sie den Liederzyklus Leier und Schwert schrieb. Mit dem späten Joseph Haydn stand sie in Verbindung.

Sie setzte sich der Familientradition entsprechend karitativ ein und war in Baden bei Wien Patronin des Marienspitals.

Im Jahr 1864 wurde in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus (15. Bezirk) der Henriettenplatz nach ihr benannt.

Herrschaftsbesitz
Sie war die letzte Inhaberin der Herrschaft Königstetten und Chorherrn sowie der Herrschaft Erla.[2]

Trivia
Henriette Pereira und ihr Salon werden in Peter Hacks Gedicht Der sterbende Sänger behandelt. Darin erscheint sie dem sterbenden Theodor Körner und hält ihm eine ausschweifende patriotische Rede.

Briefe
Lea Mendelssohn Bartholdy, Ewig die deine. Briefe an Henriette von Pereira-Arnstein, hrsg. von Wolfgang Dinglinger und Rudolf Elvers, Wehrhahn-Verlag, Hannover 2010, ISBN 978-3-86525-133-6
Literatur
Felix Czeike: Henriette Pereira-Arnstein. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 7, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1978, ISBN 3-7001-0187-2, S. 414 f. (Direktlinks auf S. 414, S. 415).
Johann Friedrich Reichardt: Vertraute Briefe, geschrieben auf einer Reise nach Wien und den Österreichischen Staaten zu Ende des Jahres 1808 und zu Anfang 1809, eingel. und erl. von Gustav Gugitz, 2 Bde. (= Denkwürdigkeiten aus Altösterreich 16), München 1915.
Hilde Spiel: Fanny von Arnstein oder Die Emanzipation. Ein Frauenleben an der Zeitenwende 1758–1818. Neuaufl. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 1989, ISBN 3-596-22131-5.
Verena von der Heyden-Rynsch: Europäische Salons. Höhepunkte einer versunkenen weiblichen Kultur. Artemis & Winkler, München 1992, ISBN 3-7608-1942-7.
Georg Gaugusch: Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800–1938. Amalthea, Wien 2011, ISBN 978-3-85002-750-2. 
VON ARNSTEIN, Henriette (I60977)
 
2734 Familie der Stadt Bischofszell, nachweisbar im Bischofszell seit 1504, die wahrscheinlich von St.Gallen zuwanderte.
HBLS VI/S.194.

Glückshafenrodel 1504:
S.189/53 (4.Sept.): Bernhard Schlatter von Bischofszell
S.228/15 (11.Sept.): Hans Schlatters wolf (?), Hansen Sch. Madlenli, Hansen Sch. Son Heinrich, Ursel Hansen Sch. husfrow

Wappen:
In Silber auf grünem Dreiberg drei grüne dreiblättrige Kleeblätter.
Wappen auf Porträttafel, 1736 und Wappentafel der bürgerlichen Geschlechter im Museum Bischofszell, 1735.

Bekannte Zeitgenossen:
Urs Viktor Georg (1812 - 1871): Professor HTL Solothurn, Rektor KS, Historiker
Josua (1623 - 1692): der Fall eines Konvertiten

In fremden Diensten:
Hans Felix (1709 - 1747): + in Turin

Auswanderer:
Georg Johann (1822 Solothurn - 1880) New York, USA
Hans Bartholome 1799 - 1834) Mexiko 
SCHLATTER, Stammlinie (I30176)
 
2735 Familie der Stadt St. Gallen unbekannter Herkunft. Der erste in St. Gallen erwähnte Weniger war der als Stammvater geltende Cuni (1375). Die Weniger übten bis ins 20. Jahrhundert vor allem handwerkliche Berufe aus; bis ins 18. Jahrhundert waren sie oft Weber, im 17. Jahrhundert auch Gerber. Die Buchdrucker Daniel (1675-1726) und Ruprecht (1680-1756) gaben in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbauliche Schriften heraus. Nur wenige Familienmitglieder wandten sich nicht handwerklichen Berufen zu, wie der Pfarrer Johannes (1557) oder der Kunstmaler Werner Otto (1873-1902). Der Fabrikant und Kaufmann Michael (->) stiftete 1831 ein Familienlegat. In der Stadtrepublik sassen die Weniger häufig im Grossen und Kleinen Rat, stellten jedoch nie einen Bürgermeister. Ab dem 19. Jahrhundert übernahmen sie kaum mehr öffentliche Ämter. Anfang des 21. Jahrhunderts lebten noch drei männliche Familienangehörige mit St. Galler Bürgerrecht. WENIGER, Anna (I21161)
 
2736 Familie der Stadt St. Gallen unbekannter Herkunft. Der erste in St. Gallen erwähnte Weniger war der als Stammvater geltende Cuni (1375). Die Weniger übten bis ins 20. Jahrhundert vor allem handwerkliche Berufe aus; bis ins 18. Jahrhundert waren sie oft Weber, im 17. Jahrhundert auch Gerber. Die Buchdrucker Daniel (1675-1726) und Ruprecht (1680-1756) gaben in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbauliche Schriften heraus. Nur wenige Familienmitglieder wandten sich nicht handwerklichen Berufen zu, wie der Pfarrer Johannes (1557) oder der Kunstmaler Werner Otto (1873-1902). Der Fabrikant und Kaufmann Michael (->) stiftete 1831 ein Familienlegat. In der Stadtrepublik sassen die Weniger häufig im Grossen und Kleinen Rat, stellten jedoch nie einen Bürgermeister. Ab dem 19. Jahrhundert übernahmen sie kaum mehr öffentliche Ämter. Anfang des 21. Jahrhunderts lebten noch drei männliche Familienangehörige mit St. Galler Bürgerrecht. WENIGER, N. (I46161)
 
2737 Familie Erman
Die Familie Erman stammte aus Mülhausen im Elsass und hieß ursprünglich Ermendinger. Der Urgroßvater Pauls hatte bei seiner Übersiedlung nach Genf den Namen in Erman umgewandelt. Pauls Vater war der Historiker und protestantische Theologe Jean Pierre Erman (1735–1814). Paul Erman heiratete Caroline Hitzig (1784–1848), eine Enkelin Daniel Itzigs, Schwester Julius Eduard Hitzigs und Schwägerin Nathan Mendelssohns. Ihr Sohn Georg Adolf Erman (1806–1877) wirkte in Berlin als Physiker. Ihre Enkel waren der Bibliothekar Wilhelm Erman (1850–1932), der Ägyptologe Adolf Erman (1854–1937) und der Jurist Heinrich Erman (1857–1940). Der Jurist Walter Erman, Begründer des Erman-Kommentars zum BGB, war ihr Urenkel.

Leben
Paul Erman wurde am 29. Februar 1764 in Berlin geboren als Sohn von Jean Pierre Erman, des Predigers der Hugenotten-Gemeinde, Direktors des Französischen Gymnasiums (Collége français) und langjährigen Mitglieds der philosophischen Klasse der Akademie, und dessen Ehefrau Louise Lecoq (1738–1791), Tochter des Tabakhändlers Paul Lecoq (1703–1769) und der Anne Jordan (1711–1739), einer Schwester von Charles Étienne Jordan.[1] Wie seine Muttersprache war auch seine Bildung vorwiegend französisch und erhielt gemäß den Anschauungen der Kreise, denen seine Familie angehörte, eine ethisch-philosophische Richtung.

Zum Prediger bestimmt und bereits bis zur Schwelle dieses Berufes vorgerückt, nahm er jedoch von der Prüfung Abstand. Erman interessierte sich für die Naturwissenschaften und übernahm bereits mit 18 Jahren ein Lehramt für Naturkunde am Französischen Gymnasium in Berlin, dem er selbst seine klassische Bildung verdankte (eine Universität hat er nie besucht) und an dem zuvor schon sein Vater gelehrt hatte. 1791 wurde er zum Professor der Physik an der allgemeinen Kriegsschule ernannt.

Bei Gründung der Berliner Universität im Jahre 1809 erhielt er eine ordentliche Professur für Physik an dieser Hochschule, die er bis zu seinem Tode innehatte. 1806 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und war zwischen 1810 und 1841 Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Akademie. Im Jahr 1819 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.[2]

Wirken
Erman arbeitete insbesondere über Probleme der Elektrizität, des Magnetismus, der Hygrologie, der Optik und der Physiologie, wo er wichtige Beiträge leistete. Zwar hatte er bis zum Alter von nahezu 40 Jahren keine eigenen Untersuchungen bekannt gemacht und teilweise nur unvollendete Arbeiten in den Denkschriften der Akademie und in Ludwig Gilberts Annalen der Physik und Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie in zahlreichen Abhandlungen niedergelegt.[3] Unter anderem beschäftigte er sich mit den Wirkungen der damals entwickelten Voltaschen Säule.

Er war der Erste, der elektroskopische Spannungserscheinungen an einem die Säule schließenden feuchten Leiter beobachtete, und die Fähigkeit der Erde und der Gewässer, den galvanischen Strom zu leiten, nachwies. Seiner Entdeckung der unipolaren Leitung der Flammen und der Seife wurde 1806 durch die mathematisch-physikalische Klasse des französischen National-Instituts der von Napoleon Bonaparte ausgesetzte Galvanische Preis von 3000 Francs zuerkannt. Erman gehört zu den ersten Forschern auf dem Gebiet der elektrochemischen Bewegungserscheinungen. Auch die Optik, die Wärmelehre und die Physik der Erde verdanken ihm einige wichtige Beiträge. Erman war ein Gegner der Naturphilosophie und ein Vertreter nüchterner und empirischer Forschung.

Literatur
Emil du Bois-Reymond: Gedächtnissrede auf Paul Erman. In: Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1853.
Eugen Lommel: Erman, Paul. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 229 f.
Wilhelm Erman: Paul Erman, Ein Berliner Gelehrtenleben. 1764–1851 (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins; 53). Mittler, Berlin 1927. Digitalisiert von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2012. URN urn:nbn:de:kobv:109-opus-140313
Grete Ronge: Erman, Paul. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 4. Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 599–600 (deutsche-biographie.de).
Weblinks 
ERMAN, Paul (I60941)
 
2738 Familie Reichlin
Die Herkunft der Stammväter und die Erhebung in den Adelsstand
Die Genealogie der Familie Reichlin lässt sich bis zu Jodokus I (gest. 1369) zurückverfolgen, der als Ritter (eques) und österreichischer Praefect in Arenberg genannt wird. Sein Sohn Jodokus II war Stadtarzt und Schulmeister in Überlingen und Konstanz. Er bekam von dem ebenfalls aus dem Kanton St. Gallen stammenden Hans von Meldegg das Wappen und dessen Namen mit allen Freiheiten des Adels in einem feierlichen Akt übergeben. Diese Erhebung der Familie in den Adelsstand bestätigte Kaiser Friedrich III. im Jahr 1465 dem berühmten Sohn, Doktor Andreas Reichlin, der Bauherr unseres Palastes.

Aufstieg und Niedergang der Reichlin von Meldeggs in Überlingen
Über Generationen hinweg studierten die Reichlin von Meldeggs Medizin und Jura an den bedeutendsten Universitäten der Zeit. Die Reichlins waren bedeutende Patrizier, Bürgermeister – auch von Überlingen -, standen als Räte in bischöflichen und kaiserlichen Diensten oder waren einflussreiche Äbte. Das Überlinger Anwesen mit dem Palast ging an den ältesten erbberechtigten Sohn. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es jedoch gerichtlichte Erbstreitigkeiten und der großartige Besitz wurde mehr und mehr zur finanziellen Last des einst einflussreichsten Überlinger Patriziergeschlechts. Im Jahr 1684 verkaufte Franz Wolf Reichlin von Meldegg das einst herausragende, jetzt verarmte Anwesen an die Familie Roth von Schreckenstein.

Die Verzweigung der Nachkommen im Süddeutschen Raum
Franz Wolfs kunstsinniger Sohn Anselm allerdings machte Karriere als Fürstabt des Stifts von Kempten (1728-1747, heute St. Lorenz), dessen letzter Fürstabt, Castolus Reichlin von Meldegg (1793-1803), aus der Gundelfinger Linie stammte. die Burgen Niedergundelfingen und Maisenburg bei Reutlingen mit umliegenden Ländereien gingen im 16. Jahrhundert an die Nachkommen des Andreas Reichlin. Außer in Überlingen und Konstanz lebten Zweige der Familie in Billafingen (von 1481 – 1684 im Besitz der Familie). Zu erwähnen ist weiterhin Sebastian Reichlin von Meldegg, Urenkel des Andreas, der in das Geschlecht der Sättelin von Eisenburg einheiratete und um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Herrschaft des Patriziergeschlechts über die Eisenburg und das Dorf Fellheim bei Memmingen begründete.

Die Verzweigung der Nachkommen im Süddeutschen Raum
Franz Wolfs kunstsinniger Sohn Anselm allerdings machte Karriere als Fürstabt des Stifts von Kempten (1728-1747, heute St. Lorenz), dessen letzter Fürstabt, Castolus Reichlin von Meldegg (1793-1803), aus der Gundelfinger Linie stammte. die Burgen Niedergundelfingen und Maisenburg bei Reutlingen mit umliegenden Ländereien gingen im 16. Jahrhundert an die Nachkommen des Andreas Reichlin. Außer in Überlingen und Konstanz lebten Zweige der Familie in Billafingen (von 1481 – 1684 im Besitz der Familie). Zu erwähnen ist weiterhin Sebastian Reichlin von Meldegg, Urenkel des Andreas, der in das Geschlecht der Sättelin von Eisenburg einheiratete und um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Herrschaft des Patriziergeschlechts über die Eisenburg und das Dorf Fellheim bei Memmingen begründete.

Als Bauherr im Kreise der Welterneurer
Schon während seines Medizinstudiums in Padua tauchte Andreas Reichlin ein in die Welt der führenden Humanisten, denen er als Arzt beim Basler Konzil (ab 1431) erneut begegnete. Zu den Welterneuerern gehörten der spätere Kardinal Nikolaus von Kues und Enea Silvio Piccolomini, später Papst Pius II. Piccolomini wurde aufgrund der außergewöhnlichen Fähigkeiten des Arztes, vom Kaiser beauftragt, eine Lobrede auf Reichlin zu halten. Als berühmter Arzt, unter anderem Kaiser Friedrichs III. sowie zahlreicher Adliger, wurde er reich und errichtete sich ab ca. 1459 nach den revolutionären Ideen der italienischen Humanisten seinen Palast und die Lucienkapelle. 
REICHLIN VON MELDEGG, Christoph Eberhard (I20198)
 
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2740 Familie und Ausbildung
Theodor Möller war Sohn des Unternehmers und Abgeordneten Friedrich Möller (1805–1878); seine Mutter war Henriette Friederike Möller (1808–1848).[1] Er machte eine Kaufmannslehre bei seinem Onkel Carl Woermann in Hamburg und verbrachte anschließend mehrere Jahre in England.

Im Jahr 1872 heiratete er Eleonore Tiemann (1853–1935) und wurde Vater von neun Kindern. Seine Tochter Magdalena (1883–1919) heiratete 1907 in Berlin den evangelischen Theologen Hans von Soden. Aus dieser Ehe gingen drei Enkelsöhne von Möllers hervor, unter ihnen der Altorientalist Wolfram von Soden. Nach dem frühen Tod Magdalenas wurde seine Tochter Hedwig (1877–1963) Hans von Sodens zweite Ehefrau.[2]

Unternehmerisches Handeln
Zusammen mit seinem Bruder Karl Möller gründete Theodor Möller 1863 die Firma K. & Th. Möller GmbH. Diese war eine Maschinenfabrik, Kesselschmiede und Eisengießerei. Das Unternehmen war bis zum Ersten Weltkrieg führend unter anderem im Bau von Luftfiltern und von Wasserturbinen. Nach dem Tod des Vaters übernahmen die Brüder auch die elterliche Lederfabrik, modernisierten diese und weiteten die Produktionsbereiche aus. Theodor Möller war ein Pionier bei der Kohledestillation und der technischen Nutzung von Aktivkohle. 1881 gründete er die Aktiengesellschaft für Kohledestillation und war bis 1901 und zwischen 1909 und 1925 Aufsichtsratsvorsitzender. Nach seiner Tätigkeit als Minister setzte er sich stark für koloniale Beteiligungen der Familienunternehmen ein. Außerdem beteiligte sich Möller an der Gründung der ersten Flugzeugfabriken. 1908 wurde er Mitglied des Aufsichtsrates der Commerzbank.[3]

Interessenvertreter der Industrie
Daneben war er aber auch einer der führenden Wirtschaftfunktionäre der rheinisch-westfälischen Industrie. So war er unter anderem aktiv im Langnam-Verein. Seit 1874 saß er im Ausschuss und war zwischen 1882 und 1901 Vorsitzender. Seit 1876 war er auch Mitglied im Centralverband deutscher Industrieller. Zwischen 1895 und 1901 gehörte er dem Ausschuss des CDI an. Außerdem war Möller seit 1878 Mitglied der Handelskammer Bielefeld und zwischen 1880 und 1891 deren stellvertretender Vorsitzender.

Politik
Zwischen 1898 und 1901 war Möller für die Nationalliberale Partei Mitglied des Reichstages. Außerdem war er von 1894 bis 1901 Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus, aus dem er am 8. Mai 1901 wegen einer Beförderung ausscheiden musste.[4] Zwischen 1890 und 1895 war Möller zudem Mitglied im preußischen Staatsrat.

Zwischen Mai 1901 und Oktober 1905 amtierte Möller als preußischer Handelsminister und übergab die Führung der Familienunternehmen an seinen Sohn. In seiner Ministerzeit machte sich Möller für eine Verstaatlichung des Bergwerks Hibernia stark, was auf scharfe Kritik von Seiten der rheinisch-westfälischen Unternehmer stieß. Nach dem Ausscheiden aus diesem Amt wurde er geadelt.[5]

Möller war während der sogenannten „Hottentottenwahlen von 1907“ als Kolonialbefürworter direkter Konkurrent von Carl Severing, der dieser Politik kritisch gegenüberstand. Nach einem turbulenten Wahlkampf lag im ersten Wahlgang Möller noch knapp vorn, verlor den Wahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück in der Stichwahl aber an Severing.[6]

Seit 1914 war Möller Mitglied des preußischen Herrenhauses. Nach Möller wurde die Zeche Möller benannt.

Sozialpolitisches Handeln
Die Brüder Möller haben eine breite inner- und außerbetriebliche Sozialpolitik betrieben. So gründeten sie 1872 den Spar- und Vorschussverein Kupferhammer, ein Jahr später folgte eine Krankenkasse und 1885 eine Konsumanstalt. Hinzu kamen Unterstützungs- und Erinnerungsfonds. Die beiden Brüder Möller gründeten 1879 zum Andenken an ihren Vater die noch heute bestehende Möller-Stiftung zur Pflege von Alten und Kranken. Diese errichtete 1901 das Kreiskrankenhaus Möllerstift.[7]

Literatur 
VON MÖLLER, Theodor Adolf (I54712)
 
2741 Familie und Kindheit
Rothschilds Vorfahren entstammten einem Zweig der jüdischen Familie Hahn, die seit 1530 in der Frankfurter Judengasse ansässig war. Isaak Elchanan († 1585) erbaute um 1567 das Haus „zum Roten Schild“ in der Judengasse 69. Sein Enkel und dessen Nachfahren nahmen diesen Namen als Familiennamen an und behielten ihn auch, als sie 1634 in das Hinterhaus zur Pfanne (Judengasse 188) zogen.[1] Mayer Amschels Vater, Amschel Moses Rothschild, betrieb in der Judengasse ein Geschäft für den Handel mit Kleinwaren und Geldwechsel. Das Hinterhaus hatte eine Fassadenbreite von nur etwa 3,40 Meter. Verteilt auf drei Stockwerke und eine Dachkammer hatte es eine Nutzfläche von etwa 120 Quadratmetern. Im Erdgeschoss befanden sich die Geschäftsräume, in denen auch die Handelswaren aufbewahrt wurden.[2] Das Haus wurde zeitweise von 30 Personen bewohnt.

Sein Sohn Mayer Amschel ging zunächst auf eine jüdische Elementarschule in der Judengasse. Ab 1755 besuchte er die Jeschiwa des David Strauss in Fürth. Warum Amschel Moses Rothschild seinen Sohn nach Fürth schickte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Sollte Amschel Moses Rothschild beabsichtigt haben, seinen Sohn zum Rabbiner auszubilden, wäre der Besuch der Jeschiwa in Frankfurt einfacher und billiger gewesen. Möglicherweise bot die Jeschiwa in Fürth aber anders als die in Frankfurt auch Unterricht in säkularen Fächern wie Rechnen.[3] Nach dem Tod seines Vaters 1755 und seiner Mutter Schönche Lechnich 1756 musste er aber den Schulbesuch dort wieder abbrechen. Stattdessen wurde er für einige Jahre nach Hannover geschickt, wo er in der Firma von Wolf Jakob Oppenheim arbeitete. Wolf Jakob Oppenheim gehörte der weitverzweigten Familie Oppenheim an, von denen ein Familienmitglied zu dieser Zeit in Bonn einer der Hoffaktoren von Kurfürst Clemens August I. von Bayern war.[4] Hoffaktoren waren selbständige Kaufleute, die die Adelshöfe mit verschiedenen Luxusgütern belieferten und auch Finanzgeschäfte tätigten. Zu den Betätigungsfeldern von Hoffaktoren, die häufig Juden waren, gehörte auch die Beschaffung antiquarischer Münzen und anderer Sammelstücke für die fürstlichen Kuriositätenkabinette. Mayer Amschel erwarb vermutlich in der Firma von Wolf Jakob Oppenheim die notwendigen Kenntnisse in Numismatik, Geschichte und Kunstgeschichte, um selbst in diesem Geschäftsbereich tätig zu werden. 
ROTHSCHILD, Mayer Amschel (I55580)
 
2742 Familie und Unternehmen in Köln
Die protestantische Kölner Unternehmerfamilie Andreae hatte ihren Anfang in dem aus Frankfurt stammenden Christoph Andreae (1665–1742), der seit 1687 in Köln eine mit der Zeit florierende Seiden- und Leinenfabrikation aufgebaut hatte. Andreae, der Gertrud, eine geborene Mainau (1664–1722) geheiratet hatte, war mit seiner dann anwachsenden Familie einer kleinen lutherischen Gemeinde beigetreten, die sich in der katholisch orientierten Reichsstadt aus zumeist ebenfalls zugezogenen Kaufleuten gebildet hatte. Mit der Zeit war jedoch diesen Familien eine freie Entfaltung in religiöser sowie in geschäftlicher Hinsicht durch Maßnahmen des Kölner Rates mehr und mehr beeinträchtigt worden.

Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts Restriktionen gegen Andersgläubige immer stärker wurden und sich in Köln die Dinge wieder wie zur Zeit der Gegenreformation zuspitzten, entschlossen sich mehrere dieser Kaufmannsfamilien, unter ihnen die Familie Andreae, auf das Angebot Herzog Johann Wilhelms einzugehen und in die damals noch zum Herzogtum Berg gehörende Nachbarstadt Mülheim überzusiedeln. Für den Fall einer solchen Ansiedlung in der „Freiheit Mülheim“ waren den Neubürgern nicht nur Religionsfreiheit, sondern auch erhebliche steuerliche Privilegien in Aussicht gestellt worden.

Nachkommen
Aus der Ehe des Kölner Firmengründers und nun weiterhin erfolgreichen Mülheimer Geschäftsmannes waren sechs Kinder hervorgegangen, unter denen sich drei in Köln geborene Söhne befanden. Die ersten beiden der Söhne, Heinrich Anton, der Älteste (ca. 1695 geboren, starb 1763 in Mülheim) und der Zweite, der 1700 geborene Thomas Daniel, erhielten ihre Ausbildung wohl im väterlichen Geschäft. Sie wurden später bei verschiedenen Transaktionen, zumal nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1742, in Mülheim angeführt. Der 1707 geborene Johann Adam heiratete und starb (1777) in Frankfurt/Main.[5] In der Firmengeschichte spielten die unmittelbaren Nachkommen Christoph Andreaes keine bedeutende Rolle, Heinrich Anton und Thomas Daniel assistierten dem Seniorchef und Vater. Mit Christoph Andreae Junior, um den es hier geht, dem Sohn Thomas Daniels und Enkel des Firmengründers, erhielt das Unternehmen später eine herausragende Persönlichkeit, der den Andreaeschen Produkten neue Absatzmärkte erschloss und diesem nicht nur in Deutschland zu hohem Ansehen verhalf

Das Mülheimer Familienunternehmen
1714 hatte Christoph Andreae senior in der Taubengasse (heutige Formesstraße) der Altstadt Mülheims eine Färberei und vier Leineweberhäuser für die mit seiner Familie übergesiedelten Stammarbeiter seiner ehemaligen Betriebsstätte errichteten lassen. (Diese Werks- und Wohnhäuser summierten sich in der Taubengasse und Buchheimer Straße bis zum Jahr 1808 auf 9 Häuser.)[6] Als eigenes Domizil hatte er das stattliche Gasthaus „Zum güldenen Berg“ an der damaligen Freiheitsstraße 40 (heute Mülheimer Freiheit) erworben.[2]

Thomas Daniel hatte Helena, eine geborene Teschenmacher, geheiratet, die ihm 1735 als drittes von vier Kindern in Mülheim einen Stammhalter zur Welt brachte, den sie Christoph nannten. Über dessen Jugendjahre und Schulbildung ist nichts bekannt, möglicherweise besuchte er anfänglich die reformierte Schule Stöckerstraße (heute durch Brückenbau und Krieg ohne Bebauung), die 1784 durch den Eisgang der Flut von 1784 zerstört wurde. Ob Christoph auch die spätestes zur Mitte des 18. Jahrhunderts gegründete höhere „Lateinische“ und auch „Französische“ Schule genannte Lehranstalt besuchte, ist ebenso nicht überliefert. Seine berufliche Ausbildung erhielt auch Christoph traditionell im väterlichen Geschäft, aber auch sein angeführter Aufenthalt in einer der Metropolen des Seidenhandels, der Stadt Lyon, schien diesem Zweck gedient zu haben.

Generationswechsel
Der junge Andreae verlor im Alter von 21 Jahren seinen Vater und übernahm wenig später die Leitung des Mülheimer Unternehmens. Zu diesem Zeitpunkt war Mülheim selbst unter den eingetretenen besseren wirtschaftlichen Bedingungen, die auch seinen Bewohnern einen Zuwachs an Arbeit und Einkommen gebracht hatten, ebenso gewachsen wie die Seidenmanufaktur Andreae.[2]

Christoph war 1761 mit Maria Christina Katharina Scheibler (1740–1807), der Tochter des Monschauer (Monttoye) Tuchindustriellen Johann Heinrich Scheibler, die Ehe eingegangen, eine Verbindung, die wohl auch den geschäftlichen Interessen beider Familien dienlich war. Aus der Ehe gingen im Laufe von 20 Jahren 11 Kinder hervor, von denen der erste männliche Spross, Christoph, eine erste Niederlassung außerhalb Deutschlands leiten sollte.[7] Einer der Enkel des Beschriebenen ist der Maler Carl Christian Andreae (1823–1904), von dem die heute noch in Köln und Umgebung lebenden Andreaes abstammen. Thomas Andreae (geb. 1949) betreibt die Firma unter anderen Bezeichnungen fort, Michael Andreae (geb. 1950) ist freier Unternehmer (u. a. der Jäckering-Gruppe für Nährmittel und mehr), Stephan Andreae (geb. 1952) ist Künstler, Kurator kulturhistorischer Ausstellungen, Martin Andreae (geb. 1954) ist Rechtsanwalt mit Wohnsitz Köln (mit Kanzlei in Bergisch Gladbach).

Christoph Andreae legte im Jahr 1765 nach den Plänen des Baumeisters Leydel (event. Georg Leydel, 1720–1785) eine neue „Sammetfabrik“ im nördlichen Bereich der Wallstraße an. Es war ein 130 m langer Bau, der es erforderlich machte, die Einmündung einer neu angelegten Querstraße (die Weberstraße, heutige Seidenstraße) mit einem Torbogen zu überbauen.[6] In Verbindung mit diesem Erweiterungsprojekt gewährte der Herzog von Berg, wie schon zuvor seinem Großvater, auch ihm ein Privileg. Er erhielt auf seine Bitte hin Steuer- und Abgabenfreiheit, sowie die Zusage, dass für einen Zeitraum von 25 Jahren kein anderer Unternehmer in „Berg“, eine solche Fabrik errichten dürfe. Die Zusage wurde jedoch bald brüchig und Andreae hatte sich gegen Konkurrenz zu behaupten, aber das Andreaesche Unternehmen prosperierte dennoch. Zu dieser Zeit waren etwa 500 Personen in seinem Unternehmen beschäftigt.

Neben dem Konkurrenzdruck ergaben sich für Andreae weitere Schwierigkeiten. Wegen der ihm gewährten Vergünstigungen entstand Missgunst und Unzufriedenheit bei der städtischen Behörde und den Bürgern Mülheims. Stadt und Bürger verlangten die Aufhebung der Andreae vom Landesherren eingeräumten Privilegien, und als man damit erfolglos blieb, wurden 1769 gegen Andreae Schmähschriften verfasst und verbreitet, die jedoch keine Änderung erbrachten und auf höchste Anordnung untersagt wurden.[2]

Eisflut und Auswirkungen

Die Eisflut des Jahres 1784 nach einem Stahlstich des Niederländers Steven Goblé, (1749–1799)
Die Eisflut vom 27. und 28. Februar 1784 zerstörte einen erheblichen Teil Mülheims (161 Häuser) und war auch für das Unternehmen Andreae ein gewaltiger Rückschlag. Andreae bezifferte damals seinen Schaden auf 100.000 Gulden. In diesem Unglück half er jedoch auf jede erdenkliche Weise der Stadt und den Bürgern, sodass sein Ansehen wieder stieg und seine Kritiker verstummten.

Er wurde bei dem Landesherrn vorstellig und war insofern erfolgreich, dass ihm der Ersatz zur Hälfte seines Schadens erstattet und Zollfreiheit für seine zukünftige Produktion auf 30 Jahre gewährt wurden. Er erreichte überdies die Zusage für den Neubau eines Rheindammes als Zukunftssicherung, sowie für die Stadt den Anspruch auf zu erhebende Wegegelder und deren Befreiung von Steuern auf 25 Jahre, damit sich diese erholen könne und neu aufgebaut werde. Er hatte als kluger Geschäftsmann argumentiert, dass er ansonsten gezwungen wäre, seinen Betrieb aus Berg zu verlagern. Man kam seinen Wünschen in allen Punkten nach. Aufgrund seines Einsatzes für das Gemeinwohl wurde ihm später der Ehrentitel Kommerzienrat verliehen.[2]

Fabrikationsgebäude, Beschäftigte und Expansion
Wallstraße nördlich der Buchheimer Straße die 1765 erbaute zweigeschossige Samtfabrik an der Weber- bzw. späteren Seidenstraße.
Südlich der Buchheimer Straße wurde in diesem Abschnitt der seit 1765 ausgebauten Wallstraße, auf dem Gelände ehemaliger Weingärten der evangelischen Gemeinde, im Jahr 1773 die Andreaesche Fabrik erbaut, deren Areal sich später bis an die Bachstraße erstreckte.
Die Schäden der Eisflut von 1784 trafen hauptsächlich die Färbereien (eine „Schönfärberey“ und eine „Schwarzfärberey“) an der Wallstraße, Walkhäuser, den Hauptkessel, Farbmagazine, Webstühle, Bandmühlen und fortgespülte Fertigware aus den Nebenhäusern an der Freiheitsstraße sowie die betriebseigenen Werkshäuser an der Taubengasse. Der Wiederaufbau dauerte nicht lange und die Verluste konnten rasch wettgemacht werden.

In der Folge wuchs das Unternehmen stetig und erreichte eine Beschäftigtenzahl von rund 1500 Personen. Bei diesen Zahlenangaben fügt Bendel erklärend hinzu, dass der größte Anteil der Beschäftigten jedoch als solcher galt, der zu Hause am eigenen Webstuhl für die Firma Andreae in Lohn- oder Stückarbeit tätig war. Es waren überdies nicht nur Mülheimer Arbeiter, sondern viele waren in einem Umkreis von 10 Stunden (so die Entfernungsangabe) wohnhaft. Sie führten den Meistertitel, hatten eigene Gesellen und bildeten Lehrlinge aus. Sie bezogen das Rohmaterial von der Firma Andreae und lieferten die gewebte Fertigware wieder dort ab und erhielten den vereinbarten Arbeitslohn. So wurden nach Aufzeichnungen des Jahres 1765 der Meister pro Elle Fertigware 16 bis 20 Stüber ausgezahlt, der selbst seinem Gesellen einen Tagelohn vom etwa 15 bis 20 Stübern zahlte.[2]

Der gute Ruf der Samt- und Seidenwaren aus der Firma Andreae stieg mehr und mehr und hatte sich in ganz Deutschland verbreitet, sodass Christoph Andreae wiederholt auch von den Regenten anderer Fürstentümer Angebote erhielt, doch gegen hohe Entschädigungen seine Produktion zu verlagern und diese in ihren Ländern aufzunehmen. Auch Kaiser Josef umwarb Andreae, der nach entsprechenden Verhandlungen den Geschäftsmann nach Wien einlud. Andreae entschloss sich für eine Ausweitung seines Geschäftes und reiste 1787 mit seinem ältesten Sohn Christoph (1766–?),[8] begleitet von 150 Samtwebern nach Wien. Dort entstand eine Filiale der Stammfirma, für die ihm wie in Mülheim Privilegien eingeräumt wurden, die die Befreiung von Steuern und Abgaben beinhalteten und Schutz vor Wettbewerbern garantierten. Die Leitung der neuen Fabrik übernahm sein Sohn, der sie zu einer erfolgreichen Niederlassung ausbaute, die bis in die 1870er Jahre bestand.[2]


Grabinschrift und Lebensdaten
Lebensabend
Aus Wien zurückgekehrt, erwarteten Andreae wenige Jahre später die Besatzungszeit durch die französischen Truppen. Sie war verbunden mit Plünderungen, die sich zumeist gegen die Wohlhabenden richteten und sich nach einer Schätzung in Mülheim auf einen Geld- und Sachwert von 53.000 Talern beliefen. Von diesen Vorgängen war auch die Familie Andreae betroffen. Hinzu kamen Einquartierungen und allerlei weitere Querelen. Gegen die Stadt erhob man Kriegsforderungen in immenser Höhe, die sich auf 200.000 Livres beliefen. Als Mülheim dieser Forderung nicht nachkam, nahm man Andreae kurzfristig als Geisel.[2]

Eine dann eingetretene langwierige Erkrankung, von der er sich nicht erholte, führte schließlich zum Tod Christoph Andreaes am 3. August 1804. Er wurde auf dem Evangelischen Friedhof der Stadt Mülheim beigesetzt.

Familienbesitz an der Freiheitsstraße
Haus Zum goldenen Berg
Das Haus „Zum goldenen Berg“, an der damaligen Freiheitsstraße 40/42 gelegen, war ein alter Gasthof. Er wurde nach einer Klage des Johann Ritgens im Jahr 1648 versteigert und ging inklusiv der rückwärtigen Gebäude, einem Steinweg und Garten, für den Betrag von 1710 Taler an Lic. jur. Johann Peter Müller, der die Liegenschaft wieder veräußerte. Sie war 1678 im Besitz des Johann Abraham Backhoven, der sie mit allem Zubehör 1714 an Christoph Andreae (sen.) verkaufte.

Wohnhaus Christoph Andreae (jun.) und Verwaltung
Das zuvor angeführte Anwesen wurde 1780 auf Veranlassung seines Enkels Christoph Andreae in Teilen umgestaltet, der auch einen Neubau errichten ließ. Die Neubauten waren offenbar sehr solide ausgeführt worden und überstanden die Eisflut des Jahres 1784 mit reparablen Schäden. Das Haus mit Seitenflügeln und weiteren Nebengebäuden, in denen sich die Geschäftsräume befanden, erhielt eine anspruchsvolle Innenausstattung und entsprach in seinem Äußeren in etwa dem Neubau des Hofkammerrates Bertoldi, dessen Wohnhaus, der Bärenhof, von denselben Fachleuten an der Buchheimer Straße erbaut worden war. Wie an diesem zeigte der Schlussstein des Mittelportals das Wappen der Familie und ein Balkon war ebenfalls durch ein kunstvolles, schmiedeeisernes Gitter verziert worden. Auf der Ebene des Mansarddachs erhob sich ein prachtvoller, mit einem Umgang versehener Belvedere. Ein seitlicher Torbogen an der Südseite des Hauses führte auf das Hofgelände mit dem dortigen, achtseitigen, in zierlichen Formen des späten Rokoko errichteten Gartenhaus.[9] Das stattliche Anwesen hatte 1808 einen Versicherungswert von 8000 Reichstaler und diente im November 1811 Kaiser Napoleon und seiner Frau Marie Louise kurzfristig als Quartier. Das Anwesen blieb im Besitz der Familie, bis es später an das Kloster der Kölner Ursulinen und weiter an die Stadt Köln kam. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges brannte es mitsamt den zugehörigen Nebengebäuden nieder und wurde, obwohl es aufbauwürdig war, abgeräumt.[6]

Haus zum halben Mond
Zwischen den zuvor beschriebenen Gebäude und dem folgenden Haus zum Altan, lag ursprünglich das erst später in den Besitz der Familie gekommene Haus Nr. 42 der „Freiheitsstraße“. Es war das schon 1648 genannte Haus „Zum halben Mond“, dessen Obergeschoss in einen Saal umgebaut worden war, der dann zu beiden Nachbarhäusern Zugänge erhalten hatte.[6]

Haus zum Altan
Das „Haus zum Altan“ lag an der Freiheitsstraße 44 und war ein repräsentatives Gebäude mit ausgedehntem Seitenflügel und hatte einen mittigem Vorbau und Balkon zur Straßenseite. Es war zuletzt ein Neubau vom Anfang des 19. Jahrhunderts, der ein zuvor bestehendes Bauwerk ersetzt hatte, das 1770 in den Besitz der Frau Andreae gelangte und dann an Karl Christian Andreae überging. Das Haus blieb bis 1841 in der Familie Andreae und kam durch Einheirat in anderen Besitz.[6]

Gedenken
Vor den Kriegszerstörungen befand sich an der Ecke Wall- und Bachstraße an der Toreinfahrt auf das Werksgelände ein Gebäude des ausgehenden 18. Jahrhunderts, dessen Oberlicht des Eingangs die Initialen des Bauherren Christoph Andreae trug.[6]

Gräberfeld der Familie

Gräberfeld der Familie in Mülheim
Christoph Andreae wurde auf dem 1612 eingerichteten Evangelischen Friedhof der Stadt Mülheim beigesetzt. Auf diesem befindet sich eine niedrig eingefasste, größere Parzelle, die nach Angaben des Friedhofsverwalters und ausweislich einer Einstiegsplatte sowie vereinzelten Belüftungsluken auch über eine Familiengruft verfügt. Auf der mit Rasen bewachsenen oberirdischen Fläche wurden für zahlreiche Verstorbene der Familie in unterschiedlichsten Gestaltungen und Materialien, Tuff, Sandstein, Marmor etc. Grabmale errichtet. Diese spiegeln gleichermaßen den Wandel der Grabarchitektur der vergangenen Jahrhunderte, veranschaulichen aber auch den Anspruch einer der gutsituierten Gesellschaftsschicht angehörenden Famille, die neben persönlichem Empfinden auch aus repräsentativen Gründen anspruchsvolle bildhauerische Arbeit in Auftrag gab.

Grabmal der Eheleute Christoph Andreae
Das Grabmal der Eheleute erhebt sich in nahezu quadratischer Form auf einem identischen Sockelmaß zu einer Höhe von über 2 Metern. Die Stele beginnt auf der Vorder- und Rückseite mit bandartiger Verzierung dem sich gravierte Mittelteile anschließen. Diese enthalten in ihrem oberen Bereich Nischen, in denen urnenartige Gefäße stehen, wobei das vordere Nischengefäß den Namen Christoph Andreae trägt. Über den Mittelabschnitten folgt ein umlaufender, mit erhabenen Sternen verzierter Fries, der von einer als Gesims vorspringenden Bekrönung überdacht ist, die wiederum auf den Vorder- und Rückseite eine flache Giebelform bildet. Unter den Nischen befinden sich eingemeißelte, individuell auf die verstorbene Person abgestimmte Texte und deren Lebensdaten. Das Schmuckband im unteren Bereich dieser Stelenseite enthält dem Ehemann zugeordnet, in vier Kränzen die dem Verstorbenen nachgesagten Tugenden. Angeführt wurden die „Nächstenliebe“, die „Wahrheitsliebe“, die „Mä….eit“ (eventuell Mäßigkeit) und der „Fleiß“. Bei der Ehefrau befinden sich ebenfalls im unteren Teil der Stele vier schmückende Darstellungen. Hier sind es Rauten, deren inhaltlicher Text die guten Eigenschaften der Verstorbenen hervorhebt. Genannt wurden die „Häuslichkeit“, die „Friedlichkeit“, die „Mutterliebe“ und die „Klugheit“. Alle Inschriften des Grabmals sind bis auf wenige Stellen in relativ gutem Zustand. Sie wurden offenbar restauriert und sind als vergoldete Inschrift gut lesbar.

Ob den beiden Ehepartnern wiederum jeweils eine der seitlichen, mit erhabenen Reliefs versehenen Gestaltungsflächen der Stele zuzuordnen ist, erschließt sich wohl nur den heutigen Nachkommen. Die rechte Seite zeigt mittig eine schwer zu bestimmende Rankenpflanze, die im Blüten- oder Fruchtstand einen Stamm oder eine Säule umrankt. Beidseitig sind im oberen Bereich Öllampen dargestellt, die ihren Gegenpart in ebenfalls beidseitiger Weise durch Amphoren im unteren Bereich erhalten. Die Gegenseite stellt ein antikes Musikinstrument, wahrscheinlich eine Lyra dar. Über dieser und im Vergleich zu ihr befinden sich zwei filigran gearbeitete Falter. Ein solcher, jedoch überdimensionierter Schmetterling, ziert die Mitte des vorderen Giebelfrieses, hingegen ist die ausgebessert erscheinende Fläche an gleicher Stelle der Rückseite heute leer.

Warum durch den Auftraggeber des Grabmals anstatt eines Wappens oder eines Kreuzes als Verzierung an markanter Stelle ein Schmetterling gewählt wurde, zu dessen Gruppe auch die Art der Seidenspinner gehört, ist unklar. Allerdings galt der Schmetterling schon in der Antike als Sinnbild der Wiedergeburt und Unsterblichkeit, ist aber auch noch in heutiger Zeit neben der Ostung und dem Lamm in christlicher Tradition und Kunst das Symbol für die Auferstehung. 
ANDREAE, Christoph (I53647)
 
2743 Familie von Dienstleuten der Grafen von Kyburg, die nur mit drei Vertretern in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts belegt ist. Ausserdem eine führende Familie in Aarau, deren Abstammung von den kyburgischen Dienstleuten zu vermuten, aber nicht nachgewiesen ist. Die Seon von Aarau waren ab der ersten Nennung 1270 im Rat vertreten. In der dritten Generation stieg Johann zum Schultheissen auf. Er heiratete Elisabeth von Hottingen und zog nach Zürich. Dort gelangte er in den Rat und wurde 1385 Schultheiss. Mit seinem gleichnamigen Sohn, Ritter und Rat von Zürich, starb die Familie nach 1424 im Mannesstamm aus. Die Angehörigen des Zürcher Zweigs heirateten in den Zürcher Stadtadel ein. VON SEON, N. (I46170)
 
2744 Mit dieser Bemerkung ist mindestens eine lebende Person verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt. Lebend (I2973)
 
2745 Familienverhältnisse
Wilhelm war der jüngste Sohn von Roger II. von Sizilien. Er wurde von seinem Vater an Ostern 1151 zum Mitregenten eingesetzt. Nach dem Tod seines Vaters am 26. Februar 1154 war er zwölf Jahre König von Sizilien.

Wilhelm war verheiratet mit Margarete von Navarra. Sein ältester Sohn, Roger, war von Juni 1156 bis zu seinem Tod im März 1161 Herzog von Apulien. Nachfolger wurde Wilhelm II. von Sizilien, dem auch nach dem Tode des älteren Bruders kein Titel verliehen wurde, während der jüngste Bruder, Heinrich († 1172), zum Fürsten von Capua ernannt wurde.

Außenpolitik
Sein größter außenpolitischer Erfolg war der Friedensschluss mit Papst Hadrian IV. im Konkordat von Benevent im Juni 1156, der unter Ausklammerung der territorialen Streitfragen an der Nordgrenze des Königreiches eine fast vollständige Anerkennung der Vorrechte des sizilischen Königs gegenüber der Kirche brachte. Auch die Handels- und Rechtsschutzverträge mit Genua im November 1156 und Venedig (1155?) stärkten das normannische Reich.

Innenpolitik

Sarkophag Wilhelms I. von Sizilien im Dom von Monreale
Innenpolitisch hatte er mit der Opposition des Adels zu kämpfen. Den apulischen Aufstand, der auch von Byzanz unterstützt wurde, hat er 1156 selbst niedergeschlagen: Bari wurde, mit Ausnahme der Basilika San Nicola, dem Erdboden gleichgemacht, die Bewohner vertrieben, einige Anführer verbannt, denen die Vormundschaftsregierung für Wilhelm II. die Rückkehr ermöglichte. Die Politik seines engsten Mitarbeiters Maio von Bari, dessen Karriere am Hof von Palermo bereits in den letzten Jahren Rogers II. begonnen hatte – unter Wilhelm wurde er zum ammiratus ammiratorum (Emir der Emire) –, löste in Palermo Unruhen aus, die zunächst zur Ermordung Maios im November 1160 führten. Im Frühjahr 1161 wurde der König mit seiner Familie sogar gefangen gesetzt. Die Verschwörer wollten Wilhelms Sohn Roger zum König erheben, der jedoch bei den Unruhen ums Leben kam. Nach kurzer Zeit kam Wilhelm wieder frei und konnte die Verschwörung unterdrücken.

Er ist in der Kathedrale von Monreale bestattet, wohin er aus der Capella Palatina überführt wurde. 
(SIZILIEN), Wilhelm I. ´der Böse` (I61490)
 
2746 Fara dürfte im Gebiet um den mittleren Rhein sowie rechts des Rheins begütert gewesen sein. Sein Vater Chrodoald fiel im Jahr 624 bei König Dagobert in Ungnade und wurde von Berthar, einem Parteigänger der Arnulfinger mit Wissen des Königs ermordet. Fara trat später als Freund und Bundesgenosse Herzog Radulfs von Thüringen († 642) auf, mit dem er gemeinsam gegen den fränkisch-austrasischen Regenten Ansegisel und gegen den jungen Merowingerkönig Sigibert III. rebellierte. Allerdings kam er beim Gegenfeldzug Sigiberts III. selbst ums Leben.

Die Quellenlage zu seinem Leben ist sehr dünn und Details sind umstritten; teils wird spekuliert, ob er auch als Herzog von Baiern herrschte. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich. 
GESCHLECHT DER AGIOLFINGER, Fara (I47184)
 
2747 Fels´sches Hausbuch FELS, Sabina Dorothea (I815)
 
2748 Ferdinand I. hatte vor seinem Tod (1065) eine Teilung seines Herrschaftsterritoriums unter seinen Söhnen vereinbart. Während Sancho II. mit Kastilien und Alfons VI. mit León ausgestattet wurden, erhielt García das Königreich Galicien mit dem tributpflichtigen muslimischen Taifa-Königreich von Badajoz.[2] Zu seinem Königreich gehörte auch die Grafschaft Portugal, die vom Rio Miño bis nach Coimbra reichte. Ihr Graf, Nuno Mendes, erhob sich sofort gegen García, der den Grafen aber im Februar 1071 in der Schlacht von Pedroso töten und Portugal damit wieder unter seine direkte Kontrolle bringen konnte.[3]

García konnte diesen Sieg allerdings nicht lange auskosten, denn nachdem seine Mutter im Jahr 1067 gestorben war, kam es zwischen den drei Brüdern zum Machtkampf um das Gesamterbe ihres Vaters. Im Juni 1071 zog Sancho II. von Burgos aus durch León nach Galicien und zwang den unterlegenen García zur Flucht zum maurischen Taifakönig von Sevilla. Als Sancho überraschend im Herbst 1072 starb, konnte García noch einmal in sein Königreich zurückkehren, wurde aber bereits ein Jahr später von Alfons VI. unter dem Vorwand eines Friedensgesprächs gefangen gesetzt.[4] Auf diese Weise konnte Alfons VI. das Reich des Vaters nun unter seiner Herrschaft wieder vereinen. García starb nach 17 Jahren Gefangenschaft und wurde in der Abtei San Isidoro in León bestattet.[5] 
(GALICIEN), Garcia (I37743)
 
2749 Ferdinand von Quast war der Sohn des Gutsbesitzers Wilhelm von Quast (* 1776) und dessen Frau Charlotte Friederike Philippin Louise von Rohr (1786–1879). Er erhielt eine Ausbildung durch Hauslehrer und besuchte dann die Plamannsche Erziehungsanstalt in Berlin und schließlich das Neuruppiner Gymnasium. Letzteres zeigt, dass auch Adlige ihren Sprösslingen das bürgerlich-humanistische Bildungsideal nicht mehr vorenthielten.

Ab 1825 studierte er an der Allgemeinen Bauschule Architektur und Feldmeßtechnik, wo er auch Schüler des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel war, der sich seit 1815, also dem Ende der Befreiungskriege, für Denkmalpflege einsetzte. 1836 legte von Quast sein Baumeisterexamen ab.


Herrenhaus in Radensleben
Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1830 das Gut Radensleben und baute 1833 das Herrenhaus samt Nebengebäuden aus. Er war Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus; politisch gesehen war er konservativ und königstreu.

Schon während seines Studiums reiste er durch Deutschland und bis nach Italien, Frankreich und in die Niederlande. 1838/1839 hielt er sich fast ein ganzes Jahr in Italien auf und studierte die antiken Stätten. Nachfolgend veröffentlichte er mehrere Bücher und hielt u. a. im Alten Museum Vorlesungen über die Geschichte der Baukunst. Bei der ersten Versammlung deutscher Architekten in Leipzig forderte er die Gründung eines allgemeinen Vereins zur Erforschung deutscher Altertümer.

König Friedrich Wilhelm IV., der bereits 1840 Kultusminister von Eichhorn beauftragt hatte, Vorschläge für die Organisation der Denkmalpflege in Preußen zu machen, ernannte am 22. Juli 1843 Ferdinand von Quast zum „Konservator der Denkmäler“ in Preußen. Der Vorschlag für diese Personalie allerdings kam von Karl Friedrich Schinkel, dem die Erhaltung und Pflege der „Altertümer“ seit seiner ersten Italien-Reise besonders wichtig erschienen. Zu den Aufgaben des Landeskonservators gehörte es, zwecks Begutachtung zu den Denkmalen zu reisen, Berichte und Zeichnungen zu den Objekten zu erstellen, mit den zuständigen Beamten vor Ort zu verhandeln und in historischen Gesellschaften mitzuwirken. Da er keinerlei Sachmittel oder gar Hilfskräfte erhielt, ist es überwiegend seinem Enthusiasmus und den Einnahmen aus seinem Gutsbetrieb zu verdanken, dass er diesem Amt bis zu seinem Tode treu blieb.

1854 wurde der Geheime Rat Rechtsritter des für den evangelischen Landadel so traditionsreichen Johanniterordens. Er war damals einer der langjährigsten Mitglieder der Brandenburgischen Provinzialgenossenschaft.[2]

Sein Gut in Radensleben sah viele bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Das Herrenhaus wurde ab 1870 neu errichtet (heutige Form) und ein schöner Park angelegt; heute ist es Sitz einer Senioreneinrichtung, der Park aus der Zeit Quastschen Zeit nur noch schwer nachzuvollziehen.

Ferdinand von Quast starb 1877. Er wurde auf dem von ihm ab 1854 für seine Familie angelegten Campo Santo hinter dem Ostchor seiner Guts- und Patronats-Kirche gegenüber dem Gutsgelände bestattet. Sein Grab ist – ebenso wie die Gräber seiner Familienangehörigen – erhalten.

Bedeutung für die Denkmalpflege
Ferdinand von Quast setzte sich für die weitgehende Bewahrung der originalen Bausubstanz, Zurückhaltung bei der Rekonstruktion und eine sichtbare Unterscheidung von Alt und Neu ein. So entsandte der König ihn nach Lübeck, als er hörte, dass die Lübecker daran dächten, das Holstentor abzureißen, um dem entgegenzuwirken.[3] Da sein Amtsbereich vom Rheinland bis nach Ostpreußen reichte, konnte er die einzelnen Objekte jedoch nur selten und mit großem zeitlichem Abstand besuchen und kontrollieren. Unter anderem entwickelte er einen Fragebogen zur Erfassung der Denkmale in Preußen, der in seinen Grundzügen noch heute verwendet wird.

Nachlass
Der umfangreiche Nachlass Ferdinands von Quast, der sich im Archiv der TU Berlin (zum Zeitpunkt der Übergabe über 7000 Zeichnungen) und im Herrenhaus in Radensleben befand, fiel 1945 zu einem großen Teil den anglo-amerikanischen Bombardements auf Berlin zum Opfer. Immerhin sind in den Archiven der ehemaligen preußischen Provinzen, aber auch in der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin viele Archivalien und Zeichnungen (die kleinste ist 3 × 2 cm groß und enthält eine Ansicht aus Italien) erhalten geblieben. 
VON QUAST, Ferdinand (I52880)
 
2750 Fernand Gustave Halphen (* 18. Februar 1872 in Paris; † 16. Mai 1917) war ein französischer Komponist.

Fernand Halphen entstammte einer wohlhabenden Pariser jüdischen Familie: sein Vater, Georges Halphen (1832–1906), war Diamanthändler, Bankier und Direktor der „Compagnie des chemins de fer du Nord“. Seine Mutter, Henriette Antonia Stern (1836–1905), entstammte der Bankiersfamilie Stern. 1880 wurde er von Auguste Renoir porträtiert. Nachdem er bereits als Kind Unterricht bei Gabriel Fauré hatte, studierte er am Pariser Konservatorium Komposition bei Ernest Guiraud und ab 1892 bei Jules Massenet. 1896 gewann er den Second Grand Prix de Rome mit der Kantate Mélusine.

Halphen komponierte u. a. eine Sinfonie, die in Paris und Monte Carlo aufgeführt wurde, eine Orchestersuite, eine Pantomime (Hagoseida), ein Ballett (Le Réveil du faune) und kammermusikalische Werke. Ab 1907 ließ er für sich und seine Frau bei La Chapelle-en-Serval das Château Mont-Royal errichten, das er ab 1911 bewohnte. Halphen fiel während des Ersten Weltkrieges als Kapitän des dreizehnten Landinfanterieregiments.

Seine Frau Alice de Koenigswarter (1873–1963) gründete die Fondation Halphen, die sich der Unterstützung der Kompositionsschüler am Pariser Konservatorium bei der Veröffentlichung und Aufführung ihrer Werke widmete. 
FOULD, Louise (I55624)
 

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